Sonntag, 23. Juni 2024

The Cardigans & Shout Out Louds, Mannheim, 22.06.24

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Konzert: The Cardigans & Shout Out Louds
Ort: Maimarktgelände Mannheim (Zeltfestival Rhein-Neckar)
Datum: 22.06.2024
Dauer: The Cardigans 90 min, Shout Out Louds knapp 65 min
Zuschauer: rund 1.800



Sollte ich irgendwann größenwahnsinnig werden und ein Buch über mein Leben schreiben, wird es "A life more or less ordinary" nach dem fast gleichnamigen Film mit Cameron Diaz und Ewan McGregor heißen, das steht schon ewig fest. A life less ordinary erschien 1997 und war (damals) fantastisch. Da ich ihn seit mindestens 20 Jahren nicht gesehen habe, erinnere ich mich an wenig und weiß nicht, wie gut er gealtert ist. Ich erinnere mich aber an die Musik, an den Titelsong von Ash und an die Cardigans.

Da ich in den 90er Jahren kaum Konzerte gesehen habe, hatte ich mir nie Hoffnungen gemacht, die Cardigans irgendwann einmal live zu sehen. Am nächsten kam ich dem vor einigen Jahren, als Nina Perssons Seitenprojekt A Camp in Köln spielte. Was für ein Glücksgriff, dass das Team des Maifeld Derbys in Mannheim die Schweden für ihre Zugaberunde, das Zeltfestival Rhein-Neckar buchten! Mein Glück komplett machte die Bestätigung der Shout Out Louds.


Im April waren die Shout Out Louds Headliner unseres Cologne Popfests. Dort spielten sie ihr wundervolles erstes Album Howl Howl Gaff Gaff komplett. Wir hatten schon vor Jahren versucht, die Band fürs Popfest zu buchen, waren aber auch schon da größenwahnsinnig ( -> A life more or less ordinary...). Als wir es für 2024 versuchten, war das trotz des größeren Saals auch erst noch vollkommen unrealistisch. Unsere Anfrage hatte die Band aber auf die Idee gebracht, eine kleine Jubiläumstour zur ersten Platte zu machen. Wir waren wieder im Spiel. Bis zum Popfest-Freitag mussten wir uns unzählige Male kneifen, ob die Band wirklich auf unserer Bühne stehen würde. Das Popfest-Konzert war wohl toll, ich aber viel zu hibbelig, um davon etwas mitzubekommen. Wie gut, dass es das Maifeld-Derby in Mannheim gibt!


Die erste Band des Abends, Telquist aus München, hatte ich verpasst. Mein Programm begann mit den Shout Out Louds aber auch schon um 18:30 Uhr. Anders als in Köln war nicht mehr der ursprüngliche Schlagzeuger der Band mit dabei. Für die ersten Termine wurde Eric Edman reaktiviert, diesmal war ein anderer Musiker dabei. Auch Keyboarderin Bebban Stenborg fehlte. Ihren Job übernahm Jennie Abrahamson (die 2012 bis 2014 Peter Gabriel auf dessen Welttour supportet hatte). 


Gleich war der Aufbau des Konzerts: im Mittelpunkt stand Howl Howl Gaff Gaff - von The comeback bis Seagull, gefolgt von den beiden späteren Hits Impossible und Tonight I have to leave it

Die Shout Out Louds schienen großen Spaß zu haben. Natürlich merkten sie auch, daß sie nicht bloß Vorgruppe waren. Überall wurde mitgesungen, in den ersten Reihen Konfetti geschmissen (Du hast nicht gekehrt, Jochen!). Hinterher war der Merchstand geplündert, die Platte ausverkauft. 

Puh, jetzt weiß ich noch mehr, was ich beim Popfest verpasst habe. Was für eine tolle Band (wusste ich vorher) und was für eine toll gealterte Platte (auch)!

Setlist Shout Out Louds, Zeltfestival Rhein-Neckar, Mannheim:

01: The comeback
02: Very loud
03: Oh, sweetheart
04: A track and a train
05: Go sadness
06: Please please please
07: 100°
08: There's nothing
09: Hurry up let's go
10: Shut your eyes
11: Seagull

12: Impossible
13: Tonight I have to leave it


Rund ums Zirkuszelt gab es die Ess-, Waffel- und Getränkestände vom Maifeld Derby, perfekt! Auch der Zeitplan war gut durchdacht. Weil das Konzert der Cardigans das einzige in Deutschland war, reisten dafür natürlich Leute weit an. Denen noch die Chance zu bieten, zeitig wegzukommen, ist eine von so vielen Annehmlichkeiten, die belegen, dass die Derby-Macher um Timo Kumpf es ihren Gästen angenehm machen wollen. In Deutschland ja leider alles andere als Standard.


Die Cardigans kamen um kurz nach acht auf die Bühne. Ich hatte keine Vorstellung, wie die anderen Bandmitglieder aussehen würden. Ich wusste, dass eines der verbleibenden Gründungsmitglieder einen Metal-Hintergrund hat und war überzeugt, dass das der Gitarrist mit dem umgekehrten Kreuz-Ohrring sein würde (Oskar Humlebo). Falsch. Der Bassist mit dem bunten Hemd und der Ähnlichkeit zu den Camera-Obscura-Männern war es (Magnus Sveningsson).


Die rockige Herkunft hört man live immer mal wieder raus, im Mittelpunkt steht aber natürlich Nina Perssons Stimme. Die Frontfrau trug erst einen grasgrünen Hosenanzug mit großer weißer Schleife um den Hals. Später im Konzert zog sie sich um und trug einen Spitzenrock (nein, wir werden nie ein Modeblog werden). 


In das anderthalbstündige Konzert packten die Cardigans ganze 21 Lieder, darunter ihre unzähligen Hits. Ich muss gestehen, dass ich die Platten ewig nicht mehr gehört habe, trotzdem erkannte ich viel mehr als gedacht. Ach, es war toll. Wäre Popmusik doch heute noch so gut! 

Das Konzert hätte ein viel größeres Publikum verdient, verdammt! Die Cardigans waren ewig nicht mehr in Deutschland und sind es vielleicht auch eine Weile nicht mehr. Dieses tolle Konzert zu verpassen, wäre wirklich dämlich gewesen. 

Auch die Cardigans spielten ohne Zugaben. Stattdessen liefen nach My favorite game über die beiden Leinwände "end credits", bei der neben den Bandmitgliedern auch alle anderen Teile des Teams genannt wurden, inklusive Stylistin und Fahrer. Alles in Schriftart "Cardigans", auch das stand dort. Wie liebevoll und wie repräsentativ für dieses Konzertereignis!

Setlist The Cardigans, Zeltfestival Rhein-Neckar, Mannheim:

01: Losing a friend
02: Step on me
03: Erase / rewind
04: Communication
05: And then you kissed me
06: Slow
07: For what it's worth
08: Happy meal
09: Carnival
10: Marvel Hill
11: Junk of the hearts
12: Live and learn
13: You're the storm
14: Feathers and down
15: Good morning Joan
16: Hanging around
17: Give me your eyes
18: Higher
19: Lovefool
20: I need some fine wine and you, you need to be nicer
21: My favorite game


Links:

- aus unserem Archiv:
- Shout Out Louds, Paris, 03.04.13 
- Shout Out Louds, Frankfurt, 26.03.13 
- Shout Out Louds, Wien, 22.10.10 
- Shout Out Louds, Köln, 20.08.10 
- Shout Out Louds, Frankfurt, 29.03.10 
- Shout Out Louds, Paris, 01.04.08 
- Shout Out Louds, Köln, 18.09.07 
- Shout Out Louds, Haldern, 04.08.07
- A Camp, Paris, 26.04.09
- A Camp, Köln, 13.04.09


Montag, 10. Juni 2024

Belle & Sebastian, Köln, 09.06.24

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Konzert: Belle & Sebastian
Ort: Gloria, Köln
Datum: 09.06.2024
Dauer: 100 min
Zuschauer: 950 (ausverkauft)



"Wie lange waren wir nicht mehr in Köln?" - "15 Jahre!" - "15 Jahre? Wirklich?"
Boah, da rufe ich einmal rein bei einem Konzert und dann ist es gelogen. Es ist erst 13 Jahre her, seitdem Belle & Sebastian im E-Werk aufgetreten sind (mit den fantastischen Zoey van Goey als Support). Ein Konzert in der Live Musik Hall vor wenigen Jahren war von der Band abgesagt worden. Dazwischen habe ich die Band dann halt anderswo sehen müssen (eine Auswahl weiter unten), zuletzt aber jetzt auch schon wieder vor sechs Jahren. 

Das mit dem Reinrufen ist so eine Sache bei mir. Ich kann das einfach nicht. Vermutlich kommt das im gleichen Paket mit Drängeln und Schubsen. Bei meinen letzten Konzerten hatte Stuart Murdoch immer wieder nach Liedwünschen gefragt, eine tolle Chance, einige meiner Lieblinge, die ich noch nie live gehört habe, zu erbitten. Stattdessen haben andere dann ihre Another sunny days oder Funny little frogs bekommen. Diesmal war ich besser vorbereitet und hatte eine Auswahl per Instagram geteilt, die Band hat es geherzliked, ich war gespannt.

Nachdem die sehr sympathische Vorgruppe Morganway (musikalisch so gar nicht meine Teetasse) eine halbe Stunde Irish Folk gespielt hat, begannen Belle & Sebastian um neun. Das Gloria ist der perfekte Ort für ein Belle & Sebastian-Konzert und war natürlich ausverkauft. Naja, perfekt für uns. Stuart sagte irgendwann, dass die Band lange nicht mehr auf so einer kleinen Bühne gespielt hatte. Oasis hatten vor ein paar Jahren ein Radiokonzert im Gloria gespielt und in einem Interview gesagt, der Club sei kleiner als ihre üblichen Garderoben. Stuart bezog das aber auf das regelmäßige Anrempeln der Bandmitglieder. "Wir sind sehr höflich, wir entschuldigen uns dauernd."


Seit meinem letzten B&S-Konzert hat die Band zwei Platten veröffentlicht. Auch wenn die Veröffentlichung der letzten (Late developers) noch nicht lange zurückliegt, spielten die Songs der beiden Alben auf der Tour keine zentrale Rolle. Trotzdem begann das Konzert im Gloria nach Expectations (Tigermilk) mit einigen neuen Sachen: dem tollen What happened to you son?, einer ganz aktuellen Single, die auf keinem Album ist, So in the moment und Give a little time (unterbrochen von She's losing it). 

Danach folgte ein fantastischer Lauf durch die ersten Platten, beginnend mit dem "deep cut" und Liebling Century of fakers, ein paar Sachen, die immer (The boy with the arab strap) oder meistens (Another sunny day) Teil des Sets sind, greatest Hits wie Piazza New York catcher (Trivia, die hier auch immer kommt: Stuart Murdoch ist Red Sox Fan) oder Like Dylan in the movies, zu dem er die Geschichte erzählte, dass die Zeile don't look back den Filmtitel des Bob-Dylan-Films aus den 60ern zitiert. "Hoffentlich habe ich es Euch damit jetzt nicht versaut, dass ich das erklärt habe!" 

Die Band war blendender Laune. Stevie erklärte auf die Frage, was er denn in Köln gemacht habe, er habe nichts gemacht. Er habe am Samstag zu viel getrunken. Nach The boy with the arab strap, bei dem wieder auf der Bühne getanzt wurde, stellte Stuart fest, dass seine Gitarre bei dem Lied wohl nicht funktioniert hätte. In der entstehenden Pause imitierte Stevie sehr zu Stuarts Freude Springsteen. 

Piazza New York catcher war eine von zwei Alternativen. Stuart Murdoch hatte der Band vorher angezeigt, man spiele Lied eins. Danach entschied er, Song 2 (Dress up in you) auch noch zu spielen. Statt "missed" hatte der Schlagzeuger aber wohl "messed" verstanden. Ey, Schottisch! 


Es war ein wunderschöner Abend mit allem, was man sich wünscht. Wo sieht man schon zwei Melodicas gleichzeitig? Oder die Ausflugsfotos der Bandmitglieder? Sarah war zum Beispiel in der Seilbahn unterwegs, irgendwer bei 4711 und Stevie wohl im Bus. 

Leider war nach zwei Zugaben Schluß. Vermutlich, weil jemand im Publikum nach Fox in the snow "one more song" gefordert hatte. 

Das nächste Mal werde es nicht wieder 15 Jahre dauern, bis sie wieder nach Köln kämen (ich habe da so einen Traum). Und mein nächstes B&S-Konzert wird auch nicht in sechs Jahren stattfinden, dafür war der Abend zu euphorisierend. 

Setlist Belle & Sebastian, Gloria, Köln:

01: Expectations
02: What happened to you son? (neu)
03: So in the moment
04: She's losing it
05: Give a little time
06: Century of fakers
07: I want the world to stop
08: Piazza New York catcher
09: Dress up in you
10: To be myself completely
11: Like Dylan in the movies
12: Do you follow?
13: A summer wasting
14: The boy with the arab strap 
15: Another sunny day
16: Get me away from here I'm dying

17: Fox in the snow (Z)
18: Sleep the clock around (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Belle and Sebastian, Esch, 11.02.18
-
Belle and Sebastian, Utrecht, 01.09.17
- Belle and Sebastian, London, 23.06.16
- Belle and Sebastian, London, 22.06.16
- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15
- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15
- Belle and Sebastian, Barcelona, 29.05.15
- Belle and Sebastian, Paris, 31.10.14
- Belle and Sebastian, Larmer Tree Gardens, 01.09.13
- Belle and Sebastian, Barcelona, 27.05.11
- Belle and Sebastian, Minehead, 11.12.10
- Belle and Sebastian, New York, 30.09.10
- Belle and Sebastian, Latitude-Festival, 17.07.10

Donnerstag, 6. Juni 2024

Slowdive, Luxemburg, 04.06.24

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Konzert: Slowdive
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 04.06.2024
Dauer: Slowdive knapp 90 min, Pale Blue Eyes gut 30 min
Zuschauer: ca. 1.000 (vermutlich ausverkauft)



The world is full of noise, yeah, I hear it all the time. Oh wie sehr ich Slowdive live vermisst habe. Mein letztes Konzert der Shoegaze-Band vor dem Auftritt beim Maifeld-Derby vorgestern liegt auch schon wieder mehr als sechs Jahre zurück. Seitdem haben Slowdive das zweite Album nach der Reunion veröffentlicht, das sie intensiv betouren. 


Die zweite Karriere der in den 90ern von der britischen Musikpresse belächelten Band verläuft so viel besser als die erste. Shoegaze ist keine Beleidigung mehr, es ist ein hipper Musikstil, endlich feiert nicht nur die Szene sich selbst. Mit dem Reunion-Album Slowdive (es ist ein wenig verwirrend: es gibt die Band Slowdive, eine EP Slowdive, ein Album Slowdive und ein Lied Slowdive) ist der Band etwas gelungen, was mehr als selten ist: es ist mindestens so gut wie die besten alten Veröffentlichungen. 


Das Atelier in Luxemburg ist einer meiner Lieblingsclubs. Das zeigte sich schon am Mittag. Da sendete der Club nämlich noch einmal alle wichtigen Informationen wie den genauen Zeitplan. So was ist toll und hilfreich! Wir wussten also, dass wir kurz vor dem Beginn der Vorgruppe da sein würden. Supportet werden Slowdive auf dieser Tour von Pale Blue Eyes aus Devon (beste Gegend!), einer vierköpfigen Band, die nach The Velvet Underground benannt sind und nach einer shoegazigen Sozialisation klangen. Mir gefiel das gut halbstündige Set gut, Uncut nennt die erste Platte der Band "joyous, propulsive, exhilarating."


Es gab wohl noch Tickets an der Abendkasse, als Slowdive um 21:00 Uhr auf die Bühne kamen, war der Saal aber knackig voll. Der erste Teil des Konzerts unterschied sich nicht vom Auftritt beim Maifeld-Derby - weder in der Liedauswahl noch in der Klarheit des Sounds. Wenn Shoegaze-Bands mies abgemischt sind, ist das eine Qual. Slowdive klingen immer top. Auch wenn - ich jammere jetzt auf sehr hohem Niveau - es nicht mehr an die glasklaren Abmischungen wie in der frühen Reunion herankommt. Ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass der Soundmann, der mit ihnen vor und nach der Pause gearbeitet hat, jetzt nicht mehr dabei ist.


In der zweiten Konzerthälfte waren Slomo, Machine gun und Dagger neu im Vergleich zu Mannheim, gerade auf das wunderschöne Dagger hatte ich sehr gehofft (sie spielen das wohl erst seit 2014). 

Ich habe Slowdive jetzt schon oft gesehen, genug davon habe ich aber vermutlich nie. Warum auch, wenn sie immer noch so großartig wie gerade sind?

Setlist Slowdive, den Atelier, Luxemburg:

01: Shanty
02: Star roving
03: Catch the breeze
04: Skin in the game
05: Crazy for you
06: Souvlaki Space Station
07: Sugar for the pill
08: Slomo
09: Kisses
10: Alison
11: When the sun hits
12: 40 days

13: Machine gun (Z)
14: Chained to a cloud (Z)
15: Dagger (Z)
16: Slowdive (Z)

Links:

- aus unserem Slowdive-Archiv:
- Slowdive, Brüssel, 07.10.17
- Slowdive, Hamburg, 04.10.17
- Slowdive, Dortmund, 29.09.17
- Slowdive, Mannheim, 18.06.17
- Slowdive, Den Haag, 31.03.17
- Slowdive, London, 20.12.14
- Slowdive, London, 19.12.14
- Slowdive, Genf, 09.09.14
- Slowdive, Saint-Malo, 15.08.14
- Slowdive, Hilvarenbeek, 21.06.14
- Slowdive, Barcelona, 30.05.14
- Slowdive, London, 19.05.14


Montag, 27. Mai 2024

Mannheim Derby - Vorbericht 2024 - 31.05.-02.06.2024

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Konzert: Maifeld Derby
Ort: Mannheim Reitstadion
Datum: 31.05.-02.06.2024
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ?

Der Start in die Festivalsaison beginnt traditionell beim Maifeld Derby in Mannheim. Dieses Mal an einem Wochenende mit Brückentag (zumindest in einigen Bundesländern). Aber auch sonst gestaltet sich ja eigentlich alles immer sehr entspannt auf dem großzügigen Gelände des Reitstadions am Mannheimer Maimarktgelände.

Einige Neuheiten in der Organisation gibt es schon vorab: Am Freitag und Samstag gibt es nun 5 ! und am Sonntag 4 Bühnen. Ein Nachtprogramm ergänzt das so schon extrem variable Line-Up um tanzbare Momente. Ebenfalls gibt es neben den Wochenend-Tickets mit Campingoption auch wieder Tageskarten für die Heimschläfer.

Food-und Getränke sind wieder handverlesen. Viel Leckeres aus der Region wird geboten. Doch der eigentliche Star in Mannheim war immer das Line-Up aus Newcomern und etablierten Acts, die nicht an jeder "Ecke" des Feistvalzirkus spielen.    




Beginnen wir mit den großen Namen. Am Freitag wird Roisin Murphy das Palastzelt erstrahlen lassen. Wir durften die Show bereits letztes Jahr in Bilbao bewundern. Es ist ein fabulöser Mix aus Hits, Bühnenshow und den immer augenzwinkernden Outfitwechseln dieser Ausnahmekünstlerin. Must see.

Edwin Rosen und The Vaccines werden als etablierte Acts für weitere Stimmung sorgen. Bei den Newcomern wird man definitiv über Royal Otis reden, dessen Club-Shows gerade schon in größere Hallen verlegt werden. 

Lola Young mit ihrer positiven Energie und die härteren  Klänge von Sextile runden den ersten Tag ab.

Am Samstag deuten sich viele elektronische Klänge an. Zunächst noch sparsam dosiert mit Hania Rani, danach aber werden die Bässe bei Kiasmos und Modeselektor mit Sicherheit stärker. Auch bei dem, auf Festivals in Deutschland sehr selten anzutreffenden Roosevelt, dominiert das Tanzbare.  Live ist Roosevelt immer ein Angebot, dass man nicht ablehnen sollte.

Auf der kleinen Arena-Bühne gibt es vorab einen ganz heißen Doppelpack. Sowohl Chalk (Ohrstöpsel nicht vergessen) als auch Fat Dog werden zurecht als "die" Newcomer 2024 gehandelt.       


Der letzte Tag wird dann eher ein Problem wegen der fast unvermeidlichen Überschneidungen. Tagebuch-Lieblinge Slowdive bringen die Pferde zum Ende des Abends überglücklich in den Stall. Aber der Nachmittag ist mit Brutus (Tipp), Lambrini Girls und vor allem den unfassbar guten Dry Cleaning fantastisch besetzt.

Dazu noch Chelsea Wolfe, Mannequin Pussy, die Groove-Maschine von Altin Gün und der Wahnsinn von Tropical Fuck Storm. Das wird magisch.

Kommt nach Mannheim und verbringt 1-3 Tage voller liebevoller Atmosphäre und guter Musik. Wir sehen uns.    







Freitag, 24. Mai 2024

Brimheim - V11 - Rotterdam - 18.05.2024

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Konzert: Brimheim
Ort: V11-Rotown
Datum: 18.05.2024
Dauer: 90 min.
Zuschauer: ca. 80


Die dänische Künstlerin Brimheim steht schon länger auf unserer Liste. Leider gab es zu ihrem ersten, tollen Album keine echte Tour, und auch diesmal gibt erstmal nur eine Handvoll Gigs außerhalb ihrer Heimat. Also auf nach Rotterdam.


Das V11, im Verbund mit der wohl bekannteren Rotown Konzerthalle, ist ein wunderschönes, rotes Seenot-Rettungsschiff, das nun fest vertäut in einem der alten Hafenarme, mitten in Rotterdam, an Land liegt. Oben gibt es ein Open-Air Café, während die Konzerte im Inneren des mächtigen, metallenen Rumpfs stattfinden. Wieder einmal eine traumhaft schöne Location für ein Konzert.


Einen Support gibt es diesmal nicht. Brimheim bestehen zur Zeit aus einer vollständigen Band mit vier weiteren Musikern. Während die erste CD noch düsteren Indierock bot, gibt es auf der neuen Platte wesentlich tanzbarere Songs und Elemente. Dazu kommt der eindringliche und markante Gesang von Helena Heinesen Rebensdorff (wow !). 

Der wirkt in vielen Songs passend emotional und mitreißend, in einigen der neueren Stücke aber auch manchmal zu gewollt und gothic-like, was mir persönlich nicht so gut gefällt. Diese kleinen Schwächen überspielt die Performance an diesem Abend allerdings ganz locker. Die Band ist in überbordender Spiellaune, zweimal fällt ihr Gitarrist fast ungeplant von der kleinen Bühne ins Publikum. 


Helena selber ist ebenfalls ausgelassen. Seit sie 12 sei, Träume sie von einer eigenen Tournee, das muss gefeiert werden. Fast beide Platten werden komplett geboten. Zwei Zugaben, darunter das grandiose "Hurting me for fun" bilden den Schlusspunkt eines tollen Konzerts. 

Brimheim spielten letzte Woche beim OBS Festival in Beverungen. Auch von dort habe ich nur Gutes gehört. Hoffen wir also, das die Tour im Herbst fortgesetzt wird, nachdem sie im Sommer erstmal ausgiebig in Dänemark auftreten wird.


Am Ende stehen dann Publikum und Band mit breitem Grinsen zusammen am Merch. Die düsteren Texte sind vergessen und die Zukunft hoffentlich farbenfroher.             




 

Konzerttagebuch © 2010

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