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Mittwoch, 3. April 2013

I Am Kloot, Paris, 23.03.13

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Konzert:I Am Kloot (The Ralfe Band)
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 23.03.2013
Zuschauer: etwa 400
Konzertdauer: etwa 90 Minuten



Es gibt so ein par Indiebands, denen man schon lange den großen Durchbruch gönnt. Man sagt sich, die sind tausendmal geiler als Oasis und 1 Million mal besser als Coldplay, also warum verdienen die nicht die dicke Kohle? Etwa im Jahre 2006 dachte ich so zum Beispel von Elbow und auch von I Am Kloot. Ich fand die beiden Gruppen aus Manchester einfach total gut und wollte, daß die mal so richtig durchstarten.


Bei Elbow ist das tatsächlich passiert. Die sah ich im Sommer 2006 in der recht kleinen Maroquinerie (Kapazität 500 Plätze), in der Folge sind sie aber wirklich durch die Decke gegangen, vor allem in Großbritannien. Das Blöde an der Sache: inzwischen mag ich ihre Musik und ihr Gebaren nicht mehr. Damals war nur das Aussehen des Sängs Guy Garvey feist, nun ist es auch die Musik seiner Band geworden. Allein der kurze Auftritt bei den Olympischen Spielen in London war zum Gruseln.

Was Elbow mit I Am Kloot zu tun haben? Eine ganze Menge! Beide stammen aus der gleichen Stadt und beide sind sie seit 'ner Weile dicke Freunde. Also ich meine Guy is dick, John Brawell von I Am Kloot ist dünn. Aber sie arbeiten immer noch zusammen, Gurvey produzierte die letzten beiden Alben, das ist der springende Punkt. Und Guy weiß ja inzwischen, wie man Stadien füllt.

Amüsanterweise fand das I Am Kloot Konzert 2013 aber in der Maroquinerie statt. Genau in jenem Laden, in dem ich mir 2006 gewünscht hatte, daß Elbow mal groß würden und in glamouröseren Locations spielen könnten. Zumindest in Frankreich scheinen I Am Kloot also Indie zu bleiben, selbst wenn sie in England langsam aber kontinuierlich auch kommerziell erfolgreicher werden und sie mit EMI inzwischen auf einem Majorlabel veröffentlichen.


Aber letztlich waren dies alles nur Vorüberlegungen, denn der Gig von I Am Kloot war durchweg phantastisch, keine Spur anbiedernd und es gab auch keinerlei Hinweise dafür, daß die Band von John Bramwell nun dem Mainstream die Füße küssen würde. Zwar sind auf dem aktuellen Album ein paar Lieder etwas stärker orchestiert, aber von Bombast oder geschliffenen Kanten kann keine Rede sein. 

Die Stimme von Bramwell klang live in der Maroquinerie scharf und angriffslustig wie immer, die Band gebärdete sich angenehm bescheiden wie früher und der Sound war in vielen Phasen erstaunlich rockig, insofern schon ziemlich anders als auf Tonträger.


Brillante Songs gab es gleich reihenweise. Bullets vom neuen Album Let It All In beispielsweise. Bluesig-jazzig angehauchte Barmusik, die man sich bei gedimmten Rotlicht vorstellen könnte, zunächst langsam und sanft vor sich hinschlängelnd, dann gegen Ende hin saftig und sehr laut. "Should I tell you the tales of glory..." croonte Bramwell ganz formidabel.


Dann Masquerade, bester Britpop mit fabelhafter Melodie und guten Texten. Der Song klang jetzt schon wie ein Evergreen, wurde von John Bramwell perfekt gesungen. Mit seiner nasalen, leicht rauchigen und versoffenen Stimme gibt er jedem Song von I Am Kloot seine ganz besonder Würze, seine Unverkennbarkeit. Er kann mit ihr ganz unterschiedliche Stimmungen ausdrücken. Das Spektrum reicht von Melancholie bis hin zu Wut und Zorn. Zorn schien Bramwell vor allem gegenüber ein paar Leuten zu entwickeln, die in einer bestimmten Ecke der Maroquinerei schwätzten. Mitten in einem Song schrie er deshalb : "Shut up, shut up!", bevor er etwas später nachsetzte: "Hey you fuckers over there, you talking all the way through. I suppose your on the guest list? You didn't the 20 Euro (that's cheap!) pay right?




Aber das war nicht sonderlich aggressiv, sondern eher humorig gemeint. Ein böser Kerl ist John schließlich nicht, allerdings ein richtiger Streetfighter, einer der von dem man sagte, daß er eine Weile seines Lebens auf der Straße gelebt hat und Gitarre spielend mehr schlecht als recht seinen Unterhalt bestritten hat. Ein richtiger Haudegen also, der schon die üblen Seiten des Daseins kennengelernt hat und insofern gegen alles abgehärtet ist. Vielleicht schreibt er deshalb so schrecklich schöne Balladen wie Hey Little Bird oder The Same Deep Water As Me. Im Mittelteil trug er mit No Fear Of Falling und At The Sea gleich zwei Stücke solo vor, das war wundervoll.

Dann kam die insgesamt siebenköpfige Live Band (hoffe, ich habe richtig gezählt?!) zurück, in der auch auch ein Saxofonist und ein Akkordeonspieler ihren Platz hatten. Die Chemie schien zwischen den Bandmitgliedern (eigentlich sind sie ja ein Trio) zu stimmen, wenngleich Bramwell der unumstrittene Boss und Mittelpunkt war. Mit einem Fuß auf einen Becks Bier Kasten gestützt, sang er sich etwa 1 1/2 Stunden lang quer durch das Repertoire der Band und spielte mal neuere, mal ältere Songs. Zwar wurden die beiden letzten Alben Let I All In und Sky At Night am intensivsten beackert, aber auch alte Perlen von I AM Kloot und Natural History kamen zum Vortrage. Und die waren irgendwie nach wie vor am besten. An Kultsongs wie To You, Twist oder From Your Favourite Sky kam letztlich nichts ran, wenngleich Hold Back The Night, sicherlich der stärkste Song (gleich dahinter Some Better Day) des neuen Albums, auch ein Abräumer par excellence war. Langsam trippelte sich dieses Stück voran, wurde dann aber immer dichter und intensiver und dramatischer. Ein Song, der sich auch glänzend als Titeltrack eines James Bond Streifens machen könnte.

Nach 90 Minuten war jedenfalls ganz klar: I Am Kloot gehören in die Champions- League des Britpop, ganz egal was Verkaufszahlen sagen! Aber auch in dieser Hinsicht geht es immer weiter nach oben. Let In All In erreichte immerhin Platz 10 und somit die bisher höchste Chartplatzierung überhaupt.

