Sonntag, 29. Mai 2011

The National, Barcelona, 27.05.11



Konzert: The National
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 27.05.2011
Zuschauer: irre viele auf einer neuen, sehr großen Bühne
Dauer: 80 min


Am Ende kam ich ins Schwitzen, denn auf der ganz weit entfernten Bühne sollten in zehn Minuten Belle & Sebastian beginnen. Matt Berninger sang gerade "I was far away". Aber About today rechtfertigte das Schwitzen; so wie das ganze Konzert. Zum zigten Mal The National zu sehen, ist nicht originell, keine Frage. Aber wenn solche Festivalauftritte eben immer sichere Jahres-Top-Ten Kandidaten sind, pfeife ich gerne auf Originalität.

Es geht kaum besser. Der Beginn, die ersten sechs Lieder, waren irre. Los ging es mit Start a war, das The National viel zu selten spielen. Ansonsten war der Start nicht ungewöhnlich: Mistaken for strangers, Slow show, Squalor Victoria, sowie Anyone's ghost und Bloodbuzz Ohio vom aktuellen Album sind Standardprogramm - allerdings alles andere als üblicher Konzertstandard. Eindrucksvoll wie immer vor allem das herausgebrüllte Squalor Victoria. Gottseidank war vorne in der Mitte der Klang gut. Später, als ich mich schon mehr und mehr an den Rand fallen ließ, wurde der Sound mit jedem Meter schlechter. Der riesige Platz vor der neuen Bühne scheint schwer zu beschallen zu sein.

Aber mittig wurde laut gesungen, während Matt Berninger, die Dessners und die Devendorfs und die zusätzlichen Bläser ihre Hits um die Ohren knallten. Es gab immer wieder Jubel während der Lieder. Die Stimmung war zwar nicht annähernd so elektrisiert wie im vergangenen Sommer beim Latitude Festival, das Vergnügen, dieses Konzert zu sehen, war aber nicht viel geringer.

Nach den ersten sechs Knüllern, rief der bärtige Sänger einen Gast auf die Bühne: Sufjan Stevens, der kurz vorher seinen zweiten Auftritt im Auditori hingelegt hatte. Ganz ehrlich: viel von seinem Gesang habe ich bei Afraid of everyone nicht gemerkt, aber egal, ich mag solche Gastauftritte, stelle mir immer wieder vor, wie bei ein paar
Frühstücksbierchen im Teamhotel solche Sachen ausgeheckt werden. Sufjan hatte den Neon-/Flügel-Kram gegen Cowboy-Hut getauscht, stellte sich ganz links an den Rand und ging nach seinem Lied wieder backstage.

Daß das Konzert das Tempo der ersten Hälfte nicht halten konnte, war klar. Schlechter als hervorragend wurde es aber trotzdem nicht, das können The National wohl nicht mehr. Irgendwann wird auch bei den Amerikanern ein richtig dürftiges, auf das Lady Gaga versaute Ohr des normalen Radiohörers getrimmtes Album erscheinen, das vermutlich auch live nicht mehr zu retten sein wird. Aber bis das passiert, werden ihre Auftritte laut, rau und gut sein.

Höhepunkt in dieser zweiten Hälfte war All the wine, weil es mich überraschte. Das Stück, das zuerst auf der Cherry Tree EP erschienen war, spielen The National nicht
sehr oft. Als ich schon Am Rand stand und auf den - wie ich dachte - unvermeidlichen Schlußpunkt, das akustische Vanderlyle crybaby geeks wartete, setzte den aber ein anderes ruhiges Stück, das ich tausendmal mehr mag, About today. Welch ein Abschluß eines wundervollen Konzerts!

Setlist The National, Primavera Sound Festival, Barcelona:

01: Start a war
02: Anyone's ghost
03: Mistaken for strangers
04: Bloodbuzz Ohio
05: Slow show
06: Squalor Victoria
07: Afraid of everyone (mit Sufjan Stevens)
08: Conversation 16
09: Abel
10: All the wine
11: Sorrow
12: Apartment story
13: England
14: Fake empires
15: Mr. November
16: Terrible love
17: About today

Links:

- aus unserem Archiv:
- The National, Eindhoven, 18.02.11
- The National, Paris, 23.11.10
- The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07




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