Montag, 8. Juli 2013

Tom Tom Club, Köln, 08.07.13


Konzert: Tom Tom Club (King Ludwig special)
Ort: Museum Ludwig
Datum:08.07.2013
Zuschauer: gut 200 (ausverkauft)
Dauer: Tom Tom Club 95 min, Alexander's Festival Hall 35 min



Sagenhaft, was die beiden King Georg Macher André Sauer und Jan Lankish gemeinsam mit dem Museum Ludwig da auf die Beine stellen. Nach Scout Niblett und Kim Gordons Body/Head standen heute mit dem Tom Tom Club zwei der Gründungsmitglieder der Talking Heads auf der Terrasse des Kölner Museums. Ich hatte mich ehrlich gesagt vor allem auf die entspannte Atmosphäre gefreut, an einem Sommerabend ein nettes Konzertchen zu erleben. Wenn es musikalisch nichts wäre, könnte ich immerhin den Dom anhimmeln. Denn meine Erwartungen an den Tom Tom Club waren nicht sonderlich hoch. In ein paar Wochen sehe ich erstmals die B-52's, die vor 25 Jahren für mich den Heldenstatus hatten, den der Tom Tom Club für viele der King Ludwig Besucher offenbar hatte. Seit ich mir ein sündhaft teures Ticket für die B-52's gekauft habe, bin ich hin- und hergerissen, ob das nicht ein großer Fehler war, ob der Abend in Bonn nicht furchtbar schrecklich wird und mein Bild von dieser früheren Lieblingsband ausknocken wird.

Beim Tom Tom Club war das Risiko minimal. Ich kannte zwar dessen Hits Wordy Rappinghood und Genius of Love aber auch nicht viel mehr. Der Platz für die verrückte Indiedanceband war damals eben fest an die B-52's vergeben - trotz aller Liebe zu den Talking Heads.

Das ging mir alles durch den Kopf, als ich auf das Vorprogramm wartete...

Und das ist natürlich großer Unsinn, weil mich der einzige Gedanke beschäftigte, den man mit Blick auf den Sonnenuntergang hinter dem Dom haben konnte - näh is dat schön! 

Kurz nach halb acht begann das Programm mit Alexander's Festival Hall aus London. Irgendwo (also bei Facebook) hatte ich gelesen, die Band um Sänger Alexander Mayor klinge wie The Divine Comedy - und das traf es sehr gut. Die fünf in sommerlich-helle Hosen und weiße Hemden gekleideten Briten* spielten ähnlich melancholisch-schönen Dandy-Pop. Jarvis Cocker in langsamer. Das gefiel mir ausgezeichnet. Alexander sang über Gemälde, über einen Freund, der seine Dates immer in Schlössern traf, über Verheiratetsein und über die Berliner Pfaueninsel. Peacock Island war das schönste Stück des wundervollen Vorprogramms (gibt es hier). Sehr toll war aber auch All the great last lines, vor dem Alexander erzählte, daß eine Katze letzte Nacht an ihrem Fenster vorbeigeflogen sei, "auf ihrer letzten Reise". Über ihre letzten Worte könne man nur spekulieren.

Ein wundervolles kurzes Konzert, das deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätte! Jenseits der Musik gefiel mir besonders der zweite Gitarrist im hellblauen Sommeranzug. Er trug einen Hut, der ihm beim Gitarrenwechsel ein paar Probleme bereitete. Hut ab, Gitarre runter, Hut wieder auf, neue Gitarre greifen und über die Schulter legen, Hut ab, Gitarre umhängen - wunderbar schrullig!

Setlist Alexander's Festival Hall, Museum Ludwig, Köln:

01: The life backstage
02: Upturned
03: Peacock Island
04: I'm gonna get married
05: Loyalty*
06: You're becoming the reason
07: All the great last lines
08: I don't want to get crazy every night

Als Tina Weymouth und eine zweite Sängerin in kurzen Glitzer-Kleidchen auf die Bühne kamen, stieg meine Angst. Eine 60jährige mit Mädchenfrisur, die hüpft, als sei sie 18, das beschreibt meinen B-52's Albtraum ganz gut. Allerdings war der hier sofort weg. Es passte einfach alles. Oder wie Tina später in einem anderen Zusammenhang sagte: "a lesson for Lady Gaga from Mama Gaga!"

Tom Tom Club sind in der aktuellen Besetzung Tina Weymouth (Bass und Gesang), ihr Mann Chris Frantz am Schlagzeug, Gitarrist Pablo Martin, Sängerin Victoria Clamp, Keyboarder und Perucussionist Bruce Martin sowie Kid Ginseng, Chris' und Tinas Sohn an den Turntables. Nicht nur wegen des gleichen Nachnamens sind die Martins sicher Brüder, sie gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Allerdings betonten Chris und Tina mehrfach, Pablo stamme aus Buenos Aires - hmmm.

Der Auftritt der lustigen Truppe machte vom Start weg enormen Spaß! Victoria und Tina tanzten und hüpften, als seien sie noch im CBGB und nicht auf dem Dach des Hauptmuseums der Sammler, die zu Andy Warhols Weltruhm massiv beigetragen haben.

Nichts an dem Auftritt wirkte peinlich oder aufgesetzt. Die Musiker strahlten und hatten ganz offensichtlich Spaß an ihrem Konzert. Der Tom Tom Club hat in letzter Zeit nicht viele Konzerte gespielt, ein paar in Großbritannien (u.a. Glastonbury), Paris und Amsterdam, Frankfurt in der vergangenen Woche wurde abgesagt. Umso toller, daß es die Chance gab, die Band in Köln zu sehen!

Ganz besonders viel Spaß hatte Gitarrist Pablo. Er grinste wie ein Honigkuchenpferd. Ganz besonders viel Spaß hatte er, als sein Techniker sich zwei, drei Lieder lang abmühte, zwei Saiten auf eine Gitarre aufzuziehen. Pablo guckte immer wieder lachend und feixend rüber, das rote Instrument kam aber wohl gar nicht mehr zum Einsatz.

Der Tom Tom Club spielte ein paar Stücke der aktuellen Platte Downtown rockers (das Titelstück über die beiden Manhattener Clubs CBGB und Max's ist großartig!), viele alte Stücke und ein paar Cover. Under the boardwalk, das Tom Tom Club als Single veröffentlicht hatten, war toll, erstaunlich viel taugte aber die You sexy thing Version des Clubs. Mit dem Hot Chocolat Original kann man mich jagen (das ist der Final Countdown der Tanzmusik), das Cover, das auch auf einer der Studioplatten ist, war klasse!

Spätestens ab Genius of love wurde es eine Tanzveranstaltung (mit Vortänzer Jan). Mit Abstand das beste Stück des Abends war Wordy Rappinghood. Als dann die ersten Takte von Psycho killers angestimmt wurden, kamen sie wieder, meine Ängste. Aber auch hier waren sie weitestgehend unbegründet. Natürlich ist es ein Sakrileg, das Stück anders als im Original zu spielen, die halbe Talking Heads Version hatte aber Charme! 

Say something once, why say it again? Weil es ein toller Abend war. Danke für diese Konzertreihe! Moon Duo's next...

Setlist Tom Tom Club, Museum Ludwig, Köln:

01: Who feelin' it
02: She's dangerous
03: Punk Lolitas
04: The man with the 4-way hips
05: L'elephant
06: Under the boardwalk (The Drifters Cover)
07: Suboceanic
08: Kissin Antonio
09: On, on, on, on...
10: Won't give you up
11: Kiss me when I get back
12: Genius of love
13: You sexy thing (Hot Chocolate Cover)
14: Wordy Rappinghood
15: Downtown rockers
16: Take me to the river
17: Psycho killers (Talking Heads)


mehr Fotos folgen! 

* thanks, Alexander!



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