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Dienstag, 3. Juli 2012

David Thomas Broughton, Paris, 20.06.12

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Konzert: David Thomas Broughton

Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 20.06.2012

Zuschauer: etwa 30

Konzertdauer: ungefähr 40 Minuten



Häh?? Ja was war das denn jetzt? War ich hier in einer Slapsticksendung oder bei Dinner For One gelandet? Ein Künstler, der seine Turnschuhe auszieht, sie dann über die Bühne kickt, von dieser runterspringt und fast über seine eigenen Quadratlatschen fällt, das hatte definitiv was von der kultigen Silvestersendung, bei der der tapsige Butler immer über den Kopf des Tigerfells stolpert.

Bei David Thomas Broughton musste man nicht bis zum letzten Tag des Jahres warten, um solche Einlagen geboten zu bekommen. Der schlanke, bärtige Mann aus der Nähe von Leeds* war nach der entzückenden Tiny Ruins an den Start gegangen und verblüffte die rund 30 Zuschauer nicht nur mit dieser Schuh-Stolpernummer. Auch sonst fiel ihm allerlei Blödsinn ein. Er zog sein Jacket hektisch an und wieder aus, trank eine volle Pulle (gefüllt mir Wasser, glaube ich) theatralisch auf ex aus, sampelte Vogelgezwitscher, raste ab und zu völlig überraschend ins Publikum, hörte mitten im Lied auf zu spielen und zu singen, loopte was das Zeug hielt und so weiter und so fort. Alles frei improvisiert und jeden Tag anders, wue mir von Kennern berichtet wurde.

Ein Komiker also, der David Thomas. Aber auch ein guter Musiker? Wenn es nach den Kritikern geht unbedingt. Seine Alben bekommen in schöner Regelmäßigkeit 4 oder 5 Sterne in renommierten Blättern wie Mojo oder Uncut und selbst Bloggerpapst Eike vom Klienicum hat sich schon begeistert über Broughton geäußert und ihm große Kunst bescheinigt. Broughtons Stimme ist freilich Geschmacksache. Sie klingt sehr eunuchenhaft, erinnerte mich an Antony von den Johnsons, war aber dennoch sehr eigensinnig und vor allem berührend. Ja berührend war sie. Schwer zu beschreiben wieso, aber in ihr kam viel Weltschmerz, aber auch Zynismus und das Verlangen nach Zärtlichkeit zum Ausdruck. Obwohl mich seine Show mitunter leicht nervte, wurde mir sein seltsamer Gesang nie anstrengend, im Gegenteil, er faszinierte mich. Überhaupt das ganze Konzert: bizarr, aber doch sehr schön.

So kaufte ich mir zu Einarbeitung dann das 2011 Werk Outbreeding und tue mich gütlich daran. Bald soll ein Opus mit dem Namen 5 Curses folgen. Es wird sein insgesamt fünfter Longplayer sein.

Ein spannender Künstler!

Aus unserem Archiv:

David Thomas Broughton, Paris, 19.02.10

- Das Klienicum zu einem Konzert von David Thomas Broughton, klick!

* er wohnt zur Zeit in Südkorea! Wo einen die Liebe hinverschlägt!



Dienstag, 7. Februar 2012

Portico Quartet, Paris, 06.02.12

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Konzert: Portico Quartet
Ort: Le Café de la Danse, Paris

Datum: 06.02.2012
Zuschauer: richtig viele, geschätzte 500

Konzertdauer: etwa 80 Minuten




Wow!!! Wie sensationell war das denn bitte?

Da hat mir doch tatsächlich eine bis dato unbekannte und als Post-Jazz kategorisierte Band namens Portico Quartet ein unverhofftes und überaus spektakuläres Konzertschmankerl bereitet. Das war innovativer Hörgenuß pur, dargeboten von vier ungemein talentierten Burschen an Saxophon, Steel Drum, Schlagzeug und Kontrabass. Ich kann es immer noch nicht fassen, was ich da geboten bekam und muss erst einmal eine Nacht drüber schlafen, um meine Gedanken zu sammeln! Morgen dann als mehr...

Unfassbar!

7. Februar 2012, 16 Uhr:

So, eine Nacht drüber geschlafen und immer noch von der perlenden Woge der Euphorie übermannt. Es hatte natürlich seine Gründe, daß ich so begeistert war. Der wichtigste sicherlich, daß ich stilistisch so etwas wie das Portico Quartet zuvor noch nicht gehört oder gesehen hatte. War das tatsächlich Jazz, bzw. Post Jazz (was immer das sein mag)? Oder einfach nur innovative, experimentelle Instrumentalmusik? Wie auch immer, es klang himmlisch! Die Herren Jack Wyllie (Saxophon), Milo Fitzpatrick (Kontrabass), Duncan Bellamy (Drums und Computer) und Keir Vine (Hang und Percussion) spielten perfekt zusammen und kredenzten einen ungewöhnlichen, aber sehr organischen und warmherzigen Sound, bei dem einer der Gimmicks, die Verwendung einer Hang Drum (kurz: Hang) war. Optisch glich dieses sehr moderne Instrument einem bzw zwei geschlossenen Wog(s), klangtechnisch hörte es sich nach Steel Drum an. Wie ich hinterher Wikipedia entnahm, wurde die Hang erst im Jahre 2000 in der Schweiz entwickelt, dürfte aber aufgrund seiner wundervollen Klangfarbe bald seinen Weg machen und noch wesentlich häufiger vorkommen. Das mit Klöppeln gespielte Instrument gibt der Sache einfach eine herrliche karibische Note. Keir Vien wusste es einfach ganz sensationell einzusetzen und schuf spannende Kontraste zu dem sehr variabel gezupft oder gestrichenen Kontrabass, dem trippelnden und immer für Überraschung guten Schlagzeug, dem innovativ interpretierten Saxophon (manchmal klang es nach Klarinette, dan wieder nach einer langgezogenen Keyboardsequenz).

