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Sonntag, 5. November 2017

Wolf Alice, Köln, 02.11.17

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Konzert: Wolf Alice
Ort: Luxor, Köln
Datum: 02.11.2017
Dauer: Wolf Alice 75 min, The Magic Gang gut 25 min
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft




Ich glaube, man nennt den Stil von Wolf Alice Nu Grunge. Aber was weiß ich schon, ich mochte den alten schon nicht.* Eigentlich würde ich also alles meiden, was ein Etikett mit "Grunge" dran trägt. Dummerweise hatte ich Wolf Alice aber ganz unvorbereitet und daher unvoreingenommen beim End Of The Road Festival kennengelernt und mich spontan in Lieder wie den verloreren Elastica-Song Blush verliebt.


Irgendwann erschienen danach die ersten EPs, die in den Jahren danach Wahnwitzig wertvoll wurden. Um Wolf Alice entstand ein enormer Hype, vor allem in Großbritannien. In Deutschland wurde die Band vor allem durch die Riesenhallen-Tour als alt-J-Support bekannt. 2015 erschien die erste Platte My love is cool, vor anderthalb Monaten Nummer zwei Visions of a life, beide erreichten Platz zwei der britischen Charts. Der allgemeinen Charts, nicht der Indie-Hitparade. Ich höre die Platten nicht schrecklich oft, obwohl sie sehr gut sind, für mich sind Wolf Alice eine Live-Band. Gut, das sind die meisten, bei der Gruppe aus London gilt das aber besonders.


Als ich im Luxor ankam, liefen die Ramones (diese Band von den H&M-Shirts). Pünklich um acht stoppte die Kassette und The Magic Gang kamen auf die Bühne. Wenn ich nach dem Äußeren gegangen wäre und vom T-Shirt des Sängers auf den Musikstil geschlossen hätte, hätte ich richtig gelegen. Die mir unbekannte vierköpfige Gruppe aus Brighton machte ringelshirtartigen Indiepop, das erinnerte mal an Teenage Fanclub und war hörenswert und kurzweilig.

Setlist The Magic Gang, Luxor, Köln:

01: Lady, please
02: All this way
03: Only waiting
04: No one else
05: New banger (?)
06: Your love
07: Alright
08: How can I compete
09: All that I want is you


Was mich bei Wolf Alice erwarten würde, wusste ich. Zwar war es in den letzten Jahren nicht immer einfach, die Briten zu sehen, mal fielen Konzerte aus, weil Wolf Alice für Preise nominiert waren (gewonnen haben sie u.a. zwei NME-Awards, nominiert waren sie auch für den Mercury Prize), mal musste ich dafür wie erwähnt zu alt-J gehen.

Wolf Alice sind Frontfrau (und Gitarristin) Ellie Rowsell, Gitarrist Joff Oddie, Bassist Theo Ellis und Schlagzeuger Joel Amey. Ellie singt in zwei Mikros, eines verzerrt, eines normal. Das sieht immer ein wenig nach einer Pressekonferenz aus. Ellie und Bassist Theo wechseln ihr Aussehen von Konzert zu Konzert, das ich sehe. Ellie sah diesmal aus wie Eleven in der zweiten Hälfte von Stranger Things 2, Theo hatte mal wieder Haare und blieb das ganze Konzert lang weitestgehend angezogen. Die beiden Männer rechts und links der Sängerin bewegen sich während eines Auftritts irre viel und schwitzen ganz ordentlich. Ob das der Grund war, warum der Roadie unmittelbar vor Konzertbeginn noch mit Frischhaltefolie am Pedalbrett von Joff arbeitete, weiß ich nicht. Mir fiel aber keine andere Erklärung als Schweißschutz ein.

Es ist eine eiserne Regel, daß man Konzerte mit dem ersten Lied der aktuellen Platte beginnt, fast jede Band macht das so, wenn ein Album betourt wird. Wolf Alice sind da keine Ausnahme, Heavenward war das erste Stück des Abends, gefolgt vom Lied zwei von Visions of life, dem wuchtigen Yuk fu. Sie spielten am Anfang ohne Pausen. Zwischen Yuk fu und dem tollen You're a germ (erste Platte) blieb gerade mal Zeit für einen "I love you Theo" Zuruf. Wolf Alice haben mittlerweile so viel Material, daß sie wohl möglichst viel davon unterbringen wollten.** Apropos soviel Material und Theo...: der Bassist wechselte regelmäßig sein Instrument. Mindestens drei Bässe hatte er im Einsatz. Ich höre zwischen Bässen keinen Unterschied, es ist aber sicherlich musikalisch sinnvoll und keine Poserei. Mich erstaunte aber, daß teilweise von Lied zu Lied der Bass gewechselt wurde, das spricht für mich für sehr prefessionelles Herangehen an den Job.


Das Repertoire von Wolf Alice ist ein wenig speziell. Das stilistische Spektrum der Band ist riesig, man kann ihr wirklich nicht vorwerfen, nur Variationen des immer gleichen Lieds zu schreiben. Weil die Spanne so groß ist, vom Popsong zu ziemlich harten Rock- oder Grungeliedern, sind eben trotz der vielen großen Hits auch immer mal wieder Songs dabei, die mich nicht umhauen. Bei Konzerten ist das aber gar nicht dramatisch, weil die Bandlive fantastisch ist und sich das aufs Publikum überträgt (wäre das männlicher und daher rowdyhafter gewesen, wären wir mit blauen Flecken rausgegangen). 

Neben den offensichtlichen Hits wie Blush, Fluffy, Moaning Lisa smile und Bros gefiel mir Silk besonders gut, das hatte ich bisher gar nicht wirklich beachtet. Visions of a life, der Titelsong vom neuen Album, löste bei mir ZZ Top-Assoziationen aus, diese Gitarren... puh!

Auch wenn ich nicht jedes Lied gleich liebe, war das Konzert sehr gut. Mit Wolf Alice-Konzerten kann man nichts falsch machen, dafür würde ich sogar noch mal zu alt-J gehen.  

Setlist Wolf Alice, Luxor, Köln:

01: Heavenward
02: Yuk foo
03: You're a germ
04: Your loves whore
05: St. Purple & Green
06: Don't delete the kisses
07: Formidable cool
08: Silk
09: Lisbon
10: Planet hunter
11: Beautifully unconventional
12: Moaning Lisa smile
13: Sadboy
14: Space & time
15: Bros
16: Visions of a life
17: Fluffy

18: Blush (Z)
19: Giant peach (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Wolf Alice, Frankfurt, 03.09.16
- Wolf Alice, Köln, 12.02.16
- Wolf Alice, Offenbach, 07.02.15
- Wolf Alice, Larmer Tree Gardens, 30.08.13 


* und ich hatte da wirklich gute Gründe! Grunge haben Bands wie Galaxie 500 getötet, weil plötzlich alles so klingen sollte wie Nirvana.
** auf beiden Platten sind zwölf Lieder, meine iTunes-Sammlung umfasst 36 Stücke





Freitag, 26. Mai 2017

Royal Blood, Köln, 23.03.2017

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Konzert: Royal Blood
Ort: Luxor (Clubtour)
Datum: 23.05.2017
Dauer: 65min
Zuschauer: 300 (ausverkauft)




Es hat funktioniert. Clubshows von größeren Bands sind ja in den allermeisten Fällen ein fester Treffpunkt dubioser Tickethändler. Beim Kölner Konzert im winzigen "Luxor", der mit Abstand kleinsten Location auf der auch sonst schon kleinen Clubtour der Band, sieht man keinen einzigen dieser unlauteren Gestalten.

Die Tickets wurden vorab (bei Bestellung des neuen Albums gab es einen Ticketlink) über die Webseite der Band angeboten. Und obwohl auch noch einige Karten ca. 1 Minute lang in den freien Verkauf gelangten, blieben sowohl das Bieten auf ebay als auch der Handel vor der Tür fast gänzlich aus. 



Gut für die Fans, die Stimmung vor dem Club in der untergehenden Sonne war prächtig. Ein Konzert in Köln ohne ein frisches Lahmacun auf der Hand und ein Dosenbier vom Kiosk ist sowieso undenkbar. Daher wurde die Vorgruppe völlig unprofessionell geschludert, obwohl es sich dabei mit "Tigerclub" um eine nicht ganz unbekannte Indierockband handelte, die bereits beim Rolling-Stone-Weekender und anderen Events von sich reden machte. 

Zurück im Club wurde dann schnell klar, dass dies kein gewöhnliches Konzert werden konnte. Schon der Sattelschlepper vor der Tür zeigte, diese Karawane zieht ab Juni nur noch von Festival zu Festival. Ein riesiger Gitarren-Flightcase am linken Rand, dazu das bombastische Schlagzeug und "Spinal Tap"-artige Gitarrenverstärker füllten die komplette Bühne.

Dann springen Mike Kerr und Ben Thatcher unvermittelt auf die Bühne und verwandeln das Luxor für die nächste Stunde in einen tosenden Rock-Club. Dabei wird nochmal besonders deutlich, wo die Stärken des ehrwürdigen "Luxor" liegen. Der heutige, auf Lautstärke 11 perfekt abgemischte Stadionsound der beiden füllt den Raum und nimmt die Energie der Tanzenden perfekt auf, um die Band in Spiellaune zu halten. 

Leise Töne sind im Luxor verschenkt. Wird es auch nur eine Minute langweilig, ärgert man sich über die schlechte Sicht oder die dämlichen Getränkemarken. All das ist heute zweitrangig.

Das Schlagzeug dröhnt, die Gitarre heult, es macht einfach Spaß dieser komplett auf Energie ausgerichteten Musik seine blaue Stunde zu schenken. Geboten der erwartete Mix aus den bekannten Knallern des Debütalbums und einigen neuen Stücken.



Ein Cover wäre  noch schon gewesen, das Stagediving wird wegen der geringen Deckenhöhe abgebrochen, alles egal. Diese Art von Rockmusik ist zur Zeit ja eigentlich total verpönt, aber die Nachfrage spricht eine andere Sprache.

Fast sieht es so aus, als wäre die Band mit dem hübschen Sänger und dem drolligen Drummer von der "Live-Nation"-Agentur extra für die Festival-Saison zusammengestellt worden, aber die Freude der beiden scheint wirklich nicht einen Hauch von gespielt zu sein.

Musikalisch vielleicht morgen schon wieder vergessen, sollte man sich trotzdem immer einen Abend für Royal Blood freihalten.



Setlist:
Where are you now ?
Lights Out
Come on over
I Only lie when i love you
Little Monster
Hook Line and Sinker
Blood Hands
How did we get so dark
Figure it out
Better strangers
Loose change
Z:
Ten Tonne Skeleton
Out of the black 

Fotos: Michael Graef und Dirk Langen


Montag, 5. Dezember 2016

Ash, Köln, 04.12.16

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Konzert: Ash (20 Jahre 1977)
Ort: Luxor, Köln
Datum: [hier]
Dauer: Ash 105 min, Minor Cabinet knapp 30 min
Zuschauer: wohl so gut wie ausverkauft



Es gibt kaum etwas, das ich mehr hasse als posende Musiker. Ein Bein auf der Monitorbox, das Instrument in die Höhe, all diese Mucker-Folklore, schrecklich! Na gut, es gibt schon Sachen, die ich noch mehr hasse. Diese Echo-Spielchen. Band: "hejo" - Publikum: "hejo" - Band: "hehejo" - Publikum: "hehejo". Das ist in Bierzelten ok (weil ich nicht da sein muß), aber natürlich nicht in Konzertsälen. Das Publikum zum Mitklatschen animieren: scheußlich! Noch schlimmer als diese Fiesigkeiten sind rockige Gitarrensoli, dagegen klingen selbst Saxofone sexy. Am widerlichsten sind Soli auf diesen V-förmigen ZZ-Top-Gitarren! Musik aus der Hölle!

Bei Ash gibt's das alles.


Und trotzdem liebe ich die nordirische Band auch live. Und ich liebe sie so sehr, daß ich schweren Herzens auf Locas In Love verzichtete, die zeitgleich ihre Wintergala in Köln spielten. Ash sind seltener. 


Im Gegensatz zum Vorabend, dem ersten Europa-Konzert der 1977-Tour in Hasselt, war das Interesse riesig, das Luxor war früh voll (die Krefeder Vorgruppe Minor Cabinet begann schon um 20 Uhr). Obwohl das letzte eigene Konzert von Ash in Köln lange her sein muß (ich erinnere mich an keines in den letzten Jahren), ist das Interesse an der Band riesig. Mich überraschte vor allem der große Anteil jüngerer Leute. Wenn Gruppen das 20. Jubiläum einer Platte feiern, sind Zuschauer unter 30 ungewöhnlich, vor allem wenn die dann jedes Lied mitsingen.

Der erste Teil des Konzerts bestand wieder aus den zwölf Titeln des Ash-Debütalbums. Weil sie das in der chronologischen Reihenfolge spielen, kommen die ersten großen Hits früh, die nächsten in der Mitte. Dazwischen sind die schwächeren Stücke der Platte (I'd give you anything, bei dem es gestern ein ewig langes Gitarrensolo gab (s.o,) und Gone the dream). 1977 wurde aber durchgängig gefeiert und mitgesungen, egal ob Oh yeah, Goldfinger, Kung Fu und Girl from Mars oder eben Darkside lightside, Let it flow

Nach 55 Minuten war 1977 gespielt. Es hatte schon da sicher niemand bereut, seinen Abend im Luxor zu verbringen. "Instead of watching Tätort" (Tim Wheeler).

Nach 1977 kam der Nachschlag in Form von sieben weiteren Lieder der Phase vor uns nach der Platte. Die drei ersten Singles Jack names the planets, Uncle Pat und Petrol (diesmal nicht chronologisch), die beiden B-Seiten Cantina Band und Does your mother know (das ABBA-Cover von Oh yeah) und eine der zahlreichen B-Seiten von Goldfinger, die ich aber nicht erkannt habe. Das Lied nach Does your mother know war weder Sneaker noch I need somebody noch Get ready. Hmmm, aber da der Sänger der Band sein Werk besser kennt als ich, war es wohl doch eines der drei. 


Bis dahin gab es die ersten Crowdsurfer und eine gleichbleibend gute Stimmung. "Wie oft waren wir jetzt in Köln? Zehnmal? Fünfzehnmal? War jemand bei allen Konzerten? Ja, wir drei." Und zum Bassisten: "Thanks for coming, Mark!"

Der nächste Riesenhit, die Single nach 1977 (aus dem gleichnamigen Film mit Cameron Diaz und Ewan McGregor, den ich viel zu lange nicht gesehen habe) A life less ordinary, beendete den regulären Teil des Abends. 


Mit den Zugaben wurde es dann neuer. Erst das tolle Orpheus, dann Machinery und Let's ride von der letzten Platte, bevor das wunderschöne Shining light das Konzert beendete. Das dachte ich zumindest, denn besser konnte es ja nicht mehr werden, außerdem hatten Ash spätestens da alle Hits gespielt. Ich hatte aber Burn baby burn vergessen, das dann wirklich den Deckel drauf setzte.


Setlist Ash, Luxor, Köln:

1977:
01: Lose control

02: Goldfinger
03: Girl from Mars
04: I'd give you anything
05: Gone the dream
06: Kung Fu
07: Oh yeah
08: Let it flow
09: Innocent smile
10: Angel interceptor
11: Lost in you
12: Darkside lightside

13: Uncle Pat
14: Petrol
15: Cantina band (John Williams Cover)
16: Jack names the planets
17: Does your mother know (ABBA Cover)
18: ?
19: Life less ordinary

20: Orpheus (Z)
21: Machinery (Z)

22: Let's ride (Z)
23: Shining light (Z)
24: Burn baby burn (Z)

Tour:

05.12.: Knust, Hamburg
06.12.: Lido, Berlin

Links:

- aus unserem Archiv:
- Ash, Hasselt, 03.12.16

- Ash, Köln, 17.11.15
- Ash, Köln, 19.09.07
- Ash, Hohenfelden, 19.08.07
- Ash, Wiesbaden, 04.05.07
- Ash, Köln, 03.05.07



Montag, 7. März 2016

Savages, Köln, 03.03.16

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Konzert: Savages
Ort: Luxor, Köln
Datum: 03.03.2016
Dauer: Savages 80 min, Bo Ningen gut 30 min
Zuschauer: 500 (ausverkauft)



Mein erstes Savages-Konzert 2013 in Frankfurt hatte mich auf dem falschen Fuß erwischt. Ich war nicht sicher, ob mir die Musik der englischen Band mit der französischen Sängerin nicht zu hart sein würde. Ich ging aber trotzdem hin, denn - wie die Titanic mal festgestellt hat - nur wer ein Abo hat, kann auch damit drohen, es zu kündigen. 

Es gab hinterher keinen Grund zum Lästern. Auch nach keinem meiner folgenden Savages-Konzerte. Live ist die Band ein Ereignis und soviel besser als fast alle anderen! 


Mein letzter Livekontakt zu den Londonerinnen war eines der spektakulärsten Konzerte der vergangenen Jahre. Gemeinsam mit der japanischen Indiemetal-Band Bo Ningen führten Savages ein dadaistisches Musikstück (Words to the blind) auf. Dabei standen Savages auf einem Steg links im Saal, Bo Ningen rechts, Musiker hinter Musiker. Das Stück begann mit parallel vorgetragenen Texten der beiden Sänger in ihren Landessprachen, durch die Gleichzeitigkeit vollkommen unverständlich, und führte über schrecklich wenig harmonische Phasen, in denen die beiden Bands eher gegen- als miteinander spielten zu einem etwas homogeneren Ende. Der Nachmittag in Utrecht war ein einmaliges Erlebnis. Da Words to the blind für mich auf Platte unhörbar ist, war ich trotz des Erlebnisses froh, Savages wieder einzeln zu sehen. Wobei Bo Ningen auch wieder dabei waren, diesmal aber als Support.

Das Luxor war erstaunlicherweise erst ein, zwei Tage vor dem Konzert ausverkauft. Wie großartig Savages sind, hätte man doch nachlesen können! Außerdem schwärmte wirklich jeder vom Haldern-Auftritt der vier Londonerinnen. 

Bevor Bo Ningen auf die Bühne kamen, hatte ich meinen Konzertfreunden großkotzig erklärt, daß mir der Heavysound der japanischen Band eigentlich viel zu hart sei und ich froh über meine Ohrstöpsel sei. Ich merkte die mitleidigen Blicke, als Bo Ningen um acht mit einer ganz ruhigen, ziemlich leisen Nummer begannen, die von Metal so weit entfernt war wie Hannover 96 von der Champions League. So wird das nie was mit der Einladung in die Chartshow.

Glücklicherweise drehte die in London lebende Band danach richtig auf. Die Haare der vier Musiker flogen, ab und zu gab es einen Ausdruckstanz des Sängers, während der ganz in rot gekleidete Gitarrist sein Instrument wie Windmühlenflügel kreisen ließ. Da war es mir endlich zu hart und metalig. Aber die halbe Stunde mit Bo Ningen war erstaunlicherweise trotzdem hoch unterhaltsam und für Leute mit mehr Rockhintergrund sicher musikalisch vorzüglich!



Die 80 Minuten Savages im Anschluß als kurzweilig zu bezeichnen, würde der Sache nicht gerecht werden. Ich hätte alleine Bassistin Ayse drei Stunden lang zugucken können. Und ich kann mir nicht vorstellen, schon jemand Cooleres am Bass gesehen zu haben. Auch die anderen beiden, die auf den ersten Blick im Schatten von Sängerin Jehnny Beth stehen, Gitarristin Gemma Thompson und Schlagzeugerin Fay Milton, sind irre tolle Musiker. Fays Schlagzeugspiel gar nicht spektakulär aus, weil sie sich nicht wie eines dieser Drummer-Tiere bewegt. Sie spielt aber so energisch und präzise, daß es eine große Freude ist, ihr zuzusehen. Savages sind einer dieser Bands, denen es sehr weh tun würde, einzelne Mitglieder ersetzen zu müssen, zu gut sind die überall besetzt. Aber das fällt eben nicht unbedingt auf, weil die Frontfrau so schillernd ist.


Jehnny machte Ausflüge ins Publikum, ließ sich durch den Saal tragen, zog früh ihre Jacke auf, unter der sie sehr luftig gekleidet war. Getragen wurden diese Freiheiten von den perfekten Begleiterinnen. Es gab einen Fotograben im Luxor, den gibt es nicht oft. Aber Fotografen hatten keinen Zugang, er war einzig für Jehnnys Ausflüge gedacht.


Musikalisch war der Auftritt weniger das Abspielen von 15, 20 Liedern als ein einiges langes Stück. Es gab zwar meist Pausen zwischen den Songs, einmal auch länger, als Jehnny eine Weile im Backstagebereich verschwand, und es gab auch ruhigere Lieder (Slowing down the world - "a slow sexy one"), trotzdem wirkte es wie ein langes Stück. Sad person am Anfang und 80 min später Fuckers.


Savages spielten das ganze neue Album Adore life und dazu ein paar Knüller von der ersten Platte und wie immer zum Abschluß Fuckers. "Don't let the fuckers get you down." Das und Adore davor ließen auch keinen Platz für Zugaben. Warum auch? Es war alles gesagt. Viele bessere Konzerte werde ich dieses Jahr nicht mehr sehen.

Setlist Savages, Luxor, Köln:

01: Sad person
02: City's full
03: Slowing down the world
04: Shut up
05: She will
06: Husbands
07: Surrender
08: Evil
09: When in love
10: I need something new
11: The answer
12: Hit me
13: No face
14: T.I.W.Y.G.
15: Mechanics
16: Adore
17: Fuckers

Links:

- aus unserem Archiv:
- Savages, Haldern, 14.08.15
- Savages (& Bo Ningen), Utrecht, 22.11.14
- Savages, Köln, 20.11.13
- Savages, Den Haag, 16.11.13
- Savages, Larmer Tree Gardens, 30.08.13
- Savages, Frankfurt, 19.05.13
- Savages, Paris, 23.02.13




Mittwoch, 18. November 2015

Ash, Köln, 17.11.15

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Konzert: Ash (vs. We Are Scientists)
Ort: Luxor, Köln
Datum: 17.11.2015
Dauer: knapp 60 min
Zuschauer: 400 vielleicht (ziemlich voll)



2001 bin ich einer Freundin zuliebe, aber natürlich auch wegen der Vorgruppe, zu einem ähmmm Robbie Williams Konzert ins Müngersdorfer Stadion gegangen. New Order waren als Support für den Ex-Boyband-Tänzer angekündigt worden - es wurde mein bisher bitterstes Konzerterlebnis. Das Publikum bestand mehrheitlich aus sektschwangeren RTL-Mitarbeiterinnen, die natürlich noch nie von New Order gehört hatten. "Perlen vor die Säue geworfen" ist eine sehr euphemistische Beschreibung des Auftritts. Bernard Sumners Laune sank von Ansage zu Ansage. "Das nächste Lied werdet ihr auch wieder nicht kennen. Es war ein Hit in Europa. Blue Monday." Bitter! Wenn "fremdschämen" nicht 

Immerhin hatte der Tag etwas Gutes. Ich stand auf dem Rasen, auf dem Toni Schumacher, Dieter Müller, Heinz Flohe, Poldi, Pierre Littbarski und Thomas Häßler geglänzt haben. Und die andere Vorgruppe, die ich nicht erwartet hatte. "We are Ash" [nicht Äsh] sagte Sänger Tim Wheeler irgendwann mitten im Konzert, nachdem sie bereits Hits wie Goldfinger, Burn baby burn und A life less ordinary gespielt hatten und bei meiner Begleitung und mir Glückseligkeit erzeugt hatten. Die großartigen Ash als Überraschung serviert zu bekommen! Wow!


Meine nächsten Ash-Konzerte kamen erst 2007, danach wurde es wieder still um die Band mit den riesengroßen Rocksongs und der noch viel größeren Platte 1977.

Um neun Uhr wurde es laut, von Band ertönte ein (glücklicherweise sofort als harmlos zu identifizierender) Knall und Ash kamen auf die Bühne und begannen mit dem schönen Instrumental-Stück Evel Knievel. Seit dem Ausstieg von Charlotte sind Ash wieder die drei ursprünglichen Musiker, Sänger Tim Wheeler, Bassist Mark Hamilton und Schlagzeuger Rick McMurray. Vermutlich ist auch die Rollenverteilung seit Bandgründung gleichgeblieben. Tim läuft und hüpft während der Stücke über die Bühne (ist dabei ein wenig ruhiger geworden), während Bassist Mark die 20 ekligsten Rockstargesten nachstellt. Das Posen des langhaarigen Bassspielers und die fiesen Animationen (etwas vorsingen und das Publikum singt nach, die Mitklatschdinge) sind eigentlich nicht tolerierbar. Bei Ash stören sie mich aber nicht, warum auch immer. Auch die vielen schiefen Töne vor allem am Anfang machten nichts. Bei A life less ordinary singen Tim und Rick. Beide trafen nicht alle Töne, gemeinsam klang es manchmal wie Kassetten, die damals zu lange im warmen Auto lagen. Aber mein Gott, wer Lieder wie Goldfinger oder Kung Fu geschrieben hat, kann sie ruhig ein wenig schief singen.


Mit Kung Fu wurde das Konzert toll. Nach dem Lied von 1977 kamen nur noch Hits. Let's ride von der aktuellen Platte Kablammo! funktioniert live ausgezeichnet, Evil eye, Oh yeah, Orpheus, Shining light, das Lufthol-Stück Machinery und danach Girl from Mars. Das war schon enorm stark!

Um uns rum standen textsichere Briten und textsichere Deutsche, die eine Stimmung erzeugten, die verdeutlichten, daß nicht nur wir vor allem (oder nur) wegen der Vorgruppe gekommen waren!

Setlist Ash, Luxor, Köln:

01: Evel Knievel
02: Cocoon
03: A life less ordinary
04: Go! Fight! Win!
05: Goldfinger
06: Free
07: Kung Fu
08: Let's ride
09: Evil eye
10: Oh yeah
11: Orpheus
12: Shining light
13: Machinery
14: Girl from Mars

Links:

- aus unserem Archiv:
- Ash, Köln, 19.09.07
- Ash, Hohenfelden, 19.08.07
- Ash, Wiesbaden, 04.05.07
- Ash, Köln, 03.05.07

- We Are Scientists, Oxford, 06.03.14
- We Are Scientists, Highfield, 15.08.08
- We Are Scientists, Luxemburg, 21.06.08
- We Are Scientists, Paris, 16.11.06
- We Are Scientists, Köln, 14.11.06


(zu wenig Photos... das Luxor erlaubt hat seine Kamera-Toleranz verschärft - bestimmt aus Sicherheitsgründen. Mir wurden "zwei oder drei" Bilder zugestanden, beim nächsten Mal dürfe ich aber diese Kamera (mit festem Objektiv und alles andere als professionell) nicht mehr mitnehmen. Kölns härteste Tür, die ich aber künftig nicht mehr so oft von innen sehen werde)


Dienstag, 3. November 2015

Best Coast, Köln, 02.11.15

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Konzert: Best Coast
Ort: Luxor, Köln
Datum: 02.11.2015
Dauer: Best Coast 70 min, PINS 30 min
Zuschauer: vielleicht 200 (nicht ausverkauft) 



Die meisten der obskuren kleinen Bands, über die ich schreibe, sind nur in unserem kleinen Indie-Reservat überhaupt bekannt. Die durchschnittliche Zuschauerzahl meiner Konzerte eines Jahres wird irgendwo zwischen 200 bis 400 liegen. In Deutschland sind die meisten dieser Bands kleiner als in ihrer Heimat (mit Ausnahme von Adam Green und solchen Phänomenen wie Katzenjammer - vermutlich) aber es bewegt sich alles in den gleichen Sphären. Best Coast - das wurde mir erst in den vergangenen Tagen klar - sind da eine große Ausnahme. In seiner Heimat wird das kalifornische Duo als Pop-Band, die durchaus im Mainstream stattfindet, wahrgenommen. Best Coast Stücke laufen im Radio - und zwar in dem, in dem auch Madonna oder Taylor Swift laufen. Vor gut zwei Wochen erst hatte die Band alt-j in der ausverkauften Hollywood Bowl supportet. Vor 17.000 Zuschauern.*


Bei uns ist Best Coast in meiner Wahrnehmung eine der vielen kleinen, sehr liebenswerten Indiebands, die in viel zu kleinen Clubs spielt. Oder genauer: die gar nicht erst nach Deutschland kommt, weil der Aufwand für die paar Zuschauer einfach zu groß ist. Zuletzt hatten Bethany und Bobb nur in Berlin gespielt. Ihr einziges Köln-Konzert bisher fand 2010 im mtc statt. Warum ich das verpasst habe (zumal die wundervollen Sky Larkin Support waren), kann ich mir nicht mehr erklären. Eines meiner beiden Best Coast Konzerte bisher fand aber ein paar Tage später beim ATP von Belle & Sebastian (Bowlie 2) statt, für eine weitere Gelegenheit, das ungleiche kalifornische  Duo zu sehen, mussten wir nach Brüssel fahren.

Ich war also sehr euphorisch, Best Coast endlich in Köln zu sehen. Als der Support bekanntgegeben wurde, stieg meine Vorfreude noch weiter. PINS aus Manchester sind eine der tollsten Bands, die ich im vergangenen Jahr kennengelernt habe. Aus Verlegenheit hatte ich die punkige Frauenband beim Best Kept Secret Festival gesehen und war angetan. Als Vorgruppe von Sleater-Kinney überzeugten mich PINS mit vielen neuen Songs und einer deutlich krachigeren Ausrichtung endgültig. Da auch PINS so eine Band sind, die eigentlich groß sein müsste, die es aber vermutlich nicht wird, ist die Chance gering, die Britinnen regulär, also mit einer eigenen Show bei uns zu sehen (uns: außerhalb Berlins). Perfekt also, sie auf diesem Wege nach Köln zu schicken.


PINS begannen um Punkt acht. Wie zuletzt bei Sleater-Kinney besteht die Band mittlerweile aus fünf Musikerinnen, zwei Gitarristinnen, einer Bassistin (der ursprünglichen - bei der Sleater-Kinney Tour fiel sie wegen eines Unfalls aus, dafür sprang Becky von Fear Of Men ein), einer Keyboarderin und einer Schlagzeugerin. Auf Platte sind die Stücke der Gruppe vielleicht manchmal brav und popig, live sind es ausnahmslos Kracher! Die halbe Stunde, die PINS hatten, war atemberaubend gut, Oh Lord mit Abstand das beste Live-Lied seit Ewigkeiten! 

PINS wirken auf der Bühne ein wenig wie die Long Blondes. Irgendetwas (vermutlich die Sängerin) löst bei mir immer wieder diese Assoziationen aus. Sobald aber die Schlagzeugerin die Stücke anzählt, ist da nichts mehr von gekünsteltem Casting-Quatsch. Die Musikerinnen mögen sehr jung und sehr cool sein, sie sind aber vor allem sehr gut. Und sie haben verflucht gute Lieder.


Neben Oh Lord waren Dazed by you, Too little too late und Girls like us (mit souveränem und vollkommen unpeinlichen Cindy Lauper Ende) besonders brillant. Das kleine herrlich punkige Misfits-Cover Hybrid moments bildete einen treffenden Schlußpunkt. 

Setlist PINS, Luxor, Köln:

01: Get with me
02: Young girls
03: Oh Lord
04: Too little too late
05: Molly
06: Dazed by you
07: Waiting for the end
08: Girls like us
09: Hybrid moments (Misfits Cover) 

Auch Best Coast klingen live ganz anders als auf Aufnahmen. "Wir verstehen uns als Rockband" hatte mir Bethany Cosentino am Nachmittag bei einem kurzen Interview gesagt. Best Coast sind eigentlich nur Bethany und Gitarrist Bobb Bruno. Zu den Aufnahmen des im Mai erschienenen dritten Albums California nights stieß Schlagzeuger Brady Miller dazu. Live komplettieren ein Bassist und ein weiterer Gitarrist (Brett Mielke und Joe Bautista** von den tollen Whirr) die Band. Joe Bautista spielt zwar auch Keyboard, allerdings nur bei einem Lied. Bei neun der ersten zehn Stücke kamen also drei Gitarren zum Einsatz. Da von "Rockmusik" zu sprechen, ist also nicht weit hergeholt. Ich mag das dritte Album ohnehin sehr gerne, durch die gitarrigere Instrumentierung gewannen Stücke wie Heaven sent noch einmal kräftig dazu. Ausgerechnet das Shoegaze-Lied der Platte (der Titelsong) war mir aus Gitarrenperspektive etwas zu schwach auf der Brust, da spielte Joe Keyboard.

In der zweiten Konzerthälfte legte Bethany ihre Gitarre oft ab. Meist bei den schwächeren Stücken des Abends. Was nun Ursache und Wirkung ist, weiß ich nicht. I don't know how zum Beispiel oder Our deal gehörten zu den Liedern, die nicht gegen die Knüller wie When will I change, In my eyes (trotz fehlender Bethany Gitarre) oder Feeling ok ankamen. Da hatte das Konzert ein paar Längen. 

Leider standen wir auf der falschen Seite. Wir konnten nämlich Bobb leider zu schlecht beobachten. Der introvertiert wirkende Gitarrist ist, wenn ich das als Laie richtig beobachten kann, ein grandioser Musiker. Die beiden, Bethany und Bobb, sind nach eigenen Aussagen grundverschieden. Ihr Songwriting funktioniert so, daß Bethany Lieder schreibt, sie Bobb schickt und der sie überarbeitet. Eine Band aus der selben Stadt stellt man sich anders vor, ich wenigstens. Aber auch das Best Coast Modell scheint ausgezeichnet zu funktionieren. Auf der Bühne steht Bobb auch ganz am Rand. Erst als Bethany nach dem letzten Stück When will I change die Bühne verließ, stand der Gitarrist mehr im Mittelpunkt und ließ mit seinen Kollegen einen herrlichen Gitarrenkrach entstehen. Irgendwann gingen auch sie von der Bühne, der Krach blieb, bis Best Coast wieder zu den Zugaben zurückkamen. 



Nach dem wundervollen Boyfriend, der zweiten Zugabe, ging die Sängerin wieder als erste. Bobb und Joe blieben und machten Lärm, ganz herrlich! Ganz zu Schluß bastelte Bobb die Gitarre an die Decke. 



Trotz des Jammerns über ein paar Längen gefiel mir auch der Hauptteil des Abends sehr gut. Der Saal hatte sich nach der Vorgruppe auch noch recht gut gefüllt. Aber leider nicht gut genug, daß solche tollen Bands häufiger nach  Deutschland kommen. Das ist die doppelte Bestrafung für den kollektiven Musikgeschmack bei uns. Wir werden der miesen Musik im Radio ununterbrochen ausgesetzt und dürfen dann gute Musik auch seltener und seltener live sehen, weil zu wenige hingehen. 

Setlist Best Coast, Köln:

01: Heaven sent
02: The only place
03: Fine without you
04: Crazy for you
05: Goodbye
06: So unaware
07: California nights
08: When I'm with you
09: Do you love me like you used to?
10: Dreaming my life away
11: I don't know how
12: Fade away 
13: Fading fast
14: In my eyes
15: Feeling ok
16: Our deal
17: Jealousy
18: When will I change

19: Bratty B (Z)
20: Boyfriend (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Best Coast, Brüssel, 22.09.12
- Best Coast, Paris, 23.04.11
- PINS, Antwerpen, 21.03.15
- PINS, Hilvarenbeek, 21.06.14 





* warum auch immer alt-j die anlocken!  
** ich hoffe, das waren sie auch wirklich! 



Sonntag, 19. April 2015

The Districts, Köln, 11.04.15

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Konzert: The Districts
Ort: Luxor, Köln
Datum: 11.04.2015
Zuschauer: ca. 200




von Dirk aus Mönchengladbach

Eine Kundenrezension listet Amazon zum tollen Album der Districts, bei London Grammar sind es 171. Der Indie-Rock hat wahrlich schon bessere Zeiten erlebt und so ist das Luxor an diesem Samstag nicht einmal ausverkauft, als die mit guten Kritiken zurecht verwöhnten Districts ihr Konzert im Luxor beginnen. 

Dabei sind die Voraussetzungen mehr als günstig. The Districts bieten eine sehr eingängige Version aus Indie und Rock. Vieles klingt wie bei den frühen Kings of Leon. Die CD bietet mehr als einen respektablen Radiohit, ist gut produziert und auf einem renommierten Label (Fat Possum) erschienen. Es könnte also viel passieren. Die Booker der Festivals suchen dringend neue Rockbands für ihre jährlichen Großevents. Nur mit immer austauschbarerem Pop und teuren DJ`s werden die Wiesen auf Dauer nicht voll bleiben. 

Ob das für die Districts allerdings so kommen wird, bleibt nach dem Auftritt mehr als fraglich. Sänger Rob Grote ist nun mal nicht der smarte Coverboy wie Caleb Followill. Mit seinem Schlabber T-Shirt und verschwitzten, schwarzen lockigen Haaren sieht er eher aus wie ein Mitglied der Melvins. 

Auch der Rest der Band wirkt unauffällig - aber nur bis die Musik einsetzt. Sofort verwandelt sich der Vierer auf der Bühne zu einem rollenden und dampfenden Zug aus heißem Rock mit Bluesanleihen. Auf der Bühne wird wild eine Art Zombie Gitarrengang geboten, der Hit Chlorine folgt früh im Set und sorgt auch für erste Bewegung im Publikum. 

Die Ansagen sind leider nicht zu verstehen, sehr viel Hall liegt in der Stimme. Auch die Gitarrenarbeit ist aufwendig. Auf dem Boden des kleinen Clubs liegen riesige Bretter mit diversen Effektgeräten. Der Gitarrist wirkt außerhalb seiner Sprungeinlagen oft mehr wie ein Stepptänzer der sekündlich neue Sounds aus seinem Instrument zaubert. 


Dies bremst leider etwas die Spontanität. Probleme gibt es auch mit dem Bass, sodass der Set etwas umstellt werden muss. Wie so oft ist dann schon nach ca. 50 min Schluss. Als Zugabe gibt es dann wie erwartet das schon auf Platte 8:30 Minuten lange Young Blood, hier in einer besonders ausführlichen Version. 

Die Zuschauer, darunter auch viele Amerikaner sind begeistert. Trotzdem war es nicht die ganz große Nummer. Vielleicht klingt diese Musik wirklich besser auf Festivalwiesen unter warmem Mondschein als in einem klimatisierten Club. Oder wie letztes Jahr im Spiegelzelt beim Haldern Pop. 



Mittwoch, 21. Januar 2015

Stars, Köln, 20.01.15

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Konzert: Stars
Ort: Luxor, Köln
Datum: 20.01.2015
Dauer: gut 90 min
Zuschauer: ziemlich volles Luxor (aber nicht ausverkauft)

   

"Please spin the fucking disco balls!" - "All my fucking dreams would come true." Die Discokugel über der Tanzfläche des Luxor beschäftigte Torquil Campbell die ganze erste Konzerthälfte über. Irgendwann reichte es ihm, er schickte einen Roadie los, dem Mann am Mischpult den Auftrag zu geben, das Ding endlich anzuschalten. Als sie lief, stieg seine Laune noch einmal deutlich. 



Sie fühlten sich wohl in Köln. Warum, wisse er nicht. Am Nachmittag sei er in der "massive terrifying cathedral" gewesen und habe da einen betrunkenen Mann beobachtet, der laut geschimpft habe und vermutlich Unfreundliches über Jesus gesagt habe. Ein Priester im "roten Cape" habe ihn daraufhin aus dem Dom geschmissen. "Ihr Europäer seid toll!" Dabei ist der Sänger ja eigentlich auch einer von uns, er hat einen englischen Migrationshintergrund. Vielleicht lag die gute Laune der Band an der ausgezeichneten Stimmung des ersten deutschen Konzerts in Frankfurt am Vorabend und am voll aussehenden Luxor heute - und nicht an den Pilzen, von denen Torquil so oft sprach (nach deren Einnahme er im Bus Footloose auf Deutsch gesehen habe).

Für mich fing der Abend genau wie der Montag an. Ich stand im Stau und verpasste die Vorgruppe Children aus Berlin, die ich heute unbedingt sehen wollte. Eine knappe Stunde Stau vor und in Köln versaute mir das. Dabei war ich extra früh losgefahren. Da ich diesmal noch nicht mal ein ganzes Lied mitbekam, kann ich nur das SMS-Update in den Stau teilen: "Leider sind Children supertoll"



Die Stars begannen ihren Auftritt 80 min früher als am Vortag - vielleicht ist das der Frankfurter Versuch, Millionenstadt-Coolness herzustellen. Mir war (trotz des Stau-Vorgruppen-Desasters) sehr recht, daß die Hauptgruppe bereits um fünf nach neun auftrat.

Das Konzert war eine Kopie von dem in Frankfurt. Die Kanadier spielten die gleichen Stücke, auch die "Bühnenshow" des Sängers war gleich. Bei mehreren Liedern, vor allem bei We don't want your body, umarmte er seine Gesangspartnerin Amy Millan (mit Rosenkleid) von hinten. Das macht er also dabei wohl immer, er äfft also nicht die Pärchen nach, die den ganzen Abend so verbrachten.



Das zweite Live-Hören der neuen Stücke zeigte, welchen von denen live etwas taugen und welche langweilig sind. You keep coming up ist einer der Langweiler. Bei der nächsten Tour taucht das Lied sicher nicht mehr auf der Setlist auf. Dagegen sind Titel wie From the night, Trap door oder No one is lost (trotz der Hände-in-die-Höhe-Animation) viel besser, als ich das am Anfang gedacht hatte. Bei Lieblingsbands, die irgendwann vor Jahren einmal Meisterweke veröffentlicht haben, habe ich mir angewöhnt, glücklich zu sein, wenn auf jeder neuen Platten ein, zwei Lieder sind, die bleiben und über die ich mich auch in ein paar Jahren bei einem Konzert noch freuen werde. Belle & Sebastian sind so eine Band. Als ich deren neue Platte Ende letzte Woche erstmals gehört habe und gleich die ersten beiden Lieder großartig waren, konnte also nichts mehr schiefgehen (aber auch der überwiegende Rest ist wunderbar!).

Große Unterschiede gab es heute nicht. Mit Ausnahme der Tatsache, daß die wenigen langweiligen Stücke langweiliger und die guten besser als am Abend vorher wirkten. Irgendwann wusste ich mal, was für psychologische Mechanismen für so etwas sorgen, habe ich aber vergessen.



Mich erfreuen eh eher die kleinen Dinge, die man so beobachtet. Bei Elevator love letter hatte Torquil in Frankfurt noch seine Melodica vergeblich gesucht, der Roadie hatte vergessen, sie ihm hinzulegen. Im Luxor war sie da, er musste nicht improvisieren (so wie bei seinem selbstgebastelten Band-Shirt, das er offenbach mit Edding selbstgemacht hatte). 

Auch beim zweiten Mal waren trotz der erstaunlich guten neuen Sachen natürlich die alten Gassenhauer (wie Take me to the riot) die besten Stücke! 

Und es endete auch gleich. Take me to the riot, Your ex-lover is dead mit Mitsing-Aufgaben und die beiden neuen Are you ok? und No one is lost ("put your hands up 'cause everybody dies"), dazwischen der Dank an uns, ihnen dieses Leben zu erlauben. "You spend money for art. Do you know how rare that is now? You're so civilized! We are Stars and so are you!" Hatte dieser berühmte Autoaufkleber-Poet und Cree-Prophet das nicht auch schon mal umschrieben? Irgendwas mit "...daß man Kultiviertheit nicht streamen kann"?

Statt der einen Zugabe What is to be done? von Frankfurt kamen die Stars danach noch einmal zurück. "That sounded like genuine enthusiasm!" Sie beschlossen den Abend mit No better place vom aktuellen Album - auch einem erstaunlich schönen Lied live!" Nein, ich bin nicht nur der Sucht und der vierwöchigen Konzertpause wegen zweimal nacheinander zu den Stars gegangen. Ich war da, weil sie Spaß machen und immer noch gute Konzerte spielen. Also in zwei Jahren dann wieder!

Setlist Stars, Luxor, Köln:

01: From the night
02: Ageless beauty
03: We don't want your body
04: Turn it up
05: Backlines
06: You keep coming up
07: A song is a weapon
08: This is the last time
09: Hold on when you get love and let go when you give it
10: Look away
11: Dead hearts
12: Trap door
13: One more night
14: Elevator love letter
15: Take me to the riot
16: Your ex-lover is dead
17: Are you ok?
18: No one is lost

19: What is to be done? (Z)

20: No better place (Z)


Tourdaten Stars:

21.01. Knust, Hamburg (Support: Children) 
22.01. Bi Nuu, Berlin (Support: Children) 
23.01. Strom, München (Support: Children)

Links:

aus unserem Archiv:
- Stars, Frankurt. 19.01.15
- Stars, Köln, 17.12.12
- Stars, Frankfurt, 12.12.12
- Stars, Indianapolis, 04.10.12
- Stars, New York, 24.09.10
- Stars, Köln, 09.09.10
- Stars, Köln, 11.02.08
- Stars, Köln, 27.09.07
- Stars, Berlin, 20.09.07






Donnerstag, 26. Juni 2014

Fear Of Men, Köln, 25.06.14

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Konzert: Fear Of Men (als Support der Pains Of Being Pure At Heart)
Ort: Luxor, Köln
Datum: 25.06.2014
Dauer: 35 min
Zuschauer: vielleicht 250




Daß ich mich spontan so sehr in die Musik einer Band verliebt habe, ist mir lange nicht mehr passiert. Beim wundervollen Indietracks-Festival in Ripley (Mittelengland) im vergangenen Sommer hatte ich nachmittags nur eine Pause auf der Wiese vor der kleinen Hauptbühne machen wollen, als Fear Of Men dort ihr Konzert begannen. Die Kombination aus wunderschönen Melodien und düsteren Texten faszinierte mich auf Anhieb so sehr, daß ich alle anderen Pläne strich und Fear Of Men begeistert zusah. Damals gab es nur ein paar Singles und eine EP - die Sammlung von Demos und den Singles, das alles war aber bereits so vorzüglich, daß mir eine richtige Platte gar nicht unbedingt fehlte. Das Debüt Loom erschien dann im Frühjahr und übertraf meine Erwartungen noch einmal. Der Beginn mit dem Doppel Alta und Waterfall und der frühen Single Green sea ist der beste Start in eine Platte seit The Organs Grab that gun. Viele der Songs von Loom sind entstanden, als Fear Of Men bereits im Studio gearbeitet haben, verriet mir die Band vor dem Konzert bei einem Interview. Im Hinblick auf ein zweites Album beruhigt mich so etwas immer sehr. Viele neue Bands veröffentlichen auf ihrem Debüt ja Songs, die viele Jahre gereift sind, um dann unter Zeitdruck Stücke für den Nachfolger schreiben zu müssen, das geht dann schon mal in die Hose. Daß viele der Loom-Titel auch für die Künstler so frisch sind, verspricht mir, daß ich noch sehr viel Freude an dieser Band haben werde.

Fear Of Men begleiten seit einer Weile die Pains Of Being Pure At Heart als Supportband. Nach Bandumbauten bei den Pains fragte deren Kopf Kip Fear Of Men Sängerin Jess, ob sie den weiblichen Gesangspart übernehmen könne. In dieser Konstellation touren die Bands seit April durch die USA und seit Juni durch Europa. Da auch die Pains zu meinen Lieblingen gehören und Köln (und ursprünglich Frankfurt - das fiel dem WM Spiel gegen Ghana zum Opfer) auf der Route lag, konnte ich die Engländer endlich wiedersehen.

Vor Fear Of Men spielten Ablebody aus Los Angeles, eine Band mit Pains-Tourmitglied Christoph Hochheim an der Gitarre (zu deren Auftritt und dem der Hauptgruppe später ein eigener Bericht!).

Fear Of Men betraten die Bühne um 20.45 Uhr und begannen wie auf ihrem Album Loom, Erst das ruhige Alta, das in einem wundervollen Übergang zum wuchtigen Waterfall wird - perfekte Popmusik. Aber eben perfekte Popmusik mit düstersten Texten. Ich brauchte eine Weile, um zu erkennen, wer offenbar die wahren Vorbilder des Trios aus Brighton sind. Fear Of Men haben vieles mit den Smiths gemeinsam. Die verspielten Melodien, die verträumte Stimme und dann Zeilen wie "if you think you save my soul there's no way to go" oder "break me into pieces to feel safe like it's normal" oder "you're a dream that I don't need" oder "I bend beneath the water top where you left me"...I know, I know, it's serious.


Die Band entstand nach einer Begegnung von Jessica Weiss und Daniel Falvey bei einer Ausstellung, bei der Jess Installationen mit musikalischer Untermalung gezeigt hatte. Die beiden unterhielten sich bei dieser Begegnung über Loop-Pedale. Toll! Es entstand die Idee, gemeinsam Musik zu machen, was zu Fear Of Men führte. Später kam Schlagzeuger Michael Miles dazu. Live werden die drei zur Zeit von Bassistin Becky Wilkie begleitet.

Wie auf Platte folgte auf Waterfall einer der anderen ganz großen Hits, Green sea. Mein Lieblingslied 2013 direkt nach meinem Lieblingslied 2014.

Obwohl die Knüller am Anfang kamen, hielten Fear Of Men das Niveau gleichbleibend hoch.* Da sie kaum Pausen zwischen den Stücken machten, nutzten sie die lediglich 35 Minuten sehr geschickt und spielten elf Stücke. Also eigentlich ein volles Konzert.

Seit Juli habe ich so oft den Namen Fear Of Men fallenlassen und allen Freunden mit gutem Musikgeschmack vorgeschwärmt, was für eine tolle Band das ist. Eigentlich musste ich selbst nicht davon überzeugt werden ("Fear Of Men sind unfassbar großartig!!!" schickte mir eine Freundin vom München-Konzert), aber es ist doch immer wieder ein besonders schönes Gefühl, wenn Künstler meine absurd hohen Erwartungen übererfüllen!

Jess erzählte vor dem Konzert, sie freue sich darauf, nach Ende der Tour mit den Pains Of Being Pure At Heart mit der Arbeit am neuen Album zu beginnen. Die drei haben ihre Jobs gekündigt, um sich auf ihre musikalische Karriere zu konzentrieren. Ich freue mich jetzt schon drauf, mein Lieblingslied 2015 kennenzulernen. Ich kann mir schlecht vorstellen, daß das nicht von Fear Of Men kommen wird.

Setlist Fear Of Men, Luxor, Köln:

01: Alta
02: Waterfall
03: Green sea
04: Mosaic
05: Doldrums
06: Born
07: Tephra
08: Seer
09: Luna
10: Descent
11: Inside

Links:

- aus unserem Archiv:
- Fear Of Men, Ripley, 28.07.13

* Oliver, den Satz erkläre ich Dir gerne




Montag, 21. Oktober 2013

Martin & James, Köln, 19.10.13

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Konzert: Martin & James (Jim Kroft)
Ort: Luxor, Köln
Datum: 19.10.2013
Dauer: ca. 2 1/2 Stunden
Zuschauer: ca. 300 - 400



von Petra aus der Nähe von Köln

Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, wie oft ich Martin & James in den vergangenen Jahren live on stage gesehen habe. Es war wirklich interessant den Weg, dieser in Berlin lebenden Musiker, die ursprünglich aus Coatbridge, nahe Glasgow stammen, zu verfolgen. Zum ersten Mal hörte ich von ihnen vor einigen Jahren, wenn ich mich recht erinnere war es wohl 2007, auf Myspace. In diesem damals sehr beliebten Social Network bekam ich immer sehr viele Nachrichten von mir völlig unbekannten Musikern, die ich ehrlich gesagt meistens nicht weiter verfolgte. Martin & James jedoch hatten mir eine so charmante und witzige Mail geschrieben, das ich neugierig wurde und mir ihre Musik anhörte. Und sie gefiel mir auf Anhieb sehr gut. 

Im Nachhinein muss ich sagen, es war schon beeindruckend zu sehen wie sie mit ihrem enormen Fleiß und einem unerschütterlichen Glauben an ihre Musik immer bekannter wurden. Bis schließlich auch die Musikindustrie auf sie aufmerksam wurde. 

Martin & James sind zwei exzellente Musiker. Mit einem Gespür für sehr melodische Harmonien, die sie mit ihren sich perfekt ergänzenden Stimmen vortragen, schreiben sie ganz einfach wunderschöne Songs. Mit oft sehr tief gehenden Lyrics. Hat man sie einmal live erlebt, vergisst man sie nicht mehr. Ganz nebenbei sind es auch noch zwei verdammt nette Kerle, ausgestattet mit einem guten Sinn für Humor, die sich ihre freundliche Art im Umgang mit ihren Fans zum Glück über all die Jahre hinweg bewahrt haben. Auf der Bühne wie auch nach den Konzerten haben sie einen sehr engen und herzlichen Kontakt zu ihren Fans. Und ich mache mir schon manches Mal etwas Sorge ob sie den ganzen Andrang nach der Show überhaupt noch bewältigt bekommen. Aber egal wie anstrengend es auch sein mag, man hat das Gefühl die beiden sind immer mit großer Freude dabei und haben für jeden ein offenes Ohr. 


Im Luxor gab es heute Abend die geballte schottische Ladung aus Berlin. Denn als Support hatten Martin & James ihren langjährigen Freund Jim Kroft dabei. Welcher ein nicht minder netter Schotte ist! Mit viel Spaß und großer Aufmerksamkeit habe ich auch seine musikalische Entwicklung in den letzten beiden Jahren verfolgt. Ich habe ihn bereits einige Male live erlebt und es immer wieder sehr genossen, seinen teils sehr rockigen, teils ruhigen und berührenden Liedern zu zuhören. Berührend, weil Jim sehr ehrliche und persönliche Musik mit seinem Publikum teilt. Seine Lyrics sind vom Feinsten und eine wahre Inspiration. Mal ist er mit seiner kompletten Band, mal alleine mit seiner Akustikgitarre unterwegs. Heute Abend begleitet ihn der virtuose Ben Barritt gesanglich als auch an der Gitarre. 

Mit ein paar neuen Songs im Gepäck, wie Like A Human Heart zum Auftakt, legen die beiden los. Nachdem ich einige Vergleiche heranziehen kann fällt mir sofort auf, wie ausdrucksstark und sicher Jims Stimme heute Abend klingt. Und sie wird ganz wunderbar von Bens Gesang ergänzt. Tell Me, die erste Single aus dem Album Lunatic Lullabies setzen die beiden dann auch echt klasse mit Gitarrenbegleitung um, gefolgt von Blue Sky, einem neuen Lied. Spannend zu hören, wie Lieder, die ich in einer ganz bestimmten Version (meist der auf der CD) im Kopf habe, neu arrangiert wieder völlig anders und erfrischend klingen! Jim und Ben sind mit sichtlich viel Spaß dabei dem Publikum die Songs in dieser Form zu präsentieren. I Hope You Know, ebenfalls auf Lunatic Lullabies zu finden, widmet Jim an diesem Abend Martin & James. „I hope you know, it’s easier to fall than it is to rise...” – ja, ich denke mal diese Erfahrung ist keinem der drei Musiker fremd! Diamonds In The Rough höre ich diesen Abend zum ersten Mal und finde es sehr schön. 


Es folgt ein etwas älteres Lied, das ich total gerne mag. Cracked Polaroid, das leider nur als B-Seiten Titel zu finden ist, kommt beschwingt und leicht daher. Zum nächsten Titel, dem absolut bewegenden I Will Wait möchte ich erwähnen, das er zu einem Projekt gehört, das Jim Kroft auf Anfrage für Spotify gemacht hat. Dazu hat Jim seine Fans eng mit einbezogen. Jeder, der wollte, konnte ihm eine Geschichte aus seinem Leben zuschicken, Jim wählte aus und ganz der kreative Kopf, der er ist, hat er daraus ein paar tolle Songs gemacht. I Will Wait ist einer davon. So wurde aus einer berührenden Geschichte ein bewegender Song. Einfach nur schön! 

Jim holt nun ganz weit aus, nimmt uns mit Typical Day mit zurück in die Zeiten, als es ihn mit seiner damaligen Band Myriad Creatures nach Berlin verschlug. Und katapultiert uns mit The Jailer, bei dem das Publikum gerne mit einstimmt, wieder in die Gegenwart. „Through my weakness I became strong...” Mit einem meiner Lieblingssongs beendet Jim Kroft seinen heutigen Auftritt. Through My Weakness, vom aktuellen Album Lunatic Lullabies, ein wunderschönes Lied, in dessen Lyrics man sich sehr gut hineinfühlen kann!
 

Mit seiner Darbietung hat mich Jim Kroft samt Ben Barritt bestens auf die beiden Musiker eingestimmt, die nun kommen sollten. Die neuen Lieder, denen ich an diesem Abend von ihm lauschen durfte, haben mich neugierig auf das gemacht, was ich in Zukunft noch von ihm hören werde. Und ich bin mir sicher, das wird bestimmt eine ganze Menge an guter Musik sein! 

Setlist Jim Kroft, Luxor, Köln:

01: Like A Human Heart 
02: Tell Me 
03: Blue Sky 
04: I hope you know 
05: Diamonds In The Rough 
06: Cracked Polaroid 
07: I will wait 
08: Typical Day 
09: The Jailer 
10: Through My Weakness 


Martin & James beginnen nach einer kurzen Pause ihr Set, bei dem man so gar nicht das Klischee der „geizigen Schotten“ bestätigt bekommt, denn mit ihren Songs sind sie alles andere als sparsam! Mit sage und schreibe 21 Liedern begeistern sie uns Fans und bieten einen Querschnitt ihres Könnens. Bevor sie 2011 ihr erstes Album Martin and James veröffentlichten, hatten sie, wie heute so üblich, schon ein paar EPs herausgebracht. Martin and James ist für mich ein ganz besonderes Schätzchen, denn darauf ist kein Lied, das ich nicht mag. Beim Anhören wird sofort klar, was die beiden so ausmacht. Lieder, komponiert in kunstvoller Singer/Songwriter Manier, wunderschöne Melodien, anspruchsvolle Lyrics und ihre unverwechselbaren Stimmen. Mit ihrer aktuellen CD Life’s A Show bleiben sie ihrem Stil überwiegend treu und warten mit fast durchweg herausragenden Songs auf, die auch schon mal etwas flotter ausfallen. 

In Begleitung ihrer Band, bestehend aus Stuart am Keyboard, Mark am Bass, Jürgen am Schlagzeug und natürlich Martin & James an den Gitarren (je nach Lied mal E-Gitarre, mal Akustik), starten sie mit dem zeitlos schönen Bloom, einem Song aus ihren frühen Jahren. 



Mit Where I Belong spielen sie das erste von vier Liedern ihres neuen Album und schlagen damit rockigere Töne an. Auch Cold Heart, My Dog Don’t Like The Rain und My Last Prayer begeistern. Wie ich es schon von ihren früheren Auftritten in Köln kenne, haben sie schnell eine Verbindung zu dem Publikum hergestellt und genießen es sichtlich, wieder einmal in der Domstadt zu sein. Was meist in ihrem charmanten, schottischen Akzent beteuert wird, aber auch schon mal in ein paar netten Worten Deutsch. Tides ist wieder ein ruhigeres Lied, gefolgt vom wunderbaren Cynical Skin, das auf ihrer neuen CD zu finden ist. 



Nach Crashing Into Love spielen Martin & James ein paar Stücke ohne Band. Den Anfang macht das melancholische I Know A Girl, das zum Niederknien schön dargeboten wird. Einfach toll! Zwei Männer, zwei Gitarren – mehr braucht es auch nicht um das Publikum mit Maybe It’s Time in seiner sehr ursprünglichen Form zu begeistern. 


Die Jungs sind wirklich clever, das muss ich ihnen lassen. Nachdem sie bei ihrem Konzertauftakt in Hannover nach den ersten paar Liedern einen Komplettausfall ihrer Musiktechnik hatten, haben sie die Show einfach mutig, ohne jegliche technischen Hilfsmittel bestritten. Und scheinbar hat ihnen das, und ihrem dortigen Publikum auch, so gut gefallen, das sie heute Abend auch im Luxor einfach mal einen Song unplugged „ohne Strom“, wie Martin sagt, spielen. So ruhig habe ich die Zuhörer in dieser Location selten erlebt. Es ist wirklich Muckmäuschen still als die beiden You’re A Window, mit Martin noch zusätzlich an der Mundharmonika, zum Besten geben. Und es ist ganz wunderbar. Man könnte sagen, etwas ganz Besonderes. Nach Bad Dream, einem älteren Lied, wird die Band wieder auf die Bühne gebeten. Jedoch nicht an ihren Instrumenten, sondern neben Martin & James plaziert. 

Alle zusammen singen nun I Have To Fall und wenn man meinen Bericht bis hierher gelesen hat, kann man sich sicher unschwer vorstellen das die Stimmung im Luxor ziemlich gut war. 


Das rockige See No Land vom neuen Album treibt das Tempo weiter voran und ein begeistertes Publikum geht gerne mit. Die beiden Schotten haben sich scheinbar gerade erst warm gespielt! Mit Wrong Direction und The Rope schlagen sie etwas ruhigere Töne an um dann mit dem, man könnte schon fast sagen Gassenhauer, Matilda erneut Gas zu geben. Erwähnen möchte ich, das die beiden dieses Lied für James’ kleine Tochter geschrieben haben, was ja wirklich sehr herzerwärmend ist! Und zur „Kölner Grundstimmung“ passt es irgendwie auch ganz hervorragend! Das Publikum nimmt es auf jeden Fall mit großer Begeisterung an und stimmt mit ein. 

Das Konzert ist zu Ende und unter tosendem Applaus verlassen die Musiker die Bühne. Lange muss man sie aber nicht bitten zurück zu kommen! Zunächst nur Martin & James um All Over The News, eines ihrer sicherlich bekannteren Lieder zu spielen. 



Mit der kompletten Band folgt noch Little Bits Of Light und als Jim Kroft und Ben Barritt auch noch die Bühne betreten einer der Höhepunkte des Abends. Alle zusammen tragen You’ll Be Gone, I’ll Be Here vor. Ein wunderschönes, ergreifendes Lied, das sehr emotional dargeboten wird. 

Man mag es kaum glauben, aber mit Life’s A Show beenden Martin & James ihr mehr als gelungenes Konzert. Hut ab, das war eine super Leistung! Sie haben mir einmal mehr bewiesen, das sie live einfach toll sind. Und mich neben ihrer musikalischen Darbietung, die mich begeistert hat, auch wieder einmal mehr mit ihren netten Plaudereien zwischen den Songs und ihrem ganz eigenen Humor des Öfteren zum Schmunzeln gebracht. O-Ton James über Martin & James: „We work together, we live together in Berlin – it’s a very romantic story...” Ich hoffe mal diese „romantische Geschichte“ dauert noch ganz lange Zeit an! 



Setlist Martin & James, Luxor, Köln:

01: Bloom 
02: Where I Belong 
03: Cold Heart 
04: My Dog Don’t Like The Rain 
05: My Last Prayer 
06: Tides 
07: Cynical Skin 
08: Crashing Into Love 
09: I Know A Girl 
10: Maybe It’s Time 
11: You’re A Window 
12: Bad Dream 
13: I Have To Fall 
14: See No Land 
15: Wrong Directions 
16: The Rope 
17: Matilda

18: All Over The News (Z)
19: Little Bits Of Light (Z)
20: You’ll Be Gone, I’ll Be Here  (Z)
21: Life’s A Show (Z)



 

Konzerttagebuch © 2010

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