Sonntag, 6. Januar 2013

My Year In Lists: Die besten Konzerte des Jahres (Nelle)


Es gibt Musikkenner, nach denen kann man bei guten Konzerten die Uhr stellen (hinkende Metapher), sie werden da sein. Immer wieder sehe ich seit einigen Jahren Nelle aus Essen bei Künstlern, die dann herausragend aufspielen. Daß er dann trotz großer Anreise auch beim vorzüglichen Phono-Pop Festival im Sommer auftauchte, war für mich da zwar überraschend, aber eigentlich zu erwarten. Die Konzerte dort, die es in seine Bestenliste geschafft haben, waren nicht die einzigen, die wir 2012 gemeinsam gesehen haben. Natürlich nicht:


2012 war ein komisches Musikjahr, da ich gar nicht so viel Zeit hatte, Musik zu hören. So kommt es, dass ich nur wenige neue Alben gekauft habe (mehr als zwei Drittel waren ältere, die ich nachgekauft habe, da ich sie bisher nur aus dem Internet kannte) und in den diversen Jahreslisten in Musikmagazinen und auf dieser Seite einen Großteil der Alben und/oder Interpreten gar nicht kenne. Auch war ich nur selten auf dieser Seite, sorry dafür. Stattdessen waren ständig Künstler in komischen Remixversionen auf Platz 1 der Verkaufshitparaden, die ich schon vor Jahren live gesehen habe (Asaf Avidan, Lykke Li).

Eine Album-Top 10 habe ich keine, da ich keine zusammenbekomme. Bestes Album war "Bloom" von Beach House, weiter komme ich nicht. Es gibt eine Reihe weiterer sehr guter Alben (z. B. 2:54, Dry The River, Sons of Noel and Adrian, Liza Manili, The xx, Alabama Shakes, Jessie Ware), aber da kriege ich keine richtige Reihenfolge hin. Zudem haben viele mir liebe Künstler eher schwache Alben rausgebracht (z. B. Kettcar, Guillemots, The Heart of Horror). Gehört habe ich außer Beach House hauptsächlich Daughter und Sunless '97, aber die haben ja beide noch keine Alben. Meistgehörter "Interpret" ist laut last.fm tatsächlich der BBC World Service, da ich in der U- und S-Bahn zur Arbeit immer Podcasts höre...

Konzerte habe ich eine ganze Menge gesehen, neben Clubkonzerten war ich bei zwei Festivals (Haldern Pop, Phono Pop), die auch beide weiter unten in der Konzertliste vertreten sind. Zudem mit Herbert Grönemeyer erstmals ein Stadiokonzert. Neben den üblichen Konzertstädten kamen dieses Jahr auch Konzerte in Split/Kroatien und Sarajevo/Bosnien-Herzegowina dazu, die es aber nicht in die Reichweite der Jahresliste geschafft haben. Ihn hier rechnen wir mal nicht als Konzert in Frankreich, also habe ich dort trotz zwei Wochen Aufenthalt leider keins gesehen.



Platz 10: Warpaint – Phono Pop, Rüsselsheim (20.07.12)


Letztes Jahr noch auf Platz 1, jetzt dank Tonproblemen und Deppen im Publikum nur auf der zehn: Die umwerfenden Damen von Warpaint.

Platz 9: Oberhofer – Haldern Pop Spiegelzelt, Rees-Haldern (10.08.12)


Ich halte die Band weiterhin für eher durchschnittliche Musiker und total überbewertet, dennoch habe ich mir die Füße wund getanzt und Spaß gehabt wie bei vielleicht keinem anderen Konzert letztes Jahr.

Platz 7 + 8: Dillon – Stadtgarten, Köln (19.03.12) und Robert-Schumann-Saal, Düsseldorf (06.10.12) 

 
Zwei quasi identische Konzerte von der wundervollen Dillon und ihrem Musikmenschen Tamer – ob da eines der Konzerte ein Quantum besser war, lässt sich nicht sagen. 

Platz 6: Guillemots - Haldern Pop Spiegelzelt, Rees-Haldern (11.08.12)

Vielleicht eine der besten Bands der letzten Jahre, aber 2012 mit einem eher schwachen Album. In Haldern aber mit einem Hitfeuerwerk wie dem Jahrhundertsong "Made-up lovesong #43" und dem mächtigen "Sao Paolo". 



Platz 5: Dry The River – Phono Pop, Rüsselsheim (20.07.12)


Vor oben genannten Warpaint spielten Dry The River ihre Mischung aus Folk und explodierenden Postrock-Gitarre – atemberaubend.

Platz 4: Team Me – Zakk, Düsseldorf (23.10.12)

 
Drei Viertel der Top 4 stammen aus Skandinavien – hier die ersten. Team Me aus Norwegen haben eines meiner Lieblingsalben 2012 rausgebracht, aber eigentlich ist es ja schon deutlich früher erschienen. Live ein bunter Wuselhaufen zwischen vielen Instrumenten und bunten Fähnchen. Nach dem aus meiner Sicht eher solide-guten Auftritt in Haldern wollte meine Freundin sie unbedingt im Zakk sehen, was ich eigentlich nicht vorhatte. Danke dafür! 

Platz 3: Alcoholic Faith Mission – Druckluft, Oberhausen (17.10.12)

Mit ihrem tollen Haldern-Spiegelzelt-Auftritt haben sie die Top 10 knapp verpasst, doch das Clubkonzert war noch so viel besser! Oft fiel die Band mir vorher immer so ein bisschen durchs Raster, da sie zwar recht gute aber nie überragende Alben rausbringen – live könnte ich mir die Dänen wöchentlich anschauen.

Platz 2: Daughter – Haldern Pop Spiegelzelt, Rees-Haldern (10.08.12)


Die dritte Haldern-Platzierung und zum dritten mal ein Auftritt aus dem Spiegelzelt, da sind einfach immer die intensiveren Konzerte. Daughter war eine meiner großen Neuentdeckungen 2011 und im Folgejahr 2012 die Musik, die ich rauf und runter hörte. Beim Haldern konnte ich sie dann endlich live sehen und es war noch besser als auf Platte, es gab viele Facetten zu entdecken, die ich bisher so nicht wahrgenommen habe. Definitiv das Album, das ich für 2013 nicht abwarten kann.

Platz 1: Anna Ternheim – Kulturkirche, Köln (11.02.12)


Die ohnehin schon großartige Anna Ternheim (Akustikgitarre/Klavier) spielte mit dem deutlich älteren Dave Ferguson (Kontrabass) als Duo. Dieser Typ war genau, wie man sich einen älteren Cowboy vorstellte – diese Stimme! Zu diesem Konzert hat Christoph hier vieles gesagt und ich bin gespannt, wo es in seiner eigenen Liste landet. Hier eine tolle Version von "Let it rain".



Im Prinzip stand schon vor dem Ende es Auftritts fest, dass es am Jahresende an genau dieser Stelle stehen wird – was sollte da noch kommen? Genau, es kam nichts derartiges mehr. Und so steht die Kulturkirche wie bereits im Vorjahr auf dem Platz an der Sonne (damals Warpaint), da sollte ich auch 2013 wieder ein Konzert besuchen.

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Bei den Konzerten zwar knapp an der Top 10 vorbei, aber bei "Livesong des Jahres" wohl auf dem ersten Platz ist Damien Jurado mit "Let us all in" beim Haldern Festival im Spiegelzelt, übrigens gefilmt von Kim Jansen von The Black Atlantic.



Auch sollten die zweieiigen Zwillinge Pele Caster und Ben Schadow erwähnt werden, die ich gefühlte 10 mal in verschiedenen Städten gesehen habe und die immer super waren.

Wirklich schlimme Konzerte habe ich kaum gesehen, eine Besserung gegenüber den Vorjahren. Grausig waren Kraftklub beim Rock im Saal (obwohl auf dem Album tatsächlich drei gute Songs sind – und gleich der erste Titel der Platte offensichtlich gegen mich gerichtet ist, zumindest fühlte ich mich ertappt), Sebastian Düring vor Spaceman Spiff in Dortmund (Pur-Songs im Songwritergewand) und Robert G. Güttler vor Maike Rosa Vogel in der Zeche Carl.

Mal schauen, was 2013 bringt. Savages, Palma Violets & Co. werden nach der ganzen Folkwelle den Rock zurückbringen, denke ich. Gespannt bin ich auf Seasfire. Entweder sie vollbringen Großes oder tappen in die Hurts-Falle...

Da ich Karten für Stornoway in London habe, sollte ich bei den Konzerten 2013 keine Probleme haben, einen Favoriten zu finden.


Fotos: unbekannter Musiker (Nelle), Rest (Archiv Christoph)



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