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Montag, 27. Januar 2014

Babyshambles, Köln, 27.01.14

13 Kommentare

Konzert: Babyshambles (teilweise)
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 27.01.2014
Dauer:  45 min für mich
Zuschauer: ausverkauft




20:25 Uhr: nach längerer Parkplatzsuche komme ich als einer der letzten in der ausverkauften Live Music Hall an. Auf der Bühne kündigt gerade die Sängerin der Vorgruppe ihr letztes Lied an.

20:30 Uhr: das Stück klang ein wenig nach Dillon und gefiel mir. 

20:48 Uhr: Vom Band läuft Lloyd, I'm ready to be heartbroken von Camera Obscura (Cam Obs für Freunde), das beste Lied des Abends.

21:12 Uhr: Die Babyshambles kommen überraschend früh auf die Bühne. Peter Doherty ist extrem betrunken, fünf Lieder früher als in Esch vor zwei Wochen.

21:13 Uhr: Peter stimmt ein Liedchen an, ein Kinderlied? Vielleicht Ten green bottles.

21:14 Uhr: Delivery ist das erste echte Stück und lässt mich kurz in dem Irrglauben, es werde doch ein gutes Konzert.

21:20 Uhr: Nothing comes to nothing

21:24 Uhr: Peter schmeißt nach der ersten Strophe Seven shades den Mikroständer ins Publikum und springt kurz danach hinterher und ist erst einmal aus dem Spiel. Bassist Drew singt an seiner Stelle weiter und signalisiert seinen Kollegen, sie sollten weiterspielen.

21:30 Uhr: Peter taucht wieder auf und fragt: "Wo ist mein hat? Das ist neu von meinem Opa!" Es ist ein unwürdiger Auftritt.

21:37 Uhr: Peter trinkt seinen dritten oder vierten Becher in einem Zug (und behauptet, es sei "Apfelsaft"). Er sitzt immer wieder vor der Bassdrum. Stehen geht nicht so gut.

21:40 Uhr: Killamangiro - wenn wir schon nicht toll sind, sind wir wenigstens laut. Der Soundmann dreht die Lautstärke nach der Hälfte absurd weit nach oben.

21:43 Uhr: Peter stimmt ein paar Takte What Katie did an, danach kommt ein anderes Lied. Die Band schleppt ihn durch.

21:45 Uhr: Mir reicht es. Das normale Ausgangstor der Live Music Hall ist noch zu. "Hier geht's raus", ruft der nette Ordner. "Du bist nicht der erste, der geht."

23:00 Uhr: Möchte jemand mein Ticket für Wiesbaden? Bitte ein mail an mich.




Mittwoch, 15. Januar 2014

Babyshambles, Esch-sur-Alzette, 14.01.14

3 Kommentare

Konzert: Babyshambles
Ort: Rockhal, Esch-sur-Alzette
Datum: 14.01.2014
Dauer: Babyshambles 100 min, Velvet Vertigo 25 min
Zuschauer: einige Hundert (aber nicht ausverkauft)



Wie mich das ankotzt, nicht einfach über die brillante Musik eines Konzertabends schreiben zu können. Da stand heute ja schließlich der begnadetste Songschreiber seiner Generation auf der Bühne. Wenn jetzt ein Best-of-Album seiner Babyshambles erscheinen würde, passten die Hits der Band nicht auf eine einzelne CD. Alleine die beiden Zugaben zehn Minuten nach Konzertende, als lange schon Musik vom Band lief und die Roadies die Bühne räumten, waren brillant. Albion und Fuck forever, eine knappe Viertelstunde, die Musiker wie Jake Bugg oder auch Alex Turner - und all die neuen "klingt wie Jake Buggs" wie DSDS Castingteilnehmer aussehen lassen würde.

Richtig sauer darauf, um ein fantastisches Konzert gebracht worden zu sein, bin ich auf die geifernden Maulaffen im Publikum, die Peter Doherty leider anzieht. Diese Gaffer, die auf der Autobahn Handyfilmchen von Unfallopfern filmen, johlten laut und anfeuernd, als Peter am Anfang des Konzerts zu seinem Trinkbecher griff. Ich habe glücklicherweise keine Suchterkrankungen (dieser Konzertkram ist ja vollkommen normal), aber ich habe einen Funken gesunden Menschenverstand und glaube zu wissen, daß das ein Verhalten ist, das nicht hilfreich ist. Schwachköpfe!

Peter kam nicht nüchtern auf die Bühne, das erwarte ich auch nicht. Aber er wirkte fit. Es gab eine Viertelstunde Verspätung, in der die Roadies immer wieder die Instrumente richteten, es gab ein kurzes Gejamme, bevor das erste Stück (das grandiose Delivery) angestimmt wurde. Die ersten Lieder waren aber phänomenal und nichts, wirklich nichts deutete darauf hin, daß daß und vor allem wie schnell Peter Doherty abbauen sollte. Nach Fall from grace exte der Sänger einen Becher mit knallrotem Inhalt - kein Tomatensaft - danach wurde sein Zustand zusehends schlechter.

Den immer schnodderig gesungenen Stücken merkte ich das nicht unbedingt an, aber das Verhalten in den Pausen wurde peinlich. Da flogen Gitarren Richtung Roadie (und knallten auf die Bühne), da knallten Mikros mit großer Wucht und lautem Knall gegen die Monitorboxen. Und Peter setzte sich immer häufiger aufs Schlagzeugpodest. Also all das, jedenfalls in der kleinen Version, was sich die Vollidioten im Publikum gewünscht hatten. Hurra!

Es hätte ein so gutes Konzert sein können. Die Songauswahl war perfekt (und hatte nichts mit der geplanten Setlist zu tun, die ich einsehen konnte und auf der Pipedown gleich zweimal stand!). Nothing comes to nothing von Sequel to the prequel gehört jetzt schon auf die Best-of-Platte, auch die anderen neuen Stücke waren live sehr gut! Dazu die Gassenhauer wie Beg, steal and borrow oder eben Pipedown oder 8 dead boys, das ich noch nie live gesehen habe! 

Aber wenn da vorne auf der Bühne ein torkelnder Tanzbär dem feixenden Publikum (der Anteil der Idioten war klein, um das klarzustellen, er war aber zu groß) am Nasenring vorgeführt wird, fällt es mir schwer, die Musik zu genießen.

Und wie gut hätte das Konzert sein können! Aus dem Publikum gab es immer wieder reingerufene Songwünsche. Manche verstand ich (trotz des lustigen französischen Akzents), andere nicht. Die Musiker verstanden keinen der Titel. Nach Killamagiro rief wieder irgendwer etwas rein. "Goodbye, Morlex? Du wünschst dir Goodbye, Morlex?", was zu Diskussionen auf der Bühne führte. "Oh? Fuck forever, is that's what they say?" Das war es da gerade nicht, also stimmte Peter ein kurzes Lied mit dem Text "Could it be arranged" und "want to say 'goodbye, Morlex'!" an.* Das war zum Schreien komisch, wiederholte sich ähnlich auch noch später. Nach solchen gescheiterten Zurufen timmte die Band sich ab und spielte irgendetwas Ungeplantes, UnBiloTitled zum Beispiel. Ein Lied begann mit Bass von Joy Divisions Transmission, zu dem Peter What have I done to deserve this sang, auch das war ein tolles Detail. Aber dann kickte er wieder gegen das angeschaltete Mikro.

Auch das Ende war improvisiert. Nach Side of the road ging Peter von der Bühne. Den drei anderen Babyshambles sah man die Überraschung darüber deutlich an. Sie gingen dann aber auch konsterniert von der Bühne. Auch der Tourmanager brauchte eine Weile, um dem Soundmann mit seiner Taschenlampe klarzumachen, daß Schluß sei. Es gab auch extrem wenig Applaus, nachdem die Babyshambles verschwunden waren. Ich wähnte die Band schon bei der Aftershow-Party im Bus, als sie nach zehn Minuten wiederkam, zunächst ohne Peter und Albion anstimmte. Die Roadies wurden noch einmal sehr hektisch, denn sie hatten bereits mit dem Aufräumen begonnen. 

