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Sonntag, 10. April 2016

Scout Niblett, Köln, 07.04.16

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Konzert: Scout Niblett
Ort: King Georg, Köln
Datum: 07.04.2016
Dauer: knapp 85 min
Zuschauer: wohl ausverkauft



Mein erstes Scout Niblett Konzert fand 2012 auch im King Georg in Köln statt. Es war das 100. Konzert der Always coming back to you-Reihe des Veranstalters Jan Lankisch. Mittlerweile sind ACBTY bei 250 Shows, Jubiläumsgast war wieder Scout Niblett.

2012 war ich als letzter noch in die kleine Clubbar gekommen und hatte einen Platz in der Eingangstür. Scout sah ich damals nicht, ich hörte sie nur. Die in Portland lebende Engländerin spielte alleine mit akustischer Gitarre und begeisterte mich vollkommen.

Bei den Konzerten danach spielte die Sängerin mit Band (mit den beiden Kölnern Miguel Ortiz Caturani und Jan Philipp Janzen). Mir gefiel dabei wahnsinnig gut, wie das eigentlich perfekte Spiel der Frau aus Portland durch wundervoll eingesetzte zusätzliche Instrumente nicht einfach in eine Bandversion erweitert wurde, es wurde irgendwie pointiert. Beim sehr zurückhaltend gespielten Schlagzeug wurde des besonders deutlich. Wow, da waren große Künstler am Werk!

Zuletzt hatte Emma Louise Niblett im Gebäude 9 gespielt, heute war es wieder das King Georg. Und wie 2012 war es so voll, daß ich die Sängerin immer nur mal für ein paar Augenblicke sehen konnte. Scout spielte wieder solo, nur mit ihrer elektrischen Gitarre. Vor dem Konzert hatte sie erzählt, sie spiele einige neue Stücke, die sie live ausprobieren wolle. Scouts letztes Album ist von 2013, es war also kein Wunder, daß eine ganze Menge unveröffentlichter Lieder gespielt wurden.

Scout (mit ebenso neuer Kurzhaarfrisur) begann gleich mit einem dieser Stücke, Disneyland, das eine irre lange instrumentale Einleitung hatte. Es ist schwer nach dem ersten Hören viel zu den neuen Titeln zu sagen, vor allem zu den Texten. Die neuen Lieder bedeuten aber keine Stiländerung zu den älteren Geschwistern, offenbar auch textlich nicht. Schöne Beispiele dafür waren Lonesome rider ("stellt Euch vor, hinter mir wäre eine Wüste") oder Sweet solitude. Sweet solitude war einer meiner Lieblinge des Abends, obwohl Scouts Instrument am Anfang nach einer spanischen Gitarre klang. Sie musste sich dafür zu Beginn hinsetzen. Sie habe das Lied so sitzend geschrieben und müsse das heute auch so machen. Nach dem Intro stand sie wieder, was aber für die sichtbeschränkten Plätze (meinen) keinen Unterschied machte. 

Ein weiterer Knüller war Roller coaster, ein wundervolles Stück. Meinen Liebling unter den älteren Liedern Your last chariot erklärte Emma hinterher. Sie werde häufig darauf angesprochen, daß das Stück doch davon handele, daß sie einem Idioten nachjage. "It's not. It's about death coming to get you. This next song [Gun] actually is about me coming to get an asshole!"

Scout spielte fast anderthalb Stunden. Obwohl das Konzept "Sängerin mit elektrischer Gitarre" nicht unbedingt hochspannend sein muß, waren die 85 Minuten nicht eine Minute langweilig, im Gegenteil, das Konzert war hochpackend!

Setlist Scout Niblett, King Georg, Köln:

01: Disneyland (neu)
02: Just do it!
03: The calcination of Scout Niblett
04: My beloved
05: Who you are (?)
06: Your last chariot
07: Gun
08: Roller coaster (neu)
09: Kiss
10: Lonesome rider (neu)
11: Sweet solitude (neu)
12: What can I do?

13: Meet and greet (Z)
 
Links:

- aus unserem Archiv:
- Scout Niblett, Köln, 01.12.13
- Scout Niblett, Paris, 27.11.13
- Scout Niblett, Jena, 24.06.13
- Scout Niblett, München, 11.06.13
- Scout Niblett, Köln, 09.06.13
- Scout Niblett, Paris, 08.06.13
- Scout Niblett, Duisburg, 04.06.13
- Scout Niblett, Berlin, 03.06.13
- Scout Niblett, Mannheim, 31.05.13
- Scout Niblett, Köln, 14.01.12
- Scout Niblett, Paris, 09.05.11
- Scout Niblett, Paris, 07.06.10
- Scout Niblett, Paris, 30.11.09
- Scout Niblett, Paris, 24.05.08
- Scout Niblett, Paris, 17.12.07


Foto: Archiv



Montag, 14. März 2016

Lætitia Sadier, Köln, 11.03.16

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Konzert: Lætitia Sadier (& Nicholas Krgovich)
Ort: King Georg, Köln
Datum: 11.03.2016
Dauer: Lætitia Sadier ca. 55 min, Nicholas Krgovich knapp 40 min
Zuschauer: 70 - 80



Nur einmal merkte man, das Lætitia Sadier und ihre Band ihr erstes Konzert spielten. Bei Dry food, einer Single vom letzten Jahr, waren sich die Musiker wohl nicht ganz sicher, wann das Lied zu Ende ist. "Another round?"

Lætitia Sadier spielte mit einer Begleitband aus Coventry, die sich offenbar für diese Tour der ehemaligen Stereolab-Sängerin angeschlossen hat. Nicht nur der, auch den kanadischen Support Nicholas Krgovich begleitete sie. Ein Konzept, das nicht nur praktisch war, auch eines, das aufging.


Nicholas Krgovich stammt aus Vancouver und ist Freund des Hauses. Vor ein paar Jahren hatte ich Nicholas schon einmal im King Georg gesehen. Es war eines der ungewöhnlichsten Konzerte meines Lebens. Nicholas tanzte zu Songs, die er vom Notebook abspielte. Dazu liefen im Hintergrund gute Fernsehserien (Portlandia und Parker Lewis!). Diesmal war es ein echtes Konzert. Der Sänger war angeschlagen (grippig) und trank Tee statt Bier. 

Nicholas spielte Keyboard und wurde von einem Keyboarder (Andy), einem Schlagzeuger (Matt), einem Bassisten (Joe) und einem Gitarristen begleitet. Den Namen des Gitarristen habe ich nicht verstanden, er glich Bjarne Mädel wie die Faust aufs Auge.

Zur Musik muß ich wohl auch etwas sagen... Nicholas' Programm war komplett anders als 2011. Das Konzert klang nach einer langsamen Version der Kings Of Convenience. Einer sehr langsamen. Das machte es für mich anstrengend. Anstrengendes Easy listening.

Obwohl die Band die gleiche blieb und auch Lætitias Songs mehrheitlich langsam waren, war die zweite Hälfte des Abends alles andere als lahm.


Nachdem Stereolab 2009 eine unbestimmt lange Pause eingelegt hat, hat die Sängerin drei Soloalben veröffentlicht, das letzte 2014. Von dem (Something shines) stammten die meisten der Lieder, neuer war eben nur Dry fruit. Von ihrer bekanntesten Band spielte sie nichts, obwohl sie ab und zu International colouring contest im Programm hat.

Mir gefielen - vielleicht wegen des Vorprogramms - die flotteren Lieder am besten. Mit Abstand am tollsten war Then I will love you again vom letzten Album, was für ein Hit! Das längste Stück - The milk of human tenderness - war das Gegenteil von Then I will love you again, ein sperriges Lied, das von "the rich" und "the poor" handelt und nicht enden wollte.


Kurz vor Schluß kam dann doch noch ein Lied ihrer alten Band... von Monade (Etoile), ein weiteres Highlight.


Die beiden Zugaben waren ein wenig ein Abbild des Abends. Es begann mit Butter side up, einem Lied, das viele Teile habe und daher kompliziert zu spielen sei. Die neue Band meisterte das hervorragend (nur wir klatschten zu früh), bevor das Porgy and Bess Stück Summertime, das Lætitia alleine sang, den Abend beendete. Das Lied bedeutet der Sängerin offenbar etwas. Mir nicht. Ich mochte ihre eigenen sehr viel lieber als dieses oft gehörte und abgenudelte Stück. 

Nicholas Krgovich war nichts für mich, Lætitia Sadier schon. Mein erster von vielen King Georg Abenden in diesem Jahr (Scout Niblett! Momus! Locas In Love!) war trotzdem sehr lohnenswert.


Setlist Lætitia Sadier, King Georg, Köln:

01: Find me the pulse of the universe
02: Ceci est le coeur
03: Then I will love you again
04: Echo port
05: Dry fruit
06: The milk of human tenderness
07: Oscuridad
08: Release, open your little earthling hands (?)
09: Statues can bend
10: Etoile (Monade)

11: Butter side up (Z)
12: Summertime (Ella Fitzgerald Cover) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Lætitia Sadier, Paris, 23.03.11
- Lætitia Sadier, Paris, 30.10.10
- Nicholas Krgovich, Köln, 07.05.11




Dienstag, 3. März 2015

Ex Hex, Köln, 21.02.15

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Konzert: Ex Hex
Ort: King Georg, Köln
Datum: 21.02.2015
Dauer. Ex Hex knapp 40 min, Princess 24 min
Zuschauer: ca. 160 (ausverkauft)


Daß beim Sport vieles Kopfsache ist, ist unbestritten. Stürmer, denen Zeitungen vorrechnen, wie viele Minuten sie ohne Tore sind, treffen nach einem "erlösenden" Tor anschließend oft in Serie. Weniger bekannt ist, daß auch Konzerterlebnisse Kopfsache sein können - obwohl sie es nicht sein dürften. Ganz schnell passiert es mir, daß ein kleines Signal reicht, um mir ein Konzert zu versauen. Dabei meine ich nicht mal Ekligkeiten wie etwa das Animieren von Musikern zu rhythmischem Klatschen. Auch das versaut natürlich Konzerte. Allerdings ist dies per se widerlich, nervt mich also immer. Nein, es sind Kleinigkeiten, die falschen Assoziationen, die die Wippe in die falsche Richtung rutschen lassen können.

Ex Hex haben mir die späten Long Blondes versaut.

Samstag hatte ich mich für zwei Konzerte nacheinander entschieden (das ist außerhalb von Festivals meist unklug. Reizüberflutung und so). Zunächst stellten Locas In Love ihr neues Album bei Parallel-Schallplatten vor, anschließend wollte ich ins offenbar knallvoll werdende King Georg hetzen. Mit Locas In Love konnte ich nichts falsch machen. Die Band ist toll, die neue Platte erst recht. Und da der Plattenladen schön groß war, war es auch nicht so prallvoll, daß das Konzert unangenehm gewesen wäre, obwohl sicher 100 Zuschauer da waren. Nach dem gut einstündigen Konzert und der schnellen Weiterreise zum King Georg, warteten dort 30 min vor Einlaß bereits Scharen vor der Tür.

Nach zig Besuchen im King Georg habe ich zwar vor ein paar Monaten endlich verstanden, wie man in dem kleinen, engen (und sehr schönen) Laden gut sieht (man muß ganz am Ende kommen und keinerlei Hemmungen haben, sich in die 30 cm breite Lücke zwischen der Band und der ersten Zuschauerreihe stellen), mir fehlte aber wieder einmal die Skrupellosigkeit, dies auch umzusetzen. Also stand ich schräg und sichtbehindert.

Um zwanzig nach acht begann eine irische Vorgruppe. Princess sind fünfköpfig - vier Männer und eine Frau - und (viel wichtiger) irre gut! Das  dauerte zwar nicht mal eine halbe Stunde, es reichte aber, um sich vollkommen in meine Gunst zu spielen! Sängerin Aoife hatte eine barocke Stimme. Der Begriff ist vollkommen falsch, mir fällt aber kein besserer ein. Sie sang meist mit Liam gemeinsam; die beiden sind auch die Köpfe hinter Princess, Liam sang ab und zu in ein zweites Mikro, das aber wohl stumm oder zumindest extrem leise war. Es war das einzig leise des kurzen Konzerts, die Iren gingen scheinbar davon aus, eine gewisse Dezibel-Zahl für den Auftritt zur Verfügung zu haben und erhöhten wegen des kurzen Slots die Lautstärke kräftig.

Mich erinnerte der Auftritt an die Babies aus Brooklyn, die ich sehr liebe und die ich auch einmal im King Georg gesehen habe. Alle der sechs gespielten Lieder der Dubliner waren toll, die letzten beiden (Sandbox und Spitting in your sleep) sehr viel mehr als toll!

Setlist Princess, King Georg, Köln:

01: Schmitt (Intro)
02: And leaving
03: Imaginary orange cabinet
04: Black window
05: Sandbox
06: Spitting in your sleep 

Ex Hex ließen sich Zeit. Die Bühne war schnell umgebaut, die drei Amerikanerinnen kamen aber nicht sofort. Mary Timony, Laura Harris und Betsy Wright traten schließlich um zwanzig nach neun auf. Zumindest Mary (die anderen konnte ich durch den Hinterkopf-Wald nicht erkennen) hatte die Zeit genutzt, sich dem Club-Ambiente entsprechend anzuziehen. Sie trug einen weißen Pelz, ein glitzerndes Kleid und knallrote Leggins. Ein Hingucker, wenn man etwas gesehen hätte.

Das Trio aus Washington (D.C. - es könnte aber stilistisch natürlich auch Washington State sein) spielte alle Songs des im Oktober erschienenen Debütalbums, und es machte dies furios. Alleine, daß es bei mir an diesem Tag wenig Wirkung zeigte. Ich hatte mich irre auf das Konzert gefreut, fast soviel wie auf die von Sleater-Kinney in den kommenden Wochen (naja fast). Mary Timonys vermutlich letzten Auftritt in Köln mit Wild Flag hatte ich begeistert erlebt. Es konnte also nichts schief gehen. Mich ließ das Konzert aber erstaunlich kalt. Vermutlich - ich kenne mich ja mittlerweile seit einigen hundert Konzerten - lag das an mir, meiner Überspieltheit an diesem Abend und dem doofen Platz im 90° Winkel zur Band. Vor allem lag es aber an dieser dämlichen Long Blondes Assoziation mit den ersten Takten von Don't wanna lose. "Klingt wie die Long Blondes" und meine Laune war versaut. Die englische Band hatte ich anfangs geliebt. Mit einer zweiten Platte und langweiligsten Konzerten begann schnell der Abstieg in die Belanglosigkeit. Heute sind Long Blondes Assoziationen bei mir nichts Gutes. Daß ich beim ersten Ex Hex Stück an Kate Jackson denken musste, ist hochgradig unfair (den Amerikanerinnen gegenüber), versaute mir aber den Abend. 

Im Mai sehe ich sie wieder. Beim Primavera sind Ex Hex jetzt für mich gesetzt. Gottseidank sind all diese Poesiealbum-Weisheiten, die einem Tag für Tag um die Ohren gehauen werden und die ich hasse wie die Pest (die wir ja dank all der fortschrittlichen Impfgegner wieder haben werden) Unsinn. "Man sieht sich im Leben immer zweimal" - Schwachsinn (Get Well Soon können da ein Lied von singen)! "Man hat keine zweite Chance für einen ersten Eindruck" - Quatsch! Habe ich im Mai.

Setlist Ex Hex, King Georg, Köln:

01: Don't wanna lose
02: Waste your time
03: How you got that girl
04: New kid
05: Hot and cold
06: Beast
07: Radio on
08: You fell apart
09: War paint
10: Outro
11: Everywhere

12: Waterfall (Z)



Sonntag, 28. Dezember 2014

Schnipo Schranke & Zucker, Köln, 28.08.14

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Konzert: Schnipo Schranke & Zucker
Ort: King Georg, Köln
Datum: 28.08.2014
Dauer: Schnipo Schranke 42 min, Zucker 30 min
Zuschauer: ziemlich wenige (die standen aber alle direkt vor mir)

 

2012 hatte ich bei einem Sterne Konzert in Frankfurt leider nur noch den Rest der Vorgruppe mitbekommen. Leider, weil mich Zucker aus Hamburg, zwei junge Frauen, sehr überzeugten! 2013 sah ich die Band wieder als Vorgruppe im King Georg in Köln, und auch da gefielen mir Zucker sehr. Natürlich wollte ich mir da ihren nächsten Vorgruppen-Job im King Georg nicht entgehen lassen. Die Hamburgerinnen sollten vor einer Band namens Schnipo Schranke auftreten, von der ich noch nie gehört hatte. Angeguckt hätte ich die mir vermutlich auch nicht, aber ich war ja nun schon mal da und hatte einen ganz guten Platz.


Zucker waren toll, spielten sechs Lieder in ihrem 30 minütigen Set. Alles toll! Aber das Konzert danach - das, das ich gar nicht sehen wollte - überstrahlte das (und die meisten anderen Konzerte, die ich 2014 gesehen habe) bei weitem. Schnipo Schranke sind Daniela Reis und Friederike Ernst. Die beiden nahmen um zwanzig vor zehn hinter Keyboard und Schlagzeug Platz und begannen das erste Stück. Mit Blockflöte.

Die Melodie des ersten Lieds Herzinfarkt war sehr schön, die Stimmen toll, die Flöte am Anfang großartig. Und dann gab es die ersten "das haben die gerade nicht gesungen" - Momente. Alles wirkte so harmlos nett, wie schöner, sehr eingängiger (im besten Sinne) Pop. Und Zeilen wie "du bist das Schlemmerfilet unter den Fischen" passen dazu. "Du hast mir gezeigt, daß es egal ist, wenn man liebt, schmeckt der Kopf nach Füße und der Genitalbereich nach Pisse" in einem Lied mit Toy-Piano (Pisse) eigentlich nicht. Alles, was nach bewußter Provokation der Aufmerksamkeit wegen wirkt, schreckt mich sofort ab. So was verdeckt nämlich üblicherweise musikalische Schwächen. Beim kurzen Schnipo Schranke Konzert war das komplett anders. Ob Kalkül oder nicht, egal! Die Stücke - alle Stücke - des Auftritts waren überragend gut, die Debütplatte der beiden Frauen, die hoffentlich 2015 erscheint, wird wundervoll, auch wenn das vielleicht nicht das richtige Wort ist.


Am Anfang des Konzerts gab es kurze technische Probleme. Die Stimmen der beiden waren zu leise. Nach dem zweiten Lied entstand dadurch eine kurze Pause, die Bandbegleiter Ente zu einem kurzen Toy-Piano-Solo nutzte. Der Musiker, der auch eine kleine Rolle im Pisse-Video spielt, stimmte die Wickie-Melodie an. "Mehr kann ich nicht!" Allerdings spielte er auch bei Pisse das Mini-Klavier.

Wäre ich nach Zucker gegangen, hätte ich ein tolles Konzert gesehen, ein großartiges aber verpasst! "Ich lieb dich nicht ein bißchen, ich lieb dich übertrieben."

Setlist Schnipo Schranke, King Georg, Köln:

01: Herzinfarkt
02: Schrank
03: Ja nun
04: Cluburlaub
05: Ich küss dich tot
06: Scherz
07: Intensiv
08: Pisse
09: Gute Reise
10: Ich lieb dich

11: Fun, fun, fun (Z)

Links:

- Zucker, Frankfurt, 08.11.12
 

Dienstag, 16. September 2014

Blouse, Köln, 15.09.14

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Konzert: Blouse
Ort: King Georg, Köln
Datum: 15.09.2014
Dauer: 60 min
Zuschauer: ca. 70




Wie sich doch zwei Konzerte der gleichen Band innerhalb einer Woche unterscheiden können! Vergangenen Dienstag hatte ich Blouse als Vorgruppe von Slowdive gesehen und war nach einem eher durchwachsenen Konzert im letzten Jahr in Offenbach mehr als nur versöhnt. Die Band aus Portland mit der überragenden ersten und der sehr guten zweiten Platte klang faszinierend klar und wundervoll ausgesteuert.

Heute im King Georg klangen die ersten beiden Lieder - Imperium und Eyesight vom letzten Album - auch noch sehr gut. Danach passierte irgendetwas (vermute ich), Keyboarder Arian sprach hinterher von "technical issues" - und plötzlich war es ein weit kleineres Vergnügen, die eigentlich tollen Songs der Amerikaner anzuhören. Die Stimme von Sängerin Charlie (die ein übergroßes Herrenhemd mit Nadelstreifen als Kleid trug) war kaum zu hören, alles wurde vom überlauten Schlagzeug von Drummer Jacob totgeprügelt. Schade! Denn die Songs der Band sind viel fragiler, als man bei einem Konzert wie heute denkt - und Blouse können sie so spielen. Aber nicht heute. Heute schepperte es, heute klangen die Instrumente individuell und nicht nach Orchester. Und leider eben vor allem deren Lautstärken falsch abgestimmt. Ich meine aber, daß es an einem der Verstärker lag, also technische Gründe hatte und nicht an einem schlechtem Soundcheck.

Zwischendurch wurde es wieder besser. No shelter und 1000 years, zwei meiner Lieblinge, die Charlie mit akustischer Gitarre spielte, klangen deutlich besser, aber danach wurde es wieder breiig. Dazu kam, daß Charlies elektrische Gitarre plötzlich knisterte. Herrje, es klappte offenbar einiges nicht!

Die Stimmung des Publikums litt unter dem miesen Sound nicht, das Konzert kam gut an. Hätte ich die Band vor ein paar Tagen nicht so viel besser gesehen, hätte es mir vermutlich auch besser gefallen. So wird der Abend mir musikalisch nicht lange in Erinnerung bleiben.

Und dann kam am Ende nach ein paar Setlisten-Umstellungen doch noch ein wenigstens am Anfang toll klingendes Stück, mein großer Liebling Time travel, das die Band aus Portland in Genf warum auch immer ausgelassen hatte. Der ruhige Anfang bevor das Schlagzeug einsetzte, war umwerfend schön, danach dominierte wieder das Getrommel, allerdings klang es besser. Arian hatte irgendetwas am Verstärker hinter ihm verändert. Schade, daß nicht das ganze Konzert so war! Dann eben beim nächsten Mal! Denn jedes zweite Blouse-Konzert, das ich gesehen habe, war phänomenal gut!

Setlist Blouse, King Georg, Köln:

01: Imperium
02: Eyesight
03: Firestarter
04: They always fly away 
05: White
06: In a glass
07: No shelter
08: 1000 years
09: Happy days
10: Trust me
11: Arrested (?)
12: Videotapes
13: Into black
14: Time travel

Links:

- aus unserem Archiv:
- Blouse, Genf, 09.09.14 
- Blouse, Offenbach, 28.11.13
- Blouse, Paris, 19.02.12 
- Blouse, Luxemburg, 10.02.12



Donnerstag, 5. Juni 2014

Tara Jane O'Neil, Köln, 04.06.14

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Konzert: Tara Jane O'Neil
Ort: King George in Köln
Datum: 4. Juni 2014
Dauer: 45 min
Zuschauer: knapp 20



Nachdem ich mich heftigst in das aktuelle Album Where Shine New Lights der Ikone aus Portland verliebt hatte, war ich sehr froh, endlich auch deutsche Tourdaten zu sehen. Ein Wohnzimmkonzert für den 6. Juni war schon halb abgemacht, aber dann wurde doch Berlin bevorzugt...


Unter dem typischen Indiekonzert-Kurztour-Orten in Deutschland kam damit nur noch Köln in Frage und ich würde nun also das King George auch einmal live und in Farbe sehen und nicht nur hier darüber lesen!


Der Ort hat einen etwas verruchten Charme. Das ist aber rein äußerlich, ansonsten war nämlich alles tip top - also z.B. sauber, mit vernünftigen Angeboten und super freundlich. Die Tür öffnete sich pünktlich, die Bedienung war sehr aufmerksam und es gab eklektische, handaufgelegte Musik bis das Konzert begann. Fast wäre es auch gar nicht losgegangen, weil sich Tara immer wieder für die Scheiben interessierte, die gerade spielten.


Ich hatte auch den Eindruck, sie war nicht ganz gesund, denn sie schniefte und hustete vor dem Konzert und war dann auch im Konzert eher sprachfaul und nuschlig. Zu ihrem Gitarrenstimmgerät von 1995 wurde noch am meisten gesagt.


Die gespielte Musik entsprach kaum dem, was ich erwartet hatte. Es gab brummende E-Gitarrenloopschichten, vielleicht drei als Songs zu erkennde Stücke (die aber alle sehr innig und schön waren) und ansonsten sehr viel wabernden Sound ganz ohne Gesang und auch ohne Punkt und Komma (also auch ohne Zeitpunkt für's klatschen). Beipielhaft habe ich unten ihre experimentell/meditative Musik beigelegt. Einem Liedschema aus dem Folkbereich am nächsten kam die Musik erst beim letzten Stück zu einem Text von Karen Dalton.


