Montag, 27. April 2015

Les concerts de la semaine à Paris du 27 avril jusqu'au 3 mai 2015

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Les concerts de la semaine à Paris du 27 avril jusqu'au 3 mai 2015






Plein de bons concerts cette semaine à Paris avec des noms connus comme Thurston Moore, Other Lives, The Dodos ou Fool's Gold, mais aussi des perles rares comme Ryley Walker, Eric Chenaux ou Midget (Photo par Hervé Dulongcourty ©) ça promet de devenir très beau !

27.04.2015: Ryley Walker et Thomas Méry, Espace B 
27.04.2015: Wooden Arms et Pomme, Les Trois Baudets
27.04.2015: SBTRKT, Olympia
27.04.2015: Of Montreal, Café de la Danse, complet
28.04.2015: Tahiti 80 et Shorebilly, Café de la Danse
28.04.2015: Lux Montes, Le Pop In 
28.04.2015 : Fools Gold et Cristobal And The Sea, La Maroquinerie 
28.04.2015: Sailor, les Cariatides
28.04.2015: Vanille, Le Truskel
28.04.2015: Ora Cogan, Blue Note
28.04.2015: Midget ! et Chevalrex et Rémi Parson, Les Trois Baudets
28.04.2015: A Toys Orchestra et Satellites, Espace B
28.04.2015: Michelle Blades et Dead Sea, Monseigneur 
29.04.2015: Other Lives, BC Camplight, Kris Dane, La Flèche d'or
29.04.2015: The Dodos et Maud Nadal, Le New Morning
29.04.2015: Parlor Snakes et Lena Deluxe, Divan Du Monde 
29.04.2015: Braids, Le Pop Up Du Label 
29.04.2015: Nat Jenkins, International
29.04.2015: Bristol avec Jay Jay Johanson et Liset Alea, Café de la Danse
29.04.2015: Chinese Robots, Le Truskel
29.04.2015: Manuel Bienvenu et Wilfried, Espace B
29.04.2015: Michael Wookey et Le Flegmatic et Clio, Les Trois Baudets
30.04.2015: Tim Vantol et Narco Terror, Le Petit Bain
30.04.2015: Fiodor Dream Dog, Point Ephémère
30.04.2015: Million Kopek, Le Pop Up Du Label
30.04.2015: Dead Boy Nite et The Memories et Cannery Terror et Myrha, Espace B
30.04.2015: Thurston Moore, Café de la Danse, complet
30.04.2015: Eric Chêneaux, Péniche Antipode



Mai

01.04.2015: Circé Delandes et Eric Salé, Le Buzz
02.05.2015: Cliché. Le Pop Up Du Label
02.05.2015: Dignan Porche, Espace B
02.05.2015: Joseph Fisher et House Of Wolves et Manolo Redonder, Olympic Café
02.05.2015: T V. Balthazar, J.Lytle (Grandaddy) et K Stringfellow (The Posies) jouent Figure 8 d'Ellioot Smit at Studio 105 de la Maison de la Radio)
03.2015: Jeanne Cherhal, Arthur H, Sly Johnson, Hollysiz, Cassius, Place de la Republique, 16h30

03.04.2015: Showcase Orso Jersenka, La Fabrique des Balades Sonores, 17h30

Kings Of Convenience, Esch, 26.04.15

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Konzert: Kings Of Convenience
Ort: Rockhal (Club), Esch
Datum: 26.04.2015
Dauer: gut 60 min Konzert, knapp 45 min Interview
Zuschauer: vielleicht 450 (ausverkauft)



Musikjournalisten liebten es, wenn etwas grundlegend Neues auftauche. Das habe die Kings Of Convenience rund um die Veröffentlichung des Debütalbums Quiet is the new loud so interessant für die Musikpresse gemacht. Die Rockjournalisten hätten zwar die Abkehr vom Lauten gehasst, der Rest der Presse habe es aber gemocht und dem norwegischen Duo einen netten Empfang bereitet. Ich bin Parajournalist, daher gilt diese Weisheit von Erlend Øye nur bedingt für mich. Ich sehe gerne Bands immer wieder, wenn sie sich einmal bewährt haben. Musikalisch habe ich mich in den letzten 25 Jahren keinen Millimeter aus meiner Twee-Pop und Shoegaze-Welt wegbewegt, neue Veranstaltungsformen wie diese, mit der die Bergener Rocker auf Tour sind, begeistern mich aber sehr.

Bevor Erland und Partner Eirik Glambek Bøe ihr Debüt-Album spielten, saßen die beiden Norweger auf einem Sofa auf der Bühne und beantworteten Fragen des Journalisten Ørjan Nilsson, der ein Buch über sie geschrieben hat. 20 Minuten Interview, dann die A-Seite, eine Pause, wieder einige Fragen und die B-Seite, dieser Abend hat schrecklich viel Spaß gemacht!

Eirik und Erland erzählten Geschichten rund um die Entstehung der Band und deren erste Jahre. Bevor sie die KoC gründeten, spielten sie in der Rockgruppe Skog, die bei einem Talentwettbewerb einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Ein Kritiker schrieb hinterher, man habe nicht genau gewußt, ob das spaßig oder ernst gemeint gewesen sei. Erland gab uns den Tipp "stay funny until the age of 22". Es bringe nichts, vorher Songs über die Schwierigkeiten des Lebens zu schreiben, weil es später, wenn die Probleme wirklich schlimm werden, dann keine Steigerungsmöglichkeiten mehr gebe. Überhaupt vermittelten die beiden eine Menge Weisheiten. Allerdings schränkte der Mann mit der Oma-Frisur dies auch ein wenig ein. "We were very good at faking wisdom!"

Daß ihr leises Konzept aufgehe, hätten sie bei einem frühen Konzert in München erlebt. Am Anfang konnten sie nicht viel touren, da Eirik anderthalb Jahre unter einem selbst diagnostizierten Burnout gelitten habe. Sie seien damals schon die "Kings Of Cancellation" genannt worden. In München habe es aber ein Konzert gegeben und da sei das Publikum wahnsinnig leise gewesen. Das Leise sei da also in der Musik angekommen. Der deutsche Rolling Stone habe etwa zu der Zeit geurteilt, "the music was good but it's a little bit schmalbrüstig!" Musiker oder Bands wie Simon & Garfunkel, Belle & Sebastian und Jonie Mitchell seien auch schmalbrüstig, sagte Erland. Wobei das bei weiblichen Musikern ein unglückliches Bild sei.

Eirik und Erland erzählten von den Aufnahmen des Debüts bei Ken Nelson, dem Produzenten der ersten beiden Coldplay-Alben, in Liverpool. Liverpool sei wie Bergen. Die Stadt biete keinerlei Ablenkungen, keine schönen Plätze oder Restaurants. Sie konnten also in Ruhe arbeiten. Ein Zuschauer aus Liverpool protestierte heftig, war aber einigermaßen zufrieden, als Erland sagte, er möge den FC Liverpool (weil der Soundmann Man United Fan ist und miese Laune habe, wenn die gegen Everton verlören - oder so). Als sie später von einem Lied (Summer on the Westhill) erzählten, das Eirik auf einer Fahrt von Glasgow nach Newcastle geschrieben habe und sie sicherheitshalber nachfragten, ob denn auch jemand aus Newcastle da sei, meldete sich eine Frau. "Wie ist es denn in Newcastle heutzutage so?" - "Shit!", sagte der Mann aus Liverpool. 

Das Interview war enorm unterhaltsam. Und informativ! Daß das dritte Album zum Beispiel QUIET IS the new loud heißen sollte, wusste ich nicht. Es kam nicht dazu, das schien der Plattenfirma nicht ganz geheuer zu sein. Der Name (ohne Großbuchstaben) für die erste Platte war Erland im August 1999 eingefallen. "Da war das Wetter gut." Eirik hatte stattdessen Quality sleep als Titel vorgeschlagen. Das wusste er aber nicht mehr (sagte er).

Zwischen diesem Interview spielten die Kings das Album. Ab und zu fragten sie ab, wie ein Lied heiße. Ab und zu erklärten sie etwas. Aus der A-Seite ragte natürlich das wundervolle I don't know what I can save from you hervor! Live kommt die herrliche Gitarrenmelodie viel besser zur Geltung als auf Platte. Sie hätten erst lernen müssen, wie ihre Sorte Musik, die gar nicht leicht live zu spielen sei, richtig klingen würde. Ihr Soundmann ("Glory, glory, Man United!") habe damals die richtige Technik dafür entwickelt (mit Mikros in den Gitarren). Und ja, die Gitarren kommen auf dem Album viel weniger klar durch. Eingespielt habe man die Lieder im Studio in Livesituationen. Ken Nelson habe keine Zaubertricks angewandt.

Während der zweiten Fragerunde durfte sich auch das Publikum beteiligen. Einer der Zuschauer wollte wissen, was es mit der alternativen Version der ersten Platte auf sich habe, die noch Kings Of Convenience geheißen und zum Teil andere Lieder umfasst habe. Erland erklärte euphorisch, daß man eines von denen, die es nicht auf Quiet... geschafft hätten, als Zugabe spielen könne. Sie müssten es dann nur vorher schnell proben. Eirik wirkte begeistert!

Nachdem sie die zweite Seite gespielt hatten, nahm der Haupt-Sänger aber doch seine Gitarre mit nach hinten. Sie kamen zurück und stimmten Days I had with you an, zum ersten mal seit 15 Jahren. "Nein, vor acht Jahren habt ihr es in Glasgow gespielt." Unterschätzt niemals Konzertgänger, liebe Bands...

Zum Schluß - man wollte und sollte ja hinterher noch Bücher signieren - kam ein späteres Lied, Cayman Islands. Und dann lange anhaltender Jubel des internationalen Publikums. Alle anderen Konzerte waren innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft, nur Luxemburg nicht. Viele (wie ich) hatten den Umweg über Esch gewählt, um diesen Abend zu erleben. "We play to the United Nations."

Setlist Kings Of Convenience, Rockhal, Esch-Sur-Alzette:

A-Seite:
01: Winning a battle, losing the war
02: Toxic girl
03: Singing softly to me
04: I don't know what I can save you from
05: Failure
06: The weight of my words


[Pause]

B-Seite:
07: The girl from back then
08: Leaning against the wall
09: Little kids
10: Summer on the Westhill
11: The passenger
12: Parallel lines


13: Days I had with you (Z)
14: Cayman Islands (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Kings Of Convenience, Barcelona, 02.06.12
- Kings Of Convenience, Dortmund, 09.10.09

Foto: Konserve (es herrschte strenges Fotoverbot. Grob sehen die beiden Musiker aber noch genauso aus).




Sonntag, 26. April 2015

Eliza Rickman, Stuttgart, 24.04.15

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Wohnzimmerkonzert bei Claudia und Chrissie mit 
   Eliza Rickman und Stanley Roy 
in Stuttgart-Feuerbach 
Datum:  24. April 2015
Dauer: 20 min + 70 min
Zuschauer: knapp 40

There's only two types of people in the world
The ones that entertain, and the ones that observe

(from Circus)

Es ist schon länger her, dass ich mich auf einen Konzertabend außerhalb von Karlsruhe einfach so gefreut habe ohne Sorgen und ohne Hin- und Herbarmen. Es war keine Frage, ob ich nach Stuttgart fahren würde oder nicht - auch wenn es sich  anderen Leuten immer schlecht erklären lässt, dass ich mir über zwei Stunden Fahrt antue für eine Künstlerin von der ich gerade ein wunderbares Konzert in Karlsruhe erlebt habe. Im letzten Moment fand ich sogar noch heraus, dass ausnahmsweise gegen 23 Uhr ein Zug nach Karlsruhe zurück fahren würde (Frühlingswasen sei Dank!).


So kam ich im schönsten Frühling in Feuerbach an mit allerbester Laune und voller Vorfreude. Alle Gäste die kurz später eintrafen, brachten ein Lächeln und damit ein Stück des Frühlings von draußen mit herein. So mancher ging noch auf die Terasse für ein bisschen der wunderbaren Abendstimmung und musste dabei an den Instrumenten vorbei, die schon auf Eliza Rickman warteten. Der eine oder andere Blick verriet Neugier und die zweifelnde Frage, was sie da nur erwarten würde... Besonders das rosa Spielzeugklavier lockte zum rumklimpern.
 
(c) Claudia Zielfleisch
Schließlich suchten sich alle einen Platz und Stanley Roy eröffnete den Abend. Mit seinem kunterbunten Outfit und überschäumenden Temperament hatte er das Publikum vom ersten Moment an in der Hand. Es hing ihm an den Lippen und hatte folglich auch gleich das Britney Spears cover "entlarvt". Auch wenn die Zeilen so klingen, als wären sie für Stanley geschrieben. Für mich stachen aus dem Set Circus und Versatile heraus. Aber eigentlich waren die ganzen 20 Minuten wieder ein einziger Spaß. So sehr wirkte Stanley Roy in seinem Element und bekam das mit herzlichem Applaus vom Publikum gespiegelt. Und vielleicht finden sich bald einige von den anwesenden unter denen, die ihm sein neues Album ermöglichen.

Setlist:
01: Imaginary friend 
02. Circus (Britney Spears cover)
03: Disco light
04: Realness
05: Versatile 


Gleich im Anschluss übernahm Eliza die Bühne und begann ihr Programm mit der Autoharp und Fools rush in. Es war wieder ergreifend zu erleben, wie sie sofort die Aufmerksamkeit des Publikums band und ein richtiger Stecknadelmoment entstand als die Spieluhr den Schlusspart des Songs spielte. Ich hatte ja das Konzert in der Kellerhalle schon für wirklich toll gehalten, aber an diesem Abend in Stuttgart war Eliza zum schwatzen und scherzen aufgelegt. Sie empfahl uns z.B. wärmstens, ihre tollen Videos zu einigen Songs anzusehen.


Anscheinend gefiel es ihr mit uns wirklich gut. Oder es waren die Schildkröten, die hinten auf der Bühne Zeugen des Konzertes werden durften? Eliza schien sie jedenfalls ganz in ihr Herz geschlossen zu haben und hat ihnen später noch ein Gute-Nacht-Lied gesungen. Das Programm des Konzertes folgte der gleichen Setlist wie in Karlsruhe (es fehlte nur Black Rose) mit den Wechseln zwischen Klavier, Spielzeugklavier, Glockenspiel, Glocken und schließlich der Ukulele. Trotzdem war jedes einzelne Stück für mich wieder frisch eindrucksvoll und was man vielleicht im ersten Konzert noch unter Spielerei und Versuch zu übertünchen, dass nur eine Person auf der Bühne ist, hätte abtun können, gewann an Gewicht für mich.

(c) Claudia Zielfleisch
Ich hatte seit dem Konzert in Karlsruhe tatsächlich jeden Tag eines ihrer Lieder als Begleiter im Ohr. Sehr lang ausgerechnet Lark of my heart (vom Margaret-Projekt), dem ich solche Ohrwurmqualität nicht zugetraut hätte, und dann Start with goodbye, Stop with hello. Für die Anreise war es dann auf einmal Pretty little head. In Stuttgart erzählte sie uns, dass sie diesem Song sogar ein kleines Bankguthaben verdankt... Sehr schön, dass es Eliza bisher so gut in Deutschland gefällt, dass sie wohl im Herbst mit ihren neuen zwei Alben wieder auf Tour kommen will und sich schon darauf freut. Und sehr schön auch, dass Claudia sich als Zugabenzugabe noch Into my arms erbeten hatte. Ein Moment zum dahinschmelzen und lange im Herzen halten.

Setlist:
01: Fools rush in
02: Devil's flesh and bones
03: Dove of mine
04: Start with goodbye, Stop with hello
05: Pretty little head
06: Moon river (cover)
07: Lark of my heart
08: Only for today
09: Waiting around again

10: Dark horse (Kate Perry cover, mit Stanley Z)

11: Into my arms (Nick Cave cover, Z)
 

Aus unserem Archiv:
Eliza Rickman, Karlsruhe, 18.04.15
Eliza Rickman, Adorf, 19.04.15

Tourdaten im deutschsprachigen Raum:
14.04. Berlin  House Concert
15.04. Berlin Ä
16.04. Berlin Madame Claude
17.04. Frankfurt Cowhide House Concert
18.04. Karlsruhe Kellerhalle
19.04. Adorf Scala Adorf

20.04. Leipzig Basislager
21.04. Köln Kulturlichtung
22.04. Duisburg Ketan & Petra’s Living Room
23.04. Wuppertal Bürger Bahnhof
24.04. Stuttgart In die Wohnzimmer
25.04. Bern Theaterplatz 2
29.04. Zürich Kafi für Dich
30.04. La chaux de fonds Le Entree’ Deux
01.05. Bern Progr
03.05. Zürich Wohnzimmer Bar


Alle Bilder:


Mittwoch, 22. April 2015

Luna, Madrid, 20.04.15

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Konzert: Luna
Ort: Teatro Lara
Datum: 20.04.2015
Dauer: Luna 90 min, Flowers ca. 30 min
Zuschauer: gut 300 (ausverkauft)
 

Im letzten Sommer deutete einiges darauf hin, daß es zu einer Reunion von Luna kommen würde. Dean Wareham spielte in seinen Soloprogrammen plötzlich Stücke seiner 2005 aufgelösten Band und postete Fotos von gemeinsamen Treffen mit Lee Wall und Sean Eden (und Ehefrau Britta natürlich). Zumindest im Rückblick macht das plötzlich Sinn. Damit gerechnet, die Nachfolger meiner heißgeliebten Galaxie 500 irgendwann einmal live zu sehen, hatte ich nicht mehr.

Galaxie 500 waren nicht nur meine erste (ernstzunehmende) Lieblingsband, sie waren auch die erste, deren Auflösung ich miterlebte. Danach war ich trotzig. Luna, die Nachfolge-Gruppe habe ich lange Zeit nicht beachtet. Vielleicht mußte ich erst erwachsener werden - so wie die Musik vielleicht auch erwachsener im Vergleich zu der der drei Schulfreunde Dean, Naomi und Damon war.

Gefragt, warum es jetzt die Reunion gab, antwortete Dean Wareham in einem Interview, es habe ein Angebot eines spanischen Bookers gegeben, der ihnen eine Tour buchen wolle und das habe nach zehn Jahren Bandpause nach großen Spaß geklungen. Die Comeback-Tour im April klang auch für uns nach einem großen Spaß und vor allem nach einem Muß!

In Madrid spielten Luna in einem 1880 eröffneten, wunderschönen Theater. Daß das Teatro Lara in einer Querstraße zur Calle de la Luna liegt und in diesem Viertel alles irgendwas mit "Luna" heißt, war nur ein Zufall, aber ein schöner. Wenn man zwei Tage immer wieder an Lunas vorbeigeht, ist das durchaus vorfreudewirksam.


Auch auf das Vorprogramm hatte ich mich sehr gefreut. Flowers aus London sind Sängerin Rachel und ihre beiden Kollegen Jordan und Sam. Das besondere Merkmal der Band ist Rachels wundervolle Stimme, die mich an die von Elena von Daughter erinnert. Flowers' Stücke sind oft sehr minimalistisch und manchmal erst auf den zweiten Blick echte Schönheiten - aber sie sind es alle!


Leider war der herrliche Theatersaal noch ziemlich leer, als Flowers loslegten. Sie hätten nicht viel Zeit, hatte der nette Merch-Mann uns vorher gesagt. Damit es eine halbe Stunde werden konnte, hatten Flowers bereits zehn Minuten vor der angesetzten Zeit anfangen müssen. Sie schafften immerhin zehn Lieder. 


Mir gefielen Forget the fall und All over again am besten. Bei weitem nicht alle Lieder stammten von der Debütplatte Do what you want to, it's what you should do. Was ich tun sollte, ist Flowers demnächst noch einmal anzusehen. Mir gefiel die halbe Stunde mit den drei Briten sehr! Dummerweise wurde es danach aber so weltbewegend gut, daß die Erinnerung an Flowers viel zu schnell verblasste...

Setlist Flowers. Teatro Lara, Madrid:

01: Be with you
02: All at once
03: Ego loss
04: Everybody's dying 
05: Forget the fall
06: All over again
07: I don't mind
08: Joanna
09: I love you
10: Stuck 

... aber das ist beim Fußball eben auch so. Wenn du ein tolles Spiel hinlegst, der Mann neben dir aber fünf Tore macht, redet man nur über den. Luna haben an diesem Montagabend weit mehr als fünf Treffer gelandet!


Es begann noch ein wenig holprig. Chinatown, das ich als meinen Luna-Liebling bezeichnet hätte, war noch schlecht abgemischt. Sean Edens Gitarre war im Verhältnis zu den anderen Instrumenten und Dean Warehams Stimme viel zu laut. "It's been a dramatic evening already," sagte der Frontmann. Auch die Anreise nach Spanien war dies wohl. Brittas Bass ist irgendwo im Iberia-Nirvana verschwunden. Sie spiele jeden Abend mit einem anderen Instrument. Die Pedale hatten Flowers der Bassistin geliehen.


Ab dem zweiten Lied wurde alles perfekt. Die Setlist war es, der Sound, die Spielfreude. Perfekt und nicht anders. Ich habe Dean Wareham jetzt einige Male gesehen, keines der Konzerte war schlechter als hervorragend*, immer wurde er von tollen Musikern begleitet. Aber Luna - und das war die große Überraschung für mich - waren noch einmal deutlich brillanter. Sie waren viel besser als die Summe ihrer Einzelteile, würden Journalisten sagen.  Ich weiß nicht, ob sie vor zehn Jahren ähnlich mitreißend aufgespielt haben.


Dean Wareham ist ein fabelhafter Gitarrist. Bei Luna hat er aber in Sean Eden einen Kollegen an seiner Seite, der vielleicht der beste Gitarrist ist, den ich je gesehen habe. Ihm auf die Finger zu gucken, war atemberaubend. Spätestens nach seinem Spiel bei Friendly advice müsste eigentlich jeder im Saal den Wunsch verspüren, selbst Gitarre lernen zu wollen.


Lieder, die ich bisher nett aber nicht umwerfend fand (Bewitched, Outdoor miner), waren Sensationen! Lieblinge wie Tiger Lily, 23 minutes in Brussels, Moon palace oder Lost in space noch deutlich besser als auf den Alben. Im Saal war niemand zufällig. Das ausverkaufte Konzert hatte nicht nur uns anreisen lassen. Irgendwer machte einen Spruch über das Bierwerbeschild über der Bühne. "David, bist du extra aus Boston angereist, um das zu sagen?" fragte Dean Wareham. Wenn ich mal nicht auf Sean Edens Hände oder die scheinbar nicht alternde Britta Phillips guckte, sah ich im Publikum nur Leute mit staunend-offenem Mund. 


Warum sind Luna nicht unendlich viel größer? Konzerte in Deutschland wird es wohl nicht geben, sagte der Sänger nach der Show. Also muß man reisen, um California (all the way) oder Bobby Peru sehen zu können. Warum man die sehen sollte? Weil denen nichts das Wasser reichen kann.


Nach dem faszinierenden Friendly advice kam die Band zur Zugabe zurück und erfüllte einen Pulikumswunsch, Ride into the sun, das Velvet Underground Cover. 23 minutes in Brussels danach wäre ein großartiger Abschluß gewesen, der Klatsch-Krach danach war aber so laut, daß Luna noch einmal erschienen und Outdoor miner ("nicht Outdoor minor," wie Sean klarstellte) und Time to quit spielten.

Es waren anderthalb Stunden, die umwerfend waren! Ach, umwerfend... weltbewegend! Eines der britischen Konzerte im Juli wird als Teil der Luna "Farewell-Tour" angekündigt. Neues Material scheint jedenfalls ausgeschlossen zu sein. "What about a new album?" rief irgendwer rein. Nach langer Pause antwortete Dean "what?"

Ich bereite mich also wieder auf die nächste Auflösung einer Lieblingsband vor. Denn spätestens nach diesem Auftritt sind auch die Galaxie 500 Stiefgeschwister Luna dies!

Setlist Luna, Teatro Lara, Madrid:

01: Chinatown
02: Sideshow by the seashore
03: Malibu love nest
04: California (all the way)
05: Cindy tastes of barbeque
06: Tracy I love you
07: Pup tent
08: Bobby Peru
09: Tiger Lily
10: Lost in space
11: Bewitched
12: Moon palace
13: Friendly advice

14: Ride into the sun (The Velvet Underground Cover) (Z)
15: 23 minutes in Brussels (Z)

16: Outdoor miner (Z)
17: Time to quit (Z) 

* an mein erstes 1990 erinnere ich mich leider nicht. Laut Dean Wareham waren Galaxie 500 aber keine gute Liveband.

- mehr Fotos folgen!




Dienstag, 21. April 2015

Eliza Rickman, Karlsruhe, 18.04.15

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Konzert: Eliza Rickman mit Support Stanley Roy Williamson und Tina Löffler
Ort: Kellerhalle in Karlsruhe
Datum: 18. April 2015
Dauer: 20 min + 60 min
Zuschauer: etwa 60


Meine Liebesaffaire mit der Kellerhalle hatte mit dem Konzert von Zoë Boekbinder begonnen. Um so passender fand ich es, dass ich Eliza Rickman an diesem Ort zum ersten Mal begegnen würde. Im November hatte Eliza ihre Fühler für eine mögliche Europatour vorsichtig ausgestreckt und war dabei Tipps von Zoë gefolgt (die hatte Kellerhalle ein dickes Lob-Sternchen).


Mir war ihr Name im Zusammenhang mit dem Margaret-Projekt von Jason Webley ins Auge gefallen und anschließend ins Herz. Ich hatte das Gefühl, dass sie im November zwar mit der Idee spielte, aber nicht recht daran glauben konnte, dass es funktionieren könnte. Aber in gemeinsamer Anstrengung vieler Musikenthusiasten haben wir sie schließlich über den Ozean zu uns gelockt. Und am Ende fiel es so, dass ich zu meinem Geburtstag das Geschenk eines unvergesslichen Abends in der Kellerhalle erhielt und ihn mit meinen Lieben teilen konnte.


Eliza Rickman zu erleben ist spektakulär: Es ist ein Spektakel; ein Spaß, bei dem einem immer wieder das Lachen im Hals stecken bleibt, aber auch unterhaltsam, abwechslungsreich, facettenreich und mitreißend. Eine Prinzessin, eine Diva. Aber ganz dem Publikum zugewandt, immer mit einem Augenzwinkern. Ihre Stimme hat mich gleich gefangen genommen, aber auch die Arrangements haben es in sich. Die Instrumente des Abends in der Kellerhalle waren schließlich: Der Kellerhallen-Flügel, ein rosa Spielzeugklavier, ein Glockenspiel, diverse Glocken, eine Vogelpfeife, eine Ukulele und eine Autoharp.


Was ich im Vorfeld verschlafen hatte, war ihre Entscheidung sich auf die letzte Minute Stanley Roy Williamson als Begleiter für die Tour einzuladen, der mit seiner Ukulele eine schillernde, Versatile und bejubelte Performance ablieferte. Er hat eine warme Stimme und gab halb den Clown, der mit seinem Imaginary friend spricht, halb den Künstler, der uns ganz und gar sein Herz ausschüttete darüber wie er unter dem Disco light den richtigen fand.

Sehr angenehm war es, dass Eliza nach dem Set von Stanley sofort mit ihrer Autoharp den Teil des Abends eröffnete, auf den alle im Publikum so gespannt waren. Ihr erstes Lied Fools rush in führte uns ihre stimmlichen Fähigkeiten gleich sehr eindrücklich vor und setzte im Finale noch eins drauf, als eine Spieluhr das letzte "Wort" erhielt. Klar, dass ihr in diesem Moment schon alle zu Füßen lagen. Etwas ernsthafter und mir sehr vertraut war der Song Devil's flesh and bones vom O, you Sinners-Album (2012). Sie nutzte hier den Flügel und ein Metronom als Percussion. Und das wirkte sehr eindrücklich.


Ich musste mir später von meiner Familie allerhand Vorhaltungen gefallen lassen, dass ich bei der Frage, wer The Princess bride kennt, aufgezeigt hatte. Falls meine Familie recht hat und dieses Film-Kleinod noch nicht allgemein zum Kult-Gut zählt, bitte unbedingt an einem regnerischen Tag von ihm verzaubern lassen. Das hiervon angeregte Lied Dove of mine jedenfalls war hinreißend und zum Kult taugend, gab es doch neben einer mitreißenden Performance am Flügel auch noch ein Vogelpfeifen-Solo. Anschließend wechselte Eliza auf ihr Spielzeugklavier für einen ihrer Klassiker Start With Goodbye, Stop With Hello. Das mit seinem bezaubernden Dreiertakt sofort im Ohr hängen bleibt.



Gar nicht niedlich war ihr Song Pretty little head - auch wenn die Instrumentierung mit Glockenspiel das wahrscheinlich scheinen lassen könnte. Im Gegenteil - er war ganz schön gruselig (und das bei so einer eingängigen Melodie!). Und mit ihrem Cover von Moon river ließ sie uns danach gar das Blut in den Adern gefrieren. Der Klang der Glockenspielstäbe, wenn sie mit einem Geigenbogen gestrichen werden, hat einen wirklich furchterregenden und zugleich doch auch faszinierenden Sound.



Als Unterstützerin des Margaret Projektes kannte ich schon das nächste Lied Lark of my heart, das durch ein Hochzeitsfoto angeregt wurde. Und Black rose - das erste Stück des 2012er Albums, das wieder auf dem Spielzeugklavier begleitet wurde. Manchmal sind ja herausfordernde Spielchen zu etwas gut. So wie der Vorstatz, 20 songs in a day zu schreiben. Vielleicht sind dann zwei davon ganz gut und so etwas schönes wie Only for today entsteht unter dem Druck. Oder ein ganz neues Instrument. Jason Webleys Drängen verdanken wir wohl den wunderschönen Ukulele-Walzer Waiting around again (jedenfalls berichtete Eliza uns das so).  


Natürlich trampelten anschließend alle um eine Zugabe. Und Stanley und Eliza bedienten sich am Pophimmel und coverten Dark horse. Glücklicherweise wurde mir die Peinlichkeit erspart, meine radiohörende Tochter fragen zu müssen, was für ein Song das war, weil ich es erst kürzlich in einem Indie-Konzert als Cover gehört hatte....

Ein einmalig bezaubernder Abend war damit leider zu Ende. Aber die Freude im Herzen wird nicht so schnell erlöschen!

Für Tina Löffler kamen wir etwas zu spät an.

Setlist:
01: Fools rush in
02: Happy birthday
03: Devil's flesh and bones
04: Dove of mine
05: Start with goodbye, Stop with hello
06: Pretty little head
07: Moon river (cover)
08: Lark of my heart
09: Black rose
10: Only for today
11: Waiting around again

12: Dark horse (Kate Perry cover, mit Stanley Z)

Tourdaten:
14.04. Berlin  House Concert
15.04. Berlin Ä
16.04. Berlin Madame Claude
17.04. Frankfurt Cowhide House Concert
18.04. Karlsruhe Kellerhalle
19.04. Adorf Scala Adorf

20.04. Leipzig Basislager
21.04. Köln Kulturlichtung
22.04. Duisburg Ketan & Petra’s Living Room
23.04. Wuppertal Bürger Bahnhof
24.04. Stuttgart In die Wohnzimmer
25.04. Bern Theaterplatz 2
29.04. Zürich Kafi für Dich
30.04. La chaux de fonds Le Entree’ Deux
01.05. Bern Progr
03.05. Zürich Wohnzimmer Bar




Aus unserem Archiv:
Jason Webley, Heidelberg, 14.10.08 
Zoë Boekbinder, Karlsruhe, 27.04.14
Eliza Rickman, Adorf, 19.04.15



 

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