Dienstag, 3. Juli 2012

David Thomas Broughton, Paris, 20.06.12


Konzert: David Thomas Broughton

Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 20.06.2012

Zuschauer: etwa 30

Konzertdauer: ungefähr 40 Minuten



Häh?? Ja was war das denn jetzt? War ich hier in einer Slapsticksendung oder bei Dinner For One gelandet? Ein Künstler, der seine Turnschuhe auszieht, sie dann über die Bühne kickt, von dieser runterspringt und fast über seine eigenen Quadratlatschen fällt, das hatte definitiv was von der kultigen Silvestersendung, bei der der tapsige Butler immer über den Kopf des Tigerfells stolpert.

Bei David Thomas Broughton musste man nicht bis zum letzten Tag des Jahres warten, um solche Einlagen geboten zu bekommen. Der schlanke, bärtige Mann aus der Nähe von Leeds* war nach der entzückenden Tiny Ruins an den Start gegangen und verblüffte die rund 30 Zuschauer nicht nur mit dieser Schuh-Stolpernummer. Auch sonst fiel ihm allerlei Blödsinn ein. Er zog sein Jacket hektisch an und wieder aus, trank eine volle Pulle (gefüllt mir Wasser, glaube ich) theatralisch auf ex aus, sampelte Vogelgezwitscher, raste ab und zu völlig überraschend ins Publikum, hörte mitten im Lied auf zu spielen und zu singen, loopte was das Zeug hielt und so weiter und so fort. Alles frei improvisiert und jeden Tag anders, wue mir von Kennern berichtet wurde.

Ein Komiker also, der David Thomas. Aber auch ein guter Musiker? Wenn es nach den Kritikern geht unbedingt. Seine Alben bekommen in schöner Regelmäßigkeit 4 oder 5 Sterne in renommierten Blättern wie Mojo oder Uncut und selbst Bloggerpapst Eike vom Klienicum hat sich schon begeistert über Broughton geäußert und ihm große Kunst bescheinigt. Broughtons Stimme ist freilich Geschmacksache. Sie klingt sehr eunuchenhaft, erinnerte mich an Antony von den Johnsons, war aber dennoch sehr eigensinnig und vor allem berührend. Ja berührend war sie. Schwer zu beschreiben wieso, aber in ihr kam viel Weltschmerz, aber auch Zynismus und das Verlangen nach Zärtlichkeit zum Ausdruck. Obwohl mich seine Show mitunter leicht nervte, wurde mir sein seltsamer Gesang nie anstrengend, im Gegenteil, er faszinierte mich. Überhaupt das ganze Konzert: bizarr, aber doch sehr schön.

So kaufte ich mir zu Einarbeitung dann das 2011 Werk Outbreeding und tue mich gütlich daran. Bald soll ein Opus mit dem Namen 5 Curses folgen. Es wird sein insgesamt fünfter Longplayer sein.

Ein spannender Künstler!

Aus unserem Archiv:

David Thomas Broughton, Paris, 19.02.10

- Das Klienicum zu einem Konzert von David Thomas Broughton, klick!

* er wohnt zur Zeit in Südkorea! Wo einen die Liebe hinverschlägt!



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