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Sonntag, 25. August 2013

Maxïmo Park, Großpösna, 16.08.2013

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Konzert: Maxïmo Park
Ort: Großpösna, Störmthaler See
Datum: 16.08.2013
Dauer: eine knappe Stunde
Zuschauer: tausende


2013 glaubt man es kaum, aber ja, vor einigen Jahren war der gradlinige Indie-Rock von Maximo Park aus Newcastle wirklich einmal wichtig: Die Band um Frontmann Paul Smith veröffentlichte mit „A Certain Trigger“ (2005) und „Our Earthly Pleasures“ (2007) zwei herausragende Alben der vergangenen Dekade, darauf folgte eine Menge Mittelmaß, das langweilige Soloalbum des Sängers und mit „The National Health“ der öde Tiefpunkt im vergangenen Jahr. 
Ob die Nordengländer live noch an die Klasse ihrer großen Zeit anknüpfen können, fragte ich mich vor ihrem Auftritt auf dem sächsischen Highfield Festival. Mit „When I Was Wild“, dem Piano getragenen Intro des aktuellen Albums, das direkt in den Titeltrack desselben, „The National Health“, übergeht, beginnend, scheinen sich meine Befürchtungen zu bestätigen. 
Der wie immer Hut tragende Paul Smith wirbelt zwar wie eh und je über die Bühne, man kann erahnen, dass dieser Act vor nicht allzu langer Zeit als spannend galt, dennoch langweilt mich der abgehobene, snobistische Beginn trotz Sozialkritik und schnellen Gitarren. 
Die Erlösung lässt glücklicherweise mit „Girls Who Play Guitars“ nicht lange auf sich warten, Smith wirkt gelöst, als er die frenetische Reaktion der Menge auf den Publikumsliebling wahrnimmt. The Jam-Gitarren, dekadente Posen im Anzug und dieser selbstgefällige Gesang, der ihm einmal die Betitelung Jarvis Cocker des Nordens“ einbrachte, entfalten ihre sofortige Wirkung. Wie bei den Kaiser Chiefs ist es folgerichtig bereits nach wenigen Jahren von Nostalgie zu sprechen. Der Anspruch als relevante Band der Gegenwart wahrgenommen zu werden, kann nur verfehlt werden, der Funke springt bei den Konzerten erst bei den alten Hits über, entflammt Emotionen, setzt Tanzbeine in Bewegung und lässt einen fröhlich an die Jugend zurückdenken. 
Besonders mochte ich bei Maximo Park immer den unbeschwerten Keyboard-Einsatz in Zeiten, in denen das 80s Revival schlimme, überladen produzierte und dabei äußerst erfolgreiche Synthie-Sünder wie die Killers hervorbrachte. Lukas Wooller von Maximo Park gelang damals der Spagat zwischen zeitgeistiger Anbiederung und nötiger Distanz sehr elegant, indem er sich offenbar wenig Gedanken um die Außenwirkung machte. Auch heute ist es der Keyboarder, der gemeinsam mit der auffälligen Singstimme Smiths den Bandsound ausmacht, der die Erwartungen erfüllt. 
 Während neuere Stücke fast ungehört an mir vorbeirauschen, saugt man die Bandklassiker auf, tanzt zu „Apply Some Pressures“ oder „Graffiti“, skandiert die schwarzhumorigen Zeilen aus „Our Velocity“ lautstark - „Im not a man, Im a machine / Chisel me down until I am clean / I buy books, I never read / And then I'll tell you some more about me“ - bevor man sich beim großartigen „Books From Boxes“ andächtig singend in den Armen liegt, während Smith, Duncan Lloyd (Gitarre), Archis Tiku (Bass), Wooller und Tom English (Schlagzeug) noch einmal alle Register der Indie-Nostalgie-Revue zurück in die 00er Jahre ziehen und die Generation der kurz nach der Wende geborenen Festivaljünger ein letztes Mal beglücken. 
Wichtig ist das alles freilich nicht mehr, aber eine knappe Stunde enthemmtem Brit-Rocks entschädigt für vieles. Live sind Maximo Park auch 2013 eine Wucht, unangefochten der mitreißende Act des ersten Festivaltags, die neusten Alben darf man nichtsdestoweniger trotzdem getrost ignorieren. 


Links:
- aus unserem Archiv:
- Maximo Park, Köln, 03.03.2012 
- Maximo Park, Frankfurt, 28.10.2009 
- Maximo Park, Düsseldorf, 22.10.2009
- Maximo Park, Luxemburg, 19.10.2009
- Maximo Park, Münster, 08.05.2009
- Maximo Park, Köln, 03.03.2009
- Maximo Park, Haldern, 09.08.2008
- Maximo Park, Nijmegen, 20.06.2008
- Maximo Park, Wiesbaden, 22.10.2007
- Maximo Park, Köln, 16.10.2007
- Maximo Park, Glasgow, 02.10.2007
- Maximo Park, Paris, 08.06.2007
- Maximo Park, Köln, 26.05.2007
- Maximo Park. Bochum, 09.04.2007



Sonntag, 4. März 2012

Maxïmo Park, Köln, 03.03.12

3 Kommentare

Konzert: Maxïmo Park*
Ort: E-Werk, Köln (20 Jahre intro)
Datum: 03.03.2012
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: knapp 60 min


Vor wenigen Wochen waren Maxïmo Park noch Kandidat für die letzte Seite im Stern. Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, was die Engländer mittlerweile machen, ich hatte schon die Solowege von Paul Smith vollkommen vernachlässigt (sicher vertretbar). Daß die Newcastler beim 20jährigen intro-Jubiläum aufspielen sollten, weckte meine Neugierde wieder. Und als ich vorhin im randvollen E-Werk Going missing, Graffiti oder Monument hörte, waren das wieder die alten Lieblinge da auf der Bühne. Vollkommen egal, was sie zwischenzeitlich gemacht haben, auch 2012 sind Maxïmo Park live vollkommen relevant, solange sie nur reichlich alte Stücke spielen.

In der Jubiläums-intro sind Fotos eines bärtigen, Wollmütze tragenden Paul Smith. Oh je, das riecht nach fundamentaler Neuausrichtung. Ich war ehrlich gesagt unsicher, was mich erwarten würde.

30 Sekunden nach Beginn des Konzerts (um halb zwölf) hatten sich meine Unsicherheiten als albern herausgestellt. Paul Smith hatte ein glattes Kinn, den Bowler auf dem Kopf, das Kinn glattrasiert, trug den Anzug von vor sechs Jahren und hatte nichts von seiner Live-Beklopptheit verloren! Sein Irrsinn wird bekanntlich nur von Keyboarder Lukas Wooller übertroffen, und auch der hatte alte Form. Bei Going missing hatte er sein mittlerweile schwarzes Keyboard (zu den roten von damals hatte er vor drei Jahren im Interview einiges erzählt) umgelegt und spielte auf dem Boden sitzend. Eine Pause bei Apply some pressure nutzte er, um über die Bühne zu wandern, so lässig, daß Paul ihn zurück scheuchen musste, damit er seinen Einsatz noch erwischte.

Maxïmo Park spielten drei neue Lieder. 2012 erscheint das vierte Album der Band, das, wenn die neuen Stücke repräsentativ sind, ein Nachfolger von Quicken the heart wird.

Ok, ein wenig deutlicher...
Die alten Gassenhauer ziehen immer noch sagenhaft! Der Fundus großer Hits macht den Engländern ein Konzert offenbar sehr einfach. Ein paar Lieder der ersten beiden Platten am Anfang und der Abend ist gelaufen. Die Stücke vom dritten Album fallen dagegen ab, passten aber heute gut ins Set (es waren ja auch die besten). Ob ich das von den Titeln des vierten Albums auch irgendwann sagen werde, bezweifele ich allerdings sehr. Das erste der drei, dessen Titel ich nicht kenne, war langweilig und unspektakulär. Es war auch nicht ein komplett neuer Stil, der mir einfach nicht gefiel, es war schon Maxïmo Park, allerdings qualitativ eher eine B-Seite von Quicken the heart.