Setlist I Am Kloot, La Maroquinerie, Paris

01: These Days Are
02: Northern Sky
03: Bullets
04: Shoeless
05: Masquerade
06: Hey Little Bird
07: Let Them All In
08: The SameDeep Water As Me
09: Hold Back The Night
10: No Fear Of Falling
11: At The Se
12: I Still Do
13: Fingerprints
14: To The Brink
15: Some Better Day
16: Lately
17: Radiation
18: Proof

19: Twist
20: From Your Favourite Sky
21: To You



Montag, 16. Juli 2012

Madness, Stuttgart, 05.07.12

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Konzert: Madness
Ort: Schlossplatz, Stuttgart (JazzOpen Stuttgart]
Datum: 05.07.2012
Zuschauer: zu wenige... vielleicht 700



Text und Foto von Jens K. aus Stuttgart


Das mit dem Stuttgarter Jazz Open und dem Jazz ist so ein Sache. Genauso wie beim Jazzfestival im schweizerischen Montreux versuchen die Veranstalter vielmehr eine Art musikalisches Crossoverprogramm auf die Beine zu stellen. Im Falle einer gelungenen Umsetzung können so zweifelsohne besondere Konzertmomente entstehen, voller Magie und popmusikalischer Perfektion. Als Anfang des Jahres mit Madness, die neben den Specials wohl wichtigste Ska-Formation der Musikgeschichte als Act des eröffnenden Abends bestätigt wurde, war ich sofort Feuer und Flamme. „Da gehe ich, keine Frage.“ dachte ich mir damals bis ich sah, dass die günstigsten Karten für knapp 60 Euro zu haben waren. Nichtsdestotrotz wollte ich die letzte Option ziehen und versuchen mit meiner Freundin günstigere Karten auf dem Schwarzmarkt zu ergattern. Bereits nachmittags vor Konzertbeginn machte ich in meiner universitären Mittagspause die Erkenntnis, dass der Preis für Stehplätze um zwanzig Euro gesenkt wurde. Doch auch vierzig Euro erschienen mir zu teuer, so dass ich nach einigen hin und her und unschönen Gesprächen mit gierigen, professionellen Schwarzhändlern, die einem regelmäßigen Konzertgänger häufig das liebste Hobby unnötig erschweren, Karten für einen absolut unangemessen niedrigen Preis kaufte.

Vor der Bühne angekommen wurde klar, warum der Veranstalter versuchte mit reduzierten Karten Leute zu locken. Innenraum und Ränge, mindestens für 5000 Leute angelegt waren nahezu leer. Wenn man sich ein nicht ganz ausverkauftes Konzert in der kultigen, alten Frankfurter Batschkapp vor Augen führt, kann man sich in etwa vorstellen, wie viele Besucher zu Madness kamen.


Wie keine zwei Wochen zuvor beim Auftritt der wiedervereinigten Stone Roses auf dem Southside Festival kam es mir erneut so vor, als könnten deutsche Konzertgänger wahre Perlen nicht wertschätzen. Doch die wenigen, die sich im Rund vor der Bühne sammelten, zeigten sich sofort offen als wahre Fans. Gealterte Skins in chicen Ben-Sherman-Hemden, engen Jeans, Doc Martins an den Füßen und Hosenträgern, neben Mods in Fred Perry Polos und gut sitzenden Mofahelmfrisuren warten auf den Auftritt echter Helden. Es wird geraucht, Bier getrunken. Überall hört man englische Satzfetzen. Der Regen gießt in Strömen, während es immer noch Außentemperaturen von über 30 Grad hat.

Als Madness schließlich die Bühne betreten, kennt es kein Halten mehr. Die Band, komplett in schwarzen Anzügen mit Sonnenbrillen. Mit Ausnahme der Bläsersektion in roten, an englische Garduniformen erinnernden Jacketts. Sänger Suggs tritt ans Mikrophon. Jeder, wirklich jeder, weiß was jetzt kommt. Und so schallt es im Kollektiv synchron zu Suggs Worten:“Hey you, don't watch that, watch this / This is the heavy heavy monster sound / The nutsiest sound around / So if you've come in off the street / And you're beginning to feel the heat / Well listen buster / You'd better start to move your feet / To the rockin'est, rock-steady beat of Madness / One step beyond.“ Für die nächsten 75 Minuten gleicht das gemischte Publikum einer einzigen Moddisco. Der jüngere Indiejünger mag sich dabei an eine der schönsten Zeilen aus Pete Dohertys Babyshambles Hit „Delivery“ erinnert („See if you can, take the man, go round town / Where all your skins and mod’ / You get together / Make pretend / It’s 1969 forever / Find a girl, have a drink, / Have a dance and play“). Ganz so lange gibt es Madness zwar noch nicht, aber zehn Jahre weniger sind auch eine verdammt lange Zeit. Eine Zeit, in der Unmengen an Hits entstanden sind, die längst englisches Kulturgut sind, im gleichen Maß wie die Ska-Heroen saus Camden Town selbst ihren festen Platz im kulturellen Inventar der größten Popnation eingenommen haben.

Wie viele Bands hatten sonst schon ihr eigenes Musical, Konzert mit Morrissey im Vorprogramm und fast jährlich ein eigenes Festival? Hmm. Bitte fangt nicht mit Queen an. Oder Abba. Da treffen auch nur die wenigsten Punkte zu. Apropos Queen. Welche Popband außer Madness hat bereits auf dem Dach des Buckingham Palace in London gespielt und die komplette Fassade mit ins Bühnenbild integriert, wie es vor wenigen Wochen beim Diamanten Thronjubiläum der Queen geschah. Niemand. Richtig. Dazu noch Paul McCartney die Show gestohlen.Respekt. Umso trauriger ist es natürlich, wenn man den riesigen Freiraum in Baden-Württembergs Hauptstadt betrachtet.

Chris Foreman, Mike Barson, dem großartigen Saxophonisten Lee Thompson, Chas Smash, Danniel Woodgate, Graham Bush und dem fantastischen Graham „Suggs“ McPherson scheint es jedenfalls wenig auszumachen. Ein bezauberndes Bild liefert der zweite Sänger Chris Foreman, als er mehrfach vergebens versucht eine Zigarette anzuzünden (später dient das Saxophon Thompsons kurzerhand als Aschenbecher) , was ihn zu einem kleinen Wutausbruch einem Roadie gegenüber verleitet und Suggs zu einer sehr interessanten Tat animiert, von der ich mich mittlerweile Frage, ob es sich bei ihr nicht doch um ein klassisches Ska-Band-Ritual handelt. Das Zertrümmern der Uhr am Bühnenrand. So erlebte ich die gleiche Situation bereits vor zwei Jahren als ein Mitglied der Specials auf dem Southside-Festival ebenfalls eine Uhr zerschlug, was sogar eine blutige Hand zur Folge hatte und einen Bandkollegen dazu brachte den vor ihm stehenden Ventilator vor der Bühne zu treten. Haarscharf am Rücken eines Ordners vorbei.

Doch zurück zu Madness. Anfangs erwähnte ich bereits die enorme Hitdichte, deren Hochkarätigkeit sich wohl am besten in Namen nennen lässt. Das unübertreffliche„The Sun And The Rain“, der Nummer-1-Hit „House of Fun“, „My Girl“ oder „It Must Be Love“. Natürlich auch „Our House“, der leider einen bitteren Beigeschmack mit sich trug. So wirkte es so, dass viel der anwesenden klischeehaften Stuttgarter Spießer der gehobenen Bourgeoisie lediglich auf diesen Hit aus ihrer Jugend gewartet zu haben schienen und versuchten aus sich rauszugehen. Schade. Aber immerhin. Der Rest tanzte ohnehin in grenzenloser Leidenschaft.

Saxophonist Lee Thompson durfte nach Suggs zynischer Frage, warum man Madness auf einem Jazz-Festival spielen lasse, schließlich sei man nicht Sting und habe keinen Song wie „Dedodododedadada“ und möchte auch nicht George Benson verwechselt werden, schließlich „Bed and breakfast man“ singen und erinnerte nicht nur äußerlich an eine Szene aus „Blues Brothers“. Später gibt Suggs den Beatles-Klassiker „Help“ a-cappella stilvoll und singt mit NW5 einen neueren Song aus dem Jahr 2007, der – so seltsam es klingen mag – für den deutschen Film „Neues vom Wixxer“ aufgenommen wurde (das dazugehörige Video auf youtube kann ich nur wärmstens empfehlen).

Als Zugaben gibt es „Madness“, quasi den Taufpaten der Band“, eine Version von Edvard Griegs „Hall of the Mountain King“ aus der Peer Gynt Suite und zum Schluss „Night Boat To Cairo“. Ein letztes kollektives Mitsingen und Tanzen. Der Regen hat aufgehört. Nass ist man trotzdem. Schweiß tropft. Erschöpft, aber glücklich. Band und Publikum. Und das schon nach 75 Minuten. Suggs Handtuch, das dieser meiner Freundin zuwarf kam da gerade recht.

Dass die eingangs erwähnte musikalische Melange auch als Tritt im buchstäblichen Fettnäpfchen enden kann, bewies man nur wenige Tage später: Am Sonntag folgte beim Stuttgarter Jazz Open ein Auftritt von Katie Melua gemeinsam mit den deutschen Pseudojazzern Till Brönner und Roger Cicero, den der Schlagzeuger einer nicht unbekannten Formation der Hamburger Schule in einem Gespräch mit mir als „Konzertkollaboration Satans“ bezeichnete. Da war es voll. Ehre dem, der da nicht an Faust denkt.

Setlist:


One Step Beyond (Prince Buster Cover)
Embarrassment
The Prince
My Girl
The Sun And The Rain
Take It Or Leave It
Misery
Shut Up
Bed And Breakfast Man
House Of Fun
Help (Beatles Cover)
NW5
Our House
It Must Be Love (Labi Siffre Cover)


Madness (Prince Buster Cover)
In The Hall Of The Mountain King
Night Boat To Cairo

Aus unserem Archiv:

Madness, Paris, 28.08.09




Dienstag, 24. April 2012

Lizzie And The Yes Men, Paris, 21.04.12

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Konzert: Lizzie And The Yes Men

Ort: Le Bus Palladium, Paris

Datum: 21.04.12



"Mensch, Bruderherz, du hörst immer so traurige Musik, kein Wunder, daß du schwermütig wirst".

Diesen Spruch meiner Schwester muss ich mir öfter anhören, wenn wir uns denn mal sehen. Und er stimmt irgendwie ja auch, denn ich höre in der Tat oft ziemlich deprimierendeMusik.

Aber ich bin wandelbar und kann auch anders. Am vergangenen Samstag zum Beispiel. Da standen die ungemein frischen, euphorisierenden und wahnsinnig charmanten Briten von Lizzie And The Yes Men im kultigen Pariser Bus Palladium auf dem Programm. Ich hatte ihnen den Vorzug vor dem überaus melancholischen Schweden Loney Dear gegeben, der im Café de la Danse seine Schwermut verbreitete. Statt Katzenjammer also Frohsinn und Frühlingsgefühle. Und das tat mir gut!

Nach der durchaus gefälligen Vorband Secretive aus Frankreich (bei der mir aber vor allem die Blumentattoos der Sängerin an den hinteren Waden in Erinnerung geblieben sind) ging es dann gegen 22 Uhr 30 auch mit Lizzie und ihren Ja- Männern los.


Zunächst spielten die Herren ein längeres Gitarren-Intro, bevor dann die Diva Lizzie die Bühne betrat und mit ihren langen Beinen und ihrem todschicken Kurzhaarschnitt alle Blicke auf sich zog. Was für eine charismatische Frau! Eine neue Twiggy, eine Retro-Ikone! Und sie kann auch singen. Ihre Stimme versetzte uns in die 1960 er Jahre zurück, ließ uns an die Supremes, die Ronettes oder die Shirelles denken, während der flotte Gitarrensound der Männer eher dem Post Punk Revival à la Franz Ferdinand oder den Kaiser Chiefs zuzuordnen war. Alles kam wahnsinnig zackig und Laune machend rüber, Durchhänger oder musikalische Längen gab es nicht.


Ein Highlight an vierter Stelle. You And I Both Know begann mit einem dunklen, markanten Basslauf, bevor Lizzies Gesang und wilde Schrammelgitarren einsetzten und den Song gewaltig nach vorne peitschten.

Hits in diesem Stile gab es reichlich, was meine Vorfreude auf ein Album, das irgendwann im Laufe des Jahres 2012 erscheinen soll, massiv schürte.

Die Single Broadwalk dürfte aber schon vorher für hohe Wellen Sorgen. Der unbeschwerte und unwiderstehliche Pfeifsound, die absolut packende Melodie und die Tanzbarkeit könnten das Lied schon bald auf jeden I-pod, in jede Indie-Disco katapultieren. Man sah so einige Leute im Publikum bei dieser Klasse-Nummer mitwippen, kein Wunder!

Meine Schwester könnte stolz auf mich sein. Keine traurige Musik an diesem Samstag, keine Schwermut, sondern gute Laune pur.

Super Abend, klasse Band!





Setlist Lizzie And The Yes Men, Bus Palladium, Paris

01: Intro
02: Misdemeanour
03: Take What I Can Get
04: You And I Both Know
05: Trouble
06: Nasty Boy
07: Let Me Go
08: Baby No Go
09: Deserts
10: Loneliness
11: Broadwalk

Aus unserem Archiv:

Lizzie And The Yes Men, Paris, 16.04.12


Dienstag, 17. April 2012

Lizzie And The Yes Men, Paris, 16.04.12

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Konzert: Lizzie And The Yes Men
Ort: Le Baron, Pris
Datum: 16.04.2012
Konzertdauer: etwa 45 Minuten



Das Musikgeschäft ist kein Ponyhof. Diese Erfahrung mussten heute auch die trendigen Engländer Lizzie And The Yes Men machen, die extra für den kleinen, aber feinen Gig von London nach Paris gekommen waren und dies per Bus, der 8 Stunden für die Strecke hin und auch wieder zurück braucht.

Aber es galt, sich und die unfassbar ohrwurmigen Songs in der französischen Metropole bekannt zu machen. Da muss man gewisse Stapazen auf sich nehmen
und sich vor fremden Publikum von seiner Schokoladenseite präsentieren. Und das taten die Londoner auch.


Das, was die blonde und sehr blauäugige Sängerin Lizzie und ihre Jungs da ablieferten war wahrlich alles andere als schlecht, um nicht zu sagen: super! Surf Pop sollte das sein, so habe ich es irgendwo gelesen. Mir kam eher der Filmemacher Tarantino in den Sinn, denn die schmissige Musik der Briten hätte ich mir perfekt in Pulp Fiction vorstellen können. Aber auch die Supremes und 60ies Pop passten als Referenz sehr gut. Und auch eine Spur Franz Ferdinand und Bands vom Postcard Records Label wie z.B. Orange Juice gab es im Soundbild von Lizzie herauszuhören.

Auf jeden Fall klangen die Songs sehr frisch, und Lizzie erwies sich als exzellente Frontfrau mit Charisma, Energie und viel Charme. Mit ihrem Glitzertop, dem Lederröckchen und den Ballerinas war sie sexy und schick aber nicht vulgär angezogen, während ihre Bandkollegen alle mit weißen Hemden und Krawatten aufliefen. Eine stilvolle Gruppe, die aber nicht nur durch ihre Eleganz, sondern auch sehr packende Songs zu glänzen wußte. Zwei bis drei Lieder waren definitiv potentielle Hits. The Broadwalk war sogar so grandios, daß ich ins Schwärmen geriet. The Last Shadow Puppetsche Gitarren + eine super Pfeifmelodie + das Sixties- Parfüm, dagegen war kein Kraut gewachsen. Ein Hammer!

Lizzie And The Yes Men The Broadwalk by LOTTAROXAGENCY

Aber auch The Loneliness hatte einen berauschenden Vorwärstdrang, eine unwiderstehliche Melodie und einen wunderbar sehnsüchtigen Gesang zu bieten.

Lizzie & The Yes Men - The Loneliness by LOTTAROXAGENCY


Etwa 45 Minuten legten sich die Engländer trotz der späten Uhrzeit udn den Reisestrapazen voll ins Zeug, schienen sich zu amüsieren wie Bolle und machten mich verdammt neugierig auf Tonträger. Zu kaufen gab es aber nichts. Bisher gibt es wohl nur in England erhältliche Singles, während das Debüt-Album erst in ein paar Wochen erscheinen soll. Ich werde es mir zulegen, soviel ist klar!!

Tolle Entdeckung!

Setlist Lizzie And The Yes Men, Paris, 16.04.12:


01: Intro
02: Misdemeanour
03: Take What I Can Get
04: You And I Both Know
05: Trouble
06: Nasty Boy
07: Let Me Go
08: Baby No No
09: Deserts
10: The Loneliness
11: The Broadwalk



Donnerstag, 2. Februar 2012

Wild Palms, Paris, 31.01.12

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Konzert: Wild Palms
Ort: L'International, Paris
Datum: 31.01.12
Zuschauer: etwa 150
Konzertdauer: nur 30 Minuten


Nur so là là war das Konzert der englischen Newcomer Wild Palms im Pariser International, das nach zwei Vorgruppen erst um 23 Uhr 30 begann und lediglich eine halbe Stunde dauerte.



Das Problem war, daß die Burschen dem Klangbild anderer britischer Bands wie Friendly Fires, den Wild Beasts, den White Lies, den Maccabees, Metronomy oder den Klaxons nicht viel Neues hinzuzufügen hatten. Das hinderte sie nicht daran aufzutreten, als seien sie die geilste Band der Welt. Vor allem der Sänger trug ein nur schwer erträgliches Selbstbewußtsein zur Show, agierte hyperaktiv (genau wie der Hampelmann der Friendly Fires im Übrigen) und lächelte nie, wahrscheinlich weil er das uncool fand. Sein Gesang kam langgezogen und größenwahnsinnig daher und erinnerte mich in manchen Momenten unangenehm an den verfluchten Bono, dann aber auch wieder an den noch verfluchteren Brandon "The Killers" Flowers.

Dabei war der Sound der Truppe eigentlich gar nicht so schlecht. Ich mochte den prägnanten Bass, die zackigen Gitarren, das hibbelige Schlagzeug und ein paar halbe Hits waren auch mit dabei. Deep Dive zum Beispiel hatte durchaus Charme und Frische zu bieten.



Und Delight In Temptation war zweifelsohne ohrwurmig und catchy, aber leider auch ein wenig zu dick aufgetragen, vor allem wenn der Bubblegum-Refrain einsetzte.




Interessanterweise mag ich die Studioversionen lieber als das live Gehörte. Unter dem Strich eine Band, die zwar trotz geringer Alleinstellunsgmerkmale durchaus Talent hat, mich aber in Paris nicht wirklich überzeugen konnte. Warten wir mal ab, wie die sich weiterentwickeln.



Freitag, 27. Januar 2012

BirdPen, Paris, 26.01.2012

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Konzert: BirdPen

Ort: Le Batofar, Paris
Datum: 26.01.2012
Zuschauer: volles Boot!, an die 300
Konzertdauer: etwa 75 Minuten



Konzerte auf den Pariser Hausbooten mag ich gerne, das herrscht immer eine ganz spezielle Atmosphäre. La Dame de Canton, Le Petit Bain, Le Bateau El Alamein und natürlich das Batofar, Locations dieser besonderen Art gibt es so einige in der Nähe von Paris-Bercy. Alle liegen sie am gleichen Ufer, dem Quai François Mauriac, unweit der TGB (Très Grande Bibliothèque), die sich Ex-Präsident Francois Mitterand als Abschiedsdenkmal errichten ließ.



Meistens sind die Gigs in diesen Hausbooten aber schlecht promotet, so daß man oft nur 20 bis 30 andere Zuschauer sieht und fast Mitleid für die auftretenden Bands empfindet. Heute war dies aber anders. BirdPen aus England hatten es geschafft, 300 Fans zu mobilisieren und das Batofar fast auszuverkaufen. Volles Boot also und dies für eine Formation, die nach ein paar EPs gerade einmal einen richtigen Longplayer (On/Off/Safety/Danger, 2009) auf den Markt gebracht hat. Allerdings steht der Nachfolger bereits in den Startlöchern und soll schon sehr bald erscheinen. Und einen nicht unbeachtlichen Teil seiner Popularität bezieht BirdPen sicherlich aus die Tatsache, daß ihr Sänger David Penney auch zu der ungemein erfolgreichen Band Archive gehört. Archive selbst habe ich nie richtig live gesehen (sieht man einmal von ein paar sehr weiten und eher flüchtigen Höreindrücken beim Festival Rock en Seine 2011 und bei den Solidays 2006 ab), mich stattdessen heute auf den Ableger Birdpen gestürzt.



Und die Burschen machten ihre Sache sehr ordentlich. Ihre Musik war eine Mischung aus epischem Indierock (Radiohead meets Kasabian), Elektro, Trip Hop und Shoegaze und besaß ziemliche Durchschlagskraft. Die Gitarren erfüllten schon sehr bald jeden Winkel des Batofar. Sänger Penney schaffte es trotz dieser Gitarrenwände sich Gehör zu verschaffen. Sein greinender, langgezogener Gesang erinnerte (zumindest live) an Ian Mucculloch von Echo & The Bunynmen aber auch an Bono, freilich ohne, daß man als Hörer eine häßliche Sonnenbrille zu ertragen hatte.

Die Songs steigerten sich in schöner Regelmäßigkeit von Minute zu Minute, wurden immer ein wenig intensiver und eindringlicher, bevor am Ende ordentlich die Post abging. Gutes Beispiel hierfür das gelungene Only The Names Change, bei dem Penney manchmal fast ein wenig an Jim Morrison erinnerte. Nature Regulate fing fast wie eine Ballade von Coldplay an (das Piano), gewann aber ebenfalls im weiteren Verlauf deutlich an Dynamik hinzu. Off wiederum schickte ein langes Instrumentalintro voraus und ließ mit seinem düster-mechanischem Rhythmus und dem trockenem Gesang an Kasabian denken.



Mit am Besten war sicherlich die markante Single Breaking Precedent Official, die poppiger klang als der oft schwarze Rest, allerdings auch meine persönliche Bombastgrenze empfindlich streifte, ja bisweilen ein wenig überschritt.

Unter dem Strich stand aber ein Konzert, bei dem die guten Momente überwogen. Vor allem beim Zugabenteil legten die Musiker noch einmal alles in die Waagschale. Die zwei performten Songs dauerten allein etwa 20 Minuten und das allerletzte Lied endete wirklich fulminant und mit lautem Getöse.

BirdPen sind zwar nicht unbedingt eine neue Lieblingsband, aber eine Liveempfehlung kann ich dennoch bedenkenlos aussprechen. Und Konzerte auf diesen Hausboten sind wie eingangs erwähnt einfach etwas Besonderes. Wann steigt dort der nächste interessante Gig? Ich werde versuchen, dabei zu sein, schon allein um zu sehen, ob das Hochwasser, das bereits heute die Ufer leicht überschwemmte, noch weiter gestiegen ist.

Fotos am Samstag





Samstag, 3. September 2011

Wu Lyf, Festival Rock en Seine, 28.08.11

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Konzert: Wu Lyf

Ort: Scène Pression Live, Domain National de Saint Cloud, Festival Rock en Seine
Datum: 21:05, 28.08.2011
Zuschauer: so einige
Konzertdauer: etwa 50 Minuten



Das famose Konzert von Interpol auf der Hauptbühne war gerade eben zu Ende gegangen, da hielten sich auch schon die grünschnäbeligen Wichtigtuer von Wu Lyf auf der sehr weit enfternten Scène Pression Live bereit.


Ich nahm meine Beine unter den Arm und rannte den Weg zu dieser nagelneuen Stage, die durch ihre Hanglage überrascht. Wenn im Winter Schnee liegt, könnte man hier problemlos mit dem Schlitten runterrodeln. Es war bereits dunkel und Lampions an den Bäumen wiesen den Weg. Eine heimelige, rauschfördernde Stimmung machte sich breit und unzählige junge Leute bevölkerten die Wiese vor der Bühne. Ich kämpfte mich weiter nach vorne durch, um die Musiker besser zu sehen. Ober-Wu Lyf Ellery James Roberts stand hinter seiner alten, holzverschlagenen Orgel mit Schriftzug der Band und schlug sich beim Singen permanent mit der Faust aufs Herz, so als wolle er unterstreichen, daß bei ihnen alles von Herzen kommt und mit Herzblut nur so überflutet ist. Der leicht füllige Gitarrist Evans Kati wanderte unterdessen mit seiner Elektrischen vor und zurück. Basser Thomas McClung sah ich kaum, er war von Ellery verdeckt. War aber nicht so schlimm, denn am besten gefiel mir ohnehin der in der Nähe des großen weißen Kreuzes agierende Drummer Joseph Louis Harlan Manning. Mit höllischem Tempo und äußerst cooler Körperhaltung trieb der Milchbubi von hinten an und sorgte so für den richtigen Wumms.

Egal was man von Wu Lyf halten mag, der Autritt der jungen Band aus Manchester war äußerst geschlossen und von Teamgeist beseelt. Das verlieh dem Ganzen eine spezielle Dynamik, die auch das Publikum mit einbezog. Die Newcomer aus England schafften es, ein gewisses Lebensgefühl ihrer Generation zu vermitteln und so das weitestgehend spätpubertäre Publikum zu elektrisieren. Die Stimmung war fröhlich und ausgelassen, viele tanzten.

Auch ich verbrachte eine unterhaltsame halbe Stunde (den Anfang hatte ich verpasst) und musste anerkannen, daß Wu Lyf mit den Singles Heavy Pop, Dirt und dem abschließenden We Bros Zugnummern in ihrem Programm haben, die die Musikfans auf dieser Welt noch eine Weile mitreißen werden. Ob der sich am Ende mit nacktem Oberkörper präsentierenden Band langfristig eine große Zukunft bevorsteht, ist hingegen fraglich. Aber das interessierte an diesem Samstagabend vor den Toren von Paris eigentlich niemanden. Zu We Bros sang man von der Band angetrieben die Parolen "tous ensemble, alle gemeinsam" und hatte zumindest kurzfristig das Gefühl, Teil eines großen Ereignisses gewesen zu sein.



Mehr Fotos von Wu Lyf auf meiner Flickr-Seite, klick!

Aus unserem Archiv:

Wu Lyf, Paris, 28.06.2011

Konzerttermine von Wu Lyf:

07.10.2011: Festsaal Kreuzberg, Berlin
08.10.2011: Molotow, Hamburg
09.10.2011: Gebäude 9, Köln

11.10.2011: Sinkkasten, Arts Club, Frankfurt
12.10.2011: Kranhalle/Feierwerk
, München



Donnerstag, 2. September 2010

The Kooks, Festival Rock en Seine, 27.08.10

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Konzert: The Kooks

Ort: Domaine National de Saint Cloud, Festival Rock en Seine

Datum: 27.08.10
Zuschauer: zigtausende

Konzertdauer: ungefähr 50 Minuten




Nicht sonderlich viel Neues gibt es über die Kooks zu berichten. Nach wie vor sind Luke Pritchard und seine Kollegen die Lieblinge der jungen, hysterischen Mädchen. Aus optischer Sicht verstehe ich das immer noch nicht ganz, in musikalischer Hinsicht ist es jdeoch durchaus legitim, die Kooks toll zu finden. Mit ihrem souligen Britrock haben sie zwar nichts Originelles erfunden, aber ihre Sonsg sind dermaßen catchy und die Bühneshows dermaßen energiegeladen, daß einfach keine Langweile aufkommt. Ihre zahlreichen Hits kann man gut und gerne bereits jetzt als Klassiker der englischen Musikszene der letzten zehn Jahre bezeichnen. Ob You Don't Love Me und Ohh La vom ersten, oder Sway und Shine On vom Zweitlingswerk, alles zündete. Das Stimmungsbarometer schlug aber eindeutig bei Do You Wanna (Make Love To Me)? am stärksten aus. Ein Lied für das sich Luke, wenn er älter ist, vielleicht irgendwann mal schämen wird, daß aber hier und heute einschlug wie eine Bombe. Besonderer Clou war eine Mitmachaktion in der Mitte des Stücks, bei der sich das Publikum auf den Boden setzen sollte, um beim Wiederaufnehmen des Refrains pfeilschnell in die Höhe zu schießen.

Der prägnanteste neue Titel war eindeutig Sabateur, zu dem Luke hinter einem Piano Platz nahm. Meine Befürchtung, er und die Kooks könnten jetzt auf den Pfaden von Chris Martin und Coldplay wandeln, wurde aber nicht war, denn das Ganze klang eher nach Radiohead.

Auch neu: der Drummer. Er sah mit seinem kantigen, aus einem einzigen Holzblock geschnitzten Gesicht aus wie Renate Künast. Wahrscheinlich handelte es sich um Renato Künast oder so...

The Kooks sind und bleiben eine Band mit Potential!

Setlist The Kooks, Festival Rock en Seine 2010:

01: Always Where I Need To Be
02: Eddie's Gun
03: You Don't Love Me (The Way That I Love You)
04: Sway
05: Strange One
06: Ooh La
07: She Moves In Her Own Way
08: Sabateur
09: Do You Wanna (Make Love To Me)
10: Naive
11: Shine On
12: Down To The Market
13: Stormy Weather
14: Sofa Song


The Kooks in Deutschland:

2. September, Sommergarten, Messe Berlin


Aus unserem Archiv:

The Kooks, Paris, 17.11.08
The Kooks, Luxemburg, 21.06.08
The Kooks, Köln, 17.06.08
The Kooks, Köln, 12.04.08
The Kooks, Paris, 02.07.07
The Kooks, Köln, 03.12.06
The Kooks, Paris, 10.11.06



Donnerstag, 6. Mai 2010

Luke Haines, Paris, 04.05.10

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Konzert: Luke Haines (Saibu)
Ort: La Maroquinerie, Paris

Datum: 04.05.2010

Zuschauer: nicht sehr viele
Konzertdauer: etwa 75 Minuten
Luke Haines



Luke Haines kennt hier jeder, oder? Nein? The Auteurs? Auch nicht? Black Box Recorder vielleicht? Schon gar nicht? Dann muss ich hier demnächst weiter ausholen. Der Brite Luke Haines ist jetzt solo unterwegs und beehrte am 4. Mai die Pariser Maroquinerie. Damals stand er The Auteurs und Black Box Recorder vor. So.

Bericht in Kürze.

Setlist Luke Haines, La Maroquinerie, Paris:

01: Suburban Mourning
02: Showgirl
03: Peter Hammill
04: The Upper Classes
05. Unsolved Child Murder
06: Never Work
07: Klaus Kinski
08: 21 st Century Man
09: Junk Shop Clothes
10. Bad Reputation
11 Off My Rocker At The Art School
12: Meet me @ The Airport
13: Light Aircraft On Fire
14: Lenny Valentino

15: Baader Meinhof
16: Luke Acoustic & Solo

- Jolie chronique de ce concert en français sur Life Is A Mindestrone, ici
- Photos Luke Haines, La Maroquinerie, Paris, klick!



Freitag, 23. April 2010

Johnny Flynn & The Joy Formidable, 21.04.10

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Konzert: Johnny Flynn & The Joy Formidable
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 21.04.2010
Zuschauer: etwa 250-300

Konzertdauer: Johnny Flynn um die 50 Minuten, The Joy Formidable etwa 60-70 Minuten



Johnny Flynn (auf dem Foto), zur Zeit Support von Mumford & Sons, spielte in der Pariser Flèche d'or mit mehrköpfiger Band auf und zeigte einige Kostproben seines großen Talents. Danach rockte die blonde Ritzy mit ihrer Band The Joy Formidable wie Hölle und erinnerte an eine hellhaarige Ausgabe von Laura-Mary "Blood Red Shoes" Carter, zumal der Drummer ähnlich brachial wie Steven Ansell zu Werke ging. Insgesamt ein richtig guter Konzertabend, von dem ich demnächst mehr erzählen möchte...

Und hier ist der ausführliche Bericht:

Johnny Flynn gehört genau wie Noah & The Whale, Laura Marling, Jeremy Warmsley, Jay Jay Pistolet, Thos Henley, Peggy Sue, Blue Roses und Mumford & Sons zu der neuen Garde junger britischer Folkmusiker. Sehr schön, was aus dieser Ecke kommt und eine willkommene Wiedergutmachung für schauderhafte Popsängerinnen wie Kate Nash (würg, röchel!), Florence & The Machine, Little Boots, Ellie Goulding, Marina & The Diamonds etc, die uns die Engländer in den letzten Jahren auf den Hals gehetzt haben.

In Paris hatte sich Johnny Boy schon sehr früh blicken lassen. Im November 2007 war das, zu einem Zeitpunkt,
da er noch kein einziges Album auf den Markt gebracht hatte. Natürlich waren wir vom Konzerttagebuch (genau wie bei Mumford & Sons, Laura Marling und Noah & The Wahle etc.) wie immer früh an dem heißen Braten dran (selbstaufdieschulterklopf!). Und der Schweinebraten ist immer noch zart und saftig. Oder sollte man besser sagen, daß das Stück Fleisch nun erst richtig abgehangen ist? Ach, lassen wir doch lieber die tierischen Vergleiche, die hinken eh wie ein Hund mit einer verletzten Pfote.

Kommen wir zur Musik. Johnny und seine vier Mitstreiter starteten mit der alten Single The Box, die auf dem Debütalbum A Larum drauf war. Johnny spielte Akustikgitarre, wechselte im Laufe des Konzertes aber munter die Instrumente. Ukulele, Mandoline, Trompete, Banjo, Fender, der Junge beherscht einfach alles! Ein kleines Genie, zum Glück ohne Allüren. Seine nette, zurückhaltende Art kam sehr gut an und vor allem die Engländerinnen im Publikum tanzten von Song 1 bis Song 10. Der Folk von Flynn eignete sich dafür aber auch ausgezeichnet. Schnell und schwungvoll waren die meisten Stücke, vom depressivem Gesäusel anderer Musiker dieses Genres ist er weit entfernt. In dieser Hinsicht, aber auch bezüglich der verrauchten Altherrenstimme, bestehen deutliche Parallelen zu Marcus Mumford und seinen Sons, wenngleich der gute Marcus doch noch wesentlich temperamentvoller ist. Der heißspornige Bursche soll heute sogar im Publikum gewesen sein, was nicht verwundert, da Johnny gerade mit Marcus tourt. Die beiden teilen auch eine besonders Vorliebe für gelegentlich eingestreute ,mit Inbrunst vorgetragene Balladen, die an der Grenze des Kitschigen entlangtänzeln (Brown Trout Blues), aber immer irgendwie die Kurve kriegen. Besser gefallen mir aber die flotten Stücke wie das famose Eyeless In Holloway, das auch heute wieder voll abräumte. Eine Perle des jungen britischen Folks, harmonisch und warm instrumentiert und voller charmanter Wendungen. Wenn man den Text kannte, konnte man super mitsingen, da gab es ein paar Passagen, die sich glänzend dazu eigneten (Resultat: die Franzosen blieben stumm, die Engländer kannten jede Zeile auswendig und sangen aus voller Kehle).

Der Abschluß dann auch noch mal ganz prima. Leftovers machte da weiter, wo Eyeless In Holloway aufgehört hatte und ließ die Girls im Publikum frohlocken. Ingesamt ein tolles Konzerte eines großen Talents. Von Jonny Flynn wird man noch so einiges hören, dessen bin ich mir sicher!

Das Gleiche kann man sicherlich von The Joy Formidable sagen. Pariser Konzertfreude, die sie schon vorher gesehen hatten, schwärmten in den höchsten Tönen von der Garagenrockband aus England (bzw. Wales, wo sie herkommen). Das Trio um die unfassbar charismatische Blondine Ritzy Bryan hatte bei früheren Auftritten in der Kapitale bereits mächtig Staub aufgewirbelt. Ich war saumäßig gespannt, ob sie auch mich umnieten würden. Schon nach ein paar Minuten war klar: sie würden und wie! Ritzy wirbelte wie ein wasserstoffblondes Teufelchen über die Bühne, ging mit ihrer Gitarre ins Hohlkreuz und kitzelte messerscharfe Riffs aus ihrer Elektrischen. Ihre blauen Husky Augen funkelten und sie sang wie eine Mischung aus Siouxsie und Blondie. Auch der Drummer fiel sofort auf. Matt Thomas, ein Typ mit langer Mähne und einem knochentrockenen, beinharten und schnellen Spiel, kloppte wie ein Besessener auf sein Fell ein. Bassist Rhydian Dafydd war diskreter, obwohl er es war, der zusammen mit Ritzy die Band gegründet hatte. Das Power Trio nahm den Fuß so gut wie nie vom Gaspedal. Seit 2008 haben The Joy Formidable etliche Singles veröffentlicht und ein Minialbum (A Balloon Called Moaning) herausgebracht, auf den ersten richtigen Longplayer muss man aber noch ein wenig warten. Mit Krachern wie Cradle, Austere, oder Whirring wird einem die Wartezeit aber deutlich erträglicher gemacht. Live fetzten diese sagenhaft druckvollen Song noch deutlich mehr, als bei einem Hördurchlauf bei MySpace. The Joy Formidable sind wie für die Bühne geschaffen. Selten erlebt man eine solch feurige und energiegeladene Frontlady wie Ritzy. Karen "The Yeah Yeah Yeahs" O wirkt gegen das blonde Bündel Dynamit fast schon wie eine alte Dame und Kim "The Breeders" Deal kann bei einem solchen Rocknachwuchs gleich schon einen Platz im Seniorenheim reservieren!

Der Aggressivität ud Angriffslust von Ritzy während der Performance der Songs stand ihr herzliches, freundliches und wohlerzogenes Wesen bei den Ansagen zwischen den Liedern entgegen. Mehrfach erwähnte sie, wie froh sie sei, mit ihrer Band wieder in Paris spielen zu dürfen und wieviel Spaß ihr das Ganze mache. Sobald sie aber zum nächsten Lied überging, verdunkelte sich ihr Blick und sie schien ganz in ihrem Element. Ihre Songs sind unschwerlich als Ausdruck ihrer jugendlichen Rebellion zu identifizieren, aber auch ein Bekenntnis zum Rauschhaften und Ungestümen. Das Pariser Publikum fraß ihr aus der Hand, ging voll mit und war am Ende schweißgebadet, aber glücklich. Eine Stunde Dauerbeschallung mit noisigem Garagenrock hatten ihre Spuren hinterlasen. Aber die Meute hatte noch nicht genug, jubelte die junge Band noch einmal heraus und bekam prompt zwei frenetisch gefeierte Zugaben spendiert. Hinterher waren sich alle einig: This band is awesome! Oder wie man auf französch sagt: formidable. The Joy Formidable eben!

Setlist Johnny Flynn, La Flèche d'or, Paris

01: The Box
02: Cold Bread
03: Kentucky Pill
04: Brown Trout Blues
05: Howl
06: Barnacled Warship
07: Churlish May
08: Been Listening
09: Eyeless In Holloway
10: Leftovers


Setlist The Joy Formidable, La Flèche d'or, Paris:

01: The Greatest Light Is The Greatest
02: Cradle
03: The Last Drop
04: Austere
05: Ostrich
06: The Magnifying Glass
07: Anemone
08: Popinjay
09: Whirring

Ausgewählte Konzerttermine von The Joy Formidable (ohne Gewähr)

23.04.2010: Doornroosje, Nijmegen, Holland
03.06.2010: Comet, Berlin
04.06.2010: Atomic Café, München
05.06.2010: Schorndorf, Manufaktur
06.06.2010: Molotow, Hamburg
07.06.2010: Studio 672, Köln


Ausgewählte Konzerttermine von Johnny Flynn (mit Mumford & Sons):

23.04.2010: Epicerie Moderne, Lyon
26.04.2010: Tivoli, Utrecht
27.04.2010: AB Club, Brüssel
29.04.2010: Rote Fabrik, Züric
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Aus unserem Archiv

Johnny Flynn, Paris, 10.11.07

Link:

- Viel mehr Fotos von Johnny Flynn hier



Montag, 29. März 2010

I Am Kloot, Köln, 28.03.10

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Konzert: I Am Kloot
Ort: Luxor, Köln
Datum: 28.03.2010
Zuschauer: fast ausverkauft
Dauer: 95 min


I Am Kloot sind ein Phänomen. Woher hat die Band all die Fans? Schon wieder war das Luxor so gut wie ausverkauft, um John Bramwell und seine beiden Begleiter zu sehen, obwohl die Engländer wahrlich keine Indiestars sind und auch in Musikzeitungen nicht gehypt werden. Natürlich tun die, die an Tagen wie heute zu einem I Am Kloot Konzert gehen, das absolut Richtige, erstaunlich ist es aber doch immer wieder. Ob das an Johns Gastauftritt als Pausenunterhaltung beim Perfekten Dinner liegt? Nein, sicher nicht, mein letztes (volles) I Am Kloot Konzert war vorher, und auch das war voll.

Und das ist ja auch vollkommen egal. Wichtig ist auf der Bühne, und da waren die drei Männer aus Manchester atemberaubend gut! Gitarrist Bramwell schien anfangs ein wenig heiser, der überragenden Qualität des Abends schadete das aber nicht die Spur!

Eigentlich ist mir die Musik der Engländer viel zu bluesig. Ich mag keinen Bluesrock, igitt! Eigentlich. Aber wie soll man sich mit einem einigermaßen guten Musikgeschmack den fantastischen Melodien eines John Bramwell entziehen? Auch wenn ich vorher noch nie etwas von I Am Kloot gehört hätte, mit den ersten Takten des ersten Lieds
From your favourite sky hätten sie mich gehabt. Einen solchen Knaller an den Anfang zu setzen, fand ich erst etwas verwegen. Als mir mit jedem weiteren Stück aber einfiel, daß I Am Kloot nur Hits haben, verschwand der Gedanke schnell wieder.

Heute spielten die Briten wie gesagt zu Dritt. Ich hatte sie auch schon in deutlich stärkerer Besetzung erlebt. Aber nur Gitarre, Bass und Schlagzeug reichen vollkommen aus, mehr braucht es nicht für einen perfekten Abend!

Perfekt war auch die Setlist - und ungewöhnlich. Im Sommer erscheint das neue Album von I Am Kloot. Davon spielte die Band aber nur zwei Sachen. Aber die, ganz besonders To the brink, gefielen mir ausgezeichnet! Ungewöhnlich war, daß fast das komplette erste Album Natural history (von 2001) gespielt wurde. Ich war alles andere als traurig derum, denn das Debut enthält schließlich Songs wie Morning rain, No fear of falling, Because, To you oder Storm warning. Und weil alt so gut ist, stammte fast alles andere vom zweiten Album I Am Kloot.

Als ich langsam dachte, daß das Konzert dem Ende entgegen geht, verschwanden Schlagzeuger und Bassist und, John spielte nacheinander At the sea, Astray und No fear of falling. War der Rest schon wundervoll, diese paar Minuten stellten alles in den Schatten.

Die Band kam zurück, wie ich dachte zum letzten Stück, hörte aber einfach nicht mehr auf. Aus meiner Kindheit erinnere ich mich an einen Zirkusbesuch, nach dem ich eine Zuckerwatte bekam. Dieses riesige Schaumding war köstlich und wurde und wurde nicht weniger. So ging es mir mit I Am Kloot auch. Es war zwar nicht klebrig süß, die köstlichen Lieder wurden aber auch einfach nicht weniger.

Als die Band nach der geplanten Zugabe To you verschwand, setzte der längeste Applaus ein, den ich bisher im Luxor erlebt habe. Ob geplant oder spontan, nach einiger Zeit kam John zurück und stimmte Blackbird von den Beatles an, um dann wieder mit Band mit Life in a day abzuschließen.

Wundervoll! Und hoffentlich bald wieder!


Setlist I Am Kloot, Luxor, Köln:


01: From your favourite sky
02: A strange arrangement of colour
03: Northern skies (neu)
04: This house is haunted
05: Sold as seen
06: Sunlight hits the snow
07: Morning rain
08: To the brink (neu)
09: Someone like you
10: Storm warning
11: Strange without you
12: At the sea (John Bramwell solo)
13: Astray (John Bramwell solo)
14: No fear of falling (John Bramwell solo)
15: Fingerprints
16: Stop
17: 86 TV's
18: Because
19: Twist
20: Cuckoo
21: One man brawl
22: Proof

23: To you (Z)

24: Blackbird (Beatles Cover) (John Bramwell solo) (Z)
25: Life in a day (Z)

Links:

- I Am Kloot, Köln, 24.10.08
- I Am Kloot, Köln, 26.07.08
- I Am Kloot, Paris, 27.03.08



Mittwoch, 24. März 2010

Peter Doherty, Paris, 23 (24).03.10

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Konzert: Peter Doherty

Ort: Le Truskel, Paris
Datum: 23 (genauer gesagt 24.).03.2010
Zuschauer: unglaublich viele, zumindest für das winzige Pub
Konzertdauer: 50 Minuten



Was ich daran aufregend finde, Peter Doherty live zu sehen, fragte mich heute ein brillanter Blogger mit ausgewiesem guten Musikgeschmack. "Nun ja, aufregend passt nicht so richtig, weil ich ja keine 16 mehr bin, aber ich mag seine Songs und seine Konzerte eben." Eine nüchterne Antwort auf eine ebensolche Frage. Aber was sollte ich schon groß erzählen, schließlich habe ich ja Peter inzwischen unzählige Male live gesehen, auch und vor allem in kleinen Clubs. Da schlägt die Erregungskurve logischerweise nicht mehr ganz so stark aus. Bei den jungen Leuten ist das anders. Vor allem die Mädchen werden ganz hysterisch, wenn sie hören, daß Peeeeeeeter in der Stadt ist und wieder in irgendeinem Schuppen auf der Gitarre schrammelt. Die Peter-Mania scheint ein internationales Phänomen zu sein, denn unter meinen Flickr Fotos von Doherty lese ich oft Kommentare wie "Warum muss ich bloß auf den Philippinen/in Brasilien/Chile leben? Hier spielt er nie, in Paris ständig!"

In der Tat schnallt er sich in schöner Regelmäßigkeit in der Seine- Metropole die Gitarre um und gibt (scheinbar) völlig spontan Konzerte in kleinen Clubs. Heute hatte er anscheinend Bock, dem Truskel, in dem er schon einmal ein legendäres Konzert um vier Uhr morgens gegeben hatte, wieder mal einen Besuch abzustatten. Vorgesehen für 23 Uhr 30, ging es erst um 0 Uhr 20 los, Zeit genug um sich umgeben von schwitzenden, pubertären Menschen die Füße plattzustehen. Und als Peter dann tatsächlich anfing, brach fast Massenpanik aus! Ich war in der äußerst ungünstigen Situation, hinten in der Menge zu stehen und von links nach rechts geschubst zu werden. Ach, Unsinnn! Von Schubsen kann keine Rede sein, weil dafür kein Platz mehr war. Gedrückt, ja regelrecht zerquetscht wurde ich! Ein Pulk an Leuten entwickelte einen immensen Druck von hinten und presste mich gegen ein junges Mädchen, die es mit der Angst zu tun bekam. Ich konnte aber nichts ändern und fühlte mich selbst äußerst unwohl. Schlimme Bilder aus Fuballstadien kamen mir in den Sinn und auch hier und heute hätte das Ganze übel ausgehen können. Wäre jemand gestolpert, er wäre vermutlich halb totgetreten worden. Zum Glück verlief aber alles glimpflich und ich schaffte es, nach mehreren vergeblichen Versuchen, wieder in den vorderen Teil des Pubs zu gelangen, wo man ein paar Zentimeter Bewegunsgspielraum hatte. Hier war es auch deutlich kühler, als in dem eigentlichen Konzertraum, in dem es gefühlte 52 Grad warm war. Die schwitzenden Leute stanken zudem erbärmlich. Kurze Zeit erwog ich, frühzeitig abzuhauen und mir das Ganze zu ersparen. Doherty hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Delivery, For Lovers und Arcady gespielt. Stimmlich war er auf der Höhe und auch der Einsatz passte. Die Stimmung hätte nicht besser sein können, wäre es doch bloß nicht so voll und stickig gewesen! Aber wenn Peter in intimster Atmosphäre gratis aufspielt, darf man sich über den Massenauflauf kaum wundern!



Dann aber wurde es plötzlich deutlich leerer. Was war passiert? Hatte Doherty seine Songs verpatzt, oder etwa aufgehört zu spielen? Nein, viel banaler! Viele junge Leute verließen kurzerhand das Truskel, um noch die letzte Metro zu bekommen. Ich selbst hatte schon vorher damit gerechnet, ein Taxi nehmen zu müssen, aber die Kosten waren mit 9 Euro noch überschaubar. Nun also konnte ich das Konzert etwas entspannter genießen. Obwohl es immer noch recht voll war und aufgrund der Schwüle von Genuß nicht unbedingt die Rede sein konnte. Doherty, der ohne seine Ballettänzerinnen gekommen war, zauberte gegen Ende seine melancholischsten Lieder aus dem Hut, nachdem er vorher etliche rockige Klassiker der Libertines abgefeuert hatte. Für Music When The Lights Go Out hatte es sich wirklich gelohnt, hier zu erscheinen, denn die Sentimentalität des Liedes packte mich irgendwie ziemlich stark. Plötzlich war sie da, diese Magie, die der Engländer immer wieder entfalten kann! Fans sangen jede einzelne Textzeile mit und Peter greinte "I no longer hear the music, oh , no, oh no". Jetzt sah ich ihn überhaupt zum ersten Mal, vorher hatten mir immer Köpfe von hochgewachsenen Leuten die Sicht versperrt. Der Hut fehlte komischerweise, aber das hinderte den sogenannten Skandalrocker nicht daran, bei Albion das Spielchen mit den Städtenamen zu veranstalten. "I can go to. .. and.. anywhere in Albion...



Dann war plötzlich Schluß. Peter hatte fertig und verschwand im improvisierten Backstagebereich. 10 Minuten später bahnte er sich den Weg durch die aufgebrachte Menge, schrieb ein paar Autogramme, umarmte ein paar Mädels und gelangte durch den Hinterausgang auf die Straße. Dort folgten ihm die Fans noch auf Schritt und Tritt, bis er kurze Zeit später in einem Taxi verschwand. Gute Nacht, Peter!

Setlist Peter Doherty, Le Truskel, Paris:

01: Delivery (Babyshambles)
02: For Lovers
03: Arcady
04: Tell The King (The Libertines)
05: Can't Stand Me Now (The Libertines)
06: Salomé
07: Baddies Boogie (Babyshambles)
08: Don't Look Back Into The Sun (The Libertines)
09: Death On The Stairs (The Libertines)
10: What A Waster (The Libertines)
11: Music When The Lights Go Out (The Libertines)
12: Albion (Babyshambles)

Fotos folgen!

- The cool videos are from Rockerparis (thanks!). Check out his review with great pictures.

Aus unserem Archiv:

Pete Doherty, Paris, 08.03.2010
Pete Doherty, Paris, 18.01.2010
Pete Doherty, Paris, 05.10.09
Pete Doherty, Berlin, 07.08.09
Pete Doherty, Paris, 10.03.09
Pete Doherty, Paris, 09.03.09 (ausführlicher)
Pete Doherty
, Paris, 09.03.09
Pete Doherty, Paris, 28.11.08
Pete Doherty, Paris, 05.06.08

Babyshambles, Montreux, 15.07.08
Babyshambles, Paris, 04.02.08
Babyshambles, Köln, 22.01.08
Babyshambles, Paris, 14.01.08
Babyshambles, Paris, 18.10.07
Babyshambles, Paris, 14.11.06




 

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