Dienstag, 8. Juli 2008

Interview: The Subways


Interview: The Subways
Ort: Backstageraum Luxor, Köln
Datum: 29.02.2008

Lange war es still um die Subways aus England, eine der flottesten Garagenbands der letzten Jahre. Vor zwei Wochen erschien das zweite Album der jungen Briten. Am Rande eines Vorabkonzerts in Köln hatte ich vor einiger Zeit Gelegenheit, mit Sänger Billy und Bassistin Charlotte über die lange Pause, die neue Platte und Tattoos zu reden:

Als ich ein paar Minuten vor dem verabredeten Interview-Termin mit den Subways im Luxor ankomme, sitzen die Bandmitglieder im Eingangsbereich, an den Tischen, an denen später T-Shirts verkauft werden, und sehen sich das frisch gedrehte Video der ersten Single aus dem neuen Album an. Sobald sie damit fertig sind, nehmen mich Sänger Billy und Bassistin Charlotte mit in den winzigen Backstageraum. Charlotte ist zwar furchtbar sympathisch aber ruhig und eher zurückhaltend, während Billy gleich von Beginn an lossprudelt, als seien wir seit langem Freunde und hätten uns wahnsinnig viel zu erzählen.

Einen unserer ersten Berichte haben wir über Euer Konzert in Duisburg vor zwei Jahren gemacht, in diesem Laden, der aussah wie Disneyland. Habt Ihr schon an ähnlich merkwürdigen Orten gespielt?

Billy: Einer der merkwürdigsten Gigs, die wir je gespielt haben, war in einem Club in London, einer der ersten Gigs, die wir in London gespielt haben. Der Raum war kleiner als der hier. Ich schwöre, da passten nur vier oder fünf Leute rein. Ich übertreibe nicht! Ein anderer... ah, Pancake Mountain, da versuchten all diese Kids auf die Bühne zu kommen und ich war verkleidet wie ein König, mit einem schweren Cape. Es gab sowieso ein paar komische Konzerte in den USA, zum Beispiel ein paar, bei denen die Leute saßen. Man sah, daß sie ausflippen wollten - und sie rockten dann im Sitzen. Normalerweise spielen wir ja vor schwitzenden Leuten, die ihre Hemden ausziehen und crowdsurfen. Das ist wie in einem Kino.

Die Queens of the Stone Age haben neulich in einem Bergwerk tief unter der Erde vor wenigen Zuschauern gespielt, die gesessen haben und Helme trugen...

Billy: Das klingt bizarr. QOTSA sind ganz klar eine der besten Rockbands der Welt. Wenn man bei denen nicht richtig rocken kann, ist das schon eine komische Sache.

Gibt es irgendwelche Orte, an denen Ihr gerne einmal spielen wollt? Ihr habt alle großen Festivals gespielt aber gibt es noch Traumorte für Konzerte?

Charlotte: Ich glaube, es gibt noch eine Menge Festivals, auf denen wir nicht aufgetreten sind. Wir haben noch nicht so viele in Deutschland gespielt. Dieses Jahr werden wir Hurricane/Southside spielen. Es wäre großartig Rock am Ring und Rock im Park zu spielen.
Billy: Rock am Ring haben wir immer im Fernsehen in England angeguckt, in der Phase, als wir als Band begonnen haben. Da kamen immer die Aufzeichnungen bei MTV2 mit all unseren Lieblingsbands. Wir haben dann gesagt: das wäre so cool, da mal zu spielen.
Charlotte: Wir waren auch noch nie in Skandinavien, haben da bisher auf keinem Festival gespielt, obwohl es so viele gute gibt, wie Roskilde.
Billy:
Über das Touren durch Skandinavien haben wir so viele phantastische Geschichten gehört. Darauf freue ich mich besonders. Was auch toll wäre, ist China oder so.
Charlotte: Ja! Der Ferne Osten! Wir waren in Japan aber Länder wie Thailand, Malaysia oder Dubai wären klasse.
Billy: Großartig! Oder Russland!

Ok, und welche Bands würdet ihr gerne einmal live sehen?

Billy (ohne nachzudenken): Sigur Ròs! Die habe ich mehrfach verpasst. Komisch, daß du das fragst. In den letzten Tagen habe ich genau darüber nachgedacht.
Ein Freund war bei Sigur Rós und hat erzählt, die Stimmung wäre einzigartig gewesen. Alle Zuschauer standen und sind mitgewippt. Sigur Rós hat für mich alles, was eine große Band ausmacht. Hoffentlich kann ich bald mal zu einem Konzert von ihnen gehen...
Charlotte: ...Björk...
Billy: ...und Smokey Robinson! Ich habe gehört, er wäre vor zwei Jahren auf Tour gewesen. Zu dem Zeitpunkt waren wir in New York und hatten eine Fernsehshow, daher hkonnte ich nicht hingehen. Meine Mutter hat mich zu seiner Musik gebracht, überhaupt zu Motown und RnB. Das ist jemand, den ich wirklich wahnsinnig gerne live erleben würde, um seine Stimme zu hören, ihn im Bühnenlicht zu sehen, weil ich ihn so lange schon bewundere, bestimmt seit 15 Jahren höre ich seine Platten.
Ähmmm... und Future Of The Left - Kennst du die?

Habe ich von gehört.

Billy: Ich habe die einmal gesehen und ich vergöttere ihr Album! Also... Future Of The Left habe ich in London in einem Raum, der nicht größer war, als der hier, erlebt, in der Buffalo Bar. Ich will sie irre gerne mal auf einer größeren Bühne oder auf einem Festival sehen. Was Future Of The Left machen, ist nicht bloß laute Rockmusik, das ist intelligente Musik mit lustigen Texten. Ich mag einfach Bands, die sich nicht so ernst nehmen und Spaß vermitteln.
Wir würden gerne mal einen unserer Songs, "Rock 'n' Roll Queen" z.B. in der Landessprache singen. Bei den Stücken der neuen Platte ist das schwierig, weil die Texte viel länger sind. Das würde ewig dauern, die zu übersetzen und zu singen.

Sind die neuen Lieder schon Teil Eures Live-Programms?

Charlotte: "Shake, shake", "California", "Boys & Girls" spielen wir seit einem, anderthalb Jahren.
Billy: "Alright" auch, mein Liebling von "All Or Nothing". Die neuen Sachen sind viel besser als die alten. Viele Bands finden es ja schwer, ein zweites Album zu schreiben, wir nicht, wir fanden das einfach.
Charlotte: Naja, einfach würde ich nicht sagen (lacht).
Billy: Nein, nein, nicht einfach... Aber wir hatten so viele Ideen, ganz merkwürdig. In solch einer kreativen Phase bekommst du sogar dann ein Zeitproblem. Wir hatten aber großartige Produzenten, die das in den Griff bekommen haben.

Also hat der Titel "All Or Nothing" nichts zu tun...

Billy: Mit den Small Faces?

Nein, damit, wie schwer es ist, ein zweites Album zu schreiben?

Billy: Uns fragt nämlich jeder, ob das mit den Small Faces zu tun hat: No! Wir hatten ein sehr schwieriges letztes Jahr. Ich hatte eine Halsoperation und konnte monatelang weder singen noch sprechen. Daher liebe ich es jetzt so sehr, auf Tour zu sein und zu reden, zu singen und Gitarre zu spielen. Gesagt zu bekommen, daß ich das nicht darf, war die schlimmste Sache der Welt! Die Ärzte hatten mir mitgeteilt, daß ich, wenn die Heilung schlecht verlaufe, nie wieder würde singen können. Davor hatte ich natürlich wahnsinnige Angst.
Als wir dann ins Studio gegangen sind, haben wir diese wirklich harten Lieder gespielt, nein, nicht hart, laut, wirklich dynamisch - solche Widescreen-Songs.
Die Texte sind wirklich...

(er unterbricht sich)
Ich sage dauernd "wirklich".

Charlotte: Ja, machst du.
Billy: Ok. Die Texte sind also wirklich emotional. Wir hatten keine Angst, persönliches einfließen zu lassen.
Am Tag, als wir LA verlassen haben, um mit den Studioaufnahmen zu beginnen, standen wir am Flughafen und uns war klar, daß wir jetzt entweder all unsere Energie in diese Platte stecken und daraus das beste Album der Welt machen oder genau an dieser Stelle aufhören.
Charlotte: Da kommt der Titel her. Das war unsere "All Or Nothing" Situation.

Die Distanz zwischen euren beiden Alben ist sehr groß...

Billy: Wir waren sehr jung, als wir "Young For Eternity" gemacht haben. Nach der Veröffentlichung sind wir dann verflucht lange auf Tour gewesen. Viele Bands unserer Generation waren nach dem ersten Album maximal acht Monate unterwegs. Wir sind um die Welt getourt. Wir waren monatelang in den USA, dann lange in Australien, in Japan, überall in Europa, endlos in Großbritannien. Irgendwann waren es dann zwei Jahre - alles mit der ersten Platte, obwohl wir eigentlich neue Songs hatten. Durch meine Halsgeschichte wurde diese Zeit dann noch einmal kräftig verlängert.
Aber egal, wie lange die Pause war, die Musik war uns zu wichtig, wir wollten das zweite Album machen. Irgendwie fühlten wir uns auch schuldig den Leuten gegenüber, die auf neue Lieder von uns gewartet haben.
Charlotte: Es war ja nicht so, daß wir die Platte nicht mehr machen wollten.
Die lange Dauer hat aber den Vorteil gehabt, daß einige Lieder erst entstanden sind, als wir schon im Studio waren.
Billy: Lieder, die wichtig für "All Or Nothing" sind, die aber wahrscheinlich nicht geschrieben worden wären, wenn wir unsere lange Pause nicht gehabt hätten. Das ist eine Chance, die Bands normalerweise nicht haben. Wir hatten Glück, Zeit zu haben, uns zurückzulehnen und über das Album nachzudenken.

Die lange Abwesenheit hat euch aber auch nicht geschadet, das Kölner Konzert war sehr schnell ausverkauft.

Charlotte: Das konnten wir gar nicht glauben, als wir das gehört haben!
Billy: Die Leute erinnern sich noch an uns?
Charlotte: Auch die Konzerte in Großbritannien waren schnell ausverkauft, damit hätten wir nie gerechnet.
Billy: Also kommen immer mehr Termine dazu. Das alles liegt vermutlich an der sehr langen Tour damals, die uns eine feste Fanbasis geschaffen hat. Bands wie Biffy Clyro haben das vorgemacht. Die haben sich durch viele Konzerte eine Gruppe an Leuten aufgebaut, die zu den nächsten Konzerten auch wieder kommen. Das ist der Old-School-Weg für Rockmusiker.
Wir sind so erleichtert, daß wir für die Leute noch irgendwie relevant sind, auch in Deutschland. Wir mögen das Land sehr, daher waren wir so oft hier. (theatralisch:) I love you, Germany! (lacht)

A propos... Kennt ihr deutsche Bands?

Billy: Die Beatsteaks, von denen bin ich großer Fan! Dann erinnere ich mich noch an eine Band namens Guano Apes. Es gibt so viele!
(lachend) Ich kann mich nicht erinnern!
Wir suchen in allen Ländern, in denen wir auftreten, einheimische Supportbands. Zuletzt erinnere ich mich an Suzie Rock. Wir, vor allem Josh, snd total begeistert von Gruppen, die in ihrer eigenen Sprache Musik machen. Also gucken wir immer nach Bands, die in ihrer Muttersprache singen, das ist aber so verdammt schwer. Wenn ihr uns supporten wollte, schickt uns mails!
(zu Charlotte) Wir sollten auch mal auf Deutsch singen!

Wen würdet ihr gerne mal supporten?

Charlotte: Muse, meine Lieblingsband.

Oder gibt es Bands, mit denen ihr gerne zusammenarbeiten würdet?

Billy: Mew aus Dänemark! Ich bin riesiger Fan ihres Albums "Frengers", aber auch das letzte "And the glass handed kites" ist fantastisch! Mew sind unglaublich! Ich habe sogar ein Mew Tattoo hier. Hier, guck mal! (Billy zieht das T-Shirt hoch und zeigt sein Tattoo...)
156 ist mein Lieblingslied. Dann Biffy Clyro, Future Of The Left, Annie aus Schweden*, Death Cab For Cutie...

Die sind toll!

Billy: Das ist eine der Bands, die wir nie live gesehen haben. Kings Of Leon, Gott, ich würde es lieben, mit denen zusammenzuarbeiten!
Charlotte: Das ist doch schon eine gute Liste!

Wie ist das mit Cover Songs? Ihr habt keine im Live-Repertoire, oder?

Billy: Nein! Charlotte hasst Cover Songs!
Charlotte: Ich hasse die nicht.
Billy: Sie hasst es, Cover zu spielen. Wenn, müsste es etwas komplett Neues sein, keine 1:1 Kopie, ein Song von Kylie oder ein Motown Stück.

Mögt ihr denn selbst gecovert werden?

Charlotte: Ja, das wäre schon cool zu sehen, was andere aus unseren Liedern machen.
Billy: Eine der größten französischen Bands hat "Rock 'n' Roll Queen" gecovert, Indochine heißen die.

Die kenne ich gut, das war meine Lieblingsband beim Schüleraustausch in Frankreich. Vielen Dank für das nette Interview und viel Erfolg für die Platte!

* "Annie from Sweden" hat er gesagt. Die kenne ich nicht. Wikipedia kennt aber eine singende Annie aus Norwegen.



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