Posts mit dem Label La Maroquinerie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label La Maroquinerie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Emily Jane White, Motorama, Flotation Toy Warning, Paris und Bordeaux 9.und 12.11.16

0 Kommentare


Konzerte: Emily Jane White, Flotation Toy Warning, Motorama
Orte: La Maroquinerie, Paris, Le Rocher de Palmer, Bordeaux
Daten: 9 November 2016 Paris, 12. November 2016 Bordeaux 


Das absolut wundervolle französische Label Talitres feierte seinen 15. Geburtstag in Paris und Bordeaux und da musste ich natürlich dabei sein! Was hat mir Labelchef Sean Bouchard mit seinen Veröffentlichungen über die ganzen Jahre hinweg für eine Freude bereitet! Der Teufelskerl hat einen Grossteil meiner Lieblingsalben der 2000er Jahre veröffentlicht! Zu seinem Katalog gehörten und gehören unter anderem Longplayer von: The Organ, I liketrains, Swell, The Wedding Present, Kim Novak, The National (Album Sad Songs For Dirty Lovers), Rachael Dadd, The Walkmen, Rozi Plain, The Apartments! 

Alben die mein Leben verändert und mir viel Mut und Hoffung gegeben haben, ja die auch mit dazu beitrugen, dass ich mit diesem Blog hier überhaupt angefangen habe. Die Platte von The Organ haben Christoph und ich geliebt und das hat uns Lust gegeben, uns täglich mit dem Schreiben über Musik die wir mögen zu beschäftigen.

Das musikalische Programm der Jubiläumsfeierlichkeiten von Talitres sah dann im Detail so aus:

Paris,  La Maroquinerie:

09.11.16: Motorama, Emily Jane White
10.11.16: Motorama, Flotation Toy Warning, Will Samson

Bordeaux, Le Rocher de Palmer

11.11.16: François And The Atlas Mountains, Stranded Horse, Will Samson
12.11.16: Emily Jane White, Flotation Toy Warning, Motorama

Natürlich wollte ich eigentlich jeden Abend mitfeiern, aber es gab da ein paar Probleme. Zunächst einmal war da mein Tinnitus zu nennen, den ich mir beim Konzert von The Wedding Present ein paar Tage zuvor zugezogen hatte und dann war meine Freundin auch noch auf die gute, aber mich in eine Zwickmühle bringende Idee gekommen, für den 9. November Karten für John Carpenter im Pariser Grand Rex zu ordern. Ausgerechnet an jenem Abend waren aber eben Emily Jane White und Motorama in der Maroquinerie angesetzt! Was also tun? Meine Lösung sah folgendermassen aus: am 9. zu John Carpenter gehen und dann am 12. nach Bordeaux fahren, um dort den in Paris verpassten Auftritt von Emily Jane White nachzuholen. Die Reise nach Bordeaux trat ich dann auch wirklich an, das Konzert von John Carpenter am 9 Novemver verliess ich aber nach nur einem einzigen Lied, weil es mir dort mit meinen schmerzenden, pfeifenden Ohren viel zu laut war, trotz Ohrenstöpseln.

Eine Tag später, am 10. November, versuchte ich erneut zu testen, ob meine Ohren dem Lärm eines Konzertes stand halten würden und da ich meine Laucherchen fest mit Wachs verschlossen hatte, ging das dann schliesslich auch.


Als ich die sehr gut gefüllte Maroquinerie betrat, hatten die Briten Flotation Toy Warning gerade angefangen. Labelchef Sean von Talitres hatte bereits nach dem nachmittäglichen Soundcheck die Erwartungen weiter angeheizt als er postete, die Proben hätten sensationell geklungen. 

Und schön wurde es in der Tat! Popstar Researching Oblivion wurde angestimmt und die grandiose Studioversion klang auch live toll. Natürlich konnten nicht alle kleinen Details der Plattenversion wiedergegeben werden, weil dort mit so vielen Chören, Effekten, Geräuschen und Computerprogrammen gearbeitet worden war, dass es unmöglich war, das Ganze genau wiederzugeben. Die Bläserparts fehlten sogar gänzlich. Aber das hatte natürlich auch mit Kostengründen zu tun. Schon jetzt standen sehr viele Musiker auf der Bühne die bezahlt werden wollten, hätte man jetzt noch Bläser und Streicher eingeflogen, wäre das nicht mehr finanzierbar gewesen. "Trying to understand it all" croonte Bandleader Paul Carter und die feierliche Kammerpopatmosphäre des Stücks legte sich über die Maroquinerie. Nun wurden mit Controlling The Sea und Foxgloves viel versprechende Neulinge gespielt, die man 2017 auf ein neues Album pressen will.


Der Mittelteil des Konzerts war eine Art Dankeschön an Labelchef Sean und seine Mitarbeiter, die auf die Bühne zitiert wurden und zusammen mit der Band ein Lied im Chor sangen. Das anschliessende kurze Made From Tiny Boxes war für den heutigen Abend extra umgeschrieben worden, der Text war nun französisch! Die Parolen handelten logischerweise von Glückwunsch-und Dankesbekundungen an Talitres. Natürlich kam das gut an, es war auch wirklich eine nette, aufrichtig gemeinte Geste.


Der Abschluss erfolgte mit Even Fantastica, einem melancholischen Stück das fast schon vorweihnachtliche Stimmung verbreitete und besinnlich vor sich hin schlenderte, teilweise aber auch die für die Band typischen spacigen Weltraumpassagen aufwies.

Ein paar Tage später in Bordeaux klang das irgendwie noch besser, die Gruppe schien eingespielter zu sein, der Sound war nuancierter, meine Aufmerksamkeit und Empfänglichkeit höher. Zwar wurde auch hier nicht ganz das sensationelle Niveau der Platte erreicht, aber das Konzert war dennoch weit überdurchschnittlich.


Setlist Flotation Toy Warning

01: Postar Researching Oblivion
02: Controlling The Sea (neu)
03: Foxgloves (neu)
04: Driving 
05: When The Boat Comes Inside Your House
06: Sings, mit Sean von Talitres
07: Made From Tiny Boxes auf französich
08: Even Fantastica


Dann Motorama! Ich war gespannt wie ein Flitzebogen wie mir die neuen Songs von Dialogues in der Liveversion gefallen würden. Das Studioalbum selbst hatte ich noch nicht gehört, da ich ganz unbefangen an die Sache rangehen und das neue Material im Konzert entdecken wollte.


Sofort gab es 3 Neulinge hintereinander weg. Es wurde schnell klar, dass der Sound genauso basslastig wie früher, aber elektronischer und softer war. Synthieplayer Alex hatte mehr zu tun als früher, aber Drummer Oleg trommelte genau so schnell und stakkatisch wie bei der Tour zum letzten Album von Poverty. Von Letzgenanntem wurden heuer nur das herrlich melodiöse Heavy Wave und Corona gespielt, der Akzent lag ansonsten ganz klar auf Dialogues. Und die ersten beiden gespielten Stücke dieses aktuellen Outputs hatten es bereits in sich, sie gehören sicherlich zu den Highlights des Werkes und auch live kamen sie Tadellos rüber. Tell Me klang so wunderbar sanft, war catchy wie gewohnt und blieb schnell im Ohr hängen. Sign begeisterte ebenfalls.

Mit Wind in Her Hair und Above The Clouds liessen die Russen dann die Sonne rein, wer behauptet Motorama seien nur düster, wurde hier eines Besseren belehrt. Wind In Her Hair hatte fast ein tropical feeling mit seinen lässigen sonnengetränkten Gitarren. Es sollte nicht der einzige Titel von Alps bleiben, Ghost kam ebenfalls, der famose Titeltrack des Erstlings aber nicht, obwohl die Russen den Song gerne als Zugabe gespielt hätten. Aufgrund der recht späten Stunde und des frühen Curfews kam es aber im Gegensatz zum Vortageskonzert in der Maroquinerie nicht mehr dazu. Schade ! Gerade in der Schlussphase hatte Sänger (und Gitarrist und Bassist) Vlad Parshin mächtig aufgedreht, ja sich regelrecht in einen Rausch gespielt! Wild fuchtelte er mit seiner Gitarre bzw. seinem Bass um sich, tänzelte wie Elvis Presley auf Zehenspitzen hin und her schien wie von Sinnen zu sein. Seine Brille hatte er zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr auf. Bevor er ausrastet, zieht er die immer sicherheitshalber ab.


Das dynamische Finish hatte selbt diejenigen überzeugt, die vorher, unwissend wie sie waren, gegen Motorama gestichelt hatten. 

Am 12 November in Bordeaux wiederholten Motorama dann noch einmal die Show zu ihrem neuen Album und da ich die Stücke inzwischen besser kannte, kam ich noch mehr auf meine Kosten, hatte noch mehr Spass, selbst wenn das Publikum in Bordeaux eher schüchtern reagierte und sich kaum bewegete. Und dies obwohl vorne mit 350 Sachen gespielt wurde!

Setlist Motorama

01: By Your Side
02: Tell Me
03: Sign
04: Wind In Her Hair
05: Above The Clouds
06: I See You
07: Heavy Wave
08: Ghost
09: Hard Times
10: Holy Day
11: Alps
12: Reflection
13: To The South
14: Corona
15: Eyes 


Und wer fehlt noch in meiner Zusammenfassung ? Na klar, Emily Jane White! Die hatte wie erwähnt bereits am 9. November in Paris gespielt und stand dann am 12. November in Bordeaux als Erste auf der Bühne. Ich war gerade noch rechtzeitig angekommen und schleppte sogar meinen Reisekoffer mit rein, freilich nachdem ich minutenlang gefilzt worden war. Das Sicherheitspersonal hielt mich sicherlich für verrückt zu den Konzerten mit einem Koffer anzurücken, aber ich hatte keine Zeit mehr diesen vorher in die Wohnung meines mich beherbergenden Freundes zu bringen.

Den Auftritt von Emily Jane White genoss ich trotzdem in vollen Zügen, trotz meines bepackten Zustandes, denn den Koffer stellte ich einfach in eine Ecke und meinen Mantel hatte ich auch schnell ausgezogen.


Sehr erfreulich war der hervorragende Sound in der Venue, wirklich brillant und perfekt ausgesteuert, was da aus den Boxen kam. Und nicht nur zu meiner Freude war heute auch noch ein Geiger mit dabei, der sehr einfühlsam und virtuos spielte. Das Line Up komplettierten wie schon zur Tour im Frühjahr die Bassistin Laura aka Foxtails Brigade und der Drummer und Lover von Emily Jane namens Nick.

Das 2016 er Album gefällt mir ganz ausgezeichnet und natürlich lag auf diesem Machwerk auch der Schwerpunkt. Emily Jane White hat sich bei den neuen Songs wirklich auf ihre Stärken besonnen, Songs wie Frozen Garden oder Nightmares On Repeat glänzten mit wundervoller Instrumentierung, melodisch-melancholischem Ambiente, guten Texten und der sanftweichen Stimme von White.

Was die Lyrics anbelangt, beschäftigte sich die Kalifornierin auch mit aktuellen politischen Themen wie der Black Live Matters Bewegung, die die oft unberechtigte Polizeigewalt gerade gegen schwarze vermeintliche Straftäter anprangert. Black Dove ging unter die Haut, begeisterte durch regelrechte Trommelwirbel, tolle Chöre und eine verführerische Klaviermelodie. 

Oh Katherine vom Album Ode To Sentience widmete Emily dann Labelgründer Sean und als sie am Ende das sublime Dagger spielte, hatten alle im Publikum einen Kloss im Hals.

Unter dem Strich waren die Konzerte zum 15. Geburtstag von Talitres ein voller Erfolg. Es kamen viele Zuschauer, die Gigs waren exquisit und es wurde auch hinterher viel Vinyl verkauft.

Setlist Emily Jane White

01: Antechamber (neu)
02: Moulding (neu)
03: Frozen Garden (neu)
04: Hands (neu)
05: Rupturing (neu)
06: Nightmares On Repeat (neu)
07: Liza (Victorian America)
08: Stairs (Victorian America)
09: O Katherine (Ode to Sentience)
10: The Black Dove (neu)
11: Dagger( Dark Undercoat)


Sonntag, 24. November 2013

Pendentif, Paris, 14.11.13

0 Kommentare

Concert: Pendentif et The Pirouettes
Lieu: La Maroquinerie
Date: 14.11.2013
Spectateurs: 350 peut-être? Il y avait du monde en tout cas!
Durée du concert: 70 minutes je crois (et 30 minutes pour The Pirouettes)



Normalement cette pop à paillettes, qui brille de mille feux, qui se veut sensuelle, chic et dansante me laisse de marbre. Franchement c'est pas ma came. Moi je préfère du folk/rock dépressif, brut, mal coiffé. Laissez moi tranquille avec votre bonne humeur! 


Mais cela veut dire quoi "normalement?" Parfois cela peut être bien de ne pas faire la gueule et de s'amuser tout simplement. Et je me suis vraiment beaucoup amusé pendant ce concert ultra dynamique des bordelais Pendentif à la Maroquinerie! Oui ils font de la pop chic, oui c'est dansant, oui c'est ensoleillé, mais peu importe. Leur joie de vivre et leur plaisir d'être là ce soir était tout simplement addictif et pendant une bonne heure (de bonheur) je me suis laissé transporter par cette fougue juvénile, ce charme fou des compos, ce feu d'artifice de mélodies irrésistibles.


La belle chanteuse Cindy Callède (Quoi? elle est célibataire? Ça me fais une belle jambe, je suis marié moi!) y était pour beaucoup. Quel talent pour la scène cette jeune fille! Elle bougeait extrêmement bien, était toujours sexy, souriante et séduisante et semblait de s'amuser comme une folle. Avec sa belle voix douce plein de charme et d'innocence elle chantait ses paroles en français qui tournaient autour de l'amour, des mecs, la danse (et ça parlait aussi de "culs", "d'une saloppe", des mots que je comprends pas vraiment, petit allemand sage que je suis...)



Mais malgré la présence très forte de Cindy chaque membre avait son rôle important à jouer. Ceux qui m'ont le plus impressionné étaient le batteur très puissant et le claviériste/guitariste charismatique (Ariel Tintar). Il régnait un bon esprit dans le groupe, les musiciens jouaient en symbiose, c'était impressionnant.


Côté chansons il y avait plusieurs temps forts. Si je devais choisir mes chansons préférées ce serait peut-être God Save La France et Riviera. Les deux ultra mélodiques et entêtantes avec un bon groove, une basse un peu new wave et une batterie bien explosive. C'était agréable de constater que le tout ne sonnait pas exactement comme sur l'album Mafia Douce. Un album pourtant pas mal du tout, mais en live la musique de Pendentif dégage encore beaucoup plus de choses, c'est plus vivant et joyeux, on voit vite que c'est vraiment un groupe de live qui osait même reprendre Niagara (Tchiki Boum) et Jérôme Echenoz (Que Vais-je en Faire?)que je connaissais pas à vrai dire.



Normal donc que le public était très enthousiaste pendant toute la durée du concert. Beaucoup de gens dansaient sans arrêt, mais à la fin c'est devenu encore plus fou. La chanteuse est descendue faire un tour dans le public pendant le tube Embrasse Moi et pour souligner la sincérité des paroles elle a même donné de vrais bisous à quelques chanceux spectateurs! Le groupe a ensuite fait monter sur scène des gens du premier rang qui dansaient avec les musiciens pendant le dernier morceau Riviera. C'était un joyeux bordel qui a duré facilement 10 minutes et s'est terminé d'une manière parfaite. Un concert dynamique, euphorisant et  mémorable! Mais bon mon prochain concert dépressif ne va pas tarder, j'ai lolé assez pour le moment...



Setlist

01: Pendentif
02: Voltige
03: Panache
04: La Nuit dernière
05: Que Vais-Je en Faire?
06: Mafia Douce
07: Ondine
08: God Save La France
09: Tchiki Boum (Niagara)
10: Boulevard Du Crépuscule
11: 1er Juillet
12: Jerrycan

13: Embrasse Moi
14: Riviera

P.S: 




Encore un commentaire sur la première partie, assurée par The Pirouettes. C'est un très jeune duo plein de charme composé de Vickie Chérie et de Leo Bear Creek qu'on connaît comme batteur de Coming Soon. Quand j'ai vu Leo Bear pour la première fois il avait peut-être 14 ans et mesurait 1.45, maintenant il fait facilement 1,80-1,85. C'est fou de voir les jeunes grandir! Et il a aussi changé de style musical. Avec les Coming Soon c'est du freak folk, avec The Pirouettes c'est de l'électro pop 80ies (parfois sixties on songe à France Gall ou Françoise Hardy) ça sonne très bien. Les deux musiciens chantent et vicky a une voix tellement pure et douce que je ne pouvais pas rester de marbre pendant longtemps. C'était vraiment irrésistible de voir la jeune et jolie Vicki bouger comme une princesse. On assistait à une sorte de revival de la génération des "jeunes gens modernes", c'est-à-dire un revival de la new wave made in France avec des groupes comme Ellie et Jacno, Taxigirl et Marquis de Sade en tête. Mais The Pirouettes ne sont pas des copieurs, Is n'on pas connu les annßes 80 et ont déjà leur propre style bien à eux  Si je devais citer un morceau qui sort du lot je dirais Le Matin L'Eté Indien, mais en fait j'ai aimé chaque titre de ce concert qui durait seulement 30 minutes. A surveiller de tout près!

http://pirouettes.bandcamp.com/



Mittwoch, 3. April 2013

I Am Kloot, Paris, 23.03.13

0 Kommentare

Konzert:I Am Kloot (The Ralfe Band)
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 23.03.2013
Zuschauer: etwa 400
Konzertdauer: etwa 90 Minuten



Es gibt so ein par Indiebands, denen man schon lange den großen Durchbruch gönnt. Man sagt sich, die sind tausendmal geiler als Oasis und 1 Million mal besser als Coldplay, also warum verdienen die nicht die dicke Kohle? Etwa im Jahre 2006 dachte ich so zum Beispel von Elbow und auch von I Am Kloot. Ich fand die beiden Gruppen aus Manchester einfach total gut und wollte, daß die mal so richtig durchstarten.


Bei Elbow ist das tatsächlich passiert. Die sah ich im Sommer 2006 in der recht kleinen Maroquinerie (Kapazität 500 Plätze), in der Folge sind sie aber wirklich durch die Decke gegangen, vor allem in Großbritannien. Das Blöde an der Sache: inzwischen mag ich ihre Musik und ihr Gebaren nicht mehr. Damals war nur das Aussehen des Sängs Guy Garvey feist, nun ist es auch die Musik seiner Band geworden. Allein der kurze Auftritt bei den Olympischen Spielen in London war zum Gruseln.

Was Elbow mit I Am Kloot zu tun haben? Eine ganze Menge! Beide stammen aus der gleichen Stadt und beide sind sie seit 'ner Weile dicke Freunde. Also ich meine Guy is dick, John Brawell von I Am Kloot ist dünn. Aber sie arbeiten immer noch zusammen, Gurvey produzierte die letzten beiden Alben, das ist der springende Punkt. Und Guy weiß ja inzwischen, wie man Stadien füllt.

Amüsanterweise fand das I Am Kloot Konzert 2013 aber in der Maroquinerie statt. Genau in jenem Laden, in dem ich mir 2006 gewünscht hatte, daß Elbow mal groß würden und in glamouröseren Locations spielen könnten. Zumindest in Frankreich scheinen I Am Kloot also Indie zu bleiben, selbst wenn sie in England langsam aber kontinuierlich auch kommerziell erfolgreicher werden und sie mit EMI inzwischen auf einem Majorlabel veröffentlichen.


Aber letztlich waren dies alles nur Vorüberlegungen, denn der Gig von I Am Kloot war durchweg phantastisch, keine Spur anbiedernd und es gab auch keinerlei Hinweise dafür, daß die Band von John Bramwell nun dem Mainstream die Füße küssen würde. Zwar sind auf dem aktuellen Album ein paar Lieder etwas stärker orchestiert, aber von Bombast oder geschliffenen Kanten kann keine Rede sein. 

Die Stimme von Bramwell klang live in der Maroquinerie scharf und angriffslustig wie immer, die Band gebärdete sich angenehm bescheiden wie früher und der Sound war in vielen Phasen erstaunlich rockig, insofern schon ziemlich anders als auf Tonträger.


Brillante Songs gab es gleich reihenweise. Bullets vom neuen Album Let It All In beispielsweise. Bluesig-jazzig angehauchte Barmusik, die man sich bei gedimmten Rotlicht vorstellen könnte, zunächst langsam und sanft vor sich hinschlängelnd, dann gegen Ende hin saftig und sehr laut. "Should I tell you the tales of glory..." croonte Bramwell ganz formidabel.


Dann Masquerade, bester Britpop mit fabelhafter Melodie und guten Texten. Der Song klang jetzt schon wie ein Evergreen, wurde von John Bramwell perfekt gesungen. Mit seiner nasalen, leicht rauchigen und versoffenen Stimme gibt er jedem Song von I Am Kloot seine ganz besonder Würze, seine Unverkennbarkeit. Er kann mit ihr ganz unterschiedliche Stimmungen ausdrücken. Das Spektrum reicht von Melancholie bis hin zu Wut und Zorn. Zorn schien Bramwell vor allem gegenüber ein paar Leuten zu entwickeln, die in einer bestimmten Ecke der Maroquinerei schwätzten. Mitten in einem Song schrie er deshalb : "Shut up, shut up!", bevor er etwas später nachsetzte: "Hey you fuckers over there, you talking all the way through. I suppose your on the guest list? You didn't the 20 Euro (that's cheap!) pay right?




Aber das war nicht sonderlich aggressiv, sondern eher humorig gemeint. Ein böser Kerl ist John schließlich nicht, allerdings ein richtiger Streetfighter, einer der von dem man sagte, daß er eine Weile seines Lebens auf der Straße gelebt hat und Gitarre spielend mehr schlecht als recht seinen Unterhalt bestritten hat. Ein richtiger Haudegen also, der schon die üblen Seiten des Daseins kennengelernt hat und insofern gegen alles abgehärtet ist. Vielleicht schreibt er deshalb so schrecklich schöne Balladen wie Hey Little Bird oder The Same Deep Water As Me. Im Mittelteil trug er mit No Fear Of Falling und At The Sea gleich zwei Stücke solo vor, das war wundervoll.

Dann kam die insgesamt siebenköpfige Live Band (hoffe, ich habe richtig gezählt?!) zurück, in der auch auch ein Saxofonist und ein Akkordeonspieler ihren Platz hatten. Die Chemie schien zwischen den Bandmitgliedern (eigentlich sind sie ja ein Trio) zu stimmen, wenngleich Bramwell der unumstrittene Boss und Mittelpunkt war. Mit einem Fuß auf einen Becks Bier Kasten gestützt, sang er sich etwa 1 1/2 Stunden lang quer durch das Repertoire der Band und spielte mal neuere, mal ältere Songs. Zwar wurden die beiden letzten Alben Let I All In und Sky At Night am intensivsten beackert, aber auch alte Perlen von I AM Kloot und Natural History kamen zum Vortrage. Und die waren irgendwie nach wie vor am besten. An Kultsongs wie To You, Twist oder From Your Favourite Sky kam letztlich nichts ran, wenngleich Hold Back The Night, sicherlich der stärkste Song (gleich dahinter Some Better Day) des neuen Albums, auch ein Abräumer par excellence war. Langsam trippelte sich dieses Stück voran, wurde dann aber immer dichter und intensiver und dramatischer. Ein Song, der sich auch glänzend als Titeltrack eines James Bond Streifens machen könnte.

Nach 90 Minuten war jedenfalls ganz klar: I Am Kloot gehören in die Champions- League des Britpop, ganz egal was Verkaufszahlen sagen! Aber auch in dieser Hinsicht geht es immer weiter nach oben. Let In All In erreichte immerhin Platz 10 und somit die bisher höchste Chartplatzierung überhaupt.

Setlist I Am Kloot, La Maroquinerie, Paris

01: These Days Are
02: Northern Sky
03: Bullets
04: Shoeless
05: Masquerade
06: Hey Little Bird
07: Let Them All In
08: The SameDeep Water As Me
09: Hold Back The Night
10: No Fear Of Falling
11: At The Se
12: I Still Do
13: Fingerprints
14: To The Brink
15: Some Better Day
16: Lately
17: Radiation
18: Proof

19: Twist
20: From Your Favourite Sky
21: To You



Mittwoch, 27. Februar 2013

Motorama, 25.02.13

0 Kommentare

Konzert: Motorama (Wovenhand, Don Cavalli)
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 25.02.2013
Zuschauer: ausverkauft (etwa 500)
Konzertdauer: eine knappe Stunde




Ein bildhübsches blondes Model war zu Gast beim Konzert von Motorama in der Pariser Maroquinerie. Hohe Wangenknochen, strahlend blaue Augen, bestimmt 1,80 groß, sofort hatte ich die Vermutung es mit einem Mannequin aus Russland zu tun zu haben. Meine Vorahnung bestätigte sich hinterher. Die Schönheit war eine alte Freundin von den Bandmitgliedern von Motorama und stammt wie sie aus Rostov-On-Don im Kaukasus. Aus dieser kalten Ecke scheinen erstaunliche Leute zu kommen. Natürlich gibt es dort sicherlich nicht nur aufstrebende Popbands und potentielle Topmodels, sondern auch viel Armut und einfaches Leben, aber irgendwie muss es auch ein guter Nährboden für Talente sein. 1000 Kilometer von der Kapitale Moskau entfernt, lebt man sehr autark und abgeschottet von westlichen Vergnügungen, hat aber gerade durch das Internet einen Draht zur Welt. Provinzler sind die Menschen dort sicherlich nicht, schließlich hat die Stadt etwa 1 Million Einwohner. Dennoch: bekannte Konzertlocations und Modelagenturen gibt es dort nicht, wenn man es auf diesen Gebieten zu etwas bringen will, muss man raus in die weite Welt. Für Motorama hat dieser Weg nach draußen etliche Jahre gedauert. Die Band wurde schon Anfang 2000 gegründet und hat sich in den Kellern Russlands schon lange die Finger wund gespielt. Vielleicht würden sie immmer noch dort auftreten, wenn nicht Sean, der Labelchef des in Bordeaux ansässigen Labels Talitres, die Gruppe gesignt hätte. Plötzlich war es vorbei mit selbstgebrannten CDs wie dem Vorgänger Alps, den man noch wie vor gratis im Netz runterziehen kann, wenngleich die Gruppe nach wie vor Videos und T-Shirts in Eigenregie herstellt. Ihre Bodenständigkeit scheinen sie trotz des mittleren Hypes um sie trotzdem nicht verloren zu haben. Sie stellen sich selbst noch an den Merch Stand, verkaufen Platten und T-Shirts und erklären den Leuten geduldig, welchen See man auf dem Cover des Albums Calendar sehen kann und was der russische Schriftzug auf den Shirts bedeuet. Alles Handarbeit also, obwohl man ihnen teilweise unberechtigerweise vorwirft, ein Kunstprodukt zu sein und nur Joy Division zu klonen.

Ich selbst war vorher auch skpetisch ob dieser Ian Curtis Nachfolger aus Rostov on Don was taugen würde, wurde aber beim übewältigenden Konzert im Point Ephémère Ende letzten Jahres eines Besseren belehrt. Der Gig hatte mich so umgehauen, daß ich ihn zum Konzerte des Jahres 2012 wählte.

 

Enstprechend hoch war die heutige Erwaltunsghaltung und - ich kann es vorwegnehmen-, die turmhohen Erwartungen konnten nicht ganz erfüllt werden. Schuld daran waren einige schwierige Bedingungen. Die Band war erst sehr kurzfristig in Paris angekommen, hatte keine Zeit für einen ordentlichen Soundcheck und musste diesen ganz kurzfristig auf der Bühne selbst durchführen. Dort stand dannn dummerweise noch eine fette Marschall Box im Weg rum, die von dem danach startenden Wovenhand gebraucht wurde. Sänger Vladislav war daher gezwungen, sein Mikrofon seitlich aufzubauen und schräg dort reinzusingen. Angesichts seines enormen Bewegungsradius und gewaltigen Tatendrangs war das ein starkes Handicap, er wirkte oft ein wenig beängt und hatte Angst über die Box hinter ihm zu stolpern. Der großgewachsene Bursche braucht nun einmal viel Platz, er liebt es, ausladende Bewegungen zu machen, mit seiner Gitarre rumzufuchteln und von links nach rechts zu springen. 


Seine Ehefrau, die Basseri Irene ist da sparsamer. Sie steht meistens  mit unbewegter Miene auf der Stelle, überrascht aber immer wieder mit unerwarteten Ausbrüchen, bei der ihre Haare wild durch die Luft fliegen. So war es vor ein paar Monaten im Point Ephémere und so war es auch gestern in der Maroquinerie. Eine unberechenbare Liveband. Manchmal wirken sie recht statisch, dann aber wieder sind alle in Bewegung.

Typisch scheint mir zu sein, daß sie eine gewisse Zeit brauchen, um warm zu werden. Die ersten drei Lieder verliefen deshalb auch recht ruhig, aber gegen Ende wurde es immer aufgepeitschter und exzesssiver. Schade, daß die Leute im Publikum kaum ragierten. Trotz äußerst tanzbarer, rasant schneller und zackiger Rhythmen, standen die meisten nur rum.

Dabei waren gerade Stücke wie Alps oder One Moment so mitreißend, daß man eigentlich Pogo hätte tanzen können.


 
Eine knappe Stunde lang performten die Russen Lieder ihrer beiden Alben und erteilten ähnlich gelagerten britischen Bands eine Lehrstunde im Post Punk Revival. Hier gab es keinen Bombast wie bei den White Lies oder Glasvegas, auch keinen gothischen Trauermarsch wie bei Iliketrains, sondern Tempo, Tempo, Tempo und Melodien, Melodien, Melodien. Umwerfend war das, zumindest in den besten Momenten, wie bei den Supernummern To The South oder Image. Nie verloren Motorama ihre Leichtfüßigkeit und Eleganz, nie wurde es episch  und schwülstig, immer war alles herrlich tanzbar, taufrisch und aufregend.






Und eines wurde ganz deutlich: der Joy Division Vergleich hinkte trotz der verhallten Grabesstimme von Vlad gewaltig.

 
Im Grund genommen klingen Motorama live ohnehin weniger nach Joy Division als nach The National oder Tindersticks auf Speed, aber ohne deren Altherrenattitüde und ihr einschläferndes Phlegma. Also keine Musik für alte melancholische Waver, die heutzutage im Clubsessel Rotwein trinken und zu Vanderlyle Crybabdy Geeks mitsummen, sondern moderne, sehr flotte und abgehakte Klänge ähnlich wie bei den Good Shoes oder den Maccabees, die auch New Wave Nostalgikern wie mir, die mit The Cure und New Order groß geworden sind, wahnsinig gut gefallen.


Toll war natürlich auch der Look. Motorama sahen aus, als wollten sie gleich noch auf den Tennisplatz.Vlad trug ein Polo der Marke Tacchini (wie John McEnroe damals), Irene ein tailliertes Damentennishemd, strahlend weiße  Sneakers und eine hautenge schwarze Legging, die ihren straffen Po wunderbar betonte.

Kurzum, es war schwer für mich da zu widerstehen. Tennis in Kombination mit Post Punk Revival Musik, das ist so ziemlich alles, was ich liebe. Ich hatte also, trotz der Tonproblemchen und des Platzmangels eine wunderbare Stunde mit Motorama und bedauerte, daß es nicht noch ein bißchen länger ging.

Don Cavalli hate zuvor mit seinem Altherrenblues gelangweilt, während Wovenhand am Ende den grimmigen schwarzbehüteten Cowboy raushängen ließ. Der Bursche schaute die Leute in den ersten Reihen mit seinen stechend blauen Augen sauböse an, fast wie ein Ostberliner Grenzbeamter beim Überschreiten der innerdeutschen Grenze damals vor der Wende. 

Der Sound von Wovenhand war bleischwer und höllisch laut, aber meine Frau, die endlich mal wieder mit mir bei einem Konzert war, hatte schon nach drei Liedern keinen Bock mehr. Wir gingen darum oben ins Restaurant und ließen den Abend bei Wein und einem ordentlichen Essen gemütlich ausklingen.

Motrorama werde ihren Weg gehen, soviel steht fest und 2013 werden alle die ihre Shows sehen merken, daß wir es hier nicht mit Klonen, sondern einer originellen tollen Band zu tun haben.

Aus Rostov-On Don kommen wirklich interessante Leute. Hach verflixt, warum habe ich keine Email oder Handyadresse von diesem russischen Model notiert?!

Setlist Motorama folgt!

Deutsche Tourdaten Motorama:

04.03.2013: Druckluft, Oberhausen
05.03.2013: Komma, Esslingen
06.03.2013: Schlachthof, Wiesbaden
07.03.2013: Ostpol, Dresden
08.0.30213: About Blank, Berlin
09.0.30213: Molotow, Hamburg




Sonntag, 10. Februar 2013

Peter Doherty, Paris, 05/02/2013

7 Kommentare


Konzert: Peter Doherty
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 05.02.2013
Zuschauer: ausverkauft, etwa 450-500
Konzertdauer: 75 Minuten


Ist Pete Doherty einer der letzten Rock'n Roller?




Es scheint fast so. Selbt in der Indie-Szene ist man heutzutage umzingelt von formatierten Bands mit Streberlook, straff kalkulierten Karriereplänen und Bausparvertag. Man gucke sich nur die braven Jünglinge von Vampire Weekend an. Oder James Blake. Oder Grizzly Bear. Alles Schwiegermütters Lieblinge. Doherty ist hingegen der Liebling der Enkelin (aber auch der Liebling aller Spießer, die davon träumen, auch einmal so wild und ungezügelt zu leben).

Vielleicht erklärt sich daher seine Anziehungskraft. Er ist unberechenbar, hält sich an keine Regeln, unterwirft sich nicht den Marktmechanismen der Musikszene.

Ein Künstler kann nur touren, wenn er ein aktuelles  Album zu vermarkten hat? Gilt bei Doherty nicht! Seit 4 Jahren hat er nichts veröffentlicht, dennoch spielt er, wenn er gerade Bock hat und ihn Leute sehen wollen. Und gerade in Paris ist das immer der Fall. 1000 Leute zieht er locker, die beiden schnell ausverkauften Gigs in der 500 Leute fassenden Maroquinerie haben das erneut bewiesen. Dabei war er bereits vor ein paar Wochen erst im Bus Palladium aufgetreten. Bei anderen Musikern würde das ein Risiko darstellen - schließlich sind die Leute schnell übersättigt- , bei Pete hingegen ist das kein Problem.

Ein Musiker muss um 21 Uhr auf der Bühne stehen? Auch das gilt bei Doherty nicht. Er nimmt sich alle Freiheiten der Welt, lässt in schöner Regelmäßigkeit erst einmal völlig unbekannte (und meist schlechte) Vorgruppen auftreten, bevor er erscheint. Bei den letzten Konzerten im Bus Palladium und im Gibus spielte er erst ab 24 Uhr. Wohlgemerkt reden wir hier nicht von einer Verspätung, sondern die Ansetzung sah dies so vor.  Da war es heuer in der Maroquinerie schon früh, Peter war planmäßig um 22 Uhr 30 vorgesehen und mit etwa 20 Minuten Verspätung kam er dann auch eingetrudelt (am Vortag soll er vier Minuten zu früh dagewesen sein!)


Mit Zigarette im Mund, schließlich ist er ein Rockstar alter Schule und die rauchen (und saufen) halt eben. Wir waren nun mal nicht bei Chris Martin. Pete mit Kippe im Mund konnte folglich die erste Minute gar nicht singen, weil er am Glimmstengel ziehen musste und spielte stattdessen erst einmal ein langes Gitarrenintro. Sagenhaft! Jetzt könnte man natürlich sofort sagen: "was sollen die Mätzchen, ist doch eine Frechheit?" Dann würde man aber vergessen, daß wir nun einmal bei einem Konzert von Doherty waren und da gelten eben anderen Regeln. Symptomatisch dafür ist, daß auch das Publikum trotz Verbots immer ungeniert raucht. Und kein Spießer würde sich trauen, die Raucher dafür von der Seite anzupöbeln. Wohlgemerkt, ich bin Nichtraucher, aber ich finde, daß sich die Raucher auch ab und zu mal ausleben müssen. Fast habe ich den Verdacht, daß auch die Security vorher angewiesen wird, Qualmerei nicht zu unterbinden. Christoph hat  beim Konzert von Pulp selbst mitbekommen, daß Tabaksüchtige  normalerweise sofort von bulligen Ordnern gezwungen werden das Ding auszumachen, bei Doherty war das noch nie so.




Und getrunken wird und wurde natürlich auch, wenngleich das Publikum heute sehr reif und diszipliniert war und es keine Besoffenen gab, die wild reingröhlten. "Je veux du Champage -ich möchte Champagner", hatte Pete dann auch etwa in der Mitte des Sets halb scherzhaft gefordert, nachdem er ganz am Anfang witzigerweise (und warum auch immer) die Leute gefragt hatte: "voulez vous de l'eau -möchten sie Wasser?"


In einer Stadt wie Paris, in der es seit etwa zwei Jahren strikt verboten ist, in Parks Alkohol zu konsumieren, ist das eine Wohltat. Wo driftet die Rockszene eigentlich sonst hin? Rauchen und saufen bis die Schwarte kracht, daß gehörte früher zu Punkrockkonzerten wie selbstverständlich dazu, heute muss man da schon nach Wacken fahren, um diesen rauschhaften Genüssen zu frönen. Man muss es ja nicht so wild und animalisch  treiben wie die fiesen Heavys, aber ein paar Gläschen dürften doch drin sein.

Ich selbst rauche nicht und trinke höchstens ein Bier, aber als junger Mensch hätte ich Konzerte gemieden, wo ich mir nicht die Birne zuknallen kann. Rockkultur ist auch gelebter Protest gegen zu strenge Regeln. Irgendwo müssen sich die Youngsters auch mal austoben dürfen, sonst behalten sie bleibende Schäden von ihrer Enthaltsamkeit.

Dass Doherty von seiner Drogensucht bleibende Schäden behält, hoffe ich indess nicht. Es wäre naiv zu glauben, daß er von dem Scheißzeug weg ist, selbst wenn er sich wie heute in toller Form präsentierte. Irgendwer, am besten ein guter Freund, seine Freundin, wer auch immer, müsste ihm helfen, sich ordentlich und langfristig zu therapieren, sonst wird es ein böses Ende geben.


Aber erfreuen wir uns trotz dieses beunruhigenden Hintergundwissens einfach mal daran, daß er heute eine wirklich super Figur abgab. Der Gesang war wunderbar und nicht von den sonst leider üblichen Lallerei durchsetzt, sein Blick klar und aufmerksam und sein sonst so chaotisches und unsicheres Gitarrenspiel sicher und melodisch.

Bei früheren Konzerten ist es desöfteren passiert, daß er Lieder in der Mitte abbrach, weil er den Text oder die Melodie vergessen hatte, oder daß er einen Song anspielte und dann einen ganzen anderen mittendrin hinterherschickte. Heute gab es so etwas zum Glück nicht. Da hatte man fast den Eindruck, er hätte ganz gegen seine Gewohnheiten vorher ein wenig geprobt und sich zumindest im Kopfe eine Setlist zusammengelegt.


Eine Setlist, die im Übrigen wohltuend von früheren Konzerten abwich. In den letzten 24 Monaten hatte ich so langsam aber sicher das Gefühl bekommen, Doherty würde im Stile eines Zirkusmenschen einfach mit seinen alten Libertines-, Babyshambles und Solo-Nummer für Jahre durch die Lande ziehen, immer genau das Gleiche spielen und nie an neuen Stücken arbeiten. Eine Art Dauervermarktung alten Ruhms. Heute aber hörte man neue bzw. selten gespielte Songs und am Vortag soll er sogar sechs nagelneue Tracks präsentiert haben. Einige von ihnen werden es dann auch auf sein zweites Album bringen, daß sogar noch für 2013 erwartet wird. Es geht endlich voran! Und als wäre diese nicht der guten News genug, erwähnte Peter fast beiläufig, daß die Babyshambles bereits am 14. März mit einem neuen Drummer live in Paris spielen werden. Für richtige Fans wie mich, denen es in erster Linie darum geht, daß sich der Künstler Doherty weiterentwickelt und nicht jahrelang auf der Stelle tritt, ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk.

Was hat er also nun so alles gespielt?

Gleich zu Beginn gab es den tollen Song The Whole Word Is Our Playground, der zwar uralt ist, aber selten gespielt wird. Eine spitzenmäßige Nummer, die man am besten ein bißchen aufpoliert und aus neue Album packt, schließlich passiert es häufig, daß auch alte Songs auf aktuellen Alben erscheinen und zwar bei allen Musikern und Bands.
 
Dann kam For Lovers, der Song den er zusammen mit Wolfman geschrieben hatte, bevor Don't Look Back Into The Sun (seinem Pariser Nachbarn Renée gewidmet, der im Publikum war) für deutlich mehr Dampf und Mitsingerei sorgte. Gut vorgetragen wie heute, haben diese alten Libertines Lieder nichts von ihrer Faszination verloren, es sind wirklich Evergreens. Das galt auch für das poetische Music When The Lights Go out etwas später, das Doherty oft und gerne spielt, aber nie so gut wie an jenem 5. Februar. "Is it cruel or kind not to speak my mind, and to lie to you rather than hurt you?" Das war so schön und berührend, daß es mir eine kleine Gänsehaut über den Rücken jagte (ich alter Romantiker).



Vorher hatte ein spitzenmäßiges Cover in der Form des Sandie Shaw Songs Always Something There To Remind Me für blendende Stimmung gesorgt. Noch besser war sie allerdings bei What Katie Did, da sangen alle aus voller Kehle den Schubschubdilalila-Singalong mit.

Höhepunkt des Sets (vor den Zugaben) dann aber ganz klar Down For The Outing, eine unwiderstehliche Pfeifnummer, die auf nahezu geniale Weise zwischen Euphorie und Melancholie hin und her wippte.

Spitze auch das nachfolgende Gambling Man mit einer gewissen Prise Country Feeling und ebenfalls ganz großartig die abgewandelte Version mit herrlichen Tempowechseln von The Good Old Day ("if you've lost your faith in love and music then the end won't be long").

Zu diesem Zeitpunkt war schon klar, daß das Konzert mit mindestens der Note "gut" einzustufen war. Aber es war noch nicht ganz vorbei und die letzten 35 Minuten hatten es auch noch in sich.





Jetzt las er aber erst einmal in Landessprache einen langen französischen Fanbrief vor, bevor er das Schriftstück zur Seite legte und ganz lässig verkündete: "Incidentally Babyshambles are getting back together avec un nouvel batteur. We play at Bus Palladium in Paris march 14th!

Sprachs, griff sich unter dem Johlen der Zuschauer seine Gitarre und schmetterte mit viel Pfeffer What A Waster, den alten Libertines Song.




Drei Lieder später hatte dann die blutjunge Französin Melody Says einen Gastauftritt bei Sheepskin Tearway und blies mit der Kraft von 10 Pferden (hatte sie Lasagne von Fundus konsumiert?) in ihre Mundharmonika. Ihre Stimme war weniger beindruckend, aber für sie war das mit Sicherheit einer der aufregendsten Tage ihres Lebens.




Es folgte eine super sentimentale Version von Back From The Dead mit einer Gitarre, die wie ein Bass klang und einem Drummer, der sich ganz plötzlich hinzugesellt hatte. Nun wurde aus dem Liederabend ein fetziges Rockkonzert, das gewaltig aufrüttelte. Die Stimmung war ab jetzt deutlich ausgelassener und auch chaotischer, was aber nicht zu einem wilden Freejam führte. Doherty blieb trotzdem konzentriert und spielte am Ende das Zigeunerlied Ballad of Grimaldi, eine Schunkelnummer, erst sentimental, im zweiten Teil aber irre schnell mit wild rumhüpfenden Tänzerinnen und unfassbar schrammeligen Gitarren. Ein hammermäßiger Abgang!




Das schnellste Lied des offiziellen Sets, das auch einen Vorgeschmack auf die unglaublich rockige, bzw.punkige  Zugabe in der Form von Pipedown von den Babyshambles gab. Eine richtige Band (wer das genau war? keine Ahnung, ist aber auch egal!) war hinzugestoßen und nun wurde Vollgas gegeben. Peter hatte sein Jacket ausgezogen und auch der Hut war weg. Er war so aufgepeitscht, daß er ins Publikum sprang. Die Ordner hatten viel Mühe, den großgewachsenen Briten wieder auf die Bühne zu ziehen, was den Musiker nicht daran hinderte, nach dem Beatles Cover* Twist And Shout erneut in die Menge zu hüpfen. Er hatte wirklich wahnsinnig viel Spaß an der Sache, grinste über beide Ohren und verließ dann nach 75 vorzüglichen Minuten schweißgebadet die Bühne.




Endlich einmal hatte Peter wieder sein großes Potential voll ausgeschöpft. Bleibt zu hoffen, daß er dieses Niveau halten kann. Leider ist das alles andere als selbstveständlich, denn man darf bei aller Euphorie nicht vergessen, daß er nach wie vor abhängig ist und Abstürze somit vorprogrammiert sind.

Aber verdängen wir dies heute mal und attestieren dem sympathischen Chaoten ein absolut denkwürdiges Konzert!

Konzert Peter Doherty, La Maroquinerie, 05/02/2013

01: The Whole World Is Our Playground
02: For Lovers (Wolfman)
03: Don't Look Back Into The Sun (The Libertines)
04: The Last Of The English Roses
05: Always Something There To Remind Me (Sandie Shaw)
06: Music When The Lights Go Out (The Libertines)
07: What Katie Did (Babyshambles)
08: Down For The Outing
09: Gambling Man
10: The Good Old Days (The Libertines)
11: What A Waster (The Libertines
12: Love Reign O'er Me (Babyshambles)
13: Cell Ceiling Blues (Nothing Comes To Nothing)
14: Sheepskin Tearaway (mit Melody Says)
15: Back From The Dead (Babyshambles)
16: Arcady
17: The Ballad Of Grimaldi

18: Pipedown (Babyshambles)
19: Twist And Shout (Top Notes, Isley Brothers, The Beatles)

*cool bleiben, ich weiß, daß das Original von den Top Notes stammt und die Isley Brothers den Song vor den Beatles gecovert hatten.






Montag, 15. Oktober 2012

Lucy Rose, Paris, 11.10.12

1 Kommentare

Konzert/Concert: Lucy Rose
Ort/Lieu: La Maroquinerie Paris
Datum/Date: 11.10.12
Zuschauer/Spectateurs: environ 200
Konzertdauer/Durée du concert: 1 heure

Anmerkung: cool bleiben, der deutsche Text kommt auch in Kürze!
 
La première fois que j'ai vu Lucy Rose c'était  fin 2008. À l'époque elle faisait les choeurs pour Razorligt au Bataclan. 
 
Par souci de précision j'avais à l'époque pris des photos de tous les musiciens. Je ne savais pas que cette jeune fille rousse était Lucy Rose et qu'elle allait jouer 4 ans plus tard dans l'une des plus belles salles de la capitale, la fameuse Maroquinerie (même si elle est seulement à moitié pleine ce jour là). Et je n'imaginais pas non plus qu'elle allait vendre tant de disques de son premier album Like I Used To pour atteindre la 13ème place dans les charts britannique. Si on exagère un peu, elle a en ce moment plus de succès que Razorlight, qui sont dans une crise. 



Paradoxalement c'est un ancien du groupe de Johnny Borrell, le guitariste suédois Björn Agren, qui joue les jolies mélodies de guitare dans le groupe de Lucy Rose maintenant. Et c'est aussi lui qui a produit l'album. Cela se ressent, même si on ne peut pas dire que Lucy Rose sonne exactement comme du Razorlight. Mais entouré de tout un groupe (dont un musicien de Broadcast 2000 à la basse) on ne peut plus qualifier sa musique comme du folk, mais plus comme de la pop avec des touches jazzy blues par ci par là. A ces débuts Lucy était vraiment proche d'une Laura Marling, avec son jeu de guitare minimaliste et son instrumentation dépouillée, c'était vraiment du folk dans son état pur.

Mais bon, accordons à la jeune britannique,  performant sur un tabouret surélevé ce soir, le droit de se développer et de changer un peu son style. Il faut admettre qu'elle a plein d'idées et ne se satisfait pas d'écrire des morceaux touts ronds, tout lisses et gentillets pour mieux vendre. Elle travaille plutôt avec des changements de rythmes, de vitesse et de sonorités assez surprenants, le tout prend presque un côté expérimental. Je me demande si parfois elle ne va pas trop loin dans cette exercise, parce qu'il n'y pas beaucoup de chansons qui accrochent vraiment l'oreille. Elle n'a donc pas un véritable hit si ce n'est Middle Of The Head qui semble être le titre le plus attendu par le public et met le feu à la Maroquinerie assez calme jusque là. 


Avec chaque chanson jouée, Lucy gagne en confiance et se détend, avouant qu'elle était stressée avant le concert, en apprenant que Radiohead ("le meilleur groupe du monde" selon elle) joue le même soir qu'elle. "Thanks for picking me over Radiohead that really means a lot to me", dit-elle en souriant pour enchaîner d'une manière un peu cynique: "or maybe all the tickets for Radiohead were already gone"...

Sa voix est douce et calme et ne ressemble pas trop à sa voix assez grave quand elle parle. Elle doit la forcer un peu plus que sur son album puisque son groupe joue assez rock et fort parfois.

A noter également qu'il y a une fille dans le groupe qui joue un instrument très intéressant, que j'ai vu une seule fois auparavant, c'est un violoncelle électrique qui a un son très beau et envoûtant.

Mon titre préfére du set s'appelle Scar. Il est charmant, sensible et poétique et doté d'un rythme légèrement reggae.

Après 45 minutes Lucy Rose clôt par un dynamique Bikes, avant de revenir  sous des applaudissements incroyablement enthousiastes pour le rappel Don't You Worry.

Le concert a visiblement plu, puisque la vente de disques, assurée par l'artiste même, se passe très bien et beaucoup de fans réclament une photo avec Lucy comme souvenir.

Setlist Lucy Rose, La Maroquinerie, Paris

01: First
02: Red Face
03: Lines
04: All I've Got
05: Shiver
06: Night Bus
07: Scar
08: Place
09:Middle Of The Bed
10: Watch Over
11: Bikes

12: Don't You Worry

P.S.: La première partie a été assurée par un duo allemand, Pär Lammers et Daniel Schaub alias Jack Beauregard de Cologne. Leur folk pop assez proche de Peter von Poehl ou de Syd Matters, était bien agréable, même s'il manquait un peu de variations.



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates