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Dienstag, 5. Februar 2019

Massive Attack, Frankfurt, 04.02.19

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Konzert: Massive Attack (Mezzanine XX1-Tour)
Ort: Jahrhunderthalle Frankfurt
Datum: 04.02.2019
Dauer: knapp 100 min
Zuschauer: 4.800 (ausverkauft) 



Es gibt immer wieder Konzertabende, über die ich hinterher eine Weile nachdenke, der verstörende Auftritt von Amy Winehouse im Palladium in Köln beispielsweise, in der Regel sind das aber andere Gedanken als der nach dem Abend mit Massive Attack gestern. Nach dem ging mir nämlich vor allem eines durch den Kopf. "Häh?" 

Ich nähere mich dem Konzert chronologisch.

Als ich in der Jahrhunderthalle ankam und gerade noch ein Instagram-Foto des Gebäudes mit dem vermeintlich lustigen Kommentar "Konzert im Kernkraftwerk" gepostet hatte, fühlte ich mich prophetisch. Drinnen liefen ohrenbetäubende monotone Bass-Töne, die vermutlich nur in Industriebetrieben wie Kraftwerken ähnlich sind. Sehr laut, sehr tief und sehr lang. Und ganz deutlich genau so gewollt. Als sich der kommunizierte Beginn von 20 Uhr näherte und die schlimmsten Bass-Phasen schon ein paar Minuten vorbei waren, lief ganz gedämpft vom Band Angels von Robbie Williams. Angels - Angel, erstes Lied von Mezzanine, ich hielt das für einen Gag. Es war einer, allerdings ein viel tiefgreifender. Auf Angels folgte Britney Spears, danach Aerosmith. Spätestens da verstanden wir, daß man uns die britischen Single-Charts von 1998 servierte. 

Die Lieder liefen aber nicht einfach so vom Band, sie klangen dumpf, so als stehe man an der Ampel neben der Dorfjugend und höre durch zwei Satz geschlossene Autoscheiben RPR1 in aller Schönheit, laut und gedämpft. Irgendwann googelten wir mit, sagten Brandy & Monica und Aqua richtig voraus. Mir gefiel das Spiel und die - so deute ich es - Kulturkritik in diesem Vorprogramm ganz ausgezeichnet. Vielleicht auch, weil Lemon tree zwei Jahre vorher erfolgreich war.

Setlist Britische Single-Charts von 1998:

01: Robbie Williams - Angels

02: Britney Spears - ... Baby one more time
03: Aerosmith - I don't want to miss a thing
04: All Saints - Never ever
05: Chumbawamba - Tubthumping
06: Madonna - Frozen
07: Cher - Believe
08: Brandy & Monica - That boy is mine
09: Savage Garden - Truly madly deeply
10: Aqua - Doctor Jones

Danach betraten die Vertreter der guten britischen Musik der 90er die Bühne. Massive Attack waren zu siebt.  Zu Gesangsparts sollten später immer wieder Elizabeth Fraser und Horace Andy mit auf die Bühne kommen.

Die Tour heißt Mezzanine XX1 und feiert - Überraschung - 21 Jahre drittes Album. Das Konzept dazu ist durchdacht und  ziemlich großartig: wir spielen alle Songs des Albums und covern dann die Lieder, die wir in unseren Stücken gesampelt haben. So begann das Konzert nach einer Strobo-Attacke mit I found a reason (The Velvet Underground), das in Risingson von Massive Attack zitiert wird. Untermalt wurde das Stück von Videos u.a. vom Jungenwangen streichelnden Saddam Hussein, der Hochzeitskutsche von Fergie und Andrew, hinter der die Prinzessinnen Di und Anne herliefen, von der Produktion von Barbiepuppen und einer künstlich aussehenden Stadt am Wasser. 

Die Videoprojektionen der Tour stammen von Adam Curtis, der sie mit "The show tells the story of the strange journey we have all been on over the past twenty years since Mezzanine was released: How we have moved into a strange backward-looking world, enclosed by machines that read our data and predict our every move, haunted by ghosts from the past" beschreibt. Und genau die Projektionen waren es, die mich verunsichert zurückließen. Manipulation, das Abgreifen von Daten, unmenschliche Produktionsbedingungen, Krieg waren die Haupt-Themen. Und Prinzessin Di. Dazu kamen immer wieder Botschaften wie "die Vergangenheit hat die Zukunft geprägt" (auf Deutsch) oder bei See a man's face: "One people, one empire, one leader. - Wir sind das Volk. - Wir sind mehr." Was heißt das? Wir sagen auf, was uns aufgesagt wird? Alles schlecht, egal, worum es geht? Ich verstehe es nicht. Daß das Nazi-Mantra übersetzt wurde, hatte wohl Pietätsgründe.

Sehr bedrückend waren die Bilder zum Cover Where have all the flowers gone? Man sah dort Tote, vermutlich Opfer von Krieg oder Terror und Trauernde, zivil wie militärisch. Nahaufnahmen der toten Menschen. Dann Alice im Wunderland, Putin auf dem Roten Platz und Trump.

Trump tauchte oft auf, mal morphten alle möglichen Gesichter in das des US-Präsidenten, mal hatte er Putins Augen. Das war alles sehr clever irgendwie, mir erschließt es sich aber nicht richtig. In anderen Videos waren die Namen von opioidhaltigen Medikamenten eingeblendet. The opioid crisis reaches Hoechst. Da die Projektionen ein zentraler Bestandteil der Show sind, machen sie dann natürlich auch einen wichtigen Teil des Eindrucks aus, den der Abend hinterläßt. Bei mir eben "häh?"


Zwischendrin aber auch eine wundervolle Idee! Zu Dissolved girl liefen über die Leinwand hinter der Band drei verschiedene youtube-Videos von Fan-Coverversionen, meist das von einer Frau namens Corey Styles. Wie toll!





 
Was mich musikalisch erwartete, wußte ich grob. Ich hatte keinen Vergleich, weil ich die Band vorher noch nie gesehen hatte. Es gab Phasen des Konzerts, die Längen hatten (die Gefahr gibt es ja immer, wenn eine Band eine Platte komplett spielt), andere waren anstrengend. Aber ich bin auch kein Hardcore-Fan und war vor allem aus Neugierde da. Von der Kombination aus Album und Cover-Versionen hatte ich gelesen. So etwas finde ich extrem spannend. Warum Massive Attack Avicii coverten, weiß ich nicht und ob Bela Lugosi's dead Sample-Grundlage eines ihrer Songs ist, auch nicht. 

Die erschreckenste Erkenntnis des rätselhaft-eindrucksvollen (oder eindrucksvoll-rätselhaften) Abends war, daß ich vor der Haustür stehend "do youuuu believe in life after loooove" im Ohr hatte. 

Setlist Massive Attack, Jahrhunderthalle Frankfurt:

01: I found a reason (The Velvet Underground Cover)

02: Risingson
03: 10:15 Saturday night (The Cure Cover)
04: Man next door*
05: Black milk**
06: Mezzanine
07: Bela Lugosi's dead (Bauhaus Cover)
08: Exchange
09: See a man's face (Horace Andy Cover)*
10: Dissolved girl
11: Where have all the flowers gone? (Pete Seeger Cover)**
12: Inertia creeps
13: Rockwrok (Ultravox cover)
14: Angel*
15: Teardrop**
16: Levels (Avicii cover)
17: Group four**


* gesungen von Horace Andy
** gesungen von Elizabeth Fraser







Sonntag, 22. Oktober 2017

Sigur Rós, Frankfurt, 14.10.17

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Konzert: Sigur Rós
Ort: Jahrhunderthalle, Frankfurt
Datum: 14.10.2017
Dauer: knapp 60 & 55 min
Zuschauer: 4.800 (ausverkauft)



"We’re getting in touch to let you know that there’s been a change in delivery method to your tickets for the upcoming Sigur Rós show. In an effort to ensure that your order is received in time for the show, all ticket orders have been updated to e-tickets. You can expect to receive your e-tickets within the next 7 working days. Please note your e-tickets will come from the email address..."

Drei Wochen vor dem Konzert war Songkick eingefallen, daß mein Anfang Februar bestelltes Ticket ja auch irgendwann mal verschickt werden muß. Mir dagegen war entfallen, daß ich nicht eins sondern zwei geordert hatte. Beim Ausdrucken des (jetzt) e-Tickets kamen zwei aus dem Drucker. Nach acht Monaten kann man so etwas mal vergessen.



Ich war gar nicht sicher, ob ich Sigur Rós wirklich sehen wollte. Ich liebe die Musik, keine Frage. Auch habe ich bisher kein schlechtes Konzert des Isländischen Nationalheiligtums gesehen. Aber zuletzt hatten Sigur Rós live nur noch als Trio gespielt - und das hatte ich schon gesehen. Aber wie so oft gilt: wenn die sich schon die Mühe machen, extra nach Deutschland zu kommen, dann kann ich schlecht absagen. Das wäre unhöflich.

Beim Kauf meines ähh meiner Tickets hatte ich mich natürlich für Frankfurt und gegen das Palladium entschieden. Die Jahrhunderthalle hatte ich als viel angenehmer in Erinnerung (außer die Parksituation!). Als ich drin stand und problemlos sehr weit nach vorne kam, war diese Entscheidung noch einmal als sehr clever bestätigt. 

Es sollte um acht vorgruppenfrei beginnen, die zusätzliche halbe Stunde dummen Rumstehens war dann offenbar der Ersatzsupport und ein wenig ärgerlich. Eine der vielen Unsitten bei uns, Konzerte später beginnen zu lassen, um mehr Getränke zu verkaufen. Die halbe Stunde mehr war auch deshalb schwierig, weil die immergleiche Walgesang-CD lief und uns langsam müde machte. 

Um halb neun traten die drei übriggebliebenen Sigur Róse auf, Sänger Jónsi Birgisson, Bassist Georg Hólm und Schlagzeuger und Keyboarder Orri Páll Dýrason. Die Bühne war so, wie ich sie vom Primavera Sound Festival in Erinnerung hatte. Da hatte die Band hinter einer Art Metall-Vorhang gestartet, man sah die Musiker hinter dieser Projektionsfläche, wo sie dicht an dicht das neue Lied Óveður spielten. Auch in Frankfurt begann es mit etwas Neuem, es war allerdings Á (was auch immer das heißen mag). Und die Band stand vor dem Vorhang, der eine LED-Projektionsfläche war. Das Konzert war zweigeteilt, hatte ich vorher erfahren. Die erste Hälfte war im Prinzip recht ereignislos, was nicht negativ gemeint ist. Es fanden aber keine großen Aktionen auf der Bühne statt, nichts Überraschendes, keine Blaskapelle, die einmal quer durchs Bild marschiert, keine weiteren Musiker, keine Positionswechsel. Orri hatte eine spannende Kombination aus Schlagzeug und Keyboard - die Bassdrum war Teil der Keyboard-Befestigung. Wollte der Musiker also von den Drums zu den Tasten wechseln, musste er den Körper nur ein wenig drehen. 

Zweimal gab es Aktionen auf der Bühne. Nach dem fünften Lied sprachen sich Jónsi und Orri länger (und für Sigur Rós ungewöhnlich) ab. Es gab wohl technische Probleme, irgendetwas stimmte nicht. Beim letzten Lied Varða tauschten Georg und Orri die Plätze. Wir fragten uns, ob der Keyboard-Part vielleicht zu schwer zu spielen sei, die Melodie des neuen Stücks klang aber nicht zu kompliziert. Georg blieb sitzen und spielte weiter, während die beiden anderen die Bühne verließen. Warum er und nicht Orri diese Aufgabe hatte, wird ein Geheimnis blieben.

Der erste Konzertteil war schön, manchmal aber auch ein wenig sehr ruhig. Es gab einige Postrock-Phasen, es gab aber auch viele wenig rabaukige Stellen. Vielleicht lag das auch an den drei neuen Liedern, die ich noch nicht kannte. 

Nach zwanzig Minuten Pause ging es weiter. Während die Band weg war, hatten Helfer einiges an den Stangen der Bühnenkonstruktion geändert, die Pause schien also durchaus technische Gründe zu haben. Teil zwei begann so wie der Barcelona-Auftritt. Die drei Musiker standen jetzt hinter der Vorhang und spielten Óveður. Dabei standen die drei dicht beieinander. Als während Sæglópur der Vorhang hochging und Sigur Rós nach vorne kamen, begann die stärkste Zeit des Konzerts. Denn jetzt war da nicht bloß eine Band, die vor einer LED-Wand und zwischen Pfosten, auf denen Lampen aufblitzten, spielten, in der zweiten Hälfte bekam die Bühne Tiefe, die optischen Effekte bekamen mehr Raum und damit eine dritte Dimension (im übertragenen Sinne). Nicht nur die Musik wurde immer aufregender, auch die visuelle Untermalung wurde es. Mal gab es Sternenhimmel, mal eine Art Nordlichter, mal (bei Ný batterí) ein Gewitter. 

In der ersten Konzerthälfte gab es durchaus Längen, die ich bisher bei Sigur Rós nicht erlebt habe, die zweite machte Lust, nicht bloß zwei sondern gerne auch vier Stunden dazubleiben. Bei Liedern wie Vaka, Festival, dem wuchtigen Kveikur und dem traditionell abschließenden Popplagið ist dies auch nicht schwierig.

Am Ende schmissen Jónsi seine Gitarre und Orri sein Schlagzeug um. Rock'n'roll, oder wie auch immer das auf Isländisch (oder Hopelandic) heißt. Jónsi bedankte sich in seiner Muttersprache (oder er beschimpfte uns, wer weiß das schon?), Zugaben gab es nicht.

Sigur Rós können mich durchaus auch in der abgespeckten Dreierversion begeistern. Wobei sie eigentlich ein heimliches viertes Mitglied auf der Bühne hatten - die irren optischen Untermalungen.


Setlist Sigur Rós, Jahrhunderthalle, Frankfurt:

01: Á
02: Ekki múkk
03: Glósóli
04: E-bow
05: Dauðalagið
06: Niður
07: Varða

08: Óveður
09: Sæglópur
10: Ný batterí
11: Vaka
12: Festival
13: Kveikur
14: Popplagið

Links:

- aus unserem Archiv:
- Sigur Rós, Barcelona, 04.06.16
- Sigur Rós, Düsseldorf, 25.11.13
- Sigur Rós, Frankfurt, 24.11.13
- Sigur Rós, Esch-sur-Alzette, 23.11.13
- Sigur Rós, Larmer Tree Gardens, 31.08.13
- Sigur Rós, Rom, 28.07.13
- Sigur Rós, Hilvarenbeek, 23.06.13
- Sigur Rós, Wien, 04.09.12
- Sigur Rós, Paris, 15.11.08
- Sigur Rós, Köln, 11.08.08


Samstag, 30. November 2013

Sigur Rós, Frankfurt, 24.11.13

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Konzert: Sigur Rós
Ort: Jahrhunderthalle, Frankfurt
Datum: 24.11.2013
Dauer: Sigur Rós ca. 90 Minuten, I Break Horses ca. 25 Minuten
Zuschauer: ca. 4.000 



von Ursula von neulich als ich dachte 

Was ist das nur dieses Jahr? Ich, die es eigentlich gar nicht mag, dieselbe Band mehrfach auf derselben Tournee zu sehen, scheine dieses Jahr kaum etwas anderes zu tun: Nach CocoRosie, Enno Bunger und Editors sah ich gestern nun auch Sigur Rós ein zweites Mal. Als wir uns entschlossen, im Sommer nach Rom zu fahren und ein Konzert der Isländer zu besuchen, waren die Tickets für Frankfurt nämlich bereits gekauft gewesen. 


Anders als in Rom gab es für den Auftritt in Frankfurt eine Vorband, I Break Horses aus Schweden. Von Christoph, der die Bands bereits am Vorabend in Luxemburg gesehen hatte, wussten wir schon, dass der bereits für den Auftritt der Hauptband zwischen Bühne und Zuschauerraum angebrachte durchsichtige Vorhang erst bei deren drittem Song fallen würde, und so kam es dann auch: I Break Horses blieben für ihr kurzes Set also komplett hinter dem Stofftuch und waren so teils nur als Umrisse wahrnehmbar. Man konnte aber auch so sehen, dass die Band aus einer Keyboard spielenden Sängerin, einem weiteren Keyboarder und einem Schlagzeuger bestand. Während die Sängerin ein gewagtes schwarzes Cape trug, das sie auch mehrfach mit gehobenen Armen präsentierte, trugen die Herren Kapuzenpulli. 

Die Musik erschien mir passend zum Cape etwas Addams-Family-mäßig düster, wobei sich angesichts der Kürze des Auftritts (fünf Songs in etwa 25 Minuten) von mir nicht allzu viel dazu sagen lässt. Die theatralischen Gesten der Sängerin fand nicht nur ich ein wenig albern (neben mir wurde gekichert), so dass ich insgesamt sagen muss: I Break Horses interessieren mich nicht sonderlich, so dass ich mir das im Januar erscheinende neue Album Chiaroscuro wohl nicht anhören werde. 

In der nun folgenden Umbauspause lief eine für mich enervierende "Wartemusik", die ich bereits aus Rom kannte und die aus genau zwei langgezogenen, an- und abschwellenden Noten bestand. Zum Glück kamen Sigur Rós dann gegen 21 Uhr auf die Bühne und erlösten uns mit Yfirborð. Neben den drei verbleibenden Bandmitgliedern hatte sich auch zwei zusätzliche Musiker, die sich an einer Vielzahl von Instrumenten betätigten, eingefunden, außerdem gab es noch drei Streicherinnen und drei Bläserinnen und Bläser im Hintergrund, die ich allerdings im Nebel hinterm Vorhang zunächst kaum ausmachen konnte. 

Die dreiköpfige Sigur Rós-Stammbesetzung selbst - Jón Þór „Jónsi“ Birgisson, Georg „Goggi“ Hólm (Bass) und Orri Páll Dýrason (Schlagzeug) - trug einmal mehr Phantasieuniformen, dieses Mal in Hemdform, wobei die Bekleidungsstücke einander zwar stark ähnelten, aber unterschiedliche Farben hatten. Die Bühne wurde wie schon in Rom von einem Meer aus Glühbirnen beleuchtet, die an unterschiedlich hohen Stehfassungen befestigt waren. 

Während bei Yfirborð Projektionen sowohl auf den Bühnenvorhang als auch auf die in der Höhe verstellbare Leinwand im Hintergrund geworfen worden waren, zeigte beim nun folgenden Vaka nur der Vorhang eine Gasmaskenfigur aus dem zugehörigen Video. Nachdem wir über die Vorhangsituation ja wie gesagt bereits bestens informiert worden waren, waren wir nicht sonderlich überrascht, als bei der Single Brennisteinn die Sicht auf die Band endlich frei wurde, allerdings erfolgte der Fall des Schleiers perfekt abgestimmt bei einem "Krach" im Lied, was durchaus beeindruckend war. 


Die mitgebrachten Extramusiker betätigten sich immer wieder an den verschiedensten Instrumenten, beispielsweise war einer bei Hrafntinna an einem Extraschlagzeug auf der linken Bühnenseite mit scheppernden Klängen beschäftigt, während der andere rechts die Becken zusammen schlug. Auch die Streicher- und Bläserinnen hatten mehrere Aufgaben und sangen so auch am Ende von Varúð mit. 

Hoppipollas Anfang wurde vom Publikum besonders bejubelt, überhaupt war das Album Takk - abgesehen natürlich vom aktuellen Kveikur - mit den meisten Songs vertreten, Ágætis byrjun wurde leider gar nicht berücksichtigt. Mit einer Art Winkegeste forderte der ansonsten selbst für seine eigenen Verhältnisse wortkarge Jónsi das Publikum zum Mitklatschen auf. Währenddessen sprühten auf der Leinwand im Hintergrund Funken. 

Nachdem Kveikur sich am Ende in eine Krachorgie gesteigert hatte, verließen die anderen Musiker die Bühne und ließen Jónsi zurück, der nun zunächst mit dem Geigenboggen auf seiner Gitarre schrammelte, um dann Festival zunächst allein an der Gitarre vorzutragen. Eine auch in der aufgenommenen Version lange Note hielt er live geradezu endlos, was ihm von der anschließend zurückkehrenden Band ein anerkennendes Schulterklopfen einbrachte. 

Irritierenderweise entpuppte sich der nun folgende Song als Popplagið - das Lied, das traditionell jedes Sigur Rós-Konzert abschließt. Sollte das etwa bedeuten, dass es keine Zugabe geben würde? In der Tat, das hieß es. Nach diesem Lied und rund 90 Minuten kamen alle Musiker noch mehrmals zum Verbeugen zurück, während auf der Leinwand groß "Takk" stand, aber dann war überraschenderweise Schluss. 

Nachdem ich mich im Songmaterial von Sigur Rós nur oberflächlich auskenne und auf Isländisch auch keine Textfetzen mitschreiben kann, konnte ich die Frankfurter Setliste erst hinterher per Internet recherchieren. Sie entpuppte sich im Nachhinein als nahezu identisch zu der des Vorabends in Luxemburg, lediglich der Titelsong von Ágætis byrjun, zu dem Jónsi laut Konzertbericht am Vorabend gesagt hatte, man werde es wahrscheinlich nicht wieder spielen, fehlte tatsächlich. An und für sich bin ich auch gar kein riesiger Fan von Zugaben (beziehungsweise von der Tatsache, dass der ganze Prozess stets so stereotyp abläuft, wenn sie doch fest eingeplant sind), aber in diesem Fall kam das Ende dann doch ein wenig überraschend. 

Im Vergleich zum Rom-Auftritt im Sommer fehlten im Frankfurter Set leider auch Olsen Olsen und Svefn-g-englar, was in diesem Fall leider bedeutete, dass der zweite Konzertbesuch des Jahres gegenüber dem ersten eher eine Verschlechterung war. 

Setlist Sigur Rós, Jahrhunderthalle, Frankfurt: 

01: Yfirborð 
02: Vaka 
03: Brennisteinn 
04: Glósóli 
05: Stormur 
06: Hrafntinna 
07: Sæglópur 
08: Varúð 
09: Hoppípolla 
10: Með Blóðnasir 
11: Rafstraumur 
12: Kveikur 
13: Festival 
14: Popplagið 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Sigur Rós, Düsseldorf, 25.11.13
- Sigur Rós, Esch-sur-Alzette, 23.11.13
- Sigur Rós, Rom, 28.07.13
- Sigur Rós, Best Kept Secret Festival, 23.06.13
- Sigur Rós, Wien, 04.09.12
- Sigur Rós, Paris, 15.11.08
- Sigur Rós, Köln, 11.08.08


Fotos: Dirk von Platten vor Gericht




Sonntag, 21. April 2013

Lana del Rey, Frankfurt, 20.04.13

7 Kommentare

Konzert: Lana del Rey 
Ort: Jahrhunderthalle, Frankfurt 
Datum: 20.04.13 
Zuschauer: ca. 4800 (ausverkauft) 
Dauer: Lana del Rey 85 Minuten, Kassidy ca. 30 Minuten 


von Ursula von neulich als ich dachte


Was war das für ein Krimi gestern! Lana del Reys Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle war bereits lange vor seinem Stattfinden ausverkauft gewesen. Für Kurzentschlossene blieb nur noch eBay, doch dort erreichten selbst am Tag des Konzerts die Tickets geradezu astronomische Preise. Letztlich ergatterten wir dann noch zwei Karten zu dem Preis, den sie auch im Vorverkauf gekostet hätten (was immerhin auch teure 45 Euro pro Ticket waren), holten diese – es war bereits Abend - in einem Frankfurter Vorort ab und machten uns damit schnellstens auf den Weg zur Jahrhunderthalle. So hatten wir uns das zumindest vorgestellt, tatsächlich fuhren wir schon lange vor der Autobahnausfahrt „Jahrhunderthalle“ in einen so gewaltigen Stau, dass ich mich fragte, wie viele Gäste diese Jahrhunderthalle eigentlich fasst. 


So näherte sich und verstrich der auf den Tickets angegebene Beginn des Konzerts (20 Uhr), ohne, dass wir auch nur in der Nähe der Halle waren. Nicht zum ersten Mal ärgerte ich mich dabei über die deutsche Gewohnheit, einfach eine Uhrzeit auf die Eintrittskarten zu schreiben, ohne dabei zu erläutern, ob es sich um die Einlass- oder Anfangszeit handelt. Die Briten schreiben sehr gerne Dinge wie „Doors: 8PM“, da weiß man zumindest gleich Bescheid. 

Schließlich passierten wir die neben der Jahrhunderthalle liegende Fraport-Arena, in der offenbar ein Basketballspiel stattfand, zu dem in etwa die Hälfte der Staumitglieder abbogen. Parken, Einlass und Garderobenabgebe waren dann anschließend vergleichsweise flott zu erledigen, so dass wir um etwa viertel nach Acht in die Halle eilen konnten – wo sich zwar zeigte, dass 20 Uhr in der Tat die Konzertbeginnzeit gewesen war, zum Glück aber die der Vorband Kassidy. 

Kassidy boten extrem amerikanisch klingenden Gefühlsrock (die Band
stammt aber in Wirklichkeit aus Schottland), der mich so gar nicht packen konnte, aber offenbar viele im Saal begeisterte – es handelte sich eben um ein Mainstream-Konzert. Nachdem die Vorband überstanden war, hatten wir Zeit, uns ein wenig umzusehen und stellten fest, dass sicherlich zwei Drittel des Publikums weiblich waren – leider waren die wenigen Männer allerdings sehr groß und standen vor mir. 

Dieses Problem ließ sich trotz einer relativ langen Umbaupause und einigen Versuchen, weiter nach vorne zu gelangen, nicht lösen, so dass ich, als Lana del Rey zu ohrenbetäubendem Beifall und auch viel Gekreische die Bühne betrat, zunächst gar nicht sah und auch im Verlauf des Konzerts nur immer wieder einmal einen Blick auf die Sängerin erhaschen konnte. Viele Aspekte der nachfolgenden Beschreibungen musste ich deshalb den Eindrücken meines Begleiters – und seinen Fotos – entnehmen. 


Die Bühne war – als Indie-Konzert-Besucher ist man ja an nichts gewöhnt – recht aufwändig dekoriert. Zwei große Löwenskulpturen markierten die beiden Bühnenränder, dazu gab es riesige Kerzenleuchter (sicher elektrisch), Palmen, mehrere auf den Dekoelementen trohnende, Schmuck tragende Raben und eine Hängelampe. All das befand sich vor eine goldenen „Häuserwand“, die scheinbar von Pflanzen bewachsen und Spinnweben überzogen war, tatsächlich aber als Projektionsfläche für Videos und Filme diente. 

Lana selbst trug ein relativ schlichtes schwarzes Kleid, dazu aber einen Blumen-Kopfputz, der dem Single-Cover von Video Games ähnelte, und von dem auch noch bunte Bänder herabhingen. 

Das Konzert begann mit Cola und hielt sich über weite Strecken an die 15 bis 17 Titel umfassende Setliste, die die Künstlerin zurzeit bei allen ihren Auftritten nutzt. Sie verließ mehrmals, auch schon während Cola, die Bühne, um zu den jungen, größtenteils weiblichen Fans in den ersten Reihen zu gehen (ob die wohl alle wussten, was sie da singt?). 

Zu den Singles wurden auf der „Wand“ jeweils die zugehörigen Videoclips eingespielt, bei anderen Songs gab es thematisch passende Bilder: Zu Million Dollar Man zeigte man Spielkasino-Schriftzüge aus Las Vegas, Bilder von Elvis, Marilyn und Jesus bei Body Electric („Elvis is my daddy, Marilyn’s my mother, Jesus is my bestest friend“), Raketenstarts und weitere typisch amerikanische Ikonen bei American. 

Von den drei Coverversionen, die Lana bei ihrer aktuellen Tour häufig spielt, wurde Heart Shaped Box von Nirvana weggelassen. Der H&M-Werbesong Blue Velvet ließ die Bühne in wiederum dazu passendem blauen Licht erstrahlen, Knocking On Heaven’s Door (was bringt Künstler eigentlich dazu, dieses ausgelutschte Lied covern zu wollen?) wurde zu meiner Erleichterung nur kurz angespielt. 

Bei der Band war, wie schon bei der Bühnendekoration, nicht gespart worden: Vier männliche Musiker bedienten Gitarre, Piano/Flügel, Bass und Schlagzeug, vier Musikerinnen spielten, mit Blume in Haar, Geigen und Cellos. Die Musiker agierten im Hintergrund, wurden auch nicht vorgestellt, verneigen sich aber am Ende gemeinschaftlich am Bühnenrand. 

Was gibt es sonst noch zu berichten? Ride wurde von einem so langen Intro eingeleitet, dass mein Begleiter schon vermutete, die gerade abwesende Lana sei gerade beim Kostümwechsel, das entpuppte sich jedoch als falsche Hypothese. Bei Summertime Sadness ging zu Beginn irgendetwas Technisches schief, so dass zum zweiten Mal angesetzt werden musste. Und der letzte Song, National Anthem wurde durch einen unfassbar langen Instrumentalteil auf sicherlich mehr als zehn Minuten gedehnt. Lana nutze ihn dafür, Geschenke entgegen zu nehmen, Autogramme zu geben und Fans zu umarmen, was man auf der Videoleinwand beobachten konnte. 

Wie gefiel mir all das nun? Ehrlich gesagt war es dauerhaft ziemlich störend,
dass ich so gut wie nichts sehen konnte. Ein Versinken in das Konzerterlebnis war auf diese Art schlicht unmöglich. Dafür konnte ich mich besser auf Lana del Reys Singstimme konzentrieren, deren Livequalitäten ja bereits massiv kritisiert wurden. In Frankfurt sang sie größtenteils wunderbar. Auch die Songs – im Grunde gibt es ja erst ein, mit jedem Re-Release länger werdendes, Album – gefielen mir live ausgesprochen gut, und ich dachte mir bei vielen am Anfang „Ach stimmt ja, das ist ja auch ein tolles Lied“. 

Kritisieren würde ich die arg generischen Zwischenansagen. Schön, dass sich Lana freute, anwesend zu sein, sie äußerte auch mehrmals ihre Dankbarkeit für die Begeisterung des Publikums, aber irgendwie beschränkten sich ihre Äußerungen auf Sätze, die man so schon hundertmal bei anderen Konzerten gehört hatte. Dem wiedersprach allerdings ihre bereits erwähnte intensive Fanbetreuung während der Gesangspausen. 

Insofern war das für eine Künstlerin, die im Grunde noch am Anfang ihrer zugegebenermaßen steilen Karriere steht, ein durchaus schöner Auftritt. Ich bin gespannt, wie es weiter geht und packe beim nächsten Konzert Stelzen ein. 

Setlist Lana del Rey, Jahrhunderthalle, Frankfurt: 

01: Cola 
02: Body Electric 
03: Gods and Monsters 
04: Blue Jeans 
05: Born to Die 
06: Carmen 
07: Million Dollar Man 
08: Blue Velvet (Tony Bennett Cover) 
09: American 
10: Without You 
11: Knockin' on Heaven's Door (Bob Dylan Cover) 
12: Ride 
13: Summertime Sadness 
14: Burning Desire 
15: Video Games 
16: National Anthem

Links:

- aus unserem Archiv:
- Lana Del Rey, Paris, 23.11.11

Fotos: Dirk (Lana del Rey), Christoph (Jahrhunderthalle-Symbolbild)



Samstag, 23. Juni 2012

Get Well Soon, Frankfurt, 22.06.12

2 Kommentare

Konzert: Get Well Soon
Ort: Lüften Festival, Frankfurt
Datum: 22.06.2012
Dauer: 60 min


An diesem Wochenende finden die Southside / Hurricane Zwillinge mit üblich hochkarätiger Besetzung statt. Die Stone Roses, New Order und The Cure klingen zwar nicht nach einem 2012er Lineup, spülen das Festivaldoppel aber locker in die erste Liga der europäischen Musikszene. Ich mag aber deutsche Riesenfestivals nicht, weil da alles unangenehmer, anstrengender und ekliger als bei englischen zum Beispiel ist. Solange die Smiths oder The Organ nicht bei Melt, Rock am Ring oder Hurricanesouthside spielen, bin ich nicht da.

Wieso sollte ich auch, wenn es in Frankfurt beim neuen Lüften Festival die beiden besten deutschen Bands zu sehen gibt? Und dazu die wundervollen Shins, Whitest Boy Alive und Ja, Panik und die beiden spannend klingenden Hypes Breton und When Saints Go Machine. Das komplette Programm der dreitägigen Veranstaltung klingt verlockend, der Freitag war überragend (höchstens ein wenig zu gut).

Das Lüften Festival ist nicht nur ein Musikfest, es verbindet verschiedene Kunstformen, Performances, Tanz, Bildende Kunst. Es hätte unglaublich viel zu entdecken gegeben, wenn die Zeit gereicht hätte! Der Weg zwischen Einlass und Halle war mit Autos und Bussen, die Künstlern als Bühne oder Leinwand dienten, zugestellt. In einem Käfig zwischen den Autos spielte eine schreiende Punkband. Man hätte sicher keine Mühe gehabt, den Tag auch ohne Musik spannend zu verbringen. Wir sind aber Fachidioten und bekamen bei den Namen Get Well Soon, Notwist, Shins... schon so feuchte Hände, daß für Schreihälse hinter Gittern keine Muße blieb.

Get Well Soon machte den Anfang. Ich wollte den Bericht eigentlich mit der Frage beginnen, ob ein Konzert der Band von Konstantin Gropper noch spannend sein kann. Da ich die aber auch schon einige Male gestellt habe, lasse ich es. Man mag der Band vieles nachsagen. Daß sie hüftsteif oder schwermütig sind, zum Beispiel. Aber langweilig? Bitte!

Am 24. August erscheint The Scarlet Beast O'Seven Heads, das dritte Album der Band. Vorab wurde mit You Cannot Cast Out the Demons (You Might As Well Dance) ein Appetitanreger veröffentlicht, der seinen Job hervorragend erledigte. Ich hatte vor dem Konzert auf mehr gehofft.

Als Get Well Soon um 17 Uhr begannen ("mittags um 17 Uhr" stellte Konstantin Gropper klar), waren leider noch nicht schrecklich viele Zuschauer vor der Open Air Bühne. Diesmal standen sechs Musiker auf der Bühne: Gitarrist Maxxi, Schlagzeuger Paul, Bassist Timo, Konstantin, seine Schwester Verena und Keyboarder Marcus.

Die alten Stücke haben wir oft genug gewürdigt, und sie sind natürlich immer noch wunderbar. Ein gutes Buch wird ja auch nicht schlecht mit der Zeit, I sold my hands for food so please feed me wird das auch nie werden.

In der Mitte des Sets kündigte Konstantin Gropper das erste neue Lied an. Courage, Tiger! hat als prägendes Stilelement einen verzerrten Text (oder Gesang) von Marcus, der über die gesamte Liedstrecke ununterbrochen in sein Mikro sprach. Das Stück war beruhigend gut und wäre mir noch deutlicher in Erinnerung geblieben, wenn es nicht von Plattenkollege Roland, I feel you in den Schatten gestellt worden wäre. Roland... fängt mit einem schief klingenden Keyboard an, hat Balkantrompeten und ist wohl ein Chanson, was sich gerade in der Kombination schrecklich liest, es ist aber ein unglaublich schönes Lied, das neben Seneca's silence und den anderen üblichen Verdächtigen gestern zu meinen Lieblingen zählte. Ich hätte die Platte eh in der limitierten Schnickschnack-Version, die es sicher geben wird, gekauft, jetzt ärgere ich mich gerade sehr, daß noch nicht August ist.

Aber jetzt muß ich weiter, The Notwist spielen gleich!

Setlist Get Well Soon, Lüften Festival, Frankfurt:

01: I sold my hands for food so please feed me
02: Seneca's silence
03: We are free
04: 5 Steps / 7 swords
05: A voice in the Louvre
06: Courage, Tiger! (neu)
07: We are ghosts
08: Roland, I feel you (neu)
09: A burial at sea
10: Good Friday
11: Angry young man

Links:

- aus unserem Gropper-Verzeichnis:
- Get Well Soon, Mannheim, 21.05.11
- Get Well Soon, Mannheim, 21.05.11
- Get Well Soon, Wien, 23.11.10
- Get Well Soon, Rüsselsheim, 09.07.10
- Get Well Soon, Dortmund, 05.05.10
- Get Well Soon, Paris, 16.03.10
- Get Well Soon, Heerlen, 07.03.10
- Get Well Soon, Frankfurt, 02.03.10
- Get Well Soon, Paris, 26.01.10
- Get Well Soon, Wiesbaden, 22.08.09
- Get Well Soon, Bonn, 04.07.09
- Get Well Soon, Paris, 06.05.09
- Get Well Soon, Nijmegen, 25.04.09
- Get Well Soon, Paris, 14.10.08
- Get Well Soon, Wiesbaden, 30.08.08
- Get Well Soon, Melt!, 20.07.08
- Get Well Soon, Evreux, 28.06.08
- Get Well Soon, Frankfurt, 15.04.08
- Get Well Soon, Köln, 09.04.08
- Get Well Soon, Berlin, 21.09.07
- Get Well Soon, Haldern, 02.08.07



Donnerstag, 29. Oktober 2009

Maximo Park, Frankfurt, 28.10.09

10 Kommentare

Konzert: Maximo Park
Ort: Jahrhunderthalle, Frankfurt
Datum: 28.10.2009
Zuschauer: nicht ausverkauft
Dauer: Maximo Park 70 min, Blood Red Shoes 30 min


Die komischste Szene des Konzerts spielte sich gegen Ende ab. Keyboarder Lukas, der wie immer einen großen Teil des Konzerts irgendwo über die Bühne laufend verbrachte, kippte nicht nur an seinem Instrument rum, er kletterte drauf! Seine Aussage bei unserem Interview mit ihm und Schlagzeuger Tom English kurz vor dem Konzert, daß er keine roten Keyboards mehr habe, weil die nicht besonders haltbar gewesen seien, machte damit auf einmal perfekt Sinn!

Auch über ihre Auswahl der Vorgruppen hatten die beiden Maximo Parks viel erzählt. Üblicherweise bringen große britische Bands ja keinen Support nach Deutschland mit sondern überlassen es dem Veranstalter, sich darum zu kümmern. Nicht immer gelingt das. Daß man als Vorgruppe große Namen oder zur Zeit sehr hippe Bands präsentiert bekommt, ist außerhalb Englands leider die große Ausnahme. Nicht so bei Maximo Park. Die Newcastler bringen grundsätzlich Wunschbands mit. Kein Wunder also, daß mit Pete & The Pirates und den Blood Red Shoes auf der aktuellen Tour gleich zwei Lieblingsgruppen zu sehen waren. In Glasgow übernahm diesen Part Malcolm Middleton, also alles alte Bekannte unserer Seite.

Zwei für die späte Uhrzeit noch viel zu lange Schlangen vor den Türen ließen mich die ersten ein oder zwei Lieder der Blood Red Shoes diesmal leider verpassen. Seit den Pixies hatte sich der Innenraum der Jahrhunderthalle verändert. Der hintere Raum des Parketts war tribünenahnlich angehoben. Das machte den Innenraum deutlich kompakter.

Laura-Mary und Steven spielten also schon. Als ich reinkam, lief gerade
Count me in, ein Stück, das sie häufiger schon gespielt haben. Wie alle anderen der unveröffentlichten Lieder, die ich seit dem Sommer live gesehen habe, ist Count me in extrem vielversprechend! Wie schon in Düsseldorf spielten die beiden Musiker aus Brighton bis auf den Abschlußsong I wish I was someone better ausschließlich neue Titel. Das zeugt von Selbstbewußtsein, das hier aber vollkommen angemessen ist. Von einer Schaffenskrise ist bei den Blood Red Shoes aber auch wirklich gar nichts zu spüren! Großartige Band, großartige Lieder, hoffentlich auch großartige Perspektiven... Die beiden sehen wie (junge) Rockstars aus, machen gute Musik und verdienen daher im kommenden Jahr den Durchbruch. Aber ganz realistisch ist die Musik der Blood Red Shoes bei aller Güte leider nicht hip genug, um Radio- oder Musikzeitungsredakteuren genug zu gefallen, um einen Gossip-Effekt zu erzeugen.

Der größte Knüller heute war When we wake, ein sehr ruhiges Lied, das stilistisch herausstach. Wenn das nicht auf dem Album sein wird, bin ich sauer!


Setlist Blood Red Shoes, Jahrhunderthalle, Frankfurt:

01: It is happening again
02: It's getting boring by the sea
03: Count me out
04: Light it up
05: Keeping it close
06: When we wake
07: Don't ask
08: I wish I was someone better

Von den drei Konzerten, die ich in den letzten zwei Wochen gesehen habe, hatte das Frankfurter nach meinem derzeitigen Geschmack wohl die beste Setlist. Das Grundgerüst der gespielten Songs war auf der heute beendeten Deutschland (und Luxemburg) Tour gleich, einzelne Stücke wurden aber von Konzert zu Konzert variiert. Drei Konzerte der gleichen Band sind auch mir viel zu viel innerhalb von wenigen Tagen, für jedes sprachen aber besondere Gründe, sodaß ich auf keines verzichten wollte. Aber durch die immer wieder anderen Setlisten verhinderte Maximo Park auch, daß Langeweile entstehen konnte; auch das dritte Konzert war spannend.

Neu im Vergleich zu den beiden anderen Abenden waren The night I lost my head und das wundervolle By the monument, das alleine den Ausflug rechtfertigte! Neben Nosebleed war By the monument das Lied, das ich bisher am meisten von der zweiten Platte vermisst hatte.

"Überschattet" (Drama!) wurde die erste Hälfte des Konzerts von großen Soundproblemen. Die bekam ich erst allerdings gar nicht mit, da ich neue Ohrstöpsel ausprobiert hatte und Ohrenschutz von der Stange ja die Eigenschaft hat, den Klang eines Konzerts zu verschlechtern, weil er die Frequenzen unvorteilhaft für die Musik filtert. Daß es dumpf brummte, führte ich also auf Ohrenschutz zu. Als sich aber Leute neben mir die Ohren zuhielten, nahm ich meine Stöpsel testweise raus und hörte auch, wie mies es klang, es lag nicht an dem Gehörschutz, die Anlage erzeugte das Brummen. Band und Soundingenieur arbeiteten eifrig an dem Problem und verbesserten die Situation. Brillant klang es auch danach nicht, es tat aber nicht mehr weh.

Das Konzert war enorm kurzweilig. Nach und nach kristallisieren sich bei mir auch Livelieblinge der letzten Platte Quicken the heart (neu fällt mir schwer zu schreiben; sie ist schließlich einige Monate alt) heraus. A cloud of mystery ist einer von denen. Auf Platte hatte ich das am Anfang eher übersehen, es ist aber ein riesiger Hit! Mein absoluter Favorit wird aber mehr und mehr That beating heart, das es leider gar nicht erst auf Quicken the heart geschafft hatte.

Man sah es ihm (von weitem) nicht an, hörte es aber gegen Ende mehr und mehr; Paul Smith hatte mit einer Erkältung zu kämpfen und verlor immer mehr Stimme. Kurz vor Schluß krächzte er bei seinen Ansagen nur noch. Vermutlich war das auch der Grund dafür, daß Acrobat bei den Zugaben fehlte.

Schade, daß auch Frankfurt bei weitem nicht ausverkauft war. Die Band machte da aber keinen Unterschied und gab alles, von routiniertem Runterspielen war nichts zu spüren. Das wurde glücklicherweise auch honoriert, denn die Stimmung vor der Bühne war ausgezeichnet, mit Crowdsurfern, rhythmischem Klatschen und all diesen Ritualen (die wohl dazugehören).

Und daß Paule nicht mehr springt, liegt auch nicht an mangelnder Begeisterung. Aber das erzähle ich dann später, wenn das Interview online steht...

Setlist Maximo Park, Jahrhunderthalle, Frankfurt:

01: A19
02: The penultimate clinch
03: Wraithlike
04: By the monument
05: Signal and sign
06: A cloud of mystery
07: Karaoke plays
08: The kids are sick again
09: The night I lost my head
10: Questing, not coasting
11: Tanned
12: That beating heart
13: Going missing (akustisch)
14: Let's get clinical
15: The coast is always changing
16: Books from boxes
17: Apply some pressure
18: Girls who play guitars

19: Calm (Z)
20: Our velocity (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Maximo Park & Blood Red Shoes, Düsseldorf, 22.10.09
- Maximo Park, Luxemburg, 19.10.09
- Maximo Park, Münster, 08.05.09
- Maximo Park, Köln, 03.03.09
- Maximo Park, Haldern, 09.08.08
- Maximo Park, Nijmegen, 20.06.08
- Maximo Park, Wiesbaden, 22.10.07
- Maximo Park, Köln, 16.10.07
- Maximo Park, Glasgow, 02.10.07
- Maximo Park, Paris, 08.06.07
- Maximo Park, Köln, 26.05.07
- Maximo Park, Bochum, 09.04.07
- Blood Red Shoes, Nijmegen, 19.07.09
- Blood Red Shoes, Köln, 04.11.08
- Blood Red Shoes, Highfield, 17.08.08
- Blood Red Shoes, Melt!, 18.07.08
- Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07
- Interview mit den Blood Red Shoes
- Interview mit Maximo Park folgt!







Sonntag, 11. Oktober 2009

Pixies, Frankfurt, 11.10.09

23 Kommentare

Konzert: Pixies
Ort: Jahrhunderthalle, Frankfurt
Datum: 11.10.2009
Zuschauer: vielleicht 3.500 (nicht ausverkauft)
Dauer: Pixies 75 min, Dinosaur Pile-Up 30 min


Vier Bands prägten meine alternative musikalische
Früherziehung ganz besonders: die Smiths, Violent Femmes, Pixies und mit einem wenig Abstand (nach hinten) The Cure - vielleicht mochte ich die wegen des Singular-Bandnamen etwas weniger. Live gesehen habe ich damals aber keine der vier; erst viel später holte ich zumindest einmal The Cure nach. Als mein Interesse daran kleiner war, wäre ab und zu die Gelegenheit da gewesen, die Pixies, die einzige amerikanische Band, die ich vor zwanzig Jahren wirklich vergöttert habe, auch einmal live zu erleben. In letzter Zeit leider nicht. Und da schlug dann der sozialpsychologische Effekt der Knappheit gnadenlos zu, je schwieriger die Band zu sehen war, desto größer der Trieb, ohne weiteres Nachdenken hinzugehen.

Eigentlich war das Risiko nämlich zu hoch. Eine Band, deren Werk man anhimmelt und die man immer mehr in den eigenen Musik-Olymp hebt, kann
eigentlich nur enttäuschen. Und dann die Trennung, die immer wieder zitierte schlechtgewordene Stimme des Frontmanns... viel Potential für Ernüchterung!

Aber drauf gepfiffen; das Prinzip der Knappheit interessieren keine Bedenken und ich hatte mein Ticket.

Frankfurt war ein schön ausgewählter Ort für die Doolittle Jubiläumstour, weil in der angestrebten
Hallengrößen-Kategorie die dortige Jahrhunderthalle zu den besseren Vertreterinnen zählt. Auf dem Weg hin war uns sehr klar, was uns im Zuschauerraum erwarten würde. Lediglich beim Frauenanteil gab es im Wagen unterschiedliche Theorien, die schwankten zwischen 20 % und fünf (einzelnen Frauen), die dann aber alle über 30. Im strömenden Regen vor der Halbkugel Jahrhunderthalle zeigte sich da schon einmal unser außerordentlicher Sachverstand. Überall Frauen weit unter 30, viele auch jünger als die Platte, die heute gespielt werden sollte. Na das fing ja schon einmal gut an!

Falsch auch meine Vorstellung, das Konzert werde selbstverständlich ausverkauft sein. Gut besucht, ja; ausverkauft allerdings bei weitem nicht.

Punkt acht begann eine dreiköpfige Vorgruppe, The Dinosaur Pile-Up, von denen ich bisher nichts kannte. Die drei Engländer (Matt, Tom und Steve) haben eine
klassische Instrumentierung: Gitarre, Bass, Schlagzeug. Und sie hatten offenbar einen Plan. Analog dem Fußballmotto "Wenn wir hier nicht gewinnen, treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt" des kürzlich verstorbenen Rolf Rüssmann, knallten die Briten mit einer brachialen Lautstärke drauflos, bis es plötzlich qualmte. Eine Monitorbox hatte sich ob der vielen Dezibel zu Flucht durch Verschmoren entschieden!

Mir war nicht nach Flucht. Dinosaur Pile-Up waren nicht verkehrt. Sie erinnerten mich stark an Ash, allerdings an deren härtere Phasen. Aber Stimme und Melodiestrukturen hatten enorme Ähnlichkeit mit den Iren. Und weil ich die sehr
* mag, gefielen mir auch Dinosaur Pile-Up gut. Nicht so gut, daß ich gleich eine CD gekauft hätte (haben sie wohl auch noch nicht; bisher gibt es nur eine EP), weh taten die 30 Minuten aber nur wörtlich, nicht im übertragenen Sinne.

Am Bühnenlayout änderte sich beim Umbau nichts Grundsätzliches. Nur das vordere Drittel der breiten und tiefen Bühne sollte genutzt werden. Der Rest wurde für Scheinwerfer genutzt, die eine Art Lampionknochen an der Decke beleuchteten. Glücklicherweise dauerte der Umbau nicht allzu lange, da als Umbaumusik unerträglicher Metall-Lärm lief.

Kurz nach neun begann ein Einspielfilm auf dem Display auf der Rückwand. Nach der Einblendung des Tagesmottos "Il était une fois" liefen ruckelige Bilder im Stil
eines 20er Stummfilms. Als der beendet war und das Licht in der Halle endlich ausging, erschienen die Bostonians unter riesigem Jubel. Man hörte wirklich nicht, daß der Saal und die Sitzplatztribünen nicht voll waren.

Kim Deal, die, wie man so wenig schön neudeutsch sagt, on-off-Bassistin der Pixies, war dabei. Und sie sollte mir im Lauf des Abends viel Spaß machen, weil sie mit kurzen Kommentaren den Ablauf moderierte. Sie gehörte jedenfalls dazu, hatte offensichtlich gute Laune und wirkte nicht so, als wolle sie gleich ihr Instrument Richtung Gesangsmikro schleudern. An dem stand
Gitarrist und Frontmann Black Francis (oder Frank Black oder eigentlich Charles Thompson) ohne Sonnenbrille aber mit eindrucksvollem Stiernacken.

Koplettiert wurde die Band durch die beiden mehr oder weniger haarlosen Joey Santiago an der Gitarre und David Lovering am Schlagzeug.

Es begann mit B-Seiten; mit denen der Monkey gone to heaven 12", konsequenterweise in umgekehrter Reihenfolge, unterbrochen allerdings vom Bailey's walk von Here comes your man. Ein cleverer Auftakt, wie ich fand. Alle Stücke sind knackig kurz, sodaß nach vielleicht acht Minuten auf den Displays "Doolittle" erschien und das vielumjubelte Debaser angestimmt wurde. Da Doolittle streng werkstreu gespielt wurde, kamen jetzt keine Überraschungen. Der Schreihals Tame folgte, bevor mit
Wave of mutilation und I bleed zwei meiner Lieblinge kamen. Und gerade der Übergang zwischen Tame und I bleed beeindruckte mich, denn Black-Frank-Charles' Stimme funktionierte beim ruhigen Duett I bleed hervorragend, obwohl er sich wenige Minuten vorher noch die Seele aus dem Leib gebrüllt hatte. Die angedrohten Stimmprobleme waren da für mich nicht feststellbar und der Abend fühlte sich nach einem Konzert des Jahres an.

Und das hielt noch eine Weile. Auch Here comes your man und Dead hinterliessen mich euphorisiert, bevor ausgerechnet Monkey gone to heaven einen Knick
darstellte. Die wichtige Single war zu lahm, und das wirklich wörtlich gemeint. Der Refrain des Stücks klang ein Stück stockender als auf Platte, fast schon geschleppt. Charles hätte da einen Tritt in den Hintern bekommen sollen, um richtig loszulegen, das traute sich aber offenbar niemand; verständlich beim gewinnenden Äußeren des Sängers.

Dieses Abbremsen versaute mir zwar weder Konzert noch Abend, ein über allem anderen stehendes Erlebnis war damit aber vorbei.

Während der Sänger nicht mit uns sprach, sagte Kim Deal wie erwähnt die Stücke an. "Wir sind immer noch auf der ersten Seite" und ähnlich. Ganz köstlich ihre Frage vor Monkey gone to heaven. "Sollen wir die erste Seite noch beenden oder gleich zur
zweiten übergehen? Erste oder zweite?" Da niemand richtig reagierte, zeigte auch Frank mit seinen Fingern die Frage. Kim Deal spielte dann sogar die ersten Töne von Mr. Grieves, dem Eröffnungsstück der B-Seite, hielt den Bluff aber natürlich nicht durch!

Die zweite Seite der Platte ist etwas schlechter als die erste, sie lag früher häufiger mit dem Gesicht nach unten auf meinem Plattenspieler. Trotzdem enthält sie natürlich auch einige großartige Titel, die an ihrem Reiz in den vergangenen Jahren nichts eingebüßt haben, Hey oder Gouge away beispielsweise sind besser als 99% der neuveröffentlichten Indie- und Alternativelieder, ohne jeden Zweifel.

"We're almost done with the b side" kurz vorher, und dann war nach 50 Minuten erst
einmal Schluß! Aber da ja noch zwei B-Seiten von Here comes your man fehlten, waren die ersten Zugaben klar.

Sehr charmant verabschiedeten sich die vier in die Jahre gekommenen Musiker. Sie kamen nach vorne, gingen an beide Seiten des Bühnenrands und winkten. Auch Francis wirkte dabei gutgelaunt und freundlich, ganz anders als ich ihn mir vorgestellt hatte. Das Bedanken setzte sich dann niedlich fort. Charles, Kim, David und Joey verbeugten sich immer wieder. Allerdings auf der
Videowand... Da machten sie immer wieder Diener und andere (Be-)jubel-Posen, toll! Die Pause dauerte eine ganze Weile, aber die Band sah uns ja zumindest digital an.

Ganz konsequent spielten die Pixies dann zunächst auch die abgewandelte Version des bereits vorgetragenen Wave of mutilation (UK surf), es ist schließlich eine B-Seite, und die werden gespielt, basta! Wie unendlich schade, daß die Debaser EPs erst Jahre später erschienen sind. Auf die Live-EP wäre ich gespannt gewesen...

Into the white (wieder perfekt umgesetzt mit weißen Spots), das wohl längste Lied des Abends, beendete den ersten Zugabenblock. Überall kamen die Ostküstler dann wohl nicht wieder, in anderen Städten der Geburtstagstour allerdings für eine sehr lange zweite Zugabe. Frankfurt lag mittendrin. Sie erschienen wieder, spielten aber nur noch drei weitere Lieder; Something against you und Vamos von Surfer Rosa und Isla de Encanta von Come on Pilgrim. Und damit endete es leider schon, nach eineinviertel Stunden natürlich viel zu früh. Die vier Musiker, liessen sich am Bühnenrand feiern und verschwanden.

Ich fand den Auftritt gut, streckenweise deutlich mehr. Aber das lustlos-lahme
Monkey gone to heaven hatte den Funken ausgepustet, der am Anfang hell brannte. Die befürchtete Enttäuschung war der Abend aber keinesfalls, hier haben sich Helden mir gegenüber nicht blamiert; was mich nicht weiter überrascht hätte. Es ist also glimpflich ausgegangen. Ich sollte mein Glück aber nicht strapazieren und habe mir vorgenommen, es bei dem einen Pixies-Konzert zu belassen und sie beim nächsten Mal auszulassen, auch wenn mich das 20er Bossanova Konzert reizte...

Setlist Pixies, Jahrhunderthalle, Frankfurt:

01: Dancing the Manta Ray
02: Weird at my school
03: Bailey's walk
04: Manta Ray
05: Debaser
06: Tame
07: Wave of mutilation
08: I bleed
09: Here comes your man
10: Dead
11: Monkey gone to heaven
12: Mr. Grieves
13: Crackity Jones
14: La la love you
15: No. 13 baby
16: There goes my gun
17: Hey
18: Silver
19: Gouge away

20: Wave of mutilation (UK surf) (Z)
21: Into the white (Z)

22: Something against you (Z)
23: Isla de Encanta (Z)
24: Vamos (Z)

Links:

- andere Federn: Pretty Paracetamol über die Pixies in Frankfurt
- andere Federn: die FAZ über das Konzert
- mehr Fotos

* Symbolbild



Freitag, 27. Februar 2009

Amy MacDonald, Bochum, 26.02.09

7 Kommentare

Konzert: Amy MacDonald
Ort: Jahrhunderthalle, Bochum
Datum: 26.02.2009
Zuschauer: 5.000 (?) ausverkauft
Dauer: 70 min


Irgendwie ist Amy MacDonald so etwas wie ein Patenkind unseres Blogs. Wir hatten die junge Schottin bei ihrem ersten Konzert in Deutschland gesehen, als Vorgruppe von Paul Weller in Frankfurt, und seitdem durch immer größer werdende Hallen begleitet. Mittlerweile hat Amys Debütalbum in Deutschland Dreifach-Platin erreicht. Das Schicksal, bei Thomas Gottschalk und Wetten Dass aufzutreten, ist ihr scheinbar bisher erspart geblieben, das - und der Sprung in der nächsten Hallengröße (Kölnarena) sind aber nur eine Frage der Zeit. Am vergangenen Samstag folgte dann bei einer schrecklichen Gala der Echo als erfolgreichster Nachwuchskünstler International, bei dem sich Amy gegen Duffy, Leona Lewis, Gabriella Cilmi und die Zisterzienser Mönche durchsetzte.

Eine ungewöhnlich Karriere für Vorgruppen, über die wir hier berichten...

Der Auftritt in Bochum war Teil einer Kurztour durch deutsche B-Städte (neben Bremen noch Dresden, Stuttgart und Bremen).

In der Jahrhunderthalle hatte ich bisher keine Konzerte gesehen, ich reiße mich auch nicht schrecklich um Veranstaltungen im Ruhrgebiet, weil die meist für mich durch unkalkulierbare Staus nur mit vielem Fluchen und Schlägen aufs Lenkrad zu erreichen sind. Bis Essen lief es blendend, dann allerdings, zehn Minuten bevor ich die Reportage über die spannenden Bauarbeiten auf der A 40 aus Sicht eines Abschnittverantwortlichen bei 1live hörte, stand ich mitten in seinem Projekt im Stau. Der Plan, um 19 Uhr an der Halle zu sein, war dahin. Nach guten 30 Minuten Stop and Go, abgesperrten Hallenparkplätzen und einem Spaziergang durch den vermutlich nicht schönsten Teil Bochums, hörte ich dann an der Jahrhunderthalle angekommen Livemusik aus dem Innern des Gebäudes.

Leider war das schon die "Vorgruppe", auf die ich mich gefreut hatte, nämlich Steve Cradock, der Gitarrist von Ocean Colour Scene, der sein Soloalbum vorstellte. Ich bekam leider nur noch (von außen) das letzte Lied mit, das (so) gut klang.

Die Jahrhunderthalle ist ein unbestritten eindrucksvoller Bau, für Konzerte allerdings ein wenig unhandlich. Man geht nämlich durch eine schmale Tür in den Innenraum und steht dann vor einer Wand von Leuten. Die Tür befindet sich auf der Seite des Zuschauer, etwa in der Mitte der Halle. Wenn es also schon voll ist, geht
man durch diesen Eingang, steht vor den Menschenmassen und geht dann immer weiter nach rechts, weg von der Bühne, um irgendwo (das müsste schon Gelsenkirchen sein), einen freien Platz zu bekommen. Ein Palladium in Schlimm.

Moke aus Amsterdam waren zweite Band des Abends. Ich kannte die Holländer bisher nur dem Namen nach, hatte aber wissentlich kein Lied von ihnen gehört. Moke sind fünf Musiker, zwei Gitarristen, ein Keyboarder, ein Bassist und ein Schlagzeuger. Ihre Musik wird dem Britpop zugerechnet. Dem kann ich nicht richtig zustimmen nach einmaligem Hören. Bis auf ein ziemlich langweiliges Lied am Ende (The long way) gefielen mir die Stücke ganz gut, sie klangen aber eher nach Bands wie Keane als nach Oasis
oder deren Kumpels. Last Chance und Here comes the summer gefielen mir aus ihrem Set am besten. Aber richtig reinhören konnte ich mich nicht, weil Moke plötzlich schon fertig waren, nach gerade mal einer knackigen halben Stunde.

Knackig ist ein gutes Stichwort für einiges: zum einen habe ich selten ein so, nun, interessantes Publikum erlebt. Als braver Indiekonzertgänger sieht man ja immer nur gleiche Zuschauerschaften. Zu einem Radio-, Echo- und Weltstar (to come) gehen aber ganz andere Gruppen. Neben ein paar typischen Indiemädchen war so ziemlich alles an Leuten vertreten, was ein typischer Bevölkerungsquerschnitt des Ruhrgebiets hergibt. Von engumklammerten Pärchen über Mütter mit kleinen Kindern, älteren Ehepaare, sehr viel älteren Männer bis zu Frauentauschteilnehmern habe ich alles gesehen.

Zum anderen war auch der Zeitplan sehr zackig. Der Umbau zwischen Moke und Amy MacDonald dauerte gute zwanzig Minuten. Das wünscht man sich öfter. Auf großen Schnickschnack hatte die Schottin aber auch verzichtet. Es gab keine lästige
Bühnendeko, sondern war auf die Dinge beschränkt, die zum Musizieren gebraucht wurden.

Amy hatte die gleichen Bandmitglieder wie im Oktober in Köln dabei. Wir haben hinterher bedauernd festgestellt, daß die Zeiten, die Sängerin von ihrer stärksten Seite, nämlich alleine mit Gitarre zu sehen, vorbei sind und nicht mehr wiederkommen werden. So etwas wie den überragenden akustischen Auftritt mit gleichem Material vor Paul Weller wird es wohl nicht mehr geben. Durch die Band klingt die Musik der Glaswegian sehr nach den Versionen der Lieder, die auf ihrer Debütplatte zu finden sind. Der Unterschied zwischen der sehr popigen Plattenproduktion und Amy live ist ihre deutlich tiefere Stimme, die für mich die "Live-Amy" viel reizvoller macht als die auf Platte. Aber der Rest gleicht sich an, eine Entwicklung, die natürlich wegen
des überragenden Erfolgs vollkommen nachvollziehbar ist. Ein Konzert wie die akustischen Aufnahmen, die es gibt, hätte vermutlich 95% der Besucher verstört. Mir gefiel es trotzdem, ich trauere den ersten Auftritten, die ich gesehen habe (auch der im Glasgower Barrowland Ballroom war noch eine Ecke roher) nicht nach, sondern bin froh, daß ich die erlebt habe.

Amy hatte ein schwarzes Kleid mit bunten Drei- und Vierecken und hohe Lackschuhe an. Und ihren Verlobungsring! Denn die Sängerin ist seit einiger Zeit mit dem englischen Fußballer Steve Lovell (28) vom schottischen Erstligisten Falkirk F.C. liiert. Das ist daher so spektakulär, weil Amy ja ein Lied über die in England noch viel ekligeren F-Prominenten geschrieben hat (Footballer's wife). Wenn man aber die Natürlichkeit der jungen Schottin auf der Bühne erlebt, erscheint dieser Widerspruch nur oberflächlich zu bestehen, sie wirkt nämlich so
bodenständig, wie es die WAGs, die Frauen und Freundinnen der englischen Glamour-Fußballer, vermutlich schon als Kind nicht waren. Ich schweife ein wenig ab.

Mit einem ihrer besten Lieder startete das siebzigminütige Konzert, mit dem fabelhaften Poison Prince (da fällt mir ein, daß schon wieder ein Babyshambles Konzert abgesagt worden ist). Die Setlist war
etwa die vom Palladium im Herbst, bis auf einige kleine Verschiebungen. Im Stau stehend hatte ich bei 1live schon gehört, daß es ein Killers- und ein Springsteen-Cover geben würde. Die Überraschung war damit weg, ich wußte also, daß Amy Mr. Brightside und Dancing in the dark spielen würde. Ihre Version des Killers-Hits kam früh und war wieder sehr schön. Dancing in the dark, einer der unbestrittenen Höhepunkte des Abends kam dann als Teil der Zugaben.

Neben den Coversongs spielte die Band wieder die beiden neuen Lieder The next big thing und Troubled soul. Das letzte hatte es mir schon in Köln angetan, The next big thing mochte ich heute schon mehr als im ollen Palladium. Ich frage mich immer bei Künstlern, die die Songs ihres Debüts über viele Jahre geschrieben haben (Amy erzählt immer, daß Youth of today in frühster Jugend entstanden sei; in Bochum
erzählte sie This is the life habe sie mit 16 oder 17 geschrieben), ob sie auch für Nachfolgeplatten noch gute Songs schreiben können. Wenn diese beiden neuen wirklich Produkt des letzten Jahres sind, dann kann Amy das!

Mein Liebling war diesmal wohl The road to home. Sie hat auch irgendetwas dazu erzählt, das aber weitestgehend unverständlich war, und diesmal nicht aufgrund des starken Glaswegian Akzents der Sängerin, sondern wegen des "ekstatischen" Publikums. Sobald Amy ansetzte, etwas zu erzählen, brüllte einige der Leute irre laut "Amy!" Zugegeben, das war originell. Aber leider hörte man dadurch nicht, was die Sängerin erzählen wollte. Anfangs kommentierte sie dies auch noch damit, daß sie eine Geschichte erzählen wolle (vor Barrowland Ballroom; irgendwas mit Bono, dem Nobelpreisträger).
The next big thing dagegen wurde regelrecht totgeklatscht. Dummerweise verleitete das Schlagzeug am Anfang des Stücks die Leute dazu, rhythmusähnlich zu klatschen - in einer Lautstärke, die Bochum vermutlich bislang nur bei der letzten Meisterschaft des VFL erlebt hat. Leider führte das dazu, daß das neue Lied anfangs kaum zu hören war. Aber ich will nicht spießig wirken (doch, will ich doch!).

Nach Run (Konzerttagebuch Wissen: dem Lieblings-Amy-Lied von Paul Weller und Steve Cradock) war Schluß. Schluß vor den Zugaben, denn die gab es natürlich.

Dazu erschien Amy erst alleine und spielte Dancing in the dark und zeigte dabei all ihre Stärken. Ihre Version war wieder fabelhaft und eine echte Liebeserklärung an dieses
großartige Stück! Die Hommage an ihre schottische Heimat, Caledonia, fehlte leider heute in den Zugaben! Dafür gab es wie erwähnt noch Troubled soul, eine wirklich sehr schöne Ballade und zum Abschluß Let's start a band.

Unsere Vorhersagen bei Amy waren bisher alle richtig (das war auch nicht furchtbar schwer), heute bin ich sicher, daß die Schottin nicht mehr lange in so kleinem Rahmen spielen wird. Nächste Station Kölnarena. 2010 spätestens. Und unser Patenkind hat das vollkommen verdient!

Setlist Amy MacDonald, Jahrhunderthalle Bochum:

01: Poison Prince
02: L.A.
03: Youth of today
04: Barrowland Ballroom
05: Footballer's wife
06: Mr. Brightside (The Killers Cover)
07: A wish for something more
08: Mr. Rock & Roll
09: The next big thing (neu)
10: This is the life
11: The road to home
12: Run

13: Dancing in the dark (Bruce Springsteen Cover) (Z)
14: Troubled soul (neu) (Z)
15: Let's start a band (Z)

Links:

- Amy MacDonald im Palladium im Herbst 2008
- und ihr legendärer Auftritt im Barrowland Ballroom in Glasgow 2007
- Amy MacDonalds erstes Konzert in Deutschland
- und im Gebäude 9 in Köln


Nächste Termine:

30.03.2009: L’Oympia, Paris
31.03.2009: L’Oympia, Paris
03.07.2009: Rock Werchter
04.07.2009: Nibe Festival, Skalskoven
13.07.2009: Live at Sunset, Zürich
22.08.2009: Uelzen Open Air



 

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