Posts mit dem Label This Is The Kit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label This Is The Kit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 6. November 2016

This is the Kit, Reykjavík, 03.11.16

0 Kommentare

Konzert: This is the Kit
Ort: Iðnó  in Reykjavík (Iceland Airwaves)
Datum: 3. November 2016
Dauer: 35 min
Zuschauer: 100


All die tollen Fotos sind von Claudia - Vielen Dank!


An unserem zweiten Tag beim Iceland Airwaves waren wir vor dem Konzert von This is the Kit schon ganz schön kreuz und quer durch die Stadt gelaufen. Dabei wäre es bei dem Regenwetter eigentlich angeraten gewesen, sich einen schönen Platz auzusuchen und dort zu bleiben... Aber es war auch der Tag wo mein Herz mich mit Nachdruck zu ganz bestimmten Musikerinnen schickte und damit das Zickzack-Muster durch die Stadt verursachte. Von außen sah das vielleicht auch so aus, als würde ich mir möglichst viele Veranstaltungsorte vergleichend ansehen wollen. Jeder hatte dabei seinen Charme gezeigt (die Berichte sprechen auch davon), aber der Preis für das unbestritten schönste Venue ging für mich an das Iðnó.
 

Ein mittelgroßes Theater, in dessen Vorräumen man gemütlich sitzen und trinken und schwatzen kann. Im Obergeschoß ein sehr gemütliches gründerzeitlich ausgestattetes Restaurant. Alles mit einem Charme, dem man sich geschlagen geben muss. Damit ein Ort wie geschaffen für die Lieder von Kate Stables. Und es sei vorab verraten, This is the Kit spielten genau so charmant, einladend und leuchtend auf, wie es der Ort herausforderte. Dabei standen die Zeichen nicht nur auf Friede-Freude-Eierkuchen, denn Rozi  Plain hatte mit einer bösen Infektion zu kämpfen und den ganzen Tag mit Antibiotika-Infusion im Krankenhaus verbracht.
 

Zum ersten Mal erlebte ich die Band in voller Besetzung, d.h. neben den mir aus der Trio-Besetzung bekannten Jesse Vernon und Rozi Plain waren auch Jamie Whitby-Coles am Schlagzeug und Neil Smith an der E-Gitarre dabei. Es gab vier (!) Gesangsmikros und im Verlauf des Konzertes immer wieder warmen und sehr gelungenen Satzgesang. Definitiv ein Baustein dafür, weshalb mir der Abend so gut gefallen hat.
 

Im Verlauf des Konzertes ging mir durch den Kopf wie sehr die Musik diesseitiges Geschehen in eine jenseitige Dimension übersetzt und wie sehr die beiläufige Erzählhaltung der Lieder dazu beiträgt, dass ich sie als authentisch und wahr empfinden kann und aufmerksam zuhöre. Diese Beschreibung klingt nun so, als wäre es so ein Solo-Frau-mit-Gitarre-Säusel-Ding, aber es funktionierte mit großer Band tatsächlich noch viel besser wegen mehr verfügbarer Klangfarben.

 

Der Raum war für das Konzert recht gut gefüllt und Kate schien nicht recht glauben zu können, dass die Aufmerksamkeit tatsächlich This is the Kit galt: Ihr seid wahrscheinlich für die nächste Band da - danke dass ihr schon früher gekommen seid! Das wurde nach dem Song aber mit rauschendem Applaus zurückgewiesen. Die Band hatte gerade einen intensiven Monat gemeinsam an neuem Material gearbeitet. Kate sprach von Höhen und Tiefen und dass es schön sei, diese Zeit nun mit einem Bandkonzert in diesem Rahmen abzuschließen.


Was bleibt mir nun musikalisch in Erinnerung? Der Einstieg mit raunendem Gesang (solo), das intensive Misunderstanding (so wiegend und bittend), das herrliche upbeat Lied Hotter  colder mit komplexem Rhythmus und sicher auch das letzte Stück Blessed are those who see and are silent - so intensiv und beschwörend. An einem an Höhepunkten überreichen Tag war das vielleicht die schönste halbe Stunde.


Aus unserem Archiv 
This is The Kit, Haldern, 11.08.16
This Is The Kit, Düsseldorf, 05.11.13
This Is The Kit, Haldern, 09.08.13
This Is The Kit, Stuttgart, 27.07.13
This Is The Kit, Reutlingen, 26.07.13
This Is The Kit, Paris, 28.09.11
This Is The Kit, Paris, 17.09.11
This Is The Kit, Paris, 21.04.11
This Is The Kit, Paris, 06.02.11
This Is The Kit, Paris, 27.03.10
This Is The Kit, Paris, 03.12.09
This Is The Kit, Paris, 09.06.09
This Is The Kit, Paris, 11.03.09
This Is The Kit, Paris, 06.03.09
This Is The Kit, Paris, 26.03.08
This Is The Kit, Paris, 01.02.08

Alle Konzertberichte vom Iceland Airwaves


Mittwoch, 24. August 2016

Haldern Pop Festival, 1. Festivaltag, 11.08.16

1 Kommentare


Konzert: Haldern Pop Festival, 1. Festivaltag mit Loney Dear, This Is The Kit, Damien Rice, Gloves, Elias, Amber Arcades, The Besnard Lakes, Lea und vielen anderen
Ort: Rees-Haldern am Niederrhein
Datum: 11.08.2016


Fotos: alle Oliver Peel  bis auf Loney Dear: Michael Graef


Mit dem Bus zum Haldern Pop! Und zwar von Paris (!!) aus! Ich fragte mich während der 7stündigen Fahrt (nach Leverkusen) schon ab und zu, wie ich auf eine solch verrückte Idee gekommen war. Aber wenn man die Anreise so spät plant wie ich in diesem Jahr, muss man schon ein wenig erfinderisch sein, um Geld zu sparen und notgedrungen Strapazen in Kauf nehmen. Züge waren viel zu teuer, Fliegen kam kurzfristig auch nicht in Frage, also blieb der Flixbus. Und die Reise lief letztlich erstaunlich entspannt, denn ich sass glücklicherweise neben einem netten Kölner Mädel mit dem ich mich angenehm unterhielt. So verging die Zeit  letztlich wie im Fluge und ich kam guter Laune spätabends in Leverkusen an, wo mich freundlicherweise mein Mitblogger Dirk abholte und mich anschliessend auch bei ihm in Mönchengladbach  beherbergte. 


Zusammen mit seinem Kumpel Michael machten wir uns dann am Donnerstag morgen auf den Weg nach Haldern. In Mönchengladbach sah das Wetter am Vormittag noch sonnig und freudlich aus, aber je mehr wir uns dem Niederrhein und Haldern näherten, umso schwärzer wurde der Himmel. Zu Beginn des Festivals gegen 15h regnete es dann bereits leicht und in der Folge sogar stark. Anfänglich machte mir das nicht viel aus, da ich zwischen Konzerten in der Kirche und der Bar hin und her pendelte, aber als es später über die wundervolle Alleenstrasse an Maisfeldern vorbei zum Spiegelzelt und der Hauptbühne ging, störte der Regen doch irgendwann massiv. Als dann gegen 21 Uhr 30 Uhr Elias spielte, war meine Laune ob der dargebotenen cheesigen Musik, meiner extremen Müdigkeit und des Dauerregens auf dem Nullpunkt. Weil ich Kräfte für die nächsten 2 Tage sparen wollte, entschied ich mich aus dem Bauch heraus auf die interessanten Kanadier Besnard Lakes und sogar den Headliner Damien Rice zu verzichten. Bei mir lief einfach nichts mehr zusammen und ohne Gummistiefel im Morast des Haldener Waldgeländes zu stehen und bis 1 Uhr 30 auszuharren, schien mir abschreckend. Hinzu kam, dass meine Pension "jwd" war, genauer gesagt 25 Kilometer entfernt und in einer Nachbargemeinde von Emmerich ("wer zu spät kommt, den bestraft das Leben", oder so, gell ?).


Im Lauf des Nachmittages hatte ich aber ein paar sehr schöne Konzerte gesehen, die mich mit Glück und Dankbarkeit erfüllten. This Is The Kit möchte ich hier mal an erster Stelle nennen! Die in meiner Wahlheimat Paris lebende Britin Kate Stables, die hinter dem Pseudonym steckt, hatte ich bereits ein paar Stunden vor ihrem Auftritt in der Nähe der Maisfelder zufällig getroffen. Sie war gerade zusammen mit ihrer Mitmusikerin Rozi Plain auf dem Weg zum Hotel Doppeladler wo die beiden untergebracht waren. Kate erzählte mir, sie habe seit Montag bereits mit den Stargazern intensiv geprobt, um ein paar  ihren Lieder in einem neuen, klassisch-orchestralen Gewande zu präsentieren. 


Das Konzert fing um 18 Uhr 40 an und hielt vollkommen meine hohen Versprechungen. Das vorbildlich leise Haldener Publikum sah in der Kirche ein feierliches, charmantes und naturbelassenes Konzert, welches perfekt zu dem wundervollen Rahmen passte. Die Lieblichkeit der Stimme von Kate gepaart mit dem Damenchor liess einen wirklich oft an Engel denken. Miss Stables hat bereits 3 Alben auf ihrer Habenseite (das letzte wurde von einem der Dessner Brüder von The National produziert), aber das in Haldern gespielte Material war neu und unveröffentlicht. So kam auch ich, der This Is The Kit schon etwa 15 Mal live gesehen hatte, in den Genuss neuer Töne, die einmal mehr die Exzellenz der Dame aus Winchester unter Beweis stellten. Die Stücke hat sie dieses Jahr schon ein wenig auf Festivals und in Clubkonzerten getest und sie hiessen unter anderem Ticks oder Moonshine Freeze und reihten sich nahtlos ein in das wundervolle Repertoir der Folkeuse, das vor intimen und berührenden Liedern nur so strotzt. Kate Stables hatte mit Rozi Plain und ihrem kahlköpfigen Gitarristen nur 2 Bandmitglieder dabei, aber durch die Truppe von Stargaze ergänzt, standen so viele Musiker wie nie zuvor mit ihr gemeinsam auf der Bühne.



Gespielt wurden schliesslich nur 6 Lieder, aber die hatten es in sich und ich bin sicher, dass Kate wieder neue Fans hinzugewonnen hat, Guy Garvey von Elbow ist bereits glühender Anhanger und Matt Berninger von The National auch. Wenn das keine Referenzen sind!

Setlist:

2 Pence
Thieves
Moonshine Freeze
Ticks
Numbers 
Hotter colder 


Nach This Is The Kit war es erste Bürgerpflicht, in der Kirche zu bleiben. Schliesslich spielte nun Halderns liebstes Kind auf, der Schwede Emil Svanängen alias Loney Dear. Der feinfühlige Singer Songwriter kommt nun schon seit etlichen Jahren an den Niederrhein aber zuletzt war es bedrohlich still um den Sänger mit der Kopfstimme geworden. Bisweilen dachte ich gar an ein Karrierende. Zum Glück erwiesen sich solche negativen Gedanken aber als abwegig und als ich Emil bereits mittags mit dem Fahrrad vor der Haldern Pop Bar sah, war ich erleichternd und erfreut festzustellen, dass es ihn noch gab. Bart und Bauchumfang sind bei ihm im Vergleich zu früher etwas gewachsen, aber sein neuer Look verleiht im Würde und Eleganz, er erinnerte mich auch an John Grant von den Czars. 

Und Emil zitierte im Laufe seiner Show noch mehr Musiker auf die Bühne als zuvor This Is The Kit, denn bei dem abschliessenden absolut wundervollen Beautiful Girl Ignorant Boy hatte er nicht nur das Stargaze Orchester sondern auch den Cantus Domus Chor als Verstärkung mit dabei. Emil selbst spielte Klavier, sang mit perfekter Falsettstimme, während ein Dirigent den "Namanamana-Chor" dirigierte und die klassischen Musiker den Raum mit himmelhochjauchzenden Klängen erfüllten.

Das war nicht lediglich das Abspulen eines alten Albumtitels, sondern eine komplette Neuinterpretation mit völlig neuem Arrangement, langen Instrumentalpassagen und traumhaften klassischen Tönen, äusserst subtil und geschmackvoll interpretiert.

Aber auch die Stücke die zuvor performt worden waren hatten es in sich. Berührende Klassiker wie My Heart oder Violent wurden zum Besten gegeben, aber auch meiner all time Favoriten I love you (in with the arms). Die Schmonzette klang noch genauso atemberaubend intim und nahegehend wie eh und je und ich fragte mich, wie ich es so lange ohne ein Livekonzert von Loney Dear ausgehalten hatte.

Schliesslich kamen auch Neulinge nicht zu kurz, denn es sollte ja auch einen Vorgeschmack auf das neue, bald erscheinende Album geben.

Erwähnt werden soll hier (neben Dark Light) stellvertretend das geniale abschliessende Hulls, das wahnsinnig melancolisch war, von dem Piano, dem Frauenchor und der anrührenden Stimme von Emil getragen wurde. Es war dramatisch, aber nie bombastisch, berauschte durch eine sensationelle Melodie, einen bewegenden Text und eine Feinfühligkeit, die seines Gleichen suchte. Kate Stables bezeichnete Loney Dear hinterher glatt als Genie. Sie hatte ihn ja bei den Proben mit den Stargazern mehrfach getroffen. Svanängen selbst sagte während des Konzertes mehrfach voller Dankbarkeit: "this is so much fun, this is so fantastic".




