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Freitag, 29. Juli 2022

Dean Wareham, Paris, 19.07.22

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Konzert: Dean Wareham (plays Galaxie 500's On fire) 
Ort: Le Petit Bain, Paris 
Datum: 19.07.2022 
Dauer: knapp 85 min 
Zuschauer: vielleicht 350 



Meine Galaxie 500 Platten habe ich im alten Saturn am Hansaring in Köln gekauft. Im Erdgeschoß standen auf den Plattenfächern Nummern, die im Keller dann auf Regalen standen, in denen die Platten waren, die man suchte. Meine musikalische Sozialisierung fand in einer Prozinz-Indiedisco namens Logo statt, in dem - so meine ich - Blue thunder und Fourth of July liefen. Anders habe ich damals eigentlich keine Lieblingsbands kennnengelernt, MTV kam später, Musikzeitungen gar nicht. Daß ich mich an vielen unnützen Quatsch erinnere, aber nicht an wichtige Dinge wie den ersten Kontakt mit Lieblingsbands ärgert mich sehr. Beim Bizarre-Festival auf der Loreley hatte ich Galaxie 500 in ihrem kurzen Leben live gesehen - sie waren da auch schon meine Lieblingsband - ich erinnere mich aber nicht an den Auftritt, verdammt! Dean Wareham hat mir später einmal gesagt, die Band sei live nicht sehr gut gewesen. Aber sie waren nach der Loreley auch noch mein Liebling, es kann also nicht so schlimm gewesen sein. 

Luna, Deans Band nachdem er Galaxie 500 aufgelöst hatte, habe ich am Anfang ignoriert. Nicht, weil deren Musik nicht meinem Geschmack entsprochen hätte (hat sie immer), ich war beleidigt. Aus ähnlichen Gründen war mir Grunge immer egal. Durch all diese neuen US-Bands verschwanden plötzlich meine anderen Shoegaze-Lieblinge wie Lush. Musikliebe - it's complicated. 

Kompliziert (guter Übergang) war es auch, die 2019er Tour des seit Jahren in LA lebenden Dean Wareham zu sehen. Ursprünglich hatte ich Karten für Berlin, irgendwann auch für Köln, das verschwand aber schnell, dann für verschiedene UK-Shows gebucht. Die Pandemie zerschlug alle Pläne. Irgendwann nach mehreren Verschiebungen kristallisierte sich dann heraus, daß Dean mit Britta Phillips und Band im Juli in Europa sein würde. Die deutschen Termine wurden gestrichen. Nachdem sich auch meine Großbritannien-Pläne änderten, kaufte uich kurzentschlossen zwei Tage vorher ein Ticket für das Konzert in Paris. 

... für Paris am heißesten Tag des Jahres. Auf der Fahrt waren es bis zu 40 Grad. Die Tour de France quälte sich durch die Pyrenäen. Mich ließ das alles kalt, das Konzert fand auf einem Hausboot auf der Seine statt, dem Petit Bain, auf dem ich Olivers 100. Oliver-Peel-Session mit Cinerama und Vorgruppe The Wedding Present gesehen hatte. Daher wusste ich, daß der Boots-Club klimatisiert ist. 

Aus gut unterrichteten Quellen weiß ich auch, daß Dean Wareham auch auf der Booking-Shortlist für die 100. Oliver-Peel-Session stand. Wie passend, daß er jetzt mit ein paar Jahren Verspätung da spielen würde. Bei der Tour steht die zweite Galaxie-500-Platte On fire (die mit dem Ohrring) im Fokus. Ich glaube nicht, daß ich einen Liebling unter den drei Alben der Band habe, vermutlich stammen aber zumindest ein paar Lieblingslieder von On fire (Snowstorm, Another day und vor allem Decomposing trees). 

Das sehr gut besuchte Konzert begann mit einigen Liedern von Deans hervorragender Soloplatte I have nothing to say to the Mayor of LA von 2021. Der fantastische Quasi-Titelsong The past is our plaything (der mit "I have nothing to say to the Mayor of LA" beginnt) eröffnete das Konzert. Deans Band bestand diesmal aus Gitarrist Derek See, Schlagzeuger Roger Brogan und Britta Phillips am Bass. 

Nach vier weiteren Liedern von der neuen Soloplatte leitete Dean mit "going back to 1989" zu On fire über. Erstes Lied war wie auf Platte Blue thunder (G500-Trivia: benannt nach Deans damaligen Auto). Danach folgten eine Perle nach der anderen, grob in Plattenreihenfolge. Lustigerweise spielte die Band Strange nicht mittendrin sondern am Schluß des normalen Sets. Das scheint mir eine self-fulfilling prophecy zu sein. Damon Krukowski, Galaxie 500 Drummer, schrieb in einem Blogpost über Stranges merkwürdiges Verhalten bei Spotify: 

In 2018, I noticed that one Galaxie 500 song – “Strange” – was streaming on Spotify far more than any others. There was no obvious explanation. The song hadn’t been included on a popular playlist; it hadn’t been used in a film or commercial; it hadn’t been covered by another band, or mentioned by some celebrity influencer. As far as we could tell, there hadn’t been any change in its public profile for literally decades. What’s more, it hadn’t been one of our singles, or “emphasis tracks” for radio back in the day. There is no music video. It simply wasn’t the logical track to try first, if you wanted to check out what Galaxie 500 sounded like. 

Tugboat (sicher dem Ort geschuldet, allerdings auch ein großer Hit!), das wunderschöne Flowers und das Joy Division / New Order Cover Ceremony beendeten das tolle Set. Dafür nach Paris gefahren zu sein, war eine sehr gute Idee! Auch wenn ich fast noch in eine Kneipenschlägerei geraten wäre. Das Publikum bestand zu großen Teilen aus der gut informierten Pariser Indieszene. Dazwischen standen drei mächtig angetrunkene (Klischee!) Iren. Die vielen Komplimente für Dean ("Du hast schöne Haare!" - "Zieh Dein Hemd aus!") waren witzig, das viele Kneipengequatsche bei den ruhigen Solo-Liedern nervte alle um sie rum. Einige Französinnen und Franzosen baten die drei freundlich, doch bitte stiller zu sein (um ihre Lieblingsmusik zu hören, für die sie seit 2019 Tickets hatten), was den Hauptiren immer wütender machte. Zur Deeskalation gingen die Franzosen in eine andere Ecke des Saals und die Iren an die Bar. Vermutlich hat am Ende die Klamaanlage unsere Nasenbeine gerettet. 

Hatte ganz vergessen, wie aufregend Konzerte sein können! 

Setlist Dean Wareham plays Galaxie 500, Le Petit Bain, Paris: 

01: The past is our plaything 
02: The last word 
03: Robin & Richard 
04: As much as it was worth 
05: Under skys 

On fire: 
06: Blue thunder 
07: Tell me 
08: When will you come home? 
09: Snowstorm 
10: Decomposing trees 
11: Another day 
12: Plastic bird 
13: Leave the planet 
14: Isn't it a pity (George Harrison Cover) 
15: Strange 

16: Tugboat (Z) 
17: Flowers (Z) 
18: Ceremony (Joy Division / New Order Cover) (Z) 

Links: 

- aus unserem Archiv: 
- Dean Wareham, Köln, 29.07.14 
- Dean Wareham, Indietracks, 26.07.14 
- Dean Wareham, Paris, 07.12.13 
- Dean Wareham plays Galaxie 500, Barcelona, 28.05.11 
- Dean Wareham plays Galaxie 500, Paris, 19.02.11 
- Dean Wareham plays Galaxie 500, Minehead, 11.12.10



Mittwoch, 31. Oktober 2018

Motorama, 24.10.18

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Konzert: Motorama
Ort: Petit Bain, Paris
Datum: 24.10.2018
Zuschauer: etwa 450, ausverkauft



Wie heisst noch mal diese Band aus Russland deren Musik süchtig macht? Ach, Motorama, ja genau! Jede neue Platte ein Volltreffer, jede neue Tour ein enthusiasmierendes Erlebnis und dies nun schon seit einigen Jahren. Motorama hängen mir immer noch nicht zum Halse raus, im Gegenteil! Sie sind so clever, schnell neue Alben zu veröffentlichen und nicht Jahre zu warten wie andere. So bleiben sie immer aktuell, immer aktiv. Zwar überschreiten die "Longplayer" selten die 30 Minutenmarke und im aktuellen Fall bleiben sie sogar darunter, aber das Erlebnis ist trotzdem oder gerade deshalb sehr intensiv.



Die Frage war natürlich wie sich die neuen Sachen von Many Nights live schlagen würden. Nach dem Konzert würde ich sagen, dass sie gut rüber kamen, allerdings weniger fetzig und dynamisch als die alten Stücke vom Erstling Alps. Auf Alps waren Motorama wirklich noch eine Post Punk Band, heutzutage ist ihre Musik elektronischer und sanfter geworden, es geht teilweise Richtung Ambient. So war das Pariser Konzert dann auch erstaunlich ruhig und wenig krawallig. Sogar seine Brille behielt Sänger Vlad Parshin heuer durchweg auf der Nasenspitze, in der Vergangenheit hatte er sie oft hyperaktiv an- und ausgezogen oder beim Rumwirbeln auf der Bühne verloren. Das Konzert glänzte weniger durch Power als durch profunde Schönheit, wenngleich diese Schönheit natürlich einen leicht morbiden Anstrich hatte. 


Videos mit kargen Bäumen, Wellen und alten Häusern untermalten die Songs, währen die drei Musiker auf der Bühne vor der Leinwand ihre Kunst ausübten. 



Beim genauen Hinsehen fiel auf, das der Drummer gewechselt hat. Der alte Drummer Oleg Chernov ist nicht mehr dabei, der neue heisst Mikhail Nikulin. An Gitarre und Bass aber weiterhin Maxim Polivanov und vorne natürlich der grossgewachsene Vlad Parshin mit seinem Stoppelhaarschnitt. Seine Grabesstimme klang toll wie immer aber er schonte sie mehr als sonst. Er schrie in keiner Phase, sondern sang durchgängig sehr zart und melancholisch.


Dem überaus zahlreich erschienenen Publikum gefiel das Ganze mehrheitlich, das sah man an den zufrieden Gesichtern. Freilich hatte der Publikumsandrang zur Folge, dass man eng an eng stand und kaum Platz zum Tanzen hatte. Viele junge Leute unter den Zuschauern, auch einige Russen aus der russischen Gemeinde von Paris, aber auch ein paar Deutsche und Fans aus Asien. Es war wirklich ein internationaler Abend. Motorama haben Fans auf der ganzen Welt und touren auch immer mal wieder in Südamerika und Asien.


In Südamerika sollen die Konzerte sehr wild sein, alle singen die Texte mit und feiern, in Paris hingegen läuft das Ganze immer dezenter ab.

Das erste Lied, das mich so richtig in Stimmung brachte war Wind In Her Hair mit seinem fast tropischen Flair und etwa zehn Minuten später der neue Titel From The Choir, der mit den für Motorama typischen hochmelodischen Gitarren punkten konnte. Zweifelsohne ein Hit.



Auch Two Stones vom Zweitliga Calendar mochte ich nach wie vor sehr. Ein nur mittelschneller Titel, eher beschaulich, mit sonnigen Gitarren und einem nahegehenden Text: "hold your breath and die with me, just like two little stones on the water."

Kurzes Zeit später mit Rose In The Vase ein weiteres Highlight von Calendar.

Sie brachten auch Ship, ein wundervolles Lied vom Erstling Alps, weniger elektronisch als die neuen Sachen, basslastiger und scheppernder.



Im letzten Drittel kam dann mit Second Part ein sehr poppiger, an New Order erinnernder Titel und natürlich auch Alps, der vielleicht nach wie vor beste Song von Motorama. Da konnte ich einfach nicht mehr still halten. "I'm slow slow slowly dying, my blue coloured eyes are almost blind." Ghost wurde gleich noch hinterhergeschickt.

Die Zugabe bestand dann noch aus zwei Liedern, das Konzert wurde von dem poppigen Tell Me beendet und ich hatte mal wieder einen glänzend Abend mit einer meiner Lieblingsbands verbracht. Im Februar 2019 kommen die 3 Russen dann auch wieder nach Deutschland. Ich hätte glatt Bock hinzufahren und mir jede einzelne Show anzusehen!

Setlist



He Will Disappear

Heavy Wave
Homewards
Wind In Her Hair
I See You
No More Time
Voice From The Choir
Dispense Energy
Two Stones
This Night
Rose In The Vase
You & The Others
Ship
Empty Bed
Kissing The Ground
Second Part
Devoid Of Color
Alps 
Ghost


Hard Times
Tell Me



Freitag, 23. Juni 2017

The National, Paris, 23.06.17

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Konzert: The National und Halo Maud
Ort: Le 104, Paris (salle 200)
Datum: 23. Juni 2017
Dauer: etwa 70 min
Zuschauer: ausverkauft
Photos par Nicolas Roger ©, merci beaucoup à lui !

The National mit einem kurzfristig anberaumten Überraschungskonzert in einem kleinen Club  in Paris, das hatten wir doch schon mal, oder ? Richtig, es war im Jahre 2013 als die Band von Matt Berninger völlig unerwartet einen Gig im Point Ephémère ankündigte (Kapazität: etwa 400 Personen) und spielte. Damals waren die Karten im Vorverkauf in ein paar Minuten weg, heuer, im Saal 200 des Kulturzentrums 104 (Kapazität geschätzt 700) war es ähnlich. "Complet" (ausverkauft) lasen enttäuschte Spätzünder auf den einschlägigen Ticketportalen. An diesem Montag (19/07)) startete der Vorverkauf für das am Donnerstag stattfindende Konzert. Besonders hierbei: der späte Beginn. 22Uhr 30 für die Vorgruppe Halo Maud aus Frankreich und 23h45 für den Headliner The National. Ein Zugeständnis an die extreme Hitze oder späte Anreise der Band in Paris? Nein, ich denke es war noch etwas anderes. Der vielbeschäftigte Bryce Dessner hatte gegen 20 Uhr noch mit Lisa Hannigan und dem Ochestre National de l'Ile-de-France in der Basilique Saint Denis gespielt . Und ohne den Gitarristen, der zusammen mit seinem Zwillingsbruder die Riffs beisteuert, geht es nun mal schlecht.


Kurz vor Mitternacht ging es dann tatsächlich los. Der Raum 200 im modernen Kulturzentrum 104 war gut, aber nicht bis zum Bersten gefüllt. Man wollte wohl eine zu starke Auslastung vermeiden, es hätten sicherlich noch 50 Leute mehr reingepasst. So aber war es luftiger, an einem erneut drückend heissen Tag nicht zu unterschätzen. Glücklicherweise funktionierte aber die Klimaanlage einwandfrei und so musste niemand in seinem Schweiss zerlaufen.



Es ging gleich zu einleitenden Pianoklängen mit einem neuen Titel, der Ballade Nobody Else Will Be There, los und auch die darauffolgenden Stücke sollten samt und sonders von dem im September erscheinenden neuen Album Sleep Well Beats stammen. Das Publikum kannte die Stücke noch nicht und so war es logischerweise ziemlich still in den Rängen, euphorische Zwischenrufe blieben weitestgehend aus. Jeder hörte konzentriert zu, anstatt altbekannte Hymnen abzufeiern.


Aber das neue Material scheint mir viel Potential zu haben. Das sehr druckvolle und recht schrammelige The Day I Die (erinnerte etwas an Joy Division aber überraschenderweise auch an die Libertines), die leicht elektronisch angehauchte Schmonzette Walk It Back mit ihrer wundervollen Pianomelodie und dem packenden Gitarrenriff am Ende (plus Gespräche von Unbekannten vom Band), das flotte The System Only Dreams In Total Darkness (einem Fred im Publikum gewidmet) mit seinen wundervollen Trombonen und den 70er Jahre Gitarrenriffs und einem schreienden und mit einem Fan in der ersten Reihe tanzenden Matt Berniger ("i can't explain it to any other"), oder das sehr sentimentale Guilty Party, viel Gutes das uns Fans noch lange erfreuen wird! Altbekanntes kam erst im letzten Drittel, als Apartment Story (gespielt mit viel Wumms und Geschrei), Daughters Of The Soho Rios ("all my fingernails are painted"), der fulminant dargebotene Klassiker Fake Empire (Jubelschreie im Publikum) und das rasante Terrible Love performt wurden. Dazwischen aber erneut Neuigkeiten mit Sleep Well Beast (eher etwas lahm und eintönig, aber vielleicht wird es ein Grower) und dem abschliessen Turtle Neck, das höllisch rockte (irgendwie 70 er Jahre) und einen Matt Berninger in Extase sah.

Lustigste Szene ? Ein aus einer runden Glaskaffekanne Weisswein trinkender Berninger, der diese am Ende unter lauten Splittergeräuschen auf den Boden krachen liess (das Foto herzig stammt von Laurence B., merci!)

 
Setlist: 
01: Nobody Else Will Be There
02: The Day I Die
03: Walk It Back
04: The System Only Dreams In Total Darkness
05: Guilty Party
06: Empire Line
07: Carin At The Liquor Store
08: Apartment Story
09: Daughters Of The Soho Riots
10: Sleep Well beast
11: Fake Empire
12: Terrible Love
13: Turtleneck 


Aus unserem Archiv:
The National, Ewijk, 25.06.16
The National, Šibenik, 03.08.14
The National, Šibenik, 03.08.14
The National, Brooklyn, 17.06.14
The National, Köln, 11.06.14
The National, Mannheim, 01.06.14
The National, Paris, 18.11.13
The National, Brüssel, 17.11.13
The National, Esch-sur-Alzette, 06.11.13
The National, Düsseldorf, 05.11.13
The National, Zagreb, 02.07.13
The National, Paris, 25.06.13
The National, Camber Sands, 09.12.12
The National, Barcelona, 27.05.11
The National, Eindhoven, 18.02.11
The National, Paris, 23.11.10
The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
The National, Wien, 18.08.10
The National, Haldern, 14.08.10
The National, Latitude-Festival, 16.07.10
The National, Paris, 07.05.10
The National, Haldern, 09.08.08
The National, Montreux, 16.07.08
The National, Köln, 27.11.07
The National, Paris, 14.11.07

Sonntag, 19. Juli 2015

Cinerama (& The Wedding Present), Paris, 17.07.15

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Konzert: Cinerama (& The Wedding Present playing Saturnalia)
Ort: Le Petit Pain, Paris (Oliver Peel Session #100)
Datum: 17.07.2015
Dauer: Cinerama knapp 80 min, The Wedding Present knapp 45 min
Zuschauer: ca. 250



"Wie gefiel euch die Vorgruppe? Give them a couple of years, they'll improve!" David Gedge hatte großen Spaß an der ungewöhnlichen Situation, daß seine Erstband The Wedding Present diesmal der Support für die später gegründete Zweitgruppe Cinerama war. Das gab es bisher noch nicht. "There's a first time for everything... The Wedding Present supporting Cinerama!"

Cinerama für seine 100. Oliver Peel Session verpflichtet zu haben, war der erste brillante Streich meines Pariser Konzerttagebuch-Komplizen Oliver. Pragmatisch gleich noch The Wedding Present als Support anzufragen, der noch eine Spur cleverere. Daß The Wedding Present dann ihre Platte Saturnalia komplett spielten (auch das zum ersten Mal), war ein weiteres Sahnehäubchen auf ganzen Sahnebergen (Hausboot, toller Sound, hervorragender DJ (JB), der bei mir alleine dadurch gewonnen hatte, daß er in kurzer Folge Allo Darlin', Veronica Falls und When Nalda Became Punk spielte). 

Olivers Peel Sessions begannen 2007 mit den Yolks aus Frankreich. Ein Freund hatte die zu seinem Geburtstag eingeladen, irgendwann aber gemerkt, daß seine Wohnung dafür zu klein war. Also bat er Oliver um Feierasyl. Acht Jahre und Konzerte mit Künstlern wie Troy von Balthazar weiter, war die hundertste Session vorerst die letzte. Der Rahmen, ein Hausboot mit echtem Musikclub im Innern, war perfekt gewählt, die Bands umso mehr.

Um halb neun begannen The Wedding Present ihren ungewohnten Support-Job. Neben David Gedge (im gewohnten schwarzen Hemd) standen Bassistin Katharine Wallinger, Schlagzeuger Charlie Layton, Gitarrist Sam Beer-Pearce und Keyboarderin Danielle Wadey auf der Bühne. "Nous sommes The Wedding Present!"

Im Jahr von Olivers Wohnzimmershow-Premiere begannen The Wedding Present damit, ihre Platten an Konzertabenden komplett zu spielen. Das Debüt George Best machte den Anfang. In den Jahren danach folgten Bizarro, Seamonsters, Watusi und die Single-Sammlung Hit Parade. Saturnalia sollte ursprünglich nur bei David Gedges Festival At the edge of the sea in Brighton (im August) gespielt werden. 

Weil es auf dem Hausboot ein Vorgruppenjob war, begann die Band direkt mit dem ersten Stück von Saturnalia (Venus) und nicht mit ein paar Hits der anderen Platten zum Aufwärmen. Saturnalia war das letzte Wedding Present Album vor einer neunjährigen Pause, in der Cinerama entstand und seine ersten drei Platten veröffentlichte. Wie (pophistorisch) wundervoll passend also, vor Cinerama, Saturnalia komplett zu hören!

Das Album gilt als übersehen. "Sharper production and some of Gedge’s finest songwriting in half a decade make for an absorbing listen, the tormented heartbreak of single ‘Montreal’ a particular highlight", urteilt das Clash Magazine. 

Neben Montreal waren 2,3, go und Kansas besonders großartig. Extrem gut gefielen mir aber auch Lieder, bei denen Bassistin Katharine Wallinger mitsang (Dreamworld und Jet girl). Ja, Saturnalia steht sehr zu unrecht im Schatten der Vorgänger! Das bewies der 45-minütige Auftritt deutlich!

"Stick around for the main band. I hear they're really good!"

Setlist The Wedding Present, Le Petit Bain, Paris:

Saturnalia:
01: Venus

02: Real thing
03: Dreamworld
04: 2, 3, go
05: Snake eyes
06: Hula doll
07: Big boots
08: Montreal
09: Skin diving
10: Jet girl
11: Kansas
12: 50s 


Cinerama live sind 2015 The Wedding Present plus unterschiedlich viele zusätzliche Musiker. Beim Primavera Festival in Barcelona im Mai waren das Streicher, Bläser und ein weiterer Gitarrist. Auf die Streicher mussten Cinerama in Paris verzichten, die kamen vom Keyboard. Zwei Bläser gehörten aber zum achtköpfigen Ensemble, Trompeter Andrew (Blick, glaube ich) und Flötistin Elizabeth. Komplettiert wurde Cinerama von Keyboarderin Melanie Howard.



Das Konzert begann umwerfend! David Gedge fehlte noch, seine Begleiter spielten das Intrumental-Stück Model sky, wow! Model sky ist ein schönes Beispiel dafür, warum Cinerama oft mit Filmmusik charakterisiert wird. Danach kam David im Anzug und mit ihm gleich einer meiner großen Lieblinge 146 degrees. Das passte so wundervoll zum Instrumental-Auftakt, weil die Querflöte und die wundervollen hohen lala-Gesänge einer seiner Begleiterinnen bei Model sky und gleich am Anfang von 146 degrees im Mittelpunkt stehen. "Nous sommes Cinerama!"

Nach der herzergreifend schönen ersten Single Kerry Kerry folgte You're dead, das erste Lied von der im Mai erschienenen vierten Cinerama Platte Valentina. Valentina ist wie so vieles im David Gedge Kosmos besonders, es ist eine Neuaufnahme des letzten Wedding Present Albums quasi mit neuen Mitteln, mit Cinerama Arrangements. Nach dem ersten Hören im Mai gefiel mir Valentina (alt) besser als die Cinerama Herangehensweise. Nachdem ich ein paar der Stücke in Barcelona live gesehen hatte, war das schon ein wenig anders. Man muß ja auch keine der Platten besser finden, die Hüllen der Songs sind unterschiedlich genug, um als zwei andere Alben durchzugehen.

Wundervoll war danach das Duett Ears mit Danielle. Ears stammt vom ersten Album und zeigt deutlich (trotz Valentina), wie unterschiedlich Wedding Present und Cinerama klingen können. Ears ist ein herrlicher Popsong, der aber so gar nichts vom Gitarren-Indie der Erstband hat. Daß Cinerama aber nicht immer nur so klingen, zeigte Careless danach, das Dave mit "now, we're rocking" kommentierte. Im Gegensatz zu Barcelona fehlte der eine zusätzliche Gitarrist. Beim Primavera war David nur Sänger, in Paris spielte er bei vielen der Lieder, auch bei Careless Gitarre. 


Etwas später bei Mystery date von Valentina gab es die nächte schöne Besonderheit. Am Ende des Lieds spricht eine Frau auf der (Cinerama) Platte einen Text auf Spanisch. Keyboarderin Melanie hatte diesen Job live. Sie sprach den langen Text auf Französisch und wischte sich hinterher theatralisch erleichtert den Schweiß von der Stirn, nachdem es vollbracht war. Herrlich!

Von Valentina spielte die Band auf der Seine noch zwei weitere Stücke, You Jane und The girl from the DDR, von denen es übrigens auch deutsche Versionen auf der 4 Lieder EP gibt. Wäre es der Rhein gewesen, hätten wir vielleicht David diese Versionen singen hören. In Deutschland war ein paarmal das tolle Klee Cover Erinner' Dich auf den Setlisten.  

Ach, das Konzert war so schön, es hätte ewig weitergehen müssen. Honey Rider (nach der Rolle des Bondgirls Ursula Andress benannt), Dance, girl, dance ("if you're from the south of England it's called 'daaaance, girl, daaance'"), Après ski ("this concert's full of hits") oder Quick, before it melts - nur Hits!

Einer der großen Knüller beendete das Konzert und taugte auch schön als Motto. Wow. "I don't want to stay forever"? Quatsch! Ruhig hätten Cinerama alle vier Alben komplett spielen dürfen!

So ein 100. (modifiziertes) Wohnzimmerkonzert sollte ja etwas Besonderes werden. Besonders kann man wohl streng genommen nicht steigern. Der Abend war aber durchaus deutlich besonderer als gedacht! Einziger kleiner bitterer Beigeschmack: daß viel zu wenige Menschen das über Cinerama denken, was David Gedge im Laufe des Abends über ABBA sagte: "one of the greatest pop bands ever!"

Oliver: Onkel John wäre stolz gewesen!


Setlist Cinerama, Le Petit Bain, Paris:

01: Model spy
02: 146 degrees
03: Kerry Kerry
04: You're dead (The Wedding Present Cover)
05: Ears
06: Careless
07: Hard, fast and beautiful
08: Mystery date (The Wedding Present Cover)
09: You Jane (The Wedding Present Cover)
10: Honey Rider
11: Your charms
12: The girl from the DDR (The Wedding Present Cover)
13: Dance, girl, dance
14: Quick, before it melts
15: Après ski
16: Cat girl tights
17: Wow

Links:

- aus unserem Archiv:
- Cinerama, Barcelona, 27.05.15 
- The Wedding Present, Arlon, 20.11.14
- The Wedding Present, Barcelona, 30.05.14
- The Wedding Present, Düsseldorf, 26.09.13
- The Wedding Present, Paris, 24.10.12
- The Wedding Present, Wien, 04.10.12
- The Wedding Present, Köln, 23.09.12
- The Wedding Present, Barcelona, 30.05.12
- The Wedding Present, Köln, 15.10.10
- The Wedding Present, Köln, 15.11.07
- The Wedding Present, Paris, 02.11.07




Samstag, 21. März 2015

My Brightest Diamond, Paris,13.02.15

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Konzert: My Brightest Diamond mit Support Tim Fite
Ort: Le Gaîté Lyrique in Paris
Datum: 13. Februar 2015
Dauer: 35 min + 100 min
Zuschauer: etwa 600 (nicht ganz ausverkauft)



Ich bin in unserer Familie ein bisschen berühmt berüchtigt. Aber ich schwöre, diesmal kam die Idee, Freitag den dreizehnten zum Glückstag in Paris zu machen, nicht von mir... Zu viert hatten wir schließlich am Bühnenrand gestanden und schauten uns nach dem Konzert in die Augen, die ein Glück teilen konnten, für das uns in dem Moment noch die Worte fehlten. Am nächsten Tag sprach ich mit den Kanadiern in Paris noch etwas stammelnd darüber: Eigentlich brauche ich dieses Jahr kein Konzert mehr zu besuchen. Es wird keines mithalten können...


Als der Plan aufkam, konnte ich recht bestimmt sagen: Gute Idee, das wird sich lohnen. Die drei Konzerte, die ich mit My brightest Diamond schon erlebt hatte, waren alle grandios gewesen. Zuletzt in Eindhoven mit dem Material der neuen Platte hatte sie sich in die Jahresbestenliste gespielt - das erste in Berlin 2011 hatte mich zum Schreiber fürs Konzerttagebuch werden lassen und wird auch deshalb immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Was ich aber nicht wusste war, dass Paris ein ganz besonderer Konzertort für Shara Worden ist und sie an diesem Abend auch vom Publikum in einmaliger Weise getragen werden würde. Insofern wurde die etwas spinnerte Entscheidung für Paris zu einer, die weise genannt werden kann.


Wir hatten uns ein Quartier gesucht, von dem wir zur Gaîté Lyrique laufen konnten. Das Theater überraschte uns sehr positiv. Es machte von außen ordentlich was her mit einer Jugendstilfassade und hatte ein stilvoll modernes Innenleben. Auch Einlass und übriges Personal waren freundlich und effektiv, gelassen und fast heiter. Wir verbrachten noch etwas Zeit in dem Café und studierten die Bühnenzeiten. Erst fünf Minuten bevor es mit Tim Fite  losgehen sollte, suchten wir uns Plätze im Saal und standen damit noch in der zweiten Reihe.


Tim (mit bürgerlichen Namen Timothy Sullivan) ist ein Hans Dampf in allen Gassen oder Jack of all trades. Ein Schelm, der sich und sein Publikum ordentlich auf den Arm nimmt. Er spielt mit Worten, Samples alter Schallplatten (die vom iPad kommen), bastelt und macht Kurzfilme. An diesem Abend war er von der großen Projektion ganz eingenommen neben der er fast ein bisschen klein wirkte. Seine Einmannshow war und ist wahrscheinlich jederzeit wirklich sehenswert, auch wenn man - wie ich - eigentlich nicht so viel mit Hiphop anfangen kann. Aber die Ironie, das spielerische, die überbordende Spielfreude, das Geplänkel mit dem Publikum, die kamen nicht nur bei mir bestens an.


Er hatte eine Tour de Force vorbereitet:  iBeenHACKED  sein aktuellstes Album war prominent vertreten mit dem Titelsong, BigMAC, No Philsophy, The Phoney und Like. Man kann das natürlich kindisch finden wenn somebody got my nose gesungen und gespielt wird. Oder wenn Sexy Leroy seine Auftritte auf der Leinwand hat. Oder The Dog & Pony Show mit der Episode On crying gezeigt wird. Oder die Stimmung zwischendurch angeheizt wird, indem das Publikum von ihm gerufene Fragen, ob wir noch Lust haben, mit möglichst enthusiastischem "ja!" - in Paris natürlich mit "Oui!" - beantworten soll. Und doch kommt auch jedes Mal - schwupps - etwas mit, das so gar nicht kindisch ist, sondern einen wachen Blick auf die moderne Welt zeigt.
 

Der endgültige Ohrwurm, der uns auch Tage später noch anhing war Burn it down. Auch hier geht es zunächst etwas schräg los, wenn Ställe brennen sollen, nur weil die Kühe und Hühner ihn auslachen. Aber es wird ernst, wenn Banker sich daneben benehmen... Das Publikum war jedenfalls im Refrain eifrig dabei, alles brennen zu lassen. Und es gab besonders großes Hallo, als Shara Worden für ein Sing- und Tanzduett auf die Bühne kam.


Der Umbau war schnell erledigt - es musste ja nur das iPad und das Mikro abgeräumt werden und der Ablauf sah auch vor, dass es nach nur 15 min mit My Brightest Diamond weitergehen sollte. Sie hatte an diesem Abend am Schlagzeug Tim Mulvenna (+) und  Fontaine Burnette am Bass dabei. Damit war auch der Ton schon klar gesetzt: heute gab es eine Rockshow.



Bestätigt wurde das gleich zu Beginn mit einem recht dunklen Rocksong von Jeff Buckley Gunshot Glitter, in dem die E-Gitarre rotzig herangenommen wurde und anschließend in ähnlichem Habitus das trotzige I am not the bad guy vom aktuellen Album This is my hand (2014) folgte. Beide Songs mit den für Shara so typischen Wechseln zwischen sehr tiefen und hohen weiblichen Stimmlagen an diesem Abend ziemlich rockig.


Mein erster Höhepunkt und auch der Moment wo der Saal das erste mal explodierte war Pressure, wofür Shara ans Keyboard wechselte. Diesmal mit moves, die den Inhalt des Refrains ausdrückten. Dafür gab es Unterstützung durch Tim Fite und den Bassisten (sehr expressiv!). Es startet ja mit einem sehr charakteristischen Trommelwirbel (der in mir immer die Erinnerung an die Marching band Version von Eindhoven anstößt). Der setzte auch hier den ganzen Saal in Bewegung. Nach der Zeile Disperse the white light durfte dann endgültig der Mann an den Drums ausflippen und alle zum zappeln bringen. Im Herzen trage ich zwar die Version mit fetten Bläsern - die hier leider fehlten - aber es war doch auch so Glück pur.


Es folgte Before the Words - ebenfalls vom aktuellen Album. Erstmals erschloss sich mir nun der Refrain, nachdem uns Shara dazu den Mythos der Ureule dargelegt hatte, die von Anbeginn der Zeiten existiert und in den Erzählungen der Mütter für uns lebendig bleibt. So wurde die Version des Abends für mich schamanisch und innig. Be brave ist einer meiner Lieblinge vom Vorgängeralbum (All things will unwind, 2011), das immer wieder bei mir Gänsehaut auslöst: be brave dear one - be changed to be undone. In der rockigen Umsetzung auch sehr stark.


Lover, killer vom aktuelles Album hat diese synkopischen Rhythmen, die gar nicht so einfach zum klatschen sind. Damit ist es eigentlich eine Tanznummer und irgendwie ganz luftig, obwohl es um so ernste und dunkle Inhalte geht. High low middle - ihr Lied über Detroit - macht mir immer gute Laune und wurde entsprechend enthusiastisch vom Publikum aufgenommen und mitgesungen. Diese gute Stimunng wurde gebrochen durch Say what (Album Bring me the workhorse, 2009) - ein sehr inniger, unendlich trauriger Song, den ich noch nie von ihr live gehört hatte. 


Mein nächster absoluter Höhepunkt war das Wiegenlied I have never loved someone (2011), das nie verfehlt mir die Tränen der Rührung in die Augen zu treiben. Ein wahrhaft funkelndes Kleinod. Für die Pariser hatte sie anschließend etwas ganz besonderes vorbereitet: Ihren Song Apparition, dessen Text ein Gedicht von Mallarme ist, wurde von ihr erstmals im französischen Original aufgeführt. Die Einführung in den Song war sehr geheimnisvoll (eine Geistergeschichte) und die Version auf der Bühne auch sehr introvertiert.


Als letztes Stück der regulären Setlist war das Titelstück des aktuellen Albums in der französischen Version vorgesehen, die zu Beginn der Tour veröffentlicht worden war. Ich fand es sehr interessant, wie unterschiedlich der Song wirkt, wenn die einfachen englischen durch die gleichen aber französischen Aussagen ersetzt werden. Irgendwie stellt man sich dann gleich einen viel zierlicheren Körper vor (jedenfalls ging mir das so). Natürlich wurde anschließend enthusiastisch um Zugaben geklatscht. Und es gab zunächst Inside a boy von All things will unwind, was ich auch sehr ins Herz geschlossen habe. Die Zeile We are stars colliding wird wohl nie seine Wirkung auf mich verfehlen. 


Anschließend gab es noch eine echte Überraschung. Tim und Shara schlüpften in zueinander passende Overalls, die Tim Fite für die Hand in Hand Tour gestaltet hatte, und legten eine heiße Tanznummer hin. Sie drückte noch einmal sehr fröhlich aus, was sich schon als roter Faden durch den Abend gezogen hatte: Hier sind zwei Freunde zusammen unterwegs, die - so verschieden sie Musik machen - doch voneinander lernen und sich ergänzen. Das gab eine ziemlich lustige und extrovertierte Nummer im Publikum - herrlich! Ebenso eindrucksvoll, Fontaine Brunette die Hüften schwingen zu sehen - unfassbar köstlich (man sehe sich das verlinkte Video an).


Hier war wohl der Höhepunkt und das Finale geplant gewesen, aber die Pariser ließen nicht locker. Noch zweimal kam Shara mit all time hits auf die Bühne. Feeling good ist ohnehin ein unzerstörbarer Song, der aber von ihr an diesem Abend in einer wahnsinnigen Version zelebriert wurde, und auch dem Bass ordentlich Schmiss erlaubte. Das setzte mich komplett in Extase (und nicht nur mich). Noch in der Erinnerung bekomme ich Gänsehaut und es fühlte sich wie ein ganz persönliches Geschenk an. Als auch anschließend der Saal (zurecht!) tobte, kam Shara noch ein letztes Mal heraus, setzte sich auf den Bühnenrand und kam schließlich noch einmal ins Publikum, um mit uns Fever zu zelebrieren. So ging ein Abend zu Ende, der uns bestimmt noch sehr, sehr lange im Herzen leuchten wird.


(*) fast vertrottelt hätte ich auch den Fakt, dass wir damit den - für mich halt sehr nebensächlichen - Valentinstag in Paris hatten...
(+) leider nicht mein Lieblingsdrummer Earl Harvin



Setlist:
01: Gunshot Glitter (Jeff Buckley cover)
02: I Am Not The Bad Guy
03: Pressure (mit Tim Fite)
04: Before The Words (mit Tim Fite)
05: Be Brave
06: Lover Killer
07: High Low Middle
08: Say What
09: A Bronze Head
10: Resonance
11: I Have Never Loved Someone
12: Apparition (in Frz.)
13: Ceci Est Ma Main ("This Is My Hand" Frz.)

14: Inside A Boy (Z)
15: It takes two   (Z, mit Tim Fite, Rob Base, DJ Easy cover)

16: Feeling Good (Z, Nina Simon cover)(#)

17: Fever (Z, Peggy Lee cover) 


(#) von Leslie Bricusse & Anthony Newley

Alle Bilder des Abends:
 
 

Hand in Hand Tour:
Feb 08 Vera - Groningen
Feb 09 Tivoli De Helling - Utrecht
Feb 11 Stereolux - Nantes
Feb 12 Aetonef - Lille
Feb 13
Gaîté Lyrique - Paris
Feb 14/15 Festival Generiq - Dijon
Feb 17 Salumeria Della Musica - Milan
Feb 18 Bogen F - Zürich
Feb 19 Bad Bonn - Dudingen

 

Aus unserem Archiv:
My Brightest Diamond, Haldern, 08.08.14
My Brightest Diamond, Eindhoven, 07.02.14
My Brightest Diamond, Straßburg, 30.03.12
My Brightest Diamond, Paris, 28.03.12
My Brightest Diamond, Berlin, 24.11.11
My Brightest Diamond, Haldern, 13.08.11
My Brightest Diamond, Paris, 07.10.08
My Brightest Diamond, Haldern, 08.08.08
My Brightest Diamond, Evreux, 27.06.08
My Brightest Diamond, Paris, 22.04.08
My Brightest Diamond, Paris, 02.10.07
My Brightest Diamond, Paris, 26.02.07 


Mehr tolle Bilder

Freitag, 27. Februar 2015

David Simard, Paris, 15.02.15

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Konzert: David Simard
Ort: Les Étoiles in Paris
Datum: 15. Februar 2015
Dauer: 30 min
Zuschauer: etwa 200


Ganz kurzfristig erhielt ich die Information, dass David Simard als Support für (1ère partie de) Grant Nicholas (Feeder) auftritt. Und das in einem richtig hübschen kleinen Theater, das nur etwa 20 min von meinem Quartier entfernt lag. So wurden unsere Pläne fix etwas justiert und ich nahm mir die 30 min Zeit für ein kurzes Konzert mit David. Das hat sich wirklich gelohnt. Das Theater zu sehen war schon toll.


Schön war, dass ich viele Leute vom Vortag wieder traf und auch, dass ich vor dem geplanten Aufenthalt von David in Kanada noch einmal die Möglichkeit bekam, ihn mit seinen Liedern auf der Bühne zu erleben. Das Programm war ein bisschen sein "best of" mit Cats Cradle und dem komplexen The knife als Klammern. Das Publikum, das den Raum schon recht gut füllte, feierte mit und war mit Applaus nicht sparsam. Er versprühte aber auch ordentlich Charme von der Bühne und ich erlebte ihn ein erstes Mal ganz auf Französisch. Mein geheimer Hit des Sets war Be mine, das unten als Video eingebunden ist.



Setlist:
01: Cats Cradle
02: Said too much
03: Good clean water
04: My Shoes
05: Be Mine
06: The guitar player
07: The Knife


Professionelle uns stimmungsvolle Bilder von Laurent Besson 

 

Aus unserem Archiv:
Feral & Stray, Paris, 17.06.14
David Simard, Karlsruhe, 05.11.14
David Simard, Karlsruhe, 04.11.14 


Tourdaten Grant Nicholas
Feb 09 - Paradiso, Amsterdam
Feb 10 - Brotfabrik, Frankfurt
Feb 12 - PrivatClub, Berlin
Feb 13 - Haus 73, Hamburg
Feb 15 - Les Etoiles, Paris
Feb 20 - Bodega, Nottingham
Feb 24 - Fibbers, York
Feb 25 - Waterfront Studios, Norwich
Feb 26 - Bush Hall, London
Feb 28 - Whelans, Dublin
Mar 01 - Limelight, Belfast
Mar 03 - Guildhall, Gloucester
Mar 04 - Portland Arms, Cambridge
Mar 06 - Arc, Stockton-on-Tees
Mar 07 - Slade Rooms, Wolverhampton



Sonntag, 22. Februar 2015

Jenny Ritter, Paris, 14.02.15

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Konzert: Jenny Ritter mit Ryan Boeur
Ort: Break'Art Mix in Paris
Datum: 14. Februar 2015
Dauer: 60 min
Zuschauer: 15



Die Wochenendreise nach Paris war schon lange geplant. Kurz vor der Abfahrt flatterte noch eine verführerische Einladung herein: Experience the aphrodisiac alchemy of music + pancakes + beer this Saturday afternoon. Break'Art Mix und Friends with Benefits hatten die Kanadierin Jenny Ritter zu Gast und warben um weitere offene Herzen für den Nachmittag des Valentintages mit dem Versprechen von intimer Musik fürs Gemüt und Stärkung für den Magen. Was könnte es besseres geben?!


So gab es ein Wiedersehen mit den hinreißenden Gastgebern David Simard und Anne Vegnaduzzo, die ich bei einer Oliver Peel Session mit Feral and Stray im letzten Juni dort kennengelernt hatte. Jenny hatte Ryan Boeur (Fish & Bird) an der Gitarre mitgebracht, der gerade eine Tour in Großbritannien absolviert hatte (*). Offensichtlich harmonsieren die beiden nicht nur auf der Bühne gut.


Jenny spielte nach einer sich spontan entwickelnden Setlist und wählte viele Stücke, die auf ihrer aktuellen CD sind und neueres noch unveröffentlichtes Material. Sie hat persönliche Erfahrungen der letzten Jahre verarbeitet, die aber zu allen sprachen, die an diesem Nachmittag anwesend waren. Mögen die konkreten Erfahrungen sehr persönlich sein, sind doch die damit verbundenen Gefühle, die in der Musik Ausdruck fanden, recht universell. Jenny nutzte das intime Arrangement dazu, uns viel zu ihren Lieder zu sagen. Z.B. wie die Bande zu den Musikerinnen ihrer 10 Jahre bestehenden Band The Gruff, sich nicht in Luft auflösen, nur weil das gemeinsame Projekt zu Ende ist. 


Oder wie es war, sich als Mensch, der von der Insel und vom Dorf kommt, an die Stadt Vancouver zu gewöhnen: Five nights schaut dabei auf den Mond und gibt taumelnd und schunkelnd einen Eindruck vom suchen und finden von neuartigen Gewissheiten. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Zeilen We must sing to forget about it - We must sing to remember it, in die wir alle schließlich mit einstimmten. Ein flottes Liedchen mit Ohrwurmpotential. In  They can't tell wurden Vögel in die Ferne geschickt, um von den Bergen zu singen. Cold house song  wiegte sich dann in langsamem und tröstlichen Dreiertakt. Interessant war auch die Geschichte zum Museum song. Ihre Mutter arbeitete an Exponaten im lokalen Museum. Natürlich außerhalb der Öffnungszeiten. Jenny musste sie an den Abenden oft begleiten und durfte sich dann auf einer Etage frei bewegen. Heute sagt sie, dass in dieser Zeit ihre Faszination dafür geboren wurde, hinter Fassaden zu schauen und Entwicklungen und Zusammenhänge zu verstehen.


So verging die Stunde wie im Flug. Es wurde viel gelacht und gescherzt. Leider stehen keine Konzerte in Deutschland auf dem Plan. Jetzt gerade ist sie in Schweden zu Gast und freute sich während unserer Begegnung in Paris schon sehr darauf, weil die Schweden nach ihrer Erfahrung selbst so eine lebendige Tradition von Volksmusik pflegen, dass sie dort immer auf ein verständiges und offenes Publikum treffe. Umso froher hat mich unser Treffen in Paris gemacht.



Aus unserem Archiv:
Feral & Stray, Paris, 17.06.14 



Mehr Fotos und ein Bericht

(*) Soon thereafter we’re headed to the UK for our first overseas tour, concluding with an appearance at the Celtic Connections festival in Glasgow, Scotland!!  


 

Konzerttagebuch © 2010

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