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Sonntag, 4. August 2024

Anna Ternheim, Würzburg, 03.08.24

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Konzert: Anna Ternheim
Ort: Alter Hafen, Würzburg (Würzburger Hafensommer)
Datum: 03.04.2024
Dauer: knapp 55 min
Zuschauer: fast ausverkauft



"So they are telling us, we have to stop?"
Ein Abbruch hing seit einer Weile in den Gewitterwolken über Würzburg, nach zehn Lieder musste der Veranstalter ihn dann erklären. Der Deutsche Wetterdienst hatte eine Unwetterwarnung herausgegeben. Anna Ternheims Band hatte gerade die letzten Takte von A French love gespielt, als der Leiter des Kulturamts auf die Bühne kam. 
Kurz bevor es um 20 Uhr losgehen sollte, hatte ein heftiger Starkregenguss für eine Verschiebung gesorgt. Das Wetterradar sage in zwanzig Minuten ein anderthalbstündiges Fenster ohne Regen voraus, man fange also nach dem Schauer an. Open-Air-Konzerte in Zeiten des Klimawandels. Wer weiß, wie lange so etwas überhaupt noch möglich ist.


Obwohl ich Anna Ternheim sehr oft gesehen habe, liegt mein letztes Konzert bereits fünf Jahre zurück. Damals hatte die Schwedin in der Elbphilharmonie gespielt. Auch wenn wir oft über ihre Auftritte geschrieben haben, war es immer spannend, in welcher Konstellation Anna spielen würde. Mal waren es Solokonzerte, mal mit Band, mal mit Chor, keine Tour war wie die vorherige. Ich wusste nicht, wie es diesmal sein würde und ließ mich überraschen.

Als der erste Regen vorbei war, kam die Sängerin mit einem Keyboarder, einem Gitarristen und einem Schlagzeuger auf die schwimmende Bühne im alten Würzburger Hafen. Instrumen
tierung und ihre Leder-Motorradjacke waren schon ein Hinweis, dass es eher rockig als akustisch werden würde. Aber das gute Rockig ohne fiese Gitarrensoli. Es erinnerte mich an meine ersten Konzerte von ihr 2006 oder 2007 und war toll!

Das Gelände des Würzburger Konzertsommers ist wunderschön! Die Bühne befindet sich auf einer Metallplattform im Hafen, verbunden durch eine kleine Brücke. Dahinter bilden Betonstufen eine Art Amphitheater, dahinter wiederum eine bestuhlte Tribüne, die von einem spektakulären Dach überdeckt wird. Hinter dem Gelände befindet sich ein Heizkraftwerk, neben der Bühne ein riesiger Verladekram, ein wirklich spannender Ort für Konzerte. Einziger Nachteil: die Distanz zur Bühne ist groß, sicherlich ein Grund dafür, dass alle saßen - obwohl es ja vorher in Strömen geschüttet hatte. Erst gegen Ende des Konzerts tanzte eine Handvoll Menschen. 


Anna Ternheims
letztes Album A space for lost time ist 2019 erschienen, das Konzert war also ein Best-of aus allen Phasen der Karriere, also auch viele alte Lieblinge. Es begann mit dem tollen Girl laying down von der ersten Platte Separation Road. Spannend wurde es danach. Ich mochte die Lieder von Leaving on a mayday auf der damaligen Tour nicht so sehr. Mir war das viel zu soulig, es gab Chöre. Besonders mit Summer rain tat ich mich sehr schwer. In der aktuellen Version war es großartig! 


Apropos Versionen... Anna spielte wie so oft mehrere Cover, I'm on fire von Bruce Springsteen und Show me the meaning of being lonely von den Backstreet Boys. "Meine Schwester mochte die Backstreet Boys, ich war auf einem ganz anderen Pfad. Aber das Lied musste ich für mich kapern und ruinieren." Wie viele andere Cover, die sie spielt, sind es wirklich eigene Stücke, gekapert und viel besser gemacht. Bei Show me... ging Anna irgendwann der Text aus. "Ihr müsst mir helfen, wenn Ihr mir den Text nicht nennen könnt, muss ich es abbrechen." Sie erinnerte sich und spielte es zu Ende.  

Das fremde Lied, auf das ich seit Jahren hoffe (Elegi von Lars Winnerbäck), hatte sie im Frühling in der Haldern Pop-Bar gespielt, in Würzburg nicht. Irgendwann...!


Besonders gefreut hat mich Walking aimlessly vom Nashville-Album The night visitor. Was für ein tolles Lied, das ich vergessen hatte. The night visitor und Somebody outside verkaufte Anna übrigens am Merch-Stand auf Kassette. 


Als der Veranstalter auf die Bühne kam, ging es plötzlich ganz schnell. Wie klug der Abbruch war, zeigte sich fünf Minuten später, als ich gerade im Auto sass und sich alle Dämme öffneten. Mit Summer rain hatte das gar nichts zu tun, wir müssen uns aber leider wohl auf solche Starkregen einstellen. 


Auch trotz des Regens waren Konzert und Rahmen wundervoll. Leider ist der Hafensommer jetzt beendet, die Veranstaltung gibt es aber seit 2007, also bitte nächstes Jahr ausprobieren!

Setlist Anna Ternheim, Würzburger Hafensommer:

01: Girl laying down
02: Black sunday afternoon
03: Everytime we fall
04: I say no
05: The longer the waiting (the sweeter the kiss)
06: Walking aimlessly
07: When you were mine
08: Show me the meaning of being lonely (Backstreet Boys Cover)
09: Better be
10: I'm on fire (Bruce Springsteen Cover)
11: Summer rain
12: A French love
- Unwetterabbruch -

Links: 

- unser Ternheim-Verzeichnis:
- Anna Ternheim, Hamburg, 20.09.19
Anna Ternheim, Stuttgart, 18.11.17
- Anna Ternheim, Frankfurt, 10.04.16
- Anna Ternheim, Freiburg, 21.02.12
- Anna Ternheim, Frankfurt, 19.02.12
- Anna Ternheim, Köln, 11.02.12
- Anna Ternheim, Berlin, 03.11.11
- Anna Ternheim, Nyköping, 24.11.09
- Anna Ternheim, Paris, 23.09.09
- Anna Ternheim, Fribourg, 20.09.09
- Anna Ternheim, Köln, 13.09.09
- Anna Ternheim, Haldern, 14.08.09
- Anna Ternheim, Paris, 29.04.09
- Anna Ternheim, Frankfurt, 28.04.09
- Anna Ternheim, Nijmegen, 24.04.09
- Anna Ternheim, Stockholm, 08.12.08
- Anna Ternheim, Paris, 01.10.07
- Anna Ternheim, Köln, 26.09.07
- Anna Ternheim, Heidelberg, 25.09.07
- Anna Ternheim, Paris, 31.05.07
- Anna Ternheim, Köln, 12.03.07
- Anna Ternheim, Paris, 12.12.06





Samstag, 21. September 2019

Anna Ternheim, Hamburg, 20.09.19

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Konzert: Anna Ternheim
Ort: Elbphilharmonie (Großer Saal), Reeperbahn Festival
Datum: 20.09.2019
Dauer: 75 min
Zuschauer: 2.100 (ausverkauft)



Theoretisch habe ich Anna Ternheim zu oft gesehen, um ihre Konzerte noch spannend zu finden. Theoretisch habe ich mich mit Musik aber zuletzt im Grundkurs in der 13 auseinandergesetzt (15 Punkte), also war meine Angst davor, nach dem Abend Anna Ternheim vs. Kaiser Quartett in der Elbphilharmonie enttäuscht zu sein, überschaubar. 

Die schwedische Künstlerin spielt nie Tourneen doppelt. Mal tritt sie sehr reduziert nur mit Gitarre und Klavier auf, mal mit Rockband, mal mit Chor, mal folkiger, mal lauter. Im Rahmen des Reeperbahn Festivals fand eine einmalige Zusammenarbeit mit dem Kaiser Quartett aus Hamburg statt. Es sollten neue Songs und alte Stücke mit neuen Arrangements gespielt werden. Das klang hochgradig aufregend, zudem das Konzert am Erscheinungstag von Annas neuem Album stattfand.

Die Elbphilharmonie war ausverkauft. Dummerweise hatte nicht jeder erfahren, daß man für den Einlass ein Ticket und ein Festivalbändchen brauchte, vor mir wurde ein Paar abgewiesen, der Schwarzhändler, der die Karten vermutlich verkauft hat, hatte eben keine Bändchen mitgeliefert. Es blieben dann ein paar Plätze frei, das fiel aber nicht weiter auf.

Um kurz nach halb neun kam das Kaiser Quartett auf die Bühne und spielte ein mehrminütiges Intro, zu dem irgendwann Anna auftrat und einen Teil von Shoreline spielte. Ich habe das Lied schon so oft gehört, es war noch nie so schön wie hier!

Nach Shoreline kamen die beiden Begleiter im Team Anna dazu, Keyboarder Rasmus und Schlagzeuger Andreas. Der im Titel der Veranstaltung angedeutete Wettbewerb (Anna vs. Kaisers) blieb glücklicherweise aus, es war von Beginn an harmonisch. Ich mag Konzerte der Schwedin am liebsten, die wenig Bombast zeigen, die Arrangements heute waren wundervoll!

Nach Shoreline folgten die beiden ersten neuen Lieder von A space for lost time. Beide (This is the one und Everytime we fall) sind keine musikalischen Abenteuer und klingen nach Anna Ternheim, im besten Sinne radiotauglich (auf dem Papier, weil deutsches Radio schrecklich ist) und gefielen mir sehr gut. Keine Angst mehr vor dem neuen Album! Das neue Album heißt nicht umsonst etwas mit Zeit. "Within the last years I've only written songs related to time. I hope it's a phase!" Eines von denen war Hours vom 2016er Album For the young, dessen Titeltrack Anna auch spielte. Better be und All the way to Rio komplettierten den Viererblock von älteren Stücken.



Danach kam etwas, das ich nicht (er)kannte, das (mich) verstörendste Stück des Abends, das mit "Sleep, eat" begann und in dem Anna weitere "eats" fast schon rappte. Das Lied war dramatisch, merkwürdig, vielleicht, allerdings auch gar nicht schlecht.

Danach folgten abwechselnd alte und neue Stücke. Neben dem Thema Zeit spielen gescheiterte Lieben und Freundschaften in den Liedern (wie in allen vernünftigen) eine Hauptrolle. O Mary von der neuen Platte widmete sie einer verrückten Frau, die nicht länger Teil ihres Lebens sei und die ein Energie-Dieb gewesen sei. Das alte Dilemma. Ich möchte, daß es Künstlern gut geht, die besten Lieder schreiben sie aber, wenn es ihnen nicht gut geht. Eigentlich ist es hochgradig egoistisch, gute Musik zu lieben.

Von den neuen Songs gefiel mir aufs erste Hören You belong with me am besten. 

Bis spät ins Konzert empfand ich die Elbphilharmonie als angenehmen Konzertort. Jeden Cent wert. Dem Sound fehlte etwas, ich bin zu wenig Profi, um das genauer sagen zu können, es klang ein wenig flach. Aber der Blick war fantastisch trotz Ebene 15 und trotz eines Absturzgitters vor mir. Ich saß mit Blick auf die Vorderseite der Bühne, dieses 360-Grad-Publikum faszinierte mich, vielleicht hätte ich das auf den Backstage-Balkonen aber anders gesehen. Beim prophetischen What have I done triggerten irgendein kurzer Takt des Kaiser Quartetts das Rhythmische Klatschzentrum eines Teils des Publikums und ließ mich heimisch-rheinisch fühlen. Das machten die Klatscher zweimal, bis Anna Ternheim sie mit einer Arm-Geste und mit einem "shhh" stoppte und darum bat, den Streichern zuzuhören! 

Nach Leavin on a mayday, das nie so mein Liebling war (weil es aus der bombastigsten Phase ihres Werks stammt), kamen Kaiser Quartett und Anna-Trio zurück und spielten Stars als letztes von 6 (1/2)* neuen Liedern, ein Stück über Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten. Zum Schluß folgte dann noch eine schwedische Version von Auld Lang Syne (Minns det som igår).

Natürlich wird auch die Tour im November wieder ganz anders sein. Die Vorhersage ist nicht verwegen, weil der Abend in der Elphi eine einmalige Zusammenarbeit war. Wie ihre Konzerte dann arrangiert sein werden... keine Ahnung! Ich glaube zwar, schon alles außer einer katyperryartigen Show mit Kostümwechseln gesehen zu haben, das glaube ich aber auch schon seit Jahren.

Setlist Anna Ternheim, Elbphilharmonie, Hamburg:

01: Shoreline (Broder Daniel Cover)
02: This is the one (neu)
03: Everytime we fall (neu)
04: Better be
05: Hours
06: All the way to Rio
07: For the young
08: ?
09: You belong with me (neu)
10: To be gone
11: Oh Mary (neu)
12: When you were mine (neu)
13: What have I done
14: Leaving on a mayday

15: Stars (neu) (Z)
16: Minns det som igår (Z)


Links: 

- unser Ternheim-Verzeichnis:
- Anna Ternheim, Stuttgart, 18.11.17
- Anna Ternheim, Frankfurt, 10.04.16
- Anna Ternheim, Freiburg, 21.02.12
- Anna Ternheim, Frankfurt, 19.02.12
- Anna Ternheim, Köln, 11.02.12
- Anna Ternheim, Berlin, 03.11.11
- Anna Ternheim, Nyköping, 24.11.09
- Anna Ternheim, Paris, 23.09.09
- Anna Ternheim, Fribourg, 20.09.09
- Anna Ternheim, Köln, 13.09.09
- Anna Ternheim, Haldern, 14.08.09
- Anna Ternheim, Paris, 29.04.09
- Anna Ternheim, Frankfurt, 28.04.09
- Anna Ternheim, Nijmegen, 24.04.09
- Anna Ternheim, Stockholm, 08.12.08
- Anna Ternheim, Paris, 01.10.07
- Anna Ternheim, Köln, 26.09.07
- Anna Ternheim, Heidelberg, 25.09.07
- Anna Ternheim, Paris, 31.05.07
- Anna Ternheim, Köln, 12.03.07
- Anna Ternheim, Paris, 12.12.06


* Eat, sleep...?



Montag, 20. November 2017

Anna Ternheim, Stuttgart, 18.11.17

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Konzert: Anna Ternheim
Ort: Neues Schloss, Stuttgart (New Fall Festival)
Datum: 18.11.2017
Dauer: knapp 95 min
Zuschauer: knapp 350 (ausverkauft)




"Have you been to Rio, Martin? I went there on my own four and a half years ago. I thought this record was so easy to make, so fast. How wrong was I! Four and a half years for eight songs!" All the way to Rio ist das sechste Studioalbum der schwedischen Sängerin Anna Ternheim. In Deutschland erscheint es erst am Freitag, in ihrer Heimat eine Woche vorher. Kurz vor meinem Aufbruch nach Stuttgart klingelte der Postbote und brachte mir mein Exemplar. Da schwedisches Vinyl häufig ohne Download-Code kommt, fiel meine Vorbereitung dürftig aus. Etwas Angst machte mir ein Satz im wunderschönen Begleitheft zum Album: "This record is a collaboration between me and a bunch of tough dudes." Zuletzt waren mir die Konzerte der Sängerin zu rockig, nachdem vorher die Gospel-Phase auch nicht meine liebste war. Tough guys klang nach Vollbärten und Rock.


Als ich in den wundervollen Saal des Neuen Schlosses kam, galt mein erster Blick deshalb der Bühne. Da standen zwar eine Menge Instrumente, Keyboards an beiden Seiten, ein Flügel, viel Platz für viele Rocker war aber nicht. Um fünf nach acht kam erst ein Violinist auf die Bühne, kurz darauf Anna Ternheim. Die beiden begannen mit Off the road von Annas drittem Album Leaving on a mayday. Das Lied gehört nicht zu meinen Lieblingen, das abgespeckte Arrangement aber schon. Ich habe Anna Ternheim nicht nur in erschütternd vielen Städten, ich habe sie auch in sehr vielen verschiedenen Konstellationen erlebt. Am besten (auch auf Platte) ist sie, wenn die Produktion im Hinter- und ihre Stimme im Vordergrund stehen. Von den ersten beiden Platten gibt es "naked versions", das sind die mit Abstand besten Veröffentlichungen der Schwedin.

Nach Off the road bleib es dabei, daß nur Anna und ihr Begleiter auf der Bühne standen. Anna Ternheim stellte ihn als Martin Hederos von The Soundtrack of Our Lives vor. Als nach Nennung seiner alten Band nur eine Handvoll Leute klatschten, bedankte sich Martin bei "den drei Menschen, die sie noch kennen." Danach spielten die beiden das erste neue Lied, Maya, eine Stück über eine unglückliche Liebe (das sind die besten. Also Lieder, nicht Lieben). Maya war live nur Martin am Klavier und Annas Stimme - und sehr schön. Puh!

Nach dem neuesten kam das älteste Stück des Abends - und eines der wenigen (wenn überhaupt) der ersten Platte, das ich noch nie live gesehen habe. Sie habe Somebody outside mit 16 geschrieben und nur auf ihrer ersten Tour gespielt. Anna Ternheim war redselig, sie erzählte viel über die Lieder, die sie spielte, sie spielte aber glücklicherweise auch viele. Zwar war kaum einer meiner Lieblingssongs im Programm, das machte aber gar nichts, das Konzert war auch mit einer B-Setlist (auf dem Papier)* fantastisch und mein bestes der Schwedin seit vielen Jahren. 


Annas Erklärungen machten sehr viel Spaß. Sie erzählte zum Beispiel vor Lovers dream (das Fyfe Dangerfield von den Guillemots auf Platte mitsingt), daß sie damals in einer Phase gewesen sei, in der sie "deep into a band called The Doves and horror movies" gewesen sei. Und ja, Lovers dream erinnert jetzt mit diesem Wissen an klassische Horrorfilm-Soundtracks von John Carpenter.


Man merkte den beiden nicht an, daß sie noch nicht oft miteinander gespielt haben. Einmal brach Anna ein Lied ab - beim "Sailor- and lovesong" The longer the waiting (the sweeter the kiss). Dave Ferguson, mit dem Anna das Lied auf Platte singt, habe ihr mal gesagt "don't stop the train when the train is running!" Schön, daß sie gerade bei Daves Lied seinen Rat mißachtete und es neu starten musste. Es war die falsche Gitarre.

Der Titeltrack der neuen Platte kam irgendwann in der Mitte als zweites neues Lied. All the way to Rio hatte einen Beat vom Band, der an einen schnellen Herzschlag erinnerte (oder an Eurobeat), ich mochte das sehr. Aber weder Maya noch All the way to Rio waren die besten der neuen Stücke. Holding on - Martin an der Geige, Anna an der Gitarre - war das Highlight unter den neuen. Holding on wurde immer lauter, wundervoll!

Als viertes neues Lied spielten die beiden 4 in the morning, ein Stück über den Heimweg aus einer fremden Wohnung mitten in der Nacht. 




Nach 14 Anna-Liedern und einem von Martin am Flügel war der Hauptteil vorbei. Wir standen zum ersten Mal von unseren Stühlen auf - die Bestuhlung passte zum tollen Saal, Sitzkonzerte sind mir aber trotzdem ein Graus.


Die Sängerin kam zunächst alleine zurück - und das höfliche Publikum setzte sich wieder. Anna Ternheim spielte ohne Instrument Leaving on a mayday. Die beiden anderen Zugaben waren ein echter und ein heimlicher Liebling, wieder gemeinsam mit Martin. Der echte ist natürlich To be gone, Lied eins von Platte eins, der heimliche Annas großartiges Backstreet Boys Cover Show me the meaning of being lonely. Wir hatten nicht genug - und Anna noch Lust. Sie kam zurück, wir setzten uns wieder und hörten I'll follow you tonight zu.


Es war bei weitem nicht die beste Setlist, die ich bisher bei ihren Konzerten erlebt habe, ich saß sehr weit von der Bühne weg (ich hatte das buchstäblich letzte Ticket gekauft, danach schaltete die Website auf "ausverkauft"), es war trotzdem ein nahezu perfektes Anna Ternheim Konzert. Denn nach ausführlichen Studien** scheint klar, daß die Singer/Songwriterin am besten ist, wenn sie wenig mehr als ihre Stimme und eine akustische Gitarre einsetzt.

Wie das alles mit einer Menge tougher dudes klingt, werde ich sicher auch irgendwann herausfinden. Das kann aber ruhig noch warten.


Setlist Anna Ternheim, Neues Schloss, Stuttgart:

01: Off the road

02: Maya (neu)
03: Somebody outside
04: The longer the waiting (the sweeter the kiss)
05: Better be
06: Lovers dream
07: Solitary move
08: Still a beautiful day
09: All the way to Rio (neu)
10: For the young
11: Martin Hederos am Klavier
12: 4 in the morning (neu)
13: Holding on (neu)
14: What have I done?
15: My heart still beats for you

16: Leaving on a mayday (Z)
17: To be gone (Z)
18: Show me the meaning of being lonely (Backstreet Boys Cover) (Z)

19: I'll follow you tonight (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Anna Ternheim, Frankfurt, 10.04.16
- Anna Ternheim, Freiburg, 21.02.12
- Anna Ternheim, Frankfurt, 19.02.12
- Anna Ternheim, Köln, 11.02.12
- Anna Ternheim, Berlin, 03.11.11
- Anna Ternheim, Nyköping, 24.11.09
- Anna Ternheim, Paris, 23.09.09
- Anna Ternheim, Fribourg, 20.09.09
- Anna Ternheim, Köln, 13.09.09
- Anna Ternheim, Haldern, 14.08.09
- Anna Ternheim, Paris, 29.04.09
- Anna Ternheim, Frankfurt, 28.04.09
- Anna Ternheim, Nijmegen, 24.04.09
- Anna Ternheim, Stockholm, 08.12.08
- Anna Ternheim, Paris, 01.10.07
- Anna Ternheim, Köln, 26.09.07
- Anna Ternheim, Heidelberg, 25.09.07
- Anna Ternheim, Paris, 31.05.07
- Anna Ternheim, Köln, 12.03.07
- Anna Ternheim, Paris, 12.12.06


* weil so wenige Stücke der ersten beiden Platten dabei waren 
** durch mich



Montag, 11. April 2016

Anna Ternheim, Frankfurt, 10.04.16

2 Kommentare

Konzert: Anna Ternheim
Ort: Zoom, Frankfurt
Datum: 10.04.2016
Dauer: gut 95 min
Zuschauer: ausverkauft



Dieser Tage beginnt die neue Staffel der Vox-Sendung Sing meinen Song, die ich sehr gut finde. "Im Prinzip sehr gut", müsste es aber heißen. Das Konzept, die Lieder eines Künstlers von anderen aus anderen Genres singen zu lassen, ist toll. Die Musiker in der Regel nicht, Kurator ist der Aluhut-Träger Xavier Naidoo. Ein Sing meinen Song - Indie-Version empfände ich als enorm spannend. Bon Iver singt Stücke von blur, die von den Nerven, die von When Nalda Became Punk, die von Coeur de Pirate. Daß ich meine fabelhafte Idee einmal umgesetzt erleben würde, hatte ich mir nicht ausgemalt. Nach dem Anna Ternheim Konzert war ich schlauer. Mein schwedischer Liebling spielte im Zoom in Frankfurt nämlich Anna Ternheim Lieder, wie sie klingen würden, wenn sie von My Bloody Valentine, den Wise Guys, Anna Ternheim oder Bon Jovi* gecovert würden.

Daß Anna diesmal wieder mit Band auftreten würde, war spätestens bei der Dimension des Tourbusses klar. In einem Interview hat die Schwedin uns einmal gesagt, sie spiele immer gerade in der Konstellation, nach der ihr sei. Die meisten ihrer Lieder geben das her. Die ersten beiden Alben waren sogar in jeweils einer normalen und einer abgespeckten akustischen Version erschienen. Zur Zeit ist ihr nach Krawall, dachte ich am Anfang. Nach und nach stellte sich aber heraus, daß die Sängerin April-Stimmung hat, die Instrumentierung des Abends reichte von Anna alleine ohne Instrument über Anna an der akustischen Gitarre bis zu alle mit Gitarrenwänden und 130 dB.

Das nächste, was ich nach dem Tourbus sah, war die Schlange vor dem Zoom. Auf den Tickets, der Website und den Facebookseiten der Veranstaltung stand lediglich "20 Uhr", kein Verweis auf eine (oder keine) Vorgruppe, kein Hinweis, wann Einlass und wann Beginn ist. Für die, die nicht in Laufweite leben, wäre so etwas hilfreich. An der Tür stand dann, daß das Konzert um 20 Uhr beginne. Auf meine Nachfrage sagte der nette Security-Mann, es beginne gleich mit Anna Ternheim. Vielleicht gehe es aber auch erst um halb neun los. Vor und hinter mir standen da noch enorm viele Leute. E-Tickets, die von einer Frau gescannt werden müssen, die gleichzeitig die Gästeliste bedient und stempelt, hielten den Verkehrt weiter auf. Hätte es um acht begonnen, ein guter Teil des Publikums hätte den Konzertstart im Treppenhaus des Zoom erlebt.

Als es im schrecklich vollen Saal dann losging, kam erst eine Gitarristin, dann ein Bassist (mit Kontrabass), eine Schlagzeugerin** und ein Keyboarder** auf die Bühne, sie begannen nacheinander ein Intro, das dann mit Anna Ternheim in Hours vom aktuellen Album For the young stammt. Ich mag die Platte und auch Hours, die Wucht, mit der das Stück vorgetragen wurde, ist bei Anna Ternheims Musik nicht so meines. Hours endete in einem wilden Postrock-Geballere mit quietschender Gitarre und headbangenden Musikern.

Diese Postrock- oder Shoegaze- oder manchmal einfach nur Fiesrock-Elemente kamen in unterschiedlich starker Ausprägung immer mal wieder vor. Bei Girl laying down zum Beispiel knallte das Instrument der Gitarristin wahnwitzig laut und vermutlich viel zu früh in den Gesang von Anna Ternheim. Das Ende des Lieds hätten Ride oder My Bloody Valentine nicht anders interpretiert. Den Höhepunkt dieser Rock-Anna bildete Only those who love, bei dem die Sängerin ihre akustische Gitarre abgelegt hatte und die Gitarristin dies zu kompensieren versuchte. Uff.

Dann ging die Band. Anna spielte Better be und The longer the waiting (the sweeter the kiss) akustisch. Ja, das mag ich lieber. Wie viel lieber machte mir dann der Anfang von What have I done deutlich. Keyboard und Schlagzeug stellten das nächste Genre vor: Eurodisco! Am Ende hielt Anna sich ihr Tambourin wie einen Heiligenschein über die neue Frisur. 

A french love danach war wundervoll. Das Stück ist eines ihrer schönsten, die Instrumentierung war schön, es war wie eigentlich immer eines der Highlights des Konzerts. Direkt im Anschluß kamen alle Musiker nach vorne, um - wie schon öfter seit 2008 - Summer rain komplett abgespeckt nur mit Annas akustischer Gitarre zu singen. Ich mag das Lied nicht so, es war aber vermutlich für alle anderen ein besonders schöner Moment. Leaving on a mayday begleitete das kundige Publikum mit rhythmischem Klatschen. Bei diesem Lied, das sie für ihren Vater geschrieben habe, führte die Sängerin eine Art Regentanz auf.

Und danach begann dann mein Konzert. My secret war wundervoll! Die erste Zugabe kannte ich nicht, hatte aber von ihr gehört. Ich hatte natürlich nicht stillhalten können und auf die deutsche Veröffentlichung von For the young warten können und hatte die Platte Monate vorher in Schweden bestellt. Auf der deutschen Version ist offenbar das Backstreet Boys Cover Show me the meaning of being lonely, das in der Anna Interpretation vollkommen unpeinlich war! Calling love beendete die ersten Zugaben.


Auch wenn die ersten aufbrachen, keine Anna ohne Shoreline. Obwohl auch das Lied ein Cover ist (von Broder Daniel), ist Anna Ternheims Version sehr eigenständig und auch nach all den Jahren noch ein riesiger Hit. Danach folgte der Antipol zum Konzertauftakt: A voice to calm you down, nur von der Schwedin, komplett ohne Instrument gesungen. 

Es war - man liest das vielleicht zwischen den Zeilen raus - keines meiner besten Anna Ternheim-Konzerte. Die Schweinegitarre hat mir vieles verdorben. Aber es war natürlich trotzdem wieder eine gute Idee, zu ihr zu gehen. Vielleicht ist die nächste Begegnung ja wieder eine nur mit ihr und ihrer Gitarre.

Setlist Anna Ternheim, Zoom, Frankfurt:

01: Hours
02: Still a beautiful day
03: To be gone
04: For the young
05: Girl laying down
06: Only those who love
07: Better be
08: The longer the waiting (the sweeter the kiss)
09: What have I done?
10: A french love
11: Summer rain
12: Leaving on a mayday
13: My secret

14: Show me the meaning of being lonely (Backstreet Boys Cover) (Z)
15: Calling love (Z)

16: Shoreline (Broder Daniel Cover) (Z)
17: A voice to calm you down (Z)


Links:

- aus unserem Archiv:
- Anna Ternheim, Freiburg, 21.02.12
- Anna Ternheim, Frankfurt, 19.02.12
- Anna Ternheim, Köln, 11.02.12
- Anna Ternheim, Berlin, 03.11.11
- Anna Ternheim, Nyköping, 24.11.09
- Anna Ternheim, Paris, 23.09.09
- Anna Ternheim, Fribourg, 20.09.09
- Anna Ternheim, Köln, 13.09.09
- Anna Ternheim, Haldern, 14.08.09
- Anna Ternheim, Paris, 29.04.09
- Anna Ternheim, Frankfurt, 28.04.09
- Anna Ternheim, Nijmegen, 24.04.09
- Anna Ternheim, Stockholm, 08.12.08
- Anna Ternheim, Paris, 01.10.07
- Anna Ternheim, Köln, 26.09.07
- Anna Ternheim, Heidelberg, 25.09.07
- Anna Ternheim, Paris, 31.05.07
- Anna Ternheim, Köln, 12.03.07
- Anna Ternheim, Paris, 12.12.06



* Bon Jovi ist böse! Viel zu böse! Mit fiel (Schlafmangel) nur gerade keine Indieband mit fiesen Gitarren ein, sowas höre ich halt nicht.
** glaube ich. Ich war sichtbeschränkt.




Donnerstag, 23. Februar 2012

Anna Ternheim, Freiburg, 21.02.12

1 Kommentare

Konzert: Anna Ternheim
Ort: Jazzhaus Freiburg i. Breisgau

Datum: 21. 02. 2012

Zuschauer: voll aber wohl nicht ganz ausverkauft, etwa 400

Dauer: 95 min

Bericht von Gudrun Thäter


Eins vorneweg, ich finde Anna Ternheims Musik schon gut. Vor allem ihre Stimme kriegt mich, ich habe die Separation Road CD im Regal und die darf auch bleiben (ich bin eine radikale CD-Regal Ausräumerin). Mehr aber auch nicht.

Anders gesagt: Ohne die Berichte über die Konzerte in Köln und Frankfurt hier im Konzerttagebuch hätte ich mir den Weg nach Freiburg gespart.


Ja ich weiß, ich bin hier unter Konzertverrückten und fühle mich deshalb schon fast verpflichtet, dies zu begründen, aber diese Woche stehen noch zwei Konzerte an, ich habe einen anstrengenden Job und so richtig günstig war der Abend gestern dann auch nicht zu haben. Ich habe mich erst im Laufe des Nachmittags vom schönen Wetter verführt endgültig entschieden.


Die Frage nach dem Konzert war folglich: Haben sich die kurze Nacht und die Fahrt gelohnt?


Christoph weiß die Antwort schon - sie lautet JA, unbedingt!


Aber der Reihe nach. Ich war pünktlich 19:00 Uhr zum Einlaß da. Die Eintrittskarte sprach davon, dass kein Sitzplatz garantiert wird. Bisher kannte ich das Jazzhaus bestuhlt und ich dachte mir, frühes Kommen sichert einen Sitzplatz vorn, hinten können dann die Spätkommer dicht an dicht stehen, damit alle hineinkommen, die Anna Ternheim hören wollen. Das hatte ich mir so gedacht: es war aber überhaupt kein Sitzplatz da. Ein Indiz dafür, dass wohl viele Karten verkauft worden waren und wir uns alle ein bißchen drängeln sollten.


Ich war nicht die einzige, die sich darüber verwundert den Kopf kratzte. Das frühe Publikum war nämlich deutlich fortgeschrittenen Alters und die Aussicht darauf,
drei Stunden zu stehen, nicht so verlockend.

Auf der Bühne war das gemütliche Wohnzimmer aufgebaut, von dem ich hätte wissen können, wenn ich mir die ausführliche Fassung des Konzertberichtes aus Frankfurt angesehen hätte (die mir irgendwie durch die Lappen gegangen ist). Witzig besonders ein ausgestopfter Schäferhund. Humor müssen sie ja haben... Ich habe mich tapfer am Bühnenrand platziert und mir einen Sitzplatz für die Zeit bis zum Konzertbeginn improvisiert. Gegen 20:10 Uhr ging es recht pünktlich los.




Der Ablauf des Abends entsprach dem in Frankfurt geschilderten. Frau Ternheim betrat die dunkle Bühne, knipste eine Glühlampe an und bot uns zwei leise und traurige Lieder an einer charaktervollen alten Gitarre (inzwischen habe ich nachgelesen, was es mit der Gitarre auf sich hat). Es gab von Anfang an begeisterten Beifall - im Publikum waren viele Fans. Der Herr aus Nashville kam beim dritten Lied dazu und lauschte zunächst,
nahm später den Bass, die Gitarre oder die Mandoline zur Hand während Anna Ternheim an verschiedenen Gitarren und dem Klavier spielte. Wäre nicht immer mal ein Techniker mit der nächsten Gitarre "durchs Bild gelaufen", hätte man sich der Illusion hingeben können, dass wir wirklich einem Abend der beiden im Wohnzimmer beiwohnen. Die Choreographie des Abends gefiel mir deshalb sehr gut. Alles wirkte so natürlich. Auch die Stimmen ergänzten sich aufs schönste. Zwischendurch gab es Wortgeplänkel und Ansagen, die den Eindruck erweckten, dass es den beiden mit ihrem Publikum auch gut ging und es wurde viel gelacht.

Das besondere im Jazzhaus ist, dass der Raum deutlich breiter als tief ist. Es können also viele am
Bühnenrand stehen und die Entfernung zur Bühne ist nie mehr als 10m . Die beiden nutzten das ganz witzig, indem an insgesamt drei verschiedenen Orten auf der Bühne musiziert wurde und so jeder Teil des Publikums mal näher dran war. Für mich wurde es mit der Zeit künstlerisch immer spannender und Höhepunkte waren "Let it rain" und "Bow your head" als letzte Stücke vor den beiden Zugabenblöcken. Als Dankeschön bekamen wir am Ende des ersten Zugabeblock sogar eine Premiere geboten. Diese wurde von Dave Ferguson durch die aufmunternden Worte eingeleitet: heute wäre doch noch nix schief gegangen, man könnte also etwas Waghalsiges probieren.

Gegen 21:50 Uhr war dann auch der zweite Zugabenteil vorbei und auch das wildeste Klatschen lockte die beiden nicht mehr auf die Bühne.


Wie andere den gleichen Abend erlebt haben, kann man hier nachlesen:


http://www.badische-zeitung.de/wie-war-s-bei-anna-ternheim-im-jazzhaus


http://fudder.de/artikel/2012/02/22/anna-ternheim-im-jazzhaus-ein-abend-mit-der-stockholm-nashville-kooperation/

Fotos: By Oliver Peel, Paris, 22.02.2012, Café de la Danse



Montag, 20. Februar 2012

Anna Ternheim, Frankfurt, 19.02.12

4 Kommentare

Konzert: Anna Ternheim
Ort: Unionhalle, Frankfurt
Datum: 19.02.2012
Zuschauer: ausverkauft (vielleicht 700 Zuschauer)
Dauer: knapp 90 min


Vergangenen Samstag spielte Anna Ternheim das erste deutsche Konzert ihrer Europatour in der Kölner Kulturkirche. Anders als von mir erwartet, wurde sie dabei nur von Dave Ferguson begleitet. In Fergusons Studio in Nashville hatte die schwedische Sängerin im vergangenen Frühjahr ihr viertes Album The night visitor aufgenommen. Im Gegensatz zur aufgeblasen produzierten dritten Platte ist The night visitor ein akustisches Album geworden, dem man die Mitarbeit einiger Countrymusiker aus Fergusons Umfeld deutlich anhört.

Mich hatte das Kölner Konzert begeistert. Nach rund zehn Konzerten in den vergangenen fünf Jahren (und allerlei Bandkonstellationen dabei - nachzulesen unten), bin ich überzeugt davon, daß Anna Ternheim am besten ist, wenn sie so akustisch wie möglich auftritt. Mit Dave Ferguson ist zwar bei der jetzigen Tour ein zweiter Musiker - und eine zweite Stimme - beteiligt, dies ändert aber wenig am grundsätzlich akustischen Charakter der Konzerte.

Das Konzert in Frankfurt wurde vom Mousonturm veranstaltet, konnte aber nicht dort stattfinden, weil dessen Spielstätte umgebaut wird. Ausweichquartier ist die Unionhalle auf der Hanauer Landstraße im Frankfurter Osten, ein Gebäude in zweiter Reihe zwischen Autohäusern und Tankstellen. Halle klingt schrecklich, der Saal, der sich hinter diesem Namen verbirgt, taugt allerdings viel für Konzerte und ähnelt dem Mousonturm. Auch in der Unionhalle gibt es eine Galerie über dem Saal und eine herrlich hohe Bühne. Der Raum selbst war bestuhlt und schon um kurz nach sieben recht voll.

In Köln hatte ich - weil auf meinem Online-Ticket die Angabe "Einlass 19 Uhr" fehlte, das Konzert erst in letzter Sekunde erreicht und mich mit einem arg sichteingeschränkten Platz unter der Kanzel begnügen müssen. Vieles von der Bühnedekoration war mir dadurch entgangen. Heute hatte ich alles im Blick - und es gab vieles zu sehen. Die Bühne war "gemütlich" eingerichtet. Mehrere Chesterfield Sessel waren zu einer Sitzgruppe arrangiert, daneben standen kleine Tischchen mit Kerzenleuchtern und Gläsern. Rechts Annas Klavier und daneben ein sitzender Schäferhund.

Um zehn nach acht* erschien die Schwedin. Kurz davor hatte eine Gruppe von Oberstudienräten das dämliche "ich klatsche sie jetzt herbei-Spiel" gespielt, eine schrecklich unhöfliche Unsitte, die man glücklicherweise nur bei einer bestimmten Sorte von Konzerten erlebt (zu anderen Unsitten unten mehr!).** Schlimm, daß das prompte Erscheinen der Musikerin die Klatscher bestärken wird, auch bei ihrem nächsten Konzert (Tori Amos) wieder zu demonstrieren, wer hier den Eintritt gezahlt hat und wer nur musikalischer Dienstleister ist.

Anna gab der dicken Glühbirne, die über ihrem Mikro hing einen kräftigen Stoß und begann wie in Köln mit
Solitary move und What remains vom aktuellen Album. Zumindest bei Solitary move war der Sound flach - zwar glasklar aber gedämpft. Dies besserte sich schnell, leider war das aber nur das erste von vielen, ärgerlicher werdenden Technikproblemen.

Technik ist aber ein gutes Stichwort. Ich habe wenig Ahnung von akustischem Gitarrenspiel. Allerdings benötigt man die auch nicht, um festzustellen, wie sagenhaft gut Annas Umgang mit ihrer uralten Gitarre bei What remains war. Die Sängerin hat viel Arbeit ins, wie sie selbst sagt, "Neuerlernen" ihres Hauptinstruments gesteckt, bei What remains fiel das besonders auf!

Statt dem Wedding song folgten im Anschluß Troubled mind als alter Titel - eine schöne Variation und am Klavier Shoreline und You mean nothing to me anymore ("it's a happy sad song"). Während Anna dieses fröhliche Stück spielte, schluffte Dave Ferguson auf die dunkle Bühne, eine Flasche Rotwein im Arm, und setzte sich auf einen der Sessel, entkorkte den Wein, schenkte sich ein und hörte andächtig zu. Das erinnerte an den Putzmann, der im Hintergrund der Tagesschau seinen Job machte, wärend die Sprecherin ihrem nachging. Anna Ternheim stellte ihren Produzenten im Anschluß vor, erzählte die Geschichte ihrer Zusammenarbeit, lobte seine Frühstückseier (und er ihre hervorragenden Fleischbällchen, nach denen auch seien Hunde verrückt seien) und fragte dann "wanna play some music?" - "I enjoy listening to you!" Kurz danach fragte Dave, welches Datum heute sei, der 19.? "Yesterday was our anniversary!"

Auch wenn es musikalisch nichts miteinander zu tun hat und Anna Ternheim sicher mehr Cowboy als die meisten anderen Folk- oder Pop-Musikerinnen ist, erinnerte mich die Konstellation da sehr an Isobel Campbell und den brummigen Mark Lanegan.

Es folgten sechs Stücke vom neuen Album, darunter das wundervolle Duett The longer the waiting (the sweeter the kiss). Dabei wurde die Bühnendeko mehr und mehr in die Show integriert. Zu All shadows setzte sich Dave auf einen der Sessel links, Anna Ternheim schnappte sich den Wein und setzte sich neben den früheren Johnny Cash-Produzenten (der ein iPad auf dem Notenständer stehen hatte). Das Weineinschänken kommtentierte der Amerikaner mit "one of the best parts of the job!"

Was nach Walking aimlessly passierte, kannte ich schon, es war aber trotzdem wundervoll. Anna ging weg, setzte sich in den Sessel mit Beistelltisch, zündete die Kerzen des Lüchters an und hörte tief versunken Dave zu, der Baby is gone seines Mentors Jack Clement coverte. Leider wurde dieser fabelhafte Moment durch zwei sich laut unterhaltenden Menschen auf dem Balkon verdorben. Sängerin nicht auf der Bühne? Also können wir ja quatschen... (in Heidelberg hatte Anna mal eine störende und sehr betrunkene Frau aus dem Saal geschmissen).

Besonders schön wurde es danach, als Anna Ternheim Girl laying down extrem reduziert am Klavier vortrug. Dummerweise gab es da einen fiesen Tonausfall, den sie zwar souverän umschiffte, er störte aber den Fluß des Konzerts. Schon vorher hatte es immer wieder laute Knalle gegeben, nach Girl laying down traten die Probleme vertärkt auf. Trotz des scheinbar gelassenen Weiterspielens merkte man der Musikerin an, daß es sie nervte. Profi Dave Ferguson warf ihr nach dem Stück einen töstentend Blick zu, was mir sehr gefiel. Der Mann hat schließlich (auch wenn er zehn Jahre jünger ist als er wirkt) mit vielen Musikerlegenden zusammengearbeitet und scheint deren Seelenleben gut lesen zu können.

Von einer der Legenden stammte das nächste Cover: The great divide, ein weiteres Duett der beiden wurde ursprünglich von Johnny Cash und seinem Schwiegersohn geschrieben. Der Co-Autor war sogar doppelter Schwiegersohn, er war nämlich mit zwei Töchtern von Johnny verheiratet. "He wanted to stay in the family."

Let it rain, das schwächste Stück aus Annas Repertoire, das sie heute spielte (das aber wegen seiner reduzierten Art nur mit Metronom und später Kontrabass begleitet um Längen besser war als die Albumversion) kam mit Abstand am besten an.

Nach einer Zugabe weniger als in Köln (dafür einem zu Ende gespielten Halfway to fivepoints), dem vergeblichen Versuch Daves, die Bühne auf der falschen Seite zu verlassen, endete das Konzert nach knapp 90 Minuten. Auch wenn es sehr gut war, hinterließen die Technikprobleme einen faden Nachgeschmack. Vor allem Anna wirkte zudem ein wenig müde. Ich habe zwar heute besser gesehen, das Kölner Konzert vor acht Tagen war musikalisch allerdings eine Ecke besser.

Am Rosenmontag endet Anna und Daves Deutschlandtour in Freiburg, bevor die beiden nach Paris und in die Schweiz weiterziehen. Ich bin sehr gespannt, in welcher Konstellation (und wie groß) die Schwedin demnächst in Deutschland zu sehen ist.

Setlist Anna Ternheim, Unionhalle, Frankfurt:

01: Solitary move
02: What remains
03: Troubled mind
04: Shoreline (Broder Daniel Cover)
05: You mean nothing to me anymore
06: Lorelie-Marie
07: The longer the waiting (the sweeter the kiss) (Pat McLaughlin/Roger Cook Cover)
08: All shadows
09: Ghost of a man
10: God don't know
11: Walking aimlessly
12: Baby is gone (Dave Ferguson solo) (Jack Clement Cover)
13: Girl laying down
14: The great divide (Johnny Cash Cover)
15: Let it rain
16: Bow your head

17: Halfway to Fivepoints (Z)
18: Black light shines (Z)

19:
My secret (Z)

Links:

- Interview mit Anna Ternheim (2007)
- aus unserem Archiv:
- Anna Ternheim, Köln, 11.02.12
- Anna Ternheim, Berlin, 03.11.11
- Anna Ternheim, Nyköping, 24.11.09
- Anna Ternheim, Paris, 23.09.09
- Anna Ternheim, Fribourg, 20.09.09
- Anna Ternheim, Köln, 13.09.09
- Anna Ternheim, Haldern, 14.08.09
- Anna Ternheim, Paris, 29.04.09
- Anna Ternheim, Frankfurt, 28.04.09
- Anna Ternheim, Nijmegen, 24.04.09
- Anna Ternheim, Stockholm, 08.12.08
- Anna Ternheim, Paris, 01.10.07
- Anna Ternheim, Köln, 26.09.07
- Anna Ternheim, Heidelberg, 25.09.07
- Anna Ternheim, Paris, 31.05.07
- Anna Ternheim, Köln, 12.03.07
- Anna Ternheim, Paris, 12.12.06

* Oliver: sag nicht, daß Du nicht gewußt hättest, daß sie so früh beginnt! 20.10 it is.
Exkurs:

Dinge, die niemand bei Konzerten mag:
- lautes mehr oder weniger rhythmisches Mitklatschen auf dem Oberschenkel
- sämtliche Geräusche digitaler Kameras, die sich abstellen lassen. Niemand braucht künstlich erzeugte Auslösergeräusche, lustige Sci-Fi Beeps oder anderen Nervkrams an Handys oder Fotoapparaten
- Autofocus-Hilfsleuchten. In Spielfilmen, in denen Einzelkämpfer oder Swat-Teams vorkommen, braucht es rote Laser, um zu sehen, daß gleich ein Schuß fällt. Bei schwach beleuchteten Konzerten sind in der Regel keine Schurken (auf der Bühne). Also hat rotes Ausleuchten des Künstlers nicht nur keinen Sinn, es nervt auch enorm!
- Mitsingen geht nur unter folgenden Bedingungen: es geht immer, wenn es nicht hörbar ist. Sollte man nicht mindestens so gut wie der Künstler singen können, spart man sich auch das kaum hörbare Mitsingen für die Heimfahrt auf. Lautes, hörbares und schlechtes Mitgröhlen ist auschließlich bei Britpop-Bands erlaubt.



Sonntag, 12. Februar 2012

Anna Ternheim, Köln, 11.02.12

4 Kommentare

Konzert: Anna Ternheim
Ort: KulturKirche Köln

Datum: 11.02.2012
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: gut 90 min


Anna Ternheim ist ein dankbares Objekt für Konzertberichte.* Obwohl ich heute mein x-tes Konzert der Schwedin gesehen haben (und mich nicht traue, nachzuzählen, wie viele es waren), ist es nicht wie bei anderen Künstlern, die ich häufig erlebt habe und zu denen mir irgendwann einfach nichts mehr einfällt. Bisher glich keine Tour der Musikerin den vorherigen, und wenn man meint, alles gesehen zu haben, muß man diese Erkenntnis wieder um mindestens eine Tournee nach hinten verschieben.

Anna Ternheim hat mit Bands gespielt, mit hoch unterschiedlichen, sie ist alleine aufgetreten, mit einem Akustiktrio und zuletzt in Berlin im November mit dem Amerikaner Matt Sweeney, mit dem sie ihre vierte Platte The night visitor eingespielt hat.

Mit Matt und seinem eindrucksvollen Trucker-Schnauzbart hatte ich heute auch wieder gerechnet. Daß der aus Nashville stammende Dave Ferguson, ein Freund und Produzent Johnny Cashs, dabei sein würde, hatte ich gelesen. Es klang also nach einer (Country-)Band, die Anna Ternheim begleiten würde. Eine von vielen Fehleinschätzungen heute.

Die nächste wäre dramatischer geworden. Auf meinem Onlineticket stand nur eine Uhrzeit, nämlich 20.00 Uhr. Ich deutete das als Einlasszeit, da die Kölner Unsitte, ausgerechnet samstags wegen der anschließenden Disco Konzerte extrem früh beginnen zu lassen, für die KulturKirche wohl nicht gilt. Ich wollte also pünktlich zum Einlass da sein und einen guten Platz suchen, da es bestuhlt sein würde.

Bestuhlt war es auch nicht - aber voll, als ich um acht in die Lutherkirche kam. Um zehn nach acht begann Anna Ternheim, das hätte also ordentlich schief gehen können.

Daß ich mit der Band falsch liegen sollte, konnte ich da noch nicht sehen, weil wir links vorne am Rand standen und da die Sängerin zwar sehen konnten, die Sicht sich aber - sobald sie weiter hinten stand - auf ihre schwarzen Stiefel beschränkte. Da hätte ein Kinderchor im Hintergrund stehen können, gesehen hätte ich den nicht.

Die ersten Stücke spielte die Schwedin alleine. Solitary move und What remains stammen beide vom neuen Album und passen zu den ersten beiden Platten der Musikerin. In der Soloversion hörte ich die Besonderheiten von The night visitor nicht heraus. Ihre uralte Gitarre, auf der sie das Album eingespielt hat, klingt für geübte Ohren sicher besonders, für mich Banausen ist eine Gitarre eine Gitarre. Die beiden Stücke sind sehr schön, der erste Knüller war allerdings das folgende alte Lied, der Wedding song, eines meiner Anna-Lieblingsstücke (das sie früher immer als fröhliches Lied ankündigte, nachdem sie die vorherigen Stücke eines Konzerts immer als "das handelt von einem gebrochen Herzen" oder "das ist ein trauriges Lied" vorgestellt hatte). Wer fröhliche Lieder mag, wird zwar nicht ernstgenommen, das ist der Song aber wert.

Anna setzte sich anschließend ans Klavier - nicht mehr ihr schönes rotes, das so nach Pippi Langstrumpf aussieht - es war schwarz und mit einer Wohnzimmerleuchte dekoriert. Dort spielte sie Shoreline, einen weiteren alten Liebling, im Original von ihren Landsleuten Broder Daniel. I'll follow you tonight danach, und es hätte noch ein normales Konzert sein können.

Statt einer Band trat dann zunächst nur Dave Ferguson in den Altarraum und stellte sich an seinen Kontrabass. Dave Ferguson ist Ende 40 (ich hatte einen alten Mann erwartet... aber das passt ins Bild) und hat als Toningenieur für Johnny Cash und andere amerikanische Folklegenden gearbeitet. Wichtiger für heute war aber, daß Dave eine ausgewachsene Cowboy- und Country-Stimme hat. Bei der Albumversion des wunderbaren Duetts The longer the waiting (the sweeter the kiss) ahnt man die bereits, aber der Mann verdient ja sein Geld damit, Dinge anders klingen zu lassen. In seinem Fall unnötig, denn schon sein erster Einsatz bei Lorelie-Marie, zwar noch dezent nur beim Refrain, gefiel mir ausgezeichnet. Ich glaube nicht, daß ich Countrymusik mag, auch die gute nicht, aber die Mischung Schwedin und Cowboy passte punktgenau!

Wie gut die Stimmen der beiden harmonieren, zeigte sich beim nächsten Lied, dem schon erwähnten The longer the waiting... Bei ihrem Showcase-Konzert in Berlin im November hatte Anna das Stück noch alleine gespielt, gemeinsam mit dem brummenden Amerikaner wird es aber erst perfekt!

Noch schöner jedoch war das nächste Duett im Anschluß. All shadows habe ich bislang nicht als riesigen Knüller wahrgenommen, wenig überraschend also heute, daß es eines der schönesten Lieder des Abends werden sollte!

Auch die nächsten drei Titel stammten von The night visitor. Sie alle waren hervorragend, die schönste Szene dabei hatte aber nichts mit Musik zu tun. Anna Ternheim kündigte Come to bed als "It's a love song" an, worüber Dave kurz nachdachte, um dann in ein herzhaftes Lachen auszubrechen! Bei God don't know spielte der Musiker Banjo, ansonsten war sein Platz meist am Kontrabass, der er aber nicht zwangsläufig dann auch spielte (auch ein running gag der letzten Woche).

Dann wurde es wieder spektakulär: Anna verschwand nämlich. Das war aber offenbar geplant (gesehen habe ich nichts, ihre Schuhe waren nur plötzlich weg). Dave war davon weniger überrascht, er spielte Baby is gone von Jack Clement bzw. Charley Pride, mit denen er auch in Nashville gearbeitet hat. Die letzte Zeile des Stücks lautet "who want's to sing when his baby is gone?" Schon dafür hatte es sich gelohnt!

Aber das war es noch lange nicht (ich wollte mich wirklich kürzer fassen!). Anna ging zum schwarzen Klavier und spielte eine sehr abgespeckte Version von Terrified, einem Stück vom dritten Album, das ich wegen seiner wuchtigen Produktion nicht mehr gerne höre. Daß ein Lied davon gerade so besonders abgespeckt vorgetragen wurde, gefiel mir gut.

Johnny Cash wurde nicht nur erwähnt, er wurde auch zitiert, indem Anna und Dave sein The great divide spielten. Das Lied ist Teil einer Tour EP mit vier Coversongs, die bei einer geplanten Probesession in Nashville entstanden ist. Wie auch bei ein, zwei anderen Stücken verpatzten die beiden erst einmal den Einsatz. Dave stand nämlich an Annas Mikro, merke dann, daß es viel zu hoch für ihn hing, drehte es runter, und schon passte es nicht mehr.

Und dann wurde es noch einmal sehr speziell. Let it rain, auch vom viertbesten Album stammend, spielte Anna noch einmal abgespeckter als Terrified. Abgespeckter als nur mit Klavier funktioniert eigentlich einfach: die Sängerin legte ein Mikro neben das Metronom auf dem Klavier, schon das an und begleitete diesen monotonen Rhythmus nur mit ihrer Stimme. Erst gegen Ende stieg Dave mit seinem Kontrabass ein, der eintönige Klang änderte sich aber nicht mehr, wundervoll!

Nach Bow your head (wieder Night visitor) war erst einmal Schluß. Anna kam kurz später wieder, alleine. Ich hatte da auch schließlich kapiert, daß weder Matt Sweeney noch andere zusätzliche Musiker dabei sein würden, mir genügte es so aber auch vollkommen. Zugaben der in New York lebenden Schwedin sind oft eine Wunschrunde. Ein Stammgast in der ersten Reihe erbat sich Halfway to Fivepoints. Anna war unsicher, ob sie den Text kennte, spielte auch irgendwann intrumental weiter. Als ihr das an einer zweiten Stelle passierte, brach sie ab und versprach, das Stück morgen in Hamburg nachzuholen. Zugaben waren dann Better be und Black light shines (noch einmal aktuelle Platte).

Obwohl die Hintergrundmusik dann schon lief (Johnny Cash, oder?), kam Anna noch einmal zurück, um ein weiteres Lieblingslied zu spielen, My secret.

Ich lag in so vielem heute grundverkehrt. Daß es ein wundervolles Konzert werden würde, und daß ich nicht wie ein abgestumpfter Musikjunkie, der schon alles gesehen hat, gelangweilt am Rand stehen würde, hatte ich aber immerhin richtig eingeschätzt.

Setlist Anna Ternheim, KulturKirche, Köln:

01: Solitary move
02: What remains
03: Wedding song
04: Shoreline (Broder Daniel Cover)
05: I'll follow you tonight
06: Lorelie-Marie
07: The longer the waiting (the sweeter the kiss) (Pat McLaughlin/Roger Cook Cover)
08: All shadows
09: Come to bed
10: God don't know
11: Walking aimlessly
12: Baby is gone (Dave Ferguson solo) (Jack Clement Cover)
13: Terrified
14: The great divide (Johnny Cash Cover)
15: Let it rain
16: Bow your head

17: Halfway to Fivepoints (Z)
18: Better be (Z)
19: Black light shines (Z)

20: My secret (Z)

Links:

- Interview mit Anna Ternheim (2007)
- aus unserem Archiv:
- Anna Ternheim, Berlin, 03.11.11
- Anna Ternheim, Nyköping, 24.11.09
- Anna Ternheim, Paris, 23.09.09
- Anna Ternheim, Fribourg, 20.09.09
- Anna Ternheim, Köln, 13.09.09
- Anna Ternheim, Haldern, 14.08.09
- Anna Ternheim, Paris, 29.04.09
- Anna Ternheim, Frankfurt, 28.04.09
- Anna Ternheim, Nijmegen, 24.04.09
- Anna Ternheim, Stockholm, 08.12.08
- Anna Ternheim, Paris, 01.10.07
- Anna Ternheim, Köln, 26.09.07
- Anna Ternheim, Heidelberg, 25.09.07
- Anna Ternheim, Paris, 31.05.07
- Anna Ternheim, Köln, 12.03.07
- Anna Ternheim, Paris, 12.12.06

* und zum Anhimmeln

Konzert: Blouse

Ort: King Georg, Köln
Datum: 11.02.2012
Zuschauer: vielleicht 50
Dauer: 5 min

Weil es noch so früh war, als ich die KulturKirche verließ (21.45 Uhr), das King Georg nicht weit weg ist und da die fabelhaften Blouse spielen sollten, die ich gestern bereits gesehen hatte, wollte ich mir die Amerikaner nicht entgehen lassen. Um 21.00 Uhr sollte die Vorgruppe o F F aus London auftreten. Um fünf nach zehn, als ich vor dem Club stand, sollte ich also höchstens ein Lied verpasst haben. Es war ähnlich. Ich hörte noch die letzten Takte von Into black, dann den Dank von Sängerin Charlie und immerhin die komplette Zugabe Nights and days.

Links:

- Blouse, Luxemburg, 10.02.12




 

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