Konzert: Low (Alan Sparhawk solo), Sans Piles Session by Magic Ort: le Truskel, Paris Datum: 24.03.2011 Zuschauer: 100 vielleicht? Konzertdauer: 30 Minuten
Wieder ein neuer Beleg dafür, daß in Paris konzerttechnisch so einiges geboten ist. Kein Geringer als Alan Sparhawk von Low spielte in dem kleinen Pub namens Truskel (kennt ihr alle von meinen Peter Doherty Konzertberichten) und präsentierte die nagelneuen, noch nicht veröffentlichten Lieder des am 12. April erscheinenden neuen Albums C'Mon. Und das gratis!
Als ich gegen 18 Uhr 25 vor dem Truskel erschien, standen da aber seltsamerweise nur maximal 10 Leute vor verschlossener Tür.Ob die Geschichte zu schlecht promotet war? Ich selbst hatte erst am Vortag zufällig davon Wind bekommen. Vielleicht war es Absicht und man wollte einfach nicht zu viele Leute hier haben, denn die Platzkapazität ist sehr begrenzt. Wie auch immer, als ich zusammen mit ein paar Freuden und Bekannten nach Türoffnung eintrat, konnten wir uns die besten Plätze frei aussuchen. Wir stellten uns natürlich gleich ganz nach vorne, um gut zu sehen und befanden uns direkt hinter dem Kameramann, der für die Internetseite des Printmusikmagazins Magic die Songs filmen sollte. Unter der Reihe "Les Sans Piles Sessions" (pile= Batterie, sans piles also ohne Batterien= Akustiksessions) wird man demnächst dort die Videos finden können. Zuvor hatten in den vergangenen Jahren schon Größen wie Jay Mascis, Au Revoir Simone (Archivfoto) und Camera Obscura an der Sache teilgenommen.
Heute ging es schließlich um 19 Uhr los. Alan Sparhawk erschien komplett in schwarz gekleidet (Hemd, Krawatte, Hose, Schuhe alles black) auf der kleinen Bühne und wünschte uns, daß unser Tag großartig sein würde ("I wish that your day will be grand!"). Ich war so nah dran, daß ich ihm in die weiße Gitarre hätte greifen können. Die Intimität war atemberaubend. Schon beim ersten Song bestach Sparhawk durch seine feste, markante, eindringliche Stimme und sorgte für offene Münder. Wow! "La classe" wie der Franzose in solchen Augenblicken zu sagen pflegt. Auch textlich wurden früh Highlights gesetzt: "you try to sleep, then you never wake up , try to sleep don't look at the camera." Genau in diesem Moment guckte Alan ironischerweise genau in die Linse meiner Kamera und ich sah seine stechenden blauen Augen. Fast schien es, als schiele er etwas, aber seine Blicke gingen trotzdem komplett durch mich hindurch. Selten ist man Musikern so nah wie heute.
Mit Nightingale ging es weiter. Eine schöne kleine Gitarrenmelodie eröffnete diesen verwunschenen Song, "Nightingale don't you cry", wunderbar melancholisch pluckerte das Lied voran, während Sparhawk immer wieder den Refrain mit weit aufgerissenem Mund intonierte und beim Gitarrenspiel immer energischer wurde. Es schien, als würde er auf einer Bergwiese stehen und den Hang hinunter singen. Es hallte selbst hier im Truskel.
Witches schloß sich an, ein dichter, wolkenverhangener Song mit einem kuriosen Tex": " all you guys, try to act like Al Green, you're all weak." Besonders die Zeile "you're all weak", sang Sparhawk mit herrlich verächtlichem Tonfall.
Kurz vor Ende dann noch ein Cover (Sparhawk: "the guys from Magic ask me to do one cover") eines Reggae Songs. Die Heptones kannte ich vorher noch nicht, obwohl sie in ihrer Sparte sicherlich Kult sind. "Rasta cool, rasta cool", sang der Mormone immer wieder...
Mit Nothing But Heart wurde schließlich prima abgeschlossen. "I would be your king, but you wanna be free." hieß es dort eingangs. Ein sehr langsames, dafür um so intensiveres Lied. "I'm nothing but heart" intonierte Sparhawk mehrfach und wurde dabei im Verlaufe immer inbrünstiger. Sein definiertes Gesicht verzog sich zu einer Grimasse, die Nackenmuskel waren bis zum Platzen angespannt und der Sänger war in einer Art Parallelzustand. In diesem Moment hatte er sicherlich vergessen, daß er gerade in einer kleinen Pariser Kneipe ist, beglotzt von einem inzwischen sehr zahlreichen Publikum.
Nach einer halben Stunde war schließlich Schluss und das Ziel der Veranstaltung wurde mühelos erreicht: ich bin sehr neugierig auf das Album C'Mon geworden, das sicherlich ziemlich anders klingen wird, als die heutige abgespeckte Version.
Setlist Low, Le Truskel, Paris: 01: Try To Sleep 02: Nightingale 03: Witches 04: Cool Rasta (The Heptones Cover) 05: Nothing But Heart
Konzert: Peter Doherty Ort: Le Truskel, Paris Datum: 24 (25).03.2010 Zuschauer: laut Türsteher doppelt so viele wie gestern Konzertdauer: höchstwahrscheinlich sehr kurz
Oops!... I did it again. Der beknackte Song dieser sogenannten Sängerin könnte gut das Motto des heutigen Abends sein. Wobei sich das "I" weder so richtig auf mich, noch auf Peter Doherty bezieht. Denn genau wie gestern war zwar das kleine Pub Le Truskel Austragunsort des Konzertes des Briten, aber diesmal bin ich vorher gegangen und auch Peter dürfte laut Angaben des Veranstalters nicht allzu lange gespielt haben. Angeblich waren diesmal nur 4 bis 5 Songs geplant, von denen ich keinen einzigen mitbekam. Doherty war lediglich "Special Guest" seines englischen Kumpels Allan Wass. Den lockenköpfigen Lausbub hatte ich bereits einmal als Support Act im Bataclan vorgesetzt bekommen und ich lehne mich sicherlich nicht allzuweit aus dem Fenster, wenn ich sage, daß Allan Wass weitgehend talentfrei ist.
Um halb eins hatte Wass noch nicht mit seinem für 45 Minuten angesetzten Set begonnen und Peter selbst war noch nicht einmal vor Ort und Stelle. Junge, stylische Leute hingen vor dem Truskel ab und qualmten bis die Lunge kracht. Warten auf Godot. Ähem, Peter natürlich. Das war mir dann doch viel zu Rumgammelei und ich zog unverrichteter Dinge ab, um noch die letzte Metro zu erwischen. Mein Freund Rockerparis war sicherlich da und liefert uns dann höchstwahrscheinlich Videos und die kurze Setlist.
Nachtrag: Rockerparis war in der Tat vor Ort und schildert, Daß Alan Wass erst um 1 Uhr mit seinem 45 minütigen Set begonnen hat. Peter Doherty selbst spielte dann doch mehr als 4-5 Songs, aber sein Auftritt wurde durch technische Probleme (sein Gitarrenstecker fiel ständig raus) gestört. Laut Rockerparis gehörten What A Waster, The Last Of The English Roses (wurde am Vortrag nicht gespielt), What Katie Did (ebenfalls am Tag davor nicht dabei gewesen), Fuck Forever (dito), Music When The Lights Go Out und ein paar andere Titel zur Setlist. Erfreulich, daß Peter nicht jeden Abend das Gleiche spielt.
- Check the review of Rockerparis with lots of great Pics of Peter Doherty and the swetting audience.
Konzert: Peter Doherty Ort: Le Truskel, Paris Datum: 23 (genauer gesagt 24.).03.2010 Zuschauer: unglaublich viele, zumindest für das winzige Pub Konzertdauer: 50 Minuten
Was ich daran aufregend finde, Peter Doherty live zu sehen, fragte mich heute ein brillanter Blogger mit ausgewiesem guten Musikgeschmack. "Nun ja, aufregend passt nicht so richtig, weil ich ja keine 16 mehr bin, aber ich mag seine Songs und seine Konzerte eben." Eine nüchterne Antwort auf eine ebensolche Frage. Aber was sollte ich schon groß erzählen, schließlich habe ich ja Peter inzwischen unzählige Male live gesehen, auch und vor allem in kleinen Clubs. Da schlägt die Erregungskurve logischerweise nicht mehr ganz so stark aus. Bei den jungen Leuten ist das anders. Vor allem die Mädchen werden ganz hysterisch, wenn sie hören, daß Peeeeeeeter in der Stadt ist und wieder in irgendeinem Schuppen auf der Gitarre schrammelt. Die Peter-Mania scheint ein internationales Phänomen zu sein, denn unter meinen Flickr Fotos von Doherty lese ich oft Kommentare wie "Warum muss ich bloß auf den Philippinen/in Brasilien/Chile leben? Hier spielt er nie, in Paris ständig!"
In der Tat schnallt er sich in schöner Regelmäßigkeit in der Seine- Metropole die Gitarre um und gibt (scheinbar) völlig spontan Konzerte in kleinen Clubs. Heute hatte er anscheinend Bock, dem Truskel, in dem er schon einmal ein legendäres Konzert um vier Uhr morgens gegeben hatte, wieder mal einen Besuch abzustatten. Vorgesehen für 23 Uhr 30, ging es erst um 0 Uhr 20 los, Zeit genug um sich umgeben von schwitzenden, pubertären Menschen die Füße plattzustehen. Und als Peter dann tatsächlich anfing, brach fast Massenpanik aus! Ich war in der äußerst ungünstigen Situation, hinten in der Menge zu stehen und von links nach rechts geschubst zu werden. Ach, Unsinnn! Von Schubsen kann keine Rede sein, weil dafür kein Platz mehr war. Gedrückt, ja regelrecht zerquetscht wurde ich! Ein Pulk an Leuten entwickelte einen immensen Druck von hinten und presste mich gegen ein junges Mädchen, die es mit der Angst zu tun bekam. Ich konnte aber nichts ändern und fühlte mich selbst äußerst unwohl. Schlimme Bilder aus Fuballstadien kamen mir in den Sinn und auch hier und heute hätte das Ganze übel ausgehen können. Wäre jemand gestolpert, er wäre vermutlich halb totgetreten worden. Zum Glück verlief aber alles glimpflich und ich schaffte es, nach mehreren vergeblichen Versuchen, wieder in den vorderen Teil des Pubs zu gelangen, wo man ein paar Zentimeter Bewegunsgspielraum hatte. Hier war es auch deutlich kühler, als in dem eigentlichen Konzertraum, in dem es gefühlte 52 Grad warm war. Die schwitzenden Leute stanken zudem erbärmlich. Kurze Zeit erwog ich, frühzeitig abzuhauen und mir das Ganze zu ersparen. Doherty hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Delivery, For Lovers und Arcady gespielt. Stimmlich war er auf der Höhe und auch der Einsatz passte. Die Stimmung hätte nicht besser sein können, wäre es doch bloß nicht so voll und stickig gewesen! Aber wenn Peter in intimster Atmosphäre gratis aufspielt, darf man sich über den Massenauflauf kaum wundern!
Dann aber wurde es plötzlich deutlich leerer. Was war passiert? Hatte Doherty seine Songs verpatzt, oder etwa aufgehört zu spielen? Nein, viel banaler! Viele junge Leute verließen kurzerhand das Truskel, um noch die letzte Metro zu bekommen. Ich selbst hatte schon vorher damit gerechnet, ein Taxi nehmen zu müssen, aber die Kosten waren mit 9 Euro noch überschaubar. Nun also konnte ich das Konzert etwas entspannter genießen. Obwohl es immer noch recht voll war und aufgrund der Schwüle von Genuß nicht unbedingt die Rede sein konnte. Doherty, der ohne seine Ballettänzerinnen gekommen war, zauberte gegen Ende seine melancholischsten Lieder aus dem Hut, nachdem er vorher etliche rockige Klassiker der Libertines abgefeuert hatte. Für Music When The Lights Go Out hatte es sich wirklich gelohnt, hier zu erscheinen, denn die Sentimentalität des Liedes packte mich irgendwie ziemlich stark. Plötzlich war sie da, diese Magie, die der Engländer immer wieder entfalten kann! Fans sangen jede einzelne Textzeile mit und Peter greinte "I no longer hear the music, oh , no, oh no". Jetzt sah ich ihn überhaupt zum ersten Mal, vorher hatten mir immer Köpfe von hochgewachsenen Leuten die Sicht versperrt. Der Hut fehlte komischerweise, aber das hinderte den sogenannten Skandalrocker nicht daran, bei Albion das Spielchen mit den Städtenamen zu veranstalten. "I can go to. .. and.. anywhere in Albion...
Dann war plötzlich Schluß. Peter hatte fertig und verschwand im improvisierten Backstagebereich. 10 Minuten später bahnte er sich den Weg durch die aufgebrachte Menge, schrieb ein paar Autogramme, umarmte ein paar Mädels und gelangte durch den Hinterausgang auf die Straße. Dort folgten ihm die Fans noch auf Schritt und Tritt, bis er kurze Zeit später in einem Taxi verschwand. Gute Nacht, Peter!
Setlist Peter Doherty, Le Truskel, Paris:
01: Delivery (Babyshambles) 02: For Lovers 03: Arcady 04: Tell The King (The Libertines) 05: Can't Stand Me Now (The Libertines) 06: Salomé 07: Baddies Boogie (Babyshambles) 08: Don't Look Back Into The Sun (The Libertines) 09: Death On The Stairs (The Libertines) 10: What A Waster (The Libertines) 11: Music When The Lights Go Out (The Libertines) 12: Albion (Babyshambles)
Fotos folgen!
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Konzert: Nancy Elizabeth (Cunliffe) Ort: Le Truskel, Paris Datum: 13.03.2010 Zuschauer: zwischen 15 und 30 schwankend Konzertdauer: etwa 45 Minuten
Die englische Folksängerin Nancy Elizabeth (auf dem Foto lächelnd) ist ein gutes Beispiel dafür, wie ungerecht das Musikgeschäft ist. Die 26 jährige Musikerin aus Manchester hat zwei vorzügliche und zu recht von der Fachpresse hochgelobte Alben und eine EP auf den Markt gebracht, steht bei dem glänzenden Leaf Label ( Wildbirds & Peacedrums, Efterklang, Essie Jain und viele andere) unter Vertrag und spielt dennoch vor beschämend wenigen Zuschauern. Stattdessen laufen selbst bei Studenten Deppenformate wie "Unser Star für Oslo" (in Deutschland) oder "La Nouvelle Star" (in Frankreich) hervorragend und erzielen riesige Quoten. Schlimm!
Aber es nutzt ja nichts, sich darüber aufzuregen, nur wundern darf man sich schon. In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich? Verblöden wir immer mehr? Hat uns diese komische Lady da schon ganz Gaga gemacht? Es scheint fast so. Vielleicht sollte man zumindest an Gymnasien das Schulfach Musikkultur unterrichten und den Schülern schon jung den Zugang zu qualitativ hochwertiger Musik ermöglichen. Ach, ich träume! Wegschnarchen würden die Eleven! Wenn es nicht gewaltig bumm bumm macht und den jungen Leuten kein eingängiger Refrain um die Ohren geschleudert wird, sinkt das Interesse schnell gegen null.
Weder eingängige Refrains noch bumm oder tchak gibt es in der Musik von Nancy Elizabeth zu hören und deshalb fanden sich wohl auch im Truskel zu Beginn gerade einmal ein Dutzend Leute ein. Vorher lief noch ein Fußballspiel, amüsanterweise mit dem französischen Club Nancy, worüber Nancy Elizabeth im Hinblick auf ihren Namen Scherze machte. Als es sich abzeichnete, daß es vorläufig nicht voller werden würde, fing Nancy vor quasi leeren Rängen an, Gitarre zu spielen und zu singen. Letztlich stellte sich aber heraus, daß es ihr auch nichts gebracht hätte, wenn mehr junge Leute dagewesen wären, denn ein Grüppchen, das sich gegen Ende eingefunden hatte, latschte während (!) eines ruhigen Liedes am Klavier der musizierenden Engländerin vorbei, um sich auf Stühle zu setzen, die hinten rechts von der Bühne platziert waren. Eine Respektlosigkeit! Erstaunlich wie ruhig und humorvoll die Künstlerin das Ganze nahm. Ich glaube ich persönlich hätte nicht die Geduld und würde Schnöseln, die während meines Konzertes vor mir vorbeilatschen, eins mit der Gitarre über die Rübe ziehen! Aber nun zum Konzert:
Nancy begann mit Canopy von ihrem aktuellen Werk Wrought Iron. Schon nach ein paar Takten wurde deutlich, wie famos ihre Stimme ist. Wenn sie singt, hat sie keinerlei Akzent, wenn sie allerdings zwischen den Songs Ansagen machte, kam eine deutliche hörbare Mundart zu Tage. Ihre kleine Harfe, die sie noch bei ihrer letzten Tour vor zwei Jahren dabei hatte, fehlte dieses mal. Stattdessen spielte die Britin bei einigen Liedern Piano und auch dies war wunderschön. Ihre Stücke sind allesamt sehr ruhig und unaufgeregt und bewegen sich wie ein langsamer Fluß vorwärts. Die erzeugte Atmosphäre erinnerte mich an Nick Drake, stimmlich war sie nicht allzuweit von klassischen Folksängerinnen entfernt. Ihr Stil ist aber keineswegs altmodisch, man merkt, daß sie erst 26 Jahre alt ist und mit Bands wie Radiohead oder Portishead groß geworden ist. Ich mochte jedes einzelne ihrer insgesamt 9 Lieder, würde aber eine kleine Präferenz für Lay Low aussprechen. Ihre pure und reine Stimme kam hier besonders gut zur Geltung und das Stück umgarnte mich mit seiner sanften Melancholie. Mehrere andere Tracks vom aktuellen Album kamen zu ihrem Recht, bevor Nancy mit Hey Son von Battle & Victory wunderbar abschloß. Selbstredend, daß ich mir den Konzertbesuch noch mit dem Kauf einer CD versüßte. Sie kostete nur 10 Euro und das Konzert war zudem gratis. Umso unverständlicher, warum sich so wenige Zuschauer eingefunden hatten. Obwohl..., 10 Minuten nach Ende des Auftritts strömten auf einmal die Leute in Massen ins Truskel! Das kapiere wer will. Oder wie es ein englischer Journalist vom Sunday Telegraph formulierte: "It amazes me that such a great talent isn't more wiedely known and adored"...
Setlist Nancy Elizabeth, Le Truskel, Paris:
01: Canopy 02: The Act 03: Tow The Line 04: Lay Low 05: Divining 06: Bring On The Hurricane 07: Battle And Victory 08: Winter, Baby 09: Hey Son
Konzert: Myra Lee (former Lawn Factory) Ort: Le Truskel Datum: 27.11.2009 Zuschauer: habe sie nicht gezählt Konzertdauer: gut 35 Minuten
The Rodeo und Marie-Flore waren meine Entdeckung im Jahre 2007, 2008 beschenkte mich mit Mina Tindle und Pollyanna und 2009 wartete mit Le Prince Miiaou, Suzanne The Man und Lawn Factory auf. Jedes Jahr komme ich also in den Genuß neuer, französischer Folksängerinnen. Ich kann mich wahrlich nicht beschweren!
Hinter dem Pseudonym Lawn Factory versteckt sich die bildhübsche Sängerin, Gitarristin und Harfespielerin Maud Nadal (mit dem aufgepumpten Tennisspieler weder verwandt noch verschwägert), die auch in der Band Choice Dainties aktiv war. Diese haben jedoch leider kürzlich ihr Ende verkündet und auch Lawn Factory gibt es nicht mehr. Glücklicherweise handelt es sich im zweiten Falle aber nur um einen Namenswechsel und nicht eine andere Bandauflösung. Neuer Projektname ist nun Myra Lee.
Myra Lee waren also heute im urigen Truskel am Start. Nach einer männlichen Vorgruppe, die mich nicht interessierte, schnappte sich Maud ihre Akustikgitarre und bestieg die kleine, improvisierte Bühne. Neben ihr nahm ihre kesse Keyboarderin Melody Prochet Platz und im Hintergrund band sich Fantin Schmelz seine Elektrische um. Noch unter dem Moniker Lawn Factory firmierend, hatte ich Maud bereits einmal im International gesehen und war bereits da sehr angetan. Heute aber setzte sie noch einen obendrauf und zog mich vollends in den Bann ihrer außergewöhnlichen Stimme! Wie gefesselt glotzte ich ich ihr bei ihrem einfühlsamen Vortrage zu. What a beauty! Oder wie es ein französischer Zuschauer ausdrückte: Quel talent! Was ist? Schönheit und Talent sind nicht das Gleiche? Stimmt! Bei Maud Nadal aber schon, sie hat von beidem reichlich. Wahrlich beneidenswert!
Dabei wusste ich noch nicht einmal, in wen ich mehr verknallt war, in die Sängerin, oder die brünette Keyboarderin mit dem süßen Haarschnitt und den blauen Augen. Ich knipste die beiden Grazien wie so ein Weltmeister ab und war dabei nicht sonderlich diskret, weil das Licht in diesem Truskel immer so unfassbar diffus ist und ich den Blitz benutzen musste. Um auch den musikalischen Teil vollends genießen zu können, versuchte ich mich zu mäßigen, aber es war zwecklos. Ich sah das Konzert also durch die Linse meiner Kamera. Egal, das leidenschaftlich dargebotene Set verlangte förmlich danach, für die Nachwelt festgehalten zu werden. Dieses Verziehen der Mundwinkel beim Singen, dieser weltentrückte, sanfte Blick, diese elegante Gestik beim Streichen der Miniharfe. Herrlich!
Was waren nun die besten Lieder? Hmm, schwer zu sagen, mir gefielen sie alle. Man könnte Oh My Knees nennen, das hat bei MySpace die meisten Aufrufe und ist durchzogen von einer zarten Melancholie, die eine schwer zu beschreibende Anziehungskraft ausübt. Oder aber man legt sich auf Velib fest, das mit seinem beherzten Gitarrenspiel und den lieblichen Glöckchen am Ende begeistert. Ohne aber die wirklich glänzenden songwriterischen Qualitäten von Maud in Frage zu stellen, lege ich mich schließlich auf das PJ Harvey Cover The Piano fest, denn das war wirklich ein Hammer! Als die Französin die Songzeilen "Oh god I miss you" so unglaublich wehleidig und sentimental sang, durchfuhr mich ein wohliger Schauer. Die Kleine (die egentlich richtig groß ist, vor allem für eine Französin), sie hatte mich niedergestreckt!
Mit Schmetterlingen im Bauch verließ ich nach Verklingen der letzten Note fluchtartig das Truskel. Die Ep, die am Merch für lediglich 3 Euro verkauft wurde, brauchte ich nicht mehr, ich hatte mir bereits im International 3 (!) Exemplare gesichert. Setlist Lawn Factory/Myra Lee, Le Truskel Paris:
01: Old Man 02: Oh My Knees 03: Here You Are 04: New Harp 05: Be Sure 06: The Piano (PJ Harvey Cover) 07: Velib 08: The Lake 09: Eat Love
Chaque année j'ai la chance de découvrir de nouvelles filles françaises bourrées de talent qui font du folk. 2007 c'étaient The Rodeo et Marie-Flore, 2008 Mina Tindle et Pollyanna et cette année Suzanne The Man et Lawn Factory. Mais attention Lawn Factory a changé de nom et s'appelle désormais Myra Lee! Comme un album de Cat Power donc. Mais les ressemblances avec Chan Marshall s'arrêtent là, parce que Maud Nadal, la chanteuse (guitariste, autoharpiste) qui se cache derrière le pseudonyme chante plutôt comme Joanna Newsom. Elle a une voix incroyable, haut perchée et sensuelle et me donna des frissons quand elle entonna ses morceaux sombres et doux. Arrivée avec la pianiste Melody Prochet et son guitariste Fantin Schmetz elle donna au Truskel un concert d'une beauté rare. Ses compositions raffinées et envoûtantes sont toutes imprégnées par une douce melancholie et ravissent par ses magnifiques harmonies vocales.
Maud, qui a récemment mis un terme à son projet plus rock The Choice Dainties dispose d'ors et déjà de quelques tubes de folk indé. Oh My Knees, p.ex. mais surtout la ballade sentimentale Velib que je cite volontiers parmi les meilleures chansons écrites en France cette année. Melody y jouait du glockenspiel et Fantin quelques belles mélodies de guitare.
Et si Maud ne proposa pas ses propres compositions elle nous gâta avec une reprise sublime et très réussie de The Piano de son idol PJ Harvey.
En seulement 35 petites minutes elle m'a mis dans sa poche et me fait déjà rêver de son premier vrai album prévu pour 2010. Pour l'instant on peut se consoler avec son magnifique EP qui coûte la modeste somme de 3 Euros.
Konzert: Mai Ort: Le Pop In, Paris Datum: 09.11.2009 Zuschauer: viele Konzertdauer: etwa 35 Minuten
Das Truskel ist ein schönes, kleines Pub, in dem man viele gute Bands gratis genießen kann. Sogar Größen wie J Mascis von Dinosaur Jr. , Au Revoir Simone, Camera Obscura und Peter Doherty traten hier schon für lau auf. Entsprechend groß war meine Verwunderung, als mir schicke, junge Menschen vor der Türe 10 Euro Eintritt abverlangten. Was war denn hier los? Gab es etwas Besonderes zu feiern? Etwa den 20 jährigen Mauerfall? Danach sah es nicht aus, zumal etliche Gäste 1989 noch gar nicht gebohren waren. Nach meinen Informationen trat hier die Schwedin Johanna Wedin alias Mai auf. Dafür war ich zumindest gekommen. War dann auch so, bloß daß der heutige abend von Studenten einer privaten Wirtschaftsuni veranstaltet wurde. Und die Mädchen und Jungs haben anscheinend schon ein paar Dinge gelernt, zum Beispiel, daß nur der Tod umsonst ist (und der kostet einen ja bekanntlich das Leben!) und daß man Sponsoren braucht. Nicht zu übersehen, war ein großes Pappschild, auf dem für eine Wodkamarke geworben wurde. Aber was war das überhaupt für eine Wirtschaftsuni? Ich schaute auf das Plakat und traute meinen Augen kaum: ESG stand da in großen Lettern. An dieser Uni unterrichtet meine Frau! Warum erzählt sie mir nichts davon, wenn ihre Schüler ein Konzert veranstalten? Ich hätte sicherlich nichts zahlen müssen...
Aber Mai war auf jeden Fall 10 Euro oder mehr wert. Die hübsche Blondine bereitet gerade ihr zweites Album vor und ich bin überzeugt davon, daß es besser als der Erstling wird, der zwar gute Momente hat, aber noch verbesserungsfähig ist. Die neuen Stücke sind nämlich richtig schön geworden. Sie schreibt melancholische Songs, die man in die Schublade Folkpop einordnen kann, wenn man denn eine solche Kategorisierung braucht. Das Beste an Johanna ist ihre markante, teilweise kindlich wirkende Stimme, die an andere Skandinavierinnen wie Stina Nordenstam oder Emiliana Torrini erinnert. Ihr Paradeinstrument ist das Piano, das Gitarrespielen überlässt sie einem männlichen Begleitmusiker. Mein Lieblingsstück des Abends hieß Old Souvenirs, das man sich auch auf ihrer MySpace Seite in Ruhe anhören kann. Perfekte Musik für die herbstlich kalte Jahreszeit und allemal besser als ein Schal um sich zu erwärmen! Die Wirtschaftsstudenten waren auch begeistert, obwohl sie während des leisen Vortrages eigentlich viel zu laut plapperten. Wäre ich Lehrer, ich hätte ihnen eine Rüge erteilt! Zumindest sorgte ihr frenetisches Klatschen am Ende aber dafür, daß Mai eine Zugabe spielte. Im Stehen performte sie eine Coverversion von Kristofer Aström (Yeah, Oh, That's nice), die sie wirklich gut hinbekam. Ich bleibe bei Mai am Ball!
Setlist Mai, Le Truskel, Paris:
01: Our Ghosts 02: Big Fish, Small Bird 03: Mrs Dalloway 04: Old Souvenirs 05: Ask Me Twice 06: A Wedding Ballad 07: I Did Nothing 08: He Kept It All
09: Yeah, Oh That's Nice (Kristofer Aström Cover)
Anschließend spielte übrigens noch eine Band, die aus Studenten der ESG bestand. Sie coverten die Black Eyed Peas (I Gotta Feeling) und machten aus dem scheußlichen Original noch eine recht gelungene Neuversion. Das Truskel tobte, ich entschwand in die kalte Pariser Nacht. Schließlich wollte ich noch ins International...
Links:
- gutes Livevideo. Mai performt Only Sleep. - spricht hier jemand schwedisch? Christoph? Mai spielt Old Souvenirs im schwedischen Fernsehen und wird in der Landessprache angesagt. Gefällt mir richtig gut. Also nicht nur die Ansage, auch das Lied.
Konzert: Modern Folks Ort: Le Truskel, Paris Datum: 23.10.2009 Zuschauer: 40-50 Konzertdauer: etwa 35-40 Minuten
Im kleinen Pariser Pub Le Truskel lassen sich nicht nur Stars wie Kele "Bloc Party" Okereke und Paul "Interpol" Banks zur Aftershow blicken, sondern auch zahlreiche Nachwuchsmusiker aus Frankreich, England und dem Rest der Welt, um ihre Songs einem interessierten Publikum vorzustellen. Die Shows sind gratis, das Bier für Pariser Verhältnisse nicht teuer und die Mädchen hübsch (die Jungs auch, aber das ist mir egal), es gibt also etliche Gründe hier mal vorbeizuschauen. Auf die Idee gebracht hatte mich die hochcharmante Münchnerin (oder genauer Weilheimerin) Kathi, die für einen Blog namens Huskmagazine. de schreibt und zur Zeit in Paris weilt (die Weilheimerin weilt, was für ein Wortspiel!). Ohne ihren Hinweis wäre ich heute wahrscheinlich nicht im Truskel gelandet. Und das wäre schade gewesen! Die aus Grenoble stammenden Franzosen Modern Folks gefielen mir nämlich ganz ausgezeichnet! Ihre Topfreunde bei MySpace heißen Yeasayer, Grizzly Bear und TV On The Radio, aber wie diese Brooklyner Bands klingen sie eigentlich nicht. Eher nach alten New Wave Gruppen wie Echo and The Bunnymen und The Chameleons oder modernen Vertetern dieser Gattung wie Interpol, Wintersleep oder Crystal Stilts. Dennoch haftet ihrem hochmelodischen Darkrock keineswegs der fade Beigeschmack des x-ten Aufgusses bei. Die Jungs klingen äußerst frisch, inspiriert, spielfreudig und mitreißend. Schon nach ein paar Minuten hatten sie mich mit ihren sphärischen Gitarren auf ihre Seite gezogen und ich wunderte mich, daß sie nicht schon bekannter sind. Möglicherweise liegt es an ihrer Herkunft. Französische Bands, die nicht aus Paris stammen, haben es schwerer als ihre hauptstädtischen Kollegen. Das mussten auch die Modern Folks zwei Tage vorher schmerzlich erfahren. Ihr Konzert auf dem Pariser Hausboot La Dame De Canton war äußerst spärlich besucht, die Rede war von lediglich sechs (!) Zuschauern. Um so schöner für die Band, daß sich heute im Truskel circa. 50 vergnügungssüchtige Menschen einfanden, die den Modern Folks zuhörten. Gespielt wurden 11 Songs, von denen eine Handvoll auf einer EP namens All The Neighbours, They Will Follow drauf sind. Leider fehlt auf dieser Veröffentlichung einer der Kracher des Abends, Out For A Day. Ein dynamisches, berauschendes Stück Musik, das die legendären The Chameleons nicht besser hinbekommen hätten. Schon sensationell, daß ausgerechnet eine Band aus Grenoble so etwas wesentlich geschmackssicherer als englische Heulbojen wie Glasvegas oder die White Lies präsentiert. Da fragt man sich, wozu man eigentlich diese ganzen gecasteten Newcomer aus England braucht, die im NME erst hochgejubelt und dann niedergeprügelt werden, wenn man in Frankreich wesentlich bessere Alternativen hat. Unsere geneigten Leser sollten einfach in solch starke Lieder wie White Sheets oder High Expectations reinhören, um zu verstehen, wovon ich rede. Atemberaubend, oder nicht? Und live natürlich noch wesentlich druckvoller und intensiver!
Kurzum: Die Modern Folks sind eine der Entdeckungen der letzten Monate. Ein brandheißer Tip!
Setlist: Modern Folks, Le Truskel, Paris:
01: State Of Nature 02: Out for a day 03: Now.. 04: Slowly... 05: High Expectations 06: Very Last Time 07: White Sheets 08: All The Neigbours, They Will Follow 09: N-S Animal 10: Common Reflection 11: Socially Useless
Konzert: Richard Hawley Ort: Le Truskel Paris, Sans Piles Sessions de Magic rpm Datum: 01.09.2009 Zuschauer: es war sehr voll Konzertdauer: 25-30 Minuten
Die französische Musikzeitschrift Magic veranstaltet seit geraumer Zeit im kleinen Pariser Pub Truskel Akustiksessions, die gratis sind und sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Kein Wunder, finden sich doch illustre Gäste der Indieszene unter den Akteuren der letzten Sessions. Dieses Jahr haben beispielsweise bereits Au Revoir Simone, (auf dem Foto) Camera Obscura und Dinosaur Jr. (!) die Wände vibrieren lassen. Hautnah kann man seinen Idolen zusehen, wie sie ihre Hits ohne Verstärker zum Besten geben und wenn man nicht zu schüchtern ist, kann man natürlich hinterher auch noch ein wenig mit den Künstlern plaudern. Ein tolles Konzept also, das meine vollste Unterstützung hat. Aber ich bin natürlich nicht der einzige Fan der Sans Piles Sessions und so platzte das winzige Truskel heute wieder einmal aus allen Nähten. Wäre ich doch bloß eine viertel Stunde früher gekommen! Dann nämlich hätte ich mir ein Plätzchen in den ersten Reihen sichern können, so blieb mir aber nur der unvorteilhafte Standort im Eingansbereich. Von dort aus konnte ich von der Musik nicht viel hören und die Sicht auf Richard Hawley war von zahlreichen Köpfen verdeckt. Ich musste mich schon stark konzentrieren, um zumindest ein wenig von der wunderbar verrauchten Stimme des Kritikerlieblings aus Sheffield mitzubekommen. Welche Songs er sang, konnte ich leider nicht sagen. Letztlich war die Sache nach 6 Liedern und höchstens 25 Minuten Spieldauer auch schon wieder zu Ende. Leute, die günstiger postiert waren, berichteten mir, daß er 4 Titel von seinem brandaktuellen Album Truelove's Gutter und zwei ältere Stücke gespielt hatte. Aber auf der Internetseite von Magic wird man ja in Zukunft mindestens 3 Videos von dieser Session sehen können.
Habe ich noch was vergessen? Achso, spielte Richard Hawley nicht am Ende auch bei Pulp? Und zumindest für das erste Soloalbum in der Band von Jarvis Cocker? - Aber klar! Und wenn man aus einer Arbeiterstadt wie Sheffield kommt, dann pflegt man natürlich alte Freundschaften! Insofern nicht weiter erstaunlich, daß Jarvis himself, bekanntermaßen seit ein paar Jahren Wahl-Pariser, vorbeischaut, wenn sein alter Kumpel spielt. Forsch wie ich nun einmal bin, habe ich dann die Chance beim Schopfe gepackt und Jarvis von der Seite angesprochen. Ich lobte seinen Auftritt beim Berlin Festival (er wunderte sich darüber, daß die Sache letztlich drinnen stattgefunden hatte), leierte brav runter, wo ich ihn schon überall live gesehen hatte und ließ es mir auch nicht nehmen, ihn auf meine Oliver Peel Sessions hinzuweisen. Ob er nicht auch Lust hätte, mal in unseren vier Wänden zu spielen? Er schaute mich forschend an und meinte verschmitzt: "Oh, so this is just a concert for you, for one person?", woraufhin ich ihm natürlich erklärte, daß wir die beiden letzten Male 35 Leute waren, einen Hut rumgehen lassen würden und meine Frau leckere Häppchen zubereiten würde. Da hellte sich seine Miene auf und er sagte prompt: "So, why not?" Zur Not habe ich mir seine E-mail Adresse geben lassen und er schien wirklich nicht abgeneigt, den Gag mitzumachen. Cool wär's ja schon, oder etwa nicht??
Aber eigentlich wollte ich ja von Richard Hawley erzählen...
Konzert: Revolver Ort: Le Truskel, Paris Datum: 06.06.2009 Zuschauer: das Truskel war voll. Konzertdauer: ca. eine Stunde
Achtung: Geheimtip!
Allerdings nur für diejenigen, die unser Konzerttagebuch sträflicherweise nicht regelmäßig lesen. Vom äußerst harmonischen, feinfühligen und ohrwurmgespickten Kammerpop des französischen Trios Revolver habe ich nämlich schon desöfteren geschwärmt. Und die Jungs, die gerade ihr erstes Album Music For A While herausgebracht haben, werden immer besser und besser. Fast schon schwindelerregend wie punktgenau ihre beatlesken Songs nun sitzen, ihre wunderbaren Chorstimmen harmonieren und das Cello mal klassisch, mal pschychedelisch gezupft durch die Lieder poltert.Und rockiger und tighter sind sie auch geworden.
Eigentlich wollte ich ja melancholische Balkanklänge von A Hawk And A Hacksaw live erleben, die im Jazzklub New Morning fiedelten, was das Zeug hielt, aber kurzfristig bekam ich dann die Meldung, daß Revolver gratis im kleinen Truskel spielen sollten. Und irgendwie habe ich das Gefühl, daß man die aufstrebenden Posterboys nicht mehr allzulange in kleinen Locations erleben wird. Deshalb entschied ich mich für Revolver und ich habe mein Kommen keineswegs bereut. Mit viel Charme, Witz und Spielfreude stürmten sie los und ließen keinerlei Leerlauf entstehen. Die nach wie vor schüchternen Jungs feuerten Hits wie aus einer Maschinenpistole ab. Stücke wie das ungemein beschwingte und mit Dingeldengel- Gitarren brillierende Get Around Town, oder das balladeske Leave Me Alone gehören zum besten, was in den letzten Jahren in Frankreich geschrieben wurde. Und bei Birds hat man fast das Gefühl Choräle zu hören, die so betörend schön sind, daß man am liebsten in der samtweichen Musik versinken möchte. Neben den Eigenkompositionen boten sie auch Coverversionen ihrer Lieblingskünstler. This Boy von den Beatles kennt allerdings nicht jeder, es ist ein eher unbekanntes Stück der Liverpooler, das die jungen Franzosen mit ihrem persönlichen French Touch versahen.
Größte Zugnummer von Revolver beliebt jedoch das phasenweise stark an Elliot Smith erinnernde Balulalow, das mit einem unwiderstehlichen Singalong endet, den das Publikum einstimmig mitsang. Der Sänger machte dabei eine Abstecher in die sehr junge und überwiegend weibliche Menge und unter den Leuten schienen sich die Jungs von Revolver eh wohlzufühlen, denn die letzten drei Titel performten sie auf der Sitzband gleich vor den Köpfen der begeisterten Fans.
Zum Abschluß gab es ein Cover von Crosby, Stills & Nash, dann noch einen ihrer ältesten Songs, der nicht auf dem Album drauf ist und eine Akustikversion von Get Around Town. Die Stimmung hätte nicht besser sein können und das laute Geschrei der hysterischen Girlies habe ich jetzt noch in den Ohren!
Stark!
Videos: Get Around Town in einer Privatwohnung gefilmt von Lecargo.org Wunderbar!Leave Me Alone in einer herrlichen Akustiksession. The Beatles are back!
Pour nos lecteurs français:
Ils sont jeunes, sacrément doués et ils ont des morceaux imparables. Je parle du groupe parisien Revolver qui vient d’accoucher de son premier album Music For A While, certes sous la haute influence des Beatles et d’Elliot Smith, mais tellement bon et accrocheur qu'on a directement l'impression de tenir un classique entre les mains. Devant un public en majorité féminin, ils ont prouvé qu’ils s’améliorent avec le temps et sont capables de défendre à merveille leurs très bons titres sur scène. C´était plein, c’était serré, mais Revolver ont montré leur énorme talent, leurs choeurs tellement beaux et leur jeu très harmonieux. Ils s’accordent parfaitement bien, ont une maturité incroyable et naviguent avec aisance entre de magnifiques ballades comme Leave Me Alone ou des tubes plus rapides et au rythme entêtant tel Get Around Town(ces guitares irrésistibles!). En plus ils font des reprises vraiment réussies comme This Boy de Beatles ou un morceau des Crosby Stills & Nash joué en rappel et en acoustique debout sur la banquette! Mais les titres qui marchent le mieux restent Balulalow avec un refrain qui a fait chanter tout le Truskel et Get Around Town qu'on a entendu deux fois ce soir, en rappel dans une version acoustique tout aussi réussie qu'en version rapide.
Un des meilleures jeunes groupes français en ce moment qui montre que l'Angleterre n’a qu’à bien se tenir !
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