Sonntag, 29. Mai 2011

Mercury Rev, Barcelona, 28.05.11


Konzert: Mercury Rev performs Deserter's Songs
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 28.05.2011
Zuschauer: etwa 2.500 (nicht ganz volle Auditorium)
Dauer: 95 min


Unsäglicher Kitsch oder große Kunst? Es ist wohl beides. Mercury Rev spielten ihr als Meisterwerk geltendes Album Deserter's Song im Konzertsaal außerhalb des Festivalgeländes des Primavera Festivals und wären trotz der hervorragenden Akustik bei mir sang- und klanglos untergegangen, wäre ich nicht unerklärbar milde gestimmt gegenüber diesem Album und dieser Band. Die pathetischen Gesten des Jonathan Donahue sind fies, die Songs schmalzig, die Samples aus Stille Nacht, Ein Herz kann man nicht reparieren und I got you babe nicht zu ertragen. Eigentlich. Aber wenn ich die Platte höre, stört mich nichts davon und auch live überkam mich höchstens mal ein "das kann er jetzt aber wirklich nicht machen"; lächelnd.

Unser Entschluß, ins Auditori zu gehen, war recht spontan gefällt worden. Weil wir keine Reservierung für dieses Konzert hatten, mussten wir uns in die sehr lange Schlange stellen und hoffen, reinzukommen. Es war knapp, klappte aber. Zu den ersten Klängen des Eröffnungsstücks Holes kamen wir in den dunklen Saal. Auf dessen Bühne standen sehr viele Musiker (sechs? sieben?), alle machten eklige Rockstargesten, es gab Nebelschwaden, eine singende Geige. Mich erinnerte das an die "Kinder der Welt" Puppentheater-Gala im Phantasialand, die ich als Kind einmal gesehen habe. Es war also toll, zumindest, wenn man auf Rockmusicals steht.

Überwältigt von den ersten Eindrücken genoss ich das Konzert mehr und mehr. Mein Gott, hat er eben das ganze Konzert über das eine Bein auf der Monitorbox!

Trotz der Nähe zum schrecklichsten Kitsch sind die Stücke von Deserter's Songs faszinierend. Endlessly, das ist das Lied mit dem "schlafe in himmlischer Ruh" Sample und den hohen Gesängen, ist großartig. Wenn es dann noch in solch
gigantisch guter Akustik vorgetragen wird, vor 2.500 andächtig lauschenden Menschen, gehe ich doch locker über all die fiesen Elemente hinweg! Kunst ist das!

Toll das wilde Ende bei Opus 40 mit seinen Postrockelementen, toll die immer wieder eingesetzte singende Säge, toll auch
Delta sun bottleneck stomp, das so an Ein Herz kann man nicht reparieren erinnert. Oder das letzte Stück The dark is rising, an dessem Ende Jonathan Donahue auf die Knie fiel. Das gehörte nämlich wirklich dazu!

Setlist Mercury Rev, Primavera Sound Festival, Barcelona:

Deserter's Songs:
01: Holes
02: Tonite It Shows
03: Endlessly
04: I Collect Coins
05: Opus 40
06: Hudson Line
07: The Happy End (The Drunk Room)
08: Goddess on a Hiway
09: The Funny Bird
10: Pick up If You're There
11: Delta sun bottleneck stomp
Extras:
12: Solsbury Hill (Peter Gabriel Cover)
13: The dark is rising



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