100 Minuten brutto. Viele Hits. Aber auch viel zu viele Pausen. Das ist die Bilanz eines unbefriedigenden Konzerts.

Für einen der guten Momente dieses schizophrenen Abends sorgte überraschenderweise die örtliche Vorgruppe Velvet Vertigo, die blutjung war, mit lustigem Akzent sang, aber Spaß gemacht hat. Da die Chancen nicht schlecht sind, Bands aus Luxemburg regelmäßig als Support dort zu sehen, wünsche ich sie mir bald wieder. Vielleicht bei Motorama? Das wird ein klarer zu greifender Konzertabend, da weiß ich jetzt schon sicher!

Setlist Babyshambles, Rockhal, Esch-sur-Alzette:

01: Delivery
02: Nothing comes to nothing
03: Baddie's boogie
04: Beg, steal and borrow
05: I wish
06: Fall from grace
07: Frech dog blues
08: Killamagiro (gefolgt von Goodbye, Morlex)
09: Back from the dead 
10: Pipedown
11: Maybelline
12: 8 dead boys
13: ?
14: What Katie did
15: UnBiloTitled
16: Side of the road (?)

17; Albion (Z)
18: Fuck forever (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Babyshambles, Paris, 03.10.13
- Babyshambles, Paris, 08.07.13
- Babyshambles, Montreux, 15.07.08
- Babyshambles, Paris, 04.02.08
- Babyshambles, Köln, 22.01.08
- Babyshambles, Paris, 14.01.08
- Babyshambles, Paris, 18.10.07
- Babyshambles, Paris, 14.11.06

- Peter Doherty, Paris, 28.09.12
- Peter Doherty, Esch-sur-Alzette, 09.04.12
- Peter Doherty, Köln, 13.04.11
- Peter Doherty, Paris, 19.03.11
- Peter Doherty, Paris, 07.07.10
- Peter Doherty, Paris, 09.05.10
- Peter Doherty, Paris, 23.03.10
- Peter Doherty, Paris, 08.03.10
- Peter Doherty, Paris, 18.01.10
- Peter Doherty, Paris, 10.11.09
- Peter Doherty, Paris, 05.10.09
- Pete Doherty, Berlin, 07.08.09
- Pete Doherty, Paris, 10.03.09
- Pete Doherty, Paris, 09.03.09 (ausführlicher)
- Pete Doherty, Paris, 09.03.09


* ich bin mir sehr sicher, daß es eine Improvisation war, ich erkannte es nicht als bekanntes Stück 


Foto: Archiv (aktuellere kommen - Hardware-Probleme)
 


Samstag, 5. Oktober 2013

Babyshambles, Paris, 03.10.13

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Concert: Babyshambles
Lieu: Le Zénith, Paris
Date: 03.10.2013:
Spectateurs: c'était pas complet, après j'ai du mal à estimer
Durée du concert: 1h et demie

Vient-il, ne vient-il pas? Toujours la même question embarrassante que les gens se posent avant un concert de Peter Doherty. Moi je ne me la pose pas trop en fait, parce que dans le passé j'ai vu plein de concerts de l'enfant terrible anglais et à chaque fois il est venu, même si c'était parfois avec du retard.

Du retard il (ou plutôt son groupe) en a prit aussi ce jeudi 3 octobre, mais c'était juste une demi heure, ça allait. Personne ne s'est plaint, personne n'a sifflé pendant cette attente devant cet immense poster multicolore signé Damien Hirst qui orne également la pochette du nouvel album Sequel To The Prequel
  
Je crois que tout simplement, ceux qui en ont ras le bol des (pourtant pas si fréquentes) annulations de concert de Peter ou de son retard ne viennent plus à ses concerts. Résultat: le Zénith était loin d'afficher complet. Au contraire, dans la fosse il y avait plein de place pour bouger. Conséquence logique: l'ambiance était souvent étrangement calme, ça bougeait seulement dans les premiers rangs, là ou il y avait toutes les jeunes filles qui s'emballaient pour le moindre petit geste du grand "Peeeeeeeete".

La faute à qui donc pour cette ambiance un peu molle? Pas au groupe! Dès le début ils ont tous tout donné! Peter commença le concert de manière bien dynamique, vêtus de gants (qui sont vite tombés) et d'un chapeau beige. Il était bien en jambe, (assez) bien en voix et visiblement de bonne humeur. Souvent il parlait un peu avec son français approximatif, faisait de petites blagues, tapait dans les mains pour réveiller le public (surtout ceux derrière, "those people on the plastic seats" comme il disait).



L'entrée en scène fut survoltée. Avec deux morceaux rapides et bien punchy comme Pipedown et Delivery. les Shambles ont tout de suit montré qu'ils sont un groupe de punk rock old school. Mais qui dit punk rock dit aussi chaotique. Ben oui, Les Babyshambles ne sont pas Franz Ferdinand. Chez eux ce n'est pas rodé, millimétré, bien léché, carré et pré-étudié, le groupe de Peter reste totalement imprévisible, pour le meilleur et pour le pire. Ils n'ont donc pas tenu le tempo des dix premières minutes, il y avait par la suite toujours quelques temps (un peu) morts, quelques failles, quelques passages un peu étranges (pourtant on connaissait déjà la version spéciale de la Marseillaise et aussi les Copains d'Abord de Brassens révisité par Doherty). Mais on les aime justement pour cela les Babyshambles! Ils ne te servent pas à chaque fois le même concert, ils ne suivent pas la setlist et Peter a toujours des idées spontanés, oui il saute d'un morceau à l'autre ou intègre en plein milieu d'un morceau la Marsaillaise comme ici dans le sublime Albion. C'est ça qui est bien selon les fans ou nul (dixit les critiques). Mais franchement qui a envie d'écouter les disques juste en plus fort pendant un live? Pas moi en tout cas. Et ceux qui voulaient des versions alternatives des versions studios étaient bien servi! Surtout pendant There She Goes, magnifique morceau bluesy (de l'abum solo Wasteland) ce soir avec un arrangement  a l'harmonica (joué par Mick Whitnall) à tomber par terre. Ou I Wish, titre d'un vieil Ep, cette fois-ci avec des trompettes du genre "fête de la bière" et ses paroles: "got no money in my pockets."... Et tout d'un coup il y avait une ambiance folle pour un moment, avec des gens qui reprennent le refrain en coeur pendant de longues minutes. Mais cela c'était déjà après  plus d'une heure de concert.

Avant il y avait des passages bien plus calmes. Surtout quand Peter a joué des morceaux en solo seul avec sa guitare acoustique. C'était sublime et bizarrement cet à-côté intimiste marchait étonnement bien dans une grande salle comme l'est le Zénith. Surprenant et bluffant aussi le duo avec sa danseuse Céline, qui chantait (avec une voix sensuelle remarquable!) en anglais et en français).* Puis Peter enchainait avec une version très tranchante et dynamique de What A Waster, vieux titre des Libertines (repris par Adam Green d'ailleurs) qui n'a rien perdu de sa superbe! What A Waster, what a hit! Il conclut cette phase acoustique par l'intro d'Unbilo Titled et fut suivi par le groupe revenant pour jouer ensemble un des meilleurs titres des Babyshambles avec les paroles acides: "you said that you love me why don't you fuck off!?" Je présume d'ailleurs que ce "fuck off" était adressé à Kate Moss à l'époque, mais aujourd'hui Peter est avec la française Katia qui filme ses concerts depuis des années pour préparer un documentaire qui va sûrement être passionnant. Dans une scène marrante Pete demanda: "est-ce que monsieur/madame de Vidas est quelque part?"



Coté morceaux on note que les nouveaux titres ont plutôt bien marché (Nothing Comes To Nothing, Farmer's Daughter), mais que seul l'explosif Fireman en rappel a pu arriver aux genoux des vieux classiques comme Killimangiro, The Man Who Came To Stay (avec une intro incroyable de She's Lost Control de Joy Division) ou de Delivery. De toute façon le clou reste et restera peut être pour toujours Fuck Forever, morceau final, qui pouvait enfin enthousiasmer toute la salle. Toutes les mains étaient en air, tout le monde chantait à gorge déployée, c'était exactement l'ambiance que j'espérais pendant tout le concert. Mais je pense que c'est vraiment difficile de mettre le feu au Zénith. Cette grande salle à la Villette reste toujours assez froide et aseptisée et n'a rien avoir avec l'ambiance folle qui peut régner à La Cigale, à L'Olympia ou au Bataclan. C'est justement dans une de ces trois salles à taille humaine que j'espère revoir les Babyshambles en 2014. Et j'attends d'entendre Dr No et Picture Me In a Hospital, les deux meilleurs morceaux du nouvel album qui m'ont vraiment manqué ce soir au Zénith!

Malgré les quelques emprunts au registre solo de Peter, on a assisté ce soir à un une véritable prestation de groupe (dont tous les membres à l'exception du chanteur portaient des marinières), chose qu'il faut souligner, parce que pleins de nouveaux morceaux n'étaient pas écrites par Doherty tout seul, mais aussi par le bassiste Drew McConnell (que Peter nommait avec un drôle d'accent Dru). On salue aussi l'arrivée d'un nouveau batteur fou furieux, beaucoup moins calme et académique que son prédécesseur*, qui portait pourtant le même nom: Adam.

A la prochaine les Babyshambles!



 
Setlist:
01: Pipedown
02: Delivery
03: Nothing Comes To Nothing
04: Fall From Grace
05: Farmer's Daughter
06: The Man Who Came To Stay
07: Beg, Steal Or Borrow
08: Killamangiro
09: Morceau acoustique avec Céline
10: What A Waster (Libertines song)
11: Unbilo Titled
12: There She Goes (Peter Doherty song)
13: I Wish
14: Seven Shades Of Nothing
15: Eight Dead Boys
16: For Lovers (Peter Doherty and Wolfman song)
17: La Marsaillaise
18: Les Copains d'Abord (George Brassens)
19: Albion (Marsaillaise, Twist And Shout des Beatles inclus dedans)
20: Fireman
21. Fuck Forever
* Céline revint plus tard avec l'autre danseuse Octavie pour un vieux classique de Pete "For Lovers" (à l'époque chanté avec Wolfman)
* si on ne compte pas Danny Goffey et Jamie Morrison qui ont joué un certain temps après le départ d'Adam Ficek
Les  très chouettes photos viennent du Cargo et sont signé Air. Merci!!





Dienstag, 9. Juli 2013

Babyshambles, Paris, 08.07.13

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Konzert Babyshambles
Ort: Place de la République, Paris
Datum: 08.07.2013
Zuschauer: tausende, es war eklig voll und man sah hinten nix
Konzertdauer: 30 Minuten


Was erlauben Stru...ähem...Doherty! Normalerweise imma verletzt oder imma zu spät! Und heute...zu früh! Was erlauben Doherty!

Schöner Mist, in der Tat! Das öffentliche Konzert der Babyshambles war für 22 Uhr 30 angekündigt, aber Peters Band begann bereits gegen 22 Uhr 20. Ich war da noch in der U-Bahn, auf dem Weg zum nach umfangreichen Renovierungsarbeiten frisch eingeweihten Platz der Republique. Als ich gegen 22 Uhr 35 eintrudelte, war der Gig schon in seiner Endphase. Ich hörte gerade noch die letzten Takte eines vielversprechenden neuen Liedes. Dann war aber schon Schluß mit den Neuheiten und es kam nur noch Altbekanntes Material. Eine fulminante Version von Killimangiro, die nach einem witzigen (aber ebenfalls schon bekannten) Intro von Georg Brassens Chanson Les Copains d'abord abgefeuert wurde, das punkige Pipedown vom ersten Album und natürlich Fuck Forever zum gewaltigen Abschluß.


"N'importe qui, n'importe quoi, fuck foreva" reimte Peter, nachdem er vorher auch einmal "Vive la république!" ins amüsierte Volk gerufen hatte. Der Hit schlug nach wie vor ein wie eine Bombe, aber ich hatte letztlich nur 15 Minuten Konzert gesehen. Da uns auch eine Zugabe verweigert wurde, war das wirklich etwas für den hohlen Zahn, mehr nicht.

Leute die pünktlich da waren (in der Mehrheit also diejenigen die vorher den unerträglich arrogant wirkenden Jake Bugg gesehen hatten), hatten neue Songs von den Shambles erleben dürfen und zudem Delivery. Einen dieser Neulinge, kann man sich bereist jetzt auf Soundcloud anhören. Das Stück klingt rund und recht sonnig, aber Studiversionen haben selten etwas damit zu tun, was man bei den Babyshambles live zu hören bekommt. Die Lieder die ich heute mitbekommen habe, waren jedenfalls eine Wucht. Peter (mit Seemannskappe) war gut bei Stimme, die Band spielte tight, melodiös und schwungvoll auf, es war ein Genuß. Wenn die Engländer diese Form halten, dürften ihre Festivalautritte (u.a. beim Melt!) grandios werden!

Setlist (from Rockerparis)

01: Fireman
02: Delivery
03: Nothing Comes To Nothing
04: Maybelline
05: I Wish
06: Les Copains d'abourd (Brassens)> Killamangiro
07: Piedown
08: Fuck Forever

- Vide above by Uschirocksparis
- Photo above by Patrice Guino © for Rockerparis. He has a review and more great pics + one video.





Mittwoch, 16. Juli 2008

Babyshambles & Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08

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Konzert: Babyshambles & Blood Red Shoes

Ort: Miles Davis Hall, Montreux Jazz Festival, Schweiz
Datum: 15.07.2008
Zuschauer: 1.800 (ausverkauft)
Dauer: Blood Red Shoes 40 min, Babyshambles 60 min


"Ich fahre zum Montreux Jazz Festival", macht unglaublich Eindruck, habe ich festgestellt. Nicht wegen der mondänen Stadt am Genfer See, sondern weil ein Jazz Festival wahnsinnig kultiviert klingt. Daß "kultiviert" nicht das erste Adjektiv ist, das man mit Bands wie den Babyshambles oder den Blood Red Shoes verbindet, änderte nichts an meiner Vorfreude. Mit dem klassischen New Orleans- oder seinem Stiefsohn Free Jazz tue ich mich musikalisch eh schwer. Hätte das weltberühmte Festival seinen Horizont vor Jahren nicht so weit geöffnet (wie ich es offenbar nicht geschafft hätte) und Rock-Bands eingeladen, wäre ich nie auf die Idee gekommen, Konzerte in Montreux zu sehen.

Die beiden Tage in der Miles Davis Hall mit Interpol, The National, The Kissaway Trail und vorher den
Babyshambles und den Blood Red Shoes waren wie für mich gemacht und liessen keine Sekunde Nachdenken zu, ob die Schweiz eine Reise wert wäre.

So rechte Vorstellungen, wie das Festival sein würde, hatten wir nicht. Wegen der abgeschlossenen Tagesprogramme hatte ich nicht richtig damit gerechnet, daß außerhalb der Konzerte viel los wäre - eine kapitale Fehleinschätzung. Also wir vom Casino zur Konzerthalle gingen, sahen wir, daß überall die Hölle los war. Das Festival schien in erster Linie ein niveauvolles Volksfest zu sein, mit vielen Essen- und Getränkebüdchen an der Seepromenade, mit Musik, wo immer man hinkam und mit Besuchern aus aller Welt - obwohl die wenigsten von denen am Abend zu den beiden Haupt-Konzertorten gingen.

Im Gegensatz zu Interpol und The National am zweiten Tag war das erste Konzert schon im Vorfeld restlos ausverkauft. Pete Doherty wirkte offenbar verkaufsfördernd, das erste, was wir im Saal feststellten war nämlich, daß die Blood Red Shoes offensichtlich kaum jemand kannte.

Und während wir da so standen, den schönen und echten Konzertsaal auf uns wirkem liessen und Einsätze für die Wette überlegen wollten, ob und wann Pete kommt, hatte das englische Enfant Terrible seinen ersten Auftritt. Unmittelbar vor
den Blood Red Shoes ging der Babyshambles-Sänger einmal von rechts nach links über die Bühne - und zurück, so als wolle er zeigen: ich bin da, ihr blöden Zweifler! Souverän!

