Mittwoch, 3. April 2013

I Am Kloot, Paris, 23.03.13


Konzert:I Am Kloot (The Ralfe Band)
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 23.03.2013
Zuschauer: etwa 400
Konzertdauer: etwa 90 Minuten



Es gibt so ein par Indiebands, denen man schon lange den großen Durchbruch gönnt. Man sagt sich, die sind tausendmal geiler als Oasis und 1 Million mal besser als Coldplay, also warum verdienen die nicht die dicke Kohle? Etwa im Jahre 2006 dachte ich so zum Beispel von Elbow und auch von I Am Kloot. Ich fand die beiden Gruppen aus Manchester einfach total gut und wollte, daß die mal so richtig durchstarten.


Bei Elbow ist das tatsächlich passiert. Die sah ich im Sommer 2006 in der recht kleinen Maroquinerie (Kapazität 500 Plätze), in der Folge sind sie aber wirklich durch die Decke gegangen, vor allem in Großbritannien. Das Blöde an der Sache: inzwischen mag ich ihre Musik und ihr Gebaren nicht mehr. Damals war nur das Aussehen des Sängs Guy Garvey feist, nun ist es auch die Musik seiner Band geworden. Allein der kurze Auftritt bei den Olympischen Spielen in London war zum Gruseln.

Was Elbow mit I Am Kloot zu tun haben? Eine ganze Menge! Beide stammen aus der gleichen Stadt und beide sind sie seit 'ner Weile dicke Freunde. Also ich meine Guy is dick, John Brawell von I Am Kloot ist dünn. Aber sie arbeiten immer noch zusammen, Gurvey produzierte die letzten beiden Alben, das ist der springende Punkt. Und Guy weiß ja inzwischen, wie man Stadien füllt.

Amüsanterweise fand das I Am Kloot Konzert 2013 aber in der Maroquinerie statt. Genau in jenem Laden, in dem ich mir 2006 gewünscht hatte, daß Elbow mal groß würden und in glamouröseren Locations spielen könnten. Zumindest in Frankreich scheinen I Am Kloot also Indie zu bleiben, selbst wenn sie in England langsam aber kontinuierlich auch kommerziell erfolgreicher werden und sie mit EMI inzwischen auf einem Majorlabel veröffentlichen.


Aber letztlich waren dies alles nur Vorüberlegungen, denn der Gig von I Am Kloot war durchweg phantastisch, keine Spur anbiedernd und es gab auch keinerlei Hinweise dafür, daß die Band von John Bramwell nun dem Mainstream die Füße küssen würde. Zwar sind auf dem aktuellen Album ein paar Lieder etwas stärker orchestiert, aber von Bombast oder geschliffenen Kanten kann keine Rede sein. 

Die Stimme von Bramwell klang live in der Maroquinerie scharf und angriffslustig wie immer, die Band gebärdete sich angenehm bescheiden wie früher und der Sound war in vielen Phasen erstaunlich rockig, insofern schon ziemlich anders als auf Tonträger.


Brillante Songs gab es gleich reihenweise. Bullets vom neuen Album Let It All In beispielsweise. Bluesig-jazzig angehauchte Barmusik, die man sich bei gedimmten Rotlicht vorstellen könnte, zunächst langsam und sanft vor sich hinschlängelnd, dann gegen Ende hin saftig und sehr laut. "Should I tell you the tales of glory..." croonte Bramwell ganz formidabel.


Dann Masquerade, bester Britpop mit fabelhafter Melodie und guten Texten. Der Song klang jetzt schon wie ein Evergreen, wurde von John Bramwell perfekt gesungen. Mit seiner nasalen, leicht rauchigen und versoffenen Stimme gibt er jedem Song von I Am Kloot seine ganz besonder Würze, seine Unverkennbarkeit. Er kann mit ihr ganz unterschiedliche Stimmungen ausdrücken. Das Spektrum reicht von Melancholie bis hin zu Wut und Zorn. Zorn schien Bramwell vor allem gegenüber ein paar Leuten zu entwickeln, die in einer bestimmten Ecke der Maroquinerei schwätzten. Mitten in einem Song schrie er deshalb : "Shut up, shut up!", bevor er etwas später nachsetzte: "Hey you fuckers over there, you talking all the way through. I suppose your on the guest list? You didn't the 20 Euro (that's cheap!) pay right?




Aber das war nicht sonderlich aggressiv, sondern eher humorig gemeint. Ein böser Kerl ist John schließlich nicht, allerdings ein richtiger Streetfighter, einer der von dem man sagte, daß er eine Weile seines Lebens auf der Straße gelebt hat und Gitarre spielend mehr schlecht als recht seinen Unterhalt bestritten hat. Ein richtiger Haudegen also, der schon die üblen Seiten des Daseins kennengelernt hat und insofern gegen alles abgehärtet ist. Vielleicht schreibt er deshalb so schrecklich schöne Balladen wie Hey Little Bird oder The Same Deep Water As Me. Im Mittelteil trug er mit No Fear Of Falling und At The Sea gleich zwei Stücke solo vor, das war wundervoll.

Dann kam die insgesamt siebenköpfige Live Band (hoffe, ich habe richtig gezählt?!) zurück, in der auch auch ein Saxofonist und ein Akkordeonspieler ihren Platz hatten. Die Chemie schien zwischen den Bandmitgliedern (eigentlich sind sie ja ein Trio) zu stimmen, wenngleich Bramwell der unumstrittene Boss und Mittelpunkt war. Mit einem Fuß auf einen Becks Bier Kasten gestützt, sang er sich etwa 1 1/2 Stunden lang quer durch das Repertoire der Band und spielte mal neuere, mal ältere Songs. Zwar wurden die beiden letzten Alben Let I All In und Sky At Night am intensivsten beackert, aber auch alte Perlen von I AM Kloot und Natural History kamen zum Vortrage. Und die waren irgendwie nach wie vor am besten. An Kultsongs wie To You, Twist oder From Your Favourite Sky kam letztlich nichts ran, wenngleich Hold Back The Night, sicherlich der stärkste Song (gleich dahinter Some Better Day) des neuen Albums, auch ein Abräumer par excellence war. Langsam trippelte sich dieses Stück voran, wurde dann aber immer dichter und intensiver und dramatischer. Ein Song, der sich auch glänzend als Titeltrack eines James Bond Streifens machen könnte.

Nach 90 Minuten war jedenfalls ganz klar: I Am Kloot gehören in die Champions- League des Britpop, ganz egal was Verkaufszahlen sagen! Aber auch in dieser Hinsicht geht es immer weiter nach oben. Let In All In erreichte immerhin Platz 10 und somit die bisher höchste Chartplatzierung überhaupt.

Setlist I Am Kloot, La Maroquinerie, Paris

01: These Days Are
02: Northern Sky
03: Bullets
04: Shoeless
05: Masquerade
06: Hey Little Bird
07: Let Them All In
08: The SameDeep Water As Me
09: Hold Back The Night
10: No Fear Of Falling
11: At The Se
12: I Still Do
13: Fingerprints
14: To The Brink
15: Some Better Day
16: Lately
17: Radiation
18: Proof

19: Twist
20: From Your Favourite Sky
21: To You



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