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Freitag, 26. September 2014

Cold Specks, Swann, Anna Aaron, Paris, 23.09.14

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Konzert: Cold Specks, Swann, Anna Aaron
Ort: La Flèche d'or Paris
Datum: 23.09.14
Zuschauer: etwa 80
Konzertdauer: Swann: 28 Minuten, Anna Aaron etwa 35 Minuten, Cold Specks ungefähr 50 Minuten


Mit Soul Musik kann man mich in der Regel jagen. Dieser langgezogene, tiefe Gesang, scheußlich. Schlimmer ist eigentlich nur Hip Hop und Emo.

Dies vorausgeschickt, hätte ich dem Auftritt der Kanadierin Al Spx alias Cold Specks eigentlich nichts abgewinnen dürfen, denn die Dame hat eine klassische Soul Stimme vorzuweisen. Dass ich aber hinterher begeistert war ist ein weiterer Beleg dafür, daß es sich immer auszahlt offen zu bleiben und sich live ein Bild zu verschaffen.

Der Auftritt von Cold Specks und ihrer Band war jedenfalls großartig und lohnte unbedingt meine Anwesenheit. Wenn ich richtig informiert bin war es der erste Auftritt der Dame aus Montreal in Paris überhaupt und dies obwohl sie schon 2012 mit ihrem Erstling I Predict A Graceful Expulsion ein Album auf den Markt gebracht hatte, daß sehr wohlwollende Kritiken einheimsen konnte. Aber gut, manchmal dauert es eben etwas länger bis Acts aus Nordamerika durch Europa touren. Und so richtig lohnenswert war der Gig aus finanzieller Hinsicht wohl auch nicht, denn die Flèche d'or war nur recht spärlich besucht. "Les absents ont toujours tort", sagt der Franzose in einer solchen Situation: "Die Abwesenden haben immer Unrecht." Stimmte auch heute wieder. Den Gig von Cold Specks hätte man sich nicht entgehen lassen sollen, er war in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Da gab es vor allem die ungewohnte Verschmelzung von souligem Gesang mit postpunkigen und noisigen Gitarren, die Heirat schwarzer mit weißer Musik sozusagen. Eine Liebesheirat mit ungemein harmonischer Note. Und dann auch noch ein erstaunlicherweise ungemein gut passendes Saxofon, welches dem Sound noch eine zusätzliche Variante hinzufügte. Schließlich wartete Cold Specks auch hin und wieder mit an Gospel erinnerde a cappella Passagen auf und unterstrich hierbei eindrucksvoll ihre stimmmlichen Qualitäten.

Hervorhebenswert auch das Charisma der farbigen Sängerin. Ohne große Rumhampeleien schaffte sie es, Persönlichkeit auszustrahlen, zu wirken. Wie sie das machte, weiß ich gar nicht so genau. Vielleicht war es das gelegentliche Fixieren der Zuschauer, die gewisse Thetralik in der Gestik und Mimik die dafür sorgten. Auf jeden Fall hatte sie Talent für die Bühne, das war unbestreitbar.

Bezüglich der Songs wurde den Zuschauern ein Mix aus dem 2012 Album und dem druckfrischen Neuling Neuroplasticity geboten, der wesentlich poprockiger und imposanter als der soulig-folkige Vorgänger ausgefallen ist. Eine veritable Perle des Neulings hieß Bodies At Bay, ein Stück, welches gitarrentechnisch an Bloc Party oder Interpol erinnerte, gesanglich an Eartha Kitt aber auch an Anna Calvi.


Ähnlich gelungen auch Absisto, ein düsteres, mysteriöses Stück, das mich fast ein wenig an den Trip Hop von Portishead denken ließ, aber auch an die längst in Vergessenheit geratene Band The Noisettes.


Bester Track des ersten Albums war Hector, der mit seinem Uptempo Beat schon die musikalische Weiterentwicklung hin zu mehr Rock und weniger Folk erkennen ließ.

Unter dem Strich ein beeindruckend gutes Konzert, das auch mit einem gelungenen Nick Cave Cover von We No Who U R aufwarten konnte.


Vorher hatte auch schon die junge Französin Chloé Lénique alias Swann ihre Qualitäten unter Beweise gestellt. Die hübsche Blondine, die normalerweise mit einer Band auftritt, bestritt den Gig solo, konnte aber auch ganz alleine Glanzlichter setzen. Ihre wunderbar tiefe Stimme, ihr gefühlvolles Gitarrenspiel und ihre zeitlos guten Songs reichten, um eine feine Stimmung zu erzeugen. Sie spielte Material ihres ersten Albums Neverending, aber auch das Stück Emmanuelle, das man auf ihrem neuen Cover Album The Wonderful World of Swann auf Vinyl (Auflage: 500 bunte Exemplare) finden kann. Das hatte was von Gainsbourg und ohnehin wirkt Swann optisch ein wenig wie die junge Jane Birkin (stimmlich allerdings überhaupt nicht). Ihr Musik ist eine wunderbare Mischung französischer Melancholie und New Yorker Coolness im der Tradition von The Velvet Underground. Man wird von ihr noch viel hören, sie hat ungemein viel Talent und auch eine verblüffende Ausstrahlung für ihr junges Alter !

Ausstrahlung hatte die vorher spielende Schweizerin Anna Aaron auch. Leider aber strotzte ihr Set voller Rock Plattitüden, da erklangen schlimmste Schweineriffs im Stile von I Love Rock'n Roll (Totemheart), aber auch Versatzstücke von Personal Jesus von Depeche Mode konnte man (beim Stück Heathen) ausmachen. Ohnehin wirkte es, als habe Aaron die Gestik von Dave Gahan adoptiert, das schrammte zeitweise knapp an der Lächerlichkeitsgrenze vorbei. Letztlich wurde den Zuhörer feister Mainstream geboten, den Anna und ihre Band aber als subversive Kunst präsentierten wollten. Teilweise war fast Fremdschämen angesagt. Brr, es war wirklich ziemlich scheußlich was da kredenzt wurde! Reden wir lieber nicht mehr drüber.

Die ganz zu Beginn spielenden Still Parade hatte ich kaum mitbekommen. Zwei Lieder reichten mir aber um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Der lautete: schön, aber recht seicht, belanglos und ohne Ecken und Kanten. Kein Kracher.

Fotos morgen !

 



Freitag, 13. Dezember 2013

Cate Le Bon, 19.11.13

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Konzert: Cate Le Bon (Super Crayon, Sam Amidon)
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 19.11.2013
Zuschauer: etwa 150
Konzertdauer: eine Stunde (Cate)





"Die ist dich genau was für dich, oder Oliver?"... fragte mich schmunzelnd und augenzwinkernd Mathieu, seines Zeichens Verantwortlicher in Frankreich für Coop (Coopérative) Er kennt mich wohl schon ziemlich gut der Bursche! In der Tat konnte ich mit dem nonchalanten Indierock der Waliserin Cate Le Bon und ihrer männlichen Begleitband eine Menge anfangen. Dieser lässig-laszive Gesang, dieses elegante Understatement, dieser leicht retro gefärbte Sound mit dezenten psychedelischen Parts. Toll!

An einem Tag, an dem auch ein gewisser Nick Cave im großen Zénith spielte, zog ich die Clubatmosphäre der etwa 400 Zuschauer fassenden La Flèche d'or vor. Wie so oft hatte ich mit Sam Amidon den ersten Künstler des Abends verpasst, aber dafür konnte ich nichts. Wenn die Verantwortlichen die ersten Acts um 20 Uhr aufs Volk hetzen, ist das eben zu früh für mich, schließlich habe ich auch eine Anreise von mindestens 45 Minuten zu bewältigen.

Gesehen habe ich allerdings den charmanten Auftritt der wavigen Lofikünstler Super Crayon aus Frankreich, den ich als gelungen empfand (wenn die Zeit bleibt unten mehr dazu).

Gegen 22 Uhr dann aber Cate Le Bon. Sie hatte bereits zuvor zwei oder drei mal in der Stadt der Liebe und des Lichts gespielt, allerdings nie mit Begleitband. Insofern wurde hier eine Premiere gefeiert, denn insgesamt 4 Musiker enterten die Bühne. Die Konzentration galt natürlich der Dame, schließlich ist sie die Chefin des Projekts. In ein langes schwarzes Gewand gehüllt trug sie mit viel Talent und Spielfreude ihre Songs vor. Bevorzugt kamen Stücke ihres neues dritten Albums Mug Museum zum Zuge, das viel Kritikerlob empfangen hat. (8/10 NME, 4 Sterne Q Magazine, 4 Sterne Mojo, 9/10 bei Uncut), aber auch auf Tracks des Vorgängers Cyrk wurde nicht verzichtet.

Die Lieder klangen live viel druckvoller, rockiger und weniger lofi als auf dem dezent gehalteten Album. Das Schlagzeug hatte viel Power, die Gitarren kamen rasiermesserscharf und angriffslustig daher und der Bass holperte brummelnd und temporeich vor sich. Besonders das fabehalfte Uptempo Stück Sisters fetzte wie Hölle. Bei No God war der Bass besonders präsent die in der Presse oft zitierten Parallen zu Velvet Undergound und Nico waren nicht von der Hand zu weisen. Allerdings wirkte hier alles moderner, den Hippie Anstrich gab es nicht und ein reiner Aufguss war es auf keinen Fall.

Duke begeisterte mit jubilierenden Gitarren, einer luftig leichten Melodie und mehrstimmigen Falsett-Chören, der nachfolgende Song He Is Leaving mit einer sanften Melancholie und einer ungemeinen Zärtlichkeit und Wärme.

Sehr stark auch der Mittelteil, als die unglaublich lässigen ersten beiden Songs von Mug Museum performt wurden. Are You With Me Now? und I Can't Help You gehören auch dem Album zu meinen Favoriten, live waren sie noch deutlich schmissiger.


Nichts kam aber an Fold The Cloth (vom Album Cyrk) ran, das als letzter Track des offiziellen Sets gebracht wurde. "It's too late to come around, put your belly to your chest and se how close we are", trällerte die Waliser auf unnachahmliche Weise (sie klang immer leicht beschwipst und ein wenig irre), bevor am Ende richtig schwere Gitarren einsetzten, lange, schrammelige Soli erklangen und wahnsinnig abgerockt wurde.



Die Zugabe war danach fast gar nicht mehr nötig, aber auch sie war hochkarätig. "Don't you know that it's different for girls?" hieß es textlich und ich glaube der mir unbekannte Song hieß dementsprechend dann auch Different For Girls.


Sehr gutes Konzert! Es wird Zeit, daß ich mich mit allen drei Alben von Cate Le Bon vertraut mache.

Zu diesem Theam dann noch einmal Mathieu von Coop: "ja ja, Cate ist schon beim dritten Album angelangt. Wir in Frankreich waren lahm, haben das fast verschlafen. Dabei ist sie eine solch außergewöhnliche Künstlerin."

Recht hatte er. Die Frau ist in der Tat außergewöhnlich und ihr Auftreten war ganz nach meinem Geschmack: düster, lässig, mit Ecken und Kanten.

Setlist

01: Solitude
02: Sisters
03: No God
04: Duke
05: He Is Leaving
06: Are You With Me Now? 
07: I Cant' Help You
08: Falcon Eyed
09: Puts Me To Work
10: Eyes So Bright
11: Cuckoo
12: Fold The Cloth

13: Different For Girls



Montag, 18. November 2013

Mariam The Believer, Nadine Shah, Bleached, Paris, 30.10.13

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Konzert: Mariam The Believer, Nadine Shah, Bleached
Ort: La Fléche d'or, Paris
Datum: 30.10.2013
Zuschauer: etwa 200
Konzertdauer: Mariam: 35 Minuten, Nadine Shah, 45 Minuten, Bleached 50 Minuten

"Hat mich irgendwie an Wildbirds & Peacedrums erinnert". Haha, ich bin manchmal schon ein wahnsinniger Trottel! Das war doch Wildbird & Peacedrums! Bzw. die Sängerin davon mit ihrem neuen Projekt namens Mariam The Believer.


Musikalisch eigentlich nicht mein Wetter. Eigentlich. Schließlich mag ich kraftvolle bluesige Frauenstimme nicht sonderlich, bevorzuge vielmehr fragile und zarte Kehlchen. Aber dennoch hatte es zwischen mir und Mariam Wallentin an diesem Abend gefunkt. Ihr Gesang war nicht wirklich schön und lieblich, aber sehr persönlich, verletztlich und berührend. Sie wirkte authentisch auf mich, ungekünstelt, trotz der teilweise dramatischen Note.

Ich dachte an Musikerinnen wie Zola Jesus oder Florence & The Machine* um die Sache stilistisch einzugrenzen, rückte davon aber schnell ab. Ich mag weder die eine noch die andere. Letztlich war es ziemlich eigen, was Mariam und ihre Band da kredenzten. Das war Folk mit einer düsteren Note und einer Prise Jazz und Blues. Die Band spielte ausgezeichnet und sehr facettenreich auf. Der Schlagzeuger, der meines Wissens (nicht sicher!) auch schon bei Wildbird & Peacdrums dabei war, verdiente sich Bestnoten, aber auch die beiden anderen Herren meisterten ihren Part einwandfrei.

Im Mittelpunkt stand dennoch immer die dunkelhaarige Schwedin, die beseelt wirkte und in ihrer Musik aufzugehen schien. Auch optisch machte sie was her mit ihren langen schwarzen Haaren, dem langen weißen Spitzenkleid und der weißen Gitarre, war aber keinesfalls eine Modepuppe.

Der barocke, virtuos inszenierte und manchmal arabisch anmutende Drama Sound von Stücken wie Somewhere Else und The String Of Everything stieß bei mir bereits auf Zustimmung, gänzlich abgefahren wurde es aber bei dem Closer Invisible Giving. Ein rasant schneller Ryhtmus wurde angeschlagen und über 10 Minuten lang zelebrierte die rassige Sängerin ihre sinnliche, gothisch angehauchte Musik, sang mit Inbrunst die Songzeilen, gab zum Schluß noch einmal alles.





Nach lediglich 35 Minuten war schon alles vorbei, aber dieses kurze Konzert hatte es auf jeden Fall in sich! Wow, Mariam The Believer muss ich wiedersehen, ich sehe und höre hier außergewöhnliches Talent!

Etwas später geht es hier mit Nadine Shah und Bleached weiter. Stay tuned!

* man hätte auch Lykke Li, Me And My Drummer oder Dillon nennen können.



Mittwoch, 30. Oktober 2013

Midlake, Paris, 28.10.13

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Konzert: Midlake (Melanie de Biasio, Daan) at Pias Nites
Ort: La Fléche d'or, Paris
Datum: 28.10.2013
Konzerdauer: knapp 75 Minuten
Zuschauer: ausverkauft


Wäre es eigentlich vorstellbar daß die Babyshambles ohne Pete Doherty auftreten könnten? Daß sie z.B. den Bassisten Drew McConnell ans Mikro stellen und alte Hits wie Delivery oder Albion spielen? Und wie viele Leute würden dann kommen? - Wahrscheinlich kaum eine Sau!

Bei Midlake lag der Fall gestern in Paris anders. Die amerikanische Folkrockband trat ohne ihren Sänger Tim Smith an, der inzwischen die Gruppe verlassen hat, und ließ statdessen den vormaligen Gitarristen Eric Pulido singen. Und dennoch war die rund 600 Leute fassende Fléche d'or ausverkauft. Beleg dafür, daß Tim Smith trotz seines Goldkehlchens einfach kein besonders charismatischer Frontmann war und somit in keiner Weise mit Pete Doherty oder anderen Paradiesvögeln vergleichbar ist.

Dennoch: ein paar Leute äußerten hinter, daß es der Neue nicht bringe und sie das Gefühl gehabt hätten, eine Midlake Coverband gesehen zu haben.

Ich persönlich war da ganz anderer Meinung. Von der ersten Minute an überkamen mich massive Glücksgefühle, denn mit Young Bride und We Gathered In Spring wurde mit Stücken von meinem absoluten Lieblingsalbum The Trials van Occupanther angefangen. Unbeschreiblich was da in mir vorging! Ich dachte an die vielen wundervollen Stunden, die ich mit dem Album verbracht habe, als ich mit meinem Ipod und den zeitlos schönen Songs am Eiffelturm spazieren ging. Im Jahre 2006 war das, meine Begeisterung für Midlake kannte damals kaum Grenzen. Auch die Konzerte von Midlake habe ich genossen, besonders blieb mir der hervorragende Gig im Trabendo in Erinnerung. Daneben gab es aber auch Festivalauftritte, die zwar schön, aber nicht unbedingt orgasmisch toll waren. Dazu waren die Burschen einfach zu schüchtern und bescheiden und vielleicht auch noch etwas jung.

Im Jahre 2013 nun also die gleiche Band, ein paar Jahre älter (aber nicht wirklich fetter obwohl der neue Frontmann Eric das schelmisch schmunzelnd behauptete), aber ohne ihren alten Anführer. Die Texaner kompensierten diese Tatsache verblüffend gut. Zugegebenermaßen musste auch ich mich erst einmal an den leicht veränderten Gesang gewöhnen, aber spätestens nach einer halben Stunde Spielzeit und ein paar neuen Songs, hatte ich Eric als neuen Sänger adoptiert. Er hat zweifelsohne eine schöne Stimme, durchaus mit der seines Vorgängers vergleihcbar und zudem eine angenehme Ausstrahlung. 


Seine Bandkollegen spielten ihrerseits psychedelischer und rockiger denn je. Absolut herausragend war hierbei Schlagzeuger McKenzie Smith, der hinten den ganzen Laden aufwirbelte und spielte wie ein ganz Großer seiner Zunft. Er hatte seine besten Momente, wenn Midlake in längere instrumentale Phasen abdrifteten, die klar machten, daß sie keine reine Folkband mit ruhigen Liedern sind, sondern eine bärenstarke Truppe mit gleich zwei E-Gitarren und einem satten Bass. Beim allerletzten Lied Head Home wurde das Ganze gar so furios präsentiert, daß ich ob der minutenlangen Dauerbefeuerung selbst in Ekstase geriet.

Vorher wurden aber auch mitunter leisere Töne angeschlagen und hochmelödiös und poetisch war es sowieso immer. Kaum eine Band hat so filigrane, feinziselierte Songs zu bieten, Songs wie den herzerwärmenden The Courage Of Others, die das Zeug zu modernen Klassikern haben.

Was die Langzeitwirkung der neuen Liedern von dem bald erscheinenden Album Antiphon zu halten ist, war nach lediglich einem Hördurchgang für mich freilich kaum zu beurteilen, wenngleich Antiphon und Provider auf Anhieb aufhorchen ließen. Klar wurde aber jetzt schon, daß Midlake als Band, in der jeder seine wichtige Rolle spielt (Pluspunkte neben dem bereits oben gelobten Drummer für den exquisiten Querflötenspieler!), gewachsen ist, was auch in der Performance und den Stücken zum Ausdruck kam. Vormals waren sie sicherlich eher auf die Person des Sängers Tim Smith und seine Liedschreibkunst fixiert, nun aber ist es eher eine Teamleistung, die sie zeigen.





Aus der Zeit von Tim stammt allerdings ein Stück namens Kingfish Pies vom ersten Album Bamnan and Silvercork, das man knapp zehn Jahre nach seinem Erscheinen noch einmal wiederentdecken sollte. Schon damals waren Midlake eine feinfühlige, melodienverliebte Band und dass es nun auch ohne Smith trotzdem weitergeht, erfeut um so mehr.

Eine Stunde Konzert mit Midlake war jedenfalls trotz der Bullenhitze in der Fléche d'or ein richtiger Genuss und da auch die vorher auftretende belgische Jazzsängerin Mélanie de Biasio Erlesenes zu bieten hatte, konnte man wirklich von einem gelungenen Abend sprechen.

01: Young Bride
02: We Gathered In Spring
03: Antiphon
04: Provider
05: Rulers, Ruling All Things
06: The Courage Of Others
07: Kingfish Pies
08: It's Going Down
09: Aurora Gone
10: The Old & The Young
11: Roscoe
12: Reprise

13: Head Home 



Samstag, 16. Februar 2013

Pias Nites mit Serafina Steer, Lord Huron u.a., Paris, 12.02.13

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Konzert: Pias Nites, mit Serafina Steer, Lord Huron, On And On, Champs
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 12.02.2013
Zuschauer: leider nur mittlerer Andrang
Konzertdauer: pro Act etwa gut 40 Minuten

Es spricht für die großstädtische Pariser Gelassenheit, daß Jarvis Cocker* völlig unbehelligt an der letzten Pias Nites in der Pariser Fléche d'or teilnehmen konnte. Und zwar als Gast. Er war gekommen um seinen Schützling Serafina Steer zu begutachten. Jarvis hat das aktuelle Album... der Harfespielerin produziert und war deshalb natürlich neugierig, wie die Liveumsetzung gelingen würde. Es war schon eine witzige Sache, daß der Pulp Sänger plötzlich und unerwartet neben mir stand, Photos von Serafina schoss und dann sogar ein kleines Video aufnahm. Ich ließ ihn natürlich in Ruhe, schließlich wollte ich die Show auch sehen und nicht den Vortrag durch deplatzierte Plapperei stören. Hinterher ließ ich es mir allerdings nicht nehmen, ihn anzusprechen, ihm zu seiner gelungenen Kooperation zu gratulieren und zu erzählen, daß ich Serafina bereits dreimal live in Paris gesehen hätte. Davon schien er gar nichts zu wissen und meinte nur trocken: "she doesn't tell me anything."

Entdeckt hatte ich Steer beim Festival BB Mix in Boulogne-Billancourt vor den Toren von Paris. Danach sah ich sie noch zwei weitere Male live und war jeweils sehr von der Dame angetan.

Seitdem ist ein wenig Zeit ins Land gegangen und nun war ich froh, die aus Wales stammende Musikerin wieder einmal on stage zu erleben. 

Vor ihr  waren schon zwei Bands an den Start gegangen. On and On aus den US of A (das neue Signing von Cityslang) und Champs von der britischen Isle Of Wight. On and On hatte ich komplett verpasst (Ansetzung 20 Uhr, ohne Worte), Champs dann aber weitenteils mitbekommen. War ein gelungener Auftritt bestehend aus Simon & Garfunkelschen Balladen und melodischem Indierock.

Dann endlich Serafina und ihre riesige Harfe. Mit roter Hippiehose und zusammen mit einem Musiker, der später am Laptop werkelte, kam sie auf die Bühne und bot rund 40 Minuten lang wundervoll ätherischen Folk, der aufgrund der synthetischen Beiklänge bisweilen poppige Formen annahm (Nerds sprechen in diesem Falle von Folktronica).




Die klassisch ausgebildete Künstlerin Steer hat sich längst von der steifen Musikerin aus dem Konservatorium zu einer Allrounderin entwickelt, die keine Genregrenzen kennt und definitiv keine Kopie von Joanna Newsom ist. Dafür ist bereits ihre Stimme viel zu unterschiedlich. Statt kindlichem Piepsgesang hört und hörte man eine recht tiefe Frauenstimme mit herrlich englischem Akzent. Serafina hat ein solch trostspendendes und trauriges Gesangesorgan, daß ich unweigerlich an die große Sandy Denny erinnert wurde. Und als ich dann noch feststellte, daß sich die beiden optisch ähneln, war ich umso mehr verdutzt. Dennoch war das hier kein Revival Folk, sondern eine moderne Interpretation mit einer Mischung aus klassischen und zeitgenössischen Einflüssen. Das erste Lied sang Serafina auf französisch, bevor sie in ihre Muttersprache wechselte. Allein ihr beim Zupfen der Harfe zuzusehen, war ein Genuß! Immer wieder faszinierend anzusehen, diese Tätigkeit, die gleichzeitig Kraft, aber auch Gefühl erfordert. Es ist ein widerborstiges Instrument, daß freilich solch  himmlische Töne hervorlockt, daß man sich vor den Pforten des Paradises wähnt. Die harte Arbeit die dahinter steckt, verdrängt man natürlich beflissentlich, schließlich will man genießen.


Der Genuß war auch weitestgehend ungestört, wenngleich es trotzdem ein paar Labertaschen gab, die durch ihr Geplappere nervten. Aber ich konzentrierte mich nur auf Steer, sah ihr beim Zupfen zu und versuchte, mich fallen zu lassen. Ziemlich gut gelang mir dies bei dem Stück Machine Room mit der repetetiven Gesangespassage: "transformation, transformation transformation" und den mysteriösen Tönen, die es begleitete.


Klassischer klang Brick Lane, das vor allem durch seine Sanftheit bezauberte.


An fünfter Stelle mit How To Haunt A House Party dann ein Lied, das wirklich an der Grenzlinie zwischen Elektropop und Kammerfolk hin und herwanderte. Synthetische Beats und klassisches Harfespiel gingen eine funktionierende Ehe ein und manchmal erinnerte mich das Ganze gar an Anika und ihren New Wave Dubsteb.


Wesentlich lieblicher und völlig frei von Diskoklängen dann The Moths Are Real. Hier war der Vergleich mit Sandy Denny wirklich angebracht, beide sind so anziehend melancholisch und fast mittelalterlich angehaucht.


Mit Uncomfortable dann später wieder treibende Discobeats und ein wirklich flottes Harfespiel.


Abgeschlossen wurde schließlich mit Disco Compilation, ein ebenfalls poppig klingendes Stück mit einem catchy Refrain und einem äußerst flotten Ryhthmus:


Unter dem Strich stand ein verblüffendes Konzert, bei dem deutlich wurde, daß Serafina sich wirklich nicht darauf festlegen will, ob sie Folk oder Pop macht. Sie will und kann halt eben beides. Jarvis brauchte sie eigentlich nicht dazu, aber seine Prominenz verschafft ihr hoffentlich die seit langem verdiente größere Aufmerksamkeit.

 

Aufmerksamkeit, die eine Band wie Lord Huron anscheinend bereits jetzt schon bekommt, zumidest in den USA. "All my friends are talking about this band for months!" erklärte mir ganz aufgeregt ein amerikanischer Kumpel, der seit zwei Jahren in Paris lebt und selbst als Blogger unterwegs ist. Ein gewisser Hype also, der somit geradezu nach Überprüfung schreit. Also, was taugen sie wirklich diese Lord Huron? Ist das eine Band, auf die sich die Indie Folker in den nächsten Jahren einigen können? Wenn es denn überhaupt eine Band ist, denn eigentlich handelt es sich wohl um das Solprojekt des ehemaligen Kunststudenten Ben Schneider, der- obwohl aus Michigan stammend, inzwischen in L.A. lebt.



Soloprojekt oder richtige Band, anyway, auf der Bühne standen jedenfalls viele Musiker, die einen sehr reichen, melodiösen und sonnengereiften Sound kredenzten, der unglaublich stark an die Fleet Foxes und Vampire Weekend erinnerte. Ich wußte nicht so recht, was ich davon halten sollte. Vor Begeisterung jubeln, weil die Musik wirklich sehr catchy und stimmungsfördernd war, oder mein Mißgefallen darüber bekunden, daß schon wieder eine Band unterwegs ist, die ein Stück von dem Folkkuchen, den die Fleet Foxes und Mumford & Sons gebacken haben, abbekommen will?



Das Songmaterial war jedenfalls schon einmal sehr attraktiv. Da hörte man tolle Nummern wie The Ghost On The Shore oder Man Who Lives Forever und wurde von den funkelnden Gitarren und den feinen Chorgesängen geradezu überwältigt.

Ist also jeglicher Widerstand zwecklos? Sollte man sich einfach Lord Huron zu 100 % ergeben und sich einen Teufel darum scheren, daß es zur Zeit viele Bands gibt, die ähnlich klingen?

Das Publikum in der Pariser Flèche d'or schien diese Fragen recht eindeutig beantwortet zu haben. Es bestand zu großen Teilen aus Amerikanern und war angetan, tanzte, sang mit und hatte einen fantastischen Abend.


Den hatte ich letztlich auch, alle Bands waren gut, die Stimmung angenehm und die Pias Nites im Allgemeinen ein Garant für schöne Konzerte!

* Foto: Archiv.



Donnerstag, 20. Dezember 2012

Rozi Plain, King Creosote, BRNS, Paris, 15.12.12

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Konzert: Rozi Plain, King Creosote, BRNS
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 15.12.2012
Zuschauer: relativ gut besuchte Veranstaltung


Ein ganz ausgezeichnetes Line Up erwartete die Besucher am vergangenen Samstag in der Pariser Fléche d'or.


 


Insgesamt traten vier erlesene Ats auf, von denen ich freilich wie so oft den ersten, Her Magic Wand aus Frankreich, verpasst hatte. 





Dann aber schon Rozi Plain aus Bristol, UK. Sie stand gemeinsam mit Kate "This Is The Kit" Stables und Jessie "Morningstar" D. Vernon auf der Bühne. Kate an der Trompete, Rozi an der Gitarre und Jessie am Bass so die Rollenverteilung. 



Mit diesem kargen Instrumentarium schafften es die drei überaus sympathischen Musiker, kleine feine Songs zu kreieren, die in punkto Charme und Liebenswürdigkeit Bestnoten verdienten. Alles hier war so sanft, so dezent, so herzerwärmend. Kein Bedarf an Effekten, Gekünsteltheiten oder wilden Posen, Rozi und ihren Freunden reichten leise Harmoniegesänge, schöne Melodien und eine spärliche musikalische Untermalung  völlig aus, um uns zu verzaubern. Man merkte ihnen die Liebe zu ihrer Musik an, wurde Zeuge einer eindrucksvollen Demonstration von Entschleunigung. In hektischen Zeiten und einer stressigen Stadt wie Paris Gold wert, so etwas. Da kommt man eingepfercht wie ein Sardine aus der übervollen Metro an und findet sich plötzlich in einer Oasis der Ruhe und Harmonie wieder. Und sofort fühlt man sich schon etwas besser, fängt an zu entspannen, loszulassen und die Muskeln zu lockern.







Auf der Bühne wurden unterdessen tolle Lieder wie Humans oder See My Boat gespielt, die man sogar als Vinylsingle mit schönem Art Work käuflich erwerben konnte.


 


Dabei sind eigentlich alle Tracks auf dem aktuellen Album Joined Sometimes Unjoined und viele von dem ersten Longplayer Inside Over Here sehr gelungen. Insofern ist eine Konzentrierung auf einzelne Hits also nicht notwendig. See My Boat ist allerdings wirklich ein Kleinod. Wenn die Gitarren da so herrlich auffunkeln, das Lied im Verlauf immer intensiver wird und der Gesang ins Herz vordringt, ist man als romantisch veranlagter Mensch einfach chancenlos und gibt sich wie ich der Sache widerstandslos hin.


 


Den Vogel schoß dann zum Schluss noch Sides ab, als sich King Creosote und seine Freundin hinzugesellten, man zu fünft kindliche Gesänge anstimmte und dazu gemeinsam die Arme in die Luft riss. Das war eine Atmosphäre wie auf einem Kindergeburtstag und die habe ich eigentlich immer geliebt.

Mit angenehmen Gefühlen im Bauch endete also dieser wundervolle Auftritt und ein kurzer Plausch am Merch mit Kate und Rozi steigerte mein Befinden noch weiter.

Setlist Rozi Plain, La Flèche d'or, Paris:

01: Take It
02: I Know
03: Sololo
04: Humans
05: Catch Up
06: Cold Tap
07: Friend City
08: See My Boat
09: Sides






Ideale Voraussetzungen um den nun startenden Schotten King Creosote zu genießen. Wir hatten ihn ja schon kurz bei Rozi auf der Bühne erlebt und nun nahm er diese (zunächst) ganz alleine ein. Ein relativ kleines Männchen mit grauen Haaren und ein paar Furchen im Gesicht, die darauf schließen ließen, daß er keine 20 mehr war.


 


Seine Stimme klang wahnsinnig gut. Er verfügt über eine ganz außergewöhnlich puren und naturreinen Gesang, der mich an seinen Landsmann Alasdair Roberts denken ließ. Beide eint ein poetischer, literarischer Ansatz, eine Art des zeitlosen Songwritings, die man fast als mittelalterlich, zumindest aber als althergebracht bezeichnen kann. Der Bursche verfügte zudem über viel (schwarzen) Humor, schmunzelte zynisch als bei Lied vier seine junge Lebensgefährtin zu ihm auf die Bühne kam und bluffte einen Herrn in der ersten Reihe an: "Ah, jetzt guckst du und fotografierst! Eben als ich hier allein stand, haste das nicht gemacht. Aber ich verstehe das, wenn man die Wahl zwischen einem alten häßlichen Mann und einer jungen hübschen Frau hat..."


 


Die beiden sangen dann auch perfekt zusammen, wenngleich ich keine einzelnen Lieder namentlich benennen kann.* King Creosote hat bereits über vierzig (!) Alben veröffentlicht, unter anderem auf dem renommierten Label Domino (Franz Ferdinand, Arctic Monkeys, The Kills u.va.) und arbeitet auch mit vielen anderen Künstlern zusammen, so zum Beispiel mit Jon Hopkins, mit dem er gemeinsam sogar für den Mercury Prize nominiert worden war.


Ein Tausendsassa also, der mit Fence Records sogar sein eigenes Label betreibt und darauf unter anderem Werke von James Yorkston, François and The Atlas Mountains und...Rozi Plain! veröffentlicht.

Wer lieblichen, feinfühligen Folk schätzt, der ist bei King Creosote und seinem Fence Label in besten Händen. Ein betörendes Konzert!



Dann wurde es musikalisch ganz anders. Statt Folk gab es nun Indierock mit leicht experimenteller Note. BRNS aus Belgien hieß die vierköpfige Truppe, die nun den Zuschauern gewaltig einheizte.


Schon ihr Bühnenaufbau war ungewöhnlich. Der Sänger und der Schlagzeuger (der ebenfalls sang) waren vorne seitlich zum Zuschauer aufgestellt und sahen sich somit an. Hinten agierten dann noch zwei weitere Musiker, diese allerdings mit dem Blick Richtung Publikum.

Gespielt wurde ein sehr flotter und zackiger Sound mit vielen Tempo- und Rhythmuswechseln, Cowbells, schräg schönen Harmoniegesängen und einem eigenwilligen Charme. Das erinnerte entfernt an Alt-J, Animal Collective oder auch Yeasayer, hatte aber keinesfalls den Charakter von Trittbrettfahrer- Musik.


Überragend der schnauzbärtige Drummer! Wie der draufknallte und mit vollem Körpereinsatz rödelte wie ein Besessener, das war schon ganz großes Tennis! Kein Wunder, daß die Musik so euphorisierend wirkte, obwohl ihr eine zarte Melancholie innewohnte, die BRNS in eine gwisse Nähe zu den Girls In Hawai stellte.

Das Publikum reagierte begeistert auf BRNS und feuerte die Jungs so richtig schön an, zumal es das allerletzte Konzert ihrer Tour war.

Ich fieberte ebenfalls mit und war enorm froh, eine solch kreative Band für mich entdeckt zu haben!


 

Insgesamt ein prima Konzertabend, der sich voll gelohnt hatte!

* vorher sang er Nothing Compares To You von Sinead O'Conor bzw. Prince, das kannte ich natürlich.


Samstag, 6. Oktober 2012

Frightened Rabbit & Dark Horses, Paris, 29.09.12

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Konzert: Frightened Rabbit & Dark Horses
Ort: La Fléche d'or Paris
Datum: 29.09.12
Zuschauer: recht gut besuchte Veranstaltung




Nach der Band Of Horses und Horse Feathers nun also Dark Horses. Mit der erdigen Folkigkeit der beiden erstgenannten Bands haben Dark Horses von denen ich hier spreche aber nichts zu tun. Statt rustikalen Karohemden, Bärten und Tattoos erlebte man eine komplett durchgestylte Band mit einer stilvollen blonder Sängerin an der Spitze und Typen mit schwarzen Biker-Lederjacken. Lisa Elle heißt die Dame mit dem trendigen Pagenkopf und stammt aus Schweden. Lästerer behaupten hinterher, daß eine solche Schönheit eben nicht aus England stammen könne (gemein diese Franzosen!) Ob dies stimmt? Also ich habe in England immer tolle Frauen mit schönen großen Brüsten gesehen. Aber lassen wir das...


Was haben wir musikalisch von Dark Horses zu halten? Bleibt da bei soviel Inszenierung und Modenschau (die Sängerin trug zu Beginn ein Cape über dem Rücken, einer der Männer einen effektheischenden überdimensioalen schwarzen Hut, alle hatten den Schriftzug Dark Horses in weißen Lettern hinten auf ihren schwarzen Lederjacken zu stehen*) überhaupt noch Raum für etwas anderes? Oder war das einfach nur ein Catwalk mit einem Soundtrack vom Band?







Nun, ganz so einfach fällt mir die Antwort gar nicht. Das Konzert hatte gute Momente, war aber nicht durchgängig packend. Stilistisch war das eine Mischung aus Shoegaze, Dreampop und einem Hauch Krautrock. Dem Bandnamen enstprechend war alles düster gehalten, ließ aber auch einzelne kleine Lichtstrahlen durch. Fühlte sich ein wenig an wie ein Pferderitt bei Nacht mit schwachem Mondschein. Das Problem war aber, daß das Ganze ein wenig clean und durchinszensiert präsentiert wurde, so daß man nie so richtig rein kam. Eine gewisse Faszination ging aber schon von der kühlen Schwärze der nebelumhüllten Hall-Musik und der eleganten Sängerin aus. Man fragte sich immer: "wann kommt jetzt mal so ein richtiger Killersong, der uns ordentlich durch Mark und Bein geht? Letztlich gab's den aber nicht, obwohl die Songs eigentlich durchgängig gefällig bis recht gut waren.

Am Merch-Stand herschte dann auch eher eine Absatzflaute. Will heißen, ich habe keine einzige CD den Besitzer wechseln sehen, die Band hat den ganzen Kram wieder mit in die nächste Stadt geschleppt. Lag aber sicherlich auch am Preis. 15 Euro für eine CD gibt heute kaum noch jemand aus, gerade bei Konzerten erwarten Musikfans, daß sie den Silberling für einen Zehner bekommen.

Setlist Dark Horses:

01: S.U.N.
02: Boxing Day
03: Radio
04: No Dice
05: Traps
06: Alone
07: Rose


Dann kamen schließlich die Headliner Frightened Rabbit aus Schottland. Eine Art Indie-Ausgabe von U2, deren hymnische Songs vor "ohohoho"-Singalongs nur so strotzen. Aber sie wirken erdiger und authentischer als die Band von Bono und weger ihrer Natürlichkeit und Bodenständigkeit nimmt man ihnen auch so manchen zu sülzigen Text ab. Sind eben Schotten und da trift man oft diese Mischung aus Raubein und Romatinker, was wahrscheinlich an dem häufigen Regen liegt. Ihr erstes Album  The Midnight Organ Fight (2007) lief damals bei mir rauf und runter, aber dann kühlte sich meine Begeisterung ein wenig ab. Bei ihrem Auftritt in Haldern 2010 empfand ich sie auch als ein wenig zu pathetisch und stadionlastig und deshalb habe ich mich in letzter Zeit nicht mehr mit ihnen beschäftigt. Die Show in der Fléche d'or stimmte allerdings versöhnlich. Das war frischm geradlinig und mit viel Freude an der Sache gespielt und nicht nur die alten Sachen wie The Modern Lepper oder My Backward Walk, sondern auch Stücke der neuen State Hospital EP wie der Titeltrack oder Boxing Night wussten zu gefallen.


Die Stimmung im Publikum war ohnehin durchgängig ausgezeichnet, Highlights innerhalb eines packenden Sets zu benennen daher schwierig. Dufte war jedenfalls gegen Ende The Loneliness & The Scream, das mich mit seiner druckvollen Art fast ein wenig an Biffy Clyro denken ließ, obwohl Frightend Rabbit natürlich üblicherweise nicht so heavy und brachial sind wie ihre tätowierten Landsleute. Den Singalong des Songs sangen die Fans noch Minuten nach dem Ende des Konzertes nach, fast so wie das Nervensägen mit dem Riff von Seven Nation Army machen.



Gutes Konzert von Frightened Rabbitt!

Setlist Frightened Rabbit

01: The Modern Leper
02: Nothing Like You
03: Old Old Fashioned
04: State Hospital
05: Fast Blood
06: Head Rolls Off
07: Swim Until You Can't See Land
08: Boxing Night
09: My Backward Walk
10: Living In Colour
11: The Loneliness And The Scream

* wie man in Berlin zu sagen pflegt




Donnerstag, 12. Juli 2012

James Levy and The Blood Red Rose, Paris, 30.06.12

1 Kommentare

Konzert: James Levy and The Blood Red Rose

Ort: la Fléche d'or, Paris
Datum: 30.06.2012
Zuschauer: wenige: vieleicht 60


Von den neuen Hazelwood/Sinatra ist oft die Rede und die Kritiken für das Debütalbum Pray To Be Free von James Levy and The Blood Red Rose sind ohnehin durch die Bank weg sensationell gut. Klar, daß da bei mir Neugierde aufkam, als ich von dem Konzerttermin des gemischten Duos in der Pariser Flèche d'or hörte. Als dann noch mein Bloggerpartner Christoph auf mich einredete, diesen Liveauftritt keineswegs zu verpassen, weil das Album so wahnsinnig schön sei, war die Entscheidung gefallen. Ich musste da hin!

Ich kam sogar pünktlich und verpasste keine Minute des sehr schlecht besuchten Konzertes. Hochstimmung wollte bei mir aber leider keine aufkommen. Zu wenig Biss hatte das Ganze, zu gefällig und belanglos plätscherte alles dahin. Ich war ohnehin nie riesiger Fan von Levy, fand die Alben Glorious und Rotten Love nur durchschnittlich, teilweise einfach auch zu schmalzig. Klar, der Kerl hat eine schöne Baritonstimme, aber das Songmaterial war einfach nicht gleichmäßig gut, ein paar Songs ragten heraus (Rotten Love, Glorious eben) der Rest fiel teilweise deutlich ab.

Zusammen mit Allison Pierce (von The Pierces) hat er sicherlich ein homogeneres Werk hinbekommen, aber der Schwung des Albums konnte live nicht wirklich vermittelt werden. Es fehlte einfach das Schlagzeug und Trometen oder Geigen wie auf der orchestral arrangierten Studiofassung gab es natürlich auch keine. In der heutigen abgespeckten Version lediglich mit einer Akustigitarre geriet das Ganze dan letztlich ein wenig eintönig und unspektakulär. Das Spektakulärste - und nun wird man mich wieder für einen sexistischen Macho halten- waren das glamouröse Kleid und die langen Beine von Allison.

Letztlich ein Konzert, das die Einstufung "gehobener Durchschnitt" verdiente. Passabel, aber nicht unverpassbar. Ich hätte also diesen Samstag abend auch auf der Couch verbingen können.

Setlist James Levy and The Blood Red Rose, L Flèche d'or, Paris

01: Sneak Into My Room
02: Give Me Happiness
03: Cryin' To The River
04: Rivka
05: Keep My Baby
06: Hung To Dry
07: Pray To Be Free
08: Rotten Love (Levy)
09: Cry Myself To Sleep
10: Painted Red
11: Glorious (Levy)
12: Walk Not Run



 

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