Dienstag, 1. September 2015

Safetyville, Adorf, 29.08.15

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Konzert: Safetyville
Wohnzimmerkonzert in der Scala Adorf
Datum: 29. August 2015
Dauer: 75 min
Zuschauer: knapp 30


Unser Urlaub war dieses Jahr erst kurz vor  knapp "eingetütet". Hilfestellung für eine Entscheidung, wohin es gehen könnte, bot uns schließlich die Einladung von Michael zum Wohnzimmerkonzert in die Scala nach Adorf mit Isa Meiner aka Safetyville aus Köln (*). Wir genossen diesen letzten Samstag im August - einen wunderschönen Sommertag am Rande des Ergebirges zu einem großen Teil im Schatten im Garten. Zum Beispiel auch damit, Wetten darauf abzuschließen, ob die Königin der Nacht wohl noch an diesem Abend eine ihrer fünf Blüten öffnen würde...


Am Nachmittag wurde der Raum vorbereitet und nach einem Ausflug zum Chemnitzer Hauptbahnhof reihte sich die Künstlerin in unsere entspannte Runde unter dem Kirschbaum ein. Die Zeit bis zum Abendessen verging wie im Flug und bald trafen auch die Gäste ein. Alles heiter und entspannt und zum genießen. Wie konnte es anders sein, dass sich anschließend auch alle mit offenem Herzen der Musik von Safetyville zuwenden würden?


Der Abend begann jedoch zunächst mit der Aufführung des Filmes über das letzte WOZOPA in Kamerun, das dieses Jahr zum zweiten Mal stattgefunden hatte. Die 15 min fassten den Tag furios und treffend zusammen und rief für viele Anwesende die mit erlebten Highlights wieder in Erinnerung. 


Die Musik von Isa hat klare Anklänge an englischsprachige Folkmusik in ihrer musikalischen Färbung und der Ernsthaftigkeit der Texte, die immer Destillat von Erlebtem sind. Mit Ruhe und Ernsthaftigkeit - oft auch mit Wundern und Unverständnis auf das was uns geschieht schauend. Fäden spannen sich von Herz zu Herz bis ein dichtes Netz die Herzensregungen und Bewegungen in jeder Ecke des Raumes auf alle übertragen konnte. Mit Applaus wurde nicht gespart. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aus der ersten Hälfte die sehr eigene Bearbeitung von Big in Japan - immerhin ein Knallerhit aus meiner Jugend... Der hier viel tiefer blicken ließ als in der mir gewohnten poppigen Variante.


In der Pause zeigte sich schließlich, dass zwei der fünf Blüten der Königin uns die Freude machten und sich in ihrem ganzen verrückten Übermut genau an diesem Abend zeigten. Es wurde geschwatzt, getrunken und die Künstlerin umlagert, mit Fragen fast schon bedrängt und der Sommerabend im Garten genossen. Bevor zur zweiten Runde geklingelt wurde. Auch hier wieder volle Aufmerksamkeit und voller Genuss. Und so voller Gleichklang, dass sogar im Klatschen vorbewusste Einigkeit herrschte und mehrfach der Applaus wie auf Befehl endete.



Für Bonny & Clyde gab es spontane Rückmeldung aus dem Publikum, dass das ja wohl passen würde wie die Faust aufs Auge. Eine erste Zugabe versuchte, einen ruhigen und tröstlichen Schlußpunkt zu setzen mit einem wunderschönen Wiegenlied und es war schon etwas Besonderes, dass das Publikum die Künstlerin auch danach noch nicht gehen lassen wollte, und noch eine zweite Zugabe erbeten wurde: Leaving Song. Hinterher sagte jemand, es wäre überhaupt das beste Stück des Abends gewesen. Aber vielleicht lag hier einfach besondere in Resonanz zur eigenen Situation vor...

Und da hatte wohl jede und jeder einen Herzenssong gefunden.


(*) ... Und andererseits das Programm von Alínae Lumr in Storkow.

Setlist:
01: Everything Right
02: Far Away
03: Neu - "capo2"
04: What it is
05: Reason
06: Big in Japan (Alphaville-Bearbeitung)
07: Lost Empires
- Pause -
08: Right behind
09: Home
10: Once
11: Passing Strangers
12: War
13: Neu "capo5" (The sky falls)
14: Bonnie & Clyde

15: Lullaby for Amelie (Z)

16: Leaving Song (Z)


 


Montag, 31. August 2015

Interpol, Stuttgart, 26.08.2015

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Konzert: Interpol
Vorband: Abay
Ort: Theaterhaus, Stuttgart
Datum: 26.08.2015
Dauer: Interpol 70 / Abay 40 Minuten
Zuschauer: etwa 900

Bericht von Fabian / Fotos von Jens (weitere folgen)


Ziemlich dunkel hier für einen Sommertag im Theaterhaus - die einzige Vorstellung im "ollen Bunker" (Max Goldt) in Stuttgart-Feuerbach ist heute das Konzert von Interpol im größten der vier Säle. Gleich beim Betreten des Foyers begegnen mir Leute mit Agent Side Grinder- und Deine Lakaien-Shirts und weitere szenige Kennzeichen. Ist aber nicht wirklich verwunderlich hier auf Gothics zu treffen, sind Interpol doch für ihre Melancholie in Text und Melodie, dem Auftreten und dem kühlen Post-Punk-Sound auch in der schwarzen Szene als größere Indie-Band durchaus beliebt, genauso wie Editors oder Hurts, die auf gängigen "schwarzen" Festivals wie z.B. M'era Luna in den Headlinerpositionen spielen und dort sehr gut ankommen, alle haben so ein paar düstere Nuancen in ihrer Gesamtheit. Haut halt in die gleiche Kerbe. 
Im Theaterhaus selbst ist's auch nicht verwunderlich, fanden hier schon Konzerte von Bands wie ASP und dergleichen statt. Trotzdem interessant, wie sich auf Popkonzerten Szenen im Gros des Publikums mischen und doch ein bisschen auffallen. Schließlich ist Interpol doch eine recht große und internationale Band, die mit ihrem Sound prägte und ein breites Publikum anspricht. Mainstream ist hier nicht als Negativbegriff gemeint. Auch nicht, als ich mich vor der Bühne zwischen einem Typ mit Gandalf-Tattoo und einem U2-360°-Shirtträger wiederfinde. Ok, Interpol waren auf dieser besagten U2-Tour Support, daher passt das ja auch ein bisschen. 
 Gerade ist das New Yorker-Trio + 2 auch weiterhin auf großer "El Pintor"-Tour, was angesichts der Setlist ein bisschen witzig ist, dazu später mehr. Vier "richtige" Konzerte spielen sie in Deutschland, es wirkt aber eher so, als hätte man diese als sinnvoller Lückenfüller zwischen den zahlreichen Festivalterminen nutzen wollen. Gut, so kommen ein paar Leute mehr auch noch auf ihre Kosten, ohne Interpol als eine von vielen Bands auf einem Festival sehen zu müssen. Ist ja tatsächlich nicht jedermanns Sache. Aber gleichzeitig weiß man: Sommer bedeutet gleichzeitig auch Sommerloch - und das gilt oft auch für Konzerte - da auch Musikliebhaber dann lieber den Tag am See verbringen. Daher ist heute nicht sooo viel los, das liegt neben dem eher ungünstigen Termin vermutlich auch am hohen Ticketpreis (40 Euro), das können sich vor allem jüngere Leute, die heute weniger anzutreffen sind, tendenziell nicht leisten. Ob der Preis für Interpol als große Band gerechtfertigt ist, das ist eine andere Frage. 
Im Gespräch mit einem langjährigen Konzertgänger hatte ich's davon, ob Interpol nicht den Zenit erreicht hätte. Aber es ist weiterhin die Band, die wir immer mochten. Deshalb hin und schauen, wie es wird. Um Punkt 8 geht's dann im noch nicht wirklich gut gefüllten Saal (die meisten Leute befinden sich noch vor dem Theaterhaus oder im Foyer) mit der Berliner Tour-Vorband ABAY los. Nicht ganz unbekannt, handelt es sich um das aktuelle Projekt vom ehemaligen Blackmail-Sänger Aydo Abay, gleichzeitig dem Namensgeber der fünfköpfigen Band. Die Koblenzer Blackmail waren und sind durchaus eine deutsche Indie-Größe und spielten mit neuem Sänger erst vor einiger Zeit genau hier als Support von Madsen. Wenn man das vergleicht, hat Aydo Abay als Support von Interpol durchaus die Punkte auf seiner Seite. No offense, Blackmail. 
Mit balladeskem Klavierpart starten ABAY sanft und hauen im nächsten Moment voll rein. Grelles Licht, verzerrte Gitarren, Soundwand, äußerst wuchtig und das alles ein bisschen plötzlich. Als Apocalyptic Post-Pop beschreiben sie selbst ihren Sound, nach den ersten etwas gefälligen Songs denke ich vor allem an Placebo, was ein Typ hinter mir auch äußert. An sich keine schlechte und unpassende Referenz bei diesem breitwandigen Alternative Rock-Sound, mit dem man erstmal nichts falsch machen kann. Witzigerweise erinnert Aydo Abay auch etwas an Brian Molko. Nicht nur von der Körpergröße, sondern auch wegen seiner markanten, wohlklingenden und kraftvollen Stimme, die hier positiv hervorzuheben ist und ABAY im doppelten Sinne ein Gesicht gibt. Das Publikum nimmt's dankend an, auch der Saal füllt sich nun nach und nach. An Blackmail erinnert es logischerweise etwas, Aydo Abay muss das vielleicht öfters hören. Insgesamt aber leider nicht so außergewöhnlich. Es fehlen Höhepunkte und es ist vor allem erwartbar: Ruhige Piano-Parts über die Aydo Abay singt lösen krachige Gitarren ab. Man nickt zu härteren, recht glatten Popsongs ohne Pose, die dem geneigten VISIONS-Leser gefallen dürften, mit. 
Die Musiker sind ohne Zweifel alles erfahrene Leute, Profis eben - so klingt ABAY teils recht groß und ausfüllend, Stichwort Stadionsound, was heute ganz gut reinpasst. Es wird viel geklatscht und zugehört. Nachdem sich Aydo Abay in den ersten 25 Minuten zwei, dreimal bedankt hat, richtet er das Wort ans Publikum und an Interpol, denen er den nachfolgenden Song widmet und sie als "netteste Band die er kennenlernen durfte" bezeichnet. Nachdem er während eines Songs schon den Drummer fotografierte und weil er das sonst nie so machen würde, möchte er nun ein Foto vom Publikum machen. Das ist ein bisschen merkwürdig, weil das immer so einen Bruch gibt, die anderen Bandmitglieder stehen rum und es ist eigentlich ein Move, den man von diesen Bands mit Starallüren kennt. Aber Aydo Abay ist ein korrekter Typ, er wird es der Erinnerung wegen gemacht haben. Denn wann hat man schon mal die Möglichkeit mit Interpol die Bühne zu teilen. 
Später am Abend wird er es u.a. auf seinem Instagram-Account hochgeladen haben, in der man auch seine Plattensammlung bestaunen darf. Mittendrin: "El Pintor" von Interpol. Die "typisch Interpol"-klingende Anagram-Platte mit den roten Händen (die nächste tolle Hände-Platte kommt übrigens im Oktober von Die Nerven) erschien beinah exakt vor einem Jahr, nach längerer Pause und interner Umstrukturierung, Weggang des Bassisten und Soloprojekten fand sich die Band, naja, eigentlich nicht neu, aber sie sind wieder im Game. Heute sieht man die Cover-Hände in riesig als Backdrop, die Platte an sich ist heute aber nicht so wichtig, auch wenn das Konzert unter dem Tour- und Plattentitel "El Pintor" steht. Viel mehr erwarten die Leute ihre Band wieder zu sehen, die Hits mitzusingen und in der wirklich einzigartigen Melange aus Paul Banks alles und allem durchdringender Stimme und dem elektrisierenden, sägenden Gitarrensound zu baden. Das wissen die genau. Und Interpol-Konzerte sind ein bisschen wie Schweben. 
 ABAY haben sich nach einem insgesamt doch recht soliden 35-Minuten-Set verabschiedet. Kurz davor konnte man noch einen Gitarrenslide mit Wulle-Bierflasche sehen und hören, direkt danach trank der Gitarrist aus besagter Flasche, beeindruckend. Eine ABAY-Setlänge später geht das Licht aus, die fünf in schwarz gekleideten Herren betreten unter Jubel ganz ruhig die Bühne, die jetzt durch rotes Licht geflutet wird, die Hände strahlen nun ganz bedrohlich. Es ist wirklich ein sehr stilvoller und gesitteter Auftritt der Band. 

Ohne großes Tamtam geht es direkt mit dem flotten Oldie "Say Hello to the Angels" los, der eigentlich auf der gesamten Tour der Opener ist und für die Struktur der straighten Setlist Interpols steht, die nur selten und wenn dann minimal verändert wird. So hört man heute vor allem eben keine "El Pintor"-Songs, sondern zur Freude der Fans eher die ersten beiden Platten, Songs aus der selftitled "Interpol" gibt's dagegen gar nicht. So ist es bei drei "El Pintor"-Singles plus "My blue Supreme" eben weniger ein "El Pintor"-Konzert, es fühlt sich mehr als ein Potpourri aus Hits der letzten grob 15 Jahre an. Ist aber nicht schlimm. So folgt die neueste und wohl letzte Singleauskopplung "Anywhere", die "Narc" und dem zweiten El Pintor-Song "My blue Supreme" die Hand gibt. In den kommenden sehr knappen eineinhalb Stunden (70 Minuten) ziehen Interpol das Set professionell durch, danken artig, sagen sonst nicht so viel, drehen auch nicht ab, alles ganz cool und vor allem nicht abgehoben, was für's Konzert ganz zuträglich ist. Es gibt ein bisschen "Lichtshow", die das ganze atmosphärisch untermalt, ansonsten ist der Fokus ganz klar die Musik. Die Leute im mittlerweile okay gefüllten Theaterhaus-Saal (Sommerloch & 40 Euro sind dann doch für ein paar zu viel gewesen) sind ähnlich gelassen - und eben nicht ausgelassen, sondern ganz bei der Band. Der Platz zum Tanzen oder rhythmischem Dazubewegen wäre da, wird aber schlussendlich selten genutzt - was nicht heißt das es nicht gut war. Vielmehr wird freudig genickt, zugehört und geklatscht wenn es vorbei ist. 
Die großen Stadionmomente kommen dann beim frühen "Evil" und sonst nur bei der einzigen Publikumsinteraktion durch die Band, ein wenig geplant und ausgeführt von Gitarrist Daniel Kessler, auf: Mitklatschen. Alle eigenen Versuche eines frenetischen Fans aus der ersten Reihe um die anderen mitzunehmen, scheitern. Ansonsten genießen die Leute die minimalistisch struktierten und druckvollen Gitarrenwände, die im Zusammenspiel mit Paul Banks Stimme eben so toll anzuhören sind, das man vorerst keine Ausbrüche braucht. Innere natürlich bestimmt ein paar. Die vier "El Pintor"-Songs drängeln sich gut ins Live-Set, "All the Rage back home" schafft es als wohl größter Hit der neuen Platte beständig in die Zugaben, "Everything is wrong" besticht mit tollem verzerrtem Basslauf. Paul Banks selbst soll ja vornehmlich Bass bei Entstehung der Songs gespielt haben, nachdem Carlos Dengler ausgestiegen ist. Der letzte Block des Hauptteils ist dann Zucker und markiert für mich den großen - und eigentlich einzigen Höhepunkt des Konzerts. Eingeleitet mit "Pioneer to the Falls", das den ganzen Saal totenstill werden lässt, als Paul Banks komplett allein "Show me the dirt pile and I will pray that the soul can take, three stowaways. In a passion it broke I pull the black from the gray, but the soul can wait. I felt you so much today." singt, jeder den Atem anhält und an seinen Lippen klebt. Es ist ein bisschen Magie im Raum - neben der unverkennbar surrenden und leicht genölten Stimme Banks, die bei Interpol so entscheidend ist. Mit "Slow Hands" folgt noch ein Hit und Highlight, passend dazu das flackernde Licht in den "Antics"-Farben. Der schnell nach vorn preschende Song bringt die Menge letztmalig zum kurzzeitigen Ausflippen, den Break kurz vor Ende nutzt Daniel Kessler um zum Mitklatschen zu animieren. Willkommen in der Indie-Disco, die direkt in den 6-Minuten-Brecher "PDA" mündet und das Konzert mit langen Instrumentalparts und ein bisschen Postrock vorerst enden lässt. 
 Endgültig Schluss ist dann mit "Obstacle 1", dieser alte Song ist eine wahre Schönheit (Wenn man schon mit "I wish I could eat the salt off your last faded lips" beginnt) und im Verlauf des Lieds bohrt sich Paul Banks Stimme immer tiefer in die Herzen und inneren Sehnsüchte, während Schlagzeug, Bass und Gitarre herrlich verschachtelt ein aufwühlendes und dramatisches Ende finden, das dann doch recht abrupt kommt. Das Konzert ist vorbei und vielleicht ein Ticken zu kurz geraten, hat mit "Obstacle 1" aber noch ein großes Ende gefunden. Enttäuscht wirkt aber niemand so richtig, auch wenn das heute kein Wahnsinnsabriss war und das Konzert ein, zwei Höhepunkte mehr hätte vertragen können. (Auch am Merchstand: Hässliche Shirts und eine CD - damit lässt sich mehr Geld machen, denn T-Shirts kann man nicht runterladen (Audiolith-Weisheit) - LPs gab's nur bei ABAY.) 
Der große Knall fehlte so ein bisschen. Aber es war mindestens zufriedenstellend und schön. Interpol sind weiterhin eine tolle Band. 

 Setlist Interpol, Stuttgart:
01: Say Hello to the Angels
02: Anywhere
03: Narc
04: My blue supreme
05: Evil
06: Length of Love 

07: Rest my chemistry 
08: Everything is wrong 
09: The New 
10: Take you on a Cruise 
11: C'mere 
12: Pioneer to the Falls 
13: Slow Hands 
14: PDA 

15: Untitled (Z) 
16: All the Rage back home (Z) 
17: Obstacle 1 (Z)


Deichkind, Mönchengladbach, 28.08.15

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Konzert: Deichkind
Ort: Mönchengladbach
Datum: 28.08.15
Dauer: 95 min
Zuschauer: 15.000



Die deutsche Musik, die einem heute aus dem Formatradio entgegenschallt, ist schon erstaunlich nichtssagend. Lauter unverbindliche Absichtserklärungen. Mal wird ein wenig geliebt, ein wenig gelitten, ein wenig entliebt, nur echte Emotionen findet man meist vergeblich. Die Rührseligkeit von "Sing meinen Song" aber ist das schlimmste, alle Künstler finden sich jetzt sogar Genre übergreifend toll, könnte ja sein, dass mal ein Remix ansteht. Bourani und Foster, Joris und Namika alle scheinen einer Generation anzugehören, die für und gegen nichts mehr kämpfen und rebellieren muss.

Vielleicht erklärt sich so ein Gegentrend der letzten Jahre. Bands die schon ewig im Geschäft sind, aber mit klaren Ansagen und auch politischen Texten antreten, erfahren ein Comeback oder ihre erste echte Erfolgswelle. So ist die Entwicklung von Deichkind in den letzten Jahren nicht verwunderlich. Diese Bands sich nie haben verbiegen lassen. Deichkind machen nichts anderes als zu Beginn ihrer Karriere, nur damals wollten es einfach sehr viel weniger Leute hören.

Der Hang zu Parolen, der satte Sound, die lustige Art die deutsche Sprache in Teile zu zerlegen und neu zu ordnen ist ihr Markenzeichen. Nie war ich echter Fan der Band, die letzten beiden CD`s jedoch verfehlten ihre Wirkung nicht.

Nach fast 20 Jahren als Bandkollektiv klangen die neuen Songs wie "Mehr als Lebensgefährlich" oder "Was habt Ihr..?", die es noch nicht einmal zu Singles geschafft haben, frisch wie nie. Alles passte und fügte sich zum vielleicht besten Album der Dreieckshüte.


Somit fiel die Entscheidung leicht, als die Konzertankündigung für meine Heimatstadt ausgerufen wurde. Lobenswerter Weise wurden vorab direkte "Front of Stage" Tickets ohne größeren Aufpreis angeboten. Ich konnte ich mir den Abend mit vier ! ! Supports besser enteilen (man könnte auch sagen "sparen") um Deichkind trotzdem aus der Nähe sehen zu können.

Durch das spontan tolle Wetter bildeten sich an der Abendkasse noch lange Schlangen und am Ende zählte man fast 15.000, meist bunt verkleidete Besucher. Nachdem "Zugezogen Maskulin" als letzte Vorgruppe überraschenderweise vom Publikum völlig ignoriert worden waren, und der unsichtbare VJ Wasted seinen Mix beendete, begann unter stimmungsvoller Vollmondbeleuchtung der wohl größte Kindergeburtstag Deutschlands.

Im ersten Teil des Sets fand sich fast die komplette neue Platte wieder, also auch alle Hits. Dazu noch "Leider geil.." und "Bück dich hoch" vom Vorgängeralbum. Ein mutiger Start, waren doch unter den Zuschauern sehr viele, die Deichkind erst vor kurzem kennengelernt haben dürften.

Wie immer präsentiert sich die Show als ein wilder Mix aus skurrilen Kostümen, wandernden Monolithen und grellen Farben. Das muss man mögen, ist aber ohne Zweifel wesentlich unterhaltsamer als ein USB-DJ a la Guetta. Einziger Kritikpunkt dürfte die fehlende Spontanität auf der Bühne sein. Es bleibt kaum Zeit zum Luftholen, für beide Seiten.


Nach der kurzen Pause dann viele alte Kracher in neuem Gewand, hier wird endlich variiert. Diverse Songs werden mit neuen Samples versehen. Das funktioniert meistens gut ,nur die "Power of Love" Einlage wirkt fehl am Platz.

Wer immer noch nicht genug hatte, für den gibt es in der letzten halben Stunde gar kein Halten mehr. Jetzt zeigt sich, dass unbändige Party und politischer Anspruch kein Gegensatz sein müssen.

In den Texten sind die Botschaften zwar subtiler verborgen als bei anderen, aber z.B. das Thema Flüchtlinge hatten Deichkind schon auf der Liste als viele andere noch schliefen. Und so rollen sie das Fass rein, tragen dazu aber ihre Refugee-Welcome Anzüge. Auch wenn die Botschaft erst nach dem Kater ankommt, immer noch besser als gar keine eigene Meinung.

Der Rest ist dann aber nur noch Party, der Dreier "Limit"," Prost" und "Remmidemmi" bietet auf der Bühne ein komplettes Pop-Up Dada Spektakel incl. Daft Punk Pyramide, fliegenden Hüpfburgen, Schlauchbootfahrt und Burger-Kostümen.


Dann geht das Licht an und es ist klar, Deichkind funktionieren auch ohne Festival. Die Hit-dichte ist enorm, die Show extrem kurzweilig und das Publikum auch ohne 3-Tages rausch voll bei der Sache.
Wohin die Reise geht bleibt abzuwarten, viele würden sich die Band vielleicht wieder in einen kleineren, intimeren Rahmen zurücksehnen, wo der direkte Kontakt wieder mehr im Mittelpunkt steht. Für 2016 wird das aber erstmal nichts werden Die größten Hallen sind vorgebucht und alle freuen sich wieder auf "So`ne Musik".
  


Konzerte in München - September 2015

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die livepräsenz von bands bzw. künstlern hat an bedeutung gewonnen. dem wollen wir gern rechnung tragen, indem wir immer mal wieder etwas deutlicher hinweise auf entsprechende veranstaltungen geben. das können tourdaten einzelner künstler sein, aber auch wie heute übersichten nur für eine stadt. dass uns münchen dabei am herzen liegt, dürfte auf der hand liegen. gleichsam bemühen wir uns nicht um einen kompletten überblick, sondern picken uns die perlen heraus. wenn Ihr etwas ergänzt haben wollt, gebt bescheid oder nutzt die kommentarfunktion. (und bitte, verlasst Euch nicht auf die angaben hier, sondern lasst sie Euch vom veranstalter vorab bestätigen, danke!)


Wir danken Eike, der diese Liste mit Liebe zusammengestellt und hier veröffentlicht hat (dort gibt es auch viel zu hören).

01.09. future punx u.a., kafe kult
02.09. gurr / shitty life u.a., sunny red
02.09.chris k u.a., cord
03.09. bartomuk / jin jim, milla
03.09. don menza big band, unterfahrt
03.09. wight, orangehouse
04.09. pink cigar u.a., milla
04.09. zoo escape, strom
04.09. julius lahai, orangehouse
04.09. boy, technikum
05.09. klezmeyers, milla
05.09. frank turner, strom
06.09. the hex dispensers u.a., kafe kult
06.09. alcest u.a., hansa 39
07.09. yael naim, strom
07.09. wolfgang muthspiel trio, unterfahrt
08.09. the killing popes, unterfahrt
09.09. jesper munk u.a., milla
09.09. die krupps u.a., kranhalle
10.09. munich rocks, ampere
10.09. young bands of munich, milla
10.09. karaba, import export
10.09. opm, hansa 39
10.09. kelvin jones, kranhalle
11.09. rachel sermani, muffatcafe
11.09. wolfgang müller, milla
11.09. darknight-festival, gasteig
11.09. the tonecooks u.a., sunny red
11.09. famous naked gipsy circus u.a., südpolstation
12.09. kim churchill, milla
12.09. flowerstreet festival, hansa 39/kranhalle
13.09. the beards, muffathalle
13.09. verena marisa & band, milla
14.09. nervosas, kafe kult
14.09. joco u.a., milla
14.09. mikky ekko, gasteig
15.09. becca stevens band, ampere
15.09. leon bridges u.a., technikum
15.09. konstantin herleinsberger quartett, unterfahrt
15.09. kafka tamura, orangehouse
15.09. sebastian hackel, glockenbachwerkstatt
15.09. torres, strom
16.09. jakob bro trio, unterfahrt
17.09. die jazzrausch big band, cord
17.09. life in film u.a., kranhalle
17.09. lucy rose, milla
17.09. the marble man u.a., glockenbachwerkstatt
17.09. egozentrics u.a., kafe kult
17.09. paul smith and the intimations, strom
17.09. bounce, unterfahrt
18.09. jack savoretti, milla
18.09. sasebo u.a., import export
18.09. the capitols, strom
18.09. trio zahg, unterfahrt
19.09. the slackers, hansa 39
19.09. jahfandu u.a., import export
20.09. jealous mountain duo, glockenbachwerkstatt
22.09. admiral fallow, kranhalle
22.09. frank carter & the rattlesnakes, backstage club
22.09. ljubljana calling, glockenbachwerkstatt
23.09. tour of tours, ampere
23.09. goodman-turku-duo, unterfahrt
23.09. gmelch-test-dada-groove, milla
24.09. happy family u.a., kafe kult
25.09. goayandi u.a., kranhalle
25.09. frederik köster, unterfahrt
25.09. elektro hafiz & süperfly orkestra, import export
25.09. ella eyre, strom
25.09. eläkeläiset, technikum
26.09. action bronson, muffathalle
26.09. oh no no no no u.a., milla
26.09. nina plotzki, unterfahrt
26.09. sóley, technikum
26.09. kein vorspiel, import export
27.09. grave pleasures u.a., hansa 39
27.09. arcane roots, strom
28.09. django django, muffathalle
28.09. black lizard, ampere
28.09. counterparts u.a., kranhalle
28.09. family of the year, orangehouse
29.09. the handsome family, ampere
29.09. raised fist, hansa 39
30.09. grand hotel van cleef label abend, ampere
30.09. crooked brothers, milla
30.09. andreas moe, strom
30.09. arild andersen trio, unterfahrt 



Les concerts de la semaine à Paris du 31 août au 6 septembre

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Les concerts de la semaine à Paris du 31 août au 6 septembre


Rock en Seine est fini, c'est la rentrée ! Retour aux clubs de la capitale, qui nous proposent des concerts vraiment pas mal du tout. Mes favoris sont en rouge, j'aime beaucoup Presque l'Amour (photo par Oliver Peel ©) et leur électro pop très années 80 par exemple.

31.08.2015: Drinks, La Mécanique Ondulatoire
31.08.2015: Jacco Gardner, La Maison de la Radio, complet
 
Septembre

01.09.2015: Gandi Lake et Cabuco, International
01.09.2015: Michelle Shocked, Pop In
02.09.2015: Ronan Martin et Presque l'Amour, L'International
02.09.2015: Jeff The Brotherhood et Skategang, Point Ephémère
02.09.2015: Hermetic Delight et Beat Mark et Seahorse Hunter, La Mécanique Ondulatoire 
02.09.2015: Home Collective à L'Etage
02.09.2015: Facteur Cheval et Savon Tranchard, Espace B
03.09.2015: All If, Le Truskel
04.09.2015: Foals, Cabaret Sauvage
04.09.2015: Pantha Du Prince, Le Trianon 
05.09.2015: Requin Chagrin, Alphatra, Titus d'Enfer, Olympic Café
05.09.2015: Evans The Death et Maria False et Soft Blonde, Espace B
06.09.2015: The Pandoras, La Mécanique Ondulatoire 
06.09.2015: Pollyanna et Joseph Fisher, La Forteresse, live garden party, 17h30 
 
 

Konzerttagebuch © 2010

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