Samstag, 22. September 2018

Wooden Elephant, düsseldorf! festival, 21.09.2018

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Konzert: Wooden Elephant
Ort: Wacom Kantine, Düsseldorf
Datum: 21.09.2018
Dauer: 60 min
Zuschauer: ca.200


Musikalische Schnittstellen zwischen Klassik und Pop sind ja nichts Neues. Festivals in Düsseldorf, die die Grenzen zwischen klassischen Konzertsälen und besonderen Spielorten ausloten, ebenfalls nicht. 

Und so findet man sich an einem Freitag Abend in der schicken "Kantine" der modernden Wacom-Zentrale am Hafen, mit Blick auf den Fernsehturm wieder, um einem jungen, klassischen Assemble zu lauschen, wie sie Radioheads "Kid A" Album neu interpretieren. 

Zwei Geigen, eine Bratsche, ein Kontrabass und ein Cello vollführen hier ein umwerfendes Konzert, das nichts mit den üblichen Genremixen von schmierigen Stehgeigern wie David Garrett gemein hat. 

Hier wird Musik mit vollem Körpereinsatz dem Instrument abgetrotzt und erlebbar gemacht. Hört man heute "Kid A" noch einmal im Original, wird schnell klar, dass nicht die damals in jeder Kritik angeführte Wendung zum elektronischeren Sound das Album prägt, sondern die vielen Streichersätze ein ebenso neues Element in der Musik von Radiohead waren, weg vom Indiepop.


Somit wär eine reine Reproduktion schon ein toller Abend geworden. Was die fünf Musiker hier zelebrieren, ist aber soviel mehr. Sie erschaffen praktisch ein neues Werk mit den vorhandenen Melodien. 

Sie ergänzen die Musik im, hier reinen klassischen Gewand, mit gesundem Humor, indem Gläser, Tröten und sogar Milchaufschäumer benutzt werden, um neuartige Klänge zu erzeugen. 

Verehrt man ansonsten eher, dem unperfekten verschriebene, kleine Gitrarrenbands, so wird ab der ersten Sekunde deutlich, mit wie viel mehr Talent und harter Arbeit diese Musiker ihre Instrumente bespielen.

Das Projekt startete bereits Aufführungen von Björks "Homogenik" Album (Wooden Elephant - Björk Cover), die Interpretation von "Kid A" ist allerdings noch um Längen besser. 

"The National Anthem" steigert sich bis zur Ekstase und mit "Motion Picture Soundtrack" und seinem melodischem Ende verklingt nach einer aufwühlenden knappen Stunde der letzte, leiseste Ton, bevor der Applaus aufbrandet.

Als logische Zugabe folgt noch eine betörende Version von Björks "Joga". Wer hätte geglaubt, dass die Musik ohne Gesang eine derartige Wirkung entfalten könnte. Wooden Elephant sind leider nicht auf einer ausgedehnten Tour, sondern spielen über das Jahr verteilt nur einige, meist kleinere Festivals.

-kurze Doku: Wooden Elephant - Kid A
Fotos:  Anne Veldt-düsseldorf! festival


Plumes, Karlsruhe, 21.09.18

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Konzert: Plumes (Solo)
Ort: Klaras Wohnzimmer in der Karlsruher Oststadt
Datum: 21. September 2018
Dauer: 60 min
Zuschauer: 12


Der 21. September ist für mich immer ein besonderer Tag wegen eines besonderen Geburtstagkinds. Traditioniell wird er von mir als Sommerausklang bewußt wahrgenommen. Oft genug mit (spät)sommerlichem Wetter und aktivem Auftanken für den Winter, der sich kurz danach jäh in den rapide kürzeren Tagen Wirkung auf mein Gemüt verschafft. Das Karlsruher Wetter hatte 2018 die ganze Woche Hochsommer mit 31 Grad Celsius aufgelegt - bis am späten Nachmittag des 21. doch eine Regenfront dem Herbst Raum schuf. Dafür ging am Abend die Sonne auf mit dem Charme und der Herzlichkeit der Kanadierin Veronica Charnley und ihrer Musik als Plumes.
 

Etwas überrascht stellte ich beim Schreiben dieser Zeilen fest, dass es schon mein achtes Konzert mit ihr war. Die Besetzungen waren sehr unterschiedlich, zwischendurch auch sehr ausgefallen und wir haben auch wirklich immer allerhand Dönekes auszupacken, denn sehr oft waren die Konzerte mit lustigen Geschichten am Rand garniert.  Die kleine Konzertreise durch Deutschland war aber nun erstmals eine Tour ganz ohne Mitstreiter - reduziert auf ihre wunderschöne Stimme und eine E-Gitarre (mit der heimlichen oben schon erwähnten Zutat des einnehmenden Charmes).


In ihrer inzwischen auch schon vier Jahre andauernden Zeit in Paris sind einige Lieder zu Texten von Emilie Dickinson (z.B. Will there really be a morning und Curious/furious) und Marina Zwetajewa (z.B. Where does such Tenderness come from) entstanden, die ich aus Konzerten kenne und ins Herz geschlossen habe. Daneben auch Songs zu eigenen Texten wie Jeanne und Winter Getaway und so wunderbare Kleinode wie Love is like seeweed, was ähnlich simpel und dabei doch so sprechend ist wie das schon uralte Phonebooth mit überraschenden inneren Bildern. Es wäre schön, das auch bald mal auf einem Tonträger richtig produziert zu finden... ebenswo wie das das Konzert abschließende Golden Gourmande - das Hochlied auf Crème brûlée.

Es ist so schön, dass Klara den Rahmen für einen so wunderschönen Abend geschaffen hat.


Aus unserem Archiv: 
Plumes, Landau, 19.04.18
Plumes, Dresden, 01.09.17
Plumes, Karlsruhe, 31.08.17
Plumes, Darmstadt, 16.04.15
Plumes, Karlsruhe, 23.03.14
Plumes, Karlsruhe, 22.03.14
Plumes, Mainz, 26.04.13





Montag, 17. September 2018

Les concerts de la semaine à Paris du 17 au 23 septembre 2018

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Semaine très riche en bons concerts! Il y aura une nouvelle édition du chouette Paris Popfest à Hasard Ludique, mais également le retour de The Wedding Présent, groupe qui avait  joué ma 100ème Oliver Peel Session en juillet 2015 !




17: Albin de la Simone, Cite de la Musique
17: Petrol Girls, Olympic Café
17: Jeanne et Judith Owen, Trois Baudets
18: Skating Polly et Doe, Olympic Café
18: Tom Grennan, Café de la Danse
18: Calypso Rose, La Cigale
18: Amyl and The Sniffers, Supersonic
18: Albert Hammond Jr, Gaité Lyrique
19: Sofi Tukker, Cabaret Sauvage 
19: Hollydays, Café de la Danse
19: Kim Ki O + Regina Deming, 1999
19: Xavier Rudd, Elysée Montmartre
19: Estrons, Olympic Café
19: Liza Anne, Supersonic
19: Bakel, Aloïse Sauvage, Lonepsi, FGO-Barbara
19: Erika Wennerström et Field Division, Pop-up-du Label
20: Naya, Café de la Danse
20: Garbage, Bataclan, complet
20: The Brian Jonestown Massacre, La Cigale
20: La Luz, Point Ephémère
21: Paris Popfest avec The Orchids, Cocoanut Groove, Peaness, DJ Set Popnews, Hasard Ludique
21: Canari, Walrus
21: Pharaon de Winter, Niki Demiller, Donald Pierre, Supersonic
21: Sage, Café de la Danse
21: Oré + Arthur Ely + Tryphème, FGO-^Barbara
21: Yasmine Hamdan, Institut du Monde Arabe
22: Kina Grannis, Etoiles
22: Fenster et Alexander van Pelt (de Coming Soon), Pop)up du Label
22: Paris Pop fest avec Go-Kart Mozart, Beach Youth, Birdie, Soft Science, Xavier Boyer, Hasard Ludique
22: Julien Baker et Becca Mancari, La Maroquinerie
22: The Wedding Present, Point Ephémère
23: Spiritualized, Cabaret Sauvage



Samstag, 15. September 2018

Haldern Pop Festival, Rees-Haldern, 11.08.18

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Samstag, traditionell der letzte Tag in Haldern. Es gilt letzte Reserven zu mobilisieren und das Ganze noch mal richtig zu geniessen.





Ich war freilich in der Früh erneut platt, schlief gewohnt lange und verpasste den stündlichen Zug von Emmerich nach Haldern um 5 ärgerliche Minuten. So musste ich den um 14 Uhr 08 nehmen und der brauchte 16 Minuten. Verflixt, zu gerne hätte ich die Niederländer Lewsberg in der Pop Bar gesehen, denn die werden als die neuen The Velvet Underground gehandelt (eine Übertreibung, selbstredend)!


Ich kam aber dennoch in den Genuss einer mir neuen Band und zwar in der Gestalt von Landlady, einer 5 köpfigen Formation aus Brooklyn mit dem Sänger Adam Schatz an der Spitze. Die Bar war wie immer gut gefüllt, aber ich kam zumindest rein und beobachtete mit Freude das Geschehen von hinten. War ungemein flott und schmissig was die Amis da boten! Ein frischer Indierock mit ein paar klassischen Einflüssen des Genres (genannt seien an dieser Stelle die Pixies) und ein paar schrägeren Vorbildern (Dirty Projektors vielleicht?). Der Sänger hatte eine markante, leicht soulige Stimme, ohne dass man den Sound der Band wirklich als Soul bezeichnen könnte.

Das Set war ganz ausgezeichnet und ideal um den letzten Festivaltag zu beginnen. Hinterher kaufte ich mir glatt eine CD von der Band, Upright Behavior von 2014, die von Pitchfork positiv aufgenommen worden war.


Danach wanderte ich vom Dorfkern zum Festivalgelände. Ein Fussmarsch den manche Schlauberger mit Fahrrädern bewältigten, weil sich der Weg ganz schön zieht. Dennoch kam ich auch per pedes pünktlich zu Protomartyr auf der Hauptbühne an. Eine Post- Punk Band aus Detroit die ich in Frankreich bereits vor ein paar Jahren live gesehen hatte, die aber laut Angaben ihres Sängers nie zuvor in Deutschland aufgetreten war. (was aber nicht stimmt, da sie bereits 2016 durch Germany getourt waren).



Pechschwarz und schleppend aggressiv ihr Sound, pennerhaft das Gehabe ihres Sänger Joe Casey. Der rothaarige Mann mit der blassen Haut eines Engländers trug in der prallen Hitze einen Anzug und wankte wie ein Clochard langsamen Schrittes mit einer Bierflasche hin und her. Manchmal steckte er die Pulle kurzzeitig sogar in seine Jackettasche!


Bedrohlich und spannungsgeladen bewegten sich die Songs nach vorne, wurden teilweise deutlich schneller, aber nicht immer.



Man dachte sofort an The Fall und Mark E. Smith, wenngleich stimmlich der Vergleich nicht passte. Mark E. Smith singt giftiger, bissiger, die Baritonstimme von Joe Casey blieb meistens ruhig.

Obwohl die Band in Deutschland noch recht unbekannt ist, hat sie schon 4 Studioalben veröffentlicht, 2018 zudem noch die EP Consolation. Hits im eigentlichen Sinne haben sie keine.



Hier in Haldern spielten sie überwiegend Stücke von Relatives in Descent und The Agent Intellect, Outputs von 2017 und 2015. Am Besten fand ich die Songs die etwas mehr Tempo und Feuer hatten wie beispielsweise Wheel of Fortune, oder das mit einem Trommelwirbel beginnende A Private Understanding, das sozialkritische Texte und brutale Gitarren miteinander verband.



Dem Publikum in Haldern gefiel der Auftritt offensichtlich, wenngleich aufgrund der recht frühen Ansetzung noch keine Extase auszumachen war.

Für mich ging es nun rüber ins Spiegeltent und stilistisch passten Love A aus Wuppertal und Köln ganz gut zu Protomartyr. Auch hier war musikalisches Thema der gute alte Post-Punk, allerdings klang das Ganze vor allem stimmlich doch anders. Allein der Klang der deutschen Sprache und das Verstehen der Texte schaffte einen anderen Bezug zu der rasant schnell gespielten Musik.

Allerdings hat es auch gewisse Nachteile wenn man die Texte versteht, dann ist man viel kritischer diesbezüglich. Ging mir bei Love A nicht anders, das war alles etwas holzschnittartig, alles etwas zu direkt und wenig subtil.

Ein zweischneidiges Schwert. Irgendwie wirkte die Band sehr sympathisch und stilistisch machen sie auch Musik mit der man mich ködern kann, aber alles war doch etwas simpel gehalten.

Als Love A durch waren, war das Konzert von Jenny Lewis auf der Hauptbühne schon in vollem Gange. Ich bekam nur noch etwa die letzten 20 Minuten mit, zu wenig um fundiert urteilen zu können, was das Set der ex-Rilo Kiley Sängerin wert war. Manche Stücke erschienen mir etwas lahm, die dynamischen Sachen konnten mich hingegen mehr überzeugen. Ein Pluspunkt aber definitiv für die schöne Cowgirltracht der Musikerin.

Etwas traurig war auch, dass ich das sicherlich wundervolle Set von Hatis Noit im Tonstudio verpasst hatte, aber bei einem Festival kann man nie alles sehen, ist eben in Haldern auch nicht anders.

White Wine aus Leipzig, die von 17 bis 17 Uhr 45 das Spiegeltent bespielten, guckte ich mir nur kurz von der Leinwand aus an, weil ich früher zu den Lemon Twigs wollte. White Wine werden von Joe Hage angeführt, einem Amerikaner der vorher schon mit Formationen wie 31 Knots oder Tu Fawning Highlights setzen konnte und seit ein paar Jahren nun mit dem Projekt White Wine zusammen mit dem Deutschen Fritz Brückner unterwegs ist. Inzwischen gibt es einen dritter Musiker. Ich mag diese Formation mit ihrer sehr speziellen, unkonventionellen Indiemusik, in Haldern konzentrierte ich mich aber auf andere.



Zum Beispiel auf die Lemon Twigs. Zwei spindeldürre Burschen mit Wespentaillen und 70er Jahre Fummel. Die beiden Brüder namens Michael und Brian d'Addario werden seit ihrem ersten Album Do Hollywood zum "grossen Ding" erklärt (oder "hochsterilisiert" wie Fussballer sagen würden) und die Euphorie wird gerade mit einem zweiten Album weiter geschürt.



Ich hatte sie in der Vergangenheit bereits live gesehen und zwar bei Rock en Seine in Paris 2017. War ein unterhaltsames, aber nicht unvergessliches Konzert. Unvergesslich wurde es auch beim Haldern Pop nicht, denn trotz einiger starker Songs sind die beiden Brüder, die auch 3 Begleitmusiker mit auf der Bühne hatten, noch nicht so routiniert, ein gleichmässig gutes Set hinzulegen. Manchmal stimmte der Rhythmus nicht so richtig, manchmal war der Gesang arg windschief. Und oft war auch die Bühnenpräsenz noch nicht optimal. Zwar beherrschen die jungen Männer alle Rockstarposen, aber die Fähigkeit ein Publikum mitzureissen, konnte man hier und heute höchstens ansatzweise erkennen.



Und es gab noch ein Problem: ich kannte die Mehrheit der Stücke nicht, denn die meisten Sachen stammten vom Neuling Go To School, ein Album, das als Rockoper (Hilfe!) bezeichnet wird und in Deutschland zum Zeitpunkt des Festivals noch gar nicht erschienen war. Wie man lesen kann geht es inhaltlich um die Geschichte eines Schimpansen...



Nach dem Ende des Konzerts der Lemon Twigs rannte ich rüber Richtung Spiegeltent zu Marlon Williams, ging jedoch nicht rein, sondern hörte und sah mir draussen das Konzert auf der Leinwand an. Marlon, der mit seiner neuseeländischen Landsfrau Aldous Harding liiert war, die letztes Jahr an gleicher Stelle auftrat, wird in Europa immer bekannter. In den nächsten Jahren hat er sicherlich das Zeug zum Headliner mittelgrosser Festivals, aber beim Haldern 2018 musste er sich mit dem Zelt begnügen. Wenn ich ehrlich bin, gefiel mir sein Auftritt in musikalischer Hinsicht nur so halb. Es war mir alles ein wenig zu bluesig-soulig, zu theatralisch, zu effektheischend. Die Stücke die überwiegend von Make Way for Love stammten, kannte ich zudem nicht richtig. Ich hatte ihn zwar 2017 live in Paris gesehen, aber davon war nicht so viel hängen geblieben. Der gutaussehende, charismatische, gross gewachsene junge Musiker spielt neben eigenen Sachen auch immer Cover, auch heuer in Haldern war das so. Dieses Mal waren das Carried Away von Barry Gibb, First Time I Ever Saw your Face von Roberta Fleck als Opener und Portrait of a Man von Screamin' Jay Hawkins als Closer.



Nach Marlon Williams ging ich rüber auf die Hauptbühne um mir ein wenig Gisbert zu Knyphausen und seine Band anzusehen. Da ich seit 16 Jahren in Paris wohne, habe ich so gut wie nie die Gelegenheit deutsche Musiker wie Gisbert live zu sehen. Wenn dann passiert das meistens in Haldern. So wie 2008, 2011 und nun eben 2018.

Ich schätze die Musik des Hessens, mag auch seine Stimme. In seiner Diskografie kenne ich mich allerdings nicht gut aus. In den Weihnachstferien 2017 habe ich allerdings in einem grossen Plattenladen in Berlin gesehen, dass er eine neue Platte namens Das Licht dieser Welt herausgebracht hat.



Positiv aufgefallen ist bei mir davon beim Haldern 2018 Unter dem hellblauen Himmel. Eine heiter- melancholische Ballade, bei der sogar das Wetter mitspielte und ... ja genau!, einen hellblauen Himmel freilegte! Lustigerweise waren Gisbert und seine komplette Band ganz in schwarz gekleidet, wie im übrigen später auch Kettcar.

Erwähnen möchte ich auch Cigarettes & Cigarettes. Diesen englischen Song spielte der Weinliebhaber sowohl auf der grossen Bühne als auch in einer charmanten Akustiksession, die man sich beim WDR angucken kann.

Als vorletztes Stück hörten wir Neues Jahr, ein wunderbar warmes und sentimentales Lied mit herrlicher Trombone in Element Of Crime Manier (oder Sophie Hunger Manier?), die die Zuschauer zum Johlen brachte. Das Finale des Liedes war sehr rockig und fulminant.



Mit viel Dampf wurde dann zum Abschluss auch noch Das Leichteste der Welt gespielt, ein Uptempo Song mit toller Melodie, witzigen Textzeilen ("jeder Tag ist ein Geschenk, er ist nur scheisse verpackt") und fetzigen Gitarren, zu dem das Publikum sehr gut mitging und tanzte. "Rock'n' Roll" waren die letzten gesungenen Worte von Gisbert und zumindest teilweise war es das Ganze musikalisch auch, wobei mir die ruhigen Momente des Sets fast am besten gefielen.


Noch energischer waren später (20 Uhr 45) King Gizzard and The Lizard Wizard auf der Hauptbühne. Kein Wunder, den sie hatten gleich zwei sich gegenüber sitzende Drummer dabei, die mächtig Dampf machten! 7 Leute auf der Bühne, darunter der Sänger mit Metallica T-Shirt beballerten das Publikum mit psychedelischen Rocksongs, die visuell mit knallbunten, hypnotischen Videos untermalt wurden.

Eine Band die weltweit klar auf dem aufsteigen Ast ist, obwohl kaum einer ihrer Diskografie folgen kann. Wieviele Alben haben die allein 2017 rausgehauen? 5! Kann so was überhaupt sein? Bei dieser Band scheint alles möglich!



Zumindest kannte ich immerhin Rattlesnake. Ihr vielleicht direktestes Stück mit kratzigen Gitarren und einem smarten Refrain. Ein Indiehit. Wir werden von der Band in den nächsten Jahren sicherlich noch einiges hören.

Konzentrieren möchte ich mich nun aber erst einmal auf das Geschehen im Mirrortent, denn dort war das Programm an jenem 11. August besonders gut.


Die Amerikanerin Phoebe Bridgers hatte ein Set von 20 Uhr bis 20 Uhr 45. Entdeckt im Vorprogramm von Bright Eyes und auch von Ryan Adams sehr gelobt, war die blonde Gitarristin bereits 2017 in Europa in kleinen Clubs unterwegs und 2018 nun also erfreulicherweise in Haldern.



Sie trat mit Band auf, zu der auch eine blonde Bassistin gehörte, die neu hinzugestossen war. Der alte Basser Christian Lee Hutson war amüsanterweise auch beim Haldern 2018 dabei, allerdings in der Band von Jenny Lewis. Da Jenny schon früher mit ihrem Set auf der Hauptbühne durch war, hatte der Basser die Zeit ein Stück a' cappella zusammen mit Phoebe anzustimmen, ein witziger Zufall, der alle zum Schmunzeln brachte.



Gelacht wurde ansonsten eher selten, denn die Stücke von Bridgers waren allesamt ziemlich düster und trieben ein paar sensiblen Zuschauern gar Tränen in die Augen (ich übertreibe nicht). Schnulzig wurde es dennoch nie, dafür sorgte schon Bridgers mit ihrer ehr trockenen, selbstironischen Art.



Interessant, dass sie mich mit ihren Sonst fesseln konnte, denn die musikalisch nicht weit entfernte Julien Baker beispielsweise ist gar nichts für mich, warum auch immer. Oft schwer zu erklären warum man eine Singer-Songwriter bewegend findend und eine andere nur seicht.

Phoebe Bridgers war auf jeden Fall überzeugend und ich hatte das Gefühl, dass fast jeder im Spiegelzelt ihrem Auftritt viel abgewinnen konnte, die gerührten Gesichter und der warme Applaus sprachen dafür.



Einen musikalisch und bühnentechnisch ganz anderen Auftritt als Phoebe legte die Australier Amyl & The Sniffers danach hin. Die blonde Frontfrau Amyl Taylor und ihre Männerband rockten im Siebziger Jahre Stil, als Gruppen wie Girl School, Blondie und Suzi Quatro angesagt waren. Auch optisch passte die Band in diese Zeit. Jeans mit Schlag und Männer mit Vokuhila Frisuren, wie seinerzeit in der deutschen Fussballnationalelf.


Aber die Masche kam bei den Leute an, schon ziemlich am Anfang des Sets crowdsurfte Amyl über die Köpfe der johlenden Menge hinweg und sang trotzdem weiter. Vom Gaspedal gingen die Aussies dann auch nicht mehr runter und am Ende tanzte das ganze Zelt mit.

Amyl ist 'ne Rampensau, aber musikalisch war es mir doch ein wenig altbacken.

Das Spiegeltent hatte an jenem Sonntag noch mehr zu bieten. Ich denke da im Besonderen an die aufstrebenden Australier Rolling Blackouts Coastal Fever.



Der Fünfer aus Melbourne performte in Haldern seinen ersten Longplayer Hope Downs, der bei dem renommierten Indie Label Sub Pob im Juni 2018 erschienen war. Ein Album voller Hits, von Anfang bis Ende.


Seit den glorreichen Go-Betweens, mit denen die Band auch oft verglichen wird, hat wohl kaum eine Formation aus Australien so viele catchy Lieder auf ein Album gepackt. Alle sind sie rasant schnell, melodienverliebt und auf den Punkt gespielt und bei dem Halderaner Publikum zündeten sie direkt.

Interessant ist, dass wir hier von einer Band sprechen, die 3 verschiedene Sänger hat. Fran Keane, Tom Russo, Joe White, all diese 3 hatten ihre eigene Vocalparts und spielten auch Gitarre und nur Drummer Marcel Aussie und Basser Joe Russo blieben stumm.


Die Zeit verging wie im Fluge, kein Wunder bei solch starken Songs wie Talking Straight und Bellarine, oder auch French Press und Sick Bug, die von der EP The French Press stammten.

Wir werden noch viel von den Aussies hören, dessen bin ich mir sicher. Und in Haldern sehen wir sie höchstvermutlich in den nächsten Jahren auf der Hauptbühne wieder.



Inzwischen war es in Haldern bereits nach 23 Uhr. Das Festival neigte sich bereits wieder dem Ende zu, aber Kettcar hatten noch einen attraktiven Slot und nutzen diesen auch, um das Publikum zu begeistern. Kettcar sind ja so eine Band, die jeder sympathisch findet, weil sie keine Allüren haben und bodenständig wirken und man nahm es ihnen sofort ab, dass das Haldern Pop für sie dieses Jahr eine Priorität im Terminkalender war. Sänger Marcus Wiebusch lobte die Veranstalter und das fachkundige Publikum und sagte in Anlehnung an den Spruch von Frank Sinatra gar: "wer es in Haldern schafft, schafft es überall".



Witziger fand ich allerdings noch, dass er uns eine Anekdote von seinem Jugendschwarm Karen Schulz erzählte, die damals als Marcus 17 war, beim Tennisturnier am Hamburger Rothenbaum jobte. Marcus war verknallt in das Mädel, doch Karen liess sich zu Marcus riesiger Enttäuschung zu Boris Becker auf sein Hotelzimmer einladen, was Marcus rückblickend mit den trockenen Worten kommentierte: "hätte sie mal mich genommen, keine Schulden, ausgeglichenes Konto, hätte sie alles haben können!"

Liedertechnisch gab es einen bunten Mix aus Stücken vom letzten Album Ich vs. Wir und alten Klassikern wie Deiche und Landungsbrücken raus und das Ganze gefiel mir richtig gut. Ich genoss es mal qualitativ gute deutsche Musik live zu hören, eine Sache die mir in Paris nie möglich ist.

Die Ehre, den letzten Festivaltag auf der Hauptbühne zu beschliessen, hatte eine englische Band, die Sleaford Mods.

Von dem Auftritt der beiden Briten möchte ich euch gesondert berichten.



Freitag, 14. September 2018

Haiku Salut, Ripley, 29.07.18

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Konzert: Haiku Salut
Ort: Midland Railway Centre, Ripley (Indietracks)
Datum: 29.07.2018
Dauer: knapp 40 min



Vergangene Woche erschien das dritte Album einer der spannendsten Bands, die mir in den letzten Jahren über den Weg gelaufen ist. Das Spannende an Haiku Salut erschließt sich beim beiläufigen Hören der Platten sicher nicht. Das ist halt Instrumentalmusik - gab es schon mal und wird es immer wieder geben. Ich habe die drei Musikerinnen aus Nordengland durch einen Auftritt beim Indietracks 2016 kennengelernt und war hin und weg. Das Trio - Louise Croft und Gemma und Sophie Barkerwood - spielt eine LKW-Ladung Musikinstrumente bei ihren Auftritten und erzeugt, auch wenn das nach Unsinn klingt, eine Art elektronischer Musik mit analogen Mitteln. Die drei Musikerinnen nutzen Akkordeon, Gitarre, Posaune, Trompete, Ukulele, Keyboards, um damit kurze Sequenzen zu spielen und zu loopen. Eigentlich erzeugen sie also bei ihren Konzerten kurze Soundstückchen, über die dann eine Melodie gelegt wird.

Die Lieder, die so enstehen, sind musikalisch spannend, bekommen aber durch die Art der Liveerzeugung eine weitere Ebene, die ich so noch nicht erlebt habe. Mir fallen zu Haiku Salut immer nur solche holprigen Vergleiche wie Sigur Rós in twee oder Post-Indiepop ein. Oft erinnerte mich der Auftritt beim diesjährigen Indietracks aber auch an Jamie xx und dessen Livespielen all der kleinen Sounds, die er sicher auch programmieren könnte, stattdessen aber hoch konzetriert selbst erzeugt.

Mein zweites Mal Haiku Salut in Ripley stand unter keinem guten Vorzeichen. Es hatte seit Monaten nicht mehr geregnet, offenbar hatte all das Wasser aus Festival-Wochenende gewartet. Ich hatte ein paar Stunden vorher Louise und Gemma eine Tasche im Merch-Zelt abgekauft und freudig gesmalltalked, wie froh ich darüber sei, daß Haiku Salut dieses Jahr auf der Indoor-Bühne spielten würden. "Hmm, wir spielen aber draußen."


Der Regen hatte zum Konzertbeginn nachgelassen, der Sonntag war aber trotzdem noch der mieseste Tag des Sommers. Mich trotzdem aus der "Church of merch" [Spitzn.] nach draußen zu bewegen, war eine gute Idee. Haiku Salut begannen zwar noch mit einem alten Stück (Things were happening and they were strange), spielten danach aber vor allem (mir) neue Lieder vom da noch unveröffentlichten Album. 

Wie schön der Auftritt wieder war! Wie faszinierend, Sophie, Gemma und Louise zuzusehen, wie sie wieder und wieder die Instrumente wechselten, ihre Plätze tauschten, alleine das Akkordeon machte dauernd die Runde. Ich weiß, daß ich extrem schlecht darin bin, Instrumental-Musik zu beschreiben, ein Bericht kann auch dem Konzert nur schwer gerecht werden. Vielleicht  fasst es den Auftritt am besten zusammen, daß ich neulich Tickets für zwei weitere Haiku-Salut-Konzerte gekauft habe.

Setlist Haiku Salut, Indietracks, Ripley:

01: Things were happening and they were strange
02: We are all matter
03: Cold to crack the stones
04: Choke points
05: Nettles
06: The more and moreness
07: Bleak and beautiful (all things)
08: Occupy 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Haiko Salut, Ripley, 31.07.16 




Snail Mail, Misty Fields Festival, Heusden, 31.08.2018

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Konzert: Snail Mail
Ort: Misty Fields Festival / NL
Datum: 31.08.2018
Dauer: 40min
Zuschauer: ca. 800


Snail Mail spielten beim großartigen Misty Fields Festival in den Niederlanden. Ein ausführlicher Bericht von dort folgt in den nächsten Tagen.

Das Album "Lush" von Snail Mail hat ja dieses Jahr einige Wellen geschlagen. Introvertierter, aber klassischer Indierock war das, was Frontfrau Lindsey Jordan mit ihrer Band da anbietet. 

Wobei der Begriff "Frontfrau" hier etwas ins Leere führt. Gerade einmal 19 Jahre ist sie alt, zierlich wie ein junges Mädchen mit ihrer großen Gitarre, betritt sie die kleine Zeltbühne. 

Zu Beginn gibt es ein heftiges, toll improvisiertes Intro bzw. einen "Jam" der viel verspricht. Danach folgen in Reihe natürlich die eher ruhigen Songs des Albums. 



Die Stimmung von Lindsey ist schwer zu deuten. Oftmals wirkt sie etwas genervt, stimmt ewig lange ihre Gitarre oder schaut betrübt umher. In der nächsten Sekunde aber hellt sich ihr Gesicht zu einem fröhlichen Lachen auf als sie bemerkt, dass eine Pärchen zu ihren Songs eine Art "Square Dance" aufführt. 



Leider will der Rest des Publikums zur späten Stunde hier bei dem gebotenen Schwermut nicht so ausgelassen mitgehen, und so bleibt die überraschende und großartige Cover-Version von Goo Goo Dolls "Iris" das am meisten bejubelte Stück des Abends.

Am Ende folgt dann noch mit "Anytime" ein weiteres trauriges Solostück, diesmal alleine vorgetragen. Danach verschwindet sie grußlos hinter die Bühne. 



Jeder, der Musik von z.B. Julien Baker mag, kommt an diesem Album in 2018 einfach nicht vorbei. Hier, an diesem Abend, konnte das Talent und ihr  Gefühl in den kurzen 40 Minuten zu selten aufblitzen.

Snail Mail spielen am 05.11.2018 ein weiteres Konzert im Kölner Luxor.

Fotos: Michael Graef


Donnerstag, 13. September 2018

Luna, Hamburg, 09.08.18

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Konzert: Luna
Ort: Nachtasyl, Hamburg
Datum: 09.08.2018
Dauer: gut 80 min
Zuschauer: vielleicht knapp 200 (nah an ausverkauft)



Wenn ich doch noch wüsste, wie ich Galaxie 500 kennengelernt habe! 1988 erschien das Debüt der amerikanischen Band, irgendwann tauchte sie in meinem Leben auf und seitdem liebe ich sie abgöttisch. Die Zeit vor dem Mauerfall wirkt heute ähnlich weit weg wie der Dreißigjährige Krieg. Als Today erschien, war Boris Becker noch kein Tennis-Experte, Influencer kein Beruf und Europa zwölf Länder kleiner als heute. Unverändert ist meine Liebe zu dieser Band, die mich sogar Saxophon-Soli ertragen lässt. 

Live hatte ich die originalen Galaxie 500 1990 beim Bizarre Festival gesehen, ich erinnere mich aber leider nicht an das Konzert. Ich mochte die Band vorher, ich mochte sie nachher, es kann also nicht schlimm gewesen sein. Sänger Dean Wareham sagt, Galaxie 500 sei keine gute Liveband gewesen, vielleicht verdränge ich da also auch einiges. 1991 löste Dean Galaxie 500 auf, kurz nachdem Rough Trade Records pleite gegangen war. Allerdings war die schwierige Bandkonstellation (ein Paar - Naomi und Damon und eine Einzelperson) und nicht der Labeltod der Grund dieses Endes. Ich mochte nicht, daß meine Lieblingsband verschwinden sollte und ignorierte deshalb alles, was danach kam. Außerdem waren mit Lush und den Pale Saints zwei neue Herzensbands aufgetaucht, den Galaxie-500-Nachfolger Luna konnte ich also guten Gewissens ausblenden.

Erst Jahre später bemerkte ich, was das für ein Quatsch war. Luna fehlt zwar das Unfertig-Schrammelige, das ich an Galaxie 500 so geliebt habe, Dean Warehams Stimme und Songwriting machten aber auch Luna zu einer Band, die ich von Beginn an hätte lieben müssen. Dann hätte ich sie auch in den 90er Jahren in Köln sehen können. Habe ich nicht, also musste ich bis 2015 warten, als Luna erstmals seit zehn Jahren wieder Konzerte spielten. Alle drei 2015 (Madrid, Brighton und London) waren euphorisierend gut!

Als die 2018er Tour angekündigt wurde, tauchte nur ein Deutschland-Termin auf, Hamburg. Daß sich nicht mehr örtliche Veranstalter fanden, ist eine Schande, leider aber auch nicht weiter verwunderlich in einem Land, in dem diese schrecklichen Gitarren-Heinis aus dem Radio als Künstler gelten. 

Also Hamburg (all the way).

Das Nachtasyl ist Teil des Thalia-Theaters und befindet sich unmittelbar unter dessen Dach. Der Raum, der meist für Lesungen genutzt wird, hat an einer Seite eine Bar, an der nächsten ein großes Fenster, an der dritten einen Glaskasten mit Lüftung (den Raucherraum) und an der letzten die Bühne.


Als Luna vorgruppenlos um 21 Uhr auftraten, war der Saal sehr gut gefüllt. Luna sind seit ihrer Reunion Dean Wareham, Britta Phillips (Bass), Sean Eden (Gitarre) und Lee Wall (Schlagzeug), also die Mannschaft, die auch die letzten Jahre vor der Trennung 2005 zusammen war.

Luna-Konzerte - das kann ich mit der Erfahrung von mittlerweile vieren sagen - sind nie gleich. Die Band verfügt nicht nur über ein riesiges eigenes Repertoire, es gibt neben sieben Studio Alben auch alleine zwei Cover-Platten. Ich mag originelle Cover, ich wäre aber vermutlich verstört, wenn eine Band mehr als zwei am Abend spielte. Bei Dean Warehams Gruppen ist das ganz anders. Seine Cover klingen komplett eigen und sind ausnahmslos toll. Jüngestes Beispiel: Fire in Cairo von The Cure, eines dieser Lieder, die niemals gecovert werden dürften. Außer von ihm. Gottseidank stand Fire in Cairo auf dem Programm, ebenso wie das häufig gespielte Indian summer (Beat Happening), Lonesome Cowboy Bill von The Velvet Underground und One fine summer morning (Evie Sands), von Britta Phillips gesungen. Nicht zufällig heißt die erste Luna Cover-Platte Lunafied, wüsste man es nicht besser, könnte man all diese Stücke für Luna-Songs halten.

Dazu kamen zwei Galaxie-500-Lieder, darunter mein Liebling Strange, der Rest war Luna-Luna. Obwohl der Luna-Part ein Best-of war (vielleicht empfinde aber auch nur ich das so, weil ich so viele Stücke liebe) mit Hits wie Moon palace, 23 minutes in Brussels, Sideshow, Chinatown, gab es zumindest für mich eine große Überraschung: Still at home, das Sean Eden singt. Das ist zwar nicht das beste Luna-Lied, es ist aber mein seltenstes.

Ich bereue sehr, nicht mehr Konzerte der Tour gesehen zu haben. Dean Wareham versprach zwar, bald wieder nach Deutschland zu kommen, vermutlich wird es dann aber eine Solo-Tour. Was nicht schlimm ist, da ich wohl auch einen Abend, an dem er nur Flippers-Songs spielte, gut fände.
 
Setlist Luna, Nachtasyl, Hamburg:

01: Chinatown
02: Sideshow by the seashore
03: Fire in Cairo (The Cure Cover)
04: California (all the way)
05: 23 minutes in Brussels
06: Still at home
07: Malibu love nest
08: Bewitched
09: Tracy I love you
10: Moon palace
11: One fine summer morning (Evie Sands Cover)
12: Strange (Galaxie 500)
13: Indian summer (Beat Happening Cover)

14: Lonesome Cowboy Bill (Velvet Underground Cover) (Z)
15: Tugboat (Galaxie 500) (Z)
16: Friendly advice (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Luna, Paris, 12.10.16
- Luna, Brighton, 30.07.15
- Luna, Madrid, 20.04.15
- Dean Wareham, Köln, 29.07.14
- Dean Wareham, Ripley, 26.07.14
- Dean Wareham, Paris, 07.12.13
- Dean Wareham plays Galaxie 500, Barcelona, 28.05.11
- Dean Wareham plays Galaxie 500, Paris, 19.02.11
- Dean Wareham plays Galaxie 500, Minehead, 11.12.10



Dienstag, 11. September 2018

Les concerts de la semaine à Paris du 10 au 16 septembre 2018

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L'agenda de cette semaine est déjà pas mal remplie, les concerts reviennent dans les clubs de la ville lumière. Plein de chouettes artistes et groupes français (Fictions, Orouni, Superbravo (photo archive), Gisèle Pape, Anne Gouverneur, The Rodeo, Albin de la Simone...), mais aussi des groupes et artistes international remarquables (The Blank Tapes, Tiny Ruins, Poppy Ackroyd, Princess Chelsea, Plumes, Joanathn Wilson...)




10: Fictions, Filago, Pop-up du Label
11: Orouni, Trois Baudets
11: Gretchen Peters, Chapelle des Lombards
11: The Blank Tapes, Twin Arrow, Dream Phases, Supersonic
12: Matt Elliott & Vacarme + Lucas Ravinale & Loup Uberto, Fgo-Barbara
12: U2, Bercy
12: Tiny Ruins, Pop-up du Label
12: Superbravo, Gisèle Pape, Jalsaghar, International
12: Toni Alter, Carmen
12: Anne Gouverneur, Trois Baudets
12: Pias Nites: Delgres + Poppy Ackroyd, La Maroquinerie
12: Princess Chelsea et des Roses, Point Ephémère
12: School Daze, Viot, Supersonic
13: The Rodeo en showcase chez Ground Zéro
13: Stanislas Grimbert, O'Gib
13: U2, Bercy
13: Adam Naas, La Maroquinerie
13: The Oscillation + Lumerians, Petit Bain
13: Inrocks Super Pool Party avec Suki, Pizzagirl, Mauvais Oeil, Bains Douches
14-16.09, Fête de l'Humanité avec entre autres: Franz Ferdinand, Femi Kuti, Julien Clerc, Roméo Elvis, Bernard Lavilliers, Catherine Ringer, Grand Corps Malade, Jeanne Added, Acid Arab, Cléa Vincent, Betrand Burgalat, Jo Wedin et Jean Felzine, Jonny Montreuil, La Vague, Oré... La Courneuve
14: Plumes, La Pomme d'Eve
14: Maud Octallinn, Forum Léo Ferré
14: Jonathan Wilson, Cabaret Savage
14: Louise Roam, Laetitia Bech, Simon Kounovsky présent Stargaze, Walrus
14: Jupiter & Okwess, La Maroquinerie
15: Jérôme Castel showcase Walrus
15: Concert privé (Breakartmix), Anaïs Maviel & Maxime Petit
15: Tempest + Guest, Olympic Café
16: Albin de la Simone, Cité de la Musique



Donnerstag, 6. September 2018

U2, Köln, 04.-05.09.2018

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Konzert: U2
Ort: Köln, Lanxess Arena
Datum: 4.-5.9.2018
Dauer: je 140min
Zuschauer: 2 x 18.000 ausverkauft



Alles scheint wieder einmal eine Nummer zu groß. Die Leinwand, die Bühne(n), die sich durch die ganze Halle erstreckt, enorme Licht-und Bühneninstallationen hängen unter dem kompletten Hallendach in nicht zählbarem Ausmaß.

Bono sitzt derweil auf der B-Stage und schminkt sich in Ruhe den Mcphisto Teufel von der Zoo-TV Tour wieder aus dem Gesicht. Er führt ein imaginäres Telefonat mit seiner Frau Ali und dieses Musiktheater würde ich keiner anderen Band der Welt durchgehen lassen. 

Aber zuvor haben sie halt "Acrobat" gespielt. Zum ersten Mal live seit dem Erscheinen der "Achtung Baby" CD 1991, und danach kann Bono erstmal machen was er will. Die Version war wild und ungestüm, The Edge spielt wie ein wütender 19-jähriger, und wohl nur U2 können so einen Song 25 Jahre in die Mottenkiste verbannen. 



Andere Lieder werden heute vom geschröpften Unterrangzahler schmerzlich vermisst. Die komplette "Joshua Tree" bleibt bei dieser Tour außen vor. Für die Band ein mutiger Schritt weg von der Live-Jukebox.

Erstaunlicherweise klingen gerade die überproduzierten Songs der neuen Platte live wieder viel frischer und impulsiver als gedacht. Aber das war bei U2 ja schon immer so. Auch wenn die Setlist also auf dem Papier schwächelt, sich die Band aus unerfindlichen Gründen hier von der Produktion noch mehr in ein Korsett zwängen lässt, dies ist die beste Arena Show die es bisher gab.



Die wie ein Monolith durch die ganze Länge der Halle schwebende und bewegliche Leinwand, die dazu auch noch von der Band begehbar und bespielbar ist, ein Ereignis. Die Band ist fast immer auf der Reise, manchmal lenkt dies leider zu sehr von den Songs und dem messerscharfen Spiel der drei Instrumente ab.

Jeder Saitenanschlag ist hörbar, jeder Trommelschlag erlebbar und der Bass wummert wohlig herum. "I´m only a quarter of these guys, together we are ONE" sinniert Bono am Ende, selten hatte er mehr recht. 

Alle vier sind elementar für den Sound der Band, wahrscheinlich kennt man deshalb auch ihre Namen, keiner fragt nach dem Bassisten von Coldplay. Auffallend jugendlich wirken die Drei, während Bono, früher mit schon fast zuviel Charisma gesegnet, sichtlich gealtert ist. 



Gitarre wird er auf der Bühne nach seinem Fahrradunfall nicht mehr spielen können, aber auch seine Energie ist spürbar geringer. Komischerweise gilt das auch für die Emotionen, die die U2 Shows sonst so einmalig werden ließen.

Das Publikum ist voll da und feiert sogar mit lauten Gesängen die neuen Songs. Aber irgendetwas fehlt an diesen Abenden. Vielleicht liegt es am Charakter der Show. Er will eine Geschichte erzählen. Von den Strassen Dublins hin zu Starallüren und Verlockungen des Berühmtseins, bis zur Rückbesinnung auf die Glühbirne unter der alles begann, und die Bono am Ende wieder hervorholt und wie ein Pendel durch die Halle schwingt. 

Liebe, Versöhnung und die Stärke eines geeinten Europas sind Bonos Themen zur Zeit. Jede Stärke ist nur mit einer anderern Schwäche zu erklären. U2 mit all ihren Stärken, ist ohne den für viele überflüssigen Pathos nicht möglich.



Nicht heute, und nicht 1989 als ich sie zum ersten Mal sah. Ich finde, wir sind gut gealtert. Auf der Leinwand flimmert einer von hundert Merksätzen an diesem Abend: "Weisheit ist die Wiedererlangung von Unschuld durch Erfahrung". So kann man sich das Alter ja doch noch schönreden. Die Reise wird auch mit der jetzt vorhandenen "Experience" weitergehen. Es ist die Reise von vier Freunden. 


 

Konzerttagebuch © 2010

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