Freitag, 18. Januar 2013

My year in lists- die 30 besten Konzerte von Oliver Peel



Die besten Konzerte des Jahres von Oliver Peel

2012 habe ich sicherlich deutlich mehr als 200 Konzerte gesehen. Keine Frage, ich bin süchtig, aber mit den Nebenwirkungen kann ich gut leben! Für einen Junkie wie mich ist es natürlich wahnsinnig schwierig eine Auswahl der besten Gigs zu treffen, weil so viele schöne Konzerte dabei waren. Wie jedes Jahr habe ich es dennoch versucht:



01: Motorama, Le Point Ephémère, Paris



Frischer Wind aus dem eisigen Russland! Natürlich war auch ich vorher skeptisch und fragte mich wie viele andere, ob Motorama nicht ein weiterer mehr oder minder überflüssiger Klon von Joy Division bzw. Interpol seien, aber das sensationelle Konzert im Indieschuppen Point Ephémère hat mich restlos überzeugt und zum glühenden Fan werden lassen. So viele Glücksmomente hat mir 2012 live keine Band bereitet und so viel wie an jenem Abend habe ich auch bei keinem anderen Konzert getanzt. Hochmelodische Gitarren, ein wahnsinnig zackiger Rhythmus und die Grabesstimme von Vladislav Parshin sorgten für denkwürdige Augenblicke und Herzrasen. Gegen Ende wurde die anfangs leicht nervöse Band immer wilder. Ich war wie auf Speed. Für solche Momente lebt ein Konzertblogger wie ich. Verdient auf Platz ein und für 2013 immer noch ein heißer Tip! 

02) Peter Hook and The Light playing Closer from Joy Division, Le Trabendo, Paris




Joy Division lebt und ist 2012 größer als je zuvor. Zumindest die Lieder der Band aus Macclesfield bei Manchester. Es wäre eine Risenverschwendung, die alten Klassiker des Post Punk Genres nicht mehr zu spielen, nur weil der überaus charismatische und unerreicht tief und aggressiv singende Leader Ian Curtis seit langem tot ist. Hooky hat den Gesang nämlich tadellos hingekriegt, klang herrlich böse und angriffslustig und war in blendender Spiellaune. Es solle auch keiner, der bei diesem Konzert in Paris nicht dabei war sagen: "ich habe Peter Hook vor zwei Jahren schon mal gesehen und das war nicht so dolle." An jenem Dezemberabend war er gut, sehr gut sogar, das kann jeder bezeugen und die Reaktionen hinterher durch die Bank weg euphorisch. Jeder schwärmte in den höchsten Tönen und viele sagten, daß hier der Geist von Joy Division spürbar war. Curtis bleibt unerreicht, aber Hooky war unbestritten überragend, hat der Platte Closer neues Leben eingehaucht. 

03) Band Of Horses, Le Trianon, Paris


Die Band Of Horses gibt immer fantastische Konzerte, zumindest wenn ich dabei bin. Ich hatte vor diesem Gig fast vergessen, wie stark die Band um Ben Bridwell ist, dabei landeten sie mit ihren Konzerten immer ganz weit vorne bei mir. Im wunderschönen Theater Trianon hielten sich urwüchsige amerikanische Folkrocksongs und powerpoppige Stücke die Waage und der Stimme von Ben kann ich eh nicht widerstehen. Verdienter Platz 3. 

 04) Pulp, L'Olympia, Paris



"Do you remember the first time?" Kommt darauf an, was mit der "first time" gemeint ist. Vor etwa 20 Jahren spielten Pulp schon einmal beim Festival des Inrocks in Paris, aber dabei war ich freilich nicht. Mein "first time" mit Pulp bezieht sich also eher auf das Hören ihrer Alben wie Common People oder This Is Hardcore, von denen natürlich viele Hits stammten. Die Stimmung war durchgängig bombig, der Boden bebte und alle sangen lauthals die Parolen mit. Die Mutter von Jarvis hatte Geburtstag und zur Feier des Tages bekam sie ein Ständchen vom Publikum, was sie eher irritierte, als beglückte. Sie ist glaube ich ganz froh, wenn ihr Sohn im Rampenlicht steht und nicht sie. War aber die ganze übrige Zeit auch der Fall, außer auf Jarvis habe ich eigentlich auf keinen anderen Musiker auf der Bühne sonderlich geachtet. 

05) Damien Jurado, Spiegelzelt des Haldern Pop Festivals, Haldern



Ein magisches Konzert im Spiegelzelt zu Haldern an einem heißen Sommernachmittag. Der deutlich schlanker gewordene Singer-Songwriter sang mit seiner famosen Falsettstimme seine todtraurigen Songs und schaffte es, eine Verbindung zum Publikum herzustellen, wie es ihm ansonsten nie so richtig gelang. Ein Lied war schöner und nahegehender als der Nächste und am Ende tobte das Zelt. Jurado hatte bewiesen, daß ihm seine Stimme und seine Akustikgitarre ausreichen, um Emotionen zu schüren. 

06) Wilco, Le Grand Rex, Paris

Im Grand Rex zu Paris waren Wilco deutlich besser und engagierter als beim Haldern Festival. Zwar war Jeff Tweedy ziemlich wortkarg und etwas sauertöpfisch drauf, aber seine Stimme und sein Gitarrenspiel klangen perfekt. Auch seine Band leiste sich kaum Fehler und Gitarrist Nels Cline sorgte mit seinen genialen Soli für Szenen-Applaus. In Paris wussten auch die neuen Lieder zu überzeugen und nicht nur Klassiker wie Impossible Germany oder At Least That's What She Said. Ein Wahnsinnsgig! 

 07) Grandaddy, Festival Rock en Seine, Paris



Mann, war das ein schönes Konzert! Die Comebacker Grandaddy und ihr wimmernder Sänger Jason Lytle spielten beim Festival Rock en Seine ihre ganzen alten Klassiker und trieben mir Trähnen in die Augen. Währenddesen rauchte der vollbärtige Drummer hinten ganz lässig seine Zigarettchen. Der beste Auftritt des Festivals landet bei mir immerhin in den Top Ten und hätte eigentlich auch Top 5 sein können. 

08) Malvina Meinier, Théâtre de Ménilmontant, Paris


Meine Pariser Entdeckung des Jahres ist die junge Pianistin Malvina Meinier. Die spielte zsuammen mit einem Damenchor und einem kleinen Kammerorchester die bildhübschen Lieder ihres Debütalbums The Wise One und ließ mich noch monatelang davon schwärmen. Ähnlich toll wie der Hauptact: Supportact Kinrisu aus den USA, die mit ihrer Kleindmädchenstimme und ihrem eigenwilligen Fickerpicking Glanzlichter setzte. 

09) Bowerbirds, Le Café de la Danse, Paris

Auch hier gilt: die Bowerbirds waren in Paris deutlich besser als beim Haldern. Lag aber auch daran, daß sie mit viel mehr Musikern in Paris antraten und ein viel größeres Instrumentarium nutzen konnten, um ihre warmherzigen Folksongs angemessen zu zelebrieren. War schon kurios, daß Beth Tacular in Haldern gar ohne ihr obligatorisches Akkordeon antrat.

10) New Order, Fête de l'Huma, La Courneuve bei Paris



Um endlich New Order zu sehen, wurde ich glatt für einen Tag zum Kommunisten! Das kommunistische Blatt L'Humanité hatte zur jährlichen Fête de l'Huma geladen und wie immer bevölkerten fast 80 000 Menschen die Hauptbühne. Eine Wahnsinnskulisse für eine in die Jahre gekommene Kultband wie New Order, die aber bewies, daß ihr 80 er Jahre Elektropop super gealtert ist und sogar noch junge Leute begeistern kann. Für mich war das eine Nostlagie-Reise in meine frühe Jugend, als ich bei "Formel Eins"zu True Faith die Videos der sich ohrfeigenden Puppen sah und das Lied tausend mal hintereinander auf meinem kleinen Plattenspieler hörte. 


Der Abschluß dann mit Love Will Tear us Apart und Tränen als man das Konterfei des Trenchcoat tragenden Ian Curtis auf der Leinwand sehen konnte. Dahinter die Aufschrift: "Forever Joy Disvion." Dem ist nichts hinzuzufügen. 

11) Faustine Seilman and The Healthy Boy, Espace B


Noch eine Pianistin aus Frankreich, noch ein Geheimtip, obwohl ich die junge Dame aus Nantes nun schon ein paar Jahre kenne und sie eigentlich längst viel mehr Fans verdient hätte. Nach zwei feinen Soloalben hat sie einen nur auf Vinyl erhältlichen Longplayer mit dem kauzigen Healthy Boy eingespielt und die beiden Künstler  harmonierten mit ihren grundverschiedenen Stimmen einfach perfekt. Das Ganze klang stark nach Nick Cave, als er zusammen mit Kylie Minogue und PJ Harvey die sogenannten Murder Ballads aufnahm.


 


12) Echo and The Bunnymen, Le Bataclan, Paris


Immer noch Kult, immer noch geil. Die Band aus Liverpool präsentierte sich in glänzender Form, Ian McCulloch intonierte verraucht und markant wie gewohnt und die Songs klangen absolut zeitgemäß. Bei Echo & The Bunnymen ist der Konzertgenuß sicherlich Tagesform abhängig, aber an jenem Tag in Paris gab es nix zu meckern. Eine essentielle Band, immer noch tauend mal besser als viele junge Post-Punk Klone. 

 13) Nór 12, ein Wohnzimmer in Paris



Bezaubernde Däninnen, von denen man noch viel hören wird. Bei den Mädels findet man solch schöne Instrumente wie Klarinette, Mandoline, Kalimba und Kontrabass, ihre Harmoniegesänge sind entzückend, die CD Hüllen basteln sie alle selber. Das Konzert in einem winzigen Pariser Appartement war hochcharmant und absolut denkwürdig!






Clara Luzia, Au Petit Moulin et chez Galsrock, Paris






Clara Luzia aus Österreich könnte theoretisch sogar auf eins landen, hätte sie 2012 ein "richtiges" Konzert in Paris gegeben. Ich erlebte sie lediglich bei kurzen Showcases, aber die waren so intim und herzbewegend, daß es die junge Dame damit immerhin weit nach vorne schaffte. Das neue Album We Are Fish wird ein Hammer, die Songs sind Seelentröster par excellence und es würde mich nicht wundern, wenn Clara Luzia 2013 bei mir auf dem Treppchen landen würde. 

15) Tiny Ruins u.a. Balades Sonores, Shakespeare & Co und Oliver Peel Session







Meine Sängerin des Jahres, die ich ebenfalls auf keinem "richtigen" Konzert, dafür aber bei etlichen Showcases und... bei mir im Wohnzimmer/bzw. meiner Terrasse sah! Ihr Album Some Were Meant For Sea habe ich zu recht auf eins gewählt, ihr kommendes Konzert in der altehrwürdigen, 1000 Zuschauer fassenden Cigale im Vorprogamm von Alela Diane wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Highlight des Konzertjahres 2013. 

16) Arthur Beatrice, Midi Festival, Hyères, Südfrankreich


Hoch kreative Band aus England, die ich als Support von Bon Iver in Südfrankreich entdeckt und dann ein paar Wochen später im Spiegelzelt zu Haldern wiedergesehen habe. Auch sie werden 2013 abräumen, dann nämlich erscheint ihr heiß ersehntes Debütalbum.
17) The Walkmen, Pitchfork Festival, Paris

18) Crystal Castles, Festival Evreux, Le Rock Dans Tous Ses Etats, Frankreich 
19) Portico Quartett, Le Café de la Danse, Paris 
20) Mina Tindle, La Maroquinerie, Paris 
21) The Luyas, Espace B, Paris 
22) Tindersticks/Lambchop/Daughter, Festival des Inrocks, La Cigale, Paris 23) Efterklang, Café de la Danse, Paris 
24) Wedding Present, La Boule Noire, Paris 
25) Peter Doherty, Le Gibus, Paris 
26) Farewell Poetry, La Loge, Paris 
27) Orion Rigel Domisse, L'Espace B, Paris 
28) Nils Frahm, Le Café de la Danse, Paris 
29) Alina Orlova, Le Café de la Danse, Paris 
30) Sophie Hunger, Le Café de la Danse, Paris 

Ganz knapp an den Top 30 vorbei: Sharon van Etten, Laura Gibson, Shearwater, Liz Green, Mariee Sioux, Gossip 


0 Kommentare :

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates