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Montag, 12. August 2024

LIve /s Live Festival - Antwerpen

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Konzert: Live /s Live Festival Antwerpen
Ort: City of Antwerp
Datum: 28.-30.06.2024
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ca. 20.000/Tag


Ein Bericht unserer Gastautorin Sonja: 

Für mein erstes Festival in diesem Jahr, reise ich nach Antwerpen. Das Line- Up und die „anfängliche“ Wetterprognose sieht vielversprechend aus. Am Freitag verpasse ich die wunderbare Bess Atwell und auch Alvvays, da ich erst am späteren Nachmittag anreise. So startet die Erkundungstour des Geländes zu den entfernten Klängen von Ben Howard. 

Das Gelände ist sehr großzügig und liebevoll hergerichtet. Überall auf dem Gelände sind überdachte Sitzgelegenheiten verteilt und auch Bars sowie Food Trucks sind ausreichend vorhanden. Da es sich bei dem Festival Gelände um einen Park in der Stadt handelt gibt es vor Ort kein Camping. Aber Antwerpen bietet zahlreiche Hotels um sich hier ein komfortables Festival Wochenende zu gestalten. 


Für den ersten Abend habe ich nur The National auf dem Plan, die als Headliner für diesen Abend mit leichter Verspätung dafür aber gut gelaunt die Bühne betreten. Das Set ist eine gelungene Mischung für ein Festival-Gig. Alle „All Time Favourites“ wie Bloodbuzz Ohio, I Need My Girl, Conversation 16, Light Years, Fake Empire uvm. sind dabei. Aber auch die neuen Songs wie Eucalyptus und Tropic Morning News fehlen nicht. Mein persönliches Highlight war der wundervolle Track „England“ vom Album „High Violet“.


In einem Bericht habe ich mal den Kommentar gelesen: „Matt Berningers Bariton ist ein Geschenk der Götter, völlig gleich ob er schmachtet, kratzt oder bricht“. Wenn dazu noch die Gitarren von Aaron und Bryce Dessner jauchzen und das Schlagzeug sowie der Bass von den Devendorf-Brüdern Bryan und Scott ihre angetraute Schlagzahl gefunden haben ist das „The National Feeling“ da. 


Eine umarmende Melancholie, die einen emotional tief berührt, aufgewühlt und gleichzeitig auch hoffnungsvoll zufrieden zurücklässt. Und genau all dies durfte man an diesem Abend erleben. Es ist das das dritte Mal das ich diese wunderbare Band live sehen durfte und es war bestimmt nicht das letzte Mal. 


Der Samstag hält tolle Namen parat, auf meiner Liste stehen Lord Huron, Paolo Nutini und Editors. Lord Huron stehen bereits um 15:00 Uhr bei strahlendem Sonnenschein auf der Bühne. Sie starten ihr Set mit „Meet me in the Woods“ dessen Rhythmus gut zum gute Laune Wetter passt. Alle bekannten Songs wie z.B. „Dead Man ́s Hand“, „Ends of the Earth“ sind dabei. Das wunderbare „I lied“ fehlt leider und auch wenn sie Ihren Auftritt mit ihrem größten Hit „The Night We Met“ beenden, will der Funke bei mir nicht überspringen. Vielleicht liegt es an dem guten Wetter und dem Auftritt im Sonnenschein, was bei mir leider dazu führt, dass die emotionale schwere der Songs, die ich so mag, nicht bei mir ankommt. 


Der schottische Sänger Paolo Nutini mit seiner unfassbar berührenden und intensiven Soulstimme braucht nicht viel Show auf der Bühne. Er steht lässig mit T-Shirt und Jeans auf der Bühne und überzeugt durch die abwechslungsreichen Tracks. Sei es von den Songs der vorigen Alben wie „New Shoes“, „Candy“ bis hin zu den aktuellen „Afterneath“ und „Acid Eyes“ von Last Night In The Bittersweet. Auch der Stil reicht hin von rockigen Nummern bis zu den richtig gefühlvollen Einlagen. Wenn er beispielsweise bei „Through The Echoes“ das Publikum mit einbezieht und mitsingen lässt. Zum Abschied gibt es dann einen gute Laune Song zum Wohlfühlen. Mit „Shine a Light“ verabschiedet er sich und es bleibt das Gefühl: "Da war mehr drin".


Auf Editors freue ich mich heute besonders.  Die musikalische Entwicklung der Band gefällt mir mal mehr und mal weniger. Der charismatische ​ Bariton von Tom Smith fesselt mich aber immer. Trotzdem ist die Hoffnung groß, dass die Setlist an diesem Abend möglichst viele Songs von den ersten beiden Alben The Back Room und An End Has a Start beinhaltet. Die Show startet mit „Strawberry Lemonade“ direkt gefolgt von „An End Has a Start“ und die düstere Stimme von Smith hat mich in diesem Moment schon abgeholt. Die Abwechslung zwischen New Wave und Indie-Rock präsentiert die Band in dunkler Kleidung und auf der Bühne gibt es Pyrotechnik und Stobogewitter bei Songs wie „The Racing Rats“ und „Picturesque“. Aber nicht mehr soviel und übertieben wie auf den letzten Tourneen. Das Songmaterial hat Vorfahrt.

Zum Ende des Sets spielt Tom Smith das Intro zu „Smokers Outside the Hospital Doors“ als Akustik-Version und trifft mich mitten ins Herz, als die Band einsetzt und diesen berührenden Song mit viel Kraft unterstützt ist für mich klar, emotionaler wird es heute nicht mehr. Als Zugabe gibt es noch den absolut unter die Haut gehenden Song „No Sound but the Wind“, der von Smith selbst am Klavier begleitet wird und der Editor Klassiker „Papillon“ darf natürlich auch nicht fehlen und beendet ein für mich perfektes Konzert. Editors können immer noch Headliner, auch wenn sie dazu nur noch in Benelux und England Gelegenheit bekommen.


Alle guten Dinge sind drei, oder nicht? Der dritte Tag hält auch bekannte und vielversprechende Namen bereit. Für mich gibt es heute Mogwai, Interpol und The Smashing Pumpkins. Ein klein wenig 90er Nostalgie..... Mogwai sind dafür bekannt, keinen konventionellen Songstrukturen zu folgen und kommen auch fast immer ohne Lyrics aus. Die Band betritt wenig spektakulär die Bühne und beginnt ohne große Worte ihr Set mit „Yes! I Am a Long Way From Home“ direkt gefolgt von „I ́m Jim Morrision,I ́m Dead“. Der langsame Aufbau und die instrumentale Vielschichtigkeit begeistert mich. Bei den weiteren Songs wie „Kids will Be Skeletons“ und „Mogwai Fear Satan“ erlebt man wahre Klanglandschaften die eine düstere melancholische Atmosphäre zaubern. Ein super Live Erlebnis auch wenn ich sie lieber bei Nacht gesehen hätte. 


Interpol Touren ja bereits seit ein paar Wochen durch Europa und kommen wie gewohnt relaxed und komplett in schwarz gekleidet auf die Bühne. Den Auftakt macht C ́mere gefolgt von Narc. Leider ist der Gesang von Paul Banks sehr leise und "matschig" abgemischt. Ob es an der beanspruchten Stimme oder dem Techniker lag kann ich nicht beurteilen. Auch bei den weiteren Songs wie „My Desire“ oder „Into the Night“ ist der Sound nicht richtig gut. Bei „Evil“ und „Not Even Jail“ konnte man kurz erahnen das Interpol auch Live zu überzeugen wissen. 

Zum Finale des Abends und zum Ende des Wochenendes verabschiedet sich das gute Wetter, nun regnet es in Strömen. Also ab unter den Regenponcho und vor die Bühne. Smashing Pumpkins Sänger Billy Corgan gilt im Allgemeinen als schlecht gelaunt, sollte also zum Wetter passen. Bei diesem Konzert war dann alles anders und zudem noch erstaunlich gut.

In einem wallenden Mantel/Kleid in schwarz-weiß kommt er auf die Bühne, Gitarrist James Iha und Drummer Jimmy Chamberlin sind wieder mit dabei, was mich sehr freut. Das Set startet wie erwartet ohne große Worte mit „The Everlasting Gaze“ gefolgt von „Doomsday Clock“ man merkt schnell, Corgan hat trotz des Regens heute gute Laune. Jubelt mit den Fans, macht Ansagen, immer wieder sieht man ihn lachen und tanzend die volle Breite der Bühne nutzen. 



Zeitweise spielt er mit Handtuch auf dem Kopf und schaut dann aus wie ein ägyptischer Pharao, der im Regen steht. Das Licht der Scheinwerfer wird durch den Regen ganz speziell reflektiert, eine Leinwand gibt es keine. Gut so.

Auch wenn meine Schuhe und Hose mittlerweile komplett durchfässt sind, klingt die Band so gut. Befreit, heavy, schön, laut, gar nicht wie auf Platte, aber trotzdem erkennt man die Songs schon ab Note eins. „Disarm“, „Today“, „1979“, „Zero“ und The World is an Vampire... „Bullet with Butterfly Wings“ – alle Hits sind dabei. Zugegeben für mich war viel Nostalgie bei diesem Konzert im Spiel. Allerdings, wenn schon Nostalgie, dann so souverän, freudvoll und frisch wie von den Smashing Pumpkins an diesem Abend. 


Auch wenn die Wetterprognose nicht bis zum Ende durchgehalten hat, so hat das Line-Up gehalten was es versprochen hat. Viele einmalige Momente mit großartigen Künstlern in einem wunderbaren Ambiente von Antwerpen.


Freitag, 23. Juni 2017

The National, Paris, 23.06.17

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Konzert: The National und Halo Maud
Ort: Le 104, Paris (salle 200)
Datum: 23. Juni 2017
Dauer: etwa 70 min
Zuschauer: ausverkauft
Photos par Nicolas Roger ©, merci beaucoup à lui !

The National mit einem kurzfristig anberaumten Überraschungskonzert in einem kleinen Club  in Paris, das hatten wir doch schon mal, oder ? Richtig, es war im Jahre 2013 als die Band von Matt Berninger völlig unerwartet einen Gig im Point Ephémère ankündigte (Kapazität: etwa 400 Personen) und spielte. Damals waren die Karten im Vorverkauf in ein paar Minuten weg, heuer, im Saal 200 des Kulturzentrums 104 (Kapazität geschätzt 700) war es ähnlich. "Complet" (ausverkauft) lasen enttäuschte Spätzünder auf den einschlägigen Ticketportalen. An diesem Montag (19/07)) startete der Vorverkauf für das am Donnerstag stattfindende Konzert. Besonders hierbei: der späte Beginn. 22Uhr 30 für die Vorgruppe Halo Maud aus Frankreich und 23h45 für den Headliner The National. Ein Zugeständnis an die extreme Hitze oder späte Anreise der Band in Paris? Nein, ich denke es war noch etwas anderes. Der vielbeschäftigte Bryce Dessner hatte gegen 20 Uhr noch mit Lisa Hannigan und dem Ochestre National de l'Ile-de-France in der Basilique Saint Denis gespielt . Und ohne den Gitarristen, der zusammen mit seinem Zwillingsbruder die Riffs beisteuert, geht es nun mal schlecht.


Kurz vor Mitternacht ging es dann tatsächlich los. Der Raum 200 im modernen Kulturzentrum 104 war gut, aber nicht bis zum Bersten gefüllt. Man wollte wohl eine zu starke Auslastung vermeiden, es hätten sicherlich noch 50 Leute mehr reingepasst. So aber war es luftiger, an einem erneut drückend heissen Tag nicht zu unterschätzen. Glücklicherweise funktionierte aber die Klimaanlage einwandfrei und so musste niemand in seinem Schweiss zerlaufen.



Es ging gleich zu einleitenden Pianoklängen mit einem neuen Titel, der Ballade Nobody Else Will Be There, los und auch die darauffolgenden Stücke sollten samt und sonders von dem im September erscheinenden neuen Album Sleep Well Beats stammen. Das Publikum kannte die Stücke noch nicht und so war es logischerweise ziemlich still in den Rängen, euphorische Zwischenrufe blieben weitestgehend aus. Jeder hörte konzentriert zu, anstatt altbekannte Hymnen abzufeiern.


Aber das neue Material scheint mir viel Potential zu haben. Das sehr druckvolle und recht schrammelige The Day I Die (erinnerte etwas an Joy Division aber überraschenderweise auch an die Libertines), die leicht elektronisch angehauchte Schmonzette Walk It Back mit ihrer wundervollen Pianomelodie und dem packenden Gitarrenriff am Ende (plus Gespräche von Unbekannten vom Band), das flotte The System Only Dreams In Total Darkness (einem Fred im Publikum gewidmet) mit seinen wundervollen Trombonen und den 70er Jahre Gitarrenriffs und einem schreienden und mit einem Fan in der ersten Reihe tanzenden Matt Berniger ("i can't explain it to any other"), oder das sehr sentimentale Guilty Party, viel Gutes das uns Fans noch lange erfreuen wird! Altbekanntes kam erst im letzten Drittel, als Apartment Story (gespielt mit viel Wumms und Geschrei), Daughters Of The Soho Rios ("all my fingernails are painted"), der fulminant dargebotene Klassiker Fake Empire (Jubelschreie im Publikum) und das rasante Terrible Love performt wurden. Dazwischen aber erneut Neuigkeiten mit Sleep Well Beast (eher etwas lahm und eintönig, aber vielleicht wird es ein Grower) und dem abschliessen Turtle Neck, das höllisch rockte (irgendwie 70 er Jahre) und einen Matt Berninger in Extase sah.

Lustigste Szene ? Ein aus einer runden Glaskaffekanne Weisswein trinkender Berninger, der diese am Ende unter lauten Splittergeräuschen auf den Boden krachen liess (das Foto herzig stammt von Laurence B., merci!)

 
Setlist: 
01: Nobody Else Will Be There
02: The Day I Die
03: Walk It Back
04: The System Only Dreams In Total Darkness
05: Guilty Party
06: Empire Line
07: Carin At The Liquor Store
08: Apartment Story
09: Daughters Of The Soho Riots
10: Sleep Well beast
11: Fake Empire
12: Terrible Love
13: Turtleneck 


Aus unserem Archiv:
The National, Ewijk, 25.06.16
The National, Šibenik, 03.08.14
The National, Šibenik, 03.08.14
The National, Brooklyn, 17.06.14
The National, Köln, 11.06.14
The National, Mannheim, 01.06.14
The National, Paris, 18.11.13
The National, Brüssel, 17.11.13
The National, Esch-sur-Alzette, 06.11.13
The National, Düsseldorf, 05.11.13
The National, Zagreb, 02.07.13
The National, Paris, 25.06.13
The National, Camber Sands, 09.12.12
The National, Barcelona, 27.05.11
The National, Eindhoven, 18.02.11
The National, Paris, 23.11.10
The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
The National, Wien, 18.08.10
The National, Haldern, 14.08.10
The National, Latitude-Festival, 16.07.10
The National, Paris, 07.05.10
The National, Haldern, 09.08.08
The National, Montreux, 16.07.08
The National, Köln, 27.11.07
The National, Paris, 14.11.07

Dienstag, 28. Juni 2016

The National, Down the Rabbit Hole Festival, 25.06.2016

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Konzert: The National
Ort: Down the Rabbit Hole Festival
Datum: 25.06.2016
Dauer: 75min
Zuschauer: 10.000

Auch drei Jahre nach Erscheinen des letzten Albums "Trouble will find me" sind The National immer (noch) wieder auf Tournee. Neue Stücke müssen bei ihnen lange Reifen und oft bildeten sie sich erst bei Live-Auftritten zu ihrer späteren Form. Nicht ungewöhnlich also, das Matt Berninger die Bühne mit den Worten "Let´s play a new song" betritt.

Was dann folgt, ist leider sinnbildlich für den Rest der Show. Berninger dreht sich verloren im Kreis, alle anderen sehen sich fragend an, und der Song startet einfach nicht. Unklar ob Matt den Text völlig vergessen hat oder die Technik streikt, es wird heute einfach nichts wirklich Großes gelingen. Berninger, als bekennender Bühnenalkoholiker bekannt, ist an diesem Abend jedoch definitiv mehr als eine Flasche drüber. 


Ist seine Mischung aus Schüchternheit, Derwisch und coolem Frontmann sonst immer entweder komisch oder besorgniserregend, wirkt seine Vorstellung heute einfach nur traurig und respektlos. Wer die sonst strafenden Blicke der Dessner-Zwillinge kennt, sie bilden ja durch ihre Perfektion das Gegengewicht zu Matts Eskapaden, kann sich vorstellen das es nach dieser Show Gesprächsbedarf gab. 

Matt Berninger singt an diesem Abend kaum, sein sonst tiefer Brummton gerät zu einem einzigen Nuscheln und Murmeln, während die Band ansonsten großartig klingt. Und so sind keine ausladenden Versionen möglich, nur Standardprogramm mit Blick auf den taumelnden Sänger. Die Setlist kommt daher auch ohne Überraschungen daher, zwei neue Songs gibt’s dann doch noch. Aber es gibt keinen, von vielen erwarteten, Grateful Dead Song, andere Cover oder gar Gäste auf der Bühne.

Wer The National schön öfter gesehen hat, mag das weniger stören. Lieber auch mal eine schwächere Show, wenn es dafür beim nächsten Mal auch wieder besonders gut wird. Trotzdem ist die Band jetzt an einem weiteren Scheidepunkt angekommen. 


Als Headliner eines 20.000er Festivals wird die Luft nach oben dünner, die Erwartungen, der bei Festivals oft zufälligen Zuhörer, höher. Die flackernde Leinwand alleine bietet da nicht viel Blickfang, lenkt aber trotzdem noch zu stark vom Geschehen auf der Bühne ab. Moderne Klassiker wie "England" und "Graceless", sowie der wie immer geplante Sprung ins Publikum bei "Terrible Love" sind da schon bessere Argumente.

Aber spätestens wenn Matt eine halbvolle Weinflasche quer über die Bühne in Richtung Kollegen wirft, scheint vom Spaß auf der Bühne nicht mehr viel übrig zu sein. 

Eine Show mit so vielen tollen Songs kann natürlich nie völlig enttäuschen, aber vielleicht sollten The National es wirklich einmal ernsthaft mit einer längeren Pause versuchen und die neuen Stücke im Studio zu Ende führen. Nach drei Jahren sollte die Zeit dafür reif sein.

Fotos: Michael Graef 


Montag, 4. August 2014

The National, Šibenik, 03.08.14

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Konzert: The National
Ort: SuperUho Festival, Šibenik
Datum: 03.08.2014
Dauer: ca. 100 min
Zuschauer: 1.500 vielleicht



Die Trouble will find me Tour von The National geht langsam zu Ende. Je häufiger ich die Stücke der Platte live höre, desto besser werden sie, desto mehr bestärken Sie mich aber auch, daß die Lieder der Vorgängerplatten deutlich besser sind. Klingt unlogisch, ist aber vielleicht mathematisch so zu erklären, daß das Wachstum der älteren Songs größer ist (sehr viel Sonne hier in Kroatien...). Nach dem hervorragenden Konzert Samstagabend auf der Michaels-Festung über der winzigen Altstadt des wundervollen Šibenik, hätte ich eigentlich nicht noch ein Konzert der Amerikaner am nächsten Tag gebraucht. Das Festungs-Dings war aber erst später dazugekommen, also hatten wir die Karten für Sonntag schon - und dann geht man dann natürlich auch hin.

SuperUho heißt das Festival, das in dieser Woche zum ersten Mal direkt am Meer, gleich neben dem Stadtstrand stattfindet. Daß das Festival von Sonntag bis Dienstag dauert, sowie die Auswahl der Bands erscheint komisch. Ausverkauft war das "Super-Ohr-Festival" dann auch nicht. Es funktioniert aber insofern, daß es dem Veranstalter gelungen war, mit The National einen riesigen Headliner zu gewinnen (mir waren im dreitägigen Lineup sonst nur die Black Lips, Chelsea Wolfe und Tuxedomoon bekannt). Wir kamen pünktlich zu den Black Lips, die offenbar eine gute Show ablieferten, die - wenn sie nach den Ramones klangen - mir auch gefielen, mich aber insgesamt sehr kühl liessen. Anschließend trat eine Band auf, in deren Wikipediabeschreibung in einem Satz die Worte "psychedelisch" und "Didgeridoo" fielen, zwei nogo-areas auf einmal. Auf The National mussten wir bis 23.15 Uhr warten. Die Amerikaner, die seit einer Woche in der Gegend sind, spielten natürlich auf der großen der beiden Bühnen, die keinen Bühnenhintergrund hatte und einen schönen Blick auf die hügellige Landschaft bot. Schade, daß die Bühne nicht 90° gedreht mit Meereshintergrund aufgebaut werden konnte. Das Gelände war aber früher bebaut, wohl mit Industrie- oder Gewerbebauten, und die Hauptbühne bespielte einen Bereich zwischen zwei hohen Mauern. 

Obwohl der Platz gut gefüllt war, war es selbst vorne nicht eng. Allerdings war die Publikums-Qualität enorm. Selbst bei selten gespielten Stücken war der Großteil der Leute vorne 100%ig textsicher. Kroatien scheint ein gutes Pflaster für The National zu sein.

Der Beginn des Konzerts war wenig spannend. Der Festivalbeginn scheint eine abgespeckte Version des Standardkonzertstarts zu sein. Nach This is the last time variiert die Band. Danach wurde es für mich spannend. 

Daughters of the Soho riots war das erste der Überraschungsstücke. "It's an old one from Alligator", leitete Matt Berninger ein. Mit "it's enough" beendete er das Mitsingen des Publikums, lange nachdem das Lied eigentlich vorbei war. Und dann nuschelte er etwas wie "wisst ihr überhaupt, wovon der Song handelt?" Mir gingen einige Male ähnliche Gedanken durch den Kopf, wenn die viele Pärchen engumschlungen bei den so romantischen Melodien schunkelten, bei denen mit den heftig-bitteren Texten.

Nach Daughters of the Soho riots ging es mit All the wine und Available. So wenig wie mich die erste Konzerthälfte mitgerissen hat, weil sie eben eine Kurzversion des Vorabends war - obwohl sie auch in der Form objektiv sehr gut war - so sehr begeisterte mich der Rest. In Available mischten The National das Ende vom Cardinal song rein, nur die letzten Zeilen "Jesus Christ you have confused me. Cornered, wasted, blessed and used me. Forgive me girls i am confused. Stiff and pissed and lost and loose" Machen sie das so schon länger? Ich weiß es nicht, es passte aber perfekt! Die Band spielt nach meiner Wahrnehmung immer häufiger kurze Instrumental-Einleitungen, die nichts mit dem eigentlichen Lied zu tun haben. Zwischen Available und Cardinal song war das eine echte Überleitung, die aus den beiden Songs einen machten.

Danach wurde es wieder normaler. Auch das Ende der Show ähnelte den anderen (diesmal war aber England wieder dabei). The National variieren meist das erste Lied der Zugaben, auf der Festung war es Santa Clara, beim Festival About today. Den Abschluß bilden immer Mr. November, Terrible love und Vanderlyle crybaby geeks. Bei Mr. November verausgabte sich Matt noch mehr als sonst. Er quälte sich scheinbar durch die Schreiphasen. Schon bei Graceless hatte er sich um Kopf und Kragen (und Stimmband) gebrüllt.

Eigentlich dachte ich vorher, das Konzert nicht unbedingt sehen zu müssen. Trotz der Wiederholungen war es aber dann doch wieder hervorragend. Auch die Band schien großen Spaß zu haben und sich in Dalmatien wohlzufühlen. Besonders Bassist Scott blühte offenbar richtig auf! Nachdem es am Samstag Anfeuerungsrufe für ihn gegeben hatte, die die Frontmann spöttisch kommentiert hatte, tanzte und wippte Scott auf der Festivalbühne ausgelassen! Etwas zu ausgelassen sind mir die immer wilder werdenden Rockstar-Posen der Dessner-Zwillinge. Aber vielleicht ist das der Weg eines Gitarristen, gegen Lange-Tour-Langeweile vorzugehen.

Setlist The National, SuperUho Festival, Šibenik: 

01: Don't swallow the cap
02: I should live in salt
03: Bloodbuzz Ohio 
04: Sea of love
05: Afraid of everyone
06: Squallor Victoria
07: I need my girl
08: This is the last time
09: Daughters of the Soho riots
10: All the wine
11: Available
12: Cardinal song (kurz)
13: Abel
14: Slow show
15: Pink rabbits
16: England
17: Graceless
18: Fake empire

19: About today (Z)
20: Mr. November (Z)
21: Terrible love (Z)
22: Vanderlyle crybaby geeks (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The National, Šibenik, 02.08.14
- The National, Brooklyn, 17.06.14
- The National, Köln, 11.06.14
- The National, Mannheim, 01.06.14
- The National, Paris, 18.11.13
- The National, Brüssel, 17.11.13
- The National, Esch-sur-Alzette, 06.11.13
- The National, Düsseldorf, 05.11.13
- The National, Zagreb, 02.07.13
- The National, Paris, 25.06.13
- The National, Camber Sands, 09.12.12
- The National, Barcelona, 27.05.11
- The National, Eindhoven, 18.02.11
- The National, Paris, 23.11.10
- The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07
- mehr Fotos später!



Sonntag, 3. August 2014

The National, Šibenik, 02.08.14

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Konzert: The National
Ort: Tvrđavi sv. Mihovila (Festung St. Michael), Šibenik (Kroatien)
Datum: 02.08.2014
Dauer: 110 min
Zuschauer: 800 (ausverkauft)


all die tollen Fotos stammen von Claudia

Eigentlich hatten The National dieser Tage Konzerte in Russland und der Ukraine spielen wollen. Wegen der eskalierenden Situation zwischen beiden Ländern strich die Band die Termine und fand mit dem SuperUho-Festival in Šibenik in Kroatien Ersatz - und die Gelegenheit zu einem Kurzurlaub in einer wunderschönen Gegend.  Etwas später kam zum Festival-Headliner-Job noch ein Minikonzert auf einer der zahlreichen Festungen der Stadt dazu, wieder später ein zweites. 

Den ersten dieser beiden Auftritte auf der St. Michaels-Festung hatten wir ausgelassen, zwei National-Konzerte nacheinander würden genügen, denn die Band variiert zwar immer wieder Songs, das Grundgerüst der Konzerte ist aber stets gleich. Die Setlist des Auftritts am Freitag enthielt keine großen Überraschungen. Šibenik ist klein, wir konnten überall im Ort zuhören. Erstaunlicherweise war das Konzert nicht ausverkauft, obwohl der Innenhof der Festung winzig ist. Unseres am Samstagabend war schon eine Weile ausgebucht. 

Die Tvrđavi sv. Mihovila liegt mitten in der Stadt und bietet einen atemberaubenden Blick über Altstadt und Meer. The National hatten am Vorabend neiderzeugende Fotos aus dem Backstagebereich (sprich der Mauer an der Meerseite) gepostet. Als wir ankamen, ging gerade die Sonne über der Adria unter, es war hochromantisch! Der winzige Festungshof war zu einem Drittel mit der Bühne, zu zwei Dritteln mit einer 20-Reihen-Tribüne ausgefüllt. Es gab ausschließlich Sitzplätze. Allerdings nur bis zu den ersten Takten von Start a war, denn da saß niemand mehr (bis auf die beiden ketterauchenden Frauen neben mir, die stoisch auf den Boden guckten und sich nur bewegten, wenn die aktuelle Kippe abgelöst werden musste). Am Vorabend war die Stimmung wohl weit weniger gut, erst spät war der Raum vor der ersten Reihe zu Stehplätzen umfunktioniert worden.


Einige kroatische Fans hatten am Eingang Wunderkerzen verteilt und organisiert, daß die zu Konzertstart gezündet würden. Das klappt hervorragend und sah wundervoll aus. Nur Matt Berninger schien eingeschüchtert. "I have terrible fear of sparklers! It's a nightmare! That's the worst possible thing that could have happened!" Puh, das würde ja toll werden!

Matt ließ sich zumindest (nicht mehr als normal) von Panik und Angst nichts anmerken. Start a war (immer wieder einer meiner Lieblinge) war toll - wie fast alles, was folgte! Die Band schien Spaß zu haben, besonders die Gitarren-Zwillinge wirkten ausgelassen. So ein Kurzurlaub am Meer wirkt Wunder!

Die erste Hälfte des Konzerts war wie mein letztes The National-Konzert in Köln im Juni und enthielt (aus dem Gedächtnis) keine Überraschungen. Teil zwei - ab meinem anderen Liebling Green gloves - dafür umso mehr. Guest room hatte ich noch nie live gehört. Wie auch? The National hatten das Lied von Boxer erst vor ein paar Tagen ins Liveprogramm aufgenommen und auch bei der damaligen Tour nur dreimal gespielt. Alleine dafür hatte es sich schon gelohnt, die Band aus Brooklyn noch einmal zu sehen.

Auch Lit up von Alligator direkt danach war für mich live neu. Die beiden Frauen rechts und links von mir beeindruckte das nicht. Dame rechts gingen irgendwann die Kippen aus, Dame links rechnete offenbar, wie oft sie noch das Feuerzeug bedienen müsste, bis diese komischen Typen vorne endlich aufhörten. Beide waren übrigens alleine da, was ihr Verhalten für mich umso schwieriger zu kapieren macht. Ich lese gerade ein Buch eines englischen Hummelforschers, in dem er viele Versuchsaufbauten beschreibt, die Rätsel dieser (wirklich!) spannenden Tiere zu lösen. Aber vermutlich wäre er vor den beiden auch verzweifelt.

Meine dritte Songpremiere eröffnete die Zugaben. Santa Clara (die B-Seite von Mistaken for strangers) spielen The National auch selten. Erst dieses Jahr ist es regelmäßiger im Programm. Der Rest war National-Standard: Mr. November, Terrible love und Vanderlyle. Für mich ist dieses Ende eine der Schwachstellen der National-Konzerte, zumindest, wenn man es mehrfach sieht. Wenn die Überraschungen bei Mr. November (Matts Geschrei) und bei Terrible love (seine Ausflüge durchs Publikum) und das akustische Ende nicht mehr neu sind, verlieren sie an Reiz. Es gehört nicht viel Weitsicht dazu, vorherzusagen, daß auch der Auftritt beim SuperUho-Festival heute abend am Strand gleich enden wird. Aber mein Gott, es kommt ja wieder eine neue Tour mit neuem Ende (und vielleicht mit einer Wiederentdeckung von Lieblingen wie Racing like a pro).

So waren es bei dem Grundgerüst der Tour diesmal die kleinen Änderungen, die mir aufgefallen sind. Einige Intros schienen mir neu zu sein. Vor Slow show verschwand Matt von der Bühne (zum wiederholten Male), die Band spielte eine "der Sänger ist weg"-Instrumental-Sache. Überraschend für die Amerikaner war die große Fanbasis, die Bassist Scott Devendorf in Kroatien hat "you're shouting for Scott?" fragte Matt und drehte sich zu seinem Bassisten um: "how does this feel?" Ich war am meisten perplex, als der Frontmann die beiden Bläser bei Fake empire plötzlich anttanzte. Ehrlich gesagt war das weitaus verstörender als die beiden apathischen Frauen neben mir!

Wegen der außerordentlich tollen Konzertstätte, der Begeisterung des Großteils des Publikums und der Überraschungssongs war mein elftes The National-Konzert* eines meiner besten! Heute abend erwarte ich weit weniger. Aber trotzdem ist die Animation hier im Sommerurlaub nicht so schlecht, wie ich das immer gedacht hatte.

Setlist The National, Festung St. Michael, Šibenik:

01: Start a war
02: Don't swallow the cap
03: I should live in salt
04: Anyone's ghost
05: Bloodbuzz Ohio
06: Sea of love
07: Sorrow
08: Afraid of everyone
09: Conversation 16
10: Squalor Victoria
11: I need my girl
12: This is the last time
13: Green gloves
14: Guest room
15: Lit up
16: Abel
17: Slow show
18: Apartment story
19: Pink rabbits
20: Graceless
21: Fake empire

22: Santa Clara (Z)
23: Mr. November (Z)
24: Terrible love (Z)
25: Vanderlyle cry baby geeks (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The National, Brooklyn, 17.06.14
- The National, Köln, 11.06.14
- The National, Mannheim, 01.06.14
- The National, Paris, 18.11.13
- The National, Brüssel, 17.11.13
- The National, Esch-sur-Alzette, 06.11.13
- The National, Düsseldorf, 05.11.13
- The National, Zagreb, 02.07.13
- The National, Paris, 25.06.13
- The National, Camber Sands, 09.12.12
- The National, Barcelona, 27.05.11
- The National, Eindhoven, 18.02.11
- The National, Paris, 23.11.10
- The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07

* ich Amateur!
 


Donnerstag, 19. Juni 2014

The National, Brooklyn, 17.06.14

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Konzert: The National (celebrate Brooklyn)
Ort: Prospect Park Bandshell, Brooklyn, New York
Datum: 17.06.2014
Dauer: The National 110 min, Phosphorescent 40 min
Zuschauer: ausverkauft, vielleicht 5.000

 

von Claudia aus Stuttgart

„Es ist so großartig, wenn man zu seinem eigenen Gig mit dem Fahrrad kommen kann!“ 


Aaron Dessner ist glücklich, dass The National heute ihr erstes von drei Heimspielen in Brooklyn haben und wir sind glücklich, dass wir dabei sein können. Es ist heiß in New York an diesem Dienstag, gut 30 Grad und das bei bekannt hoher Luftfeuchtigkeit. Um unsere Kräfte zu schonen, waren auch wir im Rahmen unseres Touriprogramms mit dem Fahrrad unterwegs. Start in Manhattan über die Williamsburg Bridge, fancy Williamsburg mit seinen chassidischen Juden im südlichen Teil, DUMBO und über die Brooklyn Bridge zurück. Radfahren im Big Apple. Wer hätte gedacht, dass es tatsächlich so viele markierte Radwege hier gibt. Wer’s nachmachen will, dem sei Frank’s Bikeshop aller wärmstens empfohlen! Der Mann ist ein New Yorker Urgestein. 

Aaron ist vielleicht wirklich mit dem Fahrrad da und meint auf Nachfrage von Sänger Matt Berninger, dass er für später auch mit der ausreichenden Beleuchtung ausgestattet sei. „I got even two!“ 


Der Prospect Park liegt mitten in Brooklyn, mit wunderschönem Baumbestand. Ein Naherholungsgebiet. Im Sommer werden hier jede Menge kostenlose Konzerte veranstaltet und um das zu finanzieren, wird für die eine oder andere Veranstaltung zwischendurch auch mal Eintritt verlangt, so auch für die drei Tage, die The National mit unterschiedlichen Vorbands hier in ihrer Bandhomebase Brooklyn spielt. Vermutlich werden es die letzten Konzerte in New York City im Rahmen der Trouble-Will-Find-Me-Tour sein. 


Als wir in unseren luftigen Sommerkleidchen mit Sommerpicknick ausgestattet kurz nach 6 am Park ankommen, gibt es bereits eine riesiglange, höchst disziplinierte Schlange am Eingangsbereich, alt und jung, Kinderwagen, hip und weniger hip, eine typische The-National-Mischung. Der für die Konzerte abgesperrte Bereich ist eigentlich recht übersichtlich. Die geteerte, pefekt sichtgeeignet ansteigende Fläche vor der Bühne bis zum Mischturm fasst vielleicht 2000 Menschen. Wir laufen am seitlich offenen VIP-Zelt vorbei, in dem gerade gegessen wird. Teile von Band und Crew sitzen entspannt an den Tischen. Statt auf einer der umliegenden Rasenflächen unsere Picknickdecke auszubreiten, entscheiden wir uns für den Bereich direkt vor der Bühne. Das sollte später für entspanntes Stehen in der dritten Reihe reichen. 


Pünktlich um 7 fängt Matthew Houck aka Phosphorescent an zu spielen. Mit ihm stehen 7 Musiker auf der Bühne, die zwischendurch noch von 3 Blechbläsern unterstützt werden. Houck hat sich dafür den Trompeter und den Posaunisten von The National ausgeliehen. Das Set ist nicht schlecht, überzeugt aber nicht wirklich. Die Musik klingt austauschbar, nach gutem alten Classic American Rock und leider geht Phosphorecents Stimme bei der vorhandenen Überinstrumentalisierung ziemlich unter. Manchmal wäre weniger vielleicht doch mehr. Wir hätten gut und gerne auf eines der beiden Keyboards verzichtet. 


Nach kurzem Umbau betritt The National die Bühne. Die Videoleinwand ist im Vergleich zu den europäischen Konzerten etwas kleiner und besteht aus unterbrochenen Teilstücken. Der Wirkung tut es keinen Abbruch und der eigens für die Tour engagierte Videotechniker/-künstler macht auch an diesem Abend wieder einen grandiosen Job. 

Gleich das dritte Lied wird eines der absoluten Highlights des Abends. Matt Berningers Hand weist in die Ferne. „Das nächste Lied ist gleich dahinten, hinter dem Park entstanden.“ „This goes to our neighbors!“ wirft Aaron Dessner ein. Es handelt sich um The Geese Of Beverly Road vom Durchbruchalbum Alligator. Die Straße liegt irgendwo ganz in der Nähe des Dessnerschen Hauses und der Song entstand wohl in einer ähnlich schönen Sommernacht. Mit den „Gänsen“ sind Autoalarmanlagen gemeint, die von irgendwelchen Kids in so einer Nacht ausgelöst wurden. Der Song könnte nicht besser zu diesem Abend inmitten von Brooklyn passen. Gänsehautmoment. 

Wie auch schon in Mannheim braucht es ein paar Lieder bis der Sound wirklich stimmt und Matt Berninger ganz in seiner Trance angekommen ist. Die Weißweinflasche steht vor den Drums in einem dieser typischen US-Cooler und getrunken wird aus wenig stilvollen roten Plastikbechern oder später direkt aus der Flasche, die achtlos in hohem Bogen in die Kühlbox zurückgeworfen wird. 


Einer der packendsten Momente ist Afraid of Everyone, der Song der die Ängste des damaligen Neuvaters spiegelt. Schon so oft live gehört, aber heute ergreift mich die Emotionalität des Berningerschen Vortrags mit voller Wucht. 


Die gesetzten Songs der Tour werden auch heute durchgehend gespielt, wobei ja auch hier immer wieder kleine Änderungen vorgenommen werden. Insofern gibt es zwar keine großen Überraschungen, aber die Dichte und die Arrangements sind nach wie vor fantastisch. Unglaublich schön bleibt die in Luxemburg erstmalig gespielte Live-Fassung von Hard To Find. Wirklich toll auch der Einsatz des Geigenbogens an der E-Gitarre durch Bryce Dessner bei Slow Show. Überhaupt liefert Bryce einen immer showtauglicheren Einsatz mit seinen Gitarren ab. Nicht nur herrlich zu hören, sondern auch herrlich anzuschauen. 


About Today ist auch so ein Gänsehautlied! „Hey are you awake. Yeah I’m right here. Well can I ask you about today.“ Für die Klavierbegleitung bitten die 5 einen alten Freund und Wegbegleiter auf die Bühne, dessen Namen wir leider nicht genau verstanden haben. 


Kurz fragen wir uns, ob der Prospect Park mit seiner verschwitzten Menschenmenge und die viel strengeren amerikanischen Regeln wohl das Bad in der Menge zulassen. Als erste Zugabe spielt die Band Santa Clara von der Viginia-EP. Ein weiterer Gänsehautmoment. „It’s alright to see a ghost.“ Danach geht’s zu Mr. November ab durch die Zuschauerreihen. Auch eine offensichtliche Platzwunde an der Stirn nach der ersten Runde vermag einen Berninger nicht aufzuhalten. Bei Terrible Love - mit Phosphorescent als Gastgitarrist - ist die linke Seite dran und als ihm Aaron danach ein Handtuch reichen will und auf die Schläfe deutet, wischt er es brüsk zur Seite. This man is on fire und die Weißweinflaschen auch mal wieder leer. 

Bei Vanderlyle wird nochmal deutlich, dass wir uns in einem englischsprachigen Land befinden. Wir hatten’s fast vergessen. Wunderschön. 

Auf dem Weg nach draußen, zurück zur Subway machen wir noch am Merchstand Halt. Als Erinnerung an diesen herrlichen Sommerabend in New York ergattern wir die letzten beiden Siebdruckplakate, Specialedition for tonight! Es hat bestimmt immer noch 28 Grad. 

Setlist The National, Prospect Park, Brooklyn, New York:  

01: Don’t Swollow The Cap 
02: I Should Life in Salt 
03: Geese Of Beverly Road 
04: Bloodbuzz Ohio 
05: Demons 
06: Sea Of Love 
07: Hard To Find 
08: Afraid Of Everyone 
09: Conversation 16 
10: Squalor Victoria 
11: I Need My Girl 
12: This Is The Last Time 
13: Green Gloves 
14: Abel 
15: Slow Show 
16: Pink Rabbits 
17: England 
18: Graceless 
19: About Today 
20: Fake Empire 

21: Santa Clara (Z) 
22: Mr. November(Z) 
23: Terrible Love (Z) 
24: Vanderlyle Cry Baby Geeks (Z)


Links: 

- aus unserem Archiv:
- The National, Köln, 11.06.14
- The National, Mannheim, 01.06.14
- The National, Paris, 18.11.13
- The National, Brüssel, 17.11.13
- The National, Esch-sur-Alzette, 06.11.13
- The National, Düsseldorf, 05.11.13
- The National, Zagreb, 02.07.13
- The National, Paris, 25.06.13
- The National, Camber Sands, 09.12.12
- The National, Barcelona, 27.05.11
- The National, Eindhoven, 18.02.11
- The National, Paris, 23.11.10
- The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07



Donnerstag, 12. Juni 2014

The National, Köln, 11.06.14

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Konzert: The National
Ort: Tanzbrunnen, Köln
Datum: 11.06.2014
Dauer: The National 105 min, St. Vincent gut 35 min
Zuschauer: leider viel zu wenige



"Oh my god, it's still daytime!" Daß seine Band am späteren Nachmittag spielte, fiel Matt Berninger erst gegen Ende des Konzerts auf. Ab dieser Woche werden wieder Nacht für Nacht Hupkonzerte stattfinden, die gesellschaftlich vollkommen akzeptiert sind, Konzerte im Freien sind das offenbar nicht. Denn obwohl das Gelände des Tanzbrunnens von Messe- und Fernsehsender-Gebäuden umgeben ist, scheint 22 Uhr das fixe Veranstaltungs-Limit zu sein, weil vermutlich eine Minute später die ersten Anrufe bei der Polizei eingehen.


Daß großartige Künstler wie The National nicht gegen die in Deutschland unschlagbare Kombination Fußball/Autofahren anstinken können, ist nicht überraschend. Daß aber offenbar auch am Vorabend der WM andere Konkurrenz so stark war, daß sich viel zu wenige für dieses Open Air Konzert interessierten, ist ein Trauerspiel. Vermutlich tat das Verkehrschaos der Veranstaltung nicht gut. Auch die Anfangszeit (St. Vincent 18:45, The National 20:00) war sicher nicht hilfreich. Aber die großen Lücken überall auf dem Platz hatten die Bands nicht verdient.

Als St. Vincent auftrat, war noch kaum etwas los. Annie Clark, die Frau hinter St. Vincent, hatte ich 2006 als Vorgruppe von Sufjan Stevens zum ersten Mal erlebt. Dieser kurze Auftritt und ein zweiter als Hauptgruppe im Gebäude 9 2007 waren ruhige Konzerte mit vielen Klavier- und Geigentönen. Seitdem hat sich die Amerikanerin in vielerlei Hinsicht radikal verändert. Aus der schüchtern wirkenden Pianistin mit Strickmütze ist eine extrovertierte Gitarristin mit Robert-Smith-Frisur und blutverschmierten Kleid geworden. Im vergangenen Sommer hatte ich Annie als Teil der großen David Byrne & St. Vincent Revue erlebt, einem Konzert mit Marching-Band und voll durchchoreographierten Bewegungen, daß aber nicht nur wegen der eingestreuten Talking Heads Stücke hervorragend war. Wenn sich das Konzept der Indie-Kreuzfahrten bewährt, sollte der Veranstalter diese Show fest buchen.

Beim aktuellen National-Support tritt (trat, es war die letzte gemeinsame Show) St. Vincent als vierköpfige Band auf, mit zwei Keyboardern und einem Schlagzeuger neben Annie Clark. Die meisten Stücke stammten vom neuen Album St. Vincent, das ausgezeichnete Kritiken bekommen hat, das ich aber natürlich noch nicht gehört hatte.

Nichts an dem Auftritt wirkte wie ein normales Konzert, viele Elemente erinnerten mich an ein Musical. Jede Kopfbewegung der Sängerin und ihrer Keyboarderin war einstudiert, Annie Clark bewegte sich wie ein Roboter, wenn sie darauf wartete, eine neue Gitarre umgehängt zu bekommen. 


Ich habe das Konzept dahinter nicht verstanden. Ein blutiges Kleid und Roboterbewegungen? Hätte es dann nicht ein ölverschmiertes Kleid sein müssen? Oder stellte die Künstlerin keinen Roboter dar sondern eine Verletzte, die sich wie einer bewegt? Es sah jedenfalls gut aus, auch wenn ich es nicht kapiert habe. Auch Annies Ausflüge auf den kleinen Steg im Fotograben und die rosa Pyramide mitten auf der Bühne, auf der sie Prince Johnny und Cheerleader spielte, waren toll. Meine St. Vincent Platte werde ich vermutlich auch weiterhin ungeöffnet im Schrank stehen lassen, ich bin zu selten in Lebenssituationen, in denen ihre "sperrige" (Musikjournalistensprache) neuere Musik passt - mir fallen gerade gar keine ein. Aber das Konzert war trotzdem sehr gut!

Setlist St. Vincent, Tanzbrunnen, Köln:

01: Rattlesnake
02: Dgital witness
03: Cruel
04: Every tear disappears
05: Prince Johnny
06: Cheerleader
07: Marrow
08: Regret
09: Birth in reverse 


Daß The National sehr gute Konzerte spielen, habe ich oft erlebt. Im Herbst hatte ich das Gefühl, dies langsam zu oft erlebt zu haben. Neunmal hatte ich Matt Berninger und die zwei Zwillinge gesehen. Die letzte Platte, die arg ruhig ist, und die immer gleichen Überraschungsmomente bei den Konzerten (der Ausflug bei Mr. November, die Ausbrüche vor allem bei Squalor Victoria und das akustische Ende mit Vanderlyle crybaby geeks), das fing langsam an, mich zu langweilen. Gerade die neueren Stücke, die das Tempo aus den Konzerten rausnahmen, passten mir nicht. Bei Lieblingsbands redet man sich aber oft alles schön. Die Platte wurde auch immer besser, vermutlich auch objektiv. Aber sie wird kein Liebling werden.


Einige Freunde, die viel mehr Ahnung davon haben, schrieben mir, daß die letzte Konzerte ausgezeichnet gewesen seien, daß die neueren Lieder mittlerweile anders arrangiert seien und passten viel besser zum Rest. Ich wäre auch ohne hingefahren, die Informationen beruhigten mich aber schon. Und als die ersten Töne vom grandiosen Start a war losgingen, war mir eigentlich egal, wie viele Stücke aus dem Schmusesongs-Regal gespielt würden. Start a war gehört wie Racing like a pro, Apartment story, Ada, Slow show und Green gloves zu den Lieblingen, die zu selten gespielt werden.


Die nächsten fünf Lieder, die ich unterschiedlich gerne mag, waren allesamt umwerfend! Dreimal neue Platte, dreimal fantastisch! Wir waren uns schnell einig, daß nichts mehr schiefgehen könne. Band und Sänger waren brillant, trotz des hellen Lichts und der vielen Lücken. Von Routine oder gar Lustlosigkeit war nichts zu spüren. Und auch wenn The National jetzt im Kino zu sehen sind, hielt ich dies nicht für Schauspielerei.

Sea of love lieferte den ersten Ausbruch des Frontmanns. Auch diese Schreiereien und Randalierereien sind natürlich Standard bei National-Shows. Heute kam mir Matt Berninger aber besonders krawallig vor (und das ist gut!). Afraid of everyone hatte ein wildes, chaotisches Ende, Squalor Victoria eh. Matt teste sein Material sehr viel intensiver als sonst. Er schlug sein Mikro nicht nur gegen den Ständer (wie üblich), er schmiß es auf den Boden, schlug die Weinflasche dagegen - oder seinen Kopf. Es war ein Genuß! Der Soundmann der Band führt Statistik, wie viele Mikros, Mikroständer und Funkempfänger kaputtgehen. Ich habe noch nicht nachgezählt*, nach meinem letzten Konzert im Herbst sind aber eine ganze Menge neue Markierungen auf die Liste gekommen. Matt scheint auch wieder von einer Bühne gefallen zu sein, auch das wird dort erfasst.


Die meisten der neueren Stücke hatten ordentlich Schwung. Humiliation war ein schönes Beispiel, wie man aus einem echten Langweiler mit einem ordentlichen Ausbruch einen Hit macht. Ich brauchte also gar nicht meine alten Boxer-Favoriten für ein großartiges Konzert! Trotzdem war Green gloves eine schöne Überraschung! Am Ende wirkte dann die Wein-Sonne-Kombination, kurz nachdem Matt bemerkt hatte, daß es noch taghell war. Bei Graceless steigerte er noch einmal die Materialtests seiner Spielzeuge (der TÜV Rheinland, der Luftlinie 500 m entfernt sitzt, hätte einen Beobachter schicken sollen). Fake empire danach, das letzte Stück vor den Zugaben, war musikalisch dann großer Mist, weil der Sänger rhythmisch komplett neben der Band lag und trotz deren Bemühungen - einer der Dessners (der linke) sang übertrieben laut mit, als spiele er Metronom - nicht mehr in die Spur fand. Das Lied war trotzdem riesengroß!


Bei den Zugaben kam eine weitere Neuerung, ein Cover. "Wir spielen ein Lied von Perfume Genius, das zehnmal düsterer und depressiver als jeder unserer Songs ist", kündigte Matt Berninger an. Weil das Lied aber so romantisch-schmusig klang, hielten sich die Pärchen in meiner Umgebung plötzlich alle viel fester im Arm als vorher, den düsteren Part hatten sie offenbar überhört ("No one will hear all your crying until you take your last breath..."). 

Der Rest war Standard-Programm. Mr. November mit dem Ausflug ins Publikum und der sehr schönen Szene, daß Matt an dessen Ende einen Mann, der neben seiner Freundin ganz am Rand stand, umarmte, wie es Betrunkene mit Hauswänden machen! Zu Terrible love kam Annie Clark zurück auf die Bühne. Und Vanderlyle... war weit weniger platt als nach nur recht guten Konzerten. 


Ich dachte, ich wäre drüber hinweg. Aber seit diesem Auftritt will ich die Band schon bald wiedersehen. Verdammt!

Setlist The National, Tanzbrunnen, Köln:

01: Start a war
02: Don't swallow the cap
03: I should live in salt
04: Anyone's ghost
05: Bloodbuzz Ohio
06: Sea of love
07: Hard to find
08: Afraid of everyone
09: Squalor Victoria
10: I need my girl
11: This is the last time
12: Green gloves
13: Abel
14: Apartment story
15: Humiliation
16: Pink rabbits
17: England
18: Graceless
19: Fake empire

20: Learning (Perfume Genius Cover) (Z)
21: Mr. November (Z)

22: Terrible love (Z)
23: Vanderlyle crybaby geeks (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The National, Mannheim, 01.06.14
- The National, Paris, 18.11.13
- The National, Brüssel, 17.11.13
- The National, Esch-sur-Alzette, 06.11.13
- The National, Düsseldorf, 05.11.13
- The National, Zagreb, 02.07.13
- The National, Paris, 25.06.13
- The National, Camber Sands, 09.12.12
- The National, Barcelona, 27.05.11
- The National, Eindhoven, 18.02.11
- The National, Paris, 23.11.10
- The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07

- St. Vincent, Mannheim, 01.06.14
- St. Vincent, Paris, 18.02.14
- St. Vincent & David Byrne, Larmer Tree Gardens, 30.08.13 
- St. Vincent, Paris, 09.07.12
- St. Vincent, Paris, 26.02.12
- St. Vincent, Paris, 30.11.11
- St. Vincent, Köln, 19.11.11
- St. Vincent, Paris, 26.04.09
- St. Vincent, Köln, 02.12.07
- St. Vincent, Köln, 10.11.06

- mehr Fotos hier

* jetzt schon: seit 17. November 9 Mikros, 16 Mikroständer und ein Sturz von der Bühne



 

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