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Mittwoch, 4. April 2012

Los Campesinos!, Paris, 02.04.12

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Konzert: Los Campesinos!

Ort: La Fléche d'or, Paris
Datum: 02.04.2012

Zuschauer: etwa 300

Konzertdauer: etwa 70 Minuten



Haben wir hier eigentlich noch alle Tassen im Schrank? Einer kleinen netten Indie-Band aus Wales nunmehr 15 Konzertberichte zu widmen? Warum in Gottes Namen? Christophs Beweggründe könnt ihr in seinen entsprechenden Konzertberichten nachlesen, mein Hauptantrieb, die Gruppe live zu sehen, waren immer die feschen Mädels bei Los Campesinos! Die seit geraumer Zeit ausgestiegene Aleks war sehr attraktiv und stilvoll, die Geigerin Harriet extrem niedlich und hübschäugig und die Bassistin Ellen sexy und etwas verrucht.


Zu blöd, daß jetzt Harriet auch nicht mehr dabei ist! Aber immerhin spielte die rotblonde Kim, die Schwester von Sänger Gareth, Keyboard. Mit Ellen (die leider versteckt im Halbdunkel agierte) und Kim gibt es jetzt also nur noch zwei Mädchen, die sich gegen 5 Jungen behaupten müssen. Das Geschlechterverhältnis hat sich ungünstig verschoben. Wirkte sich natürlich auch auf die Musik aus, die wurde dadurch gleich etwas schlechter.


Beim Konzert in der Pariser Flèche d'or vermisste ich vor allem die Geige von Harriet (Archivfoto oben) schmerzlich. Die gab der Sache immer eine besondere Note, sorgte für Dampf und Eleganz gleichzeitig. Auch der liebliche Gesang von Aleks wurde durch die eher zurückhaltend eingesetzte Stimme von Kim nur unzureichend kompensiert. Und überhaupt, diese Kim. Mit einem betörenden Schlafzimmerblick ausgestattet, aber irgendwie auch ziemlich lahm und verpennt agierend. Ist die immer so oder stand die unter Valium? Nun ja, eigentlich schnuppe, ihre Handynummer würde ich mir trotzdem notieren, zumal sie in ihrer engen Blue-Jeans einen guten Arsch hatte.

Und die Männer bei Los Campesinos? Tja, die sind und waren mir immer ziemlich egal. Gareth, der alte Veganer und Diätexperte, ist ein netter Kerl, konnte aber noch nie singen und trotz der von Christoph angedeuteten Gesangsstunden wird er wohl kein ordentlicher Sänger mehr. Immerhin war er aber mit Abstand der agilste und wildeste in einer Band, die im Vergleich zu früher doch deutlich an Dynamik und jugendlicher Spielfreude und Unbeschwertheit verloren hat. Gerade der neue Akustikgitarrist (und Ukulelespieler) wirkte steif und mürrisch und trug nicht viel zur Stimmung bei. Den Schlagzeuger bemerkte man kaum, so dezent war er. Kein Vergleich zu dem früheren Drummer Ollie, der ein Heißsporn war und sich immer prächtig in Szene gesetzt hatte. Tom und Neil gingen auch eher unter.

Die besten Lieder? Die alten Sachen. Death To Los Campesinos!, das an dritter Stelle gebracht wurde, sorgte zum ersten Mal für richtig gute Stimmung und berauschende Gefühle, We Are Beautiful, We Are Doomed gefiel durch einen coolen Slacker-Rythmus und gegen You! Me! Dancing! war nach wie vor kein Kraut gewachsen, alle tanzten und hüpften.


Und die einzige Zugabe Sweet Cheeks war ebenfalls alt und kampferprobt. Auch sie wurde gebührend abgefeiert, was man von den aktuelleren Sachen nicht immer unbedingt sagen konnte (By Your Hand ist, sorry!, eine ziemliche Scheußlichkeit).

Dennoch, auch trotz der personellen Veränderungen und des schwächeren aktuellen Materials war das ein ziemlich gutes Konzert, 7/10 Punkten, wenn ich es benoten müsste.

Setlist Los Campesinos!, La Flèche d'or, Paris:

01: By Your Hand
02: Romance Is Boring
03: Death To Los Campesinos!
04: Hello Sadness
05: Letters From Me To Charlotte
06: We Are Beautiful, We Are Doomed
07: Songs About Your Girlfriend
08: There Are Listed Buildings
09: Knee Deep At ATP
10: The Black Bird, The Dark Slope
11: Straight In At 101
12: To Tundra
13: You! Me! Dancing!
14: The Sea Is A Good Place To Think Of The Future
15: Baby I Got The Death Rattle

16: Sweet Dreams, Sweet Cheeks (Z)





Los Campesinos!, Brüssel, 03.04.12

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Konzert: Los Campesinos!
Ort: Botanique (Rotonde), Brüssel
Datum: 03.04.2012
Zuschauer: vielleicht 150, nicht ganz voll
Dauer: LC! 70 min, Tall Ships 28 min


Los Campesinos! Konzerte sind immer gut, meistens sogar deutlich besser. Das heutige gehörte nur zur ersten Kategorie. Die Waliser haben mich schon oft extrem verzückt, zuletzt bei unserem letzten Zusammentreffen vor zwei Jahren. Seitdem ist einiges passiert, leider vor allem Dinge, die den Spaß auf ein normales Niveau zurückstuften. Nach Schlagzeuger Ollie (nicht freiwillig) ist zuletzt auch Geigerin Harriet ausgestiegen. Mit Aleksandra sind damit drei Gründungsmitglieder nicht mehr dabei. Aleks' Ausstieg wurde durch die Schwester von Sänger Gareth (Kim) gut kompensiert. Für Harriet gibt es allerdings keinen Ersatz, und ihre Geige fehlte mir heute immer wieder sehr.

Das größere Problem ist allerdings ein außerordentlich verzwicktes. Gareth hat offensichtlich zwischen den letzten beiden Platten Romance is boring und Hello sadness Gesangsunterricht genommen. Er singt auf Hello sadness tiefer und weniger schief. Auch live hat sich sein Singen entsprechend geändert. Wäre der Frontmann ausgetauscht worden, wäre der Unterschied zu früher ähnlich. Eine Gesangsausbildung ist nicht verkehrt und wäre beispielsweise allen Kandidaten und Siegern von DSDS zu gönnen. Bei einer Band, die von ihrer musikalischen Versponnenheit lebt, geht damit aber ein wichtiges Merkmal verloren. Pavement oder die Pixies wären mit der Stimme von James Blunt sicher keine meiner Lieblingsbands geworden. Mir scheint das bei Gareth keine natürliche Stimmveränderung zu sein, für den Stimmbruch ist er zu alt. Vermutlich hat der Sänger seinen Anteil am Schmerzensgeld von Budweiser fürs Verwenden von You! Me! Dancing! für eine Werbung in diese außerordentlich doofe Idee investiert. Besser hätte er es zum Frisör getragen...

Dazu kommt, daß seine neue Singstimme zwar tiefer aber nicht genauer ist, ich mochte das gar nicht.

Und dann wirkten die sieben Waliser müde. Hey! Ich hätte Grund dazu, ihr seid aus Paris rübergefahren worden. Ellen, immer noch die weltcoolste Bassistin, schien nicht viel Spaß zu haben aber auch Kim wirkte ein wenig lethargisch. Müde oder überspielt, ich kann es nicht beurteilen. Im Vergleich zu den bisherigen Konzerten, die ich von ihnen gesehen habe, war das heutige eine Ecke schlechter. Ein Blick auf die Setlist zeigt aber dann doch, warum auch "schlechter" noch besser ist, als so viele andere Konzerte, die ich im Laufe eines Jahres sehe:

Setlist Los Campesinos!, Botanique, Brüssel:

01: By your hand
02: Romance is boring
03: Death to Los Campesinos!
04: Hello sadness
05: Letters from me to Charlotte (RSVP)
06: Life is a long time
07: We are beautiful, we are doomed
08: Songs about your girlfriend
09: There are listed buildings
10: Knee deep at ATP
11: Straight in at 101
12: To Tundra
13: You! Me! Dancing!
14: The sea is a good place to think of the future
15: Baby I got the death rattle

16: Sweet dreams, sweet cheeks (Z)

Ein echter Bericht folgt, falls ich mal wieder wach werde.

Links:

- aus unserem Archiv:
Los Campesinos!, Barcelona, 26.05.10
Los Campesinos!, Köln, 13.03.10
Los Campesinos!, Paris, 18.12.08
Los Campesinos!, Köln, 10.11.08
Los Campesinos!, Brüssel, 09.11.08
Los Campesinos!, Melt!, 20.07.08
Los Campesinos!, Paris, 04.03.08
Los Campesinos!, Paris, 03.03.08
Los Campesinos!, Haldern, 01.03.08
Los Campesinos!, Köln, 27.02.08
Los Campesinos!, Paris, 11.11.07
Los Campesinos!, Brüssel, 04.11.07
Los Campesinos!, London, 17.06.07



Donnerstag, 27. Mai 2010

Los Campesinos! & First Aid Kit, Barcelona, 26.05.10

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Konzert: Los Campesinos! & First Aid Kit (Wichita Showcase beim Primavera Sound Festival)
Ort: Apolo, Barcelona
Datum: 26.05.2010
Zuschauer: gut 800 (voll)
Dauer: Los Campesinos! 73 min, First Aid Kit 30 min (verm.)


Ein neues Festival in unserem Programm. Das Primavera Sound Festival 2010 startet zwar erst morgen offiziell, ein Showcase des Wichita Labels mit unseren Lieblingen Los Campesinos! war allerdings ein guter Grund, schon am Vorabend etwas zu üben.

Die Geschichte des Showcases hatte mir LC! Sänger beim Stalken nach dem letzten Kölner Konzert verraten. Wegen des ausgezeichneten Lineups wollten die Waliser schrecklich gerne im Programm des Primavera Sound Festivals sein, um dann eine ganze Menge ihrer Lieblingsbands umsonst sehen zu können. Der Veranstalter tat der Band mit dem spanischen Namen allerdings diesen Gefallen nicht, sodaß Los Campesinos! ihr Label bitten mussten, einen Showcase mit ihnen zu veranstalten, um wenigstens durch die Hintertür Pavement und Konsorten sehen zu können. Das funktionierte, und so standen Gareth, Schwester Kim, Harriet, Ellen, Neil, Tom, Ollie und Live-Mädchen-für alles Sparky Deathcap Campesinos! am Abend als Headliner auf der Bühne des vollen Apolo Theaters.

Dahin zu kommen, war alles andere als einfach, denn vor dem Theater hatten sich irre lange Schlangen gebildet. Man konnte offenbar Karten an der Abendkasse kaufen aber auch jeder, der ein Ticket für das Festival hatte, durfte rein. Also theoretisch Tausende. Weil gleichzeitig Tickets in Bändchen umgetauscht wurden, dauerte es ewig. Gut eine Stunde brauchte ich, bis ich in Schrittgeschwindigkeit zum Umtausch zu kommen. Bis dahin hatten Peggy Sue bereits gespielt und First Aid Kit angefangen.

Zuletzt hatte ich nichts Gutes über die Auftritte der schwedischen Söderberg-Schwestern gelesen (& geschrieben). Sie wirkten lustlos und arrogant bei ihren Konzerten. Das war heute eine Ecke besser; das kurze Konzert machte eine Ecke mehr Spaß als zuletzt. Bei der Ansprache des Publikums merkt man Klara und Johanna aber ihr junges Alter an. Ihre Witzchen über "diese reiche Band Fleet Foxes, deren okayes aber nicht gutes Lied
Tiger Mountain peasant song sie coverten", waren nicht die gewünschten Lacher und nervten.

Musikalisch konnte man nicht meckern. First Aid Kit werden jetzt von einem Schlagzeuger begleitet, den ich nicht gebraucht hätte, der aber nicht weh tut. Die Lieder leben weiterhin ausschließlich vom abwechselnden oder gemeinsamen Gesang der Schwestern.

Neben dem "okayen" Fleet Foxes Cover spielten First Aid Kit Stücke, die live gesetzt sind,
You're not coming home tonight oder Heavy storm. Das schönste Lied war allerdings Ghost town, vor dem Klara Söderberg die vielen Leute hinten im Saal, die sich laut gegen die Musik unterhielten, kurz ruhig zu sein, weil sie das Stück unverstärkt singen wollten. Ich hätte nie gedacht, daß das funktioniert, der Saal wurde aber irgendwann ruhig. Vielleicht hatten die Leute Angst vor Klaras Reaktion (nicht ganz von der Hand zu weisen). Jedenfalls war Ghost town voll akustisch und wundervoll. Damit und mit dem restlichen okayen Auftritt versöhnte ich mich auch wieder mit First Aid Kit. Heute blieb kein fader Beigeschmack. Allerdings ist die Begeisterung von vor einem Jahr auch weg.

Das werde ich von Los Campesinos! wohl nie schreiben. Ich weiß nicht was passieren müsste, damit ich eines deren Konzerte schlecht finden müsste. Heute war ich nach anstrengendem Anreisetag gestern (mit drei verschiedenen Fluglinien - German Wings gebucht, Hapag Lloyd sprang für die ein und nutzte eine Tui fly Maschine) und vollem Touristenprogramm müde und stand an einer Stelle, an der der Sound schrecklich schlecht war - aber es war trotzdem toll!

Neues im Vergleich zum letzten Konzert in Köln im März gibt es nicht zu berichten. Es scheint jetzt Standard zu sein, daß LC! live vom "achten Campesino!" begleitet werden, von Sparky Deathcap Campesino!, der zwar im Hintergrund zwischen Verstärkern und Boxen versteckt steht; allerdings so viel arbeitet, als sei er fünf zusätzliche Bandmitglieder.

Ich stand schlecht. Als ich endlich reinkam, war der Theatersaal bereits voll. Nah an der breiten Bühne konnte man nur noch am rechten Rand stehen. Dort hörte man allerdings vor allem Toms Gitarre, die alles andere überdeckte. Dafür, die Feinheiten der Melodien einmal aus Gitarrensicht zu hören, war der Platz ideal. Ausgewogen klang es allerdings nicht.

Sänger Gareth und Schwester Kim erschienen im Partnerlook mit kurzen (Gareth) bzw. sehr kurzen Jeansshorts - für seine entschuldigte sich der Frontmann irgendwann.

Das Set war ähnlich dem vom März, ein komplettes Programm, keine abgespecktes Festivalversion. Sehr gut gefiel mir, daß
This is how you spell, "Hahaha, we destroyed the hopes and dreams of a generation of faux-romantics" wieder gespielt wird, da der Schwerpunkt der aktuellen Tour deutlich merkbar auf Stücken des letzten Albums liegt. Obwohl das nicht an die allerersten Los Campesinos! Titel heranreicht, sind auf Romance is boring so viele Knüller, daß ausreichend Auswahl für ein gutes Konzert da ist.

Wegen der Liebe der Band für Pavement hatte ich fest damit gerechnet, daß ihren Idolen in irgendeiner Form Tribut gezeugt wird. Insgeheim hatte ich mit dem Frontwards Cover gerechnet, daß LC! früher regelmäßig gespielt haben. Leider kam das nicht, dafür leitete Box Elder wieder You! Me! Dancing! ein. Ich bin also jetzt vorbereitet.

Obwohl nebenher nicht viel Ungewöhnliches passierte (daß bis auf Harriet und Ollie alle Bandmitglieder zur Zugabe ins Publikum springen und da spielen ist mittlerweile Tradition), gab es ein paar erwähnenswerte Szenen. Zum einen war es wieder herrlich, dem achten Bandmitglied zuzusehen. Sparky Deathcap spielt bis auf Bass, Geige und Querflöte alle Instrumente, die auch sonst bei der Band benutzt werden, meist zwei oder drei pro Lied. Sollten Get Well Soon irgendwann einen neuen Musiker suchen, ich könnte den Schotten empfehlen.

Für
We are beautiful, we are doomed bekam Tom ein kleines Keyboard. Weil das im 90° Winkel zu seinen Effektpedalen stand, er aber einen der Effekte brauchte, stand der Gitarrist mit einem Fuß zwischen mitten auf dem Brett - aber das funktionierte!

Ein schöner Auftakt - musikalisch nicht unbedingt wertvoll, da wo ich stand. Aber ein Abend mit Los Campesinos! funktioniert auch so.


Setlist Los Campesinos!, Wichita Showcase, Primavera Sound Festival, Apolo, Barcelona:

00: Intro (Early Whitney - Why?)

01: Heart Swells /100-1
02: Death to Los Campesinos!
03: Miserabilia
04: A heat rash in the shape of the show me state; or, letters from me to Charlotte
05: This is how you spell, "Hahaha, we destroyed the hopes and dreams of a generation of faux-romantics"
06: There are listed buildings

07: Documented minor emotional breakdown #1
08: My year in lists
09: Straight in at 1o1
10: Romance is boring
11: (Intro Box Elder) You! Me! Dancing!
12: We are beautiful, we are doomed
13: The sea is a good place to think of the future
14: Sweet dreams, sweet cheeks

16: Broken heartbeats sound like breakbeats (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Los Campesinos!, Köln, 13.03.10
- Los Campesinos!, Paris, 18.12.08
- Los Campesinos!, Köln, 10.11.08
- Los Campesinos!, Brüssel, 09.11.08
- Los Campesinos!, Melt!, 20.07.08
- Los Campesinos!, Paris, 04.03.08
- Los Campesinos!, Paris, 03.03.08
- Los Campesinos!, Haldern, 01.03.08
- Los Campesinos!, Köln, 27.02.08
- Los Campesinos!, Paris, 11.11.07
- Los Campesinos!, Brüssel, 04.11.07
- Los Campesinos!, London, 17.06.07
- First Aid Kit, Paris, 07.04.10
- First Aid Kit, Köln, 01.12.09
- First Aid Kit, Wiesbaden, 30.08.09



Sonntag, 14. März 2010

Los Campesinos!, Köln, 13.03.10

2 Kommentare

Konzert: Los Campesinos! (& Copy Haho)
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 13.03.2010
Zuschauer: 250 - 300
Dauer: Los Campesinos! 65 min, Copy Haho ca. 35 min


Seit Tagen
wache ich jetzt mit der gleichen Melodie im Ohr auf. Jeden Morgen "when you play pass the parcel with human body parts..." Keine Frage, es gibt Schlimmeres. Mir zeigte das, daß meine Vorfreude auf das erste Konzert von Los Campesinos! seit anderthalb Jahren deutlich größer war, als ich gedacht hatte. Auch da gibt es deutlich Schlimmeres.

Seit November 2008 ist bei meiner Lieblingsband einiges passiert. Aleksandra Campesinos!, die Co-Sängerin, stieg im Sommer vergangenen Jahres aus der Band aus und wurde kurze Zeit später durch Kim Campesinos! ersetzt. Etwa zeitgleich kündigte die Band wieder einmal vollkommen überraschend ein neues Album an. Romance is
boring, die zweite LC! Platte (We are beautiful, we are doomed zählen Los Campesinos! nicht zu den offiziellen Alben), erschien dann im Februar diesen Jahres und wird zur Zeit live vorgestellt. Dabei traten die Waliser zum ersten Mal im Gebäude 9 auf.

Bei Los Campesinos! Konzerten lohnt es sich, rechtzeitig da zu sein, weil die Band Wert auf gute Vorgruppen legt und in der Vergangenheit zum Beispiel Sky Larkin, Vampire Weekend oder Lovvers dabei hatte. Copy Haho hatten mir vorher nichts gesagt. Deren erste EP Bred for skills & magic hatte ich aber gekauft, und die gefiel mir gut.

Und das tat dann auch der Auftritt der vier Schotten - glaube ich. Denn es war so unglaublich laut, wie ich selten Konzerte erlebt habe. Aber ich meine, tolle Lieder mitbekommen zu haben, herrlich scheppernd vorgetragen und immer wieder an Pavement erinnernd oder an Sky Larkin. Melodisch aber roh - vermutlich. Die werde ich mir wieder ansehen aber hoffentlich dann draußen, daß es etwas leiser wird.

Sehr schön war noch eine kleine Episode. Sänger Joe Hearty wollte schrecklich gerne
ein Foto von uns allen mit Schwan Pose knipsen. Er hatte aber keine Kamera. "Gareth, könntest du eine holen?" Der LC! Sänger, der Teile des Konzerts mitten im Saal angesehen hatte, verschwand schnell backstage und legte einen Fotoapparat auf die Bühne, um wieder diskret zum Rand zu verschwinden und unter seiner Kapuze weiter zusehen zu können.

Setlist Copy Haho, Gebäude 9, Köln:

01: You are my coal mine
02: Cutting out the bad
03: Accent changed
04: Demons & gods
05: The be good
06: Wrong direction
07: A winter on the run
08: Pulling push-ups

Beim Umbau sah man dann schon die Änderungen. Links, wo sonst Aleks mit
Keyboard und Glockenspiel stand, waren jetzt nur ein kleiner Synthesizer und eine Querflöte. Dafür stand dahinter, fast schon backstage, eine ganze Batterie an Instrumenten, das war neu. Auch die weiblichen Bandmitglieder sahen anders aus, Bassistin Ellen und vor allem Geigerin Harriet hätte ich kaum erkannt. Die beiden Gitarristen Tom und Neil dagegen hatten wohl sogar die gleichen Hemden an wie vor anderthalb Jahren. Beruhigend, so ein wenig Konstanz!

Um kurz nach neun ging es los. Da wurde dann auch klar, wer die Instrumentensammlung hinten links bedienen würde, denn da stellte sich der achte
Campesino! auf, Robert Taylor, der als Sparky Deathcap Musik macht. Robert Campesinos! tritt seit einiger Zeit als Livemitglied der Band auf und war köstlich! Im Nachhinein ärgere ich mich, daß ich nicht ausschließlich dem Mann hinten zugesehen habe. Es gab nämlich kaum ein Lied, bei dem Sparky nicht mindestens zwei Instrumente gespielt hat. Gitarre, Keyboard, Glockenspiel, Banjo, Schlagzeug, zig verschiedene Rasseln. Und ich wette, es hat ihn geärgert, nicht auch Geige spielen zu dürfen!

Kim Campesinos! ist das neue Highlight der Band. Die Schwester von Sänger Gareth schließt die Aleks-Lücke perfekt. Wahrscheinlich spielt sie noch nicht schrecklich lange Keyboard, und sie hatte nur einen ganz kurzen Einsatz am Glockenspiel. Ihre Stimme ist allerdings großartig. Und dazu die Querflöte - toll! Am schönsten waren aber die Momente, wenn sich Kim und Gareth ansangen! Wundervoll!

Aber ich sollte langsam zur Musik kommen. Romance is boring hat mich eigentlich von Beginn an überzeugt, obwohl ich fest mit einer Enttäuschung gerechnet hatte. Besonders der Anfang der Platte ist fabelhaft. Das Konzert begann aber mit einem der Stücke, die ich bisher nicht so sehr beachtet habe; dem Doppellied Heart Swells /100-1 - I just sighed. I just sighed, just so you know (ich liebe diese kompakten Liednamen!). Sehr doof, das nicht wahrzunehmen, denn es ist ein Hit!

Überhaupt funktionieren die neuen Lieder live ganz ausgezeichnet! Auch
A heat rash in the shape of the show me state; or, letters from me to Charlotte* ist so viel besser, als ich bisher dachte! Aber meine Lieblinge bleiben There are listed buildings, Romance is boring und The sea is a good place to think of the future, das Gareth Lukas Podolski widmete.

Aufgefüllt wurde das Set von Liedern aller (zahlreichen) bisherigen Veröffentlichungen. Natürlich fehlten enorm viele Knüller, darunter auch mein Ohrwurm, bei einer Band, die so früh aber schon so viele Hits hat, wird es wohl nie (oder immer) perfekte Programme geben.

Los Campesinos! wären aber nicht Los Campesinos!, wenn das Konzert damit erzählt wäre.

Da waren noch die Ausflüge ins Publikum... Erst stiegen bei
Sweet dreams, sweet cheeks nur Gareth und Neil von der Bühne und spielten und sangen unten weiter. Neil stand dann da immer irgendwo und musizierte, als sei das vollkommen normal. Bei der Zugabe Broken heartbeats sound like breakbeats wollten aber alle mal. Auf der Bühne standen dabei nur noch Ellen, Harriet und Ollie. Der Rest sang, spielte und tanzte zwischen den Zuhörern, großartig!

Meine Lieblinge waren aber andere. Da war zum einen das Synchron-Glockenspielen von Eigth Campesinos! und Gareth bei
Documented minor emotional breakdown #1! Besser war nur noch Kim bei Romance is boring. Da faßte sie nämlich ganz feste den Anhänger an ihrer Kette. Auch wenn das doof klingen mag, das war sehr romantisch!
Und noch besser als ihr Schmetterlingsblock, auf dem sie sich wohl Notizen zum Ablauf gemacht hatte.


Setlist Los Campesinos!, Gebäude 9, Köln:

01: Heart Swells /100-1
02: I just sighed. I just sighed, just so you know
03: Death to Los Campesinos!
04: Miserabilia
05: A heat rash in the shape of the show me state; or, letters from me to Charlotte
06: There are listed buildings
07: Romance is boring
08: Documented minor emotional breakdown #1
09: My year in lists
10: Straight in at 1o1
11: This is a flag. There is no wind
12: You! Me! Dancing!
13: We are beautiful, we are doomed
14: The sea is a good place to think of the future
15: Sweet dreams, sweet cheeks


16: Broken heartbeats sound like breakbeats (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Los Campesinos!, Paris, 18.12.08
- Los Campesinos!, Köln, 10.11.08
- Los Campesinos!, Brüssel, 09.11.08
- Los Campesinos!, Melt!, 20.07.08
- Los Campesinos!, Paris, 04.03.08
- Los Campesinos!, Paris, 03.03.08
- Los Campesinos!, Haldern, 01.03.08
- Los Campesinos!, Köln, 27.02.08
- Los Campesinos!, Paris, 11.11.07
- Los Campesinos!, Brüssel, 04.11.07
- Los Campesinos!, London, 17.06.07
- mehr Fotos vom Kölner Konzert

* ok, ich wollte den Titel unbedingt unterbringen!



Freitag, 19. Dezember 2008

Los Campesinos! & Sky Larkin, Paris, 18.12.08

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Konzert: Los Campesinos! & Sky Larkin
Ort: la Maroquinerie, Paris (Inrocks Indie Club)
Datum: 18.12.2008
Zuschauer: nicht ausverkauft
Konzertdauer: Sky Larkin ca. 45 Minuten, Los Campesinos! genau 1 Stunde



Weihnachten das Fest der Liebe, des Friedes, der Familie. Ein besinnliche Zeit, die oft gar nicht so leicht zu ertragen ist, weil man über viele Dinge reflektiert, die man im Laufe des Jahres verdrängt hat.

Im kollektiven Kosumrausch (Weltwirtschaftskrise? War da was? Alle Läden sind proppevoll und die Leute schleppen bergeweise Pakete nach Hause, auch ich!) wird man in Paris vor den Türen der Läden z.B. auf unangenehme Weise daran erinnert, daß es viele Leute gibt, denen es wirklich hundsmiserabel geht. Von den Obdachlosen bzw. Clochards, poltisch korrekt SDF (sans domicile fixe= ohne festen Wohnsitz) genannt, spreche ich. Sie liegen in Schlafsäcken vor den Eingängen und hoffen auf milde Gaben. Das versetzt mir immer einen Stich ins Herz, weil ich weiß, daß eine Geldspende umgehend in eine Flasche Schnaps umgetauscht würde. Der nächste Wirtschaftsaufschwung - wenn er denn kommt - wird definitiv an ihnen vorbeigehen! Paris, die Stadt der Liebe und des Lichts (Paris, la ville lumière) kann so herzlos und düster sein!

Nach erledigten Weihnachtseinkäufen ging ich deshalb mit gemischten Gefühlen in die Maroquinerie. Die Rue Boyer, in der der Laden liegt, ist keine Glitzergegend. Das Viertel ist eher einfach und für Pariser Verhältnisse recht arm, sprüht aber vor Kreativität. Neben der Maroquinerie liegt gleich das Kultuzentrum La Bellevilloise, in dem auch ab und zu Konzerte stattfinden und die Bar La Feline, Anlaufstelle für Pariser Nachwuchsrockbands, ist auch nur einen Katzensprung entfernt.

Und die Maroquinerie selbst hat nicht nur den Konzertraum im Keller zu bieten. Man kann auch oben in einem ansprechend hergerichteten Restaurant essen, hinterher an der Bar mit den Bandmitgliedern plaudern und andere interessante und musikbegeisterte Leute kennenlernen. Es gibt auch eine heimelige Terrasse, aber die ist natürlich im Sommer attraktiver, obwohl sich selbst im Winter Leute unter die Heizstrahler hängen, um draußen zu qualmen.

Was ich erst seit kurzem weiß: In dem Komplex wird auch kreativ gearbeitet. Die Büroräume des vorzüglichen Labels Fargo befinden sich hier und die Jungs und Mädels, die für Fargo tätig sind, tun alles, um glänzende Künstler wie Alela Diane, J. Tillman (Soloprojekt des Drummers der Fleet Foxes), oder Alamo Race Track so gut wie möglich zu betreuen.

Heute ging es aber nicht um einen Labelabend von Fargo, sondern von Wichita aus England. Gleich vier ihrer Artisten sollten heute abend auftreten und zwar Lovvers, Those Dancing Days, Sky Larkin und Los Campesinos!

Those Dancing Days glänzten aber durch Abwesenheit und Lovvers bekam ich nicht mehr mit. Nicht schlimm, denn nach so vielen 2008 absolvierten Konzerten ist die Aufnahmefähigkeit logischerweise begrenzt. Und die zwei verbliebenen Bands versprachen auch noch einen gelungen Konzertabend...

Von Sky Larkin hatte mir Christoph schon oft vorgeschwärmt. Immer wenn ich ihn in den letzten Wochen am Telefon hatte, kam er irgendwann auf die junge Bands aus Leeds zu sprechen. "Habe jetzt Karten für Sky Larkin gebucht", erzählte er mir z.B. vor ein paar Monaten. Als ich verwundert nachprüfte, ob denn das Trio bereits Headliner für eigene Clubkonzerte in Deutschland sei, erfur ich, daß sie lediglich im Vorprogramm von Conor Oberst und seiner Mystic Valley Band auftraten. Hinterher schrieb er mir begeistert eine E- Mail: Sky Larkin waren großartig, Conor hingegen laaaaaangweilig!

Auch ich bekam in Paris die Gelegenheit die gleiche Kombination - Sky Larkin und Conor Oberst - zu sehen. Allerdings verpasst ich den Auftritt der Engländer trotz der Lobhudelungen von Christoph. Ehrlich gesagt: das war mir piepegal! Gerade in Frankreich werden Vorbands nämlich oft mit Desinteresse bestraft, was dazu führt, daß ich mich in beiden möglichen Fällen ärgere: Entweder die Vorgruppe ist wirklich mies und wird zu recht ignoriert und ich frage mich, warum ich für die Typen wichtige Lebenszeit vergeude, oder aber die Vorgruppe ist gut, bekommt aber kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Dann stört mich das Verhalten der Zuschauer. Eine klassische Lose/Lose Situation so etwas!

Heute war die Ausgangslage aber anders. Bei den sogenannten Inrocks Indie Clubs in der Maroquinerie gibt es keine Vor- und Hauptgruppe im herkommlichen Sinne. Zwar bekommt die Band, die als letzte ranmuß, am meisten Spielzweit eingeräumt, aber diese unterscheidet sich nur unwesentlich von derjeneigen der vorletzten Band. Im heutigen Fall haben Los Campesinos! beispielsweise nur gut 10 - 15 länger als Sky Larkin gespielt.

Und das Trio aus Leeds nutzte ihre Dreiviertelstunde wirklich konsequent. Mit Karacho und ohne wirkliche Verschnaufpausen polterten sie durch ihr fetziges und lärmumtostes Set und sammelten mit ihrem natürlichen Charme bei mir ordentlich Pluspunkte. Sängerin und Gitarristin Katie hatte für den Abend ein besonders ausgefallenes Bühnenoutfit gewählt. Die dauernd lächelnde Frontlady trug nämlich ein grünes Filzkleid im Stile von Robin Hood, inklusive Herzchen und güldenem Lametta! Auf ihrem Kopf hatte sie ein drolliges Käppi platziert, das man so ähnlich von Hofnarren her kennt. Auch die Fuß- und Beinbekleidung war außergewöhnlich. Rot-grüne Ringelsöckchen kombinierte sie mit stylischen silberfarbenen Sneakers von Puma. Ihr rotschöpfiger Drummer machte es sich da leichter. Jeans, nackter Oberkörper, Weihnachtsmann-Zipfelmütze und ein weißer Rauschebart waren sein Dresscode. Nur der Basser machte bei dieser Maskerade nicht mit, er verzichtete gänzlich auf solchen Schnickschnack und war auch sonst eher unauffällig. Die Show gehörte dem Girl und dem explosiven Drummer mit seinem Mützchen also fast ganz alleine. Katie hatte neben ihrem tollen Dress auch eine schöne Stimme in die Waagschale zu werfen. Sie bewegte sich irgendwo zwischen Björk und jungen Rockröhren von Neo- New Wave Bands. Eine charmantes und fetziges Girl!

Die gespielten Lieder kannte ich vorher nicht, aber das war auch nicht weiter schlimm, denn heute ging es hauptsächlich darum, das Jahr ordentlich ausklingen zu lassen und nicht zu sehr trüben oder ernsten Gedanken nachzuhängen. Christoph hat sicherlich zu den einzelnen Songs in seinen Reviews auch schon eine Menge erzählt. Ich beschränke mich somit auf den Verweis an den Kollegen. Allerdings gab es heute ein Weihnachtsspecial: Bei dem angekündigten Christmas Song handelte es sich witzigerwiese um... Last Christmas von Wham! Wham, igitt! Die mochte ich noch nie, aber ich kann mich noch sehr gut an das Lied erinnern, das jedes Weihnachten wieder ausgraben wird und auch das (eigentlich gar nicht so schlechte) Video ( hier gucken) mit der Feier in einer verschneiten Berghütte ist bei mir noch präsent.

Und was soll ich sagen? In der Version von Sky Larkin war das Lied wirklich gut! Der Schmalz und der klebrige Zuckerguß, der dem Original anhaftete, wurde kurzerhand durch einen schrägen Basslauf und eine heulende Giatrre ersetzt. Und es sang auch nicht George Michael (Gott sei Dank!) sondern Katie. Frohe Weinhachten!

Witzige Szene zum Abschluss: Drummer Nestor Matthews hatte sich dermaßen verausgabt, daß er minutenlang geschlaucht am Boden liegen blieb!

Aber Nestor sollte nicht der einzige Schlagzeuger des Abends bleiben, der im Weihnachtsmanngewand hinter seiner Schießbude agierte. Lustigerweise hatte sich nämlich auch Olli Campesinos einen weißen Bart umgehangen und ebenfalls eine rote Zipfelmütze aufgesetzt (ob das die gleichen waren und sie in der Kabine einfach nur getauscht hatten?).

Als erste der Campesinos! Familie erschien aber Ellen. Wow, sah die scharf aus! Rote Strähnchen peppten ihren Blondschopf auf und ihren aufregenden Körper hatte sie in ein rot-weiß gepunktetes Sixties-Kleid gehüllt. Dazu trug sie schwarz-weiße Pumps und selbst der Bass war farblich abgestimmt. Was ich von meiner Position aus nicht sah: Ellen hat ein Zungenpiercing! Als ich mich nach dem Konzert auf der Terrasse der Maroquinerie ein wenig mit ihr unterhielt, sah ich es ganz deutlich. Mamma Mia!...

Im Verlaufe des Konzertes fixierten meine Augen aber ein anderes Mädel der Band und zwar Harriet, die Violinistin. Ein ganz anderer Typ als Ellen, zumindest äußerlich. Flache Ballerinas, ein blaues Samtkleid und dazu ein entzückendes Lächeln so daß ihre wundervollen grünen Augen strahlten. Ich war verliebt. Zumindest platonisch. Ein Mädchen neben mir im Publikum bemerkte, daß ich Harriet permanent abknipste und zwinkerte mir zu: "Elle es très belle, hein?" - Sie ist sehr hübsch, oder? Ich war etwas verlegen, fand aber schnell meine Fassung wieder und antwortete knapp: "Ich brauch' die Fotos für eine Musikseite, das ist alles"...

Die dritte junge Frau in der Band, die Keyboarderin und Glöckchenspielerin Aleks befand sich schließlich in dem anderen Winkel des Saales und war somit ein wenig aus meinem Blickfeld. Auch sie war wie immer herzallerliebst und sehr stilvoll. Eine Art Alexandra Maria Lara der Indie-Musikszene. In einem wunderbaren Moment zeigte sie ihr schönstes Lächeln, so daß die Sonne aufging, ansonsten schien sie aber immer ein wenig traurig und nachdenklich. Sie wirkte so blaß, dünn und auch ein wenig müde, was mir Sorgen um ihre Verfassung bereitete.

Kurzum: Für die Stunde des Konzertes war ich gleichzeitig in Ellen, Harriet und Aleks verknallt, ich glaube in Harriet am meisten! Und es halte mir jetzt auch niemand Notgeilheit oder Untreue vor. Ich spreche hier von der reinen, unschuldigen und platonischen Anziehung durch drei reizende weibliche Geschöpfe, so wie ich sie zuletzt als Grundschüler für die Lieblingsmädchen aus meiner Klasse empfunden habe...

Aber es gibt ja auch genügend männliche Wesen bei Los Campesinos! Sie sind sogar in der Überzahl, so daß sich auch die weiblichen Zuschauer in der Maroquinerie nicht beschweren konnten. Wer wohl ihr Favorit war? Ollie, der spindeldürre Drummer mit den flinken und reaktionsschnellen Armen? Oder der Doppelpack aus den beiden Gitarristen Neil (trug T-Shirt von den Parenthetical Girls) und Tom (sein T-Shirt war von Deerhoof), die oft in das gleiche Mikro schreien? Oder am Ende doch der stets gutgelaunte Sänger Gareth, der seit dem letzten Konzert in Paris wieder ein paar Pfündchen zugelegt hat, ohne jedoch wirklich dick oder punmmelig zu sein? Hmm, wäre ich eine Frau würde ich Neil nehmen. Glaube ich zumindest. Oder Tom, der spricht nämlich sogar ein kleines bißchen französisch, weil seine Mutter bekanntermaßen Französischlehererin ist, was Gareth regelmäßig in Paris schamlos ausnutzt und den armen Tom immer als Dolmetscher vorschickt. "Tom, sag' mal was, Du kannst doch französisch!" Der braunhaarige Kerl ist dann immer ganz verdutzt und stammelt sinnloses Zeug vor sich hin. Immerhin bekam er einen wichtigen Satz zustande: "Joyeux Noel" (denkt Euch bitte die Pünktchen auf dem E dazu, ich finde die Tastenkombination nicht!) - Fröhliche Weihnachten!

Aber mal ganz kurz weg von den Musikern und hin zu den Songs. Die kamen gewohnt schräg, tempogeladen und wahnsinnig laut rüber und wie immer bekamen die falschen Waliser auch hin, vor lauter Aktion einigermaßen Struktur reinzubringen. Manchmal hat man zwar den Eindruck, sie hätten zu viele Ideen auf einmal unterbringen wollen, aber am Ende passt es dann doch irgendwie. Und zu perfekt und harmonisch wollen sie ja auch gar nicht sein, ihr leicht chaotisches Spiel und der schiefe Gesang von Gareth wird letzlich immer von der lieblichen Stimme von Aleks gerettet.

Innerhalb der einzelnen Songs des Sets zogen auch schon die vier neuen Stücke recht gut, aber letztlich platzte der Knoten beim Publikum erst so richtig mit dem alten Hit You! Me! Dancing! Von da an gab es bei den Zuschauern eigentlich kein Halten mehr, die Leute hüpften wie aufgedreht umher und zauberten so eine sensationelle Stimmung herbei! Kaum einen hielt es jetzt noch an sich. Als hätten die Campesinos Lachgas versprüht und sämtliche Bewegungsblockaden bei den Parisern gelöst! Vier Lieder lang glich das Konzert somit einem Abiball nach dem 5. Liter Bier und so ließen es sich auch die Bandmitglieder nicht nehmen, ins Publikum abzutauchen. Neil wurde auf Händen getragen und selbst die schüchterne Aleks kletterte nun wie die anderen auf eine Box und sang von dort aus weiter...

Was für ein gelungener Abschluss eines ereignisreichen Konzertjahres 2008!!

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Lesern vielmals für ihr Interesse bedanken und von Herzen frohe Weihnachten wünschen. Schaut auch an und nach den Feiertagen immer mal wieder bei uns vorbei. Es warten nämlich noch unsere beiden Listen mit den besten Konzerten des Jahres 2008 auf euch! Stay tuned!

Danke, Merci! Frohe Weihnachten! Seid lieb zu Papi, Mami und den Geschwistern...


Setlist Los Campesinos!, La Maroquinerie, Paris:

01: Ways To Make It Through The Wall
02: The International Tweexcore Underground
03: All Your Kayfabe Friends
04: Death To Los Campesinos!
05: Miserabilia
06: This Is How You Spell, Hahaha, I Destroyed The Hopes And Drams Of A Generation Of Faux-Romantics
07: Knee Deep At ATP
08: Documented Minor Emotional Breakdown # 1
09: My Year In Lists
10: You! Me! Dancing!
11: We Are Beautiful, We Are Doomed
12: Sweet Dreams, Sweet Cheeks

13: Broken Hearts Sounds Like Breakbeats (Z)


- Fotos von Sky Larkin hier
- Mehr Fotos von Los Campesinos! hier

- Rockingparis hat ein tolles Video von Los Campesinos! gefilmt. Man sieht dort Gareth, wie er Sky Larkin, Lovvers und das ganze Label Wichita lobt und auch den Hit Sweet Dreams, Sweet Cheeks. Hier klicken, da geht die Party am Ende ab!




 

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