Sonntag, 1. Juli 2012

The Hundred In The Hands, Düsseldorf, 30.06.12


Konzert: The Hundred In The Hands
Ort: Galopprennbahn Düsseldorf (Open Source Festival)
Datum: 30.06.2012
Dauer: knapp 45 min


Der Tiefpunkt meines Samstags war erreicht, als ich vor dem sogenannten Einlass des Open Source Festival resigniert feststellen musste, daß ich Perfume Genius verpassen würde, obwohl ich zeitig an der Düsseldorfer Galopprennbahn angekommen und die Menge der Wartenden überschaubar war. Für die 20 m bis zum Durchgang zum Gelände benötigten wir allerdings eine halbe Stunde (entspricht 0,04 km/h, eine Schneeflocke fällt 25 mal schneller).

Dabei hatte der Tag die Messlatte für Tiefpunkte schon hoch angesetzt (jaja...). Auf einer Autobahnfahrt hatte ein Fahrer mit Segelflugzeug-Anhänger vermutlich gerade die Winddaten auf dem Handy überprüft, beim plötzlichen Überholen eines LKWs daher weder blinken noch in den Spiegel gucken können. Ich musste notbremsen, um nicht sein Flugzeug plattzumachen, es war sehr sehr knapp.* Passiert schon mal und ist nicht weiter erzählenswert, wenn es gut geht, wäre da nicht die Sache mit dem Senf. Ich hatte nämlich eingekauft, und die erworbene Tube Senf flog unter Gas- und Bremspedal und platzte bei meinem Versuch, dem Segelflieger auszuweichen. In so einer kleinen Tube Senf (extrascharf - und aus Düsseldorf, passte ja) ist verflucht viel von dem Zeugs, das meinem Schuh und dem Fußraum eine pikante Note gab, farblich wie aromatisch. Beim Einlassdesaster war der Senf mir egal. Musik ist wichtiger als Autos, wir betreiben hier schließlich kein Tuningmagazin.

Das Problem des Festivalzugangs hatte zwei Ursachen: der Durchlass mit der Taschenkontrolle war zu schmal, selbst für die kleine Menge ankommender Leute. Wenn man da durch war, musste man sein Ticket gegen ein Bändchen eintauschen. Dafür gab es vier Zuständige, und das waren entschieden zu wenige. Der Bändchenkram erschloss sich mir aber eh nicht. Das Festival bestand aus zwei Teilen, den Tagesveranstaltungen auf der Rennbahn und nächtlichen Konzerten im Stahlwerk. Für den Tag, der ausschließlich auf der Pferdewiese stattfand, gab es trotzdem Bändchen, was ich überhaupt nicht verstehe. Für die Tag- und Nachtbesucher machten die großen Sinn, aber nur für die Rennbahn? Nur weil ein Festival nun mal Bändchen hat, sich und den Besuchern am Einlass so viel unnützen Ärger machen, habe ich nicht kapiert.

Ich war also ziemlich geladen, als ich endlich auf dem Gelände war. Die Schneeflocke (und eine Schildkröte - Tempo 0,37 km/h) wäre lange schon da. Perfume Genius lief schon eine Weile, ich hatte aber nicht genug Muße, um konzentriert zuzuhören und guckte mich ein wenig um. Das Gelände des Festivals zwischen den Tribünen und der Rennbahn war wundervoll. Weil das Wetter mitspielte, lagen die Besucher, die schon da waren, zum Großteil auf der Wiese zwischen den Zuschauerrängen und der Hauptbühne und genossen den Sommertag. Daß da auch noch Musik lief, störte wohl nicht weiter. Vor der Bühne stand niemand.

Als The Hundred In The Hands um halb sechs begannen, standen immerhin rund hundert Leute vorne, für die Band war das so vermutlich ok. Nur auf liegende Menschen zu gucken, ist sicher nicht schrecklich inspirierend, wenn man sich auf der Bühne bemüht, denen Spaß zu bereiten.

The Hundred In The Hands sind ein Duo aus Brooklyn (Eleanore Everdell und Jason Friedman), das live von einem Schlagzeuger verstärkt wird. Eleanore spielt Keyboard und singt, Jason Gitarre und seltener Keyboard.

The Hundred In The Hands werden als elektronische Band beschrieben. Das sagt erst mal nicht furchtbar viel aus. Bei meinem ersten Konzert mit ihnen, kamen mir Saint Etienne oder Ladytron in den Sinn, was durchaus wertend ist, weil ich beide sehr mag. Je nachdem, wo man stand (oder lag), war Eleanores Stimme mehr oder weniger gut zu verstehen. Weiter weg vom Schlagzeug war der Klang sehr gut. Eleanores Gesang ist recht zart, muß also gut ausgesteuert sein, damit das Konzert etwas taugt. Es taugte viel!

THITH spielten ein paar Lieder mehr als im Mai in Köln. Der Schwerpunkt lag auf Stücken des ersten Albums. Von Red Night, der Platte von 2012 stammten nur Keep it low, Faded und Stay the night. Bis auf den großen Hit Keep it low sind die neueren Sachen auch etwas schwächer als die vom Debüt. Die besten Lieder des 45 minütigen Konzerts waren dann auch Commotion und Pigeons, beide von The Hundred In The Hands (2010).

Mir fiel auf, daß live die Gitarre von Jason eine wichtigere Rolle als auf Platte spielt. Am auffälligsten beim Gitarristen waren aber andere Sachen. Zum einen legte er eine wahnsinnige Strecke auf der Bühne zurück, tänzelte hin und her. Das sah manchmal komisch aus, es war aber nicht unsympathisch! Noch besser war aber Jasons Frisur, die vermutlich der letzte Schrei in Brooklyn ist. Manchmal ist es gar nicht verkehrt, daß New York 8 1/2 Flugstunden entfernt ist...

The Hundred In The Hands machen live sehr viel Spaß! Meine Senf-Einlass-Laune haben sie jedenfalls leicht und locker weggespielt!

Setlist The Hundred In The Hands, Open Source Festival, Düsseldorf:

01: Dressed in Dresden
02: Keep it low
03: Pigeons
04: Lovesick
05: Faded
06: Stay the night
07: Young aren't young
08: Commotion

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Hundred In The Hands, Köln, 24.05.12


* (falls Du das liest, Flieger: Vollidiot!)


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