Mittwoch, 22. Oktober 2014

Elvis Costello, Stuttgart, 14.10.2014

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Konzert: Elvis Costello
Ort: Theaterhaus am Pragsattel, Stuttgart
Datum: 14.10.2014
Dauer: etwa 150 Minuten
Zuschauer: vielleicht 1000


Alle Fotos: © Katja Charlotte Rohr

Möchte man den Einfluss und Stellenwert, den Elvis Costello innehat, realistisch einschätzen, lohnt sich ein Blick nach Übersee. Denn in Kanada und den Vereinigten Staaten ist der 60-jährige Brite ein echter Star, der in großen Hallen auftritt, mit anderen Größen auf der Bühne steht und der seine prominenten Freunde in die eigene Late-Night-Show „Spectacle: Elvis Costello with...“ eingeladen hat: Neben Bruce Springsteen, U2, Lou Reed oder den kurzzeitig wiedervereinten The Police war auch Ex-Präsident Bill Clinton zu Gast. In Deutschland ist Costello obschon ein Kritikerliebling mit einer Schar ergebener Fans gewiss kein Name des Mainstreams. Folglich kann es da wenig überraschen, dass Auftritte hierzulande Seltenheitswert genießen. Umso erstaunlicher erschien die Ankündigung von gleich sieben Solokonzerten im Herbst, deren letztes den Singer-Songwriter zum ersten Mal überhaupt nach Stuttgart führen sollte. Ort des Geschehens ist dann zwangsläufig nicht Liederhalle, Porsche-Arena oder gar die seelenlose Schleyer-Halle, sondern das geschmackvolle Theaterhaus. 


Kurz vor Konzertbeginn ist der große, bestuhlte Saal T1 dann auch zu einem Großteil gefüllt, sodass um die 1000 Zuschauer Zeuge eines zweieinhalbstündigen Marathon-Konzerts werden. Zeit Luft zu holen nimmt sich Costello nach der begeisternden Eröffnung mit „The Delivery Man“, dem Titelsong seines überaus soliden 2004er Albums, selten. Gleich geht es weiter mit einem Klassiker: Dem vortrefflichen „(The Angels Wanna Wear My) Red Shoes“ vom zeitlosen Debüt mit den Attractions 1977. Costello schlägt die Akkorde seiner akustischen Gitarre hart an. Der Blick der Zuschauer fällt auf seine roten(!) Cowboystiefel, die in Kombination mit weißem Hut, Jackett, Weste, gemustertem Hemd und - natürlich - der bekannten Hornbrille dem stilvollen Storyteller mit hohem lyrischem Anspruch gerecht werden. Damals zwar gerne dem Punk zugerechnet, waren die intellektuellen Ansätze ähnlich wie bei David Byrne dem Genre längst entwachsen. Stattdessen schrieb er ebenso wie der New Yorker zeitlose Songs, wobei Costello immer die schöneren Lieder gelangen, während die Alben der Talking Heads besser waren. 


Dass es ihm in Stuttgart trotz phasenweiser Brillanz wiederum nicht gelingt, eine durchweg unterhaltsame Werkschau aufzuführen, enttäuscht ein wenig. Unsterbliche Popsongs wie „Veronica“ sorgen für tolle Momente, doch fehlt dem Meister der Schutz der Band. So kann er manchmal dem eigenen Werk nicht gerecht werden, was bitter erscheint und umso deutlicher wird, je kräftiger Costello mit gedrückter Stimme singt. Immer wieder versöhnen jedoch seine unheimliche Präsenz, sein immenses Charisma mit diesen Längen und mediokren Momenten. „America Without Tears“ gelingt besonders und das wunderschöne „Everyday I Write The Book“ spielt er heute in einer fantastischen Version, die die ursprüngliche Studioaufnahme locker in den Schatten stellt. 


Es sind die ruhigen Augenblicke, die glänzen; weil der Wahl-Kanadier dann die Stimme nicht so drückt, weil er den Fokus auf den Inhalt lenkt und er als Texter ein Gigant ist: Es gibt quasi keinen Song aus seiner Feder, der es nicht rechtfertigt zitiert zu werden. Die Eröffnung von „Either Side of the Same Town“ zum Beispiel mit den subtilen Trennungsversen „Nothing will ever be the same / All of the promises we made, they seem hollow / But there are still streets in this town / Marked with your shadow“ ist gleichermaßen rührend wie unprätentiös. Zurückhaltend ist auch das Bühnenbild; da gibt es eine „On Air“-Lampe, in Anspielung an seine eingestellte Fernsehsendung, und ein leuchtendes „Detour“, das durchaus symbolisch für lange Touren gelesen werden kann, aber auch als Motto für einen Abend ohne vorherbestimmtes Set. Costello springt von Song zu Song, hangelt sich durch seinen langen Katalog und wechselt zwischen seinen zahlreichen Gitarren. 


„Watching the Detectives“, einst gefeierte Ska-Nummer des The-Specials-Produzenten, wird heute mit jeder Menge Feedbacks und Loops als peitschendes Stück Dub-Punk interpretiert. Regelrecht ungestüm kommt das bezaubernde „Shabby Doll“ daher, eine Art Solo wird angedeutet, dann geht der Song in „Here I Am (Come and Take Me)“ über, um wieder mit den bekannten Versen zu enden. Das macht dann richtig Spaß, ebenso wie das für „Lost on the River: The New Basement Tapes“ aufgenommene „Married to the Hack“. Die von T-Bone Burnett produzierte, im November erscheinende Kompilation, vereint neuvertonte Bob-Dylan-Manuskripte. Es lässt einen kurz andächtig innehalten, bedenkt man das einer der begnadetsten Poeten des Pop einen Text des größten Songwriters überhaupt veredelt. Aber Costello hat bekanntlich immer ein Händchen für fantastische Kollaborationen gehabt – von Chet Baker über die Rettung Paul McCartneys Alben in dessen schwächster Phase bis hin zu Aufnahmen mit Burt Bacharach – und so kann nach dem wunderbaren „She“, bekannt aus dem „Notting Hill“-Soundtrack, eine weitere Frucht künstlerischer Zusammenarbeit besonders punkten: „April 5th“, geschrieben mit Kris Kristofferson, Rosanne Cash und John Leventhal, beschließt das reguläre Set mit countryesken Klängen, die klar zeigen, wie stark sich der musikalische Fokus des Elvis Costello seit den 80ern verschoben hat. 


Als Costello sich für die erste Zugabe am Klavier niederlässt, das erschütternde „Shipbuilding“ spielt, schließt sich der Kreis. Der für den Soft-Machine-Kopf Robert Wyatt geschriebene Anti-Kriegssong knüpft an Costellos englische Anfänge an. Der weitere „New Basement Tapes“-Beitrag „Matthew Met Mary“ führt den mit der Jazz-Sängerin Diana Krall verheirateten Sänger musikalisch zurück in nordamerikanische Gefilde. Es ist die Live-Premiere eines weiteren vertonten Dylan-Texts. 

Trotz interessanter Ansätze kann das alles aber nicht über deutliche Längen und mediokre Phasen hinwegtäuschen. Am Ende sind es dann „In the Meantimes“ und natürlich das unsterbliche „Alison“ zum Schluss des zweiten von drei Zugabenblocks, die versöhnlich stimmen. Als Costello schließlich für sein ikonisches „(What's So Funny 'Bout) Peace, Love and Understanding“-Cover erstmals an diesem Abend zur E-Gitarre greift, das Publikum nach Vorne bittet und als Protestsänger aufersteht, wird das Konzert sogar noch einmal richtig gut und zeigt dabei, dass die Punkwurzeln zum Glück nicht gänzlich gekappt wurden.


Setlist Elvis Costello, Stuttgart:

01: The Delivery Man 
02: (The Angels Wanna Wear My) Red Shoes 
03: Either Side Of The Same Town 
04: I Hope You're Happy Now 
05: Veronica 
06: American Without Tears 
07: Ascension Day 
08: Married To My Hack 
09: Country Darkness 
10: My New Haunt 
11: Everyday I Write The Book 
12: Walkin' My Baby Back Home 
13: Ghost Train 
14: Shabby Doll (inkl. Here I Am (Come And Take Me)) 
15: She 
16: Watching The Detectives 
17: April 5th 

18: Shipbuilding (Z)
19: Shot With His Own Gun (Z)
20: Matthew Met Mary (Z) 

21: Come The Meantimes (Z) 
22: Lost On The River No. 12 (Z)
23: Oliver's Army (Z)
24: Alison (Z) 

25: Jimmie Standing In The Rain (Z) 
26: (What's So Funny 'Bout) Peace, Love And Understanding? (Z)


Dienstag, 21. Oktober 2014

A Forest, Weltecho Chemnitz, 15.10.14

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Konzert: A Forest
Ort: Weltecho, Chemnitz
Datum: 15.10.2014
Dauer: 90 min
Zuschauer: ca. 50


Fabian und Arpen waren vor ziemlich genau einem Jahr als Me & Oceans bei mir Wohnzimmer und gaben damals ein - das Wort drückt es aus - intimes Konzert. Im Nachhall habe ich die beiden über die gängigen Medien verfolgt und besonders aufmerksam das Wachsen des Waldes beobachtet. Während dieser Zeit entstand das neue Album "Grace" und A Forest als Bandname. Fabian und Arpen holten sich mit Friedemann Pruß einen erfahrenen Schlagzeuger in die Band und ins Studio. Im September hielt ich dann das neue Album "Grace" in den Händen. Musikalisch klingen A Forest für mich offener und mehr als Band im Vergleich zu Me & Oceans. Und so freute ich mich riesig auf den Abend im Weltecho.



Mehr als 50 Zuschauer füllen den Saal. Gespannt schaue ich schon auf die Bühne, bevor das Konzert überhaupt beginnt. Vier Birken säumen den Spiel-Platz bestückt mit Lampen - passend zum Konzept des Waldes und der Idee, die Fabian und Arpen seit Jahresbeginn damit verfolgen.
Das anderthalbstündige Set beginnt fragil mit Arpens feinem Spiel an den Tasten und Fabians sehr wandelbarer - und in diesem Song - zerbrechlich wirkender Stimme. Und dann startet der treibende Teil des Abends mit "My Kite II". Der Titel wie so einige andere auch zeigt die musikalische Richtung von A Forest: Fabians unverwechselbarer Gesang und liebevoll, manchmal erst mit dem zweiten Ohr wahrnehmbare, hinskizzierte Arrangements. Herrlich natürlich Fabians Bewegungsdrang, den er uns auch gleich zu Beginn ankündigt und erklärt. Wie überhaupt die Zwischensequenzen herzerfrischend improvisiert werden, unter anderem die Geschichte über Arpens Nebentätigkeit und die vielen Patente, die er dadurch hält.




Arpen und Fabian spielen im Zentrum der Bühne, die beiden haben ganz oft Augenkontakt und hegen und pflegen ihre Songs gleichsam. Sie ziehen sich gegenseitig weiter durch die Welt von Flagboy, dem Hauptcharakter des Albums. Friedemann Pruß spielt dazu gemischtes Schlagzeug - analog und digital und bringt damit die harte Realität in den Wald. Er kann aber genauso weich spielen, dass man das Becken unter dem extra dafür drapierten Tuch kaum hört. Der Abend war mir ein Fest für die Augen und Ohren: wegen der lauten und leisen Töne, wegen der dunklen Atmosphäre und dem Licht im Wald, wegen der innigen Gesten der Band und den witzigen Geschichten, wegen gemeinsamer Erinnerungen und dem Wissen, dass hier Menschen mit einem ganz eigenen Konzept auf einem interessanten Weg sind. 




Setlist:
1. Picture
2. My Kite II
3. The man that plants the trees
4. Parcours
5. A square
6. Flagboy
7. How long
8. A mountain
9. Surfaces
10. A listener
11. Swan
12. The shepherd

13. Light (Z)

Die nächsten Konzerte:

17.10.2014 MÜNCHEN milla
22.10.2014 DARMSTADT schlosskeller
23.10.2014 HANNOVER fährhaus
24.10.2014 ROSTOCK jaz
25.10.2014 HAMBURG kleiner donner

Webseite A Forest



Les concerts de la semaine à Paris du 20 au 26 octobre 2014

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Les concerts de la semaine à Paris du 20 au 26 octobre 2014


Semaine chargée en bons concerts, mais que vous cite quand même le show de Gareth Dickson comme concert que j'attends avec la plus grand impatience. Cet écossais fais une musique planante à couper le souffle et joue aussi dans le groupe de la cultissime Vashti Bunyan. Il ne faut pas le rater ce soir, 21. octobre à L'International à côté du très bon Vin Blanc/White Wine !

20.10.2014: The Antlers et Marika Hackman, Café de la Danse
20.10.2014: Elvis Costello, Olympia 
20.10.2014: Sebastien Tellier, Casino de Paris
20.10.2014: Fear Of Men, Point Ephémère 
20.10.2014: Erland & The Carnival, Samantha Crain et John Steel Singers, La Flèche d'or
21.10.2014: Timber Timbre, Bataclan
21.10.2014: Bright Light Bright Light et Beth Hirsch, Le Pop In
21.10.2014: Sebastien Schuller, Pan Piper
21.10.2014: Olöf Arnalds et Alice Lewis, Point Ephémère
21.10.2014: Nils Petter Molvaer, Café de la Danse 
21.10.2014: Peaking Lights et Jaako Eino Kalevi, La Machine du Moulin Rouge
21.10.2014: Ty Segall, La Cigale, complet
21.10.2014: The Rodeo, le Motel, Paris, EP Release Party
21.10.2014: Gareth Dickson et Vin Blanc, International
22.10.2014: Strand Of Oaks, Espace B
22.10.2014: Alma Forrer et Chevalrex, Les Nautes 
22.10.2014: Princesse au Café Charbon, gratuit
23.10.2014: Kishi Bashi, Le Point Ephémère 
23.10.2014: Moziimo, Café Charbon
23.10.2014: More Thank Folk Festival avec White Notes, Lehna et plein d'autres, Mad Boat et Mad Garden
23.10.2014: We Are Scientists, La Flèche d'or
23.10.2014: Black Lips, La Cigale
23.10.2014: Allyson Ezell et d'autres, OPA, 6 Euro
23.10.2014: Walter's Carabine, Olympic Café
23.10.2014: Tahiti 80, Le Motel 
23.10.2014: Traditional Monsters et François Virot, L'age d'or
23.10.2014: Shabazz Palaces, Batofar
23.10.2014: Patti Smith et John Cale, Fondation Cartier, en vente le 15/10 à 10 h 
24.10.2014: Trésors, Blind Digital Citizen, 104 
24.10.2014: La Luz, Point Ephémère 
24.10.2014: More Than Folk Festival avec Mad'zelle, Jessie Andra Smith, August And After et d'autres, Mad Boat et Mad Garden
24.10.2014: Karen Lano, Le Divan Du Monde
24.10.2014: Raymonde Howard et Benjamin Fincher, International
24.10.2014: The Mantles et Ela Stiles, Espace B
25.10.2014: Kele, La Gaité Lyrique
25.10.2014: Seahorse Hunter, Le Moulin à Café, 8, rue Sainte Léonie, 75014 Paris
26.10.2014: My Brightest Diamond, Badaboum 
26.10.2014: Craft Spells et Pale Spectres, Espace B


Enno Bunger, Montabaur, 20.10.14

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Konzert: Enno Bunger
Ort: Ursulas und Dirks Wohnzimmer in Montabaur
Datum: 20.10.2014
Dauer: fast 100 min
Zuschauer: ca. 35



Wie gut es doch ist, Freunde mit ausgezeichnetem Musikgeschmack zu haben. Mir brachte das heute eine Einladung zu einem Wohnzimmerkonzert mit Enno Bunger ein. Ich hatte zwar schon viel über die Auftritte des Ostfriesen gelesen, bisher hatte ich den Sänger aber nicht gesehen. Da Freude mit gutem Musikgeschmack für mich die Funktion einer kulturellen Stiftung Warentest (vor Ritter Sport) übernehmen, war kein großes Risiko dabei, die Einladung anzunehmen. Dillon, die am gleichen Abend in Darmstadt spielte, kann ich immer wieder sehen, ein Enno-Bunger-Konzert in Montabaur ist vermutlich seltener.

Mehr als 30 Zuschauer waren diesmal in Ursula und Dirks Wohnzimmer gekommen. Enno Bunger hatte vor ein paar Wochen solche Auftrittsorte gesucht, um eine kleine Privatkonzert-Tour durch Deutschland zu machen. Das Wohnzimmer in Montabaur liegt verkehrsgünstig und hatte mit bereits drei Auftritten toller Künstler auch bereits seine Konzerttauglichkeit bewiesen, sodaß Enno Ursula und Dirk eine Zusage machte. 

Als ich ankam, war bereits aufgebaut - und wie! Das Equipment, die professionellen Lampen, die vielen Instrumente (und der Tourbus) sahen so aus, als hätte zur Not auch die örtliche Stadthalle bespielt werden können. "Beim Soundcheck war es sehr laut, heute kommt sicher die Polizei", berichteten die Gastgeber. 

Enno Bunger wird auf seiner Tour von Onno Dreier, der aus der gleichen Stadt in Ostfriesland stammt, begleitet. Onno, der nicht nur einen prima passenden Vornamen hat ergänzte den Sänger während des achtzigminütigen Konzerts auch ganz wunderbar. Er spielte Gitarre, sang und bediente ein elektronisches und ein echtes, abgespecktes Schlagzeug. Außerdem spielte er eine Art Mittendrin-Vorgruppe, als er in der Mitte des Konzerts ein eigenes Lied, das er unter dem Namen Projektor veröffentlicht hat, spielte. "Welches Stück spielst Du, Onno?" - "Es gibt doch nur eines!" Auch die kurzen Gespräche zwischen den beiden waren herrlich. Das Element of Crime Cover Bitte bleib bei mir kündigte Enno als Stück einer Band an, die sie beide sehr mögen würden. "Magst Du die überhaupt, Onno?" - "Ich muß mal gucken, muß mir das Lied mal anhören." Pass auf dich auf, das Enno bei Inas (feuchtfröhlicher) Nacht gespielt hatte, mochte Onno. Auch das hatte der Gitarrist aber erst während des Spiels festgestellt. Enno hatte das angekündigt, indem er behauptete, er habe Pass auf dich auf für Onno geschrieben. "Welches hast du für mich geschrieben?" - "Pass auf dich auf" - "Das mag ich nicht" Als das Lied vorbei war, klatschte Onno: "ich mag das doch!"

Enno hatte uns vor dem ersten Lied gewarnt, er schreibe nur traurige Lieder. Als Hochzeits- und Wohnzimmermusiker sei er also nur bedingt geeignet. Ich war schon bei deutlich traurigeren Hochzeiten!


Enno spielte Lieder seiner bisherigen Platten und drei (denke ich) neue Stücke. Er arbeitet gerade ein einigen Songs gleichzeitig, die wenigsten seien fertig. Für eine neue Platte sammele er noch Ideen. Die drei neuen passten wundervoll zum Rest, wobei Irgendwann (das ist ein vorläufiger Titel, den Enno langweilig und Onno toll fand) sehr fröhlich war und vom Spiegelzelt in Haldern, einem Flausenleger und einem Hund in einem Bällebad handelte. 

Nach 80 Minuten beendeten die beiden das Konzert, kündigten aber bereits Zugaben an. Die erste davon war "der Hit" laut Enno, Regen, ein sehr persönliches Lied, das Gloria (die Band von Mark Tavassol und Klaas Heufer-Umlauf) ohne Ennos Wissen gecovert hatten. Der noch größere Hit war aber das neue Scheitern anschließend, dessen Ende enorm schmissig war und das für mich eines der besten (unter vielen sehr guten) Lieder des Abends war.

Als es dann eigentlich schon vorbei war, spielten Enno und Onno noch unverstärkt und mit Akkordeon Ich möchte noch bleiben, die Nacht ist noch jung. Schöner kann man ein Wohnzimmerkonzert sicher nicht beenden!

Ich sollte häufiger auf meine Freunde mit dem guten Musikgeschmack hören, dann hätte ich auch Enno Bunger schon viel früher einmal live gesehen. Aber er kommt im November auf Tour, da kann ich nachholen.

Setlist Enno Bunger, Wohnzimmerkonzert, Montabaur:

01: Abspann
02: Leeres Boot
03: Ein Astronaut
04: Blockaden
05: Die Flucht
06: Am Ende des Tunnels (neu)
07: Pass auf dich auf
08: Bear in the woods (Projektor)
09: Bitte bleib bei mir (Element of Crime Cover)
10: Herzschlag
11: Irgendwann (?) (neu)
12: Roter Faden

13: Regen (Z)
14: Scheitern (neu) (Z)

15: Ich möchte noch bleiben, die Nacht ist noch jung (Z)


Links:

- aus unserem Archiv 
- Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14
- Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14
- Enno Bunger, Frankfurt, 11.11.13
- Enno Bunger, Mannheim, 31.05.13
- Enno Bunger, Offenbach, 09.05.13
- Enno Bunger, Stuttgart, 19.03.13
- Enno Bunger, Karlsruhe, 31.01.13
- Enno Bunger, Darmstadt, 27.01.13






Esben and the Witch, Köln, 19.10.14

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Konzert: Esben and the Witch (& coctail twins)
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 19.10.2014
Dauer: Esben and the Witch 65 min, coctail twins 33 min
Zuschauer: 140



Vor anderthalb Jahren spielten Esben and the Witch zum letzten Mal im Gebäude 9. Einige Freunde von mir waren da und schwärmten hinterher vom düsteren Auftritt der Briten. Ich hatte die Band zwar 2011 schon einmal im Gebäude gesehen, da hatten sie mich aber noch nicht richtig überzeugt. Trotzdem hatte mir mein Bauchgefühl im vergangenen Winter gesagt, ich solle gefälligst zu Esben and the Witch gehen, dummerweise hatte ich dies aber ignoriert und mich stattdessen für alt-j im E-Werk entschieden. Spätestens als ich im Mai 2013 Esben and the Witch in Luxemburg gesehen habe, war mir dieser Fehler bewußt.


Also war das Ticket für dieses Mal schnell gekauft. Daß dies eine gute Entscheidung war, war nicht erst am Abend selbst klar. Denn einige Tage vorher wurden die wundervollen coctail twins aus Köln als Support bekanntgegeben, ein "Doublefeature" nach meinem Geschmack!


Die coctail twins sind eine neue Band von Leuten mit Musik-Erfahrung. Daß es durchaus sinnvoll sein kann, nicht schon als Teenager seine Band zu gründen, zeigen die ausgefeilten Songs der Kölner. Sometimes the waves oder Rooms made of dust oder auch Waiting for the birds (Dreamed) sind große Knüller, die mich bei meinen beiden ersten Konzerten der coctail twins in diesem Jahr schon begeistert hatten. Aber eben auch das (offenbar neue) Stück Western horizon, bei dem Bassist Mike auf einer Pauke trommelte, war irre gut. Ich vermute, daß es auf der am 21.11. erscheinenden zweiten EP (Below Zero) veröffentlicht werden wird. Also auch der Nachschub taugt enorm viel! Als Außenstehender kann man ja nie einschätzen, wie lange die ersten Songs einer neuen Band gereift sind. Die echte Hürde sind dann die Stücke, die danach erscheinen. Wenn die das Niveau halten, ist die Gruppe gut. Western horizon war ein so großer Hit, daß es keine besonders verwegene Vorhersage ist, daß die neue EP toll wird!


Meine beiden ersten coctail twins Konzerte fanden im Tsunami (erstes Konzert überhaupt) und im Rahmen der c/o pop in einem Sneakerladen statt. Ich hatte beide Male nichts von der Band gesehen und auch eingeschränkten Sound. Diesmal war es hervorragend. Den coctail twins stand die große Bühne im Gebäude 9 ausgezeichnet, den Liedern tat der aber vor allem der gute Sound gut.


Ein sehr klug gewählter Support für Esben and the Witch, den ich mir aber auch mit einer miesen Hauptgruppe begeistert angesehen hätte!

Setlist coctail twins, Gebäude 9, Köln:

01: Big nothing
02: Perfume well
03: Sometimes the waves
04: Waiting for the birds (Dreamed)
05: Rooms made of dust
06: Western horizon
07: Ice machine


Esben and the Witch haben im September ihr drittes Album (A new nature) veröffentlicht, das in Zusammenarbeit mit Steve Albini entstanden ist. Mir fiel beim ersten (von wenigen)* Hören auf, daß die Platte noch um einiges düsterer klingt als die Vorgänger. Zehn, vierzehn Minuten lange Lieder mit krachenden Gitarren-Parts. Ob das Albinis Handschrift ist, kann ich nicht beurteilen, es entfernt die Band aber von jeder Gefahr, sich dem Indie-Mainstream anzubiedern.


Nach dreißig Minuten Konzert hatte das Trio vier Lieder des neuen Albums gespielt. Eine Viertelstunde später, mit The jungle einen fünften Titel von A new nature. Danach verließen die drei Musiker aus Brighton die Bühne, um ein paar Augenblicke später wiederzukommen und "some old songs now" anzukündigen. Der Stil änderte sich, die Düsterkeit blieb. 

Diese kurze best-of in den Zugaben war brillant. Ich habe auch die alten Platten der Band zu lange nicht gehört. Es stellt sich dann bei mir immer dieses "das gibt's ja auch noch" Gefühl ein. 

Das Konzert war kurz aber hervorragend! Die Düsternis, die langen krachenden Instrumentalpassagen des ersten Konzertteils, bei dem ich das Gefühl hatte, die Band spielte die fünf Lieder am liebsten am Stück ohne Pausen (wie sie es mit Dig your fingers in und No dog taten). Es war - Journalistenfloskel - ungemein intensiv und packend. Die Zugaben erledigten den Rest. 

Setlist Esben and the Witch, Gebäude 9, Köln:

01: Press heavenwards
02: Dig your fingers in
03: No dog
04: Blood teachings
05: The jungle

06: Marching song (Z)
07: The fall of Glorieta Mountain (Z)
08: Smashed to pieces in the still of the night (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Esben & The Witch, Esch-sur-Alzette, 08.05.13
- Esben & The Witch, Lörrach, 02.03.13
- Esben & The Witch, Paris, 21.02.11
- Esben & The Witch, Köln, 13.02.11
- coctail twins, Köln, 23.08.14
- coctail twins, Köln, 23.03.14


* in den letzten Wochen höre ich abwechslend die Vaselines und Allo Darlin', andere haben es dagegen extrem schwer.


 

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