Montag, 20. Juni 2016

Song conversation, Ludwigsburg, 19.06.16


Song conversation mit Judith Holofernes, 
       Robert Gwisdek (aka Käptn Peng) & Gisbert zu Knyphausen
Ort: Reithalle in der Karlskaserne in Ludwigsburg
Datum: 19. Juni 2016
Dauer: 120 min
Zuschauer: über 500 (ausverkauft)


Unter dem Namen Song Conversation hatten zwei meiner Helden, nämlich Judith Holofernes und Käptn Peng  gemeinsam mit Gisbert zu Knyphausen für zwei Abende eingeladen. Und alle, alle kamen. Der Samstag in Stuttgart war fix ausverkauft, aber für den zweiten Tag in Ludwigsburg gab es noch kurz länger Karten. Passte eigentlich sowieso auch besser und gab obendrein die Chance, schließlich in Sternfahrt von Karlsruhe und Stuttgart nach Ludwigsburg aufzubrechen. Außer uns waren noch 500 andere Leute gekommen und auch die drei Musiker hatten noch Unterstützung dabei, nämlich Felix Weigt an Bass und Piano und Max Schröder  am Schlagzeug (beide spielen auch in der Höchsten Eisenbahn, mit der sowohl Judith als auch Gisbert schon zusammengearbeitet haben).


Der Abend begann wirklich verheißungsvoll, denn die Sonne hatte es am Nachmittag endlich geschafft, für etwas länger die Wolken vom Himmel zu verbannen. Fast schon hatte ich vergessen, wie Sommer auch sein kann! So konnte das Areal an der Karlskaserne seinen ganzen Charme ausspielen und ich kann mich kaum erinnern, wann ich zuletzt so tiefenentspannt in ein Konzert gegangen bin. Bis kurz nach 19 Uhr noch genossen wir die heitere Atmosphäre und die Vorfreude auf einen ganz gewiß besonderen Abend. Zum Einlass wurde schließlich im Rund gegongt und gefühlte fünf Minuten später schon saßen alle auf ihren Plätzen. Die Wartezeit bis zum Konzertbeginn wurde nicht überstrapaziert und zu großem Applaus betraten die fünf Künstler knapp vor 19:15 Uhr die Bühne.


Was sollte man sich nun erwarten? Ich hatte im Vorfeld darüber nicht arg nachgedacht, denn einerseits war dafür nicht recht Zeit gewesen und andererseits war ich mir sicher, dass sich auch die Künstler mit dem Abend ein Geschenk machen wollen würden. Eine Chance aus der sie etwas spannendes bauen würden. Dabei zuzusehen würde in jedem Fall die Fahrt gelohnt haben. Tatsächlich gaben sie ihrem Affen Zucker und kramten uns Lieder hervor, die sie selber sehr mögen, die sie sich anverwandelt haben (z.B. in Textübertragungen) oder mit denen sie schon lange innerlich leben. Unweigerlich dabei auch eigene Herzenslieder wie Henry Lee, I follow you into the dark oder Masters of War.


Sie schafften es aber auch, in interessanter und mitunter herrlich überraschender Weise ihre Songs miteinander reden zu lassen. Gleich zu Anfang gab es so einen Wunder-Moment mit einer Symbiose vom Monster-Lied von Käptn Peng, das als Refrain das Kannst Du mein Monster halten der ersten Heldenplatte beigefügt bekam (großer Achja-Moment in meinem Herzen, der fast bittersüß wurde, als Judith darauf hinwies, dass ihr Monster schon 16 Jahre alt ist).

Dabei wurde schön mit Rollen gespielt, indem Instrumente rund gingen, Lieder der jeweils anderen gesungen wurden, Duette gebildet wurden und zwischendurch auch echt abgerockt wurde in glückseliger Dreieinigkeit. Faszinierende Einigkeit in gewissen Themen wie gruselige Lieder oder unkitschige Liebeslieder oder der Veehrung von Conor Oberst. Auch dass Herr Gwisdek und Frau Holofernes nicht im klassischen Sinn toll singen können machte neben dem Stimm-stärkeren Herrn zu Knyphausen nichts aus.  Es machte auch nichts, dass Käptn Peng ohne "seine" Tentakel deutlich weniger anarchistisch agieren muss. Dafür rückte in den Mittelpunkt, was die Texte zu sagen haben und was sie mit den Künstlern machen und auch mit uns, dem Publikum. Und die zwei Bandmusiker zusätzlich gaben gerade genug Bums obendrauf, dass es auch mal herrlich laut werden konnte.



Das kam beim Publikum an und so musste es Zugaben geben. Die Lösung auf der Bühne war, dass Gisbert eines seiner Lieder sang (er fragte nach Wünschen, aber richtete sich dann doch nach dem eigenen Gusto) und Judith Holofernes einen anverwandelten Country-Song (mit vielen Strophen) mit der Band vortragen konnte. Käptn Peng ergriff die Gelegenheit, einen herrlichen fast 10 min langen Knaller mit Socke zu geben, der - wie immer - ordentlich gefeiert wurde. Danach war definitiv Schluß, was irgendwie schade war, andererseits aber auch ok. Denn mit zwei Stunden Programm hatten sie sich nicht gerade lumpen lassen und man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist....

Außerdem bleibt die Hoffnung dass die Schloßfestspiele in Ludwigsburg weiter solche interessante Ideen umsetzen, wenn diese vom Publikum so begeistert aufgenommen werden!

Setlist:
01: M.I.L.F. (JH)
02: Kannst Du mein Monster halten (WsH) vs Monster (KP)
03: König Alkohol (Spinvis, übersetzt
GK)
04: Henry Lee  (Nick Cave)
05: neues Lied ohne Titel (GK) vs Sie mögen sich (KP)
06: Liebe Teil 2 - Jetzt erst recht (JH)
07: Ofen aus Glas (Element of Crime)
08: Nichts was wir tun könnten (WsH) 

09: I Will Follow you into the dark (Death Cab for Cutie)
10: Danke, ich hab schon (JH) vs Kündigung (KP)
11: Verschwende deine Zeit (GK)
12: Stiller (WsH) vs Sein Name sei Peng (KP)
13: Bowl of Oranges (Bright Eyes)
14: Masters of war (Bob Dylan)
15: Liebes Leben (KP)
16: Das Leichteste der Welt (Kid Kopphausen)


17: Flugangst (GK)

18: Wenn ich ein Boot hätte (Lyle Lovett, übersetzt von JH)
19: Sockosophie (KP)

(JH) Judith Holofernes
(WsH) Wir sind Helden
(KP) Käptn Peng
(GK) Gisbert zu Knyphausen

Aus unserem Archiv:
Judith Holofernes, Stuttgart, 14.04.14
Wir sind Helden, Haldern, 13.08.11
Wir sind Helden, Paris, 20.09.07  

Gisbert zu Knyphausen, Erbach, 15.07.12
Gisbert zu Knyphausen, Haldern, 12.08.11
Gisbert zu Knyphausen, Rüsselsheim, 10.07.10 
Käptn Peng und die Tentakel von Delphi, Karlsruhe, 07.08.14  
 

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