Samstag, 6. Juli 2013

Advance Base, Berlin, 4.7.2013

Konzert: Advance Base
Ort: Haus der Berliner Festspiele (Foyer) - Foreign Affairs
Datum: 4.7.2013
Zuschauer: ca. 200
Dauer: 60 Minuten



Do you think the songs suck it´s just because i´m sick.

Wieder zu später Stunde, mache ich mich auf den Weg zu meinem zweiten Konzert der Foreign Affairs Reihe. An diesem Abend gibt sich Advance Base (ehemals Casiotone for the Painful Alone) aka Owen Ashworth die Ehre.
Weil man es sich mit den diversen Kissen im Foyer sehr bequem machen kann, sind wir schon eine Stunde vor Beginn vor Ort. Das Licht ist deutlich gedimmt und als Hintergrundbeschallung hören wir die verstörenden Klänge von Dirty Beaches im Nebenraum. Die enden dann um kurz vor elf und ebenso pünktlich kommt Owen auf die aus Keyboards, Mischpult und sonstigen Spielereien bestehende Bühne.
Das Konzert wird eingeleitet mit seinem Hinweis, dass er krank sei und Fieber habe. 
Owen beginnt mit dem Lied David Allen. Mit dem Wissen um sein Fieber, bekommt das Lied von Trauer und Abschied eine ganz wehmütige und dramatische Note. Es hört sich so an, als würde jemand auf dem Krankenbett mit leicht gebrochener Stimme sein Leid klagen.
Es schließt sich Christmas in Oakland an. Ist das befremdlich? Mitnichten. Nicht bei ihm. Nicht an diesem Abend. Nicht an diesem Ort. 

on Christmas in Oakland 
we had a fling
you looked like an angel 
who´d lost lost its wings
with stars in our eyes
lying on mattress springs
we were beaming

Auch wenn New Gospel sich nach einem (für seine Verhältnisse) fröhlichen Lied anhört, so finden Themen wie Sinnentleerung, Alkoholismus und Doppelmoral darin ihr Zuhause. Ihn dabei so krank und angeschlagen alleine auf der Bühne zu sehen, schafft ein besonderes Ambiente.
Summer Music - wunderschön. Mit welch angenehm minimalistischen  Mitteln sich bei mir ein großer Kosmos öffnet. 

there's no comfort in sympathy
she's upstate with her family
I'm still at the same address
I still believe I could love her best

Es verwundert mich kaum, dass Owen an diesem Abend noch ein zweites Weihnachtslied spielt. Zwischendurch fühle ich wie auf ein Kreuzfahrtschiff und der Barpianist lässt zu sehr später Stunde vor ausgewähltem Publikum seinen Gefühlen freien Lauf. Es ist nicht merkwürdig. Es ist besonders.
Nach Goldfish in a Robin´s Nest (welches er seiner Tochter widmet), folgt My Sister´s Birthday. Auch wenn Owen keine Schwester hat.

oh 
when we were kids 
she stuck up for me
when no one else did

Es ist mein persönlicher Höhepunkt des Abends. Danach thematisch passend The Sister You Never Had. Das Publikum lauscht das Konzert über gebannt, gespannt, entspannt und angerührt seiner Melancholie. 
Ob wir Fragen an ihn hätten? Besorgt äußert sich das Publikum um seinen Gesundheitszustand. Aber es ist noch nicht an der Zeit, ihm beim Sterben zuzuschauen. Und das dritte (bislang unveröffentlichte) Weihnachtslied hält Einzug. Christmas in Milwaukee. Wenn ich Owen so anschaue, so erinnere ich mich gerne an die ruhigen und frühen Lieder der Eels. Es gibt da auch eine optische Ähnlichkeit.
Um es für Pamela ein wenig "spooky" zu machen, wird das Licht nun fast komplett gedimmt. Ob sich Owen so kurz vor Konzertende so schwächlich fühlt, dass er sich dem Himmel nah fühlt? Oder wieso sonst sollte er Stairway to Heaven einfließen lassen.

Seine Schwermut erdrückt nicht. Sie umschließt. Mal in Watte, mal in Laken, mal in Decken. Aber ich fühle mich nie bedrängt. Ein wunderschöner Konzertabend. Danke Owen Ashworth!
Leider sind zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Deutschlandkonzerte geplant.





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