 
Leider nahmen die Glasschirme der Lampen die Frequenzen sehr gern auf, um das ganze Konzert mitzuklirren. Schon nach 45 min war Schluss und ich tröstete mich damit, dass ich nun einen Zug eher fahren konnte als geplant und mir damit nicht die halbe Nacht um die Ohren schlagen musste - was dann auch klappte.


Ob sich der Ausflug gelohnt hat? ... Darüber muss ich noch ein bisschen nachdenken.




Tourdaten:
05.06. Leipzig, NATO
06.06. Berlin, West Germany
07.06. Paris, Espace en cours





Aus unserem Archiv:
Tara Jane O'Neil, Paris, 25.04.12 


Donnerstag, 15. August 2013

Locas In Love, Köln, 15.08.13

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Konzert: Locas In Love
Ort: King Georg, Köln
Datum: 15.08.2013
Dauer: 80 min
Zuschauer: rund 100 (ausverkauft)



Als die beiden Locas In Love Konzerte im King Georg angekündigt wurden, wusste ich nicht, an welchem der beiden Tage ich Zeit haben würde. Die Gefahr, kurzfristig nichts mehr zu bekommen, erschien mir zu groß, also kaufte ich ein Zweitages-Ticket. Der erste Auftritt der Vorab-Darbietung des neuen, noch aufzunehmenden Albums war dann so gut, daß nichts dagegen sprach, auch den zweiten Abend anzugucken. Ich höre eh aus Zeitmangel viel zu wenig Alben, die neue Locas Platte würde ich so also schon zweimal komplett mitbekommen haben. 

Einiges war anders an diesem Abend. Das Publikum war ruhiger, stellte die Band fest. "Konzentrierter." Es war etwas kühler im King Georg, weil die Klimaanlage sporadisch lief. Sänger Björn hatte über Nacht seinen Bart verloren. An etwa den gleichen Stellen richteten die beiden Frauen in der Band Saskias Bassdrum und störte eine Handyrückkopplung eine Liederklärung Björns.

Die wichtigen Dinge blieben aber gleich: Locas In Love spielten zunächst ihr komplettes neues Album und danach drei Zugaben, Auch wenn der Ton bei den ersten beiden Liedern noch nicht toll war - der Gesang war kaum zu hören - war der Abend musikalisch, nachdem die Soundsachen abgestellt waren, keinen Deut schlechter als der erste. Im Gegenteil... Daß die neuen Stücke mich beim ersten Mal schon überzeugt hatten, hatte ich erzählt. Beim zweiten Durchgang bot sich die Möglichkeit, Eindrücke zu vertiefen. 

Ich hatte zwar Mittwoch zum Beispiel festgestellt, was für ein großartiges Stück Da ist ein Licht ist und mich sehr über die Smiths-Hommage im Titel gefreut. Mir war aber nicht aufgefallen, daß Stefanie im Refrain in der Mitte auch direkt Morrissey zitiert - vermutlich war sie da zu leise abgemischt oder ich nicht aufmerksam genug. Auch ohne das wäre Da ist ein Licht für mich eines der herausragenden Lieder der Platte. Die Art, wie der Refrain als Echo von Stefanie wiederholt wird, ist wundervoll!

Mein zweiter Liebling ist Durch die Dunkelheit. Was für ein fantastischer Song mit einer im besten Sinne eingängigen Melodie! Das Stück habe ich heute noch als Ohrwurm im Kopf, was mich bei einem unveröffentlichten Lied enorm überrascht.

Trotzdem hatte ich Dich gern beginnt, als stamme es von I Like Trains, faszinierend sind dann aber die Gitarrenrhythmen, die Niklas spielt! Diese repetitiven Tonsequenzen waren mir beim ersten Mal nicht aufgefallen, begeisterten mich am Donnerstag aber vollkommen! 

Wenn liebgewonnene Bands ein neues (veröffentlichtes) Album betouren, freut man sich doch besonders - bei aller Sympathie - über die älteren Sachen. Bei den beiden Locas Konzerten kam mir nie der Gedanke, daß es jetzt langsam mal gut sei und die vertrauten Songs kommen könnten. 

Die drei Zugaben, insbesondere das in wildem Geschrammele endende An den falschen Orten waren selbsverständlich toll. Aber auch ohne sie hätte mir nichts gefehlt.

Setlist Locas In Love, King Georg II, Köln:

01: Neue Sache
02: Teenager
03: Durch die Dunkelheit
04: Wer weiß, wer weiß, wer weiß, vielleicht, vielleicht, vielleicht
05: Da ist ein Licht
06: Lawine
07: Es tut mir leid
08: Ich bin eine Insel
09: Man wird sich selbst nie los
10: Ich werde ein Lied für alle schreiben
11: Trotzdem hatte ich Dich gern
12: Fünfunddreißig 1000 1000000
13: Nichts ist schwieriger auf der Welt

14: Sachen
15: In my life
16:An den falschen Orten

Links:

- aus unserem Archiv:
- Locas In Love, Köln, 14.08.13
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Wiesbaden, 04.05.12
- Locas In Love, Köln, 02.10.11
- Locas In Love, Köln, 24.10.10
- Locas In Love, Köln, 30.11.08
- Locas In Love, Frankfurt, 20.10.07
- Locas In Love, Köln, 19.08.07






Locas In Love, Köln, 14.08.13

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Konzert: Locas In Love
Ort: King Georg, Köln
Datum:14.08.2013
Dauer:80 min
Zuschauer:rund 100 (vermutlich ausverkauft)



Erfolgsalben in voller Länge zu spielen, ist in den vergangegen Jahren bei Bands enorm beliebt geworden. "The Breeders performing Last Splash" oder "Mercury Rev performs Deserter's Songs" heißen solche Veranstaltungen dann. 

Ich mag so etwas. Wenn mir ein Album wichtig ist, ist es wundervoll, es einmal komplett live zu hören, mit all den Stücken, die vorher nie gespielt wurden, in der Dramaturgie der Platte und nicht in der eines Konzerts. Die Lemonheads, die Charlatans oder The Wedding Present (mit drei verschiedenen Alben bisher) haben mir auf diese Weise schon schöne Konzertabende bereitet. 

Wer sich nicht recht entscheiden kann, welche der eigenen Platten sich für so etwas eignet, spielt sie alle (so wie Kraftwerk - alle ab Autobahn - oder, noch eindrucksvoller, die Sparks, die 21 Alben an 21 Tagen im Mai und Juni 2008 in London darboten).*

Locas In Love haben diese Hardcore Version des "wir spielen unsere Platte" Spiels auch schon einmal angeboten. Unter dem schönen Titel "Two Originals of... Locas In Love" führten sie 2010 What matters is the poem und Saurus vor der Kulisse von Godzilla Filmen im Kölner Filmhaus auf. Es waren die beiden einzigen Platten der Band zu diesem Zeitpunkt (Winter ist ein ... Winteralbum und taucht nicht in der offiziellen Zählung auf).

Noch einmal ein Album in voller Länge zu spielen, wäre also grundsätzlich nicht neu - solange das Album bereits existiert.

Diese Woche spielen Locas In Love allerdings eine Platte, die "bisher den Proberaum nicht verlassen hat." Die Kölner Band wird die neuen Songs nach den Konzerten in Frankreich aufnehme und stellte sie heute erstmals vor Publikum vor. "Das kann ein Desaster werden," entschuldigte Sänger Björn vorab, erstaunt darüber, daß so viele Zuschauer ins King Georg gekommen waren. Die Donnerstag-Show sei nahezu ausverkauft, hieß es vorher, aber auch am ersten Abend war der Club so voll, daß sich Björn mehrfach besorgt erkundigte, ob alle gut sehen und hören könnten.

Das erste der neuen Stück kam mir vertraut vor. Neue Sache stand schon bei der letztjährigen Wintergala auf dem Programm. Eigentlich sehr clever, ein Stück voranzustellen, daß zumindest einige Zuschauer schon einmal gehört hatten. Vielleicht aber auch bloß Zufall, weil Neue Sachen etwa das Album eröffnet und noch dazu vollkommen unnötig, weil alle Stücke überzeugten und einige nach dem ersten Hören bereits Lieblinge sind. Wenn jetzt im Studio nicht schlimme Dinge mit den Stimmen oder Streicherarragements gemacht werden, wird die neue Locas Platte hervorragend (auch wenn diese Vorhersage seit der ersten Aufführung jetzt wirklich nicht mehr besonders gewagt ist).

