Samstag, 22. September 2007

Get Well Soon & Finn, Berlin, 21.09.07


Konzert: Get Well Soon & Finn

Ort: Bang Bang Club Berlin
Datum: 21.09.2007
Zuschauer: vielleicht 120


Ob das Konzert am Freitag im sehr trendigen Bang Bang Club unter einem Bahnrückenbogen an den Hackeschen Märkten nun zum offiziellen PopKomm Programm gehörte oder nicht, ist mir nicht klar geworden. Das ist aber letztlich auch vollkommen egal, denn vor allem mit Get Well Soon, die ich in Haldern verpaßt habe, stand da eine Band auf dem Programm, die mich reizte - auch mehr reizte als das Line-Up im Fritz Club am Postbahnhof (immerhin mit Kante, den Dogs und Leo Can Dive).Der Bang Bang Club ist zwar furchtbar hip, immerhin fehlten aber die vielen schrecklich wichtigen Medienschaffenden, die den Postbahnhof am Vorabend durch ihre Anwesenheit aufgewertet hatten.

Ein vertrautes Gesicht von der City Slang Nacht war aber auch zu dem kleinen Club gekommen: Der amerikanische DJ, der jede Band im Postbahnhof angesagt hatte, dessen Namen ich mir, obwohl er ihn dabei zigmal genannt hatte, aber nicht gemerkt habe.

Erster Künstler des Abends war Finn, ein Sänger, der sich mit "Nous sommes Finn de Paris" vorstellte, was Quatsch ist, da Finn bzw. Patrick Zimmer Deutscher ist. Auf seiner myspace-Seite kommt er allerdings aus London... Ähnlich war auch Finns Auftritt. Patrick Zimmer trug irgendetwas über seinem nackten Oberkörper, vielleicht solch ein Dings, mit dem Freiburger Studenten ihre Babies tragen. Oder ein Dreieckstuch? Ich habe es nicht herausgefunden. Im Gesicht trug der Sänger viel Glitterschminkzeugs. Die Bühne war sehr spärlich beleuchtet, hauptsächlich durch einen Beamer, der das wundervoll versponnene Artwork der Band auf die Wand hinter Patrick warf.

Auf dem Boden hockte während des Konzerts Patricks Assistent, der nicht viel
weniger exzentrisch wirkte, denn er trug zusätzlich zu weißem T-Shirt und Palästinensertuch eine Plastik-Fuchsmaske um den Hals! Die glitzernde Schminke hatte auch er im Gesicht. Dieser Assistent kniete also fast das ganze Konzert konzentriert vor dem Laptop und erzeugte Samples, die er dann gleich live einspielte. Das funktionierte auch gut, nur ein, zweimal waren das Live-Spiel und die unterlegten Aufnahmen nicht synchron.

Die Musik des Franzosen-Engländer-Deutschen ist sehr zurückgenommen, sehr ruhig, verträumt und melancholisch und wie man gerade merken kann, schwer zu beschreiben. Sein Label beschreibt das so: "Gitarre und Gesang hat es an die
Oberfläche des Klangfarbenmeers gespült. Als Hörer treiben wir knapp über Wasser in einem Golfstrom zirkulierender Sounds und Melodien." Auch wenn ich das nicht verstehe, kann man es wohl nicht besser ausdrücken.

Mir hat Finn wirklich gefallen, obwohl die Musik sehr ruhig war. Zumindest anfangs. Eines der Stücke in der
Mitte wurde plötzlich lauter und rockiger und gefiel mir blendend. Leider weiß ich den Titel nicht, weil Finns Setlist aus 18 Liedern bestand, er von dieser Auswahl dann sieben oder acht Stücke gespielt hat. Nach dem Auftritt wollte er mir eigentlich noch die Lieder nennen, die er gespielt hat, was er dann aber wieder vergaß. Die letzten zwei Songs habe ich aber erkannt, "Moon River" auf Anhieb - und mit riesiger Begeisterung - "I just called to say I love you" erst nach einigen Momenten, weil das Lied in Finns Version auf einmal ein gutes Lied ist!

Finns Assistent verließ während des Konzerts nur für ein Lied seinen Platz: Er nahm eine Taschenlampe und leuchtete seinen Sänger aus verschiedenen Ecken des Raums an. Das war sehr ... ungewöhnlich. Finn hat mich sehr gut unterhalten, obwohl das alles so außergewöhnlich war.

Weniger ausßergewöhnlich aber nicht alles andere als langweilig wurde es danach, als Get Well Soon begannen. Die Band um Konstantin Gropper hat mich vom ersten
Stück "Prelude" an begeistert. "Rest now, weary head, you'll get well soon." Ein großartiger Start! Der eindringliche Gesang von Konstantin, dazu eine Violine und intensive Gitarrenbegleitung, ein Traum. Das setzte sich bei den folgenden acht "echten" Liedern fort. Nicht nur die Titel der Stücke sind ungewöhnlich schön ("Listen! Those lost at sea sing a song on christmas day" z.B.). Laut ihrer myspace Seite sind Get Well Soon unsigned. Ich denke, daß das nicht mehr stimmen kann, denn wenn eine Band, die so wundervolle Musik macht, kein Label fände, wäre die Musikbranche verdientermaßen in ihrer Krise.

Get Well Soon haben nach dem Konzert liebevoll selbstgemachte EPs verkauft, selbstbedruckte CD-Rs mit in Handarbeit geklebten Covern. Auf den EPs finden sich
einige der gespielten Lieder, vor allem das fantastische "If this hat is missing I have gone hunting", das zwischendurch mehrere Brüche hat, wenn die Violinistin eine Einlage im Stile Run DMCs macht, ein tolles, sehr komplexes Lied. Die anderen Stücke kommen zwar ohne so etwas aus, sind aber ähnlich komplex und ähnlich schön.

Mit hat Get Well Soon wahnsinnig gut gefallen. Leider werde ich die Band am 16.11. in Frankfurt nicht sehen können, da da iLiKETRAiNS in Köln spielen. Aber es wird sich ganz sicher ergeben, daß ich Get Well Soon noch einmal sehen werde, denn ich bin sicher, daß die Band mit ihrer Musik erfolgreich sein wird.

Setlist Get Well Soon Berlin:

01: Prelude
02: We are safe inside while they burn down our house
03: People Magazine front cover
04: If this hat is missing I have gone hunting
05: Help to prevent forest fires
06: I sold my hands for food so please feed me
07: All is full of love (Björk Cover)
08: Listen! Those lost at sea sing a song on christmas day
09: Lost in the mountains (of the heart)

Links:

- Get Well Soon in Haldern
- mehr Fotos


4 Kommentare :

oliver r. hat gesagt…

Punkt 1 Finn:

Hatten die nicht auch ein bißchen Glitzerschminke für Dein Gesicht übrig?

Punkt zwei Get Well Soon:

Die Ep von der Du sprichst, wollte ich mir in Haldern auch besorgen, sie war aber schon vergriffen! Get Well Soon haben mir damals auch sehr gut gefallen und ich denke schon, daß Du noch gelegenheiten haben wirst, sei erneut zu sehen.

Klingt insgesamt nach einem gelungenen Abend!

Christoph hat gesagt…

Die Glitzerschminke hätte bei mir nicht zu den schwarz angemalten Augen gepaßt!

Es war nicht eine EP, ich habe fünf erstanden :-) Für faire 15 €.

Christina hat gesagt…

Du hättest ja wenigstens mal erwähnen können, dass danach noch die tollen Bodi Bill gespielt haben!!
Ich konnte sie aber nicht wirklich genießen, dieses Publikum (bah!), und die Müdigkeit.

Medienprominenz kam später auch noch vorbei, in Form des City Slang Chefs. Und den Finn.-Assistenten haben wir am nächsten Abend nochmal in ganz gewöhnlichem Outfit wiedergetroffen!

Christoph hat gesagt…

Ja, aber die habe ich ja leider nicht mehr gesehen.

Waren sie also gut?

 

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