Samstag, 30. August 2008

Get Well Soon, Wiesbaden, 30.08.08


Konzert: Get Well Soon

Ort: Wiesbaden (Folklore im Kulturpark)
Datum: 30.08.2008
Zuschauer: ca. 500 - 600
Dauer: 60 min.


Spontane Entscheidungen sind ja nicht selten gute, so heute auch meine, zur Folklore nach Wiesbaden zu fahren,
einem hübschen kleinen Festival im Kulturpark. Dieser Park erstreckt sich vom Bahn- bis zum Schlachthof, der in Wiesbaden ja für gute Indiekonzerte steht. Also der Schlachthof.

In dem Parkgelände sind mehrere Bühnen aufgebaut, mindestens zwei weitere sind im Schlachthof. Vor allem aber gibt es überall Ess- und Trinkstände, eine riesige Auswahl an Leckereien aus aller Welt.* Mich interessierten aber weder die Infostände, die Poetry Slams oder die Kleinkunst, ich war wegen Get Well Soon da. Das Projekt von Konstantin Gropper habe ich bislang dreimal gesehen, mit großer Begeisterung.

Zuerst hörte ich aber noch zwei, drei Lieder der vorherigen Band Abuela Coca aus Uruguay. Der Reggae-Rock sorgte zwar ordentlich für Stimmung, nicht aber bei mir, weil das nicht meine Musik ist.

Nachdem deren Kram abgebaut war, wässerte ein Helfer wie beim Tennis den staubigen Platz vor der Bühne. Währenddessen bauten Get Well Soon ihre Instrumente auf. Natürlich verschwanden sie anschließend noch einmal in den Backstagebereich (Bierbänke und Zelte in einem abgetrennten Eck des Parks). Dort sah ich die Musiker dann kurz vor Konzertbeginn an der Treppe stehen und warten. Bevor sie dann nach oben gingen, umarmten sich alle, während wieder ein französischer Schlager (Barbara, oder?) vom Band kam.

Get Well Soon fangen ihre Konzerte wie das fabelhafte Album an, mit der Prelude, die eigentlich schon eine perfekte Kurzzusammenfassung der Gropperschen Musik ist, ganz leise anfangend, dann immer weiter steigernd. Diese Einführung habe ich zum ersten Mal vor einem Jahr bei einem kleinen Konzert in Berlin gehört und war dann verzückt, daß auch das Album so anfängt.

Im Anschluß wurde es anders als bei meinen bisherigen Get Well Soon Konzerten. Es
folgte We are safe inside while they burn down our house. Eine zentrale Rolle bei diesem Stück spielt die Geigerin. Von Oliver hatte ich schon gehört, daß in Evreux eine neue Frau an der Violine auftrat, heute war es aber auch die nicht, sondern ein junge Frau namens Theresa. Alle Musiker stammen aus Konstantins Umfeld von Musikstudenten, daher sind keine Qualitätseinbußen duch Tausch festzustellen, aber auch nicht ansatzweise! Ich hatte bisher an der Violine jeweils Konstantins Schwester Verena erlebt, die aber zur Zeit durch Prüfungen nicht verfügbar ist.

Meine Lieblingsposition der Band ist allerdings die des brilletragenden Keyboarders, der ein so unglaublich schönes Glockenspiel in einem himmelblauen Plastikkoffer als Zweitinstrument spielt. Und obwohl ihn das schon zum coolsten Typen bei Get Well Soon macht, hat er sicherheitshalber auch noch ein Akkordeon dabei. Den himmelblauen Koffer zierte übrigens ein Apple-Aufkleber, es war also ein iGlockenspiel...

Als nächstes einer meiner zahlreichen Lieblinge -
If this hat is missing I've gone hunting. Das Lied mit dem schönen Refrain "Shoot baby, shoot". Ach, ist das schön!

Danach gabe es Problemchen. Irgendetwas an der zweiten Gitarre funktionierte nicht. "Aber wir sind ja flexibel", kommentierte Konstantin und änderte das Set. Für
You/Aurora/You/Seaside ist die Zusatzgitarre wohl nicht entscheidend. Beim nächsten Lied People Magazine front cover tat sie es aber wieder, es klang zumindest für mich so.

Ob die komischen Vögel, die plötzlich auftauchten, es auch irgendwann auf ein Titelblatt eines People Magazins schaffen, wage ich zu bezweifeln, auf dem Festival waren sie die heimlichen Stars. Dabei weiß ich gar nicht, ob die
großen Figuren überhaupt Vögel sein sollten, sie sahen ein wenig wie Truthähne aus (tut mir leid!). Sehr komisch war, daß die Riesenmonster ab und zu hinter Festivalbesuchern herrannten und sie jagten. Sehr komisch Szenen!

Zu übersehen waren die Dinger nicht, auch nicht für die Musiker vorne. "Ich glaube, wir werden angegriffen! Von diesen Zombiegiraffen", stellte Konstantin Gropper fest, um dann das kommende Lied anzukündigen: "Das nächste Stück heißt 'Mainz bleibt
Mainz'" Hieß es natürlich nicht, der Titel wäre für einen Get Well Soon Song einfach zu kurz. Es kam Help to prevent forest fires.

Und obwohl bis da alles schon so schön war, sollten die Highlights noch kommen!

Zum Beispiel
I sold my hands for food so please feed me! Es Lied fing schon mit lautem Gitarrengeschrammel an, wurde dann ruhiger, dominiert von einer intensiven Bassdrum, um dann in einem wilden Gitarren- und Bassound zu enden.

Ähnlich lief
Listen! Those lost at sea sing a song on Christmas Day von der wundervollen EP Glaciers! Kisses! Apples! Nuts! Dabei singt die Geigerin den Anfang. Wundervoll habe ich eben schon benutzt. Mist. Aber so leise das Stück beginnt und begann, so laut und rockig endete es.

"Wir spielen einen Klassiker, bitte alle mitsingen!" moderierte der Frontmann das
Underworld Cover Born slippy nuxx an. Natürlich sang keiner mit. In Köln hatte Konstantin hinterher noch festgestellt, daß das Lied eine Menge Text habe, kein Wunder also. Auch Born slippy nuxx mündete in herrlichem Gitarrenkrach. Es schien, als wollten die Musiker sich noch einmal richtig austoben, bevor es, wie Konstantin Gropper sagte, in die Sommerpause geht.

Sie konnten aber auch anders.
Ticktack! Goes my automatic heart begann nämlich ausschließlich mit Konstantin, Theresa und dem Bassisten auf der Bühne. Erst am Ende des Stücks stiegen die anderen drei wieder ein und spielten dieses so schöne Lied zu Ende.

Leider war die angesetzte Zeit (immerhin eine Stunde) viel zu schnell vorbei. Im Gegensatz zu den 13jährigen Mädchen und Jungen mit Atomkraft? Nein, danke-Buttons an Ralph-Lauren-Taschen (die vielen Brockdorf-Veteranen, die auch auf dem Festival waren, werden entsetzt gewesen sein) habe ich
mich nicht gelangweilt und hätte gerne noch mehr gehört. Aber Lost in the mountains (of my heart) war das Schlußstück. Die letzten Textpassagen schrie Konstantin ins Mikro, bevor die Band verschwand.

Get Well Soon sind zurecht so hochgelobt! Wie fantastisch doch all die gespielten Lieder sind, wie toll die Songstruktur, die Instrumentierung, Glockenspiel, Akkordeon, Geige, Trompete... Selbst die Gitarren sind bei Get Well Soon nicht langweilig. Musikalisch eh nicht, die Deko ist aber auch schon hübsch. Auf den Instrumenten des Get Well Soon Machers klebt unter anderem ein Bambi...

Die Band supportet jetzt erst einmal Calexico bei vier Terminen (leider außerhalb Deutschlands). Hier sind sie beim City Slang Abend auf der PopKomm zu sehen und
dann erst wieder im Dezember. Ende des Jahres wird auch die Debüt CD neu aufgelegt, dann mit der herrlichen Weihnachts-EP als Bonus. Ein Kauftip!

A propos Kauftip: Karten für die Wiesbadener Folklore sind auch einer. Das Festival bietet enorm viel kulturelle Abwechslung, ist gut erreichbar, gut organisiert und hat ein interessantes Line-Up. Blackmail, die Sportfreunde Stiller oder die Kilians sind ja schon einmal etwas. Und das für Eintrittsgelder, für die man nicht ins Kino gehen kann.

Setlist Get Well Soon, Folklore, Wiesbaden:

01: Prelude
02:
We are safe inside while they burn down our house
03: If this hat is missing I've gone hunting
04:
You/Aurora/You/Seaside
05:
People Magazine front cover
06:
Help to prevent forest fires
07: I sold my hands for food so please feed me
08: Listen! Those lost at sea sing a song on Christmas Day
09: Born slippy nuxx
10: Ticktack! Goes my automatic heart
11: Lost in the mountains (of my heart)

Links:

- Get Well Soon beim Festival in Evreux
- und live im Gebäude 9 in Köln
- bei der popkomm 2007 in Berlin
- und in Haldern 2007
- mehr Fotos von Get Well Soon in Wiesbaden (und den Zombiegiraffen)

* Präsens, weil das Festival am morgigen Sonntag auch noch läuft



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