Dienstag, 23. März 2010

Blood Red Shoes, Köln, 23.03.10


Konzert: Blood Red Shoes (& Pulled Apart By Horses)
Ort: Gloria, Köln
Datum: 23.03.2010
Zuschauer: voll, nicht ganz ausverkauft (sind das 700?)
Dauer: Blood Red Shoes 65 min, Pulled Apart By Horses gut 30 min (gut? Nun ja...)


Wie schlimm das ist, wenn sich eine Band auflöst, an der man hängt, können wohl nur Musiknerds wie du und ich nachvollziehen. Wer tagtäglich passiv seine Portion Rihanna im Radio konsumiert und vielleicht höchstens mal zum Kennenlerntag eine Karte für ein Stingkonzert geschenkt bekommt, hat musikalisch ganz andere Probleme.

Ich hatte mir vor einem Jahr Gedanken gemacht, was denn mit meinen liebgewonnenen Blood Red Shoes los ist und hatte gefürchtet, daß das ununterbrochene Touren mit der ersten Platte vielleicht schon das letzte sein könnte. Und wenn es ein zweites Album geben würde, würde das etwas taugen?

Ziemlich überraschend kam dann im letzten Sommer die Gelegenheit Laura-Mary Carter und Steven Ansell bei einem wundervollen Festival in Nijmegen zu sehen. Und dieser Auftritt war Entwarnung an allen Fronten: die beiden wirkten, als hätten sie viel Spaß, sie spielten viele neue Lieder, und die waren alle hervorragend! Fehlten zur Normalität nur noch Festivalbestätigungen in Deutschland (Haldern!), eine Tour mit Maximo Park (erl.) und ein Clubkonzert im Gebäude 9.

Man hatte der Band aber vermutlich versprochen, ihnen auch einmal etwas anderes von Köln zu zeigen als Deutzer Hinterhofromantik und "verlegte" das Konzert ins tolle Gloria mitten in die Innenstadt. Vermutlich war auch das der Grund für die für Köln ungewöhnlich frühe, angekündigte Startzeit von 20 Uhr. Ernstgenommen hatte das kaum jemand, denn um acht war der plüschige Theatersaal noch ziemlich leer. Vielleicht hatten die anderen aber auch gehört, wer Pulled Apart By Horses sind und nicht bloß gelesen, so wie ich. Band aus Leeds, jung, Dance To The Radio, das reichte mir für Vorfreude. Der infernalische Schrei-Krach, den die vier jungen Engländer fabrizierten, blies diese aber schneller weg, als ich papp sagen konnte.

Und als ich gerade so vor mich hindachte, daß das vermutlich genau die Musik von Blood Red Shoe Steven ist, kam der aus dem Backstagebereich, stellte sich ins Publikum und schuf ein kleines Eckchen Wacken im Gloria. Toll! Damit waren die Nordengländer dann doch irgendwie zumindest passiv unterhaltsam.


Setlist Pulled Apart By Horses, Gloria, Köln:

01: Back to the fuck yeah
02: E=MC Hammer
03: High five, swan dive, nose dive
04: Yeah buddy
05: I've got guestlist to Rory O'Hara's suicide
06: Get off my ghost train
07: Meat balloon
08: The Crapsons
09: I punched a lion in the throat

Der folgende Umbau bot keine Überraschungen: Laura-Marys Mikro, Stevens Schlagzeug, ein Drumpad, ein paar Verstärker und Effekte. Das einzige, was den Bühnenaufbau von dem x-beliebiger Vorgruppen unterschied, war das große Transparent mit Bandschriftzug hinten an der Wand.

Ähnlich unmondän erschienen dann auch die beiden Musiker. Steven trug sein gestreiftes Lieblingsshirt, Laura kein Blümchenkleid, sondern ein Streifen-Schlabbershirt. Sie hat in irgendeinem Interview nach dem Münchener Konzertabbruch gesagt, sie wolle nicht auf ihr Äußeres reduziert werden, sondern als Musikerin ernstgenommen werden. Gut, uns liegt das ohnehin fern, andere als musikalische Qualitäten von Bands zu kommentieren, die Sorgen der BRS-Sängerin sind aber besonders unnötig, weil jeder, der die Band einmal live gesehen hat, weiß, was für eine großartige Musikerin Laura-Mary Carter ist. Aber vermutlich überinterpretiere ich das alles nur.

Was für eine brillante Liveband das Brightoner Duo ist, müssen wir wirklich nicht mehr erwähnen. Ich habe zu wenig Ahnung, um zu beurteilen, ob Steven wirklich der fabelhafte Trommler ist, für den ich ihn halte. Aber das, was er abliefert, sieht schon verflucht aufregend aus, obwohl Schlagzeuger sonst ja eigentlich die uninteressantesten Bandmitglieder sind.

Das Programm unterschied sich nicht sonderlich von den letzten Konzerten, da auch bei denen schon ein Schwerpunkt auf den da noch nicht veröffentlichten Stücken lag. Bis auf Heartsink hatten die beiden alle neuen Lieder bereits früher gespielt (bei Konzerten, die ich gesehen habe). Nur die beiden Titel, die ich auch auf Platte am seltensten höre, Follow the lines und One more empty chair gehören offenbar nicht zum Repertoire, nicht dramatisch bei den Alternativen.

Ergänzt wurde das Set durch einige Knüller von Box of secrets und die scheinbar gesetzte Single You bring me down. Durch die vielen neuen Sachen fehlten "Klassiker" wie ADHD oder Try harder - aber für eine Zwei-Alben-Band haben Laura-Mary und Steven einfach schon zu viele potentielle Live-Lieder. Es hätte also locker noch für zwanzig Minuten mehr gereicht...

Es hätte sicher mein bestes BRS-Konzert bisher sein können, wenn der Sound nicht so schrecklich dumpf gewesen wäre. Natürlich sind die Blood Red Shoes keine New-Folk-Gruppe, bei der jeder Banjo-Ton in Studioqualität klingen muß. Aber es wird ihnen auch nicht gerecht, wenn nach dem Motto "Hauptsache laut" ausgesteuert wird. Für eine Garagenband sind die Lieder der beiden viel zu filigran, auch wenn das manchmal ein wenig subtil ist. Jedenfalls nervten die dumpfen tiefen Töne ziemlich stark und versauten es gehörig. Obwohl die Sängerin auch dazu etwas nuschelte, schien die Laune der beiden nicht schrecklich darunter zu leiden; Laura redete erstaunlich viel!

Am besten gefallen hat mir wieder einmal das ruhige Kleinod
When we wake. Vor Fire like this hätte ich der Band ein solches Stück nicht unbedingt zugetraut, finde aber mittlerweile, daß es ihnen perfekt steht. Und spätestens da müsste der Soundmann gemerkt haben, daß die Mischpult-Einstellung "Punkrock - laut" vielleicht nicht seine beste Entscheidung gewesen ist.

Eigentlich mag ich es nicht, wenn wir hier über Bands schrecklich oft berichten. Wir wollen schließlich nicht monothematisch sein. Mir graut auch davor, Gruppen mehr als zehnmal gesehen zu haben. Aber bei Bands wie den Blood Red Shoes geht es leider nicht anders; die beiden sind einfach zu gut! Also demnächst mehr fliegende Haare und streifige T-Shirts!

Setlist Blood Red Shoes, Gloria, Köln:

01: Doesn't matter much
02: It is happening again
03: I wish I was someone better
04: Light it up
05: You bring me down
06: Count me out
07: When we wake
08: This is not for you
09: Don't ask
10: Say something say anything
11: Keeping it close
12: Heartsink

13: It's getting boring by the sea (Z)
14: Colours fade (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Interview mit den Blood Red Shoes
- Blood Red Shoes, Paris, 09.12.09
- Blood Red Shoes, Frankfurt, 28.02.09
- Blood Red Shoes, Düsseldorf, 22.10.09
- Blood Red Shoes, Nijmegen, 19.07.09
- Blood Red Shoes, Köln, 04.11.08
- Blood Red Shoes, Highfield, 17.08.08
- Blood Red Shoes, Melt!, 18.07.08
- Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07





0 Kommentare :

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates