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Montag, 4. Januar 2021

Konzerte des Jahres 2020 von Gudrun

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Meine Konzerte im Jahr 2020 waren alle im Februar - mit einem sich schon verwegen anfühlenden Ausflug nach Mannheim am 1. März. Die geplanten Konzerte im kleinen Rahmen hatten wir seit Mitte Februar fast alle abgesagt. Lange habe ich auch Streaming Angebote ignoriert, weil ich dafür in meinem neuen Alltag keinen Platz fand und auch keine Kapazität in meinem Kopf, es mir lang genug zu merken. Waren meine Jahresbilanzen sonst auch eine Aufzählung von Orten, so zeigt sich hier nur aufs Neue, wie wenig ich 2020 aus Karlsruhe hinausgegangen bin.


Meine Live-Konzerte waren:
 
Kliffs 02.02. im Tollhaus Karlsruhe
Kliffs bei Gabriele am 03.02. 
Erica Russo am 07.02. in meinem Wohnzimmer
Moddi am 05.02. in Mainz
Afenginn am 21.02. in der Brotfabrik Frankfurt (Main)
Rufus Coats and Jess Smith bei Sven am 22.02.
Agnes Obel und Marléne am 01.03. im Capitol Mannheim
 

Konzerterlebnisse, die in Erinnerung geblieben sind, obwohl ich sie nur über meinen Computer erlebte:
 
Nadia Reid 24.07. The Grainstore Oamaru (NZ)
Lisa Morgenstern 27.07. United we stream @Neues Museum Berlin
Anthonie Tonnon 29.08. The Opera House Whanganui (NZ) 
Roxanne de Bastion 06.09. Moth Club London
Suzanne Vega 08.10. Blue Note New York
Svavar Knutur 24.10. sein Wohnzimmer Reykjavík (Island)
Ólafur Arnalds 13.11. Airwaves Festival Reykjavík 
Amanda Palmer 14.11. Toitoi Opera House Hawkes Bay (NZ)
Between The Lines x Erased Tapes: Anne Müller 16.11. 
David Allred 17.11. Bandcamp streaming Konzert
Zoe Keating 04.12. UVM Recital Hall, Vermont
Samantha Whates 11.12. St. Katherines London 
Árstíðir 27.12. Fríkirkjan Reykjavík 
 
Die Konzerte von Björk in Reykjavík, die für den Spätsommer geplant waren, sind inzwischen auch mehrfach verschoben und so kann ich vielleicht später in diesem Jahr berichten, wie das war. Ich muss zugeben, dass es mir wirklich glücklich gemacht hat, endlich mal "Mäuschen spielen" zu können bei Konzerten am anderen Ende der Welt. Und dass die oben aufgezählten streams zum Teil wirklich wunderbar gefilmt und in toller Qualität wett gemacht haben, dass ich nicht vor Ort sein kann. Einzig das Nick Cave Konzert war irgendwie langweilig.

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Donnerstag, 2. Januar 2020

Konzerte des Jahres 2019 von Gudrun

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In Zahlen ausgedrückt waren es 39 Klubkonzerte und 12 Konzerte im Rahmen von zwei Festivals (in Storkow und Dresden). Gemerkt haben die Leser:innen des Konzerttagebuchs davon nicht so viel, wieder sind viel zu wenige Berichten (ganze 4) im Moment fertig und veröffentlicht... 

(c) Zippo Zimmermann
Drei neue Ortsnamen (Baden-Baden, Erfurt und Ottersweier) tauchen in der Übersicht auf neben den mir lieb gewordenen. Keine echten Auslandsreisen, denn Strasbourg und Zürich kann man von Karlsruhe aus nicht zählen... Ich schätze mich besonders glücklich, dass ich eine erstaunlich lange Liste an ersehnten Konzerte erleben durfte, z.B. endlich mal wieder Wooden Peak in wunderbarer Atmosphäre, Chantal Acda mit Distance, Light and Sky an einem Lieblingsort, zweimal Olafur Arnalds an tollen Orten, wobei es in Frankfurt noch ein Sondergeschenk gab mit Lisa Morgenstern als Support. Dann Dear Reader (Duo) in Bestform ganz intim; und nach so vielen Jahren endlich wieder Soap and Skin - einfach wunderbar. 
 

Es wurde eine Einladung angenommen, die ich 2018 am Rande des Sound of Bronkow ausgesprochen hatte und das hat neben einem wunderbaren Sommerkonzertabend schon einige magische Randerlebnisse beschert und verspricht für 2020 viel Schönes.  Außerdem klappte es endlich mal wieder mit dem Alinae Lumr Festival und mir. Und das war ganz und gar herrlich mit wunderbarer Musik und wunderbaren Begegnungen. Auch das Sound of Bronkow in Dresden war wieder ganz und gar magisch. Außerdem konnte ich endlich mein Weihnachtskonzert mit Arstidir erleben - dieses Jahr in Zürich. Also ein reiches Konzertjahr.


Es war schön, einige Konzerte in Begleitung zu erleben (legendär wird wohl die Sauna im Grünen Baum in Ottersweier (OT Hatzenweier) bleiben, wo wir zu dritt hinfuhren, um dort dann noch einen aus unserem Club der Verrückten zu treffen), Sommerkonzerte mit meinen Schwestern (besonders der neuseeländische Abend mit Lydia Cole bei mir), wieder das Sound of Bronkow Musikfestival in Dresden mit lieben Freunden und drei Abenteuer-Reisen mit Gabriele nach Frankfurt, Ottersweier und Baden-Baden. Get well soon in Frankfurt und Pantéon Rococó in Karlsruhe mit meiner Tochter. Und einen überraschend in den Schoß gefallenen und rundum gelungenen Sonntag mit Trio Coucou und Micha in Karlsruhe. Das Treffen mit den lange vermissten Stuttgarter Konzertverrückten bei Amanda Palmer im Konzerthaus.
 

In Hamburg war ich leider nicht, obwohl ich Karten für die Elbphilharmonie hatte und mich sehr auf Lisa Morgenstern und Efterklang gefreut hatte. Und Berlin fehlt dieses Jahr ganz.
 

Konzertreisen 2019 (Konzerte/Anfahrten insgesamt)
Baden-Baden    1
Darmstadt    1
Dresden    7/2
Erfurt    1
Frankfurt    2/2
Karlsruhe    27
Ottersweier    1
Storkow    6/1
Strasbourg    1
Stuttgart    1
Weimar    2/1
Zürich    1




In Karlsruhe gab es 45 Wohnzimmerkonzerten, davon 6 bei mir. Eine neue herrliche Bühne wurde uns entdeckt. Wir haben ein paar tolle Sachen - zum Teil recht kurzfristig gestemmt und konnten uns dabei wunderbar aufeinander verlassen. Wir haben lieb gewordene Gäste wie Zoe Boekbinder und Pollyanna zum Teil an vier unterschiedlichen Orten in Karlsruhe veranstaltet. Mir bleiben daneben besonders Hund, Wendy McNeill und Lydia Cole in Erinnerung. Und Facteurs Chevaux im November.


Die für mich eindrücklichsten Konzerte in chronologischer Reihenfolge:

Distance, Light and Sky, 15.02. in Dresden
Olafur Arnalds und Lisa Morgenstern, 05.03. in Frankfurt
Dear Reader, 29.03. in Karlsruhe
Soap and Skin, 19.04. in Strasbourg
My Sister Grenadine, 10.05. in Darmstadt
Bergen, 08.06. in Karlsruhe
Yippie Yeah, 28.06. in Karlsruhe
Loch Lomond, 30.06. in Ottersweier
Wendy McNeill, 24.07. in Karlsruhe
Get well soon, 13.08. in Frankfurt

Kliffs, 23.08. in Storkow und 31.08. in Dresden
Alin Coen, 24.08. in Storkow
Garda, 30.08. in Dresden
Lily among Clouds, 31.08. in Dresden
Lydia Cole, 29.09. in Karlsruhe
Trio Coucou, 09.11. in Karlsruhe



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Mittwoch, 1. Januar 2020

My Year In Lists: meine Konzerte des Jahres (Christoph)

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2019 ist vorbei. Musikalisch war das Jahr deutlich besser als nicht-musikalisch.  Ich habe im vergangenen Jahr 68 Club-Konzerte und 20 komplette Festival-Auftritte gesehen (beim Maifeld-Derby und beim Indietracks). Wie immer nicht in der Wertung sind Dinge, die ich (mit-)veranstaltet habe, u.a. die acht fantastischen Bands beim Cologne Popfest (Brideshead, Night Flowers, Close Lobsters, Evripidis, The BV's, The Lodger, Comet Gain, The Primitives). 

Meine besten 15 Konzerte des Jahres 2019:

15: Tomberlin, Maifeld Derby, 15.06.19

Eines dieser Konzerte, bei dem man nichts erwartet, das auf dem Papier ganz nett klang, das dann aber umwerfend gut wurde. Sarah Beth Tomberlin spielte auf dem Parcours d'Amours und war für mich trotz der Konkurrenz der beste Auftritt beim 19er Maifeld-Derby!


14: Martha, Wiesbaden, 09.04.19


Martha habe ich 2019 dreimal gesehen. Obwohl der speziellste Moment beim Indietracks stattfand (ein Allo-Darlin'-Cover), war das erste Konzert mein bestes. Daß Martha eine grandiose Liveband sind, weiß man. Das hat sich immerhin auch bis nach Hamburg zum Grand Hotel van Cleef rumgesprochen, die das Booking für die Punk-Band aus Durham übernommen haben. Was toll ist, denn es garantiert mehr Martha in den nächsten Jahren.


13: Lingby, Köln, 21.02.19

Endlich mal wieder meine Kölner Lieblinge Lingby! Die Band hatte kurz vorher eine neue, fantastische, vor allem aber sehr persönliche Platte veröffentlicht, die den Tod eines geliebten Menschen verarbeitet. Im Artheater spielten Lingby Silver Lining live - und es war ergreifend und wunderschön. Wer die Platte noch nicht haben sollte, muß das wirklich nachholen, die gehört in jede 19er Bestenliste!

12: Bikini Kill, London, 10.06.19

Der Tag war ekelhaft verregnet und nahm uns alle Lust, vor dem Konzert irgendetwas Sinnvolles in London zu machen. Vermutlich wäre der Abend in dieser Liste deutlich weiter vorne (obwohl da noch so viel Tolles kommt), das Drumherum gehört aber bei mir leider auch immer dazu. Aber hey! Bikini Kill! Das Konzert war fantastisch und natürlich so viel mehr als ein Abhaken eines Namens auf der Legend-Watching-Liste.

11: The Spook School, Indietracks, 27.07.19


Mein letztes Spook-School-Konzert. Die Band aus Glasgow, die immer wieder auf dem Indietracks (und auch zweimal in Köln als Support) gespielt hat, hatte einige Monate vorher ihre Abschiedsrunde bekanntgegeben. Auch wenn ich zu gerne beim letzten Auftritt in Glasgow gewesen wäre, war das Konzert beim Indietracks ein würdiger Abschluß! Es gab ein eigens dafür komponiertes Lied, es gab Martha mit einem Gastauftritt, es gab Tränen und sehr viel Rührung. Und es gab all die großartigen Songs, die die vier Spookies uns hinterlassen.


10: Hutch Harris & Woog Riots, 28.09.19

Zwei Support-Bands bloß, darauf gebe ich aber nichts. Die Woog Riots sind immer wundervoll und gehören in jede Bestenliste, besonders an diesem Abend war der zweite Support Hutch Harris, der ehemalige Sänger der Thermals. Hutch spielte ein akustisches Thermals-Konzert (mit etwa 60 Liedern auf der Setlist), ergänzt durch seine Solo-Platte, die bisher nur auf CD erschienen ist. Für mich hochgradig Thermals-Süchtigen war das Konzert eine sehr gute Ersatzdroge.


09: The BV's, Indietracks, 28.07.19

Die BV's haben 2019 endlich beim Indietracks gespielt! Ein halbes Jahr vorher waren sie beim Cologne Popfest und begeisterten da das "Fachpublikum". Wenn man die Geschichte der Band kennt (Josh aus Cornwall und Fred aus Augsburg lernten sich bei Freds Auslandssemester kennen und fingen da an, gemeinsam Musik zu machen), würdigt man die brillanten Platten und Konzerte der BV's noch einmal mehr. Die BV's sind eine der Bands, die sich in den 10er Jahren am meisten in mein Herz gespielt haben.


08: Night Flowers, Ex-Vöid & Foundlings, London, 31.10.19

Noch so ein Schwung Popfest-Bands! Night Flowers spielten 2019 beim Cologne Popfest, einer unserer wichtigsten Wünsche beim Booking. In London an Halloween, am geplanten Brexit-Datum stellten Night Flowers ihr neues Album (wundervoll!) vor, es gab Kostüme, es gab einen Wahrsage-Automat, es gab Preise, es gab Fortune-Teller-Fische, es gab zwei fabelhafte Supports (Ex-Vöid und Foundlings, die beim nächsten Cologne Popfest spielen werden) und es gab unendlich viele umwerfend gute Lieder!


07: Desperate Journalist, Münster, 11.05.19

Desperate Journalist sind eine von drei Bands, die ich 2019 dreimal gesehen habe (die Blood Red Shoes und Martha sind die anderen). Daß ich DJ abgöttisch liebe, habe ich das ein oder andere Mal schon verraten, daran hat sich 2019 nichts geändert. Beim Indietracks sah ich sie leider nicht wieder, da sich Schlagzeugerin Caz verletzt hatte, dafür in Köln (co-veranstaltet) und bei einem ein wenig absurden Festival in den Niederlanden. Das beste Konzert war aber das im Gleis 22 in Münster. Desperate Journalist mit neuer (zusätzlicher) Live-Gitarristin Charley Stone (u.a. Salad) waren phänomenal gut und nutzen sich in meinem Live-Ohr keinen Deut ab!


06: Frankie Cosmos, Luxemburg, 12.10.19

Beim Indietracks hatte ich Frankie Cosmos nie gesehen (die Konkurrenz da...!), den Köln-Termin konnte ich nicht wahrnehmen, daher sah ich Frankie Cosmos in Luxemburg, in dem mir neuen tollen Club Rotondes. Frankie Cosmos sind eine fantastische Live-Band. Das Konzert war lang, das Publikum aufmerksam, das Set toll, es war ein wirklich sehr eindrucksvoller Abend! Nochmal werde ich Frankie Cosmos ganz sicher nicht verpassen!

05: The Vaselines, Aberdeen, 03.08.19 

Nach dem Indietracks (habe ich das jetzt eigentlich bei jeder Band untergebracht?) waren wir ein paar Tage in Schottland. Geplant waren in dieser Zeit Konzerte der Primitives und von Camera Obscura. Während wir unseren groben Reiseplan anpassten, da es rund um die Orkneys, zu denen wir eigentlich wollten, keine Hotels gab, und dabei auch nach Konzerten suchten, traute ich meinen Augen nicht. Die Vaselines, eine meiner großen Lieblingsbands, die aber fast nie spielt, waren für Aberdeen angekündigt. Obwohl es die Band seit den 80ern gibt und sie aus Glasgow ist, hatte sie noch nie in Aberdeen gespielt. Und obwohl sie bisher erst drei Konzerte in Deutschland gespielt haben (und davon zwei in Berlin), war es bereits mein sechstes Vaselines-Konzert. Und wie jedes war es musikalisch herausragend und dazu so unterhaltsam! Mich verbindet nicht viel mit Kurt Cobain, die gemeinsame Lieblingsband aber schon!

04: Adorable, London, 02.11.19

Als Pete Fij im März Solo-Konzerte in Deutschland spielte (ich konnte ihn in Köln und Montabaur sehen), spielte er Adorable-Lieder, machte aber mit keinem Kommentar irgendwelche Hoffnungen auf eine Reunion seiner Ex-Band. Den Gastgebern der Konzerte deutete er dagegen schon an, daß da etwas passieren werde. "Etwas" war die Korrektur des Bandendes, das alle Mitglieder als extrem unschön in Erinnerung hatten und das es neu zu schreiben galt. Also spielten Adorable in London noch einmal das letzte Konzert der Bandgeschichte, 25 Jahre nach dem letzten. Es war feierlich, wir waren im Shoegaze-Himmel. Stilvoller kann man alte Fehler nicht verbessern, well done!


03: Jetstream Pony, Indietracks (2), 28.07.19

Jetstream Pony hatte ich bei ihrem dritten Konzert überhaupt in Hamburg gesehen. Damals gab es noch kaum Lieder, es gab aber ganz viel Popkultur auf der Bühne und es gab eine Ahnung davon, wie großartig diese Band um Sängerin Beth Arzy (Aberdeen, Luxembourg Signal...) sein wird. Beim Indietracks spielten Jetstream Pony mit dem ausgeliehenen Schlagzeuger Hannes von den BV's auf der Indoor-Bühne und hatten einen extrem miesen Sound gemischt bekommen. Es war zum Verzweifeln. Das Indietracks wäre nicht das Indietracks, wenn es die Band nicht noch einmal hätte spielen lassen. Das zweite Konzert fand in der Kirche statt, klang brillant und war atemberaubend gut!


02: Ladytron, Stockholm, 31.05.19

Ladytron hatten ein bewegtes Jahr hinter sich. Die Finanzierung des neuen Albums (das toll geworden ist!) fiel mitten in die Pleite von Pledge Music, die Band musste darum kämpfen, die bereits fertigen Platten und CDs herauszubekommen. Vermutlich hatte sie daher auch kein Merch dabei, als sie in Stockholm in einem sehr hippen Club namens Kraken auftrat. Vieles an dem Abend war widrig, vor allem meine Konzertnachbarschaft, die Musik, die unendliche Coolness der Band, die Wahnsinns-Lieder ("einmal müssen wir 'Musik' abziehen") machten das aber wett. Ladytron sind leider so schwierig live zu sehen, ich würde am liebsten jedes Jahr eines ihrer Konzerte in meiner Top-5 haben!


01: Camera Obscura, Glasgow, 05.08.19

Das nächste unwahrscheinliche Comeback... Als Belle & Sebastian eine Indiepop-Kreuzfahrt ankündigten und Camera Obscura als Teil des Lineups auftauchten, war nicht klar (auch der Band nicht!), ob das Konzert einmalig sein würde. Nach dem Tod ihrer Keyboarderin hatte die Band alle Aktivitäten eingestellt. Sängerin Tracyanne hatte mir erzählt, sie könne nicht einschätzen, wie es sich anfühlen werde, wieder als Camera Obscura ohne Carey Lander auf der Bühne zu stehen. Das und die nicht schrecklich gute Livequalität meiner bisherigen CamObs-Konzerte waren keine guten Vorzeichen, wir wollten aber um nichts in der Welt eine der beiden Warm-Up-Shows vor dem Boot in Glasgow verpassen! Wir waren beim ersten, und es war atemberaubend gut! Natürlich spielte Careys-Tod eine große Rolle, die Band ging damit perfekt um. Und sie wirkte aufgeräumt, gut gelaunt, es wurde viel gelächelt. Und es war ein Best-Of einer Band, die nur Hits hat. Ich hatte mir gewünscht, ein gutes Camera-Obscura-Konzert zu sehen, ich hatte keinerlei Ahnung davon, wie gut es werden würde!


Außer Konkurrenz, weil eine komplett andere Sportart:

00: Björk, Esch-sur-Alzette, 16.11.19



Der Abend mit Björk gehört nicht in die gleiche Liga wie die Konzerte, die ich normalerweise sehe. Im Prinzip war das Konzert eine Oper, Operette oder ein Musical, wäre auch gesprochen worden und wären zwei der drei Begriffe nicht eklig besetzt. Es fing bei den Vogelstimmen an, die die Stunde vor dem Konzert beschallten, ging mit dem isländischen Chor weiter, der traditionelle Musik und Björk-Lieder sang, dann die Bühne, für diese Tour gestaltetet, die Kostüme, die Instrumente, die vielen kleinen Effekte. Im Prinzip war egal, welche Lieder Björk spielte, und genau deshalb kann man den Abend nicht mit meinen anderen Konzerten dieser Liste vergleichen.

Donnerstag, 10. Januar 2019

Konzerte des Jahres 2018- Oliver Peel

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Konzerte des Jahres 2018

Zwischen 120-150 Konzerte dürfte ich auch 2018 gesehen haben. Kein persönliches Rekordjahr, aber darum geht es mir nicht primär. Ich will die Konzerte die ich besuche geniessen und nicht ins Guiness Buch der Rekorde. Zwei bis dreimal pro Woche war ich im letzten Jahr in den kleinen und mittelgrossen Clubs in Paris zu finden, in seltenen Ausnahmen zog es mich auch mal in grössere Venues wie die neue Philharmonie, die Grande Halle de la Villette, ins Zenith oder in den Salle Pleyel. Interessanterweise waren diese Gigs dann auch besonders gut, aber das lag auch daran, dass sie handverlesen waren und von vornherein aussichtsreiche Kandidaten für die Bestenliste waren. Im Einzelnen: Maquis de Sade sind eine alte französische New Wave Band, die niemals den Bekanntheitsgrad von Indochine erreicht hat, aber enorme Klasse besitzt und im Mai ein grandioses Konzert in La Villette gegeben hat. Dominique Ané, kurz Dominique A kennt man wohl auch teilweise in Deutschland. Der inzwischen kahlköpfige Musiker ist seit Jahren einer der besten Chansoniers, dessen Musik anfänglich minimalistisch war und im Lauf der Zeit immer rockiger und atmosphärischer geworden ist. Sein Konzert in der wundervollen neuen Philharmonie war grandios und My Brightest Diamond konnte im Vorprogramm glänzen. David Byrne wiederum hat eines der am stärksten abgefeierten Konzerte überhaupt abgeliefert. (photo Eric Debarnot, merci)


Die Show im Zénith (vor etwa 6000 Leuten), die komplett ohne Mikros und sichtbare Verstärkerboxen auskam, wurde in den Himmel gelobt, nicht zu Unrecht. Interpol schliesslich traten im klassischen Konzertsaal Pleyel an und spielten vor überwiegend sitzendem Publikum. Böse Zungen behaupten, dass dies ein Zugeständnis an das inzwischen fortgeschrittene Alter der Fans war, aber musikalisch war es wieder hochstehend und auch die neuen Songs von Marauder wussten zu gefallen. Auch 2018 beglückten mich wieder Folksängerinnen mit ihren intimen Shows. Shannon Lay mit einem akustischen und betörenden Set, Tiny Ruins mit einer mehrköpfigen Band und noch unreleasten Songs im Gepäck, This Is The Kit mit einem ihrer wundervollen Sets, Marissa Nadler mit einem sinnlich-morbiden Gig, Laura Gibson mit viel Zartheit und Feingefühl und Anna Ternheim mit viel Klasse und Gereiftheit auf einem modernen Hausboot namens Flow.





Und der Rest? Viel Pop! Indiepop aus Schweden von den tollen Hater (1.Foto) Dream Pop aus Frankreich von Halo Maud (2. Foto) Glam Pop von den US Girls (3. Foto) in einer spektakulären Liveshow, Post Punk Pop von Motorama in meinem Lieblingsclub Petit Bain, britischer Folkpop von Laish am gleichen Ort, Noise Pop von Luna ebenda und French Pop von Juliette Armanet beim wohltätigen Festival Solidays. Schön auch die Wahlamerikanerin Scout Niblett wiedergesehen zu haben, die Britin spielte in Paris nie vor grösserem Publikum, 450 waren da!

P.S: Das schönste Konzert lieferten The Apartments ab. 



Ein Kultprojekt aus Australien mit dem eleganten Sänger und Songschreiber Peter Milton Walsh an der Spitze, der live in Paris von zwei Franzosen begleitet wurde. Wundervoll wie der Sonnenbrille tragende Mann intonierte, herrlich der Klang seiner zeitlos brillanten Songs. Viele hatten Tränen in den Augen. Tränen der Rührung und der Freude über soviel Authentizität und menschliche Wärme.


1 The Apartments, Petit Bain, 18.10
2 Maquis de Sade, Grande Halle de la Villette 26.05
3 Dominique A, Philharmonie de Paris, 14.04
4 Halo Maud, La Maroquinerie, 20.11
5 David Byrne, Le Zénith, 05.11
6 My Brightest Diamond, Point Ephémère
7 The Liminanas, Rock en Seine
8 Shannon Lay, Espace B, 09.03
9 Tiny Ruins, Pop-up du Label, 12.09
10 Juliette Armanet, Solidays, 23.06
11 Idles, Rock en Seine, 31.08
12 This Is The Kit, Café de la Danse, 18.04
13 US Girls, Nouveau Casino, 19.11
14 Marissa Nadler, Point Ephémère, 25.10
15 Laura Gibson, Petit Bain, 16.11
16 Luna, Petit Bain, 05.09
17 Hater, International, 06.11
18 Motorama, Petit Bain, 24.10
19 Interpol, Salle Pleyel, 29.11
20 Laish, Petit Bain, 02.05
21 Scout Niblett, Petit Bain 22.11
22 Coming Soon, La Maroquinerie, 11.10
23 The Wedding Present, Point Ephémère, 22.09
24 Anna Ternheim-Flow, 05.04
25 Josh T. Pearson à la Maroquinerie le 24.05



Mittwoch, 2. Januar 2019

Konzerte des Jahres 2018 von Gudrun

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In Zahlen ausgedrückt waren es 52 Klubkonzerte und 21 Konzerte im Rahmen von zwei Festivals (in Antwerpen und Dresden). Gemerkt haben die Leserinnen des Konzerttagebuchs davon nicht so viel, da nur 13 von 55 Berichten im Moment fertig und veröffentlicht sind... Interessant wäre auch für 2018 ein Bericht, zu welchen fest geplanten Konzerten ich nicht gehen konnte, wenngleich meine Gesundheit dieses Jahr besser mitgespielt hat. 


Ganz schön viele neue Orte tauchen in der Übersicht auf: Antwerpen, Hamburg, Landau, Leipzig, Lille, London und Petone (leider nicht Aschaffenburg, wohin ich am 10.12. wegen des Bahnstreiks nicht fahren konnte). Und tatsächlich konnte ich eine erstaunlich lange Liste an sehr lang ersehnten Konzerte erleben, z.B. Efterklang, Shara Nova, Maita (ihr Album Waterbearer war eines meiner liebsten Alben 2017), Josienne Clarke (darauf wartete ich seit 2011), Chantal Acda (seit 2014), Bobo & Herzfeld (seit 2007). Und es gab Überraschungen wie My sister grenadine, Yippie Yeah, Mark Berube und Sam Vance-Law. Also ein reiches Konzertjahr.



Es war schön, einige Konzerte in Begleitung zu erleben (vor allem im Cafe Nun in Karlsruhe aber auch in Berlin, wo ich 2x wunderbare Fotos durch die Begleitung zur Verfügung gestellt bekam, ein Sommerkonzert mit meiner Schwester, ein Konzert in Lille, das Sound of Bronkow Musikfestival in Dresden und drei Abenteuer-Reisen mit Gabriele nach Hamburg, Landau und Strasbourg). In Hamburg war ich nach einer Pause von 12 Jahren dieses Jahr gleich dreimal. Ebenso standen Konzerte in Landau schon öfter auf dem Plan und wurden nie real. Dieses Jahr hatte ich dort gleich zwei wunderbare Abende. 
 

Konkret: die Konzertreisen 2018 führten mich nach (Anfahrten/Konzerte insgesamt):
  Antwerpen (1/11), Berlin (2/4), Dresden (2/11), Hamburg (3/3), Landau (2/2), Leipzig, Lille, London (1/2), Mannheim, Petone (NZ), Strasbourg, Stuttgart (2/2), Weimar (1/1), Zürich.



In Karlsruhe habe ich an 20 Wohnzimmerkonzerten und elf anderen Konzerten (davon fünf im Nun) teilgenommen. Seit dem Mai hat sich das Geschehen in den Wohnzimmern noch einmal ganz anders sortiert. Die Gruppe der Mitveranstalter ist noch einmal größer und viel aktiver geworden und so haben wir zweimal sogar fünf Konzerte in einer Woche gehabt. Nachdem ich Mitte April mal wieder kurz davor war, alles einschlafen zu lassen, weil ich mich im vergeblichen Werben um Zuschauer emotional total verausgabt hatte, macht es so wieder viel Spaß.


Die für mich eindrücklichsten Konzerte in chronologischer Reihenfolge:

My brightest Diamond/Shara Nova, Antwerpen, 05.01.
Efterklang, Antwerpen, 06.01.
Johanna Borchert, Karlsruhe, 20.01.
Einar Stray, Hamburg, 12.02.
Maita, Karlsruhe, 19.02.
The gentle lurch, 06.03.
PicaPica, London 22.03.
Chantal Acda & Squalloscope, Karlsruhe, 04.04.
Martin Kohlstedt, Landau, 15.04.
Entertainment for the Braindead, Karlsruhe, 18.04.
Plumes, Landau, 19.04.
Lilly among clouds (Duo), Karlsruhe, 25.04.
My sista grenadine, Karlsruhe, 08.05.
Martin Kohlstedt, Leipzig, 08.06. 
Shara Nova, Hamburg, 23.08.
Yippie Yeah, Dresden, 01.09.
Mark Berube, Dresden, 02.09.
Sam Vance-Law, Dresden, 02.09.
Bobo & Herzberg, Berlin 09.09.
Tiny Ruins, Berlin, 10.09.
Daniel Kahn, Berlin, 11.09.
Garda, Karlsruhe, 27.10.
Garda, Hamburg, 19.12.

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Mittwoch, 10. Januar 2018

My Years in List- die 30 besten Konzerte (Oliver Peel)

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Leider habe ich 2017 sehr wenige Konzertberichte geschrieben und dies obwohl ich erneut viele Konzerte gesehen habe. Zwischen 150 und 200 werden es schon gewesen sein, je nachdem ob man Festivalgigs einzeln zählt oder nicht. Da fällt das Festlegen auf die "30 besten" schwierig, aber ein Versuch einer Auflistung nach Güte und persönlicher Präferenz ist dennoch unterhaltsam. Hier nun also meine Liste der Top 30 Konzerte:


01 Benefit Konzert für Erica Buettner, 17. März 2017 
mit Françoiz Breut, Clare Louise, Blondy Brownie, Castus, Le Ton Mité, Brüssel, Belgien, Centre Garcia Lorca

Für diesen Konzertabend bin ich extra spontan nach Brüssel gefahren. Die amerikanische Folksängerin Erica Buettner ist an Krebs erkrankt und da das amerikanische Gesundheitssystem ist, wie es ist, brauchte sie Spenden, um die Behandlungskosten zu bezahlen. Auf die Initiative der besten belgischen Undergroundmusiker, insbesondere Boris Gronemberger von V.O wurde kurzerhand ein Musikabend in einem alternativen belgischen Club organisiert. In künstlerischer Hinsicht war das Ganze ein Genuss. Es gaben sich ganz vorzügliche Musikerinnen und Musiker die Klinke in die Hand und man konnte sehen wie vielfältig und kreativ  die Szene in Belgiens Hauptstadt ist. Viele darunter waren keine "echten" Belgier, sondern Franzosen, die im Vergleich zu Paris günstigerem Brüssel Exil gefunden haben, wie Clare Louise, oder Françoiz Breut.


02 Peter Hook, Trianon, Paris, 28. Oktober 2017

Hooky hatte noch am Nachmittag in einem Plattenladen Autogramme geschrieben, um sein neues Buch "Substance" zu vermarkten und am Abend spielte er dann jenes Album in Gänze. Erster Teil New Order, zweiter Teil Joy Division, beide Teile gleich grandios. Fast drei Stunden baden in Nostalgie. Unfassbar gut!


03 Nick Cave, Le Zénith, Paris, 04. Oktober 2017

Weltweit schwärmte man zurecht in höchsten Tönen von den umwerfenden Konzerten von Nick Cave und seinen Bad Seeds. Zwar war es jeden Abend das exakt gleiche Programm und selbst höchst improvisiert aussehende Passagen waren genauestens einstudiert, dennoch bestachen die Shows durch eine unglaubliche musikalische und emotionale Wucht. Auch ich war begeistert und sah die Show gleich zweimal hintereinander.


04 Fleet Foxes, Trianon, Paris, 20. November 2017

Wer hatte nach der langen Pause eigentlich noch die Fleet Foxes auf der Rechnung? Ich gebe zu, dass ich selbst vorher skeptisch war, wurde aber eines Besseren belehrt. Nie spielten die Fleet Foxes so dynamisch und freudvoll auf, nie zuvor war Robin Pecknold so entspannt und gut gelaunt. Ein Wahnsinnskonzert mit betörend schönen Harmoniegsängen und unzähligen Folkhits.


05 The Shins, Green Man Festival, Wales, 18. August, 2017
Wer hatte eigentlich noch die Shins auf der Rechnung? Die waren doch vor 10 Jahren in, aber inzwischen doch recht out, oder ? Auf in oder out sei geschissen, die Festivalautritte der Band von James Mercer waren der helle Wahnsinn, bei denen vor allem die alten Hits fantastisch klangen. Und seine neue Band war viel fetziger als die träge alte Truppe, die damals mit ihm auf der Bühne stand.


06: Lift To Experience, Green Man Festival, Wales, 18. August 2017

Postrock aus Texas mit dem Countrysänger Josh T. Pearson an der Spitze. Lift To Experience, die sich schon seit Mitte 2000 zurückgezogen hatten, gaben eines ihrer seltenen Konzerte um den Rerelase von "The Texas Jerusalem Crossroads" (2001) zu feiern. Ein richtiges Comeback war es dennoch nicht, weil aller Bandmitglieder ausser Josh inzwischen andere Berufe ergriffen haben und nichts mehr mit dem Musikbusiness zu tun haben. Ich wähnte mich glücklich, diese energiegeladene, packende Vorstellung miterlebt zu haben.


07: Pixies, Lollapalooza Festival, Paris, 23. Juli 2017

Die Pixies werden auch nicht jünger und in letzter Zeit diskutierte man mehr über die Bassistinnen der Pixies als über ihre Musik. Dabei ist diese nach wie vor sensationell gut. Gerade die alten Sachen von den Kultalben kamen sehr gut rüber, Frank Black war in Topform und das Publikum begeistert. Selbst diejenigen, die den Pixies eigentlich ansonsten oft mässige Konzerte attestierten, fanden diesen Festivalauftritt zu recht hervorragend.


08: Motorama, Le Garage, Paris, 26. Juni 2017

Meine Lieblingsband aus Russland spielte einen gewohnten wilden und ultrarasanten Gig in einem undergrundigen Garagenclub und ich tanzte mir mal wieder die Seele aus dem Leib. Die Russen hatten allerdings Pech, ihr Tourbus war kurz zuvor aufgeknackt worden, der Schaden war hoch. Dennoch gaben sie alles. Toll.


09 Albin de la Simone, Paul B, Massy bei Paris 19. Dezember 2017
Albin de la Simone ist ein sehr feingeistiger Chansonier. Seine Lieder sind melancholisch und witzig zugleich, er verbindet Traurigkeit mit Ironie und Humor. Das Konzert war fast komplett akustisch und dauerte um die 2 Stunden. Absolut wundervoll was uns vor den Toren von Paris in diesem schönen Saal geboten wurde.


10 La Féline, La Boule Noire, Paris, 29. November 2017

In England wird La Féline gerade von der Musikkritik in höchsten Tönen gelobt, ihr Album erhielt bei Uncut 9/10 Punkten und bei Mojo 4 von 5 Sternen. Agnès wie La Féline bürgerlich heisst, wird aber in der Tat immer besser. Sie hat Ausstrahlung, Charme und Grips, ihr Frenchpop Tiefgang. Famoses Konzert, das von ihren Fans gefeiert wurde. Und ihre Gruppe spielte auch ausgezeichnet.


11 Juliette Armanet, 26. November 2017, La Cigale, Paris

French Pop ist gerade wieder total angesagt in Frankreich und Juliette Armanet steht zurecht an der Spitze dieses Nouvelle Chanson Revivals. Was für eine Performerin !


12 Future Islands, Green Man Festival, Wales, 18. August 2017

Was für ein Performer dieser Samuel T.Herring! Und wie der tanzt! Das Konzert der Amerikaner Future Islands bei diesem Festival in Wales war absolut umwerfend.


13: The Wedding Present, Petit Bain, Paris, 8. November 2017

Die Weddos feierten 30 Jahre George Best und die Songs dieses Kultalbums klangen immer noch spitze.


14 Slowdive, Rock en Seine Festival, Paris, 27. August 2017

Slowdive spielten in der Abendstunde auf einer relativ kleinen Bühne, euphorisierten aber alle mit ihrem atmosphärischen Dreampop.


15 Peter Perrett, Le Point Ephémère, Paris, 14. November 2017

Der alte Peter ist besser drauf als vor 10 Jahren, das bestätigten alle. Der Sänger der britischen Kultformation The Only Ones bestach mit einem feinen Gig mitsamt seiner Söhne in der Begleitband.


16 The Bats, Petit Bain, Paris, 10. Juni 2017

Die kultigen Neuseeländer hatten ihr aktuelles Album im Gepäck und spielten quasi alles davon + alte Schönheiten. Sehr charmant.


17 Bernard Laviliers, Olympia, Paris, 3. Dezember 2017

Laviliers gilt in Frankreich als Varietée Française, sprich Mainstream, aber wer sich auf diese Etiketten verlässt, verpasst einen grossartigen Musiker und Entertainer, der besonders live Spitzenklasse ist. Seine Begleitband war sehr erlesen, seine tiefe Stimme klang super und am Ende kletterte er sogar auf den Balkon und sang direkt neben mir!


18 Alice et Moi et Uto, Pop-up, 27. April 2017

Die junge Französin Alice macht fast kariös zu nennenden Pop. Dabei legt sie immer eine solche Spielfreude an den Tag, das es schwer ist, ihr zu widerstehen. Auch toll: die an Björk erinnernde Vorband Uto.


19 Einstürzende Neubauten, La Villette, Paris, 28. Mai 2017

Wahnsinn, endlich habe ich mal die Neubauten gesehen! Die deutsche Kultband spielt eigentlich relativ regelmässig in Frankreich und hat hier auch so manche Fans, aber ich hatte sie bis dato immer verpasst.


20 Kate Tempest, Haldern Pop Festival, 12. August 2017

Die Wut und die Wucht mit der die Britin rappte war beeindruckend.


21 Sleaford Mods, Rock en Seine, 26. August 2017

Die beiden Working Class Heroes von Sleaoford Mods sind live brillant und höchst unterhaltsam. Der Sänger schreit sich die Kehle aus dem Leib, der Keyboarder säuft wippenderweise Bier. Hatte sie kurz zuvor auch schon in Wales gesehen. Beide Konzerte höchst cool.


22 PJ Harvey Rock en Seine, 26. August 2017

Polly Jean und ihre Band waren toll wie immer, allerdings war die Show auch wie immer. Hat man einen ihrer Tourneeauftritte gesehen, hat man alle gesehen.


23 Interpol, Trianon, 5 September 2017

Paul Banks hatte Stimmprobleme, ansonsten wäre diese Jubiläumstour für das erste Album "Turn On The Bright Lights" sicherlich in den Top 10 gelandet, bei dem Songmaterial...


24 Superbravo, La Marbrerie, Montreuil bei Paris, 14. September 2017

Nochmal Frenchpop, diesmal mit Superbravo, einem Trio (2 Frauen, ein Mann) welches von der ehemaligen Holden Sängerin Armelle Pioline angeführt wird. Das ist feinster Dreampop mit subtilen Arrangements und guten Texten, der die Leute in der undergroundigen Mabrerie im Pariser Vorort Montreuil beglückte.


25 Fishbach, La Cigale, Paris 14. März 2017

Die junge Flora Fischbach ist DIE Senkrechtstartern der neuen französischen Chansonszene und ihr an Rita Mitsuko erinnernder New Wave Pop begeisterte die altehrwürdige Cigale.


26 Spoon, La Maroquinerie, Paris, 5. Juli 2017

Spoon sind live eine Bank, kommen aber viel zu selten auch Europa. Das Konzert fand an einem der heissesten Tage statt, drinnen herrschten sicherlich auch 40 Grad, aber die Band um Britt Daniel mit seiner Reibeisenstimme zog ihr Programm trotzdem voll durch.

 

27 The National, Le 104, Paris, 22. Juni 2017

Noch heisser als der 5. Juli war der 22. Juni in Paris. 38 Grad Celsius! Drinnen ging es aber einigermassen, bei diesem Testgig um die neuen, zu dem Zeitpunkt noch unveröffentlichten Lieder zu testen. Ein sogenannter Warm Up Gig, fast intim und wunderschön.

 

28 Julie Byrne, Pop-up du Label, Paris, 31. Mai 2017

Julie Byrne ist eine der betörendsten Folksängerinnen zur Zeit. Sanft, sanfter, Julie Byrne. Das war mehr ein Hauchen als ein Singen. Zum Niederknien.


29 Aldous Harding, Haldern Pop Festival, 11. August 2017

Viele rätselten hinterher wie die unzähligen Grimassen von Aldous Harding während ihres Auftrittes zu deuten waren. Ein Spleen, schräger Humor oder unverfälschter Ausdruck erlebter Gefühle?Wie auch immer, das Songmaterial war so stark, dass man unter dem Strich ein richtig gutes Konzert attestieren konnte.


 

30 Frontier Ruckus, Le Pop In, Paris 31.März 2017

Eine ganz feine Folkrockband, diese Frontier Rucks, aus Michigan. Sie spielten in einem kleinen Clubkeller, legten sich aber ins Zeug, als würden sie in einem grossen Saal vor Tausenden auftreten. Ich liebe sie.


Fünf andere Konzerte, die es auch verdient gehabt hätten, in dieser Liste zu landen

  • The Divine Comedy, Folies Bergère, Paris, 24. Januar 2017
  • The Frank and Walters, Petit Bain, Paris 15. Dezember 2017
  • Gareth Dickson und House Of Wolves, Mains d'oeuvres, Saint Oben bei Paris, 22. Februar 2017
  • Raoul Vignal und Seabuckthorn, Trois Baudets, Paris 3. Mai 2017
  • Agnes Obel, La Philharmonie, Paris, 14. Mai 2017


Montag, 1. Januar 2018

Konzerte des Jahres 2017 von Gudrun

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Im Rückblick auf das Jahr 2017 liegen meine Erinnerungen diesmal in beeindruckender Bandbreite vor: Von "voll Scheiße" bis "himmelhoch jauchzend". Mehrfach hat mir meine sehr beharrliche Kränklichkeit bzw. die Absage von Tourneen durch die Künstler Konzerte aus dem Kalender gestrichen, auf die ich mich ganz arg gefreut hatte, weil ich zum Teil schon jahrelang darauf gewartet hatte. In dieser Ballung und unter der eigenen wackligen Gesundheit hat mich das über lange Zeitabschnitte sehr niedergeschlagen gemacht. 
 

Andererseits habe ich schon im Februar einen Traum erfüllt bekommen: Lisa Morgenstern im Wohnzimmer... Später Lieblinge in Karlsruhe wie Plumes und Zoë Boekbinder zu deren Anfragen ich nur "ja" zu sagen brauchte. Und ein paar der so lang und mit viel Herzblut geplanten Reisen wurden auch Realität, z.B. das Konzert von Moddi in Frankfurt (Spezialdank an Simon), Zoë Keating in Nürnberg und Martin Kohlstedt in Weimar. Nicht zu vergessen mein Weihnachtsgeschenk von Gabriele und Kai mit dem Einar Stray Trio in Karlsruhe.


Auch die Zahlen zeigen das Konzertjahr 2017 als geizig: Es waren diesmal nur 73 Konzerte (23 auf Festivals). Und von den 50 fälligen Berichten fehlen dieses Jahr noch ganze 20. Da reichte die Kraft einfach nicht. Für mich unübliche Schwerpunktorte und Highlights für Konzerte waren dieses Jahr Nürnberg, Berlin und München.


Fest eingeplant und zugleich Festivalhöhepunkt war das Sound of Bronkow in Dresden. Endlich habe ich es wieder zum Burning Eagle auf den Listhof bei Reutlingen geschafft, wenn auch nur für einen Tag. Auch beim Melodica Festival im Kölner Weltempfänger Hostel habe ich einen sehr intensiven Tag erleben dürfen.


In Karlsruhe hat sich das Verhältnis von fremd- zu eigenorganisierten Abenden noch einmal drastisch verschoben. Nur  acht mal war ich auf Shows, wo ich nicht meine Hände drin hatte, aber zwölf mal war ich Gastgeberin und 17 mal haben Freunde ihre Wohnzimmer für meine Künstler bereitet (wovon ich jedoch acht (!) Shows verpassen musste). Mit der Wiedereröffnung von Café Nun und der Kellerhalle könnte das aber 2018 wieder anders werden...


In alphabetischer Ordnung der Konzertorte sieht die Reisestatistik wie folgt aus (Anfahrten/Konzertzahl insgesamt):
     Adorf, Berlin (2/5), Darmstadt, Dresden (2/13),  Frankfurt (Main),  Köln (1/6), Mannheim, München (2/4), Nürnberg (2/2),  Reutlingen (1/5), Stuttgart (2/2), Weimar.

Für die Bestenliste bevorzuge ich eine chronologische Reihung, weil die Abende dann doch zu verschieden sind:

11.02. Lisa Morgenstern, Scala Adorf
16.03. Emily Millard, Tempel Karlsruhe
29.03. Moddi, Kirche Frankfurt
10.04. Mauno, Hauskonzerte München
04.08. SONAA, Burning Eagle Reutlingen
31.08. Plumes, Karlsruhe
02.09. Hope, Sound of Bronkow in Dresden
21.09. Zoë Keating, Nürnberg
19.10. French for Rabbits, Hoffarttheater in Darmstadt
02.11. Spark, HfM Karlsruhe
08.11. Zoë Boekbinder, Karlsruhe
20.11. Schmieds Puls, KOHI Karlsruhe
22.11. Martin Kohlstedt, DNT Weimar
29.11. She Owl, Karlsruhe
02.12. Einar Stray, Karlsruhe
 
Aus unserem Archiv:
Gudruns Konzerte und Platten der Jahre 2011-2016

Dienstag, 3. Januar 2017

Konzerte des Jahres 2016 von Gudrun

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Im Rückblick auf das Jahr 2016 ist manches wie gehabt und manches hat sich verändert. Geblieben ist, dass ich mich reich beschenkt fühle und vielen Menschen sehr dankbar. Und dass sich wieder neue Freunde am Rande der Musik fanden. Immerhin geht das jetzt schon bald sechs Jahre mit mir und dem Konzerttagebuch - wow!
 

Aber auch in Zahlen läßt sich das immerhin zum Teil nachvollziehen: Es waren schließlich 114 Konzerte - davon 44 (!) auf Festivals. Das mir, die Festivals nicht mag und schon gar keine Festivals, wo man sich entscheiden soll. Insofern ist vielleicht die größte Überraschung für mich, wie sehr mir das Airwaves gefallen hat und mit wie vielen ganz unvergleichlichen Eindrücken ich wiedergekommen bin aus dem nordischen November.


Fest eingeplanter Festivalhöhepunkt war ja eigentlich das Sound of Bronkow (war es seit 2011 jedes Jahr) dicht gefolgt von meiner neuen Liebe (erste Wiederholung) - dem alinae lumr in Storkow. Und endlich habe ich es einmal zum Melodica Festival in Köln geschafft (ich weiß, das war überfällig!). Ein ganz besonderes Erlebnis "dazwischen" Bobo in Eberswalde.


In Karlsruhe hat sich das Verhältnis von fremd- zu eigenorganisierten Abenden noch einmal drastisch verschoben. Nur  18 mal war ich auf Shows, wo ich nicht meine Hände drin hatte, aber 17 mal war ich Gastgeberin und 15 mal haben Freunde ihre Wohnzimmer für meine Künstler bereitet (wovon ich drei Shows verpassen musste). Darunter extrem denkwürdige Abende wie das 100. Konzert bei uns mit Dark Rooms. Zweimal ist es mir gelungen, Lieblinge erfolgreich herbei zu locken. Die besondere Freude des Jahres 2016 war es, dass sich zuverlässige Partnerinnen fanden und so das Verhältnis der weitergegebenen Konzerte nun fast 1:1 zu meinem eigenen Beitrag ist.
 
(c) Claudia
Nach Stuttgart bin ich diesmal nur einmal nicht in Claudias Wohnzimmer gefahren... Und selbst in Mannheim war es eine private Einladung.

In alphabetischer Ordnung sieht die Statistik so aus:
(Anfahrten/Konzertzahl insgesamt)

Adorf, Darmstadt, Dresden (1/9), Eberswalde, Esslingen, Frankfurt (Main) (2/2), Köln (3/7), Leipzig, Ludwigsburg, Mannheim, Oxford (1/3), Pforzheim, Reutlingen (1/3), Reykjavík (1/22), Storkow (1/6), Stuttgart (6/6), Wiesbaden.
 


In der Bestenliste mag ich nicht gern eine Reihenfolge aufstellen, weil es Äpfel mit Birnen vergleichen hieße. Deshalb in chronologischer Reihenfolge:

Johanna Borchert, Karlsruhe, 22.01.16
Entertainment For The Braindead, Karlsruhe, 10.03.16 
Birdeatsbaby, Karlsruhe, 09.04.16
Afenginn, Wiesbaden, 22.04.16
Troy von Balthazar, Darmstadt, 15.05.16
Nadia Reid, Karlsruhe, 16.05.16
Einar Stray, Frankfurt, 02.06.16
Kristin McClement, Karlsruhe, 04.06.16
Song conversation, Ludwigsburg, 19.06.16 
Garda, Reutlingen, 29.07.16
Einar Stray, Storkow, 26.08.16
Pascal Pinon, Storkow, 27.08.16 
Kristoffer Bolander, Stuttgart, 20.09.16
Sorry Gilberto, Karlsruhe, 10.10.16
Dota, Karlsruhe, 14.10.16 
Pétur Ben, Reykjavík, 02.11.16
JFDR, Reykjavík, 03.11.16
This is the kit, Reykjavík, 03.11.16
Mugison & Árstíðir, Reykjavík, 04.11.16
Björk, Reykjavík, 05.11.16 
Dark Rooms, Karlsruhe, 09.11.16
Jherek Bischoff, Köln, 03.12.16
Gabby Young, Karlsruhe, 09.12.16

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Gudruns Konzerte und Platten der Jahre 2011-2015


Montag, 2. Januar 2017

My Year in Lists- die 30 besten Konzerte 2016 (Oliver Peel)

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My Year in Lists- die 30 besten Konzerte 2016 (Oliver Peel)

Schon wieder haben wir ein Jahr hinter uns, aber bevor es mit neuen Konzerten und Berichten weitergeht, gilt es noch einmal auf die besten Konzerte des vergangenen Jahres zurückzublicken. Bei wie vielen Gigs ich 2016 dabei war, habe ich nicht genau nachgezählt, aber es dürften zwischen 120 und 150 gewesen sein, so dass eine Platzierung unter den besten 30 bereits für eine überdurchschnittliche Darbietung spricht. Es sollte allerdings klar sein, dass man ein solches Ranking nicht zu ernst nehmen darf und man im Grunde genommen spätestens ab Platz 10 auf eine Durchnumerierung hätte verzichten können.

30: Chassol, Innenhof des Musée Picasso, Paris, September 2016
29: Minor Victories, Haldern Pop Festival am Niederrhein, August 2016
28: Air, We Love Green Festival, Vincennes am Rande von Paris, Mai 2016
27: Beach House, Casino de Paris, Paris, Juni 2016
26: Generation X (ou autre chose) mit Michel Cloup Duo, Perio, Bruit Noir, Françoiz Breut, Petit Bain
25: José Gonzalez, Cigale, Paris, Januar 2016
24: Cléa Vincent, Divan du Monde, Paris, Festival Les Femmes s'en Mêlent, April 2016
23: Cass McCombs, Le Point Ephémère, Paris,
22: Amber Arcades, Haldern Pop Bar, Haldern Festival, August 2016
21: Damien Jurado, Divan du Monde, Paris, April 2016


20: Martha Rose, Le Motel, Paris, Dezember 2016,

Hach was war das ein herrlich frisches, unbeschwertes und charmantes Konzert der jungen Britin, die in Berlin lebt und ihr ersten Longplayer Spit über ein Stuttgarter Label herausgebracht hat!

19: Marissa Nadler, FGO-Barbara, Paris, Juni 2016

Faszinierend düster, anheimelnd melancholisch und sehr sinnlich, so habe ich das Konzert der gothisch angehauchten Folkeuse aus Boston in Erinnerung behalten. Und das neue Album ist auch dufte. Schade bloss, dass sie im Dezember nicht mehr nach Frankreich kam, sondern nur in Deutschland und Luxemburg spielte.

18: Emily Jane White, Le Klub, Paris, Mai 2016: 


Auch das neue Album We Moved In Shadows All Together der Kalifornierin EJW ist überaus gelungen und das Konzert im urigen Gewölbekeller des Le Klub in Paris war berührend und vollgepackt mit himmlischen Balladen an Piano und akustischer Gitarre. Später im Jahr hatte ich sogar das enorme Glück Emily Jane White bei einem Wohnzimmerkonzert zu sehen! Das war sensationell!

17: Angel Olsen, La Gaité Lyrique, November 2016

Angel ist inzwischen eindeutig unter die Indierockerinnen gegangen, sie erinnert live immer mehr an PJ Harvey in ihrer rockig grungigen Frühphase. Bei soviel explosiver Energie und Lautstärke ist das anmutige Folkelement in den Hintergrund getreten, aber überdurchschnittlich gut war dieses Konzert in der modernen Gaité Lyrique dennoch. Nur die himmelblauen Anzüge der Begleitband von Olsen wirkten etwas irritierend auf mich.

16: Scout Niblett, King Georg, Köln, April 2016


Emma Niblett akustisch und solo in einem ehemaligen Kölner Bordell, das hatte was! Zwar vermisste man ab und zu das ansonsten immer so brachiale Schlagzeug, aber durch den reduzierten und leisen Vortrag wurde alles noch wesentlich intimer und persönlicher. Da herrschte fast Wohnzimmeratmosphäre, denn Scout spielte mit einer Art Nachthemd bekleidet in der Mitte der Venue und die Leute standen ganz dicht an ihr dran.

15: Weyes Blood, Espace B, Paris, November 2016


Noch so eine Musikerin, die man sowohl dem Folk als auch dem Indierock zuordnen kann. Im Gegensatz zu Scout in Köln, spielte Natalie Mering mit einer mehrköpfigen Herrenband und zelebrierte mit naturreiner Folkstimme die Kleinode ihres neuen Albums Front Row Seat To Earth. Man merkte, dass die Dame auf dem aufsteigenden Ast ist, die Venue war sehr gut gefüllt und viele Leute aus der Indiemusikszene waren da. Weyes Blood dürfte demnächst noch wesentlich bekannter werden, sie steht kurz vor einem richtigen Durchbruch.

14: Divine Comedy, La Maroquinerie, Paris, September 2016


Verdammt heiss und stickig war es an jenem Abend in der extrem vollen Maroquinerie in Paris, aber den Gig von Neil und Divine Comedy durfte man einfach nicht verpassen. Wer die neuen Stücke nicht so mochte, konnte sich an etlichen alten Klassikern erfeuen (Absent Friends, Lady Of A Certain Age, We Fly So High)  und mit Lisa Hannigan als Supportact hatte man das Konzertprogramm noch zusätzlich aufgewertet, ihre zarten Folksongs waren überaus betörend.

13: Other Lives, Cabaret Sauvage, Paris, Februar 2016

Ambiente wie im Haldener Spiegel Tent, denn das Zelt im Cabaret Sauvage ist definitiv vom gleichen Hersteller! Jesse Tabish und seine Band zelebrierten schwülen, oppulent arrangierten Wild West Folkrock und begeisterten mit ihren zahlreichen starken Nummern wie Tamer Animals oder Reconfiguration.

12: Stranded Horse und Arlt, Le 104, Paris, Februar 2016

Yann Tambour nennt sich als Musiker Stranded Horse und zusammen mit dem jungen afrikanischen Coraspieler Boubacar Cissikho komponiert er wundervolle Musik, die keine kulturellen Grenzen kennt. Das Konzert im modernen 104 war ein absolutes Highlight, selten sieht man Musiker mit soviel Leidenschaft zu Werke gehen und die total ausflippte französische Band Arlt (Eloise Decazes, Sing Sing) spielte vorher eines ihrer abgefahrenen Konzerte voller Theatralik, Spleen und Poesie.

11: Loney Dear, Haldern Pop Festival, August 2016

Emil Svanängen alias Loney Dear in Haldern, Mann was war das schön! Der Schwede spielte am Niederrhein gleich zweimal, einmal in der schönen Dorfkirche und am nächsten Tag auf der Hautptbühne im Wald. Die neuen Songs wie z.B. Hull gingen auf Anhieb runter wie Öl und Halderns liebstes Kind bezauberte wieder einmal mit seiner unnachahmlichen Mischung aus Melancholie und Lebensfreude.

10: Motorama, La Maroquinerie, Paris, November 2016

Die neuen Songs von Dialogues bestanden recht mühelos den ersten Livetest, obwohl sie eine Spur weniger rockig und dafür einen Hauch dreampoppiger und elektronischer sind als die alten Titel. Die russische Band macht live immer Spass, allein schon wegen des exzentrischen Tanzstils des mit Grabesstimme gesegneten Sängers Vlad Parshin.

9 Baptiste Walker Hamon, La Maroquinerie, Paris, Dezember

Baptiste ist eine Art französischer Cowboy, der Texas, die USA und Townes Van Zandt verehrt und auf seinem ersten Longplayer "L'Insouciance" Folkikonen wie Bonny Prince Billy und Caitlin Rose für herzerwärmende Duette gewinnen konnte. In der Pariser Maroquinerie waren diese amerikanischen Stars nicht dabei, dafür aber viele in Frankreich teilweise sehr bekannte Gastmusiker wie Mathieu Malzieu (Dionysos) oder Renan Luce.

8 Von PJ Harvey, We Love Green Festival, Vincennes am Rande von Paris, Mai 2016

Von PJ Harvey hat in diesem Jahr irgendwie jeder extrem geschwärmt und auch ich konnte mich der Wucht und szenischen Brillanz von Polly Jean und ihrer Band nicht entziehen. Der Bühnenauftritt mit Trommeln, Saxofon und Gitarren hatte fast was von der Urgewalt einer Militärkappelle! Eine gute Mischung aus Stücken von Hope Six Demolition Project und Let England Shake (plus ein paar alte Klassiker) sorgten beim verregneten Festival We Love Green für Begeisterung und nicht wenige nannten die Britin hinterher Queen. Die verschlammten Schuhe mussten wir dennoch selbst saubermachen, als gemeines Fussvolk hatten wir im Matsch gestanden, während die Königin auf der trockenen Bühne abgerockt und abgejazzt hatte.

7 The Cure, Accor Hotels Arena (Bercy), November 2016


The Cure waren wieder einmal spitze, aber wie sollte es auch anders sein? Zwar gab es wie immer ein paar Nörgler, die hinterher dem beliebten Hobby "Verreissen- von-bekannten-Bands" fröhnten, aber das etwa 3stündige Set zeigte die Truppe von Robert Smith noch einmal in ihrer ganzen new wavigen Brillanz und Einzigartigkeit.

6: Neil Young, Accor Hotels Arena (Bercy), Paris, Juni 2016

Auch Neil Young spielte in Bercy und der alte Haudegen liess es sich selbst in einem Stadion wie der Accor Hotels Arena  nicht nehmen, ein paar legendäre Stücke (After The Goldrush, Heart Of Gold, The Needle And The Damage Done) solo und akustisch darzubieten. In einem Jahr in dem andere Helden wie David Bowie oder Leonard Cohen von uns gingen, war es schön mit anzusehen, dass Neil noch recht viel Feuer und Spielfreude besass, wenngleich auch er nicht jünger wird und trotz des Namens definitiv nicht forever Young ist.

05: Brian  Wilson, La Salle Pleyel, Paris Oktober 2016

Im Vergleich zu Neil Young ist Brian Wilson deutlich vom Leben gezeichnet, aber das wussten eigentlich die meisten die sich Karten für diesen Gig des Beach Boys Musikers gekauft hatten vorher. So störten sich denn auch nur wenige an der fast authistischen Art und der Gebrechlichkeit des begnadeten Musikers, der schon in seinen jungen Jahren von Dämonen heimgesucht wurde. Fast unbeweglich sass er hinter seinem Piano und am Anfang fragte ich mich sogar ob er live sang. Im Laufe der tollen Show, die das Kultalbum Pet Sounds in den Vordergund stellte, erkannte ich aber, dass es kein Playback war. Seine vielköpfige Begleitband (darunter Beach Boys Gründungsmitglied Al Jardine) war brillant, die Chorgesänge wundervoll und die zahlreichen Hits in der Schlussphase (Good Vibrations, Help Me Ronda, Get Around) rissen alle von den Sitzen.

04: Troy von Balthazar, Öttinger Villa, Darmstadt, Mai 2016


Troy hatte ich kurz vor dem Darmstädter Gig bereits live in Paris gesehen, aber die intime Show in der prachtvollen Öttinger Villa gefiel mir noch eine Spur besser als der Gig im Supersonic. Das Publikum in der hessischen Stadt war vorbildlich leise und aufmerksam, die neuen Stücke von Knights of Something ungemein melancholisch und fast schon brutal nahegehend. Wieder einmal fragte ich mich warum Troy von Balthazar nicht auf den grossen Bühnen dieser Welt spielt. Sein Talent ist aussergewöhnlich, seine Lieder total bewegend und an Charisma ist der smarte Mann aus Hawaii kaum zu überbieten. Der  Abend war auch deswegen super, weil ich ihn mit meinen Bloggerfreunden Christoph und Gudrun teilen durfte.

3: O, La Maroquinerie, Paris, März 2016


Hinter dem Pseudonym O versteckt sich der extrem fleissige Pariser Musiker Olivier Marguerit, der es schon als Mitglied der famosen Band Syd Matters in der Vergangenheit in diese Topliste geschafft hatte. Inzwischen wandelt der Multiinstrumentalist auf Solopfaden, singt auf französisch, hat aber den neopyschedelischen Stil von Syd Matters beibehalten. Das Konzert in der Maroquinerie war atmosphärisch dicht, mit hochkarätigen Liedern gespickt und das Publikum honorierte die Leistung von Olivier und seinen Musikern mit viel Zuneigung und langem Applaus.

2: Luna, Petit Bain, Paris, Oktober 2016


Dean Wareham ist ein ganz Grosser der letzten 30 Jahre, auch wenn ihm ein Mainstreamerfolg bisher verwehrt wurde. Zusammen mit seiner Frau Britta Philipps und seiner Band zog er aber bei dieser Comebackshow dennoch gut 400 Menschen an und quasi jeder war hinterher total begeistert. Luna hatten ihr Album Penthouse zum Besten gegeben, im Zugabenteil aber auch andere famose Stücke wie das Joy Division/New Order Cover Ceremony oder Malibu Love Nest.

1: Chameleons Vox, Bus Palladium, Paris, April 2016

Jahrelang hatte ich zwischen 2005 und 2013 auf youtube Livevideos der britischen Chamelons angesehen und immer wieder bedauert, diese wohl nie on stage zu erleben. Vor ein paar Jahren tauchte deren Sänger und Mastermind Mark Burgess aber wieder aus der Versenkung auf und seitdem bin ich jedes Mal dabei wenn der Mann aus Manchester mit seiner neu zusammengestellten Gruppe alte New Wave Hits wie Monkeyland oder Second Skin spielt. Das Konzert im Bus Palladium war auch deshalb genial, weil der Sound so exquisit war und die Band messerscharf und punktgenau aufspielte. Da klang einfach jede Gitarrenmelodie, jede Basslinie und jeder Schlagzeughieb unfassbar gut! Ein Orgasmus für meine alten Waverohren!

Post Punk never dies und Mark wird auch 2017 wieder touren.



 

Konzerttagebuch © 2010

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