Donnerstag, 9. Januar 2014

My Year In Lists: die 10 (+1) Konzerte des Jahres (Tobias)


Tobias aus Berlin hat uns ein paar Konzertberichte geschickt. Ich werde ihn jetzt nicht weiter für seinen hervorragenden Musikgeschmack loben, weil ich ihn für das Konzert außer Konkurrenz hasse, nachdem ich Lospech hatte...



My year in gigs - oder der verzweifelte Versuch das Musikjahr 2013 in ungerechte Listen zu verpacken. Im Gegensatz zu 2012 war 2013 absolut spektakulär, sowohl von der Konzertseite aus betrachtet, als auch was neue Platten und Songs angeht. 

So here it comes: 2013 - Die besten Gigs 

Außer Konkurrenz: The Reflektors aka Arcade Fire @ Astra Berlin, 19.11.13 
Zu versuchen, den Arcade Fire Promo-Gig vor 1300 Ticketverkaufslotteriegewinnern in die normale Liste einzugliedern, ist ein extrem schwieriges Unterfangen, da dieses Eindrucksmassaker mit einem herkömmlichen Konzert genauso wenig gemeinsam hatte, wie der BTSV mit der 1. Bundesliga. Schwarzmarktpreise von 400 Euro, eine in Kleidchen, Tuxedos, Einhornkostüme und überbordende Erwartungshaltung getränkte Crowd, Win Butler, welcher samt Mariachi-Band in einem dieser extrem öko-freundlichen Hummer anreiste und schließlich die neuen Songs, welche ausgenommen vom Mörder-Brett „Normal-Person“ allesamt einen auf 4 to the Floor machen und so den Fokus zurück auf die Tanzfläche werfen (hence, die „geforderte“ Kostümierung, nach dem Motto „feiert euch selbst“). Das alles funktioniert wunderbar, ist aber ehrlich gesagt auch alles etwas viel auf einmal und trotz Spielfilmlänge auch alles etwas schnell vorbei. Zurück bleibt das mulmige Gefühl, einen derart schrägen und wundervollen Abend vielleicht nie wieder erleben zu dürfen. Eat this, Oliver Peel, you Defector! 

1. Arctic Monkeys @ Columbiahalle Berlin, 4.11./Open’er Festival Gdynia, Juli 
Was ist bloß aus dieser schüchternen Band geworden, die ich 2006 das erste Mal erleben durfte? Damals, als keine Zugaben gab, als Alex Turner es vermied überhaupt ins Publikum zu gucken und alle dargebotenen Songs im Grunde DreiMinutenMitgröhlorgien waren. Die Arctic Monkeys von damals sind tot! Die neue Version ist so schnell erwachsen geworden, dass die Mitgröhlfans, die ihnen im Grunde keines der letzten 3 Alben verziehen haben, wohl besser daheim bleiben, wenn die 2013er Version der Monkeys ihre Runden durch die Hallen macht. Die Dabeigebliebenen würden die 2006er Version, so aufregend sie damals auch war, jedoch um nichts in der Welt wieder haben wollen, denn die 2013er Edition ist perfekt. Habe die Jungs dieses Jahr doppelt erleben dürfen, einmal im Sommer, in einem Feld voll kulturell ausgehungerter Polen, mit einer Setlist, die sich nur zaghaft am neuen Album labte. Ein wirklich großartiger Gig, auch wenn die überschwappende Euphorie des Publikums das Ganze zu einer Art Survival-Training transformierte. Grund genug um sich die Inselaffen dann im November mit frisch veröffentlichtem Album noch mal zu gönnen. Und dazu sage ich dann nur kurz und knapp: Besser gehts nicht! Die neue LP, so großartig sie auf der Konserve auch ist, entpuppt sich von vorne bis hinten als ein Monster, dass die 2006er Monkeys mit Haut und Haaren verschlingt. Und endlich, endlich, endlich füllt mal jemand die Lücke in dem Satz „Gott schuf „ … “und baute die Columbiahalle drum herum“ (früher stand da mal OASIS) 

2. Motorama 29.9. Cafe Kafic/Leipzig 
Da meine Liste ja auch dieses Jahr wieder nach 90er Mottenkugeln stinkt, werde ich den Teufel tun, und die Konsensband des Konzerttagebuchs auch nur einen Platz tiefer zu nominieren als auf 2, um hier wenigstens um ein klein bisschen um Credibility zu betteln. Alles was über Motorama gesagt werden muss, wurde auf Konzerttagebuch schon gesagt. Deshalb nur soviel: Nie war mein Verlangen nach mehr Lautstärke, mehr Zuschauern, einem größeren Rahmen und überhaupt nach mehr, mehr, mehr von einer Band, größer als an diesem magischen Abend. Und ich denke mal, den 99 anderen Zeugen dieses Gigs ging es mindestens ähnlich. Eine absolute Frechheit und Ungerechtigkeit, dass diese Band nicht größer ist. Der Zyniker in mir hat für dieses Problem auch gleich einen Lösungsansatz parat: Vielleicht sollte Putin Motorama mal ins Gulag stecken, um ihnen zu ein wenig mehr Öffentlichkeit zu verhelfen. 

3. Blur - Open’er Festival Gdynia/Juli + BerlinFestival
Hmmm, an dieser Stelle ist es wohl an der Zeit, meinen lächerlichsten Gedanken des Jahres 2013 niederzuschreiben. Da ich Blur im Sommer 2012, am letzten Tag von Olympia, im Hyde Park gesehen habe, und dort vielleicht das großartigste Konzert meiner gesamten Konzertgängerlaufbahn erleben DURFTE, dachte ich doch tatsächlich, dass ich enttäuscht sein werde, wenn ich Blur jetzt im kleinerem Rahmen, mit stinknormaler Festivalsetlist (keine Gems wie Young & Lovely oder Colin Zeal) sehen werde. Natürlich war das absolut naiv, so zu denken, weiß ich doch jetzt, dass es Blur genetisch unmöglich ist, auch nur annähernd so etwas wie Enttäuschung aufkommen zu lassen. Es ist einfach ein absoluter Genuss Damon, Graham, Alex und Dave dabei zuzugucken, wie sie ihre wiedergefundene Liebe für ihr Lebenswerk mit dem Publikum teilen. Nicht auszudenken, was diese Band noch leisten könnte, wenn, ja wenn es da tatsächlich mal ein neues Album geben sollte. 

4. Suede - Huxleys Berlin/November
Wow, wow, wow, Mr. Brett Anderson. Erst dieses absolut überraschend gute Album im Frühjahr und jetzt auch noch Das: Schon im dritten Song kannst du gar nicht mehr anders als deinen hochtourigen, seidenbehemdeten und vor allem völlig verschwitzten Rampensaukörper mit einem Bad im Publikum zu belohnen. Du tanzt durchs halbe Huxleys und spätestens als du den Weg zurück auf die Bühne gefunden hast, ist jedem im Saal klar, was er hier gerade erleben darf. Eine Band, die Lichtjahre davon entfernt ist, nur ReunionNostalgieNummer zu sein. Eine Band, die heute relevanter und besser ist, als sie es gegen Ende ihrer ersten Inkarnation war. Eine Band, die in dieser Form gerne so weiter machen kann. See you in 2015, Brett Anderson! PS: Wer war nochmal Bernard Butler? 

5. The National - Open’er Festival Gdynia+Schmehlinghalle Berlin/4.11. 
Man sagt ja immer „Ignorance is bliss“. Im Fall „The National vs. Tobias Remberg“ muss man jedoch leider sagen, „Ignorance is stupid, stupid, stupid“. Da dachte ich doch tatsächlich, dass diese großartige Band The National so etwas ist, wie z.b. Mumford & Sons (Die hassenswerteste Band dieses und aller anderen Universen). Also total langweilig und irrelevant in meiner kleinen, von hohen Mauern umgebenen Welt. Schon alleine der Fakt, dass die aus the US of A kamen, gab mir genug Gründe, die jahrelang nicht nur zu ignorieren, sondern komplett zu negieren. Little did I know!!! Im Zuge der Festivalvorbereitungen habe ich mich dann aber zum Glück endlich mit Matt Berninger & Co beschäftigt, und siehe da, es brauchte keine 10 Minuten und ich war komplett verliebt. Lange Rede kurzer Sinn: Das Polen Konzert war Magie pur, ein Gedicht an den Schwermut, eine Ode für die Liebe. Und darunter brummt und brummt der Basslauf. Schöner gehts kaum! In Berlin im November sah die Sache dann zwar ein klein wenig anders aus, da der Kollege Berninger unter dem Druck des „Heimspiels“ (Matt und Berlin sind ziemlich dicke) wohl ein wenig zu tief ins Glas guckte und somit ein bisschen aus dem Rhythmus kam. Schön war es trotzdem… 

6. Nick Cave & The Bad Seeds - Open’er Festival Gdynia
Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich Nick Cave mäßig ein ziemlicher Amateur bin, der gerade mal so die Murder Ballads richtig gehört hat und alles in allem vielleicht 10 Nick Cave Songs auf Anhieb erkennen würde. Hab ihn immer respektiert und gemocht, aber nie wirklich ausführlich gehört. Live hatte ich Nick bisher nur mit Grinderman gesehen, dass war zwar sehr gut, aber halt auch nicht wirklich meine Musik. Was ich diesen Sommer jedoch in Polen erleben durfte, kann man allerdings mit nix anderem umschreiben als ERLEUCHTUNG. Ich hab das Licht gesehen und jetzt geht es nie wieder aus. Diese Präsenz, die Hingabe, diese Songs…Wahnsinn! Ein Sexgott für alle Geschlechter und Orientierungen. Ich bin sehr, sehr glücklich sagen zu können: Lieber Nick Cave, We know who you are…(und ja, ich habe soeben das königliche Wir benutzt…sorry) 

7. Travis - Astra Berlin/November
Noch ein Heimspiel! Fran Healy wohnt ja nun schon ein paar Jahre in Berlin und nur diesem Umstand habe ich es wohl zu verdanken, dass ich dieses Konzert überhaupt erleben durfte. Denn eigentlich gehörte Fran an diesen kalten November Tag einfach nur ins Bett. Er war extrem erkältet und seine Stimme war im Grunde genommen nicht vorhanden und erinnerte in viele Passagen des Abends eher an das Geräusch, welches kleine Welpen machen, wenn man sie unten am Fluss ertränkt. (Disclaimer: Für diesen Vergleich kam kein einziges Hundebaby zu Schaden!!!) Und trotzdem war er da, ganz Warrior, ganz pflichtbewusst. Er hatte sich den ganzen Nachmittag von einer befreundeten Opernsängerin coachen lassen, um es irgendwie doch auf die Bühne zu schaffen. Dort strich er dann keinen einzigen Song von der Setlist und quälte seine Stimmbänder geschlagene 2 Stunden lang, nur um Berlin nicht zu enttäuschen. Und Berlin ließ ihn auch nicht hängen und sang einfach da, wo er nicht nicht mehr konnte. Und wenn er sich mal nicht durch einen dieser tollen Songs quälte, dann füllte er die Rolle des „sympathischsten Frontmanns der je eine Bühne betrat“ aus. You can call him Mr. SoUnglaublichNiceGuy! Die Rechnung zahlten am Ende dann seine Stimmbänder. Alle weiteren geplanten Konzerte der nächsten 20 Tage wurden gestrichen. Und wahrscheinlich wird sich Fran trotzdem gesagt haben: Das war es mir wert! Danke dafür, Mr. Healy!!! 

8. Black Rebel Motorcycle Club - Columbiahalle Berlin/Frühjahr
Da gibt es nicht so viel zu zu sagen, außer, dass BRMC eine ganz großartige Liveband sind, die einen nie enttäuscht und auf den Rezipienten immer ein wenig so wirkt, als hätte man ihm eine untertourige Motorsäge in den Bauch transplantiert. Großartige Songs, toller Sound, gutes neues Album, gerne jederzeit wieder. 

9. Sophie Hunger - Parkbühne Leipzig 
Ich bin ja leider etwas chauvi was meinen Musikgeschmack angeht. Weibliche Protagonisten werden von mir meist ignoriert und wahrscheinlich kann ich keine 15 Künstlerinnen aufzählen, die ich höre bzw. mal gehört habe. In letzter Zeit bröckelt die Mauer zwar ein wenig (Savages, Warpaint), jedoch ist schon was besonderes, wenn ich mir mal eine weibliche Stimme anhöre. Umso glücklicher bin ich, dass ich mich trotz eines Backstagepasses für das Highfieldfestival, auf dem an diesem Abend mit Maximo Park der einzige interessante Act in einem ansonsten grauenhaften Lineup auftrat, mich für Sophie Hunger entschieden habe. Eine großartige Entscheidung, denn Acts wie Sophie gibt es nicht allzu viele im Musikzirkus. Gestehe hiermit, ein wenig verliebt zu sein… 

10. Tame Impala - Open’er Festival Gdynia/Juli 
Ja, ja, ich weiß. Diese Liste enthält sehr viele Bands, die ich beim Open’er gesehen habe, was ein wenig so klingt als hätte ich das restliche Jahr auf der faulen Haut gelegen, was natürlich nicht stimmt. Es war halt nur das beste Festival-Lineup, dass ich je erlebt habe. Tame Impala hab ich mir ziemlich jungfräulich angesehen, was aber gar nicht schlimm war, haben die Aussies doch einen derart eigenen Stil, dass man nicht unbedingt fünfzehnmal das Album gehört haben muss, um ein Tame Impala Konzert zu lieben. Die wären auf LSD wahrscheinlich noch viel besser gewesen, als sie das eh schon sind, aber die Videoinstallation war auch so schon hart an der Grenze zur Massenhypnose. 

PS: Nach ihrem großartigen Album zu urteilen, wäre mit Savages wahrscheinlich eine weitere Band vom Open’er Festival in diese Liste gerutscht, leider spielten die jedoch parallel zu einer der hier schon genannten Bands. Well, there is always next (this) year… 

Lobende Erwähnungen: 

Nas @ Open’er Festival - Ich bin so wenig HipHopper wie man nur sein kann, besitze genau eine HipHop-Platte (The Chronic - Dr.Dre) und dachte ich kenne keinen einzigen Nas Song. Da hab ich mich aber ganz schön geirrt, kannte ich am Ende doch knapp ein 1/3 aller Songs dieses wirklich sehr, sehr tollen Auftritts und hatte irgendwann sogar Spaß daran, all diese lächerlichen Hip Hop-Konzert Rituale mitzumachen. Wer hätte das gedacht… 
I Am In Love @ Werk II Leipzig - Manchmal kommt es anders als man denkt. War eigentlich wegen des Konzerttagebuchhypes Empire Escapes im Werk, doch während mich die aber mal sowas von kalt ließen, überzeugten I Am In Love, mit ihrer ganz eigenständigen Version eines 80er-Zitats, auf ganzer Breite. Sollte man mal weiterverfolgen. 
Jake Bugg @ Postbahnhof Berlin - Bericht
Stereophonics @ Kulturbrauerei Berlin -  Bericht
Kraftklub @ hab ich vergessen - Irgendwie machen die Spaß… 

Nicht der Rede wert: 

Editors @ Open’er - Gähn… Brauch ich so sehr, wie noch ein Phoenix-Album. Hört bitte auf! 
Queens of the Stone Age @ Open’er - Nicht meins, obwohl Josh Homme natürlich ne coole Sau ist…


0 Kommentare :

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates