Mittwoch, 16. April 2014

The Stranglers, Stuttgart, 13.04.2014

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Konzert: The Stranglers
Vorband: Georg auf Lieder
Ort: LKA Longhorn, Stuttgart 
Datum: 13.04.2014
Dauer: 108 Minuten
Zuschauer: etwa 500




„Da gibt es dieses starke Best of von 1977 bis 1982“, berichtet der End-40er von der schwäbischen Alb hinter mir seinem Tote-Hosen-Konzert gestählten Kumpel, „das habe ich damals geklaut“. Das Musik-Freak-Klischee dominiert heute Abend im zur Hälfte abgehängten LKA Longhorn. Gerade einmal schätzungsweise 500 Zuschauer wollen The Stranglers, jene große Legende des melodisch-wavigen Punks der ersten Generation, sehen. Die meisten Konzertgänger sind mit der Band aufgewachsen, wurden von dem eingängigen Keyboard-Einsatz und den eindringlichen Bassläufen geprägt. Vielen ist an diesem Sonntag das verklärte Schwelgen in nostalgischen Gefühlen wichtiger als das Konzert. Man mag vielmehr  Sammlererfahrungen austauschen und dabei der eigenen Jugend gedenken. Die Beschaffungsgeschichte einzelner Platten ist entscheidend. Ein wenig hat das alles die Atmosphäre einer Plattenbörse. Es riecht auch ganz ähnlich. 
Als jüngste Zuschauer werden wir skeptisch beäugt, dabei war gerade das erwähnte Best-Of eine der entscheidenden Platten meiner musikalischen Adoleszenz. Im Gegensatz zum Hintermann ist meine Beschaffungsgeschichte vergleichsweise unspektakulär. Auf Empfehlung eines Freundes meiner Eltern bestellte ich die CD bei Zweitausendeins, sie sollte mein Schlüssel zu Punk und Wave werden. 



Nach dem Ausstieg des charismatischen Frontmanns und Masterminds Hugh Cornwell 1990 konnte erst die letzte Veröffentlichung, „Giants“, vor zwei Jahren wieder an Glanztaten aus der großen Ära zwischen 1977 und den mittleren 80ern anknüpfen. Erhängt an einer Spielplatzschaukel baumelnd, zeigen sich die vier aktuellen Bandmitglieder selbstironisch und kokettieren auf dem Plattencover mit dem schwierigen Kampf als frühere Speerspitze eines ganzen Genres mit der Zeit Schritt zu halten. „No More Heroes“ hieß einer der ersten Hits der Band aus Guildford. Die Single wurde neben The Clashs „1977“ – mit der Zeile „No Elvis, Beatles or Stones in 1977“  zum Slogan einer Generation, die sich von der Last überlebensgroßer Ikonen befreien wollte. Heute kann man die Frage an die Band selbst richten und diese liefert mit dem Cover-Foto die zynische Antwort: Natürlich braucht es keine Helden mehr, Legenden sind aber nicht schlecht. 
Als eben dieser Song schon an zweiter Stelle gespielt wird, taut das Publikum auf, doch wirkliche Euphorie kommt nicht auf. Der Sound ist durchaus authentisch, aber etwas fehlt. Davon, dass diese Band einmal zu den spannendsten Acts überhaupt gehörte, ist nichts zu spüren. Vielmehr wirkt die Performance wie die einer – zugegeben guten – Coverband der eigenen Songs. Mit der derzeitigen Tour feiert die Gruppe das 40-jährige Bandjubiläum, dabei ist in der aktuellen Live-Besetzung mit Bassist Jean-Jacques Burnel lediglich ein Gründungsmitglied verblieben. Zugegeben, auch der ein Jahr später dazu gestoßene Keyboarder Dave Greenfield war immer ein bedeutender Indikator des Sounds, doch ist gerade das Fehlen des 75-jährigen Drummers Jet Black zu bedauern, der nominell noch immer Teil der Stranglers ist. Ersetzt wird er vom jungen Jim MacAulay

 Während das rhythmische Grundgerüst stimmt, wird wiederum schon nach wenigen Minuten klar, dass das Problem der Band das Fehlen eines Frontmanns vom Schlage Hugh Cornwells ist. Der 50-jährige Baz Warne ist zwar ein ausgezeichneter Punk-Gitarrist und sicher auch passabler Sänger, doch stören die überzogenen Posen, das Ziehen einer AC/DC-haften Schnute und der ausladende Bewegungsdrang. 
Obwohl die Setlist einen überraschend umfassenden Überblick über die wichtigen Momente in der Bandhistorie bietet, kommen mir die großartigen Nummern lieblos vor. Schon die Eröffnung mit „Toiler on the sea“, dem starken Ende des dritten Albums „Black and White“, geht an mir vorbei. Die Version wird lange gedehnt, Greenfield spielt die markanten Keyboard-Parts, aber es wirkt angestaubt. 
Längen hat das Set generell, auch wenn das angedeutet-obszöne „Peaches“ blendend unterhält. Erschreckend ist dann allerdings doch, die mangelnde Begeisterung, mit der der Überhit „Golden Brown“ angenommen wird. Sicher, die Version heute Abend ist weder inspiriert noch inspirierend, aber dennoch fraglos eines der besten Stücke der 80er, dessen Melodie Noel Gallagher gut zwanzig Jahre später beinahe eins zu eins für „Part of the Queue“ kopierte. 



Besser kommt „Always the sun“, das zweite signature tune der Band, mit seinen Synthie-Streichern im direkten Anschluss an. Die poppigen Sounds der 80er beschwören die Jugenderinnerung der angegrauten Konzertgänger. Schon in der Mitte des Auftritts verschossen, fehlen diese Hits im späteren Verlauf. Zwar können Raritäten und weitere Klassiker hin und wieder unterhalten, richtig belebend wirken sie nicht. „Nice N‘ Sleazy“, „Duchess“ und „5 Minutes“ waren einmal musikgeschmacksprägende Hymnen meiner Jugend in den späten 00er Jahren, umso trauriger ist es, wie lieblos sie kredenzt werden. 
Dabei ist die Band sichtlich bemüht zu unterhalten, nur braucht es mehr als einen beeindruckenden Back-Katalog um wirklich gute Konzerte zu spielen. Erst „Hanging Around“ zum Ende des regulären Sets zeigt, was möglich gewesen wäre. Mit enormem Bewegungsdrang wirbelt Burnel über die Bühne und beschwört den vergangenen Glanz einer großen Band, die mit den Zugaben immerhin weitgehend versöhnt. Insbesondere „(Get A) Grip (On Yourself)“ entschädigt für einiges, würde im anschließenden Kinks-Cover „All Day And All of the Night“ nicht ein Geburtstagsständchen für den Ersatz-Drummer eingebaut werden. 
Nach einer weiteren Pause folgt „Tank“ und hier taucht tatsächlich noch einmal die gewaltige Kraft einer der besten englischen Punkbands überhaupt auf. Die Riffs sind hart, die Performance lebendig. Über all die Längen zuvor können aber auch diese drei Minuten nicht hinweg täuschen. Die Songs sind auch 2014 noch erstklassig, ob es der Band noch immer bedarf hingegen ist fraglich. Kein Käse, Keine Gig! steht auf Greenfields Keyboard, irgendwie ist das sehr treffend. 
Während der einstige Frontmann Hugh Cornwell im Untergrund begeisterte Konzerte mit reduzierten Versionen der alten Hits spielt und sie somit für die Gegenwart rettet, verkommen die Klassiker in der aktuellen Stranglers-Besetzung zur Nummernrevue. Whatever happened to the heroes? 




Setlist The Stranglers, Stuttgart:

Intro: Waltzin' Black
01: Toiler on the Sea
02: No More Heroes
03: Was It You?
04: Threatened
05: Relentless
06: Peasant in the Big Shitty
07: Peaches
08: Golden Brown
09: Always the Sun
10: Never To Look Back
11: Thrown Away
12: Nuclear Device (The Wizard of Aus)
13: Skin Deep
14: Time To Die
15: Lowlands
16: Nice 'N' Sleazy
17: Walk on By (Dionne-Warwick-Cover)
18: Freedom Is Insane
19: Duchess
20: 5 Minutes
21: Hanging Around

22: Norfolk Coast (Z)
23: (Get A) Grip (On Yourself) (Z)
24: All Day and All of the Night (The-Kinks-Cover) (Z)

25: Tank (Z)

Montag, 14. April 2014

Plumes, Karlsruhe, 23.03.14

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Wohnzimmerkonzert #35 mit Plumes
Ort: Karlsruhe-Waldstadt
Datum: 23. März 2014
Dauer: 75 min
Zuschauer: 15


Wer mich kennt, weiß, dass ich ein bisschen anders ticke. Schließlich widme ich mein bezahltes Arbeitsleben dem Ziel, Strömungen mit mathematischen Methoden besser zu verstehen und bei meinen Studentinnen und Studenten solche Bedingungen zu schaffen, dass ich ab und zu Zeugin des Moments werde, wenn der Aha-Blitz einschlägt und aufzeigt, dass  Mathe verdammt faszinierend ist.  



Nur unter diesen Vorzeichen kann man verstehen, warum mir der Gästebucheintrag zum Plumes-Wohnzimmerkonzert so viel Freude machte, wo (ich kürze ein bisschen ab) steht, dass die dreizehnte Wurzel aus drei etwa so groß ist wie 49/45. Das sieht rein numerisch betrachtet vielleicht ein bisschen naiv und einfach aus. Steht aber für 20 Seiten, in denen mit mathematischen Methoden Ordnung geschaffen wird in Musik, die nicht auf 12 Halbtönen aufbaut, sondern sich 13 davon gönnt. Das ist eine Spezialität von Todd Harrop, der für Plumes in Deutschland wunderbar das Schlagwerg bedient.



Plumes bleiben bei den 12 vertrauten Halbtonschritten, wenngleich ich mir bei den Taktwechseln häufig nicht so sicher bin, ob das den Hörgewohnheiten nicht auch ein ziemliches Schnippchen schlägt. Am Vorabend dieses Konzertes hatte es im Cafe Nun ein Wiedersehen und -hören gegeben. Danach hatten wir einen herrlichen und locker gefüllten Sonntag gehabt. Veronica Charnley begleitete mich in ein Kammermusik-Konzert am Badischen Staatstheater, dessen Programm wie für uns ausgesucht schien. Bartók und Kodály (Veronica hatte gerade ein Bartók-Programm aufgenommen) und wir genossen besonders das Stück für zwei Flügel und Schlagwerk, das auch fürs Auge einiges zu bieten hatte und zwischendurch fast ein bisschen albern war.


In der Zwischenzeit hatte es mit Geof Holbrooks Hilfe Louise Campbell, die Klarinette, die von Kanada zum Flughafen in Stuttgart geflogen war, auch in die Waldstadt geschafft und so war das Programm am Abend auch etwas anders als im Nuncafe. Ich war aber - nun schon zum dritten Mal - wieder vom ersten Moment an gebannt, wie es Veronica mit ihrer Stimme und ihrem Charme schaffte, jeden im Raum zu verzaubern. Für jeden Konzertbesucher war es ja eine erste Begegnung und die Musik von Plumes ist schon auch ein bisschen anstrengend - nicht so süß und leicht und man muss sich ihr öffnen. Und mit der Klarinette (vor allem in Bass-Tonlage) war es erstaunlich laut...


Aber vor allem war es wunderbar. Beglückend und ein Sahnehäubchen auf einem einfach perfekten Tag.

Setlist:
01: Secret Love
02: Phonebooth
03: Spawning Ground
04: Look me in the eyes
05: Woodstock
06: Your train of thought through tunnels
07: Stray dog de France
08: Sweet Georgia Blue
09: Behold it
10: Seaweed
11: Swimming
12: Away from home
13: Overlooking the fire Hazard

14: Messy love (Z)



Aus unserem Archiv:
Plumes, Mainz, 26.04.13  
September Leaves & Plumes, Karlsruhe, 22.03.14 

Das klienicum zur Tour 2013 
Lie in sound zur Musik von Plumes

Berichte +Vorschau Wohnzimmerkonzerte  in der Waldstadt


Les concerts de la semaine à Paris du 14 au 20 avril 2014

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Les concerts de la semaine à Paris du 14 au 20 avril 2014

Plein de bons concerts cette semaine à Paris! Je conseille surtout les concerts en rouge et si vous voulez faire une découverte, il faut aller voir le girl groupe parisien Louves (photo) au Pop In Le mercredi 16 avril! De Paris viennent également Orouni, AV, Marc Desse, The Yolks, Hold Your Horses!, Rivkah, Camp Claude, Gaspard Royant, Jamaica, Van Gogh Superstar, Petit Duck, vous avez vraiment le choix si vous aimez la pop Made in France!

14.04.2014: Bosco Delrey, Point Ephèmère
14.04.2014: Agnes Obel  et Feral And Stray, Le Grand Rex
14.04.2014: Baptiste W Hamon à la Loge
14.04.2014: Turner Cody et Ish Marquez, Espace B
15.04.2014: Dillon, Café de la Danse
15.04.2014: Hollysiz, La Cigale 
15.04.2014: Jamaica, La Boule Noire
15.04.2014: Sean Croft et Ashtray, Le Môtel
15.04.2014: Renan Mazeas, Pethrol et Chinese Robots at International
15.04.2014: 65dayofstatic (play The Fall Of Math), La Maroquinerie
16.04.2014: Wild Beasts et Money, Trabendo 
16.04.2014: Louves et Florian B, Le Pop In
16.04.2014: Chris Garneau et Bent Van Looy, Café de la Danse
16.04.2014: Camp Claude et Santoré, Le Pop Up Du Label, 14, rue Abel, 75012 Paris, entrée gratuite
16.04.2014: Popstrangers, Espace B
17.04.2014: Circa Waves, Le Truskel
17.04.2014: Aidan Knight et Orouni, Espace B 
17.04.2014: Schlauberg, Nouveau Casino
17.04.2014: Marc Desse, Les Trois Baudets
17.04.2014: The Yolks et The Bow Up, le 114
17.04.2014: Death And Vanilla, La Flèche d'or
18.04.2014: Tisane Sonore présente: Bodybeat, Le 114
18.04.2014: Van Gogh Superstar, Petit Duck, His Majesty, Bus Palladium*
18.04.2014: Rivkah at La Bellevilloise
18.04.2014: Larry Gus et Holy Strays, Espace B 
19.04.2014: Hold Your Horses, Square d'Anvers, 14h45, gratuit, disquaire day
19.04.2014: Sohn, Nouveau Casino
19.04.2014: AV, International 
19.04.2014: Natas Loves You, 12h etWhomadewho 13 h, Point Ephémère, gratuit (disquaire day)
19.04.2014: Disquaire Day at La Gaité Lyrique avec entre autres Metronomy (unplugged), Miossec, We Have Band, gratuit
19.04.2014: Gaspard Royant, Point Ephémère, gratuit, 18h
19.04.2014: Dead Ghosts, La Mécanique Ondulatoire
19.04.2014: Whomadewho, Trabendo, complet 
19.04.2014: Quilt, Espace B
19.04.2014: John Grant, 21h, Point Ephémère, gratuit
20.04.2014: Isaac Delusion, Point Ephémère, 18h, gratuit



Lingby, Köln, 12.04.14

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Konzert: Lingby (Ehrenfeld Hopping)
Ort: Jack in the Box, Köln
Datum: 12.04.2014
Dauer: knapp 45 min
Zuschauer: 400 vielleicht



Wenn man Jahr für Jahr ziemlich viele Konzerte sieht, und es wie ich hasst, sich durch volle Säle zu drängeln, bekommt man eine ganze Menge lokaler Vorgruppen vorgesetzt, ob man das nun will oder nicht. Die meisten von denen sind eben genau so, wie man sich lokale Vorgruppen vorstellt - und dann auch schnell wieder aus dem Gedächtnis weg (wenn sie nicht, wie die eine damals bei dieser Lieblingsband, danach Beschwerdemails über den bösen Bericht schickt und mit Briefen an die Chefredaktion droht, wenn die Kritik nicht gelöscht würde). Hängen bleiben nur wenige. 


Wenn ich mich nach zwei Jahren noch an den Auftritt einer Vorgruppe, nicht aber an die Hauptband erinnere, ist das also schon etwas Besonderes. Lingby hatte ich als Support von First Aid Kit (musste ich nachgucken) im Gebäude 9 gesehen. Die Kölner Band hatte in Zweierbesetzung gespielt und mir sehr gefallen. Ich kaufte anschließend ihr Gesamtwerk und auch das gefiel mir ausgezeichnet. Vor ein paar Wochen startete Lingby eine Crowdfunding-Kampagne, um die Aufnahme eines zweiten Albums zu finanzieren. Neben der Vinyl-Version und Konzerten gab es auch Boxtrainings und einen Boxkampf mit Bandmitgliedern als Finanzierungs-Prämien (aber nicht für mich; schlagen sollte man sich doch besser mit Bands, die man nicht mag).


Das Programm des Ehrenfeld-Hoppings, von dem ich als nur Möchtegern-Kölner vorher noch nichts gehört hatte, eines Stadtteil-Kneipenfestivals, wies ein Lingby-Konzert im Jack in the Box aus - auch da war ich noch nicht. Wegen einer anderen Verpfichtung kamen wir zu spät auf dem verlassen wirkenden, riesigen Industriegelände an Bahngleisen an, auf dem der Auftrittsort sein sollte. Das Jack in the Box ist eine Lagerhalle mit zwei Ebenen und offener Dach-Konstruktion und mit enorm viel Charme für Konzerte. 

Lingby standen schon auf der Bühne, beendeten aber gerade die letzten Vorbereitungen, als wir reinkamen. Damals im Gebäude 9 hatte ich nur Judith Hess und Willi Dück gesehen, im Jack in the Box standen Lingby in voller Besetzung auf der Bühne. Neben Judiths Schwester Carmen (Horn und Keyboard) sind das Maik Vleurinck und Dennis Jüngel an Bass und Schlagzeug. 


Das Konzert begann mit dem herrlich düsteren Swans, das ich von einem Video kannte. Das Lied wird von den beiden Schwestern und Willi gesungen und hat eine wundervolle Melodie. Wie bei vielen der Stücke besteht die Instrumentierung nicht nur aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards, es kommen auch Horn (Swans) und Posaune (Count the stars z.B.) vor. Die Blasinstrumente werden aber nicht schmetternd gespielt - ich kann das schlecht beschreiben - sie klingen getragen. Die Band nennt Sufjan Stevens, Sigur Rós oder Radiohead als Einflüsse, mir kamen Lieblinge wie Get Well Soon oder vor allem die phänomenal tollen Amatorski in den Sinn.


Viele Stücke kannte ich nicht. Von den mir unbekannten Liedern war Two mit seiner subtilen Steigerung besonders großartig! Hoffentlich werden all die unveröffentlichten Titel vom Konzert auf dem Album erscheinen, denn dann wird das ganz sicher ein großer Wurf!

Ein großer Wurf, der hochverdient wäre..! Wer Lieder wie Like a stone im Repertoire hat, verdient einfach sehr viel mehr Aufmerksamkeit. Und obwohl das Ehrenfeld Hopping eine Gratis-Veranstaltung ist und die eigentlich vor allem Publikum anziehen, dem die Band die gerade spielt bestenfalls egal ist, waren die Leute, vor denen Lingby spielte, erstaunlich aufmerksam und begeisterungswillig. 


 
Nach Count the stars, das ich kannte, beendete Twist and turn das Konzert. Dazu ging Sänger Willi von der Bühne und stellte sich rechts an den Rand und guckte seinen Bandkollegen interessiert zu. Erst gegen Ende griff er seine Gitarre und spielte wieder mit.  

Ich hatte mir in den vergangenen zwei Jahren eine ordentliche Erwartungshaltung an Lingby aufgebaut und war mehr als zufrieden, daß das kein Quatsch war. Das Konzert war hervorragend und irgendwann werde ich hoffentlich mal sagen können: "Lingby? Die habe ich vor Jahren sogar mal als Vorgruppe gesehen!"


Setlist Lingby, Jack in the Box, Köln:

01: Swans
02: This takes me out
03: Two
04: Be still
05: Like a stone
06: House of glass
07: Impatience
08: Count the stars
09: Twist and turn

Links:

- aus unserem Archiv:
- Lingby, Karlsruhe, 25.07.13
- Lingby, Köln, 14.02.12



Sonntag, 13. April 2014

Chantal Acda, Nürnberg, 09.04.14

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Konzert: Chantal Acda mit support A Winter's Heir
Ort: Neues Museum Nürnberg in der across.-Reihe
Datum: 9. April 2014
Dauer: 30 min + 75 min
Zuschauer: etwa 75



Eines schönen Herbsttages 2013 stellte mir das kleine aber sehr feine Label Gizeh eine neue Scheibe vor, die mich in helle Verzückung versetzte: Let Your Hands Be My Guide. Den Namen der Frau mit der eindrucksvollen Stimme hatte ich mir sofort eingeprägt: Chantal Acda. Noch im November erfuhr ich aus dem Societätstheater in Dresden, dass einen Konzerttermin für den April 2014 geplant war. Nach Weihnachten stellte sich heraus, es würde ein paar (aber leider trotzdem sehr wenige) mehr Termine in Deutschland geben.



Das war der Moment, als ich meinen Abend in Nürnberg zu planen begann. Es war neben der heißgeliebten Musik und der Erreichbarkeit von Karlsruhe aus auch die Neugier auf den Ort. Das Neue Museum in Nürnberg hatte mich schon zuvor (von außen) beeindruckt und erschien mir als Konzertort eine wunderbare Idee zu sein und versprach einen ganz besonderen Abend.



Immerhin noch vor dem Konzert habe ich dann gemerkt, dass ich schon einige Jahre ziemlich auf der Leitung gestanden hatte. Dank Gizeh Records stand nämlich lange schon Chantal Acdas Projekt Sleepingdog in meinem CD-Regal und Toby von True Bypass. Die Isbells nicht, hätten aber eigentlich auch gut gepasst. Die Frau ist also schon eine Weile im Geschäft und gerade With Our Heads in the Clouds and Our Hearts in the Fields lief viel und zu meiner großen Freude. Im Nachhinein höre ich natürlich Chantals Stimme dort sehr wohl... 


Aber trotzdem scheint mir mit der ersten CD unter ihrem Namen eine neue Entwicklungsstufe erreicht zu sein. Sehr souverän und eigenständig stehen die Stücke im Raum und haben ja auch meinen Blick zum ersten Mal wirklich auf diese Sängerin gezogen. Die Platte selbst ist mit den Namen Nils Frahm und Peter Broderick verbunden. Für die Konzerttermine hatte sie aber illustre Unterstützung aus Belgien gewonnen. Auf der Bühne waren zusammen mit ihr Gaëtan Vandewoude (Gitarre) - von den Isbells vertraut, Alan Gevaert (Bass, dEUS) und Eric Thielemans (drums). Eric und Gaëtan übernahmen auch abwechselnd den Gesangspart von Peter Broderick (ich empfehle auch sehr einmal in Erics Solo CD zu hören).



Der Abend gestaltete sich in vielem genau so wie ich es mir in meinen hoch gespannten Erwartungen ausgemalt hatte. Ich fand einen sehr schönen Raum vor: groß, hoch und doch intim. Publikum in freudiger Erwartung, das später ganz still und aufmerksam das Konzert begleitete. Und eine souverän und freudig aufspielende Band. Die ausliegende Setlist folgte fast 1:1 der Reihenfolge auf der CD (aber ausgerechnet mein heißgeliebtes Lost fehlte).


Insbesondere bedeutete das, dass das Konzert mit dem sehr introvertierten und leisen Lied Jason begann und dem noch besinnlicheren We will, we must weitergeführt wurde. Besonders Chantal merkte man an, dass sie sich wirklich freute, hier und für uns ihre Lieder spielen zu dürfen und ich fand das unglaublich anrührend und ich ließ mich für die Dauer des Konzerts gern entführen und bezaubern. Natürlich war als Draufgabe der Livedarbietung besonders interessant zu hören, wie die Fassung mit Band allen inzwischen doch sehr vertrauten Stücken ein neues Kleid gab. Platz für Eric, an den Drums Akzente zu setzen und an der Marimba Soli zu liefern. Oder die Art zu beobachten wie Alan seinem Bass die Töne ausmassierte.


Es gab vergleichsweise wenige Ansagen (außer sehr häufiges Danke), aber warum soll man nicht auch einfach die Musik sprechen lassen? Meine persönlichen Höhepunkte waren wohl My night und Arms up high. Für Sunflower kam die Band an den Bühnenrand und gab eine sehr filigrane Fassung aus vierstimmigen Gesang, ganz wenig Drums und akustischer Gitarre. Das wurde auch mit besonders herzlichem Applaus gefeiert.


Nach dem letzten Stück auf der Liste konnten wir die Band mit dem begeisterten Applaus noch einmal zurück auf die Bühne wünschen. Chantal spielte zunächst solo We must hold on ganz besonders dünnhäutig und Gänsehaut erzeugend und nur von Gitarre begleitet fast noch schöner und "wahrer" als in der CD-Fassung. Danach rief sie resolut die Band noch einmal dazu, wollte uns wohl nicht so heimschicken. 


Nach dem Konzert bot sich noch die Gelegenheit die Musik zu erwerben und mit allen Musikern ins Gespräch zu kommen, die sich ähnlich sympatisch und selbst noch ein bisschen geflasht von dem Abend zeigten wie ich mich selbst noch fühlte.


Als Auftakt des Konzertabends hatte A Winter's Heir als Support ihre recht spröde Musik vorgestellt. Frauenstimme, E-Gitarre, Loops und ipad zeigten sich als ausreichend, uns eine abwechslungsreichen Einstieg in den Abend zu geben, der nicht ganz leichte Kost genannt werden kann, aber das Potential der noch sehr jungen Frau zeigte.






Setlist:
01: Jason
02: We will, we must
03: My night
04: Own time
05: Arms up high
06: Backdrops
07: Sunflower (Low cover)
08: Winterocat

09: We must hold on (Z, solo)
10: Flämisches Lied (Z)






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