Posts mit dem Label Bus Palladium werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bus Palladium werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 13. Januar 2014

Robi, La Féline, Maissiat, Cléa Vincent, Paris im Dezember 2013

0 Kommentare

Konzerte Robi, La Féline, Maissiat, Cléa Vincent
Orte: Les Trois Baudets, Le Bus Palladium, Le Gibus Café
Daten: 18.12.2013 (Robi und La Féline), 16.10.2013 (Maissiat), 19.12.2013 (Cléa Vincent)
Zuschauer: jeweils um die 100


Das Jahr 2014 schreitet mit Siebenmeilenstiefeln voran und ich serviere euch Berichte über Konzerte von 2013? Warum denn das? Nun, weil die Damen, über die ich unbedingt ein paar lobende Worte verlieren muss, in Deutschland sicherlich erst 2014 oder gar noch später entdeckt werden (wenn überhaupt, bleiben wir unserem Pessimus was das Entdecken guter Musik angeht ruhig treu).

Reden möchte ich von jungen Französinnen, die entgegen des Trends zum englischsprachigen Gesang, in der Sprache Molières intonieren. Eine Art Neudefinition des französischen Chansons also, aber ohne in Richtung naiv-dümmlicher Varitété zu gehen, die jeder vernünftige Mensch hasst. 

Im Falle von Robi und La Féline dreht es sich musikalisch um Indie Rock/New Wave, bei Maissiat und Cléa Vincent um Piano Pop.


Es macht hier unbedingt Sinn, diese talentierten Chanteusen in einem Bericht zusammenzufassen, denn man kann durchaus von einem Trend hin zum Französischen sprechen. Und diese Tendenz ist ganz in meinem Sinne, denn ein perfekt ausgesprochenes Französich ist allemal besser als ein schlecht gesungenes Englisch. Ob sich auch in Deutschland dafür jemand erwärmen kann, ist freilich fraglich.


Reden wir zunächst von Robi. Die junge Dame präsentierte sich nur wenige Wochen nach ihrem famosen Auftritt im Nouveau Casino am 18. Dezember im Trois Baudets. Chloé Robineau wie sie mit bürgerlichem Namen heißt hatte vor ziemlich genau einem Jahr ihr Debütalbum L'Hiver Et La Joie veröffentlicht und damit zumindest in Indiekreisen Staub aufgewirbelt. Lange schon hat man kein solch gutes französisches Rockalbum gehört. Und live klingt das Ganze gleich noch eine Spur packender, intensiver und direkter. Robi hat nämlich ein riesiges Talent für die Bühne. Sie bewegt sich elegant lasziv und verleiht ihren Worten durch ihr Gebaren noch eine stärkere Tiefe und Leidenschaft. Unfassbar ihre Stimme. Ziemlich tief, sehr sinnlich und wunderschön. Hinzu kommt die wie die Faust aufs Auge passende Instrumentierung ihrer Stücke durch einen markanten New Wave Bass und ein perlendes Piano.


Ihr eigenes Songmaterial ist ausgezeichnet, aber auch ihre beiden Cover können sich sehen (bzw. hören) lassen. In schöner Regelmäßigkeit coverte sie 2013 Il Se Noie von Trisomie 21 und Lolita Nie En Bloc von Noir Désir, so auch in den Trois Baudets.


Besonders gelungen hierbei ihre ganz eigene Version von Trisomie 21. Ein pechschwarzes Stück Musik, fast gothisch klingend mit einer suzidären Grundstimmung und einer knisternden Spannung. Zwischen New Wave und Industrial angesiedelt, spitzt sich der Song immer weiter zu, bis der Gesang irgendwann immer hysterischer wird und die Spannung ihren Siedepunkt erreicht. Ähnlich gestrickt ist Ma Route, ein Stück auf dem in der Studioversion kein Geringerer als Dominique A mitgesungen hat.


Absoluter Kracher in ihrem Set ist aber immer die Histingle On Ne Meurt Plus d'Amour, ein Lied das rabenschwarze Melancholie mit einem poppig eingängigem Refrain zu verbinden weiß. Wenn man das ein paar Mal gehört hat, pfeift man es irgendwann unter der Dusche! Und ich persönlich höre sogar ein wenig Kraftwerk heraus...




Kurzum: Daumen kerzengerade nach oben für Robi. Die ist so gut, daß ich ihr zumindet in Indiekreisen in Deutschland Erfolge zutraue!


Gleiches gilt für Agnès Gayraud alias La Féline. Die brünette Sängerin mit dem schicken Pagenschnitt ist auch schon ein paar Jahren in der alternativen Pariser Szene unterwegs, hat inzwischen mindestens drei EPs herausgebracht, wartet aber immer noch auf den richtigen Durchbruch. Der soll nun mit dem ersten Longplayser 2014 kommen. Und was man am 18.Dezember Im Bus Palladium von dem Werk zu hören bekam, war absolut vielversprechend! Auch hier kann man mit der Schublade New Wave Revival ankommen, aber bei La Féline klingt das Ganze nicht ganz so suizidär und roh wie bei Robi. Es gibt rundere Melodien, ein wenig mehr Zucker, ein bißchen mehr Wärme. Ansonsten gibt es aber auch hier Paul Hooksche Bässe, Gitarren wie bei The Cure und einen hohen Gesang der mitunter an Kate Bush erinnert. Es ist allerdings keine bloße Retronummer, die La Féline hier durchzieht, sondern ihr ganz eigenes Gebräu, freilich mit altbekannten Zutaten. Fast bin ich geneigt zu sagen, daß sie so aufregend klingt wie eine leicht ausrechenbare Mainstreamband wie Indochine gerne klingen würde.


Genau wie Robi hat La Féline eine männliche Begleitband mit am Start, aber in beiden Fällen ist die Dame ganz klar der Star. Im Falle von La Féline kommt hinzu, daß sie im Gegensatz zu Robi auch Gitarre spielt und im Grunde genommen ihr Set auch solo präsentieren könnte.


Zu den einzelnen Songs viel zu sagen, macht keinen besonderen Sinn, da man die meisten neuen Sachen online nicht hören kann, aber seid sicher, daß es sich wirklich um absolute Indie-Ohrwürmer handelt! Zum Einarbeiten empfehle ich euch die Stücke auf Soundcloud und dieses Livevideo von einer Sesssion bei den Ballades Sonores. Sehr geheimnisvoll und dreampoppig. Die neuen Sachen haben mehr Druck und Tempo. Achso: hatte ich erwähnt, daß Jarvis Cocker himself Fan von La Féline ist?







Im Bereich  Piano Pop mit französischen Texten gibt es zwei andere Musikerinnen, die sich hervortun: Maissiat, die Melancholikerin und Cleá Vincent, die Spaßkanone. Ist jetzt natürlich stark verkürzt und etwas pauschal, aber im Grunde genommen passt das schon so. Maissiat hält ihre Lieder am Klavier in moll, Cléa hingegen versprüht hinter dem Piano Lebensfreude und Energie, wenngleich es auch bei ihre sentimentale Passagen gibt.

Zuletzt live gesehen habe ich Maissiat in den Trois Baudets am 16.10 2013 im Vorprogramm von Emily Jane White. Sie spielte dort die Chansons ihres ersten Albums Tropiques und verwöhnte die Zuhörer mit geschliffenen Arrangements, einen sanften Stimme und bitter schönen Pianomelodien.

Die für eine Französin ungewöhnlich groß gewachsene Frau mit dem obligatorischen schwarzen Hut, der ihr Charisma verleiht, lässt ihn gewisser Weise die Sinnlichkeit einer Jane Birkin wieder aufleben, besticht mit einem urtypisch französischen Sound voller Eleganz, Sensibilität und Klasse. Großartig ist beispielsweise ihr Stück Le Depart, aber auch der Titeltrack Tropiques ist wundervoll.






Begleitet wurde Maissiat bei ihrem Konzert in den Trois Baudets von 3 Musikern, darunter der Bassistin Katel, die auch eine eigene Laufbahn verfolgt.

Auch im Falle von Maissiat halte ich es für möglich, daß ihre Lieder früher oder später Gehör in Deutschland finden werden. Ihre Melodien sind einfach so stark, daß selbst die Sprachbarriere nicht hinderlich sein sollte. Ich sehe sie fast als eine Art Seelenverwandte von Agnes Obel.


Cléa Vincent schließlich spielt genau wie Maissiat Klavier, setzt aber sehr selten eine schwermütige Miene auf. Ihr leicht jazzig angehauchter Piano Pop ist perlend, beschwingt, luftig leicht und absolut Laune machend. Das Mädel versprüht regelmäßig ein solche Spiel- und Lebensfreude, daß selbst im grausten Winter die Sonne aufgeht. Total ansteckend, wenn sie kichernd ihre Lieder anstimmt und dann mit viel Dampf Stücke wie Neuilly oder Le Méchant Loup (der böse Wolf) abfeuert! Zuletzt gesehen habe ich Cleá im Dezember im urigen Gibus Café. Auch sie wird von männlichen Begleitmusikern unterstützt, einer von ihnen spielt sogar Trompete und sorgt so für die besonderen Momente.










Cléa ist im Moment noch die unbekannteste der vorgestellten Musikerinnen aber das kann sich durchaus schnell ändern, denn sie ist ein wahrer Wirbelwind und wird mit iher Wahnsinnsenergie irgendwann den Durchbruch schaffen, zumindest in Frankreich!





Dienstag, 24. April 2012

Lizzie And The Yes Men, Paris, 21.04.12

1 Kommentare

Konzert: Lizzie And The Yes Men

Ort: Le Bus Palladium, Paris

Datum: 21.04.12



"Mensch, Bruderherz, du hörst immer so traurige Musik, kein Wunder, daß du schwermütig wirst".

Diesen Spruch meiner Schwester muss ich mir öfter anhören, wenn wir uns denn mal sehen. Und er stimmt irgendwie ja auch, denn ich höre in der Tat oft ziemlich deprimierendeMusik.

Aber ich bin wandelbar und kann auch anders. Am vergangenen Samstag zum Beispiel. Da standen die ungemein frischen, euphorisierenden und wahnsinnig charmanten Briten von Lizzie And The Yes Men im kultigen Pariser Bus Palladium auf dem Programm. Ich hatte ihnen den Vorzug vor dem überaus melancholischen Schweden Loney Dear gegeben, der im Café de la Danse seine Schwermut verbreitete. Statt Katzenjammer also Frohsinn und Frühlingsgefühle. Und das tat mir gut!

Nach der durchaus gefälligen Vorband Secretive aus Frankreich (bei der mir aber vor allem die Blumentattoos der Sängerin an den hinteren Waden in Erinnerung geblieben sind) ging es dann gegen 22 Uhr 30 auch mit Lizzie und ihren Ja- Männern los.


Zunächst spielten die Herren ein längeres Gitarren-Intro, bevor dann die Diva Lizzie die Bühne betrat und mit ihren langen Beinen und ihrem todschicken Kurzhaarschnitt alle Blicke auf sich zog. Was für eine charismatische Frau! Eine neue Twiggy, eine Retro-Ikone! Und sie kann auch singen. Ihre Stimme versetzte uns in die 1960 er Jahre zurück, ließ uns an die Supremes, die Ronettes oder die Shirelles denken, während der flotte Gitarrensound der Männer eher dem Post Punk Revival à la Franz Ferdinand oder den Kaiser Chiefs zuzuordnen war. Alles kam wahnsinnig zackig und Laune machend rüber, Durchhänger oder musikalische Längen gab es nicht.


Ein Highlight an vierter Stelle. You And I Both Know begann mit einem dunklen, markanten Basslauf, bevor Lizzies Gesang und wilde Schrammelgitarren einsetzten und den Song gewaltig nach vorne peitschten.

Hits in diesem Stile gab es reichlich, was meine Vorfreude auf ein Album, das irgendwann im Laufe des Jahres 2012 erscheinen soll, massiv schürte.

Die Single Broadwalk dürfte aber schon vorher für hohe Wellen Sorgen. Der unbeschwerte und unwiderstehliche Pfeifsound, die absolut packende Melodie und die Tanzbarkeit könnten das Lied schon bald auf jeden I-pod, in jede Indie-Disco katapultieren. Man sah so einige Leute im Publikum bei dieser Klasse-Nummer mitwippen, kein Wunder!

Meine Schwester könnte stolz auf mich sein. Keine traurige Musik an diesem Samstag, keine Schwermut, sondern gute Laune pur.

Super Abend, klasse Band!





Setlist Lizzie And The Yes Men, Bus Palladium, Paris

01: Intro
02: Misdemeanour
03: Take What I Can Get
04: You And I Both Know
05: Trouble
06: Nasty Boy
07: Let Me Go
08: Baby No Go
09: Deserts
10: Loneliness
11: Broadwalk

Aus unserem Archiv:

Lizzie And The Yes Men, Paris, 16.04.12


Samstag, 29. Mai 2010

The Clean, Paris, 28.05.10

0 Kommentare

Konzert: The Clean,

Ort: Bus Palladium, Paris
Datum: 28.05.10
Zuschauer: hab' sie nicht gezählt, 250 vielleicht?
Konzertdauer: The Clean leider nur etwa 35-40 Minuten, Les Shades eine Stunde


Kult im Doppelpack! Sowohl die Location, der 1965 eröffnete Night Club Le Bus Palladium (angeblich haben hier schon die Beatles gespielt), als auch die Band, die 1978 gegründete Formation The Clean aus Neuseeland (Stephen Malkmus zitiert sie als Haupteinfluß für Pavement und konsequenterweise haben The Clean dann auch Pavement im Mai 2010 in der O2 Academy in Brixtopn supportet), verdienten dieses Prädikat! Und die Kürbisse der Gebrüder Kilgour und des Bassisten Robert Scott sind nach wie vor saftig! Echte Rock'n Roller verlernen ihr Handwerk nie. Aber wie war das Publikum? Nur alte Säcke wie ich? Zu einem kleinen Teil ja, aber die überwiegende Mehrheit der Zuschauer war blutjung, bildhübsch, weiblich und flippig. Wie das? Nun, die Zuckerschnecken kamen für die im Anschluß an The Clean spielende Pariser Nachwuchsband Les Shades, in der vier stylishe Jungs auf französisch abrocken. Ich fühlte mich wie eine Made im Speck!

Zur musikalischen Seite muss ich noch einmal ausführlicher ausholen, aber weil es so interessant war, ziehe ich sogleich die Aftershow vor:

Aftershow: Nach nur gut 35 Minuten hatten The Clean ihr Set abgespult. Grotesk, aber den Tatsachen entsprechend: die Kulthelden aus Neuseeland waren nur Vorgruppe der Shades! Mir und ein paar anderen reiferen Semestern verschaffte dies aber die Gelegenheit, mit den 3 netten Herren hinterher ein wenig zu plaudern. Bassist Robert Scott kümmerte sich um den Merchandising Stand, wo er nicht nur das letzte Album von The Clean (Mister Pop) verkaufte, sondern auch seine kleinen Gemälde und CDs mit selbstentworfenen Covern seiner zahlreichen Nebenprojekte feilbot. Man fand dort hübsch gemachte CDs von The Bats, The Magick Heads, Harmonic Deluxe und noch ein paar andere Perlen.* Ganz nebenbei kritzelte mir Robert auch noch die Setlist auf einen Zettel. Sehr nett von ihm. Etwa eine viertel Stunde später zog es uns nach draußen vor die Tür, wo ich mit David Kilgour, dem Gitarristen von The Clean, ins Gespräch kam. Auch er sehr aufgeschlossen und kommunikativ. In Berlin seien sie kürzlich gewesen ("really good audience"), aber auch in Leipzig ("we preferred Berlin") hätten sie gespielt. An den Auftritt im Grünen Jäger in Hamburg konnte er sich aber gar nicht mehr erinnern, da musste der Tourmanager (?) nachhelfen. Ansonsten berichete David von gemeinsamen Konzerten mit Indie-Helden wie Yo La Tengo und Built To Spill. Ich war schwer beeindruckt. Wow, mit Yo La Tengo haben die Jungs schon gespielt, alle Achtung! Dann fragte er mir Löcher in den Bauch und wollte wissen, was ich in Paris so treibe. Ich erzählte ihm auch von unserem Blog und ganz interessiert notierte er sich den Namen "Konzerttagebuch" ("How do you spell it?") auf einen Zettel. Ich erwähnte auch, daß ich das Berliner Label Morr Music, auf dem The Clean ihren letzten Longplayer veröffentlicht hatten, sehr möge. Ich warf den Namen Masha Qrella in die Runde, weil ich sie sehr schätze und prompt erfuhr ich, daß The Clean kürzlich mit Masha aufgetreten waren.

Kurze Zeit später kam ich mit Davids Bruder ins Gespräch. Ich musste eine Bildungslücke offenbaren, als ich ihn nach seinem Namen fragte. Als Hamish stellte er sich vor, "nice to meet you, Oliver". Wir plauderten angeregt und irgendwie fand er es spannend, daß ich mit einer Französin verheiratet sei. Er wollte mehr wissen über die Musikszene in Frankreich und als ich ihm schilderte, daß es in Paris und Clermont Ferrand eine gute Folkszene gäbe, fragte er mich prompt, ob ich bei Facebook sei. Er wolle gerne mit mir kommunizieren. Ich musste ihn hinsichtlich Facebook enttäuschen, notierte ihm aber meine E-mail Adresse. "You look much younger than 38", machte er mir ein tolles Kompliment. Ich wollte ihn auch für seine Jugendlichkeit loben, aber wusste sein Alter überhaupt nicht, also ließ ich es bleiben. Unsere Gesprächsthemen gingen nun quer durch den Garten, besonders interessant fand ich aber, daß er recht heftige Kritik an seiner Wahlheimat Brooklyn, NY ,übte. Alle würden hier irgendwie gleich denken, sich gleich kleiden, einen bestimmten konformistischen Stil pflegen. Das sei alles nicht mehr wie früher, es herrsche kein Punk Spirit mehr und das CBGB habe ja auch geschlossen. Ich glaube, ich hätte ihn in meinem Enthusiasmus für Paris begeistern können. Als Werbetexter für die Stadt der Liebe mache ich mich sicherlich nicht schlecht, wobei man nicht zu tief graben dürfte, sonst müsste ich auch die abstoßenden Seiten der Metropole erwähnen. Aber dazu kam es gar nicht mehr, denn er entschwand mit seinem Bruder und Robert Scott in einem Reisebuss. Goodbye The Clean, hoffentlich sieht man sich bald mal wieder!

* bei Discogs.com findet man eine brauchbare Zusammenstellung der verschiedenen Bandaktivitäten von Robert Scott

Fotos in Kürze!

Setlist The Clean, Le Bus Palladium, Paris (nicht in dieser Reihenfolge)

- Getting Older
- Flowers
- Fish
- Anything Could Happen
- Point That Thing Somwewhere Else
- Odditty

- At The Bottom



Dienstag, 20. April 2010

The Besnard Lakes, Paris, 19.04.10

3 Kommentare

Konzert: The Besnard Lakes

Ort: Bus Palladium, Paris
Datum: 19.04.2010
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft, etwa 250
Konzertdauer: 80-85 Minuten


Der Vulkanstaub über Europa fordert die ersten Konzertabsagen. Heute traf es die Schweden Shout Out Louds, die nicht wie geplant ihr ausverkauftes Konzert im Scopitone geben konnten. War mir persönlich allerdings schnuppe, denn ich hatte ohnehin den Gig der kanadischen Besnard Lakes rot im Kalender eingetragen. Und die Band aus Montreal trat auch wirklich an. Schon kurz vor Beginn der Show ließ sich der Sänger der vierköpfigen Truppe kurz auf der Bühne blicken und ließ mich heftig schmunzeln. Mit seiner langen lockigen Matte und der riesigen Fliegerbrille sah er aus wie Horst Schlämmer! Geil! Auch sein schwarzes Cowboy Hemd war cool. Der Abend würde super werden, soviel war jetzt schon klar!

10 Minuten später ging es mit heftigen Nebelschwaden im Bus Palladium los. Ein Club, der Kultstatus hat und schon seit Ewigkeiten existiert, allerdings erst seit kurzem wieder mit Konzerten begonnen hat. Gelegen ist er im puffigen Pigalle Viertel und auf dem Weg dorthin kam ich an den ältesten und ekelsten Huren vorbei, die man sich nur vorstellen kann. Ob Frank Ribery und seine Nationalmannschaftskollegen hier in der Gegend verkehren? Kaum vorstellbar, minderjährig ist hier keine von den Animierdamen, im Gegenteil...

Zurück zum Konzert. Das Begann so wie ich mir das erhofft hatte: höllisch laut und mit psychedelischen Gitarren. Mein Freund Philippe D. hingegen schien etwas enttäuscht. Er hatte in Zeitschriften Vergleiche mit den Beach Boys aufgeschnappt, aber so poppig wie Brian Wilson und seine Kumples klangen Leader Jace Lasek, seine Bass spielende Frau Olga Goreas, Gitarrist Richard White und Drummer Kevin Laing höchstens bei dem softesten Titel For Agent 13 (ein Highlight!). Stattdessen war ihr Sound schwer, manchmal fast metallisch und ohrenbetäubend. Die Stimme von Horst, ähem Jace klang einfach sensationell! Ließ er das Falsett ertönen, erinnerte er an Justin "Bon Iver" Vernon (Beispiel: Disaster), sang er trockener und tiefer, kam mir immer wieder Alan "Low" Sparhawk (And You Lied To Me) in den Sinn. Ohnehin konnte man mühelos zahlreiche heraushörbare Referenzen auflisten. Pink Floyd (Disaster), Led Zeppelin, ELO (Like The Ocean, Like The Innocent), aber auch Bands aus den Neunzigern wie My Bloody Valentine (Albatros), die Flaming Lips (Devastation) und Spiritualized oder die Band Of Horses (Chicago Train) und Black Mountain aus der Gegenwart. Dennoch klangen die Besnard Lakes völlig eigen. Ihre faszinierende Mischung aus 60ies Pop, psychedelischem Rock, Progrock und Shoegaze hatte etwa Berauschendes. Das Publikum, bestehend zur einen Hälfte aus den eher feisten und wenig stylishen Anhängern des Classic Rock und zur anderen Hälfte aus dem hübscheren Indievölkchen, hatte seine helle Freunde. Schade, daß nicht mehr Frauen da waren, der Männeranteil dürfte mindestens 70 % betragen haben! Wahrscheinlich sind die Besnard Lakes zu hart und zu wenig gezuckert für zarte Mädchenohren...

Für den weiblichen Charme musste also die Bassistin und Sängerin Olga sorgen. Verdammt cool, wie sie ihr Instrument hielt und immer mal wieder einen Arm in die Luft riss, um ihrem Feuereifer Ausdruck zu verleihen! Ihr Gesangespart war wesentlich ausgeprägter, als ich das erwartet hatte. Da ich nur im Besitz des hervorragenden zweiten Albums The Besnard Lakes Are The Dark Horse war, auf dem sie kaum (Ausnahme Because Tonight) trällern durfte, konnte ich nicht ahnen, daß sie nicht nur für die Backing Vocals zuständig ist. Albatross , ein Killersong, ging auf ihre (nicht vorhandene ) Kappe. Aber logischerweise hatte ihr Gatte dennoch den Löwenteil am Gesang. Und wie ein Löwe fletschte der langhaarige Heißsporn auch bisweilen die Zähne! Fast wie ein Heavy Metal-Musiker rockte er immer wieder wild ab und lieferte sich in einer spektakulären Szene ein headbangendes Duel mit seinem Weibe. Und wie hoch er mit seiner Stimme bei dem wunderbaren Chicago Train, kam, der Wahnsinn! Auch bei Disaster durchdrang seine Kopfstimme das Bus Palladium und der Song war sogar noch eine Zacken schärfer als Chicago Train.

Fast eine Stunde lang klopften die vier englischsprachigen Kanadier (sie leben in Montreal kommen aber von der Westküste) das Pariser Publikum windelweich, dann zogen sie nach einem epischen und mit Wucht vorgetragenen And You Lied To Me zum ersten mal Leine. Aber sie kamen wieder und legten noch einmal nach. Mit Rides The Rails schossen sie mich endgültig waidwund. Ein profund schöner Titel, der noch nicht den Schlußpunkt setzte. Nach heftigem Applaus kamen die vier Helden nämlich noch einmal wieder und hatten erst nach Capo* endgültig fertig.

Ein astreines Konzert einer famosen Band! Stark wie eine Flasche voll und nicht schwach wie eine Flasche leer!

Setlist The Besnard Lakes, Bus Palladium, Paris:

01: Like The Ocean, Like The Innocent Pt.
02: Devastation
03: For Agent 13
04: Glass Printer
05: Land Of Living Skies Pt.1: The Land
06: Chicago Train
o7: Albatross
08: Light Up The Night
09: And This Is What We Call Progress
10: Disaster
11: And You Lied To Me

12: Light Up The Night
13: Rides The Rails

14: Capo*

* Ich glaube das ist irgendein Kürzel. Ich denke sie haben On Bedford And Grand gespielt.



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates