Dienstag, 17. Juni 2008

The Kooks, Köln, 17.06.08


Konzert: The Kooks
Ort: Palladium, Köln
Datum: 17.06.2008
Zuschauer: vollkommen ausverkauft
Dauer: The Kooks 75 min, The Holloways 35 min


"Was schreibst Du dann so über die Konzerte?", fragte mich meine Nachbarin aus Düsseldorf kurz bevor die Kooks im Palladium auf die Bühne kamen. Hmmm, schwer... ich konnte das auf Anhieb nur sehr stammelnd beantworten. Die nächste Frage war noch schwieriger... "Und was sind die größten Hits der Kooks?" Keine Ahnung, "Naïve" vielleicht? Der "Sofa Song"? "Ooh La?" Oder "Mr. Maker" vom neuen Album? Ich konnte es nicht sagen. Denn eigentlich sind ja alle großartig.

Davon war ich zumindest überzeugt, ansonsten hätte vieles gegen meine Abendplanung gesprochen. Natürlich zuerst die Aussicht auf ein ausverkauftes Palladium mit allem ekligen, das dazu gehört: wenn man früh ist, steht man in einer langen Schlange vor dem Einlaß, um dann drinnen einen vorderen Platz zu bekommen, der zwar gute Sicht aber auch viel fremden Schweiß und Gedränge bedeutet. Kommt man spät, gibt es keinen Parkplatz, man kommt schnell in die große Halle, sieht da aber nichts, weil es proppenvoll ist. Richtig kann man es nicht machen.

Außerdem sehe ich die Kooks am Samstag noch einmal, da treten die Engländer beim exzellent besetzten Rock A Field Eintagesfestival in Luxemburg auf (mit The Verve, den Dirty Pretty Things, The Cribs, We Are Scientists und Mando Diao). Und dann
spielte noch die Todesgruppe (oder wie auch immer Johannes B. Kerner die mittlerweile politisch korrekt umbenannt hat).

Aber Quatsch, für die Kooks nehme ich das gerne hin. Es sollte schon mein fünftes Konzert der Band aus Brighton sein. Zuletzt hatte ich sie im April in der KulturKirche in Nippes gesehen, als sie vor recht wenigen Zuschauern zum ersten Mal Lieder des neuen Albums "Konk" gespielt haben.

Ich hatte mich für die frühe Alternative entschieden und mußte ewig an wartenden Menschen vorbeilaufen, bis ich endlich das Ende der Wartenden erreicht hatte. Psychologisch ist das ganz besonders grausam, wenn man schon auf dem Hinweg sieht, wie lange man anstehen müssen wird. Fleißige Helfer der Security Firma sorgten aber immerhin für Ordnung. "Auf die andere Straßenseite", wurde jeder angepflaumt, der wagte, über die Straße zum Ende der Schlange zu gehen. Haha, Schülerlotsen vor einem Konzert waren neu für mich!

Drinnen war es dann auch erst mehr als eklig. Es war voll, und das Publikum hielt es für angemessen Stadionatmosphäre zu erzeugen... "Super Deutschland, olé olé..."

Währenddessen legte die fleißige Holloways Roadine zigmal Setlisten aus, nahm sie wieder weg, legte neue (oder die gleichen?) hin. Da schien es eine Band ganz besonders gut machen zu wollen. Vermutlich wußte die Vorgruppe auch, daß das Konzert in einem Livestream im Internet übertragen werden würde.

Die aus Nordlondon stammenden Holloways kannte ich nur dem Namen nach. Vielleicht hatte ich schon mal Lieder von ihnen gehört, es ist aber nichts haften geblieben. Als die vier Bandmitglieder auf die Bühne kamen, setzte ein
ohrenbetäubender (keine Metapher) Lärm ein. Das war also mein erstes und einziges Tokio Hotel Konzert... Gut zwei Lieder dauerte es, bis der kreischende Mob erkannte, daß das wohl noch nicht die Kooks sind...

So schwer war das eigentlich nicht zu bemerken, denn die Musik der in England erfolgreichen Holloways ist höchst mittelmäßig. Das war jedenfalls mein Eindruck nach 35 lahmen Minuten. Es klang fies nach einer Halbfettversion der Futureheads. Der Auftritt war nicht fürchterlich aber überflüssig. Mir wäre nichts entgangen, hätte ich sie verpaßt. Ganz nett fand ich das letzte Stück "Reinvent myself", vielleicht lag das aber auch schon daran, daß sie es als letztes Lied angekündigt hatten. Am schönsten war aber das Urteil des Sängers Alfie Jackson über das Palladium: "It's a fantastic venue!"

Der Komplettheit halber: die Holloways sind zwei Gitarristen, ein Bassist und ein Schlagzeuger. Bei ihrem (langweiligen) Hit "Two left feet" spielte Gitarrist Rob Skipper Geige. Gerettet hat es das auch nicht...

Auszug aus der Setlist The Holloways, Palladium, Köln:

- The dancefloor
- Public service broadcast
- Listen (neu)
- Two left feet
- On the bus
- Generator
- Reinvent myself

Dann dauerte es eine Dreiviertelstunde... Viel zu lange für meinen Geschmack. Umbaupausen langweilen mich eigentlich nicht. Aber 45 Minuten sind doch wirklich zäh. Und dann stellte sich zielsicher der größte Mann im Saal mit der eindrucksvollsten Heavy-Matte gleich vor mich. Na toll. Gut, für mich gab es eh nichts auf der Bühne zu sehen, und ich war wegen der Musik da. Aber eine gute Stunde auf Lederjacke und Lockenmähne eines Headbangers zu sehen, war nicht meine erste Wahl. Er hielt das da aber nicht lange aus. Mit seiner Freundin flüchtete
er nach einem Lied nach hinten (oder raus). Gibt es eine Deathblackspeedmetal Band, die ähnlich heißt? The Fucking Death Kooks? Das sah mir schwer nach einer Verwechslung aus.

Unsere Pop-Kooks waren in Hochform. So, wie ich sie eigentlich immer erlebt habe. Die flotten Melodien funktionieren überall perfekt. Die Band um Sänger Luke Pritchard schreibt nur Hits. Unglaublich! Viele der neuen Songs klingen zwar zugegebermaßen sehr stark wie Lieder der ersten Platte. Aber nicht langweilig, nicht einfach nach einem Abklatsch. Das ist ein wenig wie bei den Kaiser Chiefs. Beide Bands haben sich nicht krampfhaft "musikalisch weiterentwickelt", keine Afrobeat Rasseln oder elektronischen Elemente dazugemischt, um ach so kreativ zu sein. Bei
den Kooks ist ein wundervolles Album Resultat dieses Wegs, mit unzähligen (das ist natürlich Quatsch, man könnte schon) großen Liedern.

Und live sind sie alle genauso toll! Die Kooks spielten zwar in Köln mehr Lieder von der ersten Platte, die Stücke von "Konk" passen sich aber nahtlos in ihr Repertoire ein. Es fing an mit der Single "Always where I need to be" - und noch lauterem Gekreische als bei den ersten Holloways Liedern. Auch wenn das abgedroschen ist, das ist so, wie ich mir Beatles Konzerte vorstelle. Die Umklapprate der Mädchen vorne war zwar früher höher, vielleicht sind die erste-Reihe-Frauen
heute einfach auch robuster. Es mußten aber schon noch einige rausgetragen werden. Schade, so haben sie ein musikalisch großartiges Konzert verpaßt.

Es folgten die drei sicheren Kracher "Matchbox", "Eddie's gun" und "Ooh la", und der Laden tobte. Mein Highlight am Anfang war aber ein Lied, das ich sonst nicht ganz so gerne mag, "Time awaits", gestern ganz grandios!

Anschließend verschwand die Band und Luke klimperte solo die wundervolle Ballade
"One last time" mit der nicht zu übertreffenden Textzeile "A, B, C, D, E, F and G, that reminds me of when we were free"... Auch zu so etwas muß man den Mut haben.

Daß der Großteil des Saals nicht bloß kreischen konnte,
bewies er bei "She moves in her own way". Der Mitsingpart dabei war irre! Wow! Ein Chor mit mehreren Tausend Sängern. So ist das Palladium wirklich ein fantastic venue. Wobei das reflexartige Verfluchen des Ladens diesmal wirklich nicht ganz berechtigt war. Auf dem Weg zum Auto bekam ich ein Gespräch mit "der Sound war nichts, das ist im Palladium immer so. Wie wäre das Konzert in einem anderen Saal bloß gewesen?" Das habe ich anders empfunden. Der Auftritt war großartig, der Sound stimmte, es gab nur bei der Vorgruppe einmal sehr dumpfen Bass. Musikalisch fand ich dies besser, als in der KulturKirche im April.

Und dann kam "Mr. Maker". Ist das ein fabelhaftes Stück Musik! Wow und noch mal wow!

Mittlerweile kletterte Luke auch auf Boxentürme und gab alles (das letzte Hemd war
er vorher schon losgeworden, er trug wieder solch ein Unterhemdchen), um die Umklappfrequenz zu steigern.

Auch der Rest des Prgramms (des musikalischen) war ganz ausgezeichnet. Bis auf "Do you wanna", das ich langweilig finde, kam wirklich ein Hit nach dem anderen. Von einen Konzertschluß wie
"Naïve", "Shine on", "See the world" und "You don't love me" träumen die meisten anderen Bands sicher. Und das war ja erst das Ende des normalen Sets. Zu "Shine on" wurde ein Klavier auf die Bühne geschoben, auf dem dann der huttragende Gitarrist Hugh Harris spielte. Seine Leadgitarre übernahm ein Ersatzmann, den Luke vornuschelte, ich habe den Namen nicht verstanden.

Die vier Zugaben sind genausolche Kracher. Erst "Seaside" und "Jackie big tits" solo vom Frontmann gesungen, dann "
Stormy weather", das wegen des "Love, love, love"-Textes, der zwar nichts mit The Organ zu tun hat, ein Liebling ist und der "Sofa song" zum Schluß. Alles richtig gemacht! Die Kooks eh, ich aber gestern auch.

Setlist The Kooks, Palladium, Köln:

01: Always where I need to be
02: Matchbox
03: Eddie's gun
04: Ooh la
05: Sway
06: Time awaits
07: One last time
08: I want you back
09: She moves in her own way
10: Mr. Maker
11: See the sun
12: Do you wanna
13: Naïve
14: Shine on
15: See the world
16: You don't love me

17: Seaside (Z)
18: Jackie big tits (Z)
19: Stormy weather (Z)
20: Sofa song (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Kooks, KulturKirche Köln, 12.04.08
- The Kooks, Olympia Paris, 02.07.07
- The Kooks, E-Werk Köln, 03.12.06
- The Kooks, La Cigale Paris, 10.11.06
- Fotos vom Konzert im Palladium



2 Kommentare :

die saarländischen Konzertbekannten hat gesagt…

Und dann stellte sich zielsicher der größte Mann im Saal mit der eindrucksvollsten Heavy-Matte gleich vor mich.

LOL wie groß war der den?
Den hät ich ja mal gern gesehen, jemand der dir noch die Sicht versperrt ;-), bis Samstag.

Gruss

Anonym hat gesagt…

Klasse Review!! Obwohl ich "Do You Wanna" einfach super fand :)
Das Gedränge war ZIEMLICH eklig und zudem auch noch sehr gefährlich. Ich bin dann auch nach dem dritten Lied mal zur Seite gegangen... deshalb bin ich noch ohne blaue Flecken nach Hause gekommen und habe so von dem Gig wahrscheinlich auch etwas mehr mitbekommen (so musste ich dann nicht ständig darauf achten, ob nicht gerade irgendeine große Menschenwelle auch mich zuschubste). Nun ja. Aber es hat sich gelohnt (wiedermal)!!!
Der Ersatzgitarist heißt Adam und sein Nachname *könnte* Sullivan sein.

 

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