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Donnerstag, 1. Dezember 2011

Kaiser Chiefs, Paris, 29.11.11

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Konzert: Kaiser Chiefs (Tribes)
Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 29.11.2011
Zuschauer. geschätzte 1800 (von 2500 maximal möglichen)


Vielleicht habe ich an jenem 29.November 2011 das Konzert des Jahres verpasst. My Brightest Diamond, die im Café de la Danse aufspielte, soll so überragend gewesen sein, daß selbst der ansonsten knausigere Konzertfotografenzar Robert Gil 5 Herzchen für den Auftritt von Shara verteilte. Eine absolute Seltenheit bei ihm. Auch andere Beobachter sprachen von einem Wahnsinnkonzert mit vier Zugabenblocks.

Für My Brightest Diamond hatte ich einen Gästelistenplatz, reichte diesen aber an einen Freund weiter und entschied mich stattdessen für den Gig der Kaiser Chiefs im Olympia. Hauptgrund war, daß ich endlich mal wieder zusammen mit meiner Frau auf ein Konzert gehen wollte und die Band um Ricky Wilson liebt Cécile nun einmal über alles. So kam es also, daß ich mich in Gesellschaft meiner Süßen in einem der prestigeträchtigsten Konzertsäle der Seine-Metropole wiederfand. Entgegen anderslautender Befürchtungen war es keineswegs gähnend leer dort und irgendwie hatten es die vor ein par Jahren ungemein populären Engländer geschafft, Altfans aber auch junge Leute zu mobilisieren.

Ich war gespannt wie mir die Kaiser Chiefs heuzutage gefallen würden. In in ihrer Glanzzeit war ich glühender Fan und verpasste keinen ihrer Auftritte, inzwischen war die Leidenschaft aber ziemlich abgekühlt und das neue Album The Future Is Medieval habe ich gar nicht erst mehr gekauft.

Nach einer unfassbar schlechten Vorgruppe names Tribes aus England (dümmlicher Textauszug eines besonders gruseligen Liedes: "my girlfriend don't love me, my haircut don't suit me), kam die Band aus Leeds einmarschiert. Toll, daß die fünf Gründunsgmitglieder noch alle beisammen sind, so etwas sieht man selten in den heutigen Zeiten. Aber es gibt unter ihnen ja viele Freundchaften, die seit Schulzeiten bestehen, so etwas schweißt zusammen.

Entsprechend entspannt war auch heute wieder die Atmosphäre innerhalb der Band, da wurde wieder viel gelacht, geschäkert, geschmunzelt und Blödsinn erzählt. So habe ich die Kaiser Chiefs im Mai 2005 kennen-und lieben gelernt und selbst wenn sich meine Begeisterung heutzutage etwas gelegt hat und der erste Teil des Konzertes ein wenig an mir vorbeiplätscherte, war spätestens mit dem Doppelschlag aus Ruby und The Angry Mob der Knoten geplatzt. Die Stimmung im Publikum war eigentlich genau wie damals: absolut bombig! Das ganze Olmypia sang, hüpfte und jubelte wie bei einem Fußballspiel und zwar durchgängig. Kleinere Hänger gab es lediglich, als die neuen Sachen gespielt wurde. Irgendwie wirkte das aktuelle Material leider nur wie ein Aufguss alter Ideen, ohne jedoch die Zugkraft und Catchyness der ersten Hits zu erreichen. Deshalb war mir auch der zweite Teil des Konzertes (Lied 9 bis 17) wesentlich lieber, denn in dieser Phase gab es mit Starts With Nothing (eher langweilig) und Kinda Girl You Are (passable, sehr flotte Nummer) lediglich zwei Neulinge. Oldies wie I Predict A Riot und Nanananana hatten nichts von ihrer explosiven Wirkung verloren und Take My Temperature war zwar urspünglich nur eine B-Seite, aber immer schon gesetzt. Zu diesem wilden Stück nahm Ricky mal wieder direkten Kontakt zum Publikum auf. Eine Weile lang suchten ihn die Zuschauer auf den Stehplätzen (also da wo ich war) vergeblich, dann aber plötzlich sah man ihn direkt neben den Leuten auf dem Balkon. Alle schossen Fotos wie die Gestörten, um diesen witzigen Moment zu verewigen und auch ich hielt drauf wie so ein Weltmeister.

Ein paar Minuten später war Mister Wilson dann wieder heil zurück auf der Bühne, nur um diese kurze Zeit später erstmalig zu verlassen. Natürlich gab es noch eine Zugabe und diese war wirklich absolut lohnend. Love's Not A Competition, wurde in einer neuen Version mit einer famos herausgearbeiteten Gitarrenmelodie geboten und zu Oh My God begab sich Wilson erneut ins Publikum, bat dieses sich hinzusetzen, nur um etwas später im richtigen Moment wieder aufzuspringen. Ein tausendfach eintrainierter Gag, der aber auch heute fantastisch funktionierte und die Stimmung noch einmal so richtig schön aufheitzte.

Nach etwa 1 1/2 Stunden war dann Schluß und ich um die Erkenntnis reicher, daß mir die Kaiser Chiefs druchaus noch Spaß machen. Es muss nicht immer musikalische Feinkost sein. Manchmal schmecken Bratkartofflen besser als Kaviar...

Setlist Kaiser Chiefs @ Olympia 2011, Paris:

01: Everyday I Love You Less And Less
02: Never Miss A Beat
03:Little Shocks
04: Everything Is Average Nowadays
05: Good Days Bad Days
06: Put Me On The Cover Of Your Magazine
07: The Modern Way
08: Man On Mars
09: Ruby
10: The Angry Mob
11: Na Na Na Na Naa
12: Starts With Nothing
13: I Predict A Riot
14: Kinda Girl You Are
15: Take My Temperature

16: Love Is Not A Competition (But I'm Winning)
17: Oh My God

Aus unserem Archiv:
Kaiser Chiefs, Paris, 27.01.09
Kaiser Chiefs, Köln, 21.01.09
Kaiser Chiefs, Paris, 22.08.08
Kaiser Chiefs, Köln, 05.11.07
Kaiser Chiefs, Offenbach, 02.11.07
Kaiser Chiefs, Hohenfelden, 19.08.07
Kaiser Chiefs, Evreux, 07.07.07
Kaiser Chiefs, Paris, 06.07.07
Kaiser Chiefs, London, 19.06.07
Kaiser Chiefs, Paris, 05.06.07
Kaiser Chiefs, Wuppertal, 05.02.07
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Mittwoch, 28. Januar 2009

Kaiser Chiefs, Paris, 27.01.09

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Konzert: Kaiser Chiefs

Ort: Olympia, Paris
Datum: 27.01.2009
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: ca. 75 Minuten



Die noch im Jahre 2005 wahnsinnig angesagten Britrockbands haben anno 2009 schwer zu kämpfen. Selbst Platzhirsche wie Maximo Park, Bloc Party und auch die heute auftretenden Kaiser Chiefs sind davon betroffen. Zumindest in Frankreich füllen sie keine großen Hallen mehr.

Maximo Park traf es hierbei am härtesten. Nach ihrem desaströs schlecht besuchten Konzert im Bataclan 2007 (der 1000 Personen Platz dienende Saal war maximalopark zur Hälfte ausgelastet) haben sie sich nie wieder in Paris blicken lassen und auch 2009 steht Frankreich nicht auf ihrer Tourneeplanung. Bloc Party spielen immerhin demnächst im ausverkauften Olympia, aber das hat mit circa. 2000 Plätzen nur 1/3 des Fassunsgvermögens des Zénith, wo Bloc Party Ende 2005 auftraten. Höchstwahrscheinlich wird die Band um Kele Okereke es nie wieder in den Zénith schaffen. Und die Kaiser Chiefs, die auch einmal in dieser großen Halle auf dem Gelände des Parc La Villete Nananananaa und Oh My God schmettern wollten, mussten ihre diesbezüglichen Ambitionen schnell begraben. Im Zénith angesetzt, wurde das Konzert aufgrund der dürftigen Nachfrage nach kurzer Zeit ins Olmypia verlegt. Kleinere Brötchen backen nennt man so etwas klassischerweise. Aber die können ja auch gut schmecken, vor allen Dingen den Zuschauern, die somit näher dran waren. Eine Enttäuschung für die Band und ihr Management, ein Gewinn für die Fans!

Nicht mit Euphorie, aber zumindest mit Vorfreude machte ich mich schließlich zusammen mit meiner Frau auf den Weg ins Olympia. Wir beide haben alle Konzerte der Kaiser Chiefs gemeinsam erlebt, inzwischen sind wir - wenn wir richtig gerechnet haben - bei Nummer 14 angekommen. Unvergesslich natürlich das allererste Konzert der Band aus Leeds in Paris! Im Mai 2005 fand es statt und zwar in der winzigen Boule Noire. Ich hatte meiner Süßen damals von den unvergleichlichen Livequalitäten der Engländer vorgeschwärmt, obwohl ich mein Wissen lediglich aus Berichten des britischen NME bezog. Sie war reichlich skeptisch, aber schon nach ein paar Liedern hatten es ihr Ricky, Peanut und die anderen Chiefs mächtig angetan. So euphorisch habe ich mein Schätzchen selten erlebt, sie ist ansonsten eher nüchtern und bricht eigentlich nur in Begeisterung aus, wenn sie die Pfoten unserers dicken Katers bewundert, oder schicke Schuhe in einem Schaufenster erspäht. Die Kaiser Chiefs waren von nun an ihre Band, worunter ich in der Folge irgendwann zu leiden hatte. Ich erinnere mich an einen gemeinsamen Urlaub, wo im Mietwagen 14 Tage lang Employment, das erste Album, rauf und runter lief. Mir hing es fast zum Halse raus...

Eine gewisse Nostalgie war also mit im Spiel, aber auch eine nicht zu leugnende Skepsis. Würde uns die Band,die uns schon so viel Vergnügen bereitet hatte, enttäuschen? War es nicht ein ausgeprochen schlechtes Zeichen, daß das neue Album Off With Their Heads nahezu ungehört wochenlang in unserer Wohnung Staub fing?

Andererseits: Ricky Wilson hatte uns noch nie enttäuscht! Eine Rampensau par excellence der es normalerweise schafft, auch die größten Schnarchnasen aufzuwecken und zum Mitmachen zu animieren!

Aber was war los? Die Band ließ unglaublich lange auf sich warten. Hörten sie etwa noch in der Kabine die Heavymetalband Panterra, ein Ritual das sie nach Pressberichten abhalten, um sich aufzuheizen? (Ricky hatte mal gesagt, daß man unmöglich Coldplay zur Einstimmung laufen lassen könne, dabei würde man glatt einschlafen). Es dauerte fast bis halb zehn, ungewöhnlich spät für Pariser Verhältnisse, bis die Helden einmarschierten. Chef Ricky wirkte dabei alles andere als frisch. War er damals noch in der Boule Noire mit einem gewaltigen Sprung ins Programm gestarte, schlich er heute geradezu auf die Bühne. Herr Wilson also ein zahnloser Tiger? - Nein, nicht ganz! Zwar war er schon einmal wilder drauf, aber selbst mit angezogener Handbremse ist er aktiver als die allermeisten seiner Kollegen. Und sein Bemühen, sein Bestes zu geben, war deutlich erkennbar, was auch vom Publikum honoriert wurde. Die Stimmung war dementsprechend gut und ausgelassen und dies obwohl die Kaiser Chiefs eigentlich nur ihr Standardprogramm abspulten. Die Setlist war mir schon aus Köln hinreichend bekannt, sie wurde auch in Paris in keinem Punkt abgewandelt. Everything Is Average Nowadays? Hinsichtlich der Variation ihrer live gespielten Lieder muss man diese Mittelmäßigkeit leider auch den Engländern vorwerfen! Aber egal, schließlich wollten die Kaiser Chiefs nie den Preis für die originellte, innovativste und abwechslunsgreichste Band der Welt gewinnen. Das überlassen sie lieber den Kollegen von Radiohead. Mit der Trübsal eines Thom Yorke können die Burschen ohnehin nichts anfangen, ihre Antwort auf tottraurige Songs wie Karma Police heißt Ruby. "Ruby, Ruby, Ruby!" Die Schlachtrufe der englischen Fans aus dem Konzert im Londoner Hyde Park 2007 habe ich heute noch in den Ohren! Da wird wohl niemals ein Publikum außerhalb von England rankommen, auch wenn sich die Pariser bei dem Hit wirklich Mühe beim Mitgrölen gaben. Bei dem späteren Good Days, Bad Days, das irgendwie dahinplätscherte fiel die Stimmung aber auch einmal kurzfristig ab. Das wollte Ricky Wilson keinesfalls zulassen, er griff jetzt in seine Animationstrickkiste! Kurzerhand hielt er ein Schild mit der Aufschrift: "nananananaa" in die Luft und schon hatte er wieder das Publikum im Griff, die Nummer zog sehr ordentlich. Bei The Modern Way durfte dann auch einmal Peanut das Lied einklatschen und Ricky kam plötzlich auf die Idee, daß man Verstärkung auf der Bühne brauche. Er zog ein kleines Mädchen aus dem Publikum nach oben, ließ sie mittanzen und machte sogar mit ihrer kleinen Kamera ein Erinnerungsfoto für sie, mit dem sie jetzt in der Schule mächtig angeben kann. Der Knoten war endlich geplatzt und auch ein nur mäßig euphorisch angenommenes Half The Truth konnte die Kaiser Chiefs jetzt mehr bremsen. Sie legten ein fulminantes Finale aufs Parkett, angeführt von dem besten Lied des neuen Albums Never Miss A Beat, gefolgt von dem immer noch nicht totgenudelten Klassiker I Predict A Riot, der ständig gespielten B-Seite Take My Temperature und beschlossen von dem gelungensten Lied des zweiten Albums, der Hymne The Angry Mob.

Der Saal tobte und die Helden ließen sich feiern. Der Zugabenteil wurde dann schließlich von zwei neuen Titeln bestritten, bevor mit Oh My God standesgemäß minutenlang abgerockt wurde.

Alles in allem ein grundsolides, ein gutes Konzert! Bands mit Livequalitäten, wie sie die Kaiser Chiefs zu bieten haben, wachsen auch in England nicht auf den Bäumen, was man sehr deutlich an der Vorgruppe sehen konnte!

Bevor ich deren Namen mit den vielen nananas im Mittelteil gelernt haben werde, sind die hoffentlich schon bald wieder in der Versenkung verschwunden! Schon erstaunlich, wer in England alles einen Plattenvertrag bekommt. Ist dieses shouten wirklich noch in? Die Blood Brothers haben das Gleiche vor Jahren schon einmal packender geboten, The Automatic hatten neben der Schreierei wenigstens 1-2 Hits zu bieten und Los Campesinos! 3 schöne Mädchen und das Glockenspiel dazu. All dies fehlte bei diesen Bananenkroyd, oder wie immer die auch hießen. Zum Glück gab es wenigstens eine recht niedliche Bassistin, die mir die Langweile, die trotz solcher Gimmicks wie des Einsatzes zweier Schlagzeuger, herrschte, ein wenig vertrieb. Erstaunlicherweise gab es aber wirklich auch Leute, die mit der Kapelle aus Schottland etwas anfangen konnten. Fabien, z.B., seines Zeichens Chefredakteur von Soundofviolence, der bekanntesten französischen Musikseite im Netz, die sich auschließlich auf englische Bands konzentriert, fand hinterher lobende Worte. Vielleicht auch deshalb, weil er wirklich gute experimentelle Bands wie z.B. Deerhoof in Amerika suchen müsste und über amerikanische Gruppen berichten die Leutchen von SOV nun einmal nicht...


Setlist Kaiser Chiefs, Olympia, Paris:

01: Spanish Metal
02: Everyday I Love You Less And Less
03: Everything Is Average Nowadays
04: Heat Dies Down
05: You Want History
06: Ruby
07: Thank You Very Much
08: Good Days Bad Days
09: Nananananaa
10: The Modern Way
11: Half The Truth
12: Never Miss A Beat
13: I Predict A Riot
14: Take My Temperature
15: The Angry Mob

16: Can't Say What I Mean
17: Oh My God

Anmerkung: Es wurden drei Titel als Zugabe geboten. Den fehlenden Song, der auf der getippten Liste nicht vermerkt war, werde ich nachtragen. Achso: Die Setlist war bis auf das I-Tüpfelchen mit der von Köln identisch. Ein bißchen mehr Abwechslung und Variation könnte nicht schaden!




Links:
- aus unserem Kaiser Chiefs Archiv:
- Kaiser Chiefs, Köln, 21.01.09
- Kaiser Chiefs, Paris, 28.08.08
- Kaiser Chiefs, Köln, 05.11.07
- Kaiser Chiefs, Offenbach, 02.11.07
- Kaiser Chiefs, Hohenfelden, 19.08.07
- Kaiser Chiefs, Evreux, 07.07.07
- Kaiser Chiefs, Paris, 06.07.07
- Kaiser Chiefs, London, 19.06.07
- Kaiser Chiefs, Paris, 05.06.07
- Kaiser Chiefs, Wuppertal, 05.02.07
- Kaiser Chiefs, Paris, 08.11.06
- Kaiser Chiefs, Offenbach, 07.03.06
- Kaiser Chiefs, Paris, 28.02.06

- Fotos von den Kaiser Chiefs. Klick!
- Fotos von der Atmosphäre und den Fans. Tolle Stimmung! Klick!

- Video Modern Way live, Paris Olympia 27/01/09 von meinem Kumpel Rockerparis.




Mittwoch, 21. Januar 2009

Kaiser Chiefs, Köln, 21.01.09

10 Kommentare

Konzert: Kaiser Chiefs (& Dananananaykroyd)

Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 21.01.2009
Zuschauer: nicht ausverkauft aber doch recht gut gefüllt
Dauer: Kaiser Chiefs knapp 75 min, Dananananaykroyd 30 min


Richtig fest eingeplant hatte ich die Kaiser Chiefs nicht. Besonders ist ein Konzert der Leeds Utd. Fans irgendwann nicht mehr, dafür habe ich sie zu oft gesehen. Aber
bisher war noch jedes ein großer Spaß, also hielt ich es für eine gute Idee, nach Köln zu fahren. Und dann war da noch meine Neugierde auf Dananananaykroyd, die schottische Vorgruppe. Von Dananananaykroyd kannte ich nur wenige Lieder, dafür aber den wichtigen Indieklatsch, daß nämlich Bassistin Laura mit Barry von den Futureheads verheiratet ist.

Als ich ankam, war die Live Musik Hall ziemlich leer, obwohl der Einlaß eine Stunde vorher begonnen hatte. Ursprünglich war das Konzert im Palladium angesetzt, diese Größe Hallen füllen die Chiefs leider nicht mehr. Sicher spielen da das wiklich weniger aufregende neue Album, die allgemeine Konzertkrise und die Tatsache, daß man sie einfach zu oft sehen konnte, eine Rolle. Und, daß der Veranstalter diesmal nicht "Ruby" auf die Plakate geklebt hat. Der Radiohit war aber trotzdem Hauptgrund
vieler, zu den Kaiser Chiefs zu gehen, das merkte man deutlich. Und für die sollte mit Dananananaykroyd eine harte Prüfung bevorstehen...

Die sehr jung aussehenden Glaswegians erschienen um Punkt acht, vor da vielleicht halbvoller Live Music Hall. Dananananaykroyd bestehen aus sechs Musikern, markant war vor allem, daß zwei Schlagzeuge aufgabaut waren. An einem saß ein hauptamtlicher Trommler, das andere nutzte einer der beiden Sänger. Sein Kollege, zwei Gitarristen und Laura Hyde komplettierten das Lineup.

Die beiden Sänger Calum Gunn und John Baillie Junior (der Schlagzeuger) schrieen meist, manche Passagen klangen gerappt. Mich erinnerte das Geschrei ein wenig an Lovvers, die mit Los Campesinos! und Sky Larkin gemeinsam auf Tour waren. Mich erinnern solche Bands
immer irgendwie an LC!, Dananananaykroyd waren dann aber so etwas wie schrammelige, laute, punkige, hardcorige Halbgeschwister der Waliser.

Neben dem Krach machten die Schotten allerdings noch
eine schrecklich sympathische Show! Nachdem Calum erst abklärte "how good is your English?", fragte er, ob wir wüßten, was ein cuddle sei. So was, wie ein hug. Und ob wir walls 0f death kennten, also das Aufeinanderpogen von Zuschauerreihen. Mit uns wollten sie lieber eine wall of cuddles machen. Das klappte auch ganz gut, in den ersten Reihen umarmten sich einige. Dafür, daß die Musik der Band geschätzte 90% der Besucher komplett verstörte, erzeugten die Schotten aber recht gute Stimmung. Das sollte aber erst später richtig deutlich werden, denn bei den Kaiser Chiefs war über weite Teile des Konzerts im Großteil des Saals andächtige Ruhe...

Nach 30 Minuten Auftritt, einem Kurzeinsatz des Tourmanagers (bzw. eines Roadies, so ganz sicher bin ich mir da nicht) Scott am Schlagzeug und einer der schönsten Ansagen der letzten Zeit ("you are great, so are we! The next song is called "You are great, so are we") waren
Dananananaykroyd um halb neun durch. Es war sehr unterhaltsam, mir aber live musikalisch zu schrammelig und manchmal zu AC/DCesque. Aber auf Platte werde ich sie mir ganz sicher anhören, denn das, was ich kenne, gefiel mir schon gut.

Bei den Kaiser Chiefs wußte ich im Anschluß genau, was mich erwartete. Neu waren erst einmal Nuancen: die farbliche Umrandung der hinteren Bühnenteile (im Design der neuen Platte), die Keyboards von Peanut (weiß, sehr stylish und blau beleuchtet). Sonst aber viel Vertrautes, auch die scheußliche Musik unmittelbar vor der Band. Vor
ein paar Jahren lief da regelmäßig Money for nothing, heute war es ähnlich fies.

Im Gegensatz zu vielen im Publikum wirkte die Band nicht lustlos, zumindest verdeckte sie zu viel Routine professionell. Wobei außer Ricky Wilson alle ohnehin recht ruhig agieren, der Frontmann das aber mit Ausflügen, Gerenne und ähnlichem locker wettmacht. Seine Stimme hörte sich aber angeschlagen, nämlich ziemlich heiser an. Bei Singen fiel das nicht richtig auf, bei seinen Ansagen schon. Furchtbar viele davon gab es aber
nicht, oft wurden die Lieder ohne viel Pause nacheinander losgespielt. Nach dem obligatorischen "Wir sind Kaiser Chiefs" brüllte jemand "Speak English" zurück. Das - und ein lautes Gurgeln des Sängers nach You want history waren aber auch schon die größten Ereignisse der ersten Konzerthälfte.

Trotz der vielen Engländer in der Live Music Hall war die Stimmung sehr mau. Der Saal war doch noch recht voll geworden, ihre Laune hatten die meisten aber offenbar an der Garderobe gelassen. Getanzt und gesungen wurde eigentlich nur in den ersten 10, 12 Reihen. Ruby stellte natürlich eine Ausnahme dar. Klar, kennt man ja aus dem
Radio. Am besten aus dem ersten Konzertteil gefiel mir Thank you very much, so gut hatte ich das noch nicht erlebt, zumindest war es mir nicht als so toll aufgefallen.

Egal, was Ricky machte, der Funken sprang nicht über. Und er gab wie üblich alles, lief zum Publikum, crowdsurfte, trat das Mikro durch die Gegend. Neben dem Actionkrams hatte ich aber zwei andere Ricky-Lieblingsszenen: irgendwann trank er wieder einmal einen Schluck aus einem Pappbecher, verzog angeekelt das Gesicht, um mit Bier nachzuspülen... Beim musikalischen Highlight
Take my temperature stand Ricky während eines langen Instrumentalparts, interessiert am Bühnenrand und beobachtete seine Kollegen. Leider verpuffte das Lied komplett, es schien kaum jemand zu kennen bzw. zu mögen.

Nach Angry mob war Schluß, es folgten Can't say what I mean und Oh my god als Zugaben. Die neuen Sachen begeisterten mich auch live nicht richtig. Never miss a beat ist gut, Half the truth und Spanish metal waren in Ordnung. Aber das Konzert lebte von den Hits der ersten beiden Platten (und da gibt es ja keine Ausfälle).

Oh my god war dann das traurige Ende. Traurig deshalb, weil niemand bei diesem Riesenhit mitging. Traurig, traurig. Alle Versuche des Frontmanns, uns zum Mitsingen zu bewegen, scheiterten kläglich (es sang wirklich niemand mit!).
Sicherlich frustriert schmiß Ricky sein Mikro (am langen Mitlaufkabel) über einen Träger am Hallendach. Und da hing es dann und wartete darauf, daß jemand sang. Machte aber keiner. Zumindest die Roadies und Techniker hatten später ihren Spaß, denn die versuchten verzweifelt, das Ding wieder zurückzubekommen.

Band solide - erstaunlich für die Umstände - Publikum dröge. Aber trotzdem kein verschwendeter Abend, weil auch solide Kaiser Chiefs mir viel Freude bereiten können.

Setlist Kaiser Chiefs, Live Music Hall, Köln:

01: Spanish metal
02: Everyday I love you less and less
03: Everything is average nowadays
04: Heat dies down
05: You want history
06: Ruby
07: Thank you very much
08: Good days bad days
09: Na na na na naa
10: Modern way
11: Half the truth
12: Never miss a beat
13: I predict a riot
14: Take my temperature
15: The angry mob

16: Can't say what I mean (Z)
17: Oh my god (Z)

Bilder folgen!

Links:

- aus unserem Kaiser Chiefs Archiv:
- Kaiser Chiefs, Paris, 28.08.08
- Kaiser Chiefs, Köln, 05.11.07
- Kaiser Chiefs, Offenbach, 02.11.07
- Kaiser Chiefs, Hohenfelden, 19.08.07
- Kaiser Chiefs, Evreux, 07.07.07
- Kaiser Chiefs, Paris, 06.07.07
- Kaiser Chiefs, London, 19.06.07
- Kaiser Chiefs, Paris, 05.06.07
- Kaiser Chiefs, Wuppertal, 05.02.07
- Kaiser Chiefs, Paris, 08.11.06
- Kaiser Chiefs, Offenbach, 07.03.06
- Kaiser Chiefs, Paris, 28.02.06
- (mehr) Fotos aus der Live Music Hall




Samstag, 30. August 2008

Kaiser Chiefs, Rock en Seine, 28.08.08

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Konzert: Kaiser Chiefs
Ort: Domaine National de Saint Cloud bei Paris, Festival Rock en Seine 2008
Datum: 28.08.2008
Zuschauer: tausende
Konzertdauer: eine knappe Stunde



Ricky Wilson ist schon ein Teufelskerl! Der Sänger der Kaiser Chiefs kommt mit getaptem Knöchel auf die Bühne, ist sichtlich angeschlagen und gibt trotzdem 100 %, was seine hohen Sprünge eindrucksvoll belegen. Auch ließ er es sich erneut nicht nehmen, die Bühne als Klettergerüst zu benutzen. Eigentlich war es aber "Whitey's" Jubeltag. Andrew White, der zottelhaarige Gitarrist der Band, hatte nämlich Geburtstag und Ricky animierte das Publikum in gewohnter Art und Weise, damit das Geburtstagskind auch sein verdientes Ständchen bekam. Witzig in diesem Zusammenhang: Der Tourmanager der Band kam auf die Bühne, um bei dem neuen Lied You Want History Tambourin zu spielen. Als das Publikum aber applaudieren wollte, um "das neue Bandmitglied" artig zu begrüßen, schrie Ricky: "It's not his birthday, it's Whitey's birthday!" Um der Sache noch mehr Nachdruck zu verleihen, zeigte er abwechselnd auf Whitey und den Tourmanager. "It's his birthday!" (Ricky zeigt auf Whitey) - Das Publikum jubelt.... "It's not his birthday!" (der Sänger zeigt auf den Tourmanager) - das Publikum buht...

Typisch Ricky! Wie immer zu Scherzen aufgelegt, dafür lieben wir ihn beim Konzerttagebuch! Und auch die gespielten Songs konnten wieder einmal überzeugen, die Stimmung im Publikum hätte kaum besser sein können, auch wenn der Enthusiasmus bei weitem nicht englische Ausmaße annahm. Besonders positiv fiel mir die neue Single Never Miss A Beat auf, die sich auf Anhieb in meinen Gehörgang bohrte und mit Sicherheit Chancen auf hohe Chartplatzierungen hat, zumindest auf der musikverrückten Insel.

Weitere Neulinge waren Half The Truth, das mit den Songzeilen "Take my money" und "Will I lie to you" aufwartete und das angesprochene You Want History, das aber einen Tick schwächer war.

In Verbindung mit den Klassikern Ruby, I Predict A Riot und dem finalen Knüller Oh My God ergab das Ganze einen wieder einmal gelungenen Festivalauftritt und die Erkenntnis, dass mich die Kaiser Chiefs auch nach dem dreizehnten Konzert noch keineswegs langweilen. Und wer behauptet, die seien schlecht, hat keine Ahnung. Wenn wir vom Konzerttagebuch sagen, dass die gut sind, dann sind die auch gut. So!

Setlist Kaiser Chiefs, Festival Rock en Seine 2008:

01: Everyday I Love You Less And Less
02: Everything Is Average Nowadays
03: The Heat Dies Down
04: Never Miss A Beat (neu)
05: Ruby
06: Modern Way
07: Half The Truth (neu)
08: Na Na Na Na Na
09: I Predict A Riot
10: You Want History (neu)
11: The Angry Mob
12: Take My Temperature
13: Oh My God


Links:

- aus unserem Archiv:
-Kaiser Chiefs, Paris, 28.08.08
-Kaiser Chiefs, Köln, 05.11.07
-Kaiser Chiefs, Offenbach, 02.11.07
-Kaiser Chiefs, Hohenfelden, 19.08.07
-Kaiser Chiefs, Evreux, 07.07.07
-Kaiser Chiefs, Paris, 06.07.07
-Kaiser Chiefs, London, 19.06.07
-Kaiser Chiefs, Paris, 05.06.07
-Kaiser Chiefs, Wuppertal, 05.02.07
-Kaiser Chiefs, Paris, 08.11.06
-Kaiser Chiefs, Offenbach, 07.03.06
-Kaiser Chiefs, Paris, 28.02.06
- mehr Fotos von den Kaiser Chiefs




Dienstag, 6. November 2007

Kaiser Chiefs, Köln, 05.11.07

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Konzert: Kaiser Chiefs

Ort: E-Werk Köln
Datum: 05.11.2007
Zuschauer: fast ausverkauft


Was ist bloß mit dem Kölner Indie-Publikum los? Erst waren Art Brut schon immer kleiner verlegt worden, dann waren bei Lucky Soul ganz wenige Aufrechte und jetzt auch die Kaiser Chiefs vom riesigen Palladium verschoben ins kleinere (und für die Kaiser Chiefs doch eigentlich viel zu kleine E-Werk). Natürlich ist das E-Werk viel viel schöner, als großer Freund der Band aus Leeds tut es mir aber in der Seele weh, daß die Chiefs trotz all der "Ruby, Ruby, Ruby!" Plakate und trotz der Radiorotation in Köln nicht mehr angenommen werden. Dabei ist das letzte Konzert der Band im Rheinland eine Weile her (wenn man Rock am Ring ausklammert).

Alleine schon, weil so etwas der Band nichts auszumachen scheint, und weil Ricky
bisher immer gut gelaunt auf die Bühne kam, lohnt es sich, die Band auch ein paar Tage nach meinem letzten Konzert in Offenbach wieder anzusehen.

Zunächst aber gab es wieder das sehr gelungene Rahmenprogramm. Erste Band des Abends waren die blutjungen Jakobinarina aus Island. Mir gefällt der punkige Sound der Gruppe sehr gut, er (der Sound) kam aber offenbar in Köln weniger gut an als in Offenbach am Freitag. Die sechs Isländer spielten das gleiche Set wie beim letzten Mal, darunter ihre Singles "
This is an advertisement", "Jesus" und "His lyrics are disastrous". Ich hatte den Eindruck, daß die Band, vor allem Sänger Gunnar auch merkten, daß sie irgendwie gegen eine stille Wand anspielten. Trotzdem spielten sie ihren Auftritt sehr souverän durch, obwohl einige der Bandmitglieder eben erst 16 sind. Erstaunlich, wie "erwachsen" ihre Musik trotzdem klingt. Gitarrist Hallberg Daði Hallbergsson, den ich vorher gesprochen habe, sagte mir, daß sie das schon öfter gehört hätten. Niemand könne sich vorstellen, daß sie alle so jung seien.

Bei einem Lied rannten Sänger Gunnar und Keyboarder Ágúst wie von der Tarantel
gestochen ins Publikum und sangen und tanzten da weiter. Endlich kam dann auch Stimmung im Saal auf. Aber ich will das dem Publikum um Gottes Willen nicht vorwerfen, Jakobinarina (und eigentlich auch die Silversun Pickups) machen eben schon eine weniger mainstreamige Musik, die für die Leute, die die Kaiser Chiefs aus dem Radio kennen (und für die sie das punkige Ende ihres Musikspektrums sind), können ganz sicher nichts mit einer Band anfangen, die manchmal nach der Gang of Four klingt. Für wen die Kaiser Chiefs das Pop-Ende ihres Horizonts sind, war das sicher was.

Nach einer knackigen (und sehr knappen) halben Stunde waren die sechs Jungs schon fertig. Als Gunnar (der wirklich prima Deutsch spricht) schon weg war, machten die anderen noch etwas Krach und verließen die riesige E-Werk-Bühne.

Setlist Jakobinarina E-Werk Köln:

01: Riding
02: This is an advertisement
03: Jesus
04: 17
05: Nice guys don't play good music
06: His lyrics are disastrous
07: Sleeping in Seattle
08: I'm a villain
09: So, spit me in the eye

Band zwei waren wie gehabt die Silversun Pickups aus Los Angeles. Mir gefällt die Musik der vier Kalifornier immer besser. Wie schon beim ersten Mal live erinnert mich die Stimme des sympathischen Sängers sehr an die des Ash-Frontmanns. Brian und seine drei Kollegen, vor allem Bassistin Nikki, wirken, als hätten sie ganz furchtbar viel Spaß bei dem, was sie tun. Brian betonte ein paarmal, wie "fucking amazing" wir seien. Die Stimmung war auch eine ganze Ecke besser als bei Jakobinarina.

Mein Liebling aus dem Set der Amerikaner ist "Common reactor", der Schlußsong. Wobei das eigentlich vollkommener Unsinn ist, weil alle sechs Lieder echte Hits sind. Vier der sechs Stücke sind Singles der Band aus den Jahren 2006 und 2007. Daran, daß sie nur sechs Lieder spielten, kan man ablesen, daß die Songs von Silversun Pickups länger und komplexer als die kurzen und knackigen Punk-Pop Lieder von Jakobinarina sind.

Die Kaiser Chiefs haben ein gutes Händchen bewiesen bei der Auswahl des Supports, zumindest für mich, denn mich haben beide Vorgruppen vollkommen überzeugt!

Setlist Silversun Pickups E-Werk Köln:

01: Well thought out twinkles
02: Dream at tempo 119
03: Little lover's so polite
04: Future foe scenarios
05: Lazy eye
06: Common reactor

Als dann um 21.45 Uhr Kaiser Chiefs Zeit war, hatte sich das E-Werk zumindest so weit gefüllt, daß es einigermaßen ausverkauft aussah. Auch auf der Empore standen Leute. Aber ich glaube wirklich, daß die Jungs aus Leeds auch vor halbvollem Haus Spaß gehabt hätten. Ich nehme ihnen vollkommen ab, daß die gute Laune nicht bloß gespielt ist. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß ihnen ein Konzert wie das von Maximo Park im Palladium unterlaufen könnte.

Um mich rum standen enorm viele Engländer, was ja in Köln ein Garant für gute Stimmung ist (und dafür, daß nicht bloß bei "Ruby" mitgesungen wird). Am seitlichen Rand der Bühne hatte sich Nikki von den Silversun
Pickups aufgebaut und machte während des Konzerts eifrig Fotos.

Das Programm war exakt das gleiche wie das in Offenbach. Da hatte auf der Setlist noch "Version 1" gestanden, vielleicht wechseln sie ab und in Berlin wurde eine andere gespielt. Aber letztlich ist es mir bei den Kaiser Chiefs (oder Art Brut) auch egal, wenn da wenig Kreativität in der Setlist steht. Bei den
Konzerten kommt der Spaß aus anderen Aspekten als aus Überraschungen.

Musikalisch war es also weitestgehend gleich, anders waren die kleinen Dinge am Rande. Ricky hatte offenbar so viel Spaß in Köln, daß er zigmal während des Singens lachen mußte. Die Gründe habe ich leider nicht mitbekommen, es wirkte aber herrlich!

Er hatte sein Deutsch seit Freitag auch drastisch verbessert und versuchte sich ein paarmal in Landessprache. Mit wechselhaftem Erfolg...

Peanut trug wieder mal ein Hütchen (und das Hemd von Offenbach, davon hat er
aber sicher ganz viele!). Dafür durfte (oder mußte) er "Modern Way" nicht anklatschen. Er stand bloß kurz vorne, ging dann aber wieder zu seinen Keyboards mit Klavier- bzw. Orgelverkleidung zurück. Übrigens gibt es bei dieser Tour nicht mehr den KC Schriftzug im Bühnenhintergrund, den sie zumindest im Sommer noch dabei hatten.

Ricky stand oft und lang auf den Absperrgittern und sang von da. Irgendwann war er aber verschwunden... Alle Welt sah plötzlich nach oben und ganau da, nämlich auf dem Balkon sang der Frontmann weiter. Er lief dann noich weiter über die Empore, um
dann über die Treppe wieder nach unten zu rasen. Die hatte er auf dem Hinweg nicht genommen, das hätte ich gemerkt, denn auf dem Rückweg lief er direkt neben mir vorbei wieder auf die Bühne.

Fast (aber nur fast) wäre Köln ein Kaiser Chiefs Konzert ohne Crowdsurfer gewesen. Nicht, daß ich das mag, das
Fehlen der Leute wäre aber auch ein Index für sehr mäßige Stimmung gewesen. Zwei habe ich immerhin gezählt.

Nach 65 Minuten (und "Angry mob") endete das Konzert, bevor mit dem wundervollen "
Love's not a competition" und natürlich "OMG" die beiden aktuellen Zugaben kamen. "Oh my god" brüllten dann endlich alle mit, bis in die hinterste Ecke des wieder so großartigen E-Werks. Bitte, bitte, bitte, laßt da häufiger Konzerte stattfinden!

Setlist Kaiser Chiefs E-Werk Köln:

01: Everything is average nowadays
02: Everyday I love you less and less
03: Heat dies down
04: Born to be a dancer
05: Ruby
06: I can do it without you
07: Modern way
08: Highroyds
09: Retirement
10: Thank you very much
11: Na na na na naa
12: I predict a riot
13: Take my temperature
14: The angry mob

15: Love's not a competition (Z)
16: Oh my god (Z)

Links:

- Kaiser Chiefs in:
- Paris 2006
- Wuppertal 2007
- Paris (Olympia) 2007
- London (Wireless Festival) 2007
- Paris 2007 (Solidays)
- beim Highfield Festival 2007
- Offenbach (02.11.07)

- mehr Fotos aus Köln
- mehr Fotos vom Konzert in Offenbach



Samstag, 3. November 2007

Kaiser Chiefs, Offenbach, 02.11.07

8 Kommentare

Konzert: Kaiser Chiefs

Ort: Stadthalle Offenbach
Datum: 02.11.2007
Zuschauer: nicht ausverkauft, aber recht gut gefüllt


Wie paßt das eigentlich zusammen, daß wir bei Meinzuhause. Mein Blog., die oft über Bands wie Malajube, CocoRosie, Bat for Lashes oder Interpol schreiben, mit Abstand am häufigsten zu den Kaiser Chiefs gehen? Zu Kirmesmusik, bei der jeder sich ernst nehmende Kritiker die Nase rümpft? Zu einer Band, deren Texte oft aus "La la la"- oder "Na na na"-Passagen bestehen? Nun, Kaiser Chiefs Konzerte machen einfach höllisch viel Spaß, Kirmes hin oder her. Der letzte Auftritt der Band, den ich gesehen habe, war im Sommer in London beim Wireless Festival. Die Kaiser Chiefs waren da Headliner eines Tags, der mit fast schon zu vielen grandiosen britischen Bands besetzt war (die Editors, The Twang, die Cribs, Pigeon Detectives, Rakes, Los Campesinos!, Mumm-Ra oder die Good Shoes). Trotz der Reizüberflutung war der Abschluß des Abends, vor allem "Ruby", von 20.000 Menschen mitten in London gesungen, ein einmaliges Erlebnis. Mein Woodstock... (schade, daß hier keine Alt-Hippies lesen, ich sähe jetzt gerne entsetzte und angeekelte Blicke).

Daß jedes folgende Konzert des Band aus Leeds dagegen nicht ankommen kann, ist mir bewußt, das versaut mir aber nicht die Lust, die Kaiser Chiefs wieder zu sehen.
Mein erstes richtiges Hallenkonzert von Ricky & Co. 2007 sollte in der Stadthalle in Offenbach stattfinden. Da hatte ich sie vor anderthalb Jahren schon einmal gesehen, hatte die Halle aber viel größer in Erinnerung. Vermutlich hat jede Taunusgemeinde eine eindrucksvollere Mehrzweckhalle, der Saal in Offenbach ist wirklich nicht das, was man sich für eine Band vorstellt, die in England eben vor zigtausend Zuschauern spielt. Was sich nicht unterscheidet bei Konzerten in ihrer Heimat und im Ausland, sind die Vorgruppen. Die Kaiser Chiefs bringen grundsätzlich zwei zusätzliche Bands mit. Bei den Deutschland Terminen sind das Jakobinarina aus Island und die Silversun Pickups aus den USA.

Jakobinarina (solche Namen kann man sich auch nur in einsamen isländischen Nächten ausdenken) sollten die erste Band des Abends sein. Das Album der Band "The first Crusade" hat mich sehr neugierig gemacht, weil ihr Stil zwar an Bands wie
die Maccabees erinnert aber doch etwas Eigenes hat. Ähnlich wie The Enemy sind die Mitglieder von Jakobinarina blutjung (16 bis 20), klingen und wirken aber überhaupt nicht jung, unsicher oder unprofessionell. Ihr Set begann die Gruppe aus Hafnarfjörður mit dem Instrumentalstück "Riding". Sänger Gunnar Bergmann kam erst zum zweiten Stück "This is an advertisement" auf die Bühne und komplettierte damit seine Band. Daneben gehören Hallberg Daði Hallbergsson, ein Gitarrist mit sehr lustiger Bruder Tuck Frisur, Schlagzeuger Sigurður Möller Sívertsen, Bassist Björgvin Ingi Pétursson, der die zweitkleinste Jeans trug, die ich je gesehen habe, Keyboarder Ágúst Fannar Ásgeirsson und Gitarrist Heimir Gestur Valdimarsson (mit einer kleineren Jeans) zu Jakobinarina. Nach dem Hören der CD war sich überzeugt, daß die Musik nichts für die Leute wäre, die zu den Kaiser Chiefs gehen, weil sie "Ruby" aus dem Radio kennen. Das täuschte aber. Vielleicht lag das daran, daß es nicht so laut und punkig war, wie ich das erwartet hatte, die Stimmung war jedenfalls auch bei den Isländern schon prima. Mich mußten Gunnar und Band nicht mehr überzeugen - aber sie taten es kräftig. Jakobinarina ist eine hoch interessante Band, die so gar nichts mit den üblichen Vorstellungen, die man von isländischer Musik hat, gemein hat. Gunnar spricht fließend und akzentfrei Deutsch und wirkte wahnsinnig sympathisch. Damit widersprach er einem ihrer Lieder, wonach nette Jungs keine gute Musik machen. Aber wenn das stimmt, wirkte er wahrscheinlich eben nur nett und ist in Wahrheit ein gräßlicher Mensch...

Nach einem Ausflug von Gunnar und
Ágúst Fannar ins Publikum und neun Liedern, war der Auftritt der Isländer leider beendet.

Setlist Jakobinarina Stadthalle Offenbach:

01: Riding
02: This is an advertisement
03: Jesus
04: 17
05: Nice guys don't play good music
06: His lyrics are disastrous
07: Sleeping in Seattle
08: I'm a villain
09: So, spit me in the eye

Danach wurde die freudige Konzertstimmung erst einmal dadurch gestört, daß der vermutlich größte (und langhaarigste) deutsche Fan der Silversun Pickups mit jedem in meiner Nähe diskutierte, daß er gerne seinen Platz einnehmen würde, weil er ja wegen der Kalifornier da wäre ("Tschuldigung, wieso bist Du denn hier?" "?" "Wegen welcher Band bist Du da?" "Wegen der drei Bands" "Und welche interessiert Dich am meisten?" "Alle drei" "Du kennst Silversun Pickups?" "Ja"). Er erreichte damit nicht das, was er wollte, bei niemandem, und konnte daher nur in der zweiten Reihe headbangen. Als die vierköpfige Band aus Los Angeles auf die Bühne kam, ging Fan Nummer eins ab, wie eine Elfjährige bei Tokio Hotel. Das entging der Band auch nicht, Bassistin Nikki Monninger grinste während des ganzen Konzerts vor sich hin. Als Sänger Brian Aubert den Anhänger entdeckte, (das war nicht weiter schwer), brüllte der, daß er die Silversun Pickups in San Francisco gesehen habe. "You were there? Fuck you!" Die Super Nanny hätte in einer vergleichbaren Situation sicher dazu geraten, zu deeskalieren, Familie Headbanger kam so aufgemuntert jetzt richtig in Fahrt und sorgte für viele verstörte Blicke, der hauptsächlich jungen und weiblichen Zuschauer außenrum. Auch wenn bei einem "echten" Konzert der Amerikaner vielleicht mehr "wilde" Fans sind, werde ich mir die Silversun Pickups ganz sicher noch einmal ansehen wollen (nicht nur Montag in Köln), denn ihre Musik ist fantastisch. Es ist nicht neu, was sie machen. Viele Referenzen liegen klar auf der Hand, die Smashing Pumpkins z.B., mit denen sie oft verglichen werden. Mich erinnerte vor allem Brians Stimme an Tim Wheeler von Ash, auch die Lieder könnten zum Teil von Ash (mit Charlotte Hatherley) stammen. Auch die Subways sind nicht furchtbar weit weg von SSPU.

Ganz unamerikanisch hatte sich Brian offenbar über den Ort, an dem sie auftreten
informiert. Ihm war bekannt, daß es zwischen Offenbach und Frankfurt gewisse Differenzen gibt. Er fragte daher mehrfach, ob wir denn aus "Fränkfurt" oder "Awfullbäck" seien.

Die vier Musiker (Keyboarder und Schlagzeuger komplettieren die Gruppe) spielten nur sechs Lieder, vermutlich alle vom 2006 erschienenen Album "Carnavas". Auch wenn es stilistisch auch nicht hundertprozentig zu den Kaiser Chiefs paßte, war auch dieses Appetitanreger-Konzert großartig! Die Turnhalle war auch mittlerweile etwas voller, die Tribünen am hinteren Ende des Saals waren aber ohnehin zum Teil mit Vorhängen deaktiviert worden, die Kaiser Chiefs scheinen sich leider schlechter zu verkaufen, als das zu erwarten war. Auch in Köln wurde das Konzert vom Palladium ins E-Werk verlegt, aus ästhetischen Gründen perfekt, für die Band sehr schade!

Setlist Silversun Pickups Stadthalle Offenbach:

01: Well thought out twinkles
02: Common reactor
03: Little lover's so polite
04: Future foe scenarios
05: Lazy eye
06: ?

Da der Großteil des Bühnenaufbaus schon vorher stattgefunden hatte und die Podeste für Schlagzeug und Peanut fertig hinter einem Vorhang warteten, dauerte der Umbau nach den Silbersun Pickups (die übrigens nach einem Schnapsladen in LA benannt sein sollen, eine schöne Idee, ich freue mich jetzt schon auf eine Band "Trinkhalle" aus Frankfurt, vermutlich gibt es die aber schon).

Der Trennvorhang fiel pünktlich um zehn, die Kaiser Chiefs betraten die Bühne un
d das einstündige Mitsingen konnte beginnen. Überraschend sind die Auftritte der Band aus Leeds irgendwann nicht mehr, darum geht es aber mir auch nicht. Die aktuelle Setlist enthält nichts, was man nicht schon einmal live hätte sehen können. "Take my temperature" von der "Oh my God" EP ist seit diesem Jahr fest im Programm. Der Rest stammt von den beiden Alben und bildet damit ein sicheres Programm, das die Stimmung permanent hoch hält. Neu war für mich der Beginn mit "Everything is average nowadays".

Egal wie oft die Band dieses Programm spielt, es wirkte auf mich nicht so, als sei da kein Spaß mehr vorhanden. Anders als bei Maximo Park in Köln, bei ersten Konzert in Deutschland nach einigen Shows in England, als man vor allem Paul Smith anmerkte, daß da Routine abgespult wurde, schien es den Leedsern nichts
auszumachen, jetzt in einer Dorfgemeinschaftshalle zu spielen und eben nicht in der Manchester Evening News Arena. Ob es Koketterie war oder Zeichen ihrer Bodenständigkeit, Ricky berichtete, sie hätten ihren Day-off in "Offenbäck" verbracht, im Café gesessen, sich Schuhläden angesehen und Nick hätte sich ein Fahrrad gekauft. Das stellte Ricky dann auch irgendwann auf die Bühne. Schwer vorstellbar, daß sich eine Amy Winehouse beispielsweise irgendetwas Nützliches (und Normales) in einer Deutschen Tourneestadt gekauft hätte...

Da Ricky nicht richtig klettern konnte - dafür fehlten
schließlich die Gerüsttürme am Bühnenrand, schnappte er sich einen Security-Mann, hielt sich bei ihm fest und balancierte einmal von rechts nach links über das Absperrgitter zwischen Publikum und Fotograben.

Natürlich sollte auch Peanut wieder "Modern way" einklatschen und wurde dabei von Schlagzeuger Nick gefragt, wie viele Lieder er heute singe, worauf er "none"
antwortete. Das Publikum brüllte allerdings "sing, sing, sing", was Peanut sichtlich verunsicherte. Seine Bandkollegen ließen ihn auch zappeln und warteten mit dem Anzählen des nächsten Lieds extra lang...

"The angry mob" war Abschlußlied des Hauptteils. Spätestens dabei war das Publikum dann auch endgültig in Angry-Mob-Stimmung, denn es wurde da kräftig gepogt. Als die Kaiser Chiefs dann verschwunden waren, fingen irgendwelche Leute an, "Seven nation army" zu singen (schreckliche Unsitte). Ricky
reagierte dann, als sie wieder auf die Bühne kamen, souverän und sang ein paar Takte des zum Fußball-Liedchen verkommenen Lieds.

"Oh my god" war wie immer der Abschlußsong eines recht kurzen aber sehr knackigen Konzerts. Und ich freue mich schon auf Montag und auf das nächste Mal. Und ich wünsche manch einem schlechtgelaunten Visions*redakteur ab und zu mal ein Kirmesmusikkonzert, um nicht nur Weltschmerz-Musik hören zu müssen.

Setlist Kaiser Chiefs Stadthalle Offenbach:

01: Everything is average nowadays
02: Everyday I love you less and less
03: Heat dies down
04: Born to be a dancer
05: Ruby
06: I can do it without you
07: Modern way
08: Highroyds
09: Retirement
10: Thank you very much
11: Na na na na naa
12: I predict a riot
13: Take my temperature
14: The angry mob

15: Love's not a competition (Z)
16: Oh my god (Z)

Links:

- Kaiser Chiefs in:
- Paris 2006
- Wuppertal 2007
- Paris (Olympia) 2007
- London (Wireless Festival) 2007
- Paris 2007 (Solidays)
- beim Highfield Festival 2007
- mehr Fotos vom Konzert in Offenbach

* nur ein Beispiel...



 

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