Das Grinsen noch im Gesicht galt dann meine Aufmerksamkeit aber sofort dem
jungen Duo aus Brighton. Ich hatte die beiden Blood Red Shoes schließlich nicht zufällig bereits dreimal vorher gesehen.

Und auch in Montreux gaben sich Laura-Mary und Steven so, wie ich sie lieben gelernt hatte: sie legten sofort laut und voller Energie los, als gelte es, noch auf der französischen Seite des Genfer Sees zu hören zu sein. Vorher nur noch ein schnelles "We're not much of a Jazz band" und dann Krach. Und es sollte sich lohnen, für mich - aber vor allem für die beiden Musiker. Denn obwohl ganz eindeutig alle Zuschauer wegen der Hauptgruppe da waren, hatten die Blood Red Shoes sofort viele Schweizer Herzen erobert.

Wie üblich waren die 40 Minuten viel zu schnell vorbei. In den kurzen Auftritt
packten die beiden Engländer aber neben ihren vielen Hits wie "It's getting boring by the sea", "Try harder", "Say nothing say anything" oder "I wish I was someone better" auch eine Überraschung, nämlich die B-Seite "How to pass the time" von "You bring me down". Als der Auftritt mit "ADHD", in die Ecke geknallter Gitarre und umgeschmissenem Schlagzeug geendet hatte, fragte mich ein Mann neben mir: "Wie hießen die? Das war ja großartig!" Blood Red Shoes heißen die. Und sie sind immer so!

Setlist Blood Red Shoes, Montreux Jazz Festival, Montreux:

01: It's getting boring by the sea
02: You bring me down
03: How to pass the time
04: Doesn't matter much
05: Forgive nothing
06: Try harder
07: Say nothing say anything
08: This is not for you
09: I wish I was someone better
10: ADHD

Um zehn vor zehn erlebte ich dann wirklich meinen zweiten Auftritt der Babyshambles im achten Anlauf. Nach seinen Bandmitgliedern erschien Pete Doherty ohne irgendwelche Allüren, wie üblich mit Hut und in guter Form, warf uns ein "Hello Jazz fans!" zu und begann mit "Delivery", einem der großen Hits der Band. Hätte Pete Doherty ein anderes Image, wäre "Delivery" sicher ein viel bekannteres Lied, denn der Song ist immer wieder ein riesiger Knaller. Aber leider spielt die Musik rund um die Babyshambles nicht die Hauptrolle; das Hoffen auf Skandale und Ausfälle, die Steilvorlagen, die Pete dafür liefert, all die Schlampigkeiten lenken immer wieder davon ab, was für ein begnadetes Musiktalent der Engländer ist. In Montreux schienen die, die wegen der Hoffnung auf einen Skandal da waren, allerdings deutlich in der Unterzahl zu sein. Ich bemerkte jedenfalls nur echte Begeisterung um mich rum, alle kannten die Songtexte, sangen mit, feierten schon jeweils nach den ersten Akkorden das nächste Stück.

Nach dem fulminanten "Delivery"-Auftakt folgten mit "
Baddie's Boogie" und "Carry on up the morning" von "Shotter's Nation", sowie "Beg, steal or borrow" von der glänzenden "Blinding-EP" weitere Lieder, die die Babyshambles wohl immer am Beginn eines Konzerts spielen. Danach wurde es anders. Der nicht-Album-Titel "The whole world is our playground" (der sich auf einem Bootleg von 2003 befindet) war mir neu. Eine weitere Sache, die man Pete and the Shambles hoch anrechnen kann... Die Band variiert ihre Sets, spielt alte Perlen, oft neue Stücke und produziert keine gleichen Konzerte - wenn sie denn auftritt.

Das restliche, sehr kurzweilige Konzert bestand hauptsächlich aus Liedern der beiden Alben, etwa zu gleichen Teilen. Wie schon in Köln spielten die Babyshambles aber auch "Sedative" und "The blinding" von der gleichnamigen EP. Komplettiert wurde das Set von "What Katie did" und einem Instrumentalstück vor "The blinding", das mehr als nur Intromusik war. Vielleicht war das das von Oliver in Paris einmal identifizierte "Babyshambles".

Pete war in guter Form. Man merkte ihm zwar an, daß er nicht nüchtern war, die
Lieder waren aber alle bestmöglich vorgetragen. Besser als in Montreux wird man die Babyshambles nicht erleben können, das Konzert hatte sich also für alle, die wegen der Musik da waren vollkommen gelohnt. Pete Doherty las zwischendurch einmal einen Brief, den ein Fan (eine Fanin) im zugeworfen hatte, mal kickte der Krefeld Fan eine leere Plastikflasche über die Bühne und zeigte dabei viel Ballgefühl. Was es nicht gab waren Skandale, Aussetzer, oder ein verfrühter Abbruch wegen Magenschmerzen (er trankt diesmal aber auch keine "Apfelschorle") - es fehlten aber auch alle Zugaben...

Auf dem Zeitplan, der im Festivalcenter auslag, stand im Gegensatz zu allen anderen Künstlern "open end" als Schlußuhrzeit. "I dedicate this song to Daniel, a friend of
us. He died last week and he was buried yesterday." Dabei öffnete Pete sichtbar berührt eine Champagner Flasche, bevor er "Fuck forever" anstimmte. Getragen war die Version des Hits von "Down in Albion" dann allerdings nicht. Zu den lauten schnellen Klängen des Lieds verspritzte Pete den Champagner, schmiss am Ende die Mikros weg, trat den riesigen Boxenturm um und verschwand. Auch wenn das Chaos wieder aufgebaut wurde, war eigentlich klar, daß die Band nicht mehr erscheinen würde, obwohl die Offiziellen damit rechneten.

Ein wirklich guter Konzertabend, den das Montreux Jazz Festival da geboten hatte. Gar keine Frage, daß die Entscheidung richtig war, die lange Reise wegen der beiden Abende mit fünf guten Bands aufzunehmen. Was
häufig zu kurz kommt, möchte ich hier aber auch einmal tun: nämlich das Publikum loben! Also das in Köln, denn in Montreux war es schon teilweise sehr nervig. Rempelnde und vollkommen rücksichtslose Frauen, die Pete nah sein wollten, teilweise unfassbar betrunken oder was auch immer, haben ganz kräftig genervt. Von den Leuten in den ersten beiden Reihen (die habe ich vor mir beobachten können) guckten die meisten das Konzert übrigens lustigerweise nicht auf der Bühne, sondern größtenteils auf den beiden Videoleinwänden. Eine Art indirektes Erleben. Dann hätte man sich aber eigentlich auch nicht ohne Rücksicht auf Verluste nach vorne prügeln müssen...

Setlist Babyshambles, Montreux Jazz Festival, Montreux:

01: Delivery
02: Carry on up the morning
03: Beg, steal or borrow
04: Baddie's Boogie
05: The whole world is our playground
06: Killamangiro
07: Sedative
08: Pipedown
09: What Katie did
10: There she goes
11: Side of the road
12: Back from the dead
13: Babyshambles (?)
14: The blinding
15: Albion
16: Fuck forever

Links:

aus unserem Archiv:
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07
- und:
- Babyshambles, Paris, 04.02.08
- Babyshambles, Köln, 22.01.08
- Babyshambles, Paris, 14.01.08
- Babyshambles, Paris, 18.10.07
- Babyshambles, Paris, 14.11.06
- mehr Fotos von diesem Abend beim Montreux Jazz Festival

Ein Interview mit Laura-Mary von den Blood Red Shoes sowie ein Bericht vom Auftritt des Duos beim Melt! Festival folgen ganz schnell hier!



Freitag, 6. Juni 2008

Pete Doherty, Paris, 05.06.08

8 Kommentare

Konzert: Pete Doherty

Ort: eigentlich Le Grand Rex, Paris, letzlich aber Le Truskel, Paris
Datum: eigentlich 05.06.2008, 21 Uhr, letztlich aber 06.06.2008, 3 Uhr 25 (!)
Konzertdauer: ca. 45 -50 Minuten
Zuschauer: eigentlich 2650 (Kapazität des Grand Rex, wenn es ausverkauft ist), in Wirklichkeit aber vielleicht 200 (entspricht also einem eklig vollen Truskel)


Eigentlich gehört es ja zu unserem Konzept, dass wir Konzertberichte innerhalb kürzester Zeit schreiben und veröffentlichen. Damit wollen wir erreichen, dass wir unsere Eindrücke unmittelbar und ohne erneute Reflektion schildern und somit bestmöglich das Live-Gefühl an unsere Leser weitergeben.

Über die gestrige Nacht musste ich dann aber doch noch einmal ein wenig länger nachdenken und mir etwas mehr Zeit als sonst mit dem Schreiben nehmen, zumal die Fakten noch nicht klar auf dem Tisch lagen. Inzwischen weiss man Genaueres über die Umstände dieses kuriosen Konzertabends.

Hier also die Chronologie einer sehr langen Nacht:

20 Uhr 50:

Meine Frau und ich erreichen ziemlich abgehetzt den Austragunsort des heutigen Konzertes, das Grand Rex am Boulevard Poissonnière im 2. Pariser Arrondissement.
Die allermeisten Leute scheinen schon reingegangen zu sein, zumindest stehen nicht mehr viele Fans vor der Türe rum. Allerdings treffen wir zwei Pariserinnen, die wir schon von früheren Babyshambles-Konzerten her kennen. Eine der beiden, Marie, ist extra aus London gekommen, wo sie inzwischen wohnt. Beim Gig im Januar im Olympia kamen wir ins Gespräch, weil sie mich zum Bierholen nach draussen schickte, obwohl ich sie noch nie zuvor gesehen hatte. Auf diese Angewohnheit von ihr wird später noch einmal zurückzukommen sein...

21 Uhr:

Wir beschliessen jetzt auch reinzugehen, da wir vermuten, dass Daniel Darc, der den Support bildet, inzwischen fertig sei. Wir nehmen unsere gemütlichen Kinosessel ein und warten darauf, dass sich auf der Bühne etwas tut.

21 Uhr 10:

Das Licht geht aus und ein Gitarrist nimmt sein Plätzchen ein. Die ersten Töne klingen vertraut nach von Pete Doherty geschriebenen Hits. Anstatt des Engländers kommt aber der französische Skandal-Rocker Daniel Darc auf die Bühne. Man könnte ihn durchaus als Pendant des Ex-Libertines Mannes bezeichnen. Er lebt gerne exzessiv, war in den 80er ein Star der Pariser Undergroundszene mit seinem Projekt Taxi Girl und ist seit ein paar Jahren auf Solopfaden unterwegs. Seinen wilden Lebenswandel sieht man ihm an, er wirkt hager und verlebt und seinen tätowierten Armen fehlt die Spannkraft. Er macht den Eindruck besoffen zu sein, wirkt irgendwie wie ein Clochard. Sein Gesang kommt mieslaunig und nörglerisch rüber, manchmal haucht er aber auch im Stile von Serge Gainsbourg die Zeilen ins Mikro. Den Anfang empfinde ich als grotesk schlecht, aber irgendwie komme ich mit jedem Lied besser rein. Den Hauptverdienst daran hat allerdings sein Gitarrist, der sensationell gut und punktgenau spielt. Selten war ich von einem Gitarristen so beeindruckt, mal streicht er nur sanft über die Seiten seiner Akustischen, ein anders Mal haut er aber richtig rein. Vor allem aber sind seine Riffs hochmelodiös und würden im Grunde genommen perfekt zu Pete Doherty passen. Schade, dass Herr Darc selbst in solch einem komischen Zustand ist, die Lieder scheinen mir definitiv Potential zu haben. Als besonders gelungen empfinde ich "Je Me Souviens, Je Me Rappelle" von seinem vorletzten Album "Crève Coeur", das damals glänzende Kritiken bekommen hat.

21 Uhr 40:

Daniel Darc ist mit seinem Set durch. Da tritt plötzlich ein Ansager auf die Bühne und vermeldet: "Es wird eine Verzögerung geben, da Herr Doherty noch nicht vor Ort ist. Es geht hier frühestens um 23 Uhr weiter. Sie können ja alle draussen vor der Türe eine Ziagrette rauchen , oder Luft schnappen."

23 Uhr 15:

Die bulligen Ordner lassen keinen mehr wiedereintreten. Das verheisst nichts Gutes. Wir wollen doch jetzt rein und Pete sehen! Ein paar Minuten später die traurige Meldung: "Le concert est annulé!" "Den Ticketpreis bekommt man aber ersetzt"

23 Uhr 15 bis 23 Uhr 45:

Einige Leute, auch wir, lungern noch vor der Türe rum, in der Hoffnung, dass doch noch ein Wunder passiert und das Konzert stattfindet. Meine Frau macht sich mit ein paar Leuten auf den Weg nach République, wo Herr Doherty angeblich ein Hotel haben soll, in der völlig vagen Hoffnung, dass er in der Lobby später noch ein paar Lieder auf seiner Gitarre kratzen würde.

Plötzlich macht ein unglaubliches Gerücht die Runde: Pete Doherty stecke im Eurostar fest, werde aber nach seinem Eintreffen in dem kleinen Irish Pub "Le Truskel", der gleich um die Ecke liegt, dort ein intimes Konzert für Eingeweihte geben. Das scheint mir alles sehr unwahrscheinlich, aber zufällig sehe ich Laurent, den Patron des Truskel, der ein wichtig aussehendes Telefonat über sein Handy führt. Ich stehe zufälligerweise genau daneben und höre wie er sagt: "Oui, oui, il vient jouer chez moi" ("ja, genau, er spielt dann gleich in meinem Laden"). Unglaublich!!!

23 Uhr 45:

Eine Meute von jungen, szenigen Leuten macht sich auf den Weg zum fussläufig erreichbaren "Truskel". Die meisten kennen den Weg nicht und laufen mir hinterher. Ich war aber auch noch nie in dieser Kneipe, habe allerdings von Laurent einen Flyer mit der Adresse und der Wegskizze bekommen. Kurze Zeit später erreiche ich das Truskel, wo auch meine Frau bald eintreffen wird, der ich telefonisch mitgeteilt hatte, dass sie in République am falschen Ort sei. Hier spielt die Musik!

24: Die Musik spielt hier wirklich, allerdings nur vom Band. Witzigerweise kenne ich den jungen DJ. Ich hatte ihn bei einem Konzert kennengelernt und ihn auf sein flottes Dirty Pretty Things T-Shirt angesprochen. Nico spielt Indie-Hits von Art Brut, den Rakes und The Cribs, am häufigsten allerdings diverse Lieder von MGMT.

0 Uhr 30:

Ein par Leute haben den Club verlassen, weil sie die letzte U-Bahn kriegen wollen. Von Pete Doherty ist weit und breit nichts zu sehen. Komischerweise fragen mich immer wieder Leute nach den letzten Neuigkeiten zu dessen Ankunft. Ich kann nur mit den Schultern zucken. Woher soll ich das denn wissen? Habe ich etwa die private Handy-Nummern von Peter?? (irgendjemand hält mich gar für den Tour-Manager)

1 Uhr:

Auf der winzigen Bühne tut sich seit einer Weile etwas. Ein grauhaariger Typ um die Vierzig stimmt wichtigtuerisch die Gitarre, verzieht aber sonst keine Miene. Obwohl er ständig Bier säuft, ist sein Bauch sehr flach und er sieht eigentlich unglaublich gesund aus. Er trägt eine schwarze Harrrington-Jacke (die mit diesem rotkarierten Futter), auf der auf Brusthöhe "Shotter's Nation" eingraviert ist. Den Kerl werde ich leider noch so eine ganze Weile anstarren müssen, aber das weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Er wird übrigens von der eingangs erwähnten Pariserin Marie auf ihre bewährte Weise angesprochen. Sie streckt dem verdutzt dreinblickenden Kerl einen 20 Euroschein entgegen und sagt ganz trocken: "Hol mir ma ne Flasche Bier!". Er lehnt etwas empört ab, unter anderem auch deshalb, weil es unglaublich viel Kraft und Energie verlangen würde, sich zur Bar und wieder zurück durchzuschlagen. Er bietet ihr aber von seinem Glas Bier einen Schluck an. Am Ende säuft ihm die kesse Lady das ganze Getränk weg. Er guckt entgeistert, schenkt ihr aber kurze Zeit später eine Flasche Gerstensaft, den er vom seitlich gelegenen "Backstagebereich" bekommt. Er öffnet die Bottel übrigens an einem Stuhlrahmen. Saucool! Und der Backstagebereich besteht eigentlich nur aus einem strohenen Paravent, in dem u. a. ein sehr junges, hübsches Mädchen rumsteht, die später noch eine Rolle spielen wird.

Von Pete keine Spur...

1 Uhr 15:

Ein Raunen geht durch die Menge, ich bringe mich in Stellung, in der Hoffnung, Her Doherty werde jezt hereinschneien und sich den Weg durch die Menge auf die Bühen bahnen. Fehlalarm! Die Warterei geht weiter und mir brennt sich das Gesicht des Gitarrenstimmers unauslöschlich in mein Gehirn ein. Ich stehe an die Wand gequetscht und fühle mich wie eine Ölsardine. Der Schweiss rinnt mir von der Stirn, aber das geht nicht nur mir so. In dem Pub herrschen gefühlte 55 ° Celsius. Ich frage mich, warum ich mir so etwas antue. Ich muss verrückt sein und alle anderen hier auch. Ich meine, Pete Doherty ist doch nicht der Papst, oder?

1 Uhr 30:

Neue Wasserstandsmeldung von Patron Laurent: Pete steckt immer noch im Eurostar fest und wird auf keinen Fall vor 2 Uhr hier aufkreuzen. Meine Nerven! Ich habe Hunger und Durst und ausserdem muss ich mal Pipi. Aber das geht jetzt nicht...

2 Uhr:

Keine Spur von Mister Babyshamble. Ständig fragen mich Leute, wann der Kerl denn nun komme. Als ob ich das wüsste. Bin ich Jesus?

2 Uhr 30:

Ich beginne den Burschen mit der Shotter's Nation Jacke zu hassen, Er stimmt seit zwei Stunden eine Gitarre, an der bis jezt niemand gespielt hat und das Mikro hat er nun wirklich oft genug gecheckt. Mit unbewegter Miene tippt er Notizen in sein Blackberry. Hat er eine Leitung zu Pete aufgebaut? Er sei in Paris eingetroffen ("he is in Paris now") lässt er verlauten und zwar am Gare du Nord. Aber wann kommt er endlich ins Truskel?

3 Uhr: Pete ist immer noch nicht da. Die erstaunlich geduldigen Besucher fangen an zu murren. Erste Stimmen werden laut, dass auch dieses improvisierte Konzert ausfallen werde.

3 Uhr 15:

Was erlauben Strunz? Ähem, Doherty natürlich...

3 Uhr 25:

Ein paar spitze Schreie gleiten durch Girliekehlen, aber ich halte das inzwischen für einen Fehlalarm. Mein Puls schlägt eher langsam. Ich habe Hunger, Durst und mein Rücken tut mir weh.
Ich bin saumässig müde und frage mich erneut und diesmal intensiver, was mich geritten hat, hier über drei Stunden rumzustehen. Was glaubt Pete, wer er ist? "I'm a legend!", wird er kurze Zeit später von sich selbst behaupten. Das Rumgeschrei war kein Fehlalarm, Pete steigt gleich an mir vorbei auf die Bühne und brabbelt ein paar Sätze ins Mikro: " Bonsoir" - "En retard" (Verspätung) - "es tut mir Leid" -"Entschuldigung!"

Es tut mir Lied und Entschuldigung sagt er wirklich auf deutsch! Weiss er überhaupt, dass er in Paris und nicht etwa Berlin ist?

3 Uhr 30:

Das Konzert beginnt!

Ich stehe so nah an der Bühne, dass ich Pete in die Gitarre greifen könnte, auf der er mit seinen schmutzigen Fingernägeln rumkratzt. Die Leute im Truskel drehen durch, jeder schreit wild durch die Gegend. Das intro dauert lange, aber dann schmettert der Hüne zum Auftakt den "Folsom Prison Blues", einen Klassiker von Johnny Cash. "I hear the train a comin' it's rolling round the bend and I ain' t seen the sunshine since I don't know when" singen viele den Text mit. Die jungen Leute kennen Johnny Cash, ich bin verblüfft!

"Fuck Forever" wird schon nach den ersten Noten erkannt. Auch hier ist das intro ausgedehnt, bevor mit
"It's one and the same" in den Text eingestiegen wird. Vor allem die Passage "And make you toe the line" wird lauthals mitgebrüllt. Trotz seines sichtlich angeschlagenen Zustands singt Pete erstaunlich fest und klar. Das Lied beherrscht er im Schlaf...

Es wird gedrängelt wie verrückt und oft spüre ich Ellenbogen in den Rippen.
Troztdem knipse ich was das Zeug hält. So nah werde ich wohl nie wieder ein Konzert eines bekannten Musikers erleben. Ja bekannt ist er und auch talentiert, aber genial? Hmm..

Er braucht erst einmal einen Drink (ein Bier), der ihm nicht nur gebracht wird, sondern regelrecht von seinen Helfern eingeflösst wird. Das ist ziemlich erschreckend, aber die Typen die mit Pete zusammenarbeiten sind ja eine Menge gewohnt...

Auf die Frage von Marie: "Where have you been?", antwortet er ganz lässig: "In the fucking train; for seven hours". Ehrlich gesagt glaube ich diese Version zu diesem Zeitpunkt nicht ganz. Am nächsten Tag erfährt man es aber sogar im Fernsehen. Der Eurostar von London nach Paris, in dem Pete sass, steckte wirklich sieben (!) Stunden fest! Pete was innocent!!

Das nachfolgende "Back From The Dead" kommt ein wenig lahm rüber und ein junger Kerl vor mir meint, Pete solle doch einmal ein wenig aufwachen. Inzwischen hat sich die Aufregung ein wenig gelegt. Scheinbar zumindest. Denn plötzlich kommt es zu Wortgefechten zwischen dem Sänger und Besuchern des Pubs. Der Engländer will wissen, ob man ihn im hinteren Teil auch höre. Ihm schmeckt es nicht, dass hinten Leute labern und auch pöbelnde Kommentare ablassen.

Mit "Merry Go Round" geht es weiter und man kann zumindest erahnen, warum der Mann von Fans so verehrt wird. Mit ein paar simplen Gitarrengriffen zaubert er eine heimelige und melancholische Atmosphäre herbei.

Noch besser ist das flotte Libertines Stück "Death On The Stairs". Es kommt fast beschwingt und gutgelaunt rüber. Ich bereue es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, geblieben zu sein. "Please kill me!" jault Pete und seine Jünger brüllen mit. Ein Highlight!

Auch "The Boy Looked At Johnny" stammt von den Libertines und wird begeistert aufgenommen. "And New York City is very pretty in the nightime". Wo liegt New York? Die Musik spielt doch in Paris! Und auch dort ist es sehr "pretty in the nighttime"...

Ein paar Leute fordern "What A Waster" aber diejenigen, die lieber "What Katie Did" hören wolllen, bekommen den Zuschlag; "Schubschub, schubdilaididi"...

Nach so vielen Anstrengungen wird erst einmal lautstark mehr Bier für die "Stage" verlangt. Patron Laurent buckelt eilig ein paar frische Gläser heran und es wird in Ruhe gesoffen, bevor es mit "Albion" weitergeht. Erst sehr behutsam und abgehakt, aber dann explodiert der Sänger mit dem Hut und singt mit Inbrunst Sätze wie "Gin in teacups" und "Violence in bus stops". Diesen Hit, den er für die Babyshambles geschrieben hat, können ihm auch Neider nicht mehr nehmen. Toll!

Danach kommt noch ein Lied, von dem ich vermute, dass es "Lost Art Of Murder" war. Irgendwie geht jetzt alles unter, man ahnt schon, dass die Veranstaltung nicht mehr lange dauern wird.

4 Uhr 15:

Pete erklärt das Konzert für beendet und sagt: " I wanna say thank you and on the other hand "Fuck you". Das "Fuck You" geht an die Adresse von ein paar Nörglern in den hinteren Reihen, die Herrn Doherty auch beschimpft hatten. Der wird deshalb richtiggehend aggressiv, mehrere Leute seiner Crew müssen den hochaufgeschossenen Mann festhalten, damit keine Schlägerei beginnt.Während des Konzertes bestand die heikelste Szene darin, dass ein lebensmüder Crowdsurfer nach hinten abgedrängt wurde, damit er nicht auf die Bühne plumpst.

Pete teilt jetzt verbal aus: "Go home you french bastards!" und anschliessend auf deutsch: "raus!!!"
Er will jetzt nur noch für seine Freunde weiterspielen und die Lästerer sollen nun gefälligst Leine ziehen (" and now I will play only for some intimate friends"). Diejenigen, die nicht abgehauen sind, bekommen noch das abschliessende "Can't Stand Me Now" mit auf den Weg. Dann ist Schluss und Pete fällt im improvisierten Backstagebereich einem jungen, sehr dürren Mädchen in die Arme. Sie scheint seine neue Freundin zu sein und schreckt auch vor dem schweissnassem Hemd und dem mit Sicherheit schlechten Atem nicht zurück. Das feuchte Hemd von Pete habe ich am eigenen Leibe gespürt, da er an mir vorbei musste! Zuvor hatte er sich witzigerweise aus Versehen die Lederjacke meiner Frau geschnappt. Die dürfte nun wirklich nicht seiner Kleidergrösse entsprechen...

4 Uhr 30:

Die Ordner schmeissen jetzt alle Gäste raus, auch diejenigen, die noch auf ein Autogramm hoffen.

5 Uhr:

Ich bin zu Hause und lade meine Fotos hoch. Ins Bett komme ich um 7 Uhr. Meine Frau geht ohne geschlafen zu haben zur Arbeit.

15 Uhr 28, 15 Uhr 30:

Ich bekomme Mails an meine private Adresse geschickt. Sie stammen von Chefredakteuren der Internetseiten von Le Monde (bekannteste Tageszeitung Frankreichs neben dem Figaro) und des privaten Nachrichtensenders LCI. Man will meine Fotos verwenden und auch mein kleiner Text , den ich noch morgens auf diesem Blog veröffentlicht hatte, wird in übersetzter Form übernommen. Ich gebe meine Zusage für die Verwendung und soll auch für Nachfragen zur Verfügung stehen.

Ein Fotografenkollege bei Flickr (wobei ich mich im Gegensatz zu ihm nicht als Fotograf bezeichne, sondern als jemanden, der Bilder knipst) platzt vor Neid. "Du lädst wieder viel zu viele Bilder hoch", ätzt er. Sein Gemaule nützt ihm nichts. Die Pics, die er als überflüssig bezeichnet, werden im Einzelfall bis zu 500 mal angeguckt, insgesamt sehen sich zwischen 5000 und 8000 Leute diese Bilder an, die jetzt durchs Netz gejagt werden. Der Kollege ist stinksauer, dass er nicht die Story abgelichet hat und fragt hämisch, warum ich denn einen pennerhaften Typen wie Pete Doherty "abschiessen" würde. Man finde doch in der Pariser U-Bahn hunderte ähnliche Typen wie den Babyshambles- Mann. Ich will ihm noch raten, dass er ja dann demnächst in Ruhe die gitarrespielenden Clochards der Metro abknipsen könne, lasse das aber schliesslich sein. Auf der Fotoseite des Neidhammels finde ich übrigens Bilder von einem Typen, der bei "Frankreich sucht den Superstar" gewonnen hat ("A la recherche de la nouvelle star"). Ich kann mir einen ironischen Kommentar dazu nicht verkneifen. "Ja hast Du ihn denn schon live gesehen?", will er daraufhin gereizt wissen. Der sei doch eigentlich besser als dieser Pete Doherty...

Ich beende die Diskussion, indem ich ihm sage, dass er seinen Christophe Willem gerne für sich behalten könne, ich bevorzuge da doch eindeutig Pete!

Und so ist es auch. Selbst ein deutlich angeschlagener Pete Doherty ist mir tausend Mal lieber als ein geklonter Fatzke aus diesen unsäglichen Superstar Shows!

Setlist Pete Doherty, Le Truskel, Paris * (Thanks also to the guy who helped with his comment):

01: Folsom Prison Blues (Johnny Cash Cover)
02: Arcady (Babyshambles)
03: Fuck Forever
(Babyshambles)
04: Back From The Dead (Babyshambles)
05: Merry Go Round (Babyshambles)
06: The Boy Looked At Johnny
(Libertines)
07: Death On The Stairs (Libertines)
08: What Katie Did (Libertines)
09: Albion (Babyshambles)
10: Smashing
(Libertines)
11: Can't Stand Me Now (Libertines)

Links:

- aus dem Archiv:
- Babyshambles, Paris, 04.02.08
- Babyshambles, Köln, 22.01.08
- Babyshambles, Paris, 14.01.08
- Babyshambles, Paris, 18.10.07
- Babyshambles, Paris, 14.11.06
- mehr Fotos

Liens:
- Chroniques des concerts de Babyshambles en français:

- Babyshambles au Zénith de Paris, 04/02/08
- Babyshambles à l'Olympia de Paris 14/01/08




Dienstag, 5. Februar 2008

Babyshambles, Paris, 04.02.08

3 Kommentare

Konzert: Babyshambles
Ort: Le Zénith, Paris
Datum: 04.02.2008
Zuschauer: ausverkauft

Ein Zylinder ist nicht nur ein äußerst stilvoller Hut, der im 19.Jahrhundert von großbürgerlichen Kreisen und dem Adel getragen wurde (heute nur noch sehr selten, z.B. beim Pferderennen in Ascot und wenn dann mit Cutaway oder Frack), sondern auch hervorragend dazu geeignet, deutlich größer und imposanter zu wirken. Hat Pete Doherty letzteres nötig? In den Augen seiner Fans ist er doch ohnehin der Größte, nicht selten lassen seine Jüngern sogar den Begriff "Genie" fallen, wenn sie von ihm schwärmen. Und außerdem: Der Mann ist ohnehin großgewachsen, da muß er im Gegensatz zu Prince, der damals mit Plateau-Schuhen auftrat, keine Zentimeter hinzugewinnen. Trotzdem, Herr Doherty erschien schon nachmittags zur Autogrammstunde im Forum des Musik-Ladens Fnac Montparnasse mit einem pechschwarzen Zylinder, um scheinbar gutgelaunt CDs zu signieren und für Erinnerungsfotos mit völlig gerührten Girlies zu posieren. Jedesmal, wenn er sich erhob, ging ein ohrenbetäubendes Gekreische los. Zwangsläufig gerieten die ebenfalls anwesenden anderen Bandmitglieder der Babyshambles zu Statisten, aber das sind sie mit Sicherheit gewohnt und deshalb legten auch sie heitere Mienen auf. Nach circa einer Stunde war der Rummel vorbei und Pete und seine Bande zogen unter hysterischen Schreien ab, ohne einen Akustiksong zum Besten gegeben zu haben. Wer Musik von den Babyshambles hören wollte, mußte schon ins weit entfernte Zénith tigern. Auch ich trat die ellenlange Fahrt mit der Metro zum Ort des Geschehens an, nachdem ich in einem Tourischuppen einen ziemlich ekligen Hamburger (verbrannt das Teil!) mit Pommes Frites verspeist hatte. Zudem waren die Kellner in dem Laden so lahm, daß ich zu spät im Parc de la Villette ankam und die Vorgruppe somit verpasste. Nicht schlimm, es waren "nur" die jugendlichen Garagenrocker Dodoz aus Paris, die ich bereits kürzlich erlebt hatte und die bestimmt noch öfter zu sehen sein werden. Vorher hatte wohl ein junger Herr mit Gitarre seine 10-Minuten Berühmtheit, denn es gab ein kleines Gewinnspiel bei dem man als Preis, einen Auftritt im Vorprogramm der Babyshambles gewinnen konnte. Nun gut, wenn aus dem Mann mal was wird, erfahre ich sicherlich davon...

Das Wichtiste aber: Ich hatte keine Minute von den Babyshambles verpasst! Meine Armbanduhr zeigte 21 Uhr 05 an und ich fragte mich, ob es wohl zu Verspätungen kommen würde, denn im Zénith geht es oft sogar vor neun schon los. Fünf Minuten später die Gewissheit, sie sind da! Das Licht ging aus und es ertönte... die Marseillaise! Ja, die französische Nationalhymne, gesungen von...Mireille Mathieu! Was für ein glänzender Auftakt, aber nicht nur dieses witzige Intro war gelungen, sondern auch schon die ersten Lieder. Die Babyshambles waren in bestechender Form, das war von Beginn an klar, so wie die Engländer loslegten. Auch der Sound spielte mit, klare Höhen, ein wummernder Bass, alles einwandfrei! Würde ich im vierten Anlauf endlich mein "perfektes" Babyshambles Konzert erleben? Im Olympia vor ein paar Wochen waren sie auch gut aufgelegt, aber technische Probleme mit den Monitoren verhinderten einen durchaus möglichen Traum Gig. Heute aber perfekte Bedingungen und ein junges, ausgelassenes Publikum. Umringt von hübschen Girlies mit der passenden coolen Kleidung (Hütchen, Skinny Jeans, Converse, das übliche Programm) versuchte ich Pete so gut wie möglich abzuknipsen und erkannte durch meine Linse einen Schal in blau-rot-weißen Farben (die französischen Nationalfarben, klar!), der von seinem Hosenbund baumelte. Mister Doherty hatte sich perfekt auf Paris und Frankreich eingestimmt...

Hinsichtlich der anfänglich gespielten Lieder gab es zunächst keine großen Abwandlungen im Vergleich zum Olympia, "Carry On Up The Morning", ein sensationelles "Delivery" und ein im Gegensatz zur Ep flotteres "Beg, Steal or Borrow" bildeten auch hier den Auftakt. Letztgenannter Titel war einem leider verstorbenen Käztchen gewidmet. Wer die Regenbogenpresse liest, weiß, daß Pete Katzen liebt, bei seinem letzten Paris-Konzert soll er sogar 2 gekauft haben. Und eine neue, lebendige konnte er heute auch nicht aus seinem (Zylinder)hut zaubern. Na gut, eine Katze ist ja auch kein Kaninchen! Warum Pete allerdings als kleines Intro Boutros Boutros- Ghali (!) vor sich her sang, wird wohl sein Geheimnis bleiben...

Keine Katzen und keine Kaninchen, dafür aber jede Menge guter Lieder konnten die Babyshambles in der Folge hervorzaubern. Vor allem das nach "Baddies Boogie" gebrachte "Unstookie Titled" entwickelt sich immer mehr zu meinem absoluten Babyshambles- Favoriten. Auf der CD auf den ersten Blick unscheinbar, ist es trotz seines zu Beginn gedrosselten Tempos unglaublich packend und bewegend, ein echter Grower! "Smoke your Cigarettes down to the bone heißt es da im Text und die Fans werfen daraufhin in schöner Regelmäßigkeit Kippen nach vorne. Natürlich wurde auch heute wieder gequalmt, zumindest auf der Bühne, den tabaksüchtigen Kids im Publikum war das nicht gestattet. Mit Kippe im Mund und längst ohne Zylinder (der fiel wie die Weste nach circa. vier Liedern) gab Pete nach den Päuschen wieder ordentlich Gas und verzückte mich vor allem mit "The Blinding" einem Lied, das ich noch nie geboten bekommen hatte. Ebenfalls neu für mich: Die Mitgröhlhymne "Sedative" (gleich nach "You Talk" dessen Refrain begeistert mitgesungen wurde), auch diese großartig!

Aber ich rede wieder nur von Pete Doherty. Es muß auch mal seine Band genannt werden. Mick Whitnall, der Lead-Gitarrist, auf den ich schon im Olympia abgefahren war, brillierte auch heute wieder mit seinen melodiösen, knackigen Riffs und auch der Drummer Adam Ficek machte Eindruck auf mich, wenn er satt und trocken auf seine Schießbude einprügelte. Bassist Drew Mc Connell war hingegen zu weit entfernt, um mir ein Urteil zu erlauben.

Keine Probleme hinsichtlich der richtigen Einschätzung hatte ich aber bei "Pipdedown". Selten hat ein Lied im riesigen Zénith so abgeräumt! Die Stimmung erinnerte an englische Pokalspiele, das war vollkommen abgefahren! Schnell, hart, laut peitschte der Song ein und der Saal tobte. Zum Runterkommen gab es dann hinterher mit "Albion" erst einmal wieder eine Ballade (auch hier sang Pete wieder Boutros Boutros-Ghali vor sich hin). Wunderschön hierbei das Mundharmonika-Spiel von Mick Whitnall. Nachdem "Albion" eigentlich schon verklungen war, wurde das Lied plötzlich noch einmal wieder aufgegriffen und ich fragte mich, ob die Shambles den Titel zwei Mal hintereinander spielen wollten. Weit gefehlt, die Melodie diente nur als überraschendes Intro zu einem völlig begeisternden "Killamangiro"! Ebenfalls überraschend dann ein fast rein akustisch vorgetragener Titel, den ich nicht kannte. "Baby, Baby, Baby" croonte Pete vor sich hin. Yeah! Aber wie heißt das Stück?

Zum Abschluß noch einmal Altbekanntes. Ein treibendes und flottes "Back From The Dead" machte deutlich, daß das erste Album zumindest hinsichtlich seiner Highlights nie und nimmer so schlecht ist, wie lästernde Kritiker immer behaupten. Und überhaupt: Wie kann man ein Album verreissen, auf dem einer der gößten Indie Hits, der letzten Jahre, wenn nicht gar der Musikgeschichte enthalten ist? Klar, ich spreche von "Fuck Forever", einem Lied das so ist wie Mister Doherty das Publikum in Paris bezeichnete: Fucking Awesome! (obwohl er wörtlich eigentlich awful sagte, wahrscheinlich aus Spaß).

Und auch hier wieder ein famoses Intro: Doherty rappt einige Zeilen von "Billie Jean"! Phänomenal! Kaum zu toppen! Vielleicht nur noch durch die Stöhngeräusche die Pete von sich gibt, während er "Fuck Forver" mit einer unfassbaren Inbrunst schmettert. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Ex-Libertine schon wieder in seinen frackähnlichen schwarzen Mantel geschwungen und auch der Zylinder saß wieder auf seinem Köpfchen. Wollte Pete imposanter erscheinen? Hatte er das nötig? Nein! Er war auch so der Größte! Ein Genie? Nicht unbedingt, aber ein Mann, der mir endlich sein riesiges Talent bewiesen hat und von seiner tollen Band hervorragend dabei unterstützt wurde! Sensationell!!!

Setlist Babyshambles, Le Zénith, Paris:

-intro: La Marseillaise, gesungen von Mireille Mathieu

01: Carry On Up The Morning
02: Delivery
03: Beg, Steal, or Borrow
04: Baddies Boogie
05: Unstookie Titled
06: Side Of The Road
07: Unbilo Titled
08: There She Goes
09: The Blinding
10: You Talk
11: Sedative
12: Pipedown
13: Albion
14: Killamangiro
15: neu
16: Back From The Dead
intro: Billie Jean
17: Fuck Forever

Konzertdauer: 80 Minuten

Links:

- Babyshambles in Köln
- im Januar 08 in Paris
- Radiokonzert Paris 2007
- mit Kate Moss in Paris
- mehr Fotos

La chronique du concert des Babyshambles en français est ici






 

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