Freitag, 27. Januar 2012

BirdPen, Paris, 26.01.2012


Konzert: BirdPen

Ort: Le Batofar, Paris
Datum: 26.01.2012
Zuschauer: volles Boot!, an die 300
Konzertdauer: etwa 75 Minuten



Konzerte auf den Pariser Hausbooten mag ich gerne, das herrscht immer eine ganz spezielle Atmosphäre. La Dame de Canton, Le Petit Bain, Le Bateau El Alamein und natürlich das Batofar, Locations dieser besonderen Art gibt es so einige in der Nähe von Paris-Bercy. Alle liegen sie am gleichen Ufer, dem Quai François Mauriac, unweit der TGB (Très Grande Bibliothèque), die sich Ex-Präsident Francois Mitterand als Abschiedsdenkmal errichten ließ.



Meistens sind die Gigs in diesen Hausbooten aber schlecht promotet, so daß man oft nur 20 bis 30 andere Zuschauer sieht und fast Mitleid für die auftretenden Bands empfindet. Heute war dies aber anders. BirdPen aus England hatten es geschafft, 300 Fans zu mobilisieren und das Batofar fast auszuverkaufen. Volles Boot also und dies für eine Formation, die nach ein paar EPs gerade einmal einen richtigen Longplayer (On/Off/Safety/Danger, 2009) auf den Markt gebracht hat. Allerdings steht der Nachfolger bereits in den Startlöchern und soll schon sehr bald erscheinen. Und einen nicht unbeachtlichen Teil seiner Popularität bezieht BirdPen sicherlich aus die Tatsache, daß ihr Sänger David Penney auch zu der ungemein erfolgreichen Band Archive gehört. Archive selbst habe ich nie richtig live gesehen (sieht man einmal von ein paar sehr weiten und eher flüchtigen Höreindrücken beim Festival Rock en Seine 2011 und bei den Solidays 2006 ab), mich stattdessen heute auf den Ableger Birdpen gestürzt.



Und die Burschen machten ihre Sache sehr ordentlich. Ihre Musik war eine Mischung aus epischem Indierock (Radiohead meets Kasabian), Elektro, Trip Hop und Shoegaze und besaß ziemliche Durchschlagskraft. Die Gitarren erfüllten schon sehr bald jeden Winkel des Batofar. Sänger Penney schaffte es trotz dieser Gitarrenwände sich Gehör zu verschaffen. Sein greinender, langgezogener Gesang erinnerte (zumindest live) an Ian Mucculloch von Echo & The Bunynmen aber auch an Bono, freilich ohne, daß man als Hörer eine häßliche Sonnenbrille zu ertragen hatte.

Die Songs steigerten sich in schöner Regelmäßigkeit von Minute zu Minute, wurden immer ein wenig intensiver und eindringlicher, bevor am Ende ordentlich die Post abging. Gutes Beispiel hierfür das gelungene Only The Names Change, bei dem Penney manchmal fast ein wenig an Jim Morrison erinnerte. Nature Regulate fing fast wie eine Ballade von Coldplay an (das Piano), gewann aber ebenfalls im weiteren Verlauf deutlich an Dynamik hinzu. Off wiederum schickte ein langes Instrumentalintro voraus und ließ mit seinem düster-mechanischem Rhythmus und dem trockenem Gesang an Kasabian denken.



Mit am Besten war sicherlich die markante Single Breaking Precedent Official, die poppiger klang als der oft schwarze Rest, allerdings auch meine persönliche Bombastgrenze empfindlich streifte, ja bisweilen ein wenig überschritt.

Unter dem Strich stand aber ein Konzert, bei dem die guten Momente überwogen. Vor allem beim Zugabenteil legten die Musiker noch einmal alles in die Waagschale. Die zwei performten Songs dauerten allein etwa 20 Minuten und das allerletzte Lied endete wirklich fulminant und mit lautem Getöse.

BirdPen sind zwar nicht unbedingt eine neue Lieblingsband, aber eine Liveempfehlung kann ich dennoch bedenkenlos aussprechen. Und Konzerte auf diesen Hausboten sind wie eingangs erwähnt einfach etwas Besonderes. Wann steigt dort der nächste interessante Gig? Ich werde versuchen, dabei zu sein, schon allein um zu sehen, ob das Hochwasser, das bereits heute die Ufer leicht überschwemmte, noch weiter gestiegen ist.

Fotos am Samstag





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