Montag, 5. Dezember 2016

Les concerts de la semaine à Paris du 5 au 11 décembre

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Les concerts de la semaine à Paris du 5 au 11 décembre

A partir du 17 décembre ce sera très calme, mais en ce moment il y a encore pas mal de concerts à Paris. La pétillante Cléa Vincent (photo Oliver Peel) va fêter la sortie de son premier album à la Maroquinerie le 6 décembre devant des guichets fermés, heureux sont ceux qui ont acheté leurs places à temps. Le Winter Camp Festival propose une fois de plus un beau programme, avec pas mal de chanteuses de talents comme Clara Luciani, Norma ou Halo Maud, puis il se passe de belles choses dans les petites salles de la capitale.





05/12: King Creosote, Le Pop-up du Label
05/12: Talmud Beach et Pamela Hute, Le Supersonic
05/12: Aude Junker et Pauvre Lucette et Nuits Blondes, Les Trois Baudets
06/12: Cléa Vincent, La Maroquinerie, complet
06/12: Flamingoods, Barbagallo, Halo Maud, Point Ephémère
06/12: Jonah Matranga et Doris Cellar (Freelance Whales), La Mécanique Ondulatoire
06/12: Jenny Berkel, Break Art Mix
06/12: Tuxedomoon, Divan Du Monde
06/12: A-wa, Elysée Montmartre
07/12: Martha Rose, Le Môtel
07/12: Hawaï Burger et Simple As Pop, Café de la Presse
07/12: Touriste, Haute, Daniel Alexander, Divan du Monde
07/12: Maissiat, Café de la Danse
07/12: Brisa Roché, Le Flow
07/12: Arman Méliès, Le 104
07/12: Lou Doillon, La Flèche d'or
07/12: Jeanne Added, Elysée Montmartre
07/12: Norma, Holy Oysters, Kroy, Point Ephémère
07/12: Vérone et Gisèle Pape et Anonymous Choir, FGO-Barbara
08/12: Chamberlain, Michael Nau, Clara Luciani, Point Ephémère
08/12: Noir Coeur et Kid North, FGO-Barbara
08/12: Piers Faccini et Yelli Yelli, Café de la Danse 
08/12: Burning Peacocks, Les Etoiles
08/12: Nouvelle Vague, Le Flow
08/12: Julianna Barwick, Le Pop-up du Label
08/12: Dick Annegarn, New Morning
08/12: Toy, Nouveau Casino
09/12: Algo, Showcase à la Passerelle
09/12: Jean Added, Elysée Montmartre
09/12: Juliette Greco, Salle Pleyel
09/12: Lydia Lunch Retrovirus et 7 Weeks, Petit Bain
09/12: Etienne Jaumet, Yuksek, Ed Banger, Le Trabendo
09/12: Weird Dreams, Seahorse Hunter et Harem Nights, Espace B
09/12: Mike Wexler et Mocke Trio, Espace en Cours
10/12: Jamie Isaac, Sub Luna City, La Maroquinerie 
10/12: Lao Ra, Cairobi, Franck, Point Ephémère
10/12: Wiliam Sheller, Salle Pleyel
10/12: Mumford & Sons, La Géode 


Jherek Bischoff, Köln, 03.12.16

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Konzert: Jherek Bischoff mit Streichquartett
   in der Reihe King George plays Britney
Ort: Britney (am Schauspiel) in Köln
Datum: 3. Dezember 2016
Dauer: 80 min
Zuschauer: knapp 50

(c) Rainer Driemeyer

Manchmal hilft ganz doll wünschen eben doch (*)...
 

Jherek Bischoff trat an den Rand meines privaten Musikhorizonts als Partner in Crime von Amanda Palmers Album Theatre is evil.  Schon den Berichten aus dem Studio war zu entnehmen, dass dieser junge Mann mit dem auffälligen Namen mehr als der Session Bassist für das Projekt ist. Als ich ihn 2012 in Zürich zum ersten Mal auf der  Bühne sah, prägte sich auch sofort sein Äußeres ein. Er war der - zwischen den Rockern auf der Bühne eher still wirkende - sehr große, schlanke Mann im Anzug und mit Fliege, der aber in dieser Ruhe eine fast hypnotische Kraft ausstrahlte.
 

Dass dahinter ein zutiefst sympatischer Mensch steckt, mit einem Lächeln, dass Eisberge schmelzen lassen kann, zeigte sich dann 2013 im Rahmen des als #Eschvegas in die Annalen eingegangene Party-Konzerts, das Amanda zwar privat im Rahmen ihrer Finanzierungskampagne für das Theatre-is-evil- Album zugesagt hatte, aber aufgrund der Anfang 2013 abgesagten Konzerte in Deutschland dann später in ein Tour-Routing einsortierte, bei dem die ganze Band dabei war.
 

Es war auch dort, dass ich mich in seinen so auffälligen E-Bass verliebte und in die Art, wie er ihn spielt. Seine Körperhaltung ist ja sowieso im Schulterbereich leicht gebeugt und nimmt damit das Instrument vor dem Bauch wie zärtlich, um dann doch richtig Krach damit zu machen, wenn er mag. Nach dem Konzert in Köln vermute ich ja, dass die Haltungsschwäche nicht nur seinem freundlichen Wesen entspricht, sich für andere kleiner zu machen (ihner Augenhöhe etwas näher), sondern vielleicht auch den 13 Jahren, die er auf einem kleinen Segelboot zu Hause war. Das Ausschauen nach ihm war für mich seit der Nacht in Eschwege eher freundlich neugierig um die Person kreisend.
 

Meine Liebe zum Komponisten Jherek Bischoff erwachte erst kürzlich, im Frühsommer 2016 - dafür aber wirklich heftig - mit dem David-Bowie-Tribute-Album Strung out in heaven. Auch eine Zusammenarbeit mit Amanda Palmer, die aber diesmal überdeutlich seine Handschrift trug - vor allem sichtbar in den Streicher-Arrangements. Daraufhin musste ich natürlich auch sein aktuelles Album Cistern vorbestellen und habe mich schon beim ersten Hören ganz darin verloren. Es wird auf alle Fälle in den Top 10 des Jahres 2016 landen. Derweilen passierten in seinem Leben 2016 solche Dinge wie die Bowie Nacht bei den Proms im Juli in London (ich wäre auf alle Fälle hingeflogen, wenn ich ein Ticket für den Abend bekommen hätte) und die Aufführung von Cistern auf dem Times Square.
 


Schließend hörte ich, dass er spät im Jahr 2016 einige Zeit in Europa sein würde, um in Basel eine Musik für Das fliegende Klassenzimmer aufzuführen. Das wird natürlich ein Teil meines Weihnachtsprogramms werden, aber es erwachte auch der Wunsch, es könnte ein Konzert in Deutschland in dem Zeitraum "abfallen", denn für Paris und Amsterdam stand das schon bald fest. Ich drückte ganz fest die Daumen. Zum Glück für mich gab es noch mehr Menschen mit dem Wunsch und es wurde in Köln wahr und nicht z.B. in Berlin... Insofern war dies ein gesetzter Termin in meinem Konzertkalender. Dann kam es wie es manchmal geht: Es fielen daneben noch einige Puzzleteile an den rechten Fleck. Ein dienstlicher Termin in Bonn, eine Verabredung in Köln und schließlich sogar eine Begleitung zum Konzert. Ein wahrhaft adventliches Paket schnürte mir da mein Leben zurecht!
 


Daneben hatte ich mir wenig konkrete Vorstellungen davon gemacht, was es im Konzert zu hören geben würde. Ob die Hoffnung auf Streicher sich z.B. erfüllen würde war aus der Ankündigung nicht zu entnehmen und ob es überhaupt Konzert von Jherek Bischoff heißen kann, wenn er eigentlich ein Streichquartett seine Musik aufführen lässt? Darüber habe ich gar nicht näher nachgedacht. Trotzdem lag schon in meiner Abfahrt in Karlsruhe eine große Vorfreude auf den Abend (im Überschwang vergaß ich z.B. meinen Fotoapparat einzupacken, den ich extra rechtzeitig neu besorgt hatte...). Spätestens aber mit dem Ankommen im Britney, einem wirklich besonderen Ort war ich mir ganz sicher, es würde ein Abend werden für den sich das Kommen mehr als gelohnt hätte. Im Foyer hatte ich mit meiner Begleitung noch ein Gespräch darüber, welche Musikstücke uns zu Tränen rühren. Nicht wissend, dass ich das Stück, das mir sofort einfiel und für das ich natürlich auch zum Taschentuch greifen musste, in diesem Konzert hören würde: Life on Mars?



Und dann begann das Konzert und tatsächlich hatte sich ein Streichquartett gefunden, dem Jherek mit seinem E-Bass, ein wenig Computerbeimischung und bei einem Stück auch mit einer Trommel als fünfte Stimme und Dirigent beitrat. Es ging laut los mit Wumms im Bass und Jherek unternahm mit dem Publikum eine Reise durch seine Oeuvre mit leichtem Schwerpunkt auf dem aktuellen Album. Immer wieder kam er auf die prägende Erfahrung des Musizierens in dem riesigen Raum der Unterwasser-Zisterne zurück, aus der sich der Klang des Albums ableitet. Z.B. erzählte er uns im Lauf des Konzerts, dass er beim hören seiner eigenen Cistern-Musik an eine tiefe Erfahrung aus seiner Kindheit erinnert wurde, die er ganz vergessen hatte. Eines nachts war rund um das Segelboot das Meer vollkommen ruhig und der Sternenhimmel spiegelte sich darin, sodass nach einer Zeit kein oben und unten mehr unterscheidbar war. Ein zuerst erschreckendes aber schließlich genossenes Gefühl des Treibens im All war die Folge. Nun kann ich wohl den Track Cas(s)iopeia nie mehr ohne das Bild dieses inneres Sterneflimmern hören. Das nach seiner Einschätzung aggressivste Stück Musik aus seiner Feder, das Stück Wolf  war live auch doppelt eindrucksvoll als zuvor auf der CD für mich.
 


Mindestens zwei der aufgeführten Stücke hatte er für das Kronos  Quartett geschrieben oder arrangiert. Beide kannte ich nicht und Kule-Kule von Konono no1 war für meine Begleitung eine ganz spezielle Überraschung. Als er schließlich darauf zu sprechen kam, was für ein furchtbares Jahr 2016 emotional gewesen sei mit Trumps Triumpf und so vielen verstorbenen Vorbildern, kam seine Bitte um das bringen von Liebe in unsere Welt sichtlich aus vollstem Herzen (ich habe die vielen please, please,.... nicht mitgezählt). Aus dem Publikum wurden Namen von schmerzlich vermissten Künstlern zugerufen und zu Sharon Jones hatte er noch ein ganz persönliches Erlebnis aus dem vergangenen Jahr zu teilen, als er in der Carnegie Hall auf dem gleichen Konzert wie sie aufgetreten ist. Beim nachkonzertlichen Fritten kaufen im Restaurant mit den zwei goldenen Flügeln brachte Sharon das ganze Restaurant zum singen - so eine Person war sie. Und dann folgte für mich DER Moment: Life on Mars? Das hätte ich mir nicht zu wünschen gewagt und fiel mir nun so als mein privates Weihnachtsgeschenk in den Schoß. Wow, wie wunderschön! Im Anschluß sprach mich mein Nachbar an, er hätte dieses Stück gern noch ein paarmal wiederholt bekommen.

Und doch ließ sich dieser so ganz besondere Moment noch übertrumpfen durch die Aufführung von Cistern mit Glöckchen im Publikum verteilt. Irgendwie auch eine gute Allegorie für ein nettes herbeirufen. In jedem Fall ein ganz und gar erhebendes Gefühl des miteinanders und des sich hingebens an den wunderschönen Moment. Danach war kein Raum mehr für eine Zugabe. Statt dessen gab es einen herzlichen Schlußgruß von Jherek und für mich einen glücksbenebelten Rückweg zum Bahnhof - vorbei am Dom, den Jherek als den seiner Meinung nach schönsten der Welt bezeichnet hatte. Der Dom hatte sich darüber vor Erröten wohl in eine Wolke zurückgezogen.
 



(*) Vor allem wenn andere was tun :) - hier die Leute in Köln hinter dem King George und dem Week-End Fest aka Jan Lankisch und Teresa Nink (aus tiefstem Herzen Dank dafür!)

Setlist:
folgt

Aus unserem Archiv:
Amanda Palmer, Eschwege, 08.11.13
Amanda Palmer, Zürich, 30.10.12



Ash, Köln, 04.12.16

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Konzert: Ash (20 Jahre 1977)
Ort: Luxor, Köln
Datum: [hier]
Dauer: Ash 105 min, Minor Cabinet knapp 30 min
Zuschauer: wohl so gut wie ausverkauft



Es gibt kaum etwas, das ich mehr hasse als posende Musiker. Ein Bein auf der Monitorbox, das Instrument in die Höhe, all diese Mucker-Folklore, schrecklich! Na gut, es gibt schon Sachen, die ich noch mehr hasse. Diese Echo-Spielchen. Band: "hejo" - Publikum: "hejo" - Band: "hehejo" - Publikum: "hehejo". Das ist in Bierzelten ok (weil ich nicht da sein muß), aber natürlich nicht in Konzertsälen. Das Publikum zum Mitklatschen animieren: scheußlich! Noch schlimmer als diese Fiesigkeiten sind rockige Gitarrensoli, dagegen klingen selbst Saxofone sexy. Am widerlichsten sind Soli auf diesen V-förmigen ZZ-Top-Gitarren! Musik aus der Hölle!

Bei Ash gibt's das alles.


Und trotzdem liebe ich die nordirische Band auch live. Und ich liebe sie so sehr, daß ich schweren Herzens auf Locas In Love verzichtete, die zeitgleich ihre Wintergala in Köln spielten. Ash sind seltener. 


Im Gegensatz zum Vorabend, dem ersten Europa-Konzert der 1977-Tour in Hasselt, war das Interesse riesig, das Luxor war früh voll (die Krefeder Vorgruppe Minor Cabinet begann schon um 20 Uhr). Obwohl das letzte eigene Konzert von Ash in Köln lange her sein muß (ich erinnere mich an keines in den letzten Jahren), ist das Interesse an der Band riesig. Mich überraschte vor allem der große Anteil jüngerer Leute. Wenn Gruppen das 20. Jubiläum einer Platte feiern, sind Zuschauer unter 30 ungewöhnlich, vor allem wenn die dann jedes Lied mitsingen.

Der erste Teil des Konzerts bestand wieder aus den zwölf Titeln des Ash-Debütalbums. Weil sie das in der chronologischen Reihenfolge spielen, kommen die ersten großen Hits früh, die nächsten in der Mitte. Dazwischen sind die schwächeren Stücke der Platte (I'd give you anything, bei dem es gestern ein ewig langes Gitarrensolo gab (s.o,) und Gone the dream). 1977 wurde aber durchgängig gefeiert und mitgesungen, egal ob Oh yeah, Goldfinger, Kung Fu und Girl from Mars oder eben Darkside lightside, Let it flow

Nach 55 Minuten war 1977 gespielt. Es hatte schon da sicher niemand bereut, seinen Abend im Luxor zu verbringen. "Instead of watching Tätort" (Tim Wheeler).

Nach 1977 kam der Nachschlag in Form von sieben weiteren Lieder der Phase vor uns nach der Platte. Die drei ersten Singles Jack names the planets, Uncle Pat und Petrol (diesmal nicht chronologisch), die beiden B-Seiten Cantina Band und Does your mother know (das ABBA-Cover von Oh yeah) und eine der zahlreichen B-Seiten von Goldfinger, die ich aber nicht erkannt habe. Das Lied nach Does your mother know war weder Sneaker noch I need somebody noch Get ready. Hmmm, aber da der Sänger der Band sein Werk besser kennt als ich, war es wohl doch eines der drei. 


Bis dahin gab es die ersten Crowdsurfer und eine gleichbleibend gute Stimmung. "Wie oft waren wir jetzt in Köln? Zehnmal? Fünfzehnmal? War jemand bei allen Konzerten? Ja, wir drei." Und zum Bassisten: "Thanks for coming, Mark!"

Der nächste Riesenhit, die Single nach 1977 (aus dem gleichnamigen Film mit Cameron Diaz und Ewan McGregor, den ich viel zu lange nicht gesehen habe) A life less ordinary, beendete den regulären Teil des Abends. 


Mit den Zugaben wurde es dann neuer. Erst das tolle Orpheus, dann Machinery und Let's ride von der letzten Platte, bevor das wunderschöne Shining light das Konzert beendete. Das dachte ich zumindest, denn besser konnte es ja nicht mehr werden, außerdem hatten Ash spätestens da alle Hits gespielt. Ich hatte aber Burn baby burn vergessen, das dann wirklich den Deckel drauf setzte.


Setlist Ash, Luxor, Köln:

1977:
01: Lose control

02: Goldfinger
03: Girl from Mars
04: I'd give you anything
05: Gone the dream
06: Kung Fu
07: Oh yeah
08: Let it flow
09: Innocent smile
10: Angel interceptor
11: Lost in you
12: Darkside lightside

13: Uncle Pat
14: Petrol
15: Cantina band (John Williams Cover)
16: Jack names the planets
17: Does your mother know (ABBA Cover)
18: ?
19: Life less ordinary

20: Orpheus (Z)
21: Machinery (Z)

22: Let's ride (Z)
23: Shining light (Z)
24: Burn baby burn (Z)

Tour:

05.12.: Knust, Hamburg
06.12.: Lido, Berlin

Links:

- aus unserem Archiv:
- Ash, Hasselt, 03.12.16

- Ash, Köln, 17.11.15
- Ash, Köln, 19.09.07
- Ash, Hohenfelden, 19.08.07
- Ash, Wiesbaden, 04.05.07
- Ash, Köln, 03.05.07



Sonntag, 4. Dezember 2016

Ash, Hasselt, 03.12.16

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Konzert: Ash (20 Jahre 1977)
Ort: Muziekodroom, Hasselt
Datum: 03.12.2016
Dauer: 75 min (reguläres Set; plus Zugaben)
Zuschauer: knapp 200



Ich habe Ash - wie alle anderen damals - 1996 mit ihrem Album 1977 kennengelernt. Obwohl die Konkurrenz damals riesig war, schaffte es das Debüt der nordirischen Band auf Platz eins der britischen Charts, Oh yeah, Kung Fu, Girl from Mars, Goldfinger in die Lieblingsliedlisten aller Menschen mit Musikgeschmack. Kaum schreibe ich "Oh yeah", habe ich einen Ohrwurm. Das klappt seit 20 Jahren!

Vor einiger Zeit spielten Ash schon einmal 1977 live, leider außerhalb meiner Reichweite, ich fühlte mich beleidigt! Aber der Band fiel wohl auf, daß einige wenige Konzerte damit Perlen vor die Säue wären, also kündigten sie eine ganze Tour an. Gottseidank mit drei Deutschland-Terminen! Da ich in meiner Familie nur der zweitgrößte Ash-Fan bin und das Patenkind an einem Sonntag nicht zu Konzerten gehen kann, begann meine 1977-Tour schon Samstag in Hasselt in Belgien.


Wir waren früh im Muziekodroom, einem der vielen grandios-tollen echten Konzertsäle in Benelux. Das Muziekodroom liegt in einem Gewerbegebiet am Kanal. Der Saal ist im ersten Stock und war noch geschlossen. Wir nutzten die Zeit, um die Live on Mars, die gerade erschienene Aufnahme eines Konzerts von 1997 zu kaufen. Verkauft wurde sie von Bassist Mark Hamilton, der vor der Show Merch-Dienst hatte (und ein Gaming-Video anguckte, wie das Patenkind begeistert feststellte). Als wir danach mit anderen wieder vor dem Saal warteten, kam ein Clubmitarbeiter und sagte uns allen, das Konzert finde im kleinen Saal statt.

Dieser kleinen Saal war sehr klein, laut Website passen 200 rein. Als es um 21:15 losging (ohne Vorgruppe), war der Raum ziemlich voll. Die Band kam durch den gleichen Eingang wie wir und begann mit Lose control, dem ersten Stück der Platte. Seit einigen Jahren spielen immer mehr Gruppen Alben komplett, dabei gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Ash folgen dem konservativen Ansatz: erstes Lied bis letztes Lied. Also war das Programm am Anfang nicht überraschend und die großen Hits früh dran. Goldfinger und Girl from Mars, Kung Fu und Oh yeah sind sonst eher am Ende eines Konzerts dran. 



Es war alles wie immer: so viele großartige Songs, all die abenteuerlichen Verrenkungen des Bassisten (einmal schien er in einen Spagat fallen zu wollen), das Tanzen von Gitarrist Tim Wheeler zwischen seinen Gesangsparts, die kurzen Pausen zwischen den Stücken und Tims Gibson Flying V (gegoogelt). Natürlich sind bei Ash auch immer viele mitsingende Briten, allerdings waren auch die Einheimischen textsicher und gezielt wegen der Band da. Es war toll!


Nach 55 Minuten war 1977 fertig. Meine Erkenntnis danach: auch live ist das Album grandios! Den Hidden Track nach Darkside lightside sparten sich die drei glücklicherweise. "Die drei" stimmte bei den ersten 1977-Konzerten nicht ganz. Bei einigen der Lieder war auch Charlotte Hatherley auf die Bühne gekommen, bei dieser Tour natürklich (und leider) nicht.


"Wir spielen jetzt noch ein paar Stücke von damals", gab Tim danach lapidar durch. Und auch alleine für dieses Zusatzpäckchen hätte sich die Fahrt nach Flandern gelohnt. Es fing an mit der ersten Single Jack names the planets (damals noch mit Pluto!), einem der tollsten Lieder der Band. Danach Petrol, die zweite Single. Mein Liebling des Abends war das dritte zusätzliche Lied, Uncle Pat, die - tataaa! - dritte Single. Die Singles vier bis acht hatten sie vorher gespielt, also kamen nach Uncle Pat andere Besonderheiten: zunächst mein heimlicher Wunsch Cantina Band (aus Star Wars - Hashtag: Han shot first) in einer ganz kurzen Version ohne die vielen Soli nach der eigentlichen Melodie. Das zweite Cover Does your mother know? von ABBA hatte ich lange schon vergessen. "Warum wir das spielen? Weil es eine B-Seite war [von Oh yeah]. Warum wir damals ABBA gecovert haben, ist eine andere Frage!" Naja, warum bloß? Weil es ein tolles Lied ist und Ash daraus einen Knüller gemacht haben.

Unser letztes Lied war die neunte Ash-Single A life less ordinary, das das reguläre Set beendete. 

Es war phänomenal gut, die Setlist ein Traum. Das muß ich heute noch mal sehen.


Setlist Ash, Muziekodroom, Hasselt:

1977:
01: Lose control

02: Goldfinger
03: Girl from Mars
04: I'd give you anything
05: Gone the dream
06: Kung Fu
07: Oh yeah
08: Let it flow
09: Innocent smile
10: Angel interceptor
11: Lost in you
12: Darkside lightside

13: Jack names the planets
14: Petrol
15: Uncle Pat
16: Cantina band (John Williams Cover)
17: Does your mother know (ABBA Cover)
18: Life less ordinary

Zugabe: ? 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Ash, Köln, 17.11.15
- Ash, Köln, 19.09.07
- Ash, Hohenfelden, 19.08.07
- Ash, Wiesbaden, 04.05.07
- Ash, Köln, 03.05.07


Samstag, 3. Dezember 2016

Die Nerven, Reykjavik, 03.11.16

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Konzert: Die Nerven
Ort: Húrra, Reykjavik (Iceland Airwaves)
Datum: 03.11.2016
Dauer: gut 40 min
Zuschauer: vielleicht 250 (volle Kneipe)



Ich habe gut drei Jahre und 2.200 km gebraucht, um endlich einmal Die Nerven live zu sehen und nach drei Minuten dachte ich, die ersten drei Jahre unserer Beziehung seien die besseren gewesen. Schlagzeuger Kevin Kuhn kam in T-Shirt und Unterhose auf die Bühne des Húrra, einer kleinen Kneipe in der Nähe des Kunstmuseums. Seine beiden Kollegen, Gitarrist Max Rieger und Bassist Julian Knoth waren zwar komplett bekleidet, schlossen sich aber Kevins Rockposen an. Albtraum war ein passender Titel für den Auftakt. Das also ist die spannendste Band* der spannenden Stuttgarter Szene? Dieses Rockgejamme? Es war zu voll, um gleich wieder rauszugehen - aber 40 Minuten können lang sein, wenn die Band schlimm ist.


Ein paar Augenblicke später dachte ich schon, daß 40 Minuten viel zu kurz sind. Im zweiten Lied (Barfuß durch die Scherben vom letzten Album Out) schwenkte meine leicht angeekelte Distanz um in kritiklose Begeisterung. Es stimmte, was alle auf mich eingeredet hatten, die Gruppe aus Esslingen ist eine fantastische Liveband mit mitreißenden Songs und faszinierend viel Energie. 


Auch wenn viele Deutsche beim Airwaves waren, kannte sicher die Mehrheit im Saal vorher nichts von den Nerven. Aber sehr schnell zappelte jeder, auf der Bühne war auch wirklich reichlich überschüssige Energie vorhanden.

Die beiden Sänger Julian (der auch als All diese Gewalt Musik macht) und Max wechselten sich ab, stilistisch änderte sich dadurch nichts (es gibt ja solche Bands mit zwei Sängern, in denen die jeweilige Lieder typisch für den Sänger sind, Wolf Parade zum Beispiel).

Die Rockgesten, die es immer wieder gab, brauche ich nicht. Aber sie nervten irgendwann auch nicht mehr, weil die Lieder und die Art, wie sie gespielt wurden enorm stark waren. Bestes Stück war Angst, wobei sich das alles nicht viel nahm.

In den letzten Tagen bin ich unfreiwillig über einige dieser offenbar jetzt überall auftauchenden entsetzlichen Musiker wie Mark Forster, Tim Bendzko, Max Giesinger (vorher nie gehört) und Wincent Weiss (auch nicht) gestolpert. Wenn von einer neuen Musiker-Generation aus Deutschland die Rede ist, fallen diese Namen. Kein Wunder, daß man nach Island reisen muß, um die tollen deutschen Bands wie die Nerven oder Warm Graves kennenzulernen.

Setlist Die Nerven, Húrra, Reykjavik:

01: Albtraum
02: Barfuß durch die Scherben
03: Gerade deswegen
04: Schrapnell
05: Dreck
06: Blaue Flecken
07: Roter Sand
08: Angst
09: Der letzte Tanzende

Links:


- aus unserem Archiv:
- Die Nerven, Reykjavik, 03.11.16
- Die Nerven, Mannheim, 03.06.16
- Die Nerven, Bonn, 22.10.15
- Die Nerven, Rüsselsheim, 11.07.15
- Die Nerven, Stuttgart, 06.02.14
- Die Nerven, Stuttgart, 17.01.14
- Die Nerven, Karlsruhe, 07.12.13
- Die Nerven, Stuttgart, 06.09.13
- Die Nerven, Stuttgart, 01.08.13


* wobei sich da die Gelehrten streiten und auch Karies nennen



 

Konzerttagebuch © 2010

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