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Mittwoch, 6. November 2024

The Last Dinner Party - Köln - E-Werk - 02.11.2024

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Konzert: The Last Dinner Party
Ort: Köln
Datum: 02.11.2024
Dauer: 75 min
Zuschauer: ausverkauft


Der Rolling Stone schreibt im Februar 2024, das The Last Dinner Party mit ihrem Debütalbum „Prelude To Ecstasy“ beweisen wollen, dass sie mehr sind als ein Hype "mit Renaissance-Outfits und Rockgitarren". So viel vorweg, ein Hype sind sie auf jeden Fall. 

Bei der Ankunft in Köln bietet sich zunächst ein skurriles Bild. Im Palladium gegenüber vom E-Werk findet zeitgleich das Konzert von Sepultura statt. Dort stapeln sich leere Bierflaschen in Einkaufswagen und die Farbe Schwarz dominiert die Outfits. Der Kontrast zur Warteschlange am E-Werk könnte nicht größer sein, denn hier sieht man perfekt zusammengestellte, meist weiße Outfits im typischen The Last Dinner Party Style. 

Im E-Werk angekommen könnte man nur vom Bühnenbild ausgehend eine griechische Tragödie erwarten. Säulen über Säulen. Doch die rund 2000 Fans, viele in Kleidern, Schleifen, Rüschen und Korsagen sind sicher nicht für eine Tragödie erschienen. 

Es benötigte etwas Geduld, bis nach zwei Support Acts, unter anderem die wundervolle Katy J. Pearson, schließlich die orchestralen Klänge des Albumintros ertönen. Die Ekstase, die bereits 2023 das veröffentlichte Video zu „Nothing Matters“ in der Musikpresse auslöste, war beim Publikum spürbar. 


Sängerin Abigail Morris dirigiert und wirbelt mit Leichtigkeit und positiver Energie durch das Set. Alle Songs des Albums sind vertreten und zwischen dem Harmoniegesang bei „Beatiful Boy“ und „Mirror“ wird noch ein Fan Wunsch in der Front Row erfüllt. Es wird eine Skizze für ein zukünftiges Tattoo gewünscht. 

Textsicher ist nicht nur die Band, sondern auch das Publikum. So werden die Hits des Albums wie „Sinner“ und „Caeser on a TV Screen“ zu einem  Erlebnis als gemeinsamer Chor. Die elektronischeren Momente der bisher unveröffentlichten Songs wie „Second Best“ und „Big Dog“ bringen eine ausgelassene Stimmung auf die Bühne, die ich bei den vielleicht schon zu oft gespielten Hits an diesem Abend vermisse. 


Der womöglich nächste, bisher unveröffentlichte Hit „Killer“ mit einem leichten Country Einschlag leitet die Zugabe und den Abschluss des Abends mit dem bisher größten Hit „Nothing Matters“ ein. Die Band spielt ein perfektes, aber leider zu perfektes Konzert. Jeder Ton sitzt, aber auch jeder Seufzer ist an der gleichen Stelle wie im Original zu hören. Diese Perfektion ist es, die das Konzert an diesem Abend zu einstudiert und wenig spontan wirken lässt.

Wir werden hören wie lange dieser Hype sich hält, oder ob der spontane Erfolg doch viel schneller endet, als der von Sepultura gegenüber.



Montag, 10. Juni 2024

Belle & Sebastian, Köln, 09.06.24

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Konzert: Belle & Sebastian
Ort: Gloria, Köln
Datum: 09.06.2024
Dauer: 100 min
Zuschauer: 950 (ausverkauft)



"Wie lange waren wir nicht mehr in Köln?" - "15 Jahre!" - "15 Jahre? Wirklich?"
Boah, da rufe ich einmal rein bei einem Konzert und dann ist es gelogen. Es ist erst 13 Jahre her, seitdem Belle & Sebastian im E-Werk aufgetreten sind (mit den fantastischen Zoey van Goey als Support). Ein Konzert in der Live Musik Hall vor wenigen Jahren war von der Band abgesagt worden. Dazwischen habe ich die Band dann halt anderswo sehen müssen (eine Auswahl weiter unten), zuletzt aber jetzt auch schon wieder vor sechs Jahren. 

Das mit dem Reinrufen ist so eine Sache bei mir. Ich kann das einfach nicht. Vermutlich kommt das im gleichen Paket mit Drängeln und Schubsen. Bei meinen letzten Konzerten hatte Stuart Murdoch immer wieder nach Liedwünschen gefragt, eine tolle Chance, einige meiner Lieblinge, die ich noch nie live gehört habe, zu erbitten. Stattdessen haben andere dann ihre Another sunny days oder Funny little frogs bekommen. Diesmal war ich besser vorbereitet und hatte eine Auswahl per Instagram geteilt, die Band hat es geherzliked, ich war gespannt.

Nachdem die sehr sympathische Vorgruppe Morganway (musikalisch so gar nicht meine Teetasse) eine halbe Stunde Irish Folk gespielt hat, begannen Belle & Sebastian um neun. Das Gloria ist der perfekte Ort für ein Belle & Sebastian-Konzert und war natürlich ausverkauft. Naja, perfekt für uns. Stuart sagte irgendwann, dass die Band lange nicht mehr auf so einer kleinen Bühne gespielt hatte. Oasis hatten vor ein paar Jahren ein Radiokonzert im Gloria gespielt und in einem Interview gesagt, der Club sei kleiner als ihre üblichen Garderoben. Stuart bezog das aber auf das regelmäßige Anrempeln der Bandmitglieder. "Wir sind sehr höflich, wir entschuldigen uns dauernd."


Seit meinem letzten B&S-Konzert hat die Band zwei Platten veröffentlicht. Auch wenn die Veröffentlichung der letzten (Late developers) noch nicht lange zurückliegt, spielten die Songs der beiden Alben auf der Tour keine zentrale Rolle. Trotzdem begann das Konzert im Gloria nach Expectations (Tigermilk) mit einigen neuen Sachen: dem tollen What happened to you son?, einer ganz aktuellen Single, die auf keinem Album ist, So in the moment und Give a little time (unterbrochen von She's losing it). 

Danach folgte ein fantastischer Lauf durch die ersten Platten, beginnend mit dem "deep cut" und Liebling Century of fakers, ein paar Sachen, die immer (The boy with the arab strap) oder meistens (Another sunny day) Teil des Sets sind, greatest Hits wie Piazza New York catcher (Trivia, die hier auch immer kommt: Stuart Murdoch ist Red Sox Fan) oder Like Dylan in the movies, zu dem er die Geschichte erzählte, dass die Zeile don't look back den Filmtitel des Bob-Dylan-Films aus den 60ern zitiert. "Hoffentlich habe ich es Euch damit jetzt nicht versaut, dass ich das erklärt habe!" 

Die Band war blendender Laune. Stevie erklärte auf die Frage, was er denn in Köln gemacht habe, er habe nichts gemacht. Er habe am Samstag zu viel getrunken. Nach The boy with the arab strap, bei dem wieder auf der Bühne getanzt wurde, stellte Stuart fest, dass seine Gitarre bei dem Lied wohl nicht funktioniert hätte. In der entstehenden Pause imitierte Stevie sehr zu Stuarts Freude Springsteen. 

Piazza New York catcher war eine von zwei Alternativen. Stuart Murdoch hatte der Band vorher angezeigt, man spiele Lied eins. Danach entschied er, Song 2 (Dress up in you) auch noch zu spielen. Statt "missed" hatte der Schlagzeuger aber wohl "messed" verstanden. Ey, Schottisch! 


Es war ein wunderschöner Abend mit allem, was man sich wünscht. Wo sieht man schon zwei Melodicas gleichzeitig? Oder die Ausflugsfotos der Bandmitglieder? Sarah war zum Beispiel in der Seilbahn unterwegs, irgendwer bei 4711 und Stevie wohl im Bus. 

Leider war nach zwei Zugaben Schluß. Vermutlich, weil jemand im Publikum nach Fox in the snow "one more song" gefordert hatte. 

Das nächste Mal werde es nicht wieder 15 Jahre dauern, bis sie wieder nach Köln kämen (ich habe da so einen Traum). Und mein nächstes B&S-Konzert wird auch nicht in sechs Jahren stattfinden, dafür war der Abend zu euphorisierend. 

Setlist Belle & Sebastian, Gloria, Köln:

01: Expectations
02: What happened to you son? (neu)
03: So in the moment
04: She's losing it
05: Give a little time
06: Century of fakers
07: I want the world to stop
08: Piazza New York catcher
09: Dress up in you
10: To be myself completely
11: Like Dylan in the movies
12: Do you follow?
13: A summer wasting
14: The boy with the arab strap 
15: Another sunny day
16: Get me away from here I'm dying

17: Fox in the snow (Z)
18: Sleep the clock around (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Belle and Sebastian, Esch, 11.02.18
-
Belle and Sebastian, Utrecht, 01.09.17
- Belle and Sebastian, London, 23.06.16
- Belle and Sebastian, London, 22.06.16
- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15
- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15
- Belle and Sebastian, Barcelona, 29.05.15
- Belle and Sebastian, Paris, 31.10.14
- Belle and Sebastian, Larmer Tree Gardens, 01.09.13
- Belle and Sebastian, Barcelona, 27.05.11
- Belle and Sebastian, Minehead, 11.12.10
- Belle and Sebastian, New York, 30.09.10
- Belle and Sebastian, Latitude-Festival, 17.07.10

Mittwoch, 10. Mai 2023

Roger Waters, Köln, 09.05.2023

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Konzert: Roger Waters
Ort: Köln -Lanxess Arena
Datum: 10.05.2023
Dauer: 140 min
Zuschauer: ca. 12.000



Einiges erinnert mich an diesem Abend an mein letztes Konzert in der großen Lanxess Arena. Arcade Fire spielten, und es galt wieder einmal Künstler und Werk zu trennen, wie sooft in diesen Tagen. Am damaligen Abend gelang es nicht, und Vieles deutete darauf hin, dass dies wieder geschehen würde.

Zuviel krude Thesen hat Waters in den letzten Jahren von sich gegeben. Sein Ego scheint so groß zu sein, das er zu allem eine Meinung hat, und diese als Wahrheit auch verkünden muss. Manchmal erinnert er mich in seiner fehlenden Impulskontrolle an Boris Palmer. Aber dazu später...

Erstmal ist auch hier die Halle längst nicht gut gefüllt. Der Oberrang ist leer. Wie sooft wird die Rechnung trotzdem aufgehen. Die Fans auf den guten Plätzen zahlen halt diesmal 297 EUR statt noch 185 EUR, wie noch bei Waters letztem Auftritt. 

Die Bühne ist gigantisch. Wer weiß, dass am Vorabend hier noch Sam Smith mit einer großen Produktion aufgetreten ist, kann es kaum fassen. In nur 12 Stunden, von 5.00 bis 17.00 Uhr wurde hier, wie von den Heinzelmännchen, ein kleines Wunder vollbracht. 


Fast der ganze Innenraum wird von der Bühne eingenommen...darüber thront, wie der Monolith aus 2001, eine kreuzförmige, unfassbar scharfe und helle Leinwand. Die Leinwand teilt die Halle noch beim ersten Song, einer komplett überarbeiteten Version von Comfortably Numb im Doomsound. Danach wird sie nach oben gezogen und gibt den Blick auf die vielköpfige Band frei.. 

Die Show ist anders, als viele Tourneen von Waters in den letzten Jahren...Die großen Hits kommen jeweils zu Beginn der ersten und zweiten Hälfte, der Zugabenteil wird nur aus "Balladen" bestehen. Und noch etwas ist an diesem Abend bemerkenswert. Waters ist ruhig, besonnen, spricht viel zum Publikum und verfällt nicht in Tiraden. 

Eigentlich wäre es doch viel einfacher, sich vor seinen Fans für seine Ansichten feiern zu lassen. Klar, auf der Leinwand ist viel zu sehen. Allerdings auch hier wenig bis nichts, was über einen normalen Diskurs hinaus gehen würde. Immer wieder bedankt er sich, spricht über beide Demonstrationen, für und gegen ihn hier in Köln. 


Und dann sammelt er seine Band immer wieder an einer echten Bar auf der Bühne um nach den überbordenden Floyd Songs auch wieder sehr intime Momente am Piano zu kreieren. 

Und so bleibt man, wie bei Boris Palmer, auch hier etwas ratlos zurück. Warum in Interviews und öffentlichen Diskussionen immer diese Provokationen erfolgen müssen, bleibt unklar. Beide haben anscheinend zwei Gesichter, und eines davon ist nicht zu entschuldigen. 

Roger Waters ist 79 Jahre alt. Ich würde mich freuen, er würde mehr zu seinem Heimatland England sagen, als zu allen ungelösten Konflikten in der Welt.


Seine Musik steht an diesem Abend allerdings wieder da, wie die riesige Leinwand in der Halle. Als unzerstörbarer Monolith. 

Interessant vlt. auch nochmal die älteren Konzertberichte im Wandel der Zeit:

Roger Waters, Köln, 11.06.18
Roger Waters, Düsseldorf, 06.09.13



Montag, 4. April 2022

Sleaford Mods, Köln, 02.04.22

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Konzert: Sleaford Mods
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 02.04.2022
Zuschauer: ausverkauft


von Dennis

Für drei (Nachhol) Konzerte haben sich Sleaford Mods Frontmann Jason Williamson und Produzent Andrew Fearn, unterstützt durch einen brachial wirbelnden Supportact, auf nach D gemacht.
Politisch klare Statements, Front eröffnend gegen die schwierig Situation im England, die ebenso von Corona und speziell vom Brexit gekennzeichnet ist und eine Menge Verlierer kennt. 

Mit ihrem neuen Album „Spare Ribs“ leisten die Mods ihren Beitrag zur Bewältigung der zurückliegenden Zeit. In nur drei Wochen eingespielt, rammt sich der eindringliche East Midland Akzent ins Hirn. 

Der Abend selbst passend geprägt vom Öffnungsdiskurs der letzen Wochen, ausverkauft und alles in Feierlaune, rahmte den Gig des Duos passend ein. 

Dennoch blieb alles irgendwie merkwürdig diszipliniert. Keine Bierduschen, kaum Schweiß, eben am Ende doch noch ein wenig verhalten. Aber es geht wieder los und mit den Mods ein grandioser Auftakt! Die komplette Galerie auf www.desc-photography.com


Freitag, 7. Februar 2020

Stereophonics, Köln, 04.02.20

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Konzert: Stereophonics
Ort: Carlswerk Victoria, Köln
Datum: 04.02.2020
Dauer: 110 min (Nadia Sheikh 30 min)
Zuschauer: nicht ausverkauft (unter 1.600)



von Astrid aus dem Ruhrgebiet

Vorgestern verschlug es mich mal wieder nach langer Zeit vom Ruhrgebiet nach Köln. Man wird älter und bequemer. Die Bereitschaft, in der dunklen und nasskalten Jahreszeit eine weite Strecke in Kauf zu nehmen, sinkt merklich... 

Doch für die Stereophonics habe ich mich nun aufgerafft, schließlich habe ich diese fantastische Band bisher nur ein einziges Mal live gesehen. 

Beim Carlswerk Victoria handelt es sich um eine relativ neue Veranstaltungs-Location, sie entspricht in etwa der Kölner Live Music Hall. 

Die Halle, die seit Ende 2018 für Konzerte genutzt wird, befindet sich in der Nähe des E-Werks und des Palladiums. Einen dicken Pluspunkt gibt es für das eigene (kostenpflichtige) Parkhaus mit 440 Stellplätzen! Da die Halle noch nicht wirklich bekannt ist, irrten wir, phasenweise begleitet von anderen Fans, herum, um die Halle zu finden. Erstaunlicherweise konnte man uns in den rundherum ansässigen Locations auch keine Auskunft geben, die ganze Szene dort entsteht gerade erst. 

Als uns ortskundige Fans zum Eingang führten, sahen wir noch einige Besucher Tickets an der Abendkasse kaufen. Vermutlich reichte die Nachfrage jedoch nicht, um alle verfügbaren 1600 Tickets abzuverkaufen. 

Es gab mehrere Getränke-Theken, sogar eine Express-Theke, an der Flaschen (ohne Deckel) verkauft wurden. 

Punkt 20:00 Uhr trat die aus Spanien stammende Wahl-Londonerin Nadia Sheikh mitsamt Band auf die Bühne. Das Publikum rutschte ein Stückchen näher Richtung Bühne, doch insgesamt war es nur in den vorderen Reihen gefüllt. Die bis dato wohl ziemlich unbekannte Nadia lieferte eine solide und qualitative Show ab. Ihre Stimme war gewaltig, die Fans honorierten es mit starkem Applaus und dichter werdenden Reihen. 

Nadia bedankte sich überschwänglich bei den Stereophonics für das Engagement während der kompletten Europa-Tour und erkannte treue Fans in den ersten Reihen wieder, die sie bereits auf vorausgegangenen Konzerten gesichtet hatte. 

Bis 20:30 Uhr spielten Nadia und ihre Band, das Publikum war tatsächlich ein wenig angeheizt und aufgetaut. Dies wurde allerdings durch die 30-minütige Umbaupause mit eher nerviger Musik aus der Konserve wieder zunichte gemacht. 


Pünktlich um 21:00 Uhr traten dann endlich die Stereophonics auf die Bühne und Sänger Kelly Jones legte direkt mit dem 19 Jahre alten Klassiker Mr Writer los. 

Die Stimmung war vom ersten Moment an toll, die Phonics haben dankbare Fans! Das Alter lag geschätzt bei 40plus, es dürften kaum neue Fans dabei gewesen sein. Die Textsicherheit der Fans fokussierte sich ganz klar auf die früheren Songs... Das Publikum war optisch bunt gemischt, aber die Stimmung untereinander war sehr gut, man hielt Plätze für Getränkeholende frei und nahm Rücksicht aufeinander. 

Ein wenig wunderlich kam die Weihnachtsbeleuchtung über der Bühne daher, aber man gewöhnte sich schnell an dieses Bühnenbild. 

Direkt im Anschluss ging es ohne große Worte weiter mit dem 2005er Hit Superman. Beim darauffolgenden Geronimo beeindruckte dann ein Saxofon-Solo. 

Mit Maybe tomorrow dann ein weiteres Highlight. Dieser Song wurde erst einmal von Kelly alleine mit seiner Gitarre eingeleitet, ausklingen durfte er später durch den Gesang des Publikums. 

Der 22 Jahre alte Song Hurry up and wait war einer der Oldies des Abends und nicht ganz so bekannt, bevor dann bei Have a nice Day wieder jeder mitsingen konnte, und wenn es nur „babada-bababadada“ war. 

Mit Bust this Town wurde anschließend der erste Song des neuen Albums Kind angestimmt. Recht spät, wenn man bedenkt, dass es sich um die Kind-Tour handelt. Aber natürlich machte keiner der Fans den Eindruck, es sich anders gewünscht zu haben. Insgesamt wurden sechs Songs vom neuen Album gespielt, wobei ich den Eindruck hatte, dass die Stimmung bei Don't let the Devil take another Day am besten war. 

Mr and Mrs Smith war der erste Song, zu dem Kelly ein paar Worte verlor, er erklärte den Fans den Inhalt. Überhaupt war er recht wortkarg. Die häufigste Interaktion mit dem Publikum bestand darin, ein paar Mal zu lächeln und die Fans zum Klatschen und Mitsingen zu animieren. Positiv fiel mir auf, dass das Publikum immer wieder für längere Augenblicke angeleuchtet wurde und somit auch für die Band gut zu sehen war, worüber sich vor allem Bassist Richard Jones zu freuen schien. Jamie Morrison durfte sein ganzes Können bei einem Schlagzeug-Solo zeigen und wurde gebührend beklatscht. Die anderen Bandmitglieder blieben eher unauffällig. 

Auch zum späteren Song Elevators gab es noch ein paar erklärende Worte von Kelly. Außerdem erzählte er uns, dass er die Songs für sich selber schreibt und sie uns anschließend präsentiert. Wer hätte das gedacht? 

Ein wenig enttäuscht war ich von einem meiner Liebslingshits, Graffiti on the Train. Irgendwie kam live die ganze Tragik des Songs nicht so gut herüber... 

Nachdem dann einige ruhige Songs das Publikum wieder ein wenig herunter kühlten, nahm das Konzert mit Just looking wieder volle Fahrt auf. Es folgte I wanna get lost with you und man hatte den Eindruck, dass nun auch der letzte Bewegungs-Verweigerer Spaß bekam. Das Konzert endete mit Local Boy in the Photograph, dem Oldie von 1997 - und die Halle kochte! Auch Kelly sah man nun deutlich die Anstrengung an, als er mit seinen Kollegen winkend von der Bühne ging... Erstaunlicherweise ließen sich die Stereophonics gar nicht lange bitten und kamen sehr zügig für ihre Zugaben zurück auf die Bühne. Die Stimmung ließ sich tatsächlich noch steigern, mit C'est la Vie und dem abschließenden Dakota, das als Zugabe nie auf einem Phonic-Konzert fehlen darf, konnte man es spätestens jetzt schon als Konzert des Jahres bezeichnen! 

Nach diesen zwei Zugaben gingen Kelly und seine Band um 22:50 Uhr von der Bühne, nicht ohne dankend ihre Plektrons und Setlists ins Publikum zu werfen. 

Während Nadia Sheikh sich am Merchandising-Stand präsentierte, machten sich die Stereophonics vermutlich schon auf den Weg zu ihrem direkt hinter dem Carlswerk parkenden „Phoenix Bussing Setra S431 DT“, da sie nun eine Nachtfahrt nach München vor sich hatten... 

Die Songs wurden flott durchgespielt, leider gab es in Köln nur 22 davon. Das Highlight der Tour war bisher wohl Berlin mit 25 Songs. Aber schön, dass die Setlist jedes Mal ein wenig variiert wird, vor allem für die mitreisenden Fans! 

Ein kleiner Wermutstropfen war die Abfahrt aus dem Industriegebiet. Da parallel das vom Radio präsentierte Konzert von Lewis Capaldi im Palladium zu Ende ging, entstanden lange Staus in alle Richtungen... Aber so konnte ich ganz in Ruhe in den neuen Erinnerungen schwelgen, ohne direkt über die dunkle Autobahn gen Heimat donnern zu müssen. Und ich merke auch bei dem Album Kind wieder einmal: Meine Begeisterung kommt langsam...aber sie kommt!




Dienstag, 8. Oktober 2019

Pixies, Köln, 07.10.19

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Konzert: Pixies
Ort: Palladium, Köln
Datum: 07.10.2019
Dauer: Pixies gut 120 min, Blood Red Shoes 30 min
Zuschauer: vielleicht 3.000 (nicht ausverkauft)

 

Einmal dachte ich, Black Francis wolle doch mit uns reden. "Hey!" - lange Pause. Aber es war nur der langezogene Anfang des Lieds von Doolittle, dem 1989er Pixies-Album. The Pixies don't do Ansagen.  
Vor wenigen Wochen ist das siebte Studio-Album der Bostoner Band erschienen, das mir recht gut gefällt. Daß ich es in 31, 30 oder 29 Jahren noch so oft höre wie jetzt Surfer Rosa, Doolittle und Bossanova, glaube ich aber nicht. Ende der 80er waren die Pixies eine der wichtigsten Bands meines Lebens und weil ich mich musikalisch nicht wirklich weiterentwickelt habe, sind sie es immer noch. Ob ich sie auf der aktuellen Tour sehe, war dann auch nicht die Frage, "wo?" und "wie oft?" waren es. Das Palladium stand nicht auf meiner Wunschliste, die Termine in Utrecht und Tilburg funktionierten nicht. Und da ich es als unhöflich empfand, eine Band, die eine riesige Masse an Liedern für die Tour geprobt hat und damit so deutlich dazu aufruft, sie mehrfach zu sehen, nur einmal zu besuchen, kam dann doch noch Köln dazu.*

Als die drei Ur-Mitglieder Black Francis, Joey Santiago und David Lovering und Paz Lenchantin, die seit 2014 den beiden Kims nachfolgt und seit 2016 festes Bandmitglied ist, um 23 Uhr von der Bühne gingen, hatten wir zwei Stunden Pixies hinter uns, 39 Lieder, elf von der neuen Platte, 23 von vor der Wiedervereinigung (Deutschlands, nicht der der Pixies). Sehr viel besser kann ein Konzert alter Helden mit passabler neuer Platte nicht sein. Na gut, es hätte eine halbe Stunde und zehn Lieder länger sein können (Allison, All over the world, Monkey gone to heaven, Tame, Indy Cindy**, Gigantic, La la love you, Is she weird... und Silver bullet, damit Beneath the Eyrie komplett gewesen wäre).

Gottseidank hatte ich die Pixies auch mit der fantastischen Kim Deal gesehen, daher kann ich jetzt nämlich guten Gewissens den Kopf schütteln, wenn Musikexperten die Band meiden, weil Kim nicht mehr dabei ist. Sowohl die vergangene Woche gestorbene Kurzzeit-Bassistin Kim Shattuck, die ich auf der einen Tour, die sie spielte, zweimal sehen konnte (in Brüssel und Luxemburg) als auch Paz sind (und waren) so hervorragende Musikerinnen, daß es infam wäre, die Pixies quasi ihretwegen zu meiden.


Das Konzert begann auf einer sehr düsteren Bühne. Die Bandmitglieder standen mit dem Rücken zu uns und spielten Cecilia Ann, den Beginn von Bossanova. Das live zu hören, erhoffe ich mir seit 1990. Die Live-Version war nicht lebensverändernd, meinetwegen hätten danach aber nur noch Flippers-Cover folgen dürfen, ich hätte kein dramatisch schlimmes Konzert mehr gesehen. Auf Cecilia Ann folgte eine Schrei-Phase mit St. Nazaire vom neuen Album und Rock music, um danach in eine bunte Mischung aus Hits aus den 80ern, 90ern und von heute überzugehen. Daß so viel von der ersten EP Come on pilgrim dabei war (alle bis auf Ed is dead und Levitate me), mit dem Neil-Young-Cover Winterlong eine B-Seite und einige andere für mich nicht erwartbare Lieder (ich war bewußt unvorbereitet), war ganz großartig. Daß es gut klang und wegen der fehlenden Pausen wenig Zeit zum Luftholen oder zum rhythmischen Klatschen blieb, kam dazu. Das war schon ziemlich gut.  

Vorher hatten wir bereits zwei Bands gesehen. Beim Warten auf den Einlass (das Palladium hatte 18:30 h, Facebook 19:00 h geschrieben) ging plötzlich eine sechsköpfige Blaskapelle an den Warteschlangen von Palladium und E-Werk vorbei, vermutlich die Vor- oder Begleitgruppe der Band im E-Werk (was Kölsches). Eine schöne Idee!  

Pünktlich um acht hatten die Blood Red Shoes das offizielle Vorprogramm bestritten. Ich habe das englische Duo Laura-Mary und Steven so lange nicht mehr gesehen, daß ich gar nicht mitbekommen habe, daß sie jetzt ein vierköpfiges Duo sind. Eine Bassistin und ein an Buffys Spike erinnernder Keyboarder ergänzten Laura-Mary und Steven. Gerade vom Keyboard bzw. Elektro-Drumpad des neuen Manns habe ich nichts gehört, es klang wie immer (unten ist eine Liste, die dieses "Immer" näher fasst). Ich hatte mich sehr auf die Blood Red Shoes gefreut, die ich 2007 mit 23 anderen (Crew incl.) im Gebäude 9 zum ersten Mal gesehen hatte. Und die Freude wurde nicht enttäuscht, die halbe Stunde war hoch unterhaltsam und zu kurz.

Setlist Pixies, Palladium, Köln:

01: Cecilia Ann (The Surftones Cover)
02: St. Nazaire
03: Rock music
04: Isla de Encanta
05: Brick is red
06: Break my body
07: Los surfers muertos
08: Caribou
09: Gouge away
10: On graveyard hill
11: Wave of mutilation
12: Planet of sound
13: Bird of prey
14: Nimrod's son
15: Ready for love
16: The holiday song
17: Here comes you man
18: Motorway to Roswell
19: Cactus
20: No. 13 baby
21: I've been tired
22: Long rider
23: River Euphrates
24: Where is my mind?
25: All the saints
26: Ana
27: Death horizon
28: Vamos
29: Mr. Grieves
30: Daniel Boone
31: Velouria
32: Snakes
33: This is my fate
34: Catfish Kate
35: Winterlong (Neil Young Cover)
36: In the arms of Mrs. Mark of Cain
37: Havalina
38: Hey

39: Debaser (Z)

Setlist Blood Red Shoes folgt.

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pixies, Berlin, 18.07.16
- Pixies, Hilvarenbeek, 20.06.14
- Pixies, Barcelona, 30.05.14
- Pixies, Esch-sur-Alzette, 11.11.13
- Pixies, Brüssel, 02.10.13
- Pixies, Barcelona, 28.05.10
- Pixies, Frankfurt, 11.10.09
- Blood Red Shoes, Köln, 27.08.16
- Blood Red Shoes, Paris, 24.08.14
- Blood Red Shoes, Mannheim, 19.05.12
- Blood Red Shoes, Haldern, 14.08.10
- Blood Red Shoes, Köln, 23.03.10
- Blood Red Shoes, Paris, 09.12.09
- Blood Red Shoes, Frankfurt, 28.10.09
- Blood Red Shoes, Düsseldorf, 22.10.09
- Blood Red Shoes, Nijmegen, 19.07.09
- Blood Red Shoes, Köln, 04.11.08
- Blood Red Shoes, Highfield, 17.08.08
- Blood Red Shoes, Melt!, 18.07.08
- Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07


* "dazu" = Luxemburg
** Ich mag das wirklich!




Freitag, 28. Juni 2019

Paul Heaton & Jacqui Abbott, Köln, 27.06.19

2 Kommentare

Konzert: Paul Heaton & Jacqui Abbott
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 27.06.2019
Dauer: exakt 105 min, Matthew Austin 30 min
Zuschauer: voll



Als Paul Heaton irgendwann die Band vorstellte, bekam jedes Mitglied einen deutschen Fußball-Verein als Spitznamen, Jacqui war Bayern München, einer Ber Mönchengladbach, einer Leipzig, der tolle Bassist "der Geißbock" und er selbst der TuS Dietkirchen. TuS Dietkirchen ist ein Verbandsligist aus Limburg, mit dem der Sänger eine spannende Geschichte teilt. In seiner Kindheit hatte Paul an einem Jugendfußball-Turnier in Limburg teilgenommen, Jahre später - aber noch weit vor den Housemartins - war er mit Gitarre unterwegs durch Europa und wollte noch einmal Limburg sehen, lernte da einen Einheimischen kennen, man befreundete sich. Jahre später war der eine Popstar und der andere in leitender Position beim TuS Dietkirchen, also - das liegt ja auf der Hand - spielte Paul Heaton 2011 beim 100. Jubiläum des Fußballvereins als Stargast. Das Konzert war spektakulär, es war das vermutlich erste, das ein relevanter Popmusiker in einem Bierzelt spielte. Neben vielen Housemartins-Stücken spielte Paul auch einige Beautiful-South-Lieder, obwohl einer seiner männlichen Kollegen die weibliche Stimme singen musste.


Die Housemartins (zu jung) und The Beautiful South (Konzert-Sabbatical-Jahrzehnt) habe ich nie live gesehen, die beiden Konzerte in den vergangenen Jahren mit Paul (mein erstes war beim Latitude-Festival 2010) waren aber so gut, daß die Nachricht, daß Pauls Tour gemeinsam mit Beautiful-South-Kollegin Jacqui Abbott auch nach Deutschland kommen würde, bei mir sofortige Kaufreflexe erzeugte. Der erste Vorfreude-Dämpfer war die Halle - die Live Music Hall gehört nicht zu meinen liebsten 50 Kölner Konzertstätten - der zweite die Hitzewelle. Heiße Konzerte in nichtklimatisierten Sälen sind die Hölle, in der Live Music Hall ganz besonders. Fast hätte ich mich gegen diese Tortur entschieden, schlauerweise (sprich: Herz und nicht Hirn entschied) ließ ich das bleiben.


Die erste halbe Stunde gehört einen Singer-Songwriter mit E-Gitarre. Matthew Austin kommt aus Manchester, lebt in München und machte Musik, die mich nicht erreichte. Vermutlich lag das an der Hitze. Zu der sie aber ganz gut passte, sie hatte nämlich einen starken Americana- und Wüsten-Einschlag. Aber ich war ja wegen der Popmusik da.

Zu Lebzeiten der Housemartins und von The Beautiful South konnte man guten Gewissens sagen, man höre das, was im Radio läuft. Da waren sie nämlich allgegenwärtig. Heute kann man das allenfalls in "das, was im Deutschlandfunk läuft" abwandeln, ohne sich als Musikfeind zu outen. Schon in den letzten Tagen schwirrten mir ununterbrochen Songs aus Pauls Hand durch den Kopf (ununterbrochen stimmt nicht ganz, dazwischen kamen oft die B-52's). Das Konzert fing allerdings nicht mit einem der Überhits an, als Jacqui und Paul (mit einer Jacke) auf die Bühne kamen, stimmten sie zunächst Old Red Eyes is back an. Begleitet wurden die beiden von einem Gitarristen, einem Bassisten, einem Keyboarder und einem Schlagzeuger, ab Rotterdam (or anywhere) kamen eine Trompeterin, ein Posaunist und ein Saxophonist dazu.

Während die Hitze uns und Jacqui sichtbar zu schaffen machte (sie wirkte insgesamt angeschlagen und setzte sich gegen Ende des Konzerts immer wieder hin), kommentierte Paul, es sei "shorts weather - kurze-Hosen-Wetter", er hasse das, vor allem kurze Hosen. Nicht nur musikalisch ein Vorbild. Der Sänger ließ seine Jacke konsequenterweise an und störte sich nicht an den Sauna-Temperaturen (die LMH hat keine Klimaanlage und muß verständlicherweise die Türen während der Shows schließen). Anders als in England hatten sie Securities genug damit zu tun, Handy-Videos zu verhindern (auch ich hörte ein "Filmen verboten!" als ich mit meinem Fotoapparat Fotos machte), um Wasser zu verteilen, das ist leider in deutschen Konzertsälen so gar nicht bekannt, daß Wasser im Sommer nicht nur ein schöner Service sondern u.U. eben auch weniger Arbeit ist, wenn man keine umklappenden Menschen raustragen muss. Jacqui bot von der Bühne aus Wasserflaschen an, sie sah das wohl ähnlich. Vor den Zugaben verteilte dann ein Ordner fünf (!) Flaschen an die rechte Saal-Hälfte.



Das Konzert war die Liveumsetzung von Pauls neuer Platte (2018) The last king of pop. Nur die letzte Zugabe stammte nicht vom Album The last king of pop, das Lied The last king of pop.

Auch wenn die Setlist keine Überraschungen enthielt - sie spielen jeden Abend das gleiche Programm - war der Abend (musikalisch) perfekt. Bei Wikipedia steht unter "Pop-Perle": "erfunden von Paul Heaton." In den meisten Fällen hätte es die Blechbläser nicht gebraucht. Eigentlich reichen Jacquis und Pauls Stimmen. Hatte ich am Vorabend schon das Glück, noch einmal Kate Pierson und Fred Schneider live zu hören, war es gestern wieder so ein Stimmen-Paar, das man aus jeder Menge heraushört. Hymnen wie Happy hour, Good as gold (stupid as mud) sind brillante Pophits, Pauls bezw. die beiden Stimmen machen sie aber einzigartig.

Trotz der Hitze vergingen die eindreiviertel Stunden rasend schnell. Paul redete auch nicht schrecklich viel, am wichtigsten war ihm die Frage nach dem Zwischenstand des Viertelfinales zwischen England und Norwegen (3:0 am Ende).

Ich hoffe sehr, daß Paul schneller als in acht Jahren wieder nach Deutschland kommt, es gibt noch so viele seiner Songs, die ich dringend einmal live hören will. Er kommt das nächste Mal im Winter, versprach er. The last king of pop eben!

Setlist Paul Heaton & Jacqui Abbott, Köln, 27.06.19

01: Old Red Eyes is back (The Beautiful South)
02: Me and the farmer (The Housemartins)
03: Moulding of a fool
04: I gotta praise
05: Build (The Housemartins)
06: I don't see them
07: D.I.Y.
08: Prettiest eyes (The Beautiful South)
09: Rotterdam (or anywhere) (The Beautiful South)
10: 7" singles
11: The austerity of love
12: Flag day (The Housemartins)
13: Real hope
14: Manchester (The Beautiful South)
15: She got the garden
16: Don't marry her (The Beautiful South)
17: Good as gold (stupid as mud) (The Beautiful South)
18: A little time (The Beautiful South
19: Perfect 10 (The Beautiful South)

20: Poems (Z)
21: Happy hour (The Housemartins) (Z)
22: You keep it all in (The Beautiful South) (Z)

23: Song for whoever (The Beautiful South) (Z)
24: The last king of pop (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Paul Heaton, Limburg, 12.06.11


Dienstag, 25. Juni 2019

The Screenshots, Köln, 23.03.2019

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Konzert: The Screenshots
Ort: MTC
Datum: 23.03.2019
Dauer: 60min
Zuschauer: ca.150
Meine Damen und Herren, lassen Sie sich nicht täuschen. Die erste "Twitter"-Band des Landes. Susi Bumms am Bass, ein Webauftritt ohne Fotos. Alles egal. 

Bei ihrer ersten Kurztour durch drei deutsche Städte macht eine fast ganz normale Band im MTC zu Köln einen tollen Auftritt. Selbst ich hätte irgendetwas Verrücktes erwartet, Papiertüten über dem Kopf oder so. Gab es nicht, auch gut. Aber beginnen wir die Geschichte von vorne. 

Das Einzige, was an der Vita der Band zu stimmen scheint, sie kommen aus Krefeld, und haben bisher verschiedene (Kurz)-Alben auf Vinyl und Online veröffentlicht sowie einen schönen Auftritt bei Böhmermann absolviert (natürlich auch ohne ihre Gesichter zu zeigen). 

The Screenshots - Neo Magazin Royale

Klingt alles so, als benötigten The Screenshots viel Aufmerksamkeit, die von ihrer Musik erstmal ablenkt. Das Gegenteil ist der Fall. Die Songs sind so aufregend und frisch, wie lange nichts mehr aus Deutschland. Sowohl politisch als auch witzig, Ironie und dicke Hose, Texte ohne Reimlexikon und trotzdem tolle Melodien, nicht verkopft sondern so, wie Jugend klingen soll.

Hier sind wir richtig. 

Wer Songs wie "Google Maps", "Europa" oder "Vorbei" gehört hat, ist sofort um einige Lieblingssongs reicher. Das sehen wohl auch viele im MTC so. Selten sah man in letzter Zeit eine noch fast unbekannte Band, die ein so text sicheres Publikum vorweisen konnte. 

The Screenshots - Vorbei

Mutig und wild präsentieren sie ihr bisheriges Werk, nachdem das perfekte 80er Jahre Einlauftape verklungen ist. Und daher ist auch die ganze am Anfang beschriebene Masche Makulatur. Auf der Bühne stehen sie da wie eine echte Band, ohne Twitter, Masken oder doofe Namen. 

Die Zeit online - The Screenshots - Band des Frühjahrs

The Screenshots spielen im Sommer einige ausgewählte Festivals und kommen im späten Herbst auf eine weitere, größere Tour. 



Nicht nur die Band des Frühjahrs, die Band des ganzen Jahres. Ich kann nur bestätigen: "Ein starkes Team". 


Dienstag, 7. Mai 2019

Tocotronic, c/o pop Festival, Köln, 03.05.19

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Konzert: Tocotronic
Ort: Philharmonie, Köln
Datum: 03.05.2019
Dauer: 105min
Zuschauer: 1800 ausverkauft


Alles neu bei der c/o pop. Der Termin im Mai ist gut gewählt, die Konzentration auf Ehrenfeld, mit einem breiten Kultur- und Musikprogramm sinnvoll. So ist der Weg geebnet, fast ohne Pause im Jahr, Monat für Monat Festivals besuchen zu können. 

"Neu ist immer besser" sagt schon Barney Stinson, aber Gutes muss auch bewahrt werden. So sind Konzerte in der Kölner Philharmonie immer etwas besonders. Vor allem, wenn es sich um Künstler handelt, die sich sonst vornehmlich in dunklen Clubs und Hallen die Zeit vertreiben. 

Tocotronic für diesen Rahmen zu wählen, war jedenfalls für beide Seiten ein großer Gewinn. Die Band genoss das ausverkaufte Haus in vollen Zügen, die Zuschauer dankten es mit träumerischer Stimmung unter dem riesigen Diskoball des hohen Hauses. 


Der Aufbau des Konzertes ist nicht weniger berührend. Nach dem soften Opener "Die Idee ist gut..." folgt zunächst Hit auf Hit, Single auf Single. Zunächst überlegt man, was soll da später noch folgen, als Dirk Solo an der Gitarre das todtraurige "Unwiederbringlich" präsentiert.

Der Song ist bereits während der ganzen Tour im Set, aber so emotional habe ich es noch nie erlebt. Die Halle ist stumm, keine Zwischenrufe stören den Moment, danach minutenlanger Applaus und eigentlich ist damit der offizielle Teil bereits beendet, so hat man den Eindruck. 

Denn jetzt folgt ein ausuferndes "wie spielen, worauf wir Lust haben", angeführt von zwei punkigen Songs, über ein minutenlanges Solo von Rick bei "Nach Bahrenfeld im Bus", bis zu einer schnelleren Version von "Mein Ruin" und den Postrockanleihen von "Explosion". 


Viele verlassen bereits den Saal, als nach drei Zugaben bereits die betörende Ingrid Caven ihre Ballade der "großen, weißen Vögel" anstimmt, als die Band erneut für "Die Unendlichkeit" die Bühne betritt. Ein großer Abend.      

           


Samstag, 10. November 2018

Black Honey, Köln, 08.11.2018

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Konzert: Black Honey
Ort: MTC, Köln
Datum: 08.11.2018
Dauer: ca. 65min.
Zuschauer: ca.100


Black Honey sind mir 2017 irgendwann aufgefallen, weil ihr Song 'All My Pride' ziemlich oft im Radio lief. 

Black Honey - All my Pride - Live - The Great Escape



Ich hatte mich sofort auf die Suche nach entsprechendem Tonträgermaterial gemacht, wurde aber ziemlich enttäuscht, da es bis zu diesem Zeitpunkt nur 2 EPs (Black Honey,2014 und Headspin, 2016) gab und diese nicht im Handel erhältlich waren.

Einem namhaften Streamingdienst sei Dank, dass man die bisher veröffentlichten Songs wenigstens dann so hören konnte. Im November 2017 konnte ich sie dann das erste Mal als Vorgruppe von Royal Blood, im Kölner Palladium sehen. 

Die Band aus Brighton, um die Frontfrau Izzy B. Phillips, konnte mich da schon völlig überzeugen. Im Juli 2018 wurde dann endlich die Debut-LP und Tour von Black Honey angekündigt. Limitiertes Doppelvinyl bei BSI bestellt und Karte für das Konzert im Kölner MTC.


Die Doppel-LP ist leider nie bei mir angekommen, aber mir wurde mein Geld wenigstens zurückerstattet. Beim Einlass im MTC wurde ich gefragt, wann ich das Online-Ticket gekauft habe, ich stand nämlich nicht auf deren Liste der Online-Karten. Ich wurde trotzdem eingelassen. Die Vorband (Pins) hatte ich verpasst

Um 21:10 legten Black Honey los. Publikum war mit ca. 100 Leuten leider etwas übersichtlich, aber Izzy freute sich, dass die Leute Spaß hatten und das sie nun endlich ihre Headline-Tour hatten. Ich wünsche der Band noch einiges an Zuwachs. 

Es gab Nebel und viiiieeel blaues Licht und ab und zu auch mal rot und grün. Der Sound war super, was mich bei solchen Orten immer wieder begeistert und verwundert. Gitarrenmusik ist nicht out, darum gab es auch direkt 2 Gitarren. Die gespielten 16 Songs gingen alle gut vorwärts und Izzy. Mit ihrer wilden, blonden Mähne und später verwischtem Lippenstift wirkte sie ein wenig wie Duffys irre Schwester. 


Beim Merchandise gab es schon wieder keine LPs und CDs, lediglich ein paar 7". Die wurden gekauft und von Izzy signiert. Schöner Abend. 

Setlist: 

01: I Only Hurt The One I lOve
02: Madonna
03: All My Pride
04: Bad Friends
05: Dig
06: Somebody Better
07: Crowded City
08: Blue Romance
09: Just Calling
10: Into The Nightmare
11: Spinnig Wheel
12: What Happened to you
13: Baby 
14: Hello Today 
15: Corrine 
16: Midnight 

Bilder MTC Köln, 8.11.2018:
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10205228706114214&type=1&l=0a27b8219a 

Bilder Palladium Köln, 11.11.2017:
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10203926288954599&type=1&l=357ed4e803

Text und Fotos: Michael Graef


Sonntag, 21. Oktober 2018

Chilly Gonzales, Köln, 18.09.2018

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Konzert: Chilly Gonzales
Ort: WDR Sendesaal, Köln
Datum: 18.09.2018
Dauer: 105 min.
Zuschauer: 650 ausverkauft



Öffentlich rechtlicher Rundfunk war ja mal eine tolle Sache. Mittlerweile entsteht leider der Eindruck, die WDR-Sender hätten zusammen nur eine Handvoll Lieder zur Auswahl, so austauschbar und einfältig ist die Musikauswahl der, bis dahin so unterschiedlichen Sender.

Einsame Höhepunkte im Programm gibt es aber weiterhin. Einer ist sicherlich die "Pop music masterclass" von Chilly Gonzales auf 1Live. Hier werden Popklassiker der letzten Jahre am Piano vom selbsternannten "musical genius" ohne Ironie zerlegt und in den klassischen Kontext gerückt.



Da müssen dann Brahms und Mozart Pate stehen, um die Melodiebögen von Taylor Swift zu erklären. Ein großer Spaß mit Anspruch.

Umso schöner, das sich 1Live und Gonzales entschlossen hatten, dieses Lehrstück nun auch einmalig im großen Sendesaal des WDR aufzuführen und zu übertragen. Überraschenderweise belässt es Gonzales aber nicht nur beim Pop, sondern lässt uns auch noch an diversen Stücken seines neuen Albums (Solo Piano III) teilhaben. 

Erstaunlich finde ich den Mut, als perfekter Pianist dem Genre noch ein neues Pianoalbum hinzufügen zu wollen. Aber Gonzales weiß eben zu gut, wie ein Song funktioniert und macht daher hier, sowohl als Lehrer wie auch als eigenständiger Künstler eine herausragende Figur. 

Obwohl ich selber kein Instrument spiele, und viele der Kniffe und Strukturen, die er hier zwischen Nirvana und Michael Jackson erklärt, nicht verstehe, ist es ein famoser Abend. 



Eine Cellistin begleitet den Meister und erweitert das Soundspektrum des Flügels sinnvoll. Dazwischen immer wieder die umwerfenden Stories und Erklärungen, wann war Musikunterricht schon einmal so unterhaltsam.

Tillmann Köllner (Moderator bei 1Live) sitzt ebenfalls mit auf der Bühne, warum weiß aber keiner so recht. Kürzen wir das Ganze hier ausnahmsweise ab. Es gibt noch die Gelegenheit, sich das komplette Konzert unter: Pop Music Masterclass - Live - Köln anzusehen. Nehmt euch die Zeit...

spielt am 15.12.2018 im Dortmunder Konzerthaus. Die beiden Konzerte am 28.+29.12.2018 in der Kölner Philharmonie sind bereits ausverkauft]


 

Konzerttagebuch © 2010

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