Montag, 21. Juli 2014

Les concerts de la semaine du 21 au 27 juillet 2014

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Les concerts de la semaine du 21 au 27.07.2014


Assez peu de concerts cette semaine à Paris, mais c'est normal, c'est les vacances. Néanmois ça continue de bouger au Nouveau Casino (Colors Music Estival), au Trabendo (Summer Here Kids), à la Plage de Glazart et à L'Espace B. Puis Cléa Vincent (photo archive par Oliver Peel @) va jouer toute la semaine aux Trois Baudets entouré de Luciole et de Zaza Fournier pour son spectacle "Garçon".

21.07.-26.07.2014: Garçon, Les Trois Baudets
21.07.2014: Nick Oliveri, Le Truskel
21.07.2014: Rose Windows, Espace B
21.07.2014: Night Beats, Nouveau Casino
22.07.2014: Strange Hands, Espace B 
22.07.2014: SoPop, Le Réservoir 
23.07.2014: Lilimarche, Abracadabar
24.07.2014: Strasbourg et Dame Blanche et Black Bug et Volcan, Trabendo
24.07.2014: Bonbay Show Pig et Machi, La Plage de Glazart
25.07.2014: Emperor X, Espace B 
25.07.2014: Traditional Monsters (Dick Turner), Olympic Café
26.07.2014: Perfect Pussy et Le Reveil des Tropiques et Plalpla Pinky, Trabendo 
26.07.2014: Joel Gion, La Mécanique Ondulatoire

Samstag, 19. Juli 2014

FourPlay String Quartet, Edinburgh, 06.07.14

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Konzert: Fourplay String Quartet mit Neil Gaiman
Ort: Usher Hall in Edinburgh
Datum: 6. Juli 2014
Dauer: 20 min + 80 min
Zuschauer: ausverkauft (also über 2000)



Es gefällt mir, wenn sich Musiker nicht um Genre-Grenzen scheren und beweisen, dass sie in verschiedenen musikalischen Gewässern zu Hause sein wollen und können. Das australische FourPlay String Quartet ist dafür bekannt, klassisch, jazzig oder auch rockig aufzuspielen, wobei sich zeigt, dass die Violinistin eine tolle Stimme hat, wenn aus dem klassischen Repertoire ausgebrochen wird.



Für ein einmaliges Experiment zum Graphic Festival der Opernhalle in Sydney hatte die Band im Jahr 2010 einen Soundtrack zu einer Erzählung von Neil Gaiman (The Truth is a Cave in the Black Mountains) komponiert und aufgeführt. Musik und Lesung wurden durch projizierte Bilder von Eddie Campbell ergänzt. Die Rezensionen waren euphorisch und deshalb wurde die Aufführung beim Tasmanischen Mona Foma Kunstfestival (*) am 15.01. 2011 wiederholt.


Seitdem sind drei Jahre ins Land gegangen und viele Leute haben gequengelt, andere die Köpfe zusammengesteckt und heraus kam schließlich der Plan, noch fünf (endgültig letzte!) Aufführungen zu spielen:

25 Juni — The Warfield Theatre, San Francisco
27 Juni — Carnegie Hall, New York City
4/5 Juli — The Barbican Centre, London
   6 Juli — Usher Hall, Edinburgh


Es ist eine schottische Geschichte und so wollte ich sie mir auch gern in Schottland anhören. Außerdem wollte ich schon längst mal Edinburgh mit eigenen Augen sehen (und nicht nur den Eindrücken von Inspector Rebus folgen). So war der Plan gefasst und schnell genug Flüge gebucht, dass ich nicht erst ins Grübeln kommen konnte, ob das so eine gute Idee gewesen war.


Am Abend des Konzertes in Edinburgh war klar, die anderen vier Aufführungen im Juni und Juli waren ebenso begeistert aufgenommen worden wie die erste in Sydney und so waren meine Erwartungen hoch geschraubt. Die Usher Hall war fast auf den letzten Platz gefüllt und summte vor Vorfreude. Beste Bedingungen dafür, dass meine Abenteuerlust wieder einmal belohnt werden würde!

Der Abend wurde vom Streichquartett mit dem Dr Who theme  eröffnet und das Publikum damit binnen der ersten zehn Sekunden um den kleinen Finger gewickelt. Sehr gute Taktik in Großbritannien würde ich sagen... Es gab ein bisschen verbale Verwicklungen um den Fakt, dass sie Musik von dem Album This Machine vorstellten, dass demnächst erscheinen soll also forthcoming ist, während aber ihr 2009 zuletzt veröffentlichtes Album Fourthcoming heißt (von dem wiederum auch ein Titel zu Gehör gebracht wurde). So wurde ganz schön viel gelacht. Aber auch ehrlich begeistert applaudiert, denn die Musik war vielgestaltig, meisterlich und herrlich anzusehen.

Setlist:
Doctor Who (Album 1)
Anti-Occident (Album This Machine)
Butter Girl (Album Fourthcoming)
Now to the Future (Album Now to the Future)
 


Anschließend betrat Neil Gaiman die Bühne. Wer das schon einmal erleben durfte weiß, dass es ihm leicht fällt, 2000 Personen in seinen Bann zu ziehen. Seine besondere Verbindung zu Schottland und die Möglichkeit, hier einfach etwas zu machen, wozu er gerade aufgelegt war, taten ihr übriges. Die Lesung der Geschichte The man who forgot Ray Bradbury ließ jedenfalls niemanden ungerührt. Sie war schauerlich und tragisch und traurig. Aufgelöst wurde die Traurigkeit durch die Oktobergeschichte seines Calendar of Tales - eine Liebesgeschichte, die die allseits bestens bekannte Story vom Geist aus der Wunderlampe herrlich umstülpt. Den Abschluss dieses spielerischen Auftaktes bildete schließlich I google you mit Begleitung durch das Quartett. Was für ein treffender und schwarzhumoriger Text!


Richtig interessant wurde es freilich nach der Pause. In etwa 90 Minuten wurde in Musik und Worten eine atemberaubende Geschichte durchlebt, in der die Wahrheit sich Stück für Stück in immer neuen Wendungen fand. Im Weg durch Nebel, Wasserfälle, über Wasser und auf die Berge wurden die inneren Welten der beiden Protagonisten vorgezeigt und Kräfte aller Art gemessen. Die Rolle von Gier, Treue, Verlässlichkeit und Fahrlässigkeit in unserem Leben wurden in verschiedenem Licht gezeigt und schließlich... Aber das sollte man vielleicht doch lieber selbst lesen.



Wir in der Usher Hall waren am Schluss ganz schön aufgewühlt, mussten uns vom Zauber erst lösen und waren etwas aus der Puste. Aber eine Zugabe musste schließlich sein. Auch damit sie uns auf etwas andere Gedanken brächte! Neil Gaiman sagte sinngemäß, nach der schauerlichen Geschichte würde er uns gern mit etwas fröhlichem heim schicken und seine Version von Psycho (ein Leon Payn cover) mit dem noch einmal bravourös aufspielenden Streichquartett war sicher genau das... Es wurde viel gelacht, aber irgendwie gaaaaanz schwarzer Humor. Sehr schottisch würde ich sagen.




Interview mit Neil Gaiman vor dem Konzert

(*) Das gleiche Festival, auf dem man ausfallende Slots spontan damit füllen kann, ein Album der Violent Femmes aufzugeführen - so geschehen am 20.01.2012



Donnerstag, 17. Juli 2014

The Indelicates, Karlsruhe, 13.07.14

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Wohnzimmerkonzert #44 in der Waldstadt
     mit The Indelicates
Datum: 13. Juli 2014
Dauer: 90 min
Zuschauer:10
(c) Simon Beha
Vielen Dank an die beiden Fotographen, die die Stimmung des Abends festgehalten und mir Bilder überlassen haben!
 
Christoph hat mich vor zwei Jahren auf die Spur der fabelhaften The Indelicates gesetzt. Im Rahmen der Diseases of England Kampagne habe ich mich spontan in die bösen Texte und die unernste Attitüde verliebt. Als nun die Frage in die Welt ging: Wer will uns in Deutschland am 12. oder 13. Juli haben, habe ich nicht lange gezögert und hier gerufen.
 
(c) Guido Engler

Zwei e-mails später waren wir uns einig, am 16. Juni stand dann auch das Datum fest. Und noch ein bisschen später wurde klar, dass es eine exklusive Konzerttagebuchwohnzimmertour werden würde: 5.7. Stuttgart (Jens), 12.7. Montabaur (U.) und 13.7. Karlsuhe (Gudrun).  Jeweils als Stop auf ihrem Weg in und aus dem Urlaub in Frankreich und Deutschland angelegt.
 
(c) Simon Beha

Ich freute mich wie verrückt, dass ich nun ein Konzert mit den Indelicates erleben würde (zumal ich am 5. Juli zum Stuttgarter Konzert gerade nicht in Deutschland sein würde), bis sich langsam andeutete, dass am 13. Juli das Fußballweltmeisterfinale ein nicht zu unterschätzender Störfaktor sein würde. Nach meiner Meinung hatten wir das aber ganz elegant gelöst: Musikshow ab 19:30 Uhr (was ja am Sonntag nicht zu früh ist) und anschließend Fußballshow für alle interessierten.
 
(c) Simon Beha


Und obwohl es über das Finalspiel wenig zu meckern gab (es war spannend und die Deutschen haben letztlich verdient gewonnen), war doch mein klarer Sieger des Abends die 90min-Show von Julia und Simon. Aufgebaut worden waren lediglich ein E-Piano und eine Gitarre mit Effektgerät an einer Dreiersteckdose und jede Menge Merch (noch nie war die Größe unseres Merchtables so ausgereizt wie diesmal).
 
(c) Guido Engler

Somit war das Set schon eher intim und quasi akustisch zu nennen. Und für meinen persönlichen Geschmack destillierte es damit aus dem vielgestaltigen Indelicates Universum genau den Part, der mir so ganz besonders gut gefällt. In der Live-Umsetzung konnten die beiden zeigen, wie sehr sie mit ihrem Publikum spielen und sich selbst und ihre Kunst auch ironisch brechen.
 
(c) Guido Engler

Der Ablauf und die Setlist entsprachen in vielem dem, was auch aus Montabaur berichtet wurde. Das Schlauch-Effektgerät an der Gitarre war ein Brüller, zumal wenn Simon damit die Klangfarbe im Mund zu steuern versuchte und gleichzeitig breit grinsen musste. Sehr sympatisch fand ich ihre Bemühungen, möglichst viel auf Deutsch zu erklären. Zumal es bei mir so ankam, als möchten sie ihr Publikum damit ernst nehmen und auf Augenhöhe begegnen.

(c) Simon Beha
Der Song Flesh baut ja zugegebenermaßen auf einer sehr populären Harmoniefolge auf. Mein Gehör ist darauf getrimmt, weil auch mein Liebster am liebsten über diese Folge improvisiert... Simon machte das offensiv zum Thema und bewies die These damit, dass er am Ende gleich noch drei Popsongs einflocht, die auf seine Gitarrenbegleitung passten.  Es mussten ganz schön viele Leute mit allerlei Beschimpfungen weiterleben: Pete Doherty, Diana, alle Eltern und Kids im allgemeinen. Es gab viele Lacher und das, obwohl ja die meisten die Band und ihre Songs vorher gar nicht kannten.

(c) Guido Engler
Drei weitere sehr lustige Momente ergaben sich auch, als Simon selbst zum Textheft auf dem Merchstand greifen musste, und als später die Puppe über das ekelhafte Leben singen musste und dabei doch Simon so ähnlich sah... Und als im allerallerletzten Lied das Publikum vorgeben sollte, wie es klingen sollte. Bei uns wurden zunächst Tango und dann Ragtime kompetent umgesetzt. Wobei Simon für den Ragtime Julia an den Tasten ablösen musste.
 
(c) Simon Beha

Alle meine Gäste gingen nach dem Konzert mit leuchtenden Augen nach Hause, denn so einen Spaß hatten wir noch in keinem Konzert hier in der Waldstadt gehabt. Die immer wieder gestellte Frage: Wo hast Du nur immer diese tollen Bands her? Obwohl wir so eine kleine Runde waren, scheinen die beiden Indelicates auch richtig viel Spaß gehabt zu haben. Sie haben die erste Halbzeit bei uns gesehen und sind in der Pause schnell an den Hotelfernseher gewechselt, um am nächsten Morgen einigermaßen ausgeschlafen auf die anstrengende Fahrt nach Calais, die Fähre und zwei weiteren Stunden in England aufbrechen zu können.

 
(c) Simon Beha


Es wäre wirklich toll, wenn die beiden ihren dieser Tage geäußerten Plan umsetzen würden und dieses Format im Studio so bannen, dass man zu Hause einen Geschmack davon haben kann, wie die beiden als Quasi-Akustik-Duo auftrumpfen.

(c) Simon Beha

The Indelicates, Montabaur, 12.07.14 (Christoph)
(mit ganz vielen weiteren links zu Konzertberichten)
The Indelicates, Montabaur, 12.07.14 (U.)

Berichte +Vorschau Wohnzimmerkonzerte in der Waldstadt


Dienstag, 15. Juli 2014

The Indelicates, Montabaur, 12.07.14

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Konzert: The Indelicates
Ort: Ursulas und Dirks Wohnzimmer in Montabaur
Datum: 12.07.2014
Dauer: ca. 100 Minuten
Zuschauer: 22



Langsam aber sicher entwickelt sich Montabaur noch zur Musik-Location. Ich spreche natürlich nicht vom Mair1-Festival, das hier vor kurzem stattfand, sondern von unserem dritten Wohnzimmerkonzert. Dieses Mal hatten sich The Indelicates angesagt Wie bereits bei Pelle Carlberg erfuhren wir durch andere, bereits geplante Hauskonzerte im Konzerttagebuch-Kreis von der Tournee, den Rest machte dann Christoph für uns klar.

Wegen der bereits geplanten Tournee der Band war das Konzert terminlich festgelegt, weshalb es nur einen knappen Monat nach unserem Abend mit Jonah Matranga stattfand. Das bereitete mir (natürlich) Sorgen, denn es war schwer abzuschätzen, ob unsere Stammgäste sich schon so bald wieder bei uns einfinden werden würden. Hinzu kam noch die Fußball-WM, denn für den Abend war das Spiel um den dritten Platz angesetzt, in dem wir Deutschland als Teilnehmer vermuteten. Deshalb luden wir vorsichtshalber gleich auch zum Fußballschauen ein. Julia hatte diesem Arrangement zugestimmt und behauptet, sie freue sich darauf, Özil zu sehen, aber wir hofften im Geheimen, dass dieser am Spiel um den dritten Platz nicht beteiligt sein würde - erfolgreich, wie sich herausstellte.


Der nach zwei Konzerten schon quasi zur Routine gewordene Ablauf mit Abendessen für die Künstler und quasi parallel stattfindendem Aufbau wurde dieses Mal abgeändert: Die Indelicates wollten vor dem Konzert nichts essen und hatten ihre überschaubare Ausrüstung, bestehend aus Keyboard, Hocker und Gitarre, aber ohne Verstärker, selbst dabei. Aufzubauen gab es also auch nicht viel, dafür dann umso mehr Zeit, sich Sorgen zu machen, dass keiner kommen würde. Zwischendurch hatten wir auch noch Gelegenheit, hinter der "Bühne" ein eigens für den Konzertabend angefertigtes Lego-"Tourposter" aufzuhängen, bei dem es sich um das abgewandelte Plattencover ihres Albums "Songs for Swinging Lovers" handelte, und die Indelicates bauten auf unserem Couchtisch einen erstaunlich reichhaltigern Merchandisestand mit CDs, Vinylplatten, Postern und selbst gestalteten Kinderbüchern auf.


Einmal mehr hatte ich mir umsonst Sorgen gemacht, denn auch an diesem Abend erschienen erfreulich viele Gäste, um unsere Stühle und auch die Künstlerkasse zu füllen. Das Set des Duos begann, wobei sich die beiden Musiker erstaunlicherweise so aufgeteilt hatten, dass Simon etwa 90 % des Redens übernahm, wobei er zwar durchaus brauchbar Deutsch konnte, aber anscheinend wesentlich schlechter als Julia. Diese half lediglich bei der Übersetzung einzelner Begriffe aus dem Englischen, und nachdem die Ansagen ohnehin sprachlich nicht sonderlich komplex waren, ergab sich eine leicht absurde Situation, in der alle im Publikum mithalfen, deutsche Begriffe für etwas zu finden, das im Zweifel sowieso schon jeder verstanden hatte.


Zusätzlich zu den bereits erwähnten Instrumenten - Julia spielte Keyboard und sang gelegentlich, Simon spielte Gitarre und sang viel - gab es noch ein etwas seltsames Teil, mit dem Simon, wenn er in einen Schlauch blies, jaulende E-Gitarrentöne imitieren konnte. Wobei er zwar behauptete, das Ding sei peinlich und ein Weihnachtsgeschenk gewesen, er mochte es aber offenkundig sehr und brachte es bereits beim Soundcheck zum Einsatz - wir vermuten deshalb, dass sich das Teil auf seinem Wunschzettel befunden hatte. Mit und ohne Jaulen zeigte sich in jedem Fall, dass die Indelicates keine Mikros brauchen, um einen Raum mit Musik und Gesang zu füllen, der Sound war klar, gut und relativ laut. Bei "Flesh" erklärte Simon, der darin verwendete Gitarrenakkord komme in jedem zweiten Popsong vor und demonstrierte das zum Ende des Songs, indem er zahlreiche andere Lieder einbaute, beispielsweise "Let it be" und sogar Lenas "Satellite".


Simon hatte vor dem Set erzählt, dass man dem Duo, da es selbst Indie Rock mache, immer unterstellen würde, diesen auch zu mögen. Er mache aber Indiemusik, weil er alle anderen Interpreten dieses Genres doof fände und es besser machen wolle, und er höre Niki Minaj viel lieber als die Strokes. Was ihm aber offenbar sehr gefällt, sind Musicals: Die Indelicates haben ein komplettes Musical über die Waco-Tragödie vorrätig, und anscheinend arbeitet Simon aktuell an etwas, das "Paradise Rocks" heißen soll und Miltons berühmtes Versepos "Paradise Lost" nach Hawaii versetzt, mit Elvis als Satan. Aus diesem noch nicht vollendeten Werk hörten wir zwei Songs, die Simon jeweils stilecht mit Elvisstimme vortrug.


Mit "Dovakiin", in dem es um Skyrim spielende Schotten geht, und "Something goin' down in Waco" aus dem besagten vollendeten Musical, das mit quer gehaltener Gitarre und vielen verstellten Stimmen vorgetragen wurde, endete die erste Hälfte des Sets, es folgte eine kurze Ess-, Trink- und Klopause, während der die Band auch bereits mit einigen Fragen aus dem Publikum konfrontiert wurde.

In der zweiten Hälfte hörten wir unter anderem das sehr stimmungsvolle "Not alone", sowie den Quasi-Hit des Duos "Waiting for Pete Doherty to die", bei letzterem erklärte Simon, dass sie nie gedacht hätten, diesen zehn Jahre nach seinem Entstehen noch spielen zu können. "Be afraid of your parents" trug er anschließend ohne Gitarre  und mit vielen theatralischen Gesten vor, dann war es Zeit für die Zugaben.


Nach dem sehr traurigen, wegen der besseren Verdaulichkeit von einer Handpuppe "gesungenen" "Everything is just disgusting" bekamen wir auch kurz Julia als Puppenversion zu sehen, allerdings nur kurz. Beide Marionetten kamen auch in dem zugehörigen Video zum Einsatz. Nun begann ein Wunschkonzert. Einer der ersten Wünsche war "Last Significant Statement To Be Made In Rock'n'Roll", von dem Simon erklärte, sie könnten es nicht spielen, stattdessen gab es dann "New art for the people" und "America". 

Anschließend kamen wir, nicht zuletzt, da die Band die "Bühne" kaum verlassen konnte, noch eine zweite Zugabe, die mit "We hate the kids" endete - bei dem Simon jedoch arge Textprobleme hatte, weshalb er das Booklet der bereits zum Verkauf bereit liegenden CD studieren musste. Außerdem hatte er nun auch genug von seinem eigenen Indierock und forderte Wünsche nach anderen Musikstilen. Das dann postwendend "Marsch" gefordert wurde, überraschte ihn dann sichtlich, aber er gab sein bestes, während er beim nächsten Wunsch "Death Metal" schnell aufgab, um seine Stimme nicht für den folgenden Abend zu ruinieren. Mit Stil Nummer drei "Irish Folk" gab er sich dann wieder redliche Mühe und machte das Lied zu einer Art Pogues-Song. Mit der letzten Textzeile "No more music, thank you, goodnight." hatten wir dann das echte Ende des Konzertabends erreicht.


Nachdem das Interesse am Fußballspiel dann doch nicht riesig war, stiegen wir erst zur zweiten Halbzeit ein, die Band blieb auch noch ein bisschen, bevor sie Richtung Hotel aufbrach. Wiederum ein völlig anderes Konzerterlebnis als bei den ersten beiden Musikern, aber ein weiteres Mal mitreißend und intensiv.

Setliste:

Europe
I am Koresh
Flesh
Le godemiché royal
Lake of fire
All you need is love
Dovakiin
Something goin' down in Waco

We love you, Tania
Savages
Dirty Diana
Not alone
Our daughters will never be free
Waiting for Pete Doherty to die
Be afraid of your parents

Everything is just disgusting
New art for the people
America

Palekaiko Luau
We hate the kids

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Indelicates, Montabaur, 12.07.14 (Christophs Bericht mit massenweise weiteren Links)

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht



Montag, 14. Juli 2014

The Indelicates, Montabaur, 12.07.14

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Konzert: The Indelicates
Ort: Ursulas und Dirks Wohnzimmer
Datum: 12.07.2014
Dauer: knapp 40 und 60 min
Zuschauer: 22



Um nichts in der Welt wollte ich auf den zweiten Tag des wundervollen Phono Pop in Rüsselsheim verzichten, zu sehr ist mir das Festivals im alten Opel-Werk ins Herz gewachsen. Der Freitag gab mir (mir gegenüber) wieder recht: man kommt durchs Werkstor und fühlt sich gleich willkommen und vollkommen richtig. Ein Festival für Menschen, die Festivals nicht mögen, herrlich! Beim Phono Pop ist nichts anstrengend, nichts lästig. Auf diese zwei Tage Musik will ich nicht verzichten, komme, was wolle!

Es kam aber dummerweis diesmal etwas, das genauso wundervoll, aber viel seltener ist - ein Konzert einer Lieblingsband im Wohnzimmer von Freunden. Die Indelicates aus England sind schon ewig eine meiner liebsten Gruppen. Zum ersten Mal hatte ich Julia und Simon (mit Band) als Support von Art Brut 2007 in Frankfurt und Köln gesehen. Die wundervollen Songs mit den teilweise urkomischen, teilweise sehr bittersüßen Texten und vor allem die grandiose Art, wie die beiden sie live darbieten, hatten mich sofort! Es folgten eine ganze Menge Konzerte, die immer wieder anders waren, in anderer Besetzung, mit anderen Platten, die aber gemeinsam hatten, daß sie höchstcharmant und herrlich unterhaltsam waren. 

Mein letztes Konzert der Indelicates liegt schon drei Jahre zurück. Umso verlockender war die Idee eines Wohnzimmerkonzerts. Julia und Simon waren auf Urlaubsreise durch Frankreich, Bayern und Italien und suchten unterwegs Auftrittsmöglichkeiten. Montabaur liegt zentral, es bot sich also als Auftrittsort an. Mit den beiden Konzerten von Pelle Carlberg und Jonah Matranga haben Ursula und Dirk aus dem Nichts so etwas wie eine Indieszene in der Kreisstadt des Westerwaldkreises geschaffen, in der alternative Kultur ansonsten arg anders aussieht. Wenn Gastgeber schon zwei tolle* Konzerte veranstaltet haben, vertraut man ihnen offenbar langsam blind, auch zu den Indelicates kamen wieder mehr als 20 Zuschauer.

Julia und Simon waren schon im Vorfeld herrlich unkompliziert. "Mikros brauchen wir nicht!" Also begannen die beiden um kurz nach acht mit akustischer Gitarre (Simon) und Keyboard (Julia) und dem abwechselnden Gesang, der typisch für ihre Musik ist. Im Vorfeld hatten die beiden nach Wunschliedern gefragt. Ich hatte das bewußt nicht beantwortet, weil ich überrascht werden wollte und weil ich nicht mit den gleichen Wünschen nerven wollte, mit denen ich sie schon einmal zum Augenverdrehen gebracht habe (auf ihrer Raritätensammlung oder den B-Seiten der frühen Singles sind einige Knüller wie Vladimir, Fun is for the feeble minded, Unity Mitford** oder The sequel to Peter Pan and Wendy, die ich liebe!). Daher war nicht nur die Mischung für mich neu, es gab auch viele Stücke, die ich noch nie live und andere, die ich überhaupt noch nicht gehört hatte. 

Die beiden hatten vorgeschlagen, das Konzert in zwei Teile aufzuteilen (und meinen Wunsch, im ersten Teil nur B-Seiten und im zweiten Songs, die mit S beginnen, zu spielen, ignoriert). Der erste Teil bestand aus Stücken der letzten Platten, Europe und Flesh von Songs for swinging lovers, dem Konzept-Album David Koresh Superstar über die Belagerung dessen Davidianer-Sektenzentrale in Waco und der letzten Platte Diseases of England, die in drei Teilen veröffentlicht worden war. Ganz neu war für mich Lake of fire von einem neuen Projekt, einem Konzeptalbum Paradise rock, angelehnt an John Miltons Paradise lost, mit den kleinen Variationen, daß statt des Teufels Elvis auftritt und die Handlung nicht im Garten Eden sondern auf Hawaii spielt. Ich hatte ja erwähnt, daß die Indelicates enorm hohen Unterhaltungswert haben! Im zweiten Teil spielten sie ein weiteres Stück dieses kommenden Werks.


Einer der besonderen Knüller des ersten Teils war Something goin' down in Waco, das im Original von zig Sängerinnen und Sängern gesungen wird. Um das gut hinzubekommen, mussten Julia und Simon häufig ihre Stimmen verstellen - herrlich! Dovakiin stellte Simon als "ein bißchen traurig" vor. Das Lied der letzten Platte sei für Männer in Schottland, die Skyrim spielen.

Nach der Pause kamen zwei der Lieder, die ich gewünscht hätte, hätte ich Wünsche abgegeben. Erst das unglaublich schöne We love you, Tania, das von Patty Hearst, der Erbin einer amerikanischen Zeitungsdynastie handelt, die von einer marxistisch-revolutionären Guerilla entführt wurde und sich der später unter dem Tarnnamen Tania anschloß und sich an Überfällen beteiligte - und im Anschluß das kaum weniger schöne Savages

Nach Dirty Diana und Not alone (wundervolles Duett!) von Diseases of England wurde es punkig. Our daughters will never be free vom ersten Album American demo war das erste der ganz alten Stücke und wie üblich großartig! 

Das Lied danach habe er vor zehn Jahren geschreiben und niemals damit gerechnet, daß er es noch heute singen würde. Durch die Reunion der Libertines hat Wating for Pete Doherty to die wieder irgendwie an Aktualität gewonnen. So oder so ist es ein Klassiker und amüsierte das Montabäurer Publikum! Mir gefiel dabei besonders, daß Julia die Klavier-Zwischenteile immer beschleunigen wollte und Simon sie bremsen musste, nicht anzukürzen, als brauche er die Pause, um den Text wieder herzukramen.

Be afraid of your parents beendere das Konzert vor den vollkommen überraschenden Zugaben, die Simon bereits angekündigt hatte. 

Diese begannen mit Everything is just disgusting, das so traurig sei, daß Simon es nicht selbst singen wolle. Also übernahm eine Simon-Handpuppe diesen Part! Ich wette, das hattet ihr noch nicht in eurem Wohnzimmer! Anschließend baten die beiden (Julia und Simon, nicht die Handpuppe) um Wünsche. "The last significant statement to be made in Rock 'n' roll? Nein, das haben wir neulich schon erfolglos versucht. Beim nächsten Mal!" - New art for the people, America und We hate the kids waren leichter umzusetzen. Wobei das für das letzte Stück nur zum Teil gilt. Simon hatte bei We hate the kids ein paar Texthänger. Wie praktisch, daß es im hauseigenen Label auch Textbücher gibt, ein paar Blicke und es konnte weitergehen. Die letzten beiden Strophen wollte Simon aber in anderen Stilen spielen. Ich glaube, "Marsch" überraschte ihn. Die beiden lösten das aber souverän ("so march, march, march to the music tonight"). Irish folk klang ebenso überzeugend, nur Speed metal mußte unter Rücksicht auf das Konzert am nächsten Tag auf ein paar Takte beschränkt bleiben.

Oh, das Wohnzimmerkonzert mit den Indelicates war das erhoffte große Highlight. Ich wusste zwar, was mich erwartet, wie viel schöner Konzerte aber in solch angenehmer und intimer Umgebung sind als in stinkigen Eckkneipen, ist immer wieder phänomenal!

Und so hatten wir einen viel schöneren Abend als die brasilianischen Fußballfans (und auch als die niederländischen), deren Spiel um Platz irgendwas wir hinterher noch guckten.

Vielen Dank an die wundervolle Band und die perfekten Gastgeber und Wohnzimmereigentümer! Something's goin' on in Montabaur.

Setlist The Indelicates, Wohnzimmerkonzert, Montabaur:

01: Europe
02: I am Koresh
03: Flesh
04: Le godemiché royal
05: Lake of fire (neu)
06: All you need is love
07: Dovakiin
08: Something goin' down in Waco

09: We love you, Tania
10: Savages
11: Dirty Diana
12: Not alone
13: Our daughters will never be free
14: Waiting for Pete Doherty to die
15: Be afraid of your parents

16: Everything is just disgusting (Z)
17: New art for the people (Z)
18: America (Z)

19: Palekaiko Luau (neu) (Z)
20: We hate the kids (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Indelicates, Mainz, 20.07.11
- The Indelicates, Wiesbaden, 15.12.10
- The Indelicates, Köln, 02.12.10
- The Indelicates, Frankfurt, 05.08.10
- The Indelicates, Köln, 09.06.10
- The Indelicates, Heidelberg, 14.08.08
- The Indelicates, Frankfurt, 12.08.08
- The Indelicates, Münster, 30.04.08
- The Indelicates, Köln, 24.04.08
- The Indelicates, Köln, 04.10.07
- The Indelicates, Frankfurt, 30.09.07
- Interview mit den Indelicates 

* ich habe leider nur das eine gesehen
** ist auf der ersten Platte
**** weil's so schön ist




 

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