Donnerstag, 31. Juli 2014

Konzerttipps in München August 2014

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die livepräsenz von bands bzw. künstlern hat an bedeutung gewonnen. dem wollen wir gern rechnung tragen, indem wir immer mal wieder etwas deutlicher hinweise auf entsprechende veranstaltungen geben. das können tourdaten einzelner künstler sein, aber auch wie heute übersichten nur für eine stadt. dass uns münchen dabei am herzen liegt, dürfte auf der hand liegen. gleichsam bemühen wir uns nicht um einen kompletten überblick, sondern picken uns die perlen heraus.


Wir danken Eike, der diese Liste mit Liebe zusammengestellt und hier veröffentlicht hat (dort gibt es auch viel zu hören).
  
01.08. express brass band u.a.,
01.08. colours of rio special, unterfahrt 
01.08. napalm death, backstage halle
01.08. weiherer u.a., free and easy festival
02.08. colours of rio special (munich summer jazz week), unterfahrt
02.08. mad sins / the brains u.a., free and easy festival
03.08. the intersphere u.a., backstage halle
04.08. agnostic front u.a., backstage werk
05.08. insanity/hatebreed u.a., backstage werk
05.08. - 09.08. mingus in wonderland, unterfahrt
06.08. blockflöte des todes u.a., free and easy festival
06.08. the marble man/impala ray u.a., backstage club
06.08. cris cosmo & band u.a., backstage halle
06.08. dog eat dog u.a., backstage werk
06.08. the tidal sleep / akela, free and easy festival
07.08. sick of it all u.a., backstage werk
08.08. fatan mojah & band, free and easy festival
09.08. zsk u.a., free and easy festival
09.08. joe ginsberg u.a., free and easy festival
09.08. deepbblues festival, ampere
11.08. black lips, strom
11.08. sharon van etten, hauskonzerte.com
12.08. first day of aries, glockenbachwerkstatt
14.08. blacklist royals, strom
14.08. finn nelé, glockenbachwerkstatt
15.08. le fabrique, glockenbachwerkstatt
16.08. triska u.a., theatron
17.08. ardhi engl & geoff goodman u.a., theatron
18.08. the moonband u.a., theatron
19.08. sarah sophie u.a., theatron
21.08. g.rag / zelig-implosion u.a., theatron
22.08. the tonecooks u.a., theatron
23.08. luko u.a., theatron
26.08. henning sieverts, unterfahrt
28.08. ryan mcgarvey, backstage club
28.08. habitats, atomic cafe
28.08. driving mrs. satan, cafe muffathalle
29.08. paul orwell & the night falls, atomic cafe
29.08. capitan tifus, ampere
29.08. stereo express, rote sonne
29.08. bad rabbits, backstage club
29.08. blumfeld, theaterfabrik

 

Pearl Jam, Amsterdam & Rock Werchter, 16.06. & 05.07.14

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Konzert: Pearl Jam
Ort: Ziggo Dome, Amsterdam & Rock Werchter
Datum: 16.06. & 05.07.2014
Zuschauer: 16.000 (ausv.) & 84.000 (ausv.)



von Dirk aus Mönchengladbach

Amsterdam:

Der Konzerttag in Amsterdam beginnt mit einer Überraschung. Obwohl man sich bereits vor Monaten Tickets über den bandeigenen Fan-Club besorgt hat und rechtzeitig an der neuen, modernen Konzerthalle des Ziggo Doms (direkt neben der Amsterdam-Arena) erscheint, muss man feststellen, dass Pearl Jam und die Niederlande immer noch ein besonderes Verhältnis haben. Tausende (kein Witz) Besitzer von Fan-Club Tickets, angeblich limitiert verlost, stehen Schlange und warten auf den bevorzugten Einlass. 

Ist dieser geschafft, zeigt sich die vor zwei Jahren als reine Konzertarena gebaute Halle von der allerbesten Seite. Fast alle Fehler diverser Mehrzweckhallen wurden bei diesem Neubau vermieden, man fühlt sich trotz der enormen Größe wie in einem Konzertsaal. Licht (dezentes lila), Essen (La Place), Garderoben (Schließfächer) und Toiletten am Innenraum lassen gar keine schlechte Laune zu. Vorgruppen gibt es ebenfalls keine bei dieser Tour und so beginnt Pearl Jam um 20.15 Uhr mit Pendulum

Die Band probte vorab 3 Tage in der ebenfalls naheliegenden HMH und spielt in Amsterdam das erste von wenigen Europa-Gigs 2014. Spielfreude und Eddies rotweingeschwängerte Ansagen sind bekannt, die Stimme kraftvoll wie selten. Nur leider macht Ihm eine Knieverletzung schwer zu schaffen. Wie ein alter Mann schleicht er über die Bühne und kann nur schwer die fehlende Energie früherer Shows kaschieren. So scheint es zunächst ein kurzer Abend zu werden. 

Die Bühne kommt ohne große LED Leinwand aus, stattdessen ein fast schon klassischer, hängender Lichtaufbau mit riesigen, schwingenden, glühbirnenartigen Lampen, sowie einem schwebenden Schrottkunstwerk in Form eines Riesenvogels. Ein sehr variables Design das besonders bei Pearl Jams täglich wechselnden Setlists Sinn ergibt. 

Das komplette Set besteht heute aus 32 Songs in fast 3 Stunden, und doch wird man wieder das Gefühl haben, nur die Hälfte zu sehen. Am zweiten Amsterdam Tag wird die Setlist wieder fast komplett ausgetauscht sein. Ein Grund, warum die Band diese Intensität in jedem Konzert erreichen kann. 

Heute gibt viele Raritäten (Evacuation), Cover (Sonic Reducer) sowie einen Song von Eddies Soloplatte (Sleeping by Myself) und natürlich auch Hits (Better Man, Alive, Reviewmirror). Band und Publikum benötigen ca. 30 min bis die Betriebstemperatur stimmt, doch dann gibt es kein Halten mehr. 

Lediglich der erste Zugabenteil, mit einigen langsameren Songs ohne Gitarrenlärm vorgetragen, dient hier als Showstopper bevor mit den letzten Songs bei vollem Saallicht der Abend zu Ende geht. 

Bis auf die fehlende Mobilität des Sängers gibt es da gar nichts zu meckern. Bands, die in Würde und ohne jede Peinlichkeit altern, deren Konzerte immer länger statt kürzer werden und deren neue Platte wirklich gut ist, kann man an einer Hand abzählen. Pearl Jam setzen hier wieder den Standard für Arena-Shows ohne sich beim Publikum anbiedern zu müssen. 

Die Wut und der Hass der frühen Tage mögen verflogen sein, die Dankbarkeit der Band bleibt. Als dann noch Eddies Schweiß am Bühnenrand von seinen Töchtern getrocknet wird, möchte man eine Träne verdrücken. 

 

Rock Werchter: 

Dies war aber nur der erste Streich, denn wenn es eine Band gibt bei der sich ein wiederholter Konzertbesuch lohnt, dann wohl bei Pearl Jam. Besonders wenn die Bedingungen für den zweiten Abend völlig andere sind. 

Das ehrwürdige Werchter Festival in einem Kaff (kleinem Dorf) in Belgien bietet netterweise Tageskarten an und auch wenn meine restlichen Kandidaten (Pixies im Zelt/Moderat auf der 3.Bühne) alle dem Slot von Pearl Jam zum Opfer fielen, es hat sich gelohnt. 

Pearl Jam bekamen auf der Hauptbühne die Zeit von 22:00 bis 01:00 Uhr zugeteilt, selbst für erfahrene Festivalgänger fast unglaublich. Die vorab platzierten Black Keys konnten die Erwartungen leider nicht erfüllen. Zum einen war das Gelände auf Grund des WM Spiels der Belgier zu diesem Zeitpunkt nur schwach gefüllt, zum anderen war der Band wohl selber klar das Pearl Jam den Abend spektakulärer zu Ende bringen würden als die Black Keys im sommerlichen, belgischen Nieselregen. 

Die Hits kamen ohne Druck und Spielfreude, ein Auftritt zum Vergessen… 

Danach versammelte sich vor der Bühne ein Mix aus den besten Pearl Jam Fans der europäischen Gemeinschaft und pünktlich mit dem Ende des Regens kam die Band auf die Bühne. Es folgte eine Lehrstunde für die übrigen „Rock“-Bands dieses Festivals. Vedder, sichtlich genesen und ohne erneute Knieprobleme wieder in Topform, kann es auch nach über 20 Jahren noch mit jedem aktuellen Frontmann als Headliner aufnehmen. 

Man muss Pearl Jam gar nicht mögen, um festzustellen, wie schnell diese Band auch unwissende, junge Festivalbesucher sofort packt und mitreißt. Schon der Opener Reviewmirror würde vielen als letzte Zugabe reichen…weiter geht es ohne Pause: Animal, Corduroy, Lightning Bolt, Do the Evolution…immer weiter treibt die Band sich und die Fans an….Vedder mal auf dem Schlagzeug, mal im Bühnengraben, mal mit belgischem Brief als Vorleser, dann wieder als springender Derwisch vor den Boxen... es gibt so viel zu sehen, obwohl es eigentlich gar keine Bühnenshow gibt. 

Bei All Night kommen zum ersten Mal Midlake mit auf die Bühne, der normale Set endet mit einem begeisternden Better Man in einer Endlosversion. 

Dann noch die Zugaben: Mother von Pink Floyd in voller Version, Black und Daughter mit weiteren Cover-Snippets (Where is my mind - Pixies) und Eddies Hinweis, dass vor den Pixies doch nur englische Bands gute Musik machten. 

Und wer immer noch stehen konnte, für den gab es dann kurz vor 01:00 Uhr noch die üblichen Rausschmeißer Sonic Reducer, Alive,…Free World (nochmal mit Midlake) und Yellow Ledbetter hintereinander. 

Da bleiben keine Fragen offen. Pearl Jam gönnten sich nur wenige Konzerte in Europa, es wird klar warum. Familien und Freunde müssen mit, mehr als 4 Wochen soll die Sause nicht dauern und die Spannung auf der Bühne muss unverändert hoch sein. 

Das Ziel wurde erreicht, die Wiese dampft, und alle sind glücklich. Eine letzte Frikandel und ein belgisches Bier auf dem Weg nach Hause, was für ein Abend. 

Setlist Pearl Jam, Ziggo Dome, Amsterdam:

01. Pendulum 
02. Nothingman 
03. Breakerfall 
04. Corduroy 
05. All Night 
06. Animal 
07. Got Some 
08. Mind Your Manners 
09. Given to Fly 
10. Who You Are 
11. Lightning Bolt 
12. Even Flow 
13. Swallowed Whole 
14. Sirens 
15. Light Years 
16. Evacuation 
17. Wishlist 
18. Porch 

19. Low Light (Z)
20. Thin Air (Z)
21. Sleeping By Myself  (Z)
22. Footsteps (Z)
23. Come Back (Z)
24. Jeremy (Z)
25. Better Man (Z)
26. Rearviewmirror (Z)

27. Go (Z)
28. Why Go (Z)
29. Supersonic (Z)
30. Sonic Reducer (Z)
31. Alive (Z)
32. Indifference (Z)

Setlist Pearl Jam, Rock Werchter:

01. Rearviewmirror 
02. Mind Your Manners 
03. Animal 
04. Corduroy 
05. Lightning Bolt 
06. My Father's Son 
07. Do the Evolution 
08. Given to Fly 
09. All Night 
10. Even Flow 
11. Sirens 
12. Elderly Woman Behind the Counter in a Small Town 
13. Why Go 
14. Spin the Black Circle 
15. Wasted Reprise 
16. Life Wasted 
17. Better Man 

18. Future Days (Z)
19. Mother (Z)
20. Jeremy (Z)
21. State of Love and Trust (Z)
22. Black (Z)
23. Daughter (Z)
24. Porch (Z)

25. Sonic Reducer (Z)
26. Alive (Z)
27. Rockin' in the Free World (Z)
28. Yellow Ledbetter (Z)



Axolotes Mexicanos, Indietracks, 27.07.14

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Konzert: Axolotes Mexicanos
Ort: Midlands Railway Centre, Ripley (Indietracks)
Datum: 27.07.2014
Dauer: ca. 30 min
Zuschauer: nicht schrecklich viele



Dean Wareham hat das musikalisch herausragende Konzert gespielt, Allo Darlin' ihre Funktion als Freitag-Headliner perfekt ausgefüllt. The Royal Landscaping Society und The Thyme Machine, Linda Guilala und Night Flowers und Thee AHs gefielen mir sehr... das beste Konzert beim Indietracks 2014 kam aber von Axolotes Mexicanos.

Wir hatten nichts erwartet, die Band klang aber ganz interessant, vor allem ihre Vorliebe für Zombie-Songs.


Axolotes Mexicanos stammen aus Vigo - genau wie meine spanische Lieblingsband When Nalda Became Punk. Die Band besteht aus einer Keyboarderin (dachten wir), einem Gitarristen (Juan) und einem Bassisten (Stephen). Olaya, die Keyboarderin hatte eine Blume in den Haaren und plapperte plötzlich in der ersten Liedpause drauflos, und erklärte auf Spanisch, worum es im nächsten Stück geht. Stephen übersetzte simultan. So weit, so gut. 



Es waren noch nicht furchtbar viele Zuschauer auf der Wiese vor der Hauptbühne, aber schon ein paar Spanier, die irgendwann dann schon lachten, wenn Olaya etwas sagte, was wir erst ein paar Sekunden später kapierten, nachdem Stephen übersetzt hatte. Nach Aborto sagte die Sängerin irgendetwas lachend. "She forgot to play the keyboard." - "la la decoracion" - "Wir brauchen es eher als Dekoration."



"Das nächste Lied heißt Te miro mientras duermes, es ist ein schönes Lied, es heißt ich betrachte dich, während du schläfst. Es handelt von einem Mädchen, daß einen Jungen liebt, der aber nichts von ihr wissen will, also entführt sie ihn und fesselt ihn ans Bett - Das ist uns allen schon so passiert."

"The next song actually has no name, it's our space song." - "Si! Space song!" - "It sounds outerspaceish" - "..." - "Ah! She does play in this one!" - "Yeah!"



Nach jedem Lied jubelte Olaya mit winkenden Händen und schrie begeistert "Yeah!" Und mit jedem "Yeah!" und mit jeder übersetzten Ansage stieg unsere Begeisterung! Wir wollten eigentlich auf den Picknick-Decken sitzen, unsere mitgebrachten Sandwiches und Nudeldings essen (selbstverständlich darf man beim Indietracks Essen und alkoholfreie Getränke mit aufs Gelände nehmen, ohne jede Einschränkung!) und der Hintergrundmusik lauschen. Man rechnet doch mittags noch nicht mit so etwas Großartigem! Und es wurde immer besser!


Das nächste Lied (Mi amigo de Vigo) handelt von einem uralten spanischen Politiker (Fraga - vermutlich Manuel Fraga Iribarne, ein Minister unter Franco), der so alt war, daß alle sicher waren, er sei unsterblich. "He died two years ago!" - "wir waren sehr traurig, er war sehr konservativ. Leider hat man ihn nie verstanden, weil er so alt war, konnte er nicht mehr sprechen. Wir haben ihn geliebt!"

"And she plays the keyboard in this on!" - "With two hands! Next level!"

"We have three songs left. She doesn't play the keyboard anymore, so we don't have to worry!"

Einer von denen hieß Disparo de amor - Loveshots. "It's about coming in your lover's face. It's very sweet." - "Yeah!" Nach dem Lied gab es ein technisches Problem. "Da war jemand zu aufgeregt und hat sein Plektrum zerstört", erklärte Stephen. "Hat irgendwer ein Plektrum?" Ich hatte das Samstag schon einmal erlebt, daß jemand aus dem Publikum mit einem aushelfen musste. Bei der irren Musikerdichte im Publikum funktioniert das gut beim Indietracks. Auch viele Musiker, die nicht gespielt haben, waren als Gäste da. "Yeah!" 

Das letzte Lied China handelte von Olayas chinesischer Mitbewohnerin, die sie gerne rausschmeißen würde. Am Anfang hatten wir schon ein Lied über eine Frau gehört, die die Band im Internet beleidigt hatte. Das Stück diente dazu, die Frau zurückzubeleidigen.

Nein, mein Bericht ist nicht aus Angst vor einem Lied über mich so begeistert. Das Konzert war traumhaft. Es war urkomisch und musikalisch toll! 

Mein großer Wunsch seit ein paar Wochen ist, When Nalda Became Punk auf Tour nach Deutschland zu bekommen. Am besten bringen die dann gleich Axolotes Mexicanos gleich mit, denn auch die will ich unbedingt wiedersehen. Und genau wegen solcher Bands, von denen noch nie jemand gehört hat, die aber tausendmal mehr Spaß machen als die hundertste britische Mumford & Sons Coverband oder die nächste Heulsuse am Klavier, die angeblich die Popmusik angeblich rettet, ist das Indietracks so weit entfernt von allen anderen Festivals, die ich kenne.

Bestes Indietracks-Konzert 2014: die halbe Stunde Axolotes Mexicanos! Yeah!

Setlist Axolotes Mexicanos, Indietracks Festival:

01: Ballenas de amor
02: Devora Tartas
03: Me da igual
04: Aborto
05: Te miro mientras duermes
06: Interstelar
07: Mi amigo de Vigo
08: Disparo de amor
09: Perro salchicha
10: China



Mittwoch, 30. Juli 2014

The Yearning, Indietracks, 27.07.14

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Konzert: The Yearning
Ort: Midlands Railway Centre, Ripley (Indietracks)
Datum: 27.07.2014
Dauer: 33 min (brutto)
Zuschauer: ca. 70




Bei allen Festivals (außer dem clever organisierten Phono Pop) gibt es ärgerliche Überschneidungen. Beim Indietracks fällt das nicht so sehr ins Gewicht, da das Programm so exzellent ist, daß man immer Alternativen hat, die sich lohnen. Situationen wie in Haldern im vergangenen Jahr, daß ausgerechnet die beiden (von drei) Bands, die ich unter keinen Umständen verpassen wollte, gegeneinander spielen, gibt es da nicht. Ärgerlich war aber trotzdem, daß The Yearning und Cosines parallel angesetzt waren, zwei britische Bands, die mich sehr reizten. Bei The Yearning handelt es sich nicht um eine Band im eigentlichen Sinne. Hinter dem Projekt verbirgt sich Joe Moore, der mit der blutjungen Sängerin Maddie Dobie und einigen Studiomusikern innerhalb kürzester Zeit - seit 2012 - einen eindrucksvollen Katalog an 60er Jahre Popsongs auf Elefant Records veröffentlicht hat. Alleine im Merchzelt des Festivals gab es zwei 10" EPs, ein Album und eine 7" Single, alle wunderschön designt und randvoll mit Songs aus einer Welt, in der auch God Help The Girl beispielsweise stattfindet.


Wo ich es gerade erwähnt habe... das Merchzelt! Die Bereiche, in denen Bands auf Festivals ihre a) CDs, b) T-Shirts und c) die Jutetasche verkaufen, sind in der Regel wenig gefährlich für die eigenen Finanzen. Das recht große Merchzelt auf dem Indietracks, in dem auch Bands Konzerte spielen, ist vollkommen anders. Jedes "ich gehe mal gerade zum Merch" endete katastrophal teuer. So liebevoll die Indiepop mit allem umgeht (Artwork, Dekorationen, Picknick-Decken), so ist auch der Kommerzbereich gestaltet. Bei hippen Festivals gibt es Vinyl, Vinyl, Vinyl, CDs sind altbacken. Hier gibt es auch viele Platten (extrem viele 10 Inches), mir scheinen aber Kassetten fast das wichtigere Medium zu sein. Den Stand mit den massenhaft 3" CDs (die Endstufe der Musikdarreichungskunst!) habe ich aus Selbstschutz gemieden,


Direkt neben dem Merchzelt liegt eine kleine Kapelle, die ein Arbeitslosenprojekt vor ein paar Jahren ab- und auf dem Indietracks-Gelände wieder aufgebaut hat. Das steht auf einem Messingschild im Eingangsbereich, das ich während des The Yearning-Konzerts gelesen habe. Mich hat das Konzert nicht gelangweilt, ich mochte bloß nach einer Weile nicht mehr nach vorne gucken. Wenn man den Sound der Band in den Ohren hatte, macht man sich seine Vorstellungen, wie so ein Konzert aussieht. Hier war das bei mir eine elegant gekleidete Begleitband und eine Sängerin in einem vielleicht hellblauen Kleidchen.

Als ich nach zwei Stücken der Cosines, für die ich mich eigentlich schon entschieden hatte, doch noch in die Kirche hetzte, weil mir The Yearning eine Spur toller zu werden schienen, war die Kapelle restlos voll. Ich fand noch etwas Platz an der Tür neben der Messingplakette. Die Band war  noch in den letzte Zügen des Soundchecks, dachte ich. Das ging allerdings eine ganze Weile weiter, weil irgendwas an der Gitarre nicht funktionierte. The Yearning spielten nicht oft live, sagte Joe Moore, der ein T-Shirt seines Labels trug (schön - aber vollkommen unpassend zum Rahmen). Dieses Konzert sei das einzige dieses Jahr. 


Maddie (die wohl 17 Jahre alt ist) stand in der Mitte, war natürlich schüchtern ob der vielen Zuschauer und hohen Erwartungen und trug 60's Outfit. Der Gitarrist neben ihr und der Musiker links, den ich kaum gesehen habe, waren ähnlich unglamourös. Das passte leider so gar nicht zur wundervollen Musik der Band. In Wacken möchte man (vermutlich) ja auch keine Metal-Band in Hip-Hop-Hosen sehen.

Das nächste Problem war der vollkommen fehlende Fluß des Konzerts zumindets am Anfang. Auch nach dem zweiten Stück ging erst einmal nichts mehr. Wie schade! Mir sind kleine Patzer vollkommen egal, das zu frühe Einsetzen von Maddie bei Everybody knows (I'm still in love with you) fand ich zum Beispiel charmant. Aber der fehlende Spielfluß und die Art der Darbietung, die mich mehr an einen Arbeitstag im Studio erinnerten, haben dem Konzert leider vieles genommen.

Nein, die Stücke von The Yearning werden dadurch keinen Deut schlechter. Das Konzert hat meine extrem hohen Erwartungen aber leider nicht erfüllt. 

Bestes Stück: das schmissige Every time I fall in love, das im richtigen Rahmen ein riesiger Knüller gewesen wäre!

Setlist The Yearning, Indietracks, Ripley:

01: Dreamboat
02: If I can't have you
03: Everybody knows (I'm still in love with you)
04: Lemonade
05: Chasing shadows
06: If you were my boyfriend
07: Every time I fall in love
08: Gotta pull myself together (The Nolans Cover)


Powerdove, Karlsruhe, 28.07.14

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Wohnzimmerkonzert #46 in der Waldstadt
   mit Powerdove (US)
Datum: 28. Juli 2014
Dauer: 50 min
Zuschauer: 9



Auf welchem Weg ich die Musik von Powerdove für mich entdeckt habe, weiß ich nicht mehr (*). Ich erinnere mich aber noch immer sehr lebhaft daran, wie froh ich vor drei Jahren war, als ich entdeckte, dass sie in Reichweite ein Konzert gab. Und an unseren (ersten und aufregenden) Besuch in der Guten Stube in Darmstadt. Das Konzert war einmalig und für alle sehr beeindruckend und seitdem blieben wir locker im Kontakt.


Zweimal war Annie Lewandowski seitdem in Europa unterwegs, aber vor allem in Frankreich und stets lagen Termine in Paris für mich so, dass ich es auch beim besten Willen nicht einrichten konnte, dabei zu sein. Umso mehr freute mich, als im Frühjahr eine e-mail kam mit der Frage, ob wir nicht ein Wohnzimmerkonzert in Karlsruhe ins Auge fassen wollten. Da war es auch egal, dass es auf einen Montag fallen würde und dazu noch auf den Montag nach DAS FEST, zu dem die Karlsruher zu Tausenden pilgern und eigentlich eine ganze Woche feiern. Folglich am Montag danach alles wollen, nur nicht am Abend wieder los. Dazu kamen noch Unwetterwarnungen und ein Notfall mit notwendigem Krankenhausbesuch und so war schließlich das Wohnzimmerpublikum ganz besonders übersichtlich. 



Was Annie Lewandowski, Chad Popple (US, jetzt in Hamburg zu Hause) und Thomas Bonvalet (FR, jetzt bei Madrid zu Hause) aber mitgebracht hatten, füllte schon locker den halben Raum: Ein Vibraphon, ein Banjo, zwei Bongos, diverse Becken, alle möglichen Gerätschaften zum Rhythmus erzeugen (wie Stimmgabeln, Metronome, papierbespannte Tamburine u.ä.), ein kleines Keyboard und ein Gesangsmikro, dazu ein Tonmischgerät und eine Box. Kurz hatten wir beim Soundcheck die Angst, die Lautstärke könnte vielleicht doch den Wohnzimmerrahmen sprengen, zumal Thomas Bonvalet sich als ein sehr feuriger Mann zeigte mit Spaß an Dynamik und extrovertierten Akzenten.



Ein Unwetter entlud sich dann schließlich ab 19 Uhr südlich genug von Karlsruhe, dass wir zunächst noch Ruhe hatten. Im Konzert sang Annie in gewohnt inniger Weise (beim Konzert in Darmstadt war schon das Auslösegeräusch einer Kamera zu laut gewesen) ihre nachdenklichen Lieder, die oft sehr abrupt enden mit einer fast stoischen Ausstrahlung. Manchmal hatte sie einen Part am kleinen Keyboard aber sonst war sie auch körperlich sehr ruhig und konzentriert ohne steif zu sein. Kommentiert wurde das zum einen vom Vibraphon und einer sehr freien meist harmonischen Antwort von Chad. Manchmal wechselte er auch auf den Boden neben dem Vibraphon an zwei kleine Bongos. Er war jedenfalls stets bemüht um Blickkontakt zu Thomas. 



Thomas war so etwas wie der Advocatus Diaboli. Das, was Annie so ruhig erzählte, zerlegte er mit komplexen und fast verrückten Rhythmen. Dekonstruierte und stellte in Frage und machte Krach und rannte dagegen an. Es war aufregend, ihm dabei zuzusehen und anregend und alles in allem sicher ein komplett einmaliges Erlebnis. Es hätte mich auch nicht gewundert, wenn er dadurch das Unwetter herbeigezogen hat, dass dann für einen großen Teil der Nacht Wetterleuchten und Regenmassen über Karlsruhe ausschüttete (die davon ausgelösten Bergrutsche und Überschwemmungen betrafen uns zum Glück nicht).



Am Ende waren wir alle wie in Trance und konnten gar nicht fassen, was wir da gerade miterlebt hatten. Prompt musste Annie viele Fragen beantworten, wie diese Musik überhaupt entstehen kann und wie sich alle drei dabei fühlen. Und wie sie üben, so über alle Welt verteilt. 

Selbst ansehen und -hören kann man das heute Abend (30. Juli) in Hamburg in der Hörbar und Annie solo am 3. August  im Studio Acht in Berlin www.sacredrealism.org/series/.


Setlist:
01: After Dark
02: When you're near
03: Into the Sea
04: Easter Story
05: Be Mine
06: Winterizing
07: Weeping Willow
08: Paper Tiger
09: Red can of Paint
10: Birdsong
11: Ordinary

12: You can make me feel bad (Z)



Berichte +Vorschau Wohnzimmerkonzerte in der Waldstadt

Aus unserem Archiv:
Powerdove, Darmstadt, 17.04.11

(*) aber E. hat sich erinnert:
Beim Klienicum zum ersten, zum zweiten und zum dritten!
(damit man nicht erst die Kommentare aufmachen muss) 

Mehr Bilder:

 



 

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