Nicht immer kamen allerdings alle Instrumente gleichzeitig zum Einsatz. Nicht selten gab es Soli, die aber nie nervten, sondern die Sache auf die Spitze trieben und für Szenenapplaus sorgten. Häufig verwendet wurde das Stilmittel der Repetition, was eine hypnotische und epileptische Assoziation auslöste und mich fast an Krautrock erinnerte.

Die gespielten Tracks kannte ich allerdings noch nicht. Ich war fast völlig unbeleckt in dieses ungemein gut besuchte Konzert gegangen, hatte lediglich in einer Ausgabe des britischen Magazins Uncut einen lobpreisenden Artikel über das letzte Album gelesen und mir am Vortage Videos bei Youtube angesehen. Das reichte, um mich wahnsinnig neugierig zu machen. Schön daß ich meiner Neugierde Folge geleistet und mich in das Abenteuer Portico Quartet gestürzt habe! Jetzt ist natürlich Nacharbeit erforderlich, schließlich hat die Band aus London bereits ein paar Longplayer auf den Weg gebracht, wobei die Betonung heute auf den letzten beiden Werken lag. Die perfekte Symbiose aus diesen beiden Outputs bot das wundervolle Stück Clipper, das Portico Quartet mit einem Track vom neuen Album fusionierten. Es war senstionell wie die Jungs das hinbekamen! Das fachkundige und vorbildlich disziplinierte Publikum zeigte sich nach Abschluss der langen Stücke jeweils absolut begeistert und jubelte euphorisch.

Die Zeit verging wie im Fluge -ein guter Beleg dafür, wie packend Instrumentalmusik sein kann- und nach etwa 70- 75 Minuten verließen die Briten die Bühne.

Mit Dawn Patrol wurde dann noch eine spekatukläre und betörend schöne Zuagbe geboten, bevor sich die Zuschauer wie wild auf den CD-Stand stürzten und massenwesie das letzte Album und eine für schlappe 5 Euro erhältliche Tour-EP kauften.

Merkt euch also den Namen: Portico Quartet!





Setlist Portico Quartet, Café de la Danse, Paris

01: Window Seat
02: Ruins
03: Spinner
04: 4096 Colours
05: Laker Boo
06: Coy Carp
07: The Visitor
08: Clipper
09: Rubidium/Line
10: City Of Glass

11: Dawn Patrol


Deutsche Konzerttermine Portico Quartet:

20.03.2012: Jazzclub Unterfahrt, München
24.03.2012; Philharmonie, RWE Pavillon, Essen
27.03.2012: HBC, Berlin
28.03.2012: Scheune, Dresden




Donnerstag, 10. März 2011

Ela Orleans & Terror Bird, Paris, 07.03.11

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Konzert: Ela Orleans & Terror Bird (Holy Strays)

Ort: L'International, Paris
Datum: 07.03.2011
Zuschauer: 150 oder so
Konzertdauer: Ela Orleans 45 Minuten


Nach Julianna Barwick in der Kirche noch eine hochinteressante Künstlerin, dieses mal im nicht weit entfernten International. Erneut gratis, erneut Brooklyn. Ela Orleans stammt aus Polen und bot ein experimentelles Set voller Ideen und Innovationen. Eine moderne, avantgardistische Nico? Ian Curtis als Frau wiedergeboren und nun mit Loops arbeitend? Ich sag nur: wow!

Zu verdanken hatten wir die Präsenz von Ela dem jungen französischen Label La Station Radar, das diese ungewöhnliche Musikerin beherbergt und behutsam aufgebaut hat und den Onlinemagazinen Hartzine und Backyardvacation, die Veranstalter waren.

Unfassbar wie weltentrückt und traumversunken diese kreative Polin auf der Bühne agierte, sie schien ganz in ihrem Element und völlig von allem anderen abgeschottet. Ihren Mixtabel hatte sie am hinteren Ende der Bühne aufgebaut und war somit so weit wie möglich von den Zuschauern entfernt. Sie spielte immer mal wieder Gitarre, verzerrte diese mit einem Kunststoffring, sampelte und loopte einzelne Sequenzen und bot Lieder voller Mystik und Bizarrheit, die aber trotz des experimentellen Charakters vor allem eins waren: schön und bewegend. "Filme für die Ohren" wolle sie machen, hatte sie den Journalisten des französischen Musikmagazins Magic in die Blöcke notiert und abwegig ist diese Beschreibung ihrer düster-geheimnsivollen Kunst nicht. Ich fühlte mich stark angezogen vom Geiste Velvet Undergrounds, der durch die eigenwilligen Keyboard- Kompositionen wehte, dachte aber wegen des reglosen Gesichstausdrucks von Orleans und ihrer tiefen Stimme aber auch immer wieder an Nico, witzigerweise zudem an Katie Sketch von The Organ. Und Orgelsound gab es auch im Set der Wahl- New Yorkerin reichlich zu hören, was wirklich das schlechteste nicht war. Ob man dazu dann auch so tanzen konnte (musste?) wie die beiden jungen Leute, die völlig ungestört auf die Bühne sprangen und dort minutenlang abhotteten? Security-Menschen kamen jedenfalls keine angelaufen, wahrscheinlich hat das International keine. Auch als gegen Ende ein junger Typ mit Suicidal Tendencies- Kappe (eine scheußliche Band!) über die Stage rollte, hinderte ihn niemand an seine Albernheiten.

Ela Orleans trug die Vorfälle mit Fassung, lächelte ein wenig irritiert und beendete nach etwa 45 Minuten ein Set, das vor überraschenden Gimmicks und guten Einfällen nur so strotzte. Schade, daß es ihr Album Lost nur auf Vinyl gab. Denn: Isch abe doch ga kein Plattenspieler! Demnächst soll jedoch das neue Werk Mars Is Heaven erscheinen, hoffentlich dann auch auf Vinyl.

Wer sich für das 1980 er Jahre New Wave Revival interessiert, dem seien auch Terror Bird aus Los Angeles ans Herz gelegt. Eine grell geschminkte Sängerin mit Keyboard und Siouxsie Sioux Stimme und ein paar männliche Mistreiter, zelebrierten dort einen Sound, den man so ähnlich 1983 überall hören konnte.

Insgesamt eine gelungene Veranstaltung im International!



Vor Terror Bird traten in meiner Abwesenheit zudem Holy Strays auf.



Hier gibt es auf französisch alle Infos zu dem Abend, der vom Onlinemusikmagazin Hartzine und von Backyard Vacation organisiert wurde.

Ela Orleans bei MySpace, klick!

Deutsche Konzerttermine Terror Bird:

17.03.2011: Rote Flora, Hamburg
18.03.2011: AJZ, Bielefeld
19.03.2011: TBA, Mülheim
25.03.2011: Madame Claude, Berlin
26.03.2011: King Georg, Köln






Donnerstag, 17. Februar 2011

Leyli & Meurtre, Paris, 16.01.11

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Konzert: Leyli & Meurtre (Lafidki), Paris, 16.01.11

Ort: Café de Paris, Paris
Datum: 16.01.2011
Zuschauer: 20
Konzertdauer: jeweils etwa 45 Minuten


An dieser Stelle möchte ich mal kurz meine Mutter in Berlin lieb grüßen. Wir haben uns heute sehr angeregt am Telefon unterhalten und ein wichtiger Grund, warum ich weitherhin motiviert an diesem Blog arbeiten kann, ist die enorme Rückendeckung von Mutti! Danke! Ohne dich hätte ich schon hingeschmissen!

Der andere wesentliche Grund (natürlich neben den aufmunternden Kommentaren und der guten Leserresonanz, danke, danke, danke!) warum es hier weitergeht, ist die Leidenschaft, die ich für die Künstler, gerade die jungen und unerfahrenen, entwickelt habe. Und Leidenschaft kommt tatsächlich auch von leiden. Ich leide regelrecht mit diesen mutigen und kreativen Menschen mit, sehe wie sich abrackern müssen, um oft schlechtbezahlte Konzerttermine zu finden, weiß, daß sie bei irgendwelchen entfernt bekannten Leuten oder in miesen Hotels übernachten müssen, völlig übermüdet vor einer Handvoll von Leuten auftreten, gegen ihr Lampenfieber ankämpfen und auf der Bühne dennoch ihr Allerbestes geben. Und dann fahren sie meistens noch in der gleichen Nacht mit einem gammeligen Kleinbus zum 500 Kilometer entfernten nächsten Konzert weiter, wo sie manchmal für 30 Euro (und teilweise weniger) spielen und zwei selbstgebrannte CDs verkaufen. Kaum einer der vergnügungssüchtigen Konzertbesucher macht sich ein genaues Bild von diesem harten Leben. Aber genau diese widrigen Umstände sind der ideale Nährboden für Kreativität. Erfolgreiche und altgediente Musiker sind oft zu satt und zu komfortabel gebettet, um noch wirklich spannende Alben hinzubekommen.

Deshalb war für mich heute klar, daß ich nicht zu Noah & The Whale (die natürlich noch nicht zu satt, wenngleich schon früh vom Erfolg verwöhnt) ins Café de la Danse, sondern zu der jungen Leyli und ein paar anderen Artisten ins Café de Paris gehen musste.

Café de Paris, das klingt so mondän, aber die Musiker des heutigen Abends bekamen nicht den eigentlich Konzertsaal, der oben gelegen ist, sondern einen recht räudigen kleinen Kellerraum zugewiesen, in dem sich zwischen 20 und 30 linksalternative Mitbürger (fast alles Männer) versammelt hatten, um den experimentellen Noise und Hardcore Post-Rockern der französischen Band Meutre (der Mord) zuzuhören. Die dreiköpfige Band mit der hübschen Bassistin Elisa Pône klang teilweise richtig gruselig. Ihre auf französisch dahingerotzten Texte waren finster und gemein und der kurzhaarige Sänger schien oft regelrechte Tobsuchtsanfälle zu bekommen. Vati hätte mich hier nicht hingelassen. Meine Fresse! Es kamen auch seltsame Instrumente zum Einsatz zum Beispiel eine kleine aggressive Minitrompete, mit der die Band freejazzige Laute erzeugte, oder aber Megaphone, Stimmverzerrer, Vintagekeyboards, etc.

Mir gefiel das bizarre Konzert gut und ich kaufte ihre Demo-CD. Ich war übrigens der Einzige...




Dann kam Marie-Pascale Hardy aka Leyli. Eine Kanadierin aus Quebeq, die seit drei Jahren in London lebt und erst dort mit der Musik angefangen hat. Die hagere, großgewachsene Blondine ist noch ein fast unbeschriebenes Blatt, aber das könnte sich mit ein wenig Glück bald ändern. An Talent und guten Ideen mangelt es der Frau mit dem grünbemalten Gesicht jedenfalls nicht. Was sie heute vortrug, beeindruckte mich außerordentlich. Vielmehr noch: es berührte mich emotional zutiefst. Das zarte Mädchen sang so fragil und berührend, das mir ganz warm um Herz wurde. Sie verfügt über eine Hauchstimme à la Jane Birkin, kann stilistisch aber eher in die Ecke experimenteller Folk/Indierock im Stile von PJ Harvey und Scout Niblett gestellt werden. Sie selbst konnte mir hinterher gar nicht so recht ihren Stil beschreiben und kannte die allermeisten Musiker, die für mich vermeintlich halbwegs ähnlich klangen wie sie, gar nicht. Leyli sang übrigens abwechselnd auf französisch und englisch und spielte akustische und elektrische Gitarre, Ukulele und Keyboard. Zusätzlich hatte sie einen Schlagzeuger dabei, der ab und zu für etwas mehr Dampf sorgte. Alles war in moll gehalten, kam finster und geheimnisvoll daher, bisweilen fast gothisch. Authentisch und atemberaubend intim klang es immer. Zu Beginn des Konzertes waren vielleicht 5 Leute im Raum, dann in der Spitze 20. Aber durch diese zähe Anfangsphase ihrer Karriere muss Leyli jetzt durch und ich bin sicher, bald wird sie vor größerer Kulisse spielen. Ich war hinterher jedenfalls schwer angetan, habe heute meine persönliche Entdeckung des (freilich noch jungen) Jahres gemacht und das bisher beste, nahegehendste Konzert gesehen. Die brauchte ich für eine Oliver Peel Session!!

Hinweis: auf der Labelseite von Leyli kam man die auf 150 Exemplare limitierte Debüt Ep namnes Grey, Green, Grey, Grey, Green. Grey, Green, Grey and Green für 6 Euro käuflich erwerben.







Montag, 20. Dezember 2010

Rrose Tacet & Mariee Sioux, Paris, 19.12.10

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Konzert: Rrose Tacet & Mariee Sioux

Ort: L'International, Paris
Datum: 19.12.2010

Zuschauer: 150 vielleicht?
Konzertdauer: 45 Minutem Rose Tacet


Lady Gaga (wer?) musste ihr heutiges Konzert in Paris-Bercy absagen, weil die schweren Lastwagen, die das gesamte oppulente Equipment tragen sollten, wegen der schwierigen Witterungsverhältnisse für den Verkehr gesperrt worden waren und nicht nach Paris durchkamen. Aber wen interessiert das überhaupt? Mich jedenfalls nicht. Ein non-event. Viel ärgerlicher war da schon, daß die kalifornische Folksängerin Mariee Sioux ebenfalls irgendwo im Schnee steckengeblieben war und deshalb ihren geplanten Auftritt im International canceln musste. Dabei hatte ich mich so auf dieses Konzert gefreut! Mais c'est la vie! "Annulé pour cause d'intempéries. Toutes nos excuses, L'International", konnte man auf einem an der Eingangstür befestigten Zettel lesen und das verstehen sicherlich auch Leute, die des Französischen nicht mächtig sind. Schade, schade!



Daß es dennoch ein versöhnlicher Jahresabschluss (mein vermutlich letztes Konzert 2010) wurde, lag an den frisch und innovativ aufspielenden Franzosen Rrose Tacet. Ein musikalisch wirklich spannendes Quartett, daß sich sowohl vom deutschen Krautrock (Can) als auch vom schrägen amerikanischen Folkrock (Akron/Family) und experimentellen Bands wie Animal Collective und Berg Sans Niple beeinflusst fühlt. Ein weites musikalisches Feld also, was die Jungs da abstecken und erfreulicherweise konnten sie dem Gebräu ihre ganz eigene Note beifügen. Schöne Chorgesänge, bisweilen zwei Schlagzeuge gleichzeitig und kreative elektronische Samples sorgten für eine gute Atmosphäre im Publikum und ließ die Leute zumindest für die Zeit des Auftritts, das Fernbleiben von Mariee Sioux ein wenig vergessen. Als Rrose Tacet allerdings mit ihrem gelungen Set durch waren, blieb dennoch ein wenig Wehmut zurück. Aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr ich, daß Mariee Sioux 2011 wohl erst im September wieder auf Pariser Bühne zu erwarten ist. Eine lange Zeit. Aber geht es den deutschen Folkfans besser? Wann ist die gute Mariee in Germany denn überhaupt mal aufgetreten? Sicherlich nicht sehr oft.

Aus unserem Archiv:

Mariee Sioux, Paris, 31.10.09
Mariee Sioux, Paris, 14.07.09*
Mariee Sioux, Paris, 13.10.08
Mariee Sioux, Paris, 26.06.08
Mariee Sioux, Paris, 19.03.08



Sonntag, 31. Oktober 2010

Denis Jones, Paris, 30.10.10

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Konzert: Denis Jones
Ort: Chez Justine, Paris
Datum: 30.10.2010
Zuschauer: hmm
Konzertdauer: etwa 40 Minuten


Eigentlich war ich auf eine Party bei einem sehr netten Landsmann eingeladen. Ob es einen Zusammenhang mit Halloween gab, weiß ich nicht. Ist aber auch egal, denn ich wollte auf jeden Fall da hin, gruselig geschminkt oder nicht. Seitdem ich wie so ein Junkie quasi jeden Abend auf Konzerten unterwegs bin, ist es schwierig geworden, mich zu einer Party anzulocken (es sei denn es tritt dort eine Band auf). Meine sozialen Kontakte fokussieren sich stark auf andere Musikverrückte, ebenso süchtige Konzertgänger, Indiemusiker, Konzertveranstalter, Gigfotografen, andere Blogger, Labelmenschen etc. Obwohl es natürlich auch hier ein paar Arschgeigen gibt, fühle ich mich in dem Milieu pudelwohl. Aber ich möchte trotzdem auch gerne mal sehen, wie andere Mitbürger in Paris so leben und Leute kennenlernen, die nicht direkt etwas mit Musik zu tun haben. Das Problem war bloß: am heutigen 30. Oktober gab es natürlich auch wieder einige spannende Konzerte. Logisch. Irgendwo spielt in Paris immer die Musik, jeden Tag.

Die Auswahl war wieder einmal prima und es war schwierig, sich auf einen Gig festzulegen. Crystal Castles zappelten in der ausverkauften Cigale rum (ich mag die seltsamerweise, obwohl ich eigentlich überhaupt kein Anhänger synthetischer Musik bin), Beach Fossil beehrten die Flèche d'or und Ariel Pink trat im Nouveau Casino auf.

Aber meine Wahl fiel auf eine Veranstaltung, die gleich gegenüber des Nouveau Casino, im Cafe/Restaurant Chez Justine stattfand. Hier sollte der Brite Denis Jones spielen, mit dem fast eine Oliver Peel Session zu Stande gekommen wäre. Wohlgemerkt: ich wollte trotzdem auf die Fete zu meinem netten Landsmann. Ich dachte, es sei beides möglich. Erst Denis Jones bei Justine gucken und dann ab zur Party. Ich hatte nicht nur meine Frau dabei, sondern auch eine Flasche Wein, die ich dem Gastgeber übereichen wollte. Daraus wurde aber nichts, weil das laut My Space für 20 Uhr angesetzte Konzert von Denis Jones letzlich um 22 Uhr 30 begann. Zuerst wurde hier der samstägliche Restaurantbetrieb durchgezogen. Schicke Leute (" des gens branchés" wie man in Frankreich sagt) drängelten sich im Minutentakt zur Tür herein, um überteuerte Burger (15 Euro der kleine Cheeseburger mit Pommes Frites, happig!) oder Cocktails an der Bar zu trinken. Ich hatte den Laden Chez Justine ganz anders in Erinnerung. Als ich vor etwa zwei Jahren hier gegen 18 Uhr einmal zum Aperitif einkehrte, saß man auf stimmunsvollen, abgewetzten Sesseln und schrammeligen Tischen. Das hatte Atmosphäre und den typisch Pariser Bohème Charme. Nun aber haben die (neuen?) Betreiber die alten Möbel rausgeworfen, machen verstärkt auf angesagtes Restaurant und zielen es auf eine zahlungskräftige Klientel ab. Nichts für mich, ich fühlte mich nur mittelmäßig wohl. Auch der Künster selbst, Denis Jones, äußerte sich vor dem Gig skeptisch und fragte sich, ob die mampfenden Schönlinge ihm denn überhaupt Beachtung schenken würden. Letztlich verhielt sich das Publikum aber relativ fair und es wurde nicht allzu heftig geplappert. Begünstigend kam hinzu, daß die Boxen ziemlich laut aufgedreht wurden und der Kollagensound des Klangkünstlers Denis Jones die Plaudereien an den Tischen weitestgehend überdeckte. Schade allerdings, daß es technische Probleme gab. Zunächst riss dem Briten schon nach ein paar Takten eine Gitarrenseite, die er eigenhändig reparieren musste und dann war der Rauschebartträger auch mit dem Ton nicht so recht zufrieden. Seine Loop-und Sampeltechnik ist faszinierend, allerdings auch störungsanfällig und live nicht immer leicht zu reproduzieren. "Sorry ich kann hier nur die halbe Leistung bringen", sagte er etwa in der Mitte des Auftritts schulterzuckend in Richtung des Publikums. Aber das störte mich persönlich nicht sonderlich, denn das enorme Potential und der Ideenreichtum des Engländers war dennoch einwandfrei zu erkennen. Seine Stimme ist vorzüglich und seine Elektrofrickeleien klingen so organisch, daß man das Ganze trotzdem noch als Folk bezeichnen kann. Eine moderne Interpretation des Genres freilich. Future Folk kann man bei Last fm lesen und dieser Begriff trifft die Sache schon sehr gut. Anstatt am konventionellen Singer/Songwriter-schema festzuhalten, bei dem traurige Männer traurige Lieder auf einer Akustikgitarre zum Vortrage bringen, feilt Jones an einem Stil, der zwar in den letzten Jahren auch schon von einigen anderen Künstlern angewendet wurde, aber dennoch ganz klar die Handschrift seines Autors trägt. Vor allem aber: die Lieder von Denis sind einfach wunderschön! Sie stammten heute größtenteils von seinem letzte Output Clap Hands, in Ausnahmefällen aber auch von seinem Debüt Humdrum Virtue. Eine Setlist hatte der talentierte Musiker trotzdem nicht, denn ein Teil des Sets bestand aus freien Improvisationen. Dennoch wurde es über die gesamte Länge nie zu experimentell, weil Jones unkonventionellen Liedern, auch immer mal wieder Stücke hinterherschickte, die einen eher klassischen Folkaufbau hatten. Visuell wurden die Tracks von abstrakten Videos untermalt, die die hypnotische Wirkung des Songmaterials noch unterstrich.

Nach etwa 40 Minuten hatte Jones fertig und schlich von der kleinen Bühne. Ich (und diejenigen die zugehört haben) hatte(n) ein feines Konzert erlebt, das ich mir noch durch CD Käufe versüßte. Ich lehne mich sicherlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, daß die Indiegemeinde von Denis Jones in den nächsten Jahren noch so einiges hören wird.




Mittwoch, 14. April 2010

Balmorhea, Paris, 13.04.10

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Konzert: Balmorhea
Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 13.04.2010
Zuschauer: 45 oder so
Konzertdauer: etwa 40 Minuten


Bloggerlieblinge live zu erwischen ist gar nicht so einfach wie man denkt, zumal wenn sie aus dem fernen Amerika kommen. Pitchfork rührt die Soße meistens schmackhaft an und topinformierte und trendige Blogs wie das famose Klienicum machen uns den Mund nur noch mehr wässrig. Zu dumm nur, daß die meisten gar nicht den Sprung über den großen Teich schaffen. Von den gefühlten 2374 neuen Tönen, von denen man bei Marathonläufer Eike (er redet zwar irritierenderweise immer von "wir", aber in Wahrheit steckt hinter dem geballten Fachwissen und der Informationsflut wirklich nur eine einzige Person!) täglich lesen kann, kamen geschätzte 14 nach Europa. Die anderen 2360 werden wohl nie ihre Töne auf dem alten Kontinent erschallen lassen. Ich beliebe ein wenig zu scherzen, bin aber von der Wahrheit nicht allzuweit entfernt.

Toll und außergewöhnlich deshalb, daß es Balmorhea aus Texas tatsächlich nach Paris geschafft haben. Da möchte man meinen, daß die bespielte Location, das Espace B, aus allen Nähten platzt. Schließlich hat doch auch die weltberühmte Blogothèque gerade eben erst eine Session mit Balmorhea abgedreht. Volle Hütte heute also? Denkste! Hochgerechnet 45 Zuschauer hatten sich schließlich eingefunden, darunter ein paar Leute, die in dem Laden arbeiten und eine handvoll Blogger (+ meine Freundin Valérie, die gefilmt hat). Den vollen Eintrittspreis von gerade einmal 8 Euro haben sicherlich höchstens 30 Musikfans bezahlt. Ich war einer von ihnen, denn ich finde, daß das Espace B nicht nur durch warme Worte unterstützt gehört. Und welche Band kann schon von wohlwollenden Artikeln von Bloggernerds wie dem Konzerttagebuch leben? Ist mir sowieso ein Rätsel, wie Sympathen wie die Jungs und Mädchen von Balmorhea diese Reise finanziert bekommen. Schließlich müssen unfassbar wuchtige und sperrige Instrumente wie ein Kontrabass oder ein Cello (und sogar ein Klavier, aber das war wohl gemietet) irgendwie transportiert werden. Von ihrer mickrigen Gage können sie vermutlich gerade mal den Gepäckzuschlag bezahlen. Tja, das Leben der Indiebands ist härter als die Morgenlatte und insofern geht es ihnen wie uns Bloggerpsychopathen. Viel Arbeit und Herzblut, keine Kohle. Aber es geht ja hier um Kunst und Leidenschaft (kommt vom Verb "leiden"), das sollte ja noch einmal betont werden! Und die Kunst, die klingt bei Balmorhea besonders schön! Eine ganze Streicherfraktion, bestehend aus einer Cellistin, einer Violinistin und einem Kontrabassisten und drei andere Burschen an Schlagzeug, Bass, Piano, Gitarre und vereinzelt Banjo sind notwendig, um diesen, nun ja nennen wir es Post Folk, live darzubieten. Anführer der taubstummen Bande (gesungen wird fast nie) sind Rob Lowe (nicht der Schauspieler) und Michael Muller und die beiden halten den Laden zusammen, wenn die Kakophonie überhand nimmt. Den andächtig zuhörenden Zuschauern wurde keine leicht zu konsumierende Kost serviert und beim ersten Lied fragte ich mich fünf Minuten lang (so lange dauerte ungefähr das zarte Pianointro), wann es eigentlich richtig los geht. Im Mittelteil ging dann tatsächlich sogar auch einmal der Gaul mit der ansonsten in Zeitlupe agierenden Truppe durch und ich wurde heftig aus meinem Tiefschlaf gerüttelt, in den ich verfallen war. Ha, wieder so ein Scherz, ich habe natürlich nicht geschlafen, sondern nur meditiert! Das konnte man nämlich wirklich ausgezeichnet zur Musik von Balmorhea. Die Amis spielten ein halbes Dutzend Lieder, die sowohl von ihrem aktuellen Outpout. Constellations, als auch vom Vorgänger All Is Wild All Is Silent stammten. Ganz zum Schluß gab es sogar ein nagelneues Lied, das mich ein wenig an die Dänen von Efterklang erinnerte. Es endete ziemlich abrupt und war das Signal dafür, vom Fußboden (wo die meisten saßen, die alten Wischmops!) aufzustehen und sich zum Merch zu bewegen. 10 Euro pro CD wurde verlangt, das Gesamtwerk hätte man also für 30 Euro erwerben können. Sicherlich günstiger als die Karte für die Dinosauerierband Foreigner, bei der mein Freund von Rockerparis heute im Grand Rex am Start war. Ob er Recht damit hat, auf angesagte Blogs zu pfeifen und sich stattdessen alte Schnulzen wie I Wanna Know What Love Is reinzuziehen? Natürlich nicht! Allein schon ein Stück wie Remembrance war das Kommen wert. Balmorhea sind toll, auch ohne viel Gesang! Schön, daß sie mir ins Netz gegangen sind!

Konzertdaten von Balmorhea (ohne Gewähr):

15.04.2010: Werkstatt, Chur, Schweiz
16.04.2010: Bad Bonn, Düdingen, Schweiz
17.04.2010: Alte Landi, Vinelz, Schweiz
19.04.2010: 007 Prag, Tschechien
20.04.2010: Societaetstheater, Dresden
21.04.2010: OPT, Wroclaw, Polen
22.04.2010: Haus 73, Hamburg
25.04.2010: Ekko, Utrecht, Holland

Super Video Balmorhea Rembrance von meiner Freundin Valérie Toumayan. Angucken!

Balmorhea - Take Away Show - Remembrance from valerie toumayan on Vimeo.





Sonntag, 7. März 2010

dd/mm/yyyy, Paris, 06.03.10

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Konzert: dd/mm/yyy

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 06.03.2010
Zuschauer: etwa 300
Konzertdauer: ungefähr 50 Minuten



Ist schon sehr speziell, was die Kanadier von dd/mm/yyyy (sprich day, month, year), da fabrizieren. Kann man das unter Math Rock fassen? Aber in diese Schublade wurden ja auch Foals gesteckt und vom eingängigen, chartskompatiblen Sound der Engländer sind dd/mm/yyyy wirklich meilenweit entfernt. Also wen dann als Vergleich heranziehen? Battles? Könnte man, aber irgendwie klingt das doch ganz anders bei der fünfköpfigen Band aus Toronto.

Mußte heute feststellen, daß mein Geschmack doch sehr normal ist und mir bei experimentellen Bands wirklich die Vergleichsmöglichkeiten fehlen.
!!! (chk chk chk) hatte ich vor ein paar Jahren mal gesehen und da gab es auch schon den Gimmick mit den zwei Schlagzeugern, der uns auch heute präsentiert wurde und den man ansonsten von Bands wie Caribou, Go! Team und Dananananaykroyd kennt. Also gibt es gar nix Neues bei dd/mm/yyyy? Hmm. Sie schreien ziemlich viel und ziemlich wild durcheinander. Aber das hatte ich so ähnlich auch schon bei den Blood Brothers, The Automatic und Dananananaykroyd gehört. Ausnahmsweise fehlen mir die Worte und ich zitiere eine Quelle, die ich bei Wikipedia gefunden habe. The nature of dd/mm/yyyy music is explained as: "A mess of spastic, specially challenged art rock with jagged, diamondback guitars, 80s video game synthesizers, and drums that roll with all the punches of the dicordant dreamy vocals." Aha? Habt ihr's kapiert? Nö? Egal! Kurz gesagt: es ist ein einziges Geschreie, Gehaue und Gesteche, aber trendige Menschen (und Blogger) finden's trotzdem geil.* Scheint mir zumindest so. Also hier und heute in Paris zuckte es vielen Hipstern bei den stakkatischen Rhythmen ganz schön im Fuß. Vor allem die anwesenden Amis und Kanadier kamen voll auf ihre Kosten.

Was sagt eigentlich die Visions zu dem Quintett aus Toronto? Würde mich jetzt mal interessieren, schließlich fanden die ja auch gänzlich unerträgliche Bands wie The Blood Brothers und Mars Volta grandios
. So fies sind dd/mm/yyyy übrigens nicht. Es gab immer mal wieder einzelne Passagen, überraschende Wendungen, Ideen und Tricks, die mich kurzfristig packten, aber letztendlich war es doch zu harter Tobak für mich und ich verließ vor dem Ende die Flèche d'or...

Videoclip: dd/mm/yyyy- Infinity Skull Cube



* man kann sich ganz genau die Formulierungen ausdenken, mit denen nordamerikanische Fans ihre Shows beschreiben: "these guys are totally amazing live, they are fucking awesome etc."




Dienstag, 26. Januar 2010

Ecstatic Sunshine & Jason Urick, Paris, 25.01.10

2 Kommentare

Konzert: Ecstatic Sunshine & Jason Urick

Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 25.01.2010
Zuschauer: 30-40



Hmm. Ich glaube diesen Konzertabend hatte ich nicht sorgfältig genug ausgewählt, ansonsten wäre ich doch eher zu Marie-Flore gegangen, die im Sunset die Release Party ihrer ersten EP feierte, oder aber zu Myra Lee, die bei Les Disquaires aufspielte. Das Elektrogefrickel von Jason Urick (auf dem Foto) und Ecstatic Sunshine, beide USA, war wirklich nix für mich. Dabei dachte ich, dem Ganzen etwas abgewinnen zu können, weil ich gerade in meiner Krautrockphase bin, sprich zur Zeit CDs der deutschen Elektropioniere Cluster bzw. Harmonia und Tangerine Dream höre. Den mitunter echt zähen Kram führe ich mir allerdings zu Hause auf dem Bett per Kopfhörer zu Gemüte. Zur Not kann ich dabei einschlafen, ist auch nicht schlimm. Wenn man aber, wie ich heute im Pariser Espace B, 40Minuten lang auf die Bühne glotzt, wo im Falle von Jason Urick ein sehr kräftiger Zeitgenosse stumm hinter seinem Apple Notebook hantiert und dabei Bier säuft*, oder im Falle von Ecstatic Sunshine ein schmalbrüstiger Blondschopf mit umgeschnallter Gitarre wortlos hinter seinen Apparaturen danieldüsentriebt, dann ist das Ganze schon sehr fad. Wahrscheinlich hätte ich mich einfach auf den Boden legen und mich berieseln lassen sollen, um in eine Art Trance zu verfallen. Weil aber die Gesellschaft der netten programmgestaltenden Mädels des Espace B und von Reza (bekannt aus der letzten Oliver Peel Session) so angenehm war, plauderte ich ausnahmsweise während der Konzerte* ungeniert. Macht man nicht, ist ganz schlechter Stil, ich weiß, ich weiß. Aber ich glaube, die sphärischen elektrischen Töne überdeckten eh alles und somit wurde keiner im Publikum an seinem Nickerchen gestört.

Hinsichtlich Ecstatic Sunshine muss allerdings hinzugefügt werden, das da heute nur ein einziger Musiker auf der Bühne stand, obwohl MySpace 6 Bandmitglieder aufzählt. Möglich, daß sich das Ganze in dieser Konstellation dann völlig anders, sprich deutlich spannender anhört. Den Track Perrier finde ich nämlich eigentlich sehr interessant...

* eine Userin schreibt hierzu bei Last Fm: " I admire the fact he smoked a cigarette and drank a beer while playing last night. right on"

*die folgendermaßen abliefen: Jason Urick hat ein einziges 30-40 minütiges Stück gespielt, sprich nur einmal Applaus bekommen und aus dem hörte ich zum Teil Erleichterung heraus, daß es vorbei war. Der Kerl von Ecstatic Sunshine hat - zumindest erschien es mir so - 2 Stücke dargeboten, also zweimal Applaus bekommen und auch hier sah ich ein paar erleichterte Gesichter...

Link:

Pitchfork.com steht auf Ecstatic Sunshine und schreibt dies über das Album Turned On.




 

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