skip to main
|
skip to sidebar
um
18:24
Konzert: Weezer
Ort: Amsterdam - Heineken Music Hall
Datum: 08.04.2016
Dauer: 75min
Zuschauer: ca.2500
Die Vorfreude war groß. Weezer auf "unserem" Kontinent. Das hat Seltenheitswert. Sänger Rivers Cuomo würde seine latente Flugangst in der Reihe seiner zahllosen Neurosen wohl eher in die hinteren Ränge verbannen, für Fans der Band in Europa war das Problem aber immer elementar.
Und so blieb mir 21 Jahre lang nur die schwache Erinnerung an einen kalten Abend in Köln 1995, wo Weezer damals als dritte Band weit nach Mitternacht im Luxor die Bühne betraten und nach ca. 35 Minuten wieder verschwanden.
Für die Band war die Konzentration auf die USA dem Erfolg nicht abträglich, im Gegenteil. Durch fast jährliche Tourneen und konstante Hits (trotz manch schwächerem Album) wurden bis heute dort allein mehr als 10 Millionen CD`s verkauft.
Es kann halt nicht jeder Quarterback oder Cheerleaderin werden. Die Musik von Weezer als Sammelbecken für alle vermeintlichen Nerds und Verlierer hatte immer wieder neuen Zulauf.
Rivers Markenzeichen war schon immer der "König der Nerds". Seit dem ersten (blauen) Album trat er mit Hornbrille und unmöglichen Klamotten auf, stilisierte seine Welt in den Videos der Band weiter und war trotzdem noch so clever dazu die zeitloseste Musik zu spielen die möglich war.
Eine Mischung aus Poser-Rock (Kiss) und den Melodien der Beach Boys als Teenie Pop zu verpacken hatte vor ihm noch keiner geschafft.
Da auch keine Band das Erbe wirklich antreten wollte, machten sie einfach immer weiter. Variiert wurde am Sound wenig und wenn, gingen die Verkaufszahlen meist schnell abwärts.
Jetzt also Amsterdam, immer eine Reise wert – vor allem im Frühjahr, und die Heineken Music Hall sprach auch nicht gegen einen Besuch. Hier finden nach den Konzerten immer noch nette After-Show Partys für alle statt. Das alles in einem museumsartigem Raum mit riesiger hoher Decke . Ein netter Zug im Vergleich zu manch deutscher Halle, wo man schon mit der Zugabe von der freundlichen Security aus dem Laden gedrängt wird.
Als Support wurden Dinosaur Pile-Up verpflichtet, vermutlich deshalb, weil sie selber Weezer als Vorbilder in Interviews nannten. Das reicht aber leider nicht, wenn das eigene Songmaterial mehr als mau ausfällt. Eine lasche Nirvana-Kopie die wenig zu bieten hat.
Danach wird fleißig umgebaut, das Weezer –W- glüht und unter dem Mikro werden Unmengen von riesigen Zetteln für Rivers festgeklebt. Die neuen Texte sitzen wohl noch nicht so richtig, oder einfach eine weitere Schrulligkeit des Meisters. Um mich herum tratscht halb Europa: Spanier, Italiener sind in Klassenstärke auszumachen, ich bin wohl nicht der einzige der auf Tour-Entzug der Band war.
Das Licht geht aus und die vier betreten die Bühne. Schnell wird klar, der Sound ist heute erschreckend schwach. Außerdem steht Brian Bell an der Gitarre konstant im Dunkeln, kann aber auch Absicht sein. Viel mehr passiert sowieso nicht. Rivers wirkt extrem fahrig. Andere Auftritte im Netz aus 2015 sehen da ganz anders aus, ich musste nach dem Konzert direkt mal nachsehen.
Trotz des besonderen Abends, die Band hat vorher nur 2 Konzerte in England gespielt, und einer tollen Setlist will einfach der Funke nicht überspringen. Es gibt viel aus dem "blauen" Album, die Befürchtung dies könnte ein Album-Release Konzert werden, bleibt aus. Doch sind gerade die neuen Stücke fast die Highlights des Abends.
Das neue "weisse" Album ist auch wirklich gelungen, im Vergleich zu manchem Vorgänger.
"Do you wanna get High" und "L.A. Girlz" sind jetzt nicht gerade originelle neue Songtitel, aber das hatten wir ja schon. Viel schlimmer ist, wie schlontzig mit dem alten Material umgegangen wird. Kraftlose Versionen gibt es da zu hören, aber am meisten liegt es an Rivers selber. Das sein Gitarrenspiel wie eine Mischung aus Autismus und Brian Wilson ausschaut ist Masche, die meiste Arbeit überlässt er sowieso dem "Schattenmann" Bell, aber die Gesten wirken müde.
Das ist besonders schade, da die Setlist wirklich kaum Wünsche offen lässt. "My name is Jonas" und "El Scorcho" schon früh im Set. Ein tolles "Cleopatra" von der vorletzten CD und "Undone" vor der Zugabe, "Beverly Hills" und natürlich "Buddy Holly" als Rausschmeißer.
Nach 75 Minuten ist Schluss und ich bin erstmal enttäuscht. Etwas mehr Schwung und Freude hätte ich mir außerhalb des üblichen US-Tourplans erhofft, aber vielleicht war ich da auch der Einzige.
Viele verließen die Halle mit glücklicheren Gesichtern als ich, vielleicht auch froh, die Band überhaupt noch einmal gesehen zu haben. Ob das für mich reicht, nochmal so eine Reise zu unternehmen kann ich noch nicht beantworten.
um
23:57
Konzert: Pixies
Ort: Jahrhunderthalle, Frankfurt
Datum: 11.10.2009
Zuschauer: vielleicht 3.500 (nicht ausverkauft)
Dauer: Pixies 75 min, Dinosaur Pile-Up 30 min
Vier Bands prägten meine alternative musikalische Früherziehung ganz besonders: die Smiths, Violent Femmes, Pixies und mit einem wenig Abstand (nach hinten) The Cure - vielleicht mochte ich die wegen des Singular-Bandnamen etwas weniger. Live gesehen habe ich damals aber keine der vier; erst viel später holte ich zumindest einmal The Cure nach. Als mein Interesse daran kleiner war, wäre ab und zu die Gelegenheit da gewesen, die Pixies, die einzige amerikanische Band, die ich vor zwanzig Jahren wirklich vergöttert habe, auch einmal live zu erleben. In letzter Zeit leider nicht. Und da schlug dann der sozialpsychologische Effekt der Knappheit gnadenlos zu, je schwieriger die Band zu sehen war, desto größer der Trieb, ohne weiteres Nachdenken hinzugehen.
Eigentlich war das Risiko nämlich zu hoch. Eine Band, deren Werk man anhimmelt und die man immer mehr in den eigenen Musik-Olymp hebt, kann eigentlich nur enttäuschen. Und dann die Trennung, die immer wieder zitierte schlechtgewordene Stimme des Frontmanns... viel Potential für Ernüchterung!
Aber drauf gepfiffen; das Prinzip der Knappheit interessieren keine Bedenken und ich hatte mein Ticket.
Frankfurt war ein schön ausgewählter Ort für die Doolittle Jubiläumstour, weil in der angestrebten
Hallengrößen-Kategorie die dortige Jahrhunderthalle zu den besseren Vertreterinnen zählt. Auf dem Weg hin war uns sehr klar, was uns im Zuschauerraum erwarten würde. Lediglich beim Frauenanteil gab es im Wagen unterschiedliche Theorien, die schwankten zwischen 20 % und fünf (einzelnen Frauen), die dann aber alle über 30. Im strömenden Regen vor der Halbkugel Jahrhunderthalle zeigte sich da schon einmal unser außerordentlicher Sachverstand. Überall Frauen weit unter 30, viele auch jünger als die Platte, die heute gespielt werden sollte. Na das fing ja schon einmal gut an!
Falsch auch meine Vorstellung, das Konzert werde selbstverständlich ausverkauft sein. Gut besucht, ja; ausverkauft allerdings bei weitem nicht.
Punkt acht begann eine dreiköpfige Vorgruppe, The Dinosaur Pile-Up, von denen ich bisher nichts kannte. Die drei Engländer (Matt, Tom und Steve) haben eine
klassische Instrumentierung: Gitarre, Bass, Schlagzeug. Und sie hatten offenbar einen Plan. Analog dem Fußballmotto "Wenn wir hier nicht gewinnen, treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt" des kürzlich verstorbenen Rolf Rüssmann, knallten die Briten mit einer brachialen Lautstärke drauflos, bis es plötzlich qualmte. Eine Monitorbox hatte sich ob der vielen Dezibel zu Flucht durch Verschmoren entschieden!
Mir war nicht nach Flucht. Dinosaur Pile-Up waren nicht verkehrt. Sie erinnerten mich stark an Ash, allerdings an deren härtere Phasen. Aber Stimme und Melodiestrukturen hatten enorme Ähnlichkeit mit den Iren. Und weil ich die sehr
* mag, gefielen mir auch Dinosaur Pile-Up gut. Nicht so gut, daß ich gleich eine CD gekauft hätte (haben sie wohl auch noch nicht; bisher gibt es nur eine EP), weh taten die 30 Minuten aber nur wörtlich, nicht im übertragenen Sinne.
Am Bühnenlayout änderte sich beim Umbau nichts Grundsätzliches. Nur das vordere Drittel der breiten und tiefen Bühne sollte genutzt werden. Der Rest wurde für Scheinwerfer genutzt, die eine Art Lampionknochen an der Decke beleuchteten. Glücklicherweise dauerte der Umbau nicht allzu lange, da als Umbaumusik unerträglicher Metall-Lärm lief.
Kurz nach neun begann ein Einspielfilm auf dem Display auf der Rückwand. Nach der Einblendung des Tagesmottos "Il était une fois" liefen ruckelige Bilder im Stil
eines 20er Stummfilms. Als der beendet war und das Licht in der Halle endlich ausging, erschienen die Bostonians unter riesigem Jubel. Man hörte wirklich nicht, daß der Saal und die Sitzplatztribünen nicht voll waren.
Kim Deal, die, wie man so wenig schön neudeutsch sagt, on-off-Bassistin der Pixies, war dabei. Und sie sollte mir im Lauf des Abends viel Spaß machen, weil sie mit kurzen Kommentaren den Ablauf moderierte. Sie gehörte jedenfalls dazu, hatte offensichtlich gute Laune und wirkte nicht so, als wolle sie gleich ihr Instrument Richtung Gesangsmikro schleudern. An dem stand
Gitarrist und Frontmann Black Francis (oder Frank Black oder eigentlich Charles Thompson) ohne Sonnenbrille aber mit eindrucksvollem Stiernacken.
Koplettiert wurde die Band durch die beiden mehr oder weniger haarlosen Joey Santiago an der Gitarre und David Lovering am Schlagzeug.
Es begann mit B-Seiten; mit denen der Monkey gone to heaven 12", konsequenterweise in umgekehrter Reihenfolge, unterbrochen allerdings vom Bailey's walk von Here comes your man. Ein cleverer Auftakt, wie ich fand. Alle Stücke sind knackig kurz, sodaß nach vielleicht acht Minuten auf den Displays "Doolittle" erschien und das vielumjubelte Debaser angestimmt wurde. Da Doolittle streng werkstreu gespielt wurde, kamen jetzt keine Überraschungen. Der Schreihals Tame folgte, bevor mit Wave of mutilation und I bleed zwei meiner Lieblinge kamen. Und gerade der Übergang zwischen Tame und I bleed beeindruckte mich, denn Black-Frank-Charles' Stimme funktionierte beim ruhigen Duett I bleed hervorragend, obwohl er sich wenige Minuten vorher noch die Seele aus dem Leib gebrüllt hatte. Die angedrohten Stimmprobleme waren da für mich nicht feststellbar und der Abend fühlte sich nach einem Konzert des Jahres an.
Und das hielt noch eine Weile. Auch Here comes your man und Dead hinterliessen mich euphorisiert, bevor ausgerechnet Monkey gone to heaven einen Knick
darstellte. Die wichtige Single war zu lahm, und das wirklich wörtlich gemeint. Der Refrain des Stücks klang ein Stück stockender als auf Platte, fast schon geschleppt. Charles hätte da einen Tritt in den Hintern bekommen sollen, um richtig loszulegen, das traute sich aber offenbar niemand; verständlich beim gewinnenden Äußeren des Sängers.
Dieses Abbremsen versaute mir zwar weder Konzert noch Abend, ein über allem anderen stehendes Erlebnis war damit aber vorbei.
Während der Sänger nicht mit uns sprach, sagte Kim Deal wie erwähnt die Stücke an. "Wir sind immer noch auf der ersten Seite" und ähnlich. Ganz köstlich ihre Frage vor Monkey gone to heaven. "Sollen wir die erste Seite noch beenden oder gleich zur
zweiten übergehen? Erste oder zweite?" Da niemand richtig reagierte, zeigte auch Frank mit seinen Fingern die Frage. Kim Deal spielte dann sogar die ersten Töne von Mr. Grieves, dem Eröffnungsstück der B-Seite, hielt den Bluff aber natürlich nicht durch!
Die zweite Seite der Platte ist etwas schlechter als die erste, sie lag früher häufiger mit dem Gesicht nach unten auf meinem Plattenspieler. Trotzdem enthält sie natürlich auch einige großartige Titel, die an ihrem Reiz in den vergangenen Jahren nichts eingebüßt haben, Hey oder Gouge away beispielsweise sind besser als 99% der neuveröffentlichten Indie- und Alternativelieder, ohne jeden Zweifel.
"We're almost done with the b side" kurz vorher, und dann war nach 50 Minuten erst
einmal Schluß! Aber da ja noch zwei B-Seiten von Here comes your man fehlten, waren die ersten Zugaben klar.
Sehr charmant verabschiedeten sich die vier in die Jahre gekommenen Musiker. Sie kamen nach vorne, gingen an beide Seiten des Bühnenrands und winkten. Auch Francis wirkte dabei gutgelaunt und freundlich, ganz anders als ich ihn mir vorgestellt hatte. Das Bedanken setzte sich dann niedlich fort. Charles, Kim, David und Joey verbeugten sich immer wieder. Allerdings auf der
Videowand... Da machten sie immer wieder Diener und andere (Be-)jubel-Posen, toll! Die Pause dauerte eine ganze Weile, aber die Band sah uns ja zumindest digital an.
Ganz konsequent spielten die Pixies dann zunächst auch die abgewandelte Version des bereits vorgetragenen Wave of mutilation (UK surf), es ist schließlich eine B-Seite, und die werden gespielt, basta! Wie unendlich schade, daß die Debaser EPs erst Jahre später erschienen sind. Auf die Live-EP wäre ich gespannt gewesen...
Into the white (wieder perfekt umgesetzt mit weißen Spots), das wohl längste Lied des Abends, beendete den ersten Zugabenblock. Überall kamen die Ostküstler dann wohl nicht wieder, in anderen Städten der Geburtstagstour allerdings für eine sehr lange zweite Zugabe. Frankfurt lag mittendrin. Sie erschienen wieder, spielten aber nur noch drei weitere Lieder; Something against you und Vamos von Surfer Rosa und Isla de Encanta von Come on Pilgrim. Und damit endete es leider schon, nach eineinviertel Stunden natürlich viel zu früh. Die vier Musiker, liessen sich am Bühnenrand feiern und verschwanden.
Ich fand den Auftritt gut, streckenweise deutlich mehr. Aber das lustlos-lahme
Monkey gone to heaven hatte den Funken ausgepustet, der am Anfang hell brannte. Die befürchtete Enttäuschung war der Abend aber keinesfalls, hier haben sich Helden mir gegenüber nicht blamiert; was mich nicht weiter überrascht hätte. Es ist also glimpflich ausgegangen. Ich sollte mein Glück aber nicht strapazieren und habe mir vorgenommen, es bei dem einen Pixies-Konzert zu belassen und sie beim nächsten Mal auszulassen, auch wenn mich das 20er Bossanova Konzert reizte...
Setlist Pixies, Jahrhunderthalle, Frankfurt:
01: Dancing the Manta Ray
02: Weird at my school
03: Bailey's walk
04: Manta Ray
05: Debaser
06: Tame
07: Wave of mutilation
08: I bleed
09: Here comes your man
10: Dead
11: Monkey gone to heaven
12: Mr. Grieves
13: Crackity Jones
14: La la love you
15: No. 13 baby
16: There goes my gun
17: Hey
18: Silver
19: Gouge away
20: Wave of mutilation (UK surf) (Z)
21: Into the white (Z)
22: Something against you (Z)
23: Isla de Encanta (Z)
24: Vamos (Z)
Links:
- andere Federn: Pretty Paracetamol über die Pixies in Frankfurt
- andere Federn: die FAZ über das Konzert
- mehr Fotos
* Symbolbild