Donnerstag, 1. Mai 2008

Interview dEUS, Köln, 14.04.08


Interview: dEUS
Ort: Gemeindezentrum der Lutherkirche in Köln Nippes
Datum: 14.04.2008


Als ich an der KulturKirche ankomme, höre ich bereits dEUS von außen beim Soundcheck. Trotz der dicken Backsteinmauern ist "Slow" von der neuen Platte "Vantage Point" der Belgier so laut und deutlich zu hören, als stünde ich vor der Bühne. Ein paar Minuten später treffe ich dann Keyboarder und Geiger Klaas Janzoons an der Kellerbar des Gemeindezentrums. Klaas wirkt geschafft und müde.

Habt ihr schon einmal in einer Kirche gespielt?


Ja, in Amsterdam. Wir haben oft im Paradiso gespielt. Das ist auch eine alte Kirche.

Wird das denn auch noch als Kirche genutzt?

Nein. Ist das hier noch eine wirkliche Kirche?

Ja, hier finden ganz normale Messen statt - und ab und zu Konzerte.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß hier oft Bands wie wir spielen. Wir sind ja wirklich eine laute Band. Die Nachbarn mögen das sicher nicht.

Stimmt! Letztes Jahr sind die Editors hier aufgetreten. Sie mußten aber früher aufhören, weil die Nachbarn die Polizei gerufen haben.

Das kann ich mir wirklich vorstellen! Ich habe einen Club in Antwerpen. Wir machen da Konzerte und Parties. Der Club wurde wegen Ruhestörung zugemacht, obwohl es viel weniger laut wurde als hier. Ich mußte eine Menge zahlen, daß er wieder öffnen durfte.

Der Sound ist sicher eine Schwierigkeit in einem Raum wie diesem?

Es macht alles schwieriger. Es ist eben eine Kirche. Wir haben aber schon an verschiedenen Orten gespielt, wo der Klang problematisch war. Aber wir haben Leute, die sich darum kümmern. Es ist nicht ideal, wird aber funktionieren.

Eure Musik braucht ja auch einen klaren Sound.

Ja, weil so viel passiert. Bei einer Dreimann-Rockband ist das nicht so tragisch, aber bei uns mit Klavier, Violine und den unterschiedlichen Stimmen... Wir werden sehen, wie es funktioniert. Wir dürfen nur nicht zu laut sein, weil es sonst einen Einheitsbrei gibt.

Was waren die skurilsten Orte, an denen ihr Konzerte gespielt habt?

Wir hatten so viele Konzerte... In Frankreich sind wir ein paarmal in römischen Arenen aufgetreten, in Nimes und in Lyon. Das ist wirklich toll, weil Du weißt, daß das die Römer gebaut haben. Ich glaube, in Nimes haben wir mit Placebo gespielt und das Wetter war traumhaft. Beim Soundcheck hatte ich mich wie ein Römer angezogen und ich fühlte mich wie einer. Aber andere spezielle Ort? Vermutlich nicht, sonst würde ich mich erinnern.

Wo möchtest Du gerne mal auftreten?

Auf dem Mond.

Da möchte ich gerne auf die Gästeliste. Und andere Plätze?

Ach, ich habe bestimmt Tausend Konzerte hinter mir, mir fällt gerade nichts ein.

Ihr tretet bei T in the Park und in Deutschland beim Melt Festival auf. Was mögt ihr mehr? Festivals, Clubkonzerte?

Das ist ja komplett unterschiedlich. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Festivals können wirklich toll sein, weil man ein auf eine Stunde konzentriertes Set spielt. Es geht zack zack. Und wenn man spät auftritt, die Sonne untergeht und man draußen ist... das ist schon schön. In Clubs mag ich, daß es heiß und verschwitzt ist. Tagsüber bei Festivals aufzutreten ist aber zum Kotzen, das ist das allerletzte. Wir haben aber mal ein Festival in Thailand gespielt, in der knalligen Sonne, das war schon cool.

Kennst Du Bands aus Deutschland?

Ja, die großen Namen, die Toten Hosen, die Fantastischen Vier... oder Kraftwerk, das sind Deutsche, oder? Aber was es heute so gibt, weiß ich nicht, ich höre immer nur von Tokio Hotel.

Gibt es in Belgien eine echte Indie-Szene?

Wahrscheinlich mehr als hier. Wir haben in Belgien seit 25 Jahren Studio Brussel, eine sehr populäre Radiostation, die sehr viele Indiesachen spielt und viele Hörer hat, besonders in Flandern, weil es ein flämischer Sender ist. Im französischen Teil gibt es ein ähnliches Radio. Studio Brussel war für uns wichtig, denn wenn du eine junge Band bist, die Alternative ist, spielen sie dich da. Ohne den Sender wäre es für uns viel schwerer gewesen, bekannt zu werden. Wir haben also eine gute Musikszene, dank - nicht alleine aber zu einem großen Teil - dieser Station.

Ich muß gestehen, ich kenne nicht viele Bands aus Belgien. Ich habe zuletzt die Tellers gesehen.

Tellers? Nie gehört. Es gibt dEUS natürlich, Das Pop, Zita Swoon, dann Soulwax. Da gibt es die Band Soulwax und das Techno-Projekt Soulwax, das sind die gleichen Leute, einmal machen sie Rockmusik und dann Techno.

Ein lustiges Konzept...

Ein billiger Trick. Über ihre Remixe und Technosachen kennt sie jeder. Und so promoten sie dann ihre Rocksachen. Aber eigentlich ist das ja ok. Merkwürdig ist eben nur, daß das so zwei vollkommen verschiedene Stile sind. Es gibt eine Menge Bands in Belgien, auch viele ganz junge.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem flämischen und dem französischen Teil Belgiens hinsichtlich der Musikszenen?

Wir kennen uns nicht. Das ist das komische. Bands aus Wallonien treten eigentlich nie in Flandern auf. Vielleicht liegt das an mangelndem Interesse an dem anderen... Es ist ein kultureller Unterschied zwischen beiden Teilen. Was die Bands aus Flandern ausmacht, ist daß sie viele Sprachen sprechen und weltoffen sind. Die Leute aus Wallonien orientieren sich sehr eng an Frankreich. Das einzige Land, mit dem wir unsere Sprache teilen, sind die Niederlande. Aber Holländer un Flamen sind auch so verschieden, daß wir uns nicht an denen orientieren. Also gucken wir uns um, sind offen. Das macht die flämischen Bands aus, glaube ich. In der Schweiz ist das ganz ähnlich. Das scheint typisch für kleine Länder mit unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen zu sein.

Mir ist das auch in Portugal aufgefallen. Die jungen Leute da sprechen viele Sprachen, gucken auch in andere Länder.

Wie auch in Skandinavien...

Ja, natürlich. Daher kommen ja viele der großen Indiebands aus Skandinavien. Natürlich gibt es auch in Deutschland oder Frankreich große Bands. Die konzentrieren sich aber auf ihre Heimatländer und sind außerhalb kaum bekannt. Oder Island. Die haben gerade mal 300.000 Einwohner, so wie eine kleine deutsche Stadt und sie haben viele hervorragende Bands.

Seid ihr in Island aufgetreten?

Ja. Natürlich in Reykjavik. Das war fantastisch. Das Konzert war ausverkauft, die Leute unglaublich freundlich. Ich bin da morgens aus einem Appartment rausgekommen, in dem wir bei wildfremden Leuten nach der Show gefeiert haben und trete auf die Straße, betrunken. Und das erste Auto hielt an und fragte, ob sie mich irgendwohin bringen könnte. Großartig!

Du hast eben Portugal erwähnt. Mir ist auch aufgefallen, daß ihr da oft seid. Gibt es besondere Beziehungen zu dem Land?

Wir waren da sehr schnell bekannt. Portugal war nach Belgien das erste Land, in dem wir große Konzerte gespielt haben. Als wir in Frankreich noch vor 600 Leuten aufgetreten sind, so vor zehn, fünfzehn Jahren, haben wir in Portugal schon 4.000 Zuschauer. Vielleicht, weil sich die Länder gleichen.

Gibt es irgendwen, mit dem du gerne einmal zusammenarbeiten möchtest?

Es gibt so viele große Bands. Die Queens Of The Stone Age liebe ich zum Beispiel sehr. Man müßte nur sehen, ob das zusammen passt. Wenn wir gemeinsam auftreten würden, würde ein Teil der Leute beides mögen, viele aber auch nicht. Die Queens Of The Stone Age würde ich wirklich gerne sehen.

Habt ihr oft die Gelegenheit, andere Bands, die ihr mögt, auch zu sehen?

Bei Festivals geht das schon gut. Da können wir eine Menge Bands spielen sehen. Radiohead habe ich einige Male gesehen. Von der Bühne aus, was toll ist, denn wenn du die nicht von der Bühne aus sehen kannst, stehst du einen Kilometer entfernt. Kraftwerk habe ich auch von der Bühne aus erlebt. Auf der Bühne zu stehen, wenn Bands auftreten, ist sehr angenehm, nur der Sound ist grausam.

Das letzte Mal seid ihr in Köln in der Live Music Hall aufgetreten, glaube ich?

Ich weiß es nicht mehr genau. Ich weiß, daß wir schon in Köln waren, ich erinnere mich aber nicht genau. Wir waren auch leider nie in der Stadt selbst, nur in den Clubs.

Für heute abend wünsche ich auf alle Fälle viel Spaß! Danke für das Interview!

Danke.





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