Dienstag, 19. September 2017

Carmen Underwater, Karlsruhe, 18.09.17

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Konzert mit Carmen Underwater in der Karlsruher Waldstadt
Datum: 18. September 2017
Dauer: 105 min
Zuschauer: 7


Es ist schon das zweite Mal in der letzten Zeit, dass ich als Gudrun, Freundin von Oliver begrüßt und eingeordnet wurde und es ist nicht Oliver aus Paris gemeint, sondern Oliver aus Berlin... 
 

Als mir das zum ersten Mal geschah (die Geschichte wird hier noch ausführlicher erzählt, versprochen!) habe ich sehr gelacht und mich auch ein wenig gewundert, wie der Mundfunk so funktioniert. Diesmal war es aber "mit Ansage": Carmen Underwater sind (noch!) in Berlin zu Hause, haben sich aber im April auf eine ausgedehnte musikalische Familienabenteuerreise gemacht, die von Anfang an diesen Stop in Karlsruhe eingeplant hatte, weil der Berliner Oliver uns aufeinander verwiesen hatte.
 

Was wir dann bekamen war auch mir gewieften Konzertgängerin etwas Neues: Musik und obendrauf Geschichten von der Reise. Das geht natürlich in so intimem Rahmen ganz besonders gut und aus der Erzählung wurde bald ein Gespräch mit vielen Fragen und eigenen Erfahrungen.
 

Carmens Musik speist sich aus tief im Herzen verankerten guten wie schlechten Erfahrungen. Insofern sind sie innig und wild, flüsternd und schreiend stets in der Lage, in meinem Inneren Gefühle anzustoßen und mich der Stimme und dem Herzen dahinter zu öffnen. Ich bin sehr froh, dass auch wir eine Station auf der Complete-Tour sein durften. Carmen und ihrer kleinen Familie wünschen wir  alles Gute auf den Weg und uns allen vielleicht ein Wiedersehen (was ihren Erzählungen nach gar keine allzu große Seltenheit sein soll). 

Wo die Reise lang ging und noch gehen wird:




Montag, 18. September 2017

Les concerts à Paris du 18 au 24 septembre 2017

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Semaine riche en concerts club comme on les aime. Pas les gros spectacles à l'Olympia ou au Zénith, mais des gigs dans les petites salles comme l'Espace B, le Point Ephémère ou l'Olympic Café. Puis il y a aussi le Paris Popfestival et plusieurs dates de la jeune chanteuse Pomme à la Boule Noire !


 
18: The Babe, Rainbow, Espace B
18: Pomme, Boule Noire
18: Peter Hook, Substance, New Order vu de l'intérieur, Maison de la poésie
18: Adella, Lisa Portelli, Trois Baudets
19: Pomme, Boule Noire
19: Julia Jean-Baptiste, Les Nautes
19: Maximo Park, Maroquinerie
20: The Drums, Gaité Lyrique
20: Pomme, Boule Noire
20: Hitzig et Mordecai, Pop In
20: Louise Roam et Irène Drésel, FGO Barbara
20; Polo & Pan, Elysée Montmartre
20: Witch avec Jacco Gardner, Espace B, complet
20: Hitzig, Le Pop In
20: Elsa Kopf, Le Motel
20: Louise Roam = Irène Drésel, FGO Barbara
20: Clap Your Hands Say Yeah!, Maroquinerie
20: Spiral Stairs + Canshaker Pi, Olympic Café
21: Chastity Belt, Magic Potion et Guantanamo Baywatch, Espace B, complet
21: Niki Noves et Françoiz Breut, La Java
21: Pinact x TH da Freak, La Mécanique Ondulatoire
21: Pomme, Boule Noire
21: Yalta Club, Telegraph, No Mountains, Supersonic
21: Dantone, Showcase Balades Sonores
21: Lucien & The Kimono Orchestra, FGO-Barbara
21: Everything Everything, Maroquinerie
21: Bon Iver, Salle Pleyel
21: Kyrie Kristmanson, Silencio
21: Ennio Morricone, Bercy
21: Thea et Manolo Redondo, Trois Baudets
22: Paris Popfest: The Luxembourg Signal, Parenthesis Dot Dot Dot, White Town, Espace B
22: She Past Away + Ash Code, Petit Bain
22: Bon Iver, Pleyel
22: Lydia Lunch, Instants Chavirés, Montreuil
22: Chui Wan, Supersonic
23: Bon Iver, Pleyel
23: Jen Cloher, Olympic Café
23: Bootblacks + Holygram & Adam Usi, Le Klub
23: CFM, Male Gaze, Espace B
23: La Nuit du Mali, Bercy, avec entre autres Salif Keita et Oumou Sangare
23: Stephen O'Malley (Sunn O ))), Maroquinerie
23: Paris Popfest au Hasard Ludique, avec Spearmint, Mehdi Zannad feat. Dorian Pimpernel et plein d'autres
24: Jessica Moss, Espace B
24: King Creosote et Will Samson, Point Ephémère
 


Sonntag, 17. September 2017

The Killers, Köln, 15.09.2017

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Konzert: The Killers
Ort: Live Music Hall
Datum: 15.09.2017
Dauer: 80min
Zuschauer: ca.1500 ausverkauft



Wer schon immer einmal wissen wollte, wie es am Anfang der `90 Jahre in Köln aussah, die Live Music Hall bietet immer noch eine Menge Antworten.

Eine 150 Meter lange Schlange am Eingang, Garderobe, WC und Essen auf dem Hof und im Innern der immer gleiche Charme alter Fabrikhallen und Säulen mit rot umschlungenen Lichtschläuchen.

Das mag so gar nicht passen, zu der großen. glamourösen Band aus Las Vegas. The Killers laden zum exclusiven Clubgig, außer Köln fand nur in London ein weiteres Konzert im kleinen Rahmen statt.

Die Veröffentlichung der neuen CD "Wonderful, Wonderful" steht an und es blieb zu befürchten, für den happigen Eintrittspreis nur unbekannte Songs und einige Alibihits geboten zu bekommen. Diese Angst blieb zum Glück unbegründet.

Die Band startet zwar mit einem neuen, schon veröffentlichten Song "The Man", legt danach aber sofort den Schalter auf Hitmodus um und lässt Publikumslieblinge wie "Somebody told me" und "Smile like you mean it" früh im Set folgen. 


Das erinnert an die ewigen Selbstzweifel von Sänger Brandon Flowers. Dieser ließ zum damaligen Headlinerset der Band bei Rock am Ring vor laufender Kamera Handzettel mit Liedtexten im Publikum verteilen, da er fürchtete, die Band könnte die Zuschauer sonst langweilen.

Diese Zeiten scheinen vorüber. Brandon wirkt zwar nicht nur äußerlich immer noch so glatt wie Markus Lanz, der Auftritt hier ist aber wesentlich besser als viele pomadige und gespielt arrogante in der Vergangenheit.

Der schwitzige Club scheint nicht nur Drummer Ronnie Vannucci zu Höchstleistungen anzuspornen, spätestens vor dem ungewöhnlich mutigen "Joy Division"-Cover mit "Shadowplay" ist das Eis gebrochen und unzählige Damen in Killers-T-Shirts bitten zum Tanz.


Flowers tigert dabei rastlos über die kleine Bühne, nur selten bemüht er das riesige, für ihn aufgebaute Keyboard um einige Takte zu spielen. Der flotte Dreier vor den Zugaben mit "Read my mind", "Runaways" und das lange nicht gehörte "All the things that i`ve done" funktioniert hervorragend und lässt endlich auch etwas Spontanität zu.

Flowers berichtet in einer langen Ansprache von den Anfangstagen in Europa als Vorband von "British Sea Power" und wie beeindruckend für ihn der erste Besuch am Dom war, sind doch die Gebäude im Historic District von Las Vegas aus den 1960ern. Das bringt Sympathiepunkte und wirkt nicht auswendig gelernt.  

Als Zugabe folgt mit "Tyson vs. Douglas" ein neuer Song sowie die beiden Gassenhauer "When we were young" und natürlich "Mr. Brightside". 

Über den Sinn solcher Promokonzerte lässt sich trefflich streiten. Sollte es für die Band ein Weckruf sein, das auch kleine Konzerte sowohl für die Künstler als auch die Zuschauer etwas Besonderes sein können, hätte es seinen Zweck erfüllt. 

Fotos: Michael Graef


Alin Coen, Karlsruhe, 10.09.17

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Konzert: Alin Coen Band mit Support Luisa Babarro
Ort: Tollhaus in Karlsruhe
Datum: 10. September 2017
Dauer: 25 min + 90 min
Zuschauer: etwa 400

 
Das Jahr 2017 wird wohl mit einem Negativrekord in Bezug auf Konzertbesuche in meine persönlichen Annalen eingehen. Aber wenn die Alin Coen Band in einem meiner liebsten Konzertorte in Karlsruhe aufspielt, dann wird das Teilnehmen zum Muss, sogar in einem solchen Jahr! Das letzte Treffen war mir schon viel zu lange her und der letzte Auftritt in Karlsruhe lag sogar schon satte fünf Jahre zurück. Höchste Zeit also, mich endlich wieder von ihren poetischen Liedern bei der Hand nehmen zu lassen und auf ihr leises und nachdenkliches komm mit mir mit zu hören.


Der Abend begann aber mit  Luisa Babarro am Cello - über die größte Zeit des kurzen Sets unterstützt durch Philipp Martin an der Gitarre. Als Eröffnung des Abends mit Liedern von Alin Coen erschien mir das durchaus sinnvoll und mir gefiel das warme Cello, ihre warme Stimme und ihre Trockenhumorigkeit in den Geschichten. Trotzdem blieb da für mich noch zu wünschen übrig - vor allem in Bezug auf die Texte: ...  ich mach die Augen zu du machst die Augen zu und sind die Augen zu kommen wir zur ruh... ergibt in meinem Herzen keine Poesie und erschafft kein inneres Universum, das über die eigentlichen Worte hinausgeht.


Vor dem Konzert habe ich mir natürlich Gedanken gemacht, was ich von dem Abend mit Alin Coens Musik erwarten könnte. Es gibt ja offiziell kein neues Material. Also würde es wohl ein wiederhören mit vertrauter Musik und wiedersehen mit bekannten Gesichtern geben? Vielleicht auch ein ausprobieren von neuem Material? Mit Beginn des Konzertes zeigte sich zunächst: Es gab sowohl für mich neue als auch alte Bandmitglieder. Es war wieder wunderbar, Fabian Stevens an den Drums zuzusehen, zumal er hinter Alin sehr gut in meinem Blickfeld lag. Mir unbekannt waren Lars Dahlke an der Gitarre und Philipp Martin am Bass und anderen Instrumenten. Ein wenig überraschend für mich war diesmal kein Jan Frisch dabei, dem ich doch zu gern beim Gitarre spielen zusehe...


Im Laufe des Abends zeigte sich dann außerdem: Die bekannten Lieder waren für die Tour sorgfältig neu eingekleidet worden. Und ein wenig neues Material wurde auch untergemischt und damit meine stille Hoffnung erfüllt. Geblieben war die zauberhafte Wirkung von Alins Texten auf mich und das Staunen über die Vielfältigkeit der musikalischen Register iher Musik. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir vom neuen Material Das Beben - wirklich eine neue Perle. Dann Disconnected - der Nutellasong... Der war aber ganz schön flirrig und rumwieselnd unterwegs diesmal in seinen aufgehübschten musikalischen Kleidern.


Sehr eindringlich und wunderschön war der Soloteil: Zwei Songs an der Gitarre und anschließend Wechsel an die Tasten. Schon das erste Lied Die Gefahr war so wunderbar innig und hintupfend - und Andere Hände nicht minder hingebungsvoll und irgendwie so melancholisch tröstend. Wie macht sie das nur? Und als schließlich Du bist so schön angesagt wurde, verursachte das ein tiefes freudiges Aufseufzen neben mir. Dem ich nur aus tiefstem Herzen zustimmen konnte. Ebenso poetische Texte haben ja auch Rückenwind und Wer bist Du - die mit Band dargebracht wurden. Richtig über sich hinauswachsen durften die Jungs zunächst für das klickernde und vorwärts treibende High expectations und schließlich für das furiose Hol mich ein als Rausschmeißer mit Soli für alle Bandmitglieder.
 

Ich rechnete natürlich fest mit Zugaben - und hoffte auf einige Lieblinge, die noch nicht "dran" gewesen waren. Und dieser Wunsch wurde auf das Schönste erfült. Zweimal kam Alin bzw. Alin mit Band wieder heraus und spielte jeweils zwei der sehr etablierten Lieder wie Alles was ich hab (und ich hatte wieder das Gefühl, dass auch an diesem Abend alles gegeben worden war) oder das herrliche Festhalten mit immerwährender Gänsehautgarantie und ganz zuletzt: Das letzte Lied... Was für ein phantastischer Abend!


Setlist:
01: Wolken
02: Same Boat
03: Beben
04: Kites
05: Disconnected
06: Die Gefahr (Solo)
07: Andere  Hände (Solo)
08: Leichtigkeit (Solo)
09: Du bist so schön (Solo)
10: Wer bist Du?
11: Du machst nichts
12: Fountain
13: High Expectations
14: Einer will immer mehr
15: Hol mich ein

16: Alles was ich hab (Z)
17: Ich war hier (Z)

18: Festhalten (Z)
19: Das letzte Lied (Z)
 

Aus unserem Archiv:
Alin Coen Band, Mannheim, 10.08.14
Alin Coen Band, Karlsruhe, 04.07.13
Alin Coen Band, Karlsruhe, 19.09.12  


Tourdaten:
02.09. Binz, Kurplatz
07.09. Münster, Jovel
08.09. Düsseldorf, Fuchs & Hase
09.09. Mainz, Frankfurter Hof
10.09. Karlsruhe, Kulturzentrum Tollhaus
12.09. Freiburg, Jazzhaus
13.09. Aschaffenburg, Colos-Saal
14.09. Braunschweig, Kulturzelt
16.09. Leipzig, Parkbühne Geyserhaus
17.09. Wien, Porgy & Bess
18.09. Reutlingen, Kulturzentrum franz.K
20.09. Bremen, Modernes
21.09. Rostock, M.A.U. Club
22.09. Magdeburg, Moritzhof
23.09. Potsdam, Waschhaus 


Konzertvideo 2017 



She makes war, Stuttgart, 16.09.17

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Konzert: She makes war
Ort: Secondhandshop Øbscür in Stuttgart
Datum: 16. September 2017
Dauer: etwa eine Stunde
Zuschauer: etwa 100


An English version is published on Even the stars.

Sie ist wieder da. Nachdem ihr neustes Album Direction of Travel nun schon fast 1,5 Jahre alt ist und musikalische Reiseabenteuer in Indonesien bestanden wurden, ist Laura Kidd als She makes war endlich wieder in Deutschland unterwegs. Die Konzertlücke war für mich spürbar zu lang gewesen, weshalb ich nicht lang darüber nachdenken musste, ob sich der Weg nach Stuttgart lohnen würde. Dort sollte die Musik in für mich praktischer Nähe zur S-Bahn in einem Laden zelebriert werden - wieder einmal ein neuer Konzertort im Konzerttagebuch.


Als ich ankam, war der Soundcheck und das umräumen noch voll im Gang. Stuttgart präsentierte sich draußem im Regen, aber drin wurde viel gelacht. Es ist so schön, dass sich Vertrauen und Freundschaft zu einer ganzen Anzahl von Menschen in Deutschland entwickelt haben, die im Angesicht von Brexit und dem alltäglichen Wahnsinn in der Politik in unseren Ländern und anderswo tragen. Das hat sich Laura ehrlich erarbeitet und ich bewundere, wie sie als unabhängige Musikerin ihren Weg ganz unbeirrt geht. Besonders schön war deshalb, dass sich schließlich der Laden bis an den Rand füllte. 


Laura begann nur mit ihrer Ukulele "bewaffnet" ihre Magie zu verbreiten: Time to be unkind. Ein im Duktus eher ruhiges Lied testete auch gleich aus, wie groß die Bereitschaft zum zuhören im Publikum war oder ob der eine oder die andere noch lieber die Neuigkeiten austauschen wollten. Zu meiner Überraschung und Freude war die aufmerksame Stille fast sofort hergestellt und die Stuttgarter erwiesen sich als perfekte Zuhörerschaft: Aufmerksam und ganz ruhig während der Musik und nicht geizig mit Applaus sobald ein Lied verklang. 


Laura war zunächst noch nicht so gesprächig, aber für Please don't gab es dann doch eine erste kleine Geschichte für die ich ihre Konzerte so mag. Der trockene Humor und die Bodenständigkeit machen sie für mich so wunderbar sympatisch. Kurz später auch für Delete - dem Evergreen, für den sie wieder mit der Flüstertüte bewaffnet eine Runde durch das dicht gedrängte Publikum drehte. War mir bei Delete schon ganz warm ums Herz geworden vor Nostalgie (dabei ist unsere Bekanntschaft doch erst ganze drei Jahre alt...) waren The Best (für das es auch ein Video aus Karlsruhe gibt von unserem ersten Abend) und Slow puncture zwei Stücke, die mir sehr ans Herz gewachsen sind.


Sehr toll auch I want my country back. Aber spätestens hier wurde mir klar, dass es wirklich höchste Zeit wird, dass ich sie einmal live mit Band erlebe. Das Lied - der Knaller!! - hätte das wirklich verdient gehabt. Ob ich dafür wohl mal auf die Insel fliegen muss?


Setlist:
01: Time to be unkind
02: Olympian
03: Drown me out
04: In cold blood
05: Please don't
06: Delete
07: The best
08: Slow puncture
09: Undone
10: I want my country back
11: Devastate me
12: Paper thin

13: Olympian 2 (Z)
14: Dear heart (Z)
15: Scared to capsize (Z)


Tourdaten:
14.09. House gig, Bern
15.09. Gaskessel, Bern - w/ The Two Romans
16.09. Øbscür, Stuttgart
17.09. AZ, Köln w/ Barrier Reef/The Great
19.09. Cowhide Concerts, Schwalbach
20.09. Zentralcafe im Künstlerhaus, Nürnberg w/ Avery
22.09. KaffeeSatz, Chemnitz
23.09. Scala Adorf, Neukirchen email: info@scala-adorf.de
27.09. Polyester Klub, Oldenburg
28.09. Thav, Hildesheim w/ GR:MM
29.09. Sofa Salon, Berlin email: berlinsofasalon@gmail.com
01.10. Soirees Cerises, Brüssel email: fbulte@gmail.com



Aus unserem Archiv:
She Makes War, Karlsruhe, 09.05.15
She Makes War, Karlsruhe, 23.10.14
She Makes War, Karlsruhe, 11.03.14

Mittwoch, 13. September 2017

Alvvays, Köln, 12.09.17

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Konzert: Alvvays
Ort: Blue Shell, Köln
Datum: 12.09.2017
Dauer: Alvvays 65 min, Alaskalaska knapp 35 min
Zuschauer:  ca. 200 (ausverkauft)



Manchmal gibt es so Konzerte, auf die man seit Jahren wartet. Also nicht "man" sondern ich, normale Menschen haben solche Probleme nicht. Seit Alvvays 2014 in meiner Aufmerksamkeit aufgetaucht sind, möchte ich die kanadische Indiepop-Perle live sehen. Das Debüt-Album Alvvays ist eine fantastische Sammlung wundervoller Lieder. Das bekannteste von denen ist Archie, marry me, meine Lieblinge sind allerdings Atop a cake und Next of kin. Vergangene Woche erschien Nachschub mit Antisocialites. Ich hatte das Album am Nachmittag zum ersten Mal gehört und war sehr angetan, wie durchgängig gut die Platte geworden ist. Drei, vier Lieder blieben sofort hängen, was ein Qualitätsmerkmal ist.

Der Einlaß hatte sich eine ganze Weile verzögert, weil es wohl technische Probleme gab. Das Blue Shell war ausverkauft, daher war ich früh da. Als die Türe geöffnet wurde, ging es plötzlich sehr flott. Eine ganze Menge junger Menschen schleppte Sachen auf die Bühne, stellte sich auf und begann ein Konzert. Alaskalaska hatte ich irgendwo aufgeschnappt und wieder vergessen. Daß ich den Namen in ein paar Jahren noch weiß, bezweifele ich stark, denn nach ganz okayem Beginn, wurden Alaskalaska irgendwann unschön. Dieses Irgendwann kann ich präzisieren. Bei den ersten Liedern kam das bedrohlich vor mir schwebende Saxophon nur durch wenige, sehr untypisch gespielte Töne zum Einsatz. Als stünde in seinem Vertrag "ab Minute zehn darfst Du hemmungslos sein", begannen dann die fiesen 80er-Jahre Saxophon-Soli. Aus einen harmlosen aber nicht schlechten Konzert wurde dadurch eine Funkpop-Sache, die leider so gar nicht als Vorbereitung für die Hauptband taugte. Aber auch 34 Minuten gehen vorbei, auch wenn die letzten 20 schwierig waren.

Als Alvvays um halb zehn zu Klängen dieses Dudelsack-Pophits aus vergangenen Zeiten, dessen Namen mir nicht einfallen will, auf die Bühne kamen, war das Blue Shell knallvoll. Warum auch immer... Alvvays sind für eine Indiepop-Band riesengroß! Daß das verdient ist, war nach drei Minuten jedem im Saal bewußt. Alvvays haben nicht nur die Songs, sie spielen sie auch hervorragend live und - überhaupt nicht unwichtig - die Band ist hochsympathisch.

Es begann mit Saved by a waif vom neuen Album, dem Lied mit den hohen Tönen im Refrain, das aber trotzdem auch von Camera Obscura stammen könnte. Nach einem der großen Hits von der ersten Platte (Adult diversion), folgten erst einmal nur Lieder von Nummer zwei. Eigentlich keine gute Idee, allerdings sind In undertow, Plimsoll punks und Lollipop (Ode to Jim) Riesenhits. Ich kannte keins der neuen Lieder länger als ein paar Stunden, sie klangen aber während des Konzerts nicht nur vertraut, sie lösten bei mir auch nach ein paar Takten großen Spaß aus. In undertow, dessen erste Töne mich an I think we're alone now von Tiffany* erinnern (was gut ist!) ist ein verdammt guter Song! Plimsoll punks auch! Und Lollipop


Ich habe selten ein Konzert einer Band mit ganz frischer neuer Platte erlebt, das so homogen verlief. Nur einmal, bei Forget about life gab es einen kurzen geplanten Bruch. Sängerin Molly Rankin legte die Gitarre weg und sang das ruhigste Stück, das auch von Flowers stammen könnte.

Das Konzert war fantastisch und hatte keinen Moment, der es nicht war. Bis auf Already gone spielte die Band jedes Lied der neuen Platte. Und dazu die Knüller des ersten Albums. Aus denen ragte, was die Reaktionen angeht (meine Vorlieben hatte ich ja geschildert), natürlich Archie heraus. Das Stück hat unfassbar hohe Spotify-Statistiken, erfuhr ich vor dem Konzert. Aber es war nur eines von vielen Highlights. 


Weil das Blue Shell (das nichts mit dem bösen Shell zu tun hat, Molly und Alec!) so voll war, konnten die fünf Kanadier die Bühne nicht verlassen und spielten die Zugaben gleich mit. Die Frontfrau hatte das kurz vor dem geplanten Ende ihren Kollegen angesagt (neben Gitarrist Alec O'Hanley sind das Keyboarderin Kerri MacLellan, Schlagzeugerin Sheridan Riley und Bassist Brian Murphy). Die erste (nicht-wirklich) Zugabe war Dives vom Debüt, das letzte Lied ein Cover. Als Molly etwas von "Let's go swimming" sagte und die ersten Takte auch so klangen, dachte ich einen Moment an ein Allo Darlin' Cover, das fremde Lied war aber Trying to be kind von The Motocycle Boy, das auch in der Alvvays-Version toll war! 

Was mich aber neben der wundervollen Musik so begeisterte, war das souveräne aber unglaublich nette Auftreten der Band. Alvvays spielten vor vollem Haus, waren aber herrlich natürlich. "Ist heute Dienstag? Wie heißt Dienstag auf Deutsch?" Später fragte die Sängerin, wo Düsseldorf liege. Fans hatten die Band angeschrieben und gebeten, auch einmal in Düsseldorf zu spielen. Aus den kölntypischen Reaktionen schloß sie, daß man sich nicht mag. "Oh, the Dusseldorfians are your rivals?" Auch wenn sie diesen Teil der Kölner DNS nicht kannte, hatte Molly mehr Ahnung von Köln als ich. "Cologne is the city of giving, isn't it?" begründete sie ihren Wunsch, daß wir die "tiny people" von hinten nach vorne durchlassen sollten.

Musikalisch erinnern mich Alvvays oft (und sehr gerne) an Camera Obscura (was sehr sehr gut ist!). Die schottische Band ist aber legendär müssrisch auf der Bühne und zählt nicht zu den nettesten hundert unter meinen Lieblingsgruppen. Alvvays sind die netten Camera Obscura. Das wusste ich bis gestern nicht, das begeistert mich aber noch einmal eine Ecke mehr für die Kanadier!

Setlist Alvvays, Blue Shell, Köln:

01: Saved by a waif
02: Adult diversion
03: In undertow
04: Plimsoll punks
05: Lollipop (Ode to Jim) 
06: Not my baby
07: Hey
08: Atop a cake
09: Forget about life
10: Your type
11: Next of kin
12: Ones who love you 
13: Archie, marry me
14: Dreams tonite
15: Party police
16: Dives
17: Trying to be kind (The Motocycle Boy Cover)


* eigentlich eher an die Lene Lovich-Version. Aber die von Tiffany mag ich halt auch sehr.


 


Montag, 11. September 2017

Les concerts de la semaine du 11 au 17 septembre 2017

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Semaine bien chargée avec plein de concerts de qualité. Préférant les petites salles de la capitale j'opterais plutôt pour Alvvays au Point Ephémère, Joan Shelley au Pop-up du Label, Presque l'Amour au Supersonic et bien sûr Superbravo à la Marbrerie de Montreuil. Le trio autour d'Armelle Pioline (ex-Holden) vient de sortir un sublime deuxième album.

Oliver Peel ©

11: Waxahatchee, Batofar 11: Tori Amos, Grand Rex
11: Joan Shelley et Baptiste Hamon, Pop-Up du Label  
11: Alvvays, Point Ephémère, complet  
11: Vendredi Sur Mer, Trois Baudets
12: Noire, Le Silencio  
12: Tom MacRae, Maroquinerie  
12: Bel Air, Trois Baudets
12: Presque l'Amour, Supersonic  
12: No More + Plomb, Le Klub  
13: The Districts, Petit Bain
13: Why Elephant, Supersonic
13: Housewives, Mécanique Ondulatoire  
13: LCD Soundsystem, Olympia  
14: LCD Soundsystem, Olympia  
14: Susanne Sundfoer, Trois Baudets, complet
14: Superbravo, La Marbrerie
14: Noire, Les Bains  
14: Nite Jewel, Caraco, Point Ephémère  
14: Cosmonauts et Deaf Parade et Tomy & The Cougars, Supersonic  
15: Smmmile Vegan Pop Festival au Trabendo avec Bachar Mar-Khalife  
15: Seward et Son Of et Vendée, Petit Bain
15: Api Uiz, Instants Chavirés  
15: The Holydrug Couple, Plays, Butterscotsch Hawaiian, Supersonic
15: Cocaine Piss, Espace B
15: Frustration, Dick Voodoo, La Station Gare des Mines
15: Mina Sang et The World, Alimentation Générale  
15: Ko Shin Moon et Maud Octallinn, Eglise Saint Bernard  
15: Odds & Ends + Hold Your Horses, Dame de Canton  
16: L.A. Witch, Batofar
16: Helen Money, Olympic Café  
16: Smmmile Vegan Pop Festival au Trabendo:
         Mykki Blanco, Cakes Da Killa, Gnucci  
16: Beach Youth, Two Bunnies In Love, Marc Morvan, Supersonic  
16: Isolée, Saycet, Quentin Schneider, Malm, Petit Bain  
17: Elephant Stone, Julie's Haircut, Supersonic  
17: Smmmile Vegan Pop Festival au Trabendo:
          FM Belfast, Hyperculte, Requin Chagrin


Konzerttipp Dienstagskonzerte im Societätstheater

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Die Dienstagskonzerte im Soci in Dresden können wieder starten. Ina - die Frau der vielen Talente - hat da wieder einen tollen Mix an Musikern und Musikerinnen nach Dresden gelockt. Allen Dresdner Musikfreunden sei die Reihe deshalb ans Herz gelegt.



26.09.2017  Chaplin (D)
04.10.2017  Scott Matthew (AUS) UND Rodrigo Leao (POR)
10.10.2017  Will Samson (GB) & Beatrijs De Klerck (BEL)
20.10.2017  Kasar (D) – in der Tonne
31.10.2017  Patty Moon (D)
21.11.2017  The Legendary Lightness (CH)
05.12.2017  Geoff Berner (KAN)
31.12.2017  Silvesterparty mit 44 Leningrad & The trouble notes



 

Mittwoch, 6. September 2017

Shopping, Ripley, 29.07.17

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Konzert: Shopping
Ort: Midlands Railway Centre, Ripley (Indietracks)
Datum: 29.07.2017
Dauer: 33 min




Wie viele tolle Konzerte ich am Indietracks-Samstag gesehen habe! Pillow Queens, Cola Jet Set, Peaness, The Hayman Kupa Band, Schande, The Hearing und The Wedding Present. Ich war schon bei Festivals, da musste das für drei Tage reichen. Und dabei habe ich bisher noch einen Auftritt vergessen - und der hatte es in sich!




Shopping (echt dämlich zu ergooglen) aus London spielten um 16:40 h, also eigentlich zu einer sehr undankbaren Zeit. Weil alles so früh anfängt, waren sie aber schon meine vierte Band des Tages. Die Musik des Londoner Trios (Sängerin / Gitarristin Rachel Aggs, Bassistin Billy Easter und Schlagzeuger Andrew Milk) passt eigentlich viel besser spät nach drinnen, in einen Club am besten. Trotzdem war die gute halbe Stunde fantastisch!


Musikalisch sind Shopping eine spannende Postpunk-Band irgendwo zwischen den frühen B-52's, ESG, Les Rita Mitsuko, der Gang of Four und dem Tom Tom Club. Abgehackte Gitarren, ein wundervoller Bass und markige Stimmen, da stimmt alles bei Shopping.

Ich kannte nichts außer dem tollen Song Any answers auf dem Indietracks-Sampler - und den spielten sie nicht. Aber auch die zehn Stücke, die Shopping im Programm hatten, waren überzeugend. Einige Lieder waren neu, glaubt man den Ansagen der gut gelaunten Rachel (Shave your head mit fantastischem, an The Organ erinnernden Bass zum Beispiel). Shave your head, Straight lines und In other words (das mich an die Futureheads erinnerte - so viele großartige Bands, an die ich denken musste während des Konzerts!) waren die besten Stücke. Vermutlich sind es aber beim nächsten Shopping- Auftritt ganz andere.

Setlist Shopping, Indietracks, Ripley:

01: In other words
02: Straight lines
03: Shave your head (neu)
04: Suddenly gone (neu?)
05: For your money
06: Wild child (neu)
07: Control yourself (neu?)
08: Take it outside
09: The hype
10: Long way home



Dienstag, 5. September 2017

The XX, Lowlands Festival, 18.08.2017

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Konzert: The XX
Ort: Lowlands Festival
Datum: 18.08.2017
Dauer: 75min
Zuschauer: ca.20.000



Alles ist erleuchtet. Die Monolithen drehen sich, und Jamie xx steht hinter seinem, mit Plexiglas verkleideten Arbeitsplatz und wirkt so unterfordert, wie ein "Mensa-Club"-Mitglied beim Dreisatz. 



The XX touren 2017 fast nonstop und ich hatte große Sorge, dass es ein gelangweilter Abklatsch des furiosen Konzertes in Düsseldorf werden würde. Weit gefehlt. 


Ohne jede Ermüdungserscheinung bringen The XX auch hier das Publikum auf der größten Bühne, auch mit langsamsten Songs zum Rasen. Das liegt zum einen an der leicht veränderten Setlist, die für die Festivals noch einmal perfektioniert und natürlich leicht gekürzt wurde.



Zum anderen aber auch sehr an der Ausstrahlung der beiden Frontleute, die so herzlich ist, das es oft gar nicht zu den Moll-Tönen der Songs passen mag.

Tatsächlich hat Romy Madley heute Geburtstag. Und nachdem die Band am Abend zuvor auf dem Pukkelpop-Festival erst nach Mitternacht spielen durfte, wird hier halt der zweite Gig in 24 Stunden zur großen Party.



Immer wieder küssen und umarmen sich die beiden zwischen den Songs. Wie ein frisch verliebtes Paar, vor dem wie ein Altar aussehenden Berg von Instrumenten, hinter dem Jamie xx werkelt. Aber nichts wirkt aufgesetzt oder eingeübt.

Lediglich das zweite Album "Coexist" kommt mit nur zwei Songs etwas zu kurz, ansonsten wird alles geboten. Auch Jamie xx magischer Zugabenübergang von "Shelter" zu seinem "Loud Places" hat nichts von seiner Kraft verloren. 



Traumwandlerisch wird hier musiziert, keine Anstrengung scheint nötig und Keith Richards Zitat "üben sei für Leute nichts können" scheint über der Bühne zu prangen.

Doch gerade diese Illusion der Leichtigkeit ist ohne Talent und harte Arbeit nicht möglich. Am Ende zucken die Laser bis zum See in hundert Metern Entfernung und Romy greift den Jubel, nach einer gestreckten Version von "Hold on" auf, und spielt in den tosenden Lärm eine berührend langsame Version von "Angels". 



Nur ganz wenige Bands haben den Mut einen Festivalauftritt mit einer Ballade zu beenden. Hier strahlen alle, vor und auf der Bühne, über diesen Coup.

Fotos: Michael Graef


Montag, 4. September 2017

Les concerts de la semaine à Paris du 4 au 10 septembre 2017

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Cette semaine c'est la semaine des New Yorkais Interpol qui vont investir deux fois de suite Le Trianon pour jouer leur premier album "Turn On The Bright Lights" en intégralité. Ceux qui étaient à la Route Du Rock connaissent déjà le spectacle, mais les autres fans ont hâte de réentendre des morceau comme "Roland", "Leif Erikson" ou PDA". 

Photo par Markus Werner ©.
04: Catherine Ringer et Sparks, Cigale (La Cigale a 30 ans)
04: Human Tongues, Ojard, Cosse, Supersonic
04: Omni + Territory, Point Ephémère
05: Alice et Moi + Uto, Batofar
05: Interpol, Trianon, complet
05: Vaadat Charigim, Espace B
06: Mega Bog et Superbravo, Espace B
06: Tempels et Pastels, Cigale
06: Interpol, Trianon, complet
06: The Stargazer Lilies et Dead Sea et Niko Yoko, Supersonic
07: Die Selektion + Poison Point, Olympic Café
07: The Buttertones et The Cherry Bones, Espace B
07: Courtney Marie Andrews, Pop-up du Label
07: Black Market Karma, Supersonic
07: Mustang, A Boy Called Vidal, Santiago, La Station-Gare des Mines
08: Metallica, Bercy, complet
08: Amadou et Myriam, Cigale
08: Deaf Parade et Baby Jesus, Le Zorba
09: San Cisco, Espace B
09: Charlotte & Magon, Alimentation Générale

09: Soirée Rare à la Loge avec entre autres Mesparrow, Clara Luciani, Blondino et plein d'autres
10: Metallica, Bercy, complet
10: Fatoumata Diawara & Hindi Zahra, Cité de la Musique 



Sonntag, 3. September 2017

Cola Jet Set, Ripley, 29.07.17

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Konzert: Cola Jet Set
Ort: Midlands Railway Centre, Ripley (Indietracks)
Datum: 29.07.2017
Dauer: knapp 40 min
Zuschauer: ein paar hundert



Bei vielen Bands des diesjährigen Indietracks' wußte ich so gar nicht, was mich erwartet. Ich kannte ein Lied (vom Sampler) und ließ mich treiben (dämliche Musikjournalisten-Floskel). Bei Cola Jet Set aus Barcelona dagegen wußte ich ganz genau, was mich erwartete.
 


Die Elefant Records Band macht klassischen Bubble-Gum-Pop, wobei ich nicht sicher bin, ob das ein offizielles Genre ist. Cola Jet Set gibt es seit 2001, seitdem sind allerdings erst drei Platten erschienen. Vielleicht liegt das daran, daß die Band so riesig ist, das macht das Leben natürlich nicht einfacher. In Ripley standen sieben Musiker auf der Bühne! Kopf der Band (und Gitarrist) ist Felipe, der Cola Jet Set als Nachfolgegruppe von Los Fresones Rebeldes gegründet hatte. Felipe machte fröhlich schreiend die Ansagen zwischen den Liedern, immer den spanischen Titel und die englische Übersetzung nennend. "Guitars and drums! Guitarras Y Tambores!" Das war so charmant und komisch, daß mir das Konzert auch in Erinnerung geblieben wäre, wäre die Musik nichtssagend gewesen. War sie aber natürlich nicht, die Popsongs auf Spanisch waren herrlich unterhaltend, die Energie, die die Musiker, die alle nicht mehr 20 sind, in den Auftritt gesteckt haben, war riesig.


Die Männer mit Bass und Gitarre (Dani und Matt) hüpften, drehten sich, sprangen, die beiden Frauen, Sängerin (und Gitarristin) Alicia und Zweitsängerin Ruth strahlten breit, Keyboarder Manel und Schlagzeuger Joan konnte ich nicht sehen, Manel stand verdeckt, Joan hatte eine sehr merkwürdige Frisur, die meine Blicke magisch anzog, den Rest sah ich dadurch nicht.


Nach Sonnenschein klängen sie, sagte Gitarrist Matt neulich in einem Interview. Das trifft es sehr gut. Aber bei aller fröhlicher Musik hatten manche der Lieder auch einen leicht wavigen Einschlag. Das ist eben Indiepop, kein Radiopop.


Nur einmal, bei Canadá wurde etwas das Tempo gedrosselt, der Rest der Songs war in jeder Hinsicht flott, im guten Sinne des Wortes. Meine Lieblinge des vierzigminütigen Sets waren Lo Mejor Está Pop Llegar und vor allem Me Levantaré, beide vom aktuellen (2015 erschienen) Album El Fin Del Mundo.


Ja, bei Cola Jet Set bekam ich wirklich genau das, was ich mir dachte. Und weil ich ein tolles Konzert erwartet hatte, war das gut so!

Setlist Cola Jet Set, Indietracks, Ripley:

01: Ahora Te Quiero Más

02: Fin Del Mundo
03: Un Golpe De Suerte
04: Canadá
05: ?
06: El Sueño De Mi Vida
07: Guitarras Y Tambores
08: Nada, Nada, Nada
09: Me Levantaré !!!!
10: Lo Mejor Está Pop Llegar
11: Sábado
12: Quiéreme




alt-J, Lowlands Festival, 19.08.2017

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Konzert: alt-J
Ort: Lowlands Festival
Datum: 19.08.2017
Dauer: 75min
Zuschauer: ca. 12.000 volles Zelt

Hell ist es noch unter dem riesigen, halb offenen Hangar, der Hauptbühne des Lowlands-Festivals, als alt-J die Bühne betreten. Erstaunlich viele Fans unter 25 Jahren haben sich eingefunden. Ein Phänomen, das ich auch bei Radiohead oder Sigur Ros immer wieder beobachte. 

Es scheint einen Bedarf an Musik abseits des Mainstreams zu geben, und alt-J sind die jüngste Band, die es in diesem Segment zur großem Erfolg gebracht haben. 

Erstaunlich ist es auf jeden Fall, zumindest wenn man die Augen öffnet und das Schauspiel auf der Bühne näher betrachtet. Dort passiert während der nächsten 75 Minuten außer wildem Lichtgeflacker aus stehenden LED-Türmen nämlich genau: NICHTS. 

Drei junge Männer spielen, ohne sich ein ein einziges Mal enspannt zuzusehen oder zu bewegen eine Art Kraftwerk Gedächniskonzert. Keyboarder Gus Unger-Hamilton richtet zumindest ein paar Floskeln ans Publikum und trinkt doch tatsächlich ein Glas Rotwein, soviel Anarchie muss sein. 



Für einen ausführlichen Konzertbericht ist aber auch das dürftig. Kommen wir also lieber direkt zur Musik, und die hat es in sich. Drei, fast gleich gute Alben hat die Band jetzt schon veröffentlicht, und diese kleinen, vertrackten Meisterwerke sind die eigentlichen Stars der Show. 

Leben die Konzerte der oben genannten vergleichbaren Bands von der stetigen Veränderung im Live-Setting, belassen es alt-J bei einer stoischen Werktreue, die schon fast an Pink Floyd erinnert. Kein Ton zu viel, kein Solo, keine weiteren Instrumente. 

So entstehen Intimität und ein flüster leises Publikum, denn kaum einer traut sich (außer bei Mathilda) lauthals mitzusingen, wenn die Drei von oben so viel Energie in die Reproduktion der Alben legen. 



Ganze neun Stücke vom Debüt und jeweils 3-4 der folgenden Alben werden präsentiert. Highlights sind für mich das spannende "3ww" zu Beginn, das lange nicht gehörte "Tessallate" und "Bloodflood". 

Am Ende wird des am Himmel dunkler, auf der Bühne bunter und endlich etwas lockerer. Trotzdem ist einfach nicht erkennbar, ob die Band nach den Mammuttouren der letzten Jahre neue Energie hat oder schon wieder auf dem Zahnfleisch daherkommt.



Der starke Abgang mit "Fitzpleasure", "Left hand free" und natürlich "Breezleblocks" kann diese Frage nicht beantworten. alt-J sind in der Lage diese großen Bühnen ohne besondere Show, ausufernde musikalische Energie oder persönliche Ausstrahlung zu bespielen. 

Vielleicht ist dies das größte Kompliment, das man einer Band machen kann, die ihre Stärke ganz klar beim Komponieren und Reglerschieben im Studio hat. 



Rockstars wollten sie nie sein, davon gibt es ja auch schon genug. Auf dem Weg zum Ausgang dann noch ein spontaner Kanon des Publikums, ein leiser Zweizeiler in der Nacht: "And she needs you, this is for Matilda, and she neeeeds you..." Doch noch etwas anrührendes.

Fotos: Michael Graef 

Aus unserem Archiv:
alt-j, Berlin, 01.10.14
alt-J, Paris, 24.02.13
alt-J, Köln, 22.02.13
alt-J, Paris, 20.07.12
alt-J, Köln, 04.03.12 

Samstag, 2. September 2017

Belle & Sebastian, Utrecht, 01.09.17

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Konzert: Belle & Sebastian
Ort: TivoliVredenburg, Utrecht
Datum: 01.09.2017
Dauer: ca. 95 min
Zuschauer: 2.000 (ausverkauft)




Es gab eine Phase in meiner Beziehung zu Belle & Sebastian vor zwei bis drei Jahren, in der ich dachte, langsam werde mir die Band egaler. Im vergangenen Jahr kam erschwerend dazu, daß die Schotten in der Royal Albert Hall ihre beiden ersten Alben, die 20 wurden, mit zwei fantastischen Abenden feierten. Besser als am Tigermilk-, vor allem aber am If you're feeling sinister-Tag werde ich die nie mehr sehen, so viel war klar. Wie denn auch? Nach den beiden Platten spielten B&S noch Zugaben, die aus B-Seiten, selten oder nie gespielten Songs und eben nicht den Standards bestand (Marx and Engels!). Wenn die Band nicht irgendwann alle frühen EPs an einem Abend spielt, können jetzt leider nur noch schlechtere Konzerte kommen, so mein nächster Gedanke.

Trotzdem musste ich natürlich nicht nachdenken, ob ich zum Konzert in Utrecht fahren würde. So oft kann man die Glasgower Lieblinge nicht sehen, die letzte Deutschlandtour wurde vor ein paar Jahren abgesagt, neue sind nicht in Sicht, fürs Cologne Popfest ist die Band zu groß. 

Als sich Stuart Murdoch nach der zweiten Zugabe, dem ewig nicht gehörten  We are the sleepyheads zu seinen Bandkollegen umdrehte (auch der Schlagzeuger war da!), die gerade gehen wollten, wunderte er sich und bat doch, noch eine dritte Zugabe zu spielen. Trotz der sehr langen Rückfahrt hätte ich gerne noch zehn gehört. Das Konzert war nämlich trotz all meiner Befürchtungen wieder durch und durch aufregend, unterhaltsam, kurzweilig.

Vor B&S-Konzerten gucke ich mir nie die Setlisten der umliegenden Auftritte an, ich möchte mich überraschen lassen. Das funktionierte schon von Beginn an gut. Die Schotten begannen mit Act of the Apostle (I), das ich nie erwartet hätte. Vor der aktuellen Tour hatten sie das zuletzt 2006 zur The life pursuit gespielt. Alles was nicht aus der I'm a cuckoo- oder Funny little frog-Liga kommt, macht ein Klasse-Konzert meiner Lieblinge aus.

... I'm a cuckoo und Funny little frog waren zwei der nächsten drei Lieder. Obwohl ich die so oft gesehen habe und nicht mehr hören kann (dachte ich), waren sie gut! Vor allem Funny little frog machte großen Spaß. Die Version war neu. Jedenfalls glaube ich das (mein selbsterklärtes B&S-Expertentum bekam später einige tiefe Kratzer). Früher sangen Sarah Martin und Stevie Jackson nur im Refrain (bzw. Hintergrund) mit, heute ist Funny little frog ein Duett von Stuart und Stevie, das tut dem Stück extrem gut. 


Zwischen den beiden kam das erste (nunja) neue Lied, We were beautiful, das die Belles neulich präsentiert haben. Das Stück fängt langsam an, getragen und etwas düster, dann kommt ein Teil, der mich an This is not America erinnerte, bevor der wunderschöne Refrain einsetzt. Ein Hit!

Bis dahin war das Konzert schon beruhigend toll! Ein überraschender Auftakt, zwei der lästigen Dauerbrenner erledigt (und einer von denen neu und schön) und ein neuer Song, auf den ich mich künftig freue. Auch beim Frontmann schien die Laune gut zu sein. Er erzählte wie üblich viel, das wirkte aber ehrlich fröhlich. Er erzählte vom letzten Konzert in Utrecht 2004, vom Best Kept Secret Festival, das er geliebt habe und wunderte sich, daß Belle & Sebastian im Rahmen des Alte-Musik-Festivals im Tivoli spielten (das fand da auch statt). Das nächste Lied (apropos alte Musik) sei das einzige, das sie 2004 schon gespielt hätten. Es war Wrapped up in books von Dear catastrophe waitress, auch wieder ein Song aus den Tiefen des Archivs. 


Selbst das mit Abstand schlechteste Lied von Belle war bei weitem nicht so ein Stimmungskiller wie sonst. Perfect couples ist ein von Stevie Jackson geschriebener Titel, den er vermutlich immer spielen darf, wenn er will. Und er will immer, das Lied steht auf jeder Setlist. Bei meinen ersten Malen 2014 und 2015 war Perfect couples wie Religionsunterricht am Samstag, es hörte einfach nicht auf. Sieben Minuten eines schlechten Lieds heißen eben auch, daß zwei gute im Set fehlen. 2017 ist Perfect couples nur noch vier Minuten lang, juchuu! 

Nach zwei Evergreens (Sukie und dem wunderbaren Piazza, New York catcher, dem Lied über den Baseball-Spieler der NY Mets, der Stadtrivalen der Rivalen von Stuarts Lieblingsteam Boston Red Sox - guter Mann! -, das der Sänger über sein Kennenlernen seiner Frau geschrieben hat) kam mein erster Aussetzer. Ich hielt das nächste Lied für ein neues. Dabei stammt Little Lou, ugly Jack, prophet John vom pinken Album, das ich ganz offensichtlich kaum gehört habe. Immerhin erkannte ich es heute morgen. Anders das übernächste Lied - gemeinerweise spielte die Band zwei von ...write about love, das ich auch eben noch für ein neues hielt (I can see your future).

Bevor am Ende die beiden Tanzklassiker The boy with the arab strap und Legal man, gefolgt vom Top-drei-Hit Like Dylan in the movies (mein Unterbewußtsein singt gerade wieder "if they follow you, don't look back, like Dylan in the movies") den Hauptteil beendeten, kamen noch drei weitere Besonderheiten, deep cuts, wie echte Musikjournalisten sagen. 


A century of fakers von der 3.. 6.. 9 seconds EP (von 1997), einer meiner großen Lieblinge, Simple things von der grünen Platte und Stay loose (von Dear catastrophe waitress), das ich noch nie gehört habe. Alleine die drei drückten meinen inneren B&S-Reset-Knopf. Ich habe gerade wieder so große Lust, diese Band zu sehen! 

Vor dem Ende mit den Sleepyheads und Judys Pferdetraum komplettierte The party line (in das noch ein Stückchen eines anderen Lieds eingebaut war) das wundervolle Konzert. Und danach zwei Zeilen von There's too much love, über das Stuart und Stevie vorher im Konzert geredet hatten. "Was wir früher für merkwürdige Texte geschrieben haben. There's too much love? Das kann es doch nicht geben, oder Stevie?" - "Damals schon."

Wie toll der Saal im TivoliVredenburg ist, wusste ich vorher, wie sehr ich B&S mag, auch. Daß der Abend so toll würde, hätte ich nie gedacht. Das kleine Highlight war das Video zu Like Dylan in the movies. Das hatte Stuart am Nachmittag beim Radfahren an den Kanälen entlang mit dem Handy gedreht. Oder doch das doppelte Flötenspiel bei Judy and the dream of horses? Ich glaube am meisten mochte ich einen kurzen Dialog zwischen Stuart Murdoch und einer Frau im Publikum. "Als ich vorhin durch Utrecht gegangen bin, sprach mich eine Frau..." - "Das war ich!" War sie nicht, es war aber wunderschön!


Setlist Belle & Sebastian, TivoliVredenburg, Utrecht:

01: Act of the apostle
02: I'm a cuckoo
03: We were beautiful
04: Funny little frog
05: Wrapped up in books
06: Perfect couples
07: Sukie in the graveyard
08: Piazza, New York catcher
09: Little Lou, ugly Jack, prophet John
10: A century of fakers
11: I can see your future
12: Stay loose
13: Simple things
14: The boy with the arab strap
15: Legal man
16: Like Dylan in the movies

17: The party line (Z)
18: There's too much love (ganz kurz) (Z)
19: We are the sleepyheads (Z)
20: Judy and the dream of horese (Z)

Links:

- aus unserem B&S-Archiv:

- Belle and Sebastian, London, 23.06.16
- Belle and Sebastian, London, 22.06.16
- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15
- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15
- Belle and Sebastian, Barcelona, 29.05.15
- Belle and Sebastian, Paris, 31.10.14
- Belle and Sebastian, Larmer Tree Gardens, 01.09.13
- Belle and Sebastian, Barcelona, 27.05.11
- Belle and Sebastian, Minehead, 11.12.10
- Belle and Sebastian, New York, 30.09.10
- Belle and Sebastian, Latitude-Festival, 17.07.10


 

Konzerttagebuch © 2010

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