Sonntag, 26. Juli 2015

Fever Dream, Ripley, 24.07.15

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Konzert: Fever Dream
Ort: Midlands Railway Centre, Ripley (Indietracks Festival)
Datum: 24.07.2015
Dauer: 37 min
Zuschauer: ein paar hundert



Vor zwei Jahren konnte ich beim Indietracks leider nur zwei oder drei Lieder eines hervorragenden Konzerts der Londoner Band Fever Dream sehen. Damals gab es nur eine EP (namens E.P.), bis zum Debütalbum sollte es dann noch knapp zwei Jahre dauern. Moyamoya war dann vor ein paar Monaten ein Pflichtkauf. Die Platte enthält mit Serotonin Hit eines meiner liebsten Lieder seit Ewigkeiten. Daß Fever Dream dieses Jahr wieder auf dem Festival auf dem Gelände des Midlands Railway Centre spielen würden, brauchte nicht viele hellseherische Fähigkeiten. 


Freitags spielen nur drei Bands beim Indietracks, es ist der gemütliche Start in ein ganz und gar unhektisches Festival. Fever Dream bekamen dieses Jahr den Job, das Festival um 19 Uhr zu eröffnen. Es regnete leicht, der Freitag war ohnehin nicht sonderlich gut besucht, es waren aber schon viel zu wenige Menschen vor der Outdoor Bühne.


Fever Dream sind ein Trio aus Ost-London, Sänger und Gitarrist Adrian Fleet, Bassistin Sarah Lippett und Schlagzeugerin Cat Loye. Wenn man die Aufnahmen der Band hört, könnte man denken, eine der Frauen singe, Adrians Stimme ist androgyn (sofern Stimmen das sein können). Es ist nicht sehr originell, den Stil der Band als Shoegaze zu bezeichnen, sie könnte auch in den frühen 90ern aktiv gewesen sein. Aber ich brauche nicht dauernd neue Stile oder kreativ-konstruierte Elemente, um eine Band zu mögen. Was soll heute falsch sein, das mich vor 25 Jahren begeistert hat? 

Nicht nur die wenigen Zuschauer, auch die Draußen-Bühne stand der Band nicht 100%ig. Fever Dream wirken und funktionieren in einem Club mit Sicherheit besser. Das waren aber schon meine Abers. Das Konzert war sehr gut, die Lieder der Band sind überragend! 

Fever Dream spielten Songs von Moyamoya, darunter die vielen Hits Flux, Serotonin hit, Nightcrawling und Vapours und zwei mir neue Lieder am Ende. Ghost und The squall erscheinen im Herbst auf einer Single. Das Repertoire hätte sicher viel mehr hergegeben, nach nur 37 min war leider aber bereits Schluß.

Wie schön wäre es doch, diese tolle Band auch mal in einem deutschen Club sehen zu können, dran glauben mag ich aber nicht richtig!

Setlist Fever Dream, Indietracks, Ripley:

01: Nightcrawling
02: Watch you sleep
03: Serotonin hit
04: Vapours
05: Flux
06: Dance forever
07: Ghost
08: The squall




Desperate Journalist, Ripley, 25.07.15

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Konzert: Desperate Journalist
Ort: Midlands Railway Centre, Ripley (Indietracks Festival)
Datum: 25.07.2015
Dauer: 40 min
Zuschauer: ca. 500



Kurz vor ihrem Auftritt standen angeschlagend aussehende Desperate Journalist noch am Süßigkeitenstand und tranken Espresso. Als sie dann später auf der Bühne der Lok-Reparatur Halle ihr 40-minütiges Set begannen, hatte das Koffein offenbar gewirkt. Das Konzert, auf das ich mich am zweiten Tag am meisten gefreut hatte, wurde auch das beste.

Desperate Journalist kommen aus London und bestehen seit 2013. Im gleichen Jahr veröffentlichten sie ihre erste EP Christina, 2014 erschien dann das Debütalbum Desperate Journalist.

Die Band besteht aus Sängerin Jo Bevan, Gitarrist Rob Hardy, Bassist Simon Drowner und Schlagzeugerin Caz Hellbent.

Obwohl die Halle nicht perfekt für Bands ist, bei denen der Liveklang wichtig ist, und sie bei Charme-Wettbewerben auch keinen Preis gewinnen würde, packte mich das Konzert sofort. Frontfrau Jo hat eine enorme Ausstrahlung. Sie machte keine große Ansagen und spielte stattdessen mit dem Mikrokabel und legte es sich wie ein Kettenarrangement um den Hals, war aber deutlich der Mittelpunkt der Halle. Jos Stimme ist live deutlich präsenter und rockiger als auf Platte. Wenn ich den Satz hier schon lese, stellen sich schreckliche Assoziationen ein, aber vollkommen zu unrecht! Ich dachte während der ersten Stücke immer mal wieder an Wolf Alice, die grob einen ähnlich rockigen Ansatz live haben.


Die meisten Stücke stammten vom Album, dazu kamen Wait und Christina von der EP, ein Stück, das eventuell neu ist (Phase?) und zum Abschluß die Single Organ, die als Einleitung das kurze Stone Roses Cover Elizabeth my dear hatte. Wow! 


An diesem Auftritt gefiel mir wirklich alles (Susanne, Du hast recht, auch ihre Frisur war die beste bisher)! Deshalb ist das Indietracks so toll, es bleibt jedes Jahr eine echte Perle (die Band, nicht die Sängerin!) hängen. Und wegen allem anderen natürlich.

Hätte ich die Kommentare des immer wieder extrem zu empfehlenden Magazins Platten vor Gericht Ende 2014 intensiver verfolgt, wäre ich aber auch schon früher auf Desperate Journalist aufmerksam geworden:

Dienstag, 30 Dezember, 2014 Dirk hat gesagt…
Das Album sollte sich Christoph auf jeden Fall anhören.


 



Setlist Desperate Journalist, Indietracks, Ripley:

01: Control
02: O
03: Remainder
04: Nothing
05: Phase
06: Heartbeats
07: Wait
08: Happening
09: Christina
10: Organ

Links:

- mehr Fotos (flickR)



Samstag, 25. Juli 2015

Cinerama, Ripley, 24.07.15

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Konzert: Cinerama
Ort: Midland Railway Centre, Ripley (Indietracks)
Datum: 24.07.2015
Dauer: gut 60 min
Zuschauer: einige hundert



Der Sommer 2015 wird als der Hitzesommer in Erinnerung bleiben. Meiner nicht. Nachdem ich die erste Hälfte bei einstelligen Temperaturen in Island verbracht habe, startete mein restlicher Sommerurlaub bei elf Grad auf dem Gelände des Eisenbahnmuseums in Ripley. Wenn mir Sommer in Erinnerung bleiben, dann nicht wegen des Wetters, ich erinnere mich lieber an nachhaltigere Dinge. Konzertabende wie den Indietracks-Beginn zum Beispiel. Von 19 Uhr an hatten Fever Dream, The School und Cinerama groß unterhalten. Da hätte schon mehr als leichter Regen kommen müssen, um mir das zu versauen.


Cinerama waren der Headliner des ersten Abends. Das Konzert vor genau einer Woche auf dem Pariser Hausboot Le Petit Bain (Oliver Peel Session #100) war so brillant, daß ich keine besonderen Erwartungen mehr an den Abend heute hatte. Was sollte denn auch da noch rankommen? Cinerama mit Bläsern bei perfektem Sound auf einem Schiff, dazu Wedding Present als Support. Kann man nicht besser machen.

Das Konzert beim Indietracks war nicht besser, es war trotzdem brillant. Mathematisch erklärt (Gudrun, bitte nicht mitlesen!): wenn ich unendlich mit irgendetwas addiere (Bläser, Wedding Present, Paris, Hausboot, längeres Set, Sound), ist das Ergebnis auch unendlich.

Cinerama bestanden heute aus The Wedding Present (David Gedge plus Bassistin Katherine Wallinger, Gitarrist Samuel Beer-Pearce und Schlagzeuger Charlie Layton. Dazu kamen die beiden Keyboarderinnen Melanie Howard und Danielle Wadey. Auf Bläser (wie in Paris) und Streicher und einen zusätzlichen Gitarristen (wie beim Primavera Festival) musste die Band beim Indietracks verzichten. 

Gerade die Querflöte fehlte immer mal wieder sehr (beim minutenlangen Ende von Wow beispielsweise), schlimm war das aber nicht weiter. Das Konzert bestand nur aus Hits, ob da die Flöte oder die Streicher vom Keyboard kommen, ist da wirklich kein Drama.

Die Band begann erst ohne David Gedge mit dem Instrumental-Stück Model spy. Der Sänger kam im blauen Anzug zu 146 degrees auf die Bühne. Obwohl kaum Zeit für den Umbau war (25 min) klangen die Songs hervorragend. Und sie sind es natürlich auch.

Daß die Band so früh Hits wie 146 degrees und Careless verbrät, hatte mich bei meinen bisherigen Konzerten nur am Anfang gewundert. Sie haben eben wahnsinnig viele davon. Honey Rider, Quick, before it melts, Your charms, The girl from the DDR oder das fantastische Wow am Ende... Damit kann man eine Stunde locker brillieren. 

Ich war vorher sehr unsicher, ob eine Band wie Cinerama das Indietracks-Publikum überhaupt begeistern würde. Sie war schließlich Headliner des ersten Abends. Wenn man sich umguckte, sah man aber überall mitsingende und tanzende Leute, auch bei den Liedern, die nicht auf Greatest Hits Alben erscheinen. Es war überhaupt wegen des fiesen Wetters nicht schrecklich voll vor der Hauptbühne (und insgesamt an diesem Freitag). Es waren aber nicht peinlich wenige Zuschauer beim Headliner. Und die konnte Cinerama sehr begeistern.

Auch umgekehrt schien das so zu sein. Auf den Wunsch einer Frau vor uns, doch bitte Health and efficiency zu spielen, bedankte sich David Gedge und antwortete dann lachend, das sei der schlechteste Titel aller Cinerama-Songs. Das Lied sei aber großartig. Cat girl tights direkt danach bekam dann auch eine Titel-Analyse. Gut klänge das auch nicht, vielleicht sollten sie es künftig CGT nennen.


Wie üblich bei David Gedge Bands gab es keine Zugabe. Warum auch? Mit Wow am Ende war alles gesagt!

Setlist Cinerama, Indietracks, Ripley:

01: Model spy
02: 146 degrees
03: Kerry Kerry
04: Ears
05: Careless
06: Hard, fast, beautiful
07: Mystery date
08: Honey Rider
09: Your charms
10: The girl from the DDR
11: Quick, before it melts
12: Après ski
13: Cat girl tights
14: Wow

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Cinerama, Paris, 17.07.15
- Cinerama, Barcelona, 27.05.15 
- The Wedding Present, Arlon, 20.11.14
- The Wedding Present, Barcelona, 30.05.14
- The Wedding Present, Düsseldorf, 26.09.13
- The Wedding Present, Paris, 24.10.12
- The Wedding Present, Wien, 04.10.12
- The Wedding Present, Köln, 23.09.12
- The Wedding Present, Barcelona, 30.05.12
- The Wedding Present, Köln, 15.10.10
- The Wedding Present, Köln, 15.11.07
- The Wedding Present, Paris, 02.11.07
- mehr Fotos (flickR)
 



Sonntag, 19. Juli 2015

Cinerama (& The Wedding Present), Paris, 17.07.15

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Konzert: Cinerama (& The Wedding Present playing Saturnalia)
Ort: Le Petit Pain, Paris (Oliver Peel Session #100)
Datum: 17.07.2015
Dauer: Cinerama knapp 80 min, The Wedding Present knapp 45 min
Zuschauer: ca. 250



"Wie gefiel euch die Vorgruppe? Give them a couple of years, they'll improve!" David Gedge hatte großen Spaß an der ungewöhnlichen Situation, daß seine Erstband The Wedding Present diesmal der Support für die später gegründete Zweitgruppe Cinerama war. Das gab es bisher noch nicht. "There's a first time for everything... The Wedding Present supporting Cinerama!"

Cinerama für seine 100. Oliver Peel Session verpflichtet zu haben, war der erste brillante Streich meines Pariser Konzerttagebuch-Komplizen Oliver. Pragmatisch gleich noch The Wedding Present als Support anzufragen, der noch eine Spur cleverere. Daß The Wedding Present dann ihre Platte Saturnalia komplett spielten (auch das zum ersten Mal), war ein weiteres Sahnehäubchen auf ganzen Sahnebergen (Hausboot, toller Sound, hervorragender DJ (JB), der bei mir alleine dadurch gewonnen hatte, daß er in kurzer Folge Allo Darlin', Veronica Falls und When Nalda Became Punk spielte). 

Olivers Peel Sessions begannen 2007 mit den Yolks aus Frankreich. Ein Freund hatte die zu seinem Geburtstag eingeladen, irgendwann aber gemerkt, daß seine Wohnung dafür zu klein war. Also bat er Oliver um Feierasyl. Acht Jahre und Konzerte mit Künstlern wie Troy von Balthazar weiter, war die hundertste Session vorerst die letzte. Der Rahmen, ein Hausboot mit echtem Musikclub im Innern, war perfekt gewählt, die Bands umso mehr.

Um halb neun begannen The Wedding Present ihren ungewohnten Support-Job. Neben David Gedge (im gewohnten schwarzen Hemd) standen Bassistin Katharine Wallinger, Schlagzeuger Charlie Layton, Gitarrist Sam Beer-Pearce und Keyboarderin Danielle Wadey auf der Bühne. "Nous sommes The Wedding Present!"

Im Jahr von Olivers Wohnzimmershow-Premiere begannen The Wedding Present damit, ihre Platten an Konzertabenden komplett zu spielen. Das Debüt George Best machte den Anfang. In den Jahren danach folgten Bizarro, Seamonsters, Watusi und die Single-Sammlung Hit Parade. Saturnalia sollte ursprünglich nur bei David Gedges Festival At the edge of the sea in Brighton (im August) gespielt werden. 

Weil es auf dem Hausboot ein Vorgruppenjob war, begann die Band direkt mit dem ersten Stück von Saturnalia (Venus) und nicht mit ein paar Hits der anderen Platten zum Aufwärmen. Saturnalia war das letzte Wedding Present Album vor einer neunjährigen Pause, in der Cinerama entstand und seine ersten drei Platten veröffentlichte. Wie (pophistorisch) wundervoll passend also, vor Cinerama, Saturnalia komplett zu hören!

Das Album gilt als übersehen. "Sharper production and some of Gedge’s finest songwriting in half a decade make for an absorbing listen, the tormented heartbreak of single ‘Montreal’ a particular highlight", urteilt das Clash Magazine

Neben Montreal waren 2,3, go und Kansas besonders großartig. Extrem gut gefielen mir aber auch Lieder, bei denen Bassistin Katharine Wallinger mitsang (Dreamworld und Jet girl). Ja, Saturnalia steht sehr zu unrecht im Schatten der Vorgänger! Das bewies der 45-minütige Auftritt deutlich!

"Stick around for the main band. I hear they're really good!"

Setlist The Wedding Present, Le Petit Bain, Paris:

Saturnalia:
01: Venus

02: Real thing
03: Dreamworld
04: 2, 3, go
05: Snake eyes
06: Hula doll
07: Big boots
08: Montreal
09: Skin diving
10: Jet girl
11: Kansas
12: 50s 


Cinerama live sind 2015 The Wedding Present plus unterschiedlich viele zusätzliche Musiker. Beim Primavera Festival in Barcelona im Mai waren das Streicher, Bläser und ein weiterer Gitarrist. Auf die Streicher mussten Cinerama in Paris verzichten, die kamen vom Keyboard. Zwei Bläser gehörten aber zum achtköpfigen Ensemble, Trompeter Andrew (Blick, glaube ich) und Flötistin Elizabeth. Komplettiert wurde Cinerama von Keyboarderin Melanie Howard.



Das Konzert begann umwerfend! David Gedge fehlte noch, seine Begleiter spielten das Intrumental-Stück Model sky, wow! Model sky ist ein schönes Beispiel dafür, warum Cinerama oft mit Filmmusik charakterisiert wird. Danach kam David im Anzug und mit ihm gleich einer meiner großen Lieblinge 146 degrees. Das passte so wundervoll zum Instrumental-Auftakt, weil die Querflöte und die wundervollen hohen lala-Gesänge einer seiner Begleiterinnen bei Model sky und gleich am Anfang von 146 degrees im Mittelpunkt stehen. "Nous sommes Cinerama!"

Nach der herzergreifend schönen ersten Single Kerry Kerry folgte You're dead, das erste Lied von der im Mai erschienenen vierten Cinerama Platte Valentina. Valentina ist wie so vieles im David Gedge Kosmos besonders, es ist eine Neuaufnahme des letzten Wedding Present Albums quasi mit neuen Mitteln, mit Cinerama Arrangements. Nach dem ersten Hören im Mai gefiel mir Valentina (alt) besser als die Cinerama Herangehensweise. Nachdem ich ein paar der Stücke in Barcelona live gesehen hatte, war das schon ein wenig anders. Man muß ja auch keine der Platten besser finden, die Hüllen der Songs sind unterschiedlich genug, um als zwei andere Alben durchzugehen.

Wundervoll war danach das Duett Ears mit Danielle. Ears stammt vom ersten Album und zeigt deutlich (trotz Valentina), wie unterschiedlich Wedding Present und Cinerama klingen können. Ears ist ein herrlicher Popsong, der aber so gar nichts vom Gitarren-Indie der Erstband hat. Daß Cinerama aber nicht immer nur so klingen, zeigte Careless danach, das Dave mit "now, we're rocking" kommentierte. Im Gegensatz zu Barcelona fehlte der eine zusätzliche Gitarrist. Beim Primavera war David nur Sänger, in Paris spielte er bei vielen der Lieder, auch bei Careless Gitarre. 


Etwas später bei Mystery date von Valentina gab es die nächte schöne Besonderheit. Am Ende des Lieds spricht eine Frau auf der (Cinerama) Platte einen Text auf Spanisch. Keyboarderin Melanie hatte diesen Job live. Sie sprach den langen Text auf Französisch und wischte sich hinterher theatralisch erleichtert den Schweiß von der Stirn, nachdem es vollbracht war. Herrlich!

Von Valentina spielte die Band auf der Seine noch zwei weitere Stücke, You Jane und The girl from the DDR, von denen es übrigens auch deutsche Versionen auf der 4 Lieder EP gibt. Wäre es der Rhein gewesen, hätten wir vielleicht David diese Versionen singen hören. In Deutschland war ein paarmal das tolle Klee Cover Erinner' Dich auf den Setlisten.  

Ach, das Konzert war so schön, es hätte ewig weitergehen müssen. Honey Rider (nach der Rolle des Bondgirls Ursula Andress benannt), Dance, girl, dance ("if you're from the south of England it's called 'daaaance, girl, daaance'"), Après ski ("this concert's full of hits") oder Quick, before it melts - nur Hits!

Einer der großen Knüller beendete das Konzert und taugte auch schön als Motto. Wow. "I don't want to stay forever"? Quatsch! Ruhig hätten Cinerama alle vier Alben komplett spielen dürfen!

So ein 100. (modifiziertes) Wohnzimmerkonzert sollte ja etwas Besonderes werden. Besonders kann man wohl streng genommen nicht steigern. Der Abend war aber durchaus deutlich besonderer als gedacht! Einziger kleiner bitterer Beigeschmack: daß viel zu wenige Menschen das über Cinerama denken, was David Gedge im Laufe des Abends über ABBA sagte: "one of the greatest pop bands ever!"

Oliver: Onkel John wäre stolz gewesen!


Setlist Cinerama, Le Petit Bain, Paris:

01: Model spy
02: 146 degrees
03: Kerry Kerry
04: You're dead (The Wedding Present Cover)
05: Ears
06: Careless
07: Hard, fast and beautiful
08: Mystery date (The Wedding Present Cover)
09: You Jane (The Wedding Present Cover)
10: Honey Rider
11: Your charms
12: The girl from the DDR (The Wedding Present Cover)
13: Dance, girl, dance
14: Quick, before it melts
15: Après ski
16: Cat girl tights
17: Wow

Links:

- aus unserem Archiv:
- Cinerama, Barcelona, 27.05.15 
- The Wedding Present, Arlon, 20.11.14
- The Wedding Present, Barcelona, 30.05.14
- The Wedding Present, Düsseldorf, 26.09.13
- The Wedding Present, Paris, 24.10.12
- The Wedding Present, Wien, 04.10.12
- The Wedding Present, Köln, 23.09.12
- The Wedding Present, Barcelona, 30.05.12
- The Wedding Present, Köln, 15.10.10
- The Wedding Present, Köln, 15.11.07
- The Wedding Present, Paris, 02.11.07




Samstag, 18. Juli 2015

Phonopop Festival, Rüsselsheim, 11.07.15

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Konzert: Phonopop Festival
Ort: Rüsselsheim
Datum: 11. Juli 2015
Dauer: 8 h
Zuschauer: ca. 2000


Mein erster Ausflug zum Phonopop-Festival sollte zugleich auch mein letzter sein. Das 10-jährige Jubiläum nehmen die Veranstalter gleichzeitig zum Anlass, ihren Abschied bekannt zu geben und damit auch die Biografie des Phonopop zu beenden. Am Ende des Samstagabends bleibt mir die kleine Hoffnung, dass der Abschied vielleicht in wenigen Jahren rückgängig gemacht wird, wenn die Lust und Freude am Organisieren doch wieder groß genug und der Verlust dieses feinen Festivals zu schmerzhaft wird. 
Dieses Festival war für mich eines der wohltuend kleinen und sehr feinen im großen Chor all der Sommerfeste, die um Zuschauer buhlen. Das beginnt mit einer sehr konsequenten Künstlerauswahl, dem Verweigern gegen Mode- und Radiotrends und dem Vertrauen auf den eigenen Geschmack und damit auf Künstler, die nicht jedem bekannt sind und damit bei den Besuchern immer wieder Entdeckerlust wecken. Das geht weiter bis zur liebevoll ausgestalteten Location im alten Opel-Werk in Rüsselsheim. Da wird für Erfrischung mittels Wassersprühschlauch gesorgt, da hängen große Origami-Vögel in den Bäumen und die Fenster auf dem Weg zwischen den beiden Bühnen sind nachts von innen stimmungsvoll beleuchtet.
Die beiden Bühnen des Festivals liegen 2 Höfe auseinander und werden abwechselnd bespielt, so dass man jede Band sehen und hören kann. Das spart Zeit beim Umbau und gibt jedem die Chance, alle Konzerte mitzunehmen und den Künstlern die Möglichkeit, alle Gäste vor ihrer Bühne zu versammeln. Außerdem bleibt man zwischen den Konzerten in Bewegung und für mich mit Kamera war es perfekt, um für die Fotos immer einen Platz in bester Sichtweite zu bekommen.

Inner Tongue
Als ich das Gelände betrete, spielen Inner Tongue gerade ihre letzten Songs. Die Wiener Band blieb mir daher nicht so recht in Erinnerung.

Caroline Keating
Ihr Album „Silver Heart“ begleitet ich seit geraumer Zeit immer wieder und deshalb freute ich mich auf ihren Auftritt besonders. Caroline Keating begleitete sich selbst an ihrem E-Piano und spannte einen Bogen über bekannte und neue Songs. So sparsam der Auftritt instrumentiert war so spannungsreich wirkte doch ihre Stimme und fesselten ihre Lieder die Zuhörer knappe 45 Minuten.

Still Parade
Die ersten Takte, die ersten Songs verbreiteten Sommergefühle und passten zu den Temperaturen. Irgendwie war es, als ob der Strand gleich um die Ecke lag. Still Parade aus Berlin werden mit ihrer Musik in der Kategorie Dreampop/Dreamfolk verortet, für mich spielten sie ziemlich luftige Popsongs und sorgten so schon für ausgelassene Stimmung und Erfrischung. Auf jeden Fall werde ich diese Band und ihre Entwicklung weiter verfolgen.

John Bramwell
John Bramwell ist der Sänger von I Am Kloot und hier und heute als Solist unterwegs. Gerade so hat er es vom Flughafen nach Rüsselsheim geschafft, dabei seine Gitarre aber am Gepäckband nicht bekommen. Die Organisatoren haben ihm schnell einen Ersatz besorgt und so Stand dem Konzert nichts im Wege. I Am Kloot habe ich vor 2 Jahren im Dresdner Beatpol gesehen und höre nun die Songs der Band in einem akustischen Gewand. Heute leben sie von John Bramwells Stimme und der Art, wie er die Songs ankündigt und dann vorträgt. Lustig ist es schon, wenn er verschiedene Songs mit den selben Worten ankündigt als Lieder, die vom Trinken und Problemen handeln. Dann versenkt er sich in die Akkorde, schließt die Augen und lässt die Songs über den Hof fliegen.

Tiger Lou
facebook.com/TigerLou.official 2008 veröffentlichte die schwedische Band ihr letztes Album „A Partial Print“ und begeisterte mich damit vollkommen. 2 Konzerte ihrer anschließenden Tour habe ich besucht und dann wurde es ruhig um die Band, ihr Frontmann Rasmus Kellerman veröffentlichte noch ein recht katastrophal belangloses Soloalbum und damit hatte ich die Band aufgegeben. Um so erfreuter war ich, als ich las, dass Tiger Lou an neuem Material arbeiten und für 3 Konzerte nach Deutschland kommen, unter anderem zum Phonopop. Tiger Lou waren für mich der Anlass, die Tickets zu holen und hierher zu kommen. Und sie enttäuschten mich nicht. Tiger Lou präsentierten sich in Bestform, wie man bei Sportlern sagen würde. Die typische Bandbesetzung erweiterte diesmal Amanda für 2 Titel an der Trompete. Es gab bekannte Songs der bisherigen Alben und 2 neue als Ausblick auf eine demnächst erscheinende EP. Tiger Lou spielten sehr energiegeladen und mit einer Spielfreude als wären sie nie weg gewesen. Die neuen Songs fügten sich nahtlos in das Gesamtkonzert ein und so war ich mit der Band versöhnt und freue mich auf weitere Konzerte und Veröffentlichungen.

Okta Logue
Wir nähern uns dem Abendprogramm und damit den beim Publikum bereits mehrheitlich bekannten Künstlern. Und Okta Logue gehören als Lokalmatadoren quasi dazu. Hier haben sich Pink-Floyd-Jünger gefunden, die Riffs weitergesponnen und eigene Songs daraus entwickelt. Mittlerweile gibt es 2 Alben, Okta Logue waren schon als Vorband von Portugal.The Man unterwegs, wo ich sie zum ersten Mal wahrgenommen habe. Beim Phonopop haben Sie die Akzente - absichtlich oder nicht - so auf die Musik gelegt, der Gesang war kaum zu verstehen. Für mich ein bisschen schade, für die Fans war das offenbar kein Nachteil, die Band wurde gefeiert.

Two Gallants
Diese Band war für mich wie ein Meteoriteneinschlag. Ich hatte bisher nichts von ihnen gehört und ließ mich an dem Abend einfach überraschen. Und dann begannen Adam Stephens und Tyson Vogel ihr Set mit Gitarre und Schlagzeug und spielten nach dem Motto, hier werden keine Gefangenen gemacht. Es gab von Anfang ordentlich auf die Ohren und mächtig Druck aus den Boxen. Dabei spielen die beiden schon auch die feinen Saiten und streicheln die Becken. Dennoch schien es mir immer wieder, als arbeiten sich Two Gallants an einer inneren Zerrissenheit ab und finden Zuflucht nur im Aufbau von Klangkaskaden und -gewittern. Kurz gab es Erholung für das Publikum, als Adam Stephens sich ans Piano setzte. So gewaltig sich der Auftritt in die Ohren und Augen prägte, so wenig berührte mich die Band innerlich.

TripAdLib
Nicht nur beim Kosmonautfestival gibt es geheime Headliner. Auch beim Phonopop war ein Überraschungsgast angekündigt. Aus Mainz kommt TripAdLib und spielt einen Clubsound den ich nur aus Konserven kenne. Anfangs war ich überrascht, neben 2 Computern auch Schlagzeug und Bass auf der Bühne zu sehen, mit zunehmender Dauer ist diese Art Musik für mich leider zu langweilig.


Inzwischen war es spät in der Nacht und meine Energie auf The Temples zu warten erschöpft. So gibt es von mir leider keinen Bericht zum Finale und der allerletzten Band des Phonopop. Bleibt der Gesamteindruck, dass ich dieses Festival leider viel zu spät entdeckt habe und es bleibt die schwache Hoffnung, dass das Phonopop vielleicht doch irgendwann wieder ersteht.

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