Posts mit dem Label Laura Marling werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Laura Marling werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 19. August 2015

Laura Marling, Haldern, 15.08.15

0 Kommentare

Konzert: Laura Marling
Ort: Haldern-Pop Festival (Hauptbühne)
Datum: 15.08.2015
Zuschauer: nur etwa 1.500



von Dirk aus Mönchengladbach

Hein Fokker kündigt Laura Marling an. So könnte ein guter Witz beginnen und enden, denn obwohl Fokker vielleicht die bisher größere Lebensleistung der beiden vollbracht hat, ist der Anblick der beiden, die sich für einen Sekundenbruchteil auf der Bühne treffen, köstlich. Fokker wie immer im klassischen, zeltartigen Spongebob T-Shirt mit Neonshorts, Laura (selbst für eine Diva fast zu gut gekleidet) in einer Art beigen Kaschmir Lodenmantel incl. einem fünf Meter langem Schal. 

Dies deutet auf eine große Tour-Garderobe hin, hätte sie dieses Outfit zwei Stunden zuvor bei noch strahlendem Sonnenschein wohl noch nicht gewählt. Jetzt aber regnet es, eigentlich ist es eine Flut, die nicht enden will. An dieser Stelle sind bei Festivals Entertainer gefragt, die Hives kämen jetzt beim Publikum sicher super an, aber der Ablauf hat Laura Marling vorgesehen. 

Bisher war ich kein Fan, habe auch Konzerte ignoriert. Trotz großer Berichte in allen Magazinen. Der Funke sprang nicht über, zu reserviert die Person, zu kantig waren mir die Songs. Doch die neue Platte gefällt mir besser, Ironie findet Platz zwischen all dem Moll, mehr Gitarren sind zu hören und die Songs sind runder (poppiger). Das mag Puristen der ersten Stunde nicht gefallen, ich kann Short Movies als Album sehr empfehlen. 

Laura Marling wird sich während ihres einstündigen Auftritts nur einmal an das völlig durchgeweichte Publikum wenden, vor dem letzten Song. Auch ihre Band wird sie keines Blickes würdigen, eine Vorstellung der Musiker scheint völlig ausgeschlossen. Es werden nach fast jedem Song neue, sehr teuer aussehende Gitarren vom Bühnenrand gereicht. Lauras Bewegungsradius nach Betreten der Bühne liegt bei höchstens einem Meter. Das Konzert beginnt mit einem ca. zehn Minuten langen Stück. 

Klingt langweilig, arrogant und untragbar für eine junge Künstlerin die zur besten Zeit auf der Hauptbühne spielen darf ? Ja, klar, aber dafür mag ich die Hives nicht. 

Laura Marling ist eine Songwriterin im besten Sinne. Die Songs werden perfekt in ihrer „Schlichtheit“ vorgetragen, Bob Dylan oder Joni Mitchell springen auch nicht über die Bühne. Ihre Erzählweise ist die der großen amerikanischen Liedermacher(-innen). Es ist ein ernster, musikalisch aber hochwertiger Vortrag und das Set ist genau auf die zur Verfügung stehenden 60 Minuten ausgelotet. 

Leider bleibt wenig Platz für die neuen Stücke, evtl. folgt dies erst auf der nächsten eigenen Tournee. Hier war Laura Marling vielleicht auf Grund der äußeren Umstände am falschen Tag am falschen Ort. Das Lebenswerk hat die talentierte Künstlerin hoffentlich noch vor sich, nach fünf Soloalben und erst 25 Lebensjahren bleibt noch viel zu erwarten. 

PS: Selbst der Rockpalast hatte das Nachsehen. Gefilmt worden ist das Konzert als eines der wenigen auf der Hauptbühne nicht.


Freitag, 27. September 2013

Laura Marling, Paris 22.09.13

0 Kommentare

Konzert: Laura Marling (und Peggy Sue)
Ort: Le Café de la Danse
Datum: 22.09.2013
Zuschauer: ausverkauft (etwa 450)
Konzertdauer: eine Stunde



Was habe ich von der jungen Laura Marling geschwärmt! Kein Superlativ schien mir zu übertrieben, keine Lobhudelung zu euphorisch, keine rosige Karriereprognose zu vorschnell. Fast sechs Jahre liegt die erste zungenschnalzende Erwähnung im Konzerttagebuch zurück. Wir waren wie immer sehr früh am Ball, damals als ich Ende 2007 zum ersten Mal über Laura schrieb war die Britin noch nicht einmal volljährig!


In der Zwischenzeit sind vier hochgelobte und jeweils für den Mercury Prize nomierte Alben erschienen, hat Marling sowohl bei den Brit- als auch den NME Awards Preise gewonnen, vor allem in England (aber auch anderswo) unzählige Konzerte ausverkauft und mit Noah "and The Whales" Fink und Marcus Mumford (der von den Sons) zwei prominente Lover aus der Musikszene verschlissen und mit gebrochenem Herzen zurückgelasssen. Live gesehen habe ich sie seitdem (dieses Konzert eingerechnet) 9 mal. Das letzte Konzert von und mit Laura liegt allerdings auch schon fast zwei Jahre zurück. Meine feurige Begeisterung war am Ende auch etwas abgekühlt, wenn natürlich nicht ganz erloschen. Ich hatte lediglich damit anzufangen, die Sängerin realistischer und kritischer zu beäugen, zumal ihr Minderjährigenbonus ja auch weggefallen war. Es galt Vorschußloorbeeren zu rechtfertigen und das ist bekanntlich nicht so leicht. Was sich im Laufe der Jahre auch immer mal wieder veränderte (neben der Haarfarbe, die war mal kurzzeitig braun), war die musikalische Begleitung. Trat sie zu Beginn immer im Duo mit Marcus Mumford auf, kam dann auch mal eine Cellistin mit hinzu und beim Haldern Pop Festival 2010 erlebten wir Marling mit einer ausgewachsenen Band mit mindestens fünf Musikern auf der Bühne.

Wahrscheinlich ist ihr das dann zu viel geworden, heuer trat sie nämlich ganz alleine und nur mit ihrer Akustikgitarre bewaffnet auf. Back to the basics also? Besinnung auf das Wesentliche, sprich die Stimme und das Fingerpicking? Ein erwachsen gewordenes Mädel auf Solopfaden, autark und eigenständig? Nun, über die Gründe und Deutungen ihres Alleingangs mag man spekulieren, sicher ist aber, daß das neue Album ihr persönlichstes geworden ist und sie das dann auch ganz allein umsetzen will. Karg ist es geworden, nur spartanisch instrumentiert, Folk für Puristen, mit einem Anfang, in dem vier Lieder quasi übergangslos hintereinander folgen und wie ein einziges sehr langes (langatmiges?) Lied wirken (siehe Video).




Die ununterbrochene Abfolge dieser vier Songs brachte sie auch heuer in Paris gleich zu Beginn und stellte die Leute im unerträglich heißen Café de la danse auf eine Geduldsprobe. Schwitzend und nach Luft schnappend standen wir da, dicht an dicht, damit es uns noch heißer wird. Meine Schulter schmerzte, ich hatte tierischen Durst und vorne schrammelte ein inzwischens 23 Jahre altes Mädel auf ihren Saiten rum und berichtete textlich altklug von ihren Erfahrungen von Männern und Partnerschaften. Ich sah ein (sehr hübsches) Mädchen im Publikum, wie so viele andere auch Britin, die jede Zeile leise mitsang, sich die Hand auf den Brustkorb legte und guckte, als würde ihr Laura aus dem Herzen sprechen bzw. singen. Mich ließ das Ganze allerdings trotz der Hitze seltsam kalt. Ehrlicherwiese muss ich gestehen, daß ich große Lust gehabt hätte, nach oben zu gehen, ein kühles Bier zu zischen und mit dem netten Barmann zu plaudern. Aber ich ermahnte mich selbst, mich zu konzentrieren, schwitzte also tapfer weiter, massierte mir meine vor Schmerzen pochende Schulter und versuchte die Euphorie der frühen Tage in mir aufzuwecken. Das gelang mir nur mäßig, denn die ersten 5 Lieder, allesamt vom neuen Album Once I Was An Eagle bewegten mich nur wenig. Ich hielt sie für recht prätentiös und zu gekünstelt. So etwas wie einen Refrain gab es nicht, eine erkennbare Melodie auch nicht, stattdessen dominierte ausuferndes Storytelling im Stile eines Bob Dylan oder Bill Callahan und eine Stimme, die vor allem bei dem Blues Song Master Hunter bluesig- soulige Züge angenommen hatte. Nicht wirklich mein Wetter, trotz einer wirklich beindruckenden und intensiven Gitarrenarbeit, die das unbestreitbar enorme Talent der Engländerin unter Beweis stellte. Erst als nach etwa 25 Minuten Spielzeit das luftigere und unbeschwertere Alas I Cannot Swim vom ersten gleichnamigen Album erklang, wurde die Schwere und Trockenheit des Vortrages zum ersten Mal ein wenig gemildert, konnte man sich an einer Melodie erfreuen und der prompte Applaus beim Ertönen dieses Klassikers bewies, daß ich nicht der Einzige war, der auch frühes Material hören wollte. Mit dem beschwingten Ghosts wurde dann gleich noch einer der markanten Song des Erstlings hinterhergeschickt und war ich besser in das Konzert reingekommen. Marling erzählte, daß sie 17 war, als sie diese beiden Lieder geschrieben hatte und sich auch heute wie 17 fühle, wenn sie sie vorträgt. Damals sei sie sich unglaublich cool vorgekommen, als sie bei ihrem ersten Konzert in Paris in der Fleche d'or durch Paris gestapft ist und auch die Pariser so wahnsinnig lässig fand. Allerdings nur so lange, bis sie kurz später zum ersten Mal in Stockholm war, den dort seien die Leute "seriously cool." Sprachs und merkte etwas später, daß man diesen Vergleich als wenig schmeichelhaft für Paris auslegen könnte und schickte deshalb fast entschuldigend hinterher: "I didn't wantd to be rude, you still got it Paris!"



Von Paris und Frankreich ging sie thematisch dann über zu London und England. Sie wohne ja jetzt in LA da fehle ihr England eben manchmal und in diesen Momenten habe sie dann auch ein wenig Heimweh. Es folgte konsequenterweise Goodbye England (ein feiner Song) und ein Cover von Jackson C. Frank, in dem die Songzeile "Catch A Boat To England" vorkam. Das Konzert gefiel mir jetzt trotz der anhaltenden Brutalohitze immer besser und erreichte mit Songs ihres zweiten Albums I Speak Because I Can seine Höhepunkte. Die wundervolle Ballade What He Wrote (Hera) ließ mich zum erste  Male ergriffen werden, das nachfolgende Hope In The Air war schon früher immer einer meiner Lieblinge und beim Rambling Man klang ihre Stimme so lieblich und hübsch wie in keiner anderen Phase der heutigen Show.


Mit einem Townes Van Zandt Cover (welches das Publikum nach Lauras Nachfrage einem Allmann Brothers Cover vorgezogen hatte) hielte sie meine innere Spannung, ließ diese dann aber mit Sophia und dem abschließenden Where Can I Go wieder absacken. Letzter Song stammte erneut von dem neuen Album mit dessen trockener Kargheit ich so meine liebe Mühe und Not habe. Inhaltlich geht es da immer wieder um Liebe, das Beziehungschaos, Trennungen etc., Themen die jeden betreffen, bei denen Laura mit ihren 23 Jahren aber immer alles besser zu wissen scheint. Diese-gewiss entschuldbare- Naseweißheit nervt dann neben der trockenen Instrumentierung auch ein bißchen, aber das heutige Konzert konnte vor allem durch Perlen des ersten und zweiten Albums und die beiden gelungenen Cover gerettet werden.


Paris sei wieder gut zu ihr gewesen sagte Laura Marling zum Abschied und sie habe es wie immer genossen, meinte gar, daß wir uns sehr glücklich schätzen sollten, hier zu wohnen. Fraglich ob in diesem Satz ein gewisser Zynismus steckte, denn aus den USA hat sie sich vom Veganer-Trip anstecken lassen und während des Konzertes angemerkt, daß es ihr in der Stadt der Liebe schwer gefallen sei, etwas für sie Essbares zu finden. "But I would live here, even if i would starve. I'm willing to make this sacrifice for Paris." beteuerte sie ironisch. Na dann!...

Setlist Laura Marling:

01: Medley, Lieder 1-4 des aktuellen Albums
05: Master Hunter
06: Bleed Me Dry
07: Alas I Cannot Swim
08: Ghosts 
09: Goodbye England (Covered in Snow)
10: Blues Run The Game (Jackson C. Frank Cover)
11: What He Wrote (Hera)
12: Hope In The Air
13: Rambling Man
14: For The Sake Of The Song (Townes Van Zandt Cover)
15: Sophia
16: Where Can I Go? 



Vor Laura Marling war noch eine britische Band an den Start gegangen, über die wir hier auch schon Gutes gesagt haben: Peggy Sue aus Brighton. Eigentlich ein rein weibliches Duo, bestehend aus den sich abwechselnden Sängerinnen und Gitarristinen Rosa Rex und Katy Klaw, aber live mit einem Drummer und einem Bassisten unterwegs. Zu viert machten die oft als Folkgruppe eingestufte Formierung ordentlich Druck und klang meistens eher nach leicht bluesig angehauchtem Rock als nach Folk. Aber Peggy Sue sind stilistisch nicht leicht einzuschätzen, haben erfreulicherwiese keine Einflüsse, die man schon nach ein paar Sekunden raushören könnte. Die Stimmen der Sängerinnen sind super, die Gitarrenparts auch und so verbrachte ich gute 30- 40 Minuten mit den Brightonern. Die Songs kannte ich allerdings in der Mehrzahl nicht. Außer dem bereist geläufigen Cover Hit The Road Jack stammten sie fast alle von einem neuen Album, daß Anfang 2014 erscheinen soll. Darauf darf man sich sicherlich freuen.

Setlist Peggy Sue

01: And Always
02: Watchmen
03: Funeral Beat
04: Hit Te Road Jack (Percy Mayfield)
05: How Heavy
06: Longest Day
07: AlwaysGoing
08: Two Suits
09: Idle




Mittwoch, 16. November 2011

Laura Marling, Frankfurt, 16.11.11

1 Kommentare

Konzert: Laura Marling
Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 16.11.2011
Zuschauer: sehr viele, der Saal war fast voll
Dauer: ?


Einen der schönsten Urlaube habe ich vor einigen Jahren durch auf dem Papier unspektakuläre US-Bundesstaaten wie die Carolinas, Alabama und Georgia gemacht. Mit Abstand am tollsten war allerdings Tennessee, obwohl wir in keiner der berühmten Städte waren, sondern nur durch immer wundervollere Landschaften streiften. Als wir Richtung Great Smoky Mountains fuhren, machten wir im kleinen Nest Pigeon Forge Halt. Neben einigen Antiquitäten-Scheunen bot bzw. bietet der Ort vor allem "Dollywood", Dolly Partons eigenen Freizeitpark. Wenn man als Folkmusiker irgendwann sein eigenes Phantasialand mit 3.000 Angestellten besitzt, hat man es wohl geschafft. Die Krönung für jeden Künstler ist allerdings - besser als jede eigene Achterbahn - die Existenz einer Coverband, die die eigenen Lieder nachspielt. Im Fall von Dolly Parton gibt es zum Beispiel Dollykollott, eine schwedische Band um die wunderbare Nina Persson.

Warum ich das alles erzähle?

Nun, zum einen, weil ich nach Ende des Laura Marling Konzerts im Auto im Deutschlandfunk als erstes Jolene in der Dollykollott-Version hörte und kurz das Gefühl hatte, noch in der Frankfurter Brotfabrik bei Laura Marling zu sein. Zum anderen aber erzähle ich das, weil es nicht viel mehr zu berichten gibt, und ich Zeilen füllen möchte. Das Konzert von Laura Marling hatte ich nämlich mindestens zur Hälfte verpasst.

Vorher war mir dieses Missgeschick erst einmal passiert. Vor ein paar Wochen brauchten wir in Köln auf dem Weg zu den Specials anderthalb Stunden für vier oder fünf Kilometer (mit dem Auto). Die Ska-Oldies hatten nicht auf uns gewartet. Laura Marling sollte um zehn beginnen. Weil ich nicht mit Streß ankommen wollte, war ich um zwei vor halb an der Brotfabrik. Da war allerdings niemand mehr an der Kasse. Auch vor dem Saal stand niemand mehr, dafür war es drinnen umso voller. Mir blieb ein Platz ganz hinten zwischen den quatschenden "Fans". Laura sagte gerade ein Lied an. Es war schnell klar, daß es nicht das erste Stück werden sollte. Goodbye England war der erste von vier Solo-Songs der Engländerin, die ich hören sollte. Mir gefielen die vier Lieder (Goodbye England von I speak because I can, Flickr and fail und Night after night vom aktuellen A creature I don't know und das Cover Blues run the game) außerordentlich gut.

Anschließend kam Lauras Band (wieder?) auf die Bühne, zwei weitere Gitarristen, ein Bassist, eine Cellistin und ein Schlagzeuger, um Sophia und All my range vom neuen Album, sowie den Hit Rambling man vom Vorgänger I speak because I can gemeinsam und sehr im Stile von Mumford and Sons zu spielen, offenbar der Einfluss des Ex-Freunds.

Auch wenn viele Lauras Ansage, sie spielte keine Zugaben, nicht glauben wollten, war um drei nach zehn Schluß.

A propos Lauras Ansagen. Hinten, zwischen einigen am Konzert uninteressierten Leuten war von denen (den Ansagen) nichts zu vestehen. Laura gab sich redlich Mühe, am Mikro vorbei unverstärkt zu sprechen, dabei wirkte sie erstaunlich unsicher. Zumindest deute ich einige ihrer Verhaspeler so. Charmant wurde es aber, als Laura ihre Musiker vorstellen wollte, ihnen aber die Gelegenheit geben wollte, dies selbst zu tun, falls sie etwas Interessantes zu erzählen hätten. Ihre Cellistin wollte wissen, wie man die beiden deutschen Worte, die sie kennt, ausspricht, "schnuckelig" und "Schraubenschlüssel"... Noch besser war der Schlagzeuger, der uns den Unterschied zwischen Frankfurter und Wiener Würstchen erklärte, als Vegetarier.

Vermutlich ein sehr schönes Konzert, dessen zweite Hälfte ich da gesehen habe! Die nämlich war vielversprechend.

Setlist-Rest Laura Marling, Brotfabrik, Frankfurt:

- Goodbye England (covered in snow) (solo)
- Blues run the game (Jackson C. Frank Cover) (solo)
- Flicker and fail (solo)
- Night after night (solo)
- Sophia
- Rambling man
- All my rage

Links:

- aus unserem Archiv:
- Laura Marling, Paris, 04.11.11
- Laura Marling, Haldern, 13.08.10
- Laura Marling, Paris, 07.04.10
- Laura Marling, Köln, 03.04.10
- Laura Marling, Paris, 19.03.10
- Laura Marling, Köln, 01.05.09
- Laura Marling, Paris, 27.04.09
- Laura Marling, Paris, 24.06.08
- Laura Marling, Paris, 24.04.08
- Laura Marling, Paris, 19.04.08
- Laura Marling, Paris, 11.11.07

Foto: By Oliver Peel, Paris




Samstag, 5. November 2011

Cults, Laura Marling, James Blake, Paris, 04.11.11

0 Kommentare

Konzert: Cults, Laura Marling, James Blake, Festival des Inrocks
Ort: La Cigale, Paris
Datum: 04.11.11
Zuschauer: ausverkauft



Es ist wieder diese Zeit des Jahres. November, graues Wetter, kaum Tageslicht. Das kommt das alljährliche in verschiedenen Locations stattfindende Festival des Inrocks wie gerufen.


Zu dumm nur allerdings, daß ich es erneut nicht geschafft habe, mich rechtzeitig zu akkreditieren. Also hieß es wieder Zahlemann und Söhne. Dabei hätte ich ja eigentlich einen Freischein für sämtliche Konzerte dieser Stadt verdient. Finde ich. Könnte sich der Herr Präsident nicht einmal für mich einsetzen? Anstatt jeden zweiten Tag die Griechen zu retten? Und permanent mit unserer Angela zu flirten (läuft da eigentlich was??).

Aber wo wir gerade bei den Griechen sind. Auch beim Festival des Inrocks herrscht eine kleine Krise. Waren in den letzten Jahren die Tickets in kürzester Zeit vergriffen, waren heuer nur die wenigsten Abende ausverkauft. Auch das heutige Konzert konnte erst in den letzten Tagen das französische Schild "complet" vermelden. Schuld an der Misere ist sicherlich, daß nur ganz wenige Bands verpflichtet werden konnten, die in diesem Jahr noch nicht ein oder gar mehrer Male nach Paris gekommen sind. Es mangelt schlicht und einfach an spannenden Newcomern.

Dies wurde am Besipiel der New Yorker Band Cults überdeutlich. Die in Musikzeitschriften über den grünen Klee gelobte Kombo klang ganz und gar abstoßend. Gräßlich überzuckter 60ies Pop und ein nerviger Kleinmädchengesang ließen mich regelrecht erschaudern. Was war denn das für ein Käse? Ich traute meinen Ohren nicht. Das war Kylie Minogue mit anderen Mitteln. Nach drei schlimmen Liedern ergriff ich die Flucht und unterhielt mich im Aufenthaltsraum mit Bekannten. Die fanden den Auftritt ähnlich mies und so stand ich wenigstens nicht als alleiniger Rumnörgler da.

Dann kam Laura Marling mitsamt fünfköpfiger Begleitband, darunter mit der Cellistin eine zweite Dame. Leider hielt auch dieses Konzert nicht, was es vorher versprach. Laura wirkte recht abwesend, distanziert und kühl und dem Set fehlte der richtige Bums. Nun war die junge Britin ja noch nie die energische und schwungvolle Performerin, aber heute kam auch nicht besonders viel Leidenschaft rüber. Zudem litt das Konzert unter dem lauten Geschwätz meiner unreifen Vorderleute und überhaupt: das Publikum war insgesamt viel zu laut, was Laura zu recht störte.

Manchmal blitzte dann aber doch ein wenig Magie auf. Ghost vom ersten Album kam wirklich gut rüber und auch der Abgang mit dem Titeltrack des Zweitling I Speak Because I Can konnte als gelungen bezeichnet werden. Das Medley (!) aus My Friends und Salinas vom neuen Album verpuffte aber wirkungslos und hinterher sagte mir sogar eine Bekannte wutschraubend: "das war scheißlangweilig!" (als hätte ich was dafür gekonnt...)

So schlimm habe ich es nicht empfunden, schließlich spielte die Begleitband ja auch harmonisch und erlesen. Ein Kracher war es aber nicht und ich fragte mich hinterher schon ein wenig, warum ich Laura Marling damals so unglaublich toll fand. Die Antwort ist aber echt einfach. Damals spielte Laura zusammen mit Marcus Mumford, der an allen möglichen Instrumenten zauberte und die beiden waren als Zweierteam absolut unschlagbar. Das Feuer von Marcus und die Kühle von Laura ergaben spannende Kontraste, die heute fehlten.

Setlist Laura Marling Festival des Inrocks, Paris, La Cigale:

01: Rambling Man
02: Devil's Spoke
03: Ghosts
04: My Friends/Salinas
05: Alpha Shallows
06: Sophia
07: I Speak Because I Can

Nach Laura Marling wurde der rote Vorhang heruntergelassen und man konnte die Bühne nicht mehr einsehen. Sofort war mir klar, daß nun vor dem Auftritt von James Blake ein Akustikmusiker vor jenem Vorhang spielen würde.
In den letzten Jahren hatten es die Veranstalter geschafft, richtige Hochkaräter als "Pausenclowns" zu verpflichten, unter anderem gab dort Laura Marling ihr erstes kleines Konzert und auch Josh Tillman gratzte im Olympia drei Songs auf seiner Akustischen. Heute wurde diese Ehre der Französin Milkymee zuteil. Leider aber war ihr Vortrag nicht so richtig packend. Ich hätte mir eher Lidwine gewünscht, die in einer entzückenden Oliver Peel Session an der Harfe geglänzt hatte. Aber die Programmgestalter bei den Inrocks sind anscheinend nicht mehr so richtig auf Zack, bekommen nicht wirklich mit, was sich in der Pariser Indieszene tut und wer wirklich Talent hat. Hätten sie doch mich gefragt!

Dann kam James Blake zusammen mit seinen beiden Mitmusikern an Keboard/Gitarre und Schlagzeug. Der immens gehypte Bursche hatte mich beim diesjährigen Haldern Pop Festival ziemlich gelangweilt und so war meine Erwartungshaltung nicht sonderlich hoch. Aber ich ließ mich auf diesen seltsamen Stil, die verzerrte Kastratenstimme, den wabernden Clubsound ein und siehe da: es gefiel mir eigentlich recht gut. Zur Seite scheiben musste ich die stimmliche Assoziation mit Xavier Naidoo. James Blake singt in der Tat so ähnlich. Ich dachte lieber an das was in der Presse steht, nämlich daß Blake ein moderner Anthony and The Johnson ist. Dubstep, Soul, Elektro, Ambient, das sind ja wirklich nicht so meine Steckenpferde, aber man muss James zumindest zu gute halten, das er ein Feld beackert, daß noch nicht ganz so ausgewalzt ist. Und live werden die auf Platte öden Songs ordentlich aufgemöbelt, wirken deutlich hypnotischer und packender, dröhnen einem wirklich den Schädel zu, durchzucken den ganzen Körper. Wenn man sich drauf einlässt, kann man sicherlich berauscht werden.

Also seien wir mal nicht so, James Blake kann man gelten lassen. Ein gutes Konzert.

Setlist James Blake, Festival des Inrocks, Paris, La Cigale:

01: Unluck
02: Tep & The Logic
03: I Never Learnt To Share
04: Lindisfarne
05: To Care (Like You)
06: CMYK
07: Limit To Your Love (Feist)
08: Klavierwerke
09: Once We All Agree
10: The William Scream



Montag, 16. August 2010

Laura Marling, Haldern-Festival, 13.08.10

1 Kommentare
Konzert: Laura Marling
Ort: Spiegeltent des Haldern Pop Festivals, Rees-Haldern
Datum: 13.08.2010
Zuschauer: knallvolles Zelt
Konzertdauer: etwa 50 Minuten


Die junge Engländerin Laura Marling entwickelt sich immer mehr zur Diva. Den langwierigen Soundcheck in Haldern übernimmt ein stark tätowierter Glatzkopf für sie und sie erscheint eine Viertel Stunde später auf der Bühne obwohl ihre zahlreichen männlichen Bandmitglieder, darunter Marcus Mumford (ihr Lover?) schont längst bereit stehen. Ob ihr Majorlabel EMI das wohl so will? Professionell wirkt es ja, wenn man nicht mehr selbst Hand anlegt und hinterher nicht den Kabelsalat aufräumt, aber schöner finde ich es, wenn die jeweiligen Künstler den Aufbau-und Abbau persönlich erledigen. Na ja, vielleicht sollte ich nicht jede Kleinigkeit überinterpretieren. Dass mit der professionellen Vermarktung durch ihr Label EMI weiß ich aber aus eigener Erfahrung. In Paris kam ich vor ein paar Monaten in den Genuß, Laura Marling bei einer geheimen Videosession der Seite le-hiboo.com zu treffen und wurde hinterher von einem ihrer Labelmenschen darüber belehrt, daß man bei EMI das Recht am Bild der Sängerin genauestens überwache. Ich solle bitte meine Fotos zuerst der zuständigen Person zuschicken, die mir dann die Veröffentlichung von ein paar Schüssen genehmigen würde. Von 20 Bildern erlaubte man mir nur ganze 3 bei Flickr öffentlich hochzuladen! (eines davon habe ich hier eingestellt, Laura mit Gitarre und Trenchcoat auf einer Wiese, irgendwie sehr lässig) Die Karriere von Laura Marling ist also perfekt durchgeplant, damit es was wird mit dem kommerziellen Erfolg an dem sie schon in ihrem jungen Alter mit enormen Fleiß, Ehrgeiz und Talent arbeitet. Als Wunderkind wird sie in der Presse oft dargestellt, als unglaublich reif für ihr Alter und nicht zuletzt als Nachfolgerin von Joni Mitchell. Kein Wunder, daß da viel Druck auf ihren schmalen Schultern lastet. Bisher geht sie damit sehr gut um, ist immer höflich, wohlerzogen und nett. Allerdings stets auch auf vornehme Weise reserviert und distanziert. Heute in Haldern war das nicht anders. Man merkte, daß sich Laura bemühte, Kommunikation zu betreiben, einen Draht zum Publikum herzustellen (prägnantes Beispiel: die Mitpfeifszene bei einem Lied) und offen zu sein. Richtig an sie ran ließ sie aber keinen (nein, nein, nicht das Ranlassen was ihr Lustmolche meint!). Man merkte immer, daß es eine Barriere zwischen ihr und den Fans gab, egal wie nett und charmant sie auch lächelte. Aber in dieser Hinsicht gilt wie überhaupt in Bezug auf Laura Marling: Gebt dem Mädchen Zeit, sich menschlisch und musikalisch zu entwickeln! Ja, sie ist sehr talentiert, stimmlich gut und enorm charmant, aber die neue Königin der Folkmusik ist sie noch nicht. Ich selbst hatte mich vor ein paar Jahren, als ich sie zum ersten Male in Paris gesehen habe, dazu hinreißen lassen, überaus schwämerisch und unter Verwendung von zahlreichen Superlativen über sie zu berichten. Vieles davon kann ich auch heute noch so unterschreiben, bin aber inzwischen sachlicher und weiß, daß gerade in der Folkmusik kein Star vom Himmel fällt. Gutes Songwriting braucht Reife, Zeit und Erfahrung und griffige Songs schreibt man nicht mal so nebenbei. Dabei hat Laura ja in diesen Bereichen tasächlich schon Großartiges geleistet. Ghosts, My Manic and I und Alas I Cannot Swim, bereits auf dem ersten Album gab es einige Sternstunden zu feiern. Mit dem Neuling I Speak Because I Can tue ich mich allerdings schwerer. Lediglich das schon früh zur Setlist gehörende Blackberry Stone und die Single Hope In The Air überzeugen mich hunderprozentig, einige ander Titel verblassen hingegen ein wenig. Und der Instrumentierung beim heutigen Konzert war es mir oftmals zu viel (besonders orchestral: Alas I Cannot Swim, das mir besser in reduzierter Version gefällt). So hatte der Gig für mich dann auch konsequenzerweise die besten Momente, wenn die Blondine ganz alleine sang und Gitarre spielte. Da wurde es dann richtig intim und heimelig im Zelt und mir wurde wieder bewußt, warum ich Laura Marling von Beginn an so vergöttert habe. In diesen kostbaren Momenten stellte die Folkeuse dann auch wirklich einen Draht zum (sehr angetanen) Publikum her und band es auch in der bereits oben erwähnten Mitpfeifszene zum Song Night Terror mit ein. Eine kesse Besucherin fragte hinterher, ob das Haldern-Publikum den Preis für die beste Partizipation gewonnen hätte (Laura hatte vorher davon berichtet, daß sie auch in anderen Städten die Leute mitpfeifen lässt), wurde aber schlagfertig und schmunzelnd mit den Worten beschieden: " You were good, but Sydney won, you have to work a litte bit on it" (den genauen Wortlaut erinnere ich nicht mehr, aber in der Sache dürfte es hinkommen).

In Anspielung auf diesen Spruch könnte es für mich als Fazit lauten: " You were good, but Alela Diane, Nina Nastasia or Mia Doi Todd won, you still have to work a bit on it, Laura Marling"...

Setlist Laura Marling Haldern Pop Festival 2010:

01: Devils Spoke
02: Rambling Man
03: Ghosts
04: My Manic And I
05: Blackberry Stone
06: Don't Ask Me Why (Laura solo)
07: Night Terror (solo)
08: Goodbye England (solo)
09: Alpha Swallows
10: Hope In The Air
11: Alas I Cannot Swim
12: I Speak Because I Can





Donnerstag, 8. April 2010

First Aid Kit & Laura Marling, Paris, 07.04.10

4 Kommentare

Konzert: First Aid Kit & Laura Marling

Ort: La Flèche d'or, Paris

Datum: 07.04.2010

Zuschauer: viele

Konzertdauer: First Aid Kit etwa 45 Minuten, Laura Marling ungefähr 1 Stunde




Was für ein Menschenauflauf! Vor der Türe des Pariser Clubs Flèche d'or stehen junge Menschen bis zur nächsten Straßenecke Schlange. Was war denn hier los? War etwa Peter Doherty wieder in der Stadt? Oder Beth Ditto? Nein, die beiden Medienphänome, die inzwischen regelmäßig in der Bild-Zeitung besprochen werden, hatten zwar dieses Jahr ebenfalls die Flèche d'or bespielt und dafür gesorgt, daß der Laden, der ein wenig unter Zuschauerschwund leidet, endlich mal voll war, aber um sie ging es heute nicht. Auslöser für den Andrang war vielmehr der Auftritt von drei jungen Damen, die sich dem Folk verschrieben haben. Die Schwestern Söderberg von First Aid Kit und die Engländerin Laura Marling. Mein Freund von Rockerparis konnte es kaum glauben: "Warum sind heute soviele Leute da? Für Folkmusik? "- Ja, für Folkmusik, ganz genau! Allerdings kam sicherlich begünstigend hinzu, daß die auftretenden Künstlerinnen jung, hübsch und trendy sind. Als Damien Jurado, seines Zeichens einer der besten seines Fachs, hier vor eineinhalb Jahren gespielt hat, war der Laden leer. Alte häßliche Männer, die traurige Lieder singen und dazu auf der Akustischen gratzen, will kaum jemand sehen. "C'est la vie", wie der Franzose sagt.

Stellte sich bloß die Frage, ob die Damen auch musikalisch etwas zu bieten hatten. Den Anfang machten die Schwestern von First Aid Kit. Eine große Dünne und eine kleinere Dicke standen bereit, Klara Söderberg am Keyboard und der Harfe und Johanna Söderberg an der Akustikgitarre. Sie legten los und schon nach kurzer Zeit machte sich ein Country-Feeling breit. Junge Schwedinnen, die klingen wie Dolly Parton, das ist schon recht verblüffend! Entsprechend schnell ging ihr Aufstieg von statten. Jeder wollte die neue Folk Sensation, die durch das tolle Fleet Foxes Cover Tiger Mountain Peasant Song bekannt wurde, sehen. Mein erster Eindruck war zunächst positiv. Dann ergriff Johanna das Mikro und ließ ein paar französische Sätze mit gutem Akzent vom Stapel. Das Publikum (darunter Herman Düne, Thos Henley und der Sänger von Revolver) johlte, hielt dann aber verdutzt inne, als Johanna kess (sinngemäß) hinterherschickte: "Klar, sprechen wir französisch, wir sind ja auch die Besten!" Keiner klatschte. Hoppla, reden so schüchterne Nachwuchsmusikerinnen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen? Johanna wirkte regelrecht dreist und sarkastisch, Klara arrogant und gelangweilt. Als die beiden circa in der Mitte des Sets ihr Fleet Foxes Cover ansagten und seltsam ironisch erklärten: "Kennt ihr das? Das ist von einer Band, die 2008 so ein Album herausgebracht hat. Eigentlich ein schlechtes Album. Wir mögen diese Band nicht!", lachte wieder niemand. Auch das Cover selbst ging an mir vorbei. Die Mädels legten keine Inbrunst hinein, wie noch bei dem hochcharmanten, im Wald gedrehten Video. Es klang wie runtergeleiert und sorgte bei mir für keinerlei emotionale Regung. Der Auftritt von First Aid Kit: eine Enttäuschung. Als hinge ihnen das Konzerte geben jetzt schon zum Halse raus, so wirkten sie leider auf mich. Klara schien auf verstörende Weise abwesend und gelangweilt. Zwar sangen die Schwedinnen wirklich sehr schön, aber echte Gefühle kamen nicht rüber. Fast erleichtert war ich deshalb, als sie nach etwa 45 Minuten von der Bühne schlurften. Prädikat: Talentiert, aber bereits jetzt mit Allüren und divenhaften Zügen ausgestattet.

Ob des zuvor Dargebotenen recht irritiert, fragte ich mich, ob die ähnliche junge Laura Marling auch schon den Bodenkontakt verloren hatte. Der Presserummel,vor allem in ihrer Heimat England, ist ja schon recht groß, da kann man durchaus abdrehen. Schon nach kurzer Zeit zerstreute Laura aber sämtliche Bedenken. Sie präsentierte sich höflich, bescheiden und natürlich. Letztlich war sie einfach professionell, was man daran merkte, daß sie den Leuten in Paris genau den gleichen Kram erzählte, wie dem Kölner Publikum vor ein paar Tagen. Als sie das Neil Young Cover ankündigte, widerholte sie die Story, daß dieses der erste Song gewesen sein, den ihr ihr Vater auf der Gitarre beigebracht habe und daß ihre Mutter lange Zeit dachte, er stamme von Laura selbst. Und auch am Ende kam ein Sprüchlein, daß sie wohl bei jedem Konzert anbringt: sie verstehe das Konzept von Zugaben nicht und spiele deshalb für Freunde von Zugaben noch ein Stück, für allen anderen zwei und keine Zugabe. Laura hat also eine klare Linie bezüglich der Anekdoten und Statements, die sie preisgibt. Da macht sie von Stadt zu Stadt keine Unterschiede und konzentrieret sich statt improvisierter Sprüche und Storys auf ihr einstudiertes Ritual. Das gibt Sicherheit und lenkt nicht vom Wesentlichen ab: der Musik. Und auch da merkte man, daß alles gut geprobt und durchexerziert war. Laura und ihre Band spielten sehr harmonisch, rund und ausgewogen, dem Zufall überlassen wurde nichts. Ich kann mir vorstellen, daß die junge Lady in der Vorbereitung mit äußerster Akribie zu Werke geht und die einzelnen Stücke so oft wiederholt, bis sie perfekt sitzen. Strebertum, daß sich bezahlt macht, denn in jeder Hinsicht war das Konzert von Laura auf hohem Niveau. Stimmlich tadellos und im Gesang nuancenreich und fein austariert, hinsichtlich der Instrumentierung absolut ausgewogen, weder zu druckvoll noch zu lasch. Der Sound: brillant! Erstaunlich, daß Laura in ihrem jungen Alter schon so perfekt ist, so etwas sieht man selten. Aber sie weiß sicherlich, was sie will und das ist über kurz oder lang eine essentielle englische Folksängerinn werden, die eine wesentlich längere Halbwertszeit als Modephänomene wie Kate Nash oder Lily Allen hat. Beim Betrachten ihrer Konzertes mußte ich oft an ein Interview denken, daß sie einem englischen Fernsehsender gegeben hatte. Da fragte die Moderatorin, warum eine junge Frau wie Laura, denn so ernst und wenig fröhlich sei. Ob sie denn überhaupt wie ein normaler Teenager aufgewachsen sei, was Laura knapp mit: "of course" beantwortete.

Laura Marling also ein Wunderkind? Vorsicht, mit solchen Aussagen! Sie ist bereits gut, ja sehr gut, aber um sich wirklich mit ihren Idolen Joni Mitchell oder Neil Young messen zu können, muß sie noch etliche hochklassige Alben herausbringen und weiter an sich arbeiten. Bisher gibt es ja erst lediglich zwei Ouputs, von denen der neueste I Speak Because I Can noch gar nicht offiziell erschienen ist.* Highligts daraus sicherlich Blackbery Stone mit seiner unwiderstehlichen Melodie, den nahegehenden Lyrics ("you did always say that one day I would suffer") und dem dramatischen Finish und das früh gebrachte Hope In The Air, das mit einer Melancholie aufwartet, mit der man Steine erweichen könnte.

Alles in allem ein Konzert von Laura Marling, das unterstrich, daß hier ein riesiges Talent unterwegs ist, daß über kurz oder lang die großen Bühnen der Welt bespielen wird. Der Menschenauflauf war also durchaus gerechtfertigt!

Setlist Laura Marling, La Fléche d'or, Paris:

01: Devils Spoke
02: Hope In The Air
03: Rambling Man
04: Ghosts
05: Blackberry Stone
06: To Be A Woman
07: Failure
08: Night Terror
09: Rest In The Bed
10: Made By Maid
11: Goodbye England
12: Alpha Shallows
13: Alas I Cannot Swim
14: My Manic And I
15: I Speak Because I Can

* nach kurzer Recherche müsste es doch richtigerweise heißen: das neue Album I speak Because I Can, das gerade erst (Ende März) erschienen ist.



Sonntag, 4. April 2010

Laura Marling, Köln, 03.04.10

4 Kommentare

Konzert: Laura Marling (& Nic Dawson Kelly)
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 03.04.2o1o
Zuschauer: es fühlte sich ausverkauft an
Dauer: Laura Marling knapp 55 min, Nic Dawson Kelly 30 min


Samstags sind Konzertabende in Köln früh vorbei. Nur bis zehn dauerte das Programm im Studio 672.
Dabei konnte man bis dahin fast anderthalb Stunden gute Abendunterhaltung genießen - wobei mich die Alternativen zu Hause vor dem Fernseher auch gelockt hätten: ein betrunkener Helmut Berger bei Gottschalk oder die spannende Frage, ob Menodings rechtzeitig bei den sog. Superstars auftaucht.

Aber, um es vorweg zu nehmen: ich habe natürlich alles richtig gemacht, in den Stadtgarten zu fahren.

Auf das Vorprogramm war ich gespannt, nachdem ich am Nachmittag ein, zwei Lieder bei myspace gehört hatte.
Nic Dawson Kelly ist ein Singer/Songwriter aus Sheffield, der jetzt zwischen Brighton und Reading pendelt. Seine gerollten Rs hätten aber auch für eine Herkunft aus dem Siegerland gesprochen, Nic schien aber letztendlich doch Brite zu sein.

Nics Folk ist äußerst ungewöhnlich, weil sein Gesang teilweise enorm brachial klingt. Wenn sie die ganz tiefen Töne rausbrüllt. Dann singt er hoch, fast wie Jeff Buckley oder Rufus Wainwright, Assoziationen, die mir erst im Verlauf des 30 minütigen Sets in den Sinn kamen. Bei ersten Lied, Old valentine, das mit Mundharmonika begann, dachte ich erst an einen besseren (ach!) Westernhagen, das verflog aber schnell.

Nic Dawson Kelly sah auch ganz anders aus, als er klang, er trug nämlich keinen Bart und hatte kurze Haare. Seine Musik klang eher nach Scott Matthews Aussehen. So kann man getäuscht werden.

A propos andere Vorstellungen: Nic fragte uns, ob wir den Osterfeiertag gestern genossen hätten. Karfreitag? Was er sonst erzählte, war komisch, zum Beispiel die Geschichte vom Bettler in Notting Hill, der iPods verkauft (und über den er in Jimmy the beggar singt). Nic Dawson Kelly war unterhaltsam genug, um mich nicht zu langweilen, allerdings reichte es nicht aus, um mir hinterher eine CD zu kaufen.

Setlist Nic Dawson Kelly, Studio 672, Köln:

01: Old valentine
02: London is burning down
03: Delicate
04: Jimmy the beggar
05: Whitechapel moonshine
06: A musician

Weil um zehn Schluß sein musste, dauerte es angenehm kurz, bis Laura Marling und
ihre drei Begleiter auftraten. Kleidungsordnung bei ihren Mitmusikern war offenbar Hut- oder Kappenpflicht; Schlagzeuger Tim, Bassist Jake und Pianist Pete Roe hatten alle Sachen auf dem Kopf. Laura dagegen war zunächst in ein graues Wollcape gehüllt und trug dazu eine Hochsteckfrisur, sehr englisch.

Das Studio hatte sich mittlerweile so sehr gefüllt, daß es knalleng und stickig war. Auch deshalb war der flotte Umbau besonders angenehm.

Mit Bandunterstützung klingt Laura Marlings Musik natürlich viel kräftiger (doofes Wort, mir fehlt ein besseres) als solo mit Gitarre. Bei ihrem einen Kölner Auftritt bisher, sie hatte Andrew Bird supportet, trat sie gemeinsam mit einer Cellistin auf. Mit Bass, Klavier und Schlagzeug waren die Stücke aber eine Ecke lauter, was mir ausgezeichnet gefiel.

Nach Ghosts, dem vierten Lied, wurde es aber wieder akustischer. Die drei Männer verließen die Bühne, und Laura spielte alleine weiter. Ich dachte, nach ein oder zwei Stücken käme die Band wieder. Nichts da, Laura spielte quasi ein akustisches Konzert. Erst für die letzten vier Titel kamen die drei Begleiter zurück. Das hatte ich so auch noch nicht erlebt.

Laura spielte Stücke von beiden Alben. "Die erste Platte ist in Deutschland gar nicht erschienen," erklärte sie irgendwann. Erstaunlich, wie wenig da bei Plattenfirmen
aufgepasst wurde. Daß die neue englische Folk-Szene erfolgreich ist, sollte nicht erst seit dem Hype um Mumford & Sons bekannt sein (deren kommende Tour restlos ausverkauft ist).

Also von beiden Alben... Dazu kam eine hervorragende Version von Neil Youngs
The needle and the damage done. Das hatte Lauras Vater ihr als Kind beigebracht. Musikalische Früherziehung mal anders. Ihre Mutter hatte lange geglaubt, das Lied stamme von Laura. Sie dann nicht ins Internat geschickt zu haben, spricht für die Marlings.

Die besten Lieder des Abends waren aber für mich
Alas I cannot swim und My manic and I, beide mit Band und beide vom ersten Album. Ein wirklich sehr schöner und vor allem überzeugender Auftritt der jungen Engländerin!

Zugaben gab es nicht. Wobei... Laura sagte uns, sie hasse das Prinzip von Zugaben. Die Zuschauer zu nötigen, sich totzuklatschen, damit dann die beiden besten Lieder gespielt würden, fände sie albern. Also spiele sie für Freunde von Zugaben noch ein Stück, für alle anderen zwei - und dann keine Zugabe.

Setlist Laura Marling, Studio 672, Köln:

01: Devil's spoke
02: Hope in the air
03: Rambling man
04: Ghosts
05: The needle and the damage done (Neil Young Cover)
06: Failure
07: Night terror
08: Rest in my bed
09: Made by maid
10: Goodbye England (covered in snow)
11: Alpha shallows
12: Alas I cannot swim
13: My manic and I
14: I speak because I can

Links:

- Laura Marling, Paris, 19.03.10

-
Laura Marling, Köln, 01.05.09
- Laura Marling, Paris, 27.04.09
- Laura Marling, Paris, 24.06.08
- Laura Marling, Paris, 24.04.08
- Laura Marling, Paris, 19.04.08
- Laura Marling, Paris, 11.11.07





Samstag, 20. März 2010

Laura Marling, Paris, 19.03.10

0 Kommentare

Konzert: Laura Marling
Ort: Parc des Buttes Chaumont, Paris
Datum: 19.03.2010, 16 Uhr 30
Zuschauer: 5
Konzertdauer: 2 Titel, 35 Minuten Videodreh (Hiboo d'live)



Mal was Besonders außer der Reihe. Eine Session im Freien mit Laura Marling, gefilmt von den Könnern von le hiboo.com. Top Secret das Ganze. Keine Fans oder Stalker, sondern nur das Zweierteam von Le HibOO.com, Leute vom Label EMI und Lauras Management. Ich hatte wahrlich Glück, daß man mich auf den Videodreh aufmerksam gemacht und mir erlaubt hatte, hautnah dabei zu sein. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Rod und Juliette und den netten Leuten von EMI!



Unter den tosenden Kaskaden im schönen Parc von Les Buttes Chaumont spielte die junge englische Folksängerin den Song Hope In The Air, der auf dem am 26. März erscheinenden Album I Speak Because I Can enthalten sein wird. Das gleiche Lied wiederholte sie noch einmal auf einer Wiese, um sicher zu gehen, daß der Lärm des plätschernden Wassers nicht die Tonaufnahme unbrauchbar gemacht hatte. Im Anschluß stieg die Britin zusammen mit ihrer Gitarre auf ein Kinderkarussel (sie hatte lustigerweise das Krokodil als fahrbaren Untersatz gewählt) und drehte singenderweise (Made A Maid) ein paar Runden. Dabei wurde sie ebenfalls gefilmt und die kleinen Kinder und die Eltern staunten Bauglötze, als sie das sahen. Eine Frau erzählte mir ganz stolz, ihre Tochter würde auch Gitarre speilen und sie wolle ebenfalls Popstar werden. Na, dann viel Glück!



Laura war nett und zugänglich und als ich ihr erzählte, wo ich sie schon überall auf Konzertbühnen gesehen hatte, sagte sie sofort: "Are you german?" Mein Akzent hatte mich verraten. Das wollte ich dann aber genauer wissen. Woher sie denn wisse, wie Deutsche englisch reden? Sie habe mit 16 Jahren drei Monate in Heidelberg gelebt, war die Antwort. Achso...

Warum sie denn immer noch nicht in Paris wohne, fragte ich dann noch und nahm Bezug auf ein Zitat von Laura, das sie während eines Konzertes im kleinen Pop In ausgesprochen hatte: "I'm gonna live in Paris in the near future", hatte sie damals geäußert. Da schmunzelte sie und ließ offen, wann und ob überhaupt der Umzug von der Themse an die Seine stattfinden würde. Bis dahin trösten wir uns erst einmal mit dem Konzert am 7. April in der Pariser Flèche d'or. Solange muss man sicherlich nicht auf die Viedos von le- hiboo.com warten. Und meine Fotos kommen auch bald. Müssen vom Label abgesegnet werden. Da hat alles seine Ordnung...

Anmerkung:

- Die super Videos stammen alle von le-hiboo.com und sind hier im Originalkontext zu bewundern.

- Les très belles vidéos proviennent du hiboo.com et l'article original avec des explications sur le tournage se trouve ici. Sur le site il y a des tonnes des vidéos magnifiques!


Deutsche Konzertermine von Laura Marling:

01.04.2010: Privatclub, Berlin
03.04.2010: Studio 672, Köln


Aus unserem Archiv:

Laura Marling, Köln, 01.05.09
Laura Marling, Paris, 27.04.09
Laura Marling, Paris, 24.06.08
Laura Marling, Paris, 24.04.08
Laura Marling, Paris, 19.04.08
Laura Marling, Paris, 11.11.07








Freitag, 1. Mai 2009

Laura Marling, Köln, 01.05.09

5 Kommentare

Konzert: Laura Marling (als Special Guest von Andrew Bird)
Ort: Luxor, Köln
Datum: 01.05.2009
Zuschauer: knapp 100
Dauer: 24 min


Hätte ich nicht direkt einen Parkplatz gefunden und um 19.25 Uhr das Luxor betreten, wäre es mir vermutlich so ergangen wie vielen anderen. Ich hätte Laura Marling verpasst. Bei lastfm war weniger die Rede von Andrew Bird als von der jungen Frau aus Reading. Da überall 19 Uhr Einlaß und 20 Uhr Beginn stand, kam ich zwar abgehetzt an, aber noch mit dem Gefühl nichts zu verpassen. Das Luxor war vorne noch ziemlich leer, als um kurz vor halbdie blonde Engländerin gemeinsam mit einer Cellistin auf die Bühne.

Laura begann mit Ghosts, dem Startsong ihres Debütalbums Alas I cannot swim. Neben My manic and I war das aber auch schon das einzige Stück der 2008 erschienenen Platte. Dazu spielte Laura Marling mit Blackberry stone ein Lied von der Cross your fingers EP.

Die restlichen Songs waren offenbar neu, ich kannte sie jedenfalls nicht und hatte von Oliver gehört, daß Laura auch in Paris einige neue Lieder gespielt hatte.

Von den drei neuen Sachen gefiel mir No hope in the air ganz besonders. Aber auch der Rest war vorzüglich, vor allem das wundervolle Ghosts!

Bei guten Konzerten hört man ja oft, daß sie viel zu kurz waren. Englische Bands berichten immer wieder, daß sie das hinterher in Deutschland grundsätzlich hören. Heute jammere ich auch gerne, der Auftritt war viel zu kurz. Wenn man bedenkt, wie
viele sich besonders darauf gefreut hatten, endlich einmal Laura Marling in Deutschland zu sehen, war die Entscheidung, die junge Engländerin so früh und so kurz spielen zu lassen, sicher nicht die beste.

Ein sehr guter Appetitanreger, mehr leider nicht. Und ich hatte viel Glück, überhaupt etwas davon mitbekommen zu haben.

Setlist Laura Marling, Luxor, Köln:

01: Ghosts
02: Blackberry stone
03: My manic and I
04: Darkness descends
05: No hope in the air
06: Rambling man

Links:

- Laura Marling als Vorprogramm bei Andrew Bird in Paris vor ein paar Tagen
- Laura Marling, Paris, 24.06.08
- Laura Marling, Paris, 24.04.08
- Laura Marling, Paris, 19.04.08
- Laura Marling, Paris, 11.11.07

- mehr Fotos von Laura Marling im Luxor



Dienstag, 28. April 2009

Andrew Bird, Paris, 27.04.09

2 Kommentare

Konzert: Andrew Bird (Laura Marling)

Ort: La Cigale
Datum: 27.04.2009
Zuschauer: vermutlich ausverkauft
Konzertdauer: Laura Marling erwartet magere 30 Minuten, Andrew Bird phasenweise zähe, aber musikalisch brilliante 105 Minuten



Keine Minute zu spät kommen wollte ich heute, schließlich bestritt mein Liebling Laura Marling das Vorprogramm! Und ausgerechnet dann passiert einem so etwas Dummes wie mir! Die Tüte mit dem schmutzigen Katzenstreu riß im Treppenhaus und der ganze Boden war versaut. Also mußte ich schön sauber aufkehren, saugen und alle Spuren entfernen, man möchte ja nicht als Schmuddelnachbar bekannt werden! Eine eklige Hetze begann, zumal ich auch noch das spezielle Diabetikerfutter für meinen kranken Kater besorgen mußte und er auch noch seine Insulinspritze brauchte.

Und dennoch: Ich kam genau pünktlich in der Cigale an. Puhh! Die semmelblonde Engländerin Laura Marling hatte noch gewisse technische Probleme zu überbrücken, der Gitarrenverstärker spuckte knarzige Geräusche aus und Tontechniker Emmanuel (Salut Man!) mußte der niedlichen Britin helfen, damit alles wohklingend rüberkam. Laura hatte diesmal nicht ihren tollen Multiinstrumentalisten Marcus Mumford dabei, sondern lediglich eine Cellistin, die auch die Backvocals hauchte. Anscheinend war auch bei den beiden Mädels heute alles extrem hektisch und problematisch, ich hörte etwas von: "We had to carry those heavy begs for miles an miles, but finally we are here, because englisch people always carry on"...

Aber nun endlich Musik! Ghosts von dem fabelhaften Album Alas I Cannot Swim wurde geschmettert und sofort wußte ich wieder, warum ich mich so beeilt hatte. Ich liebe Laura Marling, liebe eigentlich alles an ihr. Ihren lieblich sentimentalen Gesang, den man einem so jungen Mädchen gar nicht zutrauen würde, ihr gekonntes Gitarrenspiel, ihre traurigen Texte, ihr Lächeln und natürlich die blauen Augen, hach ja! Und die wieder länger gewordenen Haare standen ihr ausgezeichnet. Noch nie war sie hübscher als heute, aber sie würde mir auch gefallen, wenn sie dick und verpickelt wäre. Was mich an ihr anzieht, ist diese unglaubliche Traurigkeit in dem Engelsgesicht, ihre Kessheit, ihr Trotz. Und dann diese Stimme: So pur, so rein und so elastisch! Spielend kann sie Tonlagen wechseln, von gehauchten Silben übergehen zu mit Inbrust gesungenen Klagegesängen. Ich bekomme dann immer eine Gänsehaut. Problemlos stehe ich dazu, daß ich bei ihr zum Andy Möller, zum Weinerle mutiere. Früher fand ich es immer seltsam, wenn Leute mir erzählt haben, daß sie im Kino geweint haben. Das ist mir nie passiert, schon gar nicht bei E.T. Aber wenn Laura Marling My Manic And I intoniert, ist es regelmäßig um mich geschehen. Sie singt ein paar dieser totraurigen Zeilen und schon kullern die Tränchen. Zum Glück hat es keiner gesehen, man will ja nicht für einen Weichling gehalten werden und überhaupt: Wie zu erwarten war, kannte der Großteil des Publikums Laura Marling und ihre Lieder nicht. Wie sollen sie dann meine Rührung nachvollziehen? Das geht ja wohl schlecht...

Zumal selbst ich Einiges nicht kannte, weil Laura zahlreiche Non-Album Tracks zum Besten gab, darunter das famose Rebecca und auch das sensationelle Blackberry Stone (der Text: "I am Laura now, I am Laura still, and you did alyways say that one day I will suffer"). Ich bin mir nicht ganz sicher, ob auch Made A Maid gespielt wurde, was sie in letzter Zeit immer oft im Programm hatte. Unproblematisch zu identifizieren war aber der Abschluß des leider nur 30 minutigen Sets. Alas I Cannot Swim, Titel (und Hidden-) Track des bisher einzigen Albums bildete wie so oft den Schlußpunkt und ich gebe zu, daß es stimmt, was ich Laura zugerufen habe, nachdem sie sich bei dem Publikum mit: "You are very kind to us" bedankt hatte. "We love you", hatte ich nämlich im Übermut gebrüllt und meinte eigentlich: I love you...

Auszug aus der Setlist Laura Marling, La Cigale, Paris (Merci beaucoup à Stéphane!)

01: Ghosts
02: Blackberry Stone
03: My Manic And I
04: Rebecca
05: Darkness Descends
06: Ramblin' Man
07: Hope In The Air
08: Alas I Cannot Swim


Konzerttermine von Laura Marling, jeweils mit Andrew Bird:

28.04.2009: L'autre Canal, Nancy
29.04.2009: Olympic, Nantes
30.04.2009: Epicerie Moderne, Lyon
01.05.2009: Luxor, Köln
03.05.2009: Strand, Stockholm
04.05.2009: Lille Vega, Kopenhagen
05.05.2009: Übel & Gefährlich, Hamburg
06.05.2009: Admiralspalast, Berlin
07.05.2009: Paradiso, Amsterdam
09.05.2009: Circque Royale, Brüssel (Festival Les nuits botaniques)




In der Umbaupause fiel mir sofort eine Sache besonders auf: Dieses riesige Grammophon, das auf einer feinen Holzkiste stand und seine beiden muschelförmig geformten Lautsprecher zu beiden Seiten ausgestreckt hatte. Angeblich soll dieses Ding nicht nur ästhetischen Wert haben, sondern auch der musikalischen Untermalung dienen. Es drehte sich während des Konzertes, das schließlich recht pünktlich gegen 21 Uhr begann.

Zunächst performte der Mann aus Chicago drei Lieder alleine auf seiner Fiedel und gab erste Kostproben seiner verblüffenden Pfeifkünste. Er trällerte im wahrsten Sinne des Wortes schön wie ein Vogel (Bird) und man fragte sich fasziniert, wo er diese Töne rausholte. Auch seine Stimme war perfekt geölt und glasklar.

Trotzdem war der Beginn etwas verhalten, denn Bird performte Dark Matter, Waterjet und Masterswarm (ein super Lied!) hintereinander weg ohne mit dem Publikum in irgendeiner Form zu kommunizieren. Dann wurde die Atmosphäre etwas aufgelockert, als die mehrköpfige Band einmarschierte und für zusätzlichen Druck sorgte. Unter den Musikern war auch ein Saxofonist, der ab und zu auch Klarinette spielte. Die Jungs hielten sich diskret im Hintergrund und überließen Andrew die Show. Das Problem war bloß, daß der gertenschlanke Mann all seine Emotionen in sich hineinlebt, sie nicht mit dem Publikum teilt. In 95 % der Fälle hat er seine Augen geschlossen und wackelt mit seinem Köpfchen hin und her. Er scheint dann irgendwo anders zu sein, schwebt vermutlich über den Wolken. Leute die ihm außerhalb der Bühne begegnet sind, beschreiben ihn als schüchtern, fast authistisch. Diese Einschätzung trifft sich mit meinen Beobachtungen, auch auf mich wirkt er sehr verschlossen und in sich gekehrt. Es ist keine Schande schüchtern zu sein, im Gegenteil, das ist oft eine Qualität. Bloß für einen Musiker, der einen recht großen Saal wie die Cigale in Paris entertainen soll, stellt sich dieser Wesenzug doch eher als Handicap heraus. Kurzum: Trotz sehr guter Musik und exzellenten Songs kam ich nicht so richtig rein in dieses Konzert. Erst mit A Nervous Tic Motion Of The Head To The Left kam zum ersten Mal mehr Bewegung in die Bude. Und mit Oh No, dem Opener des neuen Albums Noble Beast wurde ein herzerwärmender Titel hinterhergeschickt, der eine unwiderstehliche Pfeifmelodie und auch eine ganz feine Melancholie hat. Das Konzert war in seiner besten Phase, keine Frage, zumal Fitz & Dizzyspells herrlich Dampf unter dem Kessel hatte. Erstaunlich auch die Zupftechnik von Andrew Bird. Er bearbeitet seine Geige wirklich auf alle erdenklichen Weisen und wirkt dabei immer virtuos und elegant. Auch sein Gitarrenspiel ist hervorragend. Er ist ein Dirigent, fast so wie Abbado. Aber auch Abbado hatte nicht das Feuer eines Simon Rattle oder das Charisma eines Herbert von Karajan und die Berliner Philharmoniker waren nicht gerade enthousiasmiert von der Arbeit des Italieners, der war einfach zu kühl, zu unnahbar. Bei Andrew Bird ist es ähnlich, der musiziert abgekapselt vom Rest und vergibt so die Möglichkeit, Stimmung, die jeweils zu Beginn der fast allesamt guten Lieder aufkam, mitzunehmen und durch das ganze Stück zu transportieren. Schade, denn mit Klassikern wie Imitosis oder dem famosen Fake Plaindromes ist eigentlich das Songmaterial vorhanden, einen äußerst dankbaren Saal wie die Cigale - hier ist das Publikum immer entgegenkommend, wenig kritisch und in den jeweiligen Künstler verliebt- so richtig zum Beben zu bringen. So reichte es leider nur für langanhaltenden Applaus, der dem riesigen Talent, der Innovationskraft und Musikalität des Amerikaners galt und auch der Tatsache, daß er bei einem Lied auf französisch sang (das Theme von der Muppetshow!), was bei den patriotischen Franzosen, die ihre Sprache für die schönste der Welt halten, immer zieht.

Ansonsten hatte er während des Konzertes einmal versucht, etwas Smalltalk zu betreiben, aber er wirkte dabei ein wenig, wie wenn ein steifer Kerl wie Ex-Finanzminister Eichel versucht, das Tanzbein zu schwingen oder so grobmotorisch wie Angela Merkel wenn sie mit ausgebreiteten Handflächen klatscht. Andrew erzählte, das er sein Fahrrad heute zu Schrott gefahren hatte und wunderte sich darüber, daß es in Paris überall diese Leihfahrräder gibt. Einige Leute schmunzelten darüber, so wie man das von fleißigen und etwas schleimigen Studenten her kennt, wenn der Professor mal einen Witz gemacht hat. Ich hatte schon mal heftiger gelacht, zum Beispiel bei den köstlichen Anekdoten von Billy Bragg ("Don't watch YouPorn, you will regret it and get nightmares!"), aber ganz humorlos ist Andrew Bird natürlich auch nicht.

Ein hochtalentierter Virtuose, dieser Ami, ein brillianter, im wahrsten Sinne des Wortes pfiffiger Musiker, aber kein Entertainer...

Setlist Andrew Bird, La Cigale, Paris:

01: Dark Matter
02: Waterjet
03: Masterswarm
04: Opposite Day
05: A Nervous Tic Motion Of The Head to The Left
06: Oh No!
07: Effigy
08: Fitz & Dizzyspells
09: Natural Disaster
10: Tenuousness
11: Not A Robot, But A Ghost
12: Cataract
13: Anonanimal
14: Imitosis
15: Not Easy Being Green
16: Fake Palindromes

17: Why?
18: Tables And Chairs
19: Don't Be Scared

Links:

- aus dem Archiv: Andrew Bird im Pariser Olympia Ende 2007 hier
- Laura Marling beim Festival Les femmes s'en mêlent hier und im noblen Le Baron hier- Laura Marling im kleinen Pariser Pop In hier
- mehr Pics von Laura Marling hier
- mehr Pics von Andrew Bird hier



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates