Sonntag, November 08, 2009

Mumford & Sons,München, 02.11.09

Konzert: Mumford & Sons
Ort: Atomic Café, München
Datum: 02.11.2009
Zuschauer: so einige, aber es fehlten echte Kerle im Auditorium (Zitat Eike)
Konzertdauer: eine gute Stunde




Text und Fotos von Eike. Erstveröffentlichung auf dem Klienicum, klick!



unterhaltsamer abend, fürwahr. mumford & sons standen auf der bühne des atomic café und machten schnell deutlich, dass sich hier eine geschulte, junge band einfand, die noch weder die freude am spiel als auch nicht den kontakt zum publikum verloren hat. erfrischend die ansagen und die kommunikation zwischen den einzelnen titeln des eine gute stunde füllenden sets. im rund allerorten zufriedenheit auf den zumeist unter dreißig jahren beanspruchten gesichtern. eng an eng stand man in den ersten zehn reihen, danach etwas windschiefe lockerheit unter den vielen amazon gewinnern, deren einsatz via mail traf oder jenen, die als freunde mitschlurfen durften. so kungelten denn die vorgeblich eingeschworen mit karohemd und/oder lässig geneigtem mützchen (so hässlich) und die anderen, die zum teil noch nie von der londoner band gehört hatten, ein wenig um die besten plätze. doch nicht einmal unmut kam auf, als sich die band ob des champions league disasters der bayern zu anfang des jahrtausends lächerlich machten. echte kerle fehlten im auditorium. spätestens als die vier briten sich beklagten, dass sie keinerlei kontakte zu deutschen "fraulein" hergestellt bekämen, wäre es an der zeit gewesen, den insulanern einzuheizen. denn vorzeigbare bubis mit backenbartbehaarung und traurigem sitz der hosen haben wir doch allemal. ob es denen allerdings gelänge, auch so enthusiastisch und unverwerflich krawallig musik zu machen, die den folk mit voller wucht trifft und den rock 'n' roll auf knallendem bass und geschredderter gitarr' schraffiert, bezweifeln manche. in welcher tradition man stehen muss, und die briten sind da gut bestückt, überlass ich dem leser, um solcherart scheunenparty zu feiern, aber einen neuzeitlichen zugang gibt es allemal. die fleet foxes, kolportiert man, wären eine referenz. doch ganz so weit möchte der geneigte hörer nicht gehen, da die harmoniegesänge des quartetts keinswegs so gestochen kommen, wie es die amerikanischen kollegen tönen lassen können. grobschlächtiger möchte man meinen, weniger am wetzstein massiert. nur der melodien wegen braucht man sich auf dem eiland jenseits des kanals nicht zu schämen. lauter memorabler stoff. dass sich der vor allem vom aktuellen album rekrutiert, versteht sich von selbst, da im vorhinein, bis auf eps und 7", nichts aktenkundig wurde, was die qualitätskontrolle von marcus mumford, country winston, ben lovett und ted dwane passierte hätte. so goutierte die runde das aufgeregte "winter winds" mit flinker guitar und dem allgegenwärtigen banjo nebst gänsehaut-harmoniegesang, "the cave", das so anmutig beginnt, "sigh no more", das im breitwandgesang an der spitze ins programm geführt wurde und sofort für aufmerksam sorgte, das hüpfende "little lion man" mit dem energischen gesang, "dust bowl dance", dem ich verfalle, noch bevor der dritte, vierte ton im keyboard versinkt. der schweiss ran, die socken brannten, bühnenbilder wären beim vorletzten stomp gestürzt, doch die burschten brachten ihren auftritt sauber inklusive schlagzeugeinsatz (für eingeweihte) nach hause. im abgang der dank, im wiederkehren auch. ein lied und wieder dank und abgang. dass sich die vier für "sister" noch einmal einfanden, verdankten sie einem aufgewiegelten publikum, einer münchner runde, wie man sie doch eher selten vorfindet. der flott/betulich rhythmus, der wechsel von laut auf leise und das charisma manches der bandmitglieder glühten unterkühlte hauptstädter auf. dicht an dicht mit ihren fans brachten mumford & sons ein akustisches ständchen, das, wie sie glaubhaft versicherten, garantiert der letzte akt sein würde. in einer perfekten inszenierung.

Festival de la musique allemand, Paris, 07.11.09


Konzert: Festival de la musique allemand (Festival deutscher Musik) mit Pupkulies + Rebecca, Masha Qrella, Stereo Total, Mediengruppe Telekommander, Schulz und Soehne und Djs

Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 07.11.2009
Zuschauer: so gut wie ausverkauft
Konzertdauer: von 21 Uhr bis 6 Uhr!



Das Festival de la musique allemand fand heuer zum 9. Male in Paris statt, aber für mich war es eine Premiere. Deutsche Musiker in meinem Pariser Jagdrevier zu beäugen, ist natürlich für mich einen spannende Sache, das versteht sich wohl von selbst. Ich bin ja laut Eike ein Brückenbauer zwischen Frankreich und Deutschland und in dieser Funktion musste ich natürlich brav antreten, Fotos schießen und Bericht erstatten. Für einen Gästelistenplatz hat es trotzdem nicht gereicht, da ich keine Peilung hatte, wen ich da hätte anschreiben müssen* und mich außerdem auch zu spät darum gekümmert habe. Ich wollte mir bis zu letzten Minute alle Optionen offen halten, schließlich gab es anderswo auch interessante Konzerte u.a. mit Fanfarlo oder April March. Daß ich mich schließlich für das Festival deutscher Musik entschieden habe, sollte ich nicht bereuen. Es war ein schöner, stimmungsvoller und ausgelassener Abend mit einem abwechslungsreichen musikalischen Programm. Elektro Pop mit Pupkulies + Rebecca, Indierock mit Masha Qrella, schräger deutsch französischer Punk Pop mit Stereo Total und deutscher Punk Rock mit der Mediengruppe Telekommander, für jeden Geschmack war etwas dabei!

Wobei sich über Geschmack natürlich trefflich streiten lässt. Oder auch nicht. Formulieren wir es bescheidener: Was ich mag ist gut, was ich nicht mag, ist scheiße! So.

Stereo Total waren schon mal eher nichts für mich, die überlass ich gerne Uschi (hallo Uschi, alles klar?) und den anderen, zahlreichen Fans, die extra für das schräge deutsch-französische Duo gekommen waren. Wahrscheinlich habe ich nicht den gleichen Humor wie Françoise und Brezel (eigentlich habe ich gar keinen Humor), oder war einfach nicht besoffen genug (eigentlich war ich noch nicht einmal ein bißchen besoffen), um auf den Mix aus Neuer Deutscher Welle, Punk Rock im Stile der Ramones bzw. Stinky Fingers und Elektro Pop abzugehen. Aber meinen Segen brauchten Stereo Total wahrlich nicht, denn ihr Set wurde vom Publikum sensationell gut aufgenommen und das Nouveau Casino glich einem Tollhaus. Super Stimmung also und das ist es ja, worauf es den meisten bei Festivals in erster Linie ankommt. Gekrönt wurde die Party vom Entern der Bühne aufgepeitscher Fans bei der Zugabe. Abgefahren, keine Frage...

A propos abgefahren, die letzte U-Bahn fuhr auch heute nicht später (obwohl Sven Regener ja das Gegenteil behauptet) und so konnte ich das Set der Mediengruppe Telekommander auch nicht bis zum Ende sehen. Eine Katastrophe war das aber nicht, denn der elektronische, deutsche Punkrock der beiden Heißsporne Florian Zwietnig und Gerald Mandl war zwar unterhaltsam und tanzbar, aber musikalisch nicht unbedingt meine Tasse Tee. Wobei festzuhalten ist, daß die Kerle absolut catchy und explosiv sind und mich mit ein paar Liedern (Endlosrille, Einer muss in Führung gehen) gut durchgeschüttelt haben. Das Zeugnis starke Liveband kann ich ihnen bedenkenlos ausstellen.

Kommen wir zu der Berlinerin Masha Qrella, die der Hauptgrund meines Erscheinens war. Die vielbeschäftigte Frau (Mina, Contriva, NMFarner) wollte ich schon immer mal solo sehen. Zusammen mit ihrer Band Contriva hatte ich vor ein paar Jahren bereits einmal das Vergnügen, sie live zu erleben, aber Songs unter ihrem Moniker hatte sie den Parisern bisher noch nicht vorgetragen. Stilistisch unterscheiden sich Contriva und Masha Qrella deutlich. Gibt es bei Ersteren so gut wie nie Gesang, ist bei Masha jedes Lied mit Texten beschrieben. Gut so, denn ihre Stimme ist wirklich sehr sehr schön! Lieblich, melancholisch, sinnlich und perfekt passend zum ideenreichen Indierock ihrer Band, die aus drei weiteren Mitgliedern besteht. Mit I Talk To The Trees wurde das Set eröffnet und auf Anhieb war ich angetan von der zarten Melancholie, die mich auf erfreuliche Weise an Stereolab erinnerte. Die Orgel jubilierte, die Gitarre tönte herrlich melodiös und der Bass polterte dezent durch das Stück. Ein Hörgenuß erster Güte, obwohl sich die Band hinterher nicht ganz zufrieden zu dem Sound äußerte.

Was mir besonders gefiel, war die Tatsache, daß Masha Qrella konsequent Indiemusik macht, die nicht nach dem eingängigen und erfolgsversprechenden Hit schielt, sondern subtiler und komplexer daherkommt, ohne schwer zugänglich zu werden. In dieser Hinsicht sah ich Parallelen zu den sträflich wenig beachteten Engländerinnen von Electrelane, die ebenfalls starke Lieder mit Langzeiteffekt komponieren. Zum Abschluß gab es allerdings ein Lied, das mit seinen unwiderstehlichen Dingel-Dengel Gitarren und seinem eingängigen Refrain definitiv Hitqualitäten hatte. Ich habe es umgehend zu meinem Profilsong bei MySpace auserkoren und empfehle auch das tolle aktuelle Album Speak Low.

Ebenfall postiv hervorzuheben waren Pupkulies & Rebecca. Ein gemischtes Berliner Duo mit klarer Aufgabenteilung. Sie singt und zwar absolut charmant (manchmal klang sie wie Julie Doiron, was natürlich ein Plus war!) und er ist für die elektronischen Beats zuständig.

Sie gingen als erste Band des abends an den Start und meisterten diese schwierige Aufgabe mit Bravour. Am Anfang war es noch recht leer im Nouveau Casino, aber mit der Zeit strömten immer mehr Besucher in den Laden und die anfänglichen Hemmungen fielen von Lied zu Lied. Pupkulies und Rebecca boten einen minimalistischen, aber punktgenauen und sehr tanzbaren Sound, der erfreulich organisch klang und eine schwer zu beschreibende Anziehungskraft ausübte. Rebeccas Gesang und ihre charmante Art trug viel dazu bei, aber auch die Beats von Janosh waren absolut catchy! Das Ganze war schlichtweg hypnotisierend und irgendwann sah ich nur noch Rebeccas Pferdeschwanz durch die Gegend segeln und Janosh hinter seinem schönen Apple Notebook rödeln.

Gespielt wurden Stücke von beiden Alben (Beyond The Cage und Burning Boats) z.B. Some Gin, Save Me und vor allem das französische Nouvelle Chance ("Tu es fous toi?"), das logischerwise bei den Franzosen extrem gut ankam.

Pupkulies & Rebecca also eine echte Entdeckung! Sie hatten einen wirklich gelungenen Abend eröffnet, der noch bis in die frühen Morgenstunden ging. So lang kann aber ein alter, müder Mann wie ich nicht abhotten. Gegen 1 Uhr 30 war für mich Schluß. Bis zum nächsten Jahr, Festival de la musique allemand und Kompliment an den Organisator Phil Stumpf!


* am Kassenhäuschen angekommen, wurde mir das klarer. Das Goetheinstitut natürlich! Darüber kamen in der Tat eine ganze Gruppe junger Mädchen rein...

Link:

Eike freut sich darüber, daß es den anachronistischen Sound der Mediengruppe Telekommander heute noch gibt. Hier nachzulesen
.


Freitag, November 06, 2009

Thomas Mery, La Fiancée, La Féline, Vanessa Chassaigne, Paris, 5.11.09


Konzert: Thomas Mery, La Féline, La Fiancée, Vanessa Chassaigne

Ort: Les Trois Baudets, Paris
Datum: 05.11.2009
Zuschauer: vielleicht 150
Konzertdauer: insgesamt 3 1/2 Stunden!



Franzosen, die in ihrer schönen Landessprache singen, sind gerade in der jungen Generation selten geworden. Hauptgrund ist wahrscheinlich, daß die Künstler Angst haben, in die Schublade "Variété Française" gesteckt zu werden, sprich im CD-Laden neben Schlagerstars wie Mireille Mathieu oder Alain Souchon einsortiert zu werden. Darauf hat natürlich kaum jemand Bock, man will lieber im Indieregal neben Andrew Bird oder Grizzly Bear stehen.

Ein paar Musiker haben es allerdings geschafft, französisch zu singen und dennoch gute Kritiken in der elitären Zeitschrift Les Inrockuptibles zu bekommen. Françoiz Breut zum Beispiel, aber auch Dominique A, Arman Mélies, oder Florent Marchet.

Und eben jener Florent Marchet arbeitet mit der jungen, bildhübschen Französin Claire alias La Fiancée zusammen. Ihr Auftreten am heutigen abend war auch der Grund für mich, im Trois Baudets aufzukreuzen. Ich hatte die junge Dame nämlich am Tag zuvor im Olympia gesehen, als sie zusammen mit Florent am Piano und einem Gitarristen drei Lieder vor dem roten Vorhang zum Besten geben durfte. Auf Anhieb war ich angetan von dem fast altmodisch zu nennenden Charme, der von ihren zeitlosen, französischen Chansons ausging. Klassische Namen des französischen Liedguts wie Barbara oder Françoise Hardy kamen einem in den Sinn und mir war klar, daß ich La Fiancée sofort wiedersehen musste!

Im Trois Baudets gab sie erst das dritte Konzert ihres jungen Lebens und auch ihr Songmaterial war folglich noch nicht sonderlich groß. Aber das war völlig egal, denn Lieder wie das zart melancholische Cette Autre waren so wundervoll, daß jede Minute ein Genuß war. Unsere geneigte Leserschaft höre doch einfach mal Tigre Mercenaire, um zu wissen, warum ich so angetan bin. Hat das nicht einen unwiderstehlichen Charme? Das erotisiert doch auf unschuldige Weise, oder nicht? Als würde man von ihrer sanften Stimme am Nacken gestreichelt, Hach! Schade bloß, daß mit dem Schlaflied Veilleuse dann auch schon sehr bald Schluß war. Meine Begeisterung war so groß, daß ich Claire hinterher sofort für eine Oliver Peel Session gewinnen musste. Sie hat zugesagt. Hurrrrraaaahhhh!

Aber auch die drei anderen Künstler des abends schlugen sich sehr ordentlich. Der bereits recht erfahrene Thomas Mery hatte den feinen Abend eröffnet und sang auf sehr melancholische Weise etliche Lieder auf französisch, obwohl sein Repertoire auch sehr viel Englisches beinhaltet. Ich mochte sein Konzert sehr.

Ebenfalls angetan war ich von der Französin Vanessa Chassaigne, die fast ausschließlich auf französich sang. Ausgestattet mit der typisch französischen , sinnlichen Stimme (obwohl dereinst von der Engländerin Jane Birkin eingeführt), spielte sie zusammen mit einrr männlichen Band Chansons, die eine ähnliche Melancholie wie die von La Fiancée aufwiesen. Obwohl sie erklärte, nervös zu sein, empfand ich sie als sehr charismatisch und für die Bühne geschaffen.

La Féline schließlich bot das rockigste Konzert des Abends. Die großgewachsene und schlagfertige Pariserin mit der an Kate Bush erinnernden Stimme wechselte zwischen Akustik-und E Gitarre hin- und her und variierte oft Stil und Tempo. Sie hat auch schon eine EP herausgebracht, die man bestellen kann, wenn man ihre MySpace Seite absurft.

Insgesamt ein prima Abend, der gezeigt hat, daß man auch französich singen kann, ohne gleich Richtung Schlager bzw. Chanson zu gehen. Und ist es nicht sogar schöner, Lieder in der Sprache Molière's zu hören, anstatt Franzosen geboten zu bekommen, die die Sprache von Shakespeare verhunzen? Ha, ein kleiner Seitenhieb auf den französchen Akzent, schließlich ärgern mich die Froschfresser ja auch ständig damit, daß ich einen deutschen Akzent hätte!

Pour nos lecteurs français:

Rares sont devenus les jeunes artistes français qui chantent dans leur jolie langue. Ils ont souvent peur d'être categorisé "Variété française" et de se retrouver rangés entre Alain Souchon et Michel Sardou, donc c'est plus sûr de chanter en anglais.

Mais il y a quand même des français chantant dans la langue de Molière qui s'en sortent bien. On pourrait citer Françoiz Breut (belge en fait), Dominique A (belge aussi), Arman Mélies ou bien Florent Marchet. Ce dernier joue d'ailleurs dans le groupe de la jeune Fiancée et l'aide beaucoup avec les arrangements, qui sont d'une grande finesse. À mon avis il a fait un bon choix, parce que La Fiancée n'est pas simplement une fille mignonne et charmante, mais elle possède en plus une très belle voix classique et s'inscrit dans la lignée de Francoise Hardy ou encore Barbara. Bref, elle ressucite la chanson française et rechauffe les coeurs.

Je l'ai découverte la veille aux festival des Inrocks à l'Olympia ou elle chantait trois morceaux devant le rideau rouge et j'étais immédiatement sous le charme. Logique donc que je veuille la revoir! L'occasion se presenta dès le lendemain et je me retrouvais dans un fauteuil confortable des Trois Baudets pour l'écouter présenter cette fois-ci six morceaux plus beaux les uns que les autres. Elle portait la même robe qu'hier (mais chut!) et était de nouveau accompagnée par Florent Marchet au clavier et un autre musicien à la guitare accoustique. Sa timidité lui va très bien et ses chansons douces et fragiles sont parfaites en cette saison triste et pluvieuse.

Son set se composait de petits bijoux comme son tubesque Cette Autre qui est tellement accrocheuse qu'elle ne me sorte déjà plus de ma tête, ou la berceuse La Veilleuse qui dans cette instrumentation dramatique me faisait penser à Dominique A.

La Fiancée n'était pas la seule à être formidable, les autres participants de cette très belle soirée, comme d'habitude parfaitement organisée par les Boutiques Sonores n'étaient pas enreste.

Thomas Mery avait ouvert le bal avec ses chansons folks, melancoliques et fragiles. Chantant en anglais et en français,
il égrène au fil des notes une poésie subtile et extrêmement touchante.

Vint ensuite la belle française Vanessa Chassaigne qui se disait un peu tendue mais n'en est pas moins une véritable bête de scène. Doté d'une voix sensuelle, elle rappelait Jane Birkin (mais sans l'accent!). Elle chantait l'amour, la plage et nous emportait avec elle au fil de l'eau...


Pour finir la soirée en beauté, La Féline offrit le set le plus varié et le plus rock , en passant régulièrement de la guitare accoustique à l'électrique. Ses morceaux, souvent joués avec un clin d'oeil montraient des influences très vastes, entre la pop aerienne d'une Kate Bush et les songs westerns de Neil Young. Une fille très charismatique et souriante qui a déjà sortie un EP six titres.

Vous trouverez les disques et vinyles de tous ces groupes aux soirées Boutiques Sonores que je recommande vivement!



Cette autre fois live @ Trois Baudets, Paris
Veilleuse live @ Trois Baudets, Paris

Fotos von La Fiancée im Olympia hier und hier


Bad Lieutenant, Bat For Lashes u.a., Paris, 04.11.09


Konzert: Bad Lieutenant & Bat For Lashes (Wave Machines, Violens), Festival des Inrocks

Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 04.11.2009
Zuschauer: ausverkauft? Oder doch nicht?



Bernard Sumner ist ein ganz Großer der britischen Musikszene der letzten 30 Jahre, das wollen wir hier mal festhalten. Wer aktiv bei Indielegenden wie Warsaw, Joy Division und New Order* Impulse gesetzt hat und 27 Jahre lang (brutto, eigentlich müßte man die Pause in den 90ern abziehen) die Stimme von New Order war, der hat seinen Platz in den Geschichtsbüchern des Indierock für immer sicher. Aber er denkt noch nicht daran, Golf spielen zu gehen, oder den ganzen Tag auf einer Finca Rotwein zu trinken, sondern braucht immer noch den Duft der Bühne. Und die bekam er heute mit seinem neuen Projekt Bad Lieutenant im altehrwürdigen Olympia geboten. Zwar nicht Headliner (warum eigentlich nicht?), aber dennoch zweitbestbezahlter Act des Festivalabends und zu einer guten Uhrzeit angesetzt. Früh am abend waren schon The Wave Machines und Violens aufgetreten und hatten mehr (Violens) oder minder (The Wave Machines, laut Angaben von Leuten, die schon da waren) gelangweilt. Violens aus New York, deren Auftritt ich noch fast komplett mitbekam, blieben vollkommen blass und ich fragte mich, warum man die Burschen verpflichtet hatte.

Bei Bad Lieutenant fragte man sich dies natürlich nicht, es war ja klar, daß man Nostalgiker (also alte Säcke wie mich, mit Bauch und Haarausfall) mit dem Namen Bernard Sumner locken konnte, egal unter welchem Moniker er auftritt. Und der alte Knabe machte seine Sache wirklich ausgezeichnet! Auch schon etwas rundlicher geworden und mit seiner Brille, die er im Showcase in der Fnac aufhatte, fast an Elton John erinnernd, bewies er doch, daß er es noch drauf hat und noch keinen Krückstock braucht. Zumal er im Olympia ohne Brille spielte (wahrscheinlich um jugendlicher auszusehen) und auch im Auftreten etwas mehr den Rockstar raushängen ließ, als am Nachmittag in dem CD-Laden. In einer Szene fluchte er sogar: "Turn the fucking lights of, there is no atmosphere!" Soviel Rohheit hätte ich ihm gar nicht mehr zugetraut. Auch seine Band, darunter ex New Order Phil Cunningham und Jake Evans (der auch einen Song singen durfte), machte ordentlich Krach und war besonders am Anfang gitarrenlastig. Kein Wunder, es gab in der Band drei (!) Gitarren und einen Bass. Später dann wurde es mitunter elektronischer (z. B. bei dem stark an New Order erinnernden Poisonous Intent). Tja und es gab sogar Lieder von New Order! Drei an der Zahl, mit dem grandiosen, noch in der Zeit von Joy Division enstandenen Ceremony, dem recht neuen Crystal (2001) und dem abschließenden Temptation. Dazwischen auch die Gemeinschaftsarbeit mit den Chemical Brothers (Out Of Control), die sehr gut aufgenommen wurde und mit Tighten Up ein Lied des Projekts Electronic. Gut verührt unter die Lieder von Bad Lieutenant ergab dies ein wohlschmeckendes Gericht, das sowohl Fans von elektronischer als auch von rockiger Musik mundete. Und nicht nur Nostalgiker mochten das, ich habe auch junge Leute gesehen, die sich angetan zeigten!

Well done, Sir Bernard!

Setlist Bad Lieutenant, Olympia, Paris:

01: This Is Home
02: Summer Days
03: Ceremony (New Order)
04: Sink Or Swim
05: Shine Like The Sun
06: Phoisonous Intent
07: Crystal (New Order)
08: Twist Of Fate
09: Tighten Up (Electronic)
10: Out Of Control (Sumner/ Chemical Brothers)
11: Temptation (New Order)

- Hervorragende Fotos von Bad Lieutenant im Olympia bei Robert Gil. Klick!
- Bad Lieutenant am gleichen Tag mittags in der Fnac . Hier

- Bericht Bat For Lashes in Kürze!


* im Grunde genommen ja ein und die gleiche Band, wobei bei New Order natürlich nur noch der Geist von Ian Curtis mitwirkte und dies auch nur bei dem ersten Album (Movement) nach seinem Tod

Als Headlinerin trat schließlich Natasha Khan alias Bat For Lashes auf. Die junge Engländerin, die aus einer pakistanischen Squash Familie stammt, knallte zwar keine Bälle gegen eine Steinwand, dafür schmetterte sie aber mit Hilfe einer saucoolen Drumerin und zahlreichen anderen, zum Großteil weiblichen Musikern (Charlotte Hatherly am Bass) die Hits ihrer beiden Alben. Wie immer auffällig gekleidet (hier zu bewundern), begann "Black Beauty" mit Glass und gefiel mir auf Anhieb deutlich besser als noch im Bataclan vor ein paar Monaten. Zwar wird es aufgrund der veränderten Bandkonstellation und des wuchtiger und elektronischer gewordenen Sounds wohl nie wieder den fragilen Zauber der ersten Konzerte geben, aber zumindest ein Teil des feenhaften Charmes ist noch übriggeblieben. Bereichernd wirkte sich heute die Präsenz von zwei Streichern im Hintegrund aus (eine Frau, ein Mann), die ihre Instrument oft zupfenderweise bearbeiteten. Auch Charlotte Hatherley, "The Girl From Mars", die gerade ihr drittes Soloalbum nach dem Ausscheiden bei Ash veröffentlicht, war ein Pluspunkt. Mit kurzem Rock und cooler Pose sang sie auch im Background mit und überzeugte vor allem bei einer Zugabe mit schöner Stimme.

Hinsichtlich der gespielten Songs ragte ganz klar der alte Hit Horse And I heraus. Das Lied hatte einen unglaublichen Bums und sorgte für die beste Stimmung innerhalb eines zwar gut aufgenommenen, aber nicht euphorisch gefeierten Sets. Horse and I wurde in der bsten Phase des Konzertes abgefackelt, in der auch noch What's A Girl To Do und Daniel hinterhergeschickt wurde. Die Spannung und Intensität konnte aber nicht immer gehalten werden, manchmal flachte das Ganze etwas ab und es wurde deutlich ruhiger im Publikum.

Der Zugabenteil dann noch einmal sehr erfreulich. Das romantische Wilderness offenbarte die sensible Seite von Natasha Khan und kam völlig ohne Elektrogefrickel aus. Ein wunderchönes Lied. Das schwungvolle Prescilla beendete dann ein gelungenes Konzert von Bat For Lashes. Eigentlich hatte ich die Künstlerin schon fast abgeschrieben, aber heute zeigte sie doch, daß sie mehr beherrscht als die perfekte Pose. Schön!

Setlist Bat For Lashes, Olympia, Paris:

01: Glass
02: Sleep Alone
03: The Wizard
04: Bat's Mouth
05: Horse And I
06: What's A Girl To Do
07: Daniel
08: Tahiti
09: Siren Song
10: Trophy
11: Two Suns
12: Pearl's Dream

13: The Big Sleep
14: Wilderness
15: Moon And Moon
16: Prescilla

Aus unserem Archiv:

Bat For Lashes, Paris, 27.05.09
Bat For Lashes, London, 24.06.08
Bat For Lashes, Paris, 10.06.08
Bat For Lashes, Paris, 24.10.07
Bat For Lashes, Paris, 26.08.07
Bat For Lashes, Paris, 11.11.06


Livevideo: Bat For Lashes Horse And I


Donnerstag, November 05, 2009

Bad Lieutenant, Paris, 04.11.09


Konzert: Bad Lieutenant

Ort: Forum Fnac Montparnasse, Paris
Datum: 04.11.09
Zuschauer: recht großer Andrang
Konzertdauer: 15 Minuten



"Fängt man in der Fnac an, endet man wie Roberto Blanco im Kaufhof", hatte Eike einst geätzt, als ich über Mareva Galanter geschrieben hatte.

Mag teilweise stimmen, aber heute musste der Satz richtigerweise lauten: "Fängt man nachmittgas in der Fnac an, endet man abends im legendären Pariser Olympia! Jawohl! Vorraussetzung ist natürlich, daß man Bernard Sumner heißt, mal in der besten Band aller Zeiten namens Joy Division gespielt hat (Fans der allerersten Stunde nennen immer noch den Vorläufer Warsaw) und mit New Order nicht nur mainstreamtechnisch viel bekannter geworden ist, sondern auch ordentlich Kohle gemacht hat.

Nun also sein neues Projekt Bad Lieutenant. Umringt von zwei Akustikgitarristen (Phil Cunningham, Jake Evans) betritt der alternde Indiestar die Bühne und setzt sich auf sein Stühlchen. Er trägt Brille, kurze Haare und Gesundheitsschuhe. Nie würde man ihn für eine Ikone der Postpunk Ära halten, wenn man es nicht genauer wüsste! Er sieht aus wie der Herr Kaiser und könnte einem sicher nicht nur eine Versicherung verkaufen. So vertauenswürdig und gutherzig wie er erscheint, würde man ihm sogar sein Geld anvertrauen, damit er es in Lehman-Brothers Zertifikaten anlegt. Oder so.

Dabei hat er jahrelang mit dem besessenen Ian Curtis zusammengespielt, ihn permanent gesehen. Unglaublich! Wenn er seine Memoiren schreibt und über Ian auspackt, könnte er sicher eine hübsche Stange Geld verdienen. Aber ich vermute, Fragen zu Hern Curtis nerven ihn gewaltig. Wenn er in Interviews gelöchert wird, wie die ganze Bandgeschichte verlaufen wäre, wenn Ian nicht Selbstmord begangen hätte, antwortet er immer nur, daß Ian krank war und eh nicht mehr lange hätte weitermachen können. Aber er, der Bernardo, ist immer noch im Geschäft! New Order ist abgewickelt, aber er macht munter weiter. Gut so! Sein kurzes Konzert war nämlich unglaublich charmant und berauschend. Ich habe jede einzelne Sekunde in vollen Zügen genossen und mit leuchtenden Augen meinem Helden aus Jugendtagen zugesehen. True Faith von New Order war damals eines meiner Lieblingslieder und auch in meiner Studentenzeit habe ich noch sehr gerne New Order gehört (stimmt's Cecile?). Seit ein paar Jahren habe ich die Band aber nicht mehr weiterverfolgt. Die letzten regulären Alben (vor den ganzen Deluxe Reeditionen) waren mir regelrecht schnuppe. Und dann heute solch ein Flashback! Kaum zu glauben, mir zitterten regelrecht die Knie, als ich Sumner singen hörte. Gespielt wurden zwei Tracks von Bad Lieutenant (auf jeden Fall das tolle Sink Or Swim und zu 90 % sicher Dynamo) und... Bizarre Love Triangle! Eine Sensation! Nie hätte ich gedacht, heute etwas von New Order zu hören zu bekommen! "Every time I see you falling, I get down on my knies and pray, I'm waiting for that final moment you'll say the words that I can't say", ich sang die Zeilen still und andächtig mit. Eine Mitdreißigern in der ersten Reihe war derartig gerührt, daß ihr Tränen die Wange runterkullerten. Ich konnte ihr gut nachempfinden, denn diesen Song in einer herrlichen Akustikversion zu hören, war einfach ergreifend. Bernard gab sich richtig Mühe, hing sich rein und man merkte, daß in ihm wieder viele Erinnerungen hochkamen.

Dann war aber leider abrupt Schluß, schließlich mussten die drei Jungs zu ihrem Konzert im Olympia. Trotzdem gaben sie noch geduldig Autogramme, ließen sich ablichten und waren sehr bescheiden und höflich. Bernard ist ein Gentlemen , soviel steht fest. Er hat von einem Fan eine Flasche Rotwein bekommen und bedankte sich aufrichtig und mit einem Strahlen im Gesicht. Schön!


Und morgen berichte ich dann vom "richtigen" Konzert im Olympia. Natürlich war es großartig und erneut wurden drei Titel von New Order geboten!

Setlist Bad Lieutenant, Olympia, Paris:

01: This Is Home
02: Summer Days
03: Ceremony (New Order)
04: Sink Or Swim
05: Shine Like The Sun
06: Phoisonous Intent
07: Crystal (New Order)
08: Twist Of Fate
09: Tighten Up (Electronic)
10: Out Of Control (Sumner/ Chemical Brothers)
11: Temptation (New Order)

- saucool: Bizarre Love Triangle, New Order, live Fanc Montparnasse Paris. Klick!
- Die besten Fotos von diesem Showcase gibt es auf dem Fotoblog meiner Freundin Michaela. Sie ist Profi. Hier!
- Rockerparis war auch dabei. Hier sein englischer Bericht.


Mittwoch, November 04, 2009

Efterklang, Paris, 03.10.09


Konzert: Efterklang

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 03.10.09
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft
Konzertdauer: etwa 70-75 Minuten



Petite chronique en françasi en bas!



Der Konzertabend des 03.10.2009 oder die Sinnkrise eines Musikbloggers.

So könnte man das heute Erlebte ungefähr beschreiben. Dabei hatte ich mich auf einen echten Leckerbissen gefreut und hohe Erwartungen in den Auftritt von Efterklang gesetzt. Schließlich hatten mich die Dänen im April 2008 euphorisiert zurückgelassen, als sie mit Pauken und Trompeten das Pariser Point Ephémère eroberten.

Warum das heute anders war und ich nur von einem passablen, aber keineswegs sensationellen Konzert berichten kann? Nun, da spielten ein paar Faktoren eine Rolle. Zunächst einmal empfand ich die Präsenz unzähliger, mit schwerem Geschütz bewaffneter, Fotografen als störend. Ich selbst knipse auch wahnsinnig gerne und weiß, daß ich damit sicherlich auch ab und zu andere Besucher nerve, versuche aber dennoch so dezent wie eben möglich aufzutreten. Mein Apparat ist keineswegs ein Profiteil, sprich keine teure Spiegelreflexkamera (von der ich insgeheim träume) sondern ein mittelgroßes Ding, daß man für circa 370 Euro kaufen kann und mit dem man in der Regel überall ohne speziellen Fotopass reinkommt. Das Knipsgeräusch habe ich ausgeschaltet, so daß man schon einmal dieses elende Geklicke nicht hört. Und dennoch: auch ich nerve andere, keine Frage!

Heute aber hatte man das Gefühl, daß einige Herren und Frauen Fotografen in den Krieg zogen, so groß und schwer waren die Objektive! Schweres Geschütz an allen Ecken und Enden also, so daß man nicht selten ein Rohr am Rücken oder über dem Kopf spürte. Zudem wurde eifrig gefilmt und zwar vorne und mit ebenfalls massiven Gerätschaften. Normalerweise stehen die Filmer in der Maroquinerie immer auf der Treppe in der Mitte und stören so wirklich überhaupt nicht, weil sie sich hinter einem Pfeiler aufbauen, wo sich ansonsten ohnehin nie jemand hinstellt. Nicht so heute, da marschierten die Filmschaffenden permanent durch die Gegend. Lästig! Dabei kann man doch eine gerade erschienene CD und DVD von Efterklang erwerben, wo sie Parades aufführen. Diese war am Merch erhältlich.

Neben den Rahmenbedingungen war aber auch der musikalische Teil weniger erfreulich als erwartet. Schon nach ein paar Titeln der Dänen, drängte sich bei mir der in der Folge nicht mehr zu unterdrückende Gedanke auf, daß sie letztendlich den Platzhirschen Arcade Fire nacheifern und vieles von den Kanadiern kopieren.

Warum gibt es eigentlich seit dem kommerziellen Erfolg von Funeral so viele Bands mit Geigen? Häahh?? - Scheiß Geigen, die braucht doch kein Mensch! Genauso wenig wie Trompeten. Bass, Schlagzeug, Gitarre, das langt vollkommen! Aber was schreibe ich da eigentlich, normalerweise mag ich doch Geigen, Trompeten ebenso?
Stimmt, aber wenn jede zweite Band mit diesem Instrumentarium aufläuft, dann ist man halt eben irgendwann übersättigt. Dabei war der heutige Geiger eigentlich ein wirklich besonders Guter, denn schließlich stand mit Peter Broderick nicht irgendwer auf der Matte. Der Bursche spielt u.a. auch bei den wundervollen Horse Feathers* und ist solo ebenfalls sehr positiv in Erscheinung getreten.

Aber von den Geigen nochmal zurück zu anderen Aspekten meines Aracade Fire Vergleichs. Bei den Kanadiern steht mit Win Butler ein omnipräsenter und höchst charismatischer Leader in der Mitte. Ein Typ, der mitreißt, der elektrisiert. Dabei ist er noch nicht einmal sonderlich sympathisch. In der Regel guckt er mürrisch und seine Ansprachen an das Publikum sind von Worten die mit "fuck" beginnen, geprägt. Bei Efterklang hingegen begegnet man einem spindeldürren, hochaufgeschossenem Schlacks mit Oberlippenbärtchen und Strandlatschen an den Füßen. Der Typ ist unglaublich nett, lächelt die ganze Zeit und hat trotzdem die Ausstrahlung von einem Schornsteinfegerlehrling. Er langweilte mich und seine Gestik war einstudiert und wenig spontan. Oft posierte er extra für die hyperaktiven Fotografen, lächelte direkt in die umstehenden Kameras. Gähn! Und bei Arcade Fire gibt es Regine Chassagne, ein feuriges Teufelsweib mit mächtig Charme. Bei den Dänen hingegen debütierte eine nette, blauäugige Skandinavierin, die ich mir allerdings besser als liebevolle Kindergärtnerin vorstellen kann. Zum Rockstar taugte sie nicht und ihre Stimme war nur Mittelmaß. Kein Ersatz für die aus der Band geschiedene Anna Bronsted, die unter dem Moniker Our Broken Garden solo weitermacht.

Kurzum, Efterklang erschienen mir wie eine Light Version von Arcade Fire. Sie haben zwar interessant konstruierte Lieder mit einigen Finessen zu bieten, aber nicht annähernd einen Hit wie Lies oder No Cars Go in ihrem Repertoire. Dennoch ist die Band das ideale Futter für hippe Blogger. Die lieben es ja, wenn möglichst viele Leute auf der Bühne agieren (heute waren es 7), wenn die Lieder immer noch ein paarmal um die Ecke biegen, anstatt direkt auf den Punkt zu kommen und wenn szenisch solche Gimmicks wie mehrere Schlagzeuge, ausgefallene Percussions, Glöckchen etc. und ein ständiger Wechsel an den Instrumenten geboten werden.

Ich hingegen hätte heute lieber eine weniger orginelle, dafür aber schnörkellosere Band wie beispielsweise die Thermals serviert bekommen. Die sind zwar bei den Bloggern nicht so hoch im Kurs wie etwa Animal Collective, Grizzly Bear oder Fredo Viola, dafür aber stets packend, energisch und unterhaltsam.

An Tagen wie diesen hasse ich meine Bloggerexistenz, mich selbst und die ganze Bloggerszene! Man will orginell sein und irgendwie anders als die Masse und trifft auf unzählige Nerds, die genau auf die gleiche Idee kommen und den gleichen Bands hinterherjagen. Verflixt! Was tun? Die ganze Bloggerscheiße hinwerfen? Zu völlig uncoolen Gruppen oder Musikern gehen (wie wäre es mit Carla Bruni, die hasst jeder Linksintellektuelle seitdem sie mit Sarko liiert ist), die bestimmt nicht von hippen Blogs verfolgt werden? Ob Sokrates eine Antwort wüsste?

Und wie war die Vorgruppe Mountains? Gähnend langweilig! Zwei Typen an der Akustikgitarre. die eine halbe Stunde lang mittels Loops und Samples ein monotones Endlosstück performten.

Setlist Efterklang: Bestand aus dem Album Parades, neuen, noch unveröffentlichten Stücken und zwei Liedern vom Album Tripper im Zugabenteil.

Fotos folgen...



* für die Amerikaner Horse Feathers spreche ich hiermit auch eine Konzertempfehlunga aus. Sie machen wunderbar reduzierten Folk und verdienen es gehört und gesehen zu werden.

Ausgewählte Konzertdaten Horse Feathers:

30.11.2009: Weltruf, Kiel
01.12.2009: Muk, Gießen
02.12.2009: Asta Kneipe, Rosenheim
03.12.2009: Café Nun, Karlsruhe
04.12.2009: Paradiso, Amsterdam
05.12.2009: Kraakpand, Gent
06.12.2009: Botanique. Brüssel


Deutsche Konzertttermine von Efterklang (hingehen und sich sein eigenes Bild machen!)

18.11.2009: Festsaal Kreuzberg, Berlin
19.11.2009: Kulturbunker Mülheim, Köln
20.11.2009: Bahnhof Langendreer, Bochum
21.11.2009: Junges Schauspiel, Hannover
22.11.2009: Glanz Und Gloria, Osnabrück
24.11.2009: Knust, Hamburg
25.11.2009: UT Connewitz, Leipzig
26.11.2009: Beatpol, Dresden
27.11.2009: Kino, Ebensee

Pour nos lecteurs français:

Un bon concert d'un groupe très sympathique et souriant, mais malheureusement pas la claque que j'ai attendu après leur euphorisant spectacle de 2008 au Point Éphémère. Il manquait un peu la spontanéité, la fraicheur et l'autencité. Le chanteur faisait souvent de poses juste pour les photographes, omniprésents hier à La Maroquinerie. Il est très gentil ce mec moustachu de 1, 95, mais il n'a ni la présence ni le charisme (et pas non plus la voix) d'un Win Butler d'Arcade Fire. A propos Arcade Fire. Pas mal des choses me rappelaient ce groupe canadien, qui a lancé il y a quelques années la mode des groupes rock au violons. Depuis la sortie et le succès critique et commercial de Funeral il y a énormenement des groupes qui font dans le même style. Ils sont toujours très nombreux sur scène (Efterklang comptait 7 musiciens hier, dont le très bon violiniste Peter Broderick, qui est aussi artiste solo remarquable), changent les instruments souvent (c'est pourquoi? Pour montrer au public que chaque musicien dans le groupe maîtrise tout?) et hurlent les refrains en choeur. En voyant ça je mes dis parfois ci ce n'était pas mieux d'aller voir un groupe en formation classique et efficace, guitare-bass-batterie. Mais bon...

Dommage aussi qu'il n y a plus Anna Bronstedt dans le groupe qui poursuit desormais sa carrière solo sous le nom de Our Broken Garden. Sa remplaçante était gentille comme tout, mais n'avais pas le même charisme et pas non plus sa voix cristalline.

Petite déception donc, mais les attentes étaient peut-être trop élevées..


The xx, Frankfurt, 03.11.09


Konzert: The xx
Ort: Nachtleben, Frankfurt
Datum: 03.11.2009
Zuschauer: ca. 350 (seit langem ausverkauft)
Dauer: The xx 48 min, MissinCat 35 min


Eigentlich hätte ich The xx* am vergangenen Freitag zum zweiten Mal sehen wollen; da waren die sehr stark gehypten Londoner in Luxemburg angesetzt. Ein paar Tage vorher machte dann aber die Meldung die Runde, Keyboarderin Baria Qureshi sei vorerst ausgestiegen und alle Konzerte bis zum heutigen Tag abgesagt. In Köln im Luxor war mir Baria neben ihren drei Kollegen kaum aufgefallen, ihr Ausfall erschien mir also nicht schrecklich dramatisch.

Im Nachtleben in Frankfurt war ich noch nicht. Der Club liegt mitten in der Innenstadt, direkt an der Konstablerwache. Die vielen Leute vor der Tür schienen nicht wegen des Nikotins draußen zu stehen sondern weil sie noch Karten suchten. Das Konzert war nämlich seit Wochen ausverkauft und wurde glücklicherweise nicht in die Batschkapp hochverlegt. Jedenfalls hatten es offenbar viele verpasst, sich rechtzeitig um Karten zu kümmern und versuchten das jetzt bei jedem, der sich dem Nachtleben näherte, zu korrigieren. Der Club liegt im Keller einer hippen Kneipe und ist nicht richtig günstig zugeschnitten. Sein Grundriss gleicht einer SIM-Karte, wobei die Bühne auf der Seite mit der fehlenden Ecke oben ist. Damit wird eigentlich nur die obere Hälfte des Ladens anständig beschallt.

Als für The xx aufgebaut wurde, zeigten sich schon die ausstiegsbedingten Änderungen. In Köln hatten die vier Musiker noch nebeneinander gestanden, heute waren die beiden Mikros weit auseinander aufgestellt und in der Mitte in zweiter Reihe der elektronische Kram. Um zehn nach zehn erschienen die drei verbliebenen xx, Gitarristin Romy, Bassist Oliver und Keyboarder Jamie. Das Konzert begann mit dem Introstück der Platte, gefolgt von VCR. Auch wenn das nach Wichtigtuerei klingen mag, das fehlende Keyboard bemerkte man sehr deutlich! Jamie Smith spielt all die kleinen Drumbeats live. Ihm dabei zuzusehen, ist ein wahres Vergnügen. Welche Parts seiner Kollegin Baria er zusätzlich übernahm, kann ich nicht einschätzen, es fehlte aber etwas am Klangbild, die Albumtreue (bei kleineren Variationen) des Kölner Konzerts war anfangs nicht gegeben.

Mit Heart skipped a beat - dem Lied mit dem besten musikalischen Moment, kurz bevor der Refrain erstmals kommt - und Basic Space hatte das Konzert einen ersten Höhepunkt. Hier standen Jamies treibende Beats im Vordergrund, die Lieder punkteten locker! Vor allem hörte man dabei wenig von der mangelnden Eingespieltheit der drei als verkleinerte Band.

Die aber spielte danach immer wieder eine Rolle. Oliver hatte schon entschuldigend erwähnt, daß es ihr erstes Konzert als Trio sei. Daß die Komplexität der Stücke der Band mit dem sorgfältig nach Zufall klingenden Einsetzen der Stimmen, dem scheinbaren Nebeneinandersingen von Romy und Oliver, enorm viel Üben voraussetzt, ist klar. Wenn dann ein Rad aus dem Getriebe rausfällt, ruckelt es eben (haben Getriebe eigentlich Rädchen? Ich habe keine Ahnung...), die enorme Präzision, die mich in Köln noch so beeindruckt hatte, fehlte häufiger. Die Band stellte sich dem aber sehr sympathisch. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie sich wohl der Glasvegas-Sänger verhalten hätte, wenn ein Schlüsselmusiker - sagen wir, die Schlagzeugerin - kurzfristig ausgefallen wäre...

Ihren sicher am häufigsten gespielten Hit Crystalised verpatzen die drei xxe richtig ordentlich. Erst der vierte Versuch, ins Lied zu kommen, gelang. Der Anfang des Stücks ist auch schrecklich komplex und erforderte offenbar von Jamie viel neue Arbeit. Aber weder Publikum noch Band waren dadurch genervt; als das Lied endlich lief, wurde es gefeiert!

The xx spielten das gleiche Set wie in Köln, nur in anderer Reihenfolge. Auch das glänzende Womack & Womack-Cover Teardrops gehörte zum Programm. Ich hätte zwar auch gerne eines ihrer anderen Cover gehört, aber so war es auch absolut in Ordnung!

Hätte mir der Vergleich gefehlt, wäre ich heute begeisterter gewesen. Auch so war das Konzert ein gutes, es war aber weit davon entfernt, überragend zu sein. Wenn die Band etwas eingespielt ist oder Baria zurückkommt, werden die Auftritte auch wieder brillant werden, daran habe ich keinerlei Zweifel. Natürlich war es auch so ein toller Konzertabend mit einer aufregenden Band, von der wir noch viel hören werden - falls sie nicht vorher als Retter der Musikbranche verheizt werden...

12.01.2010, Grünspan, Hamburg
13.01.2010, Batschkapp, Frankfurt
22.01.2010, Astra-Kulturhaus, Berlin
25.02.2010, Backstage, München
27.02.2010, Essigfabrik, Köln

Noch eine Anmerkung: wenn man die vollkommen unbekannte Vorgruppe zu erkennen glaubt, weil man die Sängerin solo schon einmal in Köln vor Amy Winehouse gesehen hat, sieht man wohl zu viele Konzerte... MissinCat, die ich damals noch als Missing Cat aufgeschnappt hatte, lieferte einige ruhige Popsongs als Vorprogramm. Sie wurde diesmal von einer Band begleitet, passte aber nicht recht zur Hauptgruppe. Zu ihr passte dann aber mit MIA die Pausenmusik wieder ganz gut. Vielleicht habe ich einfach irgendeinen anderen Zusammenhang verpasst.

Setlist The xx, Nachtleben, Frankfurt:

01: Intro
02: VCR
03: Heart skipped a beat
04: Basic space
05: Fantasy
06: Shelter
07: Crystalised
08: Islands
09: Teardrops (Womack & Womack Cover)
10: Night time
11: Infinity
12: Stars

Links:

- The xx in Köln

* leider gibt es hier keine neuen Bilder, weil es mir nicht möglich war, Fotos zu machen...