Take me home, Nummer zwei, kann ich mir auch nicht als Single vorstellen. Es ist besser als das erste, aber auch kein Knüller - auch eine B-Seite. Für Waves (of fear) gilt das gleiche. Vielleicht enthält die Platte Kracher, die sich Maxïmo Park aus dramaturgischen Gründen aufheben, ich fürchte aber eher, daß Maxïmo Park keine Platte vom Format der ersten beiden mehr gelingen wird. Die Hits sind alle geschrieben, das muß ausreichen.

Aber drei unspektakuläre Neulinge änderten nichts am großen Livespektakel! Das haben die Nordengländer nicht verlernt, oh nein!

Setlist Maxïmo Park, 20 Jahre intro, E-Werk, Köln:

01: Girls who play guitars
02: Quicken the heart
03: The coast is always changing
04: Our velocity
05: neu (Here comes the...?)
06: Questing, not coasting
07: The kids are sick again
08: Graffiti
09: I want you to leave
10: In another world (you would've found yourself by now)
11: Limassol
12: Take me home (neu)
13: Books from boxes
14: Waves (of fear) (neu)
15: Going missing
16: By the monument
17: Apply some pressure

Links:

- aus unserem Archiv:
- Maximo Park, Münster, 08.05.09
- Maximo Park, Frankfurt, 28.10.09
- Maximo Park, Düsseldorf, 22.10.09
- Maximo Park, Luxemburg, 19.10.09
- Maximo Park, Köln, 03.03.09
- Maximo Park, Haldern, 09.08.08
- Maximo Park, Nijmegen, 20.06.08
- Maximo Park, Wiesbaden, 22.10.07
- Maximo Park, Köln, 16.10.07
- Maximo Park, Glasgow, 02.10.07
- Maximo Park, Paris, 08.06.07
- Maximo Park, Köln, 26.05.07
- Maximo Park, Bochum, 09.04.07
- Interview mit Maximo Park

* vorher, vorher war ich noch bei Julie Peel und Hailey Wojcik. Der Bericht von diesem schönen Konzert kommt morgen irgendwann!




Donnerstag, 29. Oktober 2009

Maximo Park, Frankfurt, 28.10.09

10 Kommentare

Konzert: Maximo Park
Ort: Jahrhunderthalle, Frankfurt
Datum: 28.10.2009
Zuschauer: nicht ausverkauft
Dauer: Maximo Park 70 min, Blood Red Shoes 30 min


Die komischste Szene des Konzerts spielte sich gegen Ende ab. Keyboarder Lukas, der wie immer einen großen Teil des Konzerts irgendwo über die Bühne laufend verbrachte, kippte nicht nur an seinem Instrument rum, er kletterte drauf! Seine Aussage bei unserem Interview mit ihm und Schlagzeuger Tom English kurz vor dem Konzert, daß er keine roten Keyboards mehr habe, weil die nicht besonders haltbar gewesen seien, machte damit auf einmal perfekt Sinn!

Auch über ihre Auswahl der Vorgruppen hatten die beiden Maximo Parks viel erzählt. Üblicherweise bringen große britische Bands ja keinen Support nach Deutschland mit sondern überlassen es dem Veranstalter, sich darum zu kümmern. Nicht immer gelingt das. Daß man als Vorgruppe große Namen oder zur Zeit sehr hippe Bands präsentiert bekommt, ist außerhalb Englands leider die große Ausnahme. Nicht so bei Maximo Park. Die Newcastler bringen grundsätzlich Wunschbands mit. Kein Wunder also, daß mit Pete & The Pirates und den Blood Red Shoes auf der aktuellen Tour gleich zwei Lieblingsgruppen zu sehen waren. In Glasgow übernahm diesen Part Malcolm Middleton, also alles alte Bekannte unserer Seite.

Zwei für die späte Uhrzeit noch viel zu lange Schlangen vor den Türen ließen mich die ersten ein oder zwei Lieder der Blood Red Shoes diesmal leider verpassen. Seit den Pixies hatte sich der Innenraum der Jahrhunderthalle verändert. Der hintere Raum des Parketts war tribünenahnlich angehoben. Das machte den Innenraum deutlich kompakter.

Laura-Mary und Steven spielten also schon. Als ich reinkam, lief gerade
Count me in, ein Stück, das sie häufiger schon gespielt haben. Wie alle anderen der unveröffentlichten Lieder, die ich seit dem Sommer live gesehen habe, ist Count me in extrem vielversprechend! Wie schon in Düsseldorf spielten die beiden Musiker aus Brighton bis auf den Abschlußsong I wish I was someone better ausschließlich neue Titel. Das zeugt von Selbstbewußtsein, das hier aber vollkommen angemessen ist. Von einer Schaffenskrise ist bei den Blood Red Shoes aber auch wirklich gar nichts zu spüren! Großartige Band, großartige Lieder, hoffentlich auch großartige Perspektiven... Die beiden sehen wie (junge) Rockstars aus, machen gute Musik und verdienen daher im kommenden Jahr den Durchbruch. Aber ganz realistisch ist die Musik der Blood Red Shoes bei aller Güte leider nicht hip genug, um Radio- oder Musikzeitungsredakteuren genug zu gefallen, um einen Gossip-Effekt zu erzeugen.

Der größte Knüller heute war When we wake, ein sehr ruhiges Lied, das stilistisch herausstach. Wenn das nicht auf dem Album sein wird, bin ich sauer!


Setlist Blood Red Shoes, Jahrhunderthalle, Frankfurt:

01: It is happening again
02: It's getting boring by the sea
03: Count me out
04: Light it up
05: Keeping it close
06: When we wake
07: Don't ask
08: I wish I was someone better

Von den drei Konzerten, die ich in den letzten zwei Wochen gesehen habe, hatte das Frankfurter nach meinem derzeitigen Geschmack wohl die beste Setlist. Das Grundgerüst der gespielten Songs war auf der heute beendeten Deutschland (und Luxemburg) Tour gleich, einzelne Stücke wurden aber von Konzert zu Konzert variiert. Drei Konzerte der gleichen Band sind auch mir viel zu viel innerhalb von wenigen Tagen, für jedes sprachen aber besondere Gründe, sodaß ich auf keines verzichten wollte. Aber durch die immer wieder anderen Setlisten verhinderte Maximo Park auch, daß Langeweile entstehen konnte; auch das dritte Konzert war spannend.

Neu im Vergleich zu den beiden anderen Abenden waren The night I lost my head und das wundervolle By the monument, das alleine den Ausflug rechtfertigte! Neben Nosebleed war By the monument das Lied, das ich bisher am meisten von der zweiten Platte vermisst hatte.

"Überschattet" (Drama!) wurde die erste Hälfte des Konzerts von großen Soundproblemen. Die bekam ich erst allerdings gar nicht mit, da ich neue Ohrstöpsel ausprobiert hatte und Ohrenschutz von der Stange ja die Eigenschaft hat, den Klang eines Konzerts zu verschlechtern, weil er die Frequenzen unvorteilhaft für die Musik filtert. Daß es dumpf brummte, führte ich also auf Ohrenschutz zu. Als sich aber Leute neben mir die Ohren zuhielten, nahm ich meine Stöpsel testweise raus und hörte auch, wie mies es klang, es lag nicht an dem Gehörschutz, die Anlage erzeugte das Brummen. Band und Soundingenieur arbeiteten eifrig an dem Problem und verbesserten die Situation. Brillant klang es auch danach nicht, es tat aber nicht mehr weh.

Das Konzert war enorm kurzweilig. Nach und nach kristallisieren sich bei mir auch Livelieblinge der letzten Platte Quicken the heart (neu fällt mir schwer zu schreiben; sie ist schließlich einige Monate alt) heraus. A cloud of mystery ist einer von denen. Auf Platte hatte ich das am Anfang eher übersehen, es ist aber ein riesiger Hit! Mein absoluter Favorit wird aber mehr und mehr That beating heart, das es leider gar nicht erst auf Quicken the heart geschafft hatte.

Man sah es ihm (von weitem) nicht an, hörte es aber gegen Ende mehr und mehr; Paul Smith hatte mit einer Erkältung zu kämpfen und verlor immer mehr Stimme. Kurz vor Schluß krächzte er bei seinen Ansagen nur noch. Vermutlich war das auch der Grund dafür, daß Acrobat bei den Zugaben fehlte.

Schade, daß auch Frankfurt bei weitem nicht ausverkauft war. Die Band machte da aber keinen Unterschied und gab alles, von routiniertem Runterspielen war nichts zu spüren. Das wurde glücklicherweise auch honoriert, denn die Stimmung vor der Bühne war ausgezeichnet, mit Crowdsurfern, rhythmischem Klatschen und all diesen Ritualen (die wohl dazugehören).

Und daß Paule nicht mehr springt, liegt auch nicht an mangelnder Begeisterung. Aber das erzähle ich dann später, wenn das Interview online steht...

Setlist Maximo Park, Jahrhunderthalle, Frankfurt:

01: A19
02: The penultimate clinch
03: Wraithlike
04: By the monument
05: Signal and sign
06: A cloud of mystery
07: Karaoke plays
08: The kids are sick again
09: The night I lost my head
10: Questing, not coasting
11: Tanned
12: That beating heart
13: Going missing (akustisch)
14: Let's get clinical
15: The coast is always changing
16: Books from boxes
17: Apply some pressure
18: Girls who play guitars

19: Calm (Z)
20: Our velocity (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Maximo Park & Blood Red Shoes, Düsseldorf, 22.10.09
- Maximo Park, Luxemburg, 19.10.09
- Maximo Park, Münster, 08.05.09
- Maximo Park, Köln, 03.03.09
- Maximo Park, Haldern, 09.08.08
- Maximo Park, Nijmegen, 20.06.08
- Maximo Park, Wiesbaden, 22.10.07
- Maximo Park, Köln, 16.10.07
- Maximo Park, Glasgow, 02.10.07
- Maximo Park, Paris, 08.06.07
- Maximo Park, Köln, 26.05.07
- Maximo Park, Bochum, 09.04.07
- Blood Red Shoes, Nijmegen, 19.07.09
- Blood Red Shoes, Köln, 04.11.08
- Blood Red Shoes, Highfield, 17.08.08
- Blood Red Shoes, Melt!, 18.07.08
- Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07
- Interview mit den Blood Red Shoes
- Interview mit Maximo Park folgt!







Donnerstag, 22. Oktober 2009

Maximo Park, Düsseldorf, 22.10.09

5 Kommentare

Konzert: Maximo Park (& Blood Red Shoes)
Ort: Philipshalle, Düsseldorf
Datum: 22.10.2009
Zuschauer: vielleicht 3.500
Dauer: Maximo Park 75 min, Blood Red Shoes 30 min


Maximo Park mit Vorgruppe Blood Red Shoes, das hatten wir doch schon einmal. 2007 begleitete das Brightoner Duo die Band um Paule Smith bei ihrer Deutschland-Tour. Damals hatten Laura-Mary Carter und Steven Ansell das Palladium-Publikum, das sie mehrheitlich nicht kannte, ordentlich begeistert. Mich auch, das hatten sie aber auch vorher und nachher einige Male getan, zuletzt bei einem fabelhaften Festival in Nijmegen im Sommer, wo die beiden einige neue Lieder vorgestellt hatten. Ich war also nicht furchtbar enttäuscht, als vor ein paar Wochen verkündet wurde, daß der ursprünglich geplante Support, die Friendly Fires, abgesagt hatte und durch die Blood Red Shoes ersetzt wurde.

Seit 2007 sind die Hallen noch etwas größer geworden, allerdings ohne Erfolg. Schon das Parken rund um die Philipshalle - eine eigentlich unmögliche Aufgabe - war vollkommen unproblematisch. Drinnen hatte man kosmetische Korrekturen vorgenommen; die Oberränge waren mit dunklen, viele der unteren Tribünen durch helle Vorhänge verdeckt. Im ebenfalls verkleinerten Innenraum war noch viel Platz, als die Blood Red Shoes um acht begannen. Ist das Krise, ein sich ändernder Musikgeschmack oder schlechtes Timing, so lange nach der aktuellen Maximo Park Platte? Ich weiß es nicht, blendete den Frust darüber aber aus, weil ich mich auf das ein oder andere neue Blood Red Shoes Lied freute.

"Wir wollen euch nicht schon wieder die Lieder vorspielen, die ihr schon so oft gehört habt, daher spielen wir nur neue Sachen", bediente Schlagzeuger Steven meine Vorfreude! Das klang vielversprechend - zurecht!

Ich erkannte leider nicht alles wieder. Aber einige der Lieder hatten Steven und Laura-Mary (die erst motzig wirkte - es wurde aber besser) bereits in Nijmegen vorgestellt; mir gefielen sie ohne Ausnahme! Ganz besondere Knüller waren Count me out und das dritte Lied, dessen Namen ich nicht weiß. Diese zweite Platte wird ganz sicher ein Blindkauf werden, die neuen Stücke sind zu gut, um das Album nicht zu kaufen!

Am Ende der halben Stunde kam dann doch mit
I wish I was someone better noch ein alter Hit. Die Blood Red Shoes hatten ihren Job mehr als erfüllt und auch mir wieder extrem viel Spaß gemacht. Eine großartige Band!

Setlist Blood Red Shoes, Philipshalle, Düsseldorf:

01: It's happening again (neu)
02: Count me out (neu)
03: Light it up (neu)
04: Keeping it close (neu)
05: Colours Fade (hieß mal Fade to grey) (neu)
06: Don't ask (neu)
07: I wish I was someone better


Bis zu Maximo Park hatte es sich etwas mehr gefüllt. Wie es dann war, folgt sofort!


Setlist Maximo Park, Philipshalle, Düsseldorf:

01: A19
02: The penultimate clinch
03: Wraithlike
04: Russian literature
05: Signal and sign
06: Questing, not coasting
07: Roller disco dreams
08: Karaoke plays
09: A cloud of mystery
10: The kids are sick again
11: That beating heart
12: Going missing (akustisch)
13: I haven't seen her in ages
14: The unshockable
15: Let's get clinical
16: Books from boxes
17: Apply some pressure
18: Girls who play guitars

19: Calm (Z)
20: Acrobat (Z)
21: Our velocity (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Maximo Park, Luxemburg, 19.10.09
- Maximo Park, Münster, 08.05.09
- Maximo Park, Köln, 03.03.09
- Maximo Park, Haldern, 09.08.08
- Maximo Park, Nijmegen, 20.06.08
- Maximo Park, Wiesbaden, 22.10.07
- Maximo Park, Köln, 16.10.07
- Maximo Park, Glasgow, 02.10.07
- Maximo Park, Paris, 08.06.07
- Maximo Park, Köln, 26.05.07
- Maximo Park, Bochum, 09.04.07
- Blood Red Shoes, Nijmegen, 19.07.09
- Blood Red Shoes, Köln, 04.11.08
- Blood Red Shoes, Highfield, 17.08.08
- Blood Red Shoes, Melt!, 18.07.08
- Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07
- Interview mit den Blood Red Shoes




Dienstag, 20. Oktober 2009

Maxïmo Park, Luxemburg, 19.10.09

4 Kommentare

Konzert: Maxïmo Park (Pete & The Pirates)
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 19.10.2009
Zuschauer: vielleicht 700
Dauer: Maxïmo Park 76 min, Pete And The Pirates 30 min


Das Atelier in Luxemburg ist vermutlich der kleinste Club der aktuellen Maxïmo Park Tour, passen doch gerade mal 1.200 Leute hinein. Das letzte reguläre Kölner Konzert fand vor zwei Jahren vor 4 - 5.000 Zuschauern im Palladium statt, da sind intimere Rahmen eine schöne Gelegenheit, eine große Band einmal näher zu sehen. Keine Frage also, daß Luxemburg gesetzt war.

Um die Entscheidung, an einem Montag ins benachbarte Ausland zu fahren, nicht allzu sehr schönreden zu müssen, packte der Veranstalter noch zwei ausgezeichnete
Vorgruppen drauf. Das vermutete ich zumindest, denn Cougar, die erste der beiden kannte ich nicht. Leider sollte sich daran auch nicht viel ändern, weil eine Mischung aus polizeilicher Sperrung einer Bahnstrecke und anderen Unwägsamkeiten verhinderte, daß ich alles mitbekam. Das, was ich hörte, war durchaus guter Postrock, dem aber der Pfiff der Klassenbesten wie Mono fehlte. Aber vielleicht habe ich dafür einfach zu wenig von den Amerikanern gehört.

Auf die zweite Band freute ich mich ganz besonders! Pete And The Pirates aus Reading sind leider in Deutschland viel zu wenig bekannt, zählen aber zu den besten jungen englischen Bands, die ich bisher gesehen habe. Das Anfang 2008 erschienene Album Little death ist eine Sammlung großartiger Lieder, die irgendwo zwischen Maccabees und Noah And The Whale angesiedelt sind und von tollen mehrstimmigen Gesängen leben. Ein Knüller!

Die dreißig Minuten ihres Programms nutzten die
Piratenkumpels, um einige neue Lieder zu spielen. Ein zweites Album scheint nicht weit entfernt zu sein, glaubt man dem Bandforum. Die beiden ersten Lieder des Auftritts waren mir direkt neu. Über das erste, Shotgun, habe ich nichts gefunden, vielleicht war das eine Premiere. Things that go bump scheint zumindest bei den letzten Konzerten häufiger gespielt worden zu sein. Ich fand beide Lieder beim ersten Mal noch etwas weniger spannend als die oft gehörten alten Sachen, glaube aber, daß ich sie schnell sehr mögen werde!

Egal ob schon vertraut oder nicht: mir fiel direkt wieder ein, wie sehr ich die Musik der Reading-Band liebe. Sie ist schmissig, hat grandiose Melodien und
einen spannenden Rahmen durch die perfekt passenden Stimmen. Schade, daß Pete nicht auch bei dem deutschen Terminen zusätzlicher Support ist!

Nach dem Superhit Mr. Understanding folgte mit der Nach-Album-Single Blood gets thin noch ein besonderer Schlußpunkt. Das Stück hat eine herrlich schrammelige zweite Hälfte, in der sich die Pirates richtig austobten. I Like Trains light - aber hervorragend! Eine leider ungerechtfertigt unterschätzte Band!

Setlist Pete And The Pirates, den Atelier, Luxemburg:

01: Shotgun (?)
02: Things that go bump
03: Knots
04: She doesn't belong to me
05: Little gun (vermutlich)
06: Good girl
07: Lost in the woods
08: Come on feet
09: Mr. Understanding
10: Blood gets thin

Nach zig Maxïmo Park Konzerten dachte ich nicht, daß die Band mich noch überraschen kann. Obwohl die letzte Deutschland-Tour eine Weile zurückliegt, konnte man Paul Smiths Band immer wieder sehen, so bei kleinen Konzerten in Holland oder Köln oder bei Festivals. So hatte ich sie zur letzten Platte, und damit mit vielen neuen Songs, schon sehen können, die kannte ich also zum Großteil schon live. Also waren es erst einmal die Kleinigkeiten, die sich geändert hatten.

Wo war zum Beispiel Lukas Woollers rotes Keyboard? Ich denke, Musiker sind extrem konservativ, was ihre Instrumente angeht. So einfach mal das gewohnte Keyboard auszutauschen, erscheint ungewöhnlich. Vielleicht hat er es totgehampelt, bei meinem letzten
Maxïmo Park Konzert in Münster hatte er es mehrfach bedrohlich zum Kippen gebracht...

Paul Smiths neuen Hut kannten wir schon; die olle Melone ist wohl endgültig eingemottet. Ob die neue Kopfbedeckung nicht so gut sitzt wie die Vorgängerin, kann
ich nicht beurteilen. Daher weiß ich auch nicht, ob die augenscheinlichste Veränderung am Hut liegt: Paule hüpft nicht mehr, kein Witz!

Der Sänger ist unverändert ein unfassbarer Entertainer, der über die Bühne rennt und zappelt, irre Gesichtsausdrücke hervorzaubert und keinen Moment still steht (da ich den Begriff Rampensau nicht mag, vermeide ich ihn hier). Bisher hüpfte er dazu aber wie ein Bodenturner; die Anzahl seiner Sprünge konnte man als Index für seine Form heranholen. Das hat er eingestellt. Spektakulär!

Das alles war aber sicher nicht der Grund, warum das Konzert bei weitem nicht ausverkauft war. Auch nicht die Musik oder die Liveperformance, denn beide überzeugten restlos! Und ehrlich gesagt verstehe ich überhaupt nicht, warum die fünf Musiker aus Newcastle in einer Stadt wie Luxemburg mit ihren deutschen,
französischen und belgischen Einzugsgebieten nicht anziehender wirken. Vielleicht war es der Montagabend...? Selbst schuld, Ignorierer!

Dabei gab sich Paul Smith wie üblich besondere Mühe! Mit herrlich breitem nordenglischem Akzent sprach der Frontmann immer wieder auf Französisch zu uns, sehr schön!

Auch die Setlist war alles andere als lustlos. Neben der üblichen Mischung aus Titeln der aktuellen Platte und Klassikern wie Apply some pressure oder Books from boxes machte mir vor allem A19, der Auftaktsong, Spaß. Das Lied von Missing songs hatte ich weder erwartet noch je live gesehen.

Mir blöderweise neu war That beating heart, die B-Seite der aktuellen Single Questing, not coasting.

Von den neuen Sachen ist auch Questing das überzeugendste. Ich kann mir kein künftiges Konzert ohne diesen Hit vorstellen.

Es war wieder ein sehr schöner Abend mit
Maxïmo Park! Auch wenn der Laden zu leer und das Publikum anfangs viel zu zurückhaltend war! Aber nach und nach stieg die Ausgelassenheit und damit die Stimmung.

Mehr demnächst; dann mit einer weiteren perfekten Vorgruppe, den Blood Red Shoes!

Setlist Maximo Park, den Atelier, Luxemburg:

01: A19
02: The penultimate clinch
03: Wraithlike
04: Russian literature
05: The coast is always changing
06: A cloud of mystery
07: Parisian skies
08: The kids are sick again
09: Tanned
10: That beating heart
11: Going missing (akustisch)
12: Let's get clinical
13: The unshockable
14: Questing, not coasting
15: Overland, west of Suez
16: Books from boxes
17: Apply some pressure
18: Girls who play guitars

19: Calm (Z)
20: Acrobat (Z)
21: Our velocity (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Maximo Park, Münster, 08.05.09
- Maximo Park, Köln, 03.03.09
- Maximo Park, Haldern, 09.08.08
- Maximo Park, Nijmegen, 20.06.08
- Maximo Park, Wiesbaden, 22.10.07
- Maximo Park, Köln, 16.10.07
- Maximo Park, Glasgow, 02.10.07
- Maximo Park, Paris, 08.06.07
- Maximo Park, Köln, 26.05.07
- Maximo Park, Bochum, 09.04.07
- Pete And The Pirates, Köln, 26.09.08
- Pete And The Pirates, Paris, 18.03.08
- Interview mit Pete And The Pirates

Fotos folgen! flickR mochte eben nicht.



Samstag, 9. Mai 2009

Maxïmo Park, Münster, 08.05.09

7 Kommentare

Konzert: Maxïmo Park (einslive Radiokonzert bei "Eine Nacht in Münster")
Ort: Skaters Palace
Datum: 08.05.2009
Zuschauer: lange ausverkauft (vielleicht 1.200 - ich kann so was nicht schätzen)
Dauer: 63 min


"Eine Nacht in Münster", die Stadtinvasion des NRW-Radiosenders einslive, bescherte der Radfahrer-Metropole heute diverse Radiokonzerte, darunter Selig, Clueso, eine amerikanische Band*, deren Namen ich gerade nicht weiß, und eben Maxïmo Park. Ein gut gewähltes Datum, denn just heute erschien Quicken the heart, die dritte Platte der Band aus Newcastle.

Nachdem ich einige der Stücke des neuen Albums beim kleinen Vorab-Konzert im März im Gebäude 9 erlebt hatte, hörte ich den Rest auf der Fahrt nach Münster zum ersten Mal. Meine Erwartungen waren ehrlich gesagt nicht besonders hoch, die Eindrücke beim ersten Hören der Platte auf der Fahrt nach Münster gar nicht verkehrt.

In Münster fielen mir zunächst die Fahrräder auf. Nicht, daß es Tausende davon gibt, ich war schon da. Nein, die abgestellten Räder waren von einslive mit einem
wundervollen Werbegeschenk versehen worden: sie hatten Sattelbezüge mit dem Motto des Abends bekommen! Großartig! Und sinnvoll! Denn kaum kam ich am Skaters Palace an, regnete es in Strömen. Der Einlaß begann dann zwar sehr pünktlich, weil aber die Securities die Ausweise aller Besucher, die unter irgendwelchen Umständen jünger als 16 sein könnten, zog sich alles ewig - und es regnete. Vor mir ging eine 29jährige Frau rein. Auch die musste ihren Personalausweis zeigen. Ich kann Alter ebenso wenig gut schätzen wie Besucherzahlen, in diesem Fall und in den meisten anderen hätte ich es mir aber durchaus zugetraut, die wenigsten Mittzwanzigjährigen ("twens" klingt doch zu altbacken) sehen schließlich U16 aus. Nun denn, die Ordner hatten ihre Vorgaben.

Als ich mich dann beschwerte, daß ich keinen Perso vorzeigen musste, reagierte einer von ihnen aber sehr cool: "darf ich mal den Ausweis sehen?" Jawoll!

Der Skaters Palace ist genau so, wie er klingt; eine mittelgroße ehemalige
Gewerbehalle mit viel Graffiti, überall Halfpipes, und ich meine auch den ein oder anderen Blutfleck von mißglückten Sprüngen gesehen zu haben.

Der Bau ist ziemlich verwinkelt und für regelmäßige Konzerte sicher nicht schrecklich gut geeignet. An der Architektur lag auch das eine große Problem des Abends: die Bühne ist riesig groß und tief und davor
gab es einen sehr breiten Fotograben - es waren Festival-Ausmaße. Aber damit war die Band eben auch ziemlich weit weg, was mit der Intimität eines Radiokonzerts nicht viel zu tun hatte.

Beginn 20 Uhr war überall verbreitet worden. Aber erst nach Nachrichten, Verkehrsfunk und zwei Liedern wurde es spannend.
Maxïmo Park kamen in drei Etappen auf die Bühne, erst Duncan Lloyd, Archis Tiku und Tom English, dann Lukas Wooller und schließlich Paul Smith.

In Köln im März hatte Paule erzählt, er habe neue Anzüge gekauft. Der heute war das wohl. Und
gleichzeitig das albernste Stück Männerkleidung, das ich jemals gesehen habe. Der Sänger trug einen Kurzarm-Anzug! Nicht umgekrempelt, mit kurzen Ärmeln! Sensationell!

Sein Bowler scheint endgültig eingemottet zu sein, denn auf dem Kopf hatte er erneut den 2009er Hut. Das - und der wohl dauerhaft geänderte
Bühnenaufbau (Lukas links) waren dann aber auch schon die Änderungen.

Der am besten zur Umgebung passende Titel machte den Auftakt. Graffiti war aber sicher eher an den Beginn gesetzt, um mit einem der größten Hits Stimmung zu machen. Die Vorgabe für den Abend war nämlich, viele neue Lieder zu spielen. Im Interview bei einslive hatte Paul vorher gesagt, heute sei der Tag, an dem die neuen Sachen aus ihren Käfigen gelassen würden. Man hätte bei
einer hasenfüßigeren Band erwarten können, daß bei einem Radiokonzert des vermutlich größten Senders mit Indie-Anteil in Deutschland eine ganze Menge Klassiker eingestreut werden, um sicher zu punkten. Die Nordengländer hatten da mehr Mut (oder Selbstvertrauen).

Wraithlike hatten Maxïmo Park schon vorab veröffentlicht, das folgende The penultimate clinch war also das erste richtig neue Lied (das sie aber auf der kleinen Clubtour im März schon getestet hatten). Ich habe ehrlich gesagt nicht genau drauf geachtet, ob auch diesmal Keyboarder Lukas dabei größere Gesang-Anteile hatte; das war mir im Gebäude 9 aufgefallen. Heute war ich unaufmerksam.

Paul Smith hatte wieder viel zu erzählen. "We have a new album. It's a Platte called Quicken the heart". Und wie ein guter Entertainer sagte er zu fast allen Liedern etwas. Meist stellte er sie hinterher kurz vor. "It's about a Gewitter", "A song about two people" usw. Bei
I want you to stay schwindelte er ein wenig ("das haben wir in Deutschland lange nicht gespielt" - bis auf Köln im März habe ich es immer gehört). Aber im Radio wird ja auch gelogen. Als wir auf die Band warteten, lief im Hintergrund natürlich der veranstaltende Sender. Bei einer Schalte ins Skaters Dings sagte die um kurz nach acht, die Band spiele bereits, was für viel Lachen sorgte.

Eines der neuen Stücke, das am besten zieht, ist Questing, not coasting. Der eingängige Refrain wird sicher dafür sorgen, daß das Lied ein Klassiker wird, gar kein Zweifel! Das wird auch schon gewünscht. Eine Frau in meiner Nähe hatte ein handgeschriebenes Schild mit dem Titel dabei, um es sich so zu wünschen. Das funktionierte ja auch. Mit By the monument, ihrem zweiten Wunschzettel, hatte sie leider weniger Glück. Paul sah das zwar, während er Books from boxes sang, winkte er aber in ihre Richtung ab. Schade! Aber obwohl auch einige andere Lieblinge fehlten, war es ein sehr gutes Konzert mit tollem Set, weil die neuen Stücke eben doch viel mehr Potential zu haben scheinen, als das Skeptiker befürchtet hatten. Neben Questing... ist The kids are sick again der zweite Liveknüller unter den Neuheiten und sicher das eingängigste Lied auf Quicken the
heart. Mein Liebling war aber schon auf der Fahrt Overland, west of Suez, mit dem ich live überhaupt nicht gerechnet hatte. Tanned, das Maxïmo Park seit vergangenem Jahr im Programm haben, und das ich nicht mochte, wird immer besser. Noch zwei, drei Konzerte, und ich schwärme davon in allerhöchsten Tönen!

Von den alten Sachen habe ich mich besonders über
Now I'm all over the shop gefreut! Ach, wie schön!

Mit den beiden Zugaben Calm und Apply some pressure endete das schöne
Radiokonzert nach einer guten Stunde. Anders als bei den Kaiser Chiefs sehe ich bei Maxïmo Park nicht die Gefahr, daß in ein paar Monaten ein Rundmail kommt, daß man mal eine längere (geplante!) Pause macht. Für mich erfüllte das Konzert dann auch den wichtigsten Zweck: es beruhigte mich ungemein!

A brief English review will follow soon!

Setlist Maxïmo Park, einslive Radiokonzert, eine Nacht in Münster, Skaters Palace:

01: Graffiti
02: Wraithlike
03: The penultimate clinch
04: Our velocity
05: I want you to stay
06: Questing, not coasting
07: In another world (you would've found yourself by now)
08: Books from boxes
09: The kids are sick again
10: Tanned
11: Going missing
12: Let's get clinical
13: Overland, west of Suez
14: Now I'm all over the shop
15: Girls who play guitars

16: Calm (Z)
17: Apply some pressure (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Maximo Park, Köln, 03.03.09
- Maximo Park, Haldern, 09.08.08
- Maximo Park, Nijmegen, 20.06.08
- Maximo Park, Wiesbaden, 22.10.07
- Maximo Park, Köln, 16.10.07
- Maximo Park, Glasgow, 02.10.07
- Maximo Park, Paris, 08.06.07
- Maximo Park, Köln, 26.05.07
- Maximo Park, Bochum, 09.04.07
- ein paar Fotos aus dem Skaters Palace
- mehr Fotos von MP-Konzerten

* das stand mal ein flapsiges "schreckliche" vor, das ich hierhin verschoben habe, weil die Band das wohl nicht ist. Ich kenne nur ein Radio-Lied, das ich nicht mag.




Mittwoch, 4. März 2009

Maxïmo Park, Köln, 03.03.09

15 Kommentare

Konzert: Maximo Park
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 03.03.2009
Zuschauer: seit Wochen ausverkauft
Dauer: 70 min.


Einen schönen Service bot 1live auf unserer Fahrt zum Gebäude 9. Als Einstimmung wurde da Maxïmo Park Frontmann Paul Smith interviewt. "Ich würde unseren neuen Stil jetzt als Postwar-melodramatic-film noir* bezeichnen. Außerdem habe ich mir einige neue Anzüge machen lassen. Nur ein neuer Hut fehlt mir noch."

Lies, lies, lies, lies, lies..., denn den grünschwarz gemusterten Anzug mit schwarzem Revers kannte ich schließlich schon aus Haldern (schon da hatte er mich an westfälische Schützenuniformen erinnert) und - viel wichtiger - Paule hatte einen neuen Hut! Statt seines Markenzeichen-Bowlers trug der Sänger im Gebäude 9 einen klassischen Herrenhut, einen Borsalino, wenn ich das richtig gesehen habe.

Und dann hatte Keyboarder Lukas plötzlich einen neuen Platz. Der introvertrierte
Pianist steht nun links auf der Bühne, bei meinen bisherigen Park-Konzerten war rechts sein Stammplatz.

Nicht neu war (um damit langsam zum noch spannenderen Teil überzugehen), daß Maxïmo Park vor neuen Platten oder wichtigen Festivals Warmup-Gigs spielen. Letztes Jahr haben wir die Band dabei im wundervollen Doornroosje in Nijmegen gesehen, bei einem Trainingskonzert für Hurricane und Southside, in den letzten Tagen waren die Nordengländer unterwegs, um in kleinen Clubs die Zugkraft ihrer neuen Songs zu testen. Im Mai erscheint mit Quicken the heart das dritte Maxïmo Park Album und damit steht eine wichtige Englandtour an. Der Abend im Gebäude 9 war nun das achte und letzte Test-Konzert in kleinen Sälen in Deutschland, Slowenien, Kroatien, Tschechien, Italien und Österreich.

Natürlich dauerte es nur wenige Stunden, bis das Gebäude 9 ausverkauft war, in solch kleinem Rahmen sieht man die Band schließlich selten. Ihr letzter Köln-Auftritt fand vor anderthalb Jahren im Palladium statt und bot fabelhafte Unterhaltung -
allerdings nur von den Blood Red Shoes, Maxïmo Park und Palladium waren in schlechter Form und ziemlich mau.

Heute sollte alles anders sein. Schon bei
The kids are sick again, einer Neuheit, von der es ein paar Live-Videos bei youtube gibt, merkte man den fünf Musikern an, daß sie Lust hatten und ihnen die sieben kleinen Konzerte in den letzten Tagen offenbar viel Freude gemacht haben.

The kids are sick again ist sehr ruhig und langsam, gefiel mir aber gut. Ich würde es vermutlich
selbst nicht als Postwar-melodramatic-film noir bezeichnen (auch, weil ich nicht weiß, was das ist), das Lied klingt aber durch und durch neu, weil es viel ruhiger als die bisherigen Stücke ist. Aber nicht schlecht, keine Frage.

Danach sollten schön abwechselnd sichere (alte) Treffer und neue Lieder folgen. Natürlich ging das Konzept auf. Our velocity, Signal and sign oder By the monument kannte jeder, die Stimmung war bestens, und die neuen Lieder wurden sehr freudig aufgenommen.

Zweite Neuheit Another world (oder In another world) fiel mir durch einen oh-oh-oh-Refrain auf. Das Lied war eine Ecke schneller, allerdings auch eigen und hätte damit sicher stilistisch auf A certain trigger fremd gewirkt. Ich könnte mir vorstellen,
daß der Song eine Single werden könnte, auch wenn es nach dem ersten Hören zwar gut aber nicht überragend schien.

Nummer drei der Neuheiten, The penultimate clinch hatte die Besonderheit, daß Lukas einen größeren Gesangesanteil hatte. Und dann war es richtig gut - auch stilistisch wieder neu, man kann der Band überhaupt nicht vorwerfen, sich
regelmäßig zu covern, aber doch Maxïmo Park, auch wenn das nach einem Widerspruch klingen mag.

Nach einem meiner Lieblinge von Our earthly pleasures, By the monument, folgte eine echte Premiere.
"Das nächste Lied haben wir noch nie gespielt!" Im Gegensatz zu einer anderen Lieblingsband, die mit so etwas schon einmal geschummelt hat, waren wir wohl wirklich die ersten, die Haven't seen her live gehört haben. Das Stück ("It's about being ripped into pieces") ist eine wundervolle Ballade mit herzerweichenden uh-uh Background-Gesängen aber sicher keine Single.

Let's get clinical direkt im Anschluß mit schmetternden Gitarren und Staccato-
Rhythmus könnte von den Futureheads stammen (wenn es ein wenig schneller wäre). Das muß ich aber wohl noch ein paarmal hören, um es besser einschätzen zu können.

Das nächste neue Lied hatte ich schon in Nijmegen und Haldern gehört. Tanned hatte mich bei den beiden anderen Gelegenheiten nicht vom Hocker gerissen. Ein Lieblingslied ist es immer noch nicht, Tanned und ich fangen aber an, uns besser zu verstehen. Dazu trägt sicher der Heavy-Keyboard Anfang bei, der taugt sehr viel!

Books from boxes und Limassol folgten und räumten ab. Und danach folgte ein erstes Lieblingslied von
Quicken the heart, das auch schon im letzten Sommer gespielte Questing not coasting (Paul auf deutsch: "Es geht um ein Gewitter"). Bis dahin ganz klar das beste der neuen Lieder und ganz sicher auch bei künftigen Konzerten gesetzt!

Girls who play guitars und Graffiti bildeten den Abschluß, bevor einer der größten Knüller des knackigen 70-minütigen Sets kam. That beating vom kommenden Album** packte und überzeugte mich auf Anhieb, da war kein Reinhören nötig! Toll waren dabei die How soon is now Gitarren! Daß danach noch mit Nosebleed einer meiner Lieblinge und mit Apply some pressure einer der Überhits folgten, war mir eigentlich egal, That beating beruhigte mich so sehr, daß ich mich auf Album drei freuen kann, und war damit schon gedanklich der Abschluß des Konzerts.

Nach dem sehr drögen letzten Kölner Konzert und sieben Monaten MP-Pause machten mir die Jungs aus Newcastle wieder richtig Spaß! Dazu trugen so viele Faktoren bei: die überragenden Songs im Überfluß (sodaß sie sich diesmal und für mich erstmals erlauben konnten, The coast is always changing wegzulassen), der großartige Frontmann, dessen Gesten und Bewegungen immer noch aufregend sind und der vollkommen durchgeknallte Keyboarder Lukas, der mehr neben als hinter seinem roten Tastenteil stand. Daß dabei nicht jeder Ton sitzt, ist vollkommen klar - einmal lag Lukas allerdings total daneben. Bei Limassol tanzte er noch irgendwo, wollte aber seinen Einsatz retten und griff irgendwo hin, nur nicht auf den richtigen Ton...


Maxïmo Park haben mir wieder viel Spaß gemacht! Das Gebäude 9 war zwar ausverkauft aber nicht unangenehm voll. Ob 2009 "The year of The Park" wird, wie Paule neulich schrieb, weiß ich nicht, aber es ist gut, die Band in guter Form und mit Freude am Auftreten zurückzuhaben.

Setlist Maxïmo Park, Gebäude 9, Köln:

01: The kids are sick again (neu)

02: Our velocity
03: In another world you'd have found yourself by now (neu)
04: Signal and sign
05: The penultimate clinch (neu)
06: By the monument
07: I haven't seen her in ages (neu)
08: Let's get clinical (neu)
09: Going missing
10: Tanned (halb neu)
11: Books from boxes
12: Limassol
13: Questing not coasting (recht neu)
14: Girls who play guitars
15: Graffiti

16: That beating (neu) (Z)
17: Nosebleed (Z)
18: Apply some pressure (Z)

- aus unserem Archiv:
- Maximo Park, Haldern, 09.08.08
- Maximo Park, Nijmegen, 20.06.08
- Maximo Park, Wiesbaden, 22.10.07
- Maximo Park, Köln, 16.10.07
- Maximo Park, Glasgow, 02.10.07
- Maximo Park, Paris, 08.06.07
- Maximo Park, Köln, 26.05.07
- Maximo Park, Bochum, 09.04.07
- mehr Fotos aus dem Gebäude 9

* sinngemäß!
** und es ist noch nicht mal auf dem Album! Vielen Dank für den Hinweis!




Sonntag, 10. August 2008

Maximo Park, Haldern-Festival, 09.08.08

2 Kommentare

Konzert: Maximo Park
Ort: Haldern-Festival, Rees-Haldern
Datum: 09.08.2008
Zuschauer: 5.500 mindestens
Dauer: 75 min


Der prominenteste Platz im Line-Up eines Festivals muß nicht unbedingt der beste
sein. Maximo Park hatten als letzte Band auf der Hauptbühne des diesjährigen Haldern-Festivals das Pech, daß gerade vorher ein atemberaubendes Konzert stattgefunden hatte. The National waren so fantastisch, daß danach alles zwangsläufig verblasste. Ich bin wahrlich kein Maximo-Park Skeptiker, ganz im Gegenteil, denn ich habe die Band oft gesehen, und dabei viele hervorragende Konzerte erlebt. Ihr Auftritt zum (für mich) Abschluß des Festivals war gut wie immer, aber nicht überragend, so wie es Editors oder eben The National waren.

Maximo Park waren erst als Headliner verkündet worden, als das Festival bereits ausverkauft war. Das zeugt schon von ungemein viel Charme der Veranstalter! Mich hatte die Ankündigung sehr erfreut, weil ich neulich bei einem Konzert in Nijmegen wieder gemerkt habe, wie viel Spaß Gigs der Band aus Newcastle machen. Kurz vorher wurde meine Spannung dann konkreter. Würden Paul Smith und seine Kollegen weitere neue Lieder spielen? Wäre das Set abgewandelt? Was würde diesmal mein Lieblingsstück sein?

Der erste Schrecken kam sofort: Paule hat plötzlich die
Frisur von Torsten Frings! Was war da schiefgegangen? Keine Zeit für einen Sommerschnitt? Oder war die Matte sonst unter dem Bowler versteckt? Nun ja...

Für die nächste Aufregung sorgte der Sound! Im Gegensatz zu den Konzerten von Joan As Police Woman und den Guillemots waren die Probleme zwar harmlos, trotzdem
aber sehr ärgerlich. Erst schien Lukas' Keyboard nicht zu funktionieren. Allerlei Arbeiten waren da nötig, um es einigermaßen klingen zu lassen. Der dumpfe Grundton hatte aber während des ganzen Konzerts Bestand. Weil ich die Editors und The National am Wochenende klanglich so viel besser erlebt hatte, enttäuschte dies.

Es fing an mit
"Girls who play guitars" und "Graffiti", die Reihenfolge kannte ich aus Nijmegen. Auch das nächste Stück kannte ich live sehr gut, denn "A fortnight's time" gehört doch zum Standardrepertoire der Band. Oder etwa nicht? Paul sagte es an mit "wir haben das nächste Lied lange nicht gespielt"... Hmmm. Jedenfalls klappte Lukas' knallrotes Keyboard bei "A fortnight's time" gar nicht, was ihn dazu brachte, Luftgitarre zu spielen.

Mit
"Parisian skies", "Our velocity" und "I want you to stay" ging es sehr schön weiter, bis eines der sehnsüchtig erwarteten neuen Lieder kam. Hätte es zwischenzeitlich nicht den Kommentar von Ariane gegeben (danke!), hätte ich "Tanned" nicht wiedererkannt, obwohl es in Nijmegen gespielt wurde. Umgehauen hat mich das Lied auch beim zweiten Mal nicht. Es hat für mich noch nicht die Qualität der Stücke des zweiten Albums. Drei (schöne!) Lieder später kam auch das zweite neue Lied aus Nijmegen. Aber auch "Questing" erkannte ich nicht wieder. Im Gegensatz zu "Tanned" gefiel es mir aber gut, ich war während des Konzerts der Meinung, jetzt also vier neue Lieder gehört zu haben, von denen mich eines richtig überzeugt hatte. Da es nur zwei waren, ist die Quote derjenigen, die ich mag, deutlich besser. Das nimmt mir meine Angst vor dem dritten Maximo-Album...

Besonders gefreut hat mich wieder einmal "
By the monument" - was für ein wundervolles Lied! Das Stück, das ich anfangs gar nicht leiden konnte, ist mittlerweile auch ein liebgewonnener Kumpel: "The unshockable". Keine Ahnung, was mich vor einem Jahr geritten hat, daß ich diesen Liveknüller nicht mochte!

Hach, "Nosebleed" war auch so schön! Schade, daß die Band diese Perle so selten spielt! Viele Gruppen leckten sich die Finger nach solch einem Kleinod.

"Books from boxes" und "Apply some pressure", also zwei weitere Titel, mit denen sie nie etwas falsch machen können, beendeten den Abend - leider ohne Zugabe. Das war aber auch strenggenommen nicht nötig, schließlich hatten Paul Smith und Kollegen einen guten (wenn auch nicht brillanten) Auftritt abgeliefert. Sie waren damit genau das richtige Geburtstagsgeschenk, das sich das wundervolle Festival zum Abschluß noch gemacht hatte. Und uns. Aber wir bekamen ja ohnehin reichlich Geschenke an diesem Wochenende.

Setlist Maximo Park, Haldern-Festival:

01: Girls who play guitars
02: Graffiti
03: A fortnight's time
04: Parisian skies
05: Our velocity
06: I want you to stay
07: Tanned (neu)
08: Limassol
09: By the monument
10: Once a glimpse
11: Questing (neu)
12: The coast is always changing
13: The unshockable
14: Nosebleed
15: Going missing
16: Russian literature
17: Books from boxes
18: Apply some pressure

Links:

- aus unserem Archiv:
- Maximo Park, Nijmegen, 20.06.08
- Maximo Park, Wiesbaden, 22.10.07
- Maximo Park, Köln, 16.10.07
- Maximo Park, Glasgow, 02.10.07
- Maximo Park, Paris, 08.06.07
- Maximo Park, Köln, 26.05.07
- Maximo Park, Bochum, 09.04.07
- mehr Fotos von Maximo Park in Haldern



Samstag, 21. Juni 2008

Maximo Park, Nijmegen, 20.06.08

2 Kommentare

Konzert: Maximo Park

Ort: Doornroosje, Nijmegen (NL)
Datum: 20.06.2008
Zuschauer: ausverkauft (vielleicht 350)
Dauer: 70 min


Damit hatte ich nicht gerechnet. "Maximo Park in Nijmegen?" erreichte mich vor ein paar Wochen eine Nachricht. Auch wenn ich den Spielort da noch nicht kannte, brauchte ich für die Antwort Millisekunden. Beim Erkunden der Website des niederländischen Clubs fand ich ein Martha Wainwright Konzert, zu dem ich sofort hinwollte. Das tat ich auch und verschickte anschließend groupiehafte smse mit dem Inhalt "wenn Maximo Park im gleichen Saal spielen, ist das ein Hauptgewinn." Es gab nämlich große Diskrepanzen zwischen meiner Wahrnehmung, was die Saalgröße angeht und der offiziellen (Wikipedia) Version. Das online Lexikon sprach von mehr als 1.000 Zuschauern im großen Saal. Den hatte ich nirgends im Doornroosje gesehen, daher still und heimlich gehofft, daß Martha schon in diesem gespielt hätte, denn dessen Größe gefiel mir ganz ausgezeichnet (das müssten schon 1.000 sehr kleine Besucher sein, die da reinpassen... Katzen oder Schlümpfe, irgendwas diesen Kalibers). Per mail wurde mir meine Wunschvorstellung bestätigt... großartig!

Entsprechend groß war die Vorfreude. So klein hatte ich die Band noch nicht gesehen. Aber Maximo hatten Nijmegen offenbar als Warm-Up Gig vor den
Auftritten bei Hurricane (Samstag) und Southside (Sonntag) vorgesehen, daher sprach wohl auch aus Bandsicht alles für einen kleinen, gemütlichen Club.

Das ganze Drumherum spricht auch so sehr für diesen so angenehmen Laden. Man kann direkt davor parken, er ist von Köln in anderthalb Stunden erreichbar und es ist alles herrlich entspannt! In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es ein Eckbistro, in dem wir noch etwas essen wollten, eine naheliegende Idee. Auch die Band hatte die. Fast zeitglich mit uns saßen dann nämlich Keyboarder, Bassist, Schlagzeuger und Tourmanager zwei Tische weiter, aßen und lauschten wie wir einer,
ich glaube, dreiköpfigen Band, die in dem Restaurant spielte. Da sie quasi unsere Vorgruppe war, sei der Name erwähnt: TM2.

Maximo Park war vor uns fertig. Wir folgten etwas später und stellten uns an eine recht lange Warteschlange an.
Verteilt wurden da an die wartenden Konzertgänger Werbepostkarten der Fratellis (als Panini-Bilder). Die Karten klebten ruckzuck an den Büschen des Zugangs zum Club. In Holland scheinen die Schotten keine große Nummer zu sein.

Obwohl wir den großen Saal recht spät erreichten, hatten wir keine Probleme, vorne Plätze zu finden, schön! Bis zum Konzertbeginn legte ein DJ auf, und es war recht
angenehm. Um Viertel nach neun, ganz so wie geplant, startete die Show dann. Wie üblich erschien Sänger Paul Smith nach seiner Band und wie üblich legte er sich sofort mächtig ins Zeug. Obwohl es erst acht Monate her ist, daß ich Maximo Park zuletzt gesehen habe, langweilte mich nichts. Paul war in Hochform, flitzte über die Bühne, kletterte auf alles, was er fand, drehte sich, sprang, das volle Programm. Und musikalisch muß man zu einem Auftakt wie "Girls who play guitars", "Graffiti", "Postcard of a painting", "A fortnight's time", "Our velocity" und "Parisian skies" wohl nichts sagen. Grandios, solche Nummern am Anfang eines Konzerts raushauen zu können.

Der Sound schien mir am Anfang das kleine Manko des Abends zu sein, allerdings stand ich der Fotos wegen im direkten Dröhnbereich der Boxen, auf die ich das schob. Im Laufe des Konzerts wurde der Klang aber immer besser, falls ich mir das nicht einbilde.

Während Schlagzeuger Tom English, Bassist Archis Tiku und Gitarrist Duncan Lloyd ruhig und unauffällig spielen, ist neben Paule auch Keyboarder Lukas Wooller herrlich zu beobachten. Natürlich hat er viele Parts auf seinem roten Keyboard zu spielen. Ganz ernst mit den Einsätzen
oder dem rechtzeitigen Rückkehren an seinen Arbeitsplatz nimmt er es aber nicht. Lukas ist ganz klar Co-Entertainer bei Maximo Park-Konzerten. Wer allerdings sein Keyboard beherrscht, darf auch ruhig rumhampeln und erst später in Lieder einsteigen.

Nach dieser sensationellen ersten Konzerthälfte, kam mit "Tanned" ein erstes neues Lied. "Tanned" ist sehr ruhig und eher eine B-Seite nach meinem Geschmack. Es war unspektakulär und langweilig. Aber ich habe es ja zum ersten Mal gehört, vielleicht täusche ich mich.

Diese ruhige Konzertphase hielt durch "
I want you to stay", "Karaoke plays" und "By the monument" noch etwas an. "By the monument" war in meinen Ohren einer der Höhepunkte des Konzerts. "Limassol" brachte den Saal wieder richtig in Schwung - und wie, eigentlich wurde nämlich fast durchgängig gepogt.

Das zweite neue Lied stellte Paul schon explizit als Song der neuen Platte vor, die sie in Newcastle aufnehmen. Die Ansagen des Sängers wurden immer kurzatmiger, weil er wirklich alles gab, sich keinesfalls für das stressige quer-durch-Deutschland Festival-Wochenende schonte. Daher verstand ich den Titel auch nicht genau, das Lied scheint aber "Questing" zu heißen. Auch wenn es deutlich weniger langweilig als "Tanned" war, hat mich der ruhige Titel nicht vom Hocker gerissen. Aber abwarten... Vielleicht hat das
irgendwann auch den gleichen Effekt wie die nachfolgenden "The coast is always changing", "The unshockable" (das ich erst auch gar nicht mochte, als die Platte erschien, warum auch immer) und "Going missing", die mich wieder vollkommen begeisterten, weltklasse Livelieder!

"Going Missing" widmete Paul, der zu seinem Bowler schwarze Jeans, ein Jacket und ein weißes T-Shirt mit "Education not missiles" trug, den holländischen EM-Helden Wesley Snyder. War das böse? Vermutlich nicht, bisher hat Snyder eh nicht viel versemmelt.

Der Snyder-Song war dann quasi auch der Abfiff der regulären Spielzeit. Die Verlängerung mit
"Russian literature", "Books from boxes" und "Apply some pressure" mußte sich dann aber an Klasse auch nicht vor den kurz später stattfindenden letzten Minuten der Extra-Zeit vom Viertelfinale Türkei - Kroatien verstecken. "Russian literature" ist seit einiger Zeit ein großer Liebling der zweiten Platte der Nordengländer. Das folgende "Books from boxes" ist eben "Books from boxes!" Es klang aber neu. Bass und vor allem die Gitarre klangen anders als bei meinen bisherigen Liveerleben. Daß ich mir das nicht einbildete, wurde mir hinterher bestätigt. Vor allem die neue Gitarre macht das tausendfach gehörte Lied neu spannend und noch einmal besser. Auch wenn keiner so aussah, als könnte er noch (Publikum und Sänger), fehlte natürlich noch "Apply some pressure", das selbstverständlich auch abräumte.

Ein großartiges Konzert, ein wundervoller Club, ein sehr angenehmes Publikum (Paul bedankte sich mit "Thank you for your company, thank you for Marco van Basten and thank you for Eddie van Halen")... Die habe ich nicht zum letzten Mal gesehen, das Doornroosje auch nicht!


Setlist Maximo Park, Doornroosje, Nijmegen:

01: Girls who play guitars
02: Graffiti
03: Postcard of a painting
04: A fortnight's time
05: Our velocity
06: Parisian skies
07: Tanned (neu)
08: I want you to stay
09: Karaoke plays
10: By the monument
11: Limassol
12: Questing (neu)
13: The coast is always changing
14: The unshockable
15: Going missing

16: Russian literature (Z)
17: Books from boxes (Z)
18: Apply some pressure (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Maximo Park, Wiesbaden, 22.10.07
- Maximo Park, Köln, 16.10.07
- Maximo Park, Glasgow, 02.10.07
- Maximo Park, Paris, 08.06.07
- Maximo Park, Köln, 26.05.07
- Maximo Park, Bochum, 09.04.07
- Fotos vom Konzert in Nijmegen

ANMERKUNG: Mein Versuch, Paule springend zu fotografieren (letztes Bild), ist kläglich gescheitert. Aber - so wie man zu essen sagt, das man nicht mag, das aber nicht zugeben will - es hat was...



 

Konzerttagebuch © 2010

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