Zu den neuen Lieblingen zählt zum Beispiel Durch die Dunkelheit, bei dem Björn und Stefanie den Refrain gemeinsam singen. Oder Fündfunddreißig 1000 1000000, dessen Titel Björn auf einem Zebrastreifen in Wien** aufgeschnappt hatte, als jemand einem Freund erzählte, etwas bereits 35 1000 1000000 mal gesagt zu haben. Da ist ein Licht begeisterte mich sehr, nicht nur wegen seines wundervollen Titels. Das Lied war eines der schnelleren des Abends und hat eine mitreißende Melodie. Oder Teenager: "Teenager seit 20 Jahren" - "Ich warte einfach nur. daß etwas passiert. Ich warte einfach auf etwas, das mich interessiert." Auch Wer weiß, wer weiß, wer weiß, vielleicht, vielleicht, vielleicht hatten die vier Kölner schon im Winter im Stadtgarten gespielt, und wie damals gefiel es mir ausgezeichnet! Der "surreale Disco Rocksong" Ich bin eine Insel, von Stefanie gesungen, könnte auch einer meiner Lieblinge werden - man merkt es vielleicht, die Platte, die es noch nicht gibt, hat mich restlos überzeugt!

"Locas In Love performs tba" war ein weiterer hervorragender Abend mit dieser liebenswerten Band. Wären da nicht die in Deutschland üblichen streitlustigen Nachbarn (mit zu guter Rechtschutzversicherung), hätten Locas In Love sicher noch viel mehr als nur drei (veröffentlichte) Zugaben gespielt. Die Band schien den Abend nämlich genauso zu genießen wie das Publikum.

Setlist Locas In Love, King Georg, Köln:

01: Neue Sache
02: Teenager
03: Durch die Dunkelheit
04: Wer weiß, wer weiß, wer weiß, vielleicht, vielleicht, vielleicht
05: Da ist ein Licht
06: Lawine
07: Es tut mir leid
08: Ich bin eine Insel
09: Man wird sich selbst nie los
10: Ich werde ein Lied für alle schreiben
11: Trotzdem hatte ich Dich gern
12: Fünfunddreißig 1000 1000000
13: Nichts ist schwieriger auf der Welt

14: Sachen
15: Über Nacht ist ein ganzer Wald gewachsen
16: Monkey

Links:

- aus unserem Archiv:
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Wiesbaden, 04.05.12
- Locas In Love, Köln, 02.10.11
- Locas In Love, Köln, 24.10.10
- Locas In Love, Köln, 30.11.08
- Locas In Love, Frankfurt, 20.10.07
- Locas In Love, Köln, 19.08.07


* was war ich damals froh, kein Sparks-Fan zu sein!
** für Zebrastreifen gibt es in Österreich sicher auch einen anderen, noch viel niedlicheren Namen
 
 


Samstag, 15. Juni 2013

The Babies, Köln, 14.06.13

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Konzert: The Babies
Ort: King Georg, Köln
Datum: 14.06.2013
Zuschauer: vielleicht 80
Dauer: 50 min



Ich höre viel zu wenig Musik zu Hause.  Das rede ich mir damit schön, daß ich neue Platten, neue Bands für mich am liebsten live entdecke. Daß dies zwar auch als Ausrede taugt, vor allem aber eine sinnvolle Strategie ist, zeigte auch der heutige Abend im King Georg wieder. Natürlich sind die Alben der Babies auch gut, aber verglichen mit den Liveshows viel zu harmlos. Wie toll die Band aus Brooklyn ist, habe ich erst vor drei Wochen beim Primavera Festival verstanden, ihr Konzert war eines der besten, die ich in Barcelona gesehen habe. Aber Köln ist nicht Barcelona (aha!), ein Konzert in einem kleinen Club hat nicht unbedingt die gleiche Atmosphäre wie eines unter freiem Himmel direkt am Meer. Es blieb also ein wenig Unsicherheit, ob mich die Amerikaner auch heute wieder so begeistern würden.

Sie taten das. Ganz massiv!



Ich hatte meiner Begleitung gesagt, wir müssten uns sehr früh treffen, weil man in einem überfüllten King Georg nichts von der Band sieht, und weil bei meinen letzten Konzerten in der Clubbar schon zur Zeit des Einlasses wahnsinnig viele Leute vor der Türe warteten. Heute waren es drei.

Und es blieb lange Zeit leer. Auch um neun, zum angekündigten Startpunkt, hatten sich sehr wenige ins King Georg verirrt. Als die vier New Yorker gut zehn Minuten später auftraten, sah es weit weniger peinlich aus, der Club war ganz gut gefüllt.

Die Babies bestehen aus dem Gesangs-Duo Kevin Morby und Cassie Ramone, Schlagzeuger Justin Sullivan und Bassist Brian Schleyer. Es gibt ein paar Lieder, die ausschließlich Cassie singt, Hauptsänger ist aber ihr Kollege, der im ersten Job Bassist von Woods ist. Kevins Stimme hat live einen herrlich dreckigen Einschlag, trotzdem ist es schade, daß Cassies Gesang nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die gemeinsamen Lieder waren die besten des Auftritts, Mess me around allen voran! Welch ein Knüller! 

So, das war mein Alibi-Makel. Ansonsten gibt es nämlich nun wirklich nichts auszusetzen. Selbst das ruhigste Lied im Set (Mean), das ich bei meinem ersten Babies-Konzert nicht mochte, gefiel mir gestern gut. Aber bei weitem nicht so gut wie die flotten, lauten! Denn die Energie, mit der vor allem Cassie und Kevin ihre Songs vortragen, ist eine andere Stärke der Band. Aber selbst der etwas hüftsteife Bassist bewegte sich gegen Ende ein wenig.

Das Set war etwa das vom Primavera Festival. Bei anderen Bands hätten die 17 Songs vermutlich für anderthalb Stunden gereicht, die Brooklyner benötigten dafür 50 Minuten. Die längste Pause zwischen zwei Liedern war dabei gleich am Anfang nach Alligator, als Kevin zweimal seinen Einsatz nicht mochte und mit "sorry" unterbrach. Ansonsten wirkte es oft wie bei einem Tennisspiel, bei dem es läuft und man den Schwung in den nächsten Ballwechsel rüberretten will und schnell weitermacht.

Gegen Ende wich das Programm ab. All things come to pass, das Cassie singt, fehlte und wurde die erste Zugabe, gefolgt von dem tollen Somebody else, das ich nicht kannte, der B-Seite der Single Meet me in the city. 

Es lag also offenbar weder am Meer noch an Barcelona, daß ich den Auftritt der Babies dort so mochte. Die Band ist großartig, ihre Konzerte echte Knüller! Schön, daß das King Georg solch spannende Acts nach Köln holt, das spricht für den ausgezeichneten Musikgeschmack des Clubs.

Setlist The Babies, King Georg, Köln:

01: Alligator
02: Get lost
03: Slow walkin
04: Breakin' the law
05: Baby
06: Mean
07: Mess me around
08: Run me over
09: See the country
10: Moonlight mile
11: Sick kid
12: Wild 2
13: Sunset
14: Meet me in the city 
15: Caroline 

16: All things come to pass (Z)
17: Somebody else (Z)

Links:

- The Babies, Barcelona, 25.05.13


Samstag, 16. Februar 2013

Julie Doiron, Köln, 15.02.13

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Konzert: Julie Doiron
Ort: King Georg, Köln
Datum: 15.02.2013
Zuschauer: vielleicht 100
Dauer: Julie Doiron knapp 75 min, Jacco Gardner 30 min


Eine der sauren Gurken, in die ich bei King Georg Konzerten bislang immer beissen musste, war der fehlende (online-) Vorverkauf. Ein paar Mal - zuletzt Ende des Jahres bei Neil Halstead - kam ich gerade noch so in den kleinen Club. 40 Minuten abgehetzte Anreise und dann den Spruch: "ihr nicht mehr" zu hören, ist zu frustrierend. Allerdings ist das späte Nochreinkommen auch keine Garantie für einen guten Abend, weil das King Georg den Grundriss eines Streichholzes hat und die letzten, die noch dürfen, vom Künstler (am Zündkopf) kaum etwas sehen und hören. Seit ein paar Tagen ist die Homepage nicht mehr schmerzhaft rot, seit vergangener Woche existiert ein Vorverkauf. Sehr schön!

Musikalisch gibt es an dem Club in der Nähe des Ebertplatzes eh nichts auszusetzen, sein Programm ist seit Jahren exzellent. Auch Julie Doiron hat schon einmal im King Georg gespielt, aus irgendeinem Grund (Vermutung: anderes Konzert) konnte ich da aber nicht, obwohl mich Kollege Oliver vor Jahren schon auf die Kanadierin aufmerksam gemacht hatte und ich seitdem fleißig ihre Musik kaufe.

Die Vorgruppe Jacco Gardner aus den Niederlanden hatte ich bislang nicht gekannt. Allerdings hatte ich im Vorfeld aufgeschnappt, daß sie heimliche Co-Headliner sein würden. Auch in der Schlange vor dem Club unterhielten sich alle in meiner Nähe über sie. Ich bin der letzte, der Böses über Vorgruppen-Freunde sagte, wenn der Hauptband dann aber offensichtliches Desinteresse gezeigt wird, gilt das nicht. Aber das kommt später, erst spielten Jacco Gardner ja, und alle hörten zu.

Es handelt sich bei den Niederländern um den Sänger Jacco und drei Live-Begleiter. Während des halbstündigen Auftritts sprach er von "my new record" oder "I have written..." Dabei war eines der Hauptelemente seiner Musik der dreistimmige (mit viel Hall versehene) Gesang. Dazu kam eine wundervoll alt klingende Orgel, die nicht immer den Rhythmus hielt, sowie die Instrumente seiner Kollegen, Bass (Jasper Verhulst), Gitarre (Keez Groenteman) und Schlagzeug (Jos van Tol).

In den Stücken steckte viel Altes. Ich habe die Beach Boys rausgehört, ein Stück klang nach No milk today, die Zugabe nach dem hervorragenden Album von James Levy and the Blood Red Rose. Eine andere Stimme nannte hinterher die frühen Pink Floyd ohne den psychedelischen Quatsch. Daß diese im besten Sinne altbackene Musik von extrem jung aussehenden Musikern gespielt wurde, war alles andere als albern, der Auftritt gefiel mir ausgezeichnet! Und Jaccos Eltern hatten offenbar ein gutes Händchen bei der musikalischen Früherziehung. Lieder kannte ich nicht, mit einer Setlist kann ich nicht dienen. Beim nächsten Mal dann. Am 4. April spielt die Band in Haldern, auch für das Festival wäre sie ein sicherer Tipp. Das gestrige Konzert war übrigens neben einem Auftritt in Berlin das zweite in Deutschland.

Die lauten Gespräche in der Umbaupause gingen dann leider ungebremst weiter, als Julie Doiron mit Gitarrist Christopher MacLauchlan fertig war und mit dem ersten Stück begann. Auch wenn es es eine Kneipe ist und man seine Kumpels so lange nicht gesehen hat und wirklich nur die Vorgruppe sehen wollte, rechtfertigt das sicher kein rüpelhaftes Verhalten. Ich bin auch nicht sicher, ob es so schrecklich unhöflich den Freunden gegenüber ist, mal nicht mit den Bierflaschen anzustoßen, während zwei Meter entfernt eine Künstlerin versucht, leise Lieder zu singen. Vermutlich habe ich aber eine viel zu uncoole Frisur, um das beurteilen zu können.

Ich habe bei den vielen Alben der Kanadierin den Überblick verloren, das erste Stück (Swan pool) stammte aber vom 2007er Album Woke myself up. Julie Doiron hat seit Mitte der 90er Jahre neun Solo-Alben veröffentlicht, zuletzt So many days im vergangenen Jahr.

Die erste Hälfte des Konzerts bestritten Julie und Christopher gemeinsam, mir gefiel allerdings der Solo-Teil ab Homeless besser. A propos Homeless: Christopher erinnerte mich (an den vielen Hinterköpfen vorbei) an Saul aus Homeland, vermutlich lag das aber nur an einem ergrauten Bart, er sprach nicht über Terroristen.

Es war eben mein erstes Julie Doiron Konzert, und ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Ihre herrlich verpeilte Art gefiel mir ausgezeichnet. Da waren die schief klingenden Gitarren, die machem Stücke eine sicher nicht gewollte aber toll passende Pavement-Note verpasste (Consolation prize!) oder ein Gitarrensolo, das sie vollkommen überraschte (sie spielte es!). "I really forgot to bring a guitar pick for this solo. Believe me it sounds amazing on the album." Allerdings spiele sie das Solo da auch nicht. Was sie dazu führte, daß sie demnächst mit ganz vielen Gitarristen oder ganz ohne auf Tour gehen wolle. "Dann lassen wir einfach Gitarren auf den Rider schreiben und reisen ohne Gepäck." - "Oh ja, Bier und Gitarren auf dem Rider!"

Später bot sie eine Mitfahrgelegenheit nach dem Konzert von Köln nach Barcelona für 20 Euro an - was uns grübeln ließ, wie Julie bis Samstagabend mit Auto und Fähre über Barcelona nach Mallorca kommen wolle, denn da spielt sie abends.

Neben den wunderbaren Stücken machte Julies verschrobenes Wesen eine ganze Ecke des Charmes des Konzerts aus. "Es ist das erste Mal seit langer Zeit, daß ich mit offenen Haaren spiele. Sonst sehe ich immer so aus", sie machte einen Dutt.  Nach dem verpatzen Gitarrensolo sang sie irgendwann "take away my guitar" (The longest winter) und musste dabei während des Stücks lachen! Bei Last night knackte es übel im Verstärker - Christophers Handy-Batterie hatte sich gemeldet, sie war fast leer. Beim wundervollen Tailor verpatzte Julie den Text, sie mischte zwei Zeilen zusammen und sang sie dann doppelt. 

Die erste Zugabe The wrong guy, die für eine Rockband-Instrumentierung geschrieben sei, aber von ihr alleine gespielt wurde, bekam ein unfreiwilliges Schlagzeug dazu, die Becken des Instuments der Vorgruppe schepperten nämlich zu Julies lautem Gitarrenspiel.

Ohne diese verrückten Momente wäre es genauso toll gewesen, sie waren aber ein sehr schönes Extra eines hervorragenden Konzerts. Vielleicht haben das die Gallagher-Brüder im Publikum ja auch so empfunden, würde mich freuen. So freitägliche Horizonterweiterung ist ja nicht die schlechteste Idee.

Setlist Julie Doiron, King Georg, Köln:

01: Swan pond
02: ?
03: Yer kids
04: Consolation prize
05: Cars and trucks
06: Can't make it
07: The longest winter
08: Last night

Julie Doiron solo:
09: Homeless
10: Me and my friend
11: Tailor
12: Another second chance
13: A thing of the past (The Shirelles Cover)
14: Beneath the leaves
15: The gambler
16: By the lake

17: The wrong guy (Z)
18: Glad to be alive (Z)

Fotos folgen nachher!



Donnerstag, 20. Dezember 2012

Neil Halstead, Köln, 19.12.12

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Konzert: Neil Halstead
Ort: King Georg, Köln
Datum: 19.12.2012
Zuschauer: 70 (ausverkauft)
Dauer: Neil Halstead 75 min, Johannes Stankowski 25 min



Es sah nicht so aus, als sollte mein letztes Konzert 2012 ein Vergnügen werden, es sah sogar eher danach aus, als sollte es heute gar nicht stattfinden. Denn als ich am King Georg ankam, war da bereits eine lange Schlange bis fast zur nächsten Kreuzung. Ungefähr da hatte ich mich damals auch anstellen müssen, als Scout Niblett dort auftrat, und ich kam als letzter in den Club und stand zwischen Eingang und Cocktail-Schnippel-Bereich der Bar. Daß Neil Halstead, der Folksänger aus Reading, mit Vorgeschichte Slowdive und Mojave 3, so viele locken würde, hatte ich nicht gedacht. Wobei um mich rum beim Warten nur über den Support, den Kölner Johannes Stankowski gesprochen wurde.

Ich kam rein, stand bzw. saß toll und erlebte einen schönen Kurzauftritt von Johannes Stankowski und ein wundervolles ausgewachsenes Konzert von Neil Halstead, bei dem 40 days von Slowdive herzzerreißend schön war! Der Rest taugte auch enorm viel, das folgt aber morgen ausführlicher!

Setlist Neil Halstead, King Georg, Köln:

01: Tied to you
02: Who do you love (Mojave 3)
03: Yer feet (Mojave 3)
04: Full moon rising
05: In love with a view (Mojave 3)
06: Oh! Mighty engine
07: Hey daydreamer
08: Witless or wise
09: Martha's Mantra (for the pain)
10: High hopes
11: Some kinda angel (Mojave 3)
12: Two stones in a pocket
13: Hi-low and inbetween
14: Sometimes the wheels
15: Most days (Mojave 3)
16: Wittgenstein's arm
17: Alison (Slowdive)
18: 40 days (Slowdive)

19: Spin the bottle (Z)


Donnerstag, 16. August 2012

Memoryhouse, Köln, 15.08.12

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Konzert: Memoryhouse
Ort: King Georg, Köln
Datum: 15.08.2012
Zuschauer: unter 100
Dauer: gut 50 min



Puh, diese Wochenendausflüge stecken mehr in den Knochen, als ich dachte. Trotzdem soll dem zur jährlichen Gründungsfeier des Konzerttagebuchs* angereisten Frankreichbesuch ein ordentliches Programm geboten werden. Lower Dens gestern im Blue Shell musste ich noch absagen. In den vergangenen drei Nächten hatte ich 15 Stunden geschlafen, der Montag war gestrichen, ich wollte schließlich dringend ins King Georg gehen, um Memoryhouse zu sehen. Dreampop macht mich so willenlos wie Düsseldorfer Herren die Getränke in den örtlichen Amüsierbetrieben. Auch wenn mir kurz vor der Abfahrt ein kurzer Abend und ein paar Seiten in meinem neuen 200-Seiten Buch über das 100 m Finale in Seoul zwischen Ben Johnson und Carl Lewis auch sehr attraktiv (weil weniger anstrengend) erschien, wirkte die Aussicht auf schöne Musik stärker.

Als wir am King Georg ankamen, war da keine Warteschlange. Seit Scout Niblett oder anderen rappelvollen Konzerten, bin ich gerne früh in dem kleinen hippen Laden. Zu Musikabenden gehört eben auch, die Band zu sehen, wenn man als einer der letzten in die Bar kommt, wird man das nicht. Jetzt war es jedenfalls nicht sehr toll besucht, vielleicht 80 Leute waren bei Konzertbeginn anwesend. Wir fanden jedenfalls mit dem Alibi des harten Wochenendes einen Platz in einer der Sitzecken, dummerweise in einer seitlich hinter der Band.

Memoryhouse stammen aus Toronto und sind eigentlich ein Duo, Denise Nouvion und Evan Abeele. Auf Tour werden sie aber von einem Schlagzeuger (Daniel Gray, denke ich) begleitet. Als sie um zehn nach neun begannen, hörte man auch zunächst vor allem die Drums, dann ein paar Gitarren und Synthies, nur Denises Stimme war allenfalls erahnbar. Ich schob das auf unsere doofen aber bequemen Plätze, sah dann aber, daß auch Boxen in unsere Richtung hingen, es schien also überall nicht dolle gewesen zu sein. Nach dem Eröffnungsstück (Walk with me) fragte auch Evan, ob man den Gesang verstehe. Tat man nicht, es wurde reguliert und deutlich besser, blieb aber während des ganzen Konzerts leider sehr unausgewogen. Das Schlagzeug schepperte bei manchen Stücken so laut, daß ich Ohrenstöpsel brauchte, was den Gesang noch weiter ausblendete.

Leider kamen die wundervoll verträumten Melodien, die so perfekt zur verträumten (besser: einlullenden, aber das ist so negativ besetzt) Stimme der Sängerin passen dadurch ziemlich zahnlos an. Ich habe überhaupt keine Ahnung von Abstimmung von Sounds, vermute dahinter eine hochkomplizierte Sache, die ich bewundere. Aber heute schien es mir, als habe man den Klang auf deutlich größere Räume ausgerichtet. Bei allen Bands dieser Musikrichtung, was auch immer man jetzt aus der Musik der Kanadier genau raushören mag, ist der Klang so viel wichtiger als bei was weiß ich, Bon Jovi. Ob ein Pains Of Being Pure At Heart oder Beach House oder Best Coast Konzert etwas taugt, hängt vermutlich einzig vom Sound ab.

Ganz bezeichnend war, daß keiner, mit dem ich gesprochen habe, das My Bloody Valentine Cover erkannt hat, ich auch nicht, das die Band zwischendurch gespielt hat, obwohl das vermutlich jeder auf Platte oder CD hat. Später, als letztes Lied, coverten Memoryhouse dann noch Father John Misty, den ich bisher ignoriert habe (und daher eine gute Ausrede habe, warum ich auch das nicht identifizieren konnte). Only son of a ladies man klang aber (wohl) extrem vielversprechend und nicht nach trockenem Folk.

Schade! Es schien mir nämlich so, daß kaum Laufpublikum da war, die Leute waren wegen der Band gekommen. Beim nächsten Mal wird der Klang sicher besser, dann werde ich auch euphorischer. Denn eine tolle Band mit wundervollen Melodien sind Memoryhaus unbestritten!

Setlist Memoryhouse, King Georg, Köln:

01: Walk with me
02: Sleep patterns
03: Modern, normal
04: Heirloom
05: The kids were wrong
06: Punctum
07: When you sleep (My Bloody Valentine Cover)
08: All our wonder
09: Lately
10: Only son of a ladies man (Father John Misty Cover)

11: Bonfire (Z)

* erstes Posting am 15.08.2006. Bitte aber höchstens bis 2007 zurücklesen, alles andere wäre mir extrem unangenehm.





Sonntag, 12. Februar 2012

Anna Ternheim, Köln, 11.02.12

4 Kommentare

Konzert: Anna Ternheim
Ort: KulturKirche Köln

Datum: 11.02.2012
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: gut 90 min


Anna Ternheim ist ein dankbares Objekt für Konzertberichte.* Obwohl ich heute mein x-tes Konzert der Schwedin gesehen haben (und mich nicht traue, nachzuzählen, wie viele es waren), ist es nicht wie bei anderen Künstlern, die ich häufig erlebt habe und zu denen mir irgendwann einfach nichts mehr einfällt. Bisher glich keine Tour der Musikerin den vorherigen, und wenn man meint, alles gesehen zu haben, muß man diese Erkenntnis wieder um mindestens eine Tournee nach hinten verschieben.

Anna Ternheim hat mit Bands gespielt, mit hoch unterschiedlichen, sie ist alleine aufgetreten, mit einem Akustiktrio und zuletzt in Berlin im November mit dem Amerikaner Matt Sweeney, mit dem sie ihre vierte Platte The night visitor eingespielt hat.

Mit Matt und seinem eindrucksvollen Trucker-Schnauzbart hatte ich heute auch wieder gerechnet. Daß der aus Nashville stammende Dave Ferguson, ein Freund und Produzent Johnny Cashs, dabei sein würde, hatte ich gelesen. Es klang also nach einer (Country-)Band, die Anna Ternheim begleiten würde. Eine von vielen Fehleinschätzungen heute.

Die nächste wäre dramatischer geworden. Auf meinem Onlineticket stand nur eine Uhrzeit, nämlich 20.00 Uhr. Ich deutete das als Einlasszeit, da die Kölner Unsitte, ausgerechnet samstags wegen der anschließenden Disco Konzerte extrem früh beginnen zu lassen, für die KulturKirche wohl nicht gilt. Ich wollte also pünktlich zum Einlass da sein und einen guten Platz suchen, da es bestuhlt sein würde.

Bestuhlt war es auch nicht - aber voll, als ich um acht in die Lutherkirche kam. Um zehn nach acht begann Anna Ternheim, das hätte also ordentlich schief gehen können.

Daß ich mit der Band falsch liegen sollte, konnte ich da noch nicht sehen, weil wir links vorne am Rand standen und da die Sängerin zwar sehen konnten, die Sicht sich aber - sobald sie weiter hinten stand - auf ihre schwarzen Stiefel beschränkte. Da hätte ein Kinderchor im Hintergrund stehen können, gesehen hätte ich den nicht.

Die ersten Stücke spielte die Schwedin alleine. Solitary move und What remains stammen beide vom neuen Album und passen zu den ersten beiden Platten der Musikerin. In der Soloversion hörte ich die Besonderheiten von The night visitor nicht heraus. Ihre uralte Gitarre, auf der sie das Album eingespielt hat, klingt für geübte Ohren sicher besonders, für mich Banausen ist eine Gitarre eine Gitarre. Die beiden Stücke sind sehr schön, der erste Knüller war allerdings das folgende alte Lied, der Wedding song, eines meiner Anna-Lieblingsstücke (das sie früher immer als fröhliches Lied ankündigte, nachdem sie die vorherigen Stücke eines Konzerts immer als "das handelt von einem gebrochen Herzen" oder "das ist ein trauriges Lied" vorgestellt hatte). Wer fröhliche Lieder mag, wird zwar nicht ernstgenommen, das ist der Song aber wert.

Anna setzte sich anschließend ans Klavier - nicht mehr ihr schönes rotes, das so nach Pippi Langstrumpf aussieht - es war schwarz und mit einer Wohnzimmerleuchte dekoriert. Dort spielte sie Shoreline, einen weiteren alten Liebling, im Original von ihren Landsleuten Broder Daniel. I'll follow you tonight danach, und es hätte noch ein normales Konzert sein können.

Statt einer Band trat dann zunächst nur Dave Ferguson in den Altarraum und stellte sich an seinen Kontrabass. Dave Ferguson ist Ende 40 (ich hatte einen alten Mann erwartet... aber das passt ins Bild) und hat als Toningenieur für Johnny Cash und andere amerikanische Folklegenden gearbeitet. Wichtiger für heute war aber, daß Dave eine ausgewachsene Cowboy- und Country-Stimme hat. Bei der Albumversion des wunderbaren Duetts The longer the waiting (the sweeter the kiss) ahnt man die bereits, aber der Mann verdient ja sein Geld damit, Dinge anders klingen zu lassen. In seinem Fall unnötig, denn schon sein erster Einsatz bei Lorelie-Marie, zwar noch dezent nur beim Refrain, gefiel mir ausgezeichnet. Ich glaube nicht, daß ich Countrymusik mag, auch die gute nicht, aber die Mischung Schwedin und Cowboy passte punktgenau!

Wie gut die Stimmen der beiden harmonieren, zeigte sich beim nächsten Lied, dem schon erwähnten The longer the waiting... Bei ihrem Showcase-Konzert in Berlin im November hatte Anna das Stück noch alleine gespielt, gemeinsam mit dem brummenden Amerikaner wird es aber erst perfekt!

Noch schöner jedoch war das nächste Duett im Anschluß. All shadows habe ich bislang nicht als riesigen Knüller wahrgenommen, wenig überraschend also heute, daß es eines der schönesten Lieder des Abends werden sollte!

Auch die nächsten drei Titel stammten von The night visitor. Sie alle waren hervorragend, die schönste Szene dabei hatte aber nichts mit Musik zu tun. Anna Ternheim kündigte Come to bed als "It's a love song" an, worüber Dave kurz nachdachte, um dann in ein herzhaftes Lachen auszubrechen! Bei God don't know spielte der Musiker Banjo, ansonsten war sein Platz meist am Kontrabass, der er aber nicht zwangsläufig dann auch spielte (auch ein running gag der letzten Woche).

Dann wurde es wieder spektakulär: Anna verschwand nämlich. Das war aber offenbar geplant (gesehen habe ich nichts, ihre Schuhe waren nur plötzlich weg). Dave war davon weniger überrascht, er spielte Baby is gone von Jack Clement bzw. Charley Pride, mit denen er auch in Nashville gearbeitet hat. Die letzte Zeile des Stücks lautet "who want's to sing when his baby is gone?" Schon dafür hatte es sich gelohnt!

Aber das war es noch lange nicht (ich wollte mich wirklich kürzer fassen!). Anna ging zum schwarzen Klavier und spielte eine sehr abgespeckte Version von Terrified, einem Stück vom dritten Album, das ich wegen seiner wuchtigen Produktion nicht mehr gerne höre. Daß ein Lied davon gerade so besonders abgespeckt vorgetragen wurde, gefiel mir gut.

Johnny Cash wurde nicht nur erwähnt, er wurde auch zitiert, indem Anna und Dave sein The great divide spielten. Das Lied ist Teil einer Tour EP mit vier Coversongs, die bei einer geplanten Probesession in Nashville entstanden ist. Wie auch bei ein, zwei anderen Stücken verpatzten die beiden erst einmal den Einsatz. Dave stand nämlich an Annas Mikro, merke dann, daß es viel zu hoch für ihn hing, drehte es runter, und schon passte es nicht mehr.

Und dann wurde es noch einmal sehr speziell. Let it rain, auch vom viertbesten Album stammend, spielte Anna noch einmal abgespeckter als Terrified. Abgespeckter als nur mit Klavier funktioniert eigentlich einfach: die Sängerin legte ein Mikro neben das Metronom auf dem Klavier, schon das an und begleitete diesen monotonen Rhythmus nur mit ihrer Stimme. Erst gegen Ende stieg Dave mit seinem Kontrabass ein, der eintönige Klang änderte sich aber nicht mehr, wundervoll!

Nach Bow your head (wieder Night visitor) war erst einmal Schluß. Anna kam kurz später wieder, alleine. Ich hatte da auch schließlich kapiert, daß weder Matt Sweeney noch andere zusätzliche Musiker dabei sein würden, mir genügte es so aber auch vollkommen. Zugaben der in New York lebenden Schwedin sind oft eine Wunschrunde. Ein Stammgast in der ersten Reihe erbat sich Halfway to Fivepoints. Anna war unsicher, ob sie den Text kennte, spielte auch irgendwann intrumental weiter. Als ihr das an einer zweiten Stelle passierte, brach sie ab und versprach, das Stück morgen in Hamburg nachzuholen. Zugaben waren dann Better be und Black light shines (noch einmal aktuelle Platte).

Obwohl die Hintergrundmusik dann schon lief (Johnny Cash, oder?), kam Anna noch einmal zurück, um ein weiteres Lieblingslied zu spielen, My secret.

Ich lag in so vielem heute grundverkehrt. Daß es ein wundervolles Konzert werden würde, und daß ich nicht wie ein abgestumpfter Musikjunkie, der schon alles gesehen hat, gelangweilt am Rand stehen würde, hatte ich aber immerhin richtig eingeschätzt.

Setlist Anna Ternheim, KulturKirche, Köln:

01: Solitary move
02: What remains
03: Wedding song
04: Shoreline (Broder Daniel Cover)
05: I'll follow you tonight
06: Lorelie-Marie
07: The longer the waiting (the sweeter the kiss) (Pat McLaughlin/Roger Cook Cover)
08: All shadows
09: Come to bed
10: God don't know
11: Walking aimlessly
12: Baby is gone (Dave Ferguson solo) (Jack Clement Cover)
13: Terrified
14: The great divide (Johnny Cash Cover)
15: Let it rain
16: Bow your head

17: Halfway to Fivepoints (Z)
18: Better be (Z)
19: Black light shines (Z)

20: My secret (Z)

Links:

- Interview mit Anna Ternheim (2007)
- aus unserem Archiv:
- Anna Ternheim, Berlin, 03.11.11
- Anna Ternheim, Nyköping, 24.11.09
- Anna Ternheim, Paris, 23.09.09
- Anna Ternheim, Fribourg, 20.09.09
- Anna Ternheim, Köln, 13.09.09
- Anna Ternheim, Haldern, 14.08.09
- Anna Ternheim, Paris, 29.04.09
- Anna Ternheim, Frankfurt, 28.04.09
- Anna Ternheim, Nijmegen, 24.04.09
- Anna Ternheim, Stockholm, 08.12.08
- Anna Ternheim, Paris, 01.10.07
- Anna Ternheim, Köln, 26.09.07
- Anna Ternheim, Heidelberg, 25.09.07
- Anna Ternheim, Paris, 31.05.07
- Anna Ternheim, Köln, 12.03.07
- Anna Ternheim, Paris, 12.12.06

* und zum Anhimmeln

Konzert: Blouse

Ort: King Georg, Köln
Datum: 11.02.2012
Zuschauer: vielleicht 50
Dauer: 5 min

Weil es noch so früh war, als ich die KulturKirche verließ (21.45 Uhr), das King Georg nicht weit weg ist und da die fabelhaften Blouse spielen sollten, die ich gestern bereits gesehen hatte, wollte ich mir die Amerikaner nicht entgehen lassen. Um 21.00 Uhr sollte die Vorgruppe o F F aus London auftreten. Um fünf nach zehn, als ich vor dem Club stand, sollte ich also höchstens ein Lied verpasst haben. Es war ähnlich. Ich hörte noch die letzten Takte von Into black, dann den Dank von Sängerin Charlie und immerhin die komplette Zugabe Nights and days.

Links:

- Blouse, Luxemburg, 10.02.12




 

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