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Montag, 8. Juli 2013

Tom Tom Club, Köln, 08.07.13

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Konzert: Tom Tom Club (King Ludwig special)
Ort: Museum Ludwig
Datum:08.07.2013
Zuschauer: gut 200 (ausverkauft)
Dauer: Tom Tom Club 95 min, Alexander's Festival Hall 35 min



Sagenhaft, was die beiden King Georg Macher André Sauer und Jan Lankish gemeinsam mit dem Museum Ludwig da auf die Beine stellen. Nach Scout Niblett und Kim Gordons Body/Head standen heute mit dem Tom Tom Club zwei der Gründungsmitglieder der Talking Heads auf der Terrasse des Kölner Museums. Ich hatte mich ehrlich gesagt vor allem auf die entspannte Atmosphäre gefreut, an einem Sommerabend ein nettes Konzertchen zu erleben. Wenn es musikalisch nichts wäre, könnte ich immerhin den Dom anhimmeln. Denn meine Erwartungen an den Tom Tom Club waren nicht sonderlich hoch. In ein paar Wochen sehe ich erstmals die B-52's, die vor 25 Jahren für mich den Heldenstatus hatten, den der Tom Tom Club für viele der King Ludwig Besucher offenbar hatte. Seit ich mir ein sündhaft teures Ticket für die B-52's gekauft habe, bin ich hin- und hergerissen, ob das nicht ein großer Fehler war, ob der Abend in Bonn nicht furchtbar schrecklich wird und mein Bild von dieser früheren Lieblingsband ausknocken wird.

Beim Tom Tom Club war das Risiko minimal. Ich kannte zwar dessen Hits Wordy Rappinghood und Genius of Love aber auch nicht viel mehr. Der Platz für die verrückte Indiedanceband war damals eben fest an die B-52's vergeben - trotz aller Liebe zu den Talking Heads.

Das ging mir alles durch den Kopf, als ich auf das Vorprogramm wartete...

Und das ist natürlich großer Unsinn, weil mich der einzige Gedanke beschäftigte, den man mit Blick auf den Sonnenuntergang hinter dem Dom haben konnte - näh is dat schön! 

Kurz nach halb acht begann das Programm mit Alexander's Festival Hall aus London. Irgendwo (also bei Facebook) hatte ich gelesen, die Band um Sänger Alexander Mayor klinge wie The Divine Comedy - und das traf es sehr gut. Die fünf in sommerlich-helle Hosen und weiße Hemden gekleideten Briten* spielten ähnlich melancholisch-schönen Dandy-Pop. Jarvis Cocker in langsamer. Das gefiel mir ausgezeichnet. Alexander sang über Gemälde, über einen Freund, der seine Dates immer in Schlössern traf, über Verheiratetsein und über die Berliner Pfaueninsel. Peacock Island war das schönste Stück des wundervollen Vorprogramms (gibt es hier). Sehr toll war aber auch All the great last lines, vor dem Alexander erzählte, daß eine Katze letzte Nacht an ihrem Fenster vorbeigeflogen sei, "auf ihrer letzten Reise". Über ihre letzten Worte könne man nur spekulieren.

Ein wundervolles kurzes Konzert, das deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätte! Jenseits der Musik gefiel mir besonders der zweite Gitarrist im hellblauen Sommeranzug. Er trug einen Hut, der ihm beim Gitarrenwechsel ein paar Probleme bereitete. Hut ab, Gitarre runter, Hut wieder auf, neue Gitarre greifen und über die Schulter legen, Hut ab, Gitarre umhängen - wunderbar schrullig!

Setlist Alexander's Festival Hall, Museum Ludwig, Köln:

01: The life backstage
02: Upturned
03: Peacock Island
04: I'm gonna get married
05: Loyalty*
06: You're becoming the reason
07: All the great last lines
08: I don't want to get crazy every night

Als Tina Weymouth und eine zweite Sängerin in kurzen Glitzer-Kleidchen auf die Bühne kamen, stieg meine Angst. Eine 60jährige mit Mädchenfrisur, die hüpft, als sei sie 18, das beschreibt meinen B-52's Albtraum ganz gut. Allerdings war der hier sofort weg. Es passte einfach alles. Oder wie Tina später in einem anderen Zusammenhang sagte: "a lesson for Lady Gaga from Mama Gaga!"

Tom Tom Club sind in der aktuellen Besetzung Tina Weymouth (Bass und Gesang), ihr Mann Chris Frantz am Schlagzeug, Gitarrist Pablo Martin, Sängerin Victoria Clamp, Keyboarder und Perucussionist Bruce Martin sowie Kid Ginseng, Chris' und Tinas Sohn an den Turntables. Nicht nur wegen des gleichen Nachnamens sind die Martins sicher Brüder, sie gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Allerdings betonten Chris und Tina mehrfach, Pablo stamme aus Buenos Aires - hmmm.

Der Auftritt der lustigen Truppe machte vom Start weg enormen Spaß! Victoria und Tina tanzten und hüpften, als seien sie noch im CBGB und nicht auf dem Dach des Hauptmuseums der Sammler, die zu Andy Warhols Weltruhm massiv beigetragen haben.

Nichts an dem Auftritt wirkte peinlich oder aufgesetzt. Die Musiker strahlten und hatten ganz offensichtlich Spaß an ihrem Konzert. Der Tom Tom Club hat in letzter Zeit nicht viele Konzerte gespielt, ein paar in Großbritannien (u.a. Glastonbury), Paris und Amsterdam, Frankfurt in der vergangenen Woche wurde abgesagt. Umso toller, daß es die Chance gab, die Band in Köln zu sehen!

Ganz besonders viel Spaß hatte Gitarrist Pablo. Er grinste wie ein Honigkuchenpferd. Ganz besonders viel Spaß hatte er, als sein Techniker sich zwei, drei Lieder lang abmühte, zwei Saiten auf eine Gitarre aufzuziehen. Pablo guckte immer wieder lachend und feixend rüber, das rote Instrument kam aber wohl gar nicht mehr zum Einsatz.

Der Tom Tom Club spielte ein paar Stücke der aktuellen Platte Downtown rockers (das Titelstück über die beiden Manhattener Clubs CBGB und Max's ist großartig!), viele alte Stücke und ein paar Cover. Under the boardwalk, das Tom Tom Club als Single veröffentlicht hatten, war toll, erstaunlich viel taugte aber die You sexy thing Version des Clubs. Mit dem Hot Chocolat Original kann man mich jagen (das ist der Final Countdown der Tanzmusik), das Cover, das auch auf einer der Studioplatten ist, war klasse!

Spätestens ab Genius of love wurde es eine Tanzveranstaltung (mit Vortänzer Jan). Mit Abstand das beste Stück des Abends war Wordy Rappinghood. Als dann die ersten Takte von Psycho killers angestimmt wurden, kamen sie wieder, meine Ängste. Aber auch hier waren sie weitestgehend unbegründet. Natürlich ist es ein Sakrileg, das Stück anders als im Original zu spielen, die halbe Talking Heads Version hatte aber Charme! 

Say something once, why say it again? Weil es ein toller Abend war. Danke für diese Konzertreihe! Moon Duo's next...

Setlist Tom Tom Club, Museum Ludwig, Köln:

01: Who feelin' it
02: She's dangerous
03: Punk Lolitas
04: The man with the 4-way hips
05: L'elephant
06: Under the boardwalk (The Drifters Cover)
07: Suboceanic
08: Kissin Antonio
09: On, on, on, on...
10: Won't give you up
11: Kiss me when I get back
12: Genius of love
13: You sexy thing (Hot Chocolate Cover)
14: Wordy Rappinghood
15: Downtown rockers
16: Take me to the river
17: Psycho killers (Talking Heads)


mehr Fotos folgen! 

* thanks, Alexander!



Mittwoch, 19. Juni 2013

Body/Head, Köln, 18.06.13

3 Kommentare

Konzert: Body/Head
Ort: Museum Ludwig, Köln (King Ludwig #3)
Datum: 18.06.2013
Zuschauer: rund 200 (ausverkauft)
Dauer: Body/Head 40 min, Mike Donovan 30 min



Nach dem Konzertende hatte ich jetzt gut anderthalb Stunden Zeit, über den Abend nachzudenken. Ich hasse das, weil sich Konzertberichte eigentlich während der Show schreiben und hinterher nur getippt werden müssen. Sobald ich über das Konzert nachdenken muß, wird mir alles viel zu kompliziert. Musik muß man mit dem Körper, nicht mit dem Kopf* erleben.

Body/Head ist die neue Band (oder das neue Projekt) von Kim Gordon. Ich habe leider Sonic Youth nie gesehen, mittlerweile ist das eine der drei wichtigsten Bands, die ich nie live erlebt habe. Daher weiß ich bei vielem heute nicht, ob Kim Gordon bei ihrer alten Gruppe ähnlich aufgetreten ist wie heute.

Die Indie-Heldin sah schlecht aus. Auch das muß ich näher beschreiben. Natürlich sieht Kim für eine 60jährige Frau nicht partout schlecht aus, sie ist schlank (an den Armen viel zu abgemagert), sie sah aber ausgemergelt und gebrechlich aus, hatte strohige Haare und sicher nicht wegen der tiefstehenden Sonne eine Brille auf (zumal sie nach Osten guckte).

Das Konzert fing um fünf nach neun an und war viel weniger anstrengend, als wir es uns vorher ausgemalt hatten. Kim sprach / sang in ein stark verzerrtes Mikro, hatte über große Teile nur "wah wah"** als Text. Das Stück (sofern es nur eines war) könnte durchaus auch eine Improvisation gewesen sein. Während es sich so hinentwickelte, passierte immer mal wieder etwas. Kim spielte ihre Gitarre mal mit einem Trommerschlägel, mal mit dem Mikro. Irgendwann drehte sie sich zur Efeu-Wand um und strich die Gitarre über das Laub und schließlich an den Zaundrähten entlang.


Dazu spielte Bill Nace eine zweite Gitarre. Obwohl er über lange Strecken nur sehr überschaubare Rhythmen spielte, bewegte er sich dabei wie ein großer Rockstar. Das wirkte ein wenig bizarr. Aber bizarr war heute vieles.

Das Schlagzeug bediente Ikue Mori, eine seit Jahrzehnten in New York lebende Japanerin. Ihrem Spiel hätte ich gerne länger zugesehen, weil es packend war. Das wollte ich irgendwann im Verlaufe des Konzerts näher beobachten. 

Und da war es ganz plötzlich schon vorbei. "Thanks", nach exakt 25 min und nach einem Stück. Der erste Applaus war also gleichzeitig der letzte!

Gestern habe ich vom Auftritt von Low bei einem Festival in Minneapolis gelesen, bei denen die Band ein Stück 27 min lang gespielt hatte und dann von der Bühne gegangen war. Ob Kim Gordon das auch gehört hatte? 

Body/Head kamen allerdings nach ein paar Minuten zu einer Zugabe zurück. Das Stück hatte ein wenig mehr Text, viel mehr Samples als das erste, einen kurzen Auftritt einer Mundharmonika und viele Geräusch, die wie dieser "singende" Straßenbelag klangen, der vor Kurven oder dem Verlassen der Spur warnen soll. Das hört sich speziell an? So war es auch. Allerdings waren die am Ende mit Pause dann 40 min viel weniger kompliziert anzuhören, als ich mir ausgemalt hatte. Wenn ich nicht Kim gegenüber sehr positiv eingestellt wäre, hätte ich das kurze Konzert vielleicht als banal empfunden. Aber hey, das war Kim Gordon, die da gerade die Gitarre durch den Zaun steckte!

Es war spannend, dieses Projekt einmal zu sehen. Dafür erneut ein großer Dank an das Team vom King Georg (Jan & André) und das Museum Ludwig, dessen Direktor Dr. Phillipp Kaiser eine kurze Begrüßung sprach. Aber es war eben auch mehr speziell als hervorragend.

Auch wenn ich viel über den Abend gegrübelt habe, ist der Bericht wirr geworden, das weiß ich. Am Ende setzt sich eben doch mehr der Körper als der Kopf durch. Und der spricht wirr.

Setlist Body/Head, King Ludwig #3, Museum Ludwig, Köln:

01: Lied 1

02: Lied 2 (Z)

Das Vorprogramm bestritt erneut Mike Donovan von Sic Alps. Das packte mich heute weniger als vergangene Woche vor Scout Niblett. Neben einigen Stücken seiner Band Sic Alps spielte Mike Sololieder, deren Titel ich leider nicht kenne.

Setlist Mike Donovan, King Ludwig #3, Museum Ludwig, Köln:

01: Kid (neu)
02: Nathan Livingston Maddox (Sic Alps)
03: Sing song waitress (Sic Alps)
04: Who has time to protest (Sic Alps)
05: ? ("all that I need is right here in front of me") 
06: Breadhead (Sic Alps)
07: ? ("long distance dream")
08: CO/CA (Sic Alps)
09: ? ("she collects the magazines")
10: ? ("mirror in your face")

* mit dem Inneren des Kopf, also mir jetzt nicht mit Ohren und Augen kommen!
** oder so




Montag, 10. Juni 2013

Scout Niblett, Köln, 09.06.13

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Konzert: Scout Niblett
Ort: Museum Ludwig (King Ludwig #2)
Datum: 09.06.2013
Zuschauer: ausverkauft (gut 200)
Dauer: Scout Niblett gut 80 min, Mike Donovan 30 min



"It's louder than the thunder that I use as my drum" - und danach mussten Scout Niblett und Schlagzeuger Jan Phillip Janzen lachen. Der Himmel über Dom und Museum Ludwig wurde immer düsterer, nachdem die Britin ihr Konzert kurz nach halb neun begonnen hatte. Irgendwann nach zwei, drei Stücken fing der Donner an, der aber nur in den Liedpausen zu hören war. Scout war eben lauter als das ferne Gewitter.


Einen Künstler dreimal in zwei Wochen zu sehen, ist nicht originell. Ich hatte Emma und ihre beiden Begleiter Jan und Miguel Ortiz Caturani beim Maifeld Derby und vor ein paar Tagen in Duisburg gesehen. Das Konzert im Café Steinbruch war allerdings nicht eingeplant und ein Spontanentschluß. Als ich heute vor meiner Abfahrt nach Köln las, daß wegen der dürftigen Wetterprognose vom Dach des Museums ins Kino umgezogen werden müsste, war ich unsicher, ob es eine gute Idee war, Scout Niblett heute noch einmal zu sehen. Das Besondere des Konzerts, die Kulisse des Doms hinter der Bühne und die herrlich entspannte Atmosphäre der King Ludwig Konzerte würde schließlich fehlen. 


Auf dem Weg vom Parkhaus durch die Passage des Römisch-Germanischen Museums hörte ich Scouts Soundcheck. What can I do war so laut und deutlich zu hören, daß es von Dach und nicht aus dem Ausweich-Saal kommen musste. Und richtig, die Organisatoren hatten, nachdem der Deutsche Wetterdienst sie noch einmal angerufen hatte und mitgeteilt hatte, daß der Regen am Dom vorbeiziehe, entschlossen, wieder aufs Dach umzuziehen.


Es lag aber dann nicht nur am Dom, daß es mein bestes Scout Niblett Konzert bisher wurde! Es lag an so vielem. Zusätzlich zur Tourband (Miguel und Jan) spielten zwei Streicher (Lola Rubio, Geige und Ruben Palma, Cello) bei einigen der Stücke mit. Ich hatte vorher meine Zweifel, ob das zur roh klingenden Musik der Britin passen könnte - wieder einmal ein Beleg dafür, daß ich wenig Ahnung von Musik habe. Als Lola und Ruben in der Mitte von Can't fool me now einstiegen, war das phänomenal schön. Ich hoffe, das war auf dem ganzen Dach zu hören, wir saßen gut* und kamen in den vollen Orchester-Genuß!


Begonnen hatte der Abend mit Mike Donovan von Sic Alps. Im Kino wäre mir ein Vorprogramm heute vermutlich auch lästig gewesen, auf der Terrasse mit "Blick op de Dom" sitzend in herrlich entspannter Umgebung machte mir dies gar nichts aus. Und siehe da, es gefiel mir sogar gut. Mike Donovan passte musikalisch sehr viel besser zu Scout, als ich das im Ohr hatte. Sein Programm, das viele Lieder seiner Sic Alps spielte und einige, die ich nicht erkannte, und die vermutlich von seinem kommenden Solo-Album stammen, war nicht nur gut, es war auch kurzweilig, was an einem Sonntag-Abend eine Hauptqualität ist. Daß Mike auch den nächsten King Ludwig Abend (Body/Head), rechtfertigt ein pünktliches Kommen.

Setlist Mike Donovan, King Ludwig #2, Museum Ludwig, Köln:

01: Nathan Livingston Maddox (Sic Alps)
02: Sing song waitress (Sic Alps)
03: ? ("she's just a kid")
04: Who has time to protest? (Sic Alps)
05: Breadhead (Sic Alps)
06: Sick bell
07: A story over there (Sic Alps)
08: CO/CA (Sic Alps)
09: ? ("she shot the pictures"
10: ? ("she collects the magazines")
11: ? ("in your eyes I see")**


Beim Vorprogramm hatte man im Hintergrund noch einige Gespräche gehört, beim Konzert von Scout Niblett war es oft andächtig still. Außer ein paar Vögeln und dem Donner hörte man zunächst nur Emma und ihre Gitarre. Der Ablauf des Abends war wie gewohnt: erst Scout solo (My beloved und Duke of anxiety), dann All night long mit Schlagzeuger Jan und ab Gun dann auch mit Gitarrist Miguel.


Und  wieder gefiel mir ganz besonders, wie effektvoll das knallende Schlagzeug-Spiel ist. Natürlich waren auch die ersten beiden Stücke toll, Je mehr es rummste, umso besser wurde es aber. Das rausgerotzte Nevada, bei dem Emmas Gesang ähnlich kracht (doofes Bild, aber so klingt es nunmal) war mein Liebling heute. Was müssen wohl Passanten unter vor dem Museum geglaubt haben, wer da auf der Bühne steht? Sicher nicht eine zierliche englische Sängerin!

Die Streicher kamen bei drei, vier Liedern vor, bei My man und bei dem unfassbar schönen What can I do fielen sie besonders auf.


Und dann war da noch das Duett zwischen Emma und King Georg Booker Jan Lankish. "Jan, kommst Du bitte?" fragte die Sängerin. "Kann der singen?" fragte mein Nachbar. Er konnte - und Emma und Jan sangen Emmas TLC Cover No scrubs

All das - und der Dom - machten den Abend zu einem besonderen und das Konzert zu meinem besten mit Scout Niblett!


Da tat es heute dann auch nicht eine einzelne Zugabe. Nach dem erwarteten Kiss spielte die Band noch Could this possibly be. Und nur der Hinweis darauf, daß die Nachtwächter um 23 Uhr das Museum schließen würden, endete das Konzert nach Wolfie, das sie auf Zuruf spielte. "Wünsche?" - "Wolfie!" - "Das war einfach!"

Diese King Luedwig Konzerte bereichern die Kölner Konzertszene ganz gewaltig! Genau für solche Abende nehme ich gerne Augenringe und verständnisloses Umfeld hin.

Setlist Scout Niblett, King Ludwig #2, Museum Ludwig, Köln:

01: My beloved (solo)
02: Duke of anxiety (solo)
03: All night long
04: Gun
05: Second chance dreams
06: Can't fool me now
07: My man
08: Your last chariot
09: Nevada
10: Let thine heart be warned
11: No scrubs (TLC Cover) (mit Jan Lankish)
12: What can I do

13: Kiss (Z)
14: Could this possibly be (Z)

15: Wolfie (solo) (Z)
 

Termine:

- King Ludwig #3 (Body/Head): 18.06.13
- King Ludwig special (Tom Tom Club): 08.07.13
- King Ludwig #4 (Moon Duo): 23.07.13
- alle Informationen auf der Website des King Georg

Links:

- Scout Niblett, Duisburg, 04.06.13
- Scout Niblett, Mannheim, 31.05.13
- Scout Niblett, Köln, 14.01.13
- Scout Niblett, Paris, 09.05.11
- Scout Niblett, Paris, 07.06.10
- Scout Niblett, Paris, 30.11.09
- Scout Niblett, Paris, 24.05.08
- Scout Niblett, Paris, 17.12.07



* auf Kölschkästen
** die Lieder, die fehlen, waren vermutlich Solostücke von Mikes kommenden Album


Samstag, 9. Juni 2012

Stephen Malkmus, Köln, 09.06.12

1 Kommentare

Konzert: Stephen Malkmus
Ort: Dach des Museum Ludwig, Köln
Datum: 09.06.2012
Zuschauer: 200 (ausverkauft)
Dauer: gut 55 min


Es war nicht bewußt so angesetzt, daß Stephen Malkmus um kurz vor halb fünf bereits aufgetreten ist. Es ist EM, die deutsche Gruppe spielt, Konzerte müssen sich also normalerweise unterordnen. Trotz der ungewohnten Zeit und des unsicheren Wetters - der Himmel über Köln war bewölkt, zum Teil düster bewölkt - hatte sich die Kölner Musikszene auf dem Dach des Museum Ludwig versammelt, um den mittlerweile in Berlin lebenden Pavement-Sänger komplett alleine zu erleben. Im August kommt er mit den Jicks ins Gebäude 9, heute war er solo angekündigt.

Warum auf der improvisierten Bühne trotzdem drei Gitarren standen, erklärte sich schnell. In der Terrassen-Ecke zogen sich zwei Männer Tücher vors Gesicht, griffen sich Instrumente und spielten vier Lieder als Vorprogramm. Mein erster Gedanke, daß die wie IRA Kampfhymnen klängen, bestätigte sich zu meiner Überraschung, da das zweite Lied von einer Belfast bakery handelte, und der Sänger, dessen Namen ich nicht kenne, das letzte den "dead comrades" widmete, bevor er sagte, sie sammelten später für die IRA. Vielleicht hatte ich das mit der IRA einfach zu laut gesagt...

Setlist Vorprogramm:

01: Two good men (Woody Guthrie)
02: Joe McCann (Christy Moore)
03: Jim Jones (Bob Dylan)
04: I forgive you all (Mark Stan Rogal?)

Stephen Malkmus hat für nichts gesammelt. Ich wüsste auch ehrlich gesagt nicht wofür. Der Kalifornier wirkte herrlich entspannt, er hatte Frau und Töchter dabei. Spötter würden vielleicht sagen, er könnte für Gesangsstunden sparen, aber denen spreche ich alle musikalische Ahnung ab.

Stephen Malkmus trat auf Einladung der King Georg Macher auf. Die Zusammenarbeit des Musikclubs mit dem Museum trägt den schönen Namen King Ludwig, unter dem noch zwei andere Veranstaltungen (Peaking Lights und Julia Holter) auf dem Dach stattfinden.

Es war mein erstes Konzert auf der Dachterrasse des Kölner Museums für zeitgenössische Kunst. Die einzigartige Kulisse mit dem Dom in Spuckweite macht Veranstaltungen dort ganz besonders. Der dramatische Dom wirkte durch die schnell vorbeiziehenden dunklen Wolken ganz besonders eindrucksvoll, blauer Himmel wäre langweilig gewesen.

Stephen Malkmus begann mit einem Carpenters Cover. Danach dauerte es eine Weile, bis ich Lieder erkannte. Fin machte den Beginn einiger Pavement-Lieder. Davor hatte Stephen Surreal teenager gespielt, ein (wohl unveröffentlichtes) Lied, das er mit den Jicks live spielt. Den Rest des Beginns habe ich nicht erkannt.

Die erste Unruhe entstand aber nicht weil es auch anderen so ginge. Da ging es um einen fehlenden Bus. Tochter Sunday, die einige Male "Daddy" rief, suchte ihr Playmobil Auto. Papa musste unterbrechen und Töchterchens Spielzeug rüberreichen. Es waren sehr viele Kinder auf der Terrasse, Stephens Kleinste mit Abendkleidchen war aber vorerst der Star.

Bis Trigger cut war das Programm geplant. Stephen guckte ab und zu auf sein Handy, auf seine papierlose Setlist. Danach fragte der Sänger nach Wünschen. Viele Songs (Cut your hair) lehnte er ab. "Das kann ich nicht spielen." Beim ersten gespielten Wunsch Give it a day ging Stephen irgendwann der Text aus. "I got pretty far!" Harness your hopes klappte gar nicht, dafür sei Rage life ja fast das selbe. Und Rage life war eines der tollsten Lieder des Mittags, daß Harness your hopes abgebrochen wurde, lohnte sich also sehr!

Etwas später hatte Lottie Malkmus, Sundays ältere Schwester ihren großen Auftritt. Sie sang ein Lied namens Balloons ("a unicorn jumping from cloud to cloud"), daneben stand der stolze Vater mit gezückter Gitarre.* Sehr niedlich!

Danach kam nur noch Unfair - und das Ende des kurzen Konzerts. Das hat alles viel Spaß gemacht und war so besonders, wie man es sicher vorher ausdenken konnte.

Setlist Stephen Malkmus, Museum Ludwig, Köln:

01: We've only just begun (The Carpenters Cover)
02: ?
03: Surreal teenager
04: ?
05: Blue arrangements
06: Fin (Pavement)
07: Heaven is a truck (Pavement)
08: Spit on a stranger (Pavement)
09: No one is (as I are be)
10: ?
11: Independence Street
12: Trigger cut (Pavement)
13: Give it a day (Pavement)
14: Shady lane (Pavement)
15: Harness your hopes (kurz) (Pavement)
16: Range life (Pavement)
17: Brandy (Looking Glass Cover)
18: Balloons (Lottie Malkmus)
19: Unfair (Pavement)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pavement, New York, 23.09.10
- Pavement, New York, 21.09.10
- Pavement, Nijmegen, 06.07.10
- Pavement, Paris, 07.05.10


* keine Bilder von den Töchtern.



Freitag, 13. Februar 2009

Sophia & Dear Reader, Köln, 12.02.09

5 Kommentare

Konzert: Sophia & Dear Reader
Ort: Museum Ludwig, Köln
Datum: 12.02.2009
Zuschauer: vielleicht 400


An Dear Reader kommt man zur Zeit nicht vorbei, wenn man sich für unsere Art von Musik interessiert. Natürlich war ich zunächst überzeugt, das große Interesse liege vor allem am ungewöhnlichen Heimatland der Band. Schließlich ist Südafrika bisher höchstens über ein paar Ecken mit Indie in Verbindung zu bringen (Leeds - Lucas Radebe - Kaizer Chiefs). Ich habe in den letzten Jahren mehr Bands aus der Türkei oder Koblenz als aus Südafrika gesehen (je eine). Als ich aber ihre Single Dearheart zum ersten Mal gehört habe, interessierte mich nur noch die Musik. Und der Wunsch, ganz schnell mehr davon zu hören.

Die Gelegenheit bot sich schnell, denn City Slang und Intro luden ins Museum Ludwig, um da Dear Reader gemeinsam mit Sophia zu präsentieren. Das klang schon sehr verlockend.

Durch das Foyer des zweitschönsten Kölner Museums bin ich schon oft gegangen, ohne es dabei näher wahrzunehmen. Ein kleiner Teil des länglichen und sehr großen Raums war bestuhlt, es wurde aber schnell deutlich, daß diese Stühle nicht ausreichen würden. Der Rest des Publikums stand hinter und neben den
Stuhlreihen. Einige wenige (wahrscheinlich aktuelle und ehemalige Musikjournalisten) standen in der anderen Ecke des Raums und tranken.

Dear Reader begannen. Die Band aus Johannesburg besteht aus Sängerin Cherilyn MacNeil, Bassist Darryl und Schlagzeuger Michael Wright. Im Mittelpunkt der aufregenden Musik steht Cherilyns irre tolle Stimme. Soweit ich das beurteilen kann, saß jeder Ton, es wäre aber auch egal, wenn nicht, denn Cherilyn war mitreißend! Der erste Song war schon einmal sehr schön, aber noch nicht besonders spektakulär. Das sollte sich schnell ändern.

Vor
Way of the world erklärte die Sängerin, daß ihnen nie jemand glaube, daß sie alles live singe, weil sie mit vielen Loops arbeiteten. Nichts davon käme aber von Band, alles werde live gemacht. Es war sehr gut, daß sie das erwähnte, denn die vervielfachte Stimme klang großartig und erzeugte aufregende Effekte! Und obwohl Way of the world schon fabelhaft war, kam das Highlight direkt danach: "Das ist unser Folklied, es heißt Bend" war maßlos untertrieben. Bend ist ohne Zweifel eines der schönsten Lieder, die ich kenne!

The same war auch alles andere als normal. Schlagzeuger Michael kam dafür nach vorne, richtete das Mikro mit großer Konzentration auf seine Körpergröße ein, er sollte also wohl das nächste Lied intonieren. Schon bei Bend hatte Michael mitgesungen. The same fing mit ein paar Lala-Passagen von Michael und Cherilyn an. Nach zehn Sekunden ging der Schlagzeuger aber wieder an seine Trommeln, als wäre nichts gewesen. Zum Schreien!

Nach der Single Dearheart (sehr schön aber bei weitem nicht das schönste Stück) und
Release me (toll! kann man auf myspace hören) wanderte Michael bei Sad one wieder. Er stand irgendwann an Darryls Keyboard, tippte zwei, drei Tasten - und ging ans Schlagzeug. Offenbar scheint er Leerlauf nicht zu mögen.

Danach erzählte Cherilyn eine niedliche Geschichte von Eisbären, in denen man sich perfekt verstecken könne; charmant wie alles an dieser Band. Das war Einleitung zum Schlußsong
Great white bear! Musikalisch gefiel mir Bend etwas besser, aber hey, das war ein Lied über Bären!

Eine ganz wundervolle Band, die hoffentlich noch viel mehr gehypt wird! Im April oder Mai kommen Dear Reader wieder nach Deutschland verriet mit
Darryl hinterher - übrigens der erste Grammy-Gewinner, den ich bisher gesprochen habe (für seine Arbeit als Tontechniker des Soweto Gospel Chors erhielt er 2007 den Staubfänger). Das Konzert ist gesetzt!

Setlist Dear Reader, Museum Ludwig, Köln:

01: Never goes
02: Way of the world
03: Bend
04: The same
05: Dearheart
06: Release me
07: Sad one
08: Great white bear

Hinter dem folgenden "Sophia String Quartett" verbarg sich dann Sophia-Kopf Robin Proper-Sheppard, begleitet von zwei Geigen, einer Viola und einem Cello. Für mich war es Sophia-Premiere, ich hatte die Band also auch noch nie in "klassischer" Besetzung gesehen.

Robin erschien nur mit akustischer Gitarre. Und offenbar mit sehr guter Laune. Diese ungewohnte Konstellation mit Streichern schien ihm wirklich Spaß zu machen, er war nämlich sehr redselig und trotz (nein, eher wegen) seiner wahnsinnig zynischen Art hoch unterhaltsam. "I'm not manic-depressive. I'm depressive. And I'm manic." Daß er so viel erzählte, lag an seiner Trinkfestigkeit: "Ein Bier und ich giggele wie ein Schuljunge."

Bis auf zwei Lieder begleiteten die vier Streicher Robin bei allen Stücken. Die Einsätze der klassischen Instrumente waren dabei wohlproportioniert und passten ganz hervorragend zu den lauten (aber ruhigen) Liedern des Amerikaners.
Das Set umfasste Stücke von allen Sophia-Platten. Von der demnächst (im April wohl) bei City Slang erscheinenden There are no goodbyes spielte Robin allerdings nur Heartache.

Obwohl alle Stücke durch diese besonderen Arrangements enorm reizvoll waren, gab es einige besondere Perlen. Mit Abstand am besten gefiel mir Swept back von People are like seasons! Aber auch Oh my love oder Lost
(she believed in angels) waren ganz besonders fabelhaft.

Glücklicherweise war die Laune des Sängers wohl durch nichts zu erschüttern. Denn obwohl die Musik recht laut geregelt war, war der Krach aus dem hinteren Teil des Foyers (in der sich eine Bar befand) unerträglich laut! Es standen nicht furchtbar viele Menschen da, die Akustik des Saals reichte aber aus, daß man jede scheppernde Flasche zigfach hörte. Aber Robin ignorierte dies und erzählte lieber, was das Lieblingslied seiner Mutter sei (Bastard), wieso er Panik vor einem Einbruch habe (aus Angst davor, daß jemand seine Text in die Hände bekommt und liest - "meine Texte sind so schlecht!") oder lud uns ein, ihm hinterher einen Drink auszugeben. "White Russian, Cola, Bier, Gin Tonic, was auch immer. Zeigt einfach eure Dankbarkeit!"

Nach dem regulären Teil, der eine Stunde dauerte, spielte Sophia String Quartett drei Zugaben. Das hervorragende I left you war der Schlußpunkt des gelungenen Abends. Schade nur, daß der Ort zwar besonders und sehr schön, für Konzerte aber aufgrund des Hintergrundkrachs ungeeignet war. Was wäre der Abend zum Beispiel in der KulturKirche aufregend gewesen!

Setlist Sophia String Quartett, Museum Ludwig, Köln:

01: The sea
02: So slow
03: Birds
04: Where are you now
05: Razorblades
06: Swept back
07: Oh, my love
08: Pace
09: Lost (she believed in angels)
10: Bastards
11: Heartache

12: Ship in the sand (Z)
13: If only (Z)
14: I left you (Z)



 

Konzerttagebuch © 2010

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