Sonntag, 15. August 2010

Blood Red Shoes, Haldern-Festival, 14.08.10

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Konzert: Blood Red Shoes
Ort: Haldern-Pop Festival
Datum: 14.08.2010
Dauer: 51 min
Erster Konzertbericht bei uns: 06.03.07 (Paris)


Die Blood Red Shoes sind unsere meistgesehene Band. Auch wenn wir uns bemühen, nicht zu einseitig zu sein bei der Auswahl unserer Konzertberichte, kommen wir einfach nicht um das englische Duo herum. Auch natürlich nicht in Haldern. Bevor Oliver hier hoffentlich auch über Laura-Marys neue Frisur schreibt, hier vorab die...

Setlist Blood Red Shoes, Haldern-Festival:

01: It's getting boring by the sea
02: It's happening again
03: I wish I was someone better
04: Light it up
05: Say something, say anything
06: Count me out
07: This is not for you
08: Don't ask
09: Keeping it close
10: You bring me down
11: Heartsink
12: Colours fade

Links:

- Interview mit den Blood Red Shoes
- Blood Red Shoes, Köln, 23.03.10
- Blood Red Shoes, Paris, 09.12.09
- Blood Red Shoes, Frankfurt, 28.02.09
- Blood Red Shoes, Düsseldorf, 22.10.09
- Blood Red Shoes, Nijmegen, 19.07.09
- Blood Red Shoes, Köln, 04.11.08
- Blood Red Shoes, Highfield, 17.08.08
- Blood Red Shoes, Melt!, 18.07.08
- Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07





The National, Haldern-Festival, 14.08.10

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Konzert: The National
Ort: Haldern-Pop Festival
Datum: 14.08.2010
Dauer: 94 min


Vor wenigen Stunden beendeten The National auf der Hauptbühne das diesjährige Haldern-Pop Festival. Oliver und ich waren uns hinterher einig, daß die Amerikaner wie erwartet das beste Konzert des Festivals gespielt hatten.

Ein guter Grund, das Konzert aus verschiedenen Perspektiven zu beschreiben. Olivers und meine Einschätzung folgen in Kürze hier!

So sah Oliver Peel das Konzert:

Auf das Konzert der Headliner The National warteten viele Besucher des Haldern-Pop Festivals schon seit Tagen in fiebriger Anspannung. Auch viele Bands hatten seit dem 1. Festivaltag am Donnerstag bekundet, daß sie sich besonders auf The National freuen und somit indirekt die Veranstalter dazu beglückwünscht, diesen dicken Fisch an Land gezogen haben. Die Erwartungen waren also immens hoch und es stellte sich die Frage, ob die Amerikaner mit dem Druck fertig werden würden. Der Anfang des Konzertes verzögerte sich dann schließlich. Für 0 Uhr 35 angesetzt, erschienen die Darkrocker letztlich erst eine Viertel Stunde später. Ein zäher Auftakt eines Auftritts, der auch in der weiteren Folge von kleinen Pannen und technischen Problemen überschattet wurde. Bereits nach ein paar Takten des Openers Afraid Of Everyone musste Bandleader Matt Berninger schmunzelnd abbrechen, weil er die Tonlage nicht traf und auch der Sound nicht optimal war. Man startete erneut und spielte dieses Mal auch das Lied durch, aber die Stimme von Matt schien knarzig und deutlich weniger weich und rund als auf den Alben. Ein Fehlstart, keine Frage! Auf den Beginn vieler Songs des Sets warteten die Fans ewig lange, denn es musste immer wieder gestimmt und gesoundcheckt werden. Der fabelhafte Drummer Bryan Devendorf überbrückte die Pausen durch ein paar Trommeleinlagen, konnte aber nicht verhindern, daß der Spielfluß gestört war. Tight geht anders. Dennoch kam das Konzert mit jedem weiteren Titel immer besser in Schwung. Matt hatte sich inzwischen auch besser eingesungen und seine famose Baritonstimme klang immer präziser und ausgewogener. Die beiden Zwillingsbrüder Dessner an der Gitarre waren ohnehin von Beginn an gut aufgelegt. Mit ihren messerscharfen, postpunkigen Riffs steuerten sie genau jene Rauheit und Rockigkeit bei, die ich auf dem hochgelobten Album High Violet schmerzlich vermisse. Statt harmonisch rundem Altherrenpop (und gepflegter Langeweile!) wie auf der Konserve gab es schmissige, treibende und euphorisierende Versionen ihrer neuen Stücke. Oft fragte ich mich, warum man Sachen wie England, Bloodbuzz Ohio und vor allem Terrible Love nicht gleich live auf Tonträger gebannt hat. Vor allem die Zugabe Terrible Love war um so vieles direkter, fetziger und berauschender als auf CD! Auch die Bläser- und Streicherparts vermittelten live deutlich mehr Emotionalität, Brillanz und Spontaneität. Aber nicht nur das neue Material wurde live neu und auf famose Weise interpretiert, sondern auch die Klassiker bekamen ein astreines Lifting. Bei Squalor Victoria (von Boxer) schrie Matt Berninger den Refrain als hinge er am Spieß und Fake Empire brachten die Musiker so betörend schön und anrührend wie selten zuvor. Bemerkenswert auch, daß Mister Berninger seine schon fast legendäre Schüchternheit (manche sprechen von Autismus!) gut in den Griff bekam, seltener als sonst die Flucht zu seinem Schlagzeuger antrat und in einer spektakulären Szene sogar die Bühne verließ, um den Fans ganz nah zu sein. Als er an unsere Seite der Absperrung gleich vor uns stand, hätten wir ihm problemos in das Mikro/den Bart greifen können!

So zäh und wenig überzeugend der Beginn des rund 90 minütigen Konzertes war, so überaus berührend und nahegend war das Ende. Die Ballade About Today (von der Cherry Tree EP) kam so himmlisch einschmeichelnd rüber, daß die begeisterten Fans die Band gar nicht mehr gehen lassen wollten. Zu einer weiteren Zugabe kam es aber nicht mehr, blame it on the technical problems!

Unter dem Strich stand ein Auftritt, der trotz seiner Pannen bewies, daß The National zu Recht in der Champions League der Indierockbands spielen. Wenn bei ihnen alles zu glatt gelaufen wäre, würden sie mir fast unheimlich werden, bedenkt man daß Matt Berninger von Haus aus ein reservierter und ängstlicher Mann ist, der es nie darauf angelegt hat, mit seiner Truppe auf den großen Bühnen dieser Welt zu spielen. Schön, daß er sich so geöffnet hat und viel Intimes aus seinem Innenleben preis gibt!

Die Einschätzung von Christoph folgt hier:

"Wie sollen wir bloß 13 Stunden Festival überstehen?" war die große Sorge am Mittag, weil der Samstag keine (großen) Pausen zuließ. Und weil am Ende mit The National auch noch das ausgemachte Highlight spielen sollte, war auch klar, daß vorher schlappmachen ausgeschlossen sein würde.

Um die Qualität der amerikanischen Band mit dem langweiligen aber doch wieder griffigen Namen zu erkennen, habe ich eine Weile gebraucht. Aber spätestens seit Haldern 2008 halte ich die Männer um Matt Berninger für eine der größten Bands unserer Zeit - vor allem live. Daher war es nicht schlimm, The National innerhalb von drei Wochen zweimal zu sehen; meine Vorfreude war riesig, denn der Auftritt der Amerikaner beim Latitude Festival vor ein paar Wochen war subjektiv zwar nur der zweitbeste, objektiv aber ganz sicher das mit Abstand beste Konzert des Wochenendes und vermutlich des Jahres.

Obwohl der Zeitplan den ganzen Tag über prima eingehalten wurde, fing es gerade jetzt mit den Verzögerungen an. Um Viertel vor eins, nach besonsers intensivem Soundcheck, erschienen Sänger Matt Berninger und die Bruderpaar Aaron und Bryce Dessner und Bryan und Scott Devendorf.

Und das Brummen.

Es brummte so laut aus den Lautsprechern, daß klar war, daß ein größeres Problem da ist. Die Band ignorierte das zunächst und begann ihr Set mit dem eher ruhigen Afraid of everyone, bei dem Matt Berningers Stimme schlecht zu hören war, ich vermute wegen eines Mikroproblems. Das Lied verpuffte total. Es gab das, was man wohl höflichen Beifall nennt, aber nicht mehr. Von Euphorie, diese grandiose Band sehen zu dürfen, war nichts zu spüren. Ich vermute, daß es an der völligen Übermüdung des Publikums lag, Haldern Besucher sind ja nicht für ignorantes Verhalten bekannt. Aber schlechter Ton hin oder her, die Stimmung kommt von vor der Bühne, und die war bei Tallest Man On Earth (der eher klein war) deutlich besser.

Bei den ersten Klängen des zweiten Stücks war ich sicher, daß das Konzert jetzt beginnt. Beim Latitude hatte der Saal (das Zelt) gebebt, als Mistaken for strangers angestimmt wurde. Auf dem Reitplatz in Haldern passierte wieder gar nichts. Eigentlich hätte ich da gehen wollen, aber ich blieb natürlich; das Brummen leider auch.

Frontmann Matt hatte ich bisher grundsätzlich scheu, fast verstört zurückhaltend erlebt. Ob er es wegen der Pannen erforderlich hielt oder weil er bloß redselig war, er fing an zu erzählen, vom See, in dem sie tagsüber gebadet hätten. "We saw many naked people which for Americans is a great deal. It's a good day!"

Für die Techniker war es das nicht. Immer wieder versuchte man verzweifelt, die Störgeräusche zu beseitigen, die wohl am Bassverstärker auftraten. Matt Berninger versuchte sich als Entertainer. "Yeasayer did this to us! Damn you, Yeasayer! Saboteurs!" Währenddessen bastelten die Soundleute weiter am Brummen. In dieser Phase war Slow show mit den scheppernden Bläsern ein erster großer Höhepunkt. Spätestens jetzt hatte das Konzert mich. Aber um mich rum nur Leute, die Gesichter zogen, als hätte man ihnen gerade gesagt, das nächste Festival finde komplett im Spiegelzelt statt.

Und dann wieder Probleme. Mitten in Squalor Victoria sang der Frontmann plötzlich "this isn't working. Fuck off!"

Es dauerte eine Stunde, bis die Band verkündete, sie habe "our shit together." Vorher schienen mir die Kommentare immer zynischer zu werden. "This is gonna be conversation 14 tonight" oder der Dialog vor Sorrow. Matt: "It's for you" - einer der Dessners: "It's for us!" Hätte das den Problemen gegolten, ok! Wenn das der Kommentar zur Stimmung war, volle Unterstützung! Mir tat die Band in beiden Zusammenhängen leid. Die viel zu späte Ansetzung hatte vermutlich ein für alle grandioses Konzert kaputtgemacht. Keine glückliche Entscheidung der Macher, und eine vollkommene Fehleinschätzung, wie fit man nach einem langen Festivalwochenende noch ist.

Warum das Konzert aber trotz allem für mich doch noch großartig und zum besten des Wochenendes wurde, obwohl nur die letzte halbe Stunde klanglich brillierte, ist einfach erklärt. The National liefern live zur Zeit den Sound (übertragen), an den niemand sonst rankommt. Selbst die vielleicht überproduzierten, oft zu fröhlichen Lieder der aktuellen Platte, sind auf der Bühne Kracher. Die Synchronbewegungen der Gitarristenzwillinge, vor allem ihr schrammeliges Spiel, das Verstörte bei Matt Berninger, die wohldosierten Bläser, das Geschrei an den richtigen Stellen, all das macht Konzerte von The National zur Zeit zum besten Indierock, den man geboten bekommen kann. Ich fürchte, daß sich daran auch Interpol und Arcade Fire später im Jahr die Zähne ausbeissen werden. Vielleicht nicht konkret an diesem Abend, ganz sicher aber an einem der anderen National-Konzerte.


Setlist The National, Haldern-Festival:

01: Afraid of everyone
02: Mistaken for strangers
03: Anyone's ghost
04: Bloodbuzz Ohio
05: Slow show
06: Squalor Victoria
07: Conversation 16
08: Vanderlyle crybaby geeks
09: Abel
10: Apartment story
11: Sorrow
12: England
13: Fake empire
14: Mr. November

15: Runaway (Z)
16: Terrible love (Z)
17: About today (Z)

Links:

- The National, Latitude Festival, 16.07.10
- The National (mit Pavement), Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07





Montag, 9. August 2010

Shearwater, Frankfurt, 06.08.10

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Konzert: Shearwater (Nils Frahm)

Ort: Das Bett, Frankfurt
Datum: 06.08.2010
Zuschauer: etwa 120
Konzertdauer: Nils Frahm 35 Minuten, Shearwater 60-70 Minuten


Als wir gegen Viertel vor neun vor dem Frankfurter Indieclub Das Bett aufkreuzen, stehen wir vor verschlossenen Türen. Ein kleiner weißer (nein nicht der mit den Klopapier-Ersatzrollen!) Zettel am runtergelassenen Rollladen liefert die Erklärung: Einlass heute um 21 Uhr. Zu früh gekommen! So etwas passiert mir in meinem heimischen Konzertjagdrevier in Paris nie. Aber ich bin nun einmal mit meinem für seine Pünktlichkeit bekannten Bloggerfreud Christoph unterwegs und da wird keine Minute verpasst. Von Verpassen kann aber ohnehin nicht die Rede sein, denn bevor es mit dem jungen Berliner Pianisten Nils Frahm losgeht, vergehen quälend lange 70 Minuten. Um 21 Uhr hatte der Clubchef pünktlich den Rollladen hochgelassen und danach war erst einmal Dauerbeschallung durch die aktuelle Beach House CD Teen Love angesagt. Als die Scheibe zum dritten Mal durchläuft, würde ich am liebsten Amok laufen, denn der eiernde Orgelsound hängt mir bis zum geht nicht mehr zum Halse raus. Irgendwann ist die Qual zu Ende und Nils Frahm setzt sich hinter sein vor der Bühne aufgebautes Piano. Sein Spiel ist anmutig, traumversunken, hochmelancholisch. Es ist ein Genuss ihm zuzuhören. Das hinter und vor ihm stehende Publikum dankt es ihm durch vorbildliche Stille und applaudiert auch angemessen lang. Frahm selbst spricht scheinbar überrascht vom längsten Applaus, den er auf der Tour mit Shearwater bekommen hat. Seine Bescheidenheit macht ihn sympathisch, aber er muss sich wirklich nicht verstecken, denn er hat jede Menge Talent und sein rein instrumentales Set , das aus Stücken (insgesamt vier) von Wintermusik und Bells besteht, passt atmosphärisch auch gut zum Headliner des heutigen Abends.

Shearwater bequemen sich schließlich erst nach 23 Uhr auf die Bühne. Fünf amerikanische Musiker mit dem hochaufgeschossenen Sänger, Gitarristen und Pianisten Jonathan Meiburg an der Spitze und der schönbeinigen Bassistin Kimberley Burke als optisches Highlight. Natürlich hat sie mehr zu bieten als nur tadellose Beine und ein entzückendes Lächeln. Ihr graziles Baßspiel (mal gezupft, mal gestrichen) ist hochfein und ich kann meine Augen nicht von ihr lassen. Ihr friedlicher, verträumter Blick hätte allein schon das Kommen gerechtfertigt (am Ende habe ich ungefähr 400 Fotos von ihr, ...ähem, ja). Klarer Chef von Shearwater ist aber Jonathan, der wie immer mit seiner von zarten Anmut zur heroischen Stürmigkeit wechselnden Stimme begeistert. Sein anrührender Falsettgesang ist schlicht und einfach sensationell! Auch seine Mimik zu beobachten lohnt sich. Wenn er in den rockigen Passagen alle Zügel losläßt (der Kerl kommt aus dem Pferdeland Texas!) und den Mund wie ein angriffslustiger Löwe aufreißt, bleibt kein Auge trocken. Auch die anderen drei Musiker agieren effizient und hochklassig, fallen aber abgesehen von dem lustig frisierten Drummer mit dem Mickey Mouse T-Shirt nicht sonderlich auf. Letztgenannter hat gegen Ende seinen großen Auftritt, als er am vorderen rechten Bühnenrand zusammen mit Kimberley um die Wette klöppelt und dem Glockenspiel wahre Wohlklänge entlockt. Witziger als diese Szene ist aber eine Passage, in der er auf der Bühne nicht gebraucht wird, sich in aller Seelenruhe eine Flasche Bier holt und sich seitlich neben Kimberley kauert, um ihr Bein zu tätscheln. Ob der langmähnige Muskelprotz wirklich mit der Beauty zusammen ist? Eifersucht! Aber musikalisch ist er ja wirklich unumstritten toll, denn er spielt nicht nur formidabel Schlagzeug, sondern auch Klarinette.

Hinsichtlich des Songmaterials steht eindeutig das aktuelle Werk The Golden Archipelago im Vordergrund. Für mich nicht unproblematisch, weil ich von dem Vorgänger Rook so dermaßen bgeistert war, daß ich mich bis zum heutigen Konzert nicht getraut hatte, das neue Opus zu hören. Meine Bedenken werden aber ziemlich schnell zerstreut, denn schon der Opener Black Eyes ist betörend schön und auch Castaways lässt mich mit der Zunge schnalzen. Absolute Highlights bleiben aber Rooks und Century Eyes im Doppelpack, an diese mit jubilierenden Trompeten untersetzten Perlen kommen die neuen Sachen einfach nicht ran. Euphorisierend allerdings auch 74/75, das live noch mehr rockt als aus der Konserve. Ohnehin werden sämtliche Lieder leicht abgewandelt gespielt, nichts klingt wie vom Band und es bleibt Platz für Improvisation und Spontaneität, kleine Patzer inklusive. Schade, daß das Frankfurter Publikum so zurückhaltend bleibt und nur bedingt mitswingt, aber die Hessen sind wahrscheinlich stille Genießer, denn zufriedene Gesichter sieht man hinterher reichlich. Auch die deutsche Folksängerin Caroline (Projekt Radio Caroline) ist hingerissen. Sie kannte Shearwater vorher nicht und ist innerhalb von einer guten Stunde zum Fan geworden.

Das lange Warten auf die Bands hat sich letztlich also mehr als gelohnt. Dann läuft wieder Beach House vom Band. Die sehen wir am 15. August an gleicher Stelle und darauf freue ich mich bereits sehr. Trotz der nervigen Dauerberieselung bin ich nämlich glühender Anhänger des Duos...

Setlist Shearwater, Am Bett, Frankfurt:

01: Black Eyes
02: Landscape At Spead
03: Castaways
04: White Waves
05: God Made Me
06: Corridors
07: Hidden Lakes
08: Home Life
09: Rooks
10: Century Eyes
11: I Was A Cloud
12: 74/75
13: Uniforms

14: Missing Islands
15: Snow Leopard

Shearwater:

Past shows:

05.08.2010: München, Ampere
06.08.2010: Das Bett, Frankfurt
07.08.2010: Beatpol, Dresden

Demnächst:

09.08.2010: Comet Club, Berlin
10.08.2010: Übel & Gefährlich, Hamburg



Sonntag, 8. August 2010

Wild Nothing, Köln, 07.08.10

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Konzert: Wild Nothing
Ort: King Georg, Köln
Datum: 07.08.2010
Zuschauer: ca 120
Dauer: 40 min


Hören statt Sehen war heute mein Motto im King Georg...

Die kleine Kölner Indiebar, früher ein Animierbetrieb, war vollkommen überfüllt, als
wir ankamen. Entweder hatte sich herumgesprochen, daß Wild Nothing aus Virginia mit ihrer im Mai erschienenen Platte Gemini genau den Ton treffen, der gerade durch Bands wie die Pains Of Being Pure At Heart in ist, oder die vielen Zuschauer hatten in der konzertarmen Zeit genommen, was kam. Egal, was nun der Grund war, der Laden war vollgestopft bis in die letzte Ecke, und enttäuscht wurde sicher niemand von der US Band und ihrem Indie-Pop.

Das King Georg sieht von oben aus wie ein Streichholz. Der Stiel ist der Hauptraum, der allerdings fast komplett nur aus beidseitig erreichbarer Bar besteht. Konzerten kann man da nur vom Gang aus zugucken. Auf dem Streichholzkopf ist die Tanzfläche, heute die Bühne, um die herum es ein paar kleine Sitzecken gibt. Als wir kamen, waren die natürlich voll. Es gab noch ein paar Gangplätze ohne Sicht - zumindest auf nichts anderes als Hinterköpfe.

In diesem Gedränge wurde zu allem Überfluß dann noch geraucht. Daß man das darf, ist eine Sache. Daß das aber dann in solchen beengten Verhältnissen auch noch gemacht wird, eine andere.

Kurz nach neun begannen die vier Musiker. Wild Nothing sind als Projekt des Sängers Jack Tatum entstanden, der live 3 Mitstreiter braucht. Wobei ich das
nicht mit Gewißheit sagen kann, da ich nur zwei von denen ab und zu gesehen habe. Aber Oliver sagte mir, daß die Gruppen zu viert da war.

Die Melodien der US-Band gehen sofort ins Ohr. Das haben sie mit ihrer naheliegenden Referenz The Pains Of Being Pure At Heart gemeinsam, auch wenn das letzte Bißchen Brillanz im Vergleich fehlt. Aber diese Gitarren- und Bassläufe sind fabelhaft und bilden tolle Lieder. Natürlich erinnert vieles an The Cure oder an New Order, aber es gibt ja wahrlich schlechtere Vorbilder.

Leider teilten sich Wild Nothing auch meinen Hauptkritikpunkt mit den Pains Of Being...
Beim Latitude Festival hatten die beiden Pains Sänger große Probleme, die Töne zu treffen, das galt auch heute für Wild Nothing Frontmann Jack. Manchmal klang der Gesang schon falsch, nicht richtig schief, eher konsequent eine viertel Tonhöhe daneben. Andere Sachen gefielen mir live dafür besser als auf Platte: die Melodica (oder das Keyboard?) bei Chinatown zum Beispiel oder eben auch die besonders live so tollen Gitarren.

Neben Lieder ihrer Debütplatte spielten Wild Nothing einige mir unbekannte Stücke. Drei von denen stammen von der neulich veröffentlichten Evertide EP, darunter das fabelhafte Golden haze.

Der Abend hatte Potential, richtig schlimm zu werden (Qualm, Enge, schiefe Töne). Es war aber ziemlich gut - das sagt doch eigentlich alles über die Band...

Und als alles vorbei war, bewies der DJ Sinn für Humor und spielte Cure!

Setlist Wild Nothing, Kong Georg, Köln:

01: Golden haze
02: Live in dreams
03: Take me in
04: Confirmation
05: Your rabbit feet
06: The witching hour
07: Asleep
08: Summer holiday
09: Chinatown

10: Bored games

Links:

- Leser könnten auch mögen:
- The Pains Of Being Pure At Heart live in Suffolk, Paris & Köln





Freitag, 6. August 2010

The Indelicates, Frankfurt, 05.08.10

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Konzert: The Indelicates
Ort: Das Bett, Frankfurt
Datum: 04.08.2010
Zuschauer: ca 60
Dauer: 80 min


Auf Konzerte der Indelicates habe ich immer Lust. Obwohl die nächste richtige Tour Ende des Jahres kommt, und ich auch erst dann damit gerechnet hatte, sie wiederzusehen, kündigten sie vor ein paar Wochen noch ein paar Termine in Deutschland zwischendurch an. Glücklicherweise kam auch irgendwann Frankfurt dazu und verwarf damit alle irren Pläne, zur Not nach Osnabrück zu fahren.

Im Bett in Frankfurt hatte die Band um Julia und Simon Indelicate schon einmal gespielt, allerdings im alten in Sachsenhausen. Der tolle kleine Club war früher in einer Fußgängerzone voller Äppelwoi-Kneipen und hatte sich wegen seines ausgezeichneten Programms schnell zu einem Liebling gemacht. Vor ein, zwei Jahren
zog das Bett dann um und befindet sich jetzt in einem gemischten Wohn- und Gewerbegebiet am Stadtrand.

Als wir ankamen, fiel mir zuerst der riesige, englisch
beschriftete Bus auf der anderen Straßenseite auf. Ziemlich groß für eine kurze Tour.*

Drinnen war bereits alles aufgebaut. Das Bett sieht aus, als sei das Gebäude früher als Werkstatt oder Lackiererei genutzt worden. Die Beleuchtung macht aus dem weißen Saal etwas sehr Kühles, Stylishes. Dazu passte die elektronische Musik vom Band - Ladytron oder New Young Pony Club - perfekt. Der Bühnenaufbau schien sich dem angepasst zu haben, das Setup der Indelicates war deutlich elektronischer als sonst, es herrschte nämlich Keyboard/Gitarren-Parität. Das lag allerdings nicht an neuen Keyboards sondern an der einen, einsamen Gitarre, die da stand. Auch war kein Schlagzeug da, es würde also abgespeckt gespielt werden.

Um neun guckte Julia zum ersten Mal aus dem Backstageeingang. Fünf Minuten vorher wäre der Blick noch besonders ernüchternd gewesen, da waren kaum Leute im Saal. Dann füllte es sich etwas besser, sodaß es wenigstens einigermaßen voll
aussah. Daß die Tatsache, daß die Indelicates in einer Stadt wie Frankfurt selbst an einem Mittwoch nicht mehr Leute anlocken, eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ist, muß ich nicht mehr betonen...

J
ulia und Simon kamen ein paar Minuten später nach draußen. Es waren wirklich nur die beiden Indelicate-Köpfe, die heute auftraten. "Our band is dead!" erklärte der Sänger. "Nein, sind sie natürlich nicht, wir spielen aber heute Lieder, die die nicht kennen, daher sind wir alleine. Aber wenn ihr genug daran denkt, kommt vielleicht nachher noch ein Trompetenelf!" Na dann.

Das Programm begann mit Europe und America, Stücken vom zweiten und ersten Album. Songs for swinging lovers war vor einigen Wochen bei einem innovativen Netlabel erschienen; eine Vermarktungsidee, der sich immer mehr Bands anschließen (großartig ist das Beispiel von I like trains, die sich das Geld fürs Mastern ihrer Platte und die anschließende Tour bei (künftigen) Käufern innerhalb eines Tages besorgt haben und dabei lustige Sachen wie Skype Konzerte, Scrabble-Partien oder Gitarrenstunden verkauft haben).

Danach gab es Neues, The Alamo vom im Herbst erscheinenden Konzeptalbum David Koresh Superstar über den ausgeschiedenen Vorsitzenden der Davidianer-Sekte, der in Waco sein Alamo erlebte. Das Lied gefiel mir gut, auch wenn es schwer war, das richtig einzuschätzen, weil die Instrumentierung so vollkommen anders klang als mit drei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Klavier.

Beim nächsten Stück (Be afraid of your parents), das Simon wieder deutsch/englisch sang - wunderbar! - gab es erste hörbare Gitarrenprobleme. Die Gitarre oder eine Saite, keine Ahnung, ich bin blutiger Laie, klang enorm schief. Unglaublich schief!
"With the whole band you would never have noticed!" Er drehte und drehte, und es klang weiter nach Pekingoper. Julia langweilte sich und spielte "Tuning music", sensationell gut improvisierte Fahrstuhlmusik, zu der sie mit sehr lustigem Gesichtsausdruck mitwippte. Wenn sie das als CD aufnimmt, kaufe ich die blind.

Die leiernde Gitarre zog sich danach wie ein roter Faden durch das Konzert. Es klang teilweise schrecklich, was Simons Instrument abgab. Bei anderen Bands wäre das eine Katastrophe gewesen, hier machte es wenig aus. Vielmehr boten die schiefen Töne Gelegenheit für viele Späße der beiden.

Pannen gab es eh reichlich. Simon verpasst häufiger Einsätze, auch heute. Dann gibt es strafende Blicke von Julia und viele Lacher der beiden. Phänomenal auch eine Szene bei If Jeff Buckley had lived. Da sang Julia am Ende irgendetwas. Daran konnte ich mich gar nicht erinnern, ich habe das Lied aber auch lange nicht mehr gehört. Simon guckte sie hinterher fragend an. Auch die Keyboarderin war überrascht: "Huch, ich habe ja gesungen!" - "Ja. Das war das erste Mal, daß Julia bei diesem Lied gesungen hat! Und es war das letzte Mal!"

Bei Roses von der aktuellen zweiten Platte (Simon: "Second album - new ideas: Not so much!" - natürlich ausgemachter Blödsinn!), begann Julia mit Klavier, brach aber schnell ab. "How to play this one? I don't know!" Das sind solche Details, die ich an Konzerten liebe, kleine Pannen, die in großem Spaß enden. Beim anschließenden
Sympathy for the devil bediente Simon den Schellenkranz, der auf dem Boden lag, indem er im Rhythmus darauf trat. Das klappte und klang toll, bis er sich das Ding auf einmal aus Versehen über den Fuß zog und plötzlich ein klingelndes Fußkettchen anhatte - meine Lieblingszene!

Vom Koresh-Album ("wir machen jetzt immer zwei Platten pro Jahr") spielten Julia
& Simon noch ein zweites Stück. Ich glaube, es heißt I am Koresh. Auch das hat mich neugierig auf DK Superstar gemacht.

Für die letzten beiden Lieder vor den Zugaben, wobei das das falsche Wort ist, kam der imaginäre Trompeter auf die Bühne, der durchaus echt war (und Bastian Eppler
heißt und, wie es der Nachname verrät, aus Frankfurt stammt, auch wenn das ein schlechter Wortwitz ist). Bastian spielte bei Flesh und Jerusalem. Bei letzten schien auch er kräftig improvisieren zu müssen, denn nach und nach wurden Bastians Anteile innerhalb des Stücks größer, weil Simon mal wieder die Gitarre stimmte. Aber auch diese Improvisation klappte prima und war enorm sympathisch.

"Wir können jetzt von der Bühne gehen, und ihr klatscht und holt uns zurück. Oder wir bleiben hier und spielen weiter! Wollt ihr, daß wir gehen? Ok!" Sie verschwanden kurz und kamen nach zehn Sekunden wieder, um Wünsche für die Zugaben anzunehmen. Heroin und Fun is for the feeble minded (eines der tollsten Lieder der Band!) wurden gewünscht, schieden aber wegen der "Gitarrensituation" aus.

Our daughters will never be free (Simon: "dieses Feministen-Lied") und We hate the kids mit der Zeile "absolutely anyone can play this fucking guitar" wurden es dann. Aber die beiden Musiker mussten noch einmal zurückkommen und spielten dann Waiting for Pete Doherty to die. Das heißt, sie versuchten es. Denn Simon vergaß plötzlich den Text. Das Pärchen in meiner Nähe, das alles komplett mitgesungen hat, hätte sicher helfen können, der Sänger klärte die Situation aber souverän. "Damals musste man damit rechnen, daß er stirbt. Heute hat sich das Lied doch erledigt, er wird vermutlich niemals sterben!" Und er stimmte wieder eine vorher schon gesungene Strophe an, textete um und brachte das Stück mit "at least someone should die" zu Ende.

Wieder einmal ein unglaublich unterhaltsames Konzert dieser fabelhaften Band! Langweilig waren sie noch nie, so komisch (also gut-komisch) waren sie aber auch noch nie. Ich hoffe, daß sich Simon an das zwei-Alben-pro-Jahr Versprechen hält und auch jedesmal eine Tour stattfindet, wo soll ich sonst Stoff für die besten Konzertmomente des Jahres herbekommen?


Setlist The Indelicates, Das Bett, Frankfurt:

01: Europe
02: America
03: The Alamo (neu)
04: Stars
05: Be afraid of your parents
[Tuning music]
06: We love you, Tania
07: Unity Mitford
08: If Jeff Buckley had lived
09: New art for the people
10: I am Koresh (neu)
11: Roses
12: Sympathy for the devil
13: Savages
14: Flesh
15: Jerusalem

16: We hate the kids (Z)
17: Our daughters will never be free (Z)

18: Waiting for Pete Doherty (and others) to die (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Indelicates, Köln, 09.06.10
- The Indelicates, Heidelberg, 14.08.08
- The Indelicates, Frankfurt, 12.08.08
- The Indelicates, Münster, 30.04.08
- The Indelicates, Köln, 24.04.08
- The Indelicates, Köln, 04.10.07
- The Indelicates, Frankfurt, 30.09.07

- unser Interview mit den Indelicates

- mehr Fotos von den Indelicates in Frankfurt hier (klick!).



* natürlich waren die Indelicates nicht mit dem riesigen Tourbus unterwegs, der stand nur zufällig auf der anderen Straßenseite






 

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