 


Mit This Is The Kit Und Loney Dear habe ich also die zwei besten Konzerte des ersten Tages (innerhalb derjenigen die ich gesehen habe natürlich) erörtert, bleibt noch der Auftritt der Holländer Amber Arcades zu besprechen, der ebenfalls hervorstach. Die 5 Musiker aus Utrecht spielten bereits um 15 Uhr 30 in der Haldern Pop Bar auf und waren mein erstes Konzert und gleichzeitig mein erstes Festivalhighlight. Begeisternd ihre Melodien, entwaffnend der Charme der kessen blonden Sängerin Annelotte de Graaf, Laune machend ihre Frische und Unverbrauchtheit. Die junge Dame und die vier Herren sorgten  für ordentlich Schwung und eine brechend volle Bar, in die längst nicht jeder reinkam der gerne wollte. Aber man hörte ja auch draussen vor dem offenen Fenster ein wenig von der tollen Musik die drinnen gespielt wurde, wenngleich dies freilich nicht einem echten Konzertgenuss gleich kam. Ich persönlich war gut positioniert, hatte ein Plätzchen weit vorne ergattert und war mittendrin im Geschehen. Hier muste man wirklich dabei sein, denn mit Amber Arcades hatten die Haldern Macher wirklich einen wohlschmeckenden Fisch an Land gezogen und zwar kein banales holländisches Matjesfilet, sondern etwa viel Edleres aus dem Hause Heavenly Records! Shoegaze, Dreampop, Indierock so die Zutaten und selbst wenn diese nicht nagelneu waren, klang doch das Ergebnis nicht wie Wiedergekautes, sondern frisch, sonnig, spritzig und herrlich lässig. Die Spielfreude war den Niederländern anzumerken und besonders Sängerin Annelotte schwärmte von dem Gefühl endlich mal in dieser legendären Pop Bar auftreten zu können in der sie in den Vorjahren schon so viele andere Musiker und Bands live als Festivalbesucher erleben durfte. Besonders in Erinnerung geblieben war ihr der Gig von Josh Pearson vor 4 Jahren, bei dem Josh ihr in seiner etwas bizarren (aber gutmütigen) Art irgendwas Wirres zugeraunt und sie ziemlich durcheinander gebracht hatte.


Neben eigenen Songs des Albums Fading Lines (u.a das herrlich luftig leichte Right Now) spielten Amber Arcades auch ein Nick Drake Cover, Which Will, aber folkig klang hier trotzdem nichts, die Holländer hatten dem alten Stück ihren eigenen popigen Stempel aufgedrückt.

Etwa 40 Minuten Konzert, keine Sekunde Langeweile und etliche gute Songs, mein erstes Konzert beim diesjährigen Haldern Festival hätte kaum besser laufen können!


Ebenfalls in der Bar hatte die deutsche Sängerin Lea (Lea Marie Becker) irgendwann zwischen 17 und 18 Uhr gespielt. Im Jahre 2016 sind Musiker die auf deutsch singen inzwischen eher rar gesät und ausser auf der Hauptbühne erinnere ich mich eigentlich an gar keinen Auftritt in den kleinen Venues in Haldern. Insofern fast ungewohnt mit der Muttersprache bei einem Konzert konfrontiert zu werden. Wie immer kam sofort der Reflex die Texte viel genauer und kritischer unter die Lupe zu nhemen, als dies bei englischen Parolen der Fall wäre. "Nach der Ebbe kommt die Flut, mit der Zeit wird alles gut" (die Segel sind gesetzt), ich bin dein Festland, dein leuchtender Turm, ich bring dich gut aus diesem Sturm". War das jetzt feine Dichtkunst, oder das Aneinanderreihen abgedroschener, hohler Phrasen ?


Stimmlich war das Ganze schon ziemlich hübsch, die junge Blondine mit dem kessen Pagenschnitt hatte ein hauchendes, wehmütiges Organ, das manchmal auch ein wenig energischer wurde und sich in höhere Tonlagen aufschwang. Dennoch hatte ich gemischte Gefühle, denn ihre Art zu singen flirtete auch mit dem Mainstream (bzw dem Schlager?) und drückte bisweilen arg seicht auf die Tränendrüse. Man fühlte sich fast ein wenig genötigt, das jetzt bewegend und berührend finden zu müssen, ähnlich wie in den englischen Vorweihnachtskomödien, die einen förmlich anschreien: "Habe ein Herz, Oliver! Weine jetzt! Das ist doch so romantisch! Spiel nicht den Harten!"

Bei Kennst Du Das? (ein Lied das man in Akustikversionen schon vor 4 Jahren auf youtube finden konnte) hatte Lea mich fast um den Finger gewickelt ("gib mir deine Hand, lass sie mich halten solang ich kann"), die lustige Nummer mit ihrer Tante und dem vergessenen Hund (17 Stunden lang) fand ich hingegen musikalisch etwas flach, obwohl die Story dazu auf tragische Weise amüsant war. Armer Labrador Lilly! 17 (!!) Stunden vor einem Supermarkt vergessen, unfassbar!


Am Ende wusste ich nicht so recht, was ich denken sollte. War das jetzt auf berührende Weise schön, intim und gefühlsecht oder eher seicht, gekünstelt und übertrieben sentimental?


In der Haldern Pop Bar hatte ich an jenem ersten Tag aber auch noch ein paar Schnipsel von einem anderen Konzert gesehen: den Soulsänger Samm Henshaw hatte man mitsamt seiner Band von der Kirche dorthin verlegt, in der er gegen 19 Uhr loslegte. Ein gutaussehender Bursche mit Hut, lässig, ausgestatt mit einer rauchigen Stimme und von so einigen als Geheimtipp gehandelt. Ein talentierter Kerl in der Tat, dessen Konzert ich aber dennoch nach 10 Minuten verliess, weil ich zu Loney Dear in die Kirche rüberwollte.


Und in genau jener Kirche hatte gegen 16 Uhr 30 auch noch ein paar Lieder der Britin Cloves gehört. Stimmlich eine Kreuzung aus Adele, Laura Marling und Lana Del Rey, war sie mir zu soulig-bluesig (eine Folge der Castingshows wie The Voice oder The X -Factor, in denen solche Stimmen immer der Renner sind??), obwohl man ihr ebenfalls Talent attestieren konnte. Sie spielte zusammen mit einem Gitarristen.

Wie oben erwähnt endete mein erster Tag in Haldern im Spiegelzelt nach dem Konzert von Elias. Müdigkeit und die Regenfälle hatten mir den Rest gegeben. Aber es standen ja noch zwei verheissungsvolle Tage bevor...





