Samstag, 25. Juni 2016

Karla-Therese & Christian Kjellvander, Karlsruhe, 20.06.16

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Konzert mit Karla-Therese & Christian Kjellvander
 in der Karlsruher Waldstadt
Datum: 20. Juni 2016
Dauer: 65 min
Zuschauer: 8


Intimissimo trotz vielen noch persönlich angesprochenen Personen. Allerdings mit enthusiastischen - zum Teil von weit angereisten - Gästen. Der Enthusiasmus zeigte sich zunächst in geschlossenen Augen und andächtigem mitwiegen unterbrochen von freundlichem Applaus bis er sich schließlich beim Kampf um eine Zugabe richtig Bahn brach - da wurde es richtig laut!


Ich hatte ganz selbstverständlich mit einem wunderbaren Sommerabend gerechnet, mit spätem Vollmond-schauen im Schloßpark. Das klappte leider nicht. Wir saßen zwar am Nachmittag nach der Ankunft der Familie K. noch sehr schön im Garten unter herrlicher Sonne, aber schon zu Konzertbeginn hatte es sich komplett zugezogen und im Laufe der ersten Töne, drippelte der Regen an die Scheiben. Im leichten Getröpfel dienten sich noch lange sehr enthusiastisch die  Sing-Vögel als Background-Sängerinnen an und fügten damit dem Abend eine heitere Note bei. Auch die Sonne schien von Westen her unsere Kiefern noch lang von sehr tief an und auf der uns verdeckten Seite müssen die schönsten Regenbögen zu sehen gewesen sein.


Dann war es irgendwann doch dunkel und der Regen hatte sich über die Stunde zu einem richtigen Landregenguß gesteigert. Und so sehr ich grauem Wetter oft mit dunklen Gedanken begegne, musste ich doch zugeben, dass die innigen und melancholischen Lieder in diesem Setting eine ganz besondere Kraft und einen zarten Zauber entfalten konnten.


Und wie schon in Stuttgart stellte ich fest, dass sie in der Symbiose von Christian Kjellvanders warmer und vertrauter Stimme mit dem filigranen Gitarrenspiel besonders funkelten weil Karla-Therese sich stimmlich einmischen und einbringen konnte. Sie bekräftigte manchmal - andermal verschob sich die Stimmung die entscheidende Winzigkeit und im Blickkontakt der Partner war für uns alle eine Wärme und Herzlichkeit spürbar, die uns wohl noch lange in guter Erinnerung bleiben wird.


Setlist
01: Stallsur Sea
02: Poppies & Peonies
03: The Zenith Sunset
04: The Valley
05: Two Souls
06: The Trip
07: Slow walk in the country
08: The Mariner
09: The Crow
10: When the Mourning Comes
11: The Island

12: Oh Night (Z)


Aus unserem Archiv
Karla-Therese & Christian Kjellvander, Stuttgart, 07.03.16


Montag, 20. Juni 2016

Song conversation, Ludwigsburg, 19.06.16

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Song conversation mit Judith Holofernes, 
       Robert Gwisdek (aka Käptn Peng) & Gisbert zu Knyphausen
Ort: Reithalle in der Karlskaserne in Ludwigsburg
Datum: 19. Juni 2016
Dauer: 120 min
Zuschauer: über 500 (ausverkauft)


Unter dem Namen Song Conversation hatten zwei meiner Helden, nämlich Judith Holofernes und Käptn Peng  gemeinsam mit Gisbert zu Knyphausen für zwei Abende eingeladen. Und alle, alle kamen. Der Samstag in Stuttgart war fix ausverkauft, aber für den zweiten Tag in Ludwigsburg gab es noch kurz länger Karten. Passte eigentlich sowieso auch besser und gab obendrein die Chance, schließlich in Sternfahrt von Karlsruhe und Stuttgart nach Ludwigsburg aufzubrechen. Außer uns waren noch 500 andere Leute gekommen und auch die drei Musiker hatten noch Unterstützung dabei, nämlich Felix Weigt an Bass und Piano und Max Schröder  am Schlagzeug (beide spielen auch in der Höchsten Eisenbahn, mit der sowohl Judith als auch Gisbert schon zusammengearbeitet haben).


