Mittwoch, 31. Oktober 2018

Motorama, 24.10.18

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Konzert: Motorama
Ort: Petit Bain, Paris
Datum: 24.10.2018
Zuschauer: etwa 450, ausverkauft



Wie heisst noch mal diese Band aus Russland deren Musik süchtig macht? Ach, Motorama, ja genau! Jede neue Platte ein Volltreffer, jede neue Tour ein enthusiasmierendes Erlebnis und dies nun schon seit einigen Jahren. Motorama hängen mir immer noch nicht zum Halse raus, im Gegenteil! Sie sind so clever, schnell neue Alben zu veröffentlichen und nicht Jahre zu warten wie andere. So bleiben sie immer aktuell, immer aktiv. Zwar überschreiten die "Longplayer" selten die 30 Minutenmarke und im aktuellen Fall bleiben sie sogar darunter, aber das Erlebnis ist trotzdem oder gerade deshalb sehr intensiv.



Die Frage war natürlich wie sich die neuen Sachen von Many Nights live schlagen würden. Nach dem Konzert würde ich sagen, dass sie gut rüber kamen, allerdings weniger fetzig und dynamisch als die alten Stücke vom Erstling Alps. Auf Alps waren Motorama wirklich noch eine Post Punk Band, heutzutage ist ihre Musik elektronischer und sanfter geworden, es geht teilweise Richtung Ambient. So war das Pariser Konzert dann auch erstaunlich ruhig und wenig krawallig. Sogar seine Brille behielt Sänger Vlad Parshin heuer durchweg auf der Nasenspitze, in der Vergangenheit hatte er sie oft hyperaktiv an- und ausgezogen oder beim Rumwirbeln auf der Bühne verloren. Das Konzert glänzte weniger durch Power als durch profunde Schönheit, wenngleich diese Schönheit natürlich einen leicht morbiden Anstrich hatte. 


Videos mit kargen Bäumen, Wellen und alten Häusern untermalten die Songs, währen die drei Musiker auf der Bühne vor der Leinwand ihre Kunst ausübten. 



Beim genauen Hinsehen fiel auf, das der Drummer gewechselt hat. Der alte Drummer Oleg Chernov ist nicht mehr dabei, der neue heisst Mikhail Nikulin. An Gitarre und Bass aber weiterhin Maxim Polivanov und vorne natürlich der grossgewachsene Vlad Parshin mit seinem Stoppelhaarschnitt. Seine Grabesstimme klang toll wie immer aber er schonte sie mehr als sonst. Er schrie in keiner Phase, sondern sang durchgängig sehr zart und melancholisch.


Dem überaus zahlreich erschienenen Publikum gefiel das Ganze mehrheitlich, das sah man an den zufrieden Gesichtern. Freilich hatte der Publikumsandrang zur Folge, dass man eng an eng stand und kaum Platz zum Tanzen hatte. Viele junge Leute unter den Zuschauern, auch einige Russen aus der russischen Gemeinde von Paris, aber auch ein paar Deutsche und Fans aus Asien. Es war wirklich ein internationaler Abend. Motorama haben Fans auf der ganzen Welt und touren auch immer mal wieder in Südamerika und Asien.


In Südamerika sollen die Konzerte sehr wild sein, alle singen die Texte mit und feiern, in Paris hingegen läuft das Ganze immer dezenter ab.

Das erste Lied, das mich so richtig in Stimmung brachte war Wind In Her Hair mit seinem fast tropischen Flair und etwa zehn Minuten später der neue Titel From The Choir, der mit den für Motorama typischen hochmelodischen Gitarren punkten konnte. Zweifelsohne ein Hit.



Auch Two Stones vom Zweitliga Calendar mochte ich nach wie vor sehr. Ein nur mittelschneller Titel, eher beschaulich, mit sonnigen Gitarren und einem nahegehenden Text: "hold your breath and die with me, just like two little stones on the water."

Kurzes Zeit später mit Rose In The Vase ein weiteres Highlight von Calendar.

Sie brachten auch Ship, ein wundervolles Lied vom Erstling Alps, weniger elektronisch als die neuen Sachen, basslastiger und scheppernder.



Im letzten Drittel kam dann mit Second Part ein sehr poppiger, an New Order erinnernder Titel und natürlich auch Alps, der vielleicht nach wie vor beste Song von Motorama. Da konnte ich einfach nicht mehr still halten. "I'm slow slow slowly dying, my blue coloured eyes are almost blind." Ghost wurde gleich noch hinterhergeschickt.

Die Zugabe bestand dann noch aus zwei Liedern, das Konzert wurde von dem poppigen Tell Me beendet und ich hatte mal wieder einen glänzend Abend mit einer meiner Lieblingsbands verbracht. Im Februar 2019 kommen die 3 Russen dann auch wieder nach Deutschland. Ich hätte glatt Bock hinzufahren und mir jede einzelne Show anzusehen!

Setlist



He Will Disappear

Heavy Wave
Homewards
Wind In Her Hair
I See You
No More Time
Voice From The Choir
Dispense Energy
Two Stones
This Night
Rose In The Vase
You & The Others
Ship
Empty Bed
Kissing The Ground
Second Part
Devoid Of Color
Alps 
Ghost


Hard Times
Tell Me



Dienstag, 30. Oktober 2018

Hundreds, New Fall Festival 2018, Düsseldorf 26.10.2018

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Konzert: Hundreds + Joco
Ort: Johanneskirche, Düsseldorf, New Fall Festival
Datum: 26.10.2018
Dauer: 65 min.
Zuschauer: ca. 600


Eva und Philipp Milner bilden als Geschwisterpaar das Gerüst der Hamburger Elektropop-Band Hundreds, die beim New Fall Festival ebenfalls in der mächtigen Johanneskirche in Düsseldorf ein Konzert geben.

Teilweise angekündigt als "Akustik-Gig", werden sich wohl viele die Augen gerieben haben, als die ersten mächtigen Soundwellen aus den Boxen schwappten. 

Egal wie man diese Art der Aufführung nun bezeichnen möchte, zumindest gibt es vom aktuellen Album der Band einen "akustischen" Nachschlag auf CD. 



Begleitet wird das Duo heute ansonsten nur von einem Schlagzeuger. Im Laufe des Abends werden aber immer wieder die Instrumente getauscht, auch Sängerin Eva bedient eine Art elektrische Zitter und schaltet die Beatbox auch schon mal von Hand ein und aus.



Passender, als mit den immer etwas entrückt düsteren Elektroklängen der Band kann man in einer Kirche eigentlich kein Konzert geben. Eva singt abwechselnd mit ihrer kristallklaren Stimme oder tänzelt im Schattenspiel auf dem Altar-Podest träumerisch vor sich hin. 

Die besten Momente hat der Wall of Sound, wenn der Bruder die antiken Synthesizer wie den alten "Blade Runner" Soundtrack wummern lässt. So gar nicht deutsch klingt diese Musik und obwohl die Alben der Band eine konsequente Weiterentwicklung hörbar machen, ist der Klang hier in der Kirche wie aus einem Guss. 


Einzig "Spotless", als Zugabe, klingt hier etwas zu sehr nach Musical, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch. Nach viel zu kurzen 65 Minuten ist leider schon alles vorbei. Endlich sieht man auch bei Philipp ein Lächeln auf dem Gesicht und Festivalleiter Hamed persönlich überreicht die Blumen.

Die Entscheidung der New Fall Macher, das Programm streng nach künstlerischer Klasse und besonderen Orten auszuwählen, erweist sich an diesen Abenden wieder als wegweisend und goldrichtig.



Sowie Scott Matthew als auch Hundreds passten perfekt in diesen Kirchenrahmen und wurden zurecht gefeiert. Der Termin für 2019 steht bereits fest. Zwischen dem 10.und 13.10.2019 wird es wieder Zeit einen Kirchenbesuch einzuplanen.              

Fotos: Michael Graef


Montag, 29. Oktober 2018

Lea Porcelain, New Fall Festival 2018, Düsseldorf, 28.10.2018

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Konzert: Lea Porcelain
Ort: Capitol Theater/Club, Düsseldorf, New Fall Festival 2018 
Datum: 28.10.2018
Dauer: 40min
Zuschauer: ca. 600



Der letzte Abend beim New Fall Festival Wochenende endet für mich im wunderschönen Club des Capitol-Theaters. Leider finden hier im Rest des Jahres nie Pop/Rock-Konzerte statt, dabei bietet der Saal mit seinen riesigen Kronleuchtern und Spiegeln, sowie variabler Bestuhlung mit kleinen Logen und zentraler Lage am Bahnhof alles, was man von einer tollen Location erwarten kann. 

Aber der Schwerpunkt liegt hier leider auf Musical-Veranstaltungen und so ist es umso schöner, wenigstens ein Mal im Jahr hier zu Gast sein zu dürfen.

Geboten wird nicht weniger als der, vielleicht zur Zeit interessanteste Act aus dem Berliner Moloch, der auch deshalb so in seinen Bann zieht, weil die Musik eigentlich von vorgestern zu sein scheint.



Lea Porcelain spielen düstersten Indierock, der in den 80er Jahren ja noch gar nicht so hieß, und verzichten dabei auf jede ironische oder neue Interpretation. 

Besonders macht diese Band das gute Songwriting, Songs wie "Warsaw" oder "Bones" würden auch mit anderer Instrumentierung hervorragend funktionieren. 

Die Outfits der Bandkollegen weichen da noch am ehesten vom strikten musikalischen Gerüst ab. Hier regieren Schlabber-Shirts und Jeans statt schwarzem Einheitsdress. 



Das schließen der Augen beim gepflegten Vorwärts-Rückwärtstanz im Publikum ist allerdings unnötig. Licht gibt es auf Wunsch der Band sowie nicht, nur über den Zuschauern kreisen gleißende Variospots.

Der Sound ist extrem druckvoll und fordernd, besonders das Schlagzeug, oftmals gedoppelt mit einer weiteren Trommel des Keyboarders, katapultieren den Sound in die Jetztzeit.



Zu meiner großen Freude dürfen Lea Porcelain heute nicht die standardisierten 30 Minuten eines Supports, sondern wesentlich länger aufspielen. Und so kommt man in den Genuss einzutauchen, in diese schwarze, von Trockennebel verschluckte Bühnenshow, deren Sog sich erst nach 30 Minuten so richtig entfaltet.

Jetzt werden die Songstrukturen aufgelöst und starre Wege verlassen. Als nach circa 50 Minuten etwas abrupt wieder Licht in den Saal fällt, erwacht man aus einem dunklen Traum, der sich aber gar nicht düster angefühlt hat.

Die Band spielt dieses Jahr noch am 30.11.2018 im Ice Palace in St. Petersburg. Ich denke, Lea Porcelain werden noch viele, weite Reisen vor sich haben.

Lea Porcelain - Warsaw Street  

Fotos: Michael Graef


Lewsberg, Paris, 27.10.18

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Konzert: Lewsberg
Ort: La Pointe Lafayette
Datum: 27.10.2018
Zuschauer: etwa 60-80


Schon kurios, dass ich ausgerechnet am 5. Todestag von Lou Reed eine Band live sehe, die stark an den Ex-Velvet Underground Sänger  erinnert! Die Rede ist von Lewsberg, einer Band aus Holland, die bereits beim diesjährigen Haldern Pop Festival zu Gast war und dort umjubelt wurde.

Der Austragungsort des Konzertes war ungewöhnlich, es handelte sich um den winzigen Kellerraum einer am Canal Saint Martin gelegenen Eckkneipe. Jeffrey Lewis hatte hier letztes Jahr mal gespielt, aber ansonsten gibt es in dem Laden eigentlich eher wenige Konzerte. Lewsberg waren heute abend als letzte von insgesamt drei Band angesetzt und ich kam extra nur zu ihrem Auftrittt, der erst um etwa 23 Uhr begann.

Vorher hatte noch eine französische Band namens Entracte Twist gespielt und als die zu Gange waren, war der Keller so knallvoll, dass ein paar Leute das Konzert nur von draussen von der Treppe ansehen konnten. Die Pause zwischen den beiden Gigs erlaubte mir aber mich reinzuschmuggeln, da etliche Besucher erst einmal nach oben strömten um Luft zu schnappen. Denn es war unerträglich heiss in dieser kleinen quadratischen Zelle, besonders als alle zum Start von Lewsberg wieder da waren.




Lewsberg stammen aus Rotterdam und sind ein Quartett. Eine junge Dame am Bass, ansonsten drei Burschen, einer davon baumlang und als Sänger fungierend. Mit seiner Brille und den smarten Gesichtszügen sah er aus wie ein Computergenie von Microsoft, oder auch wie ein aufstrebender Architekt.




Der Stil von Lewsberg war eher spartanisch und karg mit einer deutlich ausgeprägten Retronote. Der Sänger sprach mehr als das er sang, aber deswegen ewähnte ich ja auch schon eingangs Lou Reed dessen Markenzeichen das coole Gemurmel war. Man dachte auch an The Fall oder die Modern Lovers, bei einem ruhigen Lied wollte ich auch Ähnlichkeiten zur Baritonstimme von Bill Callahan rausgehört haben.

Alles war sehr lässig und nonchalant, das Tempo der Songs wechselte jedoch, es gab ein paar Uptemposongs, aber auch sehr gemächliche Stücke. Sie stammten zumindest zur Hälfte von dem selbstbetitelten Debütalbum, das die Band 2017 im Selfrelease herausgebracht hatte.




Einer der Keytracks sicherlich Non Fiction Wrigther, der auch als Vinylsingle erhältlich ist. Sänger Ari erzählte in einem gut 5 minütigen Stück eine interessante Story mit einem pfiffigen Text. Ich erzähle sie hier aber nicht, ihr könnt euch das Lied bei Bandcamp selbst anhören. Überhaupt die Texte: existenzialistisch angehaucht, literarisch gefärbt und humorvoll. Nicht umsonst hat sich die Band nach einem holländischen Schriftsteller benannt.




Ebenfalls vom Debütalbum stammte das beschauliche und folkig angehauchte Carried Away, welches mit einer charmanten Gitarrenmelodie zu Gefallen wusste. Ohnehin war der Gitarrist der Band sehr wichtig, obwohl er heute abend verdeckt stand. Er schreibt zusammen mit Ari alle Lieder der Band (aber nicht die Texte, die stammen allesamt aus der Feder von Ari)


Wesentlich fetziger und schneller dann aber Terrible, das wirklich stark an The Velvet Underground erinnerte. Ein Klasse Titel, minimalistisch, aber sehr effizient, tanzbar und saucool. In der Mitte gab es einen schrammeligen Gitarrenpart, der ein paar Leute im Publikum zum Johlen brachte.


Es gab aber auch einige unveröffentlichte Tracks. Stücke wie Left Handed oder Glass findet man bisher nicht im Netz oder im Handel.

War insgesamt ein dufter Abend, ich kann Lewsberg nur empfehlen!




Setlist

Left Handed


Edith
Non Fiction Writer
Sunday Morning
The Smile
Glass
Vicar's Cross
Carried Away
Terrible
Says (? Setlist unleserlich)


Les concerts de la semaine à Paris du 29 octobre au 4 novembre 2018

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Pitchfork Avant Garde dans diverses salles de la capitale et le "vrai" Pitchfork Festival Paris à la Grande Halle de la Villette cette semaine à Paris, mais il y a aussi d'autres trucs bien. Entre autre on peut voir des lives des deux membres de Einstürzende Neubauten, Alexander Hacke le 30 octobre à la Maroquinerie et Blixa Bargeld avec le projet KiKU le 1 novembre à Petit Bain !



29: Kurt Vile (avec Meg Baird et Mary Lattimore en première partie), Cigale
29: Milo, Jo Wedin, Trois Baudets
29: Jeanne Added, Trianon
29: Whyte Sands et Volage, Olympic Café
30: Aurora, Cigale
30: Freaks et YachtClub, FGO Barbara
30: David Eugene Edwards et Alexander Hacke, La Maroquinerie
30: Chevalrex, Trois Baudets
30 et 31 octobre: Pitchfork Avant Garde*
30: Jeanne Added, Trianon
31: Turner Cody, Olympic Café
31: Lord Huron, Trianon
31: Marie Davidson et Oktober Lieber, Petit Bain
31: The Beths et Hoboken Division, 1999
31: Acid Mother Temples + Bambara, Glazart

Novembre

01: Elysian Fields, La Maroquinerie
01: KiKu, Petit Bain
02: Emma Ruth Rundle, Petit Bain
02: Fièvre et Superbravo, O Gib, Montreuil
03: The Revor, Supersonic
04: Crack Cloud et  Escape-Ism, Olympic Café
04: Israel Nash, La Maroquinerie

et aussi du 1 au 3 novembre Pitchfork Music Festival Grande Halle de la Villette



Pitchfork Avant Garde Festival le 30 et 31 octobre dans 7 salles différentes: Café de la Danse, Badaboum, Pop-up du Label, Pan Piper, Supersonic, Réservoir, Chappelle des Lombards

Programme du 30 octobre 2018


Café de la Danse: 

19h30 Lauren Auder
20h35 Ider
21h40 Let's Eat Grandma

Pan Piper

20h15 Wicca Phase Springs Eternal
19h20 Mellah
21h10 Westerman
22h05: Apollo Noir

Badaboum

19h30 Kiran Kai
20h30 Rimon
21h30: Jpegmafia
22h30: Timothy Lacoste

Supersonic

20h Hop Along
21h10: Starchild & The New Romantic
22h20: Crumb

Réservoir

19h45 Weekend Friends
20h55 Holiday Sidewinder
22h05 ALASKALASKA

La Chapelle des Lombards

19h30 Sam Evian
20h25 Jack Grace
21h30 Stella Donnelly

Popup!

20h Khadyak
21h10: Grand Pax
22h20 Jockstrap

Programme du 31 octobre 2018 

Cafe de la Danse

19h30 Naaz
20h35 Kelsey Lu 
21h40 Cautious Clay 

Pan Piper

19h20 Palm 
20h15 Anemone
21h10 O-Olivier Marguerit 
22h05 Trevor Powers 

Badaboum

19h40 Etta Bond 
20h35 Biig Piig 
21h30 Kojey Radical 
22h25 slowthai 

Supersonic

20h Madison McFerrin 
21h05 Hatchie 
22h10 Yuno

Réservoir

19h45 Black Midi
20h55 Mint Field
22h05 Sasami Ashworth  

La Chapelle des Lombards


19h30 Helena Deland 
20h25 Gold Star 
21h20 Honey Harper 


Popup!

20h30 Suzi Wu 

21h35 Buzzy Lee 
22h40 Anais 


Sonntag, 28. Oktober 2018

Scott Matthew & Rodrigo Leão, Dresden, 04.10.17

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Konzert: Scott Matthew & Rodrigo Leão
Ort: Societätstheater Dresden
Datum: 4. Oktober 2017
Dauer: 90 min
Zuschauer: etwa 100


Zuweilen kann ich nicht anders als Ratschläge, die ich anderen gebe, auch selbst anzunehmen. Diesmal folgte ich zum Beispiel der Einladung ins Societätstheater nach Dresden um den Tourauftakt von Scott Matthew & Rodrigo Leão dort zu erleben (obwohl es auch ein Konzert in Karlsruhe geben würde). Es gab dafür gute Gründe: Ich mag den intimen, kleinen Saal, an dem ich schon so schöne Konzerte erlebt habe. Und ich erwartete mir an einem Ort, der schon fast eine zweite Heimat von Scott in Deutschland geworden ist, eine ganz besonders intensive Atmosphäre. 


Die erste Beobachtung beim Eintreffen im Saal war: Wie erwartet war die Bühne voller Instrumente, denn auf dieser Tour reist ja das Ensemble von Rodrigo Leão mit - und zwar João Eleutério (Gitarre und Bass), Marco Alves (Posaune und Glockenspiel), Viviena Tupikova (Geige und Tasten) und der blutjunge Frederico Gracias (Schlagzeug). Aber entgegen meiner Erwartung war gar kein Rotwein auf der Bühne. Mit meinem Sitznachbarn kamen wir überein: Den würden die Musiker wohl noch mitbringen... Aber damit lagen wir falsch. Tatsächlich war dies mein erstes Scott Matthew Konzert ohne Rotwein auf der Bühne... 
 


Eine besondere Stimmung, ja hoch gespannte Erwartung, lag schon vor Beginn in der Luft und wurde vom Ensemble auf der Bühne erspürt und bedient und sicherlich durch Scotts Jetlagverfassung noch gesteigert, in der sich alles ein wenig fremd und ungewohnt für ihn anfühlte. Er ist ja ohnhin eine kleine Rampensau und Dresden ist für ihn ein gutes und heimatliches Pflaster.


Der Abend begann mit einem Instrumental der Portugiesen, das mit sehr getragenem Piano begann, um sich dann zu steigern. Spätestens beim Einsatz der Posaune hatte das Schiff schon ordentlich Fahrt aufgenommen. Etwas später musizierten die beiden Sänger The Child als ein inniges Duo und hatte für mich eine etwas lustigen Reibung zum vorherigen Titel Enemies
 


Scott nahm anschließend für The Fallen die akustische Gitarre zur Hand für die nächsten drei Titel. Ein wenig bediente das das Klischee eines Singer/Songwriters. Und z.B. Nothings wrong hatte auch einen "we shall overcome"- siegesgewissen Optimismus. Aber es wäre nicht Scott Matthew wenn das nicht im nächsten Moment gebrochen oder vom Schalk verlacht würde. Anschließend gab es eine kurze Pause für Scott und zwei instrumentale Stücke der Portugiesen.


In the end sah Scott wieder auf der Bühne und inzwischen war die Temperatur im Raum so gestiegen, dass er seine Jacke ausziehen musste. Nach Unnatural disaster durfte die Band eine kleine Pause machen für zwei Solo-Cover-Versionen, nämlich Smile und ein Song für den guten Geist des Hauses - Ina: I wanna dance. Das war ihm anscheinend so wichtig, dass er sich unter Streß setzte und es in einem einzigen großen fuck-up endete. Um den Song zu retten, mussten wir alle mitsingen. Für mich DER Moment des Abends, der mir wohl noch lange und wärmend in Erinnerung bleiben wird.


Dann hatte Scott wieder eine Pause und die Band übertraf sich selbst in einem sehr witzigen halb besoffen hingerotztem Stück: A Estrada und dem feurigen  A Comédia de Deus mit vielen Tempowechseln. Scott legte schließlich nach mit einem beschwörendes Death defying und einem wahren Glücksbad in Life is long. Das wäre meiner Meinung nach ein tolles Finale und passender Schlußpunkt gewesen, aber das Publikum wollte natürlich mehr.

Für die Zugabe ausgewählt wurde zunächst ein Instrumental und dann das altehrwürdige Gänsehautstück Abandoned. Ein Abend, der die Reise nach Dresden wert gewesen war, ging damit wunderbar zu Ende.



Setlist:
01: Intro
02: Enemies
03: The Child
04: The Fallen
05: Nothings wrong
06: That's life
07: Empty room
08: Muv
09: In the end
10: Unnatural disaster
11: Smile (Charly Chaplin)
12: I wanna dance (Whitney Houston)
13: A estrada
14: A Comédia de Deus
15: Terrible Dawn
16: Death Defying
17: Life is long

18: As Ilhas dos Açores  (Z)
19: Abandoned (Z)


Tour 2017:
4.10. Dresden, Societaetstheater
5.10. München, Kammerspiele
6.10. Karlsruhe, Tollhaus
7.10. Aachen, Musikbunker
8.10. Luxemburg, Philharmonie


Aus unserem Archiv:
Scott Matthew, Karlsruhe, 15.07.15
Scott Matthew, Stuttgart, 11.12.13
Scott Matthew, Beverungen, 26.05.12
Scott Matthew, Paris, 10.10.11
Scott Matthew, Frankfurt, 01.10.11
Scott Matthew, Paris, 02.11.09
Scott Matthew, Köln, 30.05.09
Scott Matthew, Haldern, 09.08.08




Tamikrest, New Fall Festival 2018, Düsseldorf 27.10.2018

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Konzert: Tamikrest
Ort: Sipgate Gelände, Düsseldorf, New Fall Festival 2018
Datum: 27.10.2018
Dauer: 90min.
Zuschauer: ca. 300


Besonders gefreut hat mich das Booking von Tamikrest für das diesjährige New Fall Festival. Kein Selbstläufer diese Wahl, aber eine wirklich lohnende.

Ich sah die Band vor Jahren auf einem holländischen Festival und war schwer beeindruckt. Eine wilde Truppe, die in traditionellen Gewändern äußert melodische und hypnotische westliche Rockmusik spielte. 

Damals wie heute ist aber die Kombination der westlichen Einflüsse mit dem Rhythmus der Tuareg einzigartig. Auch hier, im vollen Konzertraum der Sipgate-Zentrale, reicht ein Mann an einer Bongo um dem Konzert seinen eigenen Zauber zu verschaffen. 

Zunächst mag der Sound eintönig und die Songs beliebig wirken. Je länger das Konzert jedoch dauert, desto weniger ist es möglich, sich nicht zu dieser Musik zu bewegen und verzaubern zu lassen. 


Neil Young`s damaliger, ironischer Ausspruch bei den krachigen Tourneen mit Crazy Horse: "It`s all one song, they all sound the same", trifft es hier auch.

Der Sound ist gleich, aber es ist nur die Schwingung, die hier den Takt vorgibt. Dazu der ebenfalls passende, weil auch meditativ, hypnotisch klingende Gesang und das ausufernde, treibende, das jeden einzelnen Song wie einen Bulldozer nach vorne schiebt. 

Nie zu laut und zu schnell, immer auf den Punkt und doch improvisiert.

Tamikrest auf CD zu genießen, ist zwecklos. Nur auf der Bühne entsteht die Magie.


Seit 12 Jahren gibt es die Band nun schon, die ganze Welt wurde bereist, und so folgen die Tuareg weiter ihrem Schicksal als wanderndes Volk. Viele Opfer hat der Kampf um Unabhängigkeit und Freiheit die Tuareg in der Heimat gekostet. Ich kann (aus sprachlicher Unkenntnis) nur vermuten, dass es dabei in der einzigen, langen Ansprache des Sängers auf Französisch während der Zugaben ging. 

Und so beschließen sie dieses makellose Konzert mit der einzigen Ballade des Abends. Das wirkt stark und selbstbewusst. Zurecht. 

Die Band ist weiter auf Tour durch Deutschland und spielt unter anderem am 01.11.2018 in der Elbphilharmonie in Hamburg. 

28/10 Brotfabrik, Frankfurt (GER)
29/10 Naumanns, Leipzig (GER)
30/10 Lux, Hannover (GER)
31/10 LIDO, Berlin (GER)
01/11 Elbphilharmonie, Hamburg (GER)


Garda, Karlsruhe, 27.10.18

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Konzert: Garda
Ort: Café Nun in Karlsruhe
Datum: 27. Oktober 2018
Dauer: 80 min
Zuschauer: etwa 80


Dieser Abend im Nun war magisch. Das habe ich in meinem ersten Konzertbericht über Garda im Café Nun geschrieben, der schon 6 1/2 Jahre zurückliegt. Aber es stimmt auch für das gestrige Konzert am gleichen Ort. Geblieben (bzw. wieder zutreffend) ist auch die Besetzung:
 
  Kai Lehmann ~ Gitarren, Gesang
  Ronny Wunderwald ~ Schlagzeug
  Cornelia Mothes ~ Piano, Gesang
  Frank Heim ~ Gitarre, Pedal Steel
  Lars Hiller ~ Gitarren, Lapsteel
  Karsten Pretschner ~ Bass.



Weiterhin zutreffend ist auch meine damalige Einschätzung zur Musik voller Melancholie und dem tief forschenden und etwas verwunderten Blick auf die Welt und das Leben. Und dass das Publikum im Café Nun vom ersten Moment an ganz und gar gebannt und dabei war.
 


Geändert und weiter entwickelt hat sich derweilen natürlich auch vieles: kein sitzender Kai Lehmann mehr. Es gibt eine Tee trinkende Teilmenge auf der Bühne und es wird über den 40. Geburtstag gefrotzelt. Aber schon der Titel des ersten Songs hat die wichtigste Botschaft: Made it here after all... Nachdem mir die Pause bis zum Konzert 2016 in Reutlingen schon sehr lang vorkam, sind nun noch einmal 2 Jahre ins Land gegangen, bis zum neuen Album Odds (erschienen 28.9.) und der ersten noch etwas tastenden Runde an Konzerten dazu. An Heimatorten, wo man ähnlich Freude empfindet wie hier im Café Nun.



Und es dauert nicht sehr lange, schon beim zweiten Song Wild/Lights wird der Garda Zaubertrick erfolgreich zelebriert: Er beginnt mit ein wenig Horror-feeling mit krietsch-gebremsten Gitarren und scheint ganz zurückgenommen bis er aufbricht und die erste Extase des Abends zelebriert. Und spätestens bei Oh Euphoria, my dear bleibt es nicht aus, dass ich mitgrölen muss (und kann) All we need is a promise... Ein Moment voller Glück und Seligkeit.



Es ist ein wenig lauter geworden, aber der Kompromiss des Abends funktioniert super. Es wird expressiv und es gibt Momente, die mich an verpasste Konzerte mit MONO erinnern, aber es passt ohne Ohrschutz in den Raum und haut durch die Intensität mehr die Seele um als durch Lautstärke. Die Zeit vergeht wie im Flug, bevor mit einem Klassiker 00:00 ein fast ruhiger Schlußpunkt gesetzt werden soll: die vertrauten quietschenden Klänge vom Schlagzeug als Einstieg, ruhiges fast depressives Musizieren, bevor das Klavier ein optimistisches Ende dagegensetzt.
 


Freilich muss es Zugaben geben. Und die beiden dafür ausgewählten Stücke machen mir noch einmal ganz besonders viel Spaß. Ganz besonders der "endgültige" Schlusspunkt Black mit dem inzwischen so vertrauten Gitarrenriff, das hier nach etwa 2/3 des Songs das Signal gibt, dass die Post abgeht wie bei einem Dampfzug kraftvoll, wenn auch bergauf und dadurch gebremst. Ein herrlich befriedigendes Finale für ein Konzert, das mich noch neugieriger darauf gemacht hat, was uns wohl im Dezember in der Elbphilharmonie erwarten wird.


Setlist:
01: Made it here after all (Odds)
02: Wild/Lights (Odds)
03: Upper/lower water course (HoP) Sehr ruhig und nachdenklich
04: Oh Euphoria, my dear (HoP) mitgrölen
05: Meds (Odds)
06: Disappear (Odds)
07: Iron (Odds)
08: Hunter (Odds)
09: 400 Pages (Odds)
10: This City is ours (DTd)
11: Vessels (HoP)
12: Are we (...)? (Odds)
13: 00:00

14: A guilty conscience (Z) beide HoP
15: Black (Z) 

 

Aus unserem Archiv:
Garda, Reutlingen, 29.07.16
Garda, Karlsruhe, 15.04.14
Garda, Dresden, 01.09.13
Garda, Mannheim, 31.05.13
Garda, Lörrach, 02.03.13
Garda, Karlsruhe, 20.04.12
Garda, Paris, 15.10.08



 

Konzerttagebuch © 2010

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