Samstag, 4. Januar 2014

My Year In Lists: Die 15 Konzerte des Jahres (Nelle)


Alle Jahre wieder bitten wir andere Konzertjunkies, uns ihre Jahresbestenlisten zu schicken. Und alle Jahre wieder ist Nelle aus Essen dabei. Uns beide verbindet ein ähnlicher Musikgeschmack, weswegen mich nicht die Spur überrascht, daß ich einige der Konzerte von Nelles Liste auch gesehen habe (und ähnlich bewerte):

 
2013 also. Ein Jahresrückblick garantiert ohne Daft Punk und Arcade Fire - vielleicht der einzige im ganzen Internet? 

Neben Daughter und Stornoway habe ich 2013 eigentlich hauptsächlich albenlose Künstler gehört mit EPs oder einzelnen Singles. Allen voran Rainy Milo. Rainy Milo ist 17 oder so, kommt aus London und bringt einen Knallertitel nach dem nächsten raus. Im Frühjahr wollte ich sie dann in der Garage in London sehen, Ticket hatte ich längst, dann sagte sie kurzfristig ab. Immerhin spielte an dem Abend in der Garage noch King Krule, der ja auch prima ist. Letztlich konnte ich Rainy Milo dann beim London Calling in Amsterdam vor etwa 2 Monaten endlich sehen. Laut last.fm besteht meine Top 7 der meistgehörten Songs 2013 ausschließlich aus verschiedenen Stücken von Rainy Milo. 

Ferner häufig gehört habe ich Sunless '97 und S O H N, die ja beide bisher auch nicht über ein paar 12" Singles hinaus gekommen sind. Im Herbst kam dann noch Kilo Kish dazu, da sie mir von last.fm als "similar artist" zu - klar - Rainy Milo angezeigt wurde. Noch so eine junge R&B/Soul-Sängerin, dieses mal aus den USA. Das Album (oder wie es ja jetzt heißt: Mixtape) kann man hier gratis runterladen. Problem an "K+" ist, dass zwischen den Songs immer irgendein Gequassel ist und das beim häufig hören total nervt. Irgendwann habe ich mich dann mit einem Audioeditor dran gesetzt und den ganzen Quatsch weggeschnitten sowie das Intro aus der Playlist gekickt. Übrig bleiben als entschlackte Version 9 Lieder in 28 Minuten und eins der besten Alben des Jahres. 

Ansonsten: Treetop Flyers, Local Natives, Zaz, Fear of Men, HVOB und die Wiederentdeckung von Tasha's World. 

Nun denn, hier nachfolgend die Top 15. Wäre das Warpaintkonzert in Köln nicht auf 2014 verschoben worden, wäre es sicher auch Teil der Liste - wobei ich andererseits mit den beiden vorab online gestellten Stücken nicht sonderlich viel anfangen konnte. 


Platz 15: We Were Promised Jetpacks, Haldern Pop (08.08.13) 


Einmal im Jahr pogen. Jetpacks! 

Platz 14: The Broken Beats - Bochum, Bastion (13.10.13) 


In den Jahren 2005/2006 war ich hin und wieder bei Konzerten in der Bochumer Bastion, einem winzigen Club in den Räumen eines ehemaligen Hochbunkers. Bei meinem ersten mal dort spielten die zauberhaften Dänen The Broken Beats, die ich seit dem Sommer 2007 weitestgehend aus den Augen verloren habe. Seinerzeit habe ich auch den E-Mail-Newsletter der Bastion aboniert. Newsletter, remember? Das war so was ähnliches wie "share with all your friends", nur etwas nachhaltiger. Den bekam ich immer noch, schaute meist auch rein, habe mich aber nicht weiter mit der (inzwischen an einen anderen Standort gewechselten) Bastion befasst. Nun kam aber eines Spätsommertages ein Newsletter mit dem Betreff "The Broken Beats are back in town" und ich dachte: Warum nicht? Das Konzept der Bastion ist mittlerweile so, dass nur 40 Zuschauer reinkommen und mit Voranmeldung, die aber umsonst. Das Konzert gemeinsam mit der befreundeten Band Captain Casanova war Sonntagmittags um 13 Uhr und das schien dem Großteil der 40 Personen nicht zu gefallen - es kam nämlich kaum einer der 40 Gästelisteninhaber. Wenn am Ende 15 Personen da waren, ist das sehr optimistisch geschätzt... entsprechend geknickt waren die Veranstalter, da sie schließlich anderen Interessenten wegen diesen Nicht-Kommern absagen mussten. Völlig verrückt auch - in Bochum ist nicht viel los und dann spielen zwei super Bands gratis, man kommt aber trotzdem nicht. Der Band merkte man das nicht an, sie spielte umwerfend auf. Und jetzt das Absurdeste: Trotz diesem fehlenden Zuschauerzuspruch hat man noch am selben Tag was klar gemacht und die Band Mitte wird Februar an exakt selber Stelle wieder spielen. 

Platz 13: Sit Down and Sing VII mit Ken Stringfellow, Tim Neuhaus und The Late Call - Essen, Zeche Carl (05.09.13) 


Das Label Tapete Records veranstaltet regelmäßig Touren mit mehreren Songwritern, die dann meist erst alleine eigene Songs spielen und nach und nach immer mehr zusammen kommen, gemeinsam spielen, teils improvisieren. Hauptgrund hinzugehen war Ken Stringfellow, einer der beiden Sänger der Posies und auch solo ziemlich großartig. The Late Call hatte ich auch schon mal irgendwo gesehen, sein "Fribourg" gehört zu meinen Lieblingsliedern. Tim Neuhaus kannte ich bisher nur auf Grund der Tatsache, dass er bei Grand Hotel van Cleef veröffentlicht. Die Bühne war draußen hinter der Zeche Carl, warmer Sommerabend, top. Der Auftritt in Essen gefiel uns so gut, dass wir ein paar Tage später auch noch nach Münster gingen. Dort gab es nicht nur Kuchen, sondern auch eine gänzlich andere Setlist. Der Essener Auftritt war aber der bessere der beiden tollen und ist daher hier gelistet. 

Platz 12: Unbekannte spanische Frau - Kotor, Kaštel Sveti Ivan (18.08.13) 


Eine namentlich nicht bekannte Musikerin in einer Jahresliste, was soll das? Im August bin ich mit meinem Rucksack und einem kleinen Trolley mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Dalmatien und Montenegro gereist. Dabei wohnte ich für einige Tage in einem Hostel im malerischen Kotor an der gleichnamigen Bucht. Als irgendwann abends die Sonne begann unterzugehen und die Temperaturen erträglicher wurden stieg ich auf den Berg hinter der Stadt und wanderte zur dort gelegenen Festung Sveti Ivan (Hl. Johannes), saß dort bei immer noch mindestens 30 Grad auf der Festungsmauer und schaute mir den Sonnenuntergang über der Bucht an. Ein paar Meter weiter saß eine junge, hübsche Frau, die ihre Akustikgitarre auf den Berg geschleppt hatte und dort nun wundervolle Lieder in spanischer Sprache sang. Ich weiß nicht, wer die Frau war, weiß nicht, ob sie professionell Musik macht, weiß nicht, ob das selbstgeschriebene Stücke oder Cover bekannter spanischer Stücke waren... ich weiß nicht mal, ob sie wirklich Spanierin war. Aber es war ein absolut magischer Moment. 

Platz 11: Sophie Hunger - Haldern Pop (09.08.13) 


Der zweite von drei Haldernauftritten in dieser Liste. Fällt mir nichts zu ein, war toll. 

Platz 10: Local Natives - Rüsselsheim, Phono Pop (12.07.13) 


Staugeplagt kamen wir viel zu spät beim Phono Pop an, hatten dabei u. a. Ewert and the Two Dragons verpasst und kamen nun angehetzt um Local Natives zu sehen. Die Kalifornier begannen ihren Auftritt direkt mit "You and I", dem vielleicht besten Song des Jahres. Was für ein Start ins Festival. Der Auftritt war sehr schön mit einer Mischung der beiden Alben und unterm Strich noch ein ganzes Stück besser als der beim Haldern Festival einige Wochen später. 

Platz 9: Findlay - Amsterdam, Paradiso | London Calling (01.11.13) 


Anfang November waren wir in Amsterdam im tollen Paradiso beim London Calling und wollten hauptsächlich Rainy Milo und Bleached sehen. Vorab habe ich die anderen Bands einmal quergehört und bin bei einem Lied direkt hängen geblieben: "Off & on" von Findlay - die musste ich auf jeden Fall sehen. Und wie erwartet: Klischeeangehauchter Rock, eine whiskeysaufende Rocktrulla am Mikrofon und ein geiles, 25-minütiges Konzert. KLICK 

Platz 8: James - Haldern Pop (09.08.13)


James habe ich zu ihrer Hochzeit nie wirklich gehört. Irgendwo hatte ich zwar einen Konzertmitschnitt, aber an den erinnere ich mich auch nicht mehr. Vom Konzert in Haldern wollte ich mir den Anfang anschauen und dann mal gucken... ich habe Altherrenbritpop der gediegenen Art erwartet, aber nicht so was... Anstatt das Festivalgelände wie erwartet leer zu spielen, wurde es immer voller und enthusiastischer. Christoph berichtete hier als Kenner der Band ausführlich.

Platz 7: Daughter - Köln, Stollwerck (08.04.13) 


Was soll ich über Daughter schreiben, was Christoph nicht bereits geschrieben hat? Sein Bericht zu diesem Konzert hier

Platz 6: Team Me - Duisburg, Grammatikoff (30.05.13) 


Wie immer: Hüpfen, bunt, Spaß. Vgl. letztes Jahr, Platz 4. 

Platz 5: Retro Stefson - Duisburg, Traumzeit Festival (22.06.13) 


Und gleich der nächste bunte, durchgedrehte Haufen musizierendes Konfetti. Das Traumzeit Festival in Duisburg hat dieses Jahr sein Konzept anders ausgerichtet, weniger Weltmusik und Jazz, mehr zeitgenössischen Indiekram (Editors, Uhlmann, CocoRosie). Mittendrin die sieben Isländer mit ihrem Elektro-Pop, von den meisten Festivalbesuchern verpasst (Christoph, wo warst du eigentlich während dem Auftritt?). Ich hatte den Spaß des Jahres bei bekloppten Gruppentänzen im Publikum zu "She said" und all dem bunten Treiben. 

Platz 4: Kevin Devine - Oberhausen, Druckluft (28.05.13) 

Zum ersten mal habe ich Kevin Devine 2004 mit Miracle of 86 gesehen. Seitdem immer mal wieder solo oder mit seiner Begleitband. 2008 beispielsweise Platz 1 der Jahrescharts für ein Überkonzert im Kölner Blue Shell, nachdem ich ihn mir lange Zeit nicht mehr angesehen habe ("Kann ja eh nicht mehr besser werden"). Nun solo in Oberhausen und wieder einmal herausragend. Die Anfahrt hätte sich auch gelohnt, wenn er nur diese Version von "Brother's blood" gespielt hätte, die Mitte des Sets kam. 

Platz 3: Daughter - Köln, Gloria (03.11.13) 


Und schon wieder Daughter, jetzt mit dem besten Konzert das ich bisher von ihr gesehen habe. Man sagt, ich habe sie während dem Auftritt verliebt angelächelt... und vermutlich stimmt sogar das. 

Platz 2: Phoenix - Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle (22.11.13) 

Ernüchterung macht sich breit im Hause Phoenix. Nachdem die letzten drei Auftritte in meinen Jahrescharts die Plätze 1 & 2 (2006) sowie 1 (2009) belegten, reicht es 2013 nur für Platz 2. Ist man nach dem eher mittelprächtigen Album "Bankrupt!" etwa nicht mehr die beste Liveband der Welt? Ich kann sie beruhigen... doch, doch, seid ihr, keine Angst. Phoenix können auch weiterhin jeden scheusslichen Ort (z. B. die Philipshalle, die jetzt Mitsubuschi Dingsda Halle heißt) in einen kleinen Club verwandeln und das Publikum fesseln wie niemand sonst. Ich bin mir sicher, dass sie ihr ganzes Programm inkl. im Publikum rumhüpfendem Sänger Abend für Abend rund um den Globus abspulen, aber es ist einfach zu packend um sie nicht auch dabei zu lieben. 

Platz 1: Stornoway - London, The Forum (27.03.13) 


Gerade habe ich noch einmal meinen Jahresrückblick aus dem Vorjahr hier gelesen. Dabei sah ich, dass ich genau dieses Konzert da schon als Anwärter für das Konzert des Folgejahres genannt habe. Jep, da simmer. Stornoway gehören schon eine Weile zu meinen Lieblingsbands und da wir meine Lieblingsstadt London besuchten, war es ein Glücktreffer, dass die Band aus Oxford genau dann den Abschluss ihrer UK-Tour dort spielte. Zunächst spielten zwei Vorbands (Dan Croll und Pale Seas), bevor Stornoway endlich kamen. Das volle Programm... fast alle Stücke der beiden Alben, Unpluggedstücke in einem Raum mit über 2.000 Leuten in dem man jede Stecknadel hören konnte und am Ende zu "Watching birds" die große Konfettischlacht. Nach dem Konzertende zog sich eine bunte Konfettispur durch ganz Kentish Town, die U-Bahn-Station und selbst als wir später in Euston umstiegen flogen dort noch überall bunte Papierschnippsel durch die Gänge. 

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Was war hingegen besonders schlimm? Leslie Clio bei Rock im Saal war doof und schrecklich unsympathisch, MC Fitti beim Juicy Beats nach zwei Songs nicht mehr witzig sondern nur noch nervig und MS MR beim London Calling mindestens genau so schlimm wie der dicke, betrunkene Holländer vor mir. 

Sonstiges: 
• Statistik: 170 Konzerte bei 51 Veranstaltungen. Davon 137 Konzerte in Deutschland, 22 in den Niederlanden sowie 8x England, 2x Montenegro und 1x Kroatien 
• Am häufigsten gesehen: Pele Caster (6x), Dan Croll/Ken Stringfellow/Tommy Finke (je 3x) • Teuerstes Konzert: Paul Weller & Palma Violets in der Royal Albert Hall, beide hinter den Erwartungen zurück, aber immerhin von Noel Gallagher anmoderiert (25.03.) 
• Jüngster Altersschnitt des Publikums: Lena Meyer-Landrut, FZW Dortmund (14.04.) 
• Höchster Altersschnitt des Publikums: Orange Blossom Special, alle Auftritte (17.-18.05.) 
• Den Livemoment des Jahres werde ich noch in 10 Jahren posten, weil er so wundervoll war... Der mir vorher nur namentlich bekannte Glen Hansard und die Frau aus dem Publikum beim Haldern: KLICK

Fotos: Nelle (fast alle), Christoph (2x Daughter - das zweite ist vom Konzert in Frankfurt)  



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