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Samstag, 23. Juni 2012

The Shins, Frankfurt, 22.06.12

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Konzert: The Shins
Ort: Lüften Festival, Frankfurt
Datum: 22.06.2012
Dauer: 90 min


Mensch, die Shins habe ich vollkommen aus den Augen verloren. Als ich sie zum letzten Mal live gesehen habe, waren Alexander Madlung und Robert Hilbert noch Nationalspieler. Ohne längeres Nachdenken hätte ich bei allen dreien letzte Woche nicht auf Anhieb gewußt, was sie gerade so machen, bei den Shins konnte ich mir gestern ansehen, wie es ihnen so geht.

Zehn Minuten vor Konzertbeginn war ich noch nicht sicher, ob ich mir die Amerikaner, die ich einmal sehr geliebt habe, von Anfang an ansehen sollte oder nicht doch lieber Ja, Panik weiter gucken sollte. Spontan entschied ich mich gegen die Österreicher (mit der lustigsten Frisur seit langem).

Keine Ahnung, wann ich zuletzt meine Shins Platten gehört habe, es ist aber lange her. Warum ich das Interesse an ihnen verloren habe, weiß ich partout nicht. Aus den Augen, aus dem Sinn, das gibt es eben manchmal. Dabei haben es die Shins mit ihren vielen großen Hits sicher nicht verdient, vergessen zu werden. Trotzdem habe ich ihre letzte Platte noch nicht einmal gekauft (was bei mir gleichzeitig heißt, daß ich sie nicht gehört habe). So waren meine anderthalb Stunden mit den Shins so wie ein Klassentreffen nach langer Zeit. "Ach, das gab es ja auch, und toll ist es," kam mir immer wieder in den Sinn.

Seit 2007 hat die Band aus New Mexico ihr Gesicht massiv verändert. Außer Frontmann James Mercer ist kein Mitglied länger als drei Jahre dabei, naja, außer Drummer Joe sind alle sogar erst seit 2011 im Team. Bei den alten Sachen klangen diese Shins aber nicht anders als die von vor fünf Jahren.

Der Unterschied, den ich festgestellt habe, lag zwischen den Songgenerationen. Mag sein, daß es darin seine Ursache hatte, daß ich die neueren Lieder nicht kannte. Aber an New slang, Sleeping lessons, Saint Simon, Phantom limb oder Caring is creeping kam keines der 2012er ran, das schlechteste Stück war das unveröffentlichte Marisa (zu viel Funk, zu wenig Herz).

Trotz der schwächeren Momente hatte das Konzert keine Längen. Anderthalb Stunden bei einem Festival sind ja keine leichte Kost, vor allem, wenn es nicht das erste Konzert des Tages ist (drei Stunden The Cure neulich haben mich aber vielleicht abgehärtet).

Was gibt es sonst zu berichten? Das Publikum war gespickt mit Musikern. Markus Acher, Teile von Get Well Soon, Robert Stadlober und Erlend Øye standen oder liefen vor uns rum. Der norwegische Whitest Boy Alive und Kings Of Convenience Mann amüsierte uns dabei besonders. Erst äffte er für seinen (weiblichen) Hofstaat den Shins Keyboarder gestenreich und sehr komisch nach, dann wandelte (alles andere beschriebe es falsch) über den Platz und tanzte zu New slang einen skandinavischen Sonnwend-Tanz, wundervoll!

James Mercer erklärte irgendwann, Schlagzeuger Joe sei verletzt, daher ein Sonderlob für ihn. Joe kommentierte dies mit "take drugs but don't play Frisbee", was zu großem Gelächter in der Band führte. "Ich kann nicht glauben, daß er zugegeben hat, Frisbee zu spielen!"

Ob seine Leidenschaften auch die Skelett-Hand mit Glöckchen erklärt, die Joe am
Schlagzeug hatte?

Am besten gefiel mir aber der Tourmanager der Band. Er trug nämlich Anzug und Krawatte, während er die Mikros justierte oder Instrumente anreichte. Das hatte Stil, ha!

Es war ein gutes Klassentreffen, gar keine Frage! Es kann zwar sein, daß mir erst wieder in fünf Jahren nach den Shins ist, aber auch dann wird es wieder klasse! Und bis dahin habe ich ganz regelmäßig Sachen wie "after all these implements and text designed by intellects" im Kopf.

Setlist The Shins, Lüften Festival, Frankfurt:

01: Kissing the lipless
02: Caring is creepy
03: Simple song
04: Australia
05: Bait and switch
06: Phantom limb
07: The rifle's spiral
08: Saint Simon
09: Marisa
10: So says I
11: Know your onion!
12: Girl sailor
13: Port of Morrow
14: New slang
15: It's only life
16: Sleeping lessons
17: September
18: Sphagnum Esplanade
19: One by one all day

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Shins, Paris, 05.11.07
- The Shins, Paris, 24.08.07
- The Shins, Hohenfelden, 17.08.07
- The Shins, Köln, 03.04.07
- The Shins, Köln, 03.04.07
- mehr Fotos von den Shins



Bréton, Frankfurt, 22.06.12

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Konzert: Bréton
Ort: Lüften Festival, Frankfurt
Datum: 22.06.2012
Dauer: knapp 50 min


In der westdeutschen Radiolandschaft gibt es bekanntlich nur zwei Quellen für neue akzeptable Musik, Plan B bei einslive und den Indie-Deutschlandfunk. Der DLF arbeitet nach dem Prinzip Size doesn't matter: es läuft kaum Musik, und die ist dann gut. Mein erster Kontakt mit Bréton fand im Deutschlandfunk statt, beim Lüften Festival (so was wie der DLF unter den Festivals, habe ich nach dem gestrigen Tag den Eindruck) hatte ich die Gelegenheit, die Londoner live zu sehen.

Als Bréton nach den Shins auftraten, lief die zweite Halbzeit des Spiels Deutschland - Griechenland, das sicher mitschuldig am mäßigen Zuschauerinteresse des Festivaltags war. Auf dem Weg ins Casino der Jahrhunderthalle erfuhren wir, daß die Griechen ausgeglichen hatten. Die nächsten Nachricht zum Zwischenstand lieferte der Sänger und Gitarrist der jungen Band.

Wenn man Lieder der Briten hört, sind Gitarren sicher nicht das erste, was auffällt. Keyboardtöne dominieren ihr Album und die vorherigen EPs. Auch live kamen meist drei Keyboards zum Einsatz, allerdings waren auch die Gitarren hoch präsent und spielten ganz großartige Melodien, was bei einer vom Beat lebenden Band überraschen mag.

Wenn ich die Referenzen, die im Zusammenhang mit Bréton genannt werden, schon vorher gelesen hätte und nicht stattdessen ihre Musik gekauft hätte, wäre ich vielleicht auch im Foyer gelandet und hätte Fußball geguckt. Den immer wieder genannten James Blake z.B. halte ich für hemmungslos überschätzt. Mir kamen viel eher Bloc Party oder (wegen des Gesangs) Mike Skinner in den Sinn, Bréton sind aber eine dieser dankbaren Bands, die so eigen klingen, daß jeder das, was er mag aus ihnen raushören kann (ich also eher nicht James Blake). Es gab auch immer wieder Foals- und Futureheads-Momente. Weil ich hier nur Bands nenne, die ich mag, wird nicht überraschen, daß mir auch das Konzert von Bréton ganz ausgezeichnet gefiel.

Toll war zum Beispiel, wie schnell die fünf Engländer das Casino in den Griff bekamen. Das hatte immerhin vorher schon Größen wie Get Well Soon, The Notwist und die Shins gesehen und war sicher langsam so platt wie die Griechen (und ich). Trotzdem blieb nach zwei, drei Liedern niemand mehr ruhig stehen. Dafür waren die Beats auch zu fordend (juchuu, das ist meine bisher beste Musikjournalistenfloskel, ganz ungeplant!).

Nach 50 Minuten und vier Toren in Danzig war Schluß. Daß das Konzert sicher nicht weniger unterhaltsamer als das Viertelfinale war, sagt sicher alles.

Setlist Bréton, Lüften Festival, Frankfurt:*

01: 15x
02: Pacemaker
03: Interference
04: Edward the Confessor
05: Electrician
06: Governing correctly
07: Wood and plastic
08: December
09: Jostle
10: Ordnance survey
11: Foam
12: Episodes

* ungeprüft


The Notwist, Frankfurt, 22.06.12

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Konzert: The Notwist
Ort: Lüften Festival, Frankfurt
Datum: 22.06.2012
Dauer: 90 min


"Ja guten Tag, wir heißen Notwist und freuen uns über jeden, der da ist." Und das waren leider nicht furchtbar viele zu Beginn. Notwist standen bereits um 18.30 h auf der Bühne, es war also noch hell genug, die vielen Lücken auf dem Platz davor zu sehen. Das muß frustrierend für einen Künstler sein. Markus Achers Gesicht ist zu behaart, um Gemütsregungen abzulesen, ich hatte aber nach der Begrüßung des Sängers befürchtet, seine Laune sei im Keller.

Die Musik war es anfangs auch, die Bässe waren beim ersten Stück sehr dumpf. Das hilft mir aber andererseits auch ein wenig, falls ich das Lied, das Markus als Hands vorstellte, nicht erkannte. Ich denke, es ist neu. Neue Stücke sind ja nicht weiter ungewöhnlich - zumindest bei normalen Bands. Notwist sind aber besser als normal, und sie sind sehr sorgfältig beim Produzieren neuer Titel und Platten, das dauert gerne einmal mehrere Jahre. Neue Lieder bei einem Festivalauftritt haben also Nachrichtenwert.

Hands begann ruhig, fast unspektakulär, blieb eine Weile so still, wurde aber immer schöner - und ging dann in einen lauten, sehr experimentellen Teil über. Wow!

Nach drei gesetzten Liedern (Pick up the phone, Where in this world und This room) und einem tollen Außenseiter (Puzzle von 12) kündigte Markus Acher ein Lied namens Casino an, das ich auch nicht kannte. Im Gegensatz zu Hands blieb Casino nach einem ruhigen Start auch so, es gab keine noisige Explosion, daher war Casino weniger spektakulär als Hands, es war aber ebenso schön.

Danach war es wieder ein normales Notwist-Konzert. Wobei normal bei den Bayern fabelhaft und immer wieder hochgradig eindrucksvoll bedeutet. Gloomy planets war mein liebstes Stück des Tages aber das ist eigentlich müßig, schlechter als herausragend ist schließlich nichts bei The Notwist.

Glücklicherweise war es auch deutlich voller vor der Bühne gewesen. Markus Achers Körpersprache und Ansagen hatten meine anfänglichen Befürchtungen auch schnell widerlegt, der Frontmann schien Spaß am Konzert zu haben. Wie denn auch sonst, er versteht schließlich viel von guter Musik.

Setlist The Notwist, Lüften Festival, Frankfurt:

01: Hands (neu)?
02: Pick up the phone
03: Where in this world
04: This room
05: Puzzle
06: Casino (neu)
07: Boneless
08: On planet off
09: Gloomy planets
10: Neon golden
11: Pilot
12: Blank air
13: Gravity

14: One with the freaks (Z)
15: Consequence (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Notwist, Nijmegen, 22.01.12
- The Notwist, Paris, 20.01.12
- The Notwist, Köln, 14.04.09
- The Notwist, Hamburg, 23.08.08
- The Notwist, Melt!, 19.07.08



Get Well Soon, Frankfurt, 22.06.12

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Konzert: Get Well Soon
Ort: Lüften Festival, Frankfurt
Datum: 22.06.2012
Dauer: 60 min


An diesem Wochenende finden die Southside / Hurricane Zwillinge mit üblich hochkarätiger Besetzung statt. Die Stone Roses, New Order und The Cure klingen zwar nicht nach einem 2012er Lineup, spülen das Festivaldoppel aber locker in die erste Liga der europäischen Musikszene. Ich mag aber deutsche Riesenfestivals nicht, weil da alles unangenehmer, anstrengender und ekliger als bei englischen zum Beispiel ist. Solange die Smiths oder The Organ nicht bei Melt, Rock am Ring oder Hurricanesouthside spielen, bin ich nicht da.

Wieso sollte ich auch, wenn es in Frankfurt beim neuen Lüften Festival die beiden besten deutschen Bands zu sehen gibt? Und dazu die wundervollen Shins, Whitest Boy Alive und Ja, Panik und die beiden spannend klingenden Hypes Breton und When Saints Go Machine. Das komplette Programm der dreitägigen Veranstaltung klingt verlockend, der Freitag war überragend (höchstens ein wenig zu gut).

Das Lüften Festival ist nicht nur ein Musikfest, es verbindet verschiedene Kunstformen, Performances, Tanz, Bildende Kunst. Es hätte unglaublich viel zu entdecken gegeben, wenn die Zeit gereicht hätte! Der Weg zwischen Einlass und Halle war mit Autos und Bussen, die Künstlern als Bühne oder Leinwand dienten, zugestellt. In einem Käfig zwischen den Autos spielte eine schreiende Punkband. Man hätte sicher keine Mühe gehabt, den Tag auch ohne Musik spannend zu verbringen. Wir sind aber Fachidioten und bekamen bei den Namen Get Well Soon, Notwist, Shins... schon so feuchte Hände, daß für Schreihälse hinter Gittern keine Muße blieb.

Get Well Soon machte den Anfang. Ich wollte den Bericht eigentlich mit der Frage beginnen, ob ein Konzert der Band von Konstantin Gropper noch spannend sein kann. Da ich die aber auch schon einige Male gestellt habe, lasse ich es. Man mag der Band vieles nachsagen. Daß sie hüftsteif oder schwermütig sind, zum Beispiel. Aber langweilig? Bitte!

Am 24. August erscheint The Scarlet Beast O'Seven Heads, das dritte Album der Band. Vorab wurde mit You Cannot Cast Out the Demons (You Might As Well Dance) ein Appetitanreger veröffentlicht, der seinen Job hervorragend erledigte. Ich hatte vor dem Konzert auf mehr gehofft.

Als Get Well Soon um 17 Uhr begannen ("mittags um 17 Uhr" stellte Konstantin Gropper klar), waren leider noch nicht schrecklich viele Zuschauer vor der Open Air Bühne. Diesmal standen sechs Musiker auf der Bühne: Gitarrist Maxxi, Schlagzeuger Paul, Bassist Timo, Konstantin, seine Schwester Verena und Keyboarder Marcus.

Die alten Stücke haben wir oft genug gewürdigt, und sie sind natürlich immer noch wunderbar. Ein gutes Buch wird ja auch nicht schlecht mit der Zeit, I sold my hands for food so please feed me wird das auch nie werden.

In der Mitte des Sets kündigte Konstantin Gropper das erste neue Lied an. Courage, Tiger! hat als prägendes Stilelement einen verzerrten Text (oder Gesang) von Marcus, der über die gesamte Liedstrecke ununterbrochen in sein Mikro sprach. Das Stück war beruhigend gut und wäre mir noch deutlicher in Erinnerung geblieben, wenn es nicht von Plattenkollege Roland, I feel you in den Schatten gestellt worden wäre. Roland... fängt mit einem schief klingenden Keyboard an, hat Balkantrompeten und ist wohl ein Chanson, was sich gerade in der Kombination schrecklich liest, es ist aber ein unglaublich schönes Lied, das neben Seneca's silence und den anderen üblichen Verdächtigen gestern zu meinen Lieblingen zählte. Ich hätte die Platte eh in der limitierten Schnickschnack-Version, die es sicher geben wird, gekauft, jetzt ärgere ich mich gerade sehr, daß noch nicht August ist.

Aber jetzt muß ich weiter, The Notwist spielen gleich!

Setlist Get Well Soon, Lüften Festival, Frankfurt:

01: I sold my hands for food so please feed me
02: Seneca's silence
03: We are free
04: 5 Steps / 7 swords
05: A voice in the Louvre
06: Courage, Tiger! (neu)
07: We are ghosts
08: Roland, I feel you (neu)
09: A burial at sea
10: Good Friday
11: Angry young man

Links:

- aus unserem Gropper-Verzeichnis:
- Get Well Soon, Mannheim, 21.05.11
- Get Well Soon, Mannheim, 21.05.11
- Get Well Soon, Wien, 23.11.10
- Get Well Soon, Rüsselsheim, 09.07.10
- Get Well Soon, Dortmund, 05.05.10
- Get Well Soon, Paris, 16.03.10
- Get Well Soon, Heerlen, 07.03.10
- Get Well Soon, Frankfurt, 02.03.10
- Get Well Soon, Paris, 26.01.10
- Get Well Soon, Wiesbaden, 22.08.09
- Get Well Soon, Bonn, 04.07.09
- Get Well Soon, Paris, 06.05.09
- Get Well Soon, Nijmegen, 25.04.09
- Get Well Soon, Paris, 14.10.08
- Get Well Soon, Wiesbaden, 30.08.08
- Get Well Soon, Melt!, 20.07.08
- Get Well Soon, Evreux, 28.06.08
- Get Well Soon, Frankfurt, 15.04.08
- Get Well Soon, Köln, 09.04.08
- Get Well Soon, Berlin, 21.09.07
- Get Well Soon, Haldern, 02.08.07



 

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