Freitag, 8. November 2013

The National, Düsseldorf, 05.11.13

0 Kommentare

Konzert: The National
Ort: Mitsubishi Elctric Halle, Düsseldorf
Datum: 05.11.2013
Dauer: The National ca. 110 min, This Is The Kit ca. 40 min
Zuschauer: ca. 5.000



von Ursula von neulich als ich dachte

Warum sind in letzter Zeit so viele gute Konzerte in Düsseldorf? Und wieso ist auf dem für mich langen Weg dorthin eigentlich standardmäßig mit 10 Kilometern Stau zu rechnen? Anders als Woodkid letzten Donnerstag warteten The National in einer traditionellen (Pop-) Konzerthalle auf und hatten, wie man das kennt, eine Vorband dabei. Das nahm der Anfahrt zumindest einiges an Stress, dafür war mir auch bewusst, dass sich der Konzertabend auch entsprechend länger hinziehen würde - was eine kurze Nacht vor einem Arbeitstag bedeutete. 

All das nimmt man für eines der hierzulande seltenen Konzerte von The National aber natürlich gerne auf sich, und letztlich trafen wir dieses Mal sogar relativ pünktlich an der Mitsubishi Electric Halle ein. Als Vorband waren This Is The Kit aus Bristol angekündigt worden, deren Auftritt gegen 20 Uhr begann. Streng genommen handelt es sich bei der "Band" wohl um ein Soloprojekt der Sängerin Kate Stables, was wohl auch erklärt, warum zwar vier Personen die Bühne betraten, die Sängerin den ersten Song aber als Solistin am Banjo vortrug. Erst beim zweiten Song fielen nach und nach Gitarre und Bass mit ein, und erst ab dem dritten Lied bekam auch der Schlagzeuger endlich eine Aufgabe. 


This Is The Kit machen sehr ruhige, folkige Musik. Das hippiehafte Aussehen von Kate, die in geringelten Wollsocken auf der Bühne stand und einen selbstgestrickt wirkenden Pullover trug (selbst das Kabel ihres Banjo sah verdächtig wie eine Wollschnur aus) ließ mich denken, dass This Is The Knit eigentlich auch ein passender Name für das Musikprojekt wäre. Warum ich mich so mit Oberflächlichkeiten aufhalte? Weil ich mit der Musik eher wenig anfangen konnte, sie schien mir auch eher schlecht in eine derart große Halle zu passen. 

Ich kann noch beitragen, dass eines der vorgetragenen Lieder Earthquakes hieß, ein weiteres nannte sich Nits und abgeschlossen wurde das 40minütige Set mit Bashed Out. Wäre man nach dem Konzert zur Band am Merchandisestand gegangen, hätte man einen Downloadcode für eine Kollektion von drei Liedern (eines von jedem Album, wobei das letzte noch nicht erschienen ist) erhalten können. 

Nach zehn Songs und eher höflichem Applaus leerte sich die Bühne wieder. Unser Warten auf den Hauptact wurde recht bald mit einer Art Backstage-Video beendet, das auf einer LED-Wand hinter der Bühne zeigte, wie sich die Band hinter selbiger gerade versammelte und auf den Weg zum Auftritt machte. Später zeigte der Bildschirm teils Bilder von am Bühnenrand angebrachten Kameras, teils Visualisierungen zu den Songs - etwa goldene Regentropfen zu England oder rote "Blutflecken" zu Bloodbuzz Ohio

Die Herren aus Ohio (mittlerweile eigentlich Brooklyn) trugen allesamt dunkle Anzüge und betraten die Bühne zu siebt (fünf Bandmitglieder plus zwei Bläser). Los ging es mit I Should Live In Salt und Don't Swallow The Cap vom aktuellen Album Trouble Will Find Me, das vor allem das erste Konzertdrittel prägte und von dem insgesamt zehn Titel gespielt wurden. Etwas später wurde das ebenfalls neue Demons der Vorband gewidmet, von der The National nach eigenem Bekunden Fans sind - wobei Matt Berninger einräumte, der Titel des Songs passe thematisch vielleicht nicht so gut. Noch später versemmelte er den Gesangseinsatz bei Heavenfaced und erklärte hinterher, das sei sein Lieblingslied von Trouble Will Find Me, und ausgerechnet das habe er verkackt. 

Berninger wirkte auf mich aufgeräumter als bei früheren Auftritten (ich hatte die Band in der Vergangenheit zweimal in Haldern gesehen, aber noch nie in einem Einzelkonzert). Bei den früheren Konzerten hatte ich stets den Eindruck gehabt, der Sänger sei in einem ungesunden Maß gestört oder auch medikamentenbeeinflusst: Er kletterte geistesabwesend am Bühenrand herum oder flippte völlig - und nicht gesund wirkend - zu den Songs aus. Am Dienstag lief das alles etwas ruhiger ab, dafür gab es zwischendurch immer mal wieder einen großen Schluck aus der Weißweinflasche. 

Dennoch tigerte Berninger auch bei diesem Konzert zeitweise unruhig auf und ab, schlug auf das Mikrofon oder das Mikrofon gegen den eigenen Kopf, stieg von der Bühne hinab und lief im Fotografengraben auf und ab. Immer wieder, zum Beispiel in Squalor Victoria, gab es emotionale Schreiausbrüche und bei Graceless sorgte eine solche Eruption dazu, dass Berninger das Mikrofon auf den Boden schmiss und demolierte. Auf The Nationals Facebookseite gibt es ein Foto einer amüsanten Liste, auf der die Crew offenbar abhakt, ob Berninger beim Konzert a) von der Bühne gefallen ist, b) ein Mikrofon zerstört hat oder c) den Mikrofonständer. Zumindest ein weiteres Mikrofon konnte man sicher nach dem Dienstagskonzert durchstreichen ... 


Abgesehen vom Sänger besteht die Stammbesetzung von The National bekanntlich aus zwei Brüderpaaren, darunter die Zwillinge Aaron und Bryce Dessner. Am Dienstag nahmen die Dessners mit ihren Gitarren jeweils die vorderen Ecken der Bühne ein. Der, den wir als Bryce identifizierten, wechselte für Squalor Victoria und Fake Empire nach hinten rechts ans Klavier, während sein Bruder ihn so lange vorne links an der Gitarre vertrat. Gerade als ich glaubte, verstanden zu haben, dass offenbar nur Bryce Klavier spielen kann, nahm aber auch sein Bruder für einen anderen Song daran Platz. Offenbar können die Dessner-Brüder also musikalisch genau dasselbe. 

Interessant war auch, dass Bryce zu I Need My Girl zusätzlich zu seiner eigenen eine zweite Gitarre in die Hand nahm, die er dazu benutzte, Rückkoppelungen zu erzeugen. Dass er sein Instrument zu anderen Gelegenheiten mit einem Geigenbogen bearbeitete, gehört unter Indiebands ja mittlerweile schon fast zum Standardrepertoire. 

In der zweiten Konzerthälfte wurden mehr ältere Songs gespielt, etwa Cardinal Song vom zweiten Album Sad Songs For Dirty Lovers und Daughters Of The Soho Riots von Alligator. Mit dem Evergreen Fake Empire (von Boxer), zu dem ich leider publikumsseitig das möglicherweise arhythmischste Mitklatschen meines Lebens ertragen musste, endete der Hauptteil. Die Band kehrte schon bald zurück, überraschenderweise mit einer Coverversion: Learning von Perfume Genius. Nach dem wiederum neuen Humiliation folgte eine erwartungsgemäß internsiv vorgetragene Version von Mr. November - der Song ist einfach gut geeignet, dazu auszuflippen, und Matt Berninger kam diesem Auftrag nach, indem er letztendlich im vor der Bühne landete. 

Das wäre eigentlich ein recht passender Abschluss gewesen, aber zu meiner (angenehmen) Überraschung - es hat eben auch etwas durchaus Reizvolles, wenn man die Setliste vor dem Auftritt nicht in- und auswendig kann - folgten anschließend noch Terrible Love und, als Rückkehr zum aktuellen Album, Pink Rabbits. Bei letzterem kamen die Bläser, die sich bis dahin im hintersten Teil der Bühne aufgehalten hatten, nach vorne und sangen auch mit. 

Nach den Konzertbesuchen in den letzten Tagen bei Woodkid und den Editors empfand ich es als angenehme Abwechslung, einen Bandauftritt zu erleben, dessen Ablauf nicht ganz und gar durchgeplant zu sein schien. Ein wenig zu sehr herrschten die langsamen Songs vor, was sicher hauptsächlich damit zu tun hat, dass Trouble Will Find Me auch ein recht ruhiges Album ist. Kracher wie Abel wurden leider ausgespart. Auf Facebook behauptete jemand, die Band sei vom vorangegangenen - und wohl lebhafteren - Auftritt in Berlin noch völlig verkatert gewesen, was natürlich möglich ist. Mir gefiel das Konzert dennoch sehr gut. 

Setlist The National, Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf: 

01: I Should Live In Salt 
02: Don't Swallow The Cap 
03: Mistaken For Strangers 
04: Sorrow 
05: Demons 
06: Sea of Love 
07: Heavenfaced 
08: Afraid of Everyone 
09: Conversation 16 
10: Squalor Victoria 
11: I need my girl 
12: This is the last time 
13: Cardinal Song 
14: Bloodbuzz Ohio 
15: Apartment Story 
16: Daughters Of The Soho Riots 
17: England 
18: Graceless 
19: Fake Empire 

20: Learning (Perfume Genius Cover) (Z) 
21: Humiliation (Z) 
22: Mr. November (Z) 
23: Terrible Love (Z) 
24: Pink Rabbits (Z) 

Links: 

- aus unserem Archiv: 
- The National, Esch-sur-Alzette, 06.11.13
- The National, Zagreb, 02.07.13 
- The National, Paris, 25.06.13
- The National, Camber Sands, 09.12.12
- The National, Barcelona, 27.05.11
- The National, Eindhoven, 18.02.11
- The National, Paris, 23.11.10
- The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07
- This Is The Kit, Stuttgart, 27.07.13
- This Is The Kit, Reutlingen, 26.07.13
- This Is The Kit, Paris, 28.09.11
- This Is The Kit, Paris, 17.09.11
- This Is The Kit, Paris, 21.04.11
- This Is The Kit, Paris, 06.02.11
- This Is The Kit, Paris, 27.03.10
- This Is The Kit, Paris, 03.12.09
- This Is The Kit, Paris, 09.06.09
- This Is The Kit, Paris, 11.03.09
- This Is The Kit, Paris, 06.03.09
- This Is The Kit, Paris, 26.03.08
- This Is The Kit, Paris, 01.02.08

Fotos: Dirk von Platten vor Gericht



 


Donnerstag, 7. November 2013

The National, Esch-sur-Alzette, 06.11.13

1 Kommentare

Konzert: The National
Ort: Rockhal, Esch-sur-Alzette (Luxemburg)
Datum: 06.11.2013
Dauer: The National knapp 110 min, This Is The Kit 40 min
Zuschauer: 3.000 (?)  



Sicher war ich nicht, ob das ein (musikalisch) guter Abend werden würde. Die Berichte von den beiden deutschen Konzerten von The National in Berlin und Düsseldorf waren sehr unterschiedlich, die wenigsten aber euphorisch. The National sind in einer Karrierephase (und in einer Hallengröße) angekommen, die herausragende Konzerte immer unwahrscheinlicher macht. 

Das hat nichts mit diesem albernen Indie-Reflex zu tun, alles, was mehr als 100 Leute kennen, doof zu finden. Meine abflauende Euphorie hat unter anderem mit meinem Indie-Mainstream-Geschmack zu tun. Ich mag die beiden mittleren Platten der Amerikaner am liebsten und nicht, wie es korrekt wäre, die zwei davor (die hervorragend sind, keine Frage, die aber für mich nicht gegen Alligator und Boxer anstinken können). Mit High violet und Trouble will find me konnte ich merklich weniger anfangen. Auch Trouble will find me ist noch ein schönes Album, ich höre es aber kaum, obwohl es neu ist, ich höre stattdessen Boxer oder Alligator. Bei Bands, die mir weniger wichtig sind, würde ich vermutlich schreiben, die neue Platte klänge beliebiger oder seichter als die großen Vorgänger, The National täte ich damit natürlich unrecht. Aber richtig wichtig ist mir vor allem die letzte Platte (und eigentlich auch High violet) nicht mehr. Beide gelten als Meisterwerke, ich weiß, aber eben nicht bei mir.

Das Hallenproblem ist leichter zu erklären. In Deutschland gibt es für nicht-ganz-Stadionbands kaum Spielstätten, die für Zuschauer angenehm sind. Jeder Künstler, der beispielsweise in Köln aus dem E-Werk rausgewachsen ist, muß ins Palladium, in die Philipshalle in Düsseldorf (heißt jetzt anders) oder in die Kölnarena. Nichts davon ist angenehm. Für wen es in Frankfurt nicht für die Jahrhunderthalle reicht, muß in eine der merkwürdigen Stadthallen in Offenbach oder Neu-Isenburg ausweichen, in der sonst Modellbaumessen stattfinden und eine abenteuerliche Akustik mit lustigen Echoeffekten herrscht. Das macht keinen Spaß.

Glücklicherweise konnte ich das Hallenproblem diesmal aushebeln, weil The National auch Esch-sur-Alzette im Tourkalender hatten. Die Rockhal ist wie das AB in Brüssel in den letzten Jahren zu meinem liebsten Ort für größere Bands geworden. Es gibt keine angenehmere Art, Konzerte anzusehen. Der zu diesem Zweck gebaute Komplex hat eine exzellente Akustik, tolles Licht, ein angenehmes Publikum und ein hervorragendes Programm, dafür lohnt sich die weitere Anreise immer.

Und das tat sie auch heute...


The National wirkten weder überspielt noch verkatert oder lustlos. Im Gegensatz zu Berlin redete Matt Berninger viel, er lachte, erzählte, wie der lange Aufstieg zum Backstage-Bad den eigentlichen Toilettengang zwischen Hauptteil und Zugaben überflüssig gemacht hatte, weil die vielen Treppen ihn so ins Schwitzen gebracht hätten, daß er nicht mehr musste, als er oben angekommen war.  Er schmiss seine vollen Pappbecher senkrecht in die Luft, vielleicht, weil das Aufplatschen neben ihm in der Halle mit der tollen Akustik so schön klang. Beim obligatorischen Ausflug ins Publikum bei Mr. November hörte man den Sänger irgendwann nur noch lachen, er versuchte, weiterzusingen, bekam aber erneut einen regelrechten Lachkrampf. Er hatte sich irgendwo verheddert. "Bryce, where were you? I was in trouble!" Das sei ihm schon mal passiert, da sei er in eine Dose getreten und aus der nicht mehr rausgkommen. Ganz am Anfang des Konzerts hatte sich Matt eine Kopfnuss verpasst, nicht eine der Gesten, die ich schon kannte, er boxte sich feste gegen den Kopf. Vielleicht war das eine Hallo-wach-Geste. Falls ja - sie funktionierte!


Fast alle der 22 gespielten Titel stammten von letzten beiden Alben (hurra). Dadurch fehlten mir viele meiner Lieblinge, andererseits entschädigten mich Slow show oder About today (von der Cherry tree EP). Auf die einzelnen Lieder kam es mir aber merkwürdigerweise heute gar nicht an. Das, was Fernsehdeppen gerne Gesamtpaket nennen, stimmte zu sehr, um sich über ein fehlendes Secret meeting oder Brainy aufzuregen. 


Die Lieder vom aktuellen Album empfinde ich auch weiterhin als nichtssagender als die früheren (nichts, wirklich nichts kommt an Squalor Victoria ran), das fast zweistündige Konzert war aber keinen Augenblick langweilig. Bei einer Band, die ich (fast zu) oft gesehen habe, ist das eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale. Schwachpunkt des Konzerts war vielleicht I need my girl. Demons (mit Bieranimation auf der Videoleinwand hinter der Band?) und die Zugabe Humiliation waren die besten Stücke des neuen Albums. Hard to find spielten sie laut Bryce Dessner zum ersten Mal live (was ihn bei den Zugaben noch einmal nachfragen ließ, wie es funktioniert habe). Pink rabbits übernimmt dramaturgisch die Rolle, die bisher Vanderlyle crybaby geeks innehatte, die des akustisch vorgetragenen Stücks, bei dem alle vorne in einer Reihe stehen - der Travis Moment eines The National Konzerts.


Nein, es war wirklich ein sehr gutes The National Konzert. Und damit war es sicher nicht mein letztes. Hätte ich gelangweilt auf die Uhr geguckt und auf alte Lieblinge gewartet, wäre es an der Zeit gewesen. Aber eine Runde Größerwerden mache ich sicherlich noch mit. 


Zur enorm sympathischen Vorgruppe This Is The Kit nachher noch ein Bericht!

Setlist The National, Rockhal, Esch-sur-Alzette:

01: I should live in salt
02: Don't swallow the cap
03: Sorrow
04: Bloodbuzz Ohio
05: Demons
06: Sea of love
07: Hard to find
08: Afraid of everyone
09: Coversation 16
10: Squalor Victoria
11: I need my girl
12: This is the last time
13: Abel
14: Slow show
15: England
16: Graceless
17: Fake empire
18: About today
19: Pink rabbits

20: Humiliation (Z)
21: Mr. November (Z)
22: Terrible love (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The National, Zagreb, 02.07.13 
- The National, Paris, 25.06.13
- The National, Camber Sands, 09.12.12
- The National, Barcelona, 27.05.11
- The National, Eindhoven, 18.02.11
- The National, Paris, 23.11.10
- The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07
- This Is The Kit, Stuttgart, 27.07.13
- This Is The Kit, Reutlingen, 26.07.13
- This Is The Kit, Paris, 28.09.11
- This Is The Kit, Paris, 17.09.11
- This Is The Kit, Paris, 21.04.11
- This Is The Kit, Paris, 06.02.11
- This Is The Kit, Paris, 27.03.10
- This Is The Kit, Paris, 03.12.09
- This Is The Kit, Paris, 09.06.09
- This Is The Kit, Paris, 11.03.09
- This Is The Kit, Paris, 06.03.09
- This Is The Kit, Paris, 26.03.08
- This Is The Kit, Paris, 01.02.08




Montag, 29. Juli 2013

Wohnzimmerkonzert bei Claudia, Stuttgart, 27.07.13

0 Kommentare

Konzert: This is the Kit mit Rozi Plain und Morning Star
Ort: Claudias Wohnzimmer in Stuttgart-Feuerbach
Datum: 27. Juli 2013
Dauer:  30 min + 20 min + 60 min
Zuschauer: 40


 
Zeit
wie die Zeit anhält
sich auflöst
im gelungenen
Augenblick

(Annemarie Schnitt)



Wir alle waren an diesem Abend kurz davor uns aufzulösen und schmelzend in die flüssige Phase zu wechseln. Der Abend des wärmsten Tages des Jahres. Gleichzeitig fühlte ich mich so voller Leben, dem prallen Sommertag innerlich ganz anhängend auf der Heimkehr nach zwei bezaubernden Tagen Burning Eagle Festival. In diesem Zwischenraum gelang einer dieser seltenen Momente, wo die Zeit für einen Augenblick - eine Ewigkeit anhält, mich das Leben mütterlich im Arm hält und ganz bei mir sein läßt.


Ich war zum ersten Mal bei Claudia - trotzdem fühlte es sich an wie heimkehren als ich gegen 20 Uhr in Feuerbach ankam. All die zweifelnden Planereien waren nach dem gelungenen Hops nach dem Honig-Set auf dem Listhof-Gelände nach Stuttgart weggewischt und unwichtig geworden. Die letzten Grashalme und den Sand der Wiese konnte ich mir im Bad abspülen, in der Küche mit Jens ein kühles Bier trinken. Rozi, Jesse und Kate hatte ich schon im Vorbeigehen ein fröhliches Hi zugerufen - wir hatten uns noch vor ein paar wenigen Stunden in Reutlingen voneinander verabschiedet im Wissen um das baldige Wiedersehen.


Es trafen immer weiter Gäste ein, die förmlich spürbare vorfreudige Erwartung wuchs und schließlich begann das Konzert 10 vor 9. Das Wohnzimmer war rekordverdächtig gefüllt und auch Terasse und Küche voll weiterer Hörer - alle mucksmäuschenstill und gespannt. Ich dachte, ich wüsste genau, was mich erwartete, hatte ich doch sowohl Rozi Plain als auch This is the Kit gerade am Vortag schon live gesehen und genossen.



Aber den Zauber, der sich dann im letzten Tageslicht entfaltete, hatte ich so nicht vorhersehen können. Die Lieder zündeten in der intimen Athmospäre ein Feuerwerk an Emotionen. Das Publikum dankte mit Applaus, Stille und Lachen und stimmte in die Lululu-Ruf von Sides ein. Schließlich verabschiedete sich Rozi Plain mit Vielen Dank you very much

Ohne Pause wechselte die Musiksprache anschließend in die etwas poppigere Richtung von Morning Star und das Wort hatte nun Jesse. Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir hier die Bolero Nummer I heard calling gently, die im Zimmer die Stimmung einer durchtanzten Sommernacht in Erinnerung rief und wann immer ich mich selbst anfeuern muss, werde ich auf One, two, three, four Work! zurückgreifen.


Nach einer Pause gab es Musik von This is the Kit mit den gleichen Musikern, nur dass jetzt Kate das Wort am Mikro hatte. Sie begann zunächst sehr ruhig und solo, dann trat im zweiten Stück Geigenbegleitung hinzu. Easy pickings hatte mir schon in Reutlingen so gut gefallen, zumal das picking auf dem Banjo den Text so schön konterkariert. Ich ließ mich mit der Musik treiben und konnte nur noch denken: Was für ein wunderbarer Abend.


Etwas Verwirrung stiftete ein lautes Feuerwerk in der Nachbarschaft in die getragene Musik hineinplatzend.  Und nach einer Zugabe war kurz nach 11 der musikalische Teil des Abends vorbei. Wir saßen aber noch lange zusammen und schauten erst nach den aufgehenden Sternen, dann in das Wetterleuchten der heranziehenden Gewitter.


Am Sonntag entluden sie sich rings um Stuttgart und auch in Reutlingen katastrophal mit Hagelsturm. Aber in diesem Moment war einfach alles gut so wie es war und ein wunderschöner Abend wurde bis zur Neige genossen.Vielen Dank!

Setlist Rozi Plain

1: Foot out
2: Take it
3: Humans
4: Quarry
5: Catch up
6: Sides


 
Setlist Morning Star
1: Rainbow Land
2: Still mountain
3: I heard calling gently
4: Serious guy



Setlist This is the Kit
1: Birchwood Beaker
2: Creeping up our skins
3: Easy pickings
4: White ash cut
5: Nits
6: Water proof
7: Spores
8: Cold and got colder
9: Earthquake
10: Spinney

11: Magic spell (Z)
12: Numbers (Z) 



Aus unserem Archiv:
This is the Kit und Rozi Plain, Reutlingen, 26.07.2013
This is the Kit, Paris, 28. 09. 2011
This is the Kit und Rozi Plain, Paris, 3.12. 2009
This is the Kit, Paris, 1.2.2008
(insgesamt 13 Bericht aus Paris seit 2008)

Der Bericht zum Konzert auf dem Gigblog




Samstag, 27. Juli 2013

Burning Eagle Festival Tag 1, Reutlingen, 26.07.13

0 Kommentare
Konzert: Tag eins des Burning Eagle Festivals für mich mit:
          Rozi Plain (30 min)
          Pamplona Grup (45 min)
          This is the Kit (45 min)
          Dark Dark Dark (45 min)
          Mikhael Paskalev (35 min)
          Get well soon (40 min)
Ort: Listhofgelände in Reutlingen
Datum: 26. Juli 2013
Dauer: 15:00 bis 23:55 Uhr


Dieses Festival hat mich vom ersten Moment an bezaubert. Alles ist mit so viel Liebe zum Detail vorbereitet. Angefangen von der Musik, vom Gelände, von den Ständen von der Auswahl an Essen und Trinken. Es ist wie ein Ausflug in eine freundlichere Welt.


Die Musik des ersten Tages hatte gleich mehrere Highlights für mich. Die Lieblinge unseres Tagebuches Get well soon spielten wunderbar auf, zuvor waren Dark Dark Dark herzerwärmend. Neuentdeckungen für mich Rozi Plain und This is the Kit und die unglaublich fröhlich aufspielende Pamplona Grup. Auch Mikhael Paskalev war in meinen Augen für diesen Tag eine hervorragende Wahl der Veranstalter.



Ich muss zugeben, dass ich mit der Lage des Festivals und meiner Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ein wenig Herzklopfen hatte (vor allem bezüglich der Abreise am Abend). Aber als ich es tatsächlich geradeso rechtzeitig zum Set von Rozi Plain geschafft hatte, musste ich doch zugeben: Ja, so ein Festival passt genau hierher! Ins Grüne, unter die Bäume und zwischen die einfallsreich gestalteten Verkaufs - und Informationsstände. Ich setzte mich neben die Walderdbeeren vor die große Bogak-Bühne und ließ mich von der sommerleichten Musik von Rozi Plain einfangen und einstimmen auf zwei wunderbare Tage in so schöner Umgebung. 
 
Kate Stables bei Rozi Plain

Die Musik von Rozi Plain (E-Gitarre und Gesang) wurde von Jesse  Vernon am E-Bass und Kate Stables (Vocals) und Michael am Schlagzeug interpretiert. Die Ansagen waren freundlich und obwohl die Besetzung nach traditionell hau-drauf-mäßig klingt, eher auf der zarten und verträumten Seite. Wie sagt mein Kollege Oliver aus aus Paris das so schön: einfacher aber nie einfältiger Folk vorgetragen mit einer warmen Stimme. Und ganz am Schluss wurden wir mit einem freundlichen Indianergruß entlassen.


Rozi Plain

Setlist Rozi Plain
Foot out
Alive
Take it
Humans
Quarry
See my boat
Catch up
Sides



Auf der Better2gether-Bühne hatte ich schon im Vorbeigehen eindrucksvoll viele Instrumente vorbereitet gesehen. Geboten wurde dann von acht jungen Männern an Akkordeon, Klarinette, Trompete, Posaune, Kontrabass, E-Gitarre, Geige, und Cajon eine tanzbare Gute-Laune-Musik mit Balkananklängen, die durch die vielen Rhythmuswechsel immer etwas unvorhersagbar und überraschend blieb. Es gab nette Zwischenansagen mit schweizer Einfärbung, z.B. zum Stück Haschisch in dem die Wirkung des Stoffes durch besondere Rhythmenwechsel verdeutlicht worden war und wir hörten die Geschichte vom Fisch Jacques bevor wir uns in die vertonte Variante vertiefen konnten.



Bei Schöni Frau zog es dann endgültig die ersten Tanzwütigen aus dem Sitzen an den Bühnenrand.



Nettes Detail (und irgendwie sehr typisch für das Festival), dass Kate im Publikum saß und die jungen Männer während des Auftritts zeichnete. Wenig später war sie in ein Gespräch mit Wallis Bird vertieft. Eigentlich versuchten die Jungs Kai Lehmann von Garda zum letzten Stück auf die Bühne zu rufen, aber leider klappte das nicht - er hatte noch hinter der Bogak-Bühne zu tun. Statt dessen musste das Publikum singen üben und wurde dabei ordentlich gefordert, aber es gab kein Gesicht, auf dem nicht ein frohes Lächeln dabei zu sehen war.


Setlist Pamplona Grup
Klezmi 
Galéron 
Haschisch 
Jacques 
Flying Bulgar 
Schöni Frau 
T'Fila 
Rodeo 
Noi Siech 
Die Oros



Nach einer kurzen Pause ging es mit This is the Kit auf der Bogak-Bühne weiter. Die Besetzung war wie bei Rozi Plain, aber nun war Kate in der führenden Position und Rozi support an der E-Gitarre. Ich war ganz fasziniert von der Känguruh-Tasche für das Banjo! Der Schlagzeuger spielte bei einigen Stücken die Geige und die musikalischen Gesten bezogen sich häufig auf Folk, aber die Grenzen von Folkmusik wurden überschritten in Richtung sphärischer und psychedelischer Musik. Hauptargument für mich, warum mir die Musik so ausgesprochen gut gefiel sind eindeutig die Stimmen aller vier. Männer und Frauen in dieser Mischung waren zum wegträumen schön.

Setlist This is the Kit
Waterproof
Easy Pickings
White Ash cut
Nits
See here
Colder
Earthquake
Numbers
Spinney


Auf der kleinen Bühne ging es im Anschluss mit Friedemann Weise weiter, mir war aber schnell klar, dass dies meine Pause würde, um für mein leibliches Wohl zu sorgen und mir anschließend einen guten Platz für Dark Dark Dark zu suchen. 
 
Bild von Claudia

Deren Set begann gleich mit einem meiner Lieblingslieder It's a secret und einem ganz neuen Lied mit einem hymnischen Refrain. Bei Hear me kam nach einem extra langem Intro beim einsetzen der Pauke mit dem vertrauten Rhythmus der erste echte Gänsehautmoment des Abends. Und natürlich Trompete und Akkordeon gleichzeitig gespielt sind Bild unglaublicher Hingabe, die sich auch auf mich übertrug.


Trouble wurde anschließend sehr rockig und rhythmusbetont dargebracht. Es war auch der erste Song, in dem ich von meinem Platz aus den Blick auf den Schlagzeuger frei hatte. Ich liebe es zuzusehen, wie er sein Drumset regelrecht massiert! Natürlich war Daydreaming wieder eine tolle Nummer. Hierfür stand Nona Marie Invie vom Piano auf und sang mehrer Stücke lang im stehen. Das Lied verfehlt nie seine Wirkung auf mich und auch die anderen Hörer an diesem Abend verfielen seinem Zauber ganz offensichtlich.


Für How it went war Walt McClements am Piano und es wirkte sehr innig und persönlich. Im letzten Stück The great mistake gab es aber als "Rausschmeißer" fast New-Orleans-Jazzige Anklänge. 


Ein rundum tolles Set. Einzig zu beklagen, dass es zu schnell vorbei war.

Setlist Dark Dark Dark
It's a Secret
New song
Meet in the dark
Hear me
Trouble
Daydreaming
What I need
How it went
The great mistake



Weiter ging es im Programm des Burning Eagle mit dem mir ganz unbekannten Mikhael Paskalev. Die Band brauchte eine ganze Weile für den Soundcheck und begann 10 min später als geplant.


Bild von Claudia
Ihr Set begann Mikhael mit einer Solonummer an der Gitarre, aber es wurde im Anschluss ordentlich fetzig und nach drei Nummern kam schließlich der Moment, wo alle aufstanden und ordentlich getanzt wurde. Das passte und machte richtig Spaß. Es macht mir auch große Freude, der Dame an der Steelguitar zuzusehen. Die hatte eindeutig den Schalk im Nacken.
 
Bild von Claudia
Walls Bird überging ich im Biergarten bei einem netten Gespräch und etwas Wein. Es wurde darüber dunkel.



Schließlich sicherte ich mir einen Platz am Bühnenrand von Get well soon. Der Garten war nun ordentlich gefüllt und man stand recht dicht gepackt. Freudige Erwartung lag in der Luft. 



Leider dauerte der Soundcheck 30 min länger als geplant und es gab schon etwas Unruhe, aber als es gegen 22:45 Uhr denn losging, wurde uns mit Beckengetöse und dramatischer Einspielmusik bei Mayan Calender gleich ordentlich was geboten. Es war einfach nur euphorisierend und vielleicht DER Moment des Abends überhaupt. Die Begrüßung durch Herrn Hopper war sehr lustig. Die Organisatoren hätten die Band wirklich ganz schön betteln lassen, bis sie endlich, endlich mal auftreten dürften auf dem Burning Eagle Festival.  Nun, endlich, sei es so weit und sie freuten sich sehr darüber!


Auf der Bühne war alles etwas gedrängt, und bei den immer wieder vorkommenden Wechseln der Instrumente (fast alle durften mal ans Xylophon und bei einigen Stücken paukte man zu viert!) mussten alle ein bisschen achtsam sein. Aber es wurde ein wahrhaftes musikalisches Feuerwerk gezündet und bis zur finalen Geisteraustreibung You cannot cast out the demons you might as well dance war das Publikum gebannt und begeistert dabei und die Musiker auf der Bühne ekstatisch und dramatisch. Was für ein herrlicher Auftritt an so einem Sommerabend.


Setlist Get well soon
Mayan calender
Last days of Rome
Roland, I feel you
Werner Herzog gets shot
We are ghosts
Voice in the Louvre
Courage Tiger
Oh my good heart
Gallows
Angry young man
Burial at sea
You cannot cast out the demons you might as well dance



Im Rückweg zum Parkplatz (ich hatte zum Glück eine Mitfahrgelegenheit in die Stadt zurück) einmal um den Listhof herum im Dunkeln begleitete mich noch wie ein guter Zauber die Musik von Denis Jones für 20 min. 


Was blieb mir nach diesem wunderbaren Tag zu sagen? Alles fühlte sich an wie für mich ganz persönlich gemacht. Sogar auf Hörschutz konnte ich fast durchgängig verzichten. Das Publikum war so herrlich entspannt und fast alle Künstler mischten sich auch unter das Publikum. Besser geht nicht!

Fotoauswahl:

 


 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates