Dienstag, 21. Oktober 2014

A Forest, Weltecho Chemnitz, 15.10.14

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Konzert: A Forest
Ort: Weltecho, Chemnitz
Datum: 15.10.2014
Dauer: 90 min
Zuschauer: ca. 50


Fabian und Arpen waren vor ziemlich genau einem Jahr als Me & Oceans bei mir Wohnzimmer und gaben damals ein - das Wort drückt es aus - intimes Konzert. Im Nachhall habe ich die beiden über die gängigen Medien verfolgt und besonders aufmerksam das Wachsen des Waldes beobachtet. Während dieser Zeit entstand das neue Album "Grace" und A Forest als Bandname. Fabian und Arpen holten sich mit Friedemann Pruß einen erfahrenen Schlagzeuger in die Band und ins Studio. Im September hielt ich dann das neue Album "Grace" in den Händen. Musikalisch klingen A Forest für mich offener und mehr als Band im Vergleich zu Me & Oceans. Und so freute ich mich riesig auf den Abend im Weltecho.



Mehr als 50 Zuschauer füllen den Saal. Gespannt schaue ich schon auf die Bühne, bevor das Konzert überhaupt beginnt. Vier Birken säumen den Spiel-Platz bestückt mit Lampen - passend zum Konzept des Waldes und der Idee, die Fabian und Arpen seit Jahresbeginn damit verfolgen.
Das anderthalbstündige Set beginnt fragil mit Arpens feinem Spiel an den Tasten und Fabians sehr wandelbarer - und in diesem Song - zerbrechlich wirkender Stimme. Und dann startet der treibende Teil des Abends mit "My Kite II". Der Titel wie so einige andere auch zeigt die musikalische Richtung von A Forest: Fabians unverwechselbarer Gesang und liebevoll, manchmal erst mit dem zweiten Ohr wahrnehmbare, hinskizzierte Arrangements. Herrlich natürlich Fabians Bewegungsdrang, den er uns auch gleich zu Beginn ankündigt und erklärt. Wie überhaupt die Zwischensequenzen herzerfrischend improvisiert werden, unter anderem die Geschichte über Arpens Nebentätigkeit und die vielen Patente, die er dadurch hält.




Arpen und Fabian spielen im Zentrum der Bühne, die beiden haben ganz oft Augenkontakt und hegen und pflegen ihre Songs gleichsam. Sie ziehen sich gegenseitig weiter durch die Welt von Flagboy, dem Hauptcharakter des Albums. Friedemann Pruß spielt dazu gemischtes Schlagzeug - analog und digital und bringt damit die harte Realität in den Wald. Er kann aber genauso weich spielen, dass man das Becken unter dem extra dafür drapierten Tuch kaum hört. Der Abend war mir ein Fest für die Augen und Ohren: wegen der lauten und leisen Töne, wegen der dunklen Atmosphäre und dem Licht im Wald, wegen der innigen Gesten der Band und den witzigen Geschichten, wegen gemeinsamer Erinnerungen und dem Wissen, dass hier Menschen mit einem ganz eigenen Konzept auf einem interessanten Weg sind. 




Setlist:
1. Picture
2. My Kite II
3. The man that plants the trees
4. Parcours
5. A square
6. Flagboy
7. How long
8. A mountain
9. Surfaces
10. A listener
11. Swan
12. The shepherd

13. Light (Z)

Die nächsten Konzerte:

17.10.2014 MÜNCHEN milla
22.10.2014 DARMSTADT schlosskeller
23.10.2014 HANNOVER fährhaus
24.10.2014 ROSTOCK jaz
25.10.2014 HAMBURG kleiner donner

Webseite A Forest



Les concerts de la semaine à Paris du 20 au 26 octobre 2014

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Les concerts de la semaine à Paris du 20 au 26 octobre 2014


Semaine chargée en bons concerts, mais que vous cite quand même le show de Gareth Dickson comme concert que j'attends avec la plus grand impatience. Cet écossais fais une musique planante à couper le souffle et joue aussi dans le groupe de la cultissime Vashti Bunyan. Il ne faut pas le rater ce soir, 21. octobre à L'International à côté du très bon Vin Blanc/White Wine !

20.10.2014: The Antlers et Marika Hackman, Café de la Danse
20.10.2014: Elvis Costello, Olympia 
20.10.2014: Sebastien Tellier, Casino de Paris
20.10.2014: Fear Of Men, Point Ephémère 
20.10.2014: Erland & The Carnival, Samantha Crain et John Steel Singers, La Flèche d'or
21.10.2014: Timber Timbre, Bataclan
21.10.2014: Bright Light Bright Light et Beth Hirsch, Le Pop In
21.10.2014: Sebastien Schuller, Pan Piper
21.10.2014: Olöf Arnalds et Alice Lewis, Point Ephémère
21.10.2014: Nils Petter Molvaer, Café de la Danse 
21.10.2014: Peaking Lights et Jaako Eino Kalevi, La Machine du Moulin Rouge
21.10.2014: Ty Segall, La Cigale, complet
21.10.2014: The Rodeo, le Motel, Paris, EP Release Party
21.10.2014: Gareth Dickson et Vin Blanc, International
22.10.2014: Strand Of Oaks, Espace B
22.10.2014: Alma Forrer et Chevalrex, Les Nautes 
22.10.2014: Princesse au Café Charbon, gratuit
23.10.2014: Kishi Bashi, Le Point Ephémère 
23.10.2014: Moziimo, Café Charbon
23.10.2014: More Thank Folk Festival avec White Notes, Lehna et plein d'autres, Mad Boat et Mad Garden
23.10.2014: We Are Scientists, La Flèche d'or
23.10.2014: Black Lips, La Cigale
23.10.2014: Allyson Ezell et d'autres, OPA, 6 Euro
23.10.2014: Walter's Carabine, Olympic Café
23.10.2014: Tahiti 80, Le Motel 
23.10.2014: Traditional Monsters et François Virot, L'age d'or
23.10.2014: Shabazz Palaces, Batofar
23.10.2014: Patti Smith et John Cale, Fondation Cartier, en vente le 15/10 à 10 h 
24.10.2014: Trésors, Blind Digital Citizen, 104 
24.10.2014: La Luz, Point Ephémère 
24.10.2014: More Than Folk Festival avec Mad'zelle, Jessie Andra Smith, August And After et d'autres, Mad Boat et Mad Garden
24.10.2014: Karen Lano, Le Divan Du Monde
24.10.2014: Raymonde Howard et Benjamin Fincher, International
24.10.2014: The Mantles et Ela Stiles, Espace B
25.10.2014: Kele, La Gaité Lyrique
25.10.2014: Seahorse Hunter, Le Moulin à Café, 8, rue Sainte Léonie, 75014 Paris
26.10.2014: My Brightest Diamond, Badaboum 
26.10.2014: Craft Spells et Pale Spectres, Espace B


Enno Bunger, Montabaur, 20.10.14

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Konzert: Enno Bunger
Ort: Ursulas und Dirks Wohnzimmer in Montabaur
Datum: 20.10.2014
Dauer: fast 100 min
Zuschauer: ca. 35



Wie gut es doch ist, Freunde mit ausgezeichnetem Musikgeschmack zu haben. Mir brachte das heute eine Einladung zu einem Wohnzimmerkonzert mit Enno Bunger ein. Ich hatte zwar schon viel über die Auftritte des Ostfriesen gelesen, bisher hatte ich den Sänger aber nicht gesehen. Da Freude mit gutem Musikgeschmack für mich die Funktion einer kulturellen Stiftung Warentest (vor Ritter Sport) übernehmen, war kein großes Risiko dabei, die Einladung anzunehmen. Dillon, die am gleichen Abend in Darmstadt spielte, kann ich immer wieder sehen, ein Enno-Bunger-Konzert in Montabaur ist vermutlich seltener.

Mehr als 30 Zuschauer waren diesmal in Ursula und Dirks Wohnzimmer gekommen. Enno Bunger hatte vor ein paar Wochen solche Auftrittsorte gesucht, um eine kleine Privatkonzert-Tour durch Deutschland zu machen. Das Wohnzimmer in Montabaur liegt verkehrsgünstig und hatte mit bereits drei Auftritten toller Künstler auch bereits seine Konzerttauglichkeit bewiesen, sodaß Enno Ursula und Dirk eine Zusage machte. 

Als ich ankam, war bereits aufgebaut - und wie! Das Equipment, die professionellen Lampen, die vielen Instrumente (und der Tourbus) sahen so aus, als hätte zur Not auch die örtliche Stadthalle bespielt werden können. "Beim Soundcheck war es sehr laut, heute kommt sicher die Polizei", berichteten die Gastgeber. 

Enno Bunger wird auf seiner Tour von Onno Dreier, der aus der gleichen Stadt in Ostfriesland stammt, begleitet. Onno, der nicht nur einen prima passenden Vornamen hat ergänzte den Sänger während des achtzigminütigen Konzerts auch ganz wunderbar. Er spielte Gitarre, sang und bediente ein elektronisches und ein echtes, abgespecktes Schlagzeug. Außerdem spielte er eine Art Mittendrin-Vorgruppe, als er in der Mitte des Konzerts ein eigenes Lied, das er unter dem Namen Projektor veröffentlicht hat, spielte. "Welches Stück spielst Du, Onno?" - "Es gibt doch nur eines!" Auch die kurzen Gespräche zwischen den beiden waren herrlich. Das Element of Crime Cover Bitte bleib bei mir kündigte Enno als Stück einer Band an, die sie beide sehr mögen würden. "Magst Du die überhaupt, Onno?" - "Ich muß mal gucken, muß mir das Lied mal anhören." Pass auf dich auf, das Enno bei Inas (feuchtfröhlicher) Nacht gespielt hatte, mochte Onno. Auch das hatte der Gitarrist aber erst während des Spiels festgestellt. Enno hatte das angekündigt, indem er behauptete, er habe Pass auf dich auf für Onno geschrieben. "Welches hast du für mich geschrieben?" - "Pass auf dich auf" - "Das mag ich nicht" Als das Lied vorbei war, klatschte Onno: "ich mag das doch!"

Enno hatte uns vor dem ersten Lied gewarnt, er schreibe nur traurige Lieder. Als Hochzeits- und Wohnzimmermusiker sei er also nur bedingt geeignet. Ich war schon bei deutlich traurigeren Hochzeiten!


Enno spielte Lieder seiner bisherigen Platten und drei (denke ich) neue Stücke. Er arbeitet gerade ein einigen Songs gleichzeitig, die wenigsten seien fertig. Für eine neue Platte sammele er noch Ideen. Die drei neuen passten wundervoll zum Rest, wobei Irgendwann (das ist ein vorläufiger Titel, den Enno langweilig und Onno toll fand) sehr fröhlich war und vom Spiegelzelt in Haldern, einem Flausenleger und einem Hund in einem Bällebad handelte. 

Nach 80 Minuten beendeten die beiden das Konzert, kündigten aber bereits Zugaben an. Die erste davon war "der Hit" laut Enno, Regen, ein sehr persönliches Lied, das Gloria (die Band von Mark Tavassol und Klaas Heufer-Umlauf) ohne Ennos Wissen gecovert hatten. Der noch größere Hit war aber das neue Scheitern anschließend, dessen Ende enorm schmissig war und das für mich eines der besten (unter vielen sehr guten) Lieder des Abends war.

Als es dann eigentlich schon vorbei war, spielten Enno und Onno noch unverstärkt und mit Akkordeon Ich möchte noch bleiben, die Nacht ist noch jung. Schöner kann man ein Wohnzimmerkonzert sicher nicht beenden!

Ich sollte häufiger auf meine Freunde mit dem guten Musikgeschmack hören, dann hätte ich auch Enno Bunger schon viel früher einmal live gesehen. Aber er kommt im November auf Tour, da kann ich nachholen.

Setlist Enno Bunger, Wohnzimmerkonzert, Montabaur:

01: Abspann
02: Leeres Boot
03: Ein Astronaut
04: Blockaden
05: Die Flucht
06: Am Ende des Tunnels (neu)
07: Pass auf dich auf
08: Bear in the woods (Projektor)
09: Bitte bleib bei mir (Element of Crime Cover)
10: Herzschlag
11: Irgendwann (?) (neu)
12: Roter Faden

13: Regen (Z)
14: Scheitern (neu) (Z)

15: Ich möchte noch bleiben, die Nacht ist noch jung (Z)


Links:

- aus unserem Archiv 
- Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14
- Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14
- Enno Bunger, Frankfurt, 11.11.13
- Enno Bunger, Mannheim, 31.05.13
- Enno Bunger, Offenbach, 09.05.13
- Enno Bunger, Stuttgart, 19.03.13
- Enno Bunger, Karlsruhe, 31.01.13
- Enno Bunger, Darmstadt, 27.01.13






Esben and the Witch, Köln, 19.10.14

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Konzert: Esben and the Witch (& coctail twins)
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 19.10.2014
Dauer: Esben and the Witch 65 min, coctail twins 33 min
Zuschauer: 140



Vor anderthalb Jahren spielten Esben and the Witch zum letzten Mal im Gebäude 9. Einige Freunde von mir waren da und schwärmten hinterher vom düsteren Auftritt der Briten. Ich hatte die Band zwar 2011 schon einmal im Gebäude gesehen, da hatten sie mich aber noch nicht richtig überzeugt. Trotzdem hatte mir mein Bauchgefühl im vergangenen Winter gesagt, ich solle gefälligst zu Esben and the Witch gehen, dummerweise hatte ich dies aber ignoriert und mich stattdessen für alt-j im E-Werk entschieden. Spätestens als ich im Mai 2013 Esben and the Witch in Luxemburg gesehen habe, war mir dieser Fehler bewußt.


Also war das Ticket für dieses Mal schnell gekauft. Daß dies eine gute Entscheidung war, war nicht erst am Abend selbst klar. Denn einige Tage vorher wurden die wundervollen coctail twins aus Köln als Support bekanntgegeben, ein "Doublefeature" nach meinem Geschmack!


Die coctail twins sind eine neue Band von Leuten mit Musik-Erfahrung. Daß es durchaus sinnvoll sein kann, nicht schon als Teenager seine Band zu gründen, zeigen die ausgefeilten Songs der Kölner. Sometimes the waves oder Rooms made of dust oder auch Waiting for the birds (Dreamed) sind große Knüller, die mich bei meinen beiden ersten Konzerten der coctail twins in diesem Jahr schon begeistert hatten. Aber eben auch das (offenbar neue) Stück Western horizon, bei dem Bassist Mike auf einer Pauke trommelte, war irre gut. Ich vermute, daß es auf der am 21.11. erscheinenden zweiten EP (Below Zero) veröffentlicht werden wird. Also auch der Nachschub taugt enorm viel! Als Außenstehender kann man ja nie einschätzen, wie lange die ersten Songs einer neuen Band gereift sind. Die echte Hürde sind dann die Stücke, die danach erscheinen. Wenn die das Niveau halten, ist die Gruppe gut. Western horizon war ein so großer Hit, daß es keine besonders verwegene Vorhersage ist, daß die neue EP toll wird!


Meine beiden ersten coctail twins Konzerte fanden im Tsunami (erstes Konzert überhaupt) und im Rahmen der c/o pop in einem Sneakerladen statt. Ich hatte beide Male nichts von der Band gesehen und auch eingeschränkten Sound. Diesmal war es hervorragend. Den coctail twins stand die große Bühne im Gebäude 9 ausgezeichnet, den Liedern tat der aber vor allem der gute Sound gut.


Ein sehr klug gewählter Support für Esben and the Witch, den ich mir aber auch mit einer miesen Hauptgruppe begeistert angesehen hätte!

Setlist coctail twins, Gebäude 9, Köln:

01: Big nothing
02: Perfume well
03: Sometimes the waves
04: Waiting for the birds (Dreamed)
05: Rooms made of dust
06: Western horizon
07: Ice machine


Esben and the Witch haben im September ihr drittes Album (A new nature) veröffentlicht, das in Zusammenarbeit mit Steve Albini entstanden ist. Mir fiel beim ersten (von wenigen)* Hören auf, daß die Platte noch um einiges düsterer klingt als die Vorgänger. Zehn, vierzehn Minuten lange Lieder mit krachenden Gitarren-Parts. Ob das Albinis Handschrift ist, kann ich nicht beurteilen, es entfernt die Band aber von jeder Gefahr, sich dem Indie-Mainstream anzubiedern.


Nach dreißig Minuten Konzert hatte das Trio vier Lieder des neuen Albums gespielt. Eine Viertelstunde später, mit The jungle einen fünften Titel von A new nature. Danach verließen die drei Musiker aus Brighton die Bühne, um ein paar Augenblicke später wiederzukommen und "some old songs now" anzukündigen. Der Stil änderte sich, die Düsterkeit blieb. 

Diese kurze best-of in den Zugaben war brillant. Ich habe auch die alten Platten der Band zu lange nicht gehört. Es stellt sich dann bei mir immer dieses "das gibt's ja auch noch" Gefühl ein. 

Das Konzert war kurz aber hervorragend! Die Düsternis, die langen krachenden Instrumentalpassagen des ersten Konzertteils, bei dem ich das Gefühl hatte, die Band spielte die fünf Lieder am liebsten am Stück ohne Pausen (wie sie es mit Dig your fingers in und No dog taten). Es war - Journalistenfloskel - ungemein intensiv und packend. Die Zugaben erledigten den Rest. 

Setlist Esben and the Witch, Gebäude 9, Köln:

01: Press heavenwards
02: Dig your fingers in
03: No dog
04: Blood teachings
05: The jungle

06: Marching song (Z)
07: The fall of Glorieta Mountain (Z)
08: Smashed to pieces in the still of the night (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Esben & The Witch, Esch-sur-Alzette, 08.05.13
- Esben & The Witch, Lörrach, 02.03.13
- Esben & The Witch, Paris, 21.02.11
- Esben & The Witch, Köln, 13.02.11
- coctail twins, Köln, 23.08.14
- coctail twins, Köln, 23.03.14


* in den letzten Wochen höre ich abwechslend die Vaselines und Allo Darlin', andere haben es dagegen extrem schwer.


Freitag, 17. Oktober 2014

Moonface, Wetzlar, 16.10.14

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Konzert: Moonface
Ort: Franzis, Wetzlar
Datum: 17.10.2014
Dauer: 72 min
Zuschauer: 25



Seit ein paar Wochen fegen durch Facebook Listen der zehn persönlich wichtigsten Platten. Ich wurde auch um meine Liste gebeten und schrieb spontan die zehn Alben auf, die in meinem Leben wohl am wichtigsten waren. So etwas muß man ohne Nachdenken machen. Platten sind schließlich gute Freunde und ständige Begleiter und meist länger haltbar als Beziehungen. Trotzdem habe ich mich hinterher geärgert, daß mit Ideal (Ideal) und Bossanova (Pixies)* zwei entscheidende Alben fehlten. Wenn es um die zehn Lieblingsplatten der letzten zehn Jahre gegangen wäre, wäre Dragonslayer von Sunset Rubdown auf dem Treppchen gewesen. Ewig lange hat mich keine Platte mehr so fasziniert, obwohl Dragonslayer wie alles von Sunset Rubdown auch guten Gewissens als nerviger Kunstmist, Rockoper oder Musical durchgehen könnte, alles Sachen, die ich nicht ausstehen kann. Auch die Solo-Lieder von Spencer Krug erinnern häufig an Operetten-Musik, vieles könnte dem 80er-Jahre Schach-Musical Chess entsprungen sein. Chess hätte übrigens 1984 vermutlich noch in meine Top 10 gehört, so schließt sich der Kreis.

Wie komme ich auf solch einen ekligen Vergleich? Die verschachtelten Melodien, die wilden Brüche in den Liedern legen das nahe. Zehnminütige Stücke, die immer wieder Melodie, Rhythmus und Takt** ändern, bekommt man ja eher im Operetten- als im Indie-Kompositions-Kurs der örtlichen VHS beigebracht. Natürlich ist aber nichts an der Musik des Kanadiers eklig! Dann klingt eben Everyone is Noah, everyone is the Ark eben nach Rockoper! Aber nach einer, in die ich sofort reingehen würde. Und wenn Lloyd-Webber den gleich guten Geschmack wie Spencer Krug hätte, hieße diese Seite jetzt ganz sicher Musical-Tagebuch!

Ich hatte Moonface, das Solo-Projekt des Kanadiers erst einmal gesehen, im Februar in der Wohngemeinschaft in Köln. Daß Sunset Rubdown nicht mehr zu existieren scheinen, ist bitter, Spencers Solo-Show kompensierte aber vieles dieses Verlustes. Also fiel mir die Entscheidung gegen die heute gleichzeitig in der Wohngemeinschaft spielende Gemma Ray nicht schwer. Stattdessen stand ich um kurz nach acht im Franzis in Wetzlar, einem kleinen Club, der bereits zum vierten Mal ein Konzert mit Spencers Beteiligung veranstaltete (Sunset Rubdown hatte ich dort gesehen). Leider kamen nach mir nicht mehr furchtbar viele, das Konzert fand vor 25 Zuschauern statt; Donnerstagabend in Wetzlar eben. 

Der Kanadier, der eine Weile in Helsinki gelebt hat (irgendwas mit Liebe), setzte sich um 20.45 h auf seinen Klavierhocker oder richtiger auf zwei dicken Kissen, die auf ihm lagen. Das sei wir bei der Prinzessin auf der Erbse. Er sei die Prizessin. "I'm a small guy." Musikalisch nicht. 

Beim ersten Lied - The fog von der aktuellen EP City wrecker - knisterte seine Stimme stark. Der mitreisende Soundmann (mit finnischem Vornamen) tauschte das Kabel, aber auch bei Black is back in style gab es die Probleme. Erst nachdem er einen neuen Stecker ausprobierte, war das Knistern weg und der Sound brillant. Eine erstaunlich gute Anlage scheint der kleine Club zu haben.

"I'll do what I just did for a long time." Wir sollten ruhig zwischendurch mal rausgehen, weil es dafür, daß wir nur einem einzelnen Typen mit einem Instrument zugucken würden, sehr lange dauern werde. Auch wenn er damit recht hatte und ich musikalisch wenig überrascht wurde, weil ich die Lieder kannte und die meisten bereits live (incl. der beiden Kissen) gesehen hatte, war es nicht die Spur langweilig. Selbst bei den Liedern, die ohne große Spencer-Krug-Momente auskamen, etwa Fast Peter von Organ music not vibraphone like I'd hoped (eine "cheesy love ballad"), gab es genug zu sehen, obwohl da nur ein Mann am Klavier saß. Spencers rechte Hand kippte immer noch mit, wenn sie nichts zu tun hatte. so als diene sie als Metronom oder Taktstock. Überhaupt ist es spektakulär, den Händen des Musikers zu folgen. Bei First violin war eine Hand ganz sicher ein Ersatzmetronom. Am Ende von City wrecker spielte die rechte Hand einen einzelnen Ton wieder und wieder, währenddie linke nach dem Glas unter dem Klavier griff. Der Einzelton mündete dann übergangslos im nächsten Lied. Und das ist einer der typischen Spencer-Krug-Momente. Obwohl die meisten Stücke ansich schon verschachtelt sind, spielt er immer wieder zwei ineinander übergehend. Rockoper.

Ein anderer war am Ende von Your chariot awaits. Der Anfang des Lieds ist nicht sehr aufregend. Dann kommt ein erster deutlicher Bruch vor der Zeile "and everything is always worse", der das Stück aber noch nicht viel aufregender macht. Etwas später ("your hand is your wand") kommt der Bruch zum hymnischen Ende. Und da wird das Lied ein Knüller und wurde es auch beim Konzert!

Andere Knüller waren Noah, das Barbarian Doppel (Barbarian und Barbarian II) oder Love the house you're in. Und natürlich Julia with blue jeans on. Auch beim zweiten Mal war ein Abend mit Spencer Krug, einem Klavier und zwei Kissen ein Knüller!

Sollten Facebook und ich irgendwann nach den zehn wichtigsten Musikern in meinem Leben gefragt werden, neben Morrissey, Bernard Sumner oder Katie Sketch wird ganz sicher auch Spencer Krug auftauchen.

Setlist Moonface, Franzis, Wetzlar:

01: The fog
02: Black is back in style
03: Love the house you're in
04: Barbarian
05: Barbarian II
06: Fast Peter
07: November 2011
08: First violin
09: Everyone is Noah, everyone is the Ark
10: Your chariot awaits
11: City wrecker
12: Julia with blue jeans on

13: Helsinki winter 2013 (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Moonface, Köln, 04.02.14



 

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