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Sonntag, 9. Juli 2017

Open Source Festival, Düsseldorf, 08.07.2017

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Konzert: Open Source Festival
Ort: Düsseldorf, Galopprennbahn Grafenberg
Datum: 08.07.2017
Dauer: 1 Tag
Zuschauer: 7.000 ausverkauft



Einmal im Jahr pilgern auch die nicht am Pferdesport interessierten, zur ehrwürdigen Galopprennbahn im feinen Düsseldorfer Stadtteil Grafenberg. 

Wer die Vision hatte, hier ein Festival, ohne stilistische Grenzen stattfinden zu lassen, musste sich zumindest um die fehlende Wirkung eines Sonnenuntergangs keine Sorgen machen. 

Wer zu später Stunde den Blick von der Tribüne über die unverbauten, bewaldeten Hügel neben und hinter der Hauptbühne schweifen lässt, vergisst für Minuten den Trubel und die laute Musik, für die er eigentlich angereist ist.



Bei gutem Wetter, und am Samstag war das Wetter perfekt, gibt es also eigentlich gar keine Ausreden, den Tag nicht mit netten Menschen in Grafenberg zu verbringen. Das Line-Up ist wie immer buntgemischt. 

Entscheiden kann man sich zwischen Newcomern auf der kleinsten Bühne, aufstrebenden (meist elektronischen Künstlern) auf der "Carhartt-Stage" oder den bekannteren Acts auf der Hauptbühne, während man lässig auf der Wiese oder Tribüne Platz nimmt. 

Obwohl der "richtig große" Name dieses Jahr fehlte,  ist das Festival mit fast 7.000 Besuchern ausverkauft. Geboten wird für ein Tagesfestival viel, Kunststudenten präsentieren ihre Arbeiten in kleinen Zelten, diverse Foodtrucks bereichern das normale Festivalessen. Selten auch sieht man so viele Familien im Verbund anreisen.



"Die Sterne" beginnen zu früher Stunde, leider mit mäßigem Sound, auf der Hauptbühne. Sänger "Frank Spilker" schwitzt in der gleißenden Sonne und versucht alles, die Zuschauer schon zu etwas Bewegung zu animieren. 

Das gelingt naturgemäß eher bei den älteren Mitsingklassikern wie "Universal Tellerwäscher" und "Was hat die bloß so ruiniert". Viele fragten, ob das eine Comeback-Tour sei, aber die Sterne waren nie ganz weg in den letzten 25 Jahren. 

Auch das neue Material ist gewohnt anspruchsvoll und voller guter Lyrik und tanzbaren Elementen. 

Danach hatten es "Austra" aus Kanada ebenfalls nicht leicht. Auch ihr, eigentlich sehr tanzbarer Elektropop, fiel der chilligen Atmosphäre des Nachmittags zum Opfer. 



Beim Heimspiel der "Antilopen Gang" hatte ich eigentlich fest mit einem späteren Slot im Ablauf gerechnet, so mussten auch die sprachbegabtesten Düsseldorfer noch im Sonnenschein antreten.

Zunächst klassisch mit drei Mann am Mikro und einem DJ, im zweiten Teil dann mit heruntergerissenem Vorhang, hinter dem sich eine "Punkband" verbarg. 

So wurden alle Fixpunkte des Antilopen-Kosmos abgedeckt. Schon immer stand hinter dem festen HipHop-Konzept ein Spiel mit Gitarren und Schlagzeug, dass die Wurzeln des Düsseldorfer Punk nicht verbergen konnte und wollte.



Der Legende nach (davon gibt es allerdings viele), stammt ja der Name aus einer negativen Abwandlung des ersten Hosen-Albums "Opel Gang" als "Anti-(l)open Gang". 

Eigentlich zu logisch, um nicht wahr zu sein. 2011 hatten die Antilopen bereits einen besonderen Auftritt beim "Open-Source". Damals mieteten Sie auf eigene Faust, einen der beschriebenen Pavillions und rappten von früh bis spät für kleines Geld auf Zuruf. 

Schon damals war der erfrischende Humor der Truppe einzigartig. Mein unscharfes Handy-Video von damals zeigt eine frühe Version von "F... die Uni". Leider ist die ebenfalls erworbene Live-Beschimpfung ("Dissen für Kleingeld nach Vornamen") nicht mehr auffindbar. 



Zum Glück ist nichts von dem kindlichen, aber perfekten Witz verloren gegangen. Völlig zurecht ist die "Gang" in den letzten Jahren einen riesigen Schritt nach vorne gestürmt.

Unpeinlicher HipHop, der stilistisch aber immer das Genre ernstnimmt, ist leider selten anzutreffen. 

Zeilen wie "Ich bin perfekt, guck mich an, ich trink Sekt, der nach Himbeer schmeckt", gepaart mit offenen, politischen Aussagen machen das Konzert zu einem Genuss, den man auch verstehen kann, wenn einem ansonsten Sprechgesang wenig bedeutet.

Am 23.12.2017 geben die "Antilopen" ein Klubkonzert im Düsseldorfer "Stahlwerk", ein "Fest der Liebe".



Passend zur Musik von "The Temper Trap" ging dann die Sonne langsam unter. Leider hat es die Band nicht leicht. Zu gut war ihr erstes Album "Conditions", das zweite viel zu perfekt produzierter Pop und beim dritten wollte dann keiner mehr so richtig hinhören. So ist das im schnelllebigen Popgeschäft. 



Der charismatische, indonesische Sänger "Dougy Mandagi" bietet immer noch alles, was man von einer tollen Indierockband erwartet, nur leider erwarten die Zuschauer nur die alten Hits.

So bleibt der Zuspruch vor der Hauptbühne geringer als zuvor und erst am Ende mit den Klassikern "Drum Song" und "Sweet Desposition" lebt das Publikum wieder auf. 




"Trentemoller" aus Dänemark machen danach dann noch den Deckel drauf. Eine perfekt inszenierte Live-Show beendet das Festival gegen Mitternacht.

Alles in allem wieder einmal ein gelungener Tag in Düsseldorf. Das Konzept ,viel Musik zu einem wirklich überschaubaren Eintrittspreis (36,00 EUR) auf einem tollen Gelände zu präsentieren, ging wieder einmal perfekt auf. 

Kleinere Kritikpunkte, wie die langen Wartezeiten am Ausschank (gefühlte drei Zapfhähne reichen einfach nicht) und den Toiletten, sollten im nächsten Jahr schon der Vergangenheit angehören. Auf ein neues, beim "Ascot" der Festivals, in Düsseldorf. 

Fotos: Michael Graef


Sonntag, 10. Juli 2016

Open Source Festival, Düsseldorf, 09.07.2016

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Konzert: Open Source Festival
Ort: Düsseldorf
Datum: 09.07.2016
Dauer: 1 Tag
Zuschauer: ca.6.500

Schöne Menschen, schöne Bands, schönes Wetter, schönes Gelände. Das "Open Source Festival" zeigte sich gestern von seiner besten Seite. Grund genug, euch diesmal eine Foto-Love-Story zu präsentieren.

Fotos: Michael Graef




Schnipo Schranke


























Stabil Elite






Get Well Soon




























Bilderbuch


















Hot Chip







Sonntag, 1. Juli 2012

Beirut, Düsseldorf, 30.06.12

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Konzert: Beirut
Ort: Galopprennbahn, Düsseldorf (Open Source Festival)
Datum: 30.06.2012
Dauer: 75 min


Und danach wurde es folkstümlich... Die Bläserbreitseiten von Beirut beendeten die Tagesveranstaltung des Open Source Festivals. Oh Gott, ich fange viel zu sachlich an! Das wird dem Konzert und Beirut ganz allgemein nicht gerecht.

Allerdings beschreibt "sachlich" meine Beziehung zur Blaskapelle aus Santa Fe eigentlich recht gut. The Gulag Orkestar mit seinen atemberaubend ergreifenden Melodien zählt zu den besten Platten der letzten Jahre! Nichts, was danach von Beirut kam, erreichte mein Herz auch nur im Ansatz ähnlich. Vor allem die elektronischen Lieder der späteren Veröffentlichungen stehen massiv im Schatten solch hinreißender Melodien wie Mount Wroclai oder Rhineland.

Live habe ich Beirut bisher erst zweimal gesehen. Der Auftritt in Haldern 2010 war ok, allerdings nicht mehr. Ein paar Tage vorher in der Kölner Philharmonie gehörte zumindest die zweite Hälfte zu den mitreißendsten Konzertmomenten der letzten Jahre.

In den letzten Monaten habe ich das Beirut Debüt
immer mal wieder gehört. Natürlich sind bei zigtausend Liedern auf dem iPod Bands mit A bis E oder W bis Z im Vorteil, wenn ich ziellos nach einer Höridee suche. Trotzdem ist Beirut überdurchschnittlich oft meine erste Wahl. Über Monate aufgebaute Vorfreude, denke ich...

Nach Bréton hatte ich mir ein paar Minuten Mouse on Mars auf der elektronischen Bühne hinter den Tribünen angesehen. Als ich dann zurück zur Mainstage kam, war der Bühnenaufbau da bereits beendet. Es sah vielversprechend aus! Es gab zwar ein Piano, sonst standen da aber nur Mikros und das Schlagzeug, ein Akkordeon und zwei Bässe und keine zusätzlichen Keyboards.

Und genauso klang es dann auch! Es war die Bläser-Instrumentierung, die die Liveversionen so unwiderstehlich macht, die hier zum Einsatz kam, ergänzt durch Akkordeon, zurückhaltend eingesetztes Klavier und Bass. Ich verstehe, daß Künstler ihren Stil wechseln. Ich bin auch sicher, daß Bläser statt Keyboards bei Beirutkonzerten eher praktischen als künstlerischen Gründen geschuldet sind, das Ergebnis ist allerdings brillant, nur das zählt. Beirut sind also live im Klassen besser als auf Platte, keine überraschende Erkenntnis, für viele Bands, die wir mögen, gilt das schließlich. Bei Beirut fällt mir der Unterschied immer wieder als besonders groß auf.

Zach Condons Band bestand aus fünf bis sechs Musikern (Akkordeon und Piano waren nicht immer gleichzeitig besetzt).

Ihnen in der sinkenden Sonne mit dem Geläuf der Galopprennbahn im Hintergrund zuzusehen und -hören war ein ausgesprochenes Vergnügen! Dem konnten sich auch einige der Gäste auf der benachbarten Hochzeitsfeier nicht entziehen. Am Zaun zwischen Party und Festival standen einige feierlich gekleidete Menschen und lauschten Beirut. Vermutlich war das musikalisch um Längen besser als der eigene Hochzeits-DJ. Zach, wohlerzogen wie viele Amerikaner, entschuldigte sich nuschelnd dafür, die Hochzeitsfeier zu ruinieren. Wenn so viele am Zaun stehen, war das sicher nicht nötig.

Angekündigt waren anderthalb Stunden Konzert, daraus wurden dann schließlich 75 min. Auch dazu nuschelte der trompetende Sänger etwas, ich meine etwas von einem drohenden Kollaps verstanden zu haben. Auf der Setlist standen dann auch ein paar Lieder mehr, allerdings halten sich Beirut wohl nie an das, was da vor ihnen liegt, bisher stimmte die Papierversion nie mit dem tatsächlich gespielten überein. Aber auch ohne die fehlenden Viertelstunde war das Konzert genau so, wie ich es mir erhofft hatte! Naja, außer dieser Kleinigkeit... Es wäre doch eigentlich nicht zuviel verlangt gewesen, auch noch Rhineland (Heartland) zu spielen, Zach? Wenigstens hatte er das im Kern-Rheinland gemacht vor zwei Jahren.

Setlist Beirut, Open Source Festival, Düsseldorf:

01: Santa Fe
02: The shrew
03: Elephant gun
04: Vagabonds
05: Cherbourg
06: Postcards from Italy
07: Port of Call
08: Forks and knives
09: Cocec
10: East Harlem
11: The Akara
12: Nantes
13: Scenic world
14: A sunday smile
15: Mount Wroclai
16: My night with a prostitute from Marseille
17: The Gulag Orkestar

18: The penalty (Zach Condon solo) (Z)
19: Carousels (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Beirut, Scheeßel, 24.06.12
- Beirut, Paris, 13.09.11
- Beirut, Paris, 29.08.10
- Beirut, Haldern, 13.08.10
- Beirut, Köln, 12.08.09
- Beirut, Paris, 12.05.09
- Beirut, Paris, 12.11.07



Bréton, Düsseldorf, 30.06.12

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Konzert: Bréton*
Ort: Galopprennbahn Düsseldorf (Open Source Festival)
Datum: 30.06.2012
Dauer: knapp 45 min


Nach dem New Yorker Elektropop stand hipper englischer Indiepop auf dem Programm, Bréton aus Süd-London. Vergangene Woche hatte ich die Briten auf dem spärlich besuchten aber exzellent besetzten Lüften Festival in Frankfurt gesehen und war der Musik der jungen Band endgültig verfallen. Daß sie zwischen herausragenden Bands wie Get Well Soon, The Notwist, den Shins oder Whitest Boy Alive auffielen und einen solch nachhaltigen Eindruck gemacht haben, spricht für sich.

Gottseidank standen mittlerweile mehr Menschen vor der Bühne. Auf der anderen Seite der Abtrennung stellten sich die fünf Bréton Mitglieder auf: vier vorne an Keyboards bzw. Gitarren, der Schlagzeuger in zweiter Reihe. Bréton zu beschreiben fiel mir schon vergangene Woche schwer, es sind keine Erkenntnisse dazugekommen. Ihr Stil bewegt sich irgendwo zwischen Bands wie den Foals, den Maccabees oder Pete and the Pirates und den Streets oder Jamie T auf der anderen Seite, manchmal aber auch The xx ohne das Sphärische deren Musik.

Mir gefallen die schnellen, abgehackten Melodien enorm gut, dazu der oft mehrstimmige (falsch, eigentlich einstimmige aber aus mehreren Kehlen) Gesang. Auch bei Bréton spielen die Gitarren live eine wichtigere Rolle als auf Platte.

Das Programm war das gleiche wie in Frankfurt, es war nur um zwei Stücke kürzer, Bréton hatten beim Lüften eine Viertelstunde mehr Zeit.

Die besten Lieder waren Pacemaker, Jostle und vor allem Edward the Confessor. Das dem letzten angelsächsischen Herrscher Englands gewidmete Stück ist ein riesiger Kracher!

Sehr viel mehr gibt es nicht zu berichten, es war eben wieder hervorragend! Ich hatte viel Spaß! Am meisten Spaß hatte die Band an einer Panne. Der rechts stehende Keyboarder, der öfter auf eine Pauke eindrosch, riss dabei während December sein elektronisches Instrument auf den Boden, was auch hinterher noch für viel Belustigung bei Band und Crew sorgte.

Setlist Bréton, Galopprennbahn, Düsseldorf:

01: 15x
02: Pacemaker
03: Edward the Confessor
04: Governing correctly
05: Wood and plastic
06: December
07: Jostle
08: Ordnance survey
09: Foam
10: Episodes

Links:

- aus unserem Archiv:
- Bréton, Frankfurt, 22.06.12

* die sich selbst übrigens nicht in der französischen Version aussprechen, obwohl sie sich mit accent schreiben. Bréton heißen also Brättn.



The Hundred In The Hands, Düsseldorf, 30.06.12

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Konzert: The Hundred In The Hands
Ort: Galopprennbahn Düsseldorf (Open Source Festival)
Datum: 30.06.2012
Dauer: knapp 45 min


Der Tiefpunkt meines Samstags war erreicht, als ich vor dem sogenannten Einlass des Open Source Festival resigniert feststellen musste, daß ich Perfume Genius verpassen würde, obwohl ich zeitig an der Düsseldorfer Galopprennbahn angekommen und die Menge der Wartenden überschaubar war. Für die 20 m bis zum Durchgang zum Gelände benötigten wir allerdings eine halbe Stunde (entspricht 0,04 km/h, eine Schneeflocke fällt 25 mal schneller).

Dabei hatte der Tag die Messlatte für Tiefpunkte schon hoch angesetzt (jaja...). Auf einer Autobahnfahrt hatte ein Fahrer mit Segelflugzeug-Anhänger vermutlich gerade die Winddaten auf dem Handy überprüft, beim plötzlichen Überholen eines LKWs daher weder blinken noch in den Spiegel gucken können. Ich musste notbremsen, um nicht sein Flugzeug plattzumachen, es war sehr sehr knapp.* Passiert schon mal und ist nicht weiter erzählenswert, wenn es gut geht, wäre da nicht die Sache mit dem Senf. Ich hatte nämlich eingekauft, und die erworbene Tube Senf flog unter Gas- und Bremspedal und platzte bei meinem Versuch, dem Segelflieger auszuweichen. In so einer kleinen Tube Senf (extrascharf - und aus Düsseldorf, passte ja) ist verflucht viel von dem Zeugs, das meinem Schuh und dem Fußraum eine pikante Note gab, farblich wie aromatisch. Beim Einlassdesaster war der Senf mir egal. Musik ist wichtiger als Autos, wir betreiben hier schließlich kein Tuningmagazin.

Das Problem des Festivalzugangs hatte zwei Ursachen: der Durchlass mit der Taschenkontrolle war zu schmal, selbst für die kleine Menge ankommender Leute. Wenn man da durch war, musste man sein Ticket gegen ein Bändchen eintauschen. Dafür gab es vier Zuständige, und das waren entschieden zu wenige. Der Bändchenkram erschloss sich mir aber eh nicht. Das Festival bestand aus zwei Teilen, den Tagesveranstaltungen auf der Rennbahn und nächtlichen Konzerten im Stahlwerk. Für den Tag, der ausschließlich auf der Pferdewiese stattfand, gab es trotzdem Bändchen, was ich überhaupt nicht verstehe. Für die Tag- und Nachtbesucher machten die großen Sinn, aber nur für die Rennbahn? Nur weil ein Festival nun mal Bändchen hat, sich und den Besuchern am Einlass so viel unnützen Ärger machen, habe ich nicht kapiert.

Ich war also ziemlich geladen, als ich endlich auf dem Gelände war. Die Schneeflocke (und eine Schildkröte - Tempo 0,37 km/h) wäre lange schon da. Perfume Genius lief schon eine Weile, ich hatte aber nicht genug Muße, um konzentriert zuzuhören und guckte mich ein wenig um. Das Gelände des Festivals zwischen den Tribünen und der Rennbahn war wundervoll. Weil das Wetter mitspielte, lagen die Besucher, die schon da waren, zum Großteil auf der Wiese zwischen den Zuschauerrängen und der Hauptbühne und genossen den Sommertag. Daß da auch noch Musik lief, störte wohl nicht weiter. Vor der Bühne stand niemand.

Als The Hundred In The Hands um halb sechs begannen, standen immerhin rund hundert Leute vorne, für die Band war das so vermutlich ok. Nur auf liegende Menschen zu gucken, ist sicher nicht schrecklich inspirierend, wenn man sich auf der Bühne bemüht, denen Spaß zu bereiten.

The Hundred In The Hands sind ein Duo aus Brooklyn (Eleanore Everdell und Jason Friedman), das live von einem Schlagzeuger verstärkt wird. Eleanore spielt Keyboard und singt, Jason Gitarre und seltener Keyboard.

The Hundred In The Hands werden als elektronische Band beschrieben. Das sagt erst mal nicht furchtbar viel aus. Bei meinem ersten Konzert mit ihnen, kamen mir Saint Etienne oder Ladytron in den Sinn, was durchaus wertend ist, weil ich beide sehr mag. Je nachdem, wo man stand (oder lag), war Eleanores Stimme mehr oder weniger gut zu verstehen. Weiter weg vom Schlagzeug war der Klang sehr gut. Eleanores Gesang ist recht zart, muß also gut ausgesteuert sein, damit das Konzert etwas taugt. Es taugte viel!

THITH spielten ein paar Lieder mehr als im Mai in Köln. Der Schwerpunkt lag auf Stücken des ersten Albums. Von Red Night, der Platte von 2012 stammten nur Keep it low, Faded und Stay the night. Bis auf den großen Hit Keep it low sind die neueren Sachen auch etwas schwächer als die vom Debüt. Die besten Lieder des 45 minütigen Konzerts waren dann auch Commotion und Pigeons, beide von The Hundred In The Hands (2010).

Mir fiel auf, daß live die Gitarre von Jason eine wichtigere Rolle als auf Platte spielt. Am auffälligsten beim Gitarristen waren aber andere Sachen. Zum einen legte er eine wahnsinnige Strecke auf der Bühne zurück, tänzelte hin und her. Das sah manchmal komisch aus, es war aber nicht unsympathisch! Noch besser war aber Jasons Frisur, die vermutlich der letzte Schrei in Brooklyn ist. Manchmal ist es gar nicht verkehrt, daß New York 8 1/2 Flugstunden entfernt ist...

The Hundred In The Hands machen live sehr viel Spaß! Meine Senf-Einlass-Laune haben sie jedenfalls leicht und locker weggespielt!

Setlist The Hundred In The Hands, Open Source Festival, Düsseldorf:

01: Dressed in Dresden
02: Keep it low
03: Pigeons
04: Lovesick
05: Faded
06: Stay the night
07: Young aren't young
08: Commotion

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Hundred In The Hands, Köln, 24.05.12


* (falls Du das liest, Flieger: Vollidiot!)


 

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