Der Abend begann wirklich verheißungsvoll, denn die Sonne hatte es am Nachmittag endlich geschafft, für etwas länger die Wolken vom Himmel zu verbannen. Fast schon hatte ich vergessen, wie Sommer auch sein kann! So konnte das Areal an der Karlskaserne seinen ganzen Charme ausspielen und ich kann mich kaum erinnern, wann ich zuletzt so tiefenentspannt in ein Konzert gegangen bin. Bis kurz nach 19 Uhr noch genossen wir die heitere Atmosphäre und die Vorfreude auf einen ganz gewiß besonderen Abend. Zum Einlass wurde schließlich im Rund gegongt und gefühlte fünf Minuten später schon saßen alle auf ihren Plätzen. Die Wartezeit bis zum Konzertbeginn wurde nicht überstrapaziert und zu großem Applaus betraten die fünf Künstler knapp vor 19:15 Uhr die Bühne.


Was sollte man sich nun erwarten? Ich hatte im Vorfeld darüber nicht arg nachgedacht, denn einerseits war dafür nicht recht Zeit gewesen und andererseits war ich mir sicher, dass sich auch die Künstler mit dem Abend ein Geschenk machen wollen würden. Eine Chance aus der sie etwas spannendes bauen würden. Dabei zuzusehen würde in jedem Fall die Fahrt gelohnt haben. Tatsächlich gaben sie ihrem Affen Zucker und kramten uns Lieder hervor, die sie selber sehr mögen, die sie sich anverwandelt haben (z.B. in Textübertragungen) oder mit denen sie schon lange innerlich leben. Unweigerlich dabei auch eigene Herzenslieder wie Henry Lee, I follow you into the dark oder Masters of War.

Sie schafften es aber auch, in interessanter und mitunter herrlich überraschender Weise ihre Songs miteinander reden zu lassen. Gleich zu Anfang gab es so einen Wunder-Moment mit einer Symbiose vom Monster-Lied von Käptn Peng, das als Refrain das Kannst Du mein Monster halten der ersten Heldenplatte beigefügt bekam (großer Achja-Moment in meinem Herzen, der fast bittersüß wurde, als Judith darauf hinwies, dass ihr Monster schon 16 Jahre alt ist).

Dabei wurde schön mit Rollen gespielt, indem Instrumente rund gingen, Lieder der jeweils anderen gesungen wurden, Duette gebildet wurden und zwischendurch auch echt abgerockt wurde in glückseliger Dreieinigkeit. Faszinierende Einigkeit in gewissen Themen wie gruselige Lieder oder unkitschige Liebeslieder oder der Veehrung von Conor Oberst. Auch dass Herr Gwisdek und Frau Holofernes nicht im klassischen Sinn toll singen können machte neben dem Stimm-stärkeren Herrn zu Knyphausen nichts aus.  Es machte auch nichts, dass Käptn Peng ohne "seine" Tentakel deutlich weniger anarchistisch agieren muss. Dafür rückte in den Mittelpunkt, was die Texte zu sagen haben und was sie mit den Künstlern machen und auch mit uns, dem Publikum. Und die zwei Bandmusiker zusätzlich gaben gerade genug Bums obendrauf, dass es auch mal herrlich laut werden konnte.



Das kam beim Publikum an und so musste es Zugaben geben. Die Lösung auf der Bühne war, dass Gisbert eines seiner Lieder sang (er fragte nach Wünschen, aber richtete sich dann doch nach dem eigenen Gusto) und Judith Holofernes einen anverwandelten Country-Song (mit vielen Strophen) mit der Band vortragen konnte. Käptn Peng ergriff die Gelegenheit, einen herrlichen fast 10 min langen Knaller mit Socke zu geben, der - wie immer - ordentlich gefeiert wurde. Danach war definitiv Schluß, was irgendwie schade war, andererseits aber auch ok. Denn mit zwei Stunden Programm hatten sie sich nicht gerade lumpen lassen und man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist....

Außerdem bleibt die Hoffnung dass die Schloßfestspiele in Ludwigsburg weiter solche interessante Ideen umsetzen, wenn diese vom Publikum so begeistert aufgenommen werden!

Setlist:
01: M.I.L.F. (JH)
02: Kannst Du mein Monster halten (WsH) vs Monster (KP)
03: König Alkohol (Spinvis, übersetzt
GK)
04: Henry Lee  (Nick Cave)
05: neues Lied ohne Titel (GK) vs Sie mögen sich (KP)
06: Liebe Teil 2 - Jetzt erst recht (JH)
07: Ofen aus Glas (Element of Crime)
08: Nichts was wir tun könnten (WsH) 

09: I Will Follow you into the dark (Death Cab for Cutie)
10: Danke, ich hab schon (JH) vs Kündigung (KP)
11: Verschwende deine Zeit (GK)
12: Stiller (WsH) vs Sein Name sei Peng (KP)
13: Bowl of Oranges (Bright Eyes)
14: Masters of war (Bob Dylan)
15: Liebes Leben (KP)
16: Das Leichteste der Welt (Kid Kopphausen)


17: Flugangst (GK)

18: Wenn ich ein Boot hätte (Lyle Lovett, übersetzt von JH)
19: Sockosophie (KP)

(JH) Judith Holofernes
(WsH) Wir sind Helden
(KP) Käptn Peng
(GK) Gisbert zu Knyphausen

Aus unserem Archiv:
Judith Holofernes, Stuttgart, 14.04.14
Wir sind Helden, Haldern, 13.08.11
Wir sind Helden, Paris, 20.09.07  

Gisbert zu Knyphausen, Erbach, 15.07.12
Gisbert zu Knyphausen, Haldern, 12.08.11
Gisbert zu Knyphausen, Rüsselsheim, 10.07.10 
Käptn Peng und die Tentakel von Delphi, Karlsruhe, 07.08.14  
 

Sonntag, 19. Juni 2016

Wolf Parade, Hilvarenbeek, 17.06.16

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Konzert: Wolf Parade
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 17.06.2016
Dauer: knapp 60 min
Zuschauer: ziemliches volles Zelt



London, Helsinki, Hilvarenbeek, Aarhus, Westmeath. Wer die beste aktive kanadische Band sehen wollte, musste reisen. Als ich Wolf Parades Schwester Band Sunset Rubdown (die zweitbeste nicht mehr aktive kanadische Band) zum ersten Mal gesehen habe, musste ich dafür nach Wetzlar fahren. Die anderen westeuropäischen Termine der damaligen Tour waren Haarlem, Vlissingen und Schorndorf. 


Es erfordert also ein gewisses Maß an Hingabe, Wolf Parade oder Sunset Rubdown live zu sehen. Nach zwei oder drei Liedern war die Mitte des Zuschauerraums ein Knäuel aus pogenden und mitsingenden Fans. Wolf Parade waren also offenbar für viele der Grund, in den Safari Park nach Hilvarenbeek zu fahren und eine der wenigen Chancen zu nutzen, die gerade aus einer fünfjährigen Pause zurückgekehrte Gruppe live zu sehen. 


Eigentlich muß ich nicht viel zu diesem Konzert sagen. Mit dem ersten Keyboard-Ton von Spencer Krug begann eine berauschend gute Musik-Stunde. So simpel der Rider der Kanadier sein mag (auf der Bühne standen nur einige Sixpacks Bierdosen), so komplex sind die Melodien der Stücke. Keyboarder Spencer (der das auch bei Sunset Rubdown macht) und Gitarrist Dan Boeckner teilen sich den Songwriter-Job und singen ihre jeweiligen Lieder. Dans Stimme ist toll und passt perfekt zur Sorte Musik, die Wolf Parade machen (was auch immer das für eine sein mag). Sein Kollege hat die schräge Stimme in der Band. Und schräg ist in diesem Fall wundervoll!


Viel verrückter als seine Stimme ist Spencers Keyboard-Spiel. Er liegt über seinen Instrumenten und balanciert mit seinem rechten Bein den Hocker nach hinten. Immer, bei jedem Lied. Einmal verlor er seinen Sitz, da fiel der hin, nach dem letzten Lied kickte er ihn absichtlich weg. 

Wolf Parade spielten Songs von den drei Platten Apologies to the Queen Mary, At Mount Zoomer und Expo 86, von der dritten EP (EP 3) und zwei von der neuen vierten EP (EP 4).... und jetzt ist mein Bericht wieder viel zu sachlich geworden. Das Konzert, jede einzelne Minute war atemberaubend! Es war wild, laut, schnell und intensiv. Obwohl in der Mitte wild getanzt wurde und dadurch große Lücken vor der Bühne waren, versuchten immer wieder Crowdsurfer ihr Glück - und landeten auf dem Boden, einer ziemlich laut. Er stand aber schnell wieder auf und sang weiter. Natürlich waren das alles keine Leute, die die Band interessant fanden und deshalb da waren. Das war der Wolf-Parade-Fanclub Europa-West.

Ich habe keine Ahnung, warum Wolf Parade so selten gebucht wird, warum niemand den Mut hatte, die Band auf eines der deutschen Festivals zu buchen. Oder eine Clubshow zu veranstalten.

Setlist Wolf Parade, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek:

01: You are a runner and I am my father's son (1)

02: Fancy claps (1)
03: Soldier's grin (2)
04: What did my lover say? (It always had to go this way) (3)
05: Shine a light EP1
06: C'est la vie way / Floating world EP 4
07: Cloud shadow on a mountain 3
08: Dear sons and daughters of hungry ghosts 1
09: Language city 2
10: This heart's on fire 1
11: I'll believe in anything 1
12: Kissing the beehive 2

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Wolf Parade, Wien, 22.09.10
- Wolf Parade, Paris, 18.09.10
- Wolf Parade, Brüssel, 16.05.10
- Wolf Parade, Köln, 03.12.08


Samstag, 18. Juni 2016

Minor Victories, Hilvarenbeek, 17.06.16

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Konzert: Minor Victories
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 17.06.2016
Dauer: 55 min
Zuschauer: ziemlich volles Zelt




Ich bin kein großer Freund von Supergroups, weil bei denen meist eben nicht 1+1=2 gilt. Sind allerdings Stuart Braithwaite von Mogwai und Rachel Goswell in einer gemeinsamen Band, interessiert mich das schon. Dummerweise wäre meine einzige Chance, Minor Victories zu sehen, das Maifeld Derby gewesen, das findet aber mittlerweile parallel zum Primavera-Festival statt und ist in Mannheim und nicht in Barcelona, was gerade im Juni einen Unterschied ausmachen kann.

Glücklicherweise gibt es seit ein paar Jahren auch in der Nähe von Tilburg ein hervorragend besetztes Festival, das Best Kept Secret. Und da Minor Victories da am Freitag spielten, würde ich sie also doch sehen können (der Grund, zum Festival zu fahren, war aber ein anderer - siehe nächster Bericht).

Seit meinem letzten BKS vor zwei Jahren (am Tag, als Deutschland gegen Ghana gespielt hat, hatte ich da Slowdive, Mogwai und Amatorski gesehen) hat sich einiges getan. Die für ein so großes Festival herrlich einfache Anreise gibt es nicht mehr. Damals parkte man zwischen ein paar Birken, bekam an einem Büdchen das Bändchen und war zwei Minuten später an Bühne zwei, einem offenen Zelt, in dem bisher all meine BKS-Highlights gespielt haben (auch Portishead im ersten Jahr).  Diesmal brauchten wir rund zwei Stunden von der Ankunft in Hilvarenbeek bis zur Ankunft auf dem eigentlichen Gelände. Auch was das Parken angeht, ist es jetzt ein großes Festival. Unser Parkplatz lag auf einer Viehweide auf der anderen Seite des Sees. Von da sind es gut 2,5 km Fußmarsch bis zur Musik. Das ist alles nicht dramatisch, wenn man es weiß (und alles andere - das Eß- und Trink-Angebot, die erstaunlich komfortablen Toiletten, das freundliche Personal und natürlich das irre Lineup - ist immer noch perfekt).


Minor Victories spielten natürlich auch in "meinem" Zelt. Die Zelt- und die Hauptbühne werden exakt abwechselnd bespielt und sind dicht beieinander. Wir hatten aber keine große Lust, rumzulaufen, dafür war das Wetter zu schlecht und verbrachten unseren Tag im Festzelt.

Minor Victories spielten um 17:45 h. Wie schon bei Slowdive vor zwei Jahren klang die Band brillant. Sie benutzt den Slowdive-Soundmann, las ich irgendwo. Neben Rachel und Stuart gehören die Brüder James (Bass) und Justin (Editors) Lockey zur MV. Am Schlagzeug saß mit Martin Bulloch ein weiterer Mogwai-Mann. Nach Give up the ghost, mit dem auch das Album beginnt (alte Regel: Lied eins ist immer Lied eins) kam das erste Highlight des Konzerts, The thief, ein langsam dramatischer werdendes Stück, das in der Mitte diese wundervollen Mogwai-Gitarren hat! Gottseidank gab mir das Gelegenheit, ab da vor allem auf Stuart zu achten. Denn der Bassist auf der anderen Seite der Frontfrau fiel mir vor allem wegen seines schlimmen Posens auf. James stand breitbeinig da, das war seine Ausgangsposition. Danach hüpfte, tanzte, poste er über die Bühne - als Bassist. Stuart ging ans Mikro, wenn er singen musste. Sonst stand er einen Meter weiter hinten und bewegte seine Hände und bei besonders schnellen Gitarrensachen seinen Oberkörper nach unten. Daß James nicht noch Purzelbäume und Sprünge durch brennende Reifen machte, fehlte ein wenig. Überrascht hätte es mich nicht. "Guck da nicht hin!" 


Justin Lockey (links) nutzte die ganze Breite der linken Bühnenhälfte, während Stuart Braithwaite (rechts) nur zum Singen nach vorne kam.

Der Bassist konnte es nicht versauen. Sein Bruder von den Editors auch nicht. Meine Haltung zu meinen ehemaligen (2006) Lieblingen ist nach dem Ausstieg des brillanten Chris Urbanowicz leider sehr eindeutig, ich mag sie nicht mehr. Justin ist nach der Chris-Trennung bei den Editors, ich habe ihn also nur einmal mit seiner Hauptband gesehen, beim Traumzeit-Festival. Das war so schlimm, daß ich sie seitdem meide.

Bei Minor Victories war natürlich nichts schlimm! Nicht alle Lieder sind brillant wie The thief oder Breaking the light. Beim ruhigen Cogs fehlten mir die flirrenden Gitarren. Die gab es auch nicht bei dem popigen Scattered ashes (Song for Richard), einem Duett von Justin und Rachel, das ein wenig an Dancing in the dark erinnert, trotzdem war das Stück toll!

Minor Victories sind eine Supergroup, die Sinn macht. Sie ist natürlich nicht besser als ihre Bestandteile (wie auch, bei Mogwai und Slowdive als Beteiligten?). Bei meinem nächsten Mal (im November) werde ich mich nur eher nach rechts stellen. Ganz bezeichnend waren übrigens die unterschiedlichen Wege, sich von uns zu verabschieden. Bassist James machte breitbeinig ein paar Fotos, während Rachel ihren Becher hob und mit einem "cheers" die Bühne verließ.

Setlist Minor Victories, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek:

01: Give up the ghost

02: The thief
03: A hundred ropes
04: Cogs
05: Breaking my light
06: Folk arp
07: Scattered ashes (Song for Richard)
08: Higher hopes
09: Out to sea

Links:

- aus unserem Archiv:
- Minor Victories, Mannheim, 04.06.16



Nadine Maria Schmidt, Leipzig, 21.05.16

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Konzert: Releasekonzert in großer Besetzung 
  Nadine Maria Schmidt und Frühmorgens am Meer
Ort: Neues Schauspiel in Leipzig
Datum: 21. Mai 2016
Dauer: 120 min
Zuschauer: knapp 200


Unfassbar: Es ist tatsächlich schon vier Jahre her, dass ich mich zuletzt auf den Weg ins Neue Schauspiel nach Leipzig gemacht habe. Auch 2016 ist der Grund ein Release-Konzert in großer und besonderer Besetzung für eine Platte von Nadine Maria Schmidt. In der Zwischenzeit ist freilich auch viel passiert. Vor vier Jahren noch hatte sie sich z.B. etwas zweifelnd daran gemacht, einen nicht von ihr selbst stammenden Text in Musik zu kleiden. Es sei wie einen fremden Schlüpper anzuziehen. Doch diesmal stand ein ganzer Liederreigen in den Startlöchern für den Nadine sich die Worte von den besten Wortkünstlern angeeignet hatte.


Als ich schließlich sehr erwartungsfroh wieder in der schnoddrig schönen Bühne in Leipzigs Westen Platz genommen hatte, wurde mir klar, dass ich gar nicht recht wusste, was mich erwarten würde. Ein wenig putzig, nachdem ich zwei Neu-Leipziger Freunde überredet hatte, mich zu begleiten und sich das keinesfalls entgehen zu lassen. Auf einer Ebene ganz und gar berechtigt, sind doch die Konzerte von  Nadine immer ganz besonders und von einer Haltung geprägt, die meine Freunde ansprechen würde. Erst recht in der großen Besetzung mit der ganz persönlichen Stimmung voller Herzen im Publikum. 


Aber mir wurde auf einmal erst recht bewußt, dass ich von den neuen Liedern noch kaum etwas kannte und über die neue Platte quasi nichts wusste. Als ein bester Fan der Welt hätte ich eigentlich das Privileg gehabt, auch vor dem offziellen Release-Tag am 3. Juni "meine" Platte schon in Händen zu halten, aber ich hatte Nadine gebeten, den Brief nicht zu schicken, weil ich ihn mir persönlich abholen würde. Viele der anderen im Saal hatten sich schon ein paar Tage in die neuen Lieder versenken können und ich war mir auf einmal nicht recht klar darüber, ob es so klug gewesen war, das Porto zu sparen...


Aber natürlich sind solche Gedanken müßig. Das Konzert würde für sich sprechen und ein besonderer Abend werden. Warum also nicht Freundschaft mit den neuen Liedern schließen im besten aller denkbaren Settings?! Nadine begann dann - als hätte sie meinen inneren Dialog gehört - mit einem mir sehr vertrauten Stück: Aluna. Das ganz ohne große Besetzung sondern nur mit Ukulele auf die Bühne gebracht wurde. Als stiller Anker oder auch um den Ton für das Konzert zu setzen: Ernsthaft und ehrlich - aber doch mit dem typischen Funken Hoffnung und tiefer Zärtlichkeit für alles menschliche. So weit der Plan. In Wirklichkeit musste sie mehrfach ansetzen und dann doch noch eine Ansage vom Herzen reden, bevor ihr innerer Pegel richtig eingestellt war für den Abend. Was aber gut aufgehoben war und erst recht die herzliche und erwartungsfrohe Stimmung fühlbar machte.


Anschließend wurde im Dunkeln eine Lesung eingespielt und dann füllte die Bühne schließlich die angekündigte große Besetzung. Mit Cello, Bratsche, Posaune, Klarinette, Klavier, Gitarre, Bass, Percusssion, Schlagzeug, Background-Gesang und einer leuchtenden Nadine dazwischen, davor und von allen getragen (später gab es auch noch Hackbrett und Melodika).


Auch hier war wie ein Bonus für mich der erste Song einer, den ich per Video kurz zuvor kennengelernt hatte: Ich bin der Regen. Dazu noch mit dem Text einer Lyrikerin, die mir durch ein sehr emotionales Konzert mit Hermann von Veen ins Herz gepflanzt wurde. Allein dieses Lied wäre mir die Reise nach Leipzig wert gewesen. So viele Gedanken und Gefühle wurden in mir aufgewühlt und freigesetzt und eingesponnen. Und ich spürte, wie auch bei meinen Sitznachbarn der Funken übersprang und alles war einfach nur herrlich. 


Was stach an dem Abend noch heraus? Ich kann es gar nicht so einfach benennen, um nicht dann doch alles aufzuzählen. Ich liebte die Posaune. So etwas herrlich hymnisches brachte sie in die Musik und war doch ganz geerdet, oder das Cello. Ebenso die vielen Frauenstimmen auf der Bühne - so wunderbar aufeinander eingestimmt und in der Fülle des Abends so reich. 


Oder vielleicht doch der herrliche Übermut inmitten all der Ernsthaftigkeit, die Spontan-Vertonung des Ringelnatz-Gedichts mit dem hingebungsvoll mitgesungenen Die Löcher sind die Hauptsache in einem Sieb (und wer wollte das bestreiten oder für unwichtig erklären?). Es gab Zugaben mit geliebten und bekannten Liedern und das Bitten und Betteln des Publikums brachte noch ein allerallerletztes Lied hervor, welches den Abend auf mit Nadine Solo beendete, wie er begonnen hatte.

Musiker:
Nadine Maria Schmidt - Gesang, Gitarre
Till Kratschmer - Klavier
Chris Turrak - Bass, E-Cello
Susann Großmann - Gesang
Tanja Haberland - Gesang
Tim Köhler - Gesang
Ralf Bauer - Posaune
Moritz Brümmer - Cello
Filip Sommer - Bratsche
Johannes Ziemann - Schlagzeug
Andreas Krödel - Klarinette
Torsten Philip - Hackbrett

 

Setlist:
01. Aluna
02: Ich möchte leben (gelesen)
03: Ich bin der Regen (Selma Meerbaum-Eisinger)
04: Denk es o Seele (Eduard Mörike)
05: Vorfrühling (Hedwig Lachmann)
06: Frische Fahrt (Joseph von Eichendorff)
07: Das Karussell (Rainer Maria Rilke)
08: Die Stadt (Theodor Storm)
09: Der Panther (Rainer Maria Rilke)
10: Mein blaues Klavier (Else Lasker-Schüler)
11: Leise sprich, leis geh (Oscar Wilde)
12: Sophie Scholls letzter Brief
13: Herbstbaum (Jochen Arlt)
14: Drei Jahre später (Jochen Arlt)
15: Winter (Annette von Droste-Hülshoff)
16: Ich hab Dich so lieb (Joachim Ringelnatz)

17: Das Leben ist schön
18: Und keiner hats gemerkt
19: Bitte lob mich

20: Sommerlied (noch ohne Namen)



Tourdaten 

Trio-Tour
28.05. Dresden, Club Passage
29.05. Meißen, 2. Internationales Sing & Song Klosterfestival
03.06. Zwickau, il Tavolino (mit Polis)
04.06. Plauen, Malzhaus
07.06. Bayreuth, Sübkültür
08.06. Weimar, Other Music Academy
10.06. Oranienburg, Kulturkonsum


Nadine Maria Schmidt & Susann Grossmann - Tour
22.06. Lübeck, Tonfink - Kulturcafé & Bar
23.06. Dierhagen, Kirche
24.06. Greifswald, Kulturzentrum St. Spiritus
01.07. Weil der Stadt, Straßenmusikfestival
02.07. Tübingen, Club Voltaire
06.07. Carwitz, Kirche
08.07. Schwerin, tba
09.07. Bad Wilsnack, Schloss


Aus unserem Archiv: 
Nadine Maria Schmidt, Karlsruhe, 10.10.14
Nadine Maria Schmidt, Adorf, 12.01.13
Nadine Maria Schmidt, Karlsruhe, 14.09.12
Nadine Maria Schmidt, Leipzig, 01.06.12
Nadine Maria Schmidt, Karlsruhe, 03.05.12




 

Konzerttagebuch © 2010

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