Dienstag, 17. September 2019

Der besondere Tipp: Les Nuits in Hemmersdorf

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Während der Zeit, in der ich meine Erfahrungen schon im Konzerttagebuch teile, wuchsen immer wieder neue Veranstaltungen mit unterschiedlichsten Konzepten aus dem Bedürfnis von Enthusiasten, ihre Musikerinnen und Musiker auf die Bühne zu bringen.  Einige dieser Formate gehören schon wieder der Vergangenheit an, zwei machen nächstes Jahr Pause. Umso schöner ist es, dass es im Oktober wieder etwas Neues gibt: Hemmersdorf Pop präsentiert Les Nuits. Und das im Saarland.


Am schönsten daran ist vielleicht, dass dies nur eine Kostprobe ist für die Zukunft. Gemeinsam mit den Menschen im 2000-Seelen-Dorf Hemmersdorf soll hier nämlich 2020 ein Festival für die Bewohner entstehen, das ebenfalls Besucher von außen willkommen heißt: Das Hemmersdorf Pop. Das Lineup des Testlaufes liest sich in Teilen, als hätte ich mir lang vermisste Namen wünschen dürfen. Zum Lust machen gibt es auch eine Liste auf Soundcloud.

Wem es genauso geht wie mir, den treffen ich gern am Freitag, 11. Oktober bzw. Samstag 12. Oktober (Beginn: Fr 19:00, Sa 18:00) im Saarland kurz vor der Grenze zu Luxemburg und Belgien.

Ein 2-Tages-Ticket kostet nur 30.00 EUR.

(c) Oliver Beige

Aus unsere Archiv: 
Hundreds, Storkow, 21.08.15
Hundreds, Mannheim, 31.05.14
Hundreds, Köln, 20.03.14
Hundreds, Frankfurt, 14.11.11
Hundreds, Mannheim, 21.05.11

Rachael Dadd, Paris, 24.09.11
Rachael Dadd, Karlsruhe, 23.09.11
Rachael Dadd, Paris, 27.03.10
Rachael Dadd, Paris, 11.03.09
Rachael Dadd, Paris, 06.03.09

Tiny Ruins, Berlin, 10.09.18
Tiny Ruins, Dresden, 02.09.12
Tiny Ruins, Paris, 24.06.12
Tiny Ruins, Paris, 21.06.12
Tiny Ruins, Paris, 20. & 21.06.12
Tiny Ruins, Eindhoven, 16.06.12
Tiny Ruins, Paris, 20.02.12



Montag, 16. September 2019

Les concerts de la semaine à Paris du 16 au 22 septembre 2019

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Enormément de concerts cette semaine en commençant par le lundi 16 qui propose déjà plein de belles choses ! Le mercredi 18 est particulièrement chargé avec mes chouchous The Wedding Présent à Petit Bain qui affrontent plein de concurrence dans d'autres salles de la capitale. Puis il il y'a aussi le superbe Paris Pop Fest vendredi et samedi au Hasard Ludique et les magnifique Wilco de Chicago le dimanche 22 au Trianon !





16: Patience (ex Veronica Falls), Espace B
16: Trash Kit, François Virot, Music for alternative babies, Mains d'Oeuvres
16: Drahla, Badaboum
16: Black Midi, La Boule Noire, complet
17: Apérobage: Marie Klock/Néant TV, Joseph Carter, Petit Bain, 18h
17: Jacuzzi Boys, Supersonic
17: Mystic Braves, La Maroquinerie
18: Julia Michaels, Le Trianon
18: Lust for Youth, La Boule Noire
18: Jonathan Bree et Charles Howl, Café de la Danse
18: Violet Arnold, Sofar Sounds
18: Mum, La Maroquinerie
18: Linda Guilala, La Pointe Lafayette
18: Chicos de Nazca et El Gran Chufle, Espace B
18: Wedding Present, Petit Bain
18: JC Satan, Safari Boat
18: Teen et Bleue Reine, Pop-up du Label
18: Louise Thiolon, Showcase Walrus
19: Le Flegmatic, Le Walrus
19: Louise Thiolon, Showcase La Fabrique Balades Sonores
19: Khôle, Reaches, Le Zorba
20: Joseph Fisher 3 Baudets
20: Ryskinder, Gli Insetti Nell' Ambra, Stony Sugarskull, Le Zorba
20: Michel Cloup Duo et Troy von Balthazar, Petit Bain
20 et 21, Paris Popfest, Hasard Ludique
20: Stephen Malkmus, Point Ephémère
20: River Into Lake et Kate Stables et Manolo Redondo, International
21: Spiral Stairs (de Pavement) et The Wonder, Espace B
21: Babe Rainbow, Point Ephémère
21: Raoul Vignal-Partie de Campagne, Santeuil
22: Life is a Minestrone présente: Ourouni, Fontenay-aux-Roses
22: Wilco, Trianon



Amanda Palmer, Offenbach, 13.09.19

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Konzert: Amanda Palmer
Ort: Capitol, Offenbach
Datum: 13.09.2019
Dauer: 110 min & gut 60 min
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft - vielleicht 700



"Das war das heiterste Lied des Abends," warnte uns Amanda Palmer nach dem ersten Stück ihres Konzerts vor. Es war die Seeräuber-Jenny aus der Dreigroschenoper. "Und wenn dann der Kopf fällt, sag' ich 'hoppla!'" Sie wolle einen Deal mit uns eingehen. Sie werde viel erzählen, oft auch sehr Trauriges. Wenn es zu heftig werde, sollten wir sie unterbrechen und "Amanda, I'm too sad" unterbrechen, sie werde dann umgehend die ersten Takte von Coin-operated boy spielen. Es sei ihr Job als Künstlerin, ins Dunkel zu gehen und Licht zu machen, betonte sie einige Male. Es war sehr dunkel, es war aber auch viel Licht. Wir mussten sie nur dreimal unterbrechen.

Amanda Palmers neues Album There will be no intermission erschien im März. Die Abende mit der Amerikanerin waren aber ausdrücklich nicht als reine Musikveranstaltungen angekündigt worden. Inspiration für diese Art Auftritt hatten ihr wohl Veranstaltungen von Nick Cave in Australien und Bruce Springsteen ("don't judge me!") auf dem Broadway. Gerade Springsteen, zu dem sie früher eine sehr ablehnende Haltung gehabt habe, bis sie mit viel Nachdruck dazu gebracht worden sei, Nebraska zu hören, habe sie sehr beeindruckt.
Nach Die Seeräuber-Jenny erzählte Amanda von ihrer Kindheit und Jugend, vom Bruder, der der erste musikalische Einfluß war, und ihren musikalischen Horizont erweiterte. "Amanda, Madonna is ok. But you have to listen to The Cure!" Als sie während des Studiums in Köln gelebt habe, erweiterte das ein deutscher Freund: "Amanda, The Cure is ok. But you have to listen to Einstürzende Neubauten!" - "And Nick Cave."

Amanda erzählte von ihren ersten musikalischen Gehversuchen, davon, daß sie die Tasten am Klavier ihrer Mutter zerstört habe. Ganz aktuell fragten besorgte Veranstalter sie noch, daß sie doch eine Punk-Pianistin sei. Um das zu untermalen, spielte sie Runs in the family, bei dem sie auf die Tasten des Flügels eindrosch.

Und dann immer wieder Geschichten, die an die nächsten Lieder heranführten. Oder richtiger: Lieder, die ihre Lebensereignisse verarbeiteten. Darauf, die komplett wiederzugeben, verzichte ich, die Show sollten sich alle, die sich für Amandas Musik interessieren ohnehin selbst ansehen! Sie erzählte vom Anschlag auf den Bostoner Marathon, zehn Blocks von ihrer Wohnung entfernt. Sie hatte danach ein Gedicht über den jüngeren der beiden Attentäter geschrieben und war danach Reaktionen ausgesetzt, die sie nicht erwartet hatte. Danach spielte sie Bigger on the inside auf der Ukulele am Bühnenrand. Sie erzählte von einem mehrtägigen Besuchsprogramm in einem riesigen Gefängnis in Massachusetts, bei der sie einer Gruppe von Mördern zugeordnet war. Am zweiten Tag war sie spät dran und überfuhr auf dem Weg ins Gefängnis ein Eichhörnchen, konnte es wegen der Zeitnot nicht mit einer Eichhörnchen-Beerdigung bestatten und erzählte im Gesprächskreis mit den Gefangenen davon. Die nannten sie danach "Amanda, the squirell killer."


Die Dresden Dolls Sängerin erzählte von Abtreibungen, von den Kliniken, in denen sie dafür war, vom Tod. Und dann "Coin operated boy, sitting on the shelf, he is just a toy but I turn him on and he comes to life." Bei der dritten Notbremse dieser Art rief sie "fuck you! You should be sad!" 

Als Amanda über ein Kind nachdachte, hatte sie nur in Transitbereichen von Flughäfen Konzakt zu Kindern. Und die guckten alle immer Frozen. Sie traf sich "zu Feldstudien" damals mit ihrer Freundin Melissa Auf der Maur und fragte die, wie sie die Erziehung ihrer Tochter organisiere, vor allem diese Frozen-Sache. "Wir haben nur einen VHS-Rekorder an unserem Fernseher und nur Fellini-Filme." Das passende Lied wolle sie aus drei Perspektiven mit uns singen, u.a. aus Sicht einer Mutter und deren Fötus'. "Trust me! I'm a professional!" Das Lied kannten alle außer mir, es war Part of your world aus dem Disney-Film Arielle. Dazu drehte sich die Disko-Kugel hoch über Amanda.


Der erste Teil endete mit einem der skurril-schönsten Konzertmomente. Die Sängerin erzählte, sie sei nach der Geburt ihres Sohns Anthony (genannt Ash) zu Freunden gefahren, damit Ash alle wichtigen Menschen in seinem Leben kennenlernen sollte, all die komischen Onkels. Bei ihrem Freund Jason Webley, machten die beiden - na klar! - einen Songwriting-Wettbewerb. Er scheiterte und schrieb nur einen halben Song (über einen Donut-Laden), ihrer wurde elf Minuten lang und heißt und ist A mother's confession. Am Ende sangen wir alle minutenlang "at least the baby didn't die" und das war wunderschön!

In der Pause liefen The Cure, es wurde also wieder kurz heiter.

Nachdem Amanda umgezogen zurückkam, spielte sie Coin-operated boy komplett und ohne Grund. Danach folgten zwei weitere Lieder der neuen Platte, zunächst das mich ein wenig an There is a light (was schön passte) erinnernde Drowning in sound, bei dem sie sich am Ende weit vor aufs Klavier beugte und von da beleuchtet wurde. And it never goes out. Danach Voicemail for Jill. Als sie das nächste Stück anstimmte, lachte der ganze Saal außer mir. Lass jetzt los musste ich googeln, es ist eines der Lieder aus Frozen, der wie ich gestern erfahren habe, als ich die Geschichte erzählt habe, ein ziemlich emanzipierter und queerer Film ist.

Obwohl der Frozen-Song schon ein schöner Abschluß gewesen wäre, kam Amanda zurück und spielte als Zugabe The ride. Ein noch schönerer Abschluß!

Wer einen lala-Mitsing-Abend erwartet hatte, fühlte sich vermutlich nicht wohl. Wenn wir unter guter Unterhaltung immer nur leichte Kost verstünden, würden wir nicht The Smiths, The Cure und The Organ so lieben. Wenn nur immer in traurigen Momenten jemand Coin-operated boy spielte. Aber damit muß man eh vorsichtig sein. "Das nutzt sich irgendwann ab, ruft nicht zu oft rein!" 

Setlist Amanda Palmer, Capitol, Offenbach:

01: Die Seeräuber-Jenny (Kurt Weil / Bertolt Brecht Cover)
02: Runs in the family
03: Bigger on the inside
04: Oasis
05: Part of your world (Jodi Benson Cover)
06: Machete
07: A mother's confession

08: Coin-operated boy (Dresden Dolls)
09: Drowning in the sound
10: Voicemail for Jill
11: Lass jetzt los (Willemijn Verkaik Cover)

12: The ride (Z)

Links:

-
Amanda Palmer, Somerville, 05.03.15
- Amanda Palmer, Eschwege, 08.11.13
- Amanda Palmer, Zürich, 30.10.12
- Amanda Palmer, Paris, 06.02.09
- Amanda Palmer, Paris, 23.10.08
- Amanda Palmer, Heidelberg, 14.10.08 
- The Dresden Dolls, Highfield, 15.08.08




Freitag, 13. September 2019

Misty Fields Festival - Asten/NL - 06.-08.09.2019

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Konzert: Misty Fields Festival
Ort: bei Asten/NL
Datum: 06.-08.09.2019
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ca.1.000



Das "Misty Fields Festival" ist in vieler Hinsicht anders. Während es bei anderen, kleineren Festivals meistens nur lokale Bands oder alte Herren zu sehen gibt, hat sich Festivalchef Marco Verbenne in einem kleinen Wäldchen bei Eindhoven ein echtes Kleinod geschaffen. 

Unabhängig, und fast nur seinem guten Geschmack, einem tollen Booker und einem Näschen für neue, aufstrebende Band verpflichtet, bucht er hier Jahr für Jahr ein hervorragendes Newcomer Festival zusammen. Auf zwei Bühnen, die nur durch einen Bierstand getrennt sind, und immer abwechselnd bespielt werden, kann so ein unfassbar kurzweiliges und intensives Festival entstehen, das komplett ohne alle negativen Begleiterscheinungen anderer Veranstaltungen auskommt. 



In der Nacht liebevoll illuminiert und mit vielen freiwilligen Helfern scheinen sich hier fast alle persönlich zu kennen. Es lohnt also der Blick über den Tellerrand (Grenze). In ein paar Jahren werden wieder einige der Bands aus dem Line-Up auf viel größeren Bühnen zu sehen sein. 

Einer der bekannteren Namen startet direkt am Samstag: Steve Gunn, Gitarrist bei Kurt Vile und nun solo unterwegs, zählt für mich aber nicht zu den Siegern des Wochenendes. Er wirkt etwas gelangweilt und uninspiriert. Das Set löst sich auch nicht aus seinem eintönigen Sound und wirkt so etwas belanglos. Da auf der Bühne alle rumstehen, bleibt auch das Publikum verhalten. Das sollte sich noch ändern. 

Denn direkt danach treten Penelope Isles aus Brighton auf die Bühne des kleinen Zirkuszeltes. Die Band war vor kurzem Support für die Flaming Lips und spielt wunderschönen, krachigen Indie-Rock der 90er. Ob die zwei poppigeren Songs zu Beginn die neue Richtung vorgeben bleibt unklar. Die Band hat nach einer schlaflosen Nacht jedenfalls richtig Spaß, nutzt die Spielzeit bis zum Anschlag und wird später noch in Feierlaune vor der Hauptbühne den Abend verbringen. 



Danach folgt der Auftritt der beiden größten Erwartungen für eine große Zukunft. Zunächst The Murder Capital, die gerade ihr Debüt veröffentlicht haben und das Zelt in "Idles"-Manier auseinander nehmen. Bandmitglieder auf der PA und im Publikum, wilde Tänze und Schreie auf der Bühne. Die Show hat schon Headliner -Qualitäten, die Songs sind allerdings noch sehr ausbaufähig. Viel bleibt da nicht hängen, aber live scheint die Band alles richtig zu machen. 

Als Höhepunkt folgt dann für mich direkt im Anschluss Sports Team, ebenfalls aus Brighton, die wir hier ja schon des Öfteren empfohlen haben, besonders nach ihrem kraftvollen Auftritt beim Best "Kept Secret Festival". 



Heute gefällt mir der Auftritt fast noch besser, die Atmosphäre im Wald bei Sonnenuntergang mit so netten, feierwütigen und durchweg musikinteressierten Zuschauern erzeugt eine ganz besondere Stimmung. Vor allem, als sich Sänger Alex Rice am Ende vom Gitarristen der Penelope Isles auf den Schultern durchs Publikum tragen lässt. Ein toller Moment.



Sonntags geht es dann beim "Misty Fields" noch entspannter zu. Die Tageskarten gibt es dann für 5 !! EUR und es finden sich traditionell mehr Familien mit Kindern ein, denen auch ein spezielles Spaßprogramm geboten wird. 



Wir reisen pünktlich zu Charlie Parr an, einem kauzigen Folk/Bluessänger aus Minnesota. Hier im Wald fühlt man sich plötzlich wie in den USA, so originell authentisch kommt der Sound um die Ecke. Charlie hatte Glück, seine Musik war schon häufiger in Werbung und Kinofilmen vertreten, daher kann er seinen Traum nun wohl etwas enspannter genießen



Direkt im Anschluss dann eine neue Entdeckung der holländischen Musikszene: Yin Yin spielen meist instrumentalen, runden Psypop, wie er gerade durch Khruangbin groß in Mode gekommen ist. Sehr schöne und tanzbare Songs, die auch ohne Gesang nie langweilen. 



The Mystery Lights präsentieren ihren Garagenrock dann wieder auf der Freiluftbühne. Hier bleibt für mich wieder weniger hängen. Die Band gehört eher in einen dunklen Kellerclub und kann ihren New Yorker Sound hier nicht entfalten. Dazu haben sie dann noch in Mainz und Berlin im September Gelegenheit.

Wesentlich intensiver spielen dagegen The Graveltones als Power-Duo auf. Die beiden sind nach jahrelangem Touren perfekt eingespielt und bringen den selben Sound wie z.B. Royal Blood, ohne dabei beliebig zu wirken. 



Das "Misty Fields" hat es wieder einmal geschafft, ein fast durchgängig tolles Programm zu präsentieren, und das ohne großes Budget. Wo anderswo Kompromisse und Hänger vorprogrammiert sind, kann man hier alle Künstler ohne jegliche Überschneidung genießen

Misty Fields 2019 - kurzes Video

Markiert euch schon mal den 04.-06.09.2020 im Kalender. Wir werden euch über den VVK-Start und das Line-Up informieren.

Fotos: Michael Graef


The Cure u.a., Rock en Seine, 1. Festivaltag, 23.09.19

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Konzert: The Cure (u.a.), Festival Rock en Seine
Ort: Domaine de Saint Cloud bei Paris
Datum: 23.09.2019
Fotos von Cedric Oberlin*




The Cure bei Rock en Seine! Da hatten sich die Veranstalter des Pariser Festivals wahrlich einen dicken Fisch an Land gezogen! Nach einem Zuschauerrückgang im letzten Jahr musste den Fans auch etwas geboten werden, um sie wieder zu versöhnen. Im letzten Jahr hatten viele bemängelt, es gäbe inzwischen immer weniger Rock, aber immer mehr Hip Hop bei Rock en Seine und die Nörgler hatten recht, in der Tat war das Line up ungewöhnlich wenig gitarrenlastig. Aber dies ist ja nun ein allgemeiner Trend an dem Rock en Seine nicht vorbeikommt, man sehe sich nur das Line Up beim Coachella Festival oder beim diesjährigen Pitchfork Paris Festival an. R'nB, Rap, Hip Hop, Soul, dies sind die Genres die wachsen, Rock und Pop sind hingegen ziemlich out.



Rock en Seine hat sich 2019 für einen Kompromiss entschieden. R'n B und Hip Hop haben sie mehrheitlich auf den Samstag gelegt, die anderen beiden Tage waren dann mehr oder weniger Rock.



Ich selbst war Freitag da, aber leider nicht in bester Verfassung. Gegen 15 Uhr war ich eigentlich startklar, rannte zur Haustür hinaus und Richtung Metro, als ich entsetzt feststellte, dass ich mein Ticket zu Hause vergessen hatte. Ich hetzte zurück, holte es und hatte bei dieser Aktion schon etwa 30 Minuten verloren. Nun aber hatte ich plötzlichen riesigen Hunger und musste erst einmal etwas essen. Und danach war mir so schwindelig, dass ich zurück in meine Wohnung gehen musste, um mich etwas auszuruhen.


Foto Johnny Marr: Sylvie T. Mai ©


Erst gegen 20 Uhr traf ich schliesslich auf dem Festivalgekände vor den Toren bei Paris ein und kam damit ziemlich genau zum Beginn des Sets von Johnny Marr, der zeitgleich zu Eels spielte. Eels hatte ich lange nicht mehr gesehen, so dass ich mich entschloss, mir das Konzert des sich hinter dem Pseudonym versteckenden Mark Everett anzusehen. Nach 3 Liedern reichte mir das aber schon wieder, weil es mir zu bluesrockig war. Ich lief nun wieder zu Johnny Marr und der spielte allen Ernstes Bigmouth ! Ein erstes Aufhorchen! Mit Liedern von The Smiths hätte ich eigentlich gar nicht gerechnet. Aber in der Folge kamen sogar noch mehr, 3 weitere Hits der Bands aus Manchester folgten und Johnny Marr mimte so gekonnt die Stimmte von Morrissey, dass man glaubte den Mozzer himself zu hören! Fantastisch, wie er selbst die hohen Passagen bei How Soon is Now hinbekam! Sein Gitarrenspiel war ohnehin extrem gut, sehr melodiös, sehr präzise und einfach unverkennbar.



Er verwöhnte das Publikum dann auch mit zwei Songs von Electronic, die Band, in der er neben Barney Sumner von New Order und Neil Tennant von den Pet Shop Boys spielte. Zum einen mit dem allseits bekannten Hit Getting Away With It und dann auch noch mit Get The Message.



Die Besucher staunten nicht schlecht, als er gegen Ende sogar noch I Feel You von Depeche Mode zum Besten gab. Leute die in den 80ern und 90ern musiksozialisiert wurden, bekamen ein winziges Stück von allen Kultbands dieser Zeit: The Smiths, New Order, Pet Shop Boys und Depeche Mode. Wahnsinn! Und alles wirklich extrem gut gespielt, nie wurde dieses Set lachhaft oder karaokehaft.



Zum krönenden Abschluss gab es noch There Is A light That Never Goes Out und das war so exzellent, dass ich mir das noch bis zum Ende anhören wollte. Andere Festivalbesucher waren unterdessen schon auf dem Weg Richtung Hauptbühne, um dort einen guten Platz weit vorne für The Cure zu ergattern. Meinen Rückstand gegenüber diesen Frühstartern konnte ich schließlich nicht mehr aufholen und musste mich mit einem Platz fernab der Bühne begnügen.






Ich sah mir das Konzert folglich auf dem Bildschirm an, das war nicht wirklich nach dem Motto "Mittendrin statt nur dabei", eher das genaue Gegenteil. Der Sound, der ab 21 Uhr aus den Boxen drang, war allerdings durchweg gut, zumindest dort wo ich stand. The Cure begannen wie so oft mit dem langsamen und atmosphärischen Plainsong und von dort an wussten Fans, die schon die Setlisten der vergangen Konzerte der Band studiert hatten, wie es in der Folge weitergehen würde. The Cure haben 2019 nämlich 2 verschiedene Setlisten entwickelt. Eine, die mit dem Plainsong beginnt und eine andere, die mit Shake Dog Shake beginnt. Ich hatte extra vorher keine Setlisten studiert, wollte mich einfach treiben lassen und genussvoll der Musik lauschen. Was mir allerdings enorm schwer fiel, weil mir meine gesundheitlichen Beschwerden wieder einen Strich durch die Rechnung machten. Ich hatte massive Schulterschmerzen, die mich über das gesamte Set treu begleiteten. Aber reden wir am besten gar nicht drüber und konzentrieren uns auf das Konzert. Denn das war wirklich in vielerlei Hinsicht hervorragend. Robert Smith war extrem gut bei Stimme, die Band spielte die Stücke mit viel Schmiss und Hingabe und in leicht veränderten Versionen, so dass man nie das Gefühl hatte lediglich die Alben laut zu hören. Ein Album wurde ganz besonders privilegiert, ..., na klar!... Disintegration! Ein Longplayer den viele Fans als ihren Favoriten bezeichnen und von dem im Laufe des Abends 7 Stücke stammen sollten. Ich selbst bevorzugte immer noch die ganz alten Scheiben, wie den Zweitling Seventeen Seconds von dem aber nur Play For Today und A Forest stammten. Bei Play For Today stimmte auch das Publikum mit ein und plötzlich war die Atmosphäre eher festlich-heiter als düster und depressiv. Und auch Robert Smith selbst schien gut gelaunt, lächelte häufig und machte sich auch über seine nur sehr mässigen Französischkentnisse lustig.






So ging es etwa 1h45 Minuten lang, bevor mit Disintegration (dem Titelsong des Albums) vorläufig abgeschlossen wurde, die Band bestehend aus Simon Gallup (Bass), Reeves Gables (Gitarre), Jason Cooper (Schlagzeug) und Roger O'Donnell, verliess die Bühne. 




Keine 5 Minuten später kamen die Helden dann aber wieder zurück und nun gab es ein "Best Of" ihrer kommerziellsten und bekanntesten Hits. Lullaby, Friday I'm In Love, Close To Me, Why Cant' I Be You, alles eigentlich fast totgenudelte Stücke, aber in frischen Versionen zelebriert trotzdem toll.  Dazwischen gab es mit The Caterpillar und The Walk auch zwei nicht ganz so bekannte Sachen (alles relativ, The Walk ("i kissed you in the water") ist mit seiner prägnanten Keyboardmelodie eigentlich auch ein Klassiker.






Nach 2 Stunden 15 war die gothische Messe gelesen. Eigentlich hatte man von Veranstalterseite aus 2h30 versprochen und die 15 Minuten fehlten, um zum Beispiel A Strange Day oder One Hundred Years zu spielen. Aber letztendlich waren dies Marginalien, denn das Konzert war auch so hervorragend, Robert Smith bekundete dass er "fucking fun" hatte und dies der perfekte Abschluss ihrer Europatournee gewesen sei.




Setlist The Cure

Plainsong
Pictures of You
High
A Night Like This
Just One Kiss
Lovesong
Last Dance
Burn
Fascination Street
Never Enough
Push
In Between Days
Just Like Heaven
From the Edge of the Deep Green Sea
Play for Today
A Forest
Primary
Shake Dog Shake
39
Disintegration


Lullaby
The Caterpillar
The Walk
Friday I'm in Love
Close to Me
Why Can't I Be You?
Boys Don't Cry



Setlist Johnny Marr:



The Tracers

Bigmouth Strikes Again (The Smiths)
Armatopia
Hi Hello
How Soon Is Now? (The Smiths)
Getting Away With It (Electronic)
Get The Message (Electronic)
Walk Into The Sea
I Feel You (Depeche Mode Cover)
This Charming Man (The Smiths)
Easy Money 
There is a light that never goes out (The Smiths)

*Hier kann man das Konzert noch mal komplett sehen.



Montag, 9. September 2019

Les concerts en septembre à Paris

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Mon agenda pour septembre arrive avec du retard, je suis désolé ! Pas évident de se remettre au travail après une si longue pause ! Des concerts extraordinaires nous attendent ! Mon coup de cœur ? Evidemment The Wedding Présent, qui avaient joué la Oliver Peel Session numéro 100 à Petit Bain en 2015. Le 18 septembre ils reviennent au même lieu pour jouer leur album "Bizarro".




04: Froth et Hoorsees, Point Ephémère
05: Sophie Marin: Ground Control
05: Oh Sees, Bataclan
05: Hannah Cohen, Boule Noire
06: Camp Claude, Pop-up du Label
06: Lee Fields & The Expressions, Grande Halle de la Villette
07: The Holydrug Couple, Gliese & Kepler, Alessio Peck, Supersonic
09: 30 ans du Fair: Carte Blanche à Cléa Vincent, Trianon
09: Fargo Social Club avec Charles Crockett, La Boule Noire
09: Basile Di Manski, Bumby, Raymond Amour, Supersonic
10: Clara Luciani, Olympia
10: Sasami, Tapeworms, Supersonic
10: Soirée Tracks et Arte à l'International avec Oder 89, Malvina Meinier, THX4 Crying
11; Rencontre Avec Blandine Rinkel, Libraire de Paris
11: Gaspard Royant et Bobbie, Trois Baudets
11: The Leisure Society, La Maroquinerie
11: Clara Luciani, Olympia
11: Faux Ferocious et Deaf Parade, Espace B
11: Partner, Atlas For Home, Do Lung, Supersonic
11: Bee Appleseed & Nora Keyes et Denis & Eli, La Pointe Lafayette
12: Altin Gün, La Cigale
12: Showcase Pony Hunt, Fabrique Balades Sonores
12: The Warlocks, Petit Bain
12: Abstract else # 17: Tigers and Flies/Metrowave, Le Zorba
12: Rémi Parson et Docks, Café de Paris
13: Scène Zebrock, Fête de l'Huma !
13: Popincourt, La Dame de Canton
13: Bruit Noir, Blackmail, Gontard, Bay, La Maroquinerie
13: Dumbo Gets Mad, Monsters, Gustave et Pantin Plage, La Boule Noire
16: Black Midi, La Boule Noire, complet
16: Patience (ex Veronica Falls), Espace B
16: Trash Kit, François Virot, Music for alternative babies, Mains d'Oeuvres
16: Drahla, Badaboum
17: Jacuzzi Boys, Supersonic
17: Mystic Braves, La Maroquinerie
18: Julia Michaels, Le Trianon
18: Lust for Youth, La Boule Noire
18: Jonathan Bree et Charles Howl, Café de la Danse
18: Violet Arnold, Sofar Sounds
18: Mum, La Maroquinerie
18: Linda Guilala, La Pointe Lafayette
18: Chicos de Nazca et El Gran Chufle, Espace B
18: Wedding Present, Petit Bain
18: JC Satan, Safari Boat
18: Teen, Pop-up du Label
20 et 21, Paris Popfest, Hasard Ludique
20: Stephen Malkmus, Point Ephémère
20: River Into Lake et Kate Stables et Manolo Redondo, International
21: Spiral Stairs (de Pavement) et The Wonder, Espace B
21: Babe Rainbow, Point Ephémère
20: Joseph Fisher 3 Baudets
20: Michel Cloup Duo et Troy von Balthazar, Petit Bain
22: Wilco, Trianon
23: Izia, La Maroquinerie
23 et 24 et 25: John Cale à la Philharmonie de Paris
24: The Devils et Gliz, Espace B
24: Brigitte Fontaine, Café de la Danse
24: Drab Majesty et SRSQ, Petit Bain
25: Mattiel, La Maroquinerie
25: Sea Girls et Miss June, Pop-up du Label
27: Ida Mae, Pop-up du Label
27: Julie's Haircut, Wild Child Charlie, Supersonic
27-29, Festival Paris Paradis, Hippodrome d'Auteil avec Eddy de Pretto, Clara Luciani etc.
29: DZ Deathrays, Boule Noire
30: Rozi Plain, Boule Noire
30: Local Natives, La Maroquinerie



D:uel, Bochum, 08.09.19

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Konzert: D:uel - "Claudia Brücken & Susanne Freytag performen die Musik von Propaganda"
Ort: Zeche Bochum
Datum: 08.09.2019
Dauer: 70 min
Zuschauer: vermutlich nahezu ausverkauft



Wann immer bei Facebook nach den "zehn einflußreichsten Platten deines Lebens" oder "deinen Lieblingsalben" gesucht wird - Sachen, über die Musiknerds schrecklich gerne nachdenken - kommen mir Breaking glass von Hazel O'Connor, Grab that gun von The Organ, der EP-Sampler von Belle & Sebastian, Split von Lush, On fire von Galaxie 500 oder The Smiths' Louder than bombs in den Sinn. Und immer A secret wish von Propaganda. Neben Ideal war die Düsseldorfer Band für mich immer mein einheimischer Liebling. A secret wish höre ich auch 30 Jahre später ganz regelmäßig - vollkommen ohne Abnutzungserscheinungen.




Wie Ideal und die Smiths konnte ich auch Propaganda (Bürde der späten Geburt) leider nie live sehen, weder in der ersten Phase noch bei einer der kurzen Reunions. Was die ehemaligen Mitglieder machten, hatte ich nicht weiter verfolgt, bis 2013 ein Konzert von Claudia Brücken, einer der beiden Sängerinnen der Band in der A secret whish Zeit in Frankfurt aufploppte, das kurz nach der Ankündigung aber wieder abgesagt wurde. 2017 ergab sich die nächste Gelegenheit, diesmal musste ich das Konzert von Claudia Brücken und Susanne Freytag in London streichen, mein Wunsch, die Sängerinnen zu sehen, sollte weiter unerfüllt bleiben. Bis gestern.




Als ich an der Zeche ankam, ging gerade ein Platzregen runter. Der überdachte Bereich vor dem Eingang war knallvoll, Mit-Konzertgänger (und einige der Jacken) hatten die Veröffentlichung der Platte auch schon als Teenager erlebt, was zu erwarten gewesen war. Ob dies der Grund dafür war, den ganzen Innenraum der Zeche zum Sitzplatz-Bereich zu erklären, weiß ich nicht, da ich aber bei wenigen Bands lieber sitze als stehe und Musik wie die von Propaganda sicher nicht dazu gehört, hatte ich einen Stehplatz, musste also auf den schmalen Balkon, der von der Band aus links am Rand des Saals halbwegs nah bis an die Bühne geht. Ich beschwere mich nie über Konzertpreise, im Gegenteil, ich empfinde viele Konzerte als zu billig.* Aber bei einer Veranstaltung, deren Tickets 40 € (Stehplatz) und 50 € (Sitzplatz) kosten, sollten die, die stehen möchten, nicht auf den Katzentisch gestellt werden und die Sitzenden auf Bierbänke gepackt werden. Auf meinem Ticket hatte noch etwas von einem VIP-Einlaß 60 min vor unserem Pöbel-Einlaß gestanden. Ob man als VIP (noch) besser saß oder vielleicht sogar ein Schlüsselband oder eine Selfie-Gelegenheit bekam, weiß ich leider nicht mehr.




Bereits um kurz nach sieben kamen drei Musiker auf die Bühne. Später stellte Susanne Freytag sie uns vor: Philip Larsen (Keyboard), Paul Jones (Schlagzeug) und James Watson (Keyboard & Gitarre) (v.l.n.r.). Nach einer kurzen Kunstpause erschienen dann Susanne Freytag und Claudia Brücken, die sich zunächst in die zweite Reihe an ein Vibraphon stellte.

Ich hatte bewußt nichts über frühere Konzerte gelesen, keine Setlisten angesehen und wollte mich überraschen lassen. Wobei der Umfang der Überraschung vermutlich überschaubar sein würde, denn das Werk von Propaganda ist nicht riesig und beim zweiten Album 1-2-3-4 war nur noch Susanne Freytag bei zwei Liedern als Gast beteiligt. Claudia Brücken hat 2011 in einem Interview mit The Quietus beschrieben, daß sie und Susanne Freytag in der Band als austauschbar gegolten hätten, was zu ihrem Ausstieg geführt hatte. 

Das Konzert begann wie A secret wish mit Dream within a dream, dem vertonten Zitat von Edgar Allan Poes Gedicht, in ewig langer und herrlich monotoner Version (keine Ironie!). Bis auf ein kurzes und sehr fieses Gitarren-Solo gegen Ende war der Auftakt perfekt! Die Gitarre störte mich auch kurz im nachfolgenden The murder of love, danach waren diese Bon-Jovi-Gitarren weg und das Instrument klang wieder toll. Da man es mir nur schwer recht machen kann, setzte dann ab The murder of love immer wieder rhythmisches Klatschen ein. Bei elektronischen Bands gilt doch ganz besonders, daß das nicht passt. Hätten die Komponisten das gewollt, hätten sie das Klatschen programmiert. Mit Trompetenklängen haben sie es ja schließlich auch getan. 

In strenger Originalreihenfolge der CD ging es mit Jewel weiter. Ab dem zweiten Lied standen Susanne Freytag und Claudia Brücken nebeneinander, wobei Susanne Freytag meist ein Drumpad spielte und - zum Beispiel bei Jewel - nur zum Refrain zu ihrer Kollegin kam und da sang. Claudia Brücken hatte Jewel mit "zurück zur Jugend" angekündigt. Hätte ich in meiner Jugend Gelegenheit gehabt, Jewel auf einem Propaganda-Konzert zu hören, hätte es vermutlich genauso geklungen, jedenfalls hätte ich mir das gewünscht. Der Auftritt war keine schlechte Kopie einer grandiosen Band, es war ein sehr stilvoller Umgang mit der Platte und es gab die echten Stimmen, die eben nicht ausstauschbar sind.




Nach Jewel kommt auf A secret wish dessen Zwillings-Lied Duel, die Popversion des viel härteren Jewel. Hier ging es nach Jewel mit Frozen faces weiter, Duel wurde für später aufgehoben. Auch mit dem anderen offensichtlichen Lied machte man das. P-machinery, eigentlich auf der CD-Version zwischen Frozen faces (das auf der ersten Vinylveröffentlichung noch gar nicht drauf war) und Sorry for laughing. Bei Sorry for laughing (das ursprünglich von der Glasgower Postcard-Band Josef K stammt) trommelten die beiden Sängerinnen gemeinsam auf dem Keypad. 

Nach gut 45 Minuten waren die Lieder von A secret wish gespielt, zuletzt P-machinery und Dr. Mabuse ("never look back"), die Band ging von der Bühne. Es war gerade mal kurz vor acht.




Es fand ein kleiner Bühnen-Umbau statt. Auf Claudia Brückens Platz wurden zwei Snare-Drums aufgestellt, hinter die sich Paul Jones und Philip Watson stellten und den Takt zum von Susanne Freytag gesungenen Disziplin trommelten, im Original (als Discipline) ein Lied der Industrial Band Throbbing Gristle. Frühe Propaganda hatten das Stück im englischen Fernsehen gespielt. "Propaganda aller Orten, was hier fehlt, ist Disziplin." Wow, das war eindrucksvoll!

Danach kam Claudia Brücken zurück und widmete das nächste Stück Nico, also folgte die damalige B-Seite, das Velvet Underground Cover Femme fatale, was in seiner Pop-Stimmung einen harten Kontrast zum Industrial-Lied Disziplin davor darstellte. 

Duel fehlte noch, schon damals mein großer Liebling (was keine originelle Wahl von mir war). Auch das war wundervoll! Eigentlich meint man ja immer, gute Musik sei nicht kaputtzukriegen. Das ist großer Quatsch! Künstler können ihre Stücke sehr einfach hinrichten. Seit ich meine Jugendhelden Sisters of Mercy vor Jahren live gesehen habe, höre ich ihre Musik nicht mehr. Hits, getötet vom Schöpfer. Bei den Songs von A secret wish bestand die Gefahr natürlich auch, aber das passierte nicht. Der Abend war musikalisch sehr gut.

Mit Strength to dream endeten die Zugaben, also mit einem der Lieder, die nur auf der Vinyl-Version der Platte waren. Da das Lied nur eine Zeile Text hat, nutzen die Sängerinnen die Zeit, um sich zu verbeugen und uns zuzusehen. Ich gehe davon aus, daß sie nur zufriedene Gesichter sahen. 

Und weil die Tagesschau nach dem Abgang immer noch nicht zu Ende war, kamen sie noch einmal zurück. "Weil wir nur die Sachen spielen, bei denen Susanne und ich mitgewirkt haben, spielen wir noch einmal P:machinery." Das war mir recht. Claudia Brücken kündigte dann noch eine Tour im kommenden Jahr "mit neuem Material" an, die Band machte ein Selfie und ging. 

Meine Liste der Lieblingslieder, die ich mal live sehen möchte ist wieder um ein paar kleiner geworden. Und ähnlich wie bei den Primitives in einer sehr stilvollen und gut gealterten Art. Auf Platz eins ist dieser Liste ist jetzt übrigens Waking up von Elastica, aber das ist eine andere Geschichte.

Setlist D:uel, Zeche Bochum:

01: Dream within a dream
02: The murder of love
03: Jewel
04: Frozen faces
05: Sorry for laughing
06: The chase
07: P-machinery
08: Dr. Mabuse

09: Disziplin (Throbbing Gristle Cover) (Z)
10: Femme fatale (Velvet Underground Cover) (Z)
11: Duel (Z)
12: Strength to dream (Z)

13: P-machinery (Z)




* weil die vielen kleinen und mittelgroßen Indie-Bands viel zu wenig mit ihrer Kunst verdienen. Konzerte sind dafür eben fundamental wichtig.
 


Donnerstag, 5. September 2019

Gudruns Konzerttipps

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Nach der Sommerpause geht es nun wieder mit Konzerten außerhalb von Festivals los. Ich freue mich ganz besonders auf Zoe Boekbinder und empfehle Nica L'Hiver.
 

Zoe Boekbinder
11.09. Köln, Weltempfänger
12.09. Karlsruhe, Tom’s Attic
13.09. Karlsruhe, Kellerhalle
14.09. Karlsruhe, Cafe Nun
15.09. Karlsruhe, Gabriele’s house
16.09. Chemnitz at Inspire
18.09. Berlin at Schokoladen
22.09. Leipzig at Frauenkultur 16.00
25.09. Tübingen, Wohnzimmerkonzert
26.09. Pforzheim, Wohnzimmerkonzert

Nica L'Hiver
13.09. Weimar Lichthaus Kino
14.09. Hatzenweier Grüner Baum
15.09. Hausen a.A. Im Hirschsaal

Paper Beat Scissor
13.09. Bocholt, house show
14.09. Erfurt, Franz Mehlhose
17.09. Köln, Weltempfänger
18.09. Berlin, Monarch
19.09. Leipzig, Hans Poeter
20.09. Offenbach, Parkside Studios
21.09. Lüttich, l'An Vert
22.09. Darmstadt, Gute Stube
23.09. Würzburg, Viertelcafé
24.09. München, Heppel & Ettlich
28.09. Göttingen, Nörgelbuff
29.09. Wiesbaden, Kulturpalast


Hayley Reardon
18.09. Rickenbackers Music Inn | Berlin
19.09. Rote Lola | Münster
20.09. Die Luke | Ludwigsburg
21.09. Brasserie Terminus | Saargemünd
22.09. Hafen 2 | Offenbach
23.09. Schauspielhaus | Bergneustadt
24.09. Wohnzimmer /Das Cann | Stuttgart
25.09. Schlosscafe | Tübingen
26.09. Cafe Vinyl | Wetzlar
27.09. Triebwerk  | Wr. Neustadt
28.09. Waves Festival @WUK | Wien (Rola Music Abend)
01.10. Arberger Hof | Bremen
06.10. Sängerknaben und Sirenen | Hamburg
07.10. Freundlich und Kompetent | Hamburg
08.10. Jazz Club Tonne | Dresden
09.10. Ellis | Hanau
10.10. Musikladen | Götzis
11.10. Schwarzer Engel | St.Gallen
12.10. Salon Schmitts | Kaiserslautern
13.10. Werkstattbühne | Heufeld
14.10. Inspire | Chemnitz
15.10. Stilbruch | Bamberg
19.10. Reusser Guitars | Brienz 


Wooden Peak
19.09. Chemnitz  Weltecho
02.10. Hamburg Hafenklang (mit Halma)
03.10. Berlin  Internet Explorer (mit AG Form)
04.10. Leipzig  UT Connewitz (mit AG Form + Alex Stolze)
05.10. Erfurt  Franz Mehlhose
26.10. Görlitz  Kühlhaus (Duo)
27.10. Kircheib Kulturwerkstatt (Duo)




Dienstag, 3. September 2019

Haldern Pop Festival, 1. Festivaltag, 8.08.19

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Haldern Pop Festival, 1. Festivaltag

Datum. 08.08.2019

Ort: Rees-Haldern, Niederrhein

Zuschauer: etwa 7000







Nach Paris mit dem Zug nach Haldern ! An jenem sonnigen 8. August 2019 war es mal wieder soweit. Wie schon in den Vorjahren kam ich auf dem Schienenwege von der Stadt des Lichts an den Niederrhein. Kein ganz so bequemes Unterfangen, denn zunächst ging es mit dem Thalys nach Köln, bevor mich ein alter IC nach Oberhausen brachte und schliesslich ein kleiner Regionalzug von Oberhausen nach Haldern die Reststrecke absolvierte. Bis ich da war, war es 18 Uhr, ich war also insgesamt 6 Stunden unterwegs. Vom Haldern Pop hatte ich deshalb schon ein paar Acts verpasst, denn im Dorfkern hatten die Festivitäten bereist gegen 13 Uhr begonnen. Sea Girls aus England hätte ich schon gerne gesehen, aber auch die psychedelischen, japanischen Experimentalmusiker Kikagaku Moyo hätten mir sicherlich gefallen. Sei's drum, man kann nicht immer alles haben! Hätte ich etwa um 7 Uhr morgens in Paris losfahren sollen? Dann wäre ich schon am ersten Tag platt gewesen. Ein alter Mann wie ich braucht seinen Schlaf! Und ein Hotel, denn Zelten geht für mich mit 48 Jahren nun wirklich nicht mehr.





Mein Hotel lag in Kalkar-Appeldorn, in einer alten Burg. Dort musste ich zunächst einmal hin, bevor ich mich in Haldern ins Getümmel stürzen konnte. Letztlich ging es für mich dann erst mit dem Schotten Gerry Cinnamon auf der Hauptbühne los. Netter Kerl, ganz allein unterwegs mit seinen hymnischen Songs, die den Haldernern gut gefielen.






Um 20 Uhr standen die jungen und sehr gehypten Briten Black Midi im Spiegeltent auf dem Programm. Eine der Bands der Stunde, die mit Schlagenheim im Juni ihr Debütalbum veröffentlicht hatten. Ausgerechnet auf Rough Trade, einem der britischen Kultlabels schlechthin!




Entsprechend voll war es im Spiegelzelt, aber ich als akkreditierter Fotograf hatte die Chance ganz vorne zu sein und alles gut zu sehen. Die Band präsentierte sich als Quartett. Allesamt junge Burschen, mit einem eher unscheinbar aussehenden Sänger. Am auffälligsten war zweifelsohne der sehr explosive Drummer Morgan Simpson, der in manchen Passagen aus allen Rohren schoss. Die gespielte Musik war nicht gerade leicht konsumierbare Kost. Noiserock, Mathrock, Experimental Rock, wie immer man es nennen mag, konventionell und sich an klassischen Songstrukturen orientierend war es jedenfalls nicht. Eher frei und wild, teilweise auch wirr, immer jedoch sehr laut. Schwer zu sagen, an wen sie mich musikalisch erinnerten. Battle würde ich sagen, oder Pere Übu, auch ein wenig The Fall war drin in dem wüsten Mix aus verzerrten Gitarren, kauzigem Gesang und plötzlich einsetzenden Schlagzeugsalven.



Sie spielten ihr Album quasi komplett runter und waren am Ende nassgeschwitzt und platt. Das Publikum war auf seine Kosten gekommen, die meisten Leute fanden den Auftritt sehr gut. Ich auch.

Setlist Oslo: (Quelle: setlist. fm)

Speedway
953
Of Schlangeheim
Near DT, Mi
Crows' Perch
Talking Heads
bmbmbm
Ducter


Dann ging es rüber für mich zur Hauptbühne, wo Kadavar nun loslegten. Eine deutsche Band, die aber auch schon auf französischen Festivals gespielt hat. Typen mit saulangen Mähnen wie in den 80 er Jahren, den Hochzeiten des Heavy Metal. Kadavar sind aber eher Stoner Rock oder Old School Metal der 70er. Schwerer Sound, Gesang der ein wenig an Robert Plant erinnerte und Riffs die einen in Mark und Bein trafen. Es gab definitiv auch eine psychedelische Note und damit lagen die Berliner natürlich im Trend. War handwerklich wirklich gut gemacht, entsprach aber nicht dem was ich mir zur Zeit so anhöre. Zu hart für mich. Oder ich bin zu weich.


Setlist Saint-Nollf, France (Quelle: setlist. fm)

Skeleton Blues
Creature For The Demon
Doomsday Machine
Into The Wormhole
Goddess Of Sawn
Living In Your Head
Die Baby Die
Come Back Life
All our Thoughts


Ich lief rüber Richtung Spiegeltent und hörte mir von draussen (es war noch so herrliches Wetter!) Robocobra Quartett an. Eine spannende Formation irgendwo zwischen Jazz (es gab viel Saxofon) und Indierock, voller Finessen und Ideen. Der Schlagzeuger war auch gleichzeitig der Sänger. Und der hatte eine tolle Stimme, mal krächzig, mal weich, mal völlig verzweifelt, dann wieder sehr ruhig. Ist natürlich alles ziemlich spezielle Musik, nicht sehr massentauglich. Gebucht werden sie meistens auf Insiderfestivals wie dem Reeperbahn , dem Eurosonic, SXSW, oder dem Great Escape. Und natürlich...auf dem Haldern! Danke an die Programmgestalter dafür!


Ich wanderte nun rüber Richtung Hauptbühne, um Giant Rooks zu sehen und zu fotografieren. In den ersten Reihen standen fast nur junge Mädchen, warum wohl? Weil die Musik so gut war? Oder die Jungs auf der Bühne so süss? Eher Letzteres. Das Ganze klang nach einem Aufguss der Kooks (Rooks, Kooks, welch ein Zufall!) und war eher etwas für Teenager als für grantige alte Säcke wie mich.

Ich ging nun in das oft sehr volle Niederrheintent. Zum Set von Tereza ging es aber, ich kam gut rein und stand weit vorne. Tereza ist eine sogenannte DJane, also ein weiblicher Dj, hatte aber mit Marushka nicht viel zu tun. Das war kein Techno, sondern eher Retrosound, R'n B und Funk. Ansprechend, aber nicht süchtig machend. Ich war nach 3 Liedern wieder draußen.

Gegen Ende des Tages gab ich mir noch ein wenig Gewalt. Keine körperliche Gewalt, die Band im Spiegelzelt hiess nur so. Angeführt von dem charismatischen Hünen Patrick Wagner gab es auch zwei fesche Damen an Bass (Rabea Errate) und Gitarre (Helen Henfling). Alle waren sie komplett weiss gekleidet, die Klamotten des Sängers waren allerdings extrem schmutzig, als hätte er sich im Schlamm gewälzt. Man sah aber auf Anhieb, dass die (Blut)Flecken extra auf die Klamotten gespritzt wurden.

Das Trio spielte Artpunk mit deutschen Texten, in der Presse las ich auch oft den Begriff existentialistischer Rock. Was das Ganze mit Camus zu tun haben sollte erschloss sich mir jedoch nicht so ganz und waren die Existentialisten in Paris nicht immer schwarz gekleidet und nicht weiss?

Sei's drum, ich mochte das Minimalistische in ihre Musik, den schwarzen Humor, den brummenden Bass, die schrägen Gitarren, den Krach.


Die Texte waren kurios und scheinbar absurd. So hiess es etwa in Wir sind sicher: "Eine Mutter, Verkleidung / Vergeltung, ein Glaube, eine Umarmung / Eine Stadt, eine Wissenschaft / Ein Ofen, ein Baum, Betäubung." Wie sollte man daraus schlau werden? Leider kann ich euch keine Setlist bieten, aber das enorm düstere Szenen einer Ehe wurde auf jeden Fall gespielt. Ein diabolisch lautes, aggressives Stück voller Wut und keifendem Gesang: "Was denn, was willst du denn von mir?" Viel Geschrammel, viel Krach und eine fast klaustrophobe Atmosphäre. Die Ehe dürfte nicht gut gewesen sein!

Danach hiess es für mich: Schluss für heute, zurück in die Burg. Mein Taxifahrer durfte sich freuen, er machte gute Geschäfte mit mir. Und der Burgherr fragte mich am nächsten Morgen etwas pikiert: "Na, gut geschlafen? Sie sind ja erst gegen 2 Uhr nach Hause